Alter Bahnhof
Wo ist eigentlich der Bahnhof von Baden-Baden?
Diese Frage ist durchaus berechtigt. Er befindet sich im Ortsteil Baden-Oos, ca. 5 km Luftlinie nordwestlich der Innenstadt.
Der Bahnhof von Baden-Baden liegt ca. 5 km außerhalb der Innenstadt im Ortsteil Baden-Oos (April 2026).
Der Bahnhof in Baden-Baden ist aufgrund seiner Lage weit außerhalb vom Ortszentrum kein Bahnhof der kurzen Wege – kein Stadtbahnhof.
Das war früher jedoch ganz anders…
1838 begann die staatliche Eisenbahnverwaltung im Großherzogtum Baden mit dem Bau einer Bahnstrecke entlang des Rheins, die sogenannte „Badische Hauptbahn“, die Vorläuferin der heutigen Rheintalbahn.
Im September 1840 wurde der erste Streckenabschnitt zwischen Mannheim und Heidelberg fertiggestellt. Anschließend wurde zuerst Karlsruhe, dann Rastatt und schließlich im Mai 1844 auch Oos angeschlossen.
Oos war zu dieser Zeit noch eine eigenständige Ortschaft. Im ersten Jahr nach Fertigstellung des Bahnhofs Oos wurden die anreisenden Gäste noch mit Pferdebussen und Kutschen nach Baden-Baden befördert.
Am 27. Juli 1845 wurde eine ca. 4 km lange Stichbahn von Oos nach Baden-Baden in Betrieb genommen. Die Bahnstrecke endete mit einem Kopfbahnhof.
Badische Hauptbahn
Stadtbahnhof Baden-Baden
Das Empfangsgebäude war ein von Friedrich Eisenlohr entworfenes Holzfachwerkgebäude im Schweizerhausstil.
Der in Lörrach geborene Eisenlohr studierte bis 1824 in Freiburg und danach auch an der Bauschule von Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe. 1839 wurde er Professor für Konstruktionslehre an der Polytechnischen Oberschule in Karlsruhe. Eisenlohr plante sämtliche Bahnhöfe der Badischen Hauptbahn zwischen Freiburg und Mannheim.
Foto: Das erste Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)
Das Empfangsgebäude war für den rasant wachsenden Verkehr schon sehr bald zu klein und für das mondäne Publikum des „Weltbades“ zu wenig repräsentativ, es war den gehobenen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Bauliche Veränderungen im Bestand des Ensembles führten nicht zum gewünschten Ziel.
Es war ein Neubau erforderlich. Das neue Gebäude wurde am 18. März 1895 eröffnet.
Die gleiche Ansicht Jahre später. Wir schauen die „Lange Straße“ hinauf in Richtung Florentinerberg mit dem Neuen Schloss. Es ist Winter, die Straße ist leer. Am Vorplatz wartet eine Kutsche auf Reisende.
Foto: Am Bahnsteig um 1910 (Sammlung Korkisch)
„Baden, hier Baden. Bitte alle Fahrgäste aussteigen, der Zug endet hier. Herzlich willkommen in der Sommerhauptstadt Europas. Bienvenue à Baden, la capitale d’été de l’Europe. Ihr Zug ist pünktlich angekommen. Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Aufenthalt.“
So oder so ähnlich könnte die Durchsage am Bahnsteig um 1910 gelautet haben. An einem lauen Sommertag um 16:08 Uhr.
Streckenstilllegung
In den 1960er und 1970er Jahren galt die Stichstrecke von Oos in den Augen der Baden-Badener Kommunalpolitik als veraltet und lästig.
Schon Anfang der 1970er Jahre gab es erste Anzeichen dafür, dass die Strecke geschlossen werden soll. Am 24. September 1977 fuhr schließlich der letzte Zug.
Die Bahnanlagen wurden anschließend rückgebaut. Ein erst auf den zweiten Blick sichtbarer Rest der alten Stichbahnstrecke findet sich noch heute im Wörthböschelpark in Baden-Oos. Die Überführung erfolgte mit einer unscheinbaren Brücke. Brücke und Geländer sind noch im Original erhalten.
Fotos: Bahnbrücke der Alten Stichbahnstrecke nach Baden-Baden über den Ooser Landgraben im Wörthböschelpark in Baden-Oos (August 2023)
Teile der ehemaligen Bahnsteigüberdachung wurden in das 20 km entfernte Bad Herrenalb transloziert, wo diese noch heute am Bahnhof der Albtalbahn ihre Funktion erfüllt.
Das Empfangsgebäude gibt es heute noch.
Ein prächtiges Bauwerk im Stil der Neorenaissance mit Anleihen aus dem Barock. Erbaut mit einem hellen Sandstein aus dem Murgtal.
Sandsteinbrüche
Nach der Streckenstillegung 1977 wurde das Gebäude 20 Jahre anderweilig genutzt. In den 1990er Jahren wurde an der Gebäuderückseite, auf dem früheren Gleisfeld, das Festspielhaus gebaut.
Seit dessen Eröffnung 1998 dient das Gebäude als Entrée in das zweitgrößte Opernhaus in Europa (2.500 Plätze).
Das Festspielhaus an der Rückseite des Empfangsgebäudes des ehemaligen Stadtbahnhofes von Baden-Baden (April 2026).
Das historische Gebäude nennt man in Baden-Baden bis heute, in würdigender Anerkennung seiner Historie, schlicht und einfach Alter Bahnhof.
Schlicht und einfach? Nicht das Gebäude!
Lichtdurchfluteter Flur
Die (älteren) Einheimischen nennen ihre Stadt auch heute noch „Baden“ und nicht „Baden-Baden“. So war das in längst vergangenen Tagen schon. Und so steht es auch über dem Eingangsportal am Alten Bahnhof.
Foto: Fassadeninschrift über dem Eingang in den „Alten Bahnhof“ (April 2026)