Büffelbad

Naturschutzgebiet Bruchgraben

Der Bruchgraben im Stadtkreis Baden-Baden auf den Gemarkungen Sandweier und Oos ist mit 185 Hektar eines der größten Naturschutzgebiete am Ostrand der Rheinebene.

Das Gebiet ist eine Feuchtniederung von überregionaler Bedeutung, die vielen seltenen Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet.

Zur geschützten Fläche gehört neben dem eigentlichen Bruchgrabengebiet auch der durch Ausbaggerung entstandene Leissee, der nördlich der Niederung liegt.

Naturschutzgebiete westlich von Baden-Baden. Links das NSG Bruchgraben.
© Daten- und Kartendienst der LUBW (Abfrage vom Februar 2026)

Vom späteiszeitlichen Fluss zu einer Sumpflandschaft

Die Entstehungsgeschichte des Bruchgrabens beginnt mit einem späteiszeitlichen Flusslauf.

Es war einmal ein Gewässer, das einst ein verzweigtes und mäandrierendes, mit dem Rhein verbundenes Fließsystem bildete. Die letzte Eiszeit ist gerade am ausklingen. Zwischen den einzelnen Gewässerarmen gibt es erhöhte Schotterrücken und tiefer liegende Rinnen.

Das Gewässer bekam erst viele Jahre später einen Namen. Sein Name leitete sich von gleichnamigen Ort ab, der ihm seine Richtung vorgab. Der Ort ist die sogenannte Kinzig-Murg-Rinne (KiMuRi). Diese Bezeichnung geht auf den Geologen Hans Thürach (1912) zurück.

Der Fluss selbst wird, wenig phantasievoll, einfach nur Kinzig-Murg-Fluss genannt. Johann Gottfried Tulla (1822), leitender Ingenieur der Rheinbegradigung, nannte ihn „Ostrhein“.

Da es den Fluss heute aber nicht mehr gibt, spricht man vielmehr von seinen Spuren, seinen Ablagerungen in der Rinne. Und genau diese (jüngeren) Spuren heben sich von seiner direkten (älteren) Umgebung ab.

Die KiMuRi war eine rheinparallel verlaufende Senke am Westrand des Schwarzwalds und Kraichgaus, die am dem Ende der letzten Eiszeit, ab ca. 14.000 bis 15.000 Jahre vor heute, zwischen Offenburg im Süden und Wiesloch im Norden alle östlichen Randzuflüsse aufnahm, um diese erst in Höhe von Mannheim in den Rhein zu leiten.

In Anbetracht nachweislicher subrezenter bis rezenter Bewegungen am Ostrand des Oberrheingrabens wird die Entstehung der Rinne auf eine tektonische Absenkung zurückgeführt.

Das Gewässer war ein wild verzweigter Fluss mit zahlreichen verflochtenen Fließrinnen, wie auch der deutlich größere Rhein, ein „braided river“, der je nach Wasserführung sein Bett verlagerte. In der Rinne findet man engräumig wechselnde Ablagerungen grober und feinkörniger Sedimente. Mehrere, von Südwesten kommende Gewässerrinnen vereinigten sich in zu einem breiten Strom, der bei Karlsruhe eine außergewöhnlich Breite einnahm (2km bis 2,5km).

Verladung und Moorbildung

Verschiedene Durchbrüche entlang der Rinne nach Westen direkt in den Rhein führten ab einer Zeit von vor ca. 6.000 Jahren sukzessive zur Verlandung des Fließsystems. Zurück blieben Stillgewässer und feuchte Senken, die mit der Zeit versumpften und vermoorten. Ein üppiges Pflanzenwachstum in Verbindung mit konservierenden, wassergesättigten Böden führte zur Bildung von Torfen.

Da es sich um grundwassergebundene Moorbildungen handelt, spricht man von sogenannten „Niedermooren“ (in Abgrenzung zu den niederschlagsgebundenen „Hochmooren“).

Spuren der Erosion

Der Bruchgraben ist ein besonders naturnaher und gut erhaltener Abschnitt der Kinzig-Murg-Rinne. Weithin sichtbarer Zeuge der nacheiszeitlichen Flusslandschaft ist im Schutzgebiet eine 5 bis 6m hohe Gestadekante entlang des westlichen Randes, die auf einer Länge von rund 1.000 m noch gut erhalten ist und die frühere Erosionskraft des Flusses verdeutlicht.

Foto: Im Naturschutzgebiet Bruchgraben (Mai 2025)

Durch die Sperre des Murgschwemmfächers zwischen Oos, Haueneberstein, Niederbühl und Sandweier bildete sich bei starken Niederschlägen der „Landsee“.

Nach dem Bau des Ooskanals und dem Durchstich des Sandbachs nach Westen in Richtung Iffezheim wurden die regelmäßig überfluteten Flächen zu Beginn des 18. Jahrhunderts trockengelegt.

 

Schutz- und Pflegekonzept

Der Bruchgraben soll sich wieder zu einer Sumpf- und Moorlandschaft entwickeln dürfen. Hierzu werden Teilbereiche durch den Einstau von Niederschlägen wiedervernässt und nach den Anforderungen der seltenen Pflanzen- und Tierarten gepflegt.

Zur Pflege zählt hauptsächlich die Mahd der Feuchtwiesen, Seggenriede und Röhricht aber auch die Entfernung von Gebüschen, die sich nach der Nutzungsaufgabe im Gebiet ausgebreitet haben.

 

Mahd? Entfernung von Büschen? Das können wir doch auch…

Foto: Büffelbad im Naturschutzgebiet Bruchgraben (Mai 2025)

Tierische Badekultur

Im Naturschutzgebiet Bruchgraben werden seit 2020 auch Wasserbüffel zur Beweidung eingesetzt. Ein Landwirt aus Sinzheim-Winden macht‘s möglich.

Die Wasserbüffel halten nicht nur die Landschaft offen, sondern sie legen mit ihren Hörnern und Hufen auch Schlamm- und Wassersuhlen an.

Sie schaffen sich also ihr eigenes Schlammbad.

 

Gewünschter Nebeneffekt: Sie legen damit auch Nahrungsquellen für Vögel frei und schaffen einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Foto: Das zweite Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)