Thermalquellen Baden-Baden

Teil 6: Thermalwasserbohrungen am Pflutterloch

Inhalt

Gesteigerter Wasserbedarf

Bohrung 1

Bohrung 2

Förderwasser

Herkunft des Thermalwassers

Regionalgeologische Erkenntnisse

Textquellen

Gesteigerter Wasserbedarf

Um den zunehmenden Wasserverbrauch im Friedrichsbad decken zu können, gab es ab 1959 Bemühungen, mittels Bohrungen zusätzliches Thermalwasser zu erschließen. Es lag nahe, zunächst einen Streifen nördlich und südlich der Hautthermalspalte vom „Beutig“ bis zum „Hungerberg“ durch thermische Messungen näher zu erkunden.

Zunächst wurden im Januar/Februar 1960 in einem Gebiet vom Kloster „Zum Heiligen Grab“ bis in das Gebiet an den Radiumbrunnen im „Steinwald“ in 500 Bohrlöchern bis 4 m Tiefe geoelektrische Messungen durchgeführt. In einem zweiten Schritt wurden im Januar/Februar 1962 in weiteren 400 Bohrlöchern analoge Messungen in einem Gebiet nördlich des „Steinwald“, im „Pflutterloch“ und westlich der Oos vom „Friesenberg“ bis zum „Rebbuckel“ und die „Beutigwiesen“ durchgeführt. Alle Messungen wurden in einem 25 m-Raster durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigten, dass das Wiesengelände an der Westseite des Schlossbergs, im Pflutterloch, besonders hoffnungsträchtig ist. Die Auswertung ergab, dass vom Westrand des Schlossgartens nach Nordosten eine Wärmeanomalie vorhanden ist, welche mit ziemlicher Gewissheit durch im Untergrund zirkulierendes Thermalwasser erzeugt wird.

Zunächst musste jedoch überprüft werden, ob sich die durch die bisherigen Messungen nachgewiesenen Anomalien auch bei Wiederholung zeigen und auch in größere Tiefe zu verfolgen sind. Deshalb wurden im Pflutterloch eine Anzahl Bohrungen von 10, 20 und 50 m Tiefe gestoßen. Darin wurden bis 1964 zu verschiedenen Zeiten Kontroll- und Wiederholungsmessungen vorgenommen, insbesondere aber in einer 21 m tiefen Dauermessstelle, in welche 17 Messelemente stationär eingebaut waren. Die Messungen ergaben einen ungewöhnlich hohen Temperaturgradienten von 28°C/100 m. Der Raum erschien somit zu Bohrversuchen prädestiniert, zumal auch in anderen in der Nähe gelegenen Bohrlöchern ähnlich abnormale Gradienten festgestellt waren (Normalgradient 3° C/100 m). Eine solche ungewöhnliche Aufheizung konnte nur mit einer echten tiefenbedingten Wärmeanomalie in Beziehung stehen.

So wurden 1965 südlich vom Pflutterbächle am Hang zur Schloßstraße zwei vollständig gekernte Versuchsbohrungen abgeteuft.

Bohrung 1

Foto: Brunnenkopf Bohrung 1 (November 2022)

Bohrtiefe
301,5 m

Ansatzhöhe
200,41 m NN

Endhöhe
unbekannt

Bohrdurchmesser
150 mm (bis 6,60 m)
131 mm (bis 14,50 m)
101 mm (bis 144,60 m)
86 mm (bis 301,5 m)

 

Bohrwinkel
15° nach Süden

Bei diesem Bohrwinkel liegt die Sohle der Bohrung in ca. 80 m Entfernung an der Ostseite vom Neuen Schloss.

Geologische Skizze des Thermalquellengebietes von Baden-Baden mit den Pflutterloch-Bohrungen (nach der Geologischen Spezialkarte 1:25 000 und der Kartierung 1:2000 von A. BILHARZ 1939 sowie eigenen Beobachtungen zusammengestellt von K. SAUER, 1970). Hinweis: Farblich ergänzt

© Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden, Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse; In: Mitt. bad. Landesver. Naturkunde u. Naturschutz, N.F. 10, Seite 469-480, 1. August 1972.

Bohrprofil Bohrung 1

bis 6,60 m
Hangschutt

bis 228,0 m
Granit

bis 241,0 m
Schiefer

bis 242,0 m
Granit

bis 249,0 m
Schiefer

bis 252,0 m
Granit

bis 256,0 m
Schiefer

bis 257,0 m
Granit

bis 301,5 m
Schiefer

Zutritte Thermalwasser

197 m NNschwach

203 m NN
Hauptzutritt (1,12 l/s)

Wassertemperatur
62,4°C

 

Zuflussrate

1,12 l/s 

Das Bohrloch wurde, im Gegensatz zum Bohrloch der Bohrung 2, nicht erweitert.

Ausbau

Das Schrägbohrloch 1 wurde nicht erweitert und derart ausgebaut, dass zuerst ein Vorschacht von 1,60 m Durchmesser unter 15° Neigung bis 17,20 m geteuft wurde, wobei das vorhandene Kernbohrloch zur Führung des Piloten verwendet wurde.

In den Vorschacht wurde ein Hagustarohr NW 150 (vollwandig) eingebaut, welches auf 3 m dicht in den Fels einbetoniert wurde. Zusätzlich wurde eine Abdichtung mit Hilfe eines in die Felsbohrung eingesetzten Gummipackers vorgenommen.

Bohrung 2

Foto: Brunnenhaus Bohrung 2 (November 2022)

Bohrtiefe
553 m

Ansatzhöhe
200,41 m NN

Endhöhe
– 352,59 m NN

Bohrdurchmesser
101 mm (Anfang)
86 mm (Ende)

Bohrwinkel

Bohrprofil Bohrung 2

bis 11,0 m
Hangschutt

bis 358,0 m
Granit

bis 359,0 m
Schiefer

bis 360,0 m
Granit

bis 366,0 m
Schiefer

bis 368,0 m
Granit

bis 372,0 m
Schiefer

bis 374,0 m
Granit

bis 553,0 m
Schiefer

Zutritte Thermalwasser

139 m NN
ohne weitere Angabe

446 m NN
ohne weitere Angabe

496,6 m NN
Hauptzutritt

Wassertemperatur
55°C

 

Zuflussraten

während der Bohrarbeiten
1,26 l/s

nach Abschluss der Bohrarbeiten
0,87 l/s

im Pumpenbetrieb
2,27 l/s

 

Das Bohrloch wurde angesichts der günstigen Ergebnisse für die Produktion aufgebohrt:

bis 98 m
253 mm

bis zur Endteufe
225 mm

Ausbau

Das Bohrloch wurde mit korrosionsbeständigen Hagusta-Aufsatz-Rohren NW 175 bis 451,70 m ausgebaut, an die sich Filterrohre derselben Dimension und Beschaffenheit mit versetzter Schlitzlochung dreimal 25 mm anschließen, durch welche das Thermalwasser eintreten kann.

Um gegen Oberflächenwässer abgesichert zu sein, wurde eine Schutzrohrtour von 240 mm Durchmesser bis 98 m eingestellt. Die Zwischenräume zwischen Bohrlochwand, Hilfsverrohrung und Hagustarohren wurden bis 128 m über Injektionsrohre ausbetoniert.

Der nach erfolgtem Ausbau durchgeführte Dauerpumpversuch ergab, dass 2,27 l/s (= 196 m³/d) bei Absenkung des Wasserspiegels um 100 m gefördert werden können.

 

Förderwasser

Wasser für das Friedrichsbad

Foto: Friedrichsbad (Oktober 2022)

Im Pumpbetrieb versorgen die beiden Brunnen das Friedrichsbad über eine 630 m lange Leitung seit 1969 jeden Tag mit 293m³ Thermalwasser (3,4 l/s).

Das sind jedes Jahr: 106.945 m³ oder 106,945 Millionen Liter

Alle Thermalquellen von Baden-Baden fördern täglich 1,7 t NaCl (Kochsalz) und 40kg LiCl und das seit mindestens 2.000 Jahren.

Das sind in Summe: über 1,24 Millionen t NaCl (Kochsalz).

Brunnen 1

Entnahmetiefe
bis 301,5 m
= – 101,09 m NN

Temperatur
62,4°C

Zuflussrate
1,12 l/s

Lösungsinhalt
2.792,4 mg/l
(04.06.1969)

Brunnen 2

Entnahmetiefe
bis 553 m
= – 352,59 m NN

Temperatur
55,5°C

Zuflussrate
0,87 l/s

Lösungsinhalt
3.640.4 mg/l
(04.06.1969)

Foto: Die beiden Förderbrunnen im Pflutterloch (November 2022)

Herkunft und Alter des Thermalwassers

Das Thermalwasser stammt, bei einem lokalen geothermischen Gradienten von ca. 5°C/100 m, aus Tiefen von ca. 1.200 m bis 1.500 m.

Die enthaltenen Mineralstoffe weisen auf eine Herkunft in der Füllung des Oberrheingrabens hin, wo das Tertiär W der Senke von Baden-Baden eine Mächtigkeit von ungefähr 1.200 m aufweist.

Niederschlagswasser dringt dort in den Untergrund ein, bewegt sich in der tektonisch zerlegten Randscholle nach N und vermischt sich dabei mit salinaren Lösungen aus dem Oberrheingraben, um an Störungen im Bereich des Florentinerberg artesisch bis zur Oberfläche aufzusteigen.

Über das Alter der Thermalquellen sind keine genauen Angaben möglich. Vermutlich sind sie im Spätpleistozän durch neuerliche Bewegungen an älteren Störungen entstanden.

Regionalgeologische Erkenntnisse

Die beiden Bohrungen konnten wesentlich zur Klärung über die Art des Kontaktes zwischen den Alten Schiefern (Baden-Baden-Schiefergruppe) und dem Badener Granit (Friesenberg Granit) beitragen.

Die starke Verzahnung von Granit und Schiefer ergibt einen Schuppenkontakt, was sich durchaus mit den mikroskopischen Befunden deckt.

Der Mineralbestand der Schiefer zeigt zwar, dass sie einer Metamorphose unterlegen haben, doch hat es sich hierbei um die niedertemperierten Zonen der Grünschieferfazies gehandelt, also um eine seichte Regionalmetamorphose.

Für eine Kontaktmetamorphose an einem Granit lassen sich selbst direkt am Kontakt absolut keine Kriterien feststellen.

Die Bohrprofile zeigen nicht nur die vertikale Verschuppung sondern auch die laterale tektonische Störung des Gebirges. Während in Bohrung 2 bis 358 m durchgehend Granit angetroffen wurde, setzt bei Bohrung 1 die Verschuppung bereits ab 228 m ein.

Bohrprofil Bohrung 1

bis 6,60 m
Hangschutt

bis 228,0 m
Granit

bis 241,0 m
Schiefer

bis 242,0 m
Granit

bis 249,0 m
Schiefer

bis 252,0 m
Granit

bis 256,0 m
Schiefer

bis 257,0 m
Granit

bis 301,5 m
Schiefer

Bohrprofil Bohrung 2

bis 11,0 m
Hangschutt

bis 358,0 m
Granit

bis 359,0 m
Schiefer

bis 360,0 m
Granit

bis 366,0 m
Schiefer

bis 368,0 m
Granit

bis 372,0 m
Schiefer

bis 374,0 m
Granit

bis 553,0 m
Schiefer

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Textquellen

Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden, Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse; In: Mitt. bad. Landesver. Naturkunde u. Naturschutz, N.F. 10, Seite 469-480, 1. August 1972.

 

 

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