Geologie Schwarzwald

Lage

Der Schwarzwald liegt im Südwesten von Deutschland, in Baden-Württemberg, zwischen Karlsruhe im Norden und Bad Säckingen im Süden. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt ca. 160 km. Die West-Ost-Ausdehnung schwankt zwischen 35 und 50 km (ca. 6.000 m²).

Im Westen wird der Schwarzwald durch den Oberrheingraben und dessen Vorberge begrenzt, er fällt hier auf wenigen Kilometern Entfernung mit einem Höhenunterschied von über 1.000 m steil zur Oberrheinebene hin ab.  Im Osten und Norden markiert die Buntsandstein/Muschelkalk-Grenze den Übergang zu den Gäulandschaften, diese Grenze ist morphologisch kaum erkennbar.

Der Schwarzwald ist das höchste Mittelgebirge in Deutschland.

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Ein junges Gebirge

Der Schwarzwald ist geologisch betrachtet ein sehr junges Gebirge. Er verdankt seine Entstehung den plattentektonischen Vorgängen im Zusammenhang mit der Entstehung der Alpen im Eozän vor ca. 50 Millionen Jahren. Das durch die Plattenkollision im Alpenraum resultierende Spannungsfeld bewirkte im nördlichen Vorland eine Dehnung der Erdkruste, die zu sinistralen schrägabschiebenden Bewegungen auf NNESSW gerichteten Störungen und zu dextralen Bewegungen auf NWSE orientierten Störungen führten. Ähnliche geologische Vorgänge kennen wir aus dem tektonischen Vorland des im gleichen Zeitraum entstandenen Hochgebirges des Himalaya, dem höchsten Gebirge der Erde.

Im Bereich einer alten, bereits varskisch angelegten Scherzone führte die Krustendehnung zur Bildung des Oberrheingrabens. Die rezenten Erdbeben in Südwestdeutschland belegen, dass diese tektonischen Prozesse unvermindert anhalten.

Hier geht’s zum Landeserdbebendienst (LED)

© Graphik: LGRB Freiburg

Im Zuge der Grabenbildung wurden die westlichen und östlichen Schulterbereiche des Oberrheingrabens angehoben. Diese Schulterbereiche kennen wir heute als „Vogesen“ und „Schwarzwald“. Die Hebung, die bis heute andauert, ist im Süden stärker ausgeprägt, so dass der Feldberg (1.493 m) als höchster Gipfel im Schwarzwald den höchsten Gipfel im Nordschwarzwald, die Hornisgrinde (1.163 m), deutlich an Höhe überragt.

In den letzten 2,5 Millionen Jahren (Pleistozän) wurde der Schwarzwald durch verschiedene Vereisungsphasen charakteristisch überprägt. Während der Südschwarzwald von einer großen Eiskappe bedeckt war, gab es im Nordschwarzwald viele kleinere Kargletscher. Eine Übersichtskarte der Spuren der Eiszeit im Schwarzwald finden Sie hier.

Die Gesteine

Im Gegensatz zur Entstehung des Gebirges als morphologische Erhebung sind die Gesteine des Schwarzwalds mit bis zu 350 Millionen Jahren deutlich älter. Die Gesteine lassen sich grob nach den älteren Kristallingesteinen des Grundgebirges (v.a. Gneise und Granite) und den jüngeren Gesteinen des Deckgebirges (Quarzporphyre und Sedimentgesteine des Rotliegenden und Buntsandstein) unterscheiden. Die Sedimentgesteine überlagern die Kristallingesteine des Grundgebirges v. a. im Nordschwarzwald und am Ostrand des Mittleren Schwarzwalds. Sie treten aber auch im Westen und Südwesten, im Bereich der Lahr-Emmendinger Vorbergzone und des Weitenauer Berglands in Erscheinung und bilden am Ost‑ und Südrand des Südschwarzwalds kleine Vorkommen.

Geologisch-geomorphologischer Überblick

Kutzenstein, Renchen: Grundgebirge (Granit) mit Wollsackverwitterung

Battert, Baden-Baden: Deckgebirge (Rotliegendes)

Steinbruch am Schrofel W Baiersbronn-Heselbach, Baiersbronn/Röt: Im Schotterbruch am Schrofel wird ein kleinkörniger Ganggranit abgebaut, der in metatektischen Paragneisen sitzt. Der Steinbruch zeigt deutlich die diskordante Auflagerung des Deckgebirges auf der Abtragungsfläche des kristallinen Grundgebirges. Das Deckgebirge wird von Schichten des Unteren Buntsandsteins (su) sowie geringmächtigen Schichten des Oberen Rotliegenden (ro) gebildet.

Ein älteres Gebirge

Das Grundgebirge und die ältesten Sedimentgesteine des Deckgebirges sind Zeugen eines noch älteren Gebirges, das sich vor über 300 Millionen Jahren im Bereich des heutigen Schwarzwalds (und weit darüber hinaus) befand. Dieses alte Gebirge entstand, analog wie die jungen Alpen, als Faltengebirge durch eine Plattenkollision. Die tektonischen Prozesse lassen sich global in der gesamten nördlichen Hemisphäre nachweisen. Die als variskische Orogenese bezeichnete Gebirgsbildung führte am Ende des Erdalterums (Paläozoikum) zur Bildung des „Urkontinents“ Pangäa und des variskischen Gebirges.

Ein sehr kurzer Abschnitt der tektonischen „Nahtstelle“ dieser Plattenkollision (Geosutur) lässt sich in einem ca. 2-5 km breiten Streifen  quer durch den Südschwarzwald zwischen Badenweiler und Lenzkirch nachweisen (Zone von Badenweiler-Lenzkirch).

Zone von Badenweiler-Lenzkirch. Ausschnitt aus der Geologischen Übersichtskarte Baden-Württemberg 1:300:000 (GÜK 300); Quelle: Kartenviewer LGRB (Layer Geologie)

Legende: aBL: Badenweiler-Lenzkirch-Schiefergruppe; cK: Konglomerat-Formation; cdP-cVK: Protocanitengrauwacken-Formation und Vulkanit-Komplex; gSP-aS: Spießhorn-Parametamorphite und Schlächtenhaus-Schiefer-Formation; GRP: Granitplutone; gRA: Randgranit