Vincent van Gogh

1853 – 1890

Vincent van Gogh gilt er als einer der Begründer der modernen Malerei.

Erst im Alter von bereits 27 Jahren beschloss er  Maler zu werden (1880). In den ihm nur noch 10 verbleibenden Lebensjahren schuf er über 900 Gemälde und über 1.000 Zeichnungen.

Van Gogh signierte seine Werke schlicht mit seinem Vornamen.

1880

Vincent begann wie damals üblich mit Zeichenunterricht, auch autodidaktisch, zeichnete nach Lehrbüchern und kopierte von ihm bewunderte Zeichnungen und Drucke. Um in Kontakt mit Kunst und Künstlern zu kommen, zog er im Oktober 1880 nach Brüssel, wo er sich auf der Kunstakademie einschrieb.

1881

Im April 1881 kehrte er ins Elternhaus nach Etten zurück, wo er sich im Pfarrhaus ein Atelier einrichtete. Mitglieder der Pfarrei standen für ihn kostenfrei Modell.

Vincent van Gogh: „Pfarrhaus und Kirche in Etten-Leur“ (1876)

An Weihnachten 1881 verließ Vincent sein Elternhaus endgültig  und zog nach Den Haag. Er bekam ab November 1881 Zeichen- und Malunterricht bei Anton Mauve. Der Vetter war ein guter, anerkannter Maler und nahm den fünfzehn Jahre jüngeren Vincent unter seine Fittiche. Er lud Vincent zu sich ein, unterstützte ihn (auch finanziell) und half ihm technisch. Er war überzeugt, dass in Vincent ein Maler steckte. Er versuchte, ihm das Aquarellieren zu lehren. Anton Mauve spielte eine zentrale Rolle in Den Haag und erleichterte seinem Vetter Vincent den Einstieg in die Malerei.

Vincent van Gogh: „Die Häuser am Schenkweg“ (1882, 400 x 690 mm, Privatbesitz)

1882

Im Mai 1882 verwarfen sich van Gogh und Mauve unwiederbringlich. Am Jahresende schrieb er:

Ich spüre in mir eine Kraft, die ich entwickeln möchte, ein Feuer, das ich nicht ausgehen lassen kann, das ich schüren muss, ohne dass ich wüsste, welches Ergebnis dabei herauskommt; ich würde nicht erstaunt sein, wenn das Ergebnis traurig wäre.

1883

Im Herbst 1883 ging er für drei Monte in die Provinz Drenthe, um die dortige Heide und Moore zu malen.

Das Wetter und die Isolation machten ihm zu schaffen, weshalb er sich wieder zu seinen Eltern, die nun in Nuenen (Pfarrhaus) wohnten, begab. Dort zog er im Dezember 1883 ein und arbeitete in einem Atelier in einem kleinen Anbau auf der Rückseite des Wohngebäudes.

Das ehemalige Pfarrhaus in Nuenen (August 2026).

Nach ein paar Monaten mietete er eine eigene kleine Räumlichkeit im selben Dorf an. Dort malte er die Bauern und Landarbeiter.

1884

Anfang 1884 schlug er seinem Bruder Theo vor, ihm seine Arbeiten als Gegenleistung für die finanzielle Unterstützung zu überlassen. Der Plan war, dass Theo diese auf dem Pariser Kunstmarkt verkaufen sollte, jedoch waren van Goghs Bilder für den französischen Markt zu düster.

1885

Nachdem sein Vater im März 1885 gestorben war, zog Vincent van Gogh aus dem Elternhaus in sein Studio und begann seine Arbeit an dem Gemälde Die Kartoffelesser. Während der Arbeit an diesem Werk ernährte er sich schlecht und rauchte viel.

Am Ende des Jahres 1885 traf er die Entscheidung, sich an der Kunstakademie in Antwerpen einzuschreiben. Drei Monate blieb Vincent van Gogh in Antwerpen. Der Maler sparte lieber am Essen als an Malmaterialien; in seinen Briefen klagte er über gesundheitliche Probleme und Schwäche infolge der mangelhaften Ernährung. Die Kurse an der Kunstakademie besuchte der nun 32-Jährige hauptsächlich, weil ihm dort Modelle und geheizte Räume kostenlos zur Verfügung standen. Des Weiteren bot Antwerpen Kirchen und Museen voller Kunst. Die Inhalte der Kurse waren ihm jedoch zu traditionell. Von ehemaligen Mitstudenten sind Berichte überliefert, die ihn wiederum als Sonderling und Außenseiter beschreiben.

1886

Als an der Akademie im März 1886 die Ferien begannen, fuhr van Gogh zu seinem Bruder Theo nach Paris, dem damaligen Zentrum der Kunstwelt. Nicht ohne Bedenken nahm Theo den Bruder in seiner Wohnung auf. Tatsächlich sollte das zweijährige Zusammenleben der beiden von Höhen und Tiefen geprägt sein. Er wohnte in der Rue Laval und leitete die Niederlassung am Boulevard Montmartre 19.

In Paris wendete sich van Gogh dem dort aktuellen Kunststil Impressionismus zu. Unter diesem Eindruck hellte seine vormals dunkle Palette sich auf, und er begann, mit verschiedenen Maltechniken zu experimentieren. Er malte viel im Freien, vor allem in der ländlichen Umgebung von Paris, so am Montmartre und in Asnières.

Im Winter 1886 zogen die Brüder in eine größere Wohnung am Montmartre (54 Rue Lépic), Vincent zog 1887 wieder aus.

Vincent van Gogh lebte von Juni 1886 bis Februar 1888 zusammen mit seinem Bruder Theo am Montmartre in der Rue Lepic 54 (Foto von 1965). Gebäude in der Bildmitte rechts der Straße. Gemeinfrei. Datenquelle: Nationaal Archief

1888

Am 19. Februar 1888 reiste er in das südfranzösische Arles, das ursprünglich nur als  Zwischenstation nach Marseille gedacht war. Doch blieb er in diesem Provinznest hängen, weil sein „Atelier des Südens“ hier Gestalt annahm.

Er wohnte zunächst im Hotel Carrel. Im April mietete er ein Atelier im Gelben Haus, wo er ab September auch wohnte, nachdem er auch noch die anderen Zimmer im Haus gemietet hatte. Dazwischen wohnte er in einem Zimmer im Café von Herrn und Frau Ginoux, die er auch porträtierte. Das Gelbe Haus fiel bei der Befreiung von den Nazis einem Bombardement der US-Armee zum Opfer.

Vincent van Gogh: „Das Gelbe Haus“ am Place Lamartine (September 1888).

In künstlerischer Hinsicht war der Arleser Aufenthalt besonders produktiv; in sechzehn Monaten schuf van Gogh 187 Gemälde. In Ermangelung von Modellen wandte er sich zunächst der Landschaft zu.

Nachdem er im September seine Wohnung fertig möbliert hatte, konnte van Gogh daran denken, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: das Atelier des Südens, in dem Künstler gemeinsam lebten und arbeiteten. Einzig Paul Gauguin erklärte sich jedoch nach langem Zögern bereit zu kommen, nachdem Theo van Gogh ihm die Übernahme der Reisekosten sowie eine monatliche Unterstützung zugesagt hatte. Am 23. Dezember 1888 endet das Zusammenleben mit Gauguin. Nach Zeitungsberichten aus Arles schnitt sich Vincent gegen 23:30 selbst das Ohrläppchen oder einen größeren Teil seines linken Ohrs ab.

1889

Am 8. Mai 1889 verließ Vincent Arles mit dem Zug und fuhr in Begleitung von Frédéric Salles, Pastor der evangelisch-reformierten Kirche in Arles, zu der privat geführten Nervenheilanstalt in der Abtei Saint-Paul-de-Mausole in St. Rémy-de-Provence. Der Direktor der Anstalt, Théophile-Zacharie-Auguste Peyron (1827–1895), vermerkte am 9. Mai, dass der Patient van Gogh unter akuter Manie mit visuellen und auditorischen Halluzinationen leide.

in einem Brief an Theo vom 22. August erzählte Vincent von seinem jüngsten Anfall und beschrieb seinen inneren Zustand als ungeordnet. Er bat Theo, an Dr. Peyron zu schreiben und ihm klarzumachen, wie wichtig die Malerei für seine Genesung sei. Vermutlich wollte Dr. Peyron Vincent vom Malen abhalten, nachdem dieser giftige Farben zu sich genommen hatte. Eine weitere Krise folgte zu Weihnachten, in deren Verlauf er (ebenso wie während eines weiteren Anfalls Ende des Jahres) versuchte, giftige Farben zu schlucken, was als Suizidversuch gewertet wurde.

Zwischen September 1889 und April 1890 reichte Theo Gemälde van Goghs zu drei namhaften Ausstellungen avantgardistischer Kunst ein. Damit erreichte der Maler erstmals eine breitere Öffentlichkeit. Die Reaktionen waren anerkennend und gipfelten in einem begeisterten Artikel des Kritikers Gabriel-Albert Aurier in einer Kunstzeitschrift. Zudem wurde auf einer der Ausstellungen Anfang 1890 das Bild Die roten Weingärten von Arles van Goghs verkauft – es handelt sich um den einzigen belegten Verkauf aus seiner reifen Periode.

Schon seit dem Herbst verfolgte van Gogh die Absicht, die Anstalt, in der er sich als ein Gefangener fühlte, zu verlassen und wieder in den Norden zu ziehen. Damit stellte sich die Frage nach einem Ort, an dem er die notwendige Betreuung erhielte.

Vincent van Gogh: „Blick auf die Kirche von Saint-Paul-de-Mausole“ (Herbst 1889).

1890

Im Frühjahr 1890 schien die Frage gelöst: In Auvers-sur-Oise, ca. 30 km von Paris entfernt, würde der Kunstfreund und Arzt Paul Gachet sich seiner annehmen.

Am 17. Mai 1890 traf Vincent van Gogh in Paris bei seinem Bruder, dessen Frau Jo und dem Ende Januar geborenen, ebenfalls Vincent genannten Sohn ein. Nach drei Tagen reiste Vincent van Gogh nach Auvers zu Dr. Gachet weiter.

In Auvers fiel der Maler in einen wahren Schaffensrausch. In 70 Tagen schuf er rund 80 Gemälde und 60 Zeichnungen. Das noch ländliche Auvers mit seinen strohgedeckten Hütten bot ihm zahlreiche Motive.

Am 27. Juli verließ van Gogh seine Herberge mit Staffelei und Farben, um draußen zu malen. Im Laufe des Tages schoss er sich vermutlich selbst im Freien eine Kugel in die Brust, konnte aber noch zum Gasthof zurückkehren. Die Kugel bohrte sich nicht tief in den Körper, sondern prallte an einer Rippe ab und wanderte in den Bauchraum. Das Einschussloch lag direkt unter seinem Herzen. Die beiden herbeigerufenen Ärzte, darunter Dr. Gachet, wollten oder konnten die Kugel nicht entfernen. Theo machte sich früh am 28. Juli auf den Weg von Paris nach Auvers.

Vincent van Gogh starb letztendlich nach 30-stündigem Todeskampf am 29. Juli im Beisein seines Bruders.

Auberge Ravoux: Vincents Wohhaus und Sterbeort in Auvers-sur-Oise (Juni 2021).
Chabe01, Auberge Ravoux – Auvers-sur-Oise (FR95) – 2021-06-13 – 2, CC BY-SA 4.0

Das Grab von Vincent und Theo auf dem Friedhof in Auvers-sur-Oise (Foto von 2005).
Gemeinfrei.

Am östlichen Ortsrand von Eindhoven, an der Gemarkungsgrenze von Nuenen, befindet sich seit 2014 ein einzigartiger Radweg, der von „Der Sternennacht“ van Goghs inspiriert wurde: Der „van Gogh Roosegardeweg“ (Foto vom September 2026).

Das niederländische Bauunternehmen Heijmans entwickelte speziell für den Radweg mit dem Künstler Daan Roosegaarde eine innovative Technologie, mit deren Hilfe der Weg von Tausenden funkelnden Steinchen beleuchtet wird. Dadurch entsteht ein faszinierendes Spiel aus Licht und Poesie.

Roosegaarde: „Ich will einen Ort schaffen, den Menschen als etwas ganz Besonders erfahren und wo Technik an ein Erlebnis gekoppelt wird. Das bedeutet für mich Techno-Poesie.“

Der leuchtende Radweg

Vincent van Gogh führte – vor allem mit seinem Bruder Theo van Gogh, dem Händler seiner Bilder – einen umfangreichen Briefwechsel, der eine Fülle von Hinweisen auf sein malerisches Werk enthält und selbst von literarischem Rang ist. Die ersten Zeichnungen des Jugendlichen finden sich dort, und viele der Gemälde hat Vincent in seinen Briefen an Theo vorgezeichnet.

Vincent van Gogh (1853 – 1890)

Das Foto ist das einzige fotografische Abbild des Künstlers, das vom Van Gogh Museum Amsterdam authentifiziert wurde.

Es stammt aus dem Jahr 1873, als er gerade einmal 19 Jahre alt war und für die Galerie Goupil & Cie in Den Haag arbeitete.

Van Gogh signierte seine Werke schlicht mit seinem Vornamen.

Theo van Gogh (1857 – 1891)

Ein Foto, das bislang zu den beiden einzigen Aufnahmen von Vincent van Gogh zählte, zeigt in Wirklichkeit seinen Bruder Theo.

… so 2018 die Mitteilung des Van-Gogh-Museums Amsterdam.

Lange Zeit waren Experten davon ausgegangen, das Schwarz-Weiß-Porträt zeige den niederländischen Maler Vincent als 13-jährigen Jungen.

Nachdem jedoch einige Zweifel an der Identität des Jungen mit dem wuscheligen Haar laut geworden waren, gab das Van-Gogh-Museum eine umfassende Untersuchung in Auftrag.

Diese kam schließlich zu dem Schluss, dass es sich in Wahrheit um Vincents jüngeren Bruder Theo handelt, der auf dem Foto 15 Jahre alt war.

Die beiden Brüder sahen sich ähnlich, doch hatte Theo laut dem Museum feinere Gesichtszüge und hellere Augen.

In den Jahren 1886 und 1887 wohnten Vincent und Theo gemeinsam in einer Wohung am Montmartre in Paris (Rue Lepic 54). Als Vincent auszog und die Stadt verließ schrieb Theo einen Brief an die Schwester Wil, der deutlich macht, wie schwer ihm die Trennung von seinem Bruder fiel:

„Paris 24. und 26. Februar 1888

Liebe Wil,

Seit langer Zeit schon wollte ich Dir schreiben, und ich tue das jetzt, weil ich dir erzählen muss, dass ich wieder allein bin.

Vincent ging letzten Sonntag Richtung Süden, zuerst nach Arles, um sich zu orientieren, und dann wahrscheinlich nach Marseille. Die neue Schule von Malern versucht vor allem, Licht und Sonne in Malereien zu bekommen, und Du kannst gut verstehen, dass die grauen Tage zuletzt wenig Material für Motive geliefert haben.

Darüber hinaus hat die Kälte ihn krank gemacht. Die Jahre von so viel Sorge und Widrigkeit haben ihn kein bisschen kräftiger gemacht, und er fühlte ein eindeutiges Bedürfnis nach eher milderer Luft.

Eine Fahrt von einer Nacht und einem Tag und man ist dort, so war die Versuchung groß, und entsprechend entschied er sich rasch, dahin zu fahren. Ich glaube, es wird ihm auf jeden Fall guttun, zugleich physisch und für seine Arbeit.

Als er vor zwei Jahren hierher kam, hätte ich nie gedacht, dass wir einander so verbunden sein würden, denn jetzt ist da eindeutig eine Leere, wo ich wieder allein in meiner Wohnung bin. Wenn ich jemanden finde, will ich mit ihm leben, aber es ist nicht leicht, jemanden wie Vincent zu ersetzen.

Es ist unglaublich, wie viel er weiß und welch eine klare Sicht er von der Welt hat. Deshalb bin ich sicher, dass er sich einen Namen machen wird, wenn er noch eine gewisse Zahl von Jahren zu leben hat. Es geschah durch ihn, dass ich mit vielen Malern in Kontakt kam, die ihn sehr hoch schätzten.

Er ist einer der Meister von neuen Ideen, das heißt, es gibt nichts Neues auf dieser Welt und deshalb wäre es korrekter, von der Wiederherstellung alter Ideen zu sprechen, die durch den Alltagstrott korrumpiert und klein gemacht worden sind. Zudem hat er so ein großes Herz, dass er ständig bemüht ist, für Andere etwas zu tun, unglücklicherweise für jene, die ihn nicht verstehen können oder wollen.“