Auerbacher Marmor

Wissenschaftlich belegt ist es nicht, aber die Archäologen vermuten, dass es sich bei dem in den römischen Kaiserbädern in Baden-Baden verbauten Marmor um Auerbacher Marmor handelt.

Benannt nach Auerbach, einer Ortsgemeinde der Stadt Bensheim (Südhessen, Landkreis Bergstraße) am Westrand des Odenwaldes, ca. 110 km Luftlinie NNE von Baden-Baden.

Bergbaugeschichte

Das Gestein diente in erster Linie der Herstellung von Trockenmörtel. Erstmals erwähnt wird der Auerbacher Marmor 1571, der erste Abbau über Tage erfolgte zwischen 1720 und 1773.

Ab 1820 erfolgt auch eine Förderung unter Tage. Während des 2. Weltkriegs wurde in den Stollen ein unterirdischer Rüstungsbetrieb eingerichtet.

Nach einer Wiederaufnahme des Abbaubetriebes ab 1946 wurde der Untertageabbau 1974 eingestellt. Über sieben Sohlen wurde eine Abbautiefe von 140 m erreicht.

In einem Betriebsgebäude des Marmoritwerks befand sich das Stollenmundloch zum Untertagebau.

Nach dem Abriss der Betriebsanlagen wurde das Stollenmundloch aufwändig gesichert.

Der Stollen ist heute ein geschütztes Winterquartier für Fledermäuse. Die Einfluglöcher für die Fledermäuse sind in das Verschlusstor integriert.

Foto: Weitgehend fertiggestellter Eingangsbereich mit gesicherter Einflugmöglichkeit für die Fledermäuse
© NABU Bergstraße

Geologie

Das Vorkommen des „Auerbacher Marmors“ setzt sich aus mehreren, teilweise über 50m breiten und 400m langen Gesteinskörpern zusammen, die in einem schmalen Streifen vom Kirchberg bei Bensheim über die Schönberger Höhe zur Rossbach bis zur Bangertshöhe bei Hochstädten zu verfolgen sind.

Die Marmorkörper werden von Granodiorit und Quarzdiorit umgeben. Granodiorit und Quarzdiorit sind Gesteine, die zur Zeit ihrer Entstehung in Tiefen von über 10 km aus Schmelzen langsam erstarrten und dabei ihre typische grobkörnige Struktur erhielten.

Der Marmor selbst entstand jedoch nicht aus einer Schmelze, denn an den Rändern der Linsen bildeten sich durch die hohen Temperaturen und durch eine Stoffzufuhr aus den Schmelzen neue Mineralien, die sich heute noch im Gelände nachweisen lassen. Der Marmor muss also bereits als Gestein existiert haben, als die Schmelzen aus größerer Tiefe aufstiegen.

Chemisch gesehen besitzt er die gleiche Zusammensetzung wie Kalkstein (Calciumkarbonat), der als Ablagerung am Meeresgrund oder an Riffen entsteht. Er enthält im Gegensatz zum Kalkstein keine Versteinerungen und zeigt einzelne Körner bis 1 cm Durchmesser. 

Marmor ist ein umgewandelter (metamorpher) Kalkstein, dessen Bestandteile durch Versenkung in große Tiefen neu kristallisierten. Bei diesem Prozess (Metamorphose) bilden sich je nach Druck und Temperatur aus unreinen Kalkpartien auch neue Mineralien, an denen Geologen die Bedingungen der Umwandlung abschätzen können.

Der Auerbacher Marmor wurde in 9 bis 10 km Tiefe bei Temperaturen von rund 620°C gebildet.

Datenquelle: Barth, Henner: Petrologische Untersuchungen im Felsberg-Zug (Bergsträßer Odenwald). Abhandlungen des Hessischen Landesamtes für Bodenforschung, Heft 66, Wiesbaden 1972.