Bergbau in Neuenbürg

Aufmerksame Wanderer stoßen bei ihren Ausflügen in die Wälder um Neuenbürg gelegentlich auf tiefe Mulden, Gräben oder Gesteinshalden mit Schwerspat und Eisenerzstücken. Diese Veränderungen im Gelände und Flurnamen wie „Eisenwald“, „Eisenertann“ oder „Erzwasch“ lassen erkennen, dass es sich hier um ein ehemaliges Bergbaugebiet handelt.

Bergbau in der Keltenzeit

Die Geschichte des Eisenerzabbaues im Neuenbürger Revier reicht bis in die Zeit der Kelten zurück. Auf dem Schloßberg in Neuenbürg wurden Eisengeräte und Schlacken gefunden, die von einer Früh-La-Thène-zeitlichen Keltensiedlung stammen. Danach waren die Eisenerzvorkommen schon im 5. Jh. v. Chr. bekannt. Die Vermutung, dass im damals noch weitgehend unbesiedelten Waldgebiet weitere kleinere Eisenschmelzen zu finden sind, wurde 1995 durch Funde keltischer Rennfeueröfen und Eisenerzschlacken im oberen Schnaizteichs bei Waldrennach unweit des Bergwerkes Frischglück bestätigt. Weitere Grabungen mit bedeutenden archäologischen Funden wurden zwischen 2004 und 2012 durchgeführt.

Im oberen Schnaizteich befand sich 500 Jahre vor Christus das wohl bedeutendste eisenverarbeitende Zentrum der Kelten im mitteleuropäischen Raum. Aufgrund der damals gesicherten Funde, darunter ein gut erhaltener Kuppel-Rennfeuerofen, war klar, dass das alte Neuenbürger Bergbaurevier in vorchristlicher Zeit zu den größten Eisenerzvorkommen und Eisenverhüttungsplätzen nördlich der Alpen gehört haben musste.

Bergbau in der Römerzeit

Der Fund einer römischen Eisenhütte bei Pforzheim zeigt, dass die Römer, die von ca. 70 bis 250 n. Chr. ist in diesem Siedlungsraum lebten, Eisenerz abgebaut und verhüttet haben.

Bergbau ab dem Mittelalter

1527

Auch im Mittelalter wurde Bergbau betrieben. Vor allem aus der Zeit, in der die „Edlen“ von Straubenhardt ansässig waren (1100-1442), finden sich Hinweise. 1527 wurden in einem württembergischen Lagerbuch fünf „Yisengruben“ in der Umgebung von Neuenbürg erwähnt.

1720

Durch sächsische „Entwicklungshilfe“ wurde der Neuenbürger Bergbau zu neuer Blüte gebracht: 1720 kamen, dem sogenannten Berggeschrei folgend, die Gebrüder Viehweg, um ihr Bergmannsglück zu suchen. Sie legten im Schnaizteich den Christians- und den Jakobstollen an. Das gewonnene Eisenerz lieferten sie an das Hüttenwerk Benckiser in Pforzheim.

1758

1758 mussten Christian und Jakob Viehweg dann aus wirtschaftlichen und altersbedingten Gründen ihre Schürfrechte an diese Firma verkaufen. In dieser Zeit entstanden z.B. die Hummelrainer Gruben und später auch die Frischglück Grube.

1790

1790 entzog die württembergische Herrschaft dem badischen Hochofenwerk in Pforzheim die Gruben und übernahm sie nach zwischenzeitlicher Verpachtung an eine Calmbacher Betreiberfirma schließlich in eigene Regie. Die Bergwerke waren jetzt zwar württembergisch, das Eisenerz musste nun jedoch in das 60 km entfernte Friedrichstal transportiert werden, um es zu verhütten.

1804

1804 wurde auf Veranlassung des Kurfürsten Friedrich der Versuch zur Stahlerzeugung unternommen. Das Neuenbürger Erz war durch seinen hohen Mangangehalt und geringen Gehalt an Schwefel sehr geeignet. Der „Neuenbürger Stahl“ kam in seiner Qualität dem englischen gleich – damals dem besten der Welt.

1805

Es kam zu einer neuen Blüte des Eisenerzbergbaues, in deren Verlauf der spätere württembergische König Friedrich „…seine Churfürstliche Durchlaucht sich dazu bequemte in der Oberramtei Neuenbürg abzusteigen um am 6. Juni 1805 schon in der Frühe sich in die Bergwerke daselbst zu verfügen und höchstselbst den Stollen im sogenannten Schnaizteiche 80 und etliche Lachter weit zu befahren.“

Ein Gedenkstein dieses Großereignisses ist noch heute beim Frischglück-Bergwerk zu sehen. Der aus heimischem Erz gewonnene Stahl wurde später auch in der inzwischen gegründeten Neuenbürger Sensenfabrik „Haueisen & Sohn“ zu Sicheln und Sensen verarbeitet. Die Firma war Marktführer in Deutschland. Eine andere Firma produzierte aus dem Neuenbürger Stahl Ofenplatten und Bügeleisen.

1868-1869

In den Jahren 1868 bis 1869 kam der Bergbaubetrieb in seiner Gesamtheit aufgrund der geringer werdenden Vorkommen zum Erliegen. Die Hochofenwerke in Pforzheim und Friedrichstal waren schon 1859 bzw. 1868 geschlossen worden. Die technische Entwicklung Mitte des 19. Jahrhunderts machte den Eisenerzbergbau im Schwarzwald unwirtschaftlich, zumal zu den Hochöfen billiger hereingewonnene Erze aus Schweden herangebracht wurden.

1720-1868

Zwischen 1720 und 1868 wurden in den ungefähr 60 größeren und kleineren Bergwerken im Neuenbürger Revier ca. 100.000 Tonnen reines Eisenerz abgebaut. In der Hochblüte des Neuenbürger Eisenerzbergbaues verdienten bis zu 38 Bergmänner in den Gruben (auch in der Frischglück Grube) ihr täglich Brot.

Neues Leben im alten Grubenrevier

Die Aufwältigung

Mitte der 1970er Jahre fand sich am Neuenbürger Gymnasium eine Gruppe von Lehrern, Schülern und Angestellten zusammen, die sich, zunächst als Mineralienfreunde, für die Besonderheiten der näheren Heimat interessierten und daher mehr über den alten Bergbau zu erfahren suchten. Ihnen schlossen sich bald Gleichgesinnte aus Stadt und Umgebung an, und im ehemaligen Grubenrevier regte sich allmählich neues Leben.
Bald zeigte sich auch, dass der eine oder andere Schulmann oder heimatgeschichtlich Interessierte einiges aus der Vergangenheit aufgeschrieben hatte oder zu erzählen wusste. Wertvolle Informationen fanden sich außerdem in Fachbüchern und Archiven.

Von 1976 an wurde das Grubengebiet nach bergbaulichen Gesichtspunkten abgesucht, wobei man alsbald fündig wurde.

Die Neuenbürger Arbeitsgemeinschaft hatte inzwischen weitere historische Quellen entdeckt und erste Bilderserien erstellt, so dass am 2. März 1978 mit einem Diavortrag die erste öffentliche Veranstaltung abgehalten werden konnte.

Schon 1977 war nach alten Plänen bei der „Barbara-Kapelle“ nach dem legendären „Friedrichstollen“ gegraben worden, den 1804 der spätere König Friedrich von Württemberg „achzig und etliche Lachter höchstpersönlich befahren“ hatte. Das Ziel wurde nicht erreicht, der Stollen bis heute nicht gefunden.
Daraufhin grub man nach den Eingängen der Grube Christian im Schnaizteich und diesmal mit mehr Erfolg: am 5. April 1978 war am unteren Stollenmund C der Durchbruch geschafft. In der Folge konzentrierte sich die Arbeit auf die Erforschung und den weiteren Ausbau des Christianstollens. Ein 20 m hoher Schacht, der zur Verbindungsstrecke des Friedrichstollens führte, war mit Versatz gefüllt und musste ausgeräumt werden. Tatsächlich stieß man nach einiger Zeit auf die Verbindungsstrecke, aber die Freude wich bald herber Enttäuschung: Auch diese Strecke war verfüllt und stand sogar teilweise unter Wasser.

In einer Sitzung am 24. März 1979 beschlossen die Aktiven der ARGE Bergbau, von den Schnaizteichgruben zur Grube Frischglück überzuwechseln, weil man sich dort günstigere Bedingungen für den Ausbau eines Besucherstollens erhoffte. Am 4. April 1979 begannen die Aufwältigungsarbeiten an der Frischglückgrube. Am 12. Mai 1979 wurde das Mundloch der unteren Sohle geöffnet. Was nun zum Vorschein kam, übertraf die Erwartungen aller Beteiligten: Die Frischglückgrube war auf drei Sohlen begehbar, mitsamt den verbindenden Schächten und einer enormen Weitung zwischen der unteren und der mittleren Sohle. An vielen Orten standen und stehen heute noch herrliche Erze an, welche bei den Führungen bewundert werden können.

Die Frischglückgrube wurde am 30. März 1985 als Besucherbergwerk für den öffentlichen Publikumsverkehr zugelassen und eröffnet.

Textquelle

Mit freundlicher Genehmigung der ARGE Bergbau Neuenbürg. VIELEN DANK.