Einzigartiges im Schwarzwald

Geowissenschaftliches Observatorium

Geowissenschaftliches Gemeinschaftsobservatorium Schiltach

Black Forest Observatory (BFO)

Textquellen

Das Geowissenschaftliche Gemeinschaftsobservatorium Schiltach, auch als Black Forest Observatory (BFO) bezeichnet, ist eine interdisziplinäre und interuniversitäre Einrichtung, die seit 1971 gemeinschaftlich von den Geodätischen und Geophysikalischen Instituten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sowie dem Geodätischen Institut der Universität Stuttgart betrieben wird.

Das Observatorium ist in der Grube Anton im Heubachtal bei Schiltach, einem stillgelegten Erzbergwerk eingerichtet.

Die Grube Anton

Geologie

In dem über 5 km langen Heubachtal hat sich der gleichnamige Bach tief in den kristallinen Grundgebirgssockel eingeschnitten und im Süden den Triberger Granit freigelegt. Im Bereich des Höllewaldes und im westlichen Hinter-Heubach sind v.a. Paragneise und auch Metablastite und Metatexite ausgebildet. Das Kristallin wird von Mittlerem Buntsandstein auf nur gering entwickeltem Rotliegenden überdeckt. Das Deckgebirge erreicht bei der Allmendshöhe mit 190 m die größte Mächtigkeit im Tal.

Die Erzgänge im Heubachtal setzen nur im Triberger Granit auf, vereinzelt reichen sie auch ins Deckgebirge. Der Anton-Gang wird im Osten vom Heinrich-Gang und der Felix-Kluft begleitet, die beide nur unter Tage aufgeschlossen sind.

Mineralisation

Die Gänge stellen mineralisierte Zugklüfte dar. Sie gehören der Co-Ni-Bi-Ag-U-Formation an und führen eine von Baryt (BaSO4) dominierte Gangmasse. Die Erze sind nicht gleichmäßig in die Gangmasse eingesprengt, sondern treten vorzugsweise in Form reicher Erzfälle oder als Imprägnationen im Nebengestein (alterierter Granit) auf. Die wichtigsten abgebauten Erze sind:

E

Speiskobalt (zonar aufgebaut aus CoAs3 und NiAs3)

E

gediegen Silber (Ag)

Als weitere primäre Erzminerale wurden u.a. beschrieben:

E

Silberglanz (Ag2S)

E

lichtes Rotgültigerz (Ag3AsS3)

E

Rotnickelkies (NiAs)

E

Pechblende (UO2)

E

Kupferkies (CuFeS2)

E

Flussspat (CaF2)

Darüber hinaus sind Sekundärminerale infolge der fortgeschrittenen Verwitterung der Erze recht zahlreich.

Bergbauhistorie

Der Anton-Gang wurde fast 40 Jahre nach den ersten Schurfversuchen im Heubachtal im Jahr 1766 im fürstenbergischen Herrschaftswald entdeckt.

Abbau

Der (spätere) Untere Anton-Stollen wurde ab 1770 als Querschlag in ENE Richtung aufgefahren, um alle östlich liegende Gänge abzukreuzen. Der Stollen wurde in den folgenden Jahren nur in geringer Belegung des Ortes betrieben. Ein „gewaltiger Bruch“ vor der Ortsbrust im Jahr 1789 erforderte umfangreiche Aufwältigungsarbeiten, die man 1790 jedoch, keine 15 m vom Gang entfernt, entmutigt aufgab.

Erst 1825 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, indem man einen der Oberen Stollen aufwältigte und ein 8 m langes Fallort zur Untersuchung des Gangverhaltens beim Übergang ins Grundgebirge anlegte.

Im 4. Quartal 1830 begann man mit der Aufwältigung des Unteren Anton-Stollens und richtete im September 1833 nach 275 m den Gang aus. Mittels verschiedener Stollenfeldörter wurde der Gang, der sich nach Süden zunehmend veredelte, in Abbau genommen. Im Südfeld der Grube führte der Gang zunehmend Kobalterze, die über Firstenstrecken abgebaut wurden. Nach einer Verwerfungszone tat sich das reichste Erzmittel der Grube auf, in dem große Mengen gediegen Silber, Silberglanz und lichtes Rotgültigerz einbrachen. Im März 1837 wurde innerhalb von drei Tagen 47,5 kg Silber gefördert. Dieser Bereich wird in der alten Literatur als „Reiche Firste“ bezeichnet.

Der Obere und Untere Anton-Stollen wurden durch ein 33 m hohes Überhauen durchschlägig gemacht, was der Grube Wetterlosung verschaffte.

 

Witticher Strecke

Beim Auffahren der sog. Witticher Strecke nach ENE traf man den 165° streichenden Heinrich-Gang, der über die Sohle vollständig abgebaut wurde (der Gang lieferte hauptsächlich Silber, während er an Kobalterzen arm war). Später wurde noch die N-S streichende, rosa Schwerspat führende Felix-Kluft angetroffen, wo man jedoch keine Vererzungen antraf. Der bis dahin 120 m lange Witticher Querschlag wurde um weitere 208 m verlängert, ohne dass man bedeutendere Mineralisationen abkreuzte.

 

Erlöse des Grubenbetriebs

Neben dem Grubeneingang war das „Scheidhaus“, wo in Handarbeit die Erze vom tauben Gestein geschieden wurden, zum Teil 10 bis 50 Pfund schwere Blöcke mit 85 Prozent Silbergehalt. 1837 waren 54 Arbeiter mit der Aufbereitung beschäftigt, 28 Knappen schafften unter Tage.

Die größten Erlöse des Grubenbetriebes wurden in den Jahren 1836 bis 1840 erwirtschaftet. In den Jahren 1834 bis 1850 wurden über 737 kg Silber und über 189 t Kobalterze produziert. Die Silbererze wurden im Poch- und Hüttenwerk in Mulden/Münstertal im Südschwarzwald geschmolzen, die Kobalterze wurden zum Teil nach Sachsen verkauft oder im Blaufarbenwerk in Alpirsbach zu Smalte verarbeitet.

 

Stillegung

Die Produktion wurde 1850 offiziell eingestellt, der Betrieb ging aber noch mit sehr schwacher Belegung weiter. Die Grube wurde  am 01. Mai 1861 stillgelegt.

 

Wiederaufwältigung

Im Herbst 1950 wurde die Grube von der Erzbergbau Wildschapbach GmbH wieder aufgewältigt. Der Bruch in der Lettenzone vor dem Anton-Gang und ein großer Bruch südlich des Stollenkreuzes wurden geräumt, das Stollenmundloch ausgebaut und im Rahmen der Untersuchung von Uranerzvorkommen im Schwarzwald die Grube in den folgenden Jahren eingehend untersucht.

 

Nutzung heute

Heute befindet sich auf der Halde des Unteren Anton-Stollens und in den Untertagegebäuden das Geowissenschaftliche Gemeinschaftsobservatorium Schiltach.

Quellen:

  • Erz- und Minerallagerstätten des Mittleren Schwarzwaldes – eine bergbaugeschichtliche und lagerstättenkundliche Darstellung. Michael Bliedtner & Manfred Martin, Geologisches Landesamt Baden-Württemberg, Freiburg i.Br. 1986.
  • Justus-Liebig-Universität Giessen

Das Observatorium

Aufgaben

Hauptaufgaben des BFO:

Erfassung und Analyse von Deformationen des Erdkörpers

Erforschung der freien Eigenschwingungen der Erde zur Bestimmung der Materialeigenschaften im tiefen Erdinneren

Erfassung zeitlicher Änderungen des Erdschwere- und des Erdmagnetfeldes

Untersuchung und Verbesserung geophysikalischer Beobachtungsverfahren und der dazu verwendeten Instrumente

Dank einer außergewöhnlich hohen Datenqualität gehört das BFO zu den besten Stationen des globalen Netzwerkes seismischer Stationen (GSN). Die störungsfreie Messumgebung und die Empfindlichkeit der Messinstrumente ermöglichten weltweit einzigartige Beobachtungen und die Entdeckung neuer Phänomene, die unmittelbar zu einem verbesserten Verständnis des Systems Erde beigetragen haben. Alle Datensätze werden über internationale Datenzentren in Nahe-Echtzeit publiziert und sowohl wissenschaftlichen Projekten als auch der breiten Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ausstattung

Das BFO ist mit über 30 Sensoren ausgerüstet. Die Messdaten werden mit mehreren unabhängigen Systemen digital erfasst und gespeichert. Damit besitzt das BFO die notwendige instrumentelle Ausstattung, um Deformationssignale durch lang- und kurzperiodische seismische Wellen, Gezeitenkräfte und Umwelteinflüsse sowie die Komponenten des Erdschwere- und Erdmagnetfeldes redundant und mit größtmöglicher Präzision zu registrieren.

Die Messinstrumente befinden sich in einer Tiefe von ca. 170 m unter der Erdoberfläche und in bis zu 700 m Entfernung vom Stolleneingang. Die Sensoren stehen in einer thermisch sehr stabilen Umgebung und sind durch zwei Druckschleusen vor Störungen durch meteorologische Luftdruckschwankungen geschützt.

Lehrvideo

Ein videobasierter Brückenkurs des KIT (iBRIDGE) für Studierende in das Masterstudium Geophysik https://www.zml.kit.edu/iBridge.php enthält ein Lehrvideo über den Einsatz empfindlicher Seismometer im Geowissenschaftliche Gemeinschaftsobservatorium Schiltach.

Broschüre

Eine Infobroschüre über das BFO finden Sie über den folgenden Link. Die Broschüre wird fortlaufend aktualisiert.