Neuenbürg: Auf historischen Wegen und Pfaden

29.03.2020 | Geowissenschaftlich interessante Tour, Hütten & Co, Nordschwarzwald

Auf dieser Rundwanderung vom Bahnhof Neuenbürg hinauf auf die Schwarzwaldhöhen über dem Enztal erkunden wir kulturhistorische Sehenswürdigkeiten in und um Neuenbürg.

Die Kelten besiedelten bereits im 5./4. Jh. v. Chr. die Region um Neuenbürg an der Enz. Während der keltischen Eisenzeit befand sich auf dem Schlossberg eine befestigte Siedlung.

Beim zwei Kilometer entfernten Ortsteil Waldrennach stießen Archäologen auf keltische „Rennöfen“. Hier in den Wäldern betrieben die Kelten den ältesten Bergbau auf Eisen im süddeutschen Raum.

Erzabbau und Verhüttung in Neuenbürg sind sogar seit dem 7./6. Jh. v. Chr. nachweisbar. Ein Bergbaugeschichtlicher Lehrpfad vermittelt Informationen zu Geologie, Archäologie und Bergbaugeschichte rund um Neuenbürg: vom Bahnhof aus verläuft der „Spectaculum-Ferrum-Pfad“ (Markierung: Schlägel und Eisen) über den Schlossberg und vorbei an stillgelegten Bergwerksanlagen zum Besucherbergwerk Frischglück.

Höhepunkt ist die Besichtigung der „Frischglück-Grube“, die Teil der historischen „königlich-württembergischen Eisenerzbergwerke“ war. Zur Förderung der experimentellen Archäologie wurde beim Besucherbergwerk ein Rennofen nachgebildet.

Das größte Eisenerzvorkommen im Schwarzwald

Im Raum um Neuenbürg konzentrieren sich an tektonischen Störungszonen Erzgänge mit reichen Eisen- und Manganerzvorkommen. Es handelt sich um das größte Eisenerzvorkommen im Schwarzwald. Die Erze bildeten die Grundlage eines Bergbaus, der in Neuenbürg vor allem im 18. und 19. Jahrhundert seine letzte Blüte erlebte. Führungen im Besucherbergwerk „Frischglück“ informieren über die Thematik.

Dass schon der vorgeschichtliche Mensch in das landwirtschaftlich unergiebige Buntsandsteingebiet des Nordschwarzwaldes vorgedrungen ist, galt lange als undenkbar. Doch wurde schon um 1930 entdeckt, dass während der keltischen Eisenzeit (Frühlatènezeit, circa 5. Jahrhundert v. Chr.) auf dem Schlossberg von Neuenbürg eine befestigte Höhensiedlung bestand. Wegen ihrer Lage abseits der fruchtbaren Muschelkalkböden wurde schon früh ein Zusammenhang mit den Eisenerzvorkommen vermutet. Der Nachweis gelang 1995/1996 mit der Untersuchung eines ca. zwei Kilometer vom Schlossberg entfernten Verhüttungsplatzes am „Schnaizteich“ bei Neuenbürg-Waldrennach.

 

Ausgrabungen bei Neuenbürg

nach Ausgrabungen im oberen Schnaizteich bei Waldrennach befand sich 500 Jahre vor Christus das wohl bedeutendste eisenverarbeitende Zentrum der Kelten im mitteleuropäischen Raum. Das alte Neuenbürger Bergbaurevier musste nach den Funden zu den größten Eisenerzvorkommen und Eisenverhüttungsplätzen nördlich der Alpen gehört haben.

 

Experimentelle Archäologie mit Rennfeueröfen

Bedingt durch die einmaligen Erhaltungsbedingungen der keltischen Rennöfen bei Neuenbürg ließen sich originalgetreue Nachbildungen herstellen, mit denen sich Erkenntnisse über die Funktion der Öfen im archäologischen Experiment gewinnen lassen. Nach den Befunden der Grabungen wurde ein Ensemble aus Rennofen, Ambossstein und Holzkohlegrube beim Besucherbergwerk Frischglück nachgebaut. Es kann als Teil des vom Schloss zum Bergwerk führenden „Spectaculum-Ferrum-Pfades“ besichtigt werden und wird öfters auch experimentell betrieben.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Neuenbürg

Faltblatt „Keltische Eisenherstellung“

Textquellen

Faltblatt „Keltische Eisenherstellung“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.