Ludwig Wilhelm Auerbach (* 5. September 1840 in Pforzheim; † 22. Juli 1882 in Seelbach (Schutter)) war ein Kaufmann, Schmuckfabrikant und Dichter.
Der Nachwelt ist er vor allem als Textautor des Volksliedes O Schwarzwald, o Heimat bekannt.
Kindheit und Jugend
Ludwig Auerbach war der Sohn des Pforzheimer Schmuckfabrikanten Ludwig Wilhelm Auerbach senior und seiner Frau Karoline, geb. Hirtzel.
Der junge Ludwig besuchte in Pforzheim die Volksschule und das Gymnasium und offenbarte schon früh ausgeprägtes literarisches Talent. Seine ältesten bekannten Gedichte schrieb er als Zwölfjähriger. Mit sechzehn Jahren verfasste er das romantisch-historische Versepos Bellrem von Weißenstein, das 1860 sogar als Buch gedruckt wurde. Dem Gymnasiasten wurde von Großherzog Friedrich I. sogar ein Stipendium angeboten. Der Vater Auerbach jedoch verbot seinem Sohn Abitur und Studium. Stattdessen trat
Zeit als Schmuckfabrikant in Pforzheim
Mit dem Rückzug des Vaters in den Ruhestand 1867 wurde dieser Plan umgesetzt. Ludwig Auerbach übernahm gemeinsam mit seinem Schwager Georg Katz die gutgehende, nun als Auerbach & Katz firmierende Fabrik. In ihrer Blütezeit beschäftigte sie knapp hundert Arbeiter und produzierte vorwiegend für Abnehmer im Russischen Reich. Als wohlhabender Fabrikant ließ sich Auerbach eine repräsentative Villa bauen, unweit der Fabrik, aber auch günstig gelegen für Wanderungen in den von ihm geliebten Schwarzwald.
Während all dieser Zeit hatte Ludwig Auerbach im Privaten weiter seine dichterische Tätigkeit gepflegt und Freundschaften zu anderen Literaten wie Ferdinand Freiligrathgeknüpft, auch zu Wilhelm Ganzhorn hatte er Kontakt.
Nach Berichten von Angehörigen dichtete er 1873 auf einer Wanderung ins Würmtal sein Schwarzwälder Heimatlied, das unter dem Titel O Schwarzwald, o Heimat mehrfach vertont und zu einem der beliebtesten Volkslieder seiner Zeit wurde.
Die nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Reichsgründung durch französische Reparationszahlungenangeheizte Konjunktur in Deutschland brach ab 1873 zusammen, was auf die Pforzheimer Schmuckindustrie voll durchschlug. Auerbach senior war 1871 gestorben und erlebte nicht mehr mit, wie es selbst für die stark exportorientierteFirma Auerbach & Katz wirtschaftlich nun abwärtsging, was schließlich 1877 zum Konkurs führte.
Ludwig Auerbach stand nun vor dem wirtschaftlichen Ruin. Auerbach erhielt in dieser Zeit über einen Dichterfreund, dem Lahrer Bankier Friedrich Geßler, ein Angebot, die Leitung der Schutterfabrik im nahen Seelbach zu übernehm. Es wird oft vermutet, dass Auerbachs große Zuneigung zum heimatlichen Schwarzwald den Ausschlag für diese Entscheidung gab.
Übersiedlung nach Lahr und Seelbach und früher Tod
Nach einem großen Abschiedsfest in Pforzheim zog Auerbach mit seiner Familie zunächst in Geßlers Villa in Lahr ein. Im folgenden Jahr, 1878, zog Auerbach dann in ein als Wohnhaus hergerichtetes Nebengebäude der Seelbacher Fabrik (am heutigen Standort Seniorenheim St. Hildegard), in die er den Rest seines Vermögens investierte.
Die Schutterfabrik verarbeitete Stroh zu einem Grundstoff für die Papierherstellung und entließ dabei große Mengen giftigen und übelriechenden Abwassers in den Fluss Schutter, wodurch paradoxerweise der so naturliebende Auerbach einen Großteil der Talbevölkerung gegen sich aufbrachte. Wirtschaftlich erfolgreich war die Fabrik auf Dauer jedoch nicht, denn das neu erfundene Verfahren, Holz zu Zellulose zu verarbeiten, setzte sie bald immer stärker unter Druck. In dieser Situation, in der sich ein zweiter Konkurs bereits abzeichnete, erlitt Auerbach auf einer Geschäftsreise einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er zurück in Seelbach wenig später starb.
Ludwig Auerbach wurde nicht ganz 42 Jahre alt. Er wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof bestattet, wo sein Grab noch heute erhalten ist. Lahrer Freunde stifteten ihm 1884 einen denkmalartigen Grabstein, auf dem eine Bronzeplakette Auerbachs Büste im Profil zeigt. Die Lahrer Freunde Geßler und Scherenberg sorgten auch 1889 für die posthume Veröffentlichung der Gedichtsammlung Aus dem Schwarzwald.
Auerbachs Frau Rosa und seine minderjährigen Kinder Rudolf und Hedwig blieben nach Ludwigs Tod in einer finanziell schwierigen Situation zurück. Die Witwe führte die Fabrik in Seelbach noch kurze Zeit weiter, kehrte dann aber mit den Kindern nach Pforzheim zurück.
Textquelle: Wikipedia „Ludwig Auerbach“ (Abruf August 2026)
Das Leben von Ludwig Auerbach
1840: am 5. September in Pforzheim geboren.
1852: erstes Gedicht „Abendsonne“
1856: Epos „Bellrem von Weißenstein“
1860: Angebot von Großherzog Friedrich I. für ein Stipendium. Der Vater verbietet Auerbach das Abitur und Studium, stattdessen muss er eine Lehre als Kaufmann absolvieren und in die elterliche Schmuckfirma eintreten.
1867: Übernahme der erfolgreichen Pforzheimer Schmuckfabrik
1873: Dichtung des berühmten Heimatlieds „O Schwarzwald, O Heimat“
1877: Untergang der Firma. Auerbach übernimmt die Schutterfabrik in Seelbach
1882: Konkurs der Schutterfabrik zeichnet sich ab, Auerbach erleidet auf einer Geschäftsreise einen Herzinfarkt und stirbt am 22. Juli im Alter von 41 Jahren
1889: posthume Veröffentlichung der Gedichtsammlung „Aus dem Schwarzwald“
O Schwarzwald, o Heimat
O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!
Wie locken das Herz deine schwarzdunkeln Höhn
Zum fröhlichen Wandern in Hochsommerzeit,
Zum Rasten in heimlicher Einsamkeit,
Im traulichen Mühlgrund, bei Quellengetön:
O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!
O Schwarzwald, o Heimat, wohl hat mir die Welt
Mit köstlichen Wundern die Seele geschwellt:
Die lachende Ferne erschloss ihre Pracht,
Doch hab‘ ich in Liebe stets deiner gedacht,
Im Traum sah ich winken die schwarzdunkeln Höhn:
O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!
O Schwarzwald, o Heimat, dein Rauschen erklang
Ins Träumen des Kindes, wie Wiegengesang,
Und später, da gabst du dein weites Revier
Zum Tummelplatz fröhlicher Spiele mir;
Die lauschigen Täler, die schauenden Höhn:
O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!
O Schwarzwald, o Heimat, noch heut‘ füllt die Brust
Ein Nachklang der schwärmenden, brausenden Lust,
Mit der du die Stirn mir beim Maitrank bekränzt,
Wo Schönheit und Liebe den Becher kredenzt,
Bei Tanz und bei Liedern und Waldhorngetön:
O Schwarzwald, o Heimat, wie war das so schön!
O Schwarzwald, dein Zauber bleibt ewig uns neu,
Drum lieb‘ ich dich innig, dich lieb‘ ich getreu,
Und kommt einst mein Stündlein, bei dir nur allein,
Von dir überwölbt, will begraben ich sein,
Wo Waldvögel jubeln von frühroten Höhn:
O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!