Berghaupten: Auf den Spuren der Kohlengräber

Foto: Bergwerk Berghaupten, Schornstein der ehem. Kohlenaufbereitungsanlage in Heiligenreute am 14.04.2020.

Dass früher in Berghaupten Bergbau betrieben wurde, war eigentlich einem Zufall zu verdanken. Mitte des 18. Jahrhunderts suche man Heilquellen, stattdessen fand man Steinkohle. Die Steinkohlelager wurden durch Bergknappen der Freiherren Roeder von Diersburg und von der Leyen, Zunsweier, im Jahre 1753 entdeckt. Grundherren vom Dorf Berghaupten waren in jener Zeit das Adelsgeschlecht von Schleys, die im damaligen Schlösschen, dem heutigen Rathaus, ihren Sitz hatten.

Im Jahre 1755 wurden in Zunsweier-Hagenbach mit den eigentlichen Schürfungen begonnen. Das Bergwerk wurde bis nach dem ersten Weltkrieg, also über 160 Jahre lang betrieben. Dabei wurden insgesamt 523.986 Tonnen beste Steinkohle gefördert.

Mitte der 1920er Jahre schloss nach über 160 Jahren Betriebsamkeit das Steinkohlebergwerk. Heute zeugen noch der Bergwerksschornstein und das Bergwerksdenkmal von der Zeit des Kohlereviers Berghaupten.

Kohlebergwerk

Der Grundherr von Berghaupten Freiherr Tobias Ernst von Schleys sowie die Freiherrn von Röder in Diersburg wollten Heilquellen ausfindig machen, denn die Quellen der Heilbäder in der Region wie in Baden-Baden, Badenweiler, im Renchtal waren bei Fürsten, Grafen und der begüterten Schicht sehr begehrt. Die angeheuerten Bergknappen fanden jedoch statt des ersehnten Heilwassers Steinkohle. Gegraben wurde im Hagenbach, in Zunsweier, in Diersburg und in Berghaupten, vor allem im Bereich der Heiligenreute und bei der Bergkuppe Barack, die deshalb so heißt, weil dort die Wohnbaracken der Bergleute aufgestellt waren.

1755 begann man mit der Öffnung der Lager und dem Abbau der Kohle. Im Lehensbrief von 1755 heißt es,” … deren Öffnung dem Publico nützlich seyn und besonders den Unterthanen zu Berghaupten zu mehrerer Nahrung und Verdienst gereichen könnte”. Mit diesem Lehensbrief beauftragte von Schleys, Johannes Bauer, Bürger und Pflugwirt zu Kehl-Dorf “, alle Gänge auf seine Kosten und Gefahr zu öffnen und die Unkosten an sich selbst zu haben”. In dem genannten Trakt verpflichtete sich Johannes Bauer den Wert des fünften Zentners von Steinkohlen an die Herrschaft zu entrichten und vierteljährlich zu bezahlen.

Der Pflugwirt Bauer förderte 40 Jahre lang Kohle. Teilweise waren 100 Mann im Bergwerk tätig, wobei vor allem Zimmerleute benötigt wurden, um die Schächte abzustützen. Im Berghauptener Revier hatte man stets mit großen Wassermassen zu kämpfen, wobei letztlich 20 Zentner Wasser bewältigt werden mussten, um 1 Zentner Kohle zu fördern. Dieses Problem führte die jeweiligen Betreiber immer wieder in große wirtschaftliche Schwierigkeiten, wenngleich ein Gutachten aus dem Jahr 1845 der Kohle bescheinigt, “die Vorzüglichkeit der Berghauptener Kohle ist unbestritten, sie übertrifft die Saarkohle und ist der besten Ruhrkohle gleich, zehrt das Eisen nicht ab, wie andere Steinkohlen und das gröbste Eisen und Stahl kann damit verarbeitet werden.

Stollenmundloch bei der ehem. Bergbauansiedlung Barack (Hagenbach)

Hinweistafel am Standort der Ansiedlung von 1753 am Barrack

Verein „Bürgerliche Fördergemeinschaft zur Erhaltung der Bergwerksanlage
in Bergbaupten e.V.“

Der 1993 gegründete Verein „Bürgerliche Fördergemeinschaft zur Erhaltung der Bergwerksanlage
in Bergbaupten e.V.“ engagiert sich ehrenamtlich um den Erhalt der vorhandenen Bergbau-Werte und beschäftigt sich mit der Erforschung der Bergwerksanlage und dem Erhalt historischer Unterlagen als Zeitzeugnisse für die Nachwelt.

Um das Wissen um die Bergwerksgeschichte weiterzutragen bietet der Verein auch Führungen bzw. Wanderungen an.

Die Berghaupten-Formation tritt als schmaler, WSW–ONO-streichender Streifen zutage. Lithologisch  handelt es sich um eine Abfolge von grauen Arkosen, Grauwacken und Konglomeraten mit eingeschalteten kohligen Schlufftonsteinen und 2–4 m mächtigen Steinkohleflözen, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut wurden. Die Schichtenfolge lagert unmittelbar auf dem Kristallin auf und wurde noch im Karbon von Gneis tektonisch überschoben, weshalb sie keinen stratigraphischen Kontakt zu anderen sedimentären Einheiten hat.

Die größte bekannte Mächtigkeit beträgt etwa 200 m. Infolge der Überschiebungstektonik ist die Abfolge aber örtlich unvollständig erhalten. Die Pflanzenfossilien erlauben eine Einstufung in das Bashkirium (höheres Namur A bis tiefes Westfal).

Textquelle: LGRBwissen

Infomaterialien

agsdi-book

Berghaupten

Steen, Helge: Badische Kohle: Der Steinkohlenbergbau bei Berghaupten und Diersburg nach 1890, BoD – Books on Demand GmbH; 1. Edition (17. August 2005).

Textquellen

Gemeinde Berghaupten

Biberach: Wanderung rund ums Erzbachtal

Auf dieser Strecke zeugen heute noch gewaltige Trichter und interessante Mineralien vom Bergbau (Erzknappenlöcher).

Infomaterialien

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Biberach

Wanderung rund ums Erzbachtal – keine Infomaterialien vorhanden!

Textquellen

Ferienlandschaft Mittlerer Schwarzwald – Gengenbach, Harmersbachtal c/o Kultur- und Tourismus GmbH Gengenbach

Hausach: Hausacher Bergbauwanderweg

Themenrundweg um das Hauserbachtal, der mit vielen interessanten Hinweisen rund um den Bergbau beschildert ist.

Rund um Hausach sind an die 60 Gruben und Stollen nachgewiesen, in denen die Bergleute in früheren Jahrhunderten insbesondere nach Silber und Blei gesucht und oftmals auch solches gefunden und abgebaut haben.

In dem kleinen Freilichtmuseum Erzpoche wird gezeigt, unter welch schwierigen Umständen das geförderte Erz weiter verarbeitet wurde. Dieses kleine Freilichtmuseum ist Ausgangs- und Endpunkt des Bergbauwanderwegs, der selbstverständlich in beide Richtungen begangen werden kann.

Beginnt man in nördicher Richtung, führt der Weg zunächst an der Dorfkirche vorbei, die als Bergmannskirche genutzt wurde. Im Ortsteil Hausach-Dorf erinnern liebevoll gestaltete kleine Denkmale, wie z.B. ein Bergmannsbrunnen, an die bergmännische Vergangenheit.

Der Weg führt weiter über die Burg Husen, vorbei an einem Kohlenmeiler und der nicht zugänglichen Grube Elisabeth (Eingang ist sichtbar) bis zur Kreuzbergkapelle. Von dort über den Reutebauernhof hinunter ins Hauserbachtal. Dort lohnt sich ein kurzer Abstecher zur Hauserbacherkapelle.

Vorbei an mächtigen Schwarzwaldgehöften und einem Wildgehege führt die wenig befahrene Talstraße zurück zum Bergbaufreilichtmuseum.

Infomaterialien

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Hausach

Hausacher Bergbauwanderweg – keine Infomaterialien vorhanden!

Münstertal: Geologisch-bergbaugeschichtlicher Wanderweg

Das Münstertal wurde über Jahrhunderte durch den Bergbau geprägt. Noch bis in die 1950er Jahre war der Einfluss auf das alltägliche Leben und die Wirtschaftskraft des Tales erheblich.

Um die Erinnerung an den Bergbau zu bewahren eröffnete die Gemeinde 1970 im Teufelsgrund das erste Besucherbergwerk im Schwarzwald. Ergänzend dazu wurde im Herbst 1982 der geologisch-bergbaugeschichtliche Wanderweg in Betrieb genommen.

Der Wanderweg soll die Geschichte des Bergwesens erläutern und den erdgeschichtlichen Rahmen der Erzlagerstätten und seiner Entstehung aufzeigen. Konzipiert wurde der Wanderweg von Dr. H. Maus vom geologischen Landesamt Baden-Württemberg, der auch ein Begleitheft zum Lehrpfad erstellte.

Der geologisch-bergbaugeschichtliche Wanderweg Münstertal führt vorbei an zahlreichen Stollen und quert mehrere Erzgänge. Besondere Sehenswürdigkeiten sind das Besucherbergwerk Teufelsgrund im oberen Muldental und Erzaufbereitungsanlagen wie die ehemaligen Poche und die Schmelzhütte Wildsbach oder das ehemalige Walzwerk Muldental.

Der Weg kann auch in zwei kürzeren Rundwegen gelaufen werden:

Ostoute durch das Muldental (ca. 12 km), Station 1 bis 16

Westroute im Münstertal (ca. 5 km), Station 17 bis 28

Start beider Touren ist am Bahnhof Münstertal.

Hinweise zur dargestellten Streckenführung der Ostroute

Auf der Karte wurde die Original-Streckenführung im Muldental um zwei Abstiche ergänzt:

1 x Abstich nach N zur ehem. Grube Teufelsgrund am Standort der heutigen Florianhütte

1 x Abstich nach S zum Walzpochwerk (Adresse: „Mulden 24“)

Die Wegstrecke der „Ostroute“ verlängert sich dadurch um 2 km auf insgesamt ca. 14 km.

Ehemaliges Walzpochwerk, „Mulden 24“ (Foto vom Oktober 2025).

Beschilderung

Die Beschilderungen des Lehrpfades werden leider nicht mehr gepflegt oder instandgehalten, so dass diese teilweise unvollständig oder auch beschädigt sein können. Dies soll Interessierte aber nicht von einer Wanderung abhalten.

(Stand: Oktober 2025)

Übersichtsplan „Geologisch-bergbaugeschichtlicher Wanderweg Münstertal“. Standort: Besucherbergwerk Teufelsgrund (Foto vom Oktober 2025).

Die folgenden Erläuterungen sind dem Begleitheft (3. Auflage von 1993) entnommen. Beschreibungen von Aufschlüssen oder sichtbaren Spuren der Bergbautätigkeit sind heute möglicherweise nicht mehr wie beschrieben vorhanden/zu erkennen.

Ostroute (12 km | 14 km)

Zwar kann die Wanderung auf dem geologisch-bergbaugeschichtlichen Wanderweg an allen Stellen begonnen und ebenso auch beendet werden, doch empfiehlt sich aus verschiedenen Gründen ein Beginn am Bahnhof Münstertal, wo auch ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen.

Vom Bahnhof aus erreichen wir in östlicher Richtung den Laisackerweg, dem wir aufwärts folgen. Wir passieren den Laisackerhof und wenden uns in dem kleinen Wiesentälchen nach rechts. Der schöne Ausblick, den wir von hier aus auf die Ortschaft Münstertal haben, entschädigt schon für die Mühe des Aufstiegs.

Der von hier ab etwa hangparallel verlaufende Weg führt zunächst noch über Wiesen und erreicht dann den Wald.

Die auf dem Hang linker Hand liegenden vereinzelten, großen Gesteinsblöcke bestehen ebenso wie die zwei mächtigen Felsrippen, die wir nach 200 m bzw. 300 m passieren, aus Quarzporphyr, ein Gestein, das wir am besten in dem bald erreichten Steinbruch kennen lernen können.

Station 1: Quarzporphyr

Der hier in früheren Zeiten abgebaute Quarzporphyr zeichnet sich durch seine deutlich hervortretenden Feldspat-Einsprenglinge aus, zentimetergroße, weiße Kristalle, die gelegentlich deutlich parallel geregelt sind. Wesentlich unscheinbarer sind die glasklaren Quarze, die nach Größe und Anzahl weit hinter den Feldspäten zurückbleiben.

Beide Einsprenglingsarten sind in eine graue, feinkörnige bis dichte Grundmasse eingebettet und geben so zu erkennen, dass es sich bei diesem Gestein um ein magmatisches Gestein handelt, das durch Erstarrung aus einer glutflüssigen Schmelze entstanden ist. Diese Schmelze ist in Spalten eingedrungen, die sich durch gewaltige Krustenbewegungen gebildet hatten und auf einer Länge von mehreren Kilometern bis zu einigen hundert Metern geöffnet waren. So gehört auch der im Steinbruch aufgeschlossene Quarzporphyr zu einem Gangkomplex, der sich von hier bis in den Bereich der Etzenbacher Höhe über fast drei Kilometer verfolgen lässt.

Da sich das Gestein durch große Festigkeit auszeichnet und eine gute Witterungsbeständigkeit besitzt, wurde es früher als Werkstein und im Wasserbau sehr geschätzt. Hohe Gewinnungskosten und der preiswerte Beton haben den Porphyr aber weitgehend vom Markt verdrängt.

Fast unmittelbar rechts neben dem Steinbruch liegt die Grenze des Porphyrganges zum Gneis. Der Hangschutt besteht jetzt nicht mehr aus rolligen Porphyrbrocken und einem krümeligen Boden sondern aus Gneisscherben in einem mehr lehmigen Boden. Nach etwa 70 Metern begleitet den Weg hangseits ein Aufschluss im Gneis.

Station 2: Gneis

Der Gneis zeigt sich hier als recht unscheinbares Gestein. Er ist feinkörnig und von dunkelgrauer Farbe, die parallelstreifige Lagentextur ist nur beim genaueren Hinsehen zu erkennen. Das Gestein ist kleinklüftig und zerfällt bei der Verwitterung in scharfeckige oder flachscherbige Bruchstücke, wobei die Farbe von grau nach braun um-schlägt, da der Eisengehalt der Biotite durch den Luftsauerstoff zu Rost oxidiert wird. Gneise dieser Art ergeben bei nicht zu steiler Hangneigung meist einen schweren, stark lehmigen Boden, der das Nieder-schlagswasser lange zurückhält. Der kleinstückige Zerfall deutet andererseits auf geringe Festigkeitseigenschaften hin, die auch nur selten die Ausbildung von Felsnasen zulassen. Der Gneis dürfte hier etwa folgenden Mineralbestand haben: 40% Quarz, 35% Feldspat, 15% Biotit, 10% Cordierit sowie geringe Mengen an Apatit, Zirkon und Magnetit.

Nach wenigen Metern überquert der Weg ein Bächlein. Hier wurden im Bereich des Steges Porphyrbruchsteine zur Sohlenpanzerung verwendet, die die Feldspat-Einsprenglinge sehr gut erkennen lassen.

An der Gabelung folgen wir dem oberen Pfad und stehen nach etwa 50 Metern vor dem Mundloch des Schwärzhaldestollens.

Station 3: Mundloch des Schwärzhaldestollens

Der Schwärzhaldegang verläuft fast in Nord-Süd-Richtung und lässt sich auf etwa 100 m Länge verfolgen. Seine Mächtigkeit ist unbedeutend, sie mag im Mittel etwa bei 20 cm gelegen haben. Der Mineralinhalt weist darauf hin, dass der Bergbau nicht sehr erfolgreich gewesen sein kann, da auf den Halden vorwiegend Schwerspat mit wenig Quarz zu finden ist. An Erzen ist möglicherweise etwas Zinkblende und Bleiglanz vorhanden gewesen, doch können die Mengen nicht groß gewesen sein, da die Bergbauspuren recht unbedeutend sind. So stehen wir hier vor einem ursprünglich nur sehr kleinen Stollen von etwa 30 m Länge.

Der jetzige große Hohlraum ist nicht durch den Bergbau entstanden, sondern er wurde in späterer Zeit angelegt und als Keller genutzt.

Von der Firste (= Decke) dieses Hohlraumes zieht ein kleiner Schacht nach oben, der etwas höher am Hang die Tagesoberfläche erreicht. Dieser ehemalige Luftschacht dient zur Bewetterung (= Belüftung) des Stollens, und zwar war zu diesem Zweck etwa 20 cm unter der Stollenfirste durch eingezogene Bretter ein Hohlraum abgetrennt, die sog. Wetterrösche, deren Undichtigkeiten und Ritzen mit Lehm und Moos verstopft waren. Diese Wetterrösche stand mit dem Luftschacht in Verbindung, durch den infolge einer gewissen Kaminwirkung die verbrauchte Luft abziehen konnte, während durch den unteren Teil des Stollens, in dem sich die Bergleute bewegten, frische Luft einzog.

Weitere Spuren des vermutlich mittelalterlichen Bergbaus sind die noch deutlich erkennbaren Halden und Pingen oberhalb des Luftschachtes mit einem weiteren, über 8 m langen Stollen, der allerdings in späterer Zeit wieder zugesetzt wurde.

Wir kehren nun vom Einschnitt vor dem Stollenmundloch auf den Wanderweg zurück. Nach etwa 20 Metern quert der Weg eine Felsrippe, die zu einem Quarzporphyrgang von etwa 100 Metern Mächtigkeit gehört. Von nun an verläuft der Wanderweg nur noch im Gneis, der hier infolge seiner größeren Festigkeit sogar mehrfach in großen Felsen zutage tritt.

Station 4: Mooswaldgang

Kurz vor der Einmündung des Wanderweges in das Mooswaldtal liegt rechter Hand unterhalb des Weggeländers das Mundloch eines kleinen Stollens, der kaum mehr als solcher zu erkennen ist. Er ist auf einem Gang angesetzt, der von hier in nördlicher Richtung ins Mooswaldtal hinüber zieht. Etwas höher am Hang erkennt man noch einen kleinen Verhau, von dem aus ein etwa 6 m langer Stollen abgeht. Jenseits des Rückens markieren eine Pinge und ein Verhau den weiteren Verlauf des Ganges. Den besten Einblick in den umfangreichen Bergbau auf diesem Gang vermittelt jedoch das Stollensystem, das sich hinter einem ehemaligen Bierkeller direkt am Hangfuß in den Berg hineinzieht. Da die Stollen, die dem Gang folgen, sehr eng und niedrig sind und nur Spuren von Schlägel- und Eisenarbeit aufweisen, dürfte der Bergbau hier schon vor dem 30jährigen Krieg umgegangen sein.

Der Gang ist bis zu 30 cm mächtig und führt neben Quarz und Schwerspat fein verteilten, silberreichen Bleiglanz, eisenarme, hellbraune Zinkblende und Pyrit.

Hinter der nächsten Wegbiegung liegt linker Hand ein Entlastungsschacht der Wasserleitung, die die Gemeinden Münstertal und Staufen mit Trinkwasser aus dem Obertal versorgt. Wir gehen das Mooswaldtal abwärts und überschreiten den Neumagen auf der Straßenbrücke.

Station 5: Neumagen

Der Neumagen, übrigens der einzige „männliche“ Schwarzwaldfluss, entwässert bis zu seinem Austritt in die Rheinebene eine Fläche von etwa 66 km2. Trotz dieses relativ kleinen Einzugsgebietes ist seine Wasserführung — im Jahresdurchschnitt gesehen — recht groß, nămlich 1.750 Liter pro Sekunde, wobei dieser Wert sich im Winter auf 2.140 Liter pro Sekunde erhöht und im Sommer auf 1.370 Liter pro Sekunde absinken kann. Bei extremer Trockenheit oder bei Hochwasser verschieben sich diese Werte noch weiter. So war der Neumagen im Sommer 1952 mit nur 30 Litern pro Sekunde fast zu einem Rinnsal ausgetrocknet, während des Hochwassers im Jahre 1969 führte er dagegen als reißender Fluss fast 40.000 Liter pro Sekunde.

Vergleicht man die durchschnittliche Wasserführung des Neumagens mit der anderer Schwarzwaldflüsse, die ein gleich großes Einzugsgebiet haben, so stellt man fest, dass der Neumagen pro Quadratkilometer Einzugsgebiet 26,5 Liter Wasser liefert, die Kander dagegen nur 14,3 Liter, die Schutter 9,5 Liter, die Pfinz 7,4 Liter und die Stockacher Aach sogar nur 6,8 Liter.

Die Ursache liegt darin, dass das Einzugsgebiet des Neumagens bis in große Höhen hinaufreicht und vorwiegend nach Westen gerichtet ist. Die von Westen heranziehenden Wolken bringen hier also auch sehr hohe Niederschläge.

Ein Blick in das Bachbett zeigt, dass die Transportkraft des Wassers, besonders bei Hochwasser, recht groß ist. Der Anteil an kleinem Geröll ist relativ gering, Sand fehlt fast vollständig, während Steine bis zu einem halben Meter Durchmesser keine Seltenheit sind.

Während der Eiszeiten war die vom Neumagen transportierte Geröllfracht wesentlich größer, so dass sich das Tal allmählich mit Schotter auffüllte. Reste dieser ehemaligen Talfüllung sind als Terrassen erhalten geblieben, da sich Bäche und Flüsse in der Nacheiszeit schnell in den weichen Untergrund eintieften und dann nicht mehr in der Lage waren, ihr Bett zu verlegen. Auf einer derartigen Terrasse liegt auch das Kloster St. Trudpert, wie man von der Neumagenbrücke aus gut erkennen kann.

Wir folgen dem Gehweg neben der Straße und steigen dann zum Kloster hinauf.

Station 6: Kloster St. Trudpert

Man nimmt an, dass der Eremit Trudpert um das Jahr 600 ins Münstertal kam und hier mit Unterstützung des Landgrafen Albert eine Einsiedelei gründete. Nach Trudperts Ermordung im Jahre 607 durch einen unzufriedenen Knecht vollendete Albert die Einsiedelei für andere, inzwischen zugewanderte Mönche, doch hatte dieses Kloster keinen Bestand. Erst mit der Neugründung durch den Grafen Rampert um das Jahr 800 entwickelte sich ein beständiges und aufwärtsstrebendes Klosterwesen, an dem allerdings die Wirren der Zeit nicht ohne Spuren vorübergingen, doch verstanden es die meisten Äbte, Einfluss und Vermögen des Klosters zu mehren.

Die Geschichte des Münstertales ist in hohem Maße geprägt vom Kampf der weltlichen Herren und des Klosters um den Besitz der Silbergruben. Es ist mehrfach angenommen worden, dass der Bergbau hier wie auch in anderen Erzrevieren des Schwarzwaldes erst durch die Gründung der Rodungsklöster erwachte, dass also die Erzgänge erst bei der Rodung der Wälder gefunden wurden. Wahrscheinlicher ist jedoch der umgekehrte Vorgang, dass nämlich die Klöster an den Stellen gegründet wurden, wo bereits vorhandener Bergbau gute Erträge brachte. So waren denn auch die Äbte von St. Trudpert stets bemüht, wenigstens einen Teil des klingenden „Bergsegens“ auf ihr Kloster zu leiten, ja, sie trieben zeitweilig sogar selbst Bergbau und hatten alle Grubenangelegenheiten einem Pater Bergdirektor übertragen. Im Jahre 1719 ließ das Kloster sogar eine Bergwerksmedaille prägen, die mit der Umschrift „Felix reparatio metallifodinarum trudpertinarum sub Augustino abbate pio felici 1719“ an die glückliche Wiedereröffnung der trudpertinischen Erzgruben unter dem Abt Augustinus erinnert.

Die zunächst im romanischen Stil erbaute Klosterkirche wurde zu Anfang des 15. Jahrhunderts umgebaut und erhielt einen gotischen Chor. Nach der Zerstörung des gesamten Klosters durch schwedische Truppen im Jahre 1632 wurde der Wiederaufbau 1639 begonnen und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts fortgeführt. Durch die Säkularisation wurde das erste rechtsrheinische Kloster nach fast genau 1200 Jahren Bestand aufgelöst. Über ein Jahrhundert diente dann das z.T. umgebaute Kloster als „Schloß St. Trudpert“ der Adelsfamilie v. Andlaw als Sommersitz, bis es im Jahre 1920 durch Kauf an die Schwestern vom Heiligen Josef überging.

Neben den baulichen Sehenswürdigkeiten bietet das Kloster dem interessierten Besucher noch eine große Zahl weiterer Kostbarkeiten, denen man am besten einen Extra-Besuch widmet.

Wir wenden uns vor dem Kloster nach rechts und erreichen über die asphaltierte Straße den Ortsteil Prestenberg. Hier stossen wir auf ein eigenartiges Phänomen: Der Bach, der das Tal ursprünglich ausgeräumt hat, verläuft heute auf dem rechten Talhang und hat sich hier um etwa 3 m bis unter die frühere Talsohle eingetieft. Dieser Vorgang wurde durch die künstliche Verlegung des Baches hervorgerufen und war nur deshalb möglich, weil der Talgrund aus einer mächtigen Schicht von Gneisverwitterungslehm besteht, in die sich der Bach nach seiner Verlegung einschneiden konnte.

Über den Fuß des Münsterberges erreichen wir den Gufenbacher Grund, in dem wir aufwärts steigen und uns dann nach Westen wenden. Schon am Hang des Eichbodens entlang liegt das Münstertal vor uns, den besten Ausblick genießen wir aber vom Aussichtspunkt am Eichboden, wo Ruhebänke zur Rast einladen.

Station 7: Das Münstertal

Das Münstertal ist Teil einer geologischen Bruchzone, die schon vor über 200 Millionen Jahren aktiv war. Ahnlich dem Rheingraben hat sich damals ein Graben in WNW-ESE-Richtung gebildet, dessen Ränder staffelförmig anstiegen. Die morphologisch markanteste Spur dieses Grabens verläuft durch das Untermünstertal, das Muldener Tal, über das Krin-nerloch hinüber ins Aiterner-Tal, wird also auf fast der gesamten Linie von Bächen nachgezeichnet, die das in diesem Bereich schon zerbrochene Gestein leicht ausräumen konnten. Der Absenkungsbetrag wird mit 600 bis 800 m angenommen, sicherlich ein nicht überwältigender Wert, wenn man von 3.000 bis 4.000 m Absenkung beim Rheingraben ausgeht, doch gewinnt man eine ungefähre Vorstellung von dieser Höhe, wenn man bedenkt, dass der eigene Standort (Eichboden) etwa 200 m über der Talsohle liegt, und nach weiteren 200 m erst der Gipfel des Wildsbacher Kopfes erreicht ist.

Nach dem Zusammenfluss von Neumagen und Talbach öffnet sich das Tal auf eine Breite von durchweg 400 m und erreicht nach 6 km zwischen Staufen und Grunern die Rheinebene. Die flache Talsohle besteht aus Schottern, die bei Grunern eine Mächtigkeit von 16 m haben.

Beim Blick nach Norden erheben sich auf der rechten Talseite der Kohlbühl, der Maistollen, der Laitschenbacher Kopf, die Rödelsburg mit dem vorgelagerten Lattfelsen, der Hexenboden, die Etzenbacher Höhe (etwas verdeckt) und direkt vor Staufen der Messerschmiedfelsen. Auf der linken Talseite beherrscht der Wildsbacher Kopf mit seinen Ausläufern „Köpfle“ und „Galgenhalde“ das Panorama.

Bei klarem Wetter reicht der Blick bis weit in die Rheinebene. Jenseits des Rheintals erheben sich die Vogesen, besonders markant mit der höchsten Erhebung, dem Großen Belchen (erkennbar in gerader Linie über die Galgenhalde hinweg), nach Norden schließen sich der Kleine Belchen und Hohneck an.

Beim Blick auf die jenseits des Talbaches liegenden Wiesen an den Hängen des Sägenbühls erkennt man, besonders bei flacher Sonneneinstrahlung und wenn das Gras noch kurz ist, einzelne kleine Senken und Erhebungen als Spuren eines uralten Bergbaus, von dem wir keinerlei Kunde mehr haben.

Wir folgen nun den Wanderweg bergauf bis zur Forststraße, auf der wir uns nach rechts wenden. Steile Böschungen an der Straße deuten hier schon auf anstehendes Gestein, und nach etwa einem Kilometer zeigt sich in größeren Anbrüchen der Metatexit.

Station 8: Metatexit

Hinter diesem Fachwort verbirgt sich eigentlich nichts weiter als ein Gneis höheren Metamorphosegrades. Seine von den normalen Gneisen etwas abweichende Struktur rechtfertigt allerdings die Aufstellung eines eigenen Gesteinstyps. So unterscheidet sich der Metatexit vom Gneis z.B. dadurch, dass seine ursprünglich homogen verteilten Bestandteile Quarz, Feldspat und Glimmer bei der Metamorphose, d.h. unter hohen Temperaturen und Drücken sich im Kleinbereich voneinander trennten, wodurch ein Gestein entstand, das in lagenweisem Wechsel aus Feldspat und Quarz (helle Lagen) und Biotit und Cordierit (dunkle Lagen) aufgebaut ist. Diese Lagen sind gelegentlich gebogen und gefaltet und spiegeln so die Bewegung der ehemals zähplastischen bis halbflüssigen Gesteinsmasse wider.

Da durch die erhöhte Metamorphose bei der Umwandlung von Gneisen zu Metatexiten keine neuen Minerale entstanden, sondern sich die Mengenverhältnisse nur unwesentlich veränderten, treffen wir in den Metatexiten in etwa den gleichen Mineralbestand an wie in den Gneisen, nämlich ca. 30% Quarz, 30% Feldspat, 20% Biotit und 20% Cordierit, sowie geringe Mengen von Apatit, Zirkon und anderen Mineralen.

Naturgemäß sind die Übergänge vom Gneis zum Metatexit fließend, so dass eine scharfe Grenze zwischen beiden Gesteinen nicht gezogen werden kann. Diese Erscheinung ist auch in den Aufschlüssen entlang der Forststraße zu beobachten, wo sich deutlich hell/dunkel-lagige Gesteinspartien mit solchen mehr homogener Struktur abwechseln.

Die Metatexite sind wie die Gneise vor etwa 450 Millionen Jahren aus noch weit älteren Sedimenten entstanden. Wesentlich jünger, nämlich nur etwa 280 Millionen Jahre alt ist der Porphyrgang.

Station 9: Porphyrgang

Ähnlich dem Porphyrvorkommen an der Schwärzhalde gehört auch dieser Porphyraufschluss zu einem größeren, ca. 3 km langen Gang, der allerdings kaum je eine Mächtigkeit von 100 m erreicht. Er zieht sich in Ost-West-Richtung vom Glanzenberg durch den Teufelsgrund über das Häldele bis zum Ortsteil Neuhäuser und lässt sich sogar noch jenseits des Talbaches verfolgen.

Zusammen mit den zahlreichen anderen Quarzporphyrgängen des Münstertales dokumentiert er für die Zeit des Oberkarbons eine ausgeprägte magmatische Aktivität, von der wir allerdings nur die innerhalb der Erdkruste hinterlassenen Spuren, nämlich die Porphyrgänge kennen. Ob die Bildung der Gänge mit einer vulkanischen Tätigkeit an der Erdoberfläche verbunden war, können wir heute nicht mehr nachweisen, da die nachfolgende Erosion alle Spuren vernichtet hat.

Gelegentlich kann man, wie auch hier, die Grenze des Porphyrs gegen das Nebengestein gut erkennen. Sie verläuft hier steil in den Berg hinein und ist absolut scharf, d.h. es gibt keinen allmählichen Ubergang vom Porphyr zum Nebengestein. Der Porphyr ist an seinem Salband, d.h. am Rand, sehr feinkörnig und ohne größere Einsprenglinge. Diese erkennt man erst in einiger Entfernung vom Kontakt.

Die Quarzeinsprenglinge werden hier bis zu 1 cm groß und erscheinen im frischen Anbruch wasserklar und glasglänzend. Die Feldspateinsprenglinge sind durch Zersetzungsvorgänge im Kern braun oder grau getrübt, während der Rand hell geblieben ist. Durch die Verwitterung ist die ehemals durch den Straßenbau frisch angeschnittene Gesteinsoberfläche unscheinbar geworden und lässt nur bei genauem Hinsehen Einzelheiten erkennen, erst bei frisch aufgeschlagenen Stücken werden auch Feinheiten des inneren Aufbaus sichtbar.

Wir folgen dem Forstweg bis zur Einmündung auf die asphaltierte Forststraße. Hier stehen wir nahe dem verschütteten Mundloch des Michaelstollens auf dem Teufelsgrundgang. Der Blick hangabwärts zeigt uns die Halde des Trudpertstollens.

Station 10: Teufelsgrundgang

Halde des Trudpertstollens

Schon in den allerfrühesten Zeiten des Bergbaus war es üblich, das taube (d.h. erzfreie) bzw. geringhaltige Gestein in der Nähe der Stollen und Schächte abzulagern. Die auf diese Art entstandenen Halden bieten heute der Wissenschaft oftmals die einzigen Anhaltspunkte über den Bergbau in vorhistorischer, aber nicht selten auch in historischer Zeit, wenn die entsprechenden schriftlichen Urkunden fehlen. Darüber hinaus kann der Fachmann dem Haldenmaterial Angaben über die Art der Lagerstätte, die Art des Abbaus u.a.m. entnehmen.

Der Trudpertstollen ist einer der Stollen, über den der Teufelsgrundgang abgebaut wurde. Der Stollen hat eine Länge von etwa 800 m und stößt an seinem Ende auf den Schindlergang. Er ist wenige Meter hinter dem Stollenmundloch verbrochen, über den Schindlergang ist er allerdings noch über eine längere Strecke begehbar.

Das Haldenmaterial besteht vorwiegend aus dem tauben Nebengestein des Ganges, doch sind Stücke mit Gangmaterial nicht selten. Am häufigsten ist weißer und gelblicher Schwerspat, gelegentlich mit rosettenartigen Kristallrasen, neben Spaltstücken von fast glasklarem Flussspat. Schwarzbraune Zinkblende und grauer, auf frischen Spaltflächen metallisch glänzender Bleiglanz sind neben Pyrit die häufigsten Erzminerale.

Neben wenigen anderen, seltenen Primärmineralen des Teufelsgrundganges findet man ebenso selten die wenigen Sekundärminerale, die aus der Zersetzung der Primärminerale hervorgegangen sind, während die jüngste Neubildung in Form von Rost die gesamte Halde imprägniert hat. Dieser Rost entsteht durch die Zersetzung des Pyrits, wenn die eisenhaltigen Lösungen mit dem Luftsauerstoff in Verbindung kommen. Aus diesem Grund eignen sich die pyrithaltigen Stufen aus dem Teufelsgrund auch nicht zur Aufbewahrung, da sie im Laufe der Jahre zerfallen.

Und nun noch ein Wort zu den Mineraliensammlern:

Seien Sie vorsichtig beim Begehen der Halde und beim Zerklopfen der Steine und denken Sie daran, dass nach Ihnen noch andere kommen, die ebenfalls gern ein Erinnerungsstück mit nach Hause nehmen möchten.

Wir folgen jetzt der Asphaltstraße aufwärts und erreichen nach etwa 700 m einen abwärts führenden Fußweg, auf der wir die Verhaue auf dem Schindlergang erreichen.

Station 11: Verhaue auf dem Schindlergang

Unter Verhau versteht der Bergmann einen tiefen, oft schluchtartigen, von der Erdoberfläche hinabreichenden Abbau. Diese Art der Erzgewinnung wurde von den Bergleuten früherer Jahrhunderte immer dann angewandt, wenn das Nebengestein standfest war und ein baldiges Nachbrechen nicht befürchtet werden musste. Auf diese Weise wurden nämlich alle Schwierigkeiten umgangen, die sich aus der Beleuchtung und Belüftung ergaben, da der Bergmann im Verhau praktisch im „Tagebau“ arbeitete. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte brachen dann aber doch meist die Seitenwände nach und es blieben oft nur langgestreckte, schmale Mulden übrig, die den Verlauf des abgebauten Ganges kennzeichnen.

Über das Alter der Verhaue auf dem Schindlergang wissen wir nichts Genaues. Sie markieren hier einen gut ver-erzten, d.h. silberreichen Teil des Ganges, der vermutlich im Mittelalter abgebaut wurde. Der unter dem Verhau liegende Hohlraum reicht bis fast auf die Trudpertstollen-Sohle, also etwa 50 m tief hinab, die Mächtigkeit des Ganges erreichte dabei stellenweise bis zu 10 Metern. An abzweigenden Stollen sind noch Spuren vom Feuersetzen zu erkennen, ein Zeichen für das hohe Alter des Bergbaus. 

Der Verlauf des Schindlerganges, der mit seiner Länge von 1.400 m von den Schindelköpfen bis in den Kaltwassergrund reicht, ist auf seiner gesamten Erstreckung durch derartige Verhaue, Pingen (d.h. Einsturzmulden) und Halden gekennzeichnet. Auf unserem Weg den Schindelgrund hinab begleiten sie uns bis zum Schaubergwerk Teufelsgrund.

Station 12: Schaubergwerk Teufelsgrund

Das Schaubergwerk erschließt den Besuchern nur einen kleinen Teil der ehemaligen Grube Teufelsgrund, nämlich etwa 500 m des Friedrichstollens im Schindlergang.

Dieser Stollen wurde erst in der letzten Betriebsperiode aufgefahren, er stellt daher eine relativ moderne Arbeit dar. Auf den ersten Metern musste der Stollen gegen nachbrechendes Gestein durch Ausbau gesichert werden. Hinter der Wettertür, die die Belüftung in der Grube regelt, ist nur noch die Firste (d.h. die Decke des Stollens) mit Spritzbeton befestigt, da der Gneis hier standfest genug ist. Im Bereich des Betonausbaus, d.h. von 100 bis 115 m durchquert der Stollen den Erzgang, der an dieser Stelle schon vor langer Zeit abgebaut worden ist.

Von 160 bis 200 m verläuft der Stollen durch einen Quarzporphyr-Gang, dessen Kontakt zum Gneis bei der Abzweigung des Asthma-Therapie-Stollens gut zu erkennen ist. Erst bei 350 m erreicht der Stollen den Erzgang, der zunächst nur geringmächtig ist, sich aber nach 30 m zu seiner vollen Mächtigkeit entwickelt. Die gut ausgeleuchteten, abgebauten Gangteile vermitteln einen ausgezeichneten Eindruck von der Arbeit der Bergleute unter Tage. Der hinter der Maschinenkammer gelegene Blindschacht von etwa 180 m Tiefe lässt die wirkliche Ausdehnung des gesamten Grubengebäudes erahnen, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich der Stollen an dieser Stelle schon etwa 200 m unter der Erdoberfläche befindet.

Obwohl die erste urkundliche Erwähnung bergbaulicher Tätigkeit auf dem Schindlergang erst aus dem Jahre 1512 datiert, haben wir doch durch holzkohleführende Schlackenfunde die Gewissheit, dass der Bergbau in dieser Grube mit Sicherheit über 1.000 Jahre alt ist.

Zunächst war der geringe Silbergehalt das Ziel des Abbaus, da vor der Entdeckung Amerikas mit seinen reichen Silbergruben in Europa das Silber die heutige Stelle des Goldes einnahm. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebte der Bergbau eine neue Blüte, diesmal wegen des Bleis, das auf dem Teufelsgrund- und Schindlergang in Form von Bleiglanz auftritt. Das Blei fand vielfach Verwendung, z.B. bei der Fensterverglasung, als Geschoß in den Feuerwaffen, als Material für Wasserrohre, bei der Glasur von Tonwaren usw. Mit dem Niedergang des Bergbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand auch die Bleiperiode ihr Ende.

Dem Versuch einer Schwerspatgewinnung in den Dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts war wegen der geringen Vorräte und der hohen Aufbereitungskosten kein dauerhafter Erfolg beschieden, ähnlich wie dem Abbau von Flussspat, der 1941 aufgenommen und 1958 wegen ungenügender Vorräte wieder eingestellt wurde.

Nähere Angaben über das Schauberowerk und die Grube Teufelsgrund enthält die Broschüre „Schaubergwerk Teufelsgrund“ die bei der Kurverwaltung oder am Schaubergwerk erhältlich ist. Wir folgen dem Lehrpfad am Schaubergwerk vorbei in den Kaibengrund, wo wir linker Hand nach knapp 200 m auf weitere Spuren alter Bergbautätigkeit stossen.

Station 13: Kaibengrundgang

Der Kaibengrundgang ist mit 30 bis 40 cm Mächtigkeit für unsere heutigen Begriffe sehr geringmächtig, da jedoch im Bergbau des Mittelalters andere Maßstäbe galten, wurde auch dieser Gang abgebaut. Über den Umfang der Bergbautätigkeit ist nichts bekannt, lediglich der Verhau und die sich nach Nordosten anschließende Pingenreihe geben Kunde von den Bemühungen früherer Zeiten.

Auch der Verlauf des Ganges ist uns nur auf etwa 100 m Länge belegt, so dass wir nur vermuten können, dass der Kaibengrundgang südlich des Eingangs zum Schaubergwerk auf den Schindlergang stösst.

Beide Gänge führen nämlich die gleichen Minerale, also hauptsächlich Flussspat, Quarz, Schwerspat, Bleiglanz und Zinkblende, weshalb sie gleicher Entstehung sein dürften, zumal sie mit einer Reihe von weiteren Gängen auch dem gleichen tektonischen System angehören.

Wir wenden uns nach Süden und erreichen über den Steg, der den Kaibengrundbach und das Glanzenbächle überquert, nach kaum 200 m im Holzschlaggrund das Mundloch des Leopoldstollens.

Station 14: Leopoldstollen

Der Leopoldstollen ist querschlägig auf den Herrenwaldgang angesetzt, d.h. er verläuft fast senkrecht zu diesem und erreicht ihn nach 280 m. Im Gang selbst ist er nach Nordosten und Südwesten jeweils etwa 100 m aufgefahren, Abbaue befinden sich nur über dem Stollen.

Der Herrenwaldgang selbst ist mit 1.750 m nachgewiesener Länge länger als der Schindlergang (1.400 m), zudem konnte durch neuere Untersuchungen nachgewiesen werden, dass nach Südosten eine Fortsetzung existiert, die eine Gesamtlänge des Ganges von über 2.500 m wahrscheinlich macht.

In der Mineralführung entspricht auch er in etwa dem Schindlergang, doch ist der Nordostteil durch das geringe Vorkommen von Flussspat und Schwerspat gekennzeichnet, Quarz ist hier häufig. Der mittlere Gangteil führt viel Flussspat, z.T. in bis zu 40 cm großen Kristallen, die allerdings durch zirkulierende Lösungen vielfach stark an-geätzt sind. Auch Schwerspat ist hier häufig, ebenso wie im Südwestteil des Ganges, wo der Flussspat praktisch fehlt.

Zahlreiche Pingen, Halden und verstürzte Stollen deuten darauf hin, dass der Herrenwaldgang zeitweise einen lebhaften Bergbau gesehen hat, dessen Blüte im Mittelalter gelegen haben dürfte. Untersuchungen im Jahre 1957 haben die erhofften Flussspatvorräte nicht nachweisen können, so dass Bergbauversuche in neuester Zeit unterblieben sind.

Vor dem Stollenmundloch des Leopoldstollens ist auf weiter Fläche Haldenmaterial verbreitet, das gelegentlich noch schöne Stücke von derbem Erz enthält. Gut erhaltene Kristallstufen sind hier allerdings nicht zu erwarten, da durch Planierarbeiten und das Befahren mit schweren Holzfahrzeugen empfindliche Kristalle kaum erhalten geblieben sind.

Wir kehren zurück ins Muldener Tal und stossen ca. 800 m unterhalb des Besuchsbergwerks rechter Hand auf die kaum mehr erkennbaren Reste der ehemaligen Grube Teufelsgrund.

Station 10a: Grube Teufelsgrund

Unter diesem Namen wurde der Bergbaubetrieb geführt, der von 1942 bis 1958 von den Vereinigten Stahlwerken GmbH hier unterhalten wurde.

Zu der Grube gehörten der Teufelsgrund- und der Schindlergang, die gemeinsam abgebaut werden konnten, da sie tief im Berg miteinander in Verbindung stehen. Der Flussspat, der früher als wertloses Mineral nicht gewonnen wurde oder als Versatz zum Auffüllen von Hohlräumen wieder in die Grube verbracht wurde, war diesmal Ziel des bergbaulichen Interesses und wurde hauptsächlich als Flussmittel bei der Verhüttung von Eisenerz verwendet. Der Abbau ging zunächst oberhalb des Wilhelmstollens im Teufelsgrundgang um (das Mundloch des Stollens liegt ca. 40 m über der Straße), später – nach dem Abteufen des Blindschachtes – verlagerte sich der Abbau mehr auf den Schindlergang, doch wurden hier beim Auffahren der 4. Sohle nicht die erhofften Vorräte angetroffen, so dass der Grubenbetrieb eingestellt werden musste.

Auf der Halde des Wilhelmstollens standen die Aufbereitung und die Verladeanlage. Hier wurde das aus der Grube geförderte Haufwerk zunächst gewaschen und sortiert. Taubes Gestein wurde ausgeschieden, der reine Flussspat stellte das beste Fördergut dar. Verwachsene Stücke wurden zerkleinert und anschließend durch Aufbereitungsmaschinen in „brauchbar“ und „nicht brauchbar“ getrennt. Der früher so gesuchte Bleiglanz wurde nicht gewonnen, sondern ging mit dem tauben Gestein und den anderen, nicht verwertbaren Mineralen auf die Halde. Das Flussspat-Konzentrat wurde auf LKW verladen und nach Breisach transportiert, von wo es per Schiff zu den Hütten im Ruhrgebiet verfrachtet wurde.

Wir wenden uns nun weiter talabwärts, verlassen aber schon nach kurzer Strecke die Fahrstraße und folgen dem hangparallel verlaufenden Weg. Nach etwa 400 m sehen wir im Talgrund jenseits des Muldenbaches das langgestreckte Gebäude des ehemaligen Walzpochwerks.

Station 15: Walzpochwerk

Das Gebäude wurde um 1835 vom Badischen Bergwerksverein errichtet und enthielt die Anlagen zur Zerkleinerung der Erze, die in den talaufwärts gelegenen Gruben, also vorwiegend im Teufelsgrund, Schindler- und Herrenwaldgang gewonnen wurden.

Die Aufbereitung der Erze hat sich im Prinzip seit zweitausend Jahren nicht geändert. Das zutage gebrachte Material wurde zuerst sortiert in reines und verwachsenes Erz und taubes (= erzfreies) Gestein, eine Arbeit, die häufig von Frauen und Kindern ausgeführt wurde.

Das reine Erz wanderte direkt in den Röstofen, während das taube Material entweder als Versatz wieder in die Grube verbracht oder auf Halde gekippt wurde. Das mit tauben Mineralen verwachsene Erz, häufig der größte Teil des Fördergutes, musste zur weiteren Aufbereitung zunächst zerkleinert werden. Hierzu bediente man sich verschiedener Methoden.

Grob verwachsenes Erz wurde im Pochtrog von schweren, eisenbewehrten Holzstempeln zerstampft, für fein verwachsenes Erz waren Erzmühlen notwendig. Bei der anschließenden Erzwäsche trennte sich im fließenden Wasser das taube Material infolge seines geringen spezifischen Gewichts vom Erz, das nach dem Rösten in den Schmelzöfen zu reinem Metall verhüttet wurde.

Poche und Mühle blicken also auf eine lange Geschichte zurück, während die Erzzerkleinerung zwischen zwei rotierenden Walzen, wie sie hier in diesem Gebäude installiert waren, eine Erfindung der Neuzeit ist.

Der Antrieb erfolgte früher vorwiegend durch Wasserkraft, erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ersetzte die Dampfmaschine teilweise das Wasserrad, bis auch sie im 20. Jahrhundert durch den Elektromotor verdrängt wurde.

Wir wandern weiter das Muldener Tal hinab bis zur Mündung des Muldenbaches in den Talbach. Rechter Hand liegt hier das Gashaus Neumühle zur Krone.

Station 16: Gasthaus Neumühle zur Krone

Gasthaus Neumühle zur Krone, das in zweifacher Hinsicht von historischer Bedeutung ist. Zum einen erinnert der Name „Neumühle“ an die ehedem zwischen Straße und Talbach gelegene „neue Mühle“, die die Energie des wasserreichen

Talbachs zum Betrieb einer Getreidemühle ausnutzte. Diese Mühle wurde im Jahr 1717 vom Kloster St. Trudpert unter dem Abt Augustin Sengler erbaut und wurde zur Unterscheidung von der Wasenmühle (in der Rotte Wasen) und der alten Mühle (gegenüber dem Kloster auf dem Gewann Mühlematten) die „neue Mühle“ genannt. Für den Bergbau aber war die neue Mühle insofern von Bedeutung, als gleichzeitig mit dem Mahlrecht auch eine „Wirtschaftsgerechtigkeit“ verbunden war, d.h. der Müller durfte Gäste bewirten und beherbergen.

Ob die Wirtsstube schon damals „Zur Krone“ hieß, ist nicht sicher, doch war sie für die zahlreichen Bergleute, die durch den gerade wiederauflebenden Bergbau des Muldener Tales in den Gruben Teufelsgrund, Schindler, Herrenwald und Glanzenberg ihr Brot verdienten, der Mittelpunkt des geselligen Lebens. Über der heutigen Gaststube befand sich ein großer Saal, in dem, geregelt durch kirchliche Erlaubnis, auch die Tanzvergnügen stattfanden. Bei der Renovierung des Gebäudes im Jahre 1961 entdeckte man eine Reihe von verschiedenen Münzen unterschiedlichster Herkunft, die den Tänzern und Zechern aus dem Beutel gefallen und in die Bodenritzen gerollt waren.

Doch kamen nicht nur Bergleute in die „Krone“, auch „feine Herren“ wusste der Wirt standesgemäß zu bedienen, und für eine bequeme Unterkunft standen sogar beheizbare Zimmer zur Verfügung. Seit der erste Privateigentümer (Karl Pfefferle, gest. 1737) Mühle und Wirtshaus übernommen hat, ist der Betrieb (mit einer kurzen Unterbrechung in Familienbesitz, und wie in früheren Tagen kehren auch heute noch Bergleute und Bergverwandte dort gern zu einem Trunke ein.

Unser Weg führt uns nun weiter am Talbach entlang durch die Sägegasse. Auch das hier liegende Sägewerk nutzte die Wasserkraft des Talbaches über einen Hangkanal zum Antreiben eines Wasserrades, das seinerseits das Sägegatter in Bewegung setzte. Derartige Sägen waren und sind in einem so waldreichen Gebiet, wie es das Münstertal darstellt, früher und heute von großer Bedeutung, denn hier wurde das Holz verarbeitet, das nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle für die Gemeinde und viele Einwohner darstellt.

Am Ende der Sägegasse wechselt der Weg auf das Wiesengelände über und verläuft hier z.T. direkt am Fuße des Talhanges, der stellenweise sogar stark felsig ausgebildet ist und dann schöne Aufschlüsse im Gneis zeigt. Uber eine längere Strecke begleitet er aber auch den Talbach und bietet so – besonders bei niedrigem Wasserstand – einen guten Blick auf die bunte Schotterfracht eines Gebirgsbaches, dessen Einzugsgebiet eine große Vielfalt verschiedener Gesteine enthält: Porphyre mit großen, weißen Einsprenglingen, unscheinbare Gneise, kräftig gebänderte oder gefaltete Metatexite, dunkelgrüne Amphibolite mit weißen Schlieren, körnige Granite und mit zahlreichen Feldspäten gespickte Metablastite. An einigen Stellen sieht man im Wasser sogar noch anstehende Quarzporphyrgänge, die vom jenseitigen Talhang herabziehen.

Am Schluss des ersten Teils unserer Wanderung sei noch auf einen Erzgang hingewiesen, dessen nördliches Ende bei der Rotte Ziegelplatz liegt. Von hier zieht er nach Süden durch das Süßenbrunntal bis zum Schloßberg östlich des Rammelsberger Ecks und erreicht so eine Länge von über 4 Kilometern. Mit einer Mächtigkeit von bis zu 2 Metern gehört er zu den größten Gängen des Münstertales und hat doch nie eine besondere Bedeutung erlangt, da er vorwiegend Quarz und Flussspat enthält und somit für den früheren Bergbau ohne großes Interesse war. Dass aber trotzdem auch hier nach den wertvollen Silbermineralen gesucht wurde, beweisen die Pingen und Halden in seinem Verlauf. In den Jahren 1955/56 wurde im Südteil des Ganges sogar noch ein 370 m langer Stollen aufgefahren, mit dem die Qualität des Flussspates erkundet werden sollte. Die Funde entsprachen jedoch nicht den Erwartungen, so dass ein Abbau nicht aufgenommen wurde.

Ähnlich verhielt es sich auf einigen anderen Gängen, so dass die Hoffnung, den Bergbau im Münstertal aufrecht erhalten zu können, im Jahre 1958 endgültig begraben wurde, als die Grube Teufelsgrund den Betrieb einstellte. Der Zukunft mag es überlassen bleiben, ob jemals wieder ein Bergmann im Münstertäler Revier sein Werkzeug zur Hand nimmt, um aus Stollen und Schächten die Schätze der Erde ans Licht des Tages zu fördern.

Eingang zum Besucherbergwerk Teufelsgrund (Friedrichstollen, Foto vom Oktober 2025).

Westroute (5 km)

Wie am Beginn der Ostroute wenden wir uns nach Osten und verlassen die Hauptstraße vor dem Gebäude der Post nach Norden. Über den Laisackerweg passieren wir den Laisackerhof, den wir im Norden umgehen. Nur wenige Meter hinter dem Anwesen liegt rechter Hand das Mundloch des Laisackerstollens.

Station 17: Laisackerstollen

Der Laisackergang, auf den dieser Stollen angesetzt war, zieht von der Schwärzhalde in südwestlicher Richtung ins Tal herunter. Die Länge des Ganges beträgt um 200 m, die Mächtigkeit weniger als 1 m.

Oberhalb und unterhalb des Köpfleweges finden sich im Wald undeutliche Pingen und Halden sowie vereinzelte Rollstücke von grobspätigem Schwerspat und Quarz. Neben diesen Hauptmineralen enthält der Gang noch Eisenspat und ein aus diesem entstandenes Verwitterungsmineral, das Brauneisen. Da Blei-, Silber- und Kupferminerale fehlen, kann man annehmen, dass die — allerdings unbedeutenden — Abbauversuche dem Brauneisen als Eisenerz galten.

Der vor uns liegende Stollen zeugt von der Hoffnung, in größerer Tiefe doch noch reichhaltigere Erze zu finden. An das erst in späterer Zeit betonierte Stollenmundloch schließt sich ein etwas winkeliger, jedoch recht geräumiger Stollen von 55 m Länge an, der in Schlägel- und Eisen-Arbeit aufgeführt ist. Auf diese kurze Erstreckung konnte der weiter oben am Hang gelegene Gang natürlich noch nicht erreicht werden, so dass anzunehmen ist, dass äußere Einflüsse den weiteren Vortrieb aufhielten.

Das Alter des Stollens ist unbekannt, doch kann man aufgrund der Höhe und Breite des Stollens auf ein relativ junges Alter schließen, d.h. etwa Beginn des 18. Jahrhunderts.

Der Weg führt uns weiter bis zum Riggenbachtal. Hier, wo die Hangneigung steiler wird, liegt ein kleiner Aufschluss im Quarzporphyr.

Station 18: Quarzporphyr

Quarzporphyr ist im Bereich des Münstertales recht verbreitet. Er bildet Gänge von bis zu mehreren Kilometern Länge bei einer Breite, die zwischen wenigen Metern und einigen hundert Metern schwanken kann.

Diese Porphyrgänge entstanden dadurch, dass sich Spalten in der Erdkruste mit einer Schmelze granitischer Zusammensetzung füllten. Da die Abkühlungsgeschwindigkeit dieser Schmelze relativ groß war, konnten sich nur einzelne Kristalle (Einsprenglinge) bilden, z. B. Feldspäte und Quarze, die gleichsam in einer feinkörnigen Grundmasse schwimmen. Gelegentlich sind insbesondere die länglichen, weißen oder rosa Feldspäte mehr oder weniger parallel zueinander angeordnet. Sie zeichnen auf diese Weise die ehemalige Fließrichtung der mag-matischen Schmelze nach. Durch die Verwitterung werden die Feldspäte bisweilen auch aus dem Gestein herausgelöst, wobei sie ein getreues Abbild ihrer Kristallform hinterlassen.

Die Farbe des Gesteins ist nicht einheitlich. Rötliche Typen, deren Farbe von feinst verteiltem Eisenoxyd herrührt, herrschen bei weiterem vor, doch sind auch graue und weiße Arten nicht selten, wobei die grauen Farbtöne frisches Gestein kennzeichnen, weiße Farben dagegen auf eine extreme Auslaugung des Eisengehaltes hinweisen.

Der sichtbare Mineralbestand der Quarzporphyre schwankt entsprechend ihrer variablen Erstarrungsgeschwindigkeit und Zusammensetzung in weiten Grenzen. So übersteigt der Quarzgehalt in manchen Vorkommen 10%, während er an anderen Orten fast auf 0% absinkt. In ähnlicher Weise schwankt der Feldspatgehalt zwischen 2 und 30% und der Biotitgehalt zwischen 0 und 20%.

Der Mineralbestand der Grundmasse besteht meist ebenfalls aus Quarz, Feldspat und Glimmer, doch ist er wegen der geringen Korngröße der Einzelminerale häufig nicht mehr mit dem bloßen Auge zu erkennen, während sich die glasklaren Quarze, die weißen oder rötlichen Feldspäte und die schwarzbraunen Biotite stets gut von ihrer Umgebung abheben.

Wir folgen dem Weg talaufwärts, passieren den Kinderspielplatz und die Wassertretanlage und wenden uns auf der Riggenbachstraße talaufwärts. Hier zweigt alsbald linker Hand ein Fußpfad ab, den wir bis zur Waldfahrstraße (Thiloweg) hinaufsteigen. Unterhalb der vor uns liegenden Straßenkurve sehen wir Halden und Pingen, die das südliche Ende des Riggenbachganges markieren.

Station 19: Riggenbachgang

Die Gesamtlänge des Ganges beträgt etwa 800 m, die Mächtigkeit erreicht gelegentlich 1,5 m.

Die Hauptminerale sind Quarz, Pyrit, Zinkblende, Kupferkies und Schwerspat. Die besondere Bedeutung des Ganges lag daher weniger im Bereich der Silbergewinnung als vielmehr darin, dass hier das für die Herstellung von Bronze notwendige Kupfer abgebaut werden konnte. Vom Mittelalter bis zur Säkularisation war die Grube häufig der Anlass zu Streitigkeiten zwischen dem „Pater Bergdirektor“ des Klosters St. Trudpert und der vorderösterreichi-schen Bergverwaltung in Freiburg, da beide Parteien sich aufgrund unterschiedlicher Rechtsauffassung im Besitz der Berghoheit über diese Grube glaubten. Alte Urkunden erwähnen vom Riggenbachgang die Gruben „Segen Gottes“ und „Gottesehr“, in denen auf mehreren Sohlen (Petersstollen, Ludwigsstollen) mit Unterbrechungen bis 1840 der Abbau umging. Zahlreiche Pingen und Halden sowie z.T. noch begehbare Stollen künden heute von diesem einst recht bedeutenden Grubenbetrieb.

Von der Breitmatte aus, die sich vom Waldrand bis ins Tal hinabzieht, haben wir einen schönen Ausblick.

Station 20: Ausblick

Ausblick auf den Ort Münstertal und das sich dahinter erhebende Belchenmassiv.

In einem Münzvertrag aus dem Jahr 1258 wird Münster erstmals als Vogtei der Herren von Staufen erwähnt. Die Siedlung nimmt wegen des erfolgreichen Bergbaus einen blühenden Aufschwung und erwirbt nach wenigen Jahrzehnten das Stadtrecht. Im Jahre 1346 verkauft Gottfried von Staufen die Stadt Münster samt der Burg Scharfenstein an Herzog Albrecht von Österreich.

Da die Gewerken der Silbergruben die alten Handelsverträge mit den Freiburger Kaufleuten nicht mehr einhielten, kam es zum Krieg mit Freiburg, in dessen Verlauf die Burg Scharfenstein zerstört und Münster besetzt wird. Erst 1350 kann Herzog Albrecht den Streit durch Zahlung einer Ablösesumme von über 100 kg Silber beilegen.

Mit dem Niedergang des Bergbaus gegen Mitte des 16. Jahrhunderts verliert auch Münster seine Bedeutung. Die einstmals ummauerte Bergstadt verfällt und wird Wüstung. Erst nach dem 30jährigen Krieg kommen wieder Siedler ins Tal und es entsteht ein neues Gemeinwesen, das sich im Verlauf von 300 Jahren mit wechselvoller Geschichte zur heutigen Gemeinde Münstertal entwickelt hat.

Man kann annehmen, dass bis zum Ausgang des Mittelalters etwa 500 bis 1.000 Bergleute und „Bergverwandte“ im Münstertal lebten. In Münster wurde das aus den umliegenden Gruben geförderte Erz verarbeitet, das gewonnene Silber durfte laut Vertrag nur in Münster oder in Freiburg in den Handel gebracht werden.

Die Freiburger Münze bezog einen Teil des Rohsilbers von hier und prägte daraus den Freiburger Rappen. (Zur Vereinheitlichung im Münzwesen waren der Breisgau, das Oberelsass und Teile der Schweiz zum Rappenmünzbund zusammengeschlossen).

Der Kern der heutigen Ortschaft Münstertal liegt als lockere Siedlung an der Mündung des

Talbaches in den Neumagen. Die Ausläufer dieser Siedlung ziehen sich bis weit in die Täler hinauf, ohne jedoch den unmittelbaren Talbereich wesentlich zu verlassen. Erst die einzeln liegenden, typischen Schwarzwälder Bauernhöfe finden wir auch höher an den Berghängen.

Das eindrucksvolle Panorama, das sich uns hier bietet, wird unzweifelhaft vom Belchen beherrscht. Der Belchen ist mit 1.414 m.ü.M nach dem Feldberg der zweithöchste Berg des Schwarzwaldes. Seine kahle, runde Kuppe ist unverwechselbar und macht ihn auch aus weiter Entfernung zu einem markanten Orientierungspunkt. Flankiert vom Heidstein und der Hohen Kelch grenzt er das Münstertal gegen das Wiesental ab, und sind auch die Hänge an seinen Schultern bewaldet, so weist die Nordseite mit ihren steilen Felsschroffen durchaus alpine Züge auf. Hier kann der ruhige Wanderer sogar damit rechnen, eine der sonst so scheuen Gemsen zu Gesicht zu bekommen.

Wir folgen nun dem Thiloweg bis ins Dietzelbachtal.

Station 21: Kohlenmeiler

Der hier im Modell errichtete Kohlenmeiler erinnert an die schwere Arbeit der Köhler, die einstmals auf diese Weise ihr Brot verdienten.

Zur Herstellung von Holzkohle wird Schicht- oder Scheitholz – vorwiegend Buche – zu einem Meiler von mehreren Metern Durchmesser und etwa 3 m Höhe aufgesetzt. Im Mittelpunkt des Meilers bleibt ein quadratischer Feuerschacht (= Quandel) frei, der mit leicht brennbarem Material angefüllt wird. Zur Abdeckung verwendet man Rasensoden und Erde, in die zur Steuerung des Verkohlungsvorgangs Luftlöcher gestoßen werden. Während des 16 bis 18 Tage dauernden Brandes muss der Meiler stets beaufsichtigt werden. In dieser Zeit entweichen aus dem Holz die leichtflüchtigen Bestandteile wie Holzgeist, Holzteer usw. und es entsteht die Holzkohle. Sie hat gegenüber dem trockenen Holz einen wesentlich erhöhten Heizwert und verbrennt vor allem rauchlos.

Holzkohle war in früheren Jahrhunderten zum Erschmelzen von Metallen unentbehrlich. Gerade in waldreichen Bergbaugebieten wie dem Schwarzwald findet man daher auch heute noch unzählige alte Meilerplätze im Wald. Man erkennt diese Plätze daran, daß in den Berghang eine kleine Verebnungsfläche von 5-10 m Durchmesser eingeschnitten ist, deren Bodenkrume sich durch ihre schwarze Farbe deutlich von der Umgebung abhebt.

Das Dietzenbachtal abwärts führt uns unser Weg ins breite Tal des Neumagens, der vom Zusammenfluss mit dem Talbach bis zur vor uns liegenden Straßenbrücke direkt am Hangfuß verläuft. Jenseits der Brücke beginnt der Knappenweg, dem wir talaufwärts folgen.

Station 22: Bergbau an den Galgenhalden

Das sich von hier nach Südwesten erstreckende Gebiet zwischen dem Kropbachtal, dem Wildsbachtal und dem Untermünstertal war im Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert der Schauplatz eines umfangreichen Bergbaus, liegen doch hier allein 10 Gänge, in deren Umkreis auch heute noch beachtliche Spuren der einstigen bergmännischen Tätigkeit vorhanden sind.

So finden wir z.B. im kleinen Steinbruch an der Straße bei Kropbach einen zinkblendereichen Erzgang, der noch die Reste eines alten Stollens zeigt. Wenige Meter davon entfernt führt ein Stollen unterhalb einer Felsengruppe in den Berg hinein, der ebenso wie der spätere Karl-August-Stollen am Fuße der Galgenhalden und die Stollen und Verhaue oberhalb des Steinbruchs einen uralten Bergbau dokumentieren, dessen erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1028 datiert, als Kaiser Konrad II. die damals in Ertrag stehenden Silbergruben des Breisgaus dem Bischof von Basel verleiht.

Dagegen ist über das Alter des Bergbaus an der Galgenhalden nichts Sicheres bekannt. Stollen und Abbaue zeigen sowohl Spuren vom Feuersetzen wie auch von Schlägel und Eisen, also von Arbeitsmethoden, die im Mittelalter ebenso wie zu Beginn der Neuzeit allgemein verbreitet waren.

Nach wenigen Metern auf dem am Hang ansteigenden Knappenweg sehen wir linker Hand unterhalb des Weges die Reste einer alten Hangkanalanlage. Von hier aus stürzte das durch den Kanal beigeleitete Wasser in den Druckstollen und trieb in dem jenseits der Straße liegenden Elektrizitätswerk die Turbinen an. Bis zum Anschluss an das Verbundnetz versorgte dieses Elektrizitätswerk Teile der heutigen Gemeinde Münstertal mit Strom.

Wir gehen den Knappenweg weiter aufwärts und erreichen nach Durchquerung eines kleinen Tälchens rechter Hand den Verhau auf dem Erzgang „Rotte Hof“.

Station 23: Erzgang Rotte Hof

Dieser Erzgang verläuft in nordöstlicher Richtung und ist auf eine Länge von etwa 250 m bekannt. Seine Mächtigkeit beträgt nur ca. 25 cm, dennoch scheint sich der Abbau durchaus gelohnt zu haben, da die Spuren der bergbaulichen Tätigkeit recht bedeutend sind. So beginnt z.B. unterhalb des Weges im Niveau des dort vorbeiziehenden Hangkanals ein Stollen, der noch auf eine Länge von 30 m begehbar ist. Hier sieht man auch den Anfang eines Abbaus in der Firste, doch ist ein weiteres Vordringen nicht möglich, da der Stollen gänzlich verbrochen ist.

Der Verhau zieht sich etwa 150 m weit bergauf und wird auf der westlichen Seite von einer großen Halde begleitet, auf der gelegentlich durchaus noch Stücke von Schwerspat und Bleiglanz zu finden sind.

Weiter oben am Hang verläuft der Wildsbachgang in nordwestlicher Richtung. Der Bergbau auf diesem Gang, der mit seiner westlichen und östlichen Fortsetzung sowie seinen Paralleltrümmern ein Gangsystem von etwa 1,5 km Länge bildet, erlebte seine größte Blüte im 17. bis 19. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen die großen Verhaue sowie eine mächtige Schachtpinge und bedeutende Halden, auf denen man noch Schwerspat, Bleiglanz, Arsenkies und Pyrit finden kann.

Wir folgen dem Knappenweg weiter nach Osten und queren nach jeweils etwa 15 m eine den Hang herabziehende Rinne. In der zweiten Rinne liegt etwa 10 m über dem Weg das Mundloch eines sehr niedrigen, kurzen Stollens, der mit Schießarbeit (= Sprengen mit Schwarzpulver) aufgefahren wurde und daher wohl dem 18. Jahrhundert zuzuordnen ist. Der Stollen erreichte jedoch keinen bauwürdigen Erzgang, weshalb er aufgegeben wurde.

Kurz vor dem Wildsbachtal liegt unterhalb des Knappenweges am Hangfuß das Mundloch eines weiteren Stollens.

Station 24: Unterer Wildsbachstollen

Im Gegensatz zum vorherigen Stollen ist dieser außergewöhnlich hoch und breit, jedoch war er genauso erfolglos: Auf insgesamt 250 m Stollenlänge (der Stollen verzweigt sich mehrmals) sind nur insgesamt drei mineralisierte Klüfte ohne die geringsten Spuren von Erz gefunden worden.

Das Alter des Stollens lässt sich nicht genau festlegen, doch dürfte er zu Beginn des 18. Jahrhunderts vorgetrieben worden sein, als der Bergbau nach dem Niedergang im 30jährigen Krieg wieder auflebte und dank der Initiative des Abtes Augustin Sengler viele alte Gruben wieder in Betrieb genommen wurden.

Nach der Durchquerung des Wildbachtales liegt gleich linker Hand ein umzäuntes Gebäude. Hier stand die ehemalige Schmelzhütte im Wildsbach.

Station 25: Schmelzhütte Wildsbach

Nach alten Berichten wurde hier schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts das Erz aus den Wildsbacher Gängen und aus dem Riggenbachgang verhüttet.

Zu jener Zeit unterstand der Bergbau noch dem Kloster St. Trudpert und damit auch die Verhüttungsanlage. Diese wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts von der badischen Regierung übernommen und ging erst nach der Gründung des Badischen Bergwerksvereins in dessen Privatbesitz über. Auch der Deutsch-Englische Bergwerksverein, der den gesamten Bergbau im Münstertal 1852 übernahm, verhüttete einen Teil der Erze noch in dieser Schmelze.

1865 kauften die Gebr. Mez aus Freiburg die noch bestehenden Gebäude und richteten eine Seidenspinnerei darin ein. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer, das Hauptgebäude wurde aufgestockt, die Nebengebäude abgerissen. Heute dient das Anwesen der Bundeswehr als Sanitätsdepot.

Die Verhüttung von Erz erforderte früher viel Geschick und reiche Erfahrung, damit kein Metall durch unsachgemäßes Vorgehen verloren ging. Zunächst musste das zerkleinerte Erz geröstet werden, d.h. aus dem komplex zusammengesetzten Mineralgemenge mussten in einem besonderen Ofen erst Schwefel und Arsen ausgetrieben werden.

Das derart vorbehandelte Erz wurde anschließend mit Holzkohle vermischt und in den Schmelzöfen verschmolzen, wobei sich das flüssige Metall von der ebenfalls flüssigen Schlacke trennte. In einem weiteren Arbeitsgang wurden dann auf dem sog. Treibherd Blei und Silber voneinander getrennt.

Station 26: Wuhrgraben

Zum Bewegen der Blasbälge, die dem Kohlenfeuer in den Schmelzöfen die nötige Luft zuführten, diente hier ein Wasserrad, das über einen etwa 500 m langen Wuhrgraben beaufschlagt wurde.

Diese Wuhr ist heute größtenteils verfallen, doch kann man ihre Reste noch an einigen Stellen gut erkennen, z. B. das Ende bei der Schmelze oder kurz vor dem Wogenbrunntal, wo der Kanal in einem Tunnel durch eine vorspringende Felsnase geführt wird. Bis zur Überquerung des Wogenbrunntals kann man die Höhenlage des Wuhrgrabens gut an der kleinen Hohlkehle erkennen, die meist nur wenig oberhalb des Wegniveaus in der Felswand verläuft.

Der Stollen, der direkt bei der ehemaligen Schmelze zutage tritt, folgt einer nur sehr dünnen Quarzader, die sich entgegen den Erwartungen nicht zu einem Gang veredelte. Der Stollen endet daher nach wenigen Metern. Eine kurze Strecke oberhalb der Schmelze befindet sich etwas über dem Wanderweg das Mundloch eines weiteren Stollens, der allerdings während des letzten Krieges angelegt wurde und als Luftschutzkeller diente.

Wo der Wuhrgraben zur Erhaltung des gleichmäßigen Gefälles auf einem kurzen Stück durch einen Stollen geführt wird, besteht die Möglichkeit, das hier anstehende Gestein genauer zu betrachten.

Station 27: Gneis

Dieses Gestein ist durch eine meist undeutliche bis feine Lagentextur gekennzeichnet. Im Querbruch erscheinen dann zahlreiche feinere oder gröbere Lagen, die sich in ihrer Farbe oder Korngröße voneinander abheben. Der Bruch in der Schieferungsebene lässt fast nur mehr oder weniger parallel angeordnete, glitzernde Täfelchen von Biotit, einem schwarzbraunen Glimmer, erkennen.

Im Gesamteindruck erscheint der Gneis grau, bei der Verwitterung geht die Farbe in ein lichtes bis kräftiges Graubraun über.

Der Gneis ist durch Metamorphose, d.h. Umwandlung aus archaischen Sedimenten hervorgegangen. Diese Sedimente, meist Grauwacken oder feldspathaltige Sandsteine, deren Alter mit über 500 Millionen Jahren veranschlagt wird, gerieten im Laufe der Zeit durch Absenkung in größere Erdtiefen, wo sie durch erhöhte Temperaturen und unter großem Druck umkristallisierten und ihre heutige Struktur erhielten.

 Infolge der großen Vielfalt in der Zusammensetzung der Sedimentgesteine, aus denen die Gneise gebildet wurden, haben auch die neu entstandenen Gesteine einen in weiten Grenzen schwankenden Mineralbestand. Das Hauptmineral der Gneise ist der Plagioklas, ein Natrium-Kalk-Feldspat, der mit 25 bis 60% vertreten ist. Ihm folgt der Quarz mit 15 bis 50%. Der Biotit erreicht meist Werte um 20%, seine Minimal- bzw. Maximalanteile liegen bei 1 bzw. 30%. Der Orthoklas, ein Kali-Feldspat, ist, wenn überhaupt, nur mit 1 bis 20% vertreten.

Zu diesen Hauptbestandteilen kommen häufig noch 1 bis 30% Cordierit sowie die fast stets vorhandenen „Akzessorien“ Apatit und Zirkon, die zusammen mit den ebenfalls häufig vertretenen „Erzen“ (Pyrit und Magnetit) jedoch kaum einmal mehr als 5% ausmachen. Weitere Minerale, die sich gelegentlich in geringer Menge im Gneis finden können, sind Sillimanit, Hornblende, Granat, Epidot und Graphit.

Der Wanderweg quert das Wogenbrunntal und führt weiter am Ufer des Neumagens entlang. Auch hier tritt der anstehende Gneis noch zutage, und wir erkennen an einem dieser Felsen zu unseren Köpfen eine glatte, flach liegende Bruchfläche. Eine solche Fläche bezeichnet man in der Geologie wegen ihres oft spiegelnden Glanzes als Harnisch.

Station 28: Harnisch

Diese Erscheinung beruht auf der gleitenden Bewegung zweier Gesteinspartien entlang einer Störung. Als Störung bezeichnet man in der Geologie eine Linie, an der Gesteine durch Bewegungen der Erdkruste gegeneinander verschoben wurden. Je nach Art und Richtung dieser Bewegungen und abhängig von dem Gestein, in dem sie stattfinden, entstehen klaffende Spalten, spiegelglatte Reibungsflächen, die Harnische oder Ruschelzonen, in denen das Gestein zunächst mechanisch zerbrochen wird, um anschließend unter dem Einfluss der Verwitterung noch weiter zu zerfallen.

Die Ursache für die Entstehung der Störungen sind meist großräumige horizontale und vertikale Verschiebungen in der Erdkruste. Sie wiederum werden hervorgerufen durch Bewegungen der Kruste auf dem Erdmantel, wodurch zunächst Spannungen entstehen, die sich entweder allmählich und unmerklich oder plötzlich in Form von Erdbeben lösen.

Auch im letzten Abschnitt des Wanderweges, wo der Berghang etwas flacher zum Neumagen abfällt, lassen Eindellungen im Hang und Wasseraustritte verstürzte Stollenmundlöcher vermuten, doch würden erst Nachgrabungen die Spuren von einem Bergbau aufdecken, von dem keine vergilbte Urkunde mehr berichtet und dessen Blütezeit und Niedergang schon längst vergessen und im Dunkel der Geschichte versunken sind.

Leopoldstollen in der Nähe des Besucherbergwerks Teufelsgrund (Foto vom Oktober 2025).

Infomaterialien

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Begleitheft zur Wandertour (vergriffen)

Führer zum geologisch-bergbaugeschichtlichen Wanderweg der Gemeinde Münstertal

Autor: H. Maus; Herausgeber: Gemeinde Münstertal, 3. Auflage 1993

Suggental: Bergbauwanderweg Silbersteig

Suggental: Bergbauwanderweg Silbersteig

Silbersteig Rundweg 1 + 2

Die beiden Rundwege des Silbersteigs lassen sich auch zu einem großen Rundweg kombinieren. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Vom unteren Rundweg 1 kommend kann der Weg wahlweise über den Hornbühl oder das Wissereck bis hinauf zur Schwarzenburg in Angriff genommen werden.

Historischer Nachbau Förderturm St. Anna Stollen (April 2020)

Silbersteig Rundweg 1

Die Tour beginnt am Ortseingang von Suggental.

Direkt vor der Bushaltestele in Richtung Waldkirch zwischen der Straße K5103 und dem Parkplatz des Suggenbad Hotels befindet sich die erste von insgesamt vier Informationsstelen auf dem unteren Rundweg. Neben allgemeinen Weginformationen und dem Hinweis auf die über das ganze Tal verteilten Sehenswürdigkeiten, erfährt der Wanderer wissenswertes über den Suggentäler Bergbau.

Auf malerischen Pfaden, überwiegend am Waldrand entlang, steigt nun der Weg hinauf zum Eingang des heutigen Bergwerks im mittleren Bereich des Suggentals.

Am Eingang des Anna Stollens und in der nahe gelegenen Sakristei erfährt man näheres zur Geschichte des Tals sowie zur Arbeit des ehrenamtlichen Vereins Silberbergwerk Suggental e.V.

Der Weg führt im Anschluss zum Wissereck, wo sich herrliche Ausblicke in das benachbarte Glottertal bieten. Hinab geht es – auf teilweise steilen Pfaden – über die Suggentäler Freizeitanlage und zur vierten Stele des Weges. Von hier ist es nicht mehr weit zum Ausgangspunkt der Wanderung.

Wer sich für den Eisenerzbergbau interessiert, findet im Anschluss an den Rundweg eine Informationstafel der „Spurensuche Denzlingen“ an einem offenen Stolleneingang direkt neben dem Radweg in Richtung Freiburg.

Mundloch St. Anna Stollen (April 2020)

Silbersteig Rundweg 2

Den höher gelegenen Rundweg beginnen Wanderer am Wanderparkplatz neben dem Bürliadamshof bzw. an der Stele neben dem Eingang zum Anna Stollen.

Von hier steigt der Weg am Fuße des stark vom Bergbau gezeichneten Hornbühls entlang – man passiert hier eine weitere Stele – und führt bis zur Ruine Schwarzenburg hinauf.

Dort bietet sich dem Wanderer ein herrlicher Blick über die Stadt Waldkirch und das Elztal. Weiter geht es über den Luser zur nächsten Stele, wo am sogenannten Heubrückle im 13. Jhd. ein insgesamt 15 km langer Hangkanal vom Glottertal kommend hier durch den Berg führte.

(Heute kann man übrigens entlang dieses „Urgrabens“ eine herrliche teilweise mit „U“ ausgeschilderte Wanderung von der „Platte“ aus über Rohr und Luser bis hinab zum Adamshof unternehmen).

Über das Schloßwaldeck und das Wissereck führt der Weg zurück zum Wanderparkplatz am Bürliadamshof.

Blick ins obere Suggental (April 2020)

Infomaterialien

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Bergbauwanderweg Silbersteig

Faltblatt Rundwege

Badenweiler-Sehringen: Geologischer und bergbaugeschichtlicher Wanderweg

Badenweiler blickt auf eine lange Bergbautradition zurück. Viele Namen von Wegen und Plätzen, wie Alter Mann (= verlassener Stollen), Gipsgrubenweg oder Bergmannsruhe erinnern heute noch an diese Zeit. Nach Meinung von Experten hat der Bergbau bei Badenweiler zu keltischer Zeit begonnen. Im Laufe der Zeit wurde Blei, Silber und Eisenerz abgebaut. Der Abbau von Gips wurde bis in die 1960er Jahre betrieben.

Das reiche Erzvorkommen in der Region basiert auf dem Einbruch des Oberrheingrabens, der sich im Tertiär zwischen Schwarzwald und Vogesen vollzogen hat. Das an den Bruchstufen der stärksten Bewegung, der sog. „Hauptverwerfung“, entstandene Quarzriff erstreckt sich mit seinen dabei aufgerissenen Spaltungshohlräumen und Erzgängen als ein Hartgesteinsrippe deutlich sichtbar im Gelände von Sulzburg über Badenweiler bis nach Schloss Bürgeln.

Startpunkte

Der erste Startpunkt des 2012 eröffneten Wanderweges befindet sich direkt an der Straße von Badenweiler nach Sehringen (Sehringer Straße, L 132) neben der noch vorhandenen Schütte des oberen Gipsstollens. Der speziell hierzu errichtete Pavillon zeigt in Wort und Bild sowie mittels Schauvitrinen (!) alles Wissenswerte über den Bergbau von Badenweiler: Geologie, Geschichte, Mineralien.
Erste Infotafel ab hier: Tafel 1

Der zweite Startpunkt zum Wanderweg befindet sich direkt beim Kurhaus im Ortszentrum von Badenweiler. Hier wurde im Juni 2016 das „Kurparkmuseum“ eröffnet. Bestandteil der Dauerausstellung ist eine Abteilung, welche sich speziell mit dem Bergbau von Badenweiler und seinen Mineralien befasst.
Erste Infotafel ab hier: Tafel 16

Streckenvarianten

Es gibt zwei Varianten des Wanderweges: eine kurze (ca. 2,3 km) und eine lange Variante (ca. 6,8 km). Beide führen zu einigen der interessantesten heute noch erkennbaren Bergbauspuren, an denen jeweils entsprechende Informationstafeln aufgestellt sind.

Infotafeln

Eine große Übersichtstafel zeigt den Verlauf der beiden Wegvarianten sowie die Standpunkte der insgesamt 40 Infotafeln entlang der Wege zu den Themen Historie, Geologie und Geomorphologie der Badenweiler Bergbauregion.

Auf den Wegabschnitten zwischen Hausbaden und der Sophienruhe sowie zwischen Sophienruhe und Alter-Mann-Fels (Tafel 7 bis 13) sind nur wenige Bergbauspuren zu sehen. Deshalb wurde bei der Realisierung des Wanderweges beschlossen, in diesen Bereichen zu zeigen, wie das geförderte Erz bis zur fertigen Silbermünze verarbeitet wurde. Zudem wird über den Wald und die Köhlerei bei Badenweiler informiert.

Achtung: Die Infotafeln sind in Laufrichtung der Wege nicht kontinuierlich durchnummeriert, teilweise springt die Nummerierung. So folgt beispielsweise auf Tafel 15, je nach weiterer Laufrichtung, die Tafel 18 (Ri. Badenweiler) oder die Tafel 19 (Fortsetzung Rundweg). Die Tafeln 32 und 40 sind nur über eine weitere Wegvariante ab Tafel 30 (Alter Mann) zu erreichen, siehe Foto der Übersichtstafel. Dies ist vor Ort verwirrend und sollte beachtet werden.

Übersichtstafel am Info-Pavillon an der Sehringer Straße (L 132): Wegverlauf der verschiedenen Streckenvarianten mit Standortangabe der Infotafeln. Foto vom Mai 2025.

Eingang zur „Schwefelhöhle“ links (vergittert) und Feuersetzbau (rechts) mit charakteristischem ovalen Querschnitt. Foto vom Mai 2025.

ACHTUNG LEBENSGEFAHR: Der Zutritt ist die „Schwefelhöhle“ ist strengstens verboten. Es besteht Lebensgefahr.

Wegstationen

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen et. al.

Station 1: Eisenerzabbau in Lipburg

Der Mangel an ergiebigen Eisenerzvorkommen in Deutschland und die Autarkiebestrebungen des „Dritten Reichs“ führten dazu, auch ärmere Vorkommen zu nutzen. So wurde 1937 bis 1942 bei Lipburg im Gewann Kohlacker in den hier bis 2 m mächtigen Murchinsonae-Schichten des Braunen Juras Eisen mit nur 15 % Erzgehalt abgebaut. Das Roherz wurde mit Lkw zum Bahnhof Mühlheim gefahren.

Das Lipburger Doggererz gehört zu den ärmsten Eisenerzen. Sein damaliger Wert bestand jedoch in seinem hohen Kalkgehalt, der es für den Zuschlag bei der Verhüttung silikatischer Erze geeignet macht.

Beeindruckend ist das sehr geräumige und verzweigte Stollensystem, das bis hinüber nach dem Ort Rheintal reicht. Einige Abschnitte wurden nach der Stilllegung einige Zeit lang noch zur Champignonzucht genutzt.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Das größte bei Badenweiler vorkommende Dogger-Eisenerzlager wurde zwischen Lipburg und Rheintal über fünf Stollen erschlossen und abgebaut. Der einzige erhaltene Zugang zu diesem weitverzweigten Grubengebäude liegt heute hinter einem Wochenendhäuschen. Die gesamte Stollenlänge beträgt rund 1,2 km. Das Erzlager ist ca. 1,5 bis 2 Meter mächtig und wurde trotz des geringen Erzgehaltes von 15-20% Eisen in den Jahren 1938 bis 1942 zur Rohstoffsicherung des dritten Reiches abgebaut. Das Erz wurde im Ruhrgebiet verhüttet (ALBIEZ, 1957).

Viele mikroskopisch kleine, meist zerbrochene Muschelschalen bilden dicht an dicht liegend das Gestein. Größere erhaltene Fossilien sind nur spärlich vorhanden. Ab und zu kommen darin auch kleine Belemniten vor, die aber nie einen Durchmesser von 6-7 mm und eine Länge von 5 cm überschreiten.

Auf schmalen Klüften im Gestein können manchmal Dolomit, Calcit, Gips und Aragonit auskristallisiert sein. Im Bereich größerer Spalten haben kleine Kalksinterpartien hübsche Girlanden und Stalaktiten gebildet.

Die dort, westlich der Rheintalverwerfung auftretenden Ton- und Sulfatgesteine der Gipskeuper-Formation sind aufgrund ihrer Plastizität als Baugrund eigentlich völlig ungeeignet. Auch heute noch kommt es durch das Abrutschen der instabilen Bodenschichten zu Schäden an Straßen und Gebäuden. Um die Rehaklinik vor solchen Erdbewegungen zu schützen, mussten unterhalb davon, an der Verbindungsstraße Badenweiler-Sehringen, massive Erdanker eingebaut werden.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 2: Verliebt in René Schickeles „Himmlische Landschaft“

Wir wünschen Ihnen bei  dem Blick  über das Lipburger Tal auf Rheintal und Vogesen viel Freude beim Genuss  der Vielfalt und dem Farbenspiel der Landschaft.  Auf dem kleinen,  malerisch zu Ihren Füßen gelegenen Lipburger Friedhof ruht der 1883 im Elsass geborene Schriftsteller René Schickele, der von 1922 bis zu seiner Emigration 1932 in Badenweiler lebte, sich ein Haus baute und als Brückenbauer im Spannungsfeld zwischen französischer und deutscher Kultur grenzüberschreitend arbeitete. Bevor er seine geliebte Wahlheimat in die Emigration nach Südfrankreich 1932 verlassen hat, widmete er sein letztes Buch, das er in Badenweiler schreiben konnte, der  „Himmlischen  Landschaft“,  er nennt die Schönheit der  Region  zwischen Blauen, Rhein und Vogesen als das „schönste Exil der Welt“.

Nachdem 1873 der Bergwerksbetrieb der Grube Hausbaden aufgegeben  und anstelle des Zechenhauses das als Hotel geführte „Schloß Hausbaden“ errichtet wurde, haben viele berühmte Persönlichkeiten den Panoramablick genossen : Napoleon III, Königin Wilhelmine von Holland 1899, Kaiserin Auguste Viktoria mit Kindern 1902, Reichskanzler Marx 1927, Reichskanzler Brüning 1931 und 1932, mehrmals Bundespräsident Theodor Heuß.

Für den geologisch interessierten Wanderer  sei noch ein Hinweis hinzugefügt:  Im Bereich von  Hausbaden verläuft  die bei der Entstehung des Oberrheingrabens  entstandene Schwarzwaldrandverwerfung. Das als Felsriegel hinter dem heutigen Klinikgebäude aufragende „Quarzriff“ trennt den Blauengranit auf der östlichen Seite vom Keupermergel, von Lias – und Opalinustonschichten mit darin eingelagerten Gipslagern von der westlichen Seite. Diese Schichten sind sehr instabil. Geländerutschungen führten immer wieder zu erheblichen Straßen-  und Gebäudeschäden. Oberhalb der Landstraße wurde deshalb vorsichtshalber mit Erdankern eine Hangsicherung angebracht.

Autor: Hans Hermann Bechinger

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Der Schriftsteller René Schickele, 1883 im Elsass geboren, lebte von 1922 bis 1932 in Badenweiler. In seinem Buch Himmlische Landschaft“ bezeichnet er die Gegend zwischen Schwarzwald und Vogesen als „das schönste Exil der Welt“. Die ihm gewidmete Tafel steht etwas unterhalb der heutigen Rehaklinik Hausbaden: Von hier aus kann man diese schöne Landschaft besonders gut über-schauen und die Gedanken von R. Schickele leicht nachvollziehen.

1863 wurde der Erzbergbau auf Hausbaden ein-gestellt und anschließend wurde hier unter dem Namen „Schloss Hausbaden“ ein Hotel errichtet, in welchem im Laufe der Zeit viele bekannte Personen übernachtet haben: von Napoleon III bis Theodor Heuss.

Die dort, westlich der Rheintalverwerfung auftretenden Ton- und Sulfatgesteine der Gipskeuper-Formation sind aufgrund ihrer Plastizität als Baugrund eigentlich völlig ungeeignet. Auch heute noch kommt es durch das Abrutschen der instabilen Bodenschichten zu Schäden an Straßen und Gebäuden. Um die Rehaklinik vor solchen Erdbewegungen zu schützen, mussten unterhalb davon, an der Verbindungsstraße Badenweiler-Sehringen, massive Erdanker eingebaut werden.

Autoren: Hans Hermann Bechinger & Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 3: Grubenfeld Hausbaden

Im Quarzriff hinter der heutigen Rehaklinik liegen Erzgänge, auf welchen bereits im Mittelalter im Tagebau Blei- und Silbererze gewonnen wurden.

Die Gänge wurden von den Bergleuten bis in ca. 150 m Tiefe fast vollständig ausgeräumt. Es handelt sich hier um die wichtigste Grube des ganzen Reviers, die im Verlaufe der bergmännischen Tätigkeiten zeitweise große Erträge abwarf, manchmal aber auch nur schwach betrieben wurde oder vorübergehend sogar ganz stillstand. Die Grube Hausbaden lieferte insgesamt die größten Ausbeuten des Bergbaureviers von Badenweiler.

Die Rehaklinik steht auf der Halde des ehemaligen tiefen Stollens, bei welchem es sich um den Hauptförderstollen handelte.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Grube Hausbaden war die bedeutendste Grube, die auf den Erzgängen bei Badenweiler in Betrieb war. Die Tafel zeigt im Detail die wechselvolle Geschichte der Grube Hausbaden vom Jahr 1612 über die Zeit, als hier ehemals ein Sanatorium und danach ein Hotelbetrieb existierten, bis zur Fertigstellung der modernen Rehaklinik im Jahr 1989.

Aus der Historie ist zu erkennen, dass der Grubenbetrieb nicht immer florierte. Häufig wechselten die Betreiber der Grube und zeitweise war der Betrieb ganz eingestellt. 

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 4: Zwei Jahrtausende Bergbaugeschichte|Erzgewinnung am Quarzriff

Oberhalb der heutigen Rehaklinik Hausbaden ragt das sich vom Münstertal, Sulzburg,  die Schwärze über  Badenweiler bis Bürgeln erstreckende Quarzriff als steingewordene Randverwerfung als ein maximal  30 Meter mächtiger Steinriegel aus dem Granit des Blauenabhangs heraus.  Tiefe Klüfte, Verhaue, Stollenreste  und Haldentrümmer  zeigen, wie  seit der Zeit der Kelten und Römer im Mittelalter im Tageabbau den im zerklüfteten Fels des Quarzriffs verborgenen erzführenden Gängen nachgegraben worden ist.

Erste schriftliche Hinweise auf eine Förderung finden sich unter  dem Namen  „Zechenhauser Zech“ im 16. Jahrhundert. Größere Bedeutung gewann der Abbau aber erst durch die Bemühungen der Markgrafen von Baden, worauf auch die Namensänderung  in Grube Hausbaden beruht.  Um 1804 war der Gang  im Quarzriff durch fünf übereinanderliegende Stollen erschlossen. 1798 bis 1817 wurden insgesamt 376 Kilo Silber und 253,7 Tonnen Blei gewonnen.

Zur Aufbereitung der immer ergiebiger  anfallenden Erze wurde 1791 sogar noch ein Pochwerk erstellt.  Doch in der Folge gingen  die Erträge zurück. Die anhaltend schlechten Anbrüche führten 1860 zur Einstellung des gesamten Betriebs und Auflösung der Gewerkschaft. Das Zechenhaus wurde 1873 zu einem Hotel umgebaut.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Tafel gibt einen Überblick über die Lage der ehemaligen Abbaue und über die heute noch sichtbaren Bergbauspuren auf den Lagerstätten von Badenweiler. Es wird im Text auch darauf hingewiesen, dass vermutlich schon die Kelten, spätestens aber die Römer am Quarzriff Erze im Tagebau gewonnen haben.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 5: Die Geschichte der Wälder um Badenweiler im 17. u. 18. Jahrhundert

Um 1600 wird Holz hauptsächlich als Kohl-, Brenn-, Bau- und Werkholz verwendet.

1732
Sorge um die Bereitstellung der notwendigen Holzkohlenmenge zur   Versorgung der Bergwerke. Auch Brennholz wird knapp. Markgraf Carl Wilhelm von Baden lässt eine Bestandsaufnahme der Wälder um Badenweiler durchführen. Ein hoher Anteil an Kahlflächen vom Köhlgarten bis zum Blauen wird festgestellt. Der Wald gleicht teilweise einer Viehweide wird berichtet.

1756
Laut Waldvisitationsprotokoll wird beklagt, dass im Gemeindewald Badenweiler – Fischersbrunn, alles niedergehauen wurde, von Jungaufwuchs ist nichts zu sehen. Was die Köhler übrig ließen, haben die Pferde der Kohlenkutscher verwüstet wird berichtet. Die Baumartenanteile werden mit 70 % Tanne, 21 % Buche 7 % Kahlfläche und 2 % sonstige Baumarten beschrieben. Die Fichte wurde, außer am Köhlgarten, nicht erwähnt.

1833
Um dem Raubbau ein Ende zu setzen, wird das Badische Forstgesetz erlassen. Die „Nachhaltige Nutzung“ wird gesetzlich verankert. In Zukunft darf nicht mehr Holz eingeschlagen werden als nachwächst.

1840
Laut Forstgesetz wird alle zehn Jahre eine Inventur durchgeführt, um dem hohen Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Kahlflächen werden erstmals mit Fichte angepflanzt. Die Fichte wird zur beliebten Baumart.  Die Forsteinrichtung (Inventur) wird heute durch das Landeswaldgesetz vorgeschrieben.

1868
Der Bergbau um Badenweiler ist längst eingestellt. Die Erzeugung von hochwertigem Holz war oberstes Ziel der Forstwirtschaft.

2006
Baumartenanteile im Gemeindewald Badenweiler: Tanne 15, Buche 36, Fichte 25, Douglasie. 14, Eiche und sonstige Laubbäume 10 %

Autor: Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Der Wald lieferte einen unverzichtbaren Rohstoff, z.B. für Bauzwecke, sowie Brennstoff für viele Industriezweige. Holz war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit so gefragt, dass es ohne Gesetzesschutz nicht einmal mehr in dem Maß nachwachsen konnte, wie es geerntet wurde. Besonders die Montanindustrie konnte nie genug davon bekommen. Einerseits brauchte man das Holz zum Abbau (Feuersetzen), für den Ausbau der Stollen und für die übertägigen Gebäude, andererseits benötigte die Hüttenindustrie für die einzelnen Prozesse wie z.B. das Rösten oder den Schmelzvorgang riesige Mengen an Holzkohle.

Es wird auf dieser Tafel zudem aufgezeigt, dass sich der Bestand der hier wachsenden Baumarten in den letzten Jahrhunderten deutlich verändert hat:

1756: Tanne 70%, Buche 21%, Kahlfläche und Sonstige 9%,
2006: Tanne 15%, Buche 36%, Fichte 25%, Sonstige 24%)

Autoren: Philipp Löffler & Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 6: Ich bin eine Weißtanne

Ich bin eine Weißtanne, bin fast 200 Jahre alt, und habe hier schon die Bergleute begrüßt, wenn sie zur Arbeit gingen oder müde zurückkamen.

Vor 50 Jahren wäre ich beinahe im Sägewerk gelandet, doch die Kurgäste von Badenweiler haben mir das Leben gerettet.

Inzwischen bin ich zu einem Baumriesen herangewachsen. Meine Höhe beträgt 50 Meter und ich habe einen Umfang in Brusthöhe von 4 Meter und somit ein Volumen von 33 Kubikmeter.

Wir Tannen tragen ein dunkel schimmerndes Nadelkleid, was uns zum Namensgeber des Schwarzwaldes gemacht hat. Wir sind im Alter von großer, edler Gestalt, haben gute Charaktereigenschaften und werden deshalb als „Königin der Nadelbäume“ bezeichnet. Auch lieben wir die Gesellschaft mit anderen Bäumen. Die Buche ist unser ältester Freund, bei ihr fühlen wir uns besonders geborgen. Allerdings sind wir sehr empfindlich. Die Luftverschmutzung hätte uns beinahe das Leben gekostet. Dank der ergriffenen Maßnahmen geht es uns heute wieder besser, denn die Menschen haben gemerkt, wenn der Wald stirbt, stirbt auch Er.

Junge Tannen haben es besonders schwer, Knospen und Zweige sind echte Leckerbissen für Rehe, wenn es davon zu viele gibt, ist unser Fortbestand in Gefahr.

Unser Holz war schon immer sehr beliebt: es ist harzfrei, von heller Farbe, wetterfest und haltbar. Bald tausendjähriges Tannenholz findet sich im Gebälk des Glockenstuhls im Freiburger Münsterturm. Schon die Erbauer der alten Schwarzwaldhöfe bevorzugten Tannenholz. Auch bei Wasser- und Schiffsbauer war unser Holz sehr begehrt, wenn die Flöße mit den riesigen Tannenstämmen damals in Holland ankamen. Sogar das Schloss in Amsterdam ruht auf 14 000 Tannenstämmen.

Eine ausgewachsene Schwarzwaldtanne wurde früher auch als „Holländer“ bezeichnet.

Autor: Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Diese Tafel steht bei einer ca. 200 -jährigen, stattlichen Weißtanne mit einem Stammumfang von 4 Metern. Weißtannen bilden zusammen mit der Rotbuche an den Hängen des Blauens die natürliche Zusammensetzung des Waldes: den Tannen-Buchenwald. Eingemischt sind Bergahorn und in den höheren Lagen auch Ebereschen. Die Weißtanne ist sehr empfindlich gegenüber Luftverschmutzungen. Jenseits des Rheins stehen chemische Fabriken und der vorherrschende Westwind bringt die Schadstoffe an die Abhänge des Hochblauens. Durch die Stärkung des Umweltbewusstseins hat die Luftverschmutzung zwar in den letzten Jahren abgenommen, aber an den Tannen kann man immer noch sehen, dass an den Ästen nur 2-3 Nadelgenerationen vorhanden sind. Einige von ihnen besitzen einen sehr bedenklichen Totholzanteil.

In den unteren Höhenlagen würde sich ohne menschlichen Einfluss ein Eichen-Hainbuchenwald etablieren. Hier wachsen auch vermehrt Eichen. In Bereichen, an trockenen Standorten im Bereich des Quarzriffs treten einige Kiefern auf. Besonders sind diese bei der Sophienruhe auffällig verkrüppelt, was eine Folge der stark eingeschränkten Wachstumsbedingungen ist. Entlang den in den Tälern gelegenen Flüssen finden sich Erle und Esche.

Die verbreitet vorkommenden Fichten und Douglasien sind auf die Forstwirtschaft zurückzuführen.

Eine Besonderheit stellt der ebenfalls in den unteren Höhenlagen vorkommende und teilweise fast flächendeckende Unterwuchs aus Stechpalmen dar, welche in dieser Häufigkeit sonst nirgends an den westlichen Schwarzwaldabhängen zu finden sind. Im Bereich der Sophienruhe stehen einige Edelkastanien. Diese Baumart wurde vermutlich bereits vor etwa 2000 Jahren von den Römern eingeführt und liefert auch uns noch im Herbst zwar relativ kleine, aber leckere Früchte. Zwischen Hausbaden und der Sophienruhe stehen wenige mächtige Thuja-Bäume.

Autoren: Philipp Löffler & Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 7: Erzscheidung

Das in  Verhauen oder Stollen abgebaute Gestein wurde zerkleinert, und das Erz wurde von Hand vom umgebenden Gestein abgeschlagen. Das angereicherte Erz wurde  weiter verarbeitet. Taubes Gestein wurde auf Halde geworfen. Häufig saßen Kinder oder Frauen, die ihre Arbeit mit mehr oder weniger großem Interesse und geringem Fachwissen durchführten, an den so genannten Scheidebänken. Dadurch ging viel Erz verloren, welches dem Berg in mühsamer Arbeit abgerungen wurde.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die händische Trennung der Erze vom tauben Gestein mit Hämmern war das erste Glied in der langen Kette der Erzaufbereitung bis hin zum reinen Blei und der Silbermünze. Die Scheidebänke befanden sich in der Regel unweit der Stollen oder Tagebaue, um das Transportvolumen so gering wie möglich zu halten, wenn Abbauort und Schmelze weit voneinander entfernt lagen. Oft führten diese Arbeiten auch Frauen und Kinder durch. Zum Nachteil der Grubenbesitzer, aber zur Freude heutiger Mineraliensammler wurde dabei so manches erzhaltige Stück auf Halde geworfen.

Die Arbeiten wurden anscheinend regional mit sehr unterschiedlicher Präzision durchgeführt. So finden sich zum Beispiel in den sächsischen Bergbaurevieren viel weniger Erz führendes Gangmaterial auf den Abraumhalden als im Schwarzwald.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 8: Poche

Das von Hand geschiedene Erz wurde in der Poche mit Pochstempeln weiter zerkleinert. Die Stößel bestanden aus Holzbalken, welche am unteren Ende mit Eisen ummantelt waren. Die Pochen wurden mit Wasserrädern betrieben. Die schweren, von Exzentern angehobenen Stößel fielen nach unten auf die Erzbrocken, welche auf diese Art nach und nach zu einem feinen Pulver zerstampft wurden.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Für die Weiterverarbeitung musste das weitgehend vom Nebengestein getrennte Erz zerkleinert werden. Das Zwischenprodukt aus dem Pochgang war ein körniges bis pulvriges Gemisch von manuell angereichertem Erz, welches noch mit etwas Gangmaterial verunreinigt war.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 9: Erzwäsche

Das feine Erzpulver hatte nach dem Pochvorgang immer noch einen recht hohen Anteil an taubem Gestein. Der Waschvorgang separierte das Erz weitgehend von den erzfreien Gangarten. Die Trennung erfolgt aufgrund der unterschiedlichen Dichte der Materialien. Das wesentlich leichtere, taube Gestein wird abgeschwemmt, das schwere Erz bleibt in der Waschanlage zurück. Es handelt sich hier also um eine mittelalterliche Art der Aufbereitung, wie sie heute in verbessertem Umfang bei der Anreicherung von Erzen noch immer angewandt wird. Die Vorrichtungen hatten Ähnlichkeit mit einer Goldwaschrinne. Das Verfahren war damals aber noch so unvollkommen, dass viel pulverisiertes Erz mit dem abfließenden Waschwasser verloren ging. Deshalb findet man noch heute am Rand der Rheinebene in den Schwemmfächern der Schwarzwaldflüsse erhöhte Schwermetallgehalte.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Das in den Pochwerken zerkleinerte Erzkonzentrat wurde anschließend auf sogenannten Stoßherden gewaschen und aufgrund ihres unterschiedlichen spezifischen Gewichts vom tauben Gesteinspulver getrennt (Schweretrennung). Das Prinzip ist das Gleiche wie beim Goldwaschen. Der schwerste Anteil bleibt in der Goldpfanne, in diesem Fall bleibt das Erz in den Waschrinnen. Die leichteren Anteile werden abgeschwemmt. Die Trennung war jedoch für heutige Verhältnisse recht unvollkommen. Zusammen mit den Gangarten gelangten auch feinste Erzpartikel in die Flüsse unterhalb der Waschanlagen. So sind zum Beispiel die Wälder im Bereich „Lange Erlen“ bei Basel mit Schwermetallen belastet, was sich auf den mittelalterlichen Bergbau im Bereich des oberen Wiesentals zurückführen lässt. Auch in fast allen Schwemmfächern der Flüsse, welche vom Schwarzwald her nach Westen zum Rhein abfließen, sind erhöhte Schwermetallgehalte festzustellen, weil auch hier mittelalterlicher Bergbau auf Buntmetalle stattgefunden hat.

Nach der Erzwäsche hatte man ein hochreines, grobes Bleiglanzpulver erhalten, welches anschließend getrocknet wurde.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 10: Rösten

Das pulverisierte Erz wurde zunächst getrocknet, konnte aber in dieser Form noch nicht zum reinen Metall geschmolzen werden. Bleiglanz ist eine Verbindung von Blei und Schwefel, in der Silber diffus verteilt sein kann. Durch den Röstvorgang mit Holzkohle wurde der Schwefelanteil in speziellen „Röststadeln“ aus dem Erz ausgetrieben. Der Schwefel verflüchtigte sich als Schwefeldioxid in der Luft, was also schon im Mittelalter zu einer enormen Luftverschmutzung führte. Nach dem Rösten blieb Bleioxid übrig.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Bleiglanz (Galenit) ist wie bereits erwähnt ein Bleisulfid (PbS), eine Verbindung von Blei und Schwefel. Darin ist das begehrte Silber diffus fein verteilt. Bleiglanz kann ohne Vorbehandlung nicht geschmolzen werden. Zuerst musste er vom Schwefel befreit werden. Das erfolgte auf sogenannten Röststadeln. Ein Gemisch aus Holzkohle und Erzpulver wurde angezündet, geröstet. Ab etwa 600 °Celsius gab es eine exotherme chemische Reaktion, die sich selbst am Laufen gehalten hat. Durch das Rösten wird der Schwefelanteil als Schwefeldioxid ausgetrieben und an die umgebende Luft abgegeben. Dabei wird das Blei unter Sauerstoffzufuhr oxidiert. Das obige Bild von Agricola ist etwas geschönt: Die Bäume rund um die Röststadel dürften durch die extreme Luftbelastung mit Kohlendioxid und Schwefeldioxid eigentlich keine Blätter mehr besitzen, wenn sie überhaupt noch vorhanden waren.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 11: Schmelzofen

Das geröstete und dabei vom Schwefel befreite Erz wurde zusammen mit Holzkohle in den Schmelzöfen erhitzt. Das Metalloxid wurde unter der Einwirkung der großen Hitze verflüssigt und von der Holzkohle reduziert, d.h. vom Sauerstoff befreit. Das nun reine Matall, z.B. Blei, floss durch eine am unteren Ofenteil befindliche Öffnung ab und wurde zur Weiterverarbeitung in so genannte „Luppen“ gegossen.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Das durch den Röstvorgang entstandene Bleioxid wurde nach dem Röstvorgang den Schmelzöfen zugeführt. Unter Zugabe von großen Mengen an Holzkohle wurde es bei Temperaturen zwischen 800° und 1100° C zu reinem, aber noch silberhaltigem Blei reduziert. Es entstand das „Reichblei“. Der Sauerstoff des Bleioxids wurde durch Kohlenstoff aus der Holzkohle zu Kohlendioxid umgewandelt.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 12: Feinbrennen

In dem aus dem Schmelzofen gewonnenen Blei war das begehrte Silber immer noch diffus verteilt. Mit einer raffinierten Technik wurde das Silber beim Feinbrennen vom Blei getrennt. Dabei machte man sich ebenfalls wieder spezifische Eigenschaften von Blei und Silber zunutze: Blei oxidiert leichter als das Silber. Im Treibofen wurde das silberhaltige Blei aufgeschmolzen und durch Aufblasen von Luft oxidiert. Das so auf der Oberfläche der Schmelze entstehende Bleioxid wurde mit einem hölzernen Werkzeug nach und nach so lange abgezogen (abgeschabt), bis sich auf dem Boden der Schmelze durch ein dünnes Bleihäutchen hindurch das reine Silber zeigte: Man hatte den „Silberblick“. Das silberlose Bleioxid wurde dann in einem weiteren Schmelzvorgang wieder mit Holzkohle zu reinem Blei reduziert, welches zur Anfertigung von Wasserleitungsrohren, Bleiverglasungen und später dann auch für Gewehrkugeln verwendet wurde.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Nun mussten Blei und Silber noch getrennt werden. Das erfolgte anschließend an den Schmelzvorgang auf sogenannten „Treibherden“. Es gibt unterschiedliche Varianten der Trennung von Blei und Silber. Im Schwarzwald stand folgendes Vorgehen im Vordergrund: Zunächst wurde das Reichblei aufgeschmolzen. Auf die Oberfläche des flüssigen Metalls wurde mit einem Blasebalg Luft aufgeblasen. Das Blei oxidierte dabei zu „Bleiglätte“ und diese Oxide wurden regelmäßig mit einem hölzernen Schaber abgezogen. Silber ist stabiler als Blei und wird bei diesem Prozess nicht oxidiert. Es verbleibt auf dem Boden des Treibherdes, während das Blei immer weniger wird. Dieser Vorgang dauerte so lange, bis alles Blei zu Bleiglätte oxidiert und diese abgezogen war. Zum Schluss blieb nur noch ein dünnes Häutchen von Bleioxid auf der Oberfläche. Das Bleihäutchen ist dann von der Mitte her aufgerissen und gab den Blick auf das darunter liegende Silber frei: Man hatte den „Silberblick“, das „Blicksilber“ oder das „Güldisch-Silber“, den „Silberkönig“.

Zu diesen Anlässen wurden häufig Ehrengäste eingeladen, damit sie den „Silberblick“, also den wirtschaftlichen Erfolg der Grube miterleben konnten (und der Grube dann hoffentlich auch weiterhin als „Gewerken“, als Geldgeber, treu blieben).

Die durch den Treibeprozess erhaltene Bleiglätte wurde wieder aufgeschmolzen und im Holzkohlefeuer zu reinem Blei reduziert, woraus Dachrinnen, Fensterverglasungen, Bleirohre, aber auch Gewehrkugeln und Vieles mehr angefertigt wurden.

Das „Blicksilber“ war noch unrein und musste von Bleiresten befreit werden. Der Vorgang des „Feinbrennens“ war prinzipiell der Gleiche wie auf dem Treibherd, nur in kleinerem Maßstab.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 13: Münzprägung

Zur Vermünzung des Silbers wurde im Mittelalter zunächst ein dünnes Silberband hergestellt, welches etwa 15 mm breit war. Dieses wiederum wurde in quadratische Stücke geschnitten und anschließend mit einem runden Münzstempel geprägt. Auf diese Weise entstanden Münzen mit vier kleinen Ecken, die so genannten „Vierzipfler“ des Mittelalters. Später waren die Münzen rund und besaßen einen geriffelten Rand.

Im Jahr 1342 gründeten der österreichische Herzog, die Städte Zürich und Basel sowie der Basler Bischof zur Vereinheitlichung der Münzen und den damit verbundenen wirtschaftlichen Erleichterungen den Rappenmünzbund – eine Währungsunion 600 Jahre vor dem Euro!Unter Anderem regelte ein strenges Gesetz den Umgang mit dem Schwarzwald- und Vogesensilber und dessen Reinheit. Der Bund wuchs bis zum Jahr 1403 auf 80 Mitglieder an (zumeist Städte). Das Gewicht der Pfennigmünze betrug etwa 0,15 Gramm Silberfeingewicht. Jede Münzstätte prägte Münzen mit gleichem Gewicht und ähnlicher Reinheit. Jede Stätte hatte aber ihr eigenes Prägezeichen. Freiburg zum Beispiel hatte als Zeichen einen Adler, der im Volksmund auch als „Rabe“ bezeichnet wurde. Daraus entstand die Bezeichnung „Rappen“ – auch heute noch die kleinste Münzeinheit der Schweiz.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Zur Herstellung der mittelalterlichen Münzen wurden nach dem Treibeprozess aus dem Silber dünne, schmale Bänder mit einer Breite von etwa 13mm angefertigt. Diese wurden in quadratische Scheibchen geschnitten, welche dann einseitig mit einem runden Stempel zu Münzen geprägt wurden. Durch das viereckige Ausgangsmaterial und den runden Stempel entstanden sogenannte „Brakteaten“ mit vier kleinen Ecken, den vier „Zipfeln“. Jede Stadt mit Münzrecht prägte mit ihrem eigenen Prägezeichen, mit teilweise unterschiedlichem Reinheitsgrad und teilweise auch mit unterschiedlichem Gewicht. Damit konnte der Wert der diversen Münzen von Stadt zu Stadt sehr schwanken, was den Handel enorm erschwerte. Um dieses Hindernis zu beseitigen, wurde im Jahr 1342 vom österreichischen Herzog, der Städte Zürich und Basel sowie dem Bischof zu Basel der Rappenmünzbund gegründet. Ziel war es, den Wert der Münzen zu vereinheitlichen, was auch in einem strengen Gesetz zur Reinheit der Silbermünzen geregelt war. Auch durfte regional gewonnenes Silber nicht ausgeführt werden. Dem Bund schlossen sich nach und nach weitere Städte und Münzen an und 1404 umfasste er 80 Mitglieder. Alle diese prägten nun ihre Münzen mit gleichem Reinheitsgrad und mit gleichem Gewicht und jetzt war z. B. ein Breisgauer „Lindwurmpfennig“ genau so viel Wert wie ein Freiburger „Rappenpfennig“.

Das Prägezeichen der Stadt Freiburg war ein „Adler“ und über die Stadt hinaus sehr bekannt. Zur Entstehung der Bezeichnung „Rappenpfennig“ für diese Münze gibt es unterschiedliche Berichte. Jedenfalls geht der aber Name der kleinsten Münzeinheit der Schweiz, dem Rappen, auf diese Bezeichnung zurück und hat sich bis heute erhalten.

Es gab damals ab und zu Gauner, welche die Ecken der Münzen abschnitten und sammelten. Wenn genügend Material vorhanden war, konnten sie dann kleine Barren gießen und weiterverkaufen. Im Mittelalter war der Wert einer Münze der tatsächliche Silberwert und nicht wie heute imaginär durch den Aufdruck auf materiell eigentlich wertloses Papier oder minderwertiges Metall. Durch das Abschneiden der Ecken wurde der Wert der Münze also tatsächlich geringer. Wenn eine solche Person des“ Pfennigschrotens“ überführt werden konnte, dann drohten ihm im Bereich des Rappenmünzbundes drastische Strafen.

Ebenfalls auf den Rabenpfennig oder Rappen bezieht sich der heute noch verwendete Begriff „Rappenspalter“: Zur Prüfung, ob es sich tatsächlich um eine echte Silbermünze handelt, versetzte manch Übervorsichtiger der Münze einen sogenannten „Spalthieb“, der heute noch bei der einen oder anderen Münze erkennbar ist, welche die Zeit überstanden hat.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 14: „Glückauf!" bei der Suche nach „blauen Steinen"

Die Geröllhalden unterhalb des Quarzriffs heißen auch Blaue Steine nach den blauen bis violett auftretenden Fluoritkristallen. Das abwechslungsreiche Bergbaugeschehen bei Badenweiler reicht bis in die Zeit der Kelten und Römer zurück. Wahrscheinlich haben bereits die Römer in einem Tagebau den Erzgehalt des Quarzriffs abgebaut. Die Halden wurden inzwischen von ganzen Sammler-Generationen durchwühit Spektakuläre Funde darf man deshalb nicht erwarten. Ab und zu finden sich mitunter im Haldenmaterial auch kleine ange kohlte quadratische Holzscheiben, Relikte, die von einem alten alemannischen Brauchtum stammen, dem sog. „Scheibenschlagen“ vom Fastnachtsfeuer, das auf der Sophienruhe alljährlich am ersten Sonntag nach Fastnacht abgebrannt wird.

Das an der Sophienruhe abgebaute erzhaltige Gestein wurde sehr sorgfältig aufgearbeitet. Von den dabei ausgelesenen Silber-, Kupfer- und Bleierzen finden sich deshalb heute nur noch äußerst geringe Spuren in der Halde. Die Erzmineralien sind meistens mit der Gangart Quarz verwachsen. Die Erzproben von der Sophienruhe weisen nur geringe Silbergehalte in einer Größenordnung von kleiner als 0,1 Gewichtsprozent auf. Aus den Erzen wurde vor allem Blei gewonnen.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die riesige Halde der Sophienruhe besteht aus grob stückigem Material, welches großflächig vegetationslos ist und sich deshalb im Sommer stark aufheizt.

Zusammen mit dem großen Porenvolumen der Abraumhalde, der damit einhergehenden Trockenheit und die durch die Sonneneinstrahlung aufgeheizten Steine hat es hier die Vegetation schwer. Diese extremen Bedingungen machten es den Pflanzen in großen Bereichen der Halde auch über Jahrhunderte unmöglich, sich anzusiedeln oder sich gar flächendeckend auszubreiten. An den Randbereichen der Sophienruhe hat sich eine trockenheitstolerante und wärmeliebende Pflanzengesellschaft etabliert, welche von Schafschwingel und Thymian dominiert wird. Darüber stehen vereinzelte, fast bonsaiähnlich verkrüppelte Kiefern. In dieser ökologischen Nische konnte sich die „rotgeflügelte Oedlandschrecke“ ansiedeln, eine vom Aussterben bedrohte und unter Schutz stehende Heuschreckenart. Um ihren Lebensraum nachhaltig zu sichern, wird die Halde von Zeit zu Zeit von Gemeindearbeitern und dem Landschaftserhaltungsverband Breisgau-Hochschwarzwald von höheren Pflanzen befreit, welche von den umgebenden Waldrändern langsam in die Halde hineinwachsen.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 15: Blick auf die Burg Badenweiler von der Pfarrwaldpromenade

Die Burg „Baden“  diente dem Schutz der Siedlung und möglicherweise auch dem Bergbau. Die erste gesicherte urkundliche Nennung der Burg findet sich im Jahr 1122, als Herzog Konrad von Zähringen eine Schenkung zu Gunsten des Kloster St. Peter im Schwarzwald  unterzeichnete. Doch darf man davon ausgehen, dass die Burg als Herrensitz noch einiges älter ist, und bereits die Römer den weit sichtbaren Bergkegel (458 m NN) in die Ortsplanung mit einbezogen haben.

Sowohl Mörtelputz in einem späteren Bauteil der römischen Therme wie auch Mörtel  im Mauerwerk der Burg enthalten  Material , das bereits aus Erzgängen des  „Quarzriffs“ im „Pfarrwald“ stammt.

Im Laufe ihrer Geschichte wechselte die Burg häufig ihre Besitzer. 1147 übergibt  Konrad von Zähringen  die Burg und Herrschaft Badenweiler als Heiratsgut seiner Tochter Clementia anlässlich ihrer Vermählung mit Heinrich dem Löwen. 1158 fällt die Burg durch Gütertausch an Kaiser Friedrich Barbarossa. Doch schon nach kurzer Zeit sind die Zähringer wieder Herren der Burg. 1398 verpfändet der Graf von Freiburg als Nachfolger der Zähringer die Herrschaft Badenweiler an Leopold IV von Habsburg und dessen Ehefrau Katharina von Burgund, die von 1404 bis 1406 auf der Burg residierte. Ab 1412 ist die Burg mit Erlaubnis des Königs Sigismund wieder im Besitz der Grafen von Freiburg-Neuchâtel. Nach deren Aussterben wird sie in das Herrschaftsgebiet der Grafen von Sausenburg integriert und fällt 1503 mit dem Markgräflerland an den Markgrafen Christoph von Baden. Katharina von Burgund schenkte 1406 den Wald, wo sich jetzt der Aussichtspunkt befindet, samt den zugehörigen Bergwerksrechten der Pfarrkirche in Badenweiler. So entstand die Namensgebung „Pfarrwald“.

Die Burg wurde im Lauf der Geschichte mehrfach eingenommen, auch teilweise zerstört. Die endgültige Zerstörung erfolgte im April 1678 während des holländischen Krieges durch die Franzosen.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Vom Burghügel aus gibt es nach Osten eine wunderbare Aussicht über Badenweiler hinweg zu den Schwarzwaldbergen und nach Westen über die Rheinebene zu den Vogesen. Der Legende nach soll Badenweiler von französischen Truppen mit Bleikugeln erstürmt und eingenommen worden sein, die in der Schmelzhütte bei Oberweiler aus Blei vom Quarzriff erschmolzen wurden. Die Burg wurde 1678 von den französischen Soldaten beim Verlassen zerstört.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 16: Quellstollen zur Römer - Thermalquelle

Der Quellstollen wurde  1868 /71 nach Plänen von dem berühmten großherzoglichen Ingenieur und Oberbaurat GERWIG (Planer der  Schwarzwaldbahn) gebaut. Er traf dabei auch römische Fassungsstollen an.

Der Stollen ist zunächst rd. 60 m lang. Er verläuft von Nord nach Süd und mündet in einen etwa 35 m langen Quellfassungsstollen.

Das Thermalwasser fließt schon jahrtauendelang mit weitgehend konstanter Temperatur ca. 26° C und mäßigen, jahreszeitlich bedingten Schwankungen der Quellschüttung von 11 bis 15 l/s.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

In den Jahren 1868 bis 1871 wurde der Querschlagstollen nach Plänen des großherzoglichen Ingenieurs und Oberbaurats Gerwig vorgetrieben. Gerwig war auch der Planer der Schwarzwaldbahn von Freiburg nach Hinterzarten. Dieser Stollen geht nach 60 Metern in den 35 m langen Fassungsstollen über. Bei den Vortriebsarbeiten wurden römische Arbeiten angetroffen, welche schon damals zur Quellfassung angelegt wurden. Die gesamte Stollenlänge, die auch heute noch das Thermalbad mit Wasser versorgt, wird von der zuständigen Behörde in regelmäßigen Zeitabständen kontrolliert und bei Bedarf gereinigt. Bei dieser Gelegenheit können auch ausgewählte Personen den Stollen unter Beachtung höchster hygienischer Anforderungen begehen. Die Luftfeuchte liegt im feuchtwarmen Quellstollen bei annähernd 100 Prozent und es ist normalerweise darin entsprechend neblig. Brauchbare Fotos im Inneren des Stollens sind deshalb nur machbar, nachdem das Mundloch eine Zeit lang offen stand.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 17: Gesundheit aus dem Schoss der Erde

Der im Gelände sichtbare Lüftungsstollen markiert den unterirdischen Beginn des Fassungsstollens der Thermalquellen, die an den Klüften  im sogenannten „Quarzriff“ ausströmen.

Schon die Römer versuchten die Schüttung der Quellen zu verbessern und gruben Stollen zur Fassung der Wasser, denn der Wasserbedarf im großen römischen Bad war enorm.

Nachdem so über viele Jahrhunderte das Thermalwasser aus mehreren  Stollen ausgeströmt sein muss, ließ Ingenieur GERWIG 1868 / 1871 den bis heute  noch betriebenen Fassungsstollen mit Zugangsstollen und Quellschächten ausbauen.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Thermalquellen von Badenweiler hängen unmittelbar mit den besonderen geologischen Verhältnissen der hier verlaufenden Schwarzwald-Randverwerfung zusammen (siehe Abschnitt Geologie).

Das Thermalwasser tritt im Bereich von Spalten und Rissen beim Übergang vom Quarzriff zum Gipskeuper aus. Die Schüttung beträgt jahreszeitlich bedingt zwischen 8,5 bis 18,1 Liter pro Sekunde, im Mittel 13,06 Liter. Die Hauptschüttung liegt in den Monaten März bis April, das Minimum tritt gegen Jahresende ein. (BASTING, 1977). Die Temperatur beträgt im Fassungsstollen konstant 26,4°C (SANDBERGER, 1858). GERWIG gibt an, dass die Temperaturen an sechs Zutrittsstellen zwischen 17,2° und 27°C schwanken; das Mittel läge bei 24,4°C (siehe WERNER, 2018, S. 186/187).
Den Beginn des Fassungsstollens für das Thermalwasser kann man oberhalb an einem im Gelände erkennbaren Lüftungsschacht sehen.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 18: Mächtige Felsblöcke im Pfarrwald markieren den Verlauf des sogenannten „Quarzriffs“

Beim Einbruch des Oberrheingrabens zwischen Schwarzwald und Vogesen zerbrach im Tertiär  (beginnend vor 65 Mill. Jahren) das sedimentäre Deckgebirge in viele einzelne Schollen. An den Bruchstufen der stärksten Bewegung, der  sog. „Hauptverwerfung“ , drangen aus der Tiefe heiße Lösungen und setzten ihre Lösungsinhalte in den  aufgerissenen Spaltenhohlräumen ab.  Kieselsäure verdrängte den Kalk vor allem aus den Schichten des oberen Muschelkalkes. Auch der Buntsandstein wurde verkieselt. Dieses  so verhärtete Gestein wurde durch nachfolgende tektonische  Bewegungen weiter zerbrochen und von zahlreichen Klüften und Störungen durchsetzt , in die sich später nutzbare Mineralien wie der  schon zu Römerzeiten in Badenweiler abgebaute Bleiglanz absetzten.

Wegen der großen Witterungsbeständigkeit dieser fast nur aus Quarz bestehenden Gänge wurden sie bei der Erosion ihrer umgebenden Gesteine freigelegt und ragen heute  als Hartgesteinrippe aus ihrer Umgebung hervor, was ihnen die Bezeichnung „Quarzriff“ eingetragen hat. Dieses Quarzriff zieht deutlich im Gelände sichtbar über Sehringen, die Grube Hausbaden, Alte Mann-Fels, Sophienruhe, Karlstollen und über die Schwärze in Richtung  Sulzburg/ Münstertal.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die auf Tafel 18 zu sehende geologische Karte zeigt deutlich die Grenze zwischen dem Schwarzwälder Grundgebirge und den Sedimenten der oberrheinischen Tiefebene. Es werden auch die Entstehung des Quarzriffs und der darin vorkommenden Erze beschrieben. Details hierzu siehe Abschnitt „Geologie“ dieser Arbeit, die auf dieser Tafel abgebildete Grafik befindet sich auf Seite 12.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 19: Der Schmelzofen in Oberweiler

„Ohne Gold kann man leben, ohne Eisen nicht!“

Erkenntnis des markgräflichen Herrscherhauses nach dem Dreißigjährigen Krieg

Der Gebäudekomplex mit Schmelzofen befand sich auf dem Gelände des heute gegenüber dem heutigen Sport-und Freizeitbad befindlichen Wohnparks. Davor lag ein großer Stauweiher als Wasservorratsbehälter für die Wasserräder zum Betrieb der Pochwerke, Blasebalge und der Hammerschmiede in Trockenzeiten. Der zum herrschaftlichen Eisenwerk in Oberweiler gehörende Hochofen war in der Regel 12 bis 14 Monate ununterbrochen in Betrieb. Verarbeitet wurde Bohnerz. Der Abbau von Bohnerz ist im Markgräflerland über ein Jahrtausend alt.  Bekannte Lagerstätten befanden sich bei Kandern (Holzen, Tannenkirch, Hertingen,) bei Liel, Schliengen und Auggen. Die für den Schmelzvorgang notwendige  Holzkohle lieferten Köhler von der Sirnitz.  Die Qualität des aus Bohnerz und  mit Hilfe von Holzkohle produzierte „Schwarzwälder Eisen“ hatte einen guten Ruf. Hergestellt wurden im Eisenwerk Stabeisen zur Weiterverarbeitung, Geschützkugeln und Kanonenöfen für den Hausgebrauch.  Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen und mit der Verwendung von Koks beim Schmelzprozess lohnte sich die Herstellung des einheimischen Eisens nicht mehr. 1863 wurde das Eisenwerk endgültig aufgegeben.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

(Der Schmelzofen mit dem zugehörigen Gebäudekomplex befanden sich auf dem Gelände der heutigen Wohnanlage, welche gegenüber dem Sport- und Freizeitbad liegt.)

Der zum herrschaftlichen Eisenwerk in Oberweiler gehörende Hochofen war in der Regel ganzjährig ununterbrochen in Betrieb. Verarbeitet wurde Bohnerz, das aus den Revieren bei Hertingen und Liel, zuletzt aus dem 1828 bei Auggen entdeckten Bohnerzlager stammte. Die für den Schmelzvorgang notwendige Holzkohle lieferten Köhler von der Sirnitz. Die Qualität des aus Bohnerz produzierten „Schwarzwälder Eisens“ hatte einen guten Ruf (siehe unten). Hergestellt wurden im Eisenwerk Stabeisen zur Weiterverarbeitung, Kanonenöfen für den Hausgebrauch, aber auch Geschützkugeln. Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen und mit der Verwendung von Koks beim Schmelzprozess lohnte sich die Herstellung des einheimischen Eisens nicht mehr. 1863 wurde das Eisenwerk endgültig aufgegeben.

Bohnerz
Bohnerz wurde schon von den Kelten gewonnen und in „Rennöfen“ zu Eisen geschmolzen. Die im Markgräflerland abgebauten Bohnerzlager ersteckten sich von Müllheim über Auggen, Schliengen, Liel, Hertingen, Tannenkirch, Holzen bis nach Hammerstein im Kandertal und bildeten ehemals einen wichtigen Wirtschaftsfaktor im Markgräflerland. Der Abbau erfolgte bevorzugt über eine Vielzahl an kurzen Schächten. Die ergiebigste Grube war der „Altinger Stollen“ zwischen Schliengen und Liel. Das Erz kommt als Konkretionen in braunem oder rotem Ton oder in einem weißen, quarzreichen Sand und Kaolin („Huppersande“) vor. Die Konkretionen bestehen aus „Brauneisenerz“ (ein Gemenge von Eisenoxiden oder -hydroxiden) und Hämatit. Sie sind oft konzentrisch-schalig aufgebaut und mehr oder weniger kugelig. Die übliche Größe erinnert an „Bohnensamen“, deshalb der Name. Das Erz war relativ leicht zu schmelzen und der geringe Gehalt von Phosphor oder Schwefel ergab ein hochwertiges Eisen. Die Markgräfler Bohnerze wurden in Hausen/Wiesental, in Kandern und in Oberweiler verhüttet (WERNER & GASSMANN, 2020).

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 20: Eisenwerk in Oberweiler

In der Vogtei Badenweiler wurde nicht nur Silberbergbau betrieben. Untern im Tal nutzten viele Mal- und Sägemühlen, Handwerksbetriebe, vor allem aber das Eisenhüttenwerk Oberweiler die Wasserkraft des Klemmbachs wie des Vogelbachs. Die im Bereich des heutigen Sport-und Freizeitbads gelegene Eisenschmelze wird 1582 erstmals urkundlich genannt beim Verkauf des Betriebs an den Markgraf Georg Friedrich von Baden. Allerdings wird bereits schon 1530 eine sogenannte „Schmelzmusik“ erwähnt. Die Bläser, schmuck gekleidete Bergmannsknappen, gelten als Vorläufer der heutigen Trachtenkapelle Badenweiler, die sich heute stolz älteste Blaska pelle Deutschlands“ nennen kann.

Die Betriebsverwaltung befand sich bis zur Stilllegung 1863 in dem stattlichen Gebäude unterhalb des Sportbads, Zeitweilig waren die Betriebsleiter auch als Bergwerksinspektoren für den gesamten Bergbau der Vogtei zuständig.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Das Bild auf dieser Tafel zeigt das Gebäude der ehemaligen Betriebsverwaltung von der Schmelze in Oberweiler (beschrieben auf Tafel 19). Gleichzeitig gibt es hier einen Hinweis auf die „älteste Blaskapelle Deutschlands“. Damit ist die Trachtenkapelle Badenweiler gemeint, welche aus der sogenannten „Schmelzemusik“ hervorgegangen ist (pers. Mitt. v. Hans Hermann BECHINGER).

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 21: Grubenfeld Karlstollen

Der 1926 endgültig  aufgegebene Bergwerksbetrieb  hat beim  Abbau von Blei-, Kupfer- und Silbererz im nördlichen Bereich des Quarzriffs  mit seinen über die Jahrhunderte einbrechenden Stollen deutlich Spuren im Gelände hinterlassen.  Seine Blütezeit erlebte er im 18.Jhd. unter Markgraf Karl Wilhelm von Baden (Name!). Der Karlstollen wurde bis an die Grenze des südlich gelegenen Grubenfelds Hausbaden getrieben. 1921 – 1924 wurde aus vier Überhauen wöchentlich ein „Doppelwaggon Reinerz“ gefördert. Zum Schutz der Heilquellen  von Badenweiler musste der Betrieb 1926 aber eingestellt werden.

Ein Teil der Stollenanlage wurde 1940 ausgebaut, weil sie als Befehlsbunker für den Westwall dienen sollte. Der untere Stollen ist heute noch auf ca. 50 Meter Länge, allerdings ohne größere Erzführung, befahrbar sein. Darüber liegen Verhaue mit einem abgehenden Stollen im Baryt und Hornsteinquarz führenden Gang mit eingesprengtem  Bleiglanz.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Karlstollen und die Grube Jeremias liegen auf ein und demselben Gang. Dieser liegt einige Zehnermeter parallel zum westlich davon verlaufenden Quarzriff. Es gibt einen unteren und einen oberen Karlstollen.

Der untere Karlstollen ist nach Süden aufgefahren und sein Querschnitt ist gleich nach dem Mundloch auf eine Länge von etwa zwanzig Metern hallenartig vergrößert. Am Ende dieses großen Hohlraumes stand auf Stützen ein eiserner Wasserbehälter (Abb. 76). Darüber befindet sich ein Tagschacht. Dieser ist übertägig durch eine quadratische Betonmauerung gesichert, in der eine kleine eiserne Tür eingelassen ist. Vom Tagschacht aus ca. fünfzig Meter weiter zweigt ein leicht ansteigender Stollen nach Osten ab, der heute bis fast zur Firste mit Gestein verfüllt ist. Ältere Einheimische berichten, dass sie als Jugendliche durch diesen Querschlag in den Karlstollen gelangt sind. Das Mundloch des Querschlages ist inzwischen mit Erdaushub verschlossen. Im Karlstollen ist ein Gang mit parallel verlaufenden Mineralisationen von Baryt und Quarz mit eingesprengtem Bleiglanz aufgeschlossen. Die Mächtigkeit beträgt bis zu 2 Meter. Bei etwa 100 Metern vom Mundloch zeugt ein hoher, knapp 20 Meter langer Abbau davon, dass hier eine gute Erzführung angetroffen wurde. Die aus Backsteinen aufgemauerte Wand ist wohl während des Ausbaues zum Westwallbunker entstanden (Abb. 77). Nach etwa 150 Metern vom Mundloch wurde nach Westen, in Richtung Sophienruhe, ein Querschlag zum Quarzriff vorgetrieben. Ursprünglich war vorgesehen, den Karlstollen durch das Grubenfeld Hausbaden hindurch mit dem Wilhelminenstollen in Sehringen zu verbinden. Die Planungen konnten jedoch nicht realisiert werden (siehe Seite 55, Abb. 89). Auch dieser Querschlag ist heute mit Gestein zugesetzt. Auf den ersten Metern befand sich bis vor einigen Jahren eine seismologische Messstation des LGRB Freiburg. Das Grubengebäude ist etwa 200 Meter lang und im hinteren Bereich weitgehend mit Gestein zugesetzt.

Der obere Karlstollen befindet sich einige Meter unterhalb des Salzleckeweges und beginnt in einem Verhau. Er war bis Ende 2014 noch auf eine Länge von ca. 60 Metern befahrbar. Im Stollen war ein Hochbruch zusehen, wohl ein begonnener Wetterschacht (Luftschacht). Offenbar fehlten nur noch wenige Meter bis zur Erdoberfläche. Durch Witterungseinflüsse brach dieser Schacht im Frühjahr 2015 in sich zusammen. Der Bruch setzte sich nach oben bis zum Waldboden fort. Dort, wo dieser Schacht einmal war, befindet sich jetzt eine tiefe Pinge im Gelände.

Nach SCHEFFELT (1958) soll es insgesamt drei übereinander liegende Stollen gegeben haben. Eine umfangreiche Halde, die in Streichrichtung des Karlganges direkt am Salzleckeweg liegt, könnte darauf hinweisen, dass es tatsächlich einmal einen „obersten Stollen“ gab. BEYER (1994) beschreibt in diesem Bereich jedoch einen längeren „Pressbau“ (Verhau, Tagebau) und einen 10 – 12 m tiefen Schacht, von dem aus ein Strossenbau mit mehreren Strecken ausging. Damit ist das Haldenvolumen erklärbar.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 22: Bergbauspuren oberhalb des Salzleckewegs

Viele Spuren bergmännischer Aktivitäten lassen sich unschwer im nördlichen Bereich des Quarzriffs Im Gelände  feststellen. An Hand der fast geradlinig verlaufenden, grabenförmigen  Einsenkungen lässt sich gut der Verlauf  des heute eingestürzten oberen Karlstollens verfolgen.  Auch der kleine am Weg gelegenen „Katzenweiher“ ist die Spätfolge bergmännischer Grabungen. Ausgeschwemmter  Lehm verdichtete den Boden, so dass sich in der Vertiefung das Hangwasser sammeln kann.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Der „Katzenweiher“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Bergbauspuren, die auf dem Gang der Gruben Karl und Jeremias liegen, stellt wahrscheinlich ein Bergbaurelikt dar: Der steile Abhang des Hochblauens zur Rheinebene hin ist sehr trocken und Abflüsse, welche das ganze Jahr über nachhaltig Wasser führen, sind rar. Deshalb ist es naheliegend, dass dieser Weiher von ehemaligen Bergleuten angelegt wurde, um für den Grubenbetrieb notwendiges Wasser zu speichern. Nach SCHEFFELT(1958) soll hier auch ein Zechenhaus gestanden haben.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 23: „Glückauf!“ bei der Suche nach „blauen Steinen“

Die Geröllhalden unterhalb des Quarzriffs heißen auch „Blaue Steine“ nach den blauen bis violett auftretenden Fluoritkristallen. Das abwechslungsreiche Bergbaugeschehen  bei Badenweiler reicht bis in die Zeit der Kelten und Römer zurück. Wahrscheinlich haben bereits die Römer in einem Tagebau  den Erzgehalt des Quarzriffs abgebaut. Die Halden wurden inzwischen  von ganzen Sammler-Generationen durchwühlt. Spektakuläre Funde darf man deshalb nicht erwarten. Ab und zu finden sich mitunter  im Haldenmaterial auch kleine angekohlte quadratische Holzscheiben, Relikte, die von einem alten alemannischen Brauchtum stammen, dem sog. „Scheibenschlagen“, vom Fastnachtsfeuer, das auf der Sophienruhe alljährlich am ersten Sonntag nach Fastnacht abgebrannt wird.

Das an der Sophienruhe abgebaute erzhaltige Gestein wurde sehr sorgfältig aufgearbeitet. Von den dabei ausgelesenen Silber-, Kupfer- und Bleierzen finden sich deshalb heute nur noch äußerst geringe Spuren in der Halde. Die Erzmineralien sind meistens mit der Gangart Quarz verwachsen. Die Erzproben von der Sophienruhe weisen nur geringe Silbergehalte in einer Größenordnung von kleiner als 0,1 Gewichtsprozent auf. Aus den Erzen wurde vor allem Blei gewonnen.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Tafel 23 zeigt einen geologischen Schnitt durch das Gelände bei der Sophienruhe. Die Erze (meist Bleiglanz) finden sich auch hier eingesprengt in Quarz. Beim Aufschlagen der großen Gesteinsbrocken können mit etwas Glück auch heute noch alle in Badenweiler vorkommenden Mineralien gefunden werden. Dabei ist der hier auftretende Fluorit häufig blau bis blauviolett gefärbt. Deshalb hat dieses Gewann auch den Namen „Blaue Steine“ erhalten.

Etwas unterhalb und einige Zehnermeter nördlich des Aussichtspavillons bei der Sophienruhe wurde in den frühen 1920er Jahren vom Quarzriff her begonnen, nach Osten einen Querschlag mit dem Namen „Markgrafenstollen“ aufzufahren. Er sollte den Gang erschließen, auf welchem die beiden Karlstollen sowie der Jeremias-Stollen liegen. Das Vorhaben wurde jedoch nach wenigen Metern aufgegeben. Der kurze Stollen war bis in die 1960er Jahre befahrbar und in den späten 1970erJahren war noch der Wellblech-Ausbau des verschütteten Mundloches sichtbar.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 24: Vermutliches Mundloch des Jeremias Stollens

Hinter der Sophienruhe verläuft der erzreiche Quarzgang  hangaufwärts unter der Blauenstraße hindurch. Unterhalb der Straße liegt ein bereits nach wenigen Metern verschütterter Stolleneingang. Es soll  sich um ein Mundloch der von Pfarrer Gmehlin betriebenen Grube „Jeremias“ handeln. Auf der Halde liegt viel Quarz mit etwas Pyromorphit und seltener auch Wulfenit (Verwitterungserze von Bleiglanz).

In einem „Umlauf“ des Markgrafen Carl Wilhelm von 1723 werden die im Betrieb befindlichen Gruben in Badenweiler genannt: „Carls-Stolln / Engels-Burg / Prophet Jeremias / Fürsten-Hut“.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Grube Jeremias liegt östlich des Quarzriffes und in der südlichen Verlängerung des Ganges, welcher über die beiden Karlstollen abgebaut wurde (siehe Tafel 21). Jeremias Gmelin war Pfarrer in Badenweiler und hat bis 1732 die Grube „Prophet Jeremias“, die heute nicht mehr lokalisierbare Grube „Jakobus“ und die weiter südlich liegende Grube „St. Johann“ betrieben. Die Grube „Jeremias“ wird 1723 von Markgraf Carl Wilhelm in einer Urkunde genannt (SCHEFFELT, 1958).

Aus einem ehemaligen Tagebau führt hier ein kurzer Stollen nach Süden. Direkt hinter dem Mundloch legte man einen heute verschütteten Strossenbau an, also einen Abbau unterhalb der Stollensohle. Das Haldenvolumen lässt darauf schließen, dass die Baue tatsächlich viel größer waren, als es die heute noch begehbaren, bescheidenen Reste des Abbaus erahnen lassen. Der nach unten vordringenden Abbaumethode wurde wohl der Vorzug gegeben, weil hier das Gelände nur flach ansteigt und die Gebirgsüberdeckung entsprechend gering ist. Es wäre sicher sehr interessant, wenn diese Grube einmal montanarchäologisch untersucht würde.

Auf der Halde finden sich neben viel Quarz und Baryt auch etwas Pyromorphit und sehr selten auch Wulfenit.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 25: Schon immer ein beliebtes Ausflugsziel - Aussichtspunkt Sophienruhe

Von der oberhalb des Quarzriffs befindlichen Schutzhütte, 511 m. f. NN (Meereshöhe) hat man eine sehr schöne Aussicht über den Ort Badenweiler hinweg in die Oberrheinische Tiefebene bis hin zu den Vogesen.

Großherzogin Sophie von Baden, sie war mit Großherzog Leopold (1830-1852) verheiratet, weilte 1842 längere Zeit als Kurgast in Badenweiler. Lieblingsziel ihrer Ausflüge war die nach ihr später benannte „Sophienruhe“.

Für die Ausflüge wurden im 19. Jhdt. in Badenweiler gern Esel als Reittiere benutzt. Der Standplatz der Esel mit ihren Führern war der „Eselsweg“, der Verbindungsweg zwischen Kurpark und Kaiserstraße gegenüber der evang. Kirche.

Die Eseltreiber mussten die Reittiere mit ihren Stecken zwecks Erreichung einer entsprechenden Gangart antreiben oder stupfen: Gleiches möchten die Eselstupfer (Mitglieder der gleichnamigen Narrenzunft) in der närrischen Zeit auch ihre Mitbürger.

Autor: Hans Hermann Bechinger

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Schutzhütte oberhalb der großen Halde liegt auf 551m über NN. Von hier aus gibt es eine wunderbare Aussicht über Badenweiler und Müllheim hinweg in die oberrheinische Tiefebene und am Horizont kann man die Vogesen erkennen. Mitten in der Rheinebene lässt sich der Rhein aufgrund der begleitenden Auewälder wie ein grünes Band verfolgen.

Der Name „Sophienruhe“ stammt von Großherzogin Sophie von Baden, welche 1842 als Kurgast in Badenweiler wohnte. Dieser Aussichtspunkt war der Erzählung nach ihr Lieblingsort.

Autoren: Hans Hermann Bechinger & Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 26: Silberschmelze Vogelbachtal

Ehemaliges Ausflugslokal „Bergmannsruhe“

Im Vogelbachtal wurden seit dem Mittelalter Blei – und Silbererze  der  Grube „Fürstenfreude“  abgebaut. 1741 wurde eine Schmelzhütte errichtet, die unter Regie der Zeche Hausbaden stand. Verarbeitet wurde  Erz aus den Gruben aus Badenweiler und zeitweilig auch Erz vom benachbarten  Sulzburg.

Der Betrieb war ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus Badenweiler, die gern die Gastlichkeit der Bergwerkskantine „Bergmannsruhe“ genossen und bis zur Stilllegung des Schmelzofens 1798 erleben konnten, wie beim Schmelzen das Blei vom Silber geschieden wurde.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Von der Sophienruhe aus in Richtung Süden werden die Bergbauspuren spärlicher und das Quarzriff verschwindet im Hangschutt, bevor die Rheintalverwerfung und auch dieser Wanderweg die Blauenstrasse überqueren. Hier gibt es eine Hinweistafel auf die ehemalige Silberschmelze, welche am Ausgang des Vogelbachtals stand.

Es ist heute nicht nachvollziehbar, warum zunächst bei Hausbaden eine Poche errichtet wurde. Das dort vom Hochblauen herunterfließende Stockmattbächle führt wie alle am Westhang dieses Berges gelegenen kleineren Gewässer nur bei Regenwetter und während der Schneeschmelze ausreichend Wasser, um eine Erzaufbereitung zu ermöglichen. Es kam hier also zu vielen, witterungsbedingten Unterbrüchen. Deshalb wurde das Pochwerk bei der Grube Hausbaden aufgegeben. Günstiger war die Situation im Osten von Badenweiler. Der Klemmbach, welcher von der Sirnitz herunterfließt und der Vogelbach führen fast das ganze Jahr über genügend Wasser, um eine Aufbereitungsanlage kontinuierlich betreiben zu können.

Im Jahr 1741 wurden am Ausgang des Vogelbachtals, eine neue Poche und eine Schmelzhütte errichtet, die unter der Aufsicht der „Zeche Hausbaden“ stand. Wohl zur Sicherstellung der Wasservorräte auch während extremer Trockenzeiten legte man einen größeren Teich an, welcher heute noch existiert. Die Aufbereitung musste vorübergehend aufgegeben werden und 1795 genehmigte die markgräfliche Regierung der Bau einer neuen Schmelze. Mit Unterbrechungen wurden hier bis 1835 die Erze von Badenweiler und teilweise auch solche aus dem Münstertal sowie dem Sulzburger Tal verschmolzen. Das Knappschaftshaus – die „Kantine“ der Bergleute – war damals ein beliebtes Ausflugsziel der Einwohner von Badenweiler.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 27: Köhlerei auf der Sirnitz

Zahlreiche Köhler auf der Sirnitz brannten Holzkohle für das Eisenwerk in Oberweiler und die Schmelzöfen für den Silberbergbau in Badenweiler. Der immer größer werdende Bedarf an Brennmaterial für die Schmelzen, aber auch der Bedarf an Bauholz für den Grubenausbau hatten zur Folge, dass vom Stockberg über die Brandeck hinüber zur Sirnitz, zum Kaibenkopf und zum Rammelsbacher Eck große Teile „ausgeholzt“ waren. Der Blauen ragte kahl, nur mit etwas Jungholz bedeckt, in die Landschaft. Die „Blößen“ (geräumten Waldflächen) dienten als Weideflächen für das zur Lebenshaltung der Köhler benötigte Vieh und zur Haltung der Pferde, die zum Transport der Holzkohle benötigt wurden.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Flurnamen „Kohlplatz“ und „Schwärze“ in der Nähe von Badenweiler beziehen sich unmittelbar auf das Vorhandensein von Köhlerplattformen mit den dazugehörigen Kohlemeilern. Anlagen zur Holzkohle-Gewinnung tanden im gesamten Klemmbachtal und bis zu den Höhen der Sirnitz. Der Bedarf war so hoch, dass große Bereiche völlig abgeholzt waren, wie das auch in der Umgebung von anderen Bergbaustätten des Schwarzwaldes der Fall war. Der Blauenwald war einmal bis fast zum Gipfel hinauf kahl und das Land wurde als Weidefläche für Vieh und Pferde zur Versorgung der Bevölkerung genutzt. Pferde wurden auch zum Transport der Holzkohle vom Ort der Erzeugung zu den Schmelzen eingesetzt. Zur Rettung der Wälder wurde 1833 das Badische Forstgesetz erlassen. Es regelte den Holzeinschlag so, dass nicht mehr geerntet werden durfte als nachwachsen konnte.

Zur Veranschaulichung dieser ehemals für den Bergbau unverzichtbaren Energielieferanten werden solche Kohlemeiler heute noch von Zeit zu Zeit im Münstertal und beim Besucherbergwerk Finstergrund im Wiedener Tal aufgeschichtet und betrieben.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 28: Quarzriff zwischen den Gruben Jeremias und Hausbaden

Nach Süden hin im Anschluss an die Sophienruhe und die Grube Jeremias unterquert der Quarzgang die Blauenstrasse. Sowohl unterhalb als auch oberhalb des Wanderwegs finden sich große Blöcke  von Hornstein (von Kieselsäure verhärteter Muschelkalk). In einer unscheinbaren, flachen Wasserrunse finden wir wieder eine Stollenpinge mit zwei kleineren Halden. Wahrscheinlich gehören sie zur Grube St. Jakob, die zusammen mit dem Jeremiasstollen 1728 -1732 vom Pfarrer Jeremias Gmehlin im Pfarrwald betrieben worden sind.

Gleich darüber, oberhalb des Wanderwegs,  existiert ein halb verschütterter „Verhau“ mit einer Länge von etwa 20 Metern und einer Breite von rund vier Metern. Es handelt sich bei den „Verhauen“ um die Überbleibsel einer mittelalterlichen Abbautechnik  im Erzbergbau. Die Erzgänge wurden zunächst von der Erdoberfläche aus, von dort, wo sie entdeckt worden sind, abgebaut. Es entwickelt sich dabei naturgemäß eine Verfahrensweise, die stufenförmig tiefer ging.

Der vorgelagerte Quarzblock wurde vor einiger Zeit der „Stein des Anstosses“. In neuerer Zeit entdeckten Mineraliensammler auf der Halde  sehr gut entwickelte orangerote bis gelbe Mimetesit- und grosse , zitronengelbe Wulfenitkristalle. Leider wurde hier mit Abbaubohrern und anderem schweren Gerät gearbeitet. Die Halden unterhalb des Verhaues wurden  so stark umgewühlt, dass der Wanderweg nahezu unterhöhlt und fast zum Abbrechen gebracht wurde. Das veranlasste die zuständigen Behörden, alle Grab- und Abbauarbeiten im Bereich des Quarzriffs zu verbieten.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Im „Lindengraben“, einem kleinen Seitentälchen nördlich des Altemannfelsens, finden sich unterhalb des Wanderweges wieder einige Bergbauspuren in Form von zwei kleinen Halden und einer undeutlichen Stollenpinge. Diese Arbeiten sollen in den Jahren 1727 bis 1729 vom bereits genannten Pfarrer Jeremias Gmelin unter dem Namen „St. Johannsgrube“ betrieben worden sein (SCHEFFELT, 1958). Direkt am Weg befindet sich ein begonnener, kurzer Stollen

Wenige Meter weiter in Richtung Altemannfels sehen wir oberhalb des Weges einen einzelnen großen Felsblock und direkt dahinter liegt ein alter mittelalterlicher Verhau. Dieser ist bei einer Breite von ca. 4 Metern um die 20 Meter lang.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 29: Quarzriff beim "Altenmann"

Die Erzgänge um Badenweiler sind mit Ausnahme des Fürstenfreude Gangs an das Quarzriff gebunden. Das Quarzriff markiert im Gelände, hier besonders deutlich sichtbar, die Bruchstufe, an welcher der Oberrheingraben zwischen Schwarzwald und Vogesen im Tertiär mehr als 4.000 m abgesunken ist. Im Bereich der Bruchzone konnten sich im heißen Wasser gelöste Substanzen als Gangarten und Erze an den Spaltenrändern absetzen.

Zunächst wurde dichter Quarz („Hornsteinquarz“) abgeschieden, dann Baryt, Fluorit und die Metallerze (besonders Bleiglanz), zum Schluss nochmals Quarz; allerdings ist dieser letzte Quarz grobkristallin und bildet schöne kleine Drusen mit Bergkristallquarz.

Das verquarzte Gestein ist besonders witterungsbeständig und ragt an dieser Stelle des Wanderwegs als ein hohes Felsenriff aus dem Gelände. Es trennt den Blauengranit auf der östlichen Seite vom Keupermergel auf der westlichen Seite.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Diese Tafel erläutert anhand eines geologischen Querschnitts die Entstehung der Erzgänge bei Badenweiler.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 30: Der Altemann – ein beliebtes Ausflugsziel

Die wild romantische Felslandschaft des Quarzriffs mit dem herrlichen Ausblick in die Oberrheinebene hinüber zur Kette der Vogesen gehört  zu den beliebtes ten Ausflugszielen. So haben auch viele illustere Gäste aus Badenweiler hier bei ihrer Wanderung Rast eingelegt.

Um die Jahrhundertwende besuchten gern „gekrönte Häupter“ die großherzogliche  Familie in Badenweiler.  Bevorzugt logierten die hohen Gäste im Hotel  „Römerbad“ und im ehemaligen „Schloss Hausbaden“,  unterhalb der Grube „ Altermann“ gelegen.

Die Gedenktafel an der Felswand erinnert an den Aufenthalt von Kaiserin Auguste Viktoria, die Gemahlin Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1902 mit ihren Kindern.

Kaiser Wilhelm I. selbst war schon vorher als Kronprinz  in Badenweiler gewesen, jedoch nicht als Kurgast, sondern als Befehlshaber der preußischen Truppen, die seinerzeit mithalfen, die badische Revolution niederzuwerfen.  Auch König Wilhelm I. von Württemberg, König Carol I. von Rumänien, Großherzog Franz II. von Mecklenburg und König Gustav III. von Schweden kamen als Besucher zu ihrer fürstlichen Verwandtschaft nach Badenweiler. 1899 weilte Königin Wilhelmine von Holland mit ihrer Mutter in Schloss Hausbaden.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Der Altemannfels bietet wie die Sophienruhe eine herrliche Aussicht über die Rheinebene hinweg zu den jenseits des Oberrheingrabens liegenden Vogesen.

Die Bezeichnung „Altermann“ ist ein bergmännischer Begriff. Er bezeichnet einen ehemaligen Abbau, der völlig ausgeerzt und deshalb verlassen wurde. Im Innern des Berges sind solche Hohlräume häufig mit erzleerem („taubem“) Gestein zugesetzt, und zwar aus zweierlei Gründen: einerseits musste man offensichtlich taubes Gestein nicht mit großer Mühe zum Mundloch transportieren und davor auf die Halde schütten. Man sparte sich dadurch also eine Menge Arbeit. Andererseits wurde mit der Verfüllung die Stabilität der offenen Hohlräume innerhalb des Gebirges verbessert. Die Abbaue könnten sonst irgendwann in sich zusammenbrechen, was stellenweise bis zur Tagesoberfläche reichen kann (siehe als Beispiel die Erläuterungen zu Tafel 21, „Karlstollen“).

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 31: Unter Tage - Abbauhohlraum „Schwefelhöhle“

Hinter dem mit einem Schutzgitter versehenen Eingang zur „Schwefelhöhle“  liegt ein  mittelalterlicher,  zunächst im Tagebau angegangener Abbau. Der bis an die Erdoberfläche des Quarzriffs reichende Erzgang wurde bis in ca. 150 m Tiefe von den Bergleuten vollständig ausgeräumt.  So entstand ein auf dem Erzgang angelegter Abbauhohlraum. Neugieriges, weiteres Klettern im anstehenden Fels ist daher lebensgefährlich und strengstens verboten.

Unterhalb der Schwefelhöhle sieht man ferner, wie das Wasser des Lindengrabens  in eine Bergzerreissung  in die Tiefe stürzt. Auch hier  muss  dringend  von jeglicher  waghalsiger  Kletterei abgeraten werden.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

HENGLEIN (1924, S. 26) erwähnt eine tiefe, breite Spalte, die das Quarzriff begleitet. Diese ist wohl natürlichen Ursprungs und als tektonische Kluft zu deuten. Sie ist bei der Schwefelhöhle an drei Stellen zu sehen. Die Spalte bei der Schwefelhöhle wurde wohl von den Bergleuten verbreitert und so zur Befahrung, zum Abbau oder zur Förderung der Erze ausgebaut. Der Hohlraum lässt sich über Abbaue und Blindschächte bis zu den tiefsten Sohlen der Grube Hausbaden nachweisen. Er ist auch dafür verantwortlich, dass es innerhalb dieser Bergwerksanlagen zu keiner Zeit Probleme mit zusetzendem Wasser gab, die eine technisch aufwändige und teure Wasserhaltung erforderlich gemacht hätten.

Wenige Meter südlich der Brücke beim Altemannfels befindet sich ebenfalls eine offene Spalte, in welche bei nasser Witterung der kleine Stockmattbach hineinfließt. Sie stellt die nördliche Verlängerung der Schwefelhöhle dar und steht ebenfalls mit den tiefsten Grubenanlagen von Hausbaden in Verbindung. Die dritte, offenstehende Spalte befindet sich direkt oberhalb sowie etwas südlich der Schwefelhöhle auf dem Ausbiss des Quarzriffs.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 32: Mit Feuersetzen, sowie Schlägel und Eisen

Schlägel (Fäustel) und Bergeisen waren neben dem Feuersetzen bis zur Verwendung von Sprengstoff im  17. Jahrhundert die beim Abbau eingesetzten wichtigsten Hilfsmittel.

Beim Feuersetzen entstehen unter der Hitzeeinwirkung  Spannungsrisse. Das Gestein konnte besser mit Schlägel und Eisen bearbeitet werden. Spuren dieser sehr alten Abbautechnik zeigen zahlreiche Höhlungen im Bereich des Alte-Mann-Felsens  mit ihrem rundlich-glatten Erscheinungsbild,  so auch die Stollenöffnung neben der Schwefelhöhle.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Wer schon einmal einen im Bereich des Quarzriffs gefundenen Stein mit dem Hammer aufgeschlagen hat stellte fest, dass dieses Gestein sehr hart ist. Umso mehr ist die Arbeit der ehemaligen Bergleute bewundernswert, die ohne Sprengstoff tiefe Stollen in diese Felsen getrieben haben.

In einem weicheren Gestein konnte der Abbau ohne weiteres mit Hilfe von Hammer und Meißel („Schlägel und Eisen“) erfolgen. Hier in Badenweiler aber, im Gangquarz und dem silifizierten Nebengestein führte über Jahrhunderte nur die Technik des „Feuersetzens“ oder „Brände setzen“ zu einem wirtschaftlich annehmbaren Erfolg. Selbst nach Einführung des Schießpulvers im Bergbau ab dem 17. Jahrhundert hat man bei Badenweiler oft noch auf diese Technik gesetzt. Dabei machte man sich zunutze, dass sich die Gesteine bei Temperatureinwirkung unterschiedlich stark ausdehnen. Allein der Quarz schon ändert bei höheren Temperaturen seine kristalline Beschaffenheit, was zu Volumenänderungen und damit zu Rissen führt.

Man schichtete dazu direkt am Fels oder an der Ortsbrust der Stollen Hölzer auf und entzündete diese. Die Feuer wurden meist über die arbeitsfreien Tage des Wochenendes betrieben und wurden von Feuerwächtern überwacht. Andere Bergleute durften während dieser Zeit nicht in die Stollen. Anschließend konnte das durch die Hitze des Feuers mürbe gemachte, rissige Gestein mit Schlägel und Eisen abgebaut werden (WERNER & BECHERER, 2021).

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 33: Schurf und Verhau

Schurf

An Stellen, an denen die mittelalterlichen Prospektoren einen Erzgang vermuteten oder gefunden hatten, wurde ein so genannter Schurf angelegt. Die Bodenschicht wurde bis zum anstehenden Fels abgetragen und der Gang wurde oberflächlich auf seinen Erzgehalt hin, also auf seine Bauwürdigkeit untersucht. Ein Schurf hat Ähnlichkeit mit einem Graben. Sicher ist es dann eine bergmännische Arbeit, wenn mehrere solcher Vertiefungen wie an einer Perlschnur aufgereiht hintereinander liegen. Häufig findet man zudem im Abraum noch Gangmaterial. Schürfe können auch mit Schachtpingen (eingestürzten Schächten) verwechselt werden.

Verhau

Bei einem Verhau handelt es sich um einen tiefen, schluchtartigen Tagebau. Der Erzgang wurde vollständig abgebaut. Das Nebengestein ließ man stehen. So entstanden grabenartige Vertiefungen im Gelände. An der Breite ist die Mächtigkeit (=Breite) des Erzganges ablesbar, die Länge ist abhängig von der horizontalen Erstreckung der erzführenden, abbauwürdigen Zone. Ein mustergültiger Verhau aus der frühesten Bergbautätigkeit in Badenweiler befindet sich unterhalb der Schutzhütte am Altemannfels.

Verhau beim Alten Mann – ein alter Erzabbau, der die besten Jahre hinter sich hat…

Zu den eindruckvollsten Überresten des Bergbaus im Revier Hausbaden gehört dieser tiefe, schluchtartige „Verhau“. Er folgt dem Verlauf eines ehemals ergiebigen und mächtigen Erzganges direkt bei dem steil aus dem Hangschutt ragenden Quarzriff.  Im oberflächennahen Bereich erfolgte die Erzgewinnung teilweise im Tagebau, während der Abbau in die Tiefe, wie die benachbarte „Schwefelhöhle“ zeigt, bis auf das Niveau  der heutigen Klinik Hausbaden reichte.  Die kleine Brücke zum Serpentinenweg führt über die ausgeräumte Gangspalte, die sich nach und nach mit dem von beiden Seiten herabstürzendem Gestein verfüllte.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die mittelalterlichen Prospektoren suchten in den Fließgewässern und im Hangschutt der Berge gezielt nach Rollstücken von denen sie wussten, dass sie manchmal Erz führen können: Die Gangarten Baryt, Quarz, Fluorit. Manchmal waren Erze oder ihre Sekundärmineralien sogar sichtbar in ihnen eingewachsen. Diese Spuren wurden flussaufwärts oder den Hang hinauf verfolgt, bis die Funde ausblieben. Also musste man das Streichen (den Verlauf) des Erzganges überschritten haben. Im Bereich der auf diese Art eingegrenzten Stellen wurde dann der Oberboden abgetragen und der Erzgang aufgeschürft.

Probeschürfe wurden mit einfachsten Mitteln angelegt, um die Erzführung des Ganges zu untersuchen. Oft liegen sie in Streichrichtung des Ganges wie bei einer Perlenkette aufgereiht hintereinander.
Sobald sich herausstellte, dass ein Erzgang bauwürdig war, also genügend Erz führte, vergrößerte man die Schürfe und drang dabei auch immer weiter in die Tiefe vor, wodurch mit der Zeit ein Tagebau entstand. Dabei wurde das Erz führende Gestein in der gesamten Breite des Ganges abgebaut.

An den Salbändern (Rändern) des Mineralganges steht heute daher in der Regel nur noch das taube Nebengestein an. Solche langgezogenen Tagebaue werden Verhaue genannt. Je anhaltender die Erzführung war, desto länger und tiefer wurden sie. Solche Abbaue konnten bei nachhaltiger Erzführung sehr tief werden, sodass immer größere Mengen an Grundwasser eindrangen und die Förderung allgemein zu beschwerlich oder gefährlich wurde, weil zum Beispiel die Standsicherheit der Wände nicht mehr gegeben war. Bei anhaltender Erzführung wurden dann weiter unten am Gebirgshang Stollen aufgefahren – je nach Situation entweder im Gangstreichen oder querschlägig.
Steigt man von der Schutzhütte beim Altemannfels den Serpentinenweg in Richtung Hausbaden ab, so überquert man nach wenigen Metern über eine Brücke eine tiefe „Schlucht“. Wie heute noch feststellbar ist, befanden sich zumindest im westlichen Teil Baryt- und Quarzgänge mit Bleierzen. Diese wurden bergmännisch gewonnen.

Unbedarfte Personen wissen nicht, dass sie sich beim Begehen der kleinen Brücke, die über den Graben hinwegführt, auf den Überresten eines ehemaligen Erzabbaus befinden. Es handelt sich hier um den größten und schönsten Verhau (Tagebau) im Bergbaurevier von Badenweiler. Die darin liegenden großen Felsblöcke sind nach Ende der bergmännischen Arbeiten hineingefallen

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 34: Die „weiße" Halde, interessant für Hobbymineralogen

Der obere Hausbaden-Stollen erschließt das Quarzriff querschlägig und besitzt eine Länge von rund 200 Metern. Er ist auf dem Quarzriff einige Meter nach Norden und nach Süden hin etwa 40 Meter aufgefahren, bevor er im völlig ausgeerzten Ganghohlraum endet. Dieser befindet sich unterhalb der Schwefelhöhle und steht mit der dort sichtbaren Spalte in Verbindung. Der Stollen liegt etwa 50 Meter höher als der untere Hausbaden-Stollen. Auf der Halde des oberen Stollens liegen viel Gangquarz und Baryt, teilweise mit eingesprengten Erzen. Untergeordnet kommt auch ein grauer, verkieselter Muschelkalk in Form von sogenanntem Hornstein vor. Quarz und Baryt sind von weißer Farbe und überwiegen deutlich. Deshalb wird der hier liegende Abraum aus dem Stollen als weiße Halde bezeichnet. Beim Aufschlagen des herumliegenden Gangmaterials können auch heute noch kleine Erzeinsprenglinge und deren Sekundärmineralien gefunden werden.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Wie die Hauptförderstrecke, der untere Hausbaden-Stollen war auch der hier liegende obere Stollen von Westen her querschlägig auf das Quarzriff vorgetrieben. Der Querschlag erreicht dieses nach etwa 200 Metern. Hier gibt es einen kleinen Abbauhohlraum nach Norden und zwei parallele, mächtige Abbaue in Richtung Süden. Beide vereinigen sich nach wenigen Metern und bilden hier einen riesigen, völlig ausgeerzten Abbau, der bis zur oberhalb davon gelegenen Schwefelhöhle und nach unten bis zu den tiefsten Abbauen der Grube Hausbaden reicht.

Das vor der Pinge des oberen Stollens liegende Haldenmaterial besteht aus etwas verkieseltem Hornstein, zum überwiegenden Teil aber aus weißen Quarz- und Barytbrocken. Daher stammt der Name „weiße Halde“. In den Gesteinsbrocken sind Primärerze und einige Sekundärmineralien eingesprengt.

Mit Ausdauer können auch heute noch Funde von schönen Mineralien gemacht werden, die meist aber nur Micromount-Größe erreichen.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 35: Grubengebäude / Bergwerk

Sobald von Übertage zuviel Wasser einsickerte, der Verhau so tief wurde, daß die Stöße nachzustürzen drohten, begann man, unterhalb des Verhaues einen Stollen aufzufahren. Diese Stollen sind heute zumeist verstürzt und man kann nur noch die Einbuchtungen im Gelände sehen. Die Stollenpinge unterscheidet sich vom Schurf durch die vorgelagerte Bergehalde (mehr oder weniger taubes Gestein) oder manchmal auch durch den Austritt von Stollenwasser.

Je nach Geländesituation wird ein Stollen “im Gangstreichen”, also in der Richtung des Erzganges aufgefahren, oder “querschlägig” (in einem bestimmten Winkel zur Richtung des Erzganges) angelegt. Bei lohnender Erzführung können mehrere Stollen übereinander liegen, der Verhau-Abstand (“die seigere Höhe”) beträgt in der Regel zwischen 30 und 50 m. Längliche Grubenbaue, die im Innern des Berges angelegt wurden und die nicht bis an das Tageslicht reichen, nennt man Strecken. Diese und die Stollen sind in der Regel durch Schächte miteinander verbunden. Sie dienen einerseits zur Belüftung der Anlage, andererseits wird durch sie das Erz gefördert (“Förderschacht”) und sie dienen als Zugang zu den höher oder tiefer liegenden Stollen und Strecken (“Fahrschacht”). Schächte, die nicht bis an die Erdoberfläche reichen, nennt man “Blindschächte”.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Die Grube Hausbaden war das bedeutendste Bergwerk bei Badenweiler. Der untere Stollen war bei der heutigen Rehaklinik querschlägig nach Osten zum Quarzriff aufgefahren. Vom Altemannfels bis hinunter zur Hauptfördersohle besitzt sie eine Abbauhöhe von rund 100 Höhenmetern. Neue Aufnahmen und Videos, welche teilweise auch im Internet zu finden sind, zeigen enorm hohe und auch mehrere Meter mächtige (breite) Abbauhohlräume. Diese sind heute nur mit vielen Bergseilmetern und mit außerordentlicher Klettertechnik, verbunden mit einer permanent vorhandenen Lebensgefahr erreichbar.

Die Rehaklinik Hausbaden steht auf der Halde des tiefen Stollens, der auch der Hauptförderstollen war. Während der Ausschachtungsarbeiten für die Fundamente konnten hier im Jahr 1988 alle bekannten Mineralien des gesamten Bergbaureviers in bester Qualität gesammelt werden.

Der Abbau der Erze ist bis weit unterhalb des unteren Hausbaden-Stollens vorgedrungen, wie der nachstehende Seigerriss zeigt. Daraus ist auch ersichtlich, dass das Einfallen des Ganges nach Westen hin flacher wird, je tiefer man kommt.

Stollen wurden angelegt, sobald ein Abbau eines Erzganges im Tagebau zu schwierig oder zu gefährlich wurde. Sie können idealerweise direkt auf einem Erzgang und dessen Streichrichtung angelegt werden. Wenn das aus topografischen Gegebenheiten nicht möglich war, erschloss man den Erzgang von der Seite her über sogenannte Querschläge.

Bei größeren Grubengebäuden war im Schwarzwald der Firstenbau oder auch Firstenstoßbau das allgemein übliche Abbauverfahren. Dazu legte man oberhalb der Förderstollensohle eine Strecke an, von der aus das Erz nach oben hin abgebaut wurde. Beide Stollen waren durch eine sogenannte „Schwebe“ voneinander getrennt, die bis zu einigen Metern dick sein konnte. Bei höher werdenden Abbauen wurde im leeren Hohlraum so viel taubes Gestein aufgeschichtet, dass darauf weiter nach oben abgebaut werden konnte. Oft wurden auch Holzbühnen eingebaut, die wiederum mit Versatz überdeckt wurden. Firsten- und Fördersohle waren in regelmäßigen Abständen über sogenannte Rollöcher oder Schächte miteinander verbunden, durch welche man zur oberen Sohle auf- und absteigen konnte und durch welche das gewonnene Erz auch nach unten auf die Fördersohle in die Förderwagen gelangte. Bei anhaltender Erzführung über größere Höhen wurden im Abstand von 10 bis 50 m horizontale Zwischensohlen angelegt, sogenannte Strecken.

Die Stollen und Strecken waren mit mehr oder weniger senkrecht verlaufenden Schächten miteinander verbunden. Das konnten reine Förderschächte sein, auch konnten sie zur Frischluftversorgung dienen („Wetterschächte“). Häufig erfüllten sie beide Aufgaben. Um ein Zusammenbrechen der ausgeerzten Gangspalte zu vermeiden, wurden von Wand zu Wand Stützpfeiler stehen gelassen oder Versatz aus taubem Gestein eingebracht.

Eine Variante des Firstenbaues ist der im moderneren Flussspat-Abbau angewandte „Magazinbau“ (z.B. bei Brandenberg oder Fahl im Wiesental). Dabei wurde jeweils nur so viel Erz abgezogen, um zum weiteren Vortrieb und Abbau ausreichend Platz zwischen hereingeschossenem Material und Firste zu schaffen. Wenn dann die geplante Abbauhöhe erreicht war, leerte man das „Magazin“ mit dem darin befindlichen, gelockerten Erz oder erzhaltigen Gestein über die Rollen.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 36: Der Gipsabbau in Sehringen

Gips wird seit dem Altertum in Baugewerbe und Plastik verwendet. Mit der Einführung der Gipsdüngung in der Mitte des 18. Jahrhunderts trat eine erhebliche Ausweitung des Gipsbedarfs ein. Infolgedessen entstanden im Markgräflerland im Bereich der gipsführenden Keuperschichten etwa 15 Gipsgruben, die als Kleinbetriebe oft nur die benachbarten Dörfer mit Düngegips versorgten. Der Gipsabbau in Sehringen wird erstmals 1783 urkundlich genannt. Diese Gipsgrube wurde von „Joh. Georg Krafft, wohnhaft in Niederweiler“  und Michael  Huß aus Badenweiler betrieben.  Krafft unterhielt zugleich eine Gipsmühle in Niederweiler. Das Aufkommen der modernen Kunstdünger brachte die kleinen Gipsgruben langsam zum Erliegen.  Die Gipsgrube Sehringen überlebte bis zu ihrer endgültigen Stillegung 1964 nur, weil  das abgebaute  Material  als Zuschlagstoff bei der Herstellung von Zement bei der  Breisgauer Portland-Cement-Fabrik in Kleinkems  noch wirtschaftlich  verwendet werden konnte.

Die bergmännische Tätigkeit orientierte sich an den im Westen des Quarzriffs  steil zum Oberrheingraben einfallenden, mehrfach zerbrochenen unteren Keuperschichten.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Im Jahr 1882 eröffnete der Bergmann Tröndle im „Gfäll“ eine Gipsgrube. Dabei handelt es sich vermutlich um den obersten der drei übereinander liegenden Stollen, von welchem heute nur noch eine kleine Mauer und ein undeutlicher Graben zu sehen sind, der zum ehemaligen Mundloch hinführt. Das Wort „Gfäll“ umschreibt eine Situation, bei welcher in der Tiefe des Berges Sulfatgestein gelöst und unterirdisch abgeführt wird, sodass es an der Oberfläche immer wieder zu Sackungen kommt. Das Gelände im Wald oberhalb der Gipsstollen ist entsprechend von oft großen und tiefen Dolinen des Gipskarstes durchzogen. Auch an der Straße nach Sehringen traten deshalb in der Vergangenheit schon mehrfach Schäden auf.

Mit der Instabilität der tonigen Schichten mussten sich die damaligen Bergleute und Ingenieure erneut befassen, als sie im Jahr 1957 den unteren Gipsstollen auf Niveau 473,5 NN aufgefahren haben.

Zunächst musste eine Schicht von Opalinuston durchquert werden. Dieser aber ist derart plastisch und instabil, dass ein konventioneller Stollenvortrieb unmöglich war. Deshalb öffnete man das Gelände weiträumig, um auf eine Länge von 27 Metern zunächst einmal einen Stahlausbau zu installieren, bestehend aus sogenannten Pokal-Eisenausbau-Ringen (ALBIEZ,1955). Daran anschließend konnte man wie üblich Türstöcke aus Holz einbauen und alles wurde wieder mit Erde überdeckt. Der Ausbau musste aber während des weiteren Stollenvortriebs dennoch „Holz an Holz“ erfolgen. Heute sind die ersten Hölzer hinter dem Stahlausbau durch den Bergdruck gebrochen. Das tonige Material ist genau am Übergang vom Rundbogen- zum Türstockausbau von der Seite her den Stollen eingeflossen und staut inzwischen das Grubenwasser bis fast zur Stollenfirste.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 37: Mit scharf Gezäh und gut Geleucht

Von den Bauten des Gipswerks sind auf dem Betriebsgelände an der Landstraße noch sichtbar: die Verladerampe, das 1922 am einstigen Waldsee erbaute Nebengebäude, das als Büro, Kaue und Magazin diente, sowie die alte, heute verfallende Bergschmiede. Sie war seit 1924 bis zur endgültigen Stilllegung der Grube Werkstatt und Ausgangspunkt der Hauptförderstrecke. Unmittelbar neben dem Gebäude führten die Schienen unter der Brücke für den Sehringer Weg in das Berginnere. Die Förderwagen wurden von einer kleinen Diesellok gezogen.

Der heute verschlossene, 320 m lange, bis zum Quarzriff reichende, auf 512 m über NN (Meereshöhe) angelegte Stollen durchfährt erst eine Schilfsandsteinzone.

Der Gips beginnt 145 m nach dem Stollenmundloch. Der Gipskeuper ist ca. 30 m mächtig und fällt zwischen 40 Grad nach Westen bis senkrecht in die Tiefe. Der Gips ist mit Ton und Mergel verunreinigt. Die Qualität des Gipses ließ besonders in der Nähe des Quarzriffs sehr zu wünschen übrig. Zum Schutz der Thermalquelle Badenweiler besteht eine Schutzzone. Die Grubenbaue durften daher nicht tiefer reichen als 424,5 m über NN (Meereshöhe).

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Im Jahr 1882 eröffnete der Bergmann Tröndle im „Gfäll“ eine Gipsgrube. Dabei handelt es sich vermutlich um den obersten der drei übereinander liegenden Stollen, von welchem heute nur noch eine kleine Mauer und ein undeutlicher Graben zu sehen sind, der zum ehemaligen Mundloch hinführt. Das Wort „Gfäll“ umschreibt eine Situation, bei welcher in der Tiefe des Berges Sulfatgestein gelöst und unterirdisch abgeführt wird, sodass es an der Oberfläche immer wieder zu Sackungen kommt. Das Gelände im Wald oberhalb der Gipsstollen ist entsprechend von oft großen und tiefen Dolinen des Gipskarstes durchzogen. Auch an der Straße nach Sehringen traten deshalb in der Vergangenheit schon mehrfach Schäden auf.

Mit der Instabilität der tonigen Schichten mussten sich die damaligen Bergleute und Ingenieure erneut befassen, als sie im Jahr 1957 den unteren Gipsstollen auf Niveau 473,5 NN aufgefahren haben.

Zunächst musste eine Schicht von Opalinuston durchquert werden. Dieser aber ist derart plastisch und instabil, dass ein konventioneller Stollenvortrieb unmöglich war. Deshalb öffnete man das Gelände weiträumig, um auf eine Länge von 27 Metern zunächst einmal einen Stahlausbau zu installieren, bestehend aus sogenannten Pokal-Eisenausbau-Ringen (ALBIEZ,1955). Daran anschließend konnte man wie üblich Türstöcke aus Holz einbauen und alles wurde wieder mit Erde überdeckt. Der Ausbau musste aber während des weiteren Stollenvortriebs dennoch „Holz an Holz“ erfolgen. Heute sind die ersten Hölzer hinter dem Stahlausbau durch den Bergdruck gebrochen. Das tonige Material ist genau am Übergang vom Rundbogen- zum Türstockausbau von der Seite her den Stollen eingeflossen und staut inzwischen das Grubenwasser bis fast zur Stollenfirste.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 38: Der Schrei vom Waldsee

Geschichten von einer Wasserhexe, vom Berggeist, vom Blauenkobold

Von den Parkanlagen des ehemaligen Schlosshotels Hausbaden führte der Sehringer Weg früher an dem sagenumwobenen Waldsee“ vorbei. Eine alte Ansichtskarte zeigt einen geheimnisvollen, winzigen See. Eine Sage erzählt von einer Weiherhexe, die mit ihrer Schönheit junge Burschen zu bezaubern und zu bannen wusste, ihre Jugendfrische war durch Menschenblut genährt. Aus diesem Grund wählte sie hübsche Jünglinge der Umgebung als Opfer, denen sie dann das Blut aussaugte. Am Waldsee waren öfters Schreie vernehmbar: Der Schrei vom Waldsee“ wurde Schauplatz für eme Bergmannsgeschichte und Titel einer Erzählung des in Badenweiler lebenden Arztes und Schriftstellers Rudolph Vogel. 1948 wurde der Waldsee mit taubem Material vom Grubenbau zugekippt.

Überall, wo in Stollen nach Silbererz gegraben wurde, wie hier im Quarzriff hinter Hausbaden, hausten auch Kobolde und Berggeister. Ab und zu zeigten sie sich den Bergleuten und zwar in den verschiedensten Gestalten und Kleidungen. Bald waren sie gewalttätig und boshaft, bald hilfsbereit und wohltätig. Wer sie aus Spaß rief, dem war eine Strafe sicher. Eine zweite Sage erzählt, wie der Berggeist aus dem geheimnisvollen Waldsee plötzlich auftauchen, aber auch wieder verschwinden konnte. Die Fastnachtsclique Blauen-Kobold“ erinnert heute noch mit Ihren wilden Auftritten und ihrem närrischen Treiben an die vor allem van Außenstehenden geheimnisvoll und unheimlich empfundene Welt des Bergbaus.

Autor: Hans Hermann Bechinger

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Vor dem ehemaligen Mannschaftshaus der Gipsgrube befand sich ein kleiner See, welcher wohl vom Grubenwasser des oberen Gipsstollens gespeist wurde. Der See wurde im Jahr 1948 mit Haldenmaterial aus dem Gipsstollen aufgefüllt.

Um diesen See, aber auch um die alten Stollen ranken sich einige Sagen. „Berggeister“ konnten plötzlich aus dem See auftauchen oder aus den Stollen kommen und ebenso schnell wieder verschwinden. Je nach den Personen, denen sie erschienen und je nach deren Verhalten konnten die Kobolde böse oder auch gutmütig und gar hilfsbereit sein. Diese Sagen über die Berggeister von Badenweiler hat die Fasnachtsclique der „Blauenkobolde“ zu ihrem Thema gemacht.

Der Sage nach sollen am Waldsee auch immer wieder Schreie gehört worden sein. Diese sollen von der „Weiherhexe“ stammen, welche damit jugendliche Männer anlockte und von deren Blut sie lebte. Der in Badenweiler wohnende Arzt Rudolph VOGEL betätigte sich auch als Schriftsteller. Er verfasste unter dem Namen „Der Schrei vom Waldsee“ eine bergmännische Geschichte über diese Örtlichkeit.

Autoren: Hans Hermann Bechinger & Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 39: Gipsabbau Sehringen

Der in Sehringen dem Quarzriff im Westen vorgelagerte Gipskeuper birgt Fasergips und fleischroten Alabaster. Im 19. Jahrhundert wurde Gips außer für Bauzwecke vor der Erfindung der Kunstdüngung hauptsächlich als Dünger in der Landwirtschaft verwendet.

1783 ist eine Gipsgrube erstmals in der Nähe von Hausbaden urkundlich erwähnt. Betrieben wurde sie von der Familie Krafft in Niederweiler, die auch eine Gipsmühle besaß. In dem Anwesen befindet sich heute die Gaststätte Klemmbachmühmühle.

In der Vitrine zur Gipsgrube ist die wechselvolle Geschichte aufgelistet, wie sich die kleine, überwiegend nur in den Wintermonaten arbeitende Gipsgrube zu einem kompletten Gipswerk zur Herstellung von Baugips entwickelt hat.

In guter Erinnerung ist in der Bevölkerung noch, wie die nach dem Krieg 1947 an der Stelle des heutigen Infopavillons neu gebaute Gipsmühle mit drei Vorbrennöfen, einer Hammerschlagmühle, und zwei Kochern, zwei Mahlgängen sowie einer Verladerampe ausgesehen hat. Ihr Betrieb wurde 1955 eingestellt, und das Gebäude 1959 abgerissen. Die Breisgauer Portland-Cement-Fabrik in Kleinkems förderte noch bis 1964 über die hinter dem Gebäude liegende 512-Meter-Sohle Rohgips als Zuschlag für die Zementherstellung.

Am 1.7.1964 wurde die Gipsgrube Sehringen dann endgültig stillgelegt. Ein 1960 unter der Landstraße bei 473,5 m NN (Meereshöhe) aufgefahrener 250 m langer Tiefstollen gelangte bei der Förderung nicht mehr zum Einsatz. Seit 1967 sind alle Stollen zugeschoben.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Direkt bei der Schütte des oberen Gipsstollens, beim Pavillon-Startpunkt des Wanderweges gibt diese Tafel einen Überblick über den Gipsbergbau von Badenweiler-Sehringen mit Details zur Ausstattung der 1947 an diesem Ort gebauten Gipsmühle.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Station 40: Aussichtsfelsen Luisenburg

Seit Großherzog Carl Friedrich von Baden (1728 – 1811) erfreute sich Badenweiler in den folgenden Jahrhunderten auch unter seinen Nachfolgern der ganz besonderen Gunst des Großherzoglichen Hauses. Ihr Interesse galt der ständigen Verbesserung der Badeeinrichtungen, der Verschönerung des Ortsbilds und der Hebung des Bergbaus. Gerne kamen die Fürsten mit ihren Familien immer wieder nach Badenweiler, um sich zu erholen. Viele Namensgebungen im Ortsbild und der näheren Umgebung Badenweilers weisen auf diese enge Verbindung Badenweilers mit dem Großherzoglichen Haus hin. Beispiele sind:  Sophienruhe, Karlstollen, Hausbaden, Friedrichstraße, Luisenstraße, Hildastraße, Friedrich-Hilda-Esche, Hilda-Felsen.

So weilte noch unvermählt  der Prinzregent Friedrich im Jahr 1853 einige Wochen in Badenweiler. 1857 kam er als Großherzog wieder in Begleitung seiner jungen Gattin, der Prinzessin Luise von Preußen, und des kleinen Erbgroßherzogs, des späteren Friedrich II. „ Zu Ehren der edlen Fürstin wurde der Weg zum Alten Mann nach einem imposanten Fels hoch über Hausbaden verlängert und die Felspartie „Luisenburg“ genannt.“  ( Ernst Scheffelt:  „Badenweiler in Vergangenheit und Gegenwart“).

Von  der kleinen Felsenkanzel über dem Quarzriff hat man eine herrliche Sicht über die wechselvolle Vorgebirgslandschaft, das Dörfchen Lipburg,  eingebettet ins Tal des Ramisbaches. Zur Zeit der Obstbaumblüte bietet das Lipburger Tal einen märchenhaft schönen Anblick.

Tief unten zu Füßen des Quarzriffs breitet sich das aufgelassene Betriebsgelände des ehemaligen Gipswerks Sehringen aus.

Hoch am südwestlich gelegenen Hang des kleinen Bergrückens namens  „Hörnle“ wurden  zwischen Lipburg und dem  Örtchen Rheintal in der Zeit von 1937 bis 1944 ein verzweigte Stollensystem angelegt, um eine 2 m mächtige Schicht von Doggereisenerz  anzufahren.  Der Betrieb der „Eisenerzgrube Lipburg“ wurde jedoch bereits 1944 wegen Unwirtschaftlichkeit wieder aufgegeben.  Nach 1950 legte die Firma J. Baumann in dem umfangreichen Stollensystem eine Pilzzucht an, die jedoch später wegen des langsamen Wachstums der Pilze in ein Gewächshaus nach Neuenburg verlegt wurde.

Autoren: Hansjörg Becherer, Fischingen; Hans-Dieter Paul; Hans Hermann Bechinger & Philipp Löffler

Ergänzende Erläuterungen (Der Erzgräber, Jahrgang 37, Heft 1/2 2022)

Bei der Luisenburg erreicht das Quarzriff seine größte Höhe über Gelände. Auch hier findet man direkt unterhalb des Wanderweges einen mittelalterlichen Verhau, auf dessen vorgelagerter Halde Baryt und Quarzbrocken mit etwas eingesprengtem Bleiglanz und Kupferkies vorkommen.
Das Verlassen des Weges ist hier wegen der Absturzgefahr aber problematisch und auch das Auslösen von Steinschlag ist nie auszuschließen, was für Wanderer unterhalb der Felsgruppe gefährlich werden kann.

Im Frühjahr muss im gesamten Bereich des Quarzriffs damit gerechnet werden, dass es während Frost-Tauperioden zu Felsabsprengungen kommen kann. In solchen Fällen können sich aus den Felswänden plötzlich große Blöcke von mehreren Metern Durchmesser lösen und den Abhang hinunterrollen.

Autor: Hansjörg Becherer, Fischingen

Info-Pavillon an der Sehringer Straße (L 132). Rechts im Hintergrund die Schütte des oberen Gipsstollen. Foto vom April 2020.

Infomaterialien

agsdi-book

Der Erzgräber - Doppelausgabe Heft 1/2 2022

Themenheft Badenweiler – Der historische Bergbau und seine Mineralien

Hrsg.: Verein der Freunde von Mineralien und Bergbau Oberwolfach e.V.

Textquellen

Hansjörg Becherer, Fischingen. Mit freundlicher Genehmigung (März 2025). Herzlichen Dank.