Bergbau in Schenkenzell

Silber und Kobalt – Die Geschichte des Bergbaus in Schenkenzell und Umgebung

Die Gemeinde Kaltbrunn-Wittichen hat in der Geschichte des Schwarzwälder Bergbaues eine besondere Bedeutung erlangt durch die zum Teil recht beachtlichen Silber- und Kobaltvorkommen und durch das Blaufarbenwerk, das seine Erzeugnisse über die Grenzen Deutschlands hinaus in verschiedene europäische Länder exportierte.

Wann der Bergbau im Witticher Revier begonnen hat, lässt sich wohl nicht mehr mit Bestimmtheit feststellen. Zeugnisse aus dem Mittelalter fehlen.

Erster Nachweis

Den ersten sicheren Nachweis für die Eröffnung von Gruben gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1517, in der die Landgräfin Elisabeth zu Fürstenberg, die Witwe des 1509 verstorbenen Grafen Wolfgang I. dem „Ehrsamen, gelehrten, Unnserem lieben getrüwen Johannes Wäscher von Markhdorff, der Zytt Schulmeister und Stattschriber zu Wolffach …, genannt Jm Wittichenstain“ verlieh mit allem, was nach damaligem Bergrecht dazugehörte.

Dafür musste der genannte Johannes Wäscher sich verpflichten, den „zehnten Kübel Ärtz oder Metall“ von  allem anfallenden Erz der Landesherrschaft zu liefern.

Die Gräfin versprach für sich und ihre Nachkommen, die Unternehmer und Bergleute, „so zu vnnd uff dem Bergwerkh dienent, arbeitent, handeln vnd wandlent, Jhr und aller Lyb und Guoth in Vnnserem land, so wüt wür zue gepieten haben“, zu geleiten, zu schützen und zu beschirmen.

Die von den Bergarbeitern benötigten Lebensmittel durften zollfrei eingeführt werden. Außerdem sollten „och alle Hütten, Hüßer und Höffe, so zu vnd vff dem Bergwerkh von nüwen gemacht oder gebuwen werden vnd darzue dienent, fry sein aller Bott, Verbott, Stueren, Schatzungen Huet und Wacht, und anderer derglichen beschwerdten“.

Die Befreiung von Zoll und sonstigen Abgaben entsprach den auch andernorts üblichen Privilegien, mit denen man dem Bergbau eine Ausnahmestellung einräumte.

Außer dieser Belehnung von 1517 sind uns über den Bergbau in Wittichen für das 16. und 17. Jahrhundert keine weiteren Nachrichten überkommen. Wahrscheinlich hat der reiche Silberimport aus den neu entdeckten spanischen Kolonien in Südamerika nach Europa wie an vielen Stellen, so auch im Kinzigtal, die Gruben gegen Ende des 16. Jahrhunderts zum Erliegen gebracht, da sich der Abbau nicht mehr rentierte. Dann behinderte der Dreißigjährige Krieg den Handel und das Gewerbe.

Neuer Auftrieb im 18. Jahrhundert

Im benachbarten Rippoldsau nahm man um 1649 die Schürfversuche nach Kupfererz auf, im Gebiet von Wittichen kam der Bergbau erst Anfang des 18. Jahrhunderts wieder in Gang.

Die Anregung dazu gab Fürst Anton Egon von Fürstenberg, der nach der Krönung Augusts des Starken zum König von Polen im verwaisten Sachsen als Statthalter amtierte. Anton Egon empfahl seinen Verwandten, die alten Bergwerke im Kinzigtal, die zum Besitz des Hauses Fürstenberg gehörten, durch sächsische Bergbau-Fachleute auf Erzvorkommen untersuchen zu lassen.Die Stühlinger Verwandten nahmen die Anregung auf und ließen die Bergleute kommen. Die Visitatoren meinten, dass im Kinzigtal „noch gute bergmännische Hoffnungen bestünden“. Am so genannten Silberberg bei Wittichen, so steht im erhaltenen Gutachten zu lesen, sei die Rute „auf weißgülten Erz“ angeschlagen. Die sächsichen Bergleute fanden einen eingebrochenen Stollen. Sie schlossen daraus, dass in Wittichen vor längerer Zeit ein Silberbergwerk bestanden habe.

Der Bergbau im Kinzigtal erhielt durch das sächsische Gutachten einen neuen Autrieb. Der Öhringer Kaufmann Anton Fisher bekam die Genehmigung, die Rippoldsauer Kupferzeche wieder aufzunehmen. Zur Finanzierung des Unternehmens gründete Fischer eine „Gewerkschaft“. So nannte man die damlas übliche Form einer Bergbau-Kapitalgesellschaft. Die Gewerkschaft früherer Zeit hat aber nichts mit der heutigen Arbeitnehmerorganisation zu tun.

Die Gewerken erwarben einen bestimmten Anteil an der Grube, „Kux“ genannt, und waren entsprechend an den Unkosten und am Gewinn beteiligt. Die Kuxe der Rippoldsauer Gewerkschaft kauften vor allem Nürnberger Bürger.

Silber und Kobalt

Der spätere Hüttenschreiber und Bergrechner Johann Bernhard Mayer der Ältere berichtet in seinen Erinnerungen, wie Fischer den den Bergbau in Wittichen wieder aufnahm: „Da nun der Antoni Fischer das glückliche Kupferwerk (gemeint ist: in Rippoldsau) sah, hörte er auch, dass zu Wittichen, drei Stund über die Bergherüber, von Alters edle Silbergänge wären gewesen. Er nahm den Weg unter die Füße und lief Wittichen zu. Da fand er auf den Halden schöne Kobaltstufen, woraus man die blaue Farbe machte. Dieses war ihm noch lieber als Silbererz. Denn Kobalt leidet große Zusätze zum Schmelzen und vermehrt sich sehr, das Silber aber, bis es geläutert wird, ist weniger. Daraus schloß er, dass ein Farbwerk mehr Profit werde abwerfen als Silbererz. Warum aber auf den Halden große Kobaltstufen gefunden, ist dies die Ursache, dass die Alten noch nicht gewusst, was Kobalt ist …

Da nun der Antoni Fischer die erfreuliche Nachricht vom Kobalt zu Wittichen den anderen Gewerken hinterbrachte, war große Freude und Jubilieren.

Es kam viele Gewerke von Nürnberg heraus, es wurde Anstalt zu einer Farbmühle gemacht, welches ganz etwas Fremdes in diesen Landen war. In der Grube selbt trafen sich gewachsen Silber in dem Gnade Gotteswerk auf dem Adler genannt, und zwar große und mächtige Stufen …“

Ausführlicher darüber in: Der Kinzigtäler Bergbau in den Jahren 1700 bis 1754 nach dem Bericht des Hüttenschreibers und Bergrechners Johann B. Mayer d. Ä. (hrsg. von L. Wohleb und H. Schilli, 1950, Seite 16).

Anton Fischer und seine Nürnberger Geldgeber baten die fürstenbergische Landesherrschaft sogleich um Belehnung der wiederentdeckten Gruben. Die Grafen Anton Maria und Prosper von Fürstenberg waren bestrebt, den Bergbau in ihren Landen zu fördern, und verliehen deshalb 1703 die alten und neuen Stollen und Erzgänge im Gebiet von Wittichen an Anton Fischer von Öhringen und seinen Nürnberger Mitgewerken, dem Münzmeister Georg Friedrich Nürnberger, Kaufmann Sigmund Klein und an weitere Interessenten. Die Gewerkschaft erhielt das Recht auf die alleinige Kobalterzgewinnung innerhalb des fürstenbergischen Territoriums im Kinzigtal, also auch Außerhalb Wittichens, sowie das Monopol für die Kobaltfarbenherstellung. Dafür mussten die Gewerke den Zehnten von allem gewonnenen Kobalt in Geld an die Landesherrschaft entrichten und acht Grubenanteile (Kuxe) den Grafen von Fürstenberg gratis überlassen. Weiterhin erhielten das Kloster Wittichen als Grundherr und die Armenpflege im Amt Wolfach je ein Freikux. In Anbetracht der großen Unkosten, die der Gesellschaft bei der Wiederaufnahme der Grube entstanden, verzichteten die Landesherren für zwei Jahre auf die Auszahlung des Zehnten und der Gewinne, die auf ihre Freikuxe entfielen.

Auf die Ausfuhr des Kobalterzes sollten keine Abgaben erhoben werden. Bei Streitigkeiten galt die Kursächsische Bergordnung aus den Jahr 1589. Hier zeigt sich der Einfluss des sächsischen Bergrechts auf den Kinizigtäler Bergbau im 18. Jahrhundert. Die fürstenbergische Bergordnung von 1529 dagegen hatte die vorderösterreichische Gesetzgebung Maximilians übernommen.

Das Blaufarbenwerk

Nachdem Anton Fischer und seine Nürnberger Mitgewerken das Monopol für den Kobaltabbau erhalten hatten, errichteten sie bei Wittichen ein Blaufarbenwerk. Nach den Angaben Mayers des Älteren sollen die Unkosten 6000 Gulden betragen haben. Doch erwies sich die Farbmühle als eine Fehlkonstruktion. Es gelang nicht, brauchbare Kobaltfarben herzustellen.

Man beschloss deshalb, den Meister Sigwarth von den Gengenbacher Glashütten heimlich nach Sachsen in die dortigen Farbwerke zu schicken, um deren Fabrikationsmethode auszuspionieren. Sigwarth erfüllte seinen Auftrag mit großem Geschick, und mit seinen in Sachsen gewonnenen Erfahrungen wurde unterhalb von Wittichen eine neue Farbmühle gebaut. Nun konnte endlich mit der Produktion von Kobaltfarben begonnen werden.

Trotz der großen Investitionen brachte das Witticher Unternehmen wenig Gewinn. Zwar fand man 1705 auf der „Gnade Gottes“, wie die Grube am Witticher Silberberg jetzt genannt wurde, größere Anrüche von Silbererz, doch konnten die Betriebskosten der Zeche keineswegs gedeckt werden.

Sigmund Klein, der Vertrauensmann der Nürnberger, musste selbst zugeben, dass der Bergbau im argen liege. Die Gesellschafter gerieten unter sich in Streit, Anton Fischer, der eigentliche Initiator, stellte die Zahlungen ein. J. Bernhard Mayer erzählt, dass die Nürnberger bei ihren Besichtigungsreisen nach Wittichen und Rippoldsau große „Zechen“ gemacht hätten.

Der spanische Erbfolgekrieg wirkte sich ebenfalls ungünstig auf die Geschäftslage aus. Der Absatz der Kobalterze ging zurück. Das Haus Fürstenberg wurde vom Kriegsgeschehen unmittelbar betroffen. Der Landesherr, Prosper Ferdinand, fiel als kaiserlicher Offizier bei den Kämpfen um Landau im Jahr 1704. Die Nürnberger Gewerken versuchten, durch strenge Verhaltensvorschriften wieder Ordnung auf der Grube zu schaffen. Um den aus anderen Ländern, vor allem aus Sachsen, zugezogenen Bergleuten eine Unterkunft zu verschaffen wurde in Wittichen das Zechenhaus erbaut.

Missstände auf den Gruben

Die Missstände auf den Gruben hatten zur Folge, dass die fürstenbergische Verwaltung der Gewerkschaft das Vorrecht, allein Kobalterze abzubauen, entzog. Sie behielt aber das Vorkaufsrecht auf das geschürfte Kobalterz. Nachdem so der Kobaltabbau freigegeben war, eröffneten Straßburger Bürger die Grube Daniel im Gallenbach südlich von Wittichen. Im Jahr 1708 wurden die Gruben im Auftrag der Landesregierung von einem Herrn von Windheim visitiert. Dieser gab in seinem Gutachten seinem Befremden darüber Ausdruck, dass eine Angelegenheit von so großer Bedeutung wie der Kinzigtäler Bergbau so nachlässig betrieben wurde. Windheim vermisste vor allem genauere Rechnungsunterlagen. In den fürstenbergischen Bergwerksakten lässt sich feststellen, dass das Witticher Werk im Jahr 1709 = 1153 Gulden, im Jahr 1710 = 4821 Gulden Gewinn abwarf. In den folgenden Jahren verschlechterten sich die Verhältnisse.

Der Vertreter der Nürnberger, David Wölper aus Freudenstadt, musste aus eigener Tasche zusetzen. Erst 1718 zeigte sich wieder ein Hoffnungsschimmer. Als die Bergknappen einen alten Schacht auf dem Silberberg säuberten, stießen sie auf einen Anbruch von 41 Pfund gediegenem Silbers. Dieser überraschende Fund führte zur Gründung einer neuen Gewerkschaft, die den Namen des Landesherren, „Joseph“ erhielt. Die Gesellschafter waren im Wesentlichen die gleichen wie bei der „Gnade-Gottes-Zeche“. Deshalb verschmolzen sich die beiden Zechen drei Jahre später unter dem Namen „Joseph“ zu einer Gewerkschaft. Doch auch diese Maßnahmen retteten den Bergbau und das Farbwerk nicht vor dem finanziellen Zusammenbruch.

Die Nürnberger Gewerkschaft musste den Konkurs erklären. Ihr örtlicher Vertrauensmann Wölper verlor dabei sein ganzes Hab und Gut. Der so voll Hoffnung begonnene Kobalt- und Silberbergbau in Wittichen schien ein unrühmliches Ende zu nehmen. Nach Mayers Bericht begann auf dem Farbmühlenplatz das Gras zu wachsen und „war eine völlige Wüstenei“.

Das Handelshaus Doertenbach

In dieser verzweifelten Situation kam rettende Hilfe durch das Calwer Handelshaus Doertenbach, das nun statt der Nürnberger als Geldgeber einsprang. Die Doertenbachs waren Mitglieder der berühmten „Calwer Compagnie“, die seit 1622 einen ausgedehnten Tuchhandel betrieb und damit zu einem bedeutenden Unternehmen Süddeutschlands aufgestiegen war.

Der schon häufig erwähnte Bergrechner Mayer schreibt sich das Verdienst zu, die Familie Doertenbach für den Bergbau im württembergischen Reinerzau und dann auch für die fürstenbergischen Werke im Kinzigtal gewonnen zu haben. Nach und nach übernahm die Familie Doertenbach von dem bisherigen Geschäftsführer Wölper dessen Anteile. Als Moses Doertenbach die Mehrheit der Kaxe besaß, bat er um Verleihung der Witticher Gruben und des Fachwerkes, die ihm 1721 von der fürstenbergischen Regierung gewährt wurde. Die Landesherrschaft beteiligte sich diesmal selbst an den Unkosten der St.-Josephs-Zeche und begnügte sich mit einer geringen Zahl von Freikuxen.

Die Grafen Anton und Froben Ferdinand von Fürstenberg verbanden mit der Neuverleihung die Hoffnung, dass die neue Gewerkschaft, insbesondere das bekannte Haus Doertenbach von Calw, dem Kinzigtäler Bergbau wieder neuen Auftrieb geben würde. Bemerkenswert ist bei der Angelegenheit, dass nun statt der Bürger der alten Reichs- und Handelsstadt Nürnberg Kaufleute aus dem württembergischen Herzogtum als Geldgeber auftraten, in erster Linie die  Angehörigen der Calwer Compagnie. Moses Doertenbach benutzte nämlich die weitverzweigten Verkaufsstellen des Calwer Handelshauses, um die im Witticher Farbenwerk hergestellten Kobaltfarben in den verschiedenen europäischen Ländern zu verkaufen. Zum besseren Absatz der Farben wurde eine Farbenverkaufsgesellschaft gegründet, die Moses Doertenbach und Johann Georg Zahn, ebenfalls ein „Comapgnieverwandter“, leiteten.

21 Werke im Betrieb

Moses Doertenbach und seine neuen Mitgewerken entfalteten in ihrem neuen Arbeitsbereich in Wittichen eine große Aktivität. Neben einer Intensivierung der Arbeiten auf der St.-Josephs-Grube versuchten sie, auch an anderen Stellen auf Erzgänge zu stoßen. Verschiedene Gruben wurden wieder aufgenommen oder neue Stollen vorangetrieben, so dass sich 1725 21 Werke in Betrieb befanden, darunter in und bei Wittichen:

Allerdings handelte es sich meist nur um Schürfungen, die bald ohne Ergebnis wieder aufgegeben wurden. Einen Überschuss konnte in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts nur die St. Josephs-Zeche erzielen. Die „Güte Gottes“ deckte nur einen Teil ihrer Unkosten. Sophia zum Ludwig brachten es 1725 auf wenige Kübel Kobalterz. Die übrigen Gruben hatten 1725 überhaupt keinen Ertrag zu verzeichnen und erhielten sich nur durch fortlaufende Zuschüsse.

Die „Zubußboten“, die die neuen Gelder für Gruben einkassieren mussten oder bei Überschuss den Gewinn auszahlen konnten, schwindelten den vertrauensseligen Leuten etwas von zu erwartenden Silber- und Kobaltanbrüchen vor und verkauften viele Anteile (Kuxe) von verlustreichen Gruben, die nie auf Erze stießen. Diese so genannte Kuxkränzelei schadete auf die Dauer dem Ansehen des Kinzigtäler Bergbaues sehr und erschwerte zeitweise den Verkauf neuer Kuxe. Den größten Überschuss warf das Blaufarbenwerk bei Wittichen ab. Neben den Niederlassungen in Deutschland unterhielt die neu gegründete Farbenverkaufsgesellschaft Lager in London, Venedig und Mailand.

Handel mit Holland

Der inzwischen auf dem Witticher Farbwerk angestellte Bernhard Mayer berichtet uns, dass es ihm gelungen sei, durch einen Geschäftsfreund Verbindung mit holländischen Kaufleuten in Utrecht aufzunehmen. In den Akten des Fürstlich Fürstenbergischen Archivs läßt sich dieser Handel mit Holland belegen. Aus dem Jahr 1724 ist eine Abrechnung erhalten, aus der wir entnehmen können, dass das Witticher Blaufarbenwerk 118 Fässchen Kobaltfarben an die Herren Lohoff und Ploost van Amstel nach Amsterdam sandte (vom März bis Mai 1724) und dafür abzüglich der Provision und Transportkosten bis Köln, 5461 Gulden bekam. Die Blaufarben benötigen die Holländer für ihre Bleichereien. Zum Teil wurden die Farben auch weiter nach England verkauft. Die Vermutung liegt nahe, dass das berühmte Delfter Porzellan zeitweise mit Farben aus Wittichen bemalt worden ist, doch haben sich hierfür bisher keine urkundlichen Belege finden lassen.

Die Gewinne der Witticher Farbenmühle hielten das Interesse am Bergbau wach und ermöglichten es der Firma Doertenbach, immer wieder neue Schürfungen zu finanzieren. 1729 trafen die Häuser von St. Joseph auf einen Anbruch, aus dem 250 Pfund gediegenes Silber gewonnen werden konnten. Dieser überraschende Fund veranlasste die Gewerkschaft, einen „Ausbeutetaler“ prägen zu lassen.

Bergordnung von 1732

Da sich das Haus Doertenbach so unermüdlich um den Kinzigtäler Bergbau bemühte, hatte Fürst Joseph Wilhelm Ernst von Fürstenberg keine Bedenken, 1732 das Privileg für die Calwer Gerwerkschaft zu erneuern, da der Vertrag von 1721 abgelaufen war. Der Landesherr nahm die Bestätigung der Rechte zum Anlass, eine allgemeine Bergordnung zu erlassen. In der Präambel zollte der Landesherr dem Fleiß und der Sorgfalt, mit denen die Firma Doertenbach die Gruben und die Farbmühle seit 1721 wieder hochgebracht hatte, besondere Anerkennung und bestätigte sie in den bisherigen „Bergfreiheiten“.

Im Einzelnen wurde folgendes festgelegt:

Die Gruben, die die Gewerke bisher betrieben hatten, blieben ihnen „auf ewig“ bestätigt. Die Gewerkschaften erhielten ferner das Privileg, in den fürstenbergischen Ämtern Wolfach und Haslach neue Gänge zu erschürfen auf alle dort vorkommenden Metalle. Die St.-Josephs-Gewerkschaft, an der die Familie Doertenbach und die Mitglieder der Calwer Compagnie besonders stark beteiligt waren, bekam das alleinige Recht, eine Farbmühle zu betreiben. Als Gegenleistung gaben die Gewerken dem Landesherrn die ungewöhnlich hohe Zahl von 10 Freikuxen.

In den folgenden Jahren verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Bergbaus im Kinzigtal wieder. Eine Zeche nach der anderen „fiel ins Freie“, wie der bergmännische Ausdruck für die Aufgabe einer Grube lautet. 1734 waren im gesamten Revier nur noch vier Gruben in Betrieb, davon förderte St.-Joseph weiterhin Silber und Kobalt, die „Güte Gottes“ nur Kobalt. Beide konnten noch Gewinne erzielen. 1737 kam das Davidsbergwerk in Gallenbach dazu. Zum Teil hatte wohl der Polnische Erbfolgekrieg (1733 bis 1735) an dem wirtschaftlichen Rückgang die Schuld. Der Oberrhein war auch diesmal wieder Kriegsschauplatz. Der greise Feldmarschall Prinz Eugen suchte Philippsburg gegen die Franzosen vergeblich zu verteidigen. In den Grubenberichten von 1734 ist die Rede davon, dass die Grube „Sabina Barbara“ wegen dermahliger Kriegstrublen erliegen“ musste.

Sophiagang - eine der ertragreichsten Gruben

Aber wie schon mehrfach in der Geschichte des Wittichener Bergbaus helfen plötzlich zutage tretende neue Silberanbrüche über die Krise hinweg. 1736 stieß man vom St. Joseph-Stollen auf den so genannten Sophiagang. Die Bergknappen schlugen bald darauf erhebliche Mengen von gediegenem Silber und Kobalt heraus. Schnell bildete sich eine neue Gewerkschaft, um den Sophiagang auszubauen. Der Sophiagang war von der Ludwigsgewerkschaft schon 1721 an einer anderen Stelle angegangen worden, man hatte aber diese Grube nach einigen Jahren wieder aufgegeben, da man den Gang nicht für abbauwürdig hielt. Nach dem Durchstoss von der St.-Josephs-Zeche er wurden die alten Gewerke von Ludwig aufgefordert, sich zu beteiligen. Die St.-Josephs-Gewerkschaft erhielt aus rechtlichen Gründen den vierten Teil der Sophia-Kuxe zugestanden. Die neue Sophiagrube entwickelte sich bald zu der bedeutendsten und ertragreichsten Grube des Kinzigtals. Besonders in den vierziger Jahren konnte sie einen beachtlichen Gewinn verzeichnen.

Das Ansehen des Kinzigtäler Bergbaus stieg wieder. Die Sophiazeche konnte in den Jahren 1742 bis 1747 jährlich eine Ausbeute von 40 bis 100 Gulden pro Kux verteilen, während der Ertrag von St.-Joseph zurückging. 1745 wurden neben diesen beiden Gruben noch „Neuglück“ und die „Güte Gottes“ im Wittichener Revier befahren.

Anscheinend hatte der unlautere Handel mit den Grubenanteilen nicht aufgehört, so dass sich die Landesregierung 1750 veranlasst sah, den Verkauf von Kuxen durch strenge Vorschriften zu regeln. Der Verkauf der Kuxe war fortan nur den vereidigten Vertrauensleuten gestattet. Wer unerlaubt mit Grubenanteilen handelte, sollte streng bestraft werden. In den Jahren zwischen 1750 und 1760 waren die Erträge der Gruben im Kinzigtäler Gebiet gering. Es gelang nicht, neue Bergbauinteressenten zu finden, so dass die Grubenverwaltungen in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Bergmeister Mayer der Jüngere machte den zweifelhaften Vorschlag, die Schichtmeister und Bergleute zum Kauf von Kuxen zu veranlassen. Mit Einverständnis der fürstenbergischen Regierung wurden daraufhin die Grubenleiter und Bergknappen gezwungen, von ihrem geringen Lohn Grubenanteile zu kaufen. Wer sich weigerte, wurde fristlos entlassen. Mayers Plan, alle Einwohner des fürstenbergischen Territoriums zum Kauf von Grubenanteilen zu nötigen, um den darniederliegenden Bergbau zu finanzieren, stieß dagegen beim Landesherren auf Ablehnung.

In dieser misslichen Lage war es wieder die Grube Sophia, die mit frischen Silberanbrüchen den Gewerken noch einmal Mut machte. Weiteres reiches Silbervorkommen führte erneut zur Prägung eines „Ausbeutetalers“. Noch einmal war Fürst Joseph Wilhelm Ernst dargestellt. Die Rückseite der Münze trug jedoch diesmal das fürstenbergische Wappen. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts lief die neu eröffnete Grube St. Wenzel im Fronbach den Wittichener Zechen den Rang ab. Die Förderung im Wittichener Revier ließ ständig nach. Da 1765 keine Gewinnanteile mehr ausgeschüttet wurden, verloren die Gewerken die Lust, weiterhin zuzuschießen. Außerdem waren de Anteile sehr aufgesplittert. Das Haus Doertenbach hatte nach und nach die meisten der in seinem Besitz befindlichen Kuxe verkauft.

Kobalt aus Spanien

Schon seit 1740 reichten die Vorkommen der Wittichener Gruben an Kobalterz nicht mehr aus, um den Bedarf des Blaufarbenwerkes zu decken, das immer noch einen beachtlichen Export zu verzeichnen hatte.

Deshalb schloss Moses Doertenbach mit der französischen Firma Boyer und L’empereur einen Liefervertrag. Dieses Unternehmen bezog seinerzeit den Kobalt aus Spanien. Anhand der im Stadtarchiv Calw vorhandenen Korrespondenz der Firma Doertenbach können wir den Weg des Kobalts verfolgen.

Das Kobalterz wurde in Säcken über die Pyrenäen befördert, von Toulouse aus auf dem Canal du Midi nach Lyon verschifft, von dort nach Straßburg gebracht, von wo aus es endlich nach Wittichen gelangte. Wittichener Bergleute wurden sogar von der Firma Doertenbach nach Plan in die Pyrenäen geschickt, um den dortigen Bergbau in Gang zu bringen. Im Jahr 1742 wollten die Holländer den alten Kontrakt nicht mehr erneuern, in dem sie sich zu einer Abnahme von 700 Fass Kobaltfarben jährlich verpflichtet hatten. Sie verlangten statt der bisherigen 4 Prozent jetzt 10 Prozent Rabatt und forderten bessere Farbqualität. Sie machten geltend, dass die kursächsischen Kobaltfarben wesentlich billiger angeboten würden. Die Mitgesellschafter der Farbmühle sahen sich gezwungen, trotz der ungünstigen Bestimmungen den Forderungen der Holländer nachzugeben, um den Absatz für die nächsten Jahre zu sichern, in einer Zeit, in der „alle negotien in ganz Europa so sehr danider ligen, zumalen da so vile Neue fabriquem in den Schmalten, als deren nie gewesen, entstanden“. So steht es im Gewerkentagsprotokoll von 1742 zu lesen.

Dem Witticher Farbwerk entstand in der 1750 von dem Gengenbacher Abt in Nordrach gegründeten Farbmühle eine unangenehme Konkurrenz. Ein Teil der Brennöfen des Wittichener Werkes wurde deshalb stillgelegt. Da seit 1753 die spanischen Kobaltlieferungen nachließen, mussten erneut andere Bezugsquellen erschlossen werden. Johann Jacob Doertenbach und Johann Georg Zahn, die seit 1744 das alleinige Geschäftsrisiko des Farbenhandels trugen, bezogen fortan böhmischen Kobalt aus Joachimsthal, obwohl dessen Qualität zu wünschen übrig ließ. Auch das Siegerland lieferte den wichtigen Rohstoff. Die beiden Direktoren scheuten sich nicht, trotz des langen Transportweges aus England zusätzlich Kobalt kommen zu lassen, um den Betrieb des Farbwerkes in Gang zu halten. Weitere Bezugsquellen waren Piemont und die Steiermark. Alle diese Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass das Wittichener Farbwerk immer mehr Defizit aufwies. Bald verzeichneten die Rechnungsbücher 10.000 Gulden Schulden.

Niedergang und Ende des Witticher Bergbaus

1816 fielen die einst so berühmte „Sophia“ und die „Güte Gottes“ ins Freie. Nach sechsundsiebzig-jähriger ununterbrochener Tätigkeit musste der Abbau auf der „Sophia“ eingestellt werden. Nach den Angaben Vogelsangs konnten während der Betriebszeit von 1725 bis 1816 22.387 Mark Silber sowie 2.553 Zentner Kobalterz ausgebracht werden. Beides zusammen ergab einen Erlös von 555.663 Gulden. Schon diese Zahlen weisen die „Sophia“ als ertragreichste Grube im Wittichener Revier aus. Trotz der ungünstigen Verhältnisse gab das Haus Doertenbach den Bergbau nicht auf. Durch Anregung ihrer Teilhaber, des fürstenbergischen Bergrates Georgi, bildete sich 1826 der „Kinzigtäler Bergwerksverein“, der noch einmal sein Glück mit den alten Gruben versuchte.

Doch spielten die Gruben von Wittichen, die einst so ertragreich waren, keine Rolle mehr. Um eine breitere Kapitalgrundlage zu haben, vereinigte sich der „Kinzigtäler Bergwerksverein“ 1834 mit anderen Grubengesellschaften des Schwarzwaldes zum „Badischen Bergwerksverein“. Im mittleren Schwarzwald war aber nur der Grube St. Anton in Heubach Erfolg beschieden.

Im Jahr 1837 sah sich die Firma Doertenbach gezwungen, die alte Farbmühle in Wittichen zu verkaufen, die sie über mehr als hundert Jahre mit zum Teil recht beachtlichem Erfolg betrieben hatte. Die Erfindung und Produktion der neuen künstlichen Ultramarinfarben bedeuteten eine so starke Konkurrenz, dass sich die Herstellung von Blaufarben aus Kobalterz nicht mehr lohnte.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts zog sich die Familie Doertenbach ganz aus dem Bergbau zurück und verkaufte ihre Grubenrechte an die neu gegründete „Kinzigthal-Mining-Association“. Diese Aktiengesellschaft, an der vor allem englisches Kapital beteiligt war,  unternahm noch einmal verschiedene Schürfversuche im Kinzigtal. Unter anderem wurde die altehrwürdige „Sophia“ unter dem Namen „Wheal Capper“ aufgenommen. Als Nachlese wurden noch einmal 983 Pfund gediegenem Silber und 132 Zentner Kobalt gewonnen. Doch mussten die Arbeiten schon 1856 wieder eingestellt werden. Mit dem Auflassen der Grube „Sophia“ endet die Geschichte des Bergbaues im Gebiet von Wittichen. 1935 bis 1939 hat die Mineralogische Studiengesellschaft verschiedene Witticher Gruben aufgewältigt und die Abbauwürdigkeit der Erzgänge im Rahmen des Vierjahresplanes untersucht. In der St.-Georg-Grube am Burgfelsen bei Wittichen förderte man in diesem Zeitraum Manganerz. Mit dem Auflassen der Grube „Sophia“ endet die Geschichte des Bergbaus im Gebiet von Wittichen. 1935 bis 1939 hat die Mineralogische Studiengesellschaft verschiedene Wittichener Gruben aufgewältigt und die Abbauwürdigkeit der Erzgänge im Rahmen des Vierjahresplanes untersucht. Doch kam es nicht zu einem Abbau in größerem Maße. Nach dem zweiten Weltkrieg hat das Vorkommen von uranhaltigen Erzen auf den alten Halden Aufsehen erregt. Eingehende Untersuchungen wurden von Professor Kirchheimer vom Geologischen Landesamt durchgeführt.

Zum Abschluss soll das Urteil eines Bergbaufachmannes aus dem 19. Jahrhundert erwähnt werden, der davon spricht, dass das Obere Kinzigtal „durch seine unterirdischen Reichtümer ehemals den Ruf eines kleinen Peru in der großen bergmännischen Welt erworben“ habe. Man darf behaupten, dass die Wittichener Gruben zu diesem Ruhm in starkem Maße beigetragen haben.

Dieser Text wurde von Jürgen Rees für die Heimatchronik „Kaltbrunn / Wittichen einst und jetzt – aufgezeichnet.

Spuren heute

Heute sind noch Zeugen der alten Vergangenheit im KLOSTERMUSEUM WITTICHEN ausgestellt. Des Weiteren finden Liebhaber eine sehenswerte Mineraliensammlung in der Bergmannsstube im Gasthaus Martinshof in Kaltbrunn. In der Nähe der Klosterkirche Wittichen ist der Ausgangspunkt für den ca. 7 km langen Geologischen Lehrpfad. Hier werden auf Schautafeln die verschiedenen Gesteinsformationen dargestellt und erläutert. In den dort vorhandenen 4 Abraumhalden können Liebhaber mit etwas Glück heute noch Mineralien finden.

Textquellen

Mit freundlicher Genehmigung. VIELEN DANK.

Bergbau in Suggental

Bergbau in Suggental

INHALT

Karte

Bergbaugeschichte

Bericht über die Verhältnisse in Suggental (von Vernier, 1781)

Bericht über die Verhältnisse in Suggental (von Carato, 1786)

Bergbau ab dem 19. Jahrhundert

Zeittafel

Geologie

Bergbauspuren

Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Meilensteine Forschungsgruppe

Textquellen

Karte

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Kein Hamberle dät hier mehr schlofe,
wenn er wißt,
wie hohl der Berg isch,
auf dem der Hof stoht
.

5
Vogelsanghofbauer
Suggental

Befahrung St. Josephi-Stollen, Abschnitt in Schwerspatgang (2025).

Über 700 Jahre Bergbaugeschichte

Über einen möglichen Beginn des Suggentaler Bergbaus in römischer Zeit besitzen wir nur indirekte Zeugnisse. Die am Mauracher Hof in Denzlingen in den Jahren 1972-1974 gefundenen Reste römischer Eisenverhüttungsöfen, Schlackenhalden und die dort vorliegenden Hinweise auf die Verhüttung bleihaltiger Erze machen es jedoch wahrscheinlich, dass die Römer die Lagerstätten im Suggental und im Glottertal bereits kannten.

Eisenerze wurden nachweislich um 400 n. Chr. am Einbollen zwischen Denzlingen und Suggental abgebaut.

Der benachbarte hochmittelalterliche Glottertäler Bergbau läßt sich durch die Datierung von zahlreichen Schmelzplätzen und Keramikfunden auf Glottertäler und Denzlinger Gemarkung indirekt seit der Zeit um 1200 nachweisen.

Nach der Erlaubnis durch den Grafen von Freiburg, Egino III, begann spätestens im Jahr 1284 ein Zusammenschluss aus Freiburger Bürgern mit dem Bau des Hangkanals (umgangssprachlich als „Urgraben“ bekannt) vom Kandel bis hinab ins Suggental und zum Herzogenberg (heute Eichberg) im Glottertal. Geht man davon aus, dass mit dem Wasser des Kanals in erster Linie Wasserkünste, also Hebemaschinen für das in die Stollen eindringende Wasser, betrieben werden sollten, so war der Suggentaler Bergbau zu dieser Zeit schon tief unter die Erdoberfläche und damit auch unter das Niveau des Talbachs vorgedrungen.

Dies weist darauf hin, dass der Bergbau auf die Suggentaler Erzgänge mindestens bereits seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts umgegangen ist.

Um das frühe Ende der ertragreichsten Phase der Gruben ranken sich viele Geschichten, die schließlich zu der Sage vom versunkenen Tal ausgemalt wurden. Dass es eine große Naturkatastrophe gegeben hat, die den Bergbau schlagartig beendete, ist unbestritten. Da in den verschiedenen schriftlichen Quellen unterschiedliche Jahreszahlen herumgeistern, ist die Datierung dieses Ereignisses noch nicht zweifelsfrei gelungen. Nach dem jetzigen Kenntnisstand ereilte das Unglück die Silbergruben im Jahr 1288, als während eines Unwetters die Schächte und Stollen, wohl aber auch die Bergbausiedlung mit der Kirche überflutet wurden und dabei das Leben vieler Menschen ausgelöscht wurde.

Im benachbarten Glottertal konnte der Silbererzabbau für einige Zeit noch fortgesetzt werden. Noch im Jahr 1289 erkauften sich die Betreiber der Bergwerke für 300 kg Silber das Recht auf die Holznutzung im Mooswald bei Freiburg. Aber bereits 1297 wurden die Glottertäler Bergwerke auf einem Rachefeldzug gegen den Grafen von Freiburg, Egino, durch den elsässischen Landvogt Thiebald von Pfirt zerstört.

Ob im Suggental zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert ein erwähnenswerter Silberbergbau stattfand, entzieht sich unserer Kenntnis. Eisen wurde bis ins Jahr 1683 abgebaut und noch 1566 eine Schmelzhütte errichtet, die dann später nach Simonswald und schließlich Kollnau verlegt wurde.

Im 14. Jahrhundert hatte das Haus Habsburg die Herrschaft im Breisgau und großen Teilen des Schwarzwaldes angetreten.

Schließlich wurde für die österreichischen Vorlande in Freiburg 1783 eine „K.K. Kammer in Münz- und Bergwesen“ eingerichtet. Mehrfach kamen nach und nach Bergbausachverständige in den Schwarzwald, um die alten Gruben zu untersuchen.

So bereiste auch der K.K. Bergdirektoratsrat Joseph Wenzel Freiherr von Vernier die Region und berichtete über das Bergwesen und einzelne Gruben. Bergrat Hermann von Carato war seit 1784 Bergrichter in Freiburg und untersuchte die ihm bekannten auflässigen und die 19 in Abbau stehenden Gruben in seinem Amtsbezirk.

Beide besuchten auch das Suggental und so erfahren wir, dass der Suggentaler Silberbergbau ab 1776 wieder Lebenszeichen von sich gab. Ein großer Erfolg sollte ihm jedoch nicht beschieden sein, es gab in diesen Zeiten einfach zu viele zwielichtige Geschäftemacher und selbsternannte Fachleute. Auch waren die Kenntnisse des Bergwesens und der lokalen Gegebenheiten verloren gegangen.

So berichtet Vernier 1781 über den Lehnsinhaber und Steiger Ortlieb: „Er kann nicht lesen, nicht rechnen, nicht schreiben und kennt kaum den Kompass und immer fortfährt, die Gewerken zu betrügen.“

Einen weiteren Kontrollgang machte im Jahre 1786 Carato. Auch er war nicht sehr begeistert von dem, was er dort hinsichtlich der aktuellen Abbaubemühungen vorfand.

Textquelle: Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Joseph Wenzl Freiherr von Vernier

Im 30-jährigen Krieg (1618-1648) war der Silber-Blei-Erzbergau des Schwarzwaldes völlig zum Erliegen gekommen.

Erst im 18. Jahrhundert wurde er mühsam wieder aufgenommen. Zu seiner Unterstützung wurden von der K.k. Hofkammer in Münz- und Bergwesen mehrfach Bergbeamte entsandt, die die Lage des vorderösterreichischen Bergbaus untersuchen soll. Darüber liegt u.a. das Gutachten von Freiherr von Vernier vor.

Joseph Wenzl Freiherr von Vernier war Rat im „K.K. Directionsrat in Tyrol“ zu Schwaz. Er befuhr alle vorderösterösterreichischen Bergwerke und berichtete in seinem Gutachten von 1781 über deren trostlosen Zustand. Es arbeiteten nur 8 Werke, aber nur die in Hofsgrund, Maus bei Todtnau und Riggenbach im Münstertal konnten als Bergwerk bezeichnet werden. Mangel an Fachleuten, schlechte Aufbereitung, Betrug, Raubbau und bergrechtliche Zersplitterung ließen den Bergbau nicht hochkommen.

Textquelle: Abschrift von Verniers Bericht von 1781

Bericht über die Verhältnisse in Suggental 1781
Joseph Wenzl Freyherr von Vernier

Vernier, Joseph Wenzl Freyherr von (1781)

„Von dem Bergwesen in Vorder-Oesterreich überhaubt und Beschreybung der vorderoesterreichischen Bergwerker in Sonderheit“.- Ms., Breisgau-Generalia, Fasc. No. 135; Schwaz/Tirol (Generallandesarchiv Karlsruhe).

Datenquelle Textausschnitt: Webseite „Kartan“

Einleitung

Vernier – genauer: Joseph Wenzl Freyherr von Vernier, Kaiserlich und königlicher Directoratsrath in Tyrol – wurde im 1781 von der Königlichen Hofkammer im Münz- und Bergwesen mit der Untersuchung des Bergwesens in Vorderösterreich beauftragt. Im Rahmen dieser Untersuchung besuchte er mehrmals das Bergwerk Suggental (von ihm „Sucken Thal“ genannt), das im Jahre 1776 von der Gewerkschaft St. Anna wieder aufgewältigt wurde.

Wie aus nachfolgendem Bericht folgt, war er mit den Verhältnissen des Suggentäler Bergbaues nicht gerade zufrieden: Diese geben ein gutes Bild allfälliger Korruption und Kuxkränzelei, die so vielen schwarzwälder Bergwerken das Genick brachen. An diesen Zuständen änderte sich auch nicht viel, wie man Bericht über den fünf Jahre später erfolgten Besuch des Herrn Carato sieht.

Dieser Bericht ist im Original im Bergarchiv Schwaz zu finden; leider sind die anhängenden Pläne im Rahmen verlorengegangen, da die Bayern früher mal Teile des Archiv abfackelten.

Anmerkungen im Text
Da einige damals verwendete Ausdrücke heutzutage nicht mehr gebräuchlich sind bzw. der damaligen Fachsprache entstammen, habe ich mir erlaubt, zum besseren Verständnis Anmerkungen einzufügen. Diese sind wie an diesem Beispiel kenntlich eingerückt.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Sucken Thal

Dieses Thal liegt eine halbe Stund von der Stadt Waldkirch entfernt, und zieht, sich von dem durch das Waldkircher Hauptthal flüssenden Elz-Fluss zwischen Süd oder ganz sanft geschlungen bis an den vom Kandlberg sich gegen Abend ausdenenden höhern Gebürgs-Rücken in die Höhe, über welchen sich auf andern Seite das Glotter-Thal befindet, und aus diesen abfallenden Mittelgebürg die Suckenthäler Gehänge bestehen.

Nach der nehmlichen Stund des Thals, und fast nach denen nehmlichen Wendungen des Baches streichet zwischen 9 und 10 Uhr ein mächtiger silberhältiger Bleygang a:b: dessen Gang arth schwerer Spath, etwas Quarz und Letten ist, und auf etlich und 80 Grad von Morgen in Abend fallet. Weiter unten gegen das Waldkircher Thal befindet sich ein 2ter Gang a:c: von obern etwas in liegend, so aber Gelf Kupfer in mehr lettiger Gang art führt, und im streichen und fall von den obern nicht viel verschieden ist: Ersterer bessert unterhalb des Thals im Bach an einigen Orten aus: durch das ganze überige Thal sind darauf alte Schacht, und Stölln Pingen, und Eingänge zu ersehen. Der untere Kupfer Gang ist nicht so weit ersichtlich, die dermalige Gewerkschaft hat ihn nur mit Grund Grabung ihres Pocher entblösset.

Zu den Richtungsangaben: „Morgen“ bedeutet Westen, „Abend“ Osten. Richtungen a la „soundsoviel Uhr“ beziehen sich auf die alte Stundenteilung des Kompasses, eingeteilt in zweimal zwölf Stunden. Man stelle sich einen Kompaß vor, Norden oben: dann laufen die ersten zwölf Stunden linksherum gegen den Uhrzeigersinn hinunter nach Süden, die zweiten zwölf Stunden dann rechtsherum hinauf nach Norden. „Gang“ bezieht sich in der Bergmannssprache wie auch heute noch auf Erzgänge, d.h. mit Mineralien gefüllte Spalten, und nicht etwa auf Stollen.

Mit „Gelf Kupfer“ meint Vernier wohl Kupferkies; mit „Gewerkschaft“ sind nicht organisierte Werktätige, sondern die Gemeinschaft der Kuxbesitzer gemeint.

Dermalen baut auf diesen 2 Gängen eine theils aus Freyburgern: theils aus Waldkirchern zusammengebrachte Gewerkschaft, auf Veranlassung Zustand vermuthlich fabelhaften alten Schrift, so den vorigen reichen Zustand dieses Werks, und den unglücklichen Untergang desselben durch eine ganzliche Überschwemmung erzehlet.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Probleme mit dem Wasser, und es mangeln die Wetter

Der damalige Steiger dieses Werks ist der Lehnträger, er kam aus den Fürstenbergischen, suchet in diesen Thal fienget den Stolln Nr. 2 zu erheben an, liess sich den Aufstand machen und verkauften den Kux um einen Ducaten: brachte folglich nebst einigen conditionierten Leuten meistens arme Bürger und Handwerker zusammen, welchen er in sehr kurzer Zeit eine rechte Ausbeut versprach, und fuhr mit der Erhebung fort. In 50 Klafter kam er an ein die alten in der Sohl überlassenen Mittel an, teufte darauf etwas ab, und erzeugte etliche 80 Centner Erzt, bis ihn das Wasser nicht weiter liess: gleichwie er auch mit der Stolles Erhebung bis an das Feldort fortfuhr, wo ihm in den schon über 200 Klafter betragenden viel gewend und gekrümten Stollen die Wetter mangelten.

Eine Kux ist ein Anteilsschein eines Bergwerkes; Kuxgränzelei der Betrug mit Kuxen, etwa, wenn Erzvorkommen übertrieben wurden, um Kuxen zu verkaufen usw. Wenn das Bergwerk Verluste einbrachte, wurde pro Kux ein Zusatzgeld erhoben, die sogenannte Zubuße.

Ducat (Dukat): Goldmünze. Münzwerte und deren Umrechnung in moderne Verhältnisse sind immer sehr lustig, mit Dukaten geht’s noch einigermaßen. Gehen wir hier einfach davon aus, daß ein üblicher venezianischer Handelsdukat von ~3,5 g Gold mit ~980/1000 Feingehalt gemeint ist.

Ein österreichischer Klafter zu sechs wiener Fuß entsprach 1,896 m.

Ein Centner (Zentner): 100 Pfund zu (im Jahr 1781 noch) 0,56123 kg, also ~56 kg. Seitennotiz: Das österr. Pfund wurde meines Wissens irgendwann im 19. Jhdt. zur Angleichung und Vorbereitung auf’s metrische System auf 0,56 kg normiert.

Alles in allem nehmen „80 ctr Erzt“ also einen Raum von ungefähr 0,85 Kubikmetern ein, wenn wir von ~4,5 t reinem Bleiglanz bei einer Dichte von 7,5 g/cm3 und einer Schüttungsdichte von 70 % ausgehen. Also nicht viel, und de facte nichts in Relation zu den nachfolgend von Vernier aufgezählten Ausgaben, selbst wenn wir „etlich“ sehr wohlwollend interpretieren.

Es scheint, dass entweder die Alten von dem Punct e: an einen hangend trum nachgegangen seyn, und den Hauptgang im liegenden gelassen haben: oder dass die Erhebung nur dahin geschehen, und vielleicht die wahre Auslängung des Hauptganges noch versetzt seye, so wegen der Verzimmerung nicht abzunehmen ist.

„hangend trum“: Eine Abzweigung des Erzganges, entgegengesetzt der Neigung zum Senkrechten des Ganges. „Hauptgang im liegenden gelassen“: Bezogen auf das „hangend trum“ liegt dann natürlich der (Haupt-)Erzgang im Liegenden, also in Richtung der Neigung des Trums. Ach ja, ein Trum ist grob ausgedrückt ein Abschnitt oder ein Teil eines Ganges.

Da nun das Wasser in oberwehnten Abteufen nicht weiter nieder und der Steiger seiner Sage nach darin noch schuh mächtig Erz hinterliess, so suchte er den Stolln Nr. 3: auf und glaubte einen Unterbau zu finden. Er erhob ihn und am in der etlich 60sten Klafter an das feste Ort: 1: damit er nun wegen der Nicht erfüllung seines anfänglich gemachten Versprechens die schon ungeduldigen Gewerken besänftige, und verzögere: legte er anfangs von dem Feldort aus einen Unterbau gegen den oberen Stolln an: ging aber bald im Stolln etwas zurück und fing den dermahligen Unterbau g: h: an. Seinen Vorgeben nach will er damit /: ohngeacht er von dem Bergrichter und dem Directorat widerrathen wurde :/ erstlich die in den Keller des Zechenhauses ausbeissen, sollende Kluft, so ein Trum des mächtigen Ganges seyn kann, erbauen, und das im abteuffen zurückgelassene Erz unterfahren.

Schuh (~Fuß): Wahrscheinlich der in Österreich im großen und ganzen übliche gemeingriechische Fuß (pous metrious) zu 16/15 römischen Fuß (a ~0,296 m), also ~0,316 m.

In Anbetracht der in diesem Abteufen eroberten 80 und noch etwelchen an einigen erzeugten Centner Erzt; und Pochgängen beredete er gleich die Gewerkschaft und baute das Zechenhaus Nr. 6: und den Pocher Nr. 7: welche beiden Gebäude über 3500 Fl gekostet haben, wo doch bey diesen anfangenden Werk sowohl der Steiger als die anderen Bergleute in denen nahe gelegenen Baurenhäusern gut hätten wohnen und wann je ein Pochen schon nöthig gewesen wäre; derselbe mit einem Viertel Unkösten hergestellet werden können. Weil endlich, wie ich im ersten Theil sagte, die Schmelzung mit denen 80 Centnern Erzt in den Sanct Trutperter Hütte so übel ausfiel; brachte er es auch soweit; dass die Gewerkschaft schon im Begriff war auch eine Schmelzhütte auf den Platz Nro 8 zu erbauen.

fl: Florin, Gulden. Goldmünze. Da wird’s jetzt richtig lustig: Früher in Namen, Gewicht und Zusammensetzung fast synomym zum Dukaten, begannen sich die Bezeichnungen wegen fortschreitender Gehaltsverminderung der als Gulden bezeichneten Münzen (und wechselnder Münzbilder) aufzuspalten. Nehmen wir hier an, daß 1 Gulden/Florin einem Dukaten entspricht, nur mit etwas Abschlag.

So ware der Zustand dieses Werkes als ich hinkam; und das ich vermög hohen Auftrag dieser Gewerkschaft besonders anbauen gehen sollte, so nahm ich mich auch gehorsamstermassen sonderbar um Selbe an, und liess nachdeme ich beyde Stölln befahren und die ganze Revier, so weit die Pingen mich führten, übergangen habe, das nöthige genaue Verziehen, untersuchte ich den Halt ihrer erzeugte Erzte und Pochgängen, ihr Pachmanipulation und die übrigen öconomischen Umstände mit all möglicher Sorgfalt und fand; dass diese Gewerkschaft von des Steigers Eigennutz, welchen der eine Gewerk, so zugleich Schichtmeister ist, aus nehmlicher Ursach unterstützet; und von der eigenen hartnäckigen Unwissenheit ein mitleidwürdiges Opfer seye.

„untersuchte ich den Halt“: Analyse des Metallgehaltes.

Es hat dieser Schichtmeister 60 fl: jährlich Besoldung, von diesen kann er leicht die auf seyne Bergtheil wie auch der Steiger für seine 3 Kux, so er behalten kann von den grossen Lohn, und Ausschank Gewerk die betreffende Zubuss bezahlen und achten folglich die grossen Zubussen nicht; umso mehr als sie von dem Aufwand das meiste genüssen; aber denen übrigen armen Gewerken, von die meisten fast immer das Geld auslegen müssen: fällt es wohl sehr hart; wann die Zubussen unnötherweis so gross sind.

Seit dem 1. September 1776 bis letzten Merz 1780, bis wohin ich den Abschluss ihrer Rechnung machte verbauete die Gewerkschaft schon über 9000 fl: wo entgegen ihrer activ-Vermögen ohne den Wert der Taggebäuden kaum einige 100 fl betraget, und sollen gekommen werden. Ich will meine Meinung und den Raht, den ich der Gewerkschaft gab, hier kurz widerholen.

Was am ersten den Berg und Grubenbau dieses Werks anbelangt, so ist aus der Gebürgslage aus den vielen alten Pingen, aus denen bishero erhobenen 2 Stölln und dem in den einen befindlichen mächtigen Gang, wo hie und da auch etwas weniges weiss Gulden verspühren ist, gegründet zu mutmassen; dass die Alten viel und reiches Erzt gehauet, und diesen Gang schon ziemlich verhaut hab mögen; Wann sodann die von diesem Werk vorfindige alte Schrift kein Fabel wäre; so könnte vielleicht sein, dass /: da dieses Werk vor einigen hundert Jahren durch diese unglückliche Überschwemmung zu grund gegangen ist :/ noch unterhautes Gebürg, und auch der Gang noch ganz und Edl: anstehend gefunden werden könnte. Eine 2te und grössere Hoffnung aber durfte sein, dass durch quer Schläge in denen von die alten gar nicht: oder wenigstens nicht genug untersuchten liegenden und hangenden noch unbekannte Gäng und Klüfte zu erbauen seyn mögen. Diese Hoffnung ist um so viel grösser, weil dieses Werk vermuthlich vor bekannt Werdung des Pulwers erliegen geblieben ist.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Weit entfernte Hoffnungen auf Gewinn...

Alle diese Hoffnungen jedoch sind noch ziemlich weit entfernet. Es kommt hauptsächlich darauf an, wie weit noch der Alte Stolln zu erheben ist und wie bald man an das ganze Feld Ort kommen wird; um zu sehen wie weit die Alten den Gang verhaut: oder was sie zurückgelassen haben; Dann vermög dieser Pingen ist zwar dieser Gang im höhern Gebürg von Tag hinab meistens verhaut: Es kann aber sein, dass die Alten mit dem Stolln Nr 2: welches der tiefste Unterbau gegen die oben Pingen gewesen sein muss, unter diese Verhaue gar noch nicht gekommen sind. Und überhaupt kann auf diesen Gang vor Erreichung der höhern Gebürgs nicht viel zu hoffen seyn; weil erstens noch über der Pinge: Nro 9 sehr wenig Gebürg fasset das Wasser nirgends unter die Sohle lässt und wegen der sehr flachen Lage des Thals kein Mühlöniger Unterbau mehr anzulegen ist.

„Mühlönig“: Etwas, das die Mühe lohnt bzw. mit vertretbarem Aufwand machbar ist.

Ungeachtet nun von dieser Erhebung des Stolln Nro. 2: bei diesem Werk alles abhanget, und hierdurch die Bau- oder Unbauwürdigkeit desselben muss erhoben werden; liess die Gewerkschaft auf Anraten des Steigers nach erhobenen 200 etlich 40 Klafter aus Mangel des Wetters diese Hauptarbeit stehen und ging lauter Neben-Weeg – krazte auf alten unbedeutenden Striften noch etwas Erzt heraus: ohne dessen halt eher probirt und die Eroberungs Würdigkeit gesehen zu haben, und endlich gingen sie gar den unvernünftigen Unterbau Nr. 3 an. Dieser Unterbau /: wie das Profil zeiget :/ bringet gegen obern Stolln vom Mündloch an nur 4 Klafter Seiger teufe ein und ist in etlich und 60 Klafter schon gegen 1 Klafter gestiegen.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Der Steiger entwässert seinen Keller...

Unter das im Schächtel zurückgelassene Erzt wären in der geradesten Linie durch Quergestein über 50 Klafter: Das Abteuffen ist auch /: wie der Steiger sagte :/ fast 2 Klafter tief, folglich würde mit dem Unterbau an das vorgesetzte Ziel und End fast Sohl auf Sohl kommen. Wann endlich auch dieses nicht wäre, so fand ich die Sohle dieses Stollns von den Alten hie und da auch schon angegriffen, und nur verstürzt: Es ist folglich mit Grund zu muthmassen, dass von ihnen nur kleine zu gering hältige Mittel stehen geblieben sind, und vermög Feuer Proben zeuget sich auch nicht; dass die sodannige Eroberung die Kösten dieses Unterbaues bezahlen werden: Denn das unter sich befindliche Erzt ist sehr wasser kiesig, und kommt in einen schlechten Halt, wie aus dem gleich unten gesetzten Halt Zettel zu sehen ist. Ich muss fast argwohnen, dass der Steiger diesen Unterbau vielmehr zur Abzapfung des Wassers aus seinem zum Ausschank gehörigen und ertränkten Keller haben wollte.

„ist sehr wasser kiesig…“: Vernier meint hier, daß das Erz vowiegend aus Markasit bestünde, und von daher weniger Blei und damit Silber enthielte.

Diese nur unnütze Kösten verursachenden Unterbau riethe ich stehen zu lassen und lieber ohngesäumt die schon 1 ½ Jahr stehn gelassene Erhebung des obern Stollns wieder anzugreiffen, wo ein Licht Loch per 18 Klafter abzusenken käme, so uns so viel leichter zu bemerken wäre, als es eben auf eine alte Schacht Pingen Nro 9 traf, welche denen Alten schon zum Wettern gedient haben muss, und folglich nur aufzuheben und der Stolln noch gegen 10 oder 15 Klafter bis darunter zu erheben gewesen wäre.

Nebst diesen rieth ich der Gewerkschaft, den mit der Grundgrabung ihres Pochers entblössten Gelf Kupfer Gang auch in etwas zu untersuchen: Die Gestalt und Halt dieses Ganges ist hoffentlich: aber gleichwie der obere Gang durch mehrere hundert Klafter sehr unbedeutenden Gebürg fasset; ebenso hat dieser fast bis unter die obern 2 Stölln; so über 300 Klafter betraget, nur dann Erde auf sich, und der Stolln Nr. 4, mit welchen die Gewerkschaft diesen Gang schon wirklich ausgebaut hat, ist mit dem Rinnsal des Eltsch Flusses fast gliche Ebensohl: folglich kein tieferer Unterbau mehr möglich; indessen /: wann auch nur unter der Dammerde fort der Gang immer edel anhielt; so könnte die Gewerkschaft denselben stollnmässig fort übertreiben, und dieser Stolln wäre /: obwohlen in sehr weiter Strecke:/ eher mit der Zeit zu einem Unterbau gegen die oberen Gebäude zu gebrauchen da er doch unter der Stolln Nr 2: über 15 Klafter Seiger einbrächte und ohn dies den Erzt nach betrieben werden kann.

Hier kommt es jedoch drauf an, ob die Alten noch nichts darauf versucht haben. Ich habe von dem Platz, der zur Schmelzhütte bestimmt ist, etwas gegen Abend einen alten Stolleneinbruch Nro 5 wie auch gleich unter den angefangenen Stolln Nro 4: ein ausflüssendes stark schwefelichtes Wasser wahrgenommen. Der erstern Stollneinbruch scheint mir zwar eher in das liegende des Bleyganges zu zielen: aber das alles angesehen nach auch aus einem Stolln ausflüssende Schwefelwasser macht mich glauben, dass auch die Alten den Kupfer Gang schon gekannt haben.

Das „ausflüssende stark schwefelichte Wasser“ bezieht sich auf die Schwefelquelle im Suggental, die allerdings nichts mit altem Bergbau zu tun hat. Dieses Wasser wurde für Kuren im Suggenbad genutzt.

Es kann aber seyn; dass sie auf Kupfer nicht bauen wollten. Es wäre besser und sicherer gewest, wenn die Gewerkschaft diesen Wasser nachgegangen wäre; sie wollten aber nicht; der dermahlige Stolln ist nur kaum merklich höher.

Diese 2 Suckenthäler Gänge streichen so nahe paralel mitsammen, dass /: wann es nicht eine ganz andere Erztgattung wäre :/ man fast es für einen Gang halten könnte.

Hier will ich jetzt den Halt von denen bey diesen Werk sowohl von mir gemacht, als auch bei meiner Zurückkunft zur Brixlegg wiederholten Feuer Proben her sitzen.

Aus dieser armen und bei den Scheid Erzt, Pochgängen und Schlichen fast gleichen Hälten zeiget sich von selbst sowohl die elende Scheidung, als auch die Eroberungs und Pochens Unwürdigkeit.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Vernier gibt guten Rat...

Deswegen sagte ich der Gewerkschaft, so solle alle weitere Erzt eroberung auf denen alten Krägen stehen lassen, indeme dieselbe vermög den in der Feuerprobe erzeugten Schlich eben viel zu gering im Silberhalt ausgefallen ist; dass er also weder die Gewinnkösten bezahlen kann; weswegen auch der ohnedies zu frühzeitig und zu kostbar gebaute Pocher lieber wieder bis weitern bessern Seegen, wo mühlönige Pochgäng gewonnen werden können, stehen bleiben solle, indeme doch besser ist, das auf den Pocher verwendete Kapital unbenutzt liegen zu lassen; als nebst Mangel des jährlichen Interesse noch immer fort aus dem Sack Schaden tragen zu müssen. Dieser Pocher stehet jetzt aus Mangel der Pochgänge, und der bisher erzeugte Schlich und Mehl ist für sich allein vermög der geringen Halt nicht Schmelz würdig.

Eben aus diesen Ursachen wiederrieth ich auch ebender Gewerkschaft um die Concession ihres ganz unüberlegten Hüttenbaues; welche ich Ihnen /: wie gesagt :/ eingebothen, anzulangen, und macht derselben einige Hoffnung, dass vielleicht von Seiten des allerhöchsten Aerariums, für die zu gut Bringung ihrer Erzte gesorget werden wird.

Concession: Erlaubnis zum Bau; Aerarium: Staat bzw. Staatsfinanzen bzw. Fiskus, meistens Regierungsbehörden gemeint.

Da ich dann auch bey Untersuchung der Bergbau Oeconomie gefunden habe; dass dieses Werk vermög seinen noch weiten und sehr zweifelhaften Aussichten mit Arbeitern viel übersetzt ist, selbe unproportionirte Löhnungen haben, und überhaupt so kostbar gebauet wird, dass eben deswegen die 4taligen Zubussen so gross ausfallen, und die meisten Gewerken damit nicht zuhalten können: dass 2tens von dem Schichtmeister immer Geld wegen vielleicht unerlaubtes Interesse vorgestreckt werde /: wie er würcklich seiner eigenen Anzeige nach bereits über 600 fl bereits zu fordern hat :/ und dass das Werk nebst denen schon auf die überflüssigen Taggebäude verwendeten grossen Kösten noch verschuldet wird; folglich bey etwann gänzlicher Zerfallung desselben die Taggebäude denen Kreditoren allein zu fallen müssen, und die anderen armen Gewerken fast nichts bekämen; so stellte ich auch der Gewerkschaft vor, dass sie ihren Bau und die Ausgaben nothwendig einschränken müsse; und zu betreibung desselben nur die Helfte nämlich 7; oder höchstens 8: Mann davon nöthig ab. Es sollten also die anderen entlassen werden.

Die Gewerkschaft solle auch bey jenen, welche in der Arbeit verbleiben, das Geding einführen, damit die übermässigen Wochen und Schichten Löhne aufhören. Der Steiger hat sich selbst 15 fl: monatlich ausgeworfen, und Häuer haben per 24.20 und das Gesindel per 18 bis 15 krz. In Ansehung dieses übermässigen Lohns des Steigers, auf dessen Vermünderung ich doch Anbetracht seines Weibes und 6 Kindern nicht antragen wollte, sollte derselbe /: weil er sonst fast nichts zu thun hat :/ selbst mit arbeiten, und zwar durch Erspahrung eines Häuers das herein bringen, was er der Gewerkschaft über sein Verdienste zu viel kostet; Gleichwie auch der Schichtmeister als Mitgewerk von einen in so grosser zufluss stehenden Werk für sein ganz unbedeutende Mühe keinen Solarum hatte verlangen sollen.

Gewerkschaft: Wie wohl bereits erwähnt keine Arbeitervereinigung, sondern Anteilseigener; Geding: Bezahlung nach Stückzahl bzw. hier Vortrieb a la Akkord.

In weitern solle dem Steiger nicht mehr die volle Gewalt gelassen werden. Er solle alle Wochen Report erstatten, und keinen Arbeiter aufnehmen noch abstellen können.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

...und kommt dem Steiger auf die Schliche

Überhaupt habe ich diesen Steiger in der 3jährigen Führung des Baues bey meiner Untersuchung eines sehr sträflichen Eigennutzes schuldig, und dem Schichtmeister wegen seinem Geldvorstrecken, und all zu starken Unterstützung dieses betrügerischen Steigers eben verdächtig befunden. Nicht nur dass genannter Steiger von Anfang nur zur Anbringung der Kuxe zu viel versprochen, sondern er verleitet die Gewerkschaft /: wie Sie sich selbst beklagte :/ zu allen diesen unnützen und zu frühzeitigen Ausgaben. Seyn bequem und gutes Leben – die Unterbringung seiner Nach und Weiter befreunden welche alle die Gewerkschaft ernähren solle ist seyn einziges Augenmerk. Man kann nichts anders urtheilen, als dass Er das Zechenhaus nur nebst freyen Quartier, den Wein und Bier Schank genüssen zu können, erbaut habe; dass er zur Versorgung seiner Befreunde, und damit auch mehr getrunken werde, so viel Leute aufnahm, und eben ihrer freyen Wohnung der so kostbaren Pocher mit Wohnungen erbauet worden seye. Die Suckenthäler Bergleute bestehen nur in der Familie des Steigers: Was bey so vielen Arbeit Leuten am meisten auf fällt, ist die Anstellung eines besonderen Pocher Steigers mit 12 fl monatlich Lohn: wo doch dieser Ortlieb /: so heisst gedachter Steiger :/ nichts zu tun hat, und den Pocher leicht auch hätten versehen können.

Alles dieses stellt ich der Gewerkschaft mit der deutlichsten Erklärung unter zweymaliger zusammen beruffung vor, und gab ihnen alles mögliche an die Hand, als ich aber nach geendigten übrigen Untersuchungen wieder nach Freyburg kam, hörte ich; dass dieselbe alles auf zu reden des Steigers und Schichtmeisters bey dem alten lasse, und ausser der einzigen Untersuchung des Gelf Kupfer Ganges, wo ich noch den Stollen Nro. 4 einige Klafter angetrieben: aber den Gang noch nicht damit erreichet sahe, nichts von meinem Raht befolgen wolle. Ich fand mich demnach so wohl von selbst; als auch auf Bitten einiger vernünftiger Gewerken dieses Werk verbunden, nochmals eine zusammen beruffung zu Waldkirch zu veranstalten und sowohl der ganzen Gewerkschaft, als besonders diesem sträflichen Steiger ernsthafter zu zünden und sowohl ihme: als auch der Gewerkschaft zu drohen; dass ich alles hohen Orts einberichten und man einen solchen offenbahren, und zum allgemeinen Schaden gereichenden Betrug, und ganz unvernünftig unbergmännischen Bergbau nicht gleich gültig ansehen werde.

Da dann die Meinung der Gewerken getheilt waren, und einige nach meinem Rath bauen wollten, ich aber selbst bei ihren Werk nicht veranstalten wollte, so sollte jeder Gewerk seine Meinung in das Protocoll geben, hierauf verlangte die Gewerkschaft Bedenkzeit und versprach mir nach gepflogener alleiniger Unterredung ihre endliche Erklärung zu geben. Es erfolgte aber diese Erklärung nur von dem Schichtmeister allein unterfertigter, welches ich nicht annehmen, und von Schwatz aus dem Bergrichter nochmals auftragen musste, die Meinung der Gewerken zu sammeln – dieser schickte mir von einigen Gewerken unterfertigtes Protocoll.

Nach einiger Zeit endlich beklagte sich der Schichtmeister wieder; dass er und viel Haupt gewerken nichts von der durch den bergrichter veranlassten letzten Zusammen kunft gewust hätten: darüber verlangte ich wieder des Bergrichters Verantwortung: weil ich ihme verordnet habe, die ganze Gewerkschaft zu beruffen: diese Verantwortung weiset auch das Gegentheil, umsomehr als der Waldkircher Obervogt von Zwehringer, welchen er besonders auch anführt, in den Protocoll unterschrieben ist.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

"...und wann sich eine Gewerkschaft wissentlich will betrügen lassen, so kann ihr niemand helfen."

So viel ich übrigens seit meiner Abreis aus Vorderöstreich weiss und wie aus den oberwehnt letztes Schreiben des Schichtmeisters abzunehmen ist, so bauet die Gewerkschaft noch immer den Unterbau, die Erhebung des Stolln Nro. 2 steht und meine überige oeconomische Rathschläge werden auch nicht erfüllet; ich habe mir die Befolgung derselben erhoffet; indeme der Steiger sehr eingeschrenkt wurde, und dem Schichtmeister vermuthlich auch was entgieng, und wann sich eine Gewerkschaft wissentlich will betrügen lassen, so kann ihr niemand helfen.

Über das besonders unartige Betragen dieser Gewerkschaft jedoch währen meiner Komissions Verrichtung kann ich mich billig geschweren. Erstlich hat dieser Steiger und noch einige, zu wieder Einschläferung der Gewerken ausgesprengt: Die Komission seye nur da, um die Werker zu besehen und welche hoffendlich wären, denen Gewerken wegzunehmen: deswegen lobe sie keines.

Als ich 2tens von allen ihren Erzten, Pochgängen und Pochmehlen Proben nahm, und ihnen den wahren Halt zu geben versprach, schickte der Schichtmeister und Steiger aus Misstrauen als wenn ich ihme zu fleiss zu geringe halte angeben würden, von allen diesen auch Proben in das Fürstenbergische. Ich hielt denen betreffenden dieses vor, und verlangte den Fürstenbergischen Halt zettel; wo zu ihrer Beschamung alles mit meinen Halten, soviel es bei Stuffen Proben seyn kann: übereinkam. Letztlich endlich da einige Gewerken auf die Erfüllung der Commisissionalisch. Vorschlägen drangen liesse der Schichtmeister und Steiger schon seit meiner Abwesenheit zu abermahliger Einschläferung der Gewerken, und Verschönerung ihrer unvernünftigen Wiederspenstigkeit, das Werk durch einen alten eben unwissenden Steiger, welcher auch schon eine Gewerkschaft zu grund gerichtet abermahl untersuchen: welcher alles, was ihm der Suckenthaler Steiger einredete, anriethe und denselben noch besonders lobte. Diesen Bericht schickte der Schichtmeister letztlich, mit deme an das Amt; das die Gewerkschaft nach der Meinung dieses Steigers bauen werde.

„welcher auch schon eine Gewerkschaft zu grund gerichtet“: Eine gute alte Tradition im Suggental, die bis heute hochgehalten wird.

Hieraus ist die gute Wahl zu ersehen, welche die Gewerkschaft zwischen der Untersuchung eines verpflichteten Beamtens, und eines so unwissenden Kuxkränzlers zu treffen weisst; die durch all dieses Benehmen gegen eine K: K: Komission gezeigte Frechheit aber, überlasse höherer Orten gnädig zu beurtheilen.

Dieser Gewerkschaft wird bei so verbleibenden Umständen, und ohne hin weit, und zweifelhaften Aussichten des Werks hart zu helffen seyn; und es ist zu förchten, dass selbe zu Grund gehen werde: dann mit dem Unterbau ist gewiss keine Hoffnung, und mit dem Stolln Nro. 4 kann es /: wann auch dieser gelf Kupfer gang noch so edel an Kupfer ist :/ erstlich wegen der noch langen Strecke bis unter einiges Gebürg so bald nichts ergiebiges abgeben, und 2tens zweifel ich ob ein blosser Kupfer Bau im Vorderöstreich Konto tourniren kann.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

"...immer fortfährt die Gewerken zu betrügen; und kaum zu einem Hundstossen taugt. Er kann nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen und kennt kaum den Kompas."

Die Erhebung des Stollns Nro. 2: braucht auch noch lange zeit, und wird allen ansehen nach auch ziemlich viel kosten, wann demnach nicht mit sehr guter Würthschaft, und Beyseitigung aller überflüssigen Ausgaben zu Werk gegangen wird; so erdauert es unter diesen Gewerken niemand. Mit dem Steiger, welcher auf mein letztliches gewiss dringliches Zureden nicht in sich ging und immer unter dem Schutz des mit verstandenen Schichtmeisters fortfährt die Gewerken zu betrügen; wird nichts gutes ausgerichtet werden; umso mehr als er auch gar nichts verstehen und kaum zu einem Hundstossen taugt. Er kann nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen und kennt kaum den Kompas.

„kaum zu einem Hundstossen taugt“: Ein Hundstoßer (Schieber eines Hundes, eines mit Spurnagel geführten Wagens untertage) bekleidet übertragen den alleruntersten Rang untertage am Anfang einer damaligen Bergmannskarriere. Verniers Aussage stellt daher eine kräftige Beleidigung dar.

Das Nicht-Lesen-und-Schreiben-können und etwas weniger das mit dem Kompaß hätte ich vielleicht hingenommen, aber für den „Hundstößer“ hätte ich ihn zum Duell gefordert.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Vernier resigniert zu guter Letzt

Nur einige Gewerken sind zu bedauern; welche die Sache einsehen, und überstimmte Opfer seyn müssen. Wie aus einem Schreiben von 6: Deputirten dieser Gewerkschaft gnädig zu ersehen ist, und welchen ich vermög meinen Befund; und der Billigkeit nach verpflichten, und ich im überigen mich lediglich auf meine im letzten Abschnitt des 1. Theils gehorsamst vorgeschlagenen ernstliche Mittel berufen muss. Diese Gewerkschaft braucht es vor allen.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Bericht über die Verhältnisse in Suggental 1786
Hermann Joseph Ritter von Carato

Carato, Hermann Joseph Ritter von (1786)

„Haubtrelation über alle in den k.k. oesterreichischen Vorlanden befindliche, theils wirklich im Bau stehende 2ten theils aufgelassenene Gruben und Bergwercke. Freyburg.“– Ms., Breisgau-Generalia, Fasc. No. 141; Karlsruhe (Generallandesarchiv Karlsruhe).

Datenquelle Textausschnitt: Webseite „Kartan“

Einleitung

Dem österreichischen Bergbeamten Bergrat Hermann Joseph von Carato, der 1783 von Schwaz nach Freiburg versetzt wurde, wurde 1785 „mittels allerhöchstem Dekret“ von der k.u.k. Hofkammer für Münz- und Bergwesen aufgetragen, ausführlich Bericht über die Bergwerke der vorderösterreichischen Vorlande zu erstatten.

Der vorliegende, im Bergarchiv Schwaz erhalten gebliebene Bericht des Herrn von Carato aus dem Jahre 1786 über das Bergwerk Suggental liegt – wie ersichtlich – fünf Jahre später als der Bericht des Herrn Vernier. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, Verniers Bericht vorher zu lesen.

Die Gewerkschaft ist inzwischen ziemlich auf den Hund gekommen, die Unterschleife des Steigers Ortlieb kam bedeutend zum Tragen. Auch weiterhin wurde viel Geld wurde nutzlos verbaut, unnötige Gebäude errichtet, unnützes Personal belastete die Kasse. Das Bergwerk ist hauptsächlich aus diesen Gründen immer noch nicht rentabel, die Hälfte der Kuxe (Anteilsscheine) liegt im Retardat, d.h. die im Verlustfall fällige Zubuße wird nicht bezahlt, und der Ruf nach staatlicher Hilfe wird laut.

Die Mißwirtschaft wurde auch durch Caratos Empfehlungen allerdings nicht abgestellt werden; die Gewerken verliefen sich, und wenige Jahre später ist vom Silberbergwerk Suggental nichts mehr zu hören. Das Bergwerk Suggental ist nicht wegen der Kuxkränzelei, das heißt dem Betrug rund um Kuxen, den Bergwerksanteilsscheinen, bemerkenswert; Kuxkränzelei war sowieso der Fluch aller schwarzwälder Bergwerke um diese Zeit. Bemerkenswert ist, daß rund um das Bergwerk Suggental so lange erfolgreich kuxgekränzelt wurde. Man möchte meinen, da habe sich nicht viel geändert.

Anmerkungen im Text
Da einige damals verwendete Ausdrücke heutzutage nicht mehr gebräuchlich sind bzw. der damaligen Fachsprache entstammen, sind zum besseren Verständnis Anmerkungen einzufügt. Diese sind, wie an diesem Beispiel, farblich hervorgehoben.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Nr.2: Bergwerck St: Anna Stolln in Suggenthal welches aber Sunkenthal heissen solte

Dieses Bergwerck liegt in der Kammeral herrschaft Schwarzenberg, 2 ½ Stund von der Stadt Freyburg, in einem Thal das von Mittag nach Mitnacht streichet, und an den Elsbach ausgehet. Zwey gebürge oder Arme die sich von dem höchsten Schwarzwälder gebürg gegen gedachte Welt gegenden abtheilen, beschliessen.

Zu den Richtungsangaben: „Mittag“ bedeutet Süden, „Mitnacht (Mitternacht)“ Norden, „Morgen“ Westen, „Abend“ Osten. Richtungen a la „soundsoviel Uhr“ beziehen sich auf die alte Stundenteilung des Kompasses, eingeteilt in zweimal zwölf Stunden. Man stelle sich einen Kompaß vor, Norden oben: dann laufen die ersten zwölf Stunden linksherum gegen den Uhrzeigersinn hinunter nach Süden, die zweiten zwölf Stunden dann rechtsherum hinauf nach Norden. Die „2½ Stunden von Freyburg“ könnten aber auch im Sinne von Wegstunden gemeint sein; das würde amüsanterweise auch ungefähr passen. Man frage bitte nicht, was denn genau eine Wegstunde sei; hier nur am Rande angemerkt.

Nr.2. Bergwerck St: Anna Stolln in Suggenthal welches aber Sunkenthal heissen solte.

Dieses Bergwerck liegt in der Kammeral herrschaft Schwarzenberg, 2 ½ Stund von der Stadt Freyburg, in einem Thal das von Mittag nach Mitnacht streichet, und an den Elsbach ausgehet. Zwey gebürge oder Arme die sich von dem höchsten Schwarzwälder gebürg gegen gedachte Welt gegenden abtheilen, beschliessen.

Zu den Richtungsangaben: „Mittag“ bedeutet Süden, „Mitnacht (Mitternacht)“ Norden, „Morgen“ Westen, „Abend“ Osten. Richtungen a la „soundsoviel Uhr“ beziehen sich auf die alte Stundenteilung des Kompasses, eingeteilt in zweimal zwölf Stunden. Man stelle sich einen Kompaß vor, Norden oben: dann laufen die ersten zwölf Stunden linksherum gegen den Uhrzeigersinn hinunter nach Süden, die zweiten zwölf Stunden dann rechtsherum hinauf nach Norden. Die „2½ Stunden von Freyburg“ könnten aber auch im Sinne von Wegstunden gemeint sein; das würde amüsanterweise auch ungefähr passen. Man frage bitte nicht, was denn genau eine Wegstunde sei; hier nur am Rande angemerkt.

Dieses Thal, diese Armgebürge sind auf dem Seiger Riss, der Sub Nr 2 von der ganzen Revier angeschlossenen Charte mit Lit. A und B in ihrer natürlichen länge und Höhe, die natürliche Tiefe des Suggenthals aber, mit der Punctirten Linie Lit: C vom Unterzeichneten vorgestellet worden, wobei noch anzumerken: das diese 2 Arme Gebürge sich bei Nr 75 an die von Morgen in Abend streichende Haubt Kette anschlüssen, wo das Suggen Thal geschlossen wird.

Die angeschlossene Karte scheint leider ebenfalls verloren gegangen zu sein, als die bayerische Armee in Schwaz ein lustiges Grillfest veranstaltete. Seigerriß: Vertikalabbildung eines Bergwerks.

Das Bergwerck dieses Thals, soll vermög einer fast allgemein bekannten Tradition, und einiger alten Chroniken das reichste Bergwerck im Breisgau gewesen seyn, und nachdem es im stärksten Betrieb, und in der reichesten Ausbeut gestanden soll es anno 1298 den 15tn May durch einen Wolkenbruch gänzlich zerstört worden seyn.

Dass in diesem Thal und deren 2. angezeigten Arm gebürgen ein starcker Berg Bau geführet worden, davon wurd Unterzeichneter überzeugt als er dieses dermalen Gewerckschaftl. Werck befahren und die Tag revier ganz durch gegangen hatte, dieses kam ihr so merkwürdig vor, das er durch den Hofsgründer Obersteiger Franz Schwellenbach, in der Unterzeichneten gegenwart, dieses ganze Revier verschienen, und davon die angeschlossene Karta Anno 1784. verfertigen liess.

Gedachte Tradition machte ihn sehr begirrig, die wahre Geschichte dieses zu grund gegangenen Bergwercks zu erfahren, nach vielen vergeblichen Nachfragen, erhielt derselbe endlich vom Pfarrer zu Buchholz, welches dorf ½ Stund von Suckenthal entlegen, folgende Geschichte, die gedachter Pfarrer als ein Liebhaber der antiquitaeten und der Geschichte, aus einem alten manuscript, dass einen betitleten Hochfreyen Namens Raimund Kramer zum verfasser hat ausgezogen, der sie im 1493tn Jahr geschrieben.

Hier wohl tatsächlich eine halbe Wegstunde gemeint. Der Wegstunden gab es viele. Da hier nicht wesentlich sagen wir der Einfachkeit halber einfach, daß eine Wegstunde 5 km entspräche; paßt auch gut.

Dieser aber hat die Geschichte wider aus einem alten Manuscript, aus der Alt Teütschen Schreibart, in jene seines Jahrhunderts gleichsam übersetzt, welche hier würcklich angeführt wird.

Anno 1211 unter Kaiser Otto dem 4tn, und Herzog Berchdolt dem letzten, oder dem V tn von Zähringen /: diese Herren waren dermalen Grund-Herrn vom dermaligen Suckenthal;anmerckung des Unterzeichneten :/ im Monat Julius, ist von einem Bergmann Joseph Wanot an dreyen Orten Erz gespürt worden im Reichenthal /: also würd es damalen benamset :/ und zugleich an allen gearbeitet und fortgetrieben worden, wo zugleich auch in diesem Jahr der Schmelzofen aufgericht, und durch unklick, samt allen Gebäuen verbrant, und die Werker allgemach schwer worden, so ist hernach wieder alles rückstellig geblieben, und nimmer gearbeitet worden.

Im Suggental fand schon vor 1211 Bergbau statt. Es ist daher denkbar, daß es bei obiger Anekdote um Steuertitel (vulgo: Abgreifen eines Erzzehnten) ging – wenn sie nicht ohnehin über viele Ecken falsch tradiert wurde. Es könnte sich auch um eine Fälschungsvorbereitung wegen Besitztitel handeln, da sie erst ca. 200 Jahre später aus einem angeblichen „alten Manuscript“, das praktischerweise schon damals schwer zu lesen gewesen sei, abgeleitet wurde. Hüstel, hüstel. Kam schon öfter vor, sowas.

Der Römische Kaiser hat 1217. auf anhalten des Grafen von Zähringen, welcher ein Schwager vom Grafen zu Wallerstein von Kaisersburg war, diese Werker selbigen Grafen gänzlich zu einem Lehen geschenkt, welcher zuerst im Reichenthal angefangen, und in etlichen Monat gleich so glücklich Kupfer, und reichlich Silber gefunden, dass der Graf selbsten diese 3. Gruben gekauft und benamset hat.

Die unterste nennt er St: Anna, welche in der Mitte des Thals liegt, und gegen Aufgang streichet, und sich in 3 Ruthen und viele Trümer ergiesset. Die andere, welche oben im Thal, gegen dem Engelsburg liegt, und streichet gegen Mittag an der kleinen Seiten der Engelsburg, haltet Kupfer und Silber ist auch sehr reich und hat den Namen Josef. Die 3te liegt aufwärts gegen die Linie des Bergs und streichet gegen den Kanalberg /: dermalen heisst er der Kandelberg :/ und ist sehr reich von Silber und Bley hat 3. Ruthen, wie die andere von St: Anna, welche sich gegen Aufgang über das Gebürg hinüber zeigen.

„Aufgang streichet“: In Richtung des Sonnenaufgangs, d.h. Osten. „Kanalberg“: Carato nimmt wohl fälschlich eine Namensherkunft abgeleitet vom Urgraben, einem Brauchwasserkanal, an.

Anno 1218 ist wieder ein Schmelzofen zustand erbaut worden, an dem Elsenfluss unten an dem Reichen Thal, in der Berg enge, und hat sich in allen 3. Gruben reichlich zur Ausbeüt gezeigt, so das der Graf wieder alle Alte Ort hat aufmachen lassen, auch bey 200 Häuer, viele Wohnhäuser, in dem Reichen Thal aufgericht, auch zur Ehre der Hl: Mutter Anna eine Kirche /: welche noch stehet :/ von die berg-Leut erbauen lassen, und seind also alle in grosser Reichtum und überfluss diese Werker fortgetrieben worden.

Anno 1276 da das Werck an eine gräfliche Jungfrau gefallen, auch dasselbe zu ihrem eigenen Sitz geworden; so hat dieselbe in solchen Reichtum gelebt, dass sie in allen ihren Werken über 300 Berg Läute oder Häuer gehabt, welche sie auch reichlich besoldet, also, dass ein überfluss in allem zu sehen war, Sie ändert sogar den Namen dieses Thales, und statt Reichenthal nennt sie es Paradies Thale.

Endlich hat sie einen Liebhaber gefunden, welcher auf dem Blattenbiel gewohnt und ein Sohn des Edlen Hl: Galaritig war von Bostheim, oder Blattenheim, mit Namen Albert; dieser hat sodann, weil er diese adelige Jungfrau gern alle Gebäuer beysammen gehabt, von dem Blattenschloss einen Kanal machen lassen, damit man Schmelzwerk und andere Gebäuer im Thal bauen könnte, auch alle Werker durch dasselbe Wasser bequem führen; so ist es auch schon wirklich so weit gebracht worden, das das Schmelzwerck und Bauwerck unten in die Thal Ebne, 30 fuss von St: Anna Mündung und 50 fuss von St: Joseph gestellt worden, weil diese 2 Gruben so mächtig geworden sind, dass man die grösste Reichthum in Silber und Kupfer gehoft, es ist in allem so glücklich gegangen, so das man ganze Haufen Erz da liegen gesehen hat, welche biss 10 Ehlen hoch lagen, aus Ursach weilen das Schmelzen 4 Monat gehindert worden, wegen dem Bau weesen; endlich da der neüe Schmelz bau fertig; so ging alles im besten Ernst und sehr glücklich, so da alle Freyheit im Paradies Thal gestattet worden; den unsere Herrschaft ist Richterin über alles, und sie war so frech, dass sie unsere Mutter Anna und Joseph völlig vergass, biss endlich da alles im besten Flor, auch grösstem Jubel den 15 May 1298 durch Gottes straf, und Plötzliches Ungewitter alles Volck biss auf 5 Personen zu grund gegangn, dass man von Zeit 5 Minuten nichts mehr vom ganzen Werck gesehen, wo hernach von dieser Fluth und Überschwemmung, ein solcher Gestank zurük geblieben ist, das es noch viele Menschen durch eine ansteckende Krankheit hinweg geraft hatte. Dies alles ist beschrieben durch einen Hochfreyen mit Namen Raimund Kramer.

Man bemerke: Der Name des Liebhabers scheint erhalten; ihr Name nicht.

Folgendes hat der obgedachte hl: Pfarrer von Buchholz nachgetragen. Der Carlsruher hl: Professor Joan Christian Sachs schreibt in seinem Werck von den Grafen von Freyburg, Graf Egon der 3te habe anno 1284 als Kastenvogt der Abtey St: Peter die Erlaubnis ertheilt, dass die Bergwercker in dermaligen Suckenthal, und auf dem Herzogenberg eine Wasser leitung über den Grund und Boden dieser Abtey führen dörfen.

Mit dieser Wasserleitung ist der Urgraben gemeint, der tatsächlich über Grund der Abtei St. Peter verlief.

Die Kirche liegt zu hinderst im Thal auf einer angenehmen anhöhe, nit weit von dem ehemaligen hier gestandenen Schloss, und wie man sagt, sol es um die Kirchen herum wie ein Städtlein gewesen seyn. Man siehet aber in dem Bogen der Kirche noch dieses zu lesen Anno 1298 ist Suckenthal untergegangen; man hat noch von 2 Jahren an den Fenster stöken gesehen, wie hoch das Wasser gestanden ist, aber durch unvorsichtigkeit ausgeweiset worden.

Bei der Wasserstandsmarke an den Fensterstöcken der Kapelle im Suggental handelt es sich neueren Erkenntnissen zufolge ganz simpel um eine von im Mauerwerk aufsteigendem Wasser bedingte Ablagerung. Ein Baufehler, wenn man so will.

Endlich wird gedachtes Unglück dadurch bestättigt, das noch dermalen alle Jahr am 15. May ein Jahr Tag zu Wahlkirch ½ Stund vom Suckenthal für die umgekommene Berg leüte im dasigen Collegieatstift der regulirten Chorherren gehalten wird; das Suckenthal hat dermaln und gehört noch zu der Waldkircher Pfarr.

Vermög dieser Erzählung wäre nun die Suckenthaler Wercker anno 1211 entdecket, also gleich schmelzwürdige Erze erobert, noch in diesem Jahr eine Schmelz hütte erbaut, nachdem diese abgebrand, nach und nach auf gelassen, anno 1217 aber wieder erhoben, und biss 1298 folglich in allem beyläufig 82 oder 83 Jahre betrieben worden.

Der lokal Augenschein zeigt hinlänglich an, dass seit gedachter Zeit des Untergangs nicht biss anno 1776 an diesen Werckern unternommen worden, in welchem Jahr die damalige Gewerckschaft die Erhebung angefangen. Da in der Zeit, wo die Alten Bauten, der Berg Bau ohne Sprengpulfer geführt worden; so kan der alte verhau, besonders da an mehr Orten gebaut worden, mit 2 bis 300 Man Häuer nicht sehr stark seye.

Dieses vorausgesetzt wäre nun zu untersuchen, wie das Lokale mit gedachter Erzählung übereinstimme? Welches haubt sächlich die angeschlossene Charte auf klären wird.

Die unterste und 1ste Grube St: Anna soll in der Mitte des Thals liegen und gegen Aufgang streichen auch sich in viele Trümer, und wie bey der 3tn Grube gesagt wird, in 3 Ruthen ergiessen, welches vermuthlich 3. sich zuscharrende und zu streichende Kluft oder Aeste heissen soll.

Man kann in diesem Merckmale nicht wohl zweifeln, das der auf der Charte mit Nr 30 bezeichnete Stolln, und die höheren Stölln Nr 27.24, die alle gegen Morgen aufgemacht worden, wie auch die, mit diesem Stölle unterteüften vielen Schächte diese 1te Grube St: Anna verrathen; besonders weil auch die 3. sogenannten Ruthen, wie der alte Ausdruck sagt, bey Nris. 16, 17, 25, 26, 89, 10, 11, 12, die gegen Mittag streichende Trümmer aber bey Nris 13, 14, 22, 23 mittels denen darauf abgeteüften Schächten, aus nehmend sichtbar sind.

Eben so deütlich scheinet sich die 2te oder die Joseph Grube mittels den Stolln Nr 43, 45 und den Schächten 43, 64, 65 ½, 75 auszuziehen, besonders da gegen über von gedachten 3. Stolln 30, 43 et 55 der Planirte platz, wo die Schmelzhütte gestanden, noch ganz sichtbar, und dermalen eine Schöne Wiesen ist.

Die 3te Gruppe die mit keinem Namen angegeben worden die auch 3 Ruthe oder Aeste wie die St: Anna Stollner haben soll, scheint eben so deutlich als die 2 ersten auf der Charte angezeigt zu seyn. Aus den, in der Geschichte angezeigten Merckmale, ist es jene, so auf der Charten mit Nr. 1, 2, 34, 5 bezeichnet ist, den der Gang Nr 4 streicht grad dem Kanal berg zu, und der Stolle Nr 5 ist auf der Kluft Nr 1 aufgemacht worden, von welcher sich Nr 4 abtheilt, die 3te Kluft scheint jene zu seyn, die mit Nr 25 et 26 bezeichnet ist, diese beeden Klufte streichen auch wirklich, wie die Geschichte sagt, über das Gebürg in Suckenthal, den der Stolle Nr 5 ist im Morgenseitigen, die Schächte Nr 25 et 26 aber im Abendseitigen Gehäng, und zwar gleich unter der Schneid, eines derjenigen 2. Arm gebürge, die des Suckenthal beschliessen, geöffnet worden, ferners theilet sich die Kluft Nr 25 et 26 von jener bey Nr 1 in Nr 1 ½ ab, das einzige Trift nicht zu, dass alle 3 Klüfte gegen Morgen streichen sollen, Nr 4 dahin streichet, und die anderen 2 nicht auch dahin streichen können, weil sie vermög der Geschicht über den berg hinüber streichen sollen, und kein Berg da ist, worüber sie streichen könen, als oberwähnter, dessen abendseitiges Gehäng ins Suckenthal siehet, folglich ist in diesem Fall die geschicht im irthum. Es zeigt demzufolge diese Gruben die Geschicht zimmlich zu verlässig an.

Eben so zuverlässig, ist die Erzählung von dem Kanal der von Plattenbiehl /: Heut zu tag heist es die Platten :/ biss ins Paradies Thal geführt worden; den man siehet ihn noch heut, und Unterzeichneter ist ihm wirklich vom Ursprung biss ins Suggenthal ein Weg von 2 Stund nachgegangen; die ersten Quellen, die in diesem Kanal geführet werden, entspringen auf einer sumpfichten Wiese, die im Wald des dermaligen Plattenbauers liegt.

Es sind aber in seiner Strecke biss ins Suggenthal noch mehr sehr starke Quellen aufgefangen worden, mit welchem dermaligen Mahl Mühlen und verschiedene Sägmühlen getrieben, und viele Wiesen, oder Matten, wie man sie hier zu Land nennet, gewässert worden; da der Kanal noch dermalen sichtbar, und noch oben bey 5 Schuh breit ist; so ist zu vermuten, dass er vermög dieser breite etwan 3 biss 4 Schuh tief gewesen seyn mag. Es könnte derselbe mit höchstens 30kr pro Klafter wieder hergestellt werden, wozu man vermög den Bergrechten vollkommens Recht hätte.

Ein österreichischer Klafter zu sechs Fuß entsprach 1,896 m. Klafter und Lachter oft gleichbedeutend.

kr: Kreuzer, hier sicherlich, da zeitlich nach Maria Theresias Münzreform (Münzkonvention 1757): zwei Nach-Konventions-(Silber?-)Gulden (Abk. fl oder f, Florin) entsprachen 120 Kreuzern. Ein Gulden in erster Näherung wertmäßig entsprechend etwa 3,5 g Gold. Carato meint hier mit den Kreuzern: Recht billig.

Gedachter Kanal hat vermutlich dem Berg, an dessen Abens gehäng derselbe angebracht worden, den Namen Kanal berg gegeben, heüt zu Tag nennt er sich der Kandelberg, und ist der höchste in diesem Theil des Breisgaus. Dadurch wird es wahr, dass ein Kasten vogt der Abtey St: Peter, der Gewerkschaft im Paradiss Thal, die Erlaubnis gegeben habe, den Kanal durch einen Theil des Grund und Bodens gedachter Abtey anfängt, sondern der grösste Theil davon ist darauf, und der übrige, durch den Grund und Boden der Schwarzenberger Herrschaft, die dermalen Kammeralisch ist, geführet worden. Dass endlich diese Werker sehr reich gewesen, erhellte selbst aus der führung dieses so Kostbaren Kanals, und aus den vielen Stölln und Schächten, die man auf der Charte siehet.

Der Kanal aber ist nicht allein wegen der Schmelzhütte sondern wegen einer Wasser Hebungsmaschine, und villeicht wegen der damalen schon in Übung gewesenen Mühle zum Erzmahlen gemacht worden. Dass aber eine Wasserhebungsmaschine eingerichtet gewesen, und zwar vor dem Josephi Stollner mündloch, in dem also mit Nr 43 bezeichneten Schacht /: welcher Nr zugleich das Stolln mündloch anzeiget :/ daran kan man nicht zweifeln, weil man noch zum Theil die aus dem lebendigen Felsen gehaute Radstube siehet.

In ansehung des reichen Erzes werden in der geschicht besonders die St: Anna und Joseph Stölln für die reichsten angezeigt; die viel Silber und Kupfer sollen gegeben haben, wess wegen auch vermuthlich vor deren Mundlöcher die Schmelzhütte gebaut worden, zum beweiss dieses für sehr reich angegebenen Bergwercks kann auch folgender zeügen: man findet in den alten Halden gedachter zwey Wercker nichts anderes als eine Art Erz, die Kupfer und Silber hält, sie ist zu wenig lichtgrau für Weiss gulden, und doch zu licht für stahl erz gehalten zu werden, Sie scheint folglich das Mittel zweischen Weissgulden, und stahlerz zu sein.

Unterzeichneter hat von selbst auf geklaubten Stuffen von den halden gedachter Wercker probirt, die, nachdem sie mehr oder weniger gangart hatten, 15, 19, 30 und eine ganz derbe gattung, ohne der geringsten gang arth, 183 Loth oder 11 Mark 7 Loth Silber, an gar Kupfer aber 7 Pfd. Hielt. In den übrigen, ist der Kupfer halt nach proportion ihres Silbergehalts.

Mark: 234 g; österr. Lot (Loth): ~17,5 g. Carato meint damit wohl „Menge pro Zentner“, ein österr. Zentner hat 100 Pfund zu (im Jahr 1781 noch) 0,56 kg, also ~56 kg. Alle in allem relativ übliche Gehalte; nicht schlecht, aber auch nicht überagend.

Die dermalige Gewerckschaft hat auch in den eröfneten Stölln Nris 43, 55 jedoch nur pläzenweis solche Erz von gedachten verschiedenen Gehalt erobert, aus welchen die aufs allerreinste ausgeschiedenen Stückgen, den nämlichen obgedachten reichen gehalt, fast ganz erreichten, Sie hätten ihn auch ganz erreichet, wenn es möglich gewesen wäre, alle gang art davon zu scheiden. Nicht minder hat Sie silberhältige Bleyerz erhalten, die nach der Prob des Unterzeichneten folgenden gehalt hatten.

Da man in gedachten alten halden gar keine silberhaltigen Bleyerz findet; so ist es sehr wahrscheinlich dass diese nur in der oberen Revier brechen. Übrigens könnten gedachte Alten halden mit guten Nuzen gepacht werden.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Anmerkungen über den bergbau der alten im Suggenthal

1tn In den Stölln 43 et 55 dieses alten Josephi Baus, welchen die dermaligen Gewerckschaft anno 1776 geöffnet und damit ihren Bau angefangen, hat Unterzeichneter gesehen, dass die alten in diesem keinen ordentlichen streichenden Gang sondern nur 3, 4, 6 auch 7 Zöllige ganz Erzlere Trümmer von Gips spath hatten, die so seltsam fallen, und streichen, dass man in der That behaubten kann, sie Streichen nach allen möglichen Stunden und Gegenden, und verflächen sich nach allen möglichen Richtungen oder Graden; die Gang art zwischen diesen Trümmern, ist ein, ins grüne schielende Graupen artiges Gestein.

Dass gebürggestein aber ist, wie überall hier im breisgau granitartig, kurz, und grob klüftig; Unterzeichneter hat mittels einen in dem Stolln Nr 43, welchen die damalige Gewerckschaft St: Anna stolln genannt hat, veranstalteten ebensöhligen Kreütz schlag von 7 Lachter das Ende der Mächtigkeit gedachter Spat Trümmer noch nicht erreichen könne, doch aber haben sie sich etwas vermündert, er kann demnach die Mächtigkeit derselben nicht bestimmen, ohngeachtet nun in diesen Spathtrümmern nicht das geringste von Erz zu sehen; so hat die dermalige Gewerckschaft demnach Erznester erbaut die manche Ct: Silber haltiges Bleyerz gaben; dieses veranlaste den Unterzeichneten zu untersuchen, ob man vorläufig keine Merckmale geben könnte, die solche Nester verrathen; er fand endlich, dass wo zwey solche Stathtrümmer zusammen zu streichen scheinen, und gleiches verflächen haben, man in dem Mittel zwischen solchen Trümmern gedachte Erznester finde, die aber ausgeschnitten werden, wo die Trümmer zusammen kommen.

Ein österreichische Lachter zu sechs Schuh entspricht 1,8965 m.

Nicht minder werden solche Nester erbauet in den Mitteln zwischen 2 Spath Trümmer, die im verflächen zusammen kommen, und wircklich sich zu fallen; da aber diese und jene art Trümmer überhaubt sehr kurz, und auch ziemlich selten sind, und man auf diese Nester nur von ohngefähr geräth; so hat die dermalige Gewerckschaft erfahren, dass man, bis wieder ein solches Nest erreichet wird, viel mehr verbaut als das eroberte Nest im Metall Werth beträget, ohngeachtet diese Nester gemeiniglich pläzen vom reichesten obgedachten Erz gaben.

Da nun Unterzeichneter in der Tagrevier des alten Josephi Bau sah, dass die Alten einen ordentlichen Schachtbau, bey Nr 43, 64, 65 ½ und 68 geführt haben; so muss man natürlicher weiss schließen, dass gedachte Trümmer in der Teüfe aus gehen und sich entweder in ordentlich streichende Gänge, oder viel mehr in Stock wercke verwandlen.

Wenn man nicht schon durch gedachten Schachtbau davon überzeügt wäre, könnte man zum Theil sich auch durch folgende Erfahrung davon überzeügen. Nach einem erbauten Erznest, dass schon in der 3tn Lachter sich obegedachter massen auss scheint, liess Unterzeichneter nich 4 Lachter Tief abteüfen, er sah: das je tiefer man in dieser nicht beträchtlichen Teüfe niederfuhr sich die Trümmer Theils in einander verliehren, sich besser aufrichteten, und sich nicht mehr so verworren im Streichen und Fallen zeigten.

Wie tief man aber Abteüfen müsse, um einen streichenden Gang oder ein Stockwerck zu erbauen; dieses zu erkennen schien gedachter Teüfe nicht hinlänglich, es wäre auch unnöthig gewesen weiter ab zu teüfen, weil der mit Nr 49 bezeichnete alte Schacht, der von der Sohl des Stolles Nr 43 niedergeht mit grund vermuthen liess, dass man in alte Zechen einschlagen würde;

Nachdem die Alten mittels den 2 Stlln Nr 43 et 55 erfahren, dass in der höhe dieser Stölle die Trümmern keinen ergiebigen Bau versprechen, war gedachter Schacht Nr 49 vermuthlich der 1te mit welchem Sie die Teüfe untersuchten, nach diesem werden sie den Kunst schacht Nr 43 und dann jene Nr 64 et 65 ½ bey welchem 1ten allem ansehen nach das Zechen haus und die Zungkammer, bey letzterm aber die Scheidstube gestanden, geöfnet, und die Förderniss mittels dem Kanalwasser eingerichtet haben.

Dass aber die Zungkammer oder gewölt bey Nr 64 gewesen, bezeügt dass der Suggenthaler Steiger anno 1778, an diesem Ort etliche Ct: schon abgenutztes und etliche Ct: noch gar nicht gebrauchtes, gezähn von allen Gattungen unter dem Schut gefunden hat, worünter auch ein von Eisendraht geflochtenes Sieb ohne Kranz gewesen.

2tn es ist anmerkungswürdig dass es aus dem was man am Tag siehet, scheine die Alten hätten ihrem Josephi Stoller Haubtbau nur zwischen den 2 Letten Kluften Nr 64 et 60 die 214 Lachter voneinander sind, geführet, besonders weil sie mit dem obern Stolln Nr 55 der Letten Kluft Nr 60 gegen Abend nur nach gebauet, diese aber nicht durchbrochen, sondern dafür nur wieder gegen Abend nachgebauet einen ins Kreüz sich von der Letten Kluft abtheilenden Trum biss zu Nr 62 nach gefarren, welches Sie aber biss an Tag gegen Nr 66 wo ein Einbruch zu sehen, verhaut haben. Dieses veranlaste die dermalige Gewerkschaft, das Feld Ort Nr 62 noch einige Lachter, in der Hoffnung etwas zu erbauen, zu verlängerm, Sie fanden einige Erznester, da sie aber aus giengen, verliessen sie es wieder.

Ohngeachtet dessen aber scheinet der Tagschacht Nr 68 zu beweisen, dass die Alten mittels diesem ausserhalb der Lettenkluft Nr 60 angelegten und von derselben 68 Lachter, von dem Haubtschacht Nr 65 ½ aber 150 Lachter entfernten Schacht; das Gebürg untersucht haben, indem dieser Schacht dergestalten neben dem Kanal geöfnet worden, dass das Wasser desselben etwan zu einer Treibmaschin benuzet werden konnte, und noch inlänglich fall übriggebleiben, dass eine Treib oder Fördernissmaschin bey dem Schacht Nr 65 ½ betrieben werden konnte.

Nicht minder scheint gedachtes zu beweisen weil in der Halden des gedachten Schachts Nr 68 kein Erz, sondern nur der mit der obgedachten Grünlichten Graupen arteigen Gang Gestein vermischte Gipsspat, gefunden wird, welche Gang art man auch in denen mit Nr 74, 75 bezeichneten im höchsten Gebürg und in wieder abfallenden bey Nr 76 geöfneten Schächten, aber auch ohne Erze findet.

Aus diesem nun lässt sich schliessen, das der Zertrümmerte sehr mächtige Gang hinter der Letten Kluft Nr 60 wircklich fort streiche, aus dem aber dass auf den Halden dieser Alten Arbeiten hinter der Letten Kluft keine Erze zu finden, könne man nicht schlüsen der Gang seye hinter der Letten Kluft nicht edel den a) kann es seyn das die Überschwemmung den Bau unterbrochen bevor man die edle Revier erbauet, welches dadurch wahrscheinlich wird, weil die halden dieses und der höchsten Schächte bey Nr 75, 76 sehr klein sind, ohngeachtet man annehmen muss, dass das grosse Wasser die Halden zimlich vermindert haben wird. b) Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Alten von der Sohl des Schachtes Nr 65 ½ die Lettenkluft Nr 60 durchbrochen, und hinter derselben auch eine edle Revier erbauet, und desswegen den Schacht Nr 68 abgetauft haben, sowohl wegen frischen Wettern, als um die Förderniss zu erleichtern, wann der Bau weiter gegen Mittag verlängeret würde.

Dass dieser Schacht von dem anderen Schächten zu weit gegen Abend, folglich in einer anderen Absicht könnte aufgemacht worden seyn, die Ursach zu seyn, die nehmlich weil es scheint die Alten haben vermög dem Lokale diesen Schacht, so weit gegen Morgen aufgemacht, damit Sie das Kanalwasser darauf leiten und etwan eine Treibmaschin entrichten könnten.

Nebst dem konnte auch die Letten Kluft Nr 60 den Gang selbst mehr gegen Morgen verschoben haben, dann das von dem zertrümmerten Gang etwas jedoch ohne Erz mit diesem Schacht erbauet worden, davon giebt, wie gesagt worden, die Halden hinlängliches Zeigniss. Hier kann man sich einiger massen einen Begriff von der Mächtigkeit der oft erwähnten Spat Trümmer oder des zertrümmerten Gangs machen; wen man sich erinnert dass diese auch mit den Schächten Nr 74, 76, 76 erbauet worden. Könnten diese nicht auch in der gedachten Strecke von 980 Lachter mehr edle Stockwercker machen, oder in einer gewissen TiÜfe zu einen ordentlichen Gang zusammen scharren?

Da die Alten zu gedachter Zeit noch nicht mit Pulfer arbeiteten, so können die Gruben, da alle 3 mit gedächtem Personal von 300 Hauer betrieben worden, noch nicht stark ausgehaut sein; besonders da ehr zu glauben dass der Geschicht schreiber die Anzahl der Hauer vermehrt als vermindert hat, denn da in der Zeit wo dieses Werck gebauet worden, das Silber in Verhältniss, mit dem geringen Werth der Lebensmittel, und des Arbeiters Lohn einen grossen Werth hatte, ohngeachtet die Mark kaum 8 f galt, so konnten auch 200 auf reiche Erze arbeitende Hauer, sehr groose Ausbeüt machen.

Diesem zufölge dörfte die Erhebung dieses Wercks biss dahin, wo die Alten gearbeitet haben, als das Werck zerstört worden nicht viele Zeit, und auch nicht sonderlich grosse Kösten erfordern. Es versteht sich von selbst, dass über die Kösten kein genauer Überschlag gemacht werden kan, weil die zu gewältigenden Strecken nicht bekant, sondern nur beyläufig können angegeben werden wo von weiter unten.

Es verstehet sich ferner von selbst, dass da die Alten dieses Werck Schacht mässig betrieben, man einen oder den anderen Schacht an vortheilhaftesten aber Zwey zugleich, gewältigen muste, um dahin zu gelangen wo die Alten den Etzabbau verlassen mussten

Den dass mit den 2 Stöllen Nr 43 et 55 der zertrümmerte Gang von den Alten nur untersuchet, und die erbauten edlen Nester die Unertsuchung des Ganges unter sich, den von der Sohl des Stollens Nr 43 abgeteüften Schacht Nr 49 veranlasset, und der damit entdekte Adel so auch das sehr seichte Thal selbst zum Schacht mmessigen Bau anlass gegeben, hat, dieses Bedarf keines Beweises.

Es ist daher zu bedauern, dass die dermalige Gewerkschaft auf die Gewältigung gedachter zwey Stöllen und der darin geführten Bau nach Abzug der eroberten Bergwercks producten an Bley, Silber, glatte Kupfer pr 2007 f 31 kr und nach Abzug der Kösten für die Taggebäude als Zechenhaus, Poch werck, und Schmelz hütte, welche zusammen = 4437 f 55 kr 2 Pf. kosten; = 15462 f 19 kr 2 Pf fructlos verbauet /: wie all solches Unterzeichneter aus den Rechnungen selbst ausgezogen hat :/ und eine Zeit von zehn Jahren verschwendet hat. Man sagt fruchtloss, weil, wenn sie von diesem Werck den mit Grund zu hoffenden Nutzen erhalten will, Sie von neuem anfangen und wenigstens 2 Schächte gewältigen müste, um dahin zu gelangen, wo die Alten den Erz hau verlassen müsten.

Da man die Schacht mässige Gewältigung nicht höher als auf 20 f das Lachter gewältigen können, so hätte dieselbe mit den 15462 f 800 Lachter gewältigen können, dass sie aber nicht so viel hätten gewältigen dörfen, könnte vielleicht aus der folgenden beyläufigen Kalkulation, die man nur zur Prüfung vorlegen will ersehen werden.

Es wäre nemlich die Absicht auf die Sohle desjenigen Bau der Josephi gruben zu gelangen, der zwischen den 2 Lettenkluften Nr 53 et 60 von den Alten betrieben worden, der von einer Lettenkluft zur anderen 214 Lachter beträgt, nun will man setzen, die Alten seyen 100 Lachter Tief nieder gefahren, und hätten in dieser Tiefe zwischen Nr 43 bis 60 alles verhaut.

Wenn man nun 214 mit 100 multipliziert so wären 21400 Kubik Lachter aus geschlagen worden, weil man aber nur im Durchschnitt eine breite von 3 Schuh annehmen kann, so wären, wenn man einen der Geschichte gemäsen angehaltenen Bau von 83 Jahren animt, ausgeschlagen worden 42800 Lachter, Thut jährlich 515 Lachter; nun dörfte es umsomehr hinlänglich sein in durchschnitt monatlich 3 Schuh auf einen Hauer in der Höhe von 1 Lachter und 3 Schuh breite zu rechnen, als die Alten diese Höhe und breite Bekannter masen mit ihrer schrem arbeit sehr selten beobachtet haben, folglich hätten jährlich an gedachtem verhau 85 Mann und twar auf Erz gearbeitet, wenn nun auch zur Abteüfung der Schächte, und auf den übrigen Arbeiten im Tauben gestein nur 24 Mann dazu gerechnet werden, so hätten in der alten Josephen Gruben jährlich 109 Mann gearbeitet. Man nehme ferners an, dass in gedachten 83 Jahren im durchschnitt jährlich 250 Man in allen 3 Gruben angestellt gewesen /: den vermög der Geschichte sollen nur in den Letzteren 15 biss 20 Jahren 300 Man gearbeitet haben :/ so bleiben für die 2 übrigen Gruben noch 141 Man übrig, weil es aber scheint, dass der St: Anna Stolle störcker als die 3. Gruben betrieben worden, so will man diese 100 und der 3te 41 Mann zutheilen, und folglich die Joseph Gruben für die am stärksten betriebene an-nehmen.

Wenn man endlich hiernach anmercket, dass der Gang mächtiger als 3 Schuh oder gar ein stock werck verhauet, so werde der angenohmene verhau von 100 Lachter grad untersich noch zu starck sein: ohngeachtet dessen will man dabey verbleiben, und daraus die wahrscheinliche Folge ziehen, dass die dermalige Gerwerckschaft, wenn sie z:B: den vermuthlich tiefesten Kunstschacht, Nr 43 mit In begriff des Sumpts a 115 und den obersten Schachts Nr 65 ½ mit 100 Lachter gewältiget hätte! Dieselbe nach obgedachten Überschlag a 20 f per Lachter als solches mit 4300 oder um eine runde Zahl zu machen 5/M f hätte betreiben können. Da aber auch nebst dem die eben söhlige Gewältigung der 214 Lachter langen Ströcke zwischen den 2 Letten Klufte Nr 43 et 60 nöthig gewesen wäre die Lachter zu gewältigen aber höchstens 10 f gekostet haben würde, weil die Schachtförderniss hier nöthig so hätte sie darauf noch ferner 2140 f folglich um dahin zu gelangen, wo die Alten vom Erzhau vertrieben worden, in allem verwenden müssen 7140 f mithin hätte Sie noch von ihren bissherigen Kösten a 15462-19-2 erspahrt 8311 f 19 kr 2 Pfg.

Da einem aufmercksamen Bergmann, der von den Alten betriebene, klar vor Augen liegende schacht mässige Bau, ohnmöglich entwischen kann, so geht der gedachte fruchtlose, Bedaurungswürdige Bau der Suggenthäler Gewerckschaft, ein auffallendes Beyspiel, von der hierländigen groben Ignoranz im Bergbau, da 8 Man Hauer 4 in jedem Schacht in 2 Schichten mit 4 Zimmerleüten, und 2 gehülfen, dann 8 Grossen Häsplern 4 in jedem Schacht, und in jeder Schicht 8 Säubejungen 6 Wasser Zihren /: es versteht sich dass die Haspler nur Höchstes biss zu einer Tiefe von 20 biss 30 Lachter können gebraucht werden :/ Schacht und Stolle mesig im durchschnitt Monatlich wenigstens 14 Lachter hätten gewältigen können, so wären gedachte 429 Lachter längstes in 2 ½ Jahr mittelst der geding Arbeit gewältiget worden, die Gewerckschaft, hätte folglich schin vor 7 ¼ Jahr das Ziel erreichet.

„hierländige grobe Ignoranz“: Im Bergwerk Suggental offensichtlich endemisch.

Warum aber 2 Schächte, und welche hätten solln gewältiget werden, wäre nun hier anzuzeigen. Da der Schacht Nr 65 ½ dem mittägigen, vielleicht sehr wenig, oder gar nicht verhaueten Feld dem Schacht Nr 68 am nechsten ist, und die alten vermuthlich, ein in der 2ten Anmerckung Lit: C: erinnert worden, von dem gedachten Schacht Nr 65 ½ gegen jenem Nr 68 die Letten Kluft Nr 60 durchbrechen, und ihm zu gebauet haben; so ist es wohl nicht zu zweifflen, dass die gewältigung des Schachts Nr 65 ½ nützlicher wäre, als die Gewältigung des Schachts Nr 64.

Weil man aber in dem zu gewältigenden Schacht, Wasser zu erwarten hat; und die Wetter, wen man mit der Gewältigung die Ebensohl erreicht, manglen würden; so wäre noch der alte Kunstschacht Nr 43 zu Leeren, welcher von Tag an 22 Lachter Tiefer als der Schacht Nr 65 ½ liegt; Es ist natürlich. dass der Sumpf dieses Kunst Schachts unter die Tiefeste Eben Sohl dieses Baues und vielleicht wohl auch jene des Alten St: Anna Stollens Nr 30, wenn der Bau dieses letztern unter seine Sohl nieder ginge, nach gedachten Sumpf werden geleitet haben. Man hätte folglich, wenn beede Schächte zugleich wären gewältiget worden, keine Wässer im Schacht Nr 65 ½ zu heben gehabt.

3tn In der Absicht, ob der Schacht mässige bau der Alten des St: Josephi Stollns, und der Stolln mässige des Alten St: Anna Stollns Nr 30 nicht ganz oder zum Theil unterteüfet werden könnte, hat Unterzeichneter von dem Mündloch des 3tn Alten Baues Nr 5 et 1 /: den die dermalige Gerwerckschaft anno 1780 öfnen, und bis Nr 1 et 4 Gewältigen lassen :/ biss zu Nr 90, welcher mit jenen Nr 5 der Tiefeste Punckt der ganzen Revier ist :/ den Nr 91 ist schon auf dem Teritorium des Markgrafen von Baden :/ die auf der Karten sicht baren Züge längst dem Elzsach machen lassen.

Aus welchen nun zu ersehen, dass man bey Nr 90 den St: Anna Stolln Nr 30 nur 16, den alten Josephi Stolln oder den dermaligen St: Anna Stolln Nr 43, 22 Lachter Seiger mittelst dem Stolln Nr 5 unter Teifen würde, folglich wäre die fernere Gewältigung dieses Stollens und die fernere Vorrückung desselben /: weil man nicht weiss wie weit er zu gewältigen :/ die vortheilhafteste, wenn man von dieser Seite die St: Anna Stollner Alte arbeiten unter Teüfen und sich mit der gedachte ein zubringenden Seiger Teüfe von 16 Lachter begnügen wollte.

Alein da die Alten mittels den Schächten Nr 43, 64, 49, 65 ½ gewiss schon viel tiefer nieder gefahren sind, und zu vermuthen dass von der St: Anna Stollner solh auch schon abgeteüft worden, so scheinet ein zu Bau jedoch nur zur Zeit der Ausbeüt von der Sohl des Schachtes Nr 43 unter die Alten Arbeiten des Anna Stollns um so mehr das nüzlichste zu sein, als man aller dings aus denen am Tag sichtbaren Stölln Nr 24-27, 30 und den vielen Tag schächten glauben kann. Das von der Solh des St: Anna, und des Stollens Nr 5 über sich nicht viel mehr zu suchen sein dörffte.

Dass aber dieser Stolln Nr 5 zu dem Josephi Stollner Bau nur den dienst leisten müsten, dass man an der Wasserhebung mittels dem Schacht Nr 43 22 Lachter seiger ersparte, ist leicht einzusehen; Massen man mit diesem bau haubt sächlich das mitnächtige unverhaute feld zur absicht haben solte.

Da nun solcher gestalten kein Erbstollen in diesem seichte Gebürg mit sonderlichem Vorteil anzubringen, mithin die Wasserhebung, und förderniss und der Bau immer durch Schächte zu geschehen hätte, so scheinet der Schacht Nr 43 der 22 Lachter Seigern, nidriger, als der Nr 65 ½ ist, so wohl in ansehung der Alten St: Anna stollen als der alten Josephi Gruben in so lang die beste lage zu haben, biss man gegrindete Ursachen hat den Bau gegen Mittag über der Letten Kluft Nr 60 von der Teüfe hinaus, zu erweitern; in welchem Fall der Schacht Nr 65 ½ oder der schon angefangene Sub Nr 68 der nach Erförderniss weiter Abgeteüft werden müste, zur Förderniss eingerichtet, und diese mittels dem wieder herzu stellenden Kanal, durch Bremss Künste eingerichtet werden könnte.

Indessen aber könnte die Gewältigung der 2 Schächte Nr 43 et 65 ½ sobald die Haspel förderniss zu schwer würde, mittels Einrichtung der Ross gäpel fort gesetzt werden; denn zu einer Brems Kunst ist kein Wasser vorhanden; eben also könnte die Wasserhebung, so bald sie mit Menschen händen zu kost bar würde, mit einer Ross kunst, die zugleich zum Treiben eingerichtet werden könnte fort gesetzt werden.

4tn Zur Erklärung der Charte hat man schlüsslich anzumercken, dass der Stolln Nr 37, 38, 40, als man mit Ausgrabung des plazes zur Radstuben der Schmelz hütte, auf ein Nest Kupfer erz traf, dass bey 2 ½ ztn Kupfer gegeben, von der damaligen Gewerckschaft anno 1780 geöffnet worden, eine Letten Kluft schnit das Trum aus, und da hier auch nur kurze Trümer erbauet worden, so scheint dass an ausbut mit diesem Stolln eben so wenig zu hoffen, als mit den Stolln Nr 43 et 55, Er steht deswegen biss man die Teüfe angreifen wird, in der freyung.

Unterzeichneter hat nun mittels der 2tn und 3tn Anmerckung seine Meinung vorgelegt wie das Suggenthaler Werck hätte geöffnet werden sollen; um solches wieder empor zu bringen. Er hat daraus darzuthun getrachtet, dass die dermalige Gewerckschaft bissher einen Fruchtlosen Bau mit 19465 f ½ kr Kösten geführet, und 10 Jahre umsonst gearbeitet habe, und dass sie mut ganz neüen Kösten wieder anfangen müsse um sich in die vortheil hafte Lage zu setzen in welcher die Alten sich befanden als das Werck zerstört wurde.

Nachdem er dieses der Gewerckschaft begreiflich gemacht und dem zufolge ihr gerathen den dermaligen unützen und schädlichen Bau in den Stölln Nr 43 et 55 einzustellen, und jenen anzugreifen, si hat Sie zwar darein gewilliget, aber zugleich ihre unvermögenheit anzugreifen und zu betreiben mit folgenden Gründen dargethan.

1tn hat Sie dem Unterzeichneten aus den Rechnungen erwiesen das sie auf die erbauten Tag gebäude noch wircklich schuldig seyn 2322 f 43 kr 2 Pf. 2tn Als Sie Anno 1776 dieses Werck öffnete, seye es ganz vergewercket gewesen; wegen dem inner so lang fruchtloss anhaltenden Bau aber, seyen 69 Kuxen nach und nach ins Retendat gefallen, den übrigen 59 würde folglich die vom Unterzeichneten vorgeschlagene Unternehmung zu schwer fallen besonders da ihnen zugleich obgedachte Schulden zugefallen, und Sie die Zinsen davon abtragen müssen.

In Rücksicht dessen haben Sie gebetten se Majestät mögte allergnädigst geruhen die Hälfte des Suggenthaler wercks mit folgenden Bedingnissen zu übernehmen.

1th Die Hälfte der obgedachten Schuld mit 1161 fl 17 kr entweder gleich zu bezahlen oder Sie nach und nach in die quartalige Zubuss eunzutheilen und folglich mit den quartaliter betreffenden Zinsen a 4% dergestalten zu Tilgen, dass davon quartaliter wenigstens 50 f vom Kapital bezahlt werden, denn auf diese Art hat die Gewerckschaft entschlossen, diese Schuld abzutragen.

2tn Weil die noch bestehenden Gewercken die Zubussen der nach und nach ins Retardat gefallenen Kuxe pro Rata bezahlen müsten, das ihnen, jenes, was Sie für diese Retardat Kux bissher beygetragen, welches wie solches dem Unterzeichneten ausgewiesen worden 3780 f beträgt, jedoch nur von der auzuhoffenden Ausbeüt, nach und nach, und zwar nach Thunlichkeit wieder Ersetzet werden mögte, biss dahin aber wäre, das Kapital mit 4% folglich mit jährlichen 151 f 12 kr zu verzinsen.

Dagegen überlässt die Gewerckschaft seiner Majestät, die Hälfte der Taggebäude, die in einem geräumigen und Gut gebauten Zechenhauss einem Pochwerck mit 9 Eisen und den erforderlichen Wasch, oder sogenannten Keher herden. Auf welchem Poch wercke eine Wohnung für 2 Familien gebaut ist, und die mit einem Ofen, einem Treiubherde, und mit 2 Mauern eingefasten Rost feldern versehene Schmelzhütte; welche zusammen wie die Rechnungen ausweisen herzustellen gekostet haben: 4437 f 55 kr. Nicht minder überlässt dieselbe Dr. Majestät das dermalige vorräthige Berg wercks gezähn, und die übrigen zu dem Werck gehörigen Geräthschaften.

Da Unterzeichneter sowohl die angegebenen Schulden per 2322 f 34 kr 2 Pfg. als die für die Retardat Kuxe bezahlten 3780 f richtig befunden, und demselben die bedingnisse sehr billich und Moderat scheinen, so hat er keinen Anstand, auf die Übernahm der Hälfte dieses Wercks aus folgenden Gründen einzurathen.

1tn Findet derselbe aus alledem, was bissher von ihm, über dieses Werck vorgebracht worden keine Ursach zu zweiflen, dass ein sehr ergiebiger Bergbau gehoffet werden könte, sobald man mittels der Gewältigung der 2 angezeigten Schächte dahin gelanget, wo die Alten gewesen, als das Werck zerstöret worden, wohin man höchst wahrscheinlich längstens in 3 Jahren kommen, und die von den Alten hinterlassenen reichen Erze erreichen könnte, wovon die Alten halden hinlängliches Zeügniss geben.

2tn Würde man von der Teüfe dieses Werckes, zu seiner Zeit auch das Alte St: Anna stollner Werck Nr 30 und alle von diesem Stolln gegen Morgen liegende Alte Gebäude unterteüfen und wieder empor bringen können.

3tn Hat man die gegründeste und schönste Bergmännische Aussicht, in das mittägige, wenigstens in der Teüfe noch ihnverhaute Feld, dass von Nr 60 biss da, wo das abfallende Gebürg Nr 75 anfängt eine Strecke von 980 Lachter hat, und eine Seiger höhe von der Eben sohl des Stolles Nr 43 biss zu gedachstem Nr 75 von 172 Lachter nach und nach einbringt.

4tn Ist an Gruben Bau holz kein Mangel, den solche kan aus dem gleich daran stossenden schlagbaren, und auf ewigen Nachwuchs von Hoch Löbl: Regierung einzutheilen, anbefohlenen kammeralen Engelwald hinlänglich erhalten werden. Da ausser der Schacht zimmerung, hier zu Land, zu dem bergbau, selbst, wen den Gängen noch gearbeiten wird, fast gar kein Gruben holz nöthig ist, weil das Gebürg gar nicht Brüchig ist; so macht der Holzverbrauch zum Bergbau, eine sehr geringe Auslag, und verursacht folglich einen nicht betrachtungs würdigen Holzverbrauch, Selbst zur Schacht zimmerung, dörfen nur weit vonein ander stehende Schacht Ringe angebracht werden, folglich ist zu dieser ohngleich weniger Holz, als in brüchigen Gebürgen nöthig.

Es würde demnach das Suggenthaler Werck, einen sehr unbeträchtlichen Theil, jenes Holzes quanti, des gedachten Engelwaldes verbrauchen, was vermög dem auf ewige Zeiten einzutheilen anbefohlenen Schlägen, jährlich geschlagen werden kann; Hingegen

5tn Ist in der Gegend des Suggenthals zum Schmelzen kein Kohlholz vorhanden, dieses aber darf die Erhebung dieses Wercks nicht hindern, weil man die Erz und Schliche nach Hofsgrund mittels einem fracht Lohn von 24 kr vom Ct: transportieren und alda verschmelzen kan, welches aber vielleicht grosten Theils durch den v. Bornischen amalgations Prozes erspart werden könnte, weil die Erze so reich an Silber sind.

Bei der Bornischen Amalgamation, auch Ungarische Amalgamation genannt, handelt es sich um eine Silberlaugung mit Quecksilber in geheizten, unten spitz zulaufenden konischen Kupferkesseln. Man lese hierzu etwa: Ign. v. Born, Über das Anquicken der gold. und silberhaltigen Erze, Rohsteine, Schwarzkupfer und Hüttenspeise, Wien, 1786. Hat sich nicht durchgesetzt.

6tn Ist dermalen zu 2 Poch wercker jede a 9 Eisen hinlänglich Wasser vorhanden; es steht aber nur eines an dem Ort der auf der Charte zwischen den 2 Nummeren 39-40 angemerckt ist, das andere könnte man erhalten wen die ohnhin ünüze Schmelzhütte, weil swie in 5ten gesagt wordem, kein Kohlholz vorhanden die bey Nr 38 zu sehen in ein Poch werck verwandlet würde, messen sie dann hinlänglich gross ist; und wenn das Werck mehr Pochwercke erforderte, und man fände nicht rathsam den alten Kanal wieder herzustellen, so könnten am Elzbach, dem es in der trocknesten Zeit niemalen an hinlänglichen Wasser mangelt, allda wo er vor dem Suggental vorbeyflüsst nach belieben erbaut werden; Biss dahin hätte man eine Strecke von dem Schacht Nr 43 von 590 Lachter.

7tn Wenn zur Erhebung dieses Wercks, das in der 2tn Anmerckung angezeigte Personale angestellt würde; und damit monatlich 14 Lachter gewältigt würden, worauf man allerdings rechnen kann; und wenn wie in der 3tn Anmerckung wahrscheinlich kalkuliret worden, nicht mehr als 420 f ferners zu bezahlung. der vermög der 1tn Bedingniss an der Schluld quartaliter abzutragend. 25 dann an Zinsen laut der 2tn Bedingniss von den 3780 f, die der Gewerckschaft von der Zubuss ersezet werden sollen. Das quartalige Ratum aus jährliche 151 f 12 kr “ 36 – Summa “481 Thut auf ein Jahr “ 1924 R:w: in Wiener Währung aber “ 1603 f 20 kr.

Hingegen da es dass ansehen hat, dass das halbaerarische Hofs Grunder Bleybergwerck noch in diesem laufenden Jahr, wo nicht zur Ausbeüt gelangen, doch wenigstens sich selbst vorliegen werde, so würde das Montanaerarium im Letzteren Fall jene 980 f R:w: oder 800 f W:w: welche bis hier jährlich darauf zu verwenden verwilliget worden und Erspahrung bringen.

9ten Wenn das aerarium gedachte Hälfte des Suggenthaler Wercks nicht übernähme, ist nichts anders zu erwarten, als dass dieses so sehr hoffentliche Werck immer werde erhoben werden, den die noch wenigen übrigen, und in der That kleinmüthigen Gewercken, haben sich in gedachten Fall entschlossen, die Tag gebäude zu verkaufen, und damit ihre Schulden zu bezahlen; hingegen wenn das Aerarium zur Hälfte mit bauet, haben Sie den Entschluss gefasset, um so bald als möglich das vorgesetzte Ziel zu erreichen, die starcke Zubuss, die zur Anstellung des vom Unterzeuchenetn vorgeschlagen obgedachten personalis nötig wird, und die quartaliter auf eine Kuxe 6f 57 ¼ kr, betraghen würde, ganz gern, und wenn es nöthig noch mehr zu bezahlen.

Datenquelle: Webseite „Kartan“

Leider folgten die Bergleute den Empfehlungen der Bergräte nicht und der Abbau musste im Jahr 1789 wegen Erfolglosigkeit und Geldmangel eingestellt werden.

Bergbau ab dem 19. Jahrhundert

Erst ein Jahrhundert später meldeten Bergbaugesellschaften wieder ihr Interesse an den Suggentaler Bergwerken an. Mit Ausnahme einiger Abbauversuche auf Schwerspat kam es jedoch zu keiner nennenswerten Förderung mehr.

Seit 1938 ruht der Abbau und die Stollen und Schächte verfielen und gerieten in den desolaten Zustand, wie ihn die Bergbauforschungsgruppe im Jahr 1986 vorfand.

Textquelle: Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Mundloch St. Anna Stollen (April 2020)

Zeittafel

Zeitraum
Akteure
Aktivitäten
100 (?) bis 300
Römischer Bergbau (?)
Oberflächennaher Abbau von Bleierzen (?)
400
Alemannischer Bergbau (?)
Eisenerzabbau, Einbollwald
1100 (?) bis 1288
Seit Mitte des 13. Jahrhunderts Gewerke aus Freiburger und Waldkircher Bürgern
Untertage-Erschließung aller Gangbereiche, Silbererzabbau und -aufbereitung, Urgrabenbau
1555 bis 1683
Eisenhütte im Suggental
Eisenerzabbau Vogelsanghof, Grabenhof, Hornbühl
1776 bis 1789
Gewerkschaft St. Anna
Aufwältigung St. Josephi Stollen, Vortrieb Unterbaustollen, Silbererzabbau und -aufbereitung
ca. 1870
--
vermutlich erster Schwerspatabbau
1891
Westprussian Mining Company, Unterfischbach
Bergbauberechtigung auf Silber-, Blei- und Kupfererze, vermutlich kein Abbau
1910 bis 1914
Schwarzwälder Barytwerke GmbH, Wolfach
Vortrieb Stollen Nr. 3 mit Gesenk, Schwerspatexploration
1925 bis 1926
Badisches Bergamt Karlsruhe
Staatliche Schürfungen St. Anna Stollen und Stollen Nr. 3
1926
Badischer Landesfiskus, Domänenaerar
Bergbauberechtigung auf Blei-, Zink-, Schwefel- und Arsen-Erze, kein Abbau
1927 bis 1933
"Suggentäler Barytwerke"
Tagebau, Abbau im St. Anna Stollen, Schwerspatförderung
1937 bis 1938

(Leopold Selz, Bürgermeister Haslach i. K.)

Vortrieb und Abbau Matze Stollen, Abbau St. Anna Stollen, Schwerspatförderung
1950
"Gewerkschaft Fröhliches Wiedersehen"
Pachtvertrag, Betriebsplan, Schachtplanung, kein Abbau
1986 bis heute

(Thaddäus Maier, Oberharmersbach)

Aufwältigung St. Josephi, St. Anna und Matze Stollen
"Gewerkschaft Thomas II"

(Dr. Heinz Boutellier, Oberkirch)

Bergbauforschergruppe Suggental

Datenquelle: Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Mundloch St. Josephi Stollen (September 2025)

Geologie der Erzlagerstätte Suggental

Geologie der Erzlagerstätte Suggental
Das regionalgeologische Umfeld

Das Suggental lässt sich in das Grundgebirge des Scharzwaldes, die sogenannte Zentralschwarzwälder Gneismasse, einordnen.

Nach der amtlichen geologischen Karte des Gebietes (GK 25 / Blatt 7913 Freiburg Nordost) bildet ein heller, z. T. Hornblende führender, Paragneis das Nebengestein des Suggentales.

In diesen eingeschaltet findet sich in W-E Richtung eine Einheit von Hornblende führendem Orthogneis. Eine Grenze zwischen beiden Einheiten verläuft laut GK 25 auch im Bereich der „Grube Erich“. Diese konnte jedoch im Rahmen der Kartierung nicht bestätigt werden.

Beide Gesteine sind in einer Zone, die parallel zum Talgrund des Suggentales verläuft, in der Vergangenheit starker bruchhafter Verformung ausgesetzt gewesen.

Textquelle: Silberbergwerk Suggental e.V.

Strukturgeologie/Tektonik

Strukturgeologisch betrachtet liegt das Suggental auf einer als Kandel-Scholle bezeichneten Großstruktur. Diese wird im Nordwesten von der Elztalstörung und im Norden von der Simonswälder Störung begrenzt.

Die Simonswälder Störung kann mittlerweile auf Basis der Nachuntersuchungen des Waldkirch-Erdbebens aus dem Jahre 2004 als gesichert angesehen werden. Die Simonswälder Störung geht in die jungpaläozoische Störungszone von Zinken-Elme über. Im Süden wird die Kandel-Scholle durch einen Abbruch zur 500 m tiefer liegenden Fläche von St. Peter begrenzt.

Groschopf et al. (1996) vermuten, dass die Kandelscholle auf ihrer Südseite von einer Störung begrenzt ist, die etwa in NW-SE-Richtung durch das obere Glottertal in das Suggental reicht. Diese Störung wird als diejenige erachtet, die den Hauptteil des Vertikalversatzes während der Hebung der Kandelscholle infolge der Hebung der Grabenschultern des Oberrheingrabens kompensiert.

Es kann als gesichert angesehen werden, dass eben diese die Hauptstörung im Suggental darstellt, die durch die Grube untertage aufgeschlossen ist und im Rahmen der Forschungsarbeiten im Tal untersucht wurde und weiter wird.

Das Erdbeben der Magnitude 5,4 auf der Richterskala, das sich am 04.12.2004 unterhalb des Kandelmassives ereignete, zeigt, dass die Umgebung des Suggentales auch heute noch geologisch sehr aktiv ist.

Textquelle: Silberbergwerk Suggental e.V.

Gangzug Suggental (Beschreibung Stand 1986)

Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist der Gangzug von NW nach SE dreigeteilt worden. Der NW-Abschnitt der Vererzung wird Suggental A genannt.

Im NW-Abschnitt („Suggental A“) streicht der Gang ca. 160° und fällt mit 80° nach Westen ein. Der nicht mehr aufgeschlossene Kupfergang wurde bei der Erbauung der Poche und der Schmelze freigelegt, ebenso stand er im Bachbett an. Bei dem Kupfererzgang von Suggental A handelt es sich wahrscheinlich um eine Quarz-Schwerspat-Mineralisation mit beibrechenden derben Kupfererzen. Diese soll über 60 cm mächtig gewesen sein. Von der weiter talaufwärts gelegenen Mineralisation (Suggental B) soll sie sich durch einen größeren Anteil an „lettiger Gangart“ unterschieden haben.

Auf der Mineralisation „Suggental B“ wurde im Mittelalter die Grube St. Josephi betrieben. Während der zweiten Betriebsperiode im 18. Jahrhundert hieß diese St. Anna. Dieser Gangabschnitt liegt nach alten Berichten zwischen zwei über 400 m auseinanderliegenden Lettenklüften. Maximale Gangmächtigkeiten von 6 m wurden hier beobachtet. Die alten Bergbauspuren sind zum Teil noch deutlich erkennbar, jedoch ist die exakte Zuordnung zur alten Literatur recht schwierig.

Die Mineralisation des Gangabschnittes „Suggental C“ entspricht der unter „Suggental B“ aufgeführten. Lediglich Schwerspat tritt stark zurück, quarzige bzw. hornsteinartige Gangart mit den bereits erwähnten, eingesprengten Erzen überwiegt.

Zusammenfassung
Die hydrothermale Mineralisation, die wahrscheinlich aus mehreren parallel streichenden Gangtrümern unterschiedlichen Mineralinhalts besteht, sitzt einer generell NNW-SSE streichenden Störungszone auf, die sich vom Suggenbad talaufwärts bis über den Sattel westlich des Luser ins Glottertal hinunterzieht. Es liegt keine einheitliche, im Streichen aushaltende Mineralisation vor, sondern sie gliedert sich in drei Bereiche, was auch durch die Intensität des alten Bergbaus an diesen Stellen deutlich wird (hier: Suggental A bis C genannt).

Es kann davon ausgegangen werden, dass der mittelalterliche Bergbau einen Teufenunterschied von 400 m aufgeschlossen hat. Ob, wie SCHILL (1862) schreibt, in 150 m Teufe unter der Talsohle Silber- und Kupfererze vorherrschten, in mittleren Teufen sich silberhaltiger Bleiglanz und Pyrit fand, während die oberen Teufen durch Metallsalze und Brauneisen charakterisiert wurden, lässt sich wegen fehlender Aufschlüsse und bereits ausgeerztem Gangmaterial so entschieden nicht feststellen. Silberträger waren eindeutig Fahlerz und Bleiglanz, dieser auf Grund seiner Fahlerzeinschlüsse, Kupferkies wurde nur in geringen Mengen beobachtet, und Silbererze wurden nicht entdeckt.

Textquelle: Bliedtner, Michael & Martin, Manfred: Erz- und Minerallagerstätten des Mittleren Schwarzwaldes – eine bergbaugeschichtliche und lagerstättenkundliche Darstellung. Geologisches Landesamt Baden-Württemberg, Freiburg i.Br. (Hrsg.) 1986.

Ergebnisse der geologischen Forschungsarbeiten

Eine Oberflächenkartierung ist auf Grund schlechter Aufschlussverhältnisse im Tal wenig sinnvoll. Daher wurde das Augenmerk verstärkt auf die Stollenkartierung gelegt, die zudem optimale Aufschlussverhältnisse für den Erzgang darstellen.

Auf der geologischen Karte des Silberbergwerk Suggentals sind alle bis dato verfügbaren Kartierergebnisse zusammengestellt.

Auf Grund des weitergeführten Vortriebs wird auch diese Datenlage wachsen. Es ist zu erkennen, dass der St. Josephi-Stollen zum größten Teil im Erzgang aufgefahren wurde. Nur im Bereich des Mundloches, in einem Querschlag und am ein oder anderen Stoss steht Orthogneis an. St. Anna-Stollen und Matze-Stollen wurden senkrecht zum Erzgang aufgefahren und geben so einen gute Querschnitt über die Verhältnisse der Bereiche parallel zum Erzgang wieder. Diese Stollen durchfahren zudem teils dezimeter- bis metermächtige Ruschelzonen.

Die Darstellung der im Suggental gemessenen Strukturdaten für Störungen, Salband des Erzganges und Quarzgängen zeigt eine deutliche Vorzugsrichtung im Streichen um 130°. Alle Strukturen, mit Ausnahme der Quarzgänge, fallen mit ca. 80° nach Südwesten ein. Die Quarzgänge fallen, genau um 90° gedreht, nach NE ein. Diese auffallende Ähnlichkeit der Strukturen in ihrer Raumlage erlaubt den Schluss, dass sie miteinander genetisch verknüpft sind, es sich im Suggental also um eine störungskontrollierte Vererzung handelt.

Es handelt sich bei allen Störungen, auf denen Bewegungsindikatoren gemessen wurden, um schräge Abschiebungen. Dabei ist ein Trend in Richtung dextraler, also rechtsseitiger Schrägabschiebung erkennbar. Die Bildung der Störungen wird dominiert durch eine vertikale Komponente, die sich in Abschiebungen darstellt, und durch eine horizontale Komponente, die eine Schrägheit der Abschiebungen bewirkt.

Textquelle: Silberbergwerk Suggental e.V.

Mineralisation

Die Erzlagerstätte Suggental ist eine hydrothermale Ganglagerstätte.

Heiße, hoch mineralisierte Tiefenwässer, die entlang von Wegbarkeiten wie Störungen oder Klüften im Gestein aufstiegen, lagerten mit geringer werdender Tiefe verschiedene Minerale an den Wänden der aufgerissenen Störungen ab.

Mineralogisch lässt sich der St. Josephi-Gang als Quarz-Schwerspat-Sulfiderz-Gang zusammenfassen. Schwerspat stellt den weitaus überwiegenden Anteil der Vererzung dar. In diesen eingesprengt finden sich verschiedenste Sulfiderze wie Bleiglanz und Fahlerz, die als Silberträger im Mittelalter das Hauptziel des Silberbergbaues waren. Weiterhin finden sich Eisensulfide wie Pyrit, Markasit und Kupferkies (Chalcopyrit) in nennenswerter Konzentration. Kupferkies wurde früher auch zur Gewinnung von Kupfer abgebaut. Weiterhin wurde eine Vielzahl anderer Minerale identifiziert.

Für das Sugggental können anhand von Proben aus dem Erzgang, Dünnschliffen und dem Erzgang selbst fünf Kataklase-Phasen nachgewiesen werden, die von vier Mineralisationsphasen gefolgt werden.

Die Mineralisationsphasen 1 und 2 zeichnen sich durch starke Silizifizierung und Abscheidung von Hämatit, zusammen mit weiteren Sulfiden wie Pyrit, Markasit, Chalcopyrit, Tetrahedrit und Galenit aus.

Die Mineralisationsphase 3 ist durch große Mengen an Baryt, oder auch Schwerspat genannt, charakterisiert. Auch diese Phase wird von Sulfiden, vor allem Bleiglanz, begleitet.

In Mineralisationsphase 4 wird der Erzgang durch Wasser und Sauerstoff oxidiert. Dies führt zur Bildung zahlreicher Sekundärminerale. Diese liegen allerdings allesamt nur in mikroskopischer Größe vor.

Einschlussuntersuchungen in der Diplomarbeit von Seeburger (2009) ergab ein heterogenes Ausgangsfluid. Die Hauptgangminerale Baryt und Quarz wurden bei Temperaturen unter 200°C aus einer hochsalinaren CaCl2-H2O-Lösung ausgefällt.

Textquelle: Silberbergwerk Suggental e.V.

Kartierung der Grube
(c) Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Anschliff mit zerschertem Pyrit
(c) Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Markasit
(c) Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Bleiglanz Anschliff
(c) Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Bergbauspuren im Suggental

Bergbau im Suggental – für einen Ortsunkundigen ist es schwer vorstellbar, dass in diesem am Schwarzwaldrand gelegenen Idyll einst Montanindustrie betrieben wurde. Auf den ersten Blick weist ja auch recht wenig auf die alte, eng mit der Geschichte des Tals verbundene Bergbautradition hin: Land- und Forstwirtschaft und die Natur haben sich größtenteils zurückerobert, was der Bergbau in jahrhunderte langer Abbautätigkeit formte und veränderte.

So schrieb der Waldkircher Chronist und Rechtsanwalt Dr. Willi Thoma anlässlich einer Wanderung durch das Suggental im Jahre 1974:

Dreht man sich (am Vogelsanghof) um, schaut man in eines der schönsten Schwarzwaldtälchen, gewissermaßen in eine Mantelfalte Gottes eingehüllt.

Erst wenn man mit offenen Augen durch das Gelände streift, erkennt man nahezu in jedem der malerischen Winkel Spuren der intensiv betriebenen Ausbeutung der Suggentaler Erzgänge im Hochmittelalter und der frühen Neuzeit. Verfallene und längst vergessene Hinterlassenschaften wie Stollenmundlücher, Schurfpingen, Abraumhalden, Schächte und Abbauspalten, Schmiede- und Schmelzplätze, sowie andere dem Bergbau dienliche Gebäude und Überbleibsel, zeugen von einem der ehemals reichsten Reviere des Breisgau.

Allein 92 Stollen, Schächte und Schürfe sollen einmal vorhanden gewesen sein.

Vom Vogelsanghofbauern ist dazu der kennzeichnende Satz überliefert:

Kein Hamberle dät hier mehr schlofe, wenn er wißt, wie hohl der Berg isch, auf dem der Hof stoht.“

Die Grabenhofbäuerin soll einmal in einem sich hinter dem Traktor ihres Mannes auftuenden Loch verschwunden sein, und noch im Jahr 2004 brach die Teerstraße unterhalb des Duggenhauerhofs ein.

Textquelle: Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Forschungsgruppe des „Silberbergwerk Suggental e.V.“

Seit 1986 werden die verfallenen Schächte und Stollen durch die Forschungsgruppe des „Silberbergwerk Suggental e.V.“ freigelegt und dokumentiert.

Die Untersuchung und Beschreibung des historischen Bergbaus und seiner Einflüsse auf die Geschichte der Region sowie die Vermittlung der Erkenntnisse an eine interessierte Öffentlichkeit stehen im Zentrum der Aktivitäten des Vereins.

Aufwältigung

Seit Beginn der Aufwältigungsarbeiten verbringen die Bergbau-Forscher unter teilweise widrigsten Umständen einen großen Teil ihrer Freizeit unter Tage.

Arbeitsstunden

Stahl verbaut

Stollen freigelegt

Stand: 2016

Es zählt jede Hand, egal ob AKTIV oder PASSIV

Der Verein sucht ehrenamtliche Helfer zur Unterstützung. Je nach Interesse und Zeit kann man sich auf unterschiedliche Art und Weise einbringen:

Tätigkeiten unter Tage

  • Freilegen der Stollen / Sicherung
  • Vermessung / Geologische Kartierung
  • Einbau und Instandhaltung der elektrischen Anlage
  • Führungen

Tätigkeiten über Tage

  • Instandhaltung der Außenanlagen
  • Holz- und Metallarbeiten
  • Funddokumentation / Rekonstruktion
  • Pressearbeit

(mehr erfahren)

Meilensteine Forschungsgruppe „Silberbergwerk Suggental e.V“

1986

Gründung der Bergbauforschungsgruppe.

Beginn der Arbeiten am St. Anna Stollen, erster Werkzeugfund.

Aufwältigung St. Anna Stollen.

1987

Ausbau Fahrschacht St. Anna Stollen.

Öffnung Matze Stollen durch Schacht.

Bau des Förderschachtes, weitere Werkzeugfunde, erstes Stollenfest.

Elektrische Beleuchtung St. Anna Stollen.

1988

Umfangreiche Elektro- und Ausbauarbeiten St. Anna und Matze Stollen.

Entdeckung von alten Bohrlöchern.

Nachbau einer Pumpenkunst.

Schachtausbau bis 26 m Tiefe.

1989

Erster Einsatz einer Tauchpumpe im Schacht.

Umfangreiche Arbeiten zur Elektrik und Wasserlösung.

Entdeckung Urgrabenstollen am Lusersattel.

Entdeckung des St. Josephi Stollens mit Schächten.

Witere Werkzeug- und Holzfunde.

1990

Aufwältigung und Ausbau St. Josephi Stollen, weiterer Werkzeugfund.

Übernahme eines Teils der Stromkosten durch Stadt Waldkirch.

Este Teilnahme an der Freiburger Mineralienbörse.

1991

Entdeckung und Ausbau des St. Josephi Stollenmundlochs.

Weiterer Fund von Holzgleisen.

Gründung des Bergbaufördervereins Suggental e.V.

1992

Entdeckung und Aufwältigung des mittelalterlichen Kriechstollens.

1993

Durchbruch St. Josephi Stollen.

Erste Stollenführung St. Josephi.

Erste Auflage der Broschüre „Bergbaugeschichte im Suggental“.

1994

Planung und Baubeginn des neuen Förderturms.

Planung Bauhütte.

Teilnahme am 1. Historischen Marktplatzfest in Waldkirch.

Stollenführung der Tagungsteilnehmer der „9. Allgäuer Gespräche zum sanften Tourismus“.

1995

Zweite Auflage der Broschüre „Bergbaugeschichte im Suggental“ zum zehnjährigen Jubiläum der Bergbauforschungsgruppe.

Fertigstellung des neuen Förderturms mit elektrischer Winde und Sicherheitssteuerung und elektrischer Bremse.

Fertigstellung der Bauhütte.

1996

Ausbaubeginn des Haspelschachtes im St. Anna Stollen für den Durchstieg zum St. Josephi Stollen.

Erste Rettungsübung mit DRK und Feuerwehr.

Erste Teilnahme am Kinderferienprogramm der Stadt Waldkirch.

1997

Ausbau des Haspelschachtes im St. Anna Stollen.

Teilnahme am Historischen Marktplatzfest in Waldkirch in historischer Bergmannskleidung.

1998

Fertigstellung des 29 m hohen Durchstiegs vom St. Josephi zum St. Anna Stollen pünktlich zum Stollenhock.

Teilnahme am Begleitprogramm der Ausstellung „Gold und Silber lieb‘ ich sehr“ im Elztalmuseum in Waldkirch.

Einweihung Bergbauwanderweg Suggental.

1999

Instandhaltungs- und Vortriebsarbeiten.

Teilnahme am Projekt „Erlebnisurlaub Erdgeschichte“ des Netzwerks „Erdgeschichte“.

2000

Ersatz des Holzausbaus im St. Josephi Stollen durch Stahlausbau.

Teilnahme an der Mineralienbörse erstmals in den neuen Messehallen Freiburg.

2001

Erneuerung der Pumpenkunst im St. Anna Stollen.

Erfolgreiche Übung der Suchhundestaffel Freiburg mit 12 Rettungshunden.

2002

Übernahme des Kinderferienprogramms auch durch die Gemeinden Glottertal und Simonswald.

Fertigstellung neuer Treppe zum Matzestollen.

2003

Neuvermessung der Grube mit Lasermessgerät.

15 Meter Vortrieb im St. Josephi Stollen, Verlegung von 50 Metern Holzschienen, Fertigstellung der Elektroanlage untertage.

2004

Die Stadt Waldkirch übernimmt als Betreiber die Grube von der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie, Bezirksgruppe Freiburg.

2005

Eigene Webseite.

2006

„geoberg.de-Award“ in Gold für die herausragende Bergbau-Webseite.

2009

Zusammenlegung der Forschungsgruppe mit dem Förderverein zum „Silberbergwerk Suggental e.V.“

2010

Beitritt zum Landesverband der Bergmannsvereine und bergmännischen Musikvereine Baden-Württemberg e.V.

2011

Beitritt zum Förderverein Elztalmuseum e.V. in Waldkirch.

Abnahme der Grube durch den Sicherheitsbeauftragten.

2012

Teilnahme an den 900-Jahr-Feierlichkeiten im Glottertal und am Festumzug der 1150-Jahr Feier in Sexau.

Rettungsübung mit der Bergwacht.

2013

Genehmigung des Hauptbetriebsplans „Aufwältigung“ für fünf Jahre.

Erstmals zwei feste Termine für unangemeldete Führungen.

2014

Genehmigung des Hauptbetriebsplans „Besucherbergwerk“ für fünf Jahre.

2015

Entdeckung und Aufwältigung neuer Querschläge im St. Josephi Stollen.

2016

30jähriges Jubiläum der Forschungsgruppe.

Textquellen

Mit freundlicher Genehmigung. VIELEN DANK.

Bismarckturm (Hornisgrinde)

Auf dem Bohlenpfad zum Bismarckturm, Hornisgrinde, Nordschwarzwald. Aufnahme vom 21.08.2020, kurz nach Sonnenaufgang.

Auf der Hornisgrinde, dem höchsten Berg im Nordschwarzwald (1.163,6 m), befinden sich mit dem Bismarckturm, einem alten Vermessungsturm, und dem Hornisgrinde-Aussichtsturm, zwei Türme, die häufig verwechselt werden:

    Der 7 m hohe Bismarckturm steht in seiner jetzigen  Form seit 1871 auf dem höchsten Punkt der Hornisgrinde. Der ehemalige Signalturm steht direkt auf der Gemarkungsgrenze der Gemeinden Sasbach und Sasbachwalden.

      Der 23 m hohe Hornisgrindeturm wurde 1910 vom Badischen Schwarzwaldverein als Aussichtsturm am südlichen Ende des Hornisgrinde-Rückens errichtet.

      Das südliche Gipfelplateau der Hornisgrinde mit Blick nach Norden. © Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Seebach

      Bismarckturm
      Einleitung

      Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich auf dem höchsten Berg des Nordschwarzwaldes, der  Hornisgrinde, ein hölzernes Pyramidensignal. Im Jahr 1822 wurde  an gleicher Stelle ein 8 m hoher  steinerner Turm mit quadratischem Grundriss (2,70 m x 2,70 m) errichtet, der der Badischen Vermessung als trigonometrischer Messpunkt dienen sollte. Das Bauwerk wurde genau an der Gemarkungsgrenze von Sasbach und Sasbachwalden erbaut. Die  Hornisgrinde war Teil des Rheinischen Dreiecksnetzes der Triangulation.

      Im Jahr 1869 wurde bei einer Untersuchung festgestellt, dass das Bauwerk aufgrund des  sumpfigen  Untergrundes keine präzisen Messergebnisse bei der Triangulation liefern konnte. Der Turm wurde  daher bis auf die Grundmauer abgerissen.  Im Jahr 1871 wurde an gleicher Stelle ein neuer steinerner Turm in gleicher Höhe und Breite  errichtet. Als Kern des Turmes wurde ein 0,52 m x 0,52 m breiter Sandsteinpfeiler fest verankert, der  von der Plattform des Turmes nach allen Seiten sichtbar war. Mittig des Pfeilers wurde ein Messingzylinder eingelassen, der den trigonometrischen Messpunkt exakt festlegte (1.175 m über  NN). Auf dem Turmkopf wurden in allen vier Himmelsrichtungen im genau festgelegten Abstand  (zwischen 1,2184 m und 1,3695 m) weitere Messzylinder installiert. Auf den gleichen Linien wurden  im Abstand von knapp 20 m weitere Messzylinder auf dem Plateau des Berges Messzylinder in  besonderen Fundamentquadern (je 0,50 m tief) eingelassen. Dieses Bauwerk, das aus Bruch- und  Mauersteinen errichtet worden ist, diente zunächst ausschließlich der Landesvermessung. Das  Mauerwerk ist ca. 80 cm stark. Die offizielle Bezeichnung des Bauwerkes war Signalturm

      Durch eine Initiative des Schwarzwaldvereins Achern wurde das Bauwerk im Jahr 1892 mittels einer  leiterähnlichen Konstruktion mit Geländer zu einem Aussichtsturm umgebaut.

      Im Jahr 1999 wurde der Zustand des Gebäudes vom Sasbacher Architekten Romeo Sauer im Rahmen einer Inspektion untersucht. Aus dem Schadensbild wurden Vorschläge für die Sanierung des Turmes  erarbeitet.

      Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten im Sommer/Herbst 2001 (Mauerwerk, Betonierung der Turmplatte, Reparatur des Geländers, Steinmetzarbeiten usw.) und der Montage  einer  Wendeltreppe (außen) konnte der etwa sieben Meter hohe Turm im gleichen Jahr wieder für Besucher geöffnet werden. Dank tatkräftiger Unterstützung des Schwarzwaldvereins gelang es dem Landesdenkmalamt in  Zusammenarbeit mit den betroffenen Kommunen, das historische Bauwerk nicht nur vor dem Verfall  zu bewahren, sondern ihm auch noch die frühere Funktion als Aussichtspunkt zurückzugeben.

      Im Jahr 2005 mussten erste Vandalismusschäden u.a. am Geländer beseitigt werden.  An allen vier Seiten des Turmes wurden Edelstahltafeln (Schautafeln) mit Orientierungspunkten für  alle vier Himmelsrichtungen angebracht, seitlich am Turm wurde eine Infotafel montiert. Das  Bauwerk wird in Sasbach und Umgebung seit vielen Jahren „Bismarckturm“ genannt. Die Herkunft  dieses Namens ist trotz Recherchen des Schwarzwaldvereins nicht mehr verifizierbar.

      (Überblick abgeändert nach www.bismarcktuerme.de)

      Infotafel am Turm

      Seitdem der im Volksmund „Bismarckturm“ getaufte Aussichtsturm auf der Hornisgrinde dank der Initiative des Sasbacher Schwarzwaldvereins renoviert und für die Öffentlichkeit zugänglich ist, nützten schon zahllose Wanderer die Möglichkeit, von hier aus den Nordschwarzwald „in alle Richtungen“ zu überblicken.
      An der Südseite des Turmes befindet sich eine Informationstafel, die den zeitlichen Werdegang dieses „technischen Kulturdenkmals“ beschreibt. Zudem laden rund um den Turm rustikale Bänke zum Verweilen ein. Die Verantwortlichen des Sasbacher Schwarzwaldvereins um die Vorsitzende Gisela Höß komplettieren damit an der wohl höchsten Stelle des Hornisgrinderückens, wo auch die Gemarkungsgrenzen von Sasbach und Sasbachwalden aufeinander treffen, einen der markantesten Punkte der Region. Der Text auf der Informationstafel weist dabei auch darauf hin, dass die Hornisgrinde auch im 20. Jahrhundert ihre Bedeutung für die Vermessung behielt und seither als Anschlusspunkt von Katastervermessungen genützt wird. Das rüstige Rentnertrio Alois Wilhelm, Josef Kurz und Ernst Weh opferten viele Stunden Freizeit, damit die Wanderer Aussicht genießen, Rast einlegen und sich informieren können.

      Signalturm
      Historie

      Könnte ein Bauwerk sprechen, dieser Turm hätte in der Tat viel zu erzählen. Denn immerhin hat er inzwischen über 180 Jahre „auf dem Buckel“ und damit alle möglichen Zeiten erlebt, darunter Kriege und nachfolgende Besetzungen. Manche Ereignisse „rund um den Turm“ sind in Vergessenheit geraten, vieles wurde jedoch dokumentiert und blieb somit der Nachwelt erhalten.

      Friedrich August Köhler (1768-1844) Vikar in Gutenberg unternimmt 1804 zwei Fußreisen in das Obere Murgtal und ersteigt dabei jeweils auch die Hornisgrinde. Dabei wird er von Prof. Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger* (1765-1831) begleitet. Bohnenberger, ursprünglich Theologe, hat sich eingehend mit Vermessung, Astronomie und Mathematik befasst … Durch seine mehrere Blätter umfassende „Charte von Schwaben“ (1798-1822) ist er bekannt und berühmt geworden. Zudem gilt er als Begründer der modernen württembergischen Landesvermessung.

      Seine Eindrücke hat er handschriftlich als „Einige Notizen über den Schwarzwald gesammelt im August und September 1804“ festgehalten. Vom Dreifürstenstein gingen die beiden Wanderer hinüber zum Signal auf der Hornisgrinde, mit 1163 m Meereshöhe der höchste Punkt des Nordschwarzwaldes. Darüber schrieb er:

      „Als wir hinzukamen, waren zu unserem größten Befremden 2 von den gesetzten 5 Signalbäumen umgehauen. Wir hörten nachher beim Oberforstmeister in Freudenstadt, dass die Bauern im Kappler Thal, auf deren Grund und Boden das Signal stund, sie für Freyheitsbäume gehalten. hatten und deswegen umgehauen.“ …

      Köhler berichtet noch, dass in Baden der Vorschlag gemacht worden sei, an die Stelle des mittleren Signalbaumes einen Turm zu bauen. Er hatte richtig vermutet, denn tatsächlich wurden im 19. und 20. Jahrhundert auf der Hornisgrinde einige Türme errichtet.

      Nach Köhlers Besuch hat man auf der höchsten Stelle der Hornisgrinde ein vierseitiges hölzernes Pyramidensignal aufgestellt, das als wichtiger Triangulierungspunkt für die Landesvermessung diente. Das genaue Baujahr war leider nicht mehr festzustellen.

      Bereits 1822 wurde an der Stelle des hölzernen Signals ein 8,5 m hoher quadratischer Steinpfeiler als reines Vermessungsbauwerk errichtet. Weithin sichtbar, konnte er mit den damals schon vorhandenen Instrumenten angepeilt werden.

      Nicht von ungefähr kommt dem Bauwerk aus der Sicht des Karlsruher Landesvermessungsamtes der Rang eines technischen Baudenkmales zu, wurden doch von hier aus einst die Landesvermessungsarbeiten vorgenommen. Als „Triangulierung des Großherzogtums Baden“ ging diese Maßnahme in die Geschichte ein. Steinerner Zeuge aus jenen Tagen ist der trigonometrische Punkt, der auf der Platte des Turmes erhalten blieb.

      Da das Mauerwerk des Turmes für die Messungen nicht mehr genügend stabil war, wurde er im Sommer 1871 durch ein gleich hohes, massives Bauwerk mit steinerner Schutzhütte ersetzt, das an die europäische Gradmesssung angeschlossen wurde. Der Neubau erhielt, dem Zeitgeist entsprechend, den Namen Bismarckturm.

      “Hornisgrinde ist der höchste Berg im nördlichen Schwarzwald und bereits Dreieckspunkt der alten badischen Vermessung. Wegen des sumpfigen Bodens und um über den nahen Wald hinwegsehen zu können war im Jahr 1822 ein quadratischer 2,7 m dicker, 8 Meter hoher massiver Thurm gebaut worden, der sich aber bei einer Untersuchung des Herrn Professor Jordan aus Carlsruhe im Jahre 1869 als zu wenig stabil für genaue Winkelmessungen heraussstellte. Er wurde deshalb abgerissen und unter Leitung des Herrn Jordan in seiner alten Form und Grösse 1871 wieder aufgebaut und in der Mitte ein 1,10 Meter hoher und 0,52 Meter breiter und dicker Sandsteinpfeiler errichtet, dessen Centrum durch einen eingegossenen Messingcylinder bezeichnet und identisch mit dem alten trigono- metrischen Punkte ist. Die Festlegung des Centrums wurde von Herrn Jordan folgendermassen bewirkt. Ausser einem Messingcylinder, genau vertikal unter dem der Pfeileroberfläche, wurden auf dem Thurme unter der ersten Steinschicht noch 4 ähnliche Cylinder in Süd, West, Nord und Ost versenkt, deren Entfernungen respective sind: 1.2890, 1.3695 und 1.2184 Meter. Außerdem wurden unten auf dem Plateau des Berges in denselben Richtungen noch 4 Cylinder in besonderen Funda- mentquadern 0,5 Meter unter dem Boden versenkt, deren Entfernungen vom Pfeilercentrum sind:

      • nach Süd 19.8692 Meter
      • nach West 19.8604 Meter
      • nach Nord 19.9112 Meter
      • nach Ost 19.7591 Meter

      Zum Nullpunkte diente eine weisse Tafel mit schwarzem Centrum. Die Meereshöhe der Pfeileroberfläche ist 1175 Meter.”

      Wenige Jahrzehnte später wurde der Turm mehr und mehr auch für die Wanderer interessant: Besonders Wagemutige bestiegen das Gebäude anfangs über eine Leiter. Für die offizielle Turmbesteigung sorgten schließlich die Vorstandsmitglieder des damals schon existierenden Schwarzwaldvereins Achern um dessen Vorsitzenden Nauwerck, die anno 1892 eine Steiltreppe anbrachten. Wahrscheinlich war den wanderfreudigen Hornisgrindebesuchem auch eine weitere Baumaßnahme zu verdanken, denn alte Aufnahmen zeigen, dass direkt an eine der Turmseiten ein steinerner Anbau erfolgte, der sicherlich als Unterstand gegen die oft heftigen Niederschläge gedacht war. Irgendwann allerdings wurde dieser wieder entfernt.

      Kaum einem Wander- oder Naturfreund dürfte es gefallen haben, dass es nach dem Krieg nicht mehr möglich war, den Signalturm zu besuchen, denn er befand sich innerhalb des Zaunes, den die französischen Besetzer errichtet hatten. Besonders sensibel ging das Militär mit den Bauwerken auf der Hornisgrinde nicht um, was auch für den benachbarten Hornisgrindeturm des Schwarzwaldvereins galt. Mitte der 1990er Jahre zogen die Franzosen, mittlerweile von Besetzern zu Freunden geworden, sich aus der Hornisgrinderegion zurück. Das ehemalige Sperrgebiet ging wieder in das Eigentum des Bundesvermögensamtes über. Dieses sorgte dann in der Folge für die Geländeübergabe an die betroffenen Kommunen. Die alten Gemarkungsgrenzen waren damit wieder hergestellt.

      Noch sind längst nicht alle Spuren getilgt, die während der Zeit der militärischen Nutzung der Hornisgrinde über fast ein halbes Jahrhundert hinweg dem Bergrücken eingekerbt wurden. Schrottreste und auch Bunker werden noch einige Zeit an diese dunkle Phase der Geschichte erinnern.

      Mit der Renovierung des alten Signalturmes wurde nun ein Wahrzeichen aus „alten Zeiten“ saniert. Zu hoffen ist, dass es fortan noch vielen Generationen als Wanderziel oder Aussichtsturm dienen wird. Man würde es sich zu leicht machen, derartige Sanierungsaufgaben allein der öffentlichen Hand zu überlassen, denn Städte und Gemeinden, Landkreise oder gar das Land haben in der Tat vordringlichere Aufgaben. So sah man dies auch seitens des Schwarzwaldvereins Sasbach, als gemeinsam mit dem benachbarten Ottenhöfener Schwarzwaldverein die Initiative zur Renovierung des Turmes ergriffen wurde. Noch in der Amtszeit des mittlerweile zum Ehrenvorsitzenden ernannten Konrad Ernst keimte die Idee, deren Realisierung nun vollendet wurde. Dabei zog auch das Landesdenkmalamt mit und steuerte einen fünfstelligen Zuschuss zu dem Vorhaben bei.

      Am 10. Oktober 2001 fanden nun mit der Unterzeichnung des Nutzungsvertrags durch die Gemeinden Sasbach, Sasbachwalden und dem Schwarzwaldverein Sasbach die Sanierungsarbeiten ihren vorläufigen Schlusspunkt. Mittlerweile haben schon viele Dutzend Wanderer die Möglichkeit genutzt, das historische Bauwerk zu besteigen.

      Etwas unklar ist, weshalb dieser Signalturm im Volksmund auch „Bismarckturm“ genannt wird. Eine der Vermutungen, wie dieser kleine Turm auf dem höchsten Punkt der Homisgrinde zu diesem Namen kam, geht dahin, dass dieser vielleicht als militärischer Wachturm während des deutsch-französischen Krieges (1870/ 71) gedient haben könnte.

      Externe Quellen: Dr. Dr. hc Max Scheifele (in: Auf der Hornisgrinde vor 200 Jahren, Der Schwarzwald, 4/2005)

      Das Rheinische Dreiecksnetz

      Auszug aus “Generalleutnant Johann Jacob Baeyer (Geodätisches Institut Potsdam) und das Rheinische Dreicksnetz 1867/77”:

      In den Jahren 1867 bis 1877 hat Johann Jacob Baeyer (1794-1885), der Gründer der Mitteleuropäischen Gradmessung, das Rheinische Dreiecksnetz von Holland bis in die Schweiz triangulieren lassen, um eine Lücke in der Breitengradmessung von Oslo bis Palermo zu schließen.

      Diese Breitengradmessung zur exakten Bestimmung der Größe und Figur der Erde sollte unter anderem auch dazu dienen, in wie weit die physikalische Figur der Erde von einem Rotationsellipsoid abweicht.

      Auszug aus “Das rheinische Dreiecksnetz, II. Heft, Die Richtungsbeobachtungen”, Publication des Königl. Preuss. Geodätischen Instituts; Berlin 1878:

      Die rheinischen Dreiecke sollten die Verbindung des belgischen mit der hessischen Triangulation im  Interesse der STRUVE’SCHEN Längengradmessung herstellen, dann aber sollten sie als wichtiger  Bestandteil der europäischen Gradmessung das norddeutsche Dreiecksnetz mit dem der Schweiz und  Italiens in Zusammenhang bringen. Ein Vergleich der bereits vorhandenen badischen Dreicksseiten mit denen von TRANCHOT und  ECKHARDT  ergaben unzulässige Differenzen, in Folge dessen die grossherzogliche Regierung die  Ausführung einer neuen Triangulation in Baden für die Zwecke der europäischen Gradmessung in  Erwägung zog. Sie beauftragte im Juni 1868 Prof. WILHELM JORDAN in Gemeinschaft mit PROF. DR.  BAUR, dem königlich württembergischen Commissar, eine Recognoscirung (Erkundung) badischer und  württembergischer Hauptdreieckspunkte vorzunehmen, durch welche eine (…) Haupttriangulation  in Württemberg und Baden vorbereitet werden sollte.

      Die grossherzogliche Regierung begann 1869 mit dem Pfeilerbau. Die Arbeiten wurden vom Krieg 1870 unterbrochen, nach Friedensschluss 1871 aber wieder aufgenommen.

      Die rheinischen Dreicke folgen im allgemeinen dem Laufe des Rheins von der Schweiz bis Holland (…) Das Hauptnetz zählt 35 Punkte, davon liegen 16 in Preussen, 2 im Grossherzogthum Hessen, 3 in der bayerischen Pfalz, 3 in Baden, 2 im Elsass, 4 in Württemberg und 2 in den Niederlanden. Konnten die Beobachtungspfeiler auf natürlichem Boden stehen, so sind es zumeist massive Steinpfeiler (Sandstein, Granit oder Menniger Stein). Sie bestehen aus einem über 2 Meter langen und 5 Decimeter kantigen prismatischen Steinblock, welcher auf einer Steinplatte von 1 Meter im Quadrat ruht, die 1 Meter unter dem Boden vermauert ist. Von aus Backsteinen und Cement gemauerten Pfeilern stehen nur 2 auf natürlichem Boden (…) alle übrigen derartig gebauten Pfeiler gehören Turmstationen an. Ferner waren zwei aus ungleichen Quadern aufgeführte Pfeiler in Gebrauch. Laegern und Hornisgrinde; bei letzterer Station war wegen des sumpfigen Bodens ein massives thurmartiges Fundament für den aus einem Stück bestehenden Pfeiler nöthig. (…) Das Zentrum der Station war auf dem Pfeiler durch ein Bohrloch, ggf. mit Messinghülse, oder einen Kreuzschnitt markiert. Der Theodolit ließ sich direkt auf dem Pfeiler zentrisch aufstellen und für den Beobachter wurde erforderlichenfalls zum bequemen Arbeiten ein Gerüst um den Pfeiler erreichtet.

      Danke an Herrn Prof. Dr. Hans Fröhlich, der die historischen Dokumente freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. In seiner aktuellen Publikation „Von Berg zu Berg – wie Europa vermessen wurde” (Erschienen im Selbstverlag Fröhlich, 2012) führt er den Leser zunächst in die Geschichte der klassischen Erdmessung ein und beschreibt das Lebensbild BAEYERS sowie das Rheinische Dreiecksnetz. Hier geht es zur Webseite von Prof. Dr. Fröhlich.

      St. Märgen-Glashütte

      St. Märgen-Glashütte

      © Wilfried Löffler, St. Märgen

      Mit freundlicher Genehmigung.

      Vielen Dank.

      Die Glashütte ist heutzutage ein Ortsteil von St. Märgen. Bis 1936 war Glashütte und Hinterstraß eine eigenständige Gemeinde unter dem letztgenannten Namen. Dann folgte die Eingemeindung zu St. Märgen.

      Hinterstraß liegt hinter einer sehr alten Verkehrsverbindung, die etwa 700 Jahre lang eine Grenzlinie der Klosterherrschaft St. Peter vom Kapfenberg, Hochwald bis zum Hohlen Graben bildete. Der Name Hinterstraß – so wird es gedeutet oder vermutet – kam deshalb zustande, weil alles was „hinter der Straße“ liegt, also das Kapfenberggebiet, das Steinbachtal mit Schaltkarrendörfle, das Gebiet des ehemaligen Knobelwaldes in die spätere Vogtei Hinterstraß integriert wurde, die damals Eigentum des Klosters St. Peter war.

      Sämtliche Siedler der damaligen Zeit kamen vom Kloster St. Peter, zu deren Siedlungsgebieten übrigens auch die heutigen politischen Gemeinden Waldau, Neukirch und Wildgutach zählten.

      Hinterstraß wurde verhältnismäßig spät, etwa in der Zeit von 1650 bis 1710, nach dem Dreißigjährigen Krieg innerhalb von 60 Jahren besiedelt und dies während ständiger Kriegszeiten. Jahrhunderte hinweg waren, so vermutet man, die Höfe „Steinbachhof“ und „Breitmooshof“ die einzigen im Gebiet Hinterstraß. Hinterstraß erhielt 1743 einen Vogt und wurde damit zu einer Gemeinde.

      Der Knobelwald, aus dessen Gebiet die spätere Glashütte hervor ging, erstreckte sich in der Länge etwa vom Jägerstieg bis hinten an den Wolfsgrat und in der Breite vom Gfällbühl – heute Immenbühl – hinunter über den Bach und hinauf bis an die Redeck. Es war ein urwaldähnlicher dichter, finsterer Wald, in dem auch noch Wolf, Luchs und Bär lebhaft waren.

      Schon im 15. Jahrhundert begannen die Benediktinermönche mit der Besiedlung des Knobelwaldes, um gegen den Wald vorzugehen und ihn zu roden. So entstanden die ersten Glasbläsersiedlungen, zunächst auf den Höhen, dann später unten im Tal.

      Die Gründung der Glashütte liegt um das Jahr 1683, gleichzeitig mit der Gründung der Gasthäuser „Steinbach Hirschen“, sowie „Zum Kreuz“ im Hohlengraben. Initiator der Gewerbeansiedlungen war der damalige Abt Paulus Pastor, um die materielle Lage des Klosters zu verbessern.

      Im Jahre 1685 wurde zwischen den Einwohnern der Glashütte und dem Kloster St. Peter ein Vertrag abgeschlossen, indem alle Rechte und Pflichten der Glashütter verzeichnet waren. Es wurden den Glasbläsern bedeutsame Zugeständnisse gemacht. Die Glasbläserei blühte und Häuschen an Häuschen entstand.

      So manche „Flaschen“, „Buddeln“ und „Gütterle“ wurden aus dem Tal in die weite Welt getragen. Die Namen von vielen Ortschaften und Bauernhöfen, in denen das Wort „Glas“ vorkommt, wie beispielsweise Glashütte, Glashof, Glasberg, Glasträgerhof, erinnern noch heute an die Zeit der Glasbläser aus dem Schwarzwald.

      Als aber der Wald abgeholzt war, zogen die Glasbläser wieder aus und suchten sich andere waldreiche Gebiete. Sie zogen in den Bräunlinger Wald, wo die waldgierigen Glashütter von den Stadtherren mit offenen Armen aufgenommen wurden. Das ganze Bubenbacher Tal wurde ihnen zugesprochen. Durch den neuen Glashüttenbetrieb wurde das Dorf Bubenbach gegründet. In der Glashütte blieben aber zahlreiche Bewohner zurück, die sich einer anderen Tätigkeit widmeten – der Uhrmacherei. Nachdem ein Glasträger aus dem Böhmischen einen solchen Zeitmesser mitbrachte, ließ es den Tüftlern keine Ruhe, dieses Ding zu vervollständigen. So ist auf dem Glashof bei Waldau die erste Schwarzwalduhr entstanden. Und wieder zogen die Träger in die Welt hinaus. Dieses Mal waren es keine Glaswaren, sondern Schwarzwalduhren. Die Schwarzwalduhrenindustrie entstand aber nicht an ihrer Wiege, sondern in verkehrstechnisch günstigeren Orten.

      In der Blütezeit der Uhrmacherei, etwa um 1811, vereinigten sich die bisherigen Vogteien Hinterstraß und Glashütte und bildeten nun die Gemeinde der Vogtei Hinterstraß, unter einem gemeinsamen Vogt. Den Titel Bürgermeister gab es damals noch nicht. Im Jahr 1836 hatte Hinterstraß mit Glashütte 405 Einwohner. Die Gemeinde Hinterstraß hatte etwa 120 Jahre Bestand. In der folgenden Zeit wanderten zahlreiche Glashütter aus und brachten durch ihre Unternehmensfreude, aber auch durch ihre Zähigkeit, zu Wohlstand.

      Diejenigen aber, die am elterlichen Boden festhielten, hatten in einer armen Gegend einen zähen Lebenskampf zu führen. Sie flochten Spankörbe, schnitzten Uhrenschilder, formten Uhrenkästen oder wurden Holzhauer beim Forstamt, das inzwischen die verwaisten Gütchen erwarb. Die Gemeinde konnte nicht viel unternehmen. Sie hatten kein Geld, brauchte aber zum Glück auch keine großen öffentlichen Ausgaben zu tätigen, denn eine zentrale Wasserversorgung und -entsorgung war nicht möglich, eine eigene Pfarrkirche (außer der kleinen Kapelle) besaß sie nicht, elektrischen Strom produzierte meist jeder selbst, große Straßenbauten standen nicht an. Dann kam das Jahr 1935, das letzte Jahr dieser historischen Gemeinde. Sie fiel der ersten Gemeindereform zum Opfer. Ab 1936 wurde die politische Gemeinde Hinterstraß aufgelöst und in die Gemeinde St. Märgen integriert. Das war sicherlich zunächst eine schwere Aufgabe, sich gegenseitig zu tolerieren, zu achten und miteinander in einem größeren Gemeinwesen zu leben. Eine Lenkung in gute Bahnen gelang.

      Die Verdienstmöglichkeiten in dem kleinen Örtchen Glashütte waren bis in die Gegenwart sehr bescheiden. Dank der Motorisierung hat sich die Lage in den letzten Jahrzehnten doch verbessert. Die Möglichkeit besteht, in den umliegenden Orten Berufe auszuüben oder zur Schule zu gehen.

      Durch schlechte oder erschwerte Baumöglichkeiten in der Glashütte ist ein Großteil der jüngeren Generation immer wieder gezwungen auszuziehen und sich auswärts niederzulassen. In früheren Jahrzehnten betrieb fast jeder Bewohner, der ein kleines Anwesen hatte, einen landwirtschaftlichen Nebenerwerb. Unter mühevollen Bedingungen an Steillagen musste gearbeitet werden. Daher ist es nicht außergewöhnlich, dass die Zahl der „Bodenständigen“ immer weiter zurückgeht.

      Heute sind es nur noch wenige, die einen sogenannten „Nebenerwerb“ ausüben. Tatsache ist, dass es eine „Nebenausgabe“ ist, die zur Offenhaltung der Landschaft dient.

      So bleibt zum Schluss dieser kleinen Ortsgeschichte nur der Wunsch und die Hoffnung, dass es immer wieder einige bodenständige Leute gibt, die wenigstens einen Teil der Landschaft offenhalten, damit das schöne und kleine Tal nicht der totalen Wildnis zum Opfer fällt.

      Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Heinrich Fehrenbach, St. Märgen. VIELEN DANK.

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