Besondere Orte

Baden-Baden: Thermalquellen am Florentinerberg

Ein junger Mann ist einst auf einer Wanderung durch den Schwarzwald zum Mummelsee gekommen.

Am Ufer sieht er ein Seeweiblein, das sich ihm bald nähert. Er ist so von der Schönheit der Nixe verzaubert, dass er mehrere Stunden mit ihr am See verbringt. Beim Abschied gibt ihm die Nixe drei Steine aus dem See.

Der junge Mann nimmt sie an sich, denkt aber: „Die sind doch wertlos.“ Später wirft er sie auf seiner Wanderung nach und nach weg.

Aber überall, wo einer dieser Steine hinfällt, sprudelt eine Quelle hervor,

die erste an der Stelle des Erlenbades,

die zweite in Hub,

die dritte in Baden-Baden.

Im Anfang war das Wasser. Thermalwasser.

Die Stadt Baden-Baden verdankt ihre Bedeutung den Thermalquellen. Heute gibt es mit dem historischen Friedrichsbad und der modernen Caracalla Therme noch zwei große Thermalbäder.

Schon in römischer Zeit bestand in der Nähe der Thermalquellen eine Siedlung.

Von der Siedlung AQVAE zur mondänen Kurstadt Baden-Baden
Römerzeit

Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand die Siedlung AQVAE. Bei archäologischen Ausgrabungen Angang der 1990er Jahre wurde am Rettig-Plateau ein schon langes in Baden-Baden vermutetes Kastell entdeckt. Das Kastell wurde Mitte der 70er Jahre des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtet.

Ab dem 2. Jahrhundert nach Christus waren römische Besatzungstruppen in Baden-Baden stationiert und erkundeten die Umgebung um Straßburg (ARGENTORATE). Die Römer nutzten die heilenden Quellen, um in erster Linie ihre Verletzungen zu kurieren. Die Bäder boten die Möglichkeit zur Entspannung und Pflege sozialer Kontakte. Die Bäder für die Kaiser waren luxuriös, die für die Soldaten und Pferde entsprechend einfacher ausgestattet. Die archäologischen Überreste der Soldatenbäder mit ihren ausgeklügelten Heiz- und Wassertechnologien unterhalb des Friedrichsbads können heute im Museum „Römische Badruinen“ am Römerplatz besichtigt werden, wo neben den Ausgrabungen auch Computer- und Videoanimation einen bildlichen Eindruck der ursprünglichen Bäder ermöglichen.

Im Jahr 213 wurden die Badeanlagen durch Kaiser MARCVS AVRELIVS ANTONIVS CARACALLA erweitert, seitdem wurde der Ort AQVAE AVRELIA genannt, er war Teil einer größeren Verwaltungseinheit am Schwarzwaldrand, der CIVITAS AVRELIA AQVENSIS („Die Stadt der Aurelia des Wassers“).

Unter dem Marktplatz in Baden-Baden fand man römische, mit Marmorplatten ausgekleidete Bäder, die als „Kaiserthermen“ bezeichnet wurden. Einfachere Badeanlagen befinden sich unter der Stiftskirche und unter dem Römerplatz, die man „Soldatenbäder“ nannte. Beim Alemanneneinbruch wurde der römische Badeort um 260 n. Chr. durch einen Brand vernichtet.

Das seit der römischen Besiedlung frei austretende Thermalwasser konservierte die Ruinen unter einem 6 m mächtigen Sinterhügel.

Nach der römischen Ära waren das Oostal und die Gegend um die Quellen wohl über einen längeren Zeitraum unbesiedelt, zumindest gibt in der Zeit zwischen 260 und 500 n. Chr. – in der Herrschaftszeit der Alemannen – keine archäologischen Hinweise (auch nicht in den Sinterablagerungen) auf eine dauernde Anwesenheit von Menschen.

Mittelalter

Im Mittelalter wurden die römischen Badruinen überbaut, dadurch ist ihre einstige Ausdehnung nur ungefähr bekannt, es dürfte aber ein städtischer Charakter bestanden haben.

Der Zähringische Markgraf HERMANN II. erbaute um 1100 über der Siedlung bei den Thermalquellen ein Schloss (Hohenbaden). Er nannte sich ab 1112 Markgraf von Baden.

Urkundliche Überlieferungen setzten mit Beginn des 14. Jahrhunderts ein.

Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt zur Bekämpfung von Seuchen mehrfach erfolgreich mit Thermalwasser geflutet. Ein Aberglaube verhieß Glück und Gesundheit im gesamten Jahr, wenn man im Mai ein Bad nimmt. Das Thermalwasser wurde aufgrund seiner „Heilwirkung“ zur Bekämpfung verschiedenster Krankheiten, wie Kinderlosigkeit und Gicht sowie bei Hautkrankheiten und Atembeschwerden eingesetzt.

Bereits 1306 existierte beim Marktplatz – direkt neben den römischen Badebecken, die damals schon im Untergrund verborgen waren – eine öffentliche Badeeinrichtung, für deren Benutzung bezahlt werden musste. Nach Meinung der Fürsten sollten die Vorzüge der Bäder möglichst vielen Menschen zuteilwerden, deshalb wurde das Freibad – wo nach späteren Berichten Männlein und Weiblein gemeinsam badeten, „nackend wie die Frösch“ – errichtet.

15. bis 18. Jahrhundert

Das Freibad wurde 1393 erstmals urkundlich erwähnt, ab dem 16. Jahrhundert wurde es auch „Armenbad“ genannt. Ein zweites Bassin neben dem Freibad, das sogenannte „Bürgerbad“, wurde von den Einwohnern, getrennt nach dem sozialen Stand, genutzt.

Bis ins 18. Jahrhundert gab es separate Badezeiten für Diener, Knechte und Mägde der Bürger. Nach dem Bade mussten sie das Wasser ablassen, das Bassin säubern und wieder frisches Wasser einlassen. Eine weitere Badestube existierte in der Nähe des Königshofes, auf dem heutigen Römerplatz. Die Stadtgemeinde hatte sie vom Markgrafen gepachtet.

Des Weiteren gab es auch Badeherbergen privater Betreiber. Diese durften gegen ein festgelegtes Entgeld eine genau festgelegte Wassermenge in ihr Haus leiten. Die wichtigsten Badeherbergen im 15. und 16. Jahrhundert standen dort, wo heißes Wasser aus dem Boden kam. Die Quellen waren auf den Gassen oder in den Gebäuden gefasst, Stollen gab es noch keine. Jede einzelne Quelle hatte einen eigenen Namen. Die Hauptquelle wurde „Ursprung“ genannt.

Einige Quellen wurden nach den Herbergen benannt, in denen ihr Wasser zum Baden verwendet wurde, z.B. die Ungemachquelle, deren Wasser in die Badeherberge „Zum Ungemach“ am Römerplatz geleitet wurde. An der heutigen Stelle des Rathauses befand sich das Fürstenbad des Markgrafen. Die am höchsten Punkt am Florentinerberg entspringende Quelle wurde „Höll“ genannt.

Mit Ausnahme des „Baldreit“ in der Küferstraße, wo noch Grundmauern der Badeherberge „Zum Balderich“ erhalten sind, sind die Spuren dieser Badeeinrichtungen verschwunden. Nördlich des Baldreit befindet sich in der Büttenstraße ein auf das Jahr 1558 datierter Abschlussstein der inzwischen fast versiegten, einst nur lauwarmen Büttenquelle.

In der Blütezeit des Badebetriebs im 16. Jahrhundert bestanden in der Stadt 12 Badehäuser (Fürsten-, Bürger- und Armenbäder) mit 389 Badkästen mit Platz für ein oder zwei Personen. In diesen saßen Pesthafte, Kranke und Gesunde täglich bis 10 Stunden bei Speis‘ und Trank im heißen Wasser. Als vornehmste Badherberge galt 1625 das „Ungemach“, sie verfügt über 60 Badkästen.

Auf dem Marktplatz existierten zwei öffentliche Bäder. Ein durchschnittlicher Badeaufenthalt dauerte drei bis sechs Wochen bei einer Badezeit von bis zu zehn Stunden täglich.

Baden-Baden wurde im August 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich fast vollständig niedergebrannt, dabei verbrannten auch die Badeeinrichtungen. Die Stadt wurde teilweise wieder aufgebaut, doch der Badebetrieb kam fast zum Stillstand. Das Bürger- und das Freibad auf dem Marktplatz wurden wieder aufgebaut. Im Jahr 1764 bestanden erst wieder vier Badehäuser. Das Bürger- und das Freibad bestanden bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts rückten bei den Anwendungen zusehends die im Wasser gelösten Mineralien in den Fokus. Die Trinkkuren setzten sich durch, die reinen Thermalbadanwendungen verloren an Bedeutung.

Der Wiederaufstieg zur Kurstadt wurde in den Jahren 1765/1766 durch den Bau des Promenadenhauses und den Entwurf einer Kastanienallee außerhalb der Stadtmauern westlich der Oos (Lichtentaler Allee) initiiert.

19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts setzte wieder ein rascher Aufstieg ein. Nach Abbruch der Stadtbefestigung dehnte sich Baden-Baden rasch über den alten Mauerring aus und entwickelte sich zur Villenstadt. Die Eröffnung der Spielbank 1838 leitete einen ungeahnten Aufschwung ein, der auch erste geologische Aufnahmen der Umgebung der Badeorte ermöglichte.

Zwischen 1839 und 1842 wurde nördlich des Kurhauses nach den Plänen des Karlsruher Architekten Heinrich Hübsch die neue Trinkhalle, eine Kombination aus Trink- und Wandelhalle, errichtet, die durch eine Rohrleitung vom Florentinerberg mit Thermalwasser versorgt wurde.

Die Stadt entwickelte sich zum sommerlichen Treffpunkt von Fürsten, Diplomaten, Dichtern, Komponisten und Bankiers und galt 1845-1870 als vornehmste Kurstadt Europas („Sommerstadt Europas“ oder etwas eleganter: „capitale d’été“).

Römische Badehäuser

Aus der Zeit der römischen Siedlung Aquae sind zwei Badeanlagen bekannt:

Kaiserbäder

Die Kaiserbäder am heutigen Markplatz, zwischen der Stiftskirche und dem Alten Dampfbad. Heute sind dort keine Spuren der römischen Badeanlagen zu erkennen, das farblich abgehobene Straßenpflaster zeichnet jedoch den Grundriss der alten Anlagen nach.

1847 wurden beim Abriss der Antiquitätenhalle, am heutigen Standort des Alten Dampfbades, die beiden östlichen Badebecken (70 m² bzw. 90 m²) freigelegt. Über eine natürliche Felsrinne und ein Bronzerohr aus einer zweiten gefassten Quelle wurde das bis zu 70°C heiße Wasser zuerst in ein kleines Reservoir und von dort schließlich in die Becken geleitet. Vervollständigt wurde die Badeanlage durch zwei weitere, größere und aufwändiger ausgestattete Becken, im westlichen Teil (jeweils ca. 130 m²).

Die Kaiserbäder waren ein luxuriös ausgestattetes Kur- und Heilbad („thermae“) mit Wand- und Bodenverkleidungen aus weißem Auerbacher Marmor (Ostteil) und grünlichem Granit (Westteil). An der Südseite befand sich ein „sudatorium“ (ein trocken-heißes Schwitzbad).

Die Kaiserbäder waren offenbar terrassiert angelegt (der östliche Teil lag höher), das Abwasser wurde über die „cloaca maxima“ von Aquae in die Oos abgeleitet.

Die symmetrische Anordnung der Badebecken lässt eine getrennte Nutzung, z.B. für Männer und Frauen vermuten, wie dies von anderen römischen Badeanlagen wie in Badenweiler nachweislich bekannt ist.

Der zentrale Teil der Anlage wurde vermutlich bereits im letzten Drittel des 1. Jahrhunderts n. Chr. als Kurbad für das Militär errichtet. Der vermutlich letzte Ausbau – vermutlich nach einem Brand – wird gemäß einer in der Anlage aufgefundenen Inschrift auf den Zeitraum um 213 bis 217 n. Chr. datiert. Befehlsgeber war Kaiser Marcus Aurelius Antonius, besser bekannt als Kaiser „Caracalla“. Ob sich Caracalla auch selbst in Aquae aufhielt, ist nicht eindeutig belegt.

Soldatenbäder

Die Soldatenbäder an der Ostseite des Friedrichsbades, dessen Ruinen heute im gleichnamigen Museum besichtigt werden können. Der Begriff „Soldatenbad“ wurde offenbar durch die Ausgräber im 19. Jahrhundert geprägt und spielt auf die im Vergleich zu den reich ausgestatteten Kaiserbädern einfachere Ausstattung an.

Die Soldatenbäder wurden als Hygienebad („balneum“ oder „balineum“) errichtet und dienten der Körperreinigung. Von der ursprünglich knapp 2.900 m² großen Anlage (60 m x 48 m) sind heute noch ca. 420 m² erhalten (20 m x 21 m).

Die Soldatenbäder wurden erstmals 1846/1847 bei Erdarbeiten vor der Klosterkirche des Frauenklosters „Vom Heiligen Grab“ freigelegt. Das Mauerwerk war auffällig gut erhalten. Beim Bau des Friedrichsbades wurden zwischen 1869 und 1877 weitere Teile der Anlage angeschnitten. Zwischen 1890 und 1893 wurden beim Bau des Augustabades Eingang und Latrine ausgegraben, nach der Einmessung und Dokumentation aber zerstört.

Erste öffentliche Begehungen der Ruinen waren um 1900 möglich. Mitte der 1960er Jahre wurde mit dem Neubau der Friedrichsbadterrasse der heutige Schutzbau errichtet, die Ruinenanlage selbst war wenig verändert. Zwischen 1995 und 2003 waren aufwändige Sanierungsarbeiten erforderlich, da die alte Bausubstanz durch den jahrzehntelangen Museumsbetrieb erheblich beschädigt wurde.

Ausführliche Informationen zu den Soldatenbädern erhält man bei einem Museumsbesuch oder im Führer “Die römischen Soldatenbäder in Baden-Baden (Aquae Aureliae)“.

Museum „Römische Badruinen“

Das Museum befindet sich zwischen dem Friedrichsbad und der Klosterschule im „souterrain“ der Friedrichsbadterrasse. Die beiden Zugänge zum Museum sind leicht zu übersehen:

  • Zugang über die Straße „Römerplatz“
  • Treppenzugang an der Westseite der Klosterkirche

Im Museum können Teile der Soldatenbäder besichtigt werden. Das Museum ist vom 16. März bis 15. November täglich von 11.00 bis 12.00 Uhr und 15.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.

Weitere Infos gibt es hier

Museum „Römische Badruinen“

Blick von den Dernfeldstaffeln auf die Friedrichsbadterrasse am Römerplatz mit dem Treppenzugang zum Museum

Thermalquellen Baden-Baden

Auf dem Florentinerberg )Schlossberg) im NE von Baden-Baden liegt das Neue Schloss. In den unmittelbar darunter liegenden Gärten entspringen die alten, zum Teil in Stollen gefassten und weit über die Region hinaus bekannten Thermalquellen von Baden-Baden.

Das Quellgebiet ist etwa 110 m breit und 80 m bis 90 m tief. Hier tritt artesisch gespanntes Wasser aus 12 Quellen aus einer Tiefe von über 1.000 Metern mit Temperaturen von bis zu 69° C an die Erdoberfläche. Die wichtigsten Bestandteile der Wässer sind v.a. Natrium und Chlorid, daneben auch Fluor, Lithium, Kieselsäure und Bor. Die wichtigste und mit einer Schüttung von 113 m³/d ergiebigste Quelle, ist die Ursprungsquelle, die im Untergeschoss der Alten Dampfbades gefasst ist.

Die Ursprungsquelle im Alten Dampfbad im Oktober 2022

Graphik aus: Kirchheimer, Franz: Über radioaktive und uranhaltige Thermalsedimente, insbesondere von Baden-Baden, Geologisches Landesamt Baden-Württemberg, Freiburg i. Br., 1959.

Die Thermalquellen
Brühquelle (66,1°C)

Am Brühbrunnen wurden außerhalb der gewöhnlichen Badezeit, im späten Herbst und Winter, durch die Metzgerzunft in der über 60°C heißen Quelle geschlachtete Tiere abgebrüht. Mit dem zunehmenden Fremdenverkehr zu Beginn des 19. Jahrhunderts sollte ein kleines Häuschen den Brühbrunnen von den Blicken der Gäste abschirmen. Da sich die Metzgerzunft aber gegen dieses Häuschen sträubte, verlor sie das Recht zur Nutzung des Brühbrunnens.

Büttenquellen (bis 34,7°C)

(alternative/seltenere Bezeichung: Metzigquellen)

Ungefähr 100 m südwestlich vom eigentlichen Thermalareal am Westrand des Markplatzes befinden sich die als Büttenquellen altbekannten Austritte warmen Wassers.

Die Existenz der Büttenquellen (zwei Quellaustritte) ist durch eine Urkunde vom 13. Juni 1471 erstmals belegt. Der Markgraf schenkte sie der Stadt 1477. Die Quellen wurden gegenüber dem Badhaus „Baldreit“ in einem 1558 angelegten, 1894 um wenige Meter verlängerten Stollen unter dem Gebäude Büttenstraße 8 gefasst (Stollenlänge ca. 15 m).

Im Gegensatz zu den übrigen Thermen entspringen die Büttenquellen nicht dem anstehenden Gestein, sondern sickern aus dem auf Oberen Karbon liegenden jungen Schutt. Auch zeigt das auf ca. 170,5 m austretende Wasser erhebliche Unterschiede in der Temperatur, die während der Jahre 1894 bis 1932 zwischen 13 °C und 34,7 °C geschwankt hat. Die Ursache der vergleichsweisen geringen Temperaturen/großen Schwankungen ist eine größere Beeinflussung der Büttenquellen von Oberflächenwasser.

In den Jahren 1926 bis 1928 wurde der Keller der Metzgerei in der Büttenstraße ausgebaut. Bei den Erdarbeiten kam es zu einem Austritt von heißem Wasser. Um das Wasser zu stoppen, presste man große Mengen Zement in die Öffnung, bis die Stelle abgedichtet war. In der Folge ließ aber auch die Büttenquelle nach und wurde 1935 als „außer Betrieb“ erklärt. Erst bei Sprengungen im Zuge von Fundamentarbeiten für das Kaufhaus Horten (heute Wagener) im Jahr 1979 wurde die Büttenquelle erneut aktiv.

Nach Schäden am Mauerwerk des Hauses Büttenstraße 8 wurde ein Rohr vom Quellstollen in den vor den Brunnen verlaufenden Abwasserkanal gelegt. Das Haus wurde an einen Privatmann verkauft, der das Gebäude 1991 abreißen ließ. Das Landesdenkmalamt verpflichtete den neuen Besitzer beim Wiederaufbau den Stollen der Büttenquelle zu erhalten, den Kopfstein des Stolleneingangs wiedereinzusetzen und für den zerstörten Wandbrunnen eine Rekonstruktion anfertigen zu lassen. Der Baden-Badener Bildhauer Walter Grimm schuf nach den alten Plänen den neuen Wandbrunnen.

Radioaktivität

Berühmtheit erlangten die Büttenquellen zum Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts als in ihrem Wasser die radioaktiven Elemente Radium und Radon entdeckt wurden. Zu dieser Zeit galt die Büttenquelle, als die radioaktivste Quelle Europas. Die Stadt versuchte diese neuerliche Attraktion für sich zu nutzen. Unter anderem wurde eine Rohrleitung von der Büttenquelle zum Palais Hamilton gelegt und dort das sogenannte Büttenquellen-Emanatorium eingerichtet. In dieser Anstalt war es möglich die natürliche und angeblich gesundheitsfördernde Radiumstrahlung der Büttenquelle einzuatmen. Im Jahr 1923 wurde der Betrieb aus mangelndem Interesse der Kurgäste wieder eingestellt.

Entdeckung eines „neuen“ Elements:

Im Jahr 1905 entdeckte der Physiker Hans Friedrich Geitel unter Mitarbeit des Apothekers Rößler in dessen Labor in einer Schlammprobe der Büttquelle ein „neues“ radioaktives Element, das als „Badenium“ künftig immer mit der Bäderstadt an der Oos in Verbindung gebracht werden sollte. Wie sich bald aber herausstellen sollte, war das „neue“ Element nicht neu, sondern es handelte sich, wie eine Arbeistgruppe um den Physiker Otto Hahn feststellte, um ein radioakives Isotop des bereits bekannten Elements Thorium (Th-228), das deshalb fortan „Radiothor“ oder auch „Radiothorium“ genannt wurde.

Radiumhaltige Quellen

Abseits des Thermalbezirks liegen vier Li-haltige kühle Radiumquellen.

Den höchsten Radongehalt besitzt um die 1960er/1970er Jahre die Murquelle, während 1926 in der Büttenquelle die höchste Radioaktivität gemessen wurde. Der Radium- und Radongehalt wird auf das Oberkarbon und Rotliegende zurückgeführt.

Robert Bunsen hatte 1861 in der Höll- und Ungemachquelle Rubidium und Cäsium festgestellt.

Graphik aus: Kirchheimer, Franz: Über radioaktive und uranhaltige Thermalsedimente, insbesondere von Baden-Baden, Geologisches Landesamt Baden-Württemberg, Freiburg i. Br., 1959.

Fettquelle (63,2°C)

(alternative/seltenere Bezeichung: Moorquelle)

Um 1870 wurde an der Ostseite des Friedrichsbades an den Dernfeldstaffeln eine künstliche Grotte mit Trinkbrunnen angelegt. Zur Verblendung wurden Sintersteine aus dem hier früher vorhandenen Sinterhügel verwendet. Der eigentliche Quellaustritt befindet sich an der direkt angrenzenden Klosterkirche „Vom Heiligen Grab“. Die Fettquelle versorgte bis Ende des 17. Jahrhunderts die dort vorhandene Badeherberge „Zum Ungemach“ mit heißem Wasser.

Der Name der Quelle rührt wohl von den Gesteinspartikeln her, die das Wasser wie Fett glänzen lassen. Einst war das Thermalwasser der Fettquelle beim Austritt 63 °C heiß.

Textquelle: Stadtwiki Baden-Baden

Hinweis: Nach den heutigen gesetzlichen Regelungen ist das Thermalwasser NICHT mehr als Trinkwasser geeignet.

Freibadquelle (59,9°C)
Friedrichsquelle (67,5°C)
Höllgassquelle (54°C)

Um 1901/1902 wurde die Höllgassquelle gefasst.

Höllquelle (68,8°C)
Judenquelle (66,1°C)
Klosterquelle (60,3°C)
Kühlquelle (56,6°C)
Murquelle (57,4°C)
Römerquelle (62 °C)
Ungemachquelle
Ursprungsquelle (63,8°C)

 

 

 

 

 

 

Die ergiebige Schüttung der Ursprungsquelle war ausschlaggebend für den Bau des „Alten Dampfbades“ (in historischer Zeit 113 m³/d). Der Quellaustritt im Untergeschoss wurde 1980 im Zuge der Gebäuderenovierung neu gefasst. Die Ursprungsquelle ist die einzige öffentlich zugängliche Thermalquelle in Baden-Baden.

ACHTUNG: Nach heutigen EU-Richtlinien ist das Thermalwasser in Baden-Baden aufgrund erhöhter Arsengehalte nicht als Trinkwasser geeignet.

Blick auf den Florentinerberg

Quellschacht am Florentinerberg

Altes Dampfbad und Friedrichsbad

Friedrichsbad

Treppenzugang Römische Badruinen

Caracalla Therme und Spitalkirche

Zeitliche Entwicklung der Thermalquellen
Anfang 17. Jahrhundert

Früher hatte fast jede der ca. 20, teilweise sehr nahe beisammen liegenden Thermalwasser­austritte, einen eigenen Namen. 1606 wurde von Joh. Matthaeus Heuss ein erstes Verzeichnis der Badener Quellen veröffentlicht. Dort sind 12 Wasseraustritte benannt:

  Name
1 Baldreitquelle
2 Brühquelle
3 Büttquelle
4 Fettquelle
5 Höllquelle
6 Kühler Brunnen
9 Judenquelle
10 Murquelle
11 Ungemachquelle
12 Ursprungsquelle
Mitte 18. Jahrhundert

Im Jahr 1768 wurden die Thermalquelle, Leitungen und Badeeinrichtungen genau verzeichnet. NE der Stiftskirche bestand das Frei- und Bürgerbad mit Einzelbadekästen, zwei Becken und einer Badestube. Die Ursprungsquelle war in einer gemauerten Brunnenstube gefasst.

Mitte 19. Jahrhundert

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts traten die meisten Quellen getrennt aus.

Vor dem Bau des alten Dampfbads (1846 bis 1848) wurden die drei am hinteren Ende des Markplatzes liegenden Quellen (Freibad-, Kühl- und Ursprungquelle) gefasst.

Umgestaltung Bäderbezirk 1868 bis 1871

Der Karlsruher Ingenieur Robert Gerwig, der spätere „Erbauer“ der Schwarzwaldbahn, konnte 1868 bis 1871 die wichtigsten Thermalwasseraustritte fassen und in zwei Stollensystemen sammeln.

Beim Vortrieb des Hauptstollens versiegten die Brüh-, Ungemach- und Judenquelle, sie wurden im Hauptstollen zusammengefasst. Die tägliche Gesamtschüttung aller Quellen konnte durch die bauliche Umgestaltung von 693 m³ (5,1 l/s) im Jahr 1868 auf 856 m³ im Jahr 1871 gesteigert werden. Wegen der Hitze konnten die Stollen nicht direkt bis zur Störung (Haupt-Quellaustritt) vorgetrieben werden. Durch den späteren Bau des Kirchen- und Rosenstollens und weiterer Stollen zwischen um 1897 bis 1898 konnten die Wassermengen weiter gesteigert werden.

Heute

Nach Erweiterungen um die Wende zum 20. Jahrhundert ist das ausgemauerte und begehbare Stollensystem heute insgesamt 200 m lang.

Die drei Stollen versorgen als Mischwasser die Caracalla Therme und das Friedrichsbad. Der Friedrichsstollen fördert rund 50 % der gesamten Wassermenge. 

Eingang zu den Thermalquellenstollen im Oktober 2022. Ein kurzes Video „Im Bademantel zum Dienst“ über die jährlichen Instandhaltungsarbeiten finden Sie HIER.

Ausschnitt aus der Geologischen Karte 1:50.000. Datenquelle: Kartenviewer LGRB

Geologie

Baden-Baden liegt in der Badener Oberkarbon-Rotliegend-Senke, welche durch SW- NE-Streichen gekennzeichnet ist. Ihr Kern ist die in gleicher Richtung verlaufende Battert-Aufwölbung, in deren Norden die Rotenfelser Senke und in deren Süden die Lichtentaler Senke angelegt ist, kleine Teiltröge des gesamten Badener Troges. Diese drei Zentraleinheiten werden durch Verwerfungen voneinander getrennt. Die Trogfüllung ist nach bisheriger Kenntnis über 1.000 m mächtig:

  • 600 m Rotliegendes
  • 400 m Oberkarbon

Am Florentinerberg stehen Gesteine des Oberkarbon an, eingerahmt von paläozoischen Schiefern im SW, Graniten im NW und Oberrotliegendem im E und SE. Das Oberkarbon besteht aus Arkosen, Sandsteinen und Konglomeraten in Wechsellagerung mit Schiefertonen. Bei Quellfassungsarbeiten stieß man 1895 in einem Stollen in den Arkosen auf ein 15 bis 20 cm mächtiges Kohlenflöz. Die Schichten des Oberkarbon fallen am Florentinerberg ca. 20-35° nach NW ein.

Im Grenzbereich der Battert-Aufwölbung und der Lichtentaler Teilsenke setzt aus Richtung Kurhaus eine SW-NE streichende, nach SE einfallende Störungszone (Abschiebung) zum Neuen Schloss ein, die das Oberkarbon gegen eine höher liegende Scholle aus Friesenberggranit verstellt. An dieser zum Gebirge einfallenden Störungszone steigen die Thermalwässer auf.  Die unterschiedlichen Temperaturen der Austritte zeigen an, dass die Wässer aus unterschiedlichsten Tiefen stammen.

Die Hauptthermalstörung kommt vom Beutig im Westsüdwesten her und zieht auf das Kurhaus hin. Hinter dem Nordflügel des Kurhauses, in der Felswand des Parkplatzes (Alte Schiefer, Baden-Baden-Schiefergruppe), ist die Störung aufgeschlossen. Das auf einer Breite von nahezu 100 m zerruschelte, mit verstürzten Massen gemengte Gestein ist gebleicht und tonig zersetzt; neben Baryt sind auch andere thermale Minerale vorhanden.

Die Störung ändert von hier ab ihre Richtung von WSW-ENE (ca. 67 °) in SW-NE (ca. 37°), streicht südlich der Trinkhalle vorbei und wird dann durch die quartären Kiese der Oos verdeckt. Bis zum Fluß versetzt sie die Alten Schiefer (Devon) im Norden gegen oberkarbonische Sandsteine im Süden. Östlich ist sie in der unteren Büttenstraße festzustellen, zieht mit 37° über die Büttenquelle auf die NW-Begrenzung des Marktplatzes, über die Westecke der Schloßterrasse am Florentinerberg in Richtung Hungerberg auf das Murgtal zu. Bis zum Marktplatz grenzen Alte Schiefer im Norden an Oberkarbon im Süden, von da bis zur Schloßterrasse Badener Granit (Friesenberg Granit) gegen Oberkarbon.

Quellaustritte

Die Thermalquellen treten am Südhang des Florentinerberges südöstlich der Hauptthermalspalte im Bereich einer stark zerrütteten, durch Störungen umgrenzten Oberkarbonscholle aus. An die Oberkarbon-Rotliegend-Senke grenzt im Süden, getrennt durch die SW-NE ver­laufende Gernsbacher Störungszone, das höher aufragende Nordschwarzwälder Granitmas­siv an, dessen Oberfläche nach Norden unter die Senke abtaucht.

Als Regenerationsgebiet für die Thermalwässer wird das südlich der Lichtentaler Senke gelegene Granitmassiv betrachtet. Das von dort in die Lichtentaler-Senke vordringende Wasser wird im Grenzbe­reich zur Battert-Aufwölbung in der Hauptthermalspalte zum Austritt gezwungen. Die ungewöhnliche Lage der Thermalwasseraustritte ca. 30 m über Talniveau wird durch eine Abdichtung bestehend aus tonigem Gesteinsmaterial bewirkt.

Die Radium- und Urangehalte der Thermalwässer sollen aus den Sedimenten des Oberkarbon stammen. Es sind Schwemmfächerablagerungen bestehend aus dem Material des erodierten Granites im Süden der Lichtentaler-Senke.

Textquelle: Stober, Ingrid: Geologie und Geschichte der Mineral- und Thermalquellen im Schwarzwald, Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 92, Heft 2, S. 29-52, Freiburg 2002.

Graphiken verändert nach: Metz, Rudolf: Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald – besonders in dessen alten Bergbaurevieren, Moritz Schauenburg Verlag, Lahr/Schwarzwald, 2. vollständig überarbeitete Auflage, 1977.

Sinterkegel

Nach der Zerstörung der römischen Bäder lief das Thermalwasser am Florentinerberg frei ab. Es bildete sich ein mehrere Meter mächtiger Sinterhügel. Der poröse, schmutzig-graubraune bis gelblichgraue Quellensinter – von Beyer (1788) als „lichtnelkenbraune bläulichweiße Steinart“ bezeichnet – besteht vorwiegend aus Aragonit (CaCO3), das im Vergleich zum „trigonalen“ Calcit (CaCO3) eine andere Kristallstruktur aufweist und untergeordnet auch aus Kalkspat und Kieselsinter. Er enthält schwärzliche und gelblichweiße erdige Flecken.

Die Ausscheidung (Fällung) von Opalkieselsinter erfolgte durch Kieselalgen, die im warmen Wasser lebten.

Im Sinterhügel wurden Schnecken (Helix pomatia) und Kieselhölzer gefunden. Beim Bau des Friedrichsbads musste der Sinterhügel 1869 bis 1870 abgetragen werden.

Das Material wurde zum Auffüllen im Rotenbachtal und u.a. zur Ausgestaltung der Brunnengrotte der Fettquelle verwendet.

Heute setzt sich Kalksinter in Thermalwasserleitungen ab. Aus Thermalwasser schlägt sich außerdem ein plastischer, gelb- bis grauschwarzer Badschlamm nieder. Dabei weist der manganoxidreiche Thermalschlamm der angrenzenden Murquelle nach Kirchheimer (1959) die höchste Radioaktivität auf.

Graphik verändert nach: Metz, Rudolf: Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald – besonders in dessen alten Bergbaurevieren, Moritz Schauenburg Verlag, Lahr/Schwarzwald, 2. vollständig überarbeitete Auflage, 1977.

Die Brunnengrotte der Fettquelle bei den Dernfeldstaffeln am Friedrichsbad im Oktober 2022 (der eigentliche Quellaustritt der Fettquelle liegt wenige Meter entfernt an der NW-Ecke der Klosterkirche). Die Grotte ist mit Steinen aus dem früheren Sinterhügel ausgekleidet, bei dem roten Mauerwerk handelt es sich um Leisbergporphyr.

Sintermauerwerk Brunnengrotte

Thermalwasserbohrungen

Pflutterloch (1960 bis 1965)

Ab 1959 gab es Bemühungen, mittels Bohrungen zusätzlich Thermalwasser zu erschließen. Es lag nahe, zunächst einen Streifen nördlich und südlich der Hautthermalspalte vom „Beutig“ bis zum „Hungerberg“ durch thermische Messungen näher zu erkunden.

Vorerkundungen

Zunächst wurden im Januar/Februar 1960 in einem Gebiet vom Kloster „Zum Heiligen Grab“ bis in das Gebiet an den Radiumbrunnen im „Steinwald“ in 500 Bohrlöchern bis 4 m Tiefe geoelektrische Messungen durchgeführt.

In einem zweiten Schritt wurden im Januar/Februar 1962 in weiteren 400 Bohrlöchern analoge Messungen in einem Gebiet nördlich des „Steinwald“, im „Pflutterloch“ und westlich der Oos vom „Friesenberg“ bis zum „Rebbuckel“ und die „Beutigwiesen“ durchgeführt. Alle Messungen wurden in einem 25 m-Raster durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigten, dass das Wiesengelände an der Westseite des Schlossbergs, im Pflutterloch, besonders hoffnungsträchtig ist. Die Auswertung ergab, dass vom Westrand des Schlossgartens nach Nordosten eine Wärmeanomalie vorhanden ist, welche mit ziemlicher Gewissheit durch im Untergrund zirkulierendes Thermalwasser erzeugt wird.

Zunächst musste jedoch überprüft werden, ob sich die durch die bisherigen Messungen nachgewiesenen Anomalien auch bei Wiederholung zeigen und auch in größere Tiefe zu verfolgen sind. Deshalb wurden im Pflutterloch eine Anzahl Bohrungen von 10, 20 und 50 m Tiefe gestoßen. Darin wurden bis 1964 zu verschiedenen Zeiten Kontroll- und Wiederholungsmessungen vorgenommen, insbesondere aber in einer 21 m tiefen Dauermessstelle, in welche 17 Messelemente stationär eingebaut waren. Die Messungen ergaben einen ungewöhnlich hohen Temperaturgradienten von 2,8°C/100 m. Der Raum erschien somit zu Bohrversuchen prädestiniert, zumal auch in anderen in der Nähe gelegenen Bohrlöchern ähnlich abnormale Gradienten festgestellt waren (Normalgradient 3° C/100 m). Eine solche ungewöhnliche Aufheizung konnte nur mit einer echten tiefenbedingten Wärmeanomalie in Beziehung stehen.

So wurden 1965 an der Westseite im Pflutterloch zwei vollständig gekernte Versuchsbohrungen abgeteuft.

Bohrung B 1

Ansatzhöhe:

  • 200,41 m NN

Bohrwinkel:

  • 15° nach Süden

Geothermischer Gradient: 

  • 23,6 °C/100m (Messbohrung BQ 16, ca. 50 m entfernt)

Bohrlänge:

  • 301,5 m

Lithologie:

  • bis 6,60 m Hangschutt
  • bis 228,00 m Granit
  • bis 241,00 m Schiefer
  • bis 242,00 m Granit
  • bis 249,00 m Schiefer
  • bis 252,00 m Granit
  • bis 256,00 m Schiefer
  • bis 257,00 m Granit
  • bis 301,50 m Schiefer

Thermalwasserzutritte:

  • 197 m NN (Zufluss schwach)
  • 203 m NN (Hauptzutritt)

Auslauf:

  • frei (artesisch gespannt)

Schüttung:

  • 1,12 l/s

Wassertemperatur:

  • 62,4 °C (am Auslauf)

Mineralisation:

  • 2.792,4 mg/kg, v.a. Natrium und Chlorid

Ausbau:

Das Schrägbohrloch 1 wurde nicht erweitert und derart ausgebaut, dass zuerst ein Vorschacht von 1,60 m Durchmesser unter 15° Neigung bis 17,20 m geteuft wurde, wobei das vorhandene Kernbohrloch zur Führung des Piloten verwendet wurde. In den Vorschacht wurde ein Hagustarohr NW 150 (vollwandig) eingebaut, welches auf 3 m dicht in den Fels einbetoniert wurde. Zusätzlich wurde eine Abdichtung mit Hilfe eines in die Felsbohrung eingesetzten Gummipackers vorgenommen.

Bohrung B 2

Ansatzhöhe:

  • 241 m NN

Bohrwinkel:

Bohrlänge:

  • 553 m

Lithologie:

  • bis 11,00 m Hangschutt
  • bis 358,00 m Granit
  • bis 359,00 m Schiefer
  • bis 360,00 m Granit
  • bis 366,00 m Schiefer
  • bis 368,00 m Granit
  • bis 372,00 m Schiefer
  • bis 374,00 m Granit
  • bis 553,00 m Schiefer

Thermalwasserzutritte:

  • 139 m NN
  • 446 m NN
  • 496,6 m NN (Hauptzutritt)

und immer wieder in geringen bis geringsten Mengen bis 511 m

Auslauf:          

  • frei (artesisch gespannt)

Schüttung:      

  • 0,87 l/s
  • 2,27 l/s (im Pumpbetrieb)

Wassertemperatur:

  • 55,5 °C

Mineralisation:

  • 3.640 mg/kg, v.a. Natrium und Chlorid

Ausbau:

Das Bohrloch wurde angesichts der günstigen Ergebnisse für die Produktion aufgebohrt (253 mm bis 98 m und danach mit 225 mm bis zur Endteufe). Es wurde mit korrosionsbeständigen Hagusta-Aufsatz-Rohren NW 175 bis 451,70 m ausgebaut, an die sich Filterrohre derselben Dimension und Beschaffenheit mit versetzter Schlitzlochung dreimal 25 mm anschließen, durch welche das Thermalwasser eintreten kann. Um gegen Oberflächenwässer abgesichert zu sein, wurde eine Schutzrohrtour von 240 mm Durchmesser bis 98 m eingestellt. Die Zwischenräume zwischen Bohrlochwand, Hilfsverrohrung und Hagustarohren wurden bis 128 m über Injektionsrohre ausbetoniert. Der nach erfolgtem Ausbau durchgeführte Dauerpumpversuch ergab, dass 2,27 l/s (= 196 m³/d) bei Absenkung des Wasserspiegels um 100 m gefördert werden können.

Regionalgeologische Erkenntnisse

Die beiden Bohrungen konnten wesentlich zur Klärung über die Art des Kontaktes zwischen den Alten Schiefer (Baden-Baden-Schiefergruppe) und dem Badener Granit (Friesenberg Granit) beitragen.

Die starke Verzahnung von Granit und Schiefer ergibt einen Schuppenkontakt, was sich durchaus mit den mikroskopischen Befunden deckt. Der Mineralbestand der Schiefer zeigt zwar, dass sie einer Metamorphose unterlegen haben, doch hat es sich hierbei um die niedertemperierten Zonen der Grünschieferfazies gehandelt, also um eine seichte Regionalmetamorphose. Für eine Kontaktmetamorphose an einem Granit lassen sich selbst direkt am Kontakt absolut keine Kriterien feststellen.

Wasser für das Friedrichsbad

Eine 630 m lange Leitung führt seit 1969 das Thermalwasser der beiden Bohrungen zum Friedrichsbad, im Pumpenbetrieb täglich 293 m³ (3,4 l/s).

Alle Thermalquellen von Baden-Baden fördern täglich 1,7 t NaCl und 40 kg LiCl und das seit mindestens 2.000 Jahren.

Herkunft und Alter des Thermalwassers

Das Thermalwasser stammt – bei einem lokalen geothermischen Gradienten von ca. 5°C/100 m – aus Tiefen von ca. 1.200 m bis 1.500 m. Die enthaltenen Mineralstoffe weisen auf eine Herkunft in der Füllung des Oberrheingrabens hin, wo das Tertiär W der Senke von Baden-Baden eine Mächtigkeit von ungefähr 1.200 m aufweist. Niederschlagswasser dringt dort in den Untergrund ein, bewegt sich in der tektonisch zerlegten Randscholle nach N und vermischt sich dabei mit salinaren Lösungen aus dem Oberrheingraben, um an Störungen im Bereich des Florentinerberg artesisch bis zur Oberfläche aufzusteigen.

Über das Alter der Thermalquellen sind keine genauen Angaben möglich. Vermutlich sind sie im Spätpleistozän durch neuerliche Bewegungen an älteren Störungen entstanden.

Das Pflutterloch oberhalb (nördlich) vom Neuen Schloss im November 2022. Die beiden Thermalwasserbohrungen befinden sich in dem Baumbestand in der Bildmitte.

Links: Brunnenschacht der Schrägbohrung B 1. Rechts: Pumpenhaus der Vertikalbohrung B 2 (November 2022). Von hier wird das Thermalwasser beider Bohrungen zum Friedrichsbad gepumpt.

Datenquelle: Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden – Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse, Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 10, Heft 3, S. 469 – 480, Freiburg, 01. August 1972.

Historische Nutzung der Thermalquellen

Vor der Wiederentdeckung der römischen Badekultur wurde das Thermalwasser in Baden-Baden zum Waschen von Wäsche und Abbrühen geschlachteter Tiere verwendet.

In den Bädern wurde das Thermalwasser zu Bade-, Inhalations- und Trinkkuren verwendet.

Äußerliche Anwendung

bei Rheumaleiden, Herz- und Kreislaufbeschwerden, Stoffwechselstörungen und Atemwegserkrankungen.

Trinkkuren

bei Leber- und Gallenleiden, Magen- und Darmerkrankungen, Diabetes und Gicht.

Thermalwassernutzungen
Trinkhalle

Die Trinkhalle ist wohl eines der beeindruckendsten Gebäude in Baden-Baden.

In leicht erhöhter Lage erinnert der Bau mit seinen 16 Säulen und dem 90 Meter langen offenen Wandelgang an die römische Geschichte Baden-Badens. Insgesamt 14 großformatige Wandgemälde von Jakob Götzenberger (1802 bis 1866) stellen Szenen aus der Sagenwelt des nördlichen Schwarzwalds dar und runden die imposante Erscheinung des majestätisch wirkenden Gebäudes ab.

Die Trinkhalle wurde 1839 bis 1842 nach Plänen von Heinrich Hübsch, einem Schüler Friedrich Weinbrenners, für die im 19. Jahrhundert in Mode gekommenen Trinkkuren erbaut. Der Trinkbrunnen im prächtigen Innenraum wird (wurde) aus der Friedrichsquelle gespeist, so die Inschrift vor dem Gebäude.

ACHTUNG: Nach heutigen Richtlinien ist das Thermalwasser, v.a. aufgrund des erhöhten Arsengehaltes, nicht als Trinkwasser geeignet. Arsen wirkt kanzerogen. Durch den Hinweis „Kein Trinkwasser“ wird deshalb vom Verzehr abgeraten, was den einen oder anderen durstigen Touristen beim Betreten der Trinkhalle dann doch etwas verwundert.

Stiftskirche

In den 1860er Jahren wurde in der Stiftskirche eine Thermalwasserheizung aus Kupferrohren installiert. Sie war bis 1954 in Betrieb stellte sich aber rückblickend als sehr schädlich für das Mauerwerk heraus.

Reiherbrunnen

Der Reiherbrunnen in der Sophienstraße wird wie auch die Fettquelle mit Thermalwasser gespeist. Der Entwurf dieses Brunnens im Jugendstil geht auf den Karlsruher Bildhauer Karl Albiker (1878-1961) zurück. Auf dem steinernen Brunnentrog thronen drei bronzene Reiher. Der mittlere Reiher hat die Flügel ausgebreitet und aus seinem Schnabel strömt das heiße Thermalwasser. Insbesondere im Winter bei geschlossener Schneedecke ist der dampfende und schneefreie Reiherbrunnen ein echter Blickfang. Die heutige Position auf der Mittelachse der Sophienallee hat der Brunnen erst seit 1981 inne. Von seiner Einweihung am 10. Oktober 1908 bis ins Jahr 1966 stand er auf Höhe des Sonnenplatzes. Nachdem er in den 1960er Jahren mehrfach von Autofahrern angefahren worden war, wurde er in eine Ladennische an der Ecke Sophienstraße/Stephanienstraße versetzt. Die Vorbereitungen zur Landesgartenschau 1981 gaben Anlass zur erneuten Versetzung an seine heutige Position. Während das Wasser des Reiherbrunnens 1992 noch 42 °C warm war, ist es seit Oktober 2012 mit 28 °C nur noch lauwarm. Grund dafür ist ein Gesetz, das Thermalwasser aus öffentlichen Brunnen als Trinkwasser einstuft. Da der Arsengehalt des Baden-Badener Thermalwassers über dem gesetzlichen Grenzwert liegt, werden die Brunnen nun mit vorgefiltertem Wasser versorgt, das aus verschiedenen Thermalwasserquellen stammt. Auch der lange Leitungsweg von der Quelle beim Friedrichsbad bis zum Brunnen in der Sophienstraße wird für einen Teil der Abkühlung des Wassers verantwortlich gemacht.

Anfang August 2013 beschädigten Unbekannte den Brunnen. Der mittlere Reiher mit ausgebreiteten Flügeln wurde abgerissen. Nachdem der abgerissene Reiher von Bildhauerin Birgit Stauch restauriert worden war, konnte er am 16. April 2014 wieder installiert werden. Der Schaden belief sich laut OB Gerstner auf 10.000 Euro.

Textquelle: Stadtwiki Baden-Baden

Die Trinkhalle im Oktober 2022

(KEIN) Trinkbrunnen in der Trinkhalle

Übersicht Thermalquellengebiet

Schachtfassung „A“

Schachtfassung „B“

Schachtfassung „C“

Historische Ansichtskarten

Textquellen

Baden-Baden: Teil der gemeinsamen transnationalen UNESCO Welterbebewerung Great Spas of Europe, Broschüre, 3. Auflage; Herausgeber: Stadtverwaltung Baden-Baden, Juli 2019.

Coenen, Ulrich: Baden in Baden-Baden. Von den römischen Anlagen zur modernen Caracallatherme, in: Die Ortenau, Seite 189 bis  228 (2001).

Coenen, Ulrich: Von Aquae bis Baden-Baden. Die Baugeschichte der Stadt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Kurachitektur. Verlagshaus Mainz GmbH Aachen, 2008.

Mayer-Reppert, Petra & Rabold, Britta: Die römischen „Soldatenbäder“ in Baden-Baden (Aquae Aureliae), Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Band 25, Landesamt für Denkmalpflege – Regierungspräsidium Stuttgart (Hrsg.), 2008.

Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden – Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse, Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 10, Heft 3, S. 469 – 480, Freiburg, 01. August 1972.

Metz, Rudolf: Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald – besonders in dessen alten Bergbaurevieren, Moritz Schauenburg Verlag, Lahr/Schwarzwald, 2. vollständig überarbeitete Auflage, 1977.

Stober, Ingrid: Geologie und Geschichte der Mineral- und Thermalquellen im Schwarzwald, Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 92, Heft 2, S. 29 – 52, Freiburg 2002.