Thermalquellen Baden-Baden
Teil 3: Römische Bäder
Inhalt
Entdeckung der römischen Badeanlagen
Historische Badetradition
Kaiserbäder
Soldatenbäder
Sinterhügel
Textquellen
Entdeckung der römischen Badeanlagen
1846 wurden am heutigen Marktplatz beim Abriss der erst 1804 gebauten Antiquitäten- oder Altertumshalle, dem sogenannten „Museum Paleotechnikum“, erstmals zusammenhängende Teile der römischen Badeanlagen entdeckt. Die Antiquitätenhalle musste dem Bau des heutigen „Alten Dampfbades“ weichen.
1848 wurden dort zwei Plattenbruchstücke aus weißem Marmor gefunden. Die Inschrift, die sich in die Jahre 213 bis 217 n. Chr. datieren lässt, weist auf eine Renovierung und einen Ausbau einer Badeanlage durch Kaiser „Caracalla“ hin.
Der Text lautet: „Der Imperator CAESAR MARCUS AURELIUS ANTONIUS, der Fromme und Glückliche, der unbesiegte Herrscher, der größte parthische, britannische, germanische Oberpontifex, im 17. Jahr der tribunischen Gewalt, im vierten Konsulat, Prokonsul, Vater des Vaterlandes, hat gemäß seiner Freigiebigkeit nach Entfernung der Felsen das Badgebäude ausgebaut, die Warmbäder wiederhergestellt und mit Marmorplatten ausgeschmückt.“
Die bei den Bauarbeiten entdeckten Badeanlagen werden „Kaiserbäder“ genannt. Die Namensgebung lässt sich sowohl auf den Ausbau durch Kaiser „Caracalla“ zurückführen, insbesondere aber auch auf die luxuriöse Ausstattung. Die persönliche Anwesenheit von Kaiser „Caracalla“ in AQUAE AURELIA ist historisch nicht belegt.
Im gleichen Zeitraum (1846/1847) wurden bei Erdarbeiten vor der Klosterkirche des Frauenklosters „Vom Heiligen Grab“ weitere Badeanlagen entdeckt. Diese Anlagen waren deutlich bescheidener ausgestattet. Diese Bäder, die topographisch tiefer liegen, wurden in der späteren Zeit als „Soldatenbäder“ bezeichnet.
Historische Badetradition
Römische Bäder
Die römischen Bäder lagen topographisch auf zwei unterschiedlichen Ebenen.
Die „Kaiserbäder“ auf einer oberen Ebene unter dem heutigen Marktplatz. Die „Soldatenbäder“ auf einer unteren Ebene unter der Stiftskirche, dem Friedrichsbad und dem Römerplatz.
Die Namensgebung der Bäder nimmt nicht Bezug auf die damaligen Badegäste, sie spielt vielmehr auf die unterschiedliche Ausstattung der Badeanlagen an.
Abbildung: Lageskizze der römischen Badeanlagen
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
Die Umrisse der einst luxuriösen „Kaiserbäder“ sind heute durch eine grau abgesetzte Pflasterung am Marktplatz nachgezeichnet. Sichtbare Spuren sucht man jedoch vergebens.
Ganz im Gegenteil zu den seinerzeit einfacher ausgestatteten „Soldatenbädern“.
Deren archäologische Überreste können heute im „Historischen Museum Römische Badruinen“ unter dem Römerplatz besichtigt werden.
Foto: Umrisse der ehem. Kaiserbäder vor dem Alten Dampfbad (Oktober 2022)
Kaiserbäder
1847 wurden beim Abriss der Antiquitätenhalle (Museum Palaeotechnicum), am heutigen Standort des Alten Dampfbades, die beiden östlichen Wasserbecken „A“ und „B“ der sogenannten „Kaiserbäder“ freigelegt.
Die Funde wurden von August von Bayer dokumentiert und ein Jahr später in Publikationen des Badischen Altertumsvereins veröffentlicht.
Das ca. 0,75 m tiefe Becken „A“ hat einen Durchmesser von 7,5 m (88,3 m²), das Becken „B“ ist 8 m x 9 m groß (72 m²). An der Südseite befand sich ein sudatoriume, ein trocken-heißes Schwitzbad.
Das Wasser entspringt hier in zwei Quellströmen einer natürlichen Felsspalte (P), die in römischer Zeit mit einem querliegenden Stein eingefasst worden war.
Ein durch den Grabungsfund angeregtes geologisches Gutachten beschreibt das Gebirge wie folgt:
„Der Thermalquellenfelsen besteht aus einer an seinem Rand mit Trümmern von Urgestein gemengten, stellenweise fast breiartig weichen Tonmasse, die eine mächtige, von Südost über Nord nach Südwest, gekrümmte Bergspalte ausfüllt. Das zerspaltene Gestein besteht hangabwärts aus Granit, zum Bergrücken hinauf aus Gneis, aus zwei Urgebirgsformationen also, während das die Bergspalte ausfüllende Gestein hingegen aus Tonschiefer ist.
Dieser ist an den Stellen, wo ihn die Therme durchdringt, vermittelst dieser Durchdrängung von Urzeiten her weich erhalten und somit thermalwassererfüllt, das man ihn kneten kann“.
Von dort wurde es durch eine ca. 8 m lange Felsrinne, die laut Steinmetzzeichen im Fels in römischer Zeit mindestens einmal erweitert wurde, zunächst in den halbrunden Wasserauffangbehälter (S) geleitet und floss von dort weiter in das Becken.
Dessen Boden bestand aus Marmorplatten, die auf einer Estrichschicht aus hydraulischem Mörtel, dem sogenannten opus signinum, auflagern. Diesem Estrich waren neben Kalk auch zerstoßene Ziegel beigemischt, was ihn wasserfest machte.
Neben der Quelle führte eine bronzene Wasserleitung (Q) aus der nördlichen Hangmauer (HH) ebenfalls in das Becken. Von welcher Quelle über diese Leitung Wasser bezogen wurde, ist bislang nicht bekannt.
Von Raum „A“ wurde das Wasser vermutlich unterirdisch in Raum „B“ geleitet, wo sich ein rechteckiges. 9 m langes und 8 m breites, ca. 0,9 m tiefes Becken befand.
Wahrscheinlich waren beide Becken nicht zum Baden gedacht, sondern dienten zur Abkühlung des heißen Quellwassers (von der Kühlquelle sind Mitte des 19. Jahrhunderts Temperaturen bis 54°C bekannt). Dass es sich nicht um Badebecken handelte, ist auch an den fehlenden Stufen zu erkennen, die für Badebecken typisch sind. Stufen erleichtern den Badegästen einerseits den Einstieg, boten andererseits aber auch eine Sitzgelegenheit.
Stattdessen waren die Becken mit ca. 30 cm hohen Einfassungen ausgestattet, um vermutlich den Kontakt mit dem heißen Wasser zu vermeiden.
Wahrscheinlich wurden diese beiden Becken als Dampfbäder genutzt. Dafür spricht auch die Auskleidung der Becken mit Marmorplatten, die in rein technisch genutzten, für Badegäste nicht zugänglichen Anlagen, eher unwahrscheinlich sind.
Die Ergebnisse der Ausgrabungen 1846 fanden seinerzeit große Aufmerksamkeit. Trotz der damaligen Bemühungen des Altertumsvereins, die sichtbaren Strukturen zu erhalten, wurde beim Bau des „Alten Dampfbades“ Teile des Raums „A“ abgerissen und die Überreste wieder zugeschüttet.
Entdeckung zwei weiterer Wasserbecken
1848 verursachte im Gasthaus „Rose“, das sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts westlich des Alten Dampfades befand, austretendes Thermalwasser Schäden am Gebäude. Bei den folgenden Aufgrabungen wurden zwei weitere Badebecken entdeckt (Becken „C“ und „D“).
Das Becken „C“ ist 14,5 m x 9 m groß (130,5 m²), das Becken „D“ weist einen Durchmesser von 9 m auf (127,2 m²). Nach Norden konnten beide Räume nicht vollständig erfasst werden, da die Mauerstrukturen teilweise von dem Gasthaus überdeckt waren. Das ca. 1,5 m tiefe Becken „C“
hat an den einzelnen Seiten unterschiedlich viele Sitzstufen (eine bis drei). Das ca. 1,6 m tiefe runde Becken „D“ hatte ringsum zwei Sitzstufen.
Bei beiden Becken handelt es sich um sogenannte piscinae, Schwimmbecken, die für Thermalbäder typisch sind.
Die vier Becken waren kaskadenartig angelegt, so dass das Thermalwasser von den östlichen Becken in die westlichen Becken frei ablaufen konnte.
Das Abwasser wurde über die cloaca maxima von AQVAE in die Oos abgeleitet.
Neue Erkenntnisse im Rosenstollen (April 2023)
Bei der Umgestaltung des Bäderbezirkes durch Gerwig wurden zeitgenössische Dokumente, die vor einer Gefährdung der römischen Badebecken (Kaiserbäder) warnten, ignoriert.
Neben dem von Norden nach Süden ausgerichteten Kirchenstollen, der überwiegend im Bereich des vermutlich bereits zerstörten Bassins B vorgetrieben wurde, auch der in nach Westen abzweigende, ebenfalls mannshohe Rosenstollen mitten durch das noch erhaltene Becken C hindurchgeführt. In der gemauerten Stollenwand ist heute beidseits, etwa auf Schulterhöhe, auf einer Länge von ca. 9,6 m der Boden des Beckens erhalten.
Der öffentlich nicht zugängliche Stollen konnte im April 2023 durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im Rahmen der jährlich stattfindenden Reinigungsarbeiten begangen werden, um die erhaltenen Reste des Bades zu dokumentieren.
Unter dem Becken C befindet sich ein 30 cm dicker Estrich, der einen dreischichtigen Lagenbau zeigt. Auf dem Estrich liegt bis heute die Marmorauskleidung des Beckens. Die 3 cm bis 5 cm starken Platten mit Breiten von 67 cm bis 82 cm in rechteckiger und dreieckiger Form sind präzise auf Kante verlegt.
Vermutlich handelt es sich um Auerbacher Marmor aus dem westlichen Odenwald.
Foto: Blick in den Rosenstollen Richtung Westen. Die massive römische Estrichschicht wird oben und unten von der gemauerten Stollenwand eingefasst.
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Sarah Roth
Entdeckung Schwitzraum
Bei den Grabungen 1848 wurde neben den beiden Wasserbecken „C“ und „D“ auch ein Schwitzraum (sudatorium) entdeckt (F), ähnlich einer heutigen Sauna. Im Badeablauf der Römer wurden Sudatorien im Wechsel mit kühleren Räumen besucht, um den Körper abzuhärten.
Der Raum hat einen Durchmesser von ca. 6,3 m und war vermutlich vom direkt nördlich angrenzenden Raum „C“ aus zugänglich.
Die Beheizung erfolgte mit einem Hypocaustum, das ähnlich einer heutigen Fußbodenheizung funktionierte. Der Fußboden wurde von ca. 0,8 m bis 1,2 m hohen schmalen Pfeilern aus gestapelten Ziegeln oder Steinsäulen getragen. Durch die Zwischenräume wurde heiße Luft geleitet, die durch ein Feuer in einem in einem Heizungsraum (praefurnium) erzeugte wurde.
An den Wänden verbaute und miteinander verbundene Ziegel mit seitlichen Öffnungen (tubuli) leiteten die Wärme im Raum auch nach oben und komplettierten so die Aufheizung des gesamten Raumes. Durch einen aufgetragenen Verputz war der Wandaufbau für die Badegäste nicht zu erkennen.
Die „Kaiserbäder“ waren ein luxuriös ausgestattetes Kur- und Heilbad („thermae“) mit Wand- und Bodenverkleidungen aus weißem Marmor (Ostteil) und grünlichem Granit (Westteil).
Die symmetrische Anordnung der Badebecken lässt eine getrennte Nutzung, z.B. für Männer und Frauen vermuten, wie dies von anderen römischen Badeanlagen wie in Badenweiler nachweislich bekannt ist.
Der zentrale Teil der Anlage wurde vermutlich bereits im letzten Drittel des 1.Jahrhunderts n.Chr. als Kurbad für das Militär errichtet.
Der vermutlich letzte Ausbau, wahrscheinlich nach einem Brand, wird gemäß einer in der Anlage aufgefundenen Inschrift auf den Zeitraum um 213 bis 217 n. Chr. datiert. Befehlsgeber war Kaiser Marcus Aurelius Antonius, besser bekannt als Kaiser „Caracalla“.
Ob sich Caracalla auch selbst in AQVAE aufhielt, ist nicht eindeutig belegt.
Im Herbst 2024 mussten im Bereich des Marktplatzes Wasserleitungen ausgetauscht werden.
Dabei wurden erstmals seit über 180 Jahren wieder die Ruinen der römischen „Kaiserthermen“ unter dem Marktplatz freigelegt.
Dabei konnten die Badruinen durch eine Fachfirma archäologisch untersucht werden. Die Arbeiten wurden vom Landesamt für Denkmalpflege (Regierungspräsidium Stuttgart) fachlich begleitet.
Foto: Überreste von Badeluxus: Zwischenwand mit Estrichschichten (links im Bild), einem Rest der Marmorverkleidung am Boden-Wand-Übergang und abgerundeter Ecke des Badebeckens mit Stufen. Das Rohr und die Verfüllung darüber sind modern.
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Sarah Roth
„Es ergaben sich auf zirka 50 Quadratmetern wichtige Erkenntnisse zum Erhaltungszustand der Ruine, aber auch neue Informationen zu ihrer Struktur.“
„In den geöffneten Bereichen wurden zirka einen Meter unter dem Pflaster des heutigen Marktplatzes römerzeitliche Mauerzüge festgestellt. Darunter auch solche, die in den Grundrissplänen der ersten Ausgräber nicht verzeichnet waren. „Sogenannte Hypokaustziegel weisen auf einen Raum mit Unterbodenheizung“.
Das Foto zeigt Überreste von Badeluxus:
Zwischenwand mit Estrichschichten (links im Bild), einem Rest der Marmorverkleidung am Boden-Wand-Übergang und abgerundete Ecke des Badebeckens mit Stufen.
Das Rohr und die Verfüllung darüber sind modern.
Foto: Überreste von Badeluxus: Zwischenwand mit Estrichschichten (links im Bild), einem Rest der Marmorverkleidung am Boden-Wand-Übergang und abgerundeter Ecke des Badebeckens mit Stufen. Das Rohr und die Verfüllung darüber sind modern.
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Sarah Roth
Foto: Blick auf die antiken Mauerzüge und Ziegel der römischen Unterbodenheizung, darübermoderne Verfüllungen und eine Betonplatte. Der Schnitt endet an einem modernenThermalwasserschacht. Im Hintergrund der Marktplatz mit Stiftskirche.
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Sarah Roth
Foto: Aufnahme an ungefähr gleicher Stelle. Der graue Pflasterstreifen auf dem Marktplatz zeichnet den (links freigelegten) Mauerzug an der nördlichen Längssseite der Stiftskirche nach. Eigenes Foto ca. 3,5 Jahre vorher (März 2021).
Der östliche Teil der leider nur sehr fragmentarisch bekannten Kaiserbäder war durch Wand- und Bodenverkleidungen aus weißem Marmor besonders luxuriös ausgestattet. Die Archäolgen nehmen an, dass es sich um Auerbacher Marmor aus Steinbrüchen an der Bergstraße im westlichen Odenwald handelt.
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Auerbacher Marmor
Soldatenbäder
Die einzigen heute noch sichtbaren Reste der römischen Bäder können im „Historischen Museum Römische Badruinen“ (Römerplatz 1) besichtigt werden.
Es sind dies Reste der „Soldatenbäder“. Der Begriff „Soldatenbad“ wurde offenbar durch die Ausgräber im 19. Jahrhundert geprägt und spielt auf die im Vergleich zu den reich ausgestatteten Kaiserbädern einfachere Ausstattung an.
Entdeckt wurden die „Soldatenbäder“ 1846/1847 bei Baumaßnahmen vor dem Kloster „Zum Heiligen Grab“. Beim Bau des Friedrichsbades (1869 bis 1877) und des Augustabades (1890 bis 1893 – 1963 bereits wieder abgerissen) wurden weitere Bereiche der „Soldatenbäder“ entdeckt und konserviert.
Durch den Bau der genannten Gebäude ging viel historische Substanz an den Ruinen verloren. So schneiden beispielsweise die Kellerwände und Fundamente des Friedrichsbades auch heute noch deutlich erkennbar in erheblichem Umfang in den nordwestlichen Bereich der Ruinenanlage ein.
Weitere Mauerzüge im südlichen Teil deuten an, dass sich die Badeanlage auch in Richtung Römerplatz fortsetzte.
1899 wurde eine Schneise durch Wände und Böden der Badeanlagen geschlagen, um eine Wasserleitung zu verlegen.
Im Zusammenhang mit der multitemporalen Umgestaltung dieses Bereiches im 19. und 20. Jahrhundert, der Errichtung der umgebenden Bebauung und der dafür erforderlichen Tiefbauarbeiten (Kanalisation) wurden weitere Bereiche der Badeanlagen komplett zerstört oder überbaut.
Als einer der größten Eingriffe erwies sich der Bau der Friedrichsbadterrasse Mitte der 1960er Jahre. Um eine ebenerdige Verbindung zwischen dem Eingangsniveau des Friedrichsbades und dem Kloster „Vom Heiligen Grab“ herzustellen, wurde eine weit auskragende Plattform aus Beton errichtet. Bei den Gründungsarbeiten der die Plattform tragenden Stützen wurden großflächige Bereiche inmitten der Badeanlagen abgetragen und für immer zerstört. Dort befindet sich heute eine triste Tiefgarage.
Foto: Blick von den Dernfeldstafelfeln (Höhenniveau Marktplatz) nach Süden auf die tiefer liegende Friedrichsbadterrasse. Links die Klosterschule „Zum Heiligen Grab“ mit dem Treppenabgang zum „Historischen Museum Römische Badruinen“. Foto vom Oktober 2022.
Die Soldatenbäder wurden als Hygienebad („balneum“ oder „balineum“) errichtet und dienten der Körperreinigung.
Von der ursprünglich 60 x 48 m großen Anlage sind heute noch ca. 20 x 21 m erhalten.
Erste öffentliche Begehungen der Ruinen waren um 1900 möglich.
Historisches Museum Römische Badruinen
Diese Reste der „Soldatenbäder“ können heute im „Museum Römische Badruinen“ besichtigt werden. Bitte beachten: Die Öffnungszeiten sind sehr eingeschränkt.
Mitte der 1960er Jahre wurde mit dem Neubau der Friedrichsbadterrasse der heutige „Schutzbau“ errichtet.
Zwischen 1995 und 2003 waren aufwändige Sanierungsarbeiten erforderlich, da die alte Bausubstanz durch den jahrzehntelangen Museumsbetrieb erheblich beschädigt wurde.
Die Museumsbesucher betraten bis dahin die originale römische Bausubstanz, so dass es auch zu Durchbrüchen kam und ein Rundgang nicht mehr möglich war.
Darüber hinaus mehrten sich auch Feuchtigkeitsschäden durch defekte Thermalwasserleitungen.
Foto: Zugang zum Museum Römische Bauruinen
Die Römischen Badruinen in Baden-Baden gehören zu den am besten erhaltenen und eindrucksvollsten römischen Badeanlagen in Baden-Württemberg.
Dieses „balineum“ (Hygienebad) zeigt einen einzigartigen Erhaltungszustand der Fußbodenheizung (hypocaustum) mit dem dazu gehörigen Wandheizsystem aus Hohlziegeln (tubuli).
Vermutlich in den 70er Jahren n. Chr. fertig gestellt, stand das Hygienebad der Bevölkerung zur Verfügung.
Die Heizanlage wurde mit Heißluft betrieben. Diese wurde durch Feuer in den Schürkanälen (praefurnia) der Heizräume erzeugt und in den Hohlraum zwischen Unter- und Oberboden (hypocausis) eingeleitet.
Die Soldatenbäder wurden erstmals 1846/1847 bei Erdarbeiten vor der Klosterkirche des Frauenklosters „Vom Heiligen Grab“ (rechts) freigelegt.
Das Mauerwerk war auffällig gut erhalten.
Foto links: Römische Baureste vor dem Kloster zum heiligen Grabe in Baden-Baden, Karlsruhe, 1850. Datenquelle: Bayer, August von: Denkmale der Kunst & Geschichte des Heimathlandes.
Foto rechts: Die Fundstelle am Römerplatz heute (Oktober 2022)
Beim Bau des Friedrichsbades (1869 bis 1877) wurden weitere Teile der Anlage angeschnitten.
Foto: Die Fundstelle der Soldatenbäder am Römerplatz (Oktober 2022)
Heute befindet sich im Bereich der Fundstelle der Soldatenbäder, zwischen Friedrichsbad und Klosterschule „Vom Heiligen Grab“, eine Grünanlage.
Zwischen 1890 und 1893 wurden beim Bau des Augustabades Eingang und Latrine ausgegraben, nach der Einmessung und Dokumentation aber zerstört.
Foto: Das Augustabad um 1900
Beim Alemanneneinbruch und dem Fall des Limes wurde der römische Badeort um 260 n.Chr. durch einen Brand vernichtet.
In der Folgezeit lief das Thermalwasser am Florentinerberg frei ab.
Sinterhügel
Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte bildete sich durch kontinuierliche Kalkfällung, Lage um Lage, ein bis zu 6m hoher fächerförmiger Sinterhügel.
Abbildung: Die Thermalstollen am Florentinerberg (19. Jahrhundert) mit Darstellung des Sinterhügels, der sich nach der Zerstörung der Römerbäder am späteren/heutigen Standort des Friedrichbades bildete.
Die Thermalstollen am Florentinerberg (19. Jahrhundert) mit Darstellung des Sinterhügels, der sich nach der Zerstörung der Römerbäder am späteren/heutigen Standort des Friedrichbades bildete.
Die Ausscheidung (Fällung) von Opalkieselsinter erfolgte durch Kieselalgen, die im warmen Wasser lebten. Im Sinterhügel wurden Schnecken (Helix pomatia) und Kieselhölzer gefunden.
Beim Bau des Friedrichsbades (1869 bis 1877) musste der Sinterhügel abgetragen werden.
Foto links: Die Brunnengrotte der Fettquelle (der schmutzug-graue Kalksinter hebt sich deutlich vom roten Natursteinmauerwerk ab (Treppenanlage Dernfeldstaffeln: hellroter Leisbergporphyr; Friedrichsbad: Buntsandstein). Oktober 2022
Foto rechts: Detailaufnahme Brunnengrotte Fettquelle: Sintersteine mit feinlagiger Bänderung (Oktober 2022)
Auch heute fällt im Thermalwasser noch Kalksinter aus, allerdings für die meisten Menschen unsichtbar, nämlich in sämtlichen Wasserleitungen und auch an den unterirdischen Wasseraustritten und in den Ablaufrinnen im Stollensystem am Florentinerberg.
Franz Kirchheimer, Altpräsident des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg beschrieb einen plastischen, gelb- bis grauschwarzen Schlamm, der sich im Thermalwasser niederschlägt.
Der manganoxidreiche Thermalschlamm der Murquelle weist nach Kirchheimer (1959), im Vergleich zu anderen untersuchten Schlämmen, die höchste Radioaktivität auf.
Auch in der Lichtentaler Allee findet man, vor der Kulisse der Kunsthalle und des Museums Frieder Burda, Reste vom ehemaligen Sinterhügel. Aufgetürmt zu einem Brunnen…
Foto: Sinterbrunnen gegenüber der Kunsthalle und dem Museum Frieder Burda in der Lichtentaler Allee (März 2026)
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Weiter geht’s mit Teil 4: Geologie
Textquellen
„Soldatenbäder“ und „Kaiserbäder“
Coenen, Ulrich: Von Aquae bis Baden-Baden, Die Baugeschichte der Stadt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Kurachitektur, Verlag Mainz, Aachen 2008.
Soldatenbäder
Meyer-Reppert, Petra und Rabold, Britta: Die römischen „Soldatenbäder“ in Baden-Baden (Aquae Aureliae); Landesamt für Denkmalpflege – Regierungspräsidium Stuttgart. Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Band 25, 2008.
Archäologische Untersuchungen
Roth, Sarah & Preiß, Jessica: Zwischen Marmor und heißen Quellen – Das römische Baden-Baden. Schriftenreihe „Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg“, Heft 90. Landesamt für Denkmalpflege (LAD) Baden-Württemberg, 2023.
Historisches Museum Römische Badruinen
