Suggental: Bergbauwanderweg Silbersteig

Suggental: Bergbauwanderweg Silbersteig

Silbersteig Rundweg 1 + 2

Die beiden Rundwege des Silbersteigs lassen sich auch zu einem großen Rundweg kombinieren. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Vom unteren Rundweg 1 kommend kann der Weg wahlweise über den Hornbühl oder das Wissereck bis hinauf zur Schwarzenburg in Angriff genommen werden.

Silbersteig Rundweg 1

Die Tour beginnt am Ortseingang von Suggental. Direkt vor der Bushaltestele in Richtung Waldkirch zwischen der Straße K5103 und dem Parkplatz des Suggenbad Hotels befindet sich die erste von insgesamt vier Informationsstelen auf dem unteren Rundweg. Neben allgemeinen Weginformationen und dem Hinweis auf die über das ganze Tal verteilten Sehenswürdigkeiten, erfährt der Wanderer wissenswertes über den Suggentäler Bergbau. Auf malerischen Pfaden, überwiegend am Waldrand entlang, steigt nun der Weg hinauf zum Eingang des heutigen Bergwerks im mittleren Bereich des Suggentals. Am Eingang des Anna Stollens und in der nahe gelegenen Sakristei erfährt man näheres zur Geschichte des Tals sowie zur Arbeit des ehrenamtlichen Vereins Silberbergwerk Suggental e.V. . Der Weg führt im Anschluss zum Wissereck, wo sich herrliche Ausblicke in das benachbarte Glottertal bieten. Hinab geht es – auf teilweise steilen Pfaden – über die Suggentäler Freizeitanlage und zur vierten Stele des Weges. Von hier ist es nicht mehr weit zum Ausgangspunkt der Wanderung. Wer sich für den Eisenerzbergbau interessiert, findet im Anschluss an den Rundweg eine Informationstafel der „Spurensuche Denzlingen“ an einem offenen Stolleneingang direkt neben dem Radweg in Richtung Freiburg.

Silbersteig Rundweg 2

Den höher gelegenen Rundweg beginnen Wanderer am Wanderparkplatz neben dem Bürliadamshof bzw. an der Stele neben dem Eingang zum Anna Stollen. Von hier steigt der Weg am Fuße des stark vom Bergbau gezeichneten Hornbühls entlang – man passiert hier eine weitere Stele – und führt bis zur Ruine Schwarzenburg hinauf. Dort bietet sich dem Wanderer ein herrlicher Blick über die Stadt Waldkirch und das Elztal. Weiter geht es über den Luser zur nächsten Stele, wo am sogenannten Heubrückle im 13. Jhd. ein insgesamt 22 km langer Hangkanal vom Glottertal kommend hier durch den Berg führte (Heute kann man übrigens entlang dieses „Urgrabens“ eine herrliche teilweise mit „U“ ausgeschilderte Wanderung von der „Platte“ aus über Rohr und Luser bis hinab zum Adamshof unternehmen). Über das Schloßwaldeck und das Wissereck führt der Weg zurück zum Wanderparkplatz am Bürliadamshof.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Suggental

Silbersteig – keine Infomaterialien vorhanden!

Todtnau: Glasträgerweg (nach Laufenburg)

Todtnau: Glasträgerweg (nach Laufenburg)

Auf Spurensuche der Schweizerträger

Die Wegstrecke

Der Glasträgerweg ist ein ca. 140 Kilometer langer Themenweg von Todtnau-Aftersteg über den Feldberg, Schluchsee, St. Blasien, Todtmoos und weiter über den Hotzenwald nach Herrischried und Rickenbach bis Laufenburg am Hochrhein.

Der Weg wurde im Zeitraum 2000 – 2001 durch eine private Initiative errichtet.

Der Glasträgerweg ist offiziell in neun Tagesetappen unterteilt:

E

Etappe 1

Aftersteg – Stübenwasen – Feldberg – ÄuleVon Baiersbronn bis Mitteltal.

22 km

E

Etappe 2

Äule – Altglashütten – Lenzkirch

16 km

E

Etappe 3

Lenzkirch – Glashütte – Sommerau

14 km

E

Etappe 4

Sommerau – Rothaus – Seebrugg – Blasiwald

12 km

E

Etappe 5

Blasiwald – Muchenland – St. Blasien

15 km

E

Etappe 6

St. Blasien – Bernau – Todtmoos

25 km

E

Etappe 7

Todtmoos – Herrischried

13 km

E

Etappe 8

Herrischried – (Hütten) – Rickenbach

11 km

E

Etappe 9

Rickenbach – Wieladingen – Laufenburg

12 km

Begleitbuch

Ausführliche Informationen über den Glasträgerweg und die Glasherstellung im südlichen Schwarzwald enthält das offizielle Begleitbuch:

„Der Glasträgerweg. Auf den Spuren der Glasträger durch den Schwarzwald“, 132 Seiten, Schillinger Verlag Freiburg, 2001 (Herausgeber: Planungsteam Glasträgerweg, c/o Landratsamt Waldshut). – Hinweis: Beim Landratsamt Waldshut sind noch geringe Restbestände des Buches erhältlich (Stand: Februar 2021).

Streckenführung

Bei der Festlegung der Wegstrecke hattte sich das Planungsteam vorwiegend an den Wegweisern des Schwarzwaldvereins orientiert (blaue Raute). Das Wegsystem des Schwarzwaldvereins wurde ab 2000 jedoch sukzessive neu ausgeschildert.

  • Die gelbe Raute markiert beispielsweise örtliche Wanderwege.
  • Die blaue Raute markiert regionale Wanderwege, die bekannte Orte und Landschaften verbinden und das Wegenetz der Fernwanderwege ergänzt.

Der Glasträgerweg verläuft nicht durchgehend auf historischen Strecken der Glasträger, weil sich diese aufgrund der periodischen Verlegung der Glashütten änderten. Im Begleitbuch werden bei jeder Etappe auch alternative Streckenvarianten oder auch diverse Abstecher beschrieben, so dass die Tour auch länger ausgestaltet werden kann.

Entscheidend bei der Konzeption war vielmehr der Gedanke, Standorte ehemaliger Glashütten zu verbinden und dabei zudem das Leben der Glasträger nachvollziehbar werden zu lassen.

Zu beachten

Der in der Karte dargestellte Streckenverlauf wurde anhand der Beschreibungen im Begleitbuch, aber auf Basis des neuen Wanderstreckennetzes rekonstruiert. Abweichungen zur Original-Wegführung sind möglich. Unabhängig davon sollte bei einer sorgfältigen Vorbereitung einer erlebnisreichen und informativen Tour aber nichts im Wege stehen.

Der Glasträgerweg wird heute – offenbar aus Desinteresse der Anliegerkommunen – nicht mehr als Gesamtweg touristisch beworben und dadurch – mutmaßlich – auch nicht mehr gewartet. Der Streckenzustand und die Qualität/Vollständigkeit der Beschilderung sind mir nicht bekannt. Mittelfristig ist offenbar eine Reaktivierung geplant. Wer daran glaubt muss warten ….

Informationen
informationen
Entstehung

Schon immer fasziniert von den alten Waldberufen der Harzer, Köhler, Flößer und Holzhauer wollte Frank J. Ebner, Berufsberater aus Waldshut, als leidenschaftlicher Wanderer in innerer Verbundenheit zu seiner Heimat, einen eigenen Beitrag zum Gedenken an einen alten, aber in der Bevölkerung wenig bekannten traditionellen Berufsstand leisten.

Die Faszination um das geheimnisvolle Schwarzwaldglas und die schillernde Figur des Glasträgers weckten in ihm den Wunsch, mit einem prallgefüllten Rucksack bepackt die ehem. Standorte der Schwarzwälder Glashütten aufzusuchen. Es mangelte aber an weiterführenden Erklärungen zur Entstehung des Glases, der Geschichte der Hütten, des Trägerwesens und Informationen zu den jeweiligen Regionen.

Und so entstand die Idee des Glasträgerweges:

„Durch fundierte, abwechslungsreich aufbereitete Informationen soll der Wanderer ein bedeutendes Kapitel Schwarzwaldgeschichte erleben. Auf einer Tour durch die schönsten Gegenden des Südschwarzwaldes sollte der Weg zu den ehemaligen Glashütten, aber auch zu den heutigen Glasmachern führen, wo es noch etwas zu sehen geben würde“.

Ebner konnte spontan zwei regionale Glasexperten und einen Historiker für das Projekt begeistern. Unterstützt durch weitere Interessenten aus der Region bildete sich bald das „Planungsteam Glasträgerweg“, das mit Unterstützung der beteiligten Gemeinden die Planung und Umsetzung des Glasträgerweges ehrenamtlich umsetzte. Die Hauptaufgaben waren:

  • Ausarbeitung des Wegverlaufs
  • Bestückung von Schauvitrinen in Gaststätten
  • Erstellung Infotafeltexte
  • Erstellung von Rekonstruktionen
  • Ausgestaltung von Glas(träger)abteilungen in Museen
  • Erstellung Begleitbuch

Vor dem Hintergrund, das touristische Wanderangebot im Südschwarzwald zu erweitern, wurde das Projekt durch die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach und Waldshut und die EU-Gemeinschaftsinitiative Leader II finanziert.

Die Glashütten

Gründungen

Die ersten Glashütten im südlichen Schwarzwald wurden im 13. Jahrhundert gegründet. Die urkundlich nachweisbar ersten Glashütten waren die Gründungen der Glashütten und Hütten bei Altenschwand. Vom 14. bis 16. Jahrhundert folgten weitere Gründungen im gesamten Schwarzwald.

Wo nicht geflößt werden konnte waren die Glashütten die einzigen Abnehmer von Holz, da dieses in großen Mengen benötigt wurde. Insgesamt sind im südlichen Schwarzwald mindestens 90 Glashütten bzw. Glashüttenstandorte nachgewiesen (im gesamten Schwarzwald mindestens 192).

Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Hüttenstandortes waren neben Wasser v.a. reichliche Holz- und auch Sandvorkommen.

Glasherstellung

Zur Glasherstellung wurden benötigt:

  • 60 Gewichtsanteile (GT) Kieselsäure (Sand/Quarz)
  • 30 GT Pottasche
  • 10 GT Kalk oder Kalkstein

Das Holz wurde nicht nur zur Befeuerung des Ofens benötigt, sondern in erster Linie zur Herstellung von Pottasche, die erforderlich war, um die Schmelztemperatur des Sandes von ca. 1.700 °C auf etwa 900 °C bis 1.100°C herabzusetzen. Den Kalk benötigte man als Stabilisator.

Das Waldglas war durch Verunreinigungen des Rohstoffs Sand mit unterschiedlichsten Metalloxiden in der Regel grün, bräunlich oder leicht grau gefärbt. Als man in Venedig herausgefunden hatte, dass man die ungewollte Grünfärbung mit Manganverbindungen (Braunstein), der „Glasmacherseife“, verhindern konnte, begann der Siegeszug des „gewaschenen“ Glases – auch im Schwarzwald. Schon 1516 unterscheidet man das „luter glas“ (lauteres, geläutertes, reines, farbloses Glas) im Gegensatz zum „geferbt glas“, was sich dann auch in der Unterscheidung zwischen dem „edleren Tafelglas“ zum „einfacheren“ Waldglas niederschlägt. Braunstein ist die Sammelbezeichnung für Mangan-Minerale und synthetisch hergestellte Manganoxide mit einer ungefähren Zusammensetzung von MnO1,7 bis MnO2. Der Name Braunstein stammt aus dem Mittelalter, er ist auf die braune Farbe zurückzuführen, die man beim Glasieren von Tonwaren mit Manganoxiden erhält. Braunstein wurde im Schwarzwald beispielsweise bei Gremmelsbach oder in der Grube Rappenloch bei Eisenbach im Hochschwarzwald, ca. 6 km NE von Titisee-Neustadt gefördert.

Herkunft der Rohstoffe:

Bei der Glasherstellung wurden weitgehend einheimische Rohstoffe verwendet. Als Quarz-Rohstoff dienten Milchquarz aus dem Kristallin des Schwarzwaldes oder meist tertiäre Quarzsande aus den Randgebieten des Schwarzwaldes. Alpine Gerölle aus den Moränen und Rheinschottern sowie Feuerstein kamen seltener zum Einsatz.

Der Kalkstein konnte ebenfalls aus den Randgebieten des Schwarzwaldes (Vorbergzone, Neckargebiet, Schwäbische Alb) beschafft werden.

Holzverbrauch:

Für die Herstellung von 100 kg Glas wurden anfänglich 200 m³ (!) Holz benötigt, später waren es noch knapp über 100 m³. Bei einem Jahresholzverbrauch von 5.000 bis 7.000 Ster pro Glashüttenstandort war der zugeteilte Wald oft in einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren gerodet und die Hütte musste dem Wald nachziehen.

Hüttenplatz

An einem Hüttenplatz befanden sich mehrere Öfen: Zur Vorbereitung, zum Vorheizen (Fritten) und zum Kühlen.

An einem Ofen arbeiteten meist 8 bis 10 Glasbläser, mit je zwei bis drei Gehilfen. Der Glasofen wurde gemeinsam befeuert, aber jeder Glasmacher hatte seinen eigenen Glashafen, aus dem er das Glas für seine Produkte entnahm. Dazu kamen Schürer, die für das Feuer der Schmelze zu sorgen hatten, Pottaschemacher, Träger in der Hütte, Holzfäller und Fuhrleute.

Niedergang

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestanden nur noch wenige Glashütten im Schwarzwald. Die letzten Hütten im Nordschwarzwald schlossen in den 1870er und 1880er Jahren, Äule schloss 1878, lediglich die Hütte Wolterdingen rettete sich noch knapp in das nächste Jahrhundert, um 1905 dann aber auch zu schließen.

Gründe für das Ende der vorindustriellen Glashütten im Schwarzwald waren v.a.

  • Holzmangel
  • steigende Holzpreise durch konkurrierende Industrien, v.a. Eisenwerke
  • neue Ofentechniken (Befeuerung mit Steinkohle)
  • Ersatz der Pottasche durch industriell hergestelltes Soda (Wegfall Standortfaktor Wald)
  • ungünstige Lage
  • Konkurrenz durch hochwertige Waren aus Böhmen, Schlesien etc.

Spurensuche

Welche Spuren der einstigen Glasproduktion im Südschwarzwald sind heute noch zu erkennen? Zahlreiche Familien- und Orts-/Gewannnamen weisen noch heute auf die frühere Glasherstellung im Schwarzwald hin.

Der Glasträgerweg soll helfen solche Spuren zu entdecken, v.a. soll er aber die Erinnerung an dieses alte Handwerk erhalten.

Die Glasträger

Als im ausgehenden Mittelalter die ersten Glashütten im südlichen Schwarzwald entstanden musste auch sichergestellt sein, dass die Waren von den meist abgelegenen Glashütten zum Abnehmer gelangten.

Erste Belege

Aus dem Umkreis der Glashütten von Kandern und Wambach (Kreis Lörrach) findet man aus dem 16. Jahrhundert erste Belege für die Existenz Schwarzwälder Glasträger, die aus dem Unterelsass eingewandert waren.

 

Aufgabe

Es lag an den Glasträgern, die zerbrechlichen Waren sicher zu den Abnehmern zu bringen. Dazu besaßen sie „Truckhen“, „Krätzen“, „Grätzen“ oder „Krätten“, also Rückentragen, die bis über den Kopf reichten und so ausreichend Stauraum boten.

Mit Rückentrage und  schwerem Eisenstock, Geldkatze und einem Messer zogen die Glasträger über mehrere Jahrhunderte über den Schwarzwald zu ihren Niederlassungen und Kunden. Kräftige, willensstarke „Wälder“, die auf unzähligen Fußmärschen – teilweise bis jenseits der Alpen – den damit verbundenen Strapazen, Entbehrungen und Gefahren von Überfällen und Naturgewalten trotzen mussten. Hinzu kam die  Unsicherheit des geschäftlichen Erfolgs.

 

Wagentransport

Als in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Glaswaren erstmals mit dem Pferdefuhrwerk transportiert wurden, konnten fortan größere Mengen Glas und auch andere Waren wie Strohhüte, Holz- und Haushaltswaren verkauft werden. Verdienst und Prestige der Glasträger stiegen.

 

Handelsgesellschaften

In diese Zeit fällt auch die Bildung einer ersten Genossenschaft der Glasträger, die „große Compagnie“, die den Vertrieb der Waren straffer und effektiver als zuvor organisierte. Zahlreiche Niederlassungen, Geschäfte und Lager erleichterten es den Glasträgern nun, außerhalb der Schwarzwälder Heimat ihren Handel zu führen.

Um 1740 teilte sich die große Kompanie in einzelne Handelsbezirke, so entstanden die

  • Pfälzerträger mit einem Absatzgebiet über das Kinzigtal bis in die Ortenau und weiter bis Karlsruhe, Mannheim und Darmstadt
  • Elsassträger mit einem Absatzgebiet vom Elsass und Sundgau bis nach Lothringen
  • Württembergerträger mit einem Absatzgebiet im gesamten Herzogtum, später Königreich, Württemberg
  • Schwabenträger mit einem Absatzgebiet im Bodenseeraum und Oberschwaben
  • Schweizerträger mit einem Absatzgebiet von Äule über den südlichen Schwarzwald und Hotzenwald bis zum Hochrhein und in die  Schweiz

 

Ehrenkodex

Vor dem Hintergrund einer fast ganzjährigen Trennung der Glasträger von ihren Familien versuchten die einzelnen Glasträgerkompanien durch strenge moralische Grundsätze ein sparsames Leben zu fördern und die Gefahr zu verringern, dass der Glasträger unterwegs dem Vergnügen nachging, während zuhause Frau und Kinder auf ihn warteten.

Den Mitgliedern der Pfälzer Kompanie wurde 1782 „alles Spillen, Tantzen, Vollsaufen, Kegeln, Billiar, Comedi, alle schlechten Gesellschaften bei Nacht“ bei empfindlichen Strafen verboten.

Ähnliche Einschränkungen stellten auch die übrigen Kompanien für ihre Mitglieder auf (z.B. „nächtliches Umherschwärmen“ sowie „Tabakrauchen in Magazinen und Läden“).

Villmar: Lahn-Marmor-Weg

Villmar: Lahn-Marmor-Weg

KuLaDig

© Rudolf Conrads, „Lahn-Marmor-Weg in Villmar”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-291602 (Abgerufen: 22. Januar 2022)

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Villmar an der Lahn und seine Umgebung sind das Zentrum des Lahnmarmors, eines wegen seiner reichen Farbigkeit hochgeschätzten polierfähigen Kalksteins. Die Entstehung dieses Kalksteins führt weit in die Erdgeschichte zurück. Im Devon, einer Zeit vor etwa 380 Millionen Jahren waren große Teile Deutschlands marin.

In dem warmen Meer entstanden Riffe in geringer Wassertiefe (meist auf erloschenen und versunkenen Vulkanen), die mit heutigen Riffen – z.B. denjenigen in Südost-Asien – vergleichbar sind. Mit den zahlreichen Stationen des Villmarer Lahn-Marmor-Weges soll dem Besucher ein Einblick in Entstehungsgeschichte, Abbau, Verarbeitung und auch Ästhetik dieses außergewöhnlichen Werksteins vermittelt werden.

Ausgangspunkt des Lahn-Marmor-Weges, der zwei Rundgänge über jeweils circa 1 Stunde und 30 Minuten bietet, ist die König-Konrad-Halle an der Lahn. Hier war von 1892 bis 1979 mit der traditionsreichen Firma Dyckerhoff & Neumann einer der größten Marmorbetriebe im Lahntal ansässig.

Lahn-Marmor-Weg

Die zahlreichen Stationen des Villmarer Lahn-Marmor-Weges vermitteln einen Einblick in die Entstehungsgeschichte, den Abbau, die Verarbeitung und die Ästhetik dieses außergewöhnlichen Werksteins.

Ausgangspunkt des Lahn-Marmor-Weges, der zwei Rundgänge (1 x durch den Ortskern, 1 x durch die Gemarkung) über jeweils circa eine Stunde und 30 Minuten bietet, ist die König-Konrad-Halle an der Lahn.

Erdgeschichtlicher Weg

Der Weg vom Gebäude des Lahn-Marmor-Museums bis zum Unica-Bruch entspricht einer Zeitreise von 380 Mio. Jahren. Die Entferung dieser beiden Plätze beträgt 380 Meter.

So lag es nahe, auf dieser Strecke einen erdgeschichtlichen Weg anzulegen, der die geologischen Zeiträume von heute bis zum Mitteldevon abbildet. Jeder gegangene Meter entspricht einem Zeitraum von einer Million Jahren.

Die jeweiligen geologischen Zeitalter werden auf Informationstafeln erläutert. Ein kleiner Globus zeigt auf, wie die heutige Lahnregion in dieser Zeit von 20° südlich des Äquators bis zu 50° nördlich des Äquators gewandert ist.

Beeindruckend dürfte für den heutigen Wanderer auf dieser Zeitreise sein, dass die Lahnregion auch jetzt noch Richtung Norden wandert.

Wegstationen (Rundweg 1: Durch den Ortskern)
Station 1: König-Konrad-Halle
Station 2: Turbinenhaus
Station 3: Freiluftausstellung
Station 4: Kriegerdenkmal
Station 5: Alter Kirchhof
Station 6: Pfarrkirche St. Peter und Paul
Station 7: Matthiaspforte
Station 8: Valeriuspforte
Station 9: Devotionschild
Station 10: Brunnen auf dem Brunnenplatz
Station 11: Jüdischer Friedhof
Station 12: Lahnbrücke in Villmar
Station 13: Lahn-Marmor-Museum
Station 14: Unica Bruch

Der Unica-Bruch

In Villmar findet sich auf der rechten Lahnseite 380 Meter hinter dem Lahn-Marmor-Museum der Aufschluss „Unica-Bruch“, der mit einer glattgesägten und geschliffenen Wand einen weltweit einmaligen Einblick in ein mitteldevonisches Stromatoporenriff in Lebendstellung bietet.

Zu erkennen sind neben den Stromatoporen und Korallen auch Seelilien, Kopffüßler, Schnecken sowie Brachiopoden, deren Wachstum durch den hohen Kalkgehalt des Devonmeeres begünstigt wurde. Aus dem Devonmeer stiegen die ersten Wirbeltiere an Land; seine Temperatur konservieren wir bis heute in unserem Blutkreislauf. Dem Betrachter des Lahnmarmors bietet sich ein buntes Bild, bei dem Phasen des Wachstums und Störungsphasen – beispielsweise verursacht durch Tsunamis – abwechseln. Der Lahnmarmor ist für sein breites Farbenspektrum bekannt. So ist das Rot in seinen vielen Schattierungen auf Vulkanismus zurückzuführen: Eisenhaltiges Wasser aus vulkanischen Quellen floss über Riffe und Sedimente, sickerte in Risse und Spalten, setzte Hämatit ab und hinterließ in dem an sich weißen Kalkstein das Rot oxydierten Eisens in allen Nuancen. Schwarz- und Grautöne entstanden, wo sich dunkler Ton mit dem Kalk absetzte oder wo Kohlenstoff, beispielsweise aus den Lagunen des Rückriffs, in den Kalkstein eindrang. Gelb- und Ockertöne entstanden aus Limonit (Brauneisenstein).Im Natur- und Kulturdenkmal Unica-Bruch in Villmar kann man in die Zeit vor 380 Mio. Jahren zurückblicken, als marine tropische Korallen und Schwammriffe das Material bildeten, das im letzten Jahrhundert als Lahn-Marmor Weltruhm erlangte und weltweit verbaut wurde.

Entdeckt und abgebaut wurde der Lahnmarmor nach bisheriger Meinung seit dem 16. Jahrhundert. Die Entstehung eines Stromatoporen-Riffs im Devonmeer ist nirgends in der Welt so klar zu sehen wie im Unica-Bruch in Villmar. Der Aufschluß im Villmarer Unica-Bruch – eine in zwei Terrassen gegliederte, etwa 6 Meter hohe, 15 Meter breite, gesägte Wand – gilt als ein sehr seltenes, vielleicht in der ganzen Welt sogar einmaliges Zeugnis der Entwicklung eines Stromatoporen-Riffs.

Das Villmarer Stromatoporenriff zählt zu den bedeutensten Stromatoporenriffen weltweit. Vergleichbare Aufschlüsse finden sich in Kanada und Australien.

Quelle: Lahn-Marmor-Museum

Nationales Geotop

Der Villmarer „Unica-Bruch“ wurde 2005 mit den Prädikaten „Nationales Geotop“ und „Planet Erde – Welt der Geowissenschaften“ ausgezeichnet. Damit zählt der Aufschluss zu den bedeutenden 77 Geotopen in Deutschland, hiervon befinden sich vier in Hessen.

„Nationales Geotop“ ist eine Auszeichnung, die als Ergebnis eines Wettbewerbs im Jahr 2006 an die bedeutenden Geotope in Deutschland verliehen wurde.

Im Jahr 2004 rief die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien in Hannover (früher: Akademie der Geowissenschaften zu Hannover) zu einem Wettbewerb auf, mit dem die bedeutendsten Geotope Deutschlands erfasst werden sollten. Weiterer Zweck des Wettbewerbs war es, mögliche Kandidaten zur Aufnahme in das UNESCO-Welterbe zu identifizieren. Vorgeschlagene Geotope sollten von „außergewöhnlicher natürlicher Ausprägung“, langfristig erhaltbar und „öffentlichen Informationsmöglichkeiten zugeordnet“ sein. Neben Einzelobjekten konnten auch Ensembles bzw. geeignete Landschaften vorgeschlagen werden.

Die daraufhin eingereichten 180 Vorschläge wurden von einer Kommission aus Fachleuten begutachtet und 77 von ihnen zur Auszeichnung vorgeschlagen. Die Auszeichnung fand am 12. Mai 2006 im Landtag von Hannover statt; bei dieser Gelegenheit wurde den Objekten das Prädikat „Nationaler Geotop“ sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung das Logo planeterde verliehen. Außerdem wurde ein Begleitbuch herausgegeben.

Vier ausgewählte Geotope (Grube Messel, Rammelsberg 2010 erweitert auf die Grube Samson, Mittelrheintal und die Wattenmeerküste) sind bereits im UNESCO-Welterbe aufgeführt. Dabei sind die Grube Messel und die Wattenmeerküste Naturerbestätten, während die beiden anderen als Kulturerbe gelten. Als weitere Kandidaten für das Welterbe machte die Kommission sechs Vorschläge, und zwar die Jasmunder Kreideküste, die Bastei mit dem Elbsandsteingebirge, die Fossilienfundstätte Holzmaden, das Nördlinger Ries samt Steinheimer Becken sowie das Altmühltal samt Solnhofener Plattenkalken.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Villmar

Faltblatt „Der Villmarer Lahn-Marmor-Weg“