Seller, selli, sell

Seller, selli, sell

Eine mundartliche Plauderei

„Frau, wenn Si schelle welle, derfe Si nidd an sellere Schell schelle; selli Schell schellt nidd. Si miän an sellere Schell schelle, selli Schell schellt.“

Das war das scherzhafte Wortspiel, mit dem man einem „Hergloffene“ die Schwierigkeiten des „Lohrer Ditsch“, vom Lahrer aus gesehen die Vielfalt des Ausdrucks unserer Mundart, klar machen konnte.

Seiler (männlich), selli (weiblich), seil (sächlich) ist Bestandteil unserer Mundart, und man macht sich kaum Gedanken, wie dieser sprachliche Einzelgänger in unserem Wortbestand zu erklären sei. In den unteren Klassen des Gymnasiums hat einmal ein aus dem fränkischen Baden stammender Französischlehrer unser Lahrer seller, selli, seil mit dem französischen celle, der weiblichen Form von celui (dieser), in Verbindung gebracht. Das ist auch eine noch heute gerne gesuchte Erklärung, die man öfters von denen, die sich darüber überhaupt Gedanken machen, zu hören bekommt. Gewiß, wir haben in unserer Mundart oder besser mundartlichen Umgangssprache einige Brocken französischen Ursprungs, die aus der Nachbarschaft mit dem Elsaß oder aus historischen Bezügen (z.B. Baden als Mitglied des Rheinbundes) ihr Dasein herleiten. Vor dem Ersten Weltkriege gab’s ungeniert fiochz. B. den Schang Oean), die Lisette, Bavette (Babette), der Großvater trug noch statt einer Weste den Gilet, und die Großmutter ging mit dem „Ridikül“ (Handbeuteltäschchen) spazieren.

Aber sollte gerade die weibliche Form des französischen Demonstrativpronomens (hinweisenden Fürworts) ,,dieser“ die Form für unser dreigeschlechtlich anwendbares seller, selli, seil abgegeben haben? Das ist absolut unmöglich! Aber man m~hte sich weiter keine Gedanken und walzte gerne dann in studentischem Kreise vor den entsetzten Preußen die Deklination aus: seller Kerl, selli Frau, seil Kind (Werfall und Wenfall), sellem sin Hund (Wesfall), sellem, (Wemfall) und der Plural dazu sellene, sowie die Wer- und Wenfälle in der Mehrzahl selli. Einer aus dem Wiesental sekundierte mit „desell, disell“. Wenn man trennt de-seil, di-sell, ist klar, daß da der geschlechtsbestimmende Artikel vor das Stammwort seil gesetzt wird, während wir das Geschlecht des Wortes am Ende markieren: seil-er, sell-i. Längst war vergessen, nach der Herkunft unseres seller, selli, seil zu fragen, als mir Jacob Burckhardts, des berühmten Basler Historikers und Humanisten, 1853 erschienenes Bändchen „E Hämpfeli Lieder“, 14 Gedichte in alemannischer Mundart, in die Hände kam (vgl. ,,Geroldsecker Land“ Heft 14 S. 196-200).

Darin ist ein Gedicht enthalten ,, ‚S sind alli Gasse still „. Burckhardt schildert, wie er am frühen Morgen zur einsamen Wanderung ins Birstal durch die Basler Malzgasse schreitet, in der das Elternhaus seiner Jugendliebe Margarethe Stehlin lag. Er zieht am Haus vorbei. ,,Jetzt selbe Fenstre noch e Blick, sie sind mit grüene Jalousie bschlosse“ ruft er hinauf zu jenen Fenstern, hinter denen er oft das geliebte Mädchen erblickt hat. Da haben wir’s! Selb, selbi (jener, jene) im Hochalemannischen wird.bei uns überm Basler Rhein drüben, schon bei Hebel und erst recht im Niederalemannischen zu „seller, selli“. In Hebels „Gespenst an der Kanderer Straße“ kommt seil in den verschiedenen Fällen gleich fünfmal vor. Und so finden wir denn auch in Hubert Baums „Alemannisches Taschenbuch für Baden“ 1972 auf S. 192 die Stelle:

seil jenes; Mkgr (= Markgräfler Land)/sellem jenem/seller, jener/selli jene/sellene, jenen/Nebenformen: selb, selbi/desell, disell usw …. (mhd [=- mittelhochdeutsch] selb).

Wir können also getrost weiter an sellere Schell schelle und wissen jetzt, mit dem französischen celle hat selli Schell nichts zu tun.

Rudolf Ritter

Ludwig Auerbach

Ludwig Wilhelm Auerbach (* 5. September 1840 in Pforzheim; † 22. Juli 1882 in Seelbach (Schutter)) war ein Kaufmann, Schmuckfabrikant und Dichter.

Der Nachwelt ist er vor allem als Textautor des Volksliedes O Schwarzwald, o Heimat bekannt.


Kindheit und Jugend

Ludwig Auerbach war der Sohn des Pforzheimer Schmuckfabrikanten Ludwig Wilhelm Auerbach senior und seiner Frau Karoline, geb. Hirtzel.

Der junge Ludwig besuchte in Pforzheim die Volksschule und das Gymnasium und offenbarte schon früh ausgeprägtes literarisches Talent. Seine ältesten bekannten Gedichte schrieb er als Zwölfjähriger. Mit sechzehn Jahren verfasste er das romantisch-historische Versepos Bellrem von Weißenstein, das 1860 sogar als Buch gedruckt wurde. Dem Gymnasiasten wurde von Großherzog Friedrich I. sogar ein Stipendium angeboten. Der Vater Auerbach jedoch verbot seinem Sohn Abitur und Studium. Stattdessen trat Ludwig Auerbach 1861 nach dem Willen seines Vaters eine Ausbildung als Kaufmann in der elterlichen Firma an, um später als Nachfolger deren Leitung übernehmen zu können.

Zeit als Schmuckfabrikant in Pforzheim

Mit dem Rückzug des Vaters in den Ruhestand 1867 wurde dieser Plan umgesetzt. Ludwig Auerbach übernahm gemeinsam mit seinem Schwager Georg Katz die gutgehende, nun als Auerbach & Katz firmierende Fabrik. In ihrer Blütezeit beschäftigte sie knapp hundert Arbeiter und produzierte vorwiegend für Abnehmer im Russischen Reich. Als wohlhabender Fabrikant ließ sich Auerbach eine repräsentative Villa bauen, unweit der Fabrik, aber auch günstig gelegen für Wanderungen in den von ihm geliebten Schwarzwald.

Während all dieser Zeit hatte Ludwig Auerbach im Privaten weiter seine dichterische Tätigkeit gepflegt und Freundschaften zu anderen Literaten wie Ferdinand Freiligrathgeknüpft, auch zu Wilhelm Ganzhorn hatte er Kontakt.

Nach Berichten von Angehörigen dichtete er 1873 auf einer Wanderung ins Würmtal sein Schwarzwälder Heimatlied, das unter dem Titel O Schwarzwald, o Heimat mehrfach vertont und zu einem der beliebtesten Volkslieder seiner Zeit wurde.

Die nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Reichsgründung durch französische Reparationszahlungenangeheizte Konjunktur in Deutschland brach ab 1873 zusammen, was auf die Pforzheimer Schmuckindustrie voll durchschlug. Auerbach senior war 1871 gestorben und erlebte nicht mehr mit, wie es selbst für die stark exportorientierteFirma Auerbach & Katz wirtschaftlich nun abwärtsging, was schließlich 1877 zum Konkurs führte.

Ludwig Auerbach stand nun vor dem wirtschaftlichen Ruin. Auerbach erhielt in dieser Zeit über einen Dichterfreund, dem Lahrer Bankier Friedrich Geßler, ein Angebot, die Leitung der Schutterfabrik im nahen Seelbach zu übernehm. Es wird oft vermutet, dass Auerbachs große Zuneigung zum heimatlichen Schwarzwald den Ausschlag für diese Entscheidung gab.

 

Übersiedlung nach Lahr und Seelbach und früher Tod

Nach einem großen Abschiedsfest in Pforzheim zog Auerbach mit seiner Familie zunächst in Geßlers Villa in Lahr ein. Im folgenden Jahr, 1878, zog Auerbach dann in ein als Wohnhaus hergerichtetes Nebengebäude der Seelbacher Fabrik  (am heutigen Standort Seniorenheim St. Hildegard), in die er den Rest seines Vermögens investierte.

Die Schutterfabrik verarbeitete Stroh zu einem Grundstoff für die Papierherstellung und entließ dabei große Mengen giftigen und übelriechenden Abwassers in den Fluss Schutter, wodurch paradoxerweise der so naturliebende Auerbach einen Großteil der Talbevölkerung gegen sich aufbrachte. Wirtschaftlich erfolgreich war die Fabrik auf Dauer jedoch nicht, denn das neu erfundene Verfahren, Holz zu Zellulose zu verarbeiten, setzte sie bald immer stärker unter Druck. In dieser Situation, in der sich ein zweiter Konkurs bereits abzeichnete, erlitt Auerbach auf einer Geschäftsreise einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er zurück in Seelbach wenig später starb.

Ludwig Auerbach wurde nicht ganz 42 Jahre alt. Er wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof bestattet, wo sein Grab noch heute erhalten ist. Lahrer Freunde stifteten ihm 1884 einen denkmalartigen Grabstein, auf dem eine Bronzeplakette Auerbachs Büste im Profil zeigt. Die Lahrer Freunde Geßler und Scherenberg sorgten auch 1889 für die posthume Veröffentlichung der Gedichtsammlung Aus dem Schwarzwald.

Auerbachs Frau Rosa und seine minderjährigen Kinder Rudolf und Hedwig blieben nach Ludwigs Tod in einer finanziell schwierigen Situation zurück. Die Witwe führte die Fabrik in Seelbach noch kurze Zeit weiter, kehrte dann aber mit den Kindern nach Pforzheim zurück.


Textquelle
: Wikipedia „Ludwig Auerbach“ (Abruf August 2026)

Das Leben von Ludwig Auerbach

1840: am 5. September in Pforzheim geboren.

1852: erstes Gedicht „Abendsonne“

1856: Epos „Bellrem von Weißenstein“

1860: Angebot von Großherzog Friedrich I. für ein Stipendium. Der Vater verbietet Auerbach das Abitur und Studium, stattdessen muss er eine Lehre als Kaufmann absolvieren und in die elterliche Schmuckfirma eintreten.

1867: Übernahme der erfolgreichen Pforzheimer Schmuckfabrik

1873: Dichtung des berühmten Heimatlieds „O Schwarzwald, O Heimat“

1877: Untergang der Firma. Auerbach übernimmt die Schutterfabrik in Seelbach

1882: Konkurs der Schutterfabrik zeichnet sich ab, Auerbach erleidet auf einer Geschäftsreise einen Herzinfarkt und stirbt am 22. Juli im Alter von 41 Jahren

1889: posthume Veröffentlichung der Gedichtsammlung „Aus dem Schwarzwald“

{


O Schwarzwald, o Heimat

O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!
Wie locken das Herz deine schwarzdunkeln Höhn
Zum fröhlichen Wandern in Hochsommerzeit,
Zum Rasten in heimlicher Einsamkeit,
Im traulichen Mühlgrund, bei Quellengetön:

O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!

 

O Schwarzwald, o Heimat, wohl hat mir die Welt
Mit köstlichen Wundern die Seele geschwellt:
Die lachende Ferne erschloss ihre Pracht,
Doch hab‘ ich in Liebe stets deiner gedacht,
Im Traum sah ich winken die schwarzdunkeln Höhn:

O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!

 

O Schwarzwald, o Heimat, dein Rauschen erklang
Ins Träumen des Kindes, wie Wiegengesang,
Und später, da gabst du dein weites Revier
Zum Tummelplatz fröhlicher Spiele mir;
Die lauschigen Täler, die schauenden Höhn:

O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!

 

O Schwarzwald, o Heimat, noch heut‘ füllt die Brust
Ein Nachklang der schwärmenden, brausenden Lust,
Mit der du die Stirn mir beim Maitrank bekränzt,
Wo Schönheit und Liebe den Becher kredenzt,
Bei Tanz und bei Liedern und Waldhorngetön:

O Schwarzwald, o Heimat, wie war das so schön!

 

O Schwarzwald, dein Zauber bleibt ewig uns neu,
Drum lieb‘ ich dich innig, dich lieb‘ ich getreu,
Und kommt einst mein Stündlein, bei dir nur allein,
Von dir überwölbt, will begraben ich sein,
Wo Waldvögel jubeln von frühroten Höhn:

O Schwarzwald, o Heimat, wie bist du so schön!

5
Ludwig Auerbach
Kaufmann und Dichter
*1840 †1882

Alemannische Mundart

Im Schwarzwald wird gebabbelt und gschwäzt

… und zwar badisch odder nieder- unn hochalemannisch, aber uff gar keinen Fall „schwäbisch“.

Des misse ner euch merke, gell. Des isch gonz wichtig.

Alemannische Dialekte

Oberrheinalemannische / Niederalemannische Mundart

Alemannische Mundart in Lahr

Bodensee-Alemannische Mundart

Spitz uff Knopf

„Griffelspitzer“ Hans-Hermann Spitz und „Moschdbur“ Oskar Knopf

Elsässer Mundart

Lahrer Bähnle

Das ehemalige Empfangsgebäude am Bahnhof Seelbach (Juli 2026)

Bahnstrecke Kehl-Altenheim-Ottenheim-Lahr-Seelbach

Die 24,5 km lange Strecke Kehl–Altenheim–Ottenheim wurde im Jahre 1898 in Betrieb genommen. Die Strecke begann in Kehl Nebenbahnhof und verlief als Straßenbahn zum Rathausplatz und über den Mittelplatz nach dem Ortsteil Sundheim, wo sie das eigentliche Stadtgebiet verließ und über die Ortsteile Marlen und Goldscheuer-Kittersburg nach Neuried-Altenheim weitergeführt wurde. In Marlen zweigte ein Gleis zu einer Kiesverladestelle am Rheinufer ab. Während der Zeit der Besetzung Kehls unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg begannen und endeten die Züge in Sundheim.

In der Gemarkung Neuried durchlief die Strecke die Ortsteile Altenheim, Dundenheim und Ichenheim, der ehemalige Bahnhof Altenheim wird heute als Wohnhaus genutzt. Von Ichenheim kommend durchquerte die Bahn Meißenheim in Richtung Ottenheim. Der ehemalige Bahnhof Meißenheim ist noch erhalten. Die inzwischen geschlossene Gaststätte „Zum Entenköpfer“ ist allerdings nicht der ehemalige Bahnhof. Dieser befindet sich ca. 100 Meter vor der Gastwirtschaft, ebenfalls auf der linken Seite in Richtung Ottenheim und ist noch (bis auf geringe Umbauten) original erhalten.

In der Gemeinde Schwanau durchquerte die Strecke die Ortsteile Ottenheim und Allmannsweier, in Ottenheim befand sich ein Abzweig zum Rheinufer. Der Abzweig mit dem Haltepunkt Rheinufer band das Kieswerk und den Rheinhafen an die Strecke an.

Textquelle: Wikipedia „Mittelbadische Eisenbahnen“ (Abruf Juli 2026)

 MCMC OpenStreetMap contributors, Eisenbahnnetz Lahr, CC BY-SA 2.0

Die 19,4 km lange Strecke Ottenheim–Lahr–Seelbach wurde bereits im Jahre 1894 von der Lahrer Straßenbahn-Gesellschaft in Betrieb genommen. Die Strecke folgte dem ehemaligen Verlauf der Landstraße durch Allmansweier und den heute nicht mehr an dieser Stelle befindlichen Ort Langenwinkel bis zum Bahnhof Lahr ME (ursprünglicher Name: Dinglingen Nebenbahn, später: Lahr West), der sich noch westlich des Staatsbahnhofs von Lahr-Dinglingen befand. Der Ausbau der Straße durch Langenwinkel hindurch führte 1956 zu einer Verlegung der Bahnstrecke nach Norden. Zeitweise kreuzte die Straße und mit ihr die Bahnstrecke die Start- und Landebahn des Flughafens Lahr.

Der Bahnhof Lahr ME verfügte über umfangreichere Gleisanlagen sowie eine Rollwagengrube, um normalspurige Güterwagen auf meterspurigen Rollwagen in das Netz der MEG überführen zu können. Von hier aus zweigte östlich des Bahnhofs ein normalspuriges Verbindungsgleis zum Staatsbahnhof ab, westlich des Bahnhofs befand sich ein normalspuriges Anschlussgleis zum Flughafen. Die normalspurigen Anlagen blieben auch nach Stilllegung der Meterspurstrecke bis mindestens in die 1990er Jahre in Betrieb.

Östlich von Lahr ME querte die Meterspurstrecke die Staatsbahngleise zunächst ebenerdig. Mit der Fertigstellung der Straßenüberführung 1910 wurde die ebenerdige Querung ersetzt, die Schmalspurbahn nutzte nun ebenfalls die Überführung. Von hier ab verlief die Strecke als Straßenbahn durch die Hauptstraßen von Dinglingen und Lahr mit einer Reihe von Haltestellen. Östlich des Zentrums von Lahr befand sich der Bahnhof Lahr Schlüssel.

Weiter führte die Strecke auf der heutigen Bundesstraße 415 durch Reichenbach und anschließend auf freiem Feld bis Seelbach. Noch heute steht der im Jahr 2001 restaurierte Bahnhof von Seelbach mit einem Stück Gleisanlage.

Textquelle: Wikipedia „Mittelbadische Eisenbahnen“ (Abruf Juli 2026)

Lahrer Bähnle (Entenköpfer)

Nach einem bewegten jahrelangen Genehmigungsvorspann konnte die schmalspurige Eisenbahnverbindung zwischen Lahr und Ottenheim 1894 und zwischen Kehl und Lahr 1898 in Betrieb genommen werden. Zu Zeiten als noch keine Autos und Omnibusse fuhren, war das Lokalbähnle ein Segen für die Einwohner von Seelbach und der Rieddörfer, die zuvor zum Einkaufen nur selten in die Stadt kamen. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Schienenverkehr zum Jahresende 1959 aufgegeben.

Das „Lahrer Bähnle“, so wurde der Schmalspurzug, der Lahr mit dem Schuttertal und mit dem Ried bis nach Kehl verband, liebevoll genannt, fuhr 65 Jahre lang bis 1959 schnaubend und zischend durch die engen Straßen von Lahr, z.B. durch die Kaiserstraße – direkt vorbei am Rathaus. In den Riedgemeinden war die Schmalspurbahn als „Entenköpfer“ berüchtigt, denn manche unvorsichtige Ente musste ihr Leben auf den Schienen lassen.

Nach dem Baubeginn des Schienenstrangs fuhr das Bähnle zunächst vom Rhein kommend über Ottenheim, Allmannsweier und Lahr bis zur Endstation Seelbach. Später wurde die Bahnlinie bis Kehl erweitert.

Historische Ansichtskarte: Die Kaiserstraße in Lahr beim Rathaus. Links erkennt man das ehemlige Gleis der Bahnstrecke nach Seelbach.

Mit dem Rad unterwegs entlang der Schutter auf der alten Bahnstrecke Ottenheim–Lahr–Seelbach bei km 11,5 (Juli 2026)

Bahnhof Seelbach

Der Bahnhof Seelbach war Endpunkt der Bahnlinie Kehl-Lahr-Seelbach. Der Bahnhof wurde 1894 in Betrieb genommen.

Im Volksmund wird das ehemalige Bahnhofsgebäude liebevoll „s’Bahnhöfle“ genannt.

Von 1894 an beförderte morgens und abends eine Dampflok Berufspendler aus dem gesamten Schuttertal nach Lahr. Auf der Strecke war eine Lokomotive vom Typ „MEG Nr. 46“ im Einsatz (Elsässische Maschinenbau-Gesellschaft Grafenstaden).

Im Jahr 1947 notierte ein Fahrgast:
„Morgens nach Seelbach. Es regnet. Bähnle fährt in den Dreck., Autobus holt uns aus Kuhbach ab.“

Schneller und preiswerter wurde es durch den aufkommenden Busverkehr. So wurde 1952 der „Bähnle-Betrieb“ nach Seelbach eingestellt.

Im Bahnhof konnte man bis in die 1970er Jahre Tickets für die lokalen Buslinien und Fahrkarten in alle Welt erstehen.

Ungefähr da, wo Sie den Minigolf-Kiosk sehen, befand sich früher der Lokschuppen der MEG-Lokalbahn Lahr-Seelbach.

Auch das gegenüberliegende Bahnhofshotel (Baujahr 1905/1906) erinnert an diese Zeit. Das Bahnhofhotel bot Einwohnern und angereisten Gästen modern eingerichtete Zimmer und eine Küche mit gutbürgerlicher Speisekarte. Das Haus war Stammlokal für Vereine im Ort und empfahl sich für alle gesellschaftlichen Anlässe. Es schloss am 31. Dezember 1980 seine Pforten.

Textquelle: Infotafel vor Ort (Juli 2026) und Audiotour Seelbach (Station 12).

Das ehemalige Empfangsgebäude am Bahnhof Seelbach (Juli 2026)

Über diese Webseite

Über die Webseite

Geotouren Schwarzwald

ist eine private Sammlung von Wander- und Radtouren, primär zu den Themen Geologie und Bergbau, aber auch zu Naturkunde und Kultur sowie zu Traditionen im Schwarzwald.

Die Sammlung enthält auch viele Touren aus den direkt angrenzenden Regionen und auch deutlich darüber hinaus. Diese sind zu interessant um sie hier nicht auch darzustellen.

Über 5.000 sehenswerte Orte/Objekte

Die Tourenkarten zeigen, ergänzend zum Streckenverlauf, neben Geotopen und Bergbauspuren auch viele andere interessante Örtlichkeiten, die den Schwarzwald und die Region auszeichnen.

Einige der aktuell über 5.000 dargestellten und häufig auch erläuterten Orte/Objekte, insbesondere die Mühlen- und Glashüttenstandorte oder Köhlereien sowie die Spuren des historischen Bergbaus, sind vor Ort nur mit geschultem Auge zu erkennen, teilweise leider aber auch nicht mehr vorhanden.

In der Gesamtheit ihrer Darstellung sollen die Objekte den einstigen Umtrieb im Schwarzwald aufzeigen und v.a. auch auf heute nicht mehr sichtbare historisch relevante Orte/Nutzungen verweisen.

GPX-Tracks

Die Streckenverläufe der Touren können über das Icon rechts oben in den Karten im GPX-Format heruntergeladen werden.

Bitte beachten: Die Tracks wurden in OpenStreetMap-Karten (OSM) erstellt. In Abhängigkeit der Genauigkeit der auf den OSM-Karten dargestellten Wege, kann es zu Abweichungen bei der tatsächlichen Wegführung kommen.

Im Bedarfsfall können auch andere Kartengrundlagen weiterhelfen, z.B. von Komoot oder Outdooractive.

Karten

Als initiale Hintergrundkarte werden folgende Karten verwendet:

Übersichtskarten: ESRI Topographic
Tourenkarten: Satellitenkarte (TomTom)

Über das Karten-Icon rechts oben in einer Karte können Sie zu einer anderen Hintergrundkarte wechseln. Es stehen folgende weitere Karten zur Auswahl:

  • OpenStreetMap (DE)
  • CyclOSM
  • OpenTopoMap

Hinweis: Die „Open TopoMap“ lässt die Höhenunterschiede, die gerade bei Touren besonders relevant sind, besonders gut erkennen. Die maximale Zoomstufe ist jedoch eingeschränkt, leider lädt die Karte oft auch nur zögerlich oder unvollständig (zu erkennen an leeren Kacheln).

Mit der Bitte um Beachtung.

Wussten Sie schon, …

dass es im Schwarzwald neben dem historischen Erzbergbau auch Baue auf Uran und Kohle gab?

dass sich südlich von Pforzheim mit der Grube Käfersteige eine der größten Flussspatlagerstätten Europas befindet, die aktuell für eine Wiederinbetriebnahme vorbereitet wird?

dass sich im benachbarten Elsass die Wiege der europäischen Erdölindustrie befindet?

Im Schwarzwald erwarten Sie

eine begeisternd schöne Landschaft, nette Menschen, ein besonderer Dialekt, der Wolf und ganz viel Tradition – also deutlich mehr als „nur“ Kuckucksuhr, Bollenhut und Schwarzwälder Kirschtorte.

Überzeugen Sie sich selbst. Es gibt viel zu entdecken.

… auch außerhalb des Schwarzwalds. Beispielsweise mit dem „Nördlinger Ries“ und dem „Steinheimer Becken“ (Schwäbische Alb/Fränkische Alb), zwei von insgesamt „nur“ 190 weltweit bekannten Impaktstrukturen („Meteoritenkrater“) auf der Erde.

In eigener Sache

„Geotouren Schwarzwald“ ist eine private Webseite und hat keinen kommerziellen Hintergrund.

Bei Interesse an geführten Touren wenden Sie sich bitte an den/die lokalen Wegebetreiber oder die zuständigen Tourismus-Infostellen. Ich selbst biete keine Führungen an.

Inhaltliche Anregungen, Tipps oder Verbesserungsvorschläge für die Webseite nehme ich gerne entgegen. Schreiben Sie mir eine Nachricht.

Stefan Kunner

info(at)geotouren-schwarzwald.de

Grube Finstergrund

Von Dr. Wolfgang Werner

Die Grube Finstergrund bei Wieden ist eines der bedeutendsten historischen Fluss- und Schwerspat-Bergwerke im Schwarzwald. Die bergmännische Gewinnung der Spate wurde nicht wegen Erschöpfung der Lagerstätte, sondern aufgrund der damaligen niedrigen Flussspat-Preise eingestellt. 

Der Finstergrund-Gang gehört zu den besonders großen Gangstrukturen im Bergbaurevier Wieden–Todtnau (siehe Karte). Der nördlichste Abschnitt der Finstergrund-Gangstruktur wird als Werner IV-Gang bezeichnet; dort ist das Besucherbergwerk im Niveau des Stollens 5 eingerichtet. Der Stollen 5 war ein wichtiger Förderstollen (siehe Schnitt). Weiter westlich gibt es eine kleine, als Werner II-Gang bezeichnete Struktur, auf der mittelalterlich oder frühneuzeitlich Versuchsbergbau umging. Zu dieser kleinen Grube soll es künftig Sonderführungen geben.

Die dargestellte Gangkarte geht zurück auf einen Entwurf von G. Zeschke aus dem Jahr 1959. Zu dieser Zeit waren die Gruben Tannenboden, Anton, Finstergrund, Auf den Winden (nördlich von Aitern) und Brandenberg, zwischen Todtnau und Fahl gelegen, in Betrieb. Sie wurden alle in unterschiedlichem Umfang von der Gewerkschaft Finstergrund betrieben, bisweilen hauptsächlich zu Erkundungszwecken.

Im Bergbaurevier Wieden–Todtnau wurde in den vergangenen Jahrhunderten an mehr als 60 Orten Bergbau betrieben (siehe Karte). Dieser ging fast ausschließlich über dem Grundwasserspiegel um, weil Gangbergbau ohne Wasserhaltung am kostengünstigsten ist. Das auf den Gangstörungen reichlich zusetzende Grundwasser müsste über lange Wasserlösungsstollen oder mit leistungsstarken Pumpen abgeleitet bzw. gehoben werden. Tiefreichende Bohrungen wurden bislang nicht durchgeführt. Wie tief die Lagerstätten reichen und wieviel sie an Wertmineralen enthalten, ist daher unbekannt. Ein großes Potenzial besonders am wichtigen Industriemineral Flussspat ist für das Revier Wieden aufgrund der Zahl und Mächtigkeit der Gänge aber in jedem Fall zu prognostizieren.

Bergbau auf die in den Mineralgängen sporadisch auftretenden Metallerze ging wegen des Silbergehalts vor allem zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert um. Die wich­tigste Bergbau­periode im Gebiet um Wieden–Utzenfeld–Todtnau ist sicherlich die im 20. Jahrhundert; in dieser Zeit waren Fluss- und Schwerspat Hauptziel des Bergbaus, Blei- und Zinkerze wurden in geringem Umfang mitge­wonnen.

Folgende Hauptgruben waren im 20. Jh. in Betrieb:

Finstergrund (1922–1974)

Anton (1936–1974)

Tannenboden (1948–1974) sowie die östlich von Todtnau gelegenen

Gruben Fahl (1937–1959) und Brandenberg (1950–1964).

Wichtigste Bergbaufirma war die Gewerkschaft Finster­grund (GF). Im Jahr 1938 hatte diese über 100 Mitarbeiter, 1967 war sie der größte deutsche Fluss­spat­produzent. Im Jahr 1969 übernah­men die Flussspat- und Schwerspat­werke GmbH Pforzheim und die Kali Chemie AG Hannover die Gewerk­schaft Finstergrund. Preisbedingt wurde 1974 der Bergbau bei Wieden aber eingestellt und die Aufbereitung in Utzenfeld geschlossen, die Gewerk­schaft Finstergrund wurde 1978 aufgelöst.

In der Zeit von 1936 bis zur Betriebsschließung im März 1974 wurden aus den genannten Gruben durch die GF rund 1 Mio. t an Rohförderung erbracht, wovon rd. 50 % (genau: 515.711 t) verwertbar waren.

An dieser Gesamtförderung hatten die Gruben folgenden Anteil:

Anton und Neue Hoffnung: 40 %

Finstergrund und Werner IV: 30 %

Tannenboden: 15 %

Brandenberg

Fahl: 15 %

(Zusammenstellung der GF vom Juli 1977, LGRB-Akten).