Aufenthaltszeit
Vincent lebte mehrmals in Paris und arbeitete dort als Angestellter des Kunsthandels Goupil & Cie und später als Künstler.
Vincent besuchte Paris erstmals im Mai 1873. Er verbrachte dort einige Tage, um Museen zu besichtigen und den Hauptsitz seines Arbeitgebers, des internationalen Kunsthandelsunternehmens Goupil & Cie, zu besuchen. Anschließend reiste er nach England, um in der Londoner Niederlassung des Unternehmens zu arbeiten. Im Herbst 1874 versetzte Goupil ihn für zwei Monate von London nach Paris.
Im Mai 1875 folgte die endgültige Versetzung. Vincent arbeitete wochentags im Hauptsitz von Goupil & Cie und wohnte in einem kleinen Mietzimmer an einer unbekannten Adresse in Montmartre. Er freundete sich mit dem Engländer Harry Gladwell an, der in derselben Wohnung lebte.
Vincent war zunehmend religiös geworden und las Gladwell laut aus der Bibel vor. Sonntags pilgerte er von Kirche zu Kirche und besuchte Gottesdienste in ganz Paris, von früh morgens bis abends. Er und Gladwell besuchten außerdem wöchentlich Museen, darunter den Louvre und das Musée du Luxembourg. In Paris endete Vincents Karriere im Kunsthandel. Goupil entließ ihn am 1. April 1876, offiziell wegen unentschuldigten Fehlens während des Weihnachtsgeschäfts, doch seine wenig freundliche Art gegenüber Kunden dürfte ebenfalls eine Rolle gespielt haben.
Zehn Jahre später, nachdem ihn seine Reisen nach Ramsgate, Isleworth, Dordrecht, Amsterdam, Brüssel, Drenthe, Nuenen und Antwerpen geführt hatten, kehrte Vincent nach Paris zurück.
Inzwischen hatte er sich als Künstler weiterentwickelt und strebte danach, seine Fähigkeiten im Aktzeichnen im Atelier des Künstlers Fernand Cormon zu perfektionieren. Diesmal lebte Vincent bei seinem Bruder Theo, einem Manager bei Boussod, Valadon & Cie (dem Nachfolger von Goupil & Cie).
In Paris machte sich Vincent mit den Werken der Impressionisten vertraut, schloss Freundschaften mit Künstlern wie John Peter Russell, Émile Bernard, Henri de Toulouse-Lautrec und Paul Signac, organisierte Ausstellungen, setzte sich für die Gründung einer Künstlervereinigung ein und begann gemeinsam mit seinem Bruder eine Kunstsammlung aufzubauen.
Sein Werk veränderte sich in dieser Zeit deutlich. Er begann, hellere, leuchtendere Farben zu verwenden und mit verschiedenen Maltechniken zu experimentieren.
Vincent gefiel Paris zunächst, doch er empfand das Stadtleben als stressig und verließ die Stadt nach zwei Jahren, um ins sonnige Arles in Südfrankreich zu ziehen.
Textquelle: Webseite „Van Gogh Route“ (September 2026)