Thermalquellen Baden-Baden

Teil 7: Thermalwasserbrunnen

Inhalt

Brunnen Trinkhalle

Reiherbrunnen

Brunnengrotte Fettquelle

Wandbrunnen Büttenquelle

Dreischalenbrunnen

Textquellen

Trinkhalle

Die Trinkhalle ist wohl eines der beeindruckendsten Gebäude in Baden-Baden.

In leicht erhöhter Lage erinnert der Bau mit seinen 16 Säulen und dem 90 m langen offenen Wandelgang an die römische Geschichte Baden-Badens.

Insgesamt 14 großformatige Wandgemälde von Jakob Götzenberger (1802 bis 1866) stellen Szenen aus der Sagenwelt des nördlichen Schwarzwalds dar und runden die imposante Erscheinung des majestätisch wirkenden Gebäudes ab.

Foto: Wandelgang Trinkhalle (Oktober 2022)

Die Trinkhalle wurde 1839 bis 1842 nach Plänen von Heinrich Hübsch, einem Schüler Friedrich Weinbrenners, für die im 19. Jahrhundert in Mode gekommenen Trinkkuren erbaut.

Der halboffene Wandelgang beeindruckt nicht durch eine zeitlos schöne und beeindruckende Architektur. Übergroße Fresken mit Szenen aus Mythen und Sagen der Region runden das gesamte Bauwerk ab.

Foto: Hinweis auf die Herkunft und Zusammensetzung des Thermalwassers am Eingang zur Trinkhalle (Oktober 2022)

Die Friedrichsquelle befindet sich am Florentinerberg hinter dem Friedrichsbad.

Die Haupt-Thermalquellen am Florentinerberg wurden im 19. Jahrhundert durch den Karlsruher Ingenieur Robert Gerwig in begehbaren Stollen gefasst. Die Stollen sammeln das gesammte Wasser der in der Stollenanlage austretenden Quellen. Es handelt sich also um ein Mischwasser verschiedener Thermalquellen.

Wegen der hohen Temperaturen und v.a. auch wegen der Arsengehalte wird, wie auch bei den anderen Thermalwasser-Trinkbrunnen in Baden-Baden, normal temperiertes Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz der Stadt Baden-Baden zugemischt.

Die Trinkbrunnen im prächtigen Innenraum der Trinkhalle werden aus der Friedrichsquelle gespeist, so die Inschrift vor dem Gebäude. Bei der Friedrichsquelle handelt es sich um eine arsenhaltige Lithium-Kochsalz-Quelle.

Fotos: Blick in die Trinkhalle (Oktober 2022)

Reiherbrunnen

Foto: Der Reiherbrunnen am heutigen Standort auf der Mittelachse der Sophienallee zwischen Sonnen- und Leopoldsplatz (März 2026)

Der Entwurf dieses Brunnens im Jugendstil geht auf den Karlsruher Bildhauer Karl Albiker (1878-1961) zurück.

Auf dem steinernen Brunnentrog thronen drei bronzene Reiher. Der mittlere Reiher hat die Flügel ausgebreitet und aus seinem Schnabel strömt das Thermalwasser.

Foto: Der Reiherbrunnen am heutigen Standort auf der Mittelachse der Sophienallee zwischen Sonnen- und Leopoldsplatz (März 2026)

In früheren Jahren war das Wasser, dass offenbar aus der Fettquelle (ca. 63°C) an der Klosterschule „Zum Heiligen Grab“ stammt, noch um 40°C warm.

Heute aber fühlt sich das Wasser nicht nur spürbar kühler an, es ist auch kühler. Der Grund ist die Novellierung der Trinkwasserverordnung im Jahr 2012. Dort wurden die Grenzwerte für Arsen verschärft.

Seither muss der Brunnen mit vorgefiltertem Wasser (mit geringerem Arsengehalt), das aus verschiedenen Thermalwasserquellen stammt, versorgt werden. Das Wasser ist seither mit ca. 28°C gefühlt nur noch „lauwarm“.

 

Von seiner Einweihung am 10. Oktober 1908 bis ins Jahr 1966 stand der Reiherbrunnen auf Höhe des Sonnenplatzes. So auch 1915 während des Ersten Weltkrieges.

Das arsenhaltige Wasser scheint sehr schmackhaft zu sein.

Foto: Der Reiherbrunnen auf Höhe des Sonnenplatzes (Historische Ansichtskarte), Sammlung Roland Seiter

Mal hier, mal dort

Nachdem er in den 1960er Jahren mehrfach von Autofahrern angefahren worden war, wurde er 1966 in eine Ladennische an der Ecke Sophienstraße-Stephanienstraße versetzt.

Anlässlich der Landesgartenschau 1981 wurde der Brunnen an einer besser einsehbaren Stelle platziert. Dort steht er noch heute:

Auf der Mittelachse der Sophienallee zwischen Sonnen- und Leopoldsplatz.

2013 rissen Unbekannte den wasserspeienden Reiher aus seiner Verankerung. Nach einer Restaurierung konnte der Vogel im April 2014 wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren.

Schaden: 10.000 Euro

Brunnengrotte Fettquelle

Foto: Brunnengrotte der Fettquelle in der Stützmauer der Dernfeldstaffeln (Oktober 2022)

Um 1870 wurde an der Ostseite des Friedrichsbades an den Dernfeldstaffeln eine künstliche Grotte mit Trinkbrunnen angelegt.

Der Brunnen wird von der Fettquelle gespeist, die sich nur wenige Meter daneben, an der Grundstücksgrenze zur Klosterschule „Zum Heiligen Grab“ befindet.

Zur Verblendung der Brunnengrotte wurden Sintersteine (grau) aus dem hier an Ort und Stelle früher vorhandenen Sinterhügel verwendet.

Bei den Steinen des hellroten Mauerwerks handelt sich um Vulkanite, die schon im 16. Jahrhundert an der Ostseite des Leisberg im Ortsteil Geroldsau abgebaut wurden und als wichtigster Baustein Baden-Badens Verwendung fanden (Leisbergporphyr).

Foto rechts: Detailansicht des Mauerwerks der Brunnengrotte aus Kalksinter (März 2026)

Foto rechts: Detailansicht des Mauerwerks der Stützmauer aus Leisbergporphyr (Oktober 2022)

Wandbrunnen Büttenquelle

Büttenstraße 8

Foto: Wandbrunnen der Büttenquelle in der Büttenstraße 8 (August 2023)

Ungefähr 100 m südwestlich vom eigentlichen Thermalareal am Westrand des Markplatzes befinden sich die als Büttenquellen altbekannten Austritte warmen Wassers.

Die Existenz der Büttenquellen (zwei Quellaustritte) ist durch eine Urkunde vom 13. Juni 1471 erstmals belegt. Der Markgraf schenkte sie der Stadt 1477. Die Quellen wurden gegenüber dem Badhaus „Baldreit“ in einem 1558 angelegten, 1894 um wenige Meter verlängerten Stollen unter dem Gebäude Büttenstraße 8 gefasst (Stollenlänge ca. 15 m).

Das Haus wurde später an einen Privatmann verkauft, der das Gebäude Anfang der 1990er Jahre abreißen ließ. 

Das Landesdenkmalamt verpflichtete den neuen Besitzer beim Wiederaufbau den Stollen der Büttenquelle zu erhalten, den Kopfstein des Stolleneingangs wiedereinzusetzen und für den zerstörten Wandbrunnen eine Rekonstruktion anfertigen zu lassen.

Der Baden-Badener Bildhauer Walter Grimm schuf nach den alten Plänen den neuen Wandbrunnen.

Dreischalenbrunnen

Basicher Hof

Foto: Dreischalenbrunnen im Badischen Hof (2018). Das Foto wurde vor dem Brand 2021 aufgenommen.

Im Jahr 1925 hatte Gustav Schnetzer, der damalige Besitzer des Badischen Hofs, die Idee, an der Einfahrt zum Kurgebiet einen mit Thermalwasser betriebenen Brunnen zu errichten, der die Bäderstadt verkörpern solle. Er beauftragte den Baden-Badener Architekten Ernst Walker mit der Planung.

Umbauarbeiten am Hotel führten im Herbst 1980 dazu, dass der Brunnen abgebaut werden musste. Der Brunnen wurde in seine Einzelteile zerlegt und von einem Kuppenheimer Steinmetz generalüberholt. Er entfernte Ablagerungen, die durch das Thermalwasser entstanden waren und besserte kleinere Beschädigungen aus. Im Juli 1981 konnte Brunnen wieder aufgebaut werden.

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Textquellen

Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden, Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse; In: Mitt. bad. Landesver. Naturkunde u. Naturschutz, N.F. 10, Seite 469-480, 1. August 1972.

 

 

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