Thermalquellen Baden-Baden

Teil 4: Geologie

Inhalt

Geologie

Vulkanismus

Kohle

Uran

Textquellen

Geologie

Baden-Baden liegt in der Badener Oberkarbon-Rotliegend-Senke, welche durch SW- NE-Streichen gekennzeichnet ist. Ihr Kern ist die in gleicher Richtung verlaufende Battert-Aufwölbung, in deren Norden die Rotenfelser Senke und in deren Süden die Lichtentaler Senke angelegt ist, kleine Teiltröge des gesamten Badener Troges.

Diese drei Zentraleinheiten werden durch Verwerfungen voneinander getrennt. Die Trogfüllung ist nach bisheriger Kenntnis über 1.000 m mächtig:

600 m Rotliegendes (Oostal Subformation, rTO)

400 m Oberkarbon (Staufenberg Formation, coS)

Datenquelle: Geologische Karte von Baden-Württemberg 1:50.000. Baden-Baden.
© Regierungspräsidium Freiburg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB-Kartenviewer)

Am Florentinerberg stehen Gesteine des Oberkarbon an, eingerahmt von paläozoischen Schiefern im SW, Graniten im NW und Oberrotliegendem im E und SE.

Das Oberkarbon besteht aus Arkosen, Sandsteinen und Konglomeraten in Wechsellagerung mit Schiefertonen.

1895 stieß man bei Quellfassungsarbeiten in einem Stollen in den Arkosen auf ein 15 bis 20 cm mächtiges Kohlenflöz. Die Schichten des Oberkarbon fallen am Florentinerberg ca. 20-35° nach NW ein.

Tektonik

Im Grenzbereich der Battert-Aufwölbung und der Lichtentaler Teilsenke setzt aus Richtung Kurhaus eine SW-NE streichende, nach SE einfallende Störungszone (Abschiebung) zum Neuen Schloss ein, die das Oberkarbon gegen eine höher liegende Scholle aus Friesenberggranit verstellt. An dieser zum Gebirge einfallenden Störungszone steigen die Thermalwässer auf.  Die unterschiedlichen Temperaturen der Austritte zeigen an, dass die Wässer aus unterschiedlichsten Tiefen stammen.

An die Oberkarbon-Rotliegend-Senke grenzt im Süden, getrennt durch die SW-NE ver­laufende Gernsbacher Störungszone, das höher aufragende Nordschwarzwälder Granitmas­siv an, dessen Oberfläche nach Norden unter die Senke abtaucht.

Hauptthermalstörung

Die Hauptthermalstörung kommt vom Beutig im Westsüdwesten her und zieht auf das Kurhaus hin. Hinter dem Nordflügel des Kurhauses, in der Felswand des Parkplatzes (Alte Schiefer, Baden-Baden-Schiefergruppe), ist die Störung aufgeschlossen. Das auf einer Breite von nahezu 100 m zerruschelte, mit verstürzten Massen gemengte Gestein ist gebleicht und tonig zersetzt; neben Baryt sind auch andere thermale Minerale vorhanden.

Die Störung ändert von hier ab ihre Richtung von WSW-ENE (ca. 67 °) in SW-NE (ca. 37°), streicht südlich der Trinkhalle vorbei und wird dann durch die quartären Kiese der Oos verdeckt. Bis zum Fluß versetzt sie die Alten Schiefer (Devon) im Norden gegen oberkarbonische Sandsteine im Süden.

Östlich ist sie in der unteren Büttenstraße festzustellen, zieht mit 37° über die Büttenquelle auf die NW-Begrenzung des Marktplatzes, über die Westecke der Schloßterrasse am Florentinerberg in Richtung Hungerberg auf das Murgtal zu.

Bis zum Marktplatz grenzen Alte Schiefer im Norden an Oberkarbon im Süden, von da bis zur Schloßterrasse Badener Granit (Friesenberg Granit) gegen Oberkarbon.

Die Thermalquellen treten am Südhang des Florentinerberges südöstlich der Hauptthermalspalte im Bereich einer stark zerrütteten, durch Störungen umgrenzten Oberkarbonscholle aus.

Abbildung: Geologischer Schnitt Thermalgebiet Florentinerberg

Herkunft und Alter des Thermalwassers

Das  Thermalwasser stammt, bei einem lokalen geothermischen Gradienten von ca. 5°C/100 m, aus Tiefen von ca. 1.200 m bis 1.500 m.

Die enthaltenen Mineralstoffe weisen auf eine Herkunft in der Füllung des Oberrheingrabens hin, wo das Tertiär W der Senke von Baden-Baden eine Mächtigkeit von ungefähr 1.200 m aufweist. Niederschlagswasser dringt dort in den Untergrund ein, bewegt sich in der tektonisch zerlegten Randscholle nach N und vermischt sich dabei mit salinaren Lösungen aus dem Oberrheingraben, um an Störungen im Bereich des Florentinerberg artesisch bis zur Oberfläche aufzusteigen.

Über das Alter der Thermalquellen sind keine genauen Angaben möglich. Vermutlich sind sie im Spätpleistozän durch neuerliche Bewegungen an älteren Störungen entstanden.

Vulkanismus

In der Spätphase der variszischen Orogenese (Oberkarbon und Unterperm) folgte eine Hebung und Dehnung der Kruste, die zum kompletten Abtrag des alten Hochgebirges und zur Bildung tektonischer Gräben und Horste führte.

Das erodierte Gesteinsmaterial wurde lokal in intramontanen Gräben, z.B. bei Schramberg oder Baden-Baden und überregional in vorgelagerten Molassebecken, wie z.B. der 9 km (!) tiefen Saar-Nahe-Senke abgelagert.

Diese Phase wurde von einem explosiven Vulkanismus begleitet, der hauptsächlich saure, rhyolithische Laven und Aschen förderte. Untersuchungen weisen auf ein Extrusionsalter zwischen 307 ± 5 und 286 ± 7 Mio. Jahren hin.

Die Rhyolithe (alte Bezeichnung: Quarzporphyre) und zugehörigen Pyroklastika des Nord- und Zentralschwarzwaldes liegen als Decken, Schlotfüllungen und Spaltenintrusionen vor. Sie sind lediglich Erosionsreste größerer Vulkangebäude und weit ausgedehnter, zusammenhängender Decken, die während der explosiven vulkanischen Tätigkeit im Rotliegend entstanden sind.

Bei der Mehrzahl der Vorkommen handelt es sich um Quarzporphyrdecken, die durch Ignimbrite (Glutwolkenabsätze) oder Laven gebildet wurden. Die einzelnen Decken sind z. T. durch Tufflagen voneinander getrennt.

Quarzporphyrdecken südlich von Baden-Baden

Die größten Quarzporphyrvorkommen im Schwarzwald befinden sich im Münstertal (Südschwarzwald) sowie im Achertal bei Ottenhöfen und bei Baden-Baden (Nordschwarzwald).

Datenquelle: Übersichtskarte der Quarzporphyrdecken südlich von Baden-Baden. Datenquelle: LGRBwissen 

Steinbruch Waldeneck (Peter’scher Bruch), Neuweier

Die Glutwolkenströme (base surges) sind Zeugen besonders destruktiver vulkanischer Tätigkeit mit sehr hohen Ablagerungsgeschwindigkeiten.

Ein besonders schöner Aufschluss solcher ignimbtrischer Laven ist der Steinbruch Waldeneck südwestlich von Baden-Baden, Ortsteil Neuweier unterhalb des Yberg.

In dem aufgelassenen Steinbruch wurden früher Gesteine der Rotliegend-Magmatite abgebaut, die als Reste von drei Ignimbrit-Tuff-Decken gedeutet werden.

In den höheren Teilen der Steinbruchwand sind diese Tuff-Decken deutlich anhand von Farbunterschieden unterscheidbar.

Foto: Steinbruch Waldeneck (Februar 2022)

In den Magmatiten der Umgebung (Klopfengraben, Wernerhütte) finden sich häufig, im Waldboden auch herausgewittert, Baden-Badener Achate, die früher als Halbedelsteine gesucht waren und in Edelsteinschleifereien (z. B. Hofschleiferei in Karlsruhe) verarbeitet wurden.

Es handelt sich um Chalcedone, Karneole und andere Quarzvarietäten, die in Geröllen gefunden werden konnten und mit etwas Glück auch noch können.

Aufgelassener Steinbruch am Leisberg SW von BAD-Lichtental

48.73871, 8.25259

Ein weiterer Aufschluss permischer Quarzporphyre ist der aufgelassene Steinbruch am Osthang des Leisbergs im Ortsteil Geroldsau.

Es handelt sich um hellrotviolette Vulkanite (Leisbergporphyre), die schon ab dem 16. Jahrhundert als wichtigster Baustein Baden-Badens Verwendung fanden.

Sie sind altersmäßig in das Obere Rotliegende (pc-3-Alter, 4. Decke) zu stellen. Klüfte führen teilweise Minerale wie Kalkspat, Schwerspat, Eisenspat. Auf der Sohle befindet sich der Schießstand des Schützenhauses.

Verwendung als Baumaterial

Der Leisbergporphyr wurde insbesondere in der Umgebung von Baden-Baden als Werkstein genutzt. Das verkieselte Porphyrkonglomerat, welches durch Erosion nördlich von Baden-Baden abgelagert wurde, fand Anfang des 12. Jahrhunderts Verwendung beim Bau des Alten Schlosses, das auch als Burg Hohenbaden bekannt ist.

Wahrscheinlich im 12. Jahrhundert wurden die Quarzporphyre für das Mauerwerk der Yburg östlich von Varnhalt genutzt. Die Verwendung des Porphyrs für die Errichtung von Häusern setzte erst im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung im großen Umfang ein.

Der Quarzporphyr wurde bevorzugt für die Fundamente verwendet und der Buntsandstein für die Fassaden. Später entstandene Gebäude wurden vollständig aus Leisbergporphyr errichtet und verdrängten zeitweise sogar den Buntsandstein als Baumaterial.

Beispiele für die Nutzung von Leisbergporphyr für große Bauwerke sind die 1864 begonnene neuromanische Basilika St. Bonifatius in Baden-Baden-Lichtental sowie die gleichalte St. Johanniskirche.

Foto links: St. Johannis-Kirche.
Foto rechts: Detailansicht des Kirchenmauerwerks aus Leisbergporphyr (März 2026)

Des Weiteren wurde das Gestein in der Dreieichenkapelle in Baden-Baden-Weststadt, der Vincenti-Grundschule und in der 1900 errichteten Villa Stroh verbaut.

Die rotvioletten Gesteine fallen an einer Vielzahl von Gebäuden in Baden-Baden auf. So auch an der Brunnengrotte der Fettquelle.

Die Grotte selbst ist mit Abbruchmaterial des füheren Sinterhügels verkleidet (grau). Das direkt angrenzende Stützmauerwerk der Treppenanlage (Dernfeldstaffeln) besteht aus Leisbergporphyr.

Foto links: Brunnengrotte Fettquelle (Oktober 2022).
Foto rechts: Detailansicht des Mauerwerks der Stützmauer aus Leisbergporphyr (März 2026)

Aufgelassener Steinbruch Schatzbühl, BAD-Geroldsau

Geotop-Nr. 13191/267

48.72974, 8.25542

Auch in diesem Steinbruch wurden permische Quarzporphyre abgebaut, sogenannte Pinitporphyre des Rotliegend (Rotliegend-Magmatit).

Sie sind altersmäßig in das Mittlere Rotliegend zu stellen und entsprechen der 1. Decke, sind also älter als die benachbarten Leisbergporphyre.

Es handelt sich um dickbankige Gesteine von rötlicher Farbe mit dichter Grundmasse und Einsprenglingen von Quarz und Feldspat.

Auf der Sohle befindet sich eine Hütte sowie ein Lagerplatz. Das ganze Gelände ist eingezäunt und nicht zugänglich.

Kohle

1745 wurde bei Steinbach-Umweg nach einem Wolkenbruch in den dortigen Oberkarbonschichten ein geringmächtiges Kohlenflöz entdeckt. In den Folgejahren wurden die Kohlen in verschiedenen Stollen abgebaut. 1778 übernahm dann der Bergrat C. F. ERHARDT die Grube auf eigene Rechnung und brachte den bis dahin nicht gerade schwungvollen Betrieb besonders durch die Anlage weiterer Stollen in Gang.

Im Jahr 1792 betrug die Ausbeute insgesamt 222 Tonnen Steinkohlen, die in der ganzen Region Abnehmer fanden. Die Qualität der Kohle war durch den hohen Anteil an Sand jedoch nur schwer verkäuflich.

1802 kaufte die Großherzogliche Regierung das Bergwerk für 12.000 Gulden von ERHARDT zurück und betrieb dieses bis 1824. Anschließend wurde in den Grubenanlagen bis 1848 erfolglos Nachlesebergbau betrieben.

Ein Teil des Zechengebäudes der Grube steht heute noch in der Umweger Straße.

Foto: Die ehem. Faktorei am Brunnengraben in der Umweger Straße (Februar 2025)

Ein Stollenmundloch befand sich auch hinter dem Gasthaus Weinberg in Umweg. Weitere Baue auf Kohlen erfolgten unterhalb des Zimmerplatzes bei Malschbach.

Foto: Gasthaus Weinberg in Umweg (Februar 2025)

Uran

Im September 1973 wurden im Osten von Baden-Baden bei Prospektionsarbeiten mittels radiometrischer Messungen mehrere Anomalien in den ausstreichenden Karbonschichten des Oostroges festgestellt.

Die größte Anomalie wurde am Hummelsacker ermittelt, einem NE-SW streichenden Höhenrücken an der Nordseite des Oostales im Ortsteil Oberbeuern.

Der Hummelsacker wird von zwei Tälern flankiert. In den Jahren 1974 und 1975 legte die Fa. Saarberg-Interplan Uran GmbH, später nur noch Saarberg-Interplan GmbH, an beiden Bergflanken je einen Probestollen an.

Beide Täler sind nach den gleichnamigen Bachläufen benannt. Im Westen das Harlachtal, im Osten das Müllenbachtal.

Foto: Mundloch Sauersboschstollen im Harlachtal (Januar 2023)

Foto: Mundloch Kirchheimerstollen im Müllenbachtal (Januar 2023)

Sage | Römer | Römische Bäder | Geologie | …

Weiter geht’s mit Teil 5: Die Quellen am Florentinerberg

Textquellen

Geologie

Stober, Ingrid: Geologie und Geschichte der Mineral- und Thermalquellen im Schwarzwald, In: Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 92, Heft 2, S. 29-52, Freiburg 2002.

GK 25 Blatt Baden-Baden

Steinbruch Waldeneck (Peter’scher Bruch)

© Regierungspräsidium Freiburg, LGRB: Geotop-Nr. 6023/3027, Geotopkataster, 15.07.2022.

 

Leisbergporphyr

LGRBwissen ©Regierungspräsidium Freiburg

Weitere Beiträge zu den Thermalquellen Baden-Baden …

Thermalquellen Baden-Baden (1): Die Sage

Thermalquellen Baden-BadenTeil 1: Die SageODER wie alles begann (oder auch nicht)   Der Schwarzwald ist sagenumwoben. Besonders viele Sagen ranken sich um den Mummelsee, das "dunkle Auge" am Südhang der Hornisgrinde, einem eiszeitlichen Karsee. Hier hausen...

Thermalquellen Baden-Baden (2): Die Römer

Thermalquellen Baden-BadenTeil 2: Die RömerInhaltAquae aureliaeCastrum - Kastell am RettigArchäologische Ausgrabungen am RettigVicus - Die SiedlungBadeanlagenTextquellenAquae aureliaeEs war die Zeit der Regentschaft von Kaiser Vespasian. Um 75 n. Chr. entstand dort,...

Thermalquellen Baden-Baden (3): Römische Bäder

Thermalquellen Baden-Baden (3): Römische Bäder

Thermalquellen Baden-BadenTeil 3: Römische BäderInhaltEntdeckung der römischen BadeanlagenHistorische BadetraditionKaiserbäderSoldatenbäderSinterhügelTextquellenEntdeckung der römischen Badeanlagen1846 wurden am heutigen Marktplatz beim Abriss der erst 1804 gebauten...

Thermalquellen Baden-Baden (6): Thermalwasserbohrungen

Thermalquellen Baden-BadenTeil 6: Thermalwasserbohrungen am PflutterlochInhaltGesteigerter WasserbedarfBohrung 1Bohrung 2FörderwasserHerkunft des ThermalwassersRegionalgeologische ErkenntnisseTextquellenGesteigerter WasserbedarfUm den zunehmenden...

Thermalquellen Baden-Baden (7): Thermalwasserbrunnen

Thermalquellen Baden-BadenTeil 7: ThermalwasserbrunnenInhaltBrunnen TrinkhalleReiherbrunnenBrunnengrotte FettquelleWandbrunnen BüttenquelleDreischalenbrunnenTextquellenTrinkhalleDie Trinkhalle ist wohl eines der beeindruckendsten Gebäude in...