Hamburg-Hausbruch: Braunkohlebergwerk Robertshall

22.08.2022 | Bergbau, Lehrpfad

Fundamentreste der Kohlenwäsche, August 2022

Erdfall zw. Straße und Lehrpfad, August 2022

Sanierungsarbeiten am Bohrloch, August 2022

Es ist v.a. Robert Weiß zu verdanken, dass im Mai 2018 in Hamburg-Hausbruch, ein Bergbau-Erinnerungspfad angelegt wurde.

Hamburg? Bergbau?

Ja. In den Harburger Bergen wurde zwischen  1920 und 1922, zwischen Hausbruch und Ehestorf, untertage Braunkohle abgebaut. In der nur zweieinhalbjährigen Betriebszeit wurden ca. 25 km Stollen aufgefahren und 49.600 Tonnen Braunkohle gefördert. Händisch! Eine unglaubliche Leistung!!

Robert Weiß, ein gebürtiger Hausbrucher, recherchiert bereits seit den frühen 2000er Jahren über die Historie des Bergbaugeschehens, gründete den „Verein Bergwerk Robertshall e.V.“, der im Mai 2018 – zur Erinnerung an die historische Bergbautätigkeit – den Lehrpfad am „Ehestorfer Heuweg“ eröffnete.

Am Startpunkt des 1 km langen Lehrpfades wurde eine Grubenlore und eine große Infotafel zum Braunkohlebergwerk Robertshall aufgestellt. Mittlerweile sind Mitglieder und Helfer vor Ort verzogen oder stehen aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Verfügung, Rolf Weiß selbst palnt Ende 2022 einen Umzug ins Ausland.

Vor Ort gibt es leider kein Interesse / keine Bereitschaft, die Pflegearbeiten am Weg zu übernehmen. Sollte kein passender Träger gefunden werden, bleibe dem Verein schweren Herzens nur der Rückbau der Anlage.

 

Persönliche Anmerkung Stefan Kunner:

Im August 2022 hatte ich die Möglichkeit, den Lehrpfad zu begehen. Von den insgesamt acht Stationstafeln waren drei, mitsamt der Träger, aus den Verankerungen gerissen, am Boden gelegen. Die Tafel 3 war zerbrochen, eine Hälfte davon lag neben der Lore am Startpunkt, die andere Hälfte war nicht aufindbar. Die Hauptinfotafel am Startpunkt war deutlich beschädigt (Eck links unten abgebrochen), teilweise waren die Tafeln auch aufgeschlitzt. Den Vandalen sei gedankt. Es blutet einem das Herz, diese Zerstörung zu sehen.

Es ist sehr traurig, dass es vor Ort kein Interesse gibt, diesen so wertvollen Lehrpfad zu erhalten. Das ist beschämend!

Historischer Überblick

Das Bergwerk Robertshall liegt an Ehestorfer Heuweg auf dem Gebiet des Bundeslandes Hamburg und Niedersachsen. Die Braunkohlevorkommen wurden zufällig im Jahre 1915 von der Hausbesitzerin Paul entdeckt, die es leid war, immerzu Frischwasser aus dem Tal hoch schaffen zu lassen.  Als blickige Geschäftsfrau ließ sie sich die Schürfrechte zu den Bodenschätzen beim Bergamt in Celle eintragen, und verkaufte diese kurze Zeit später an die Dortmunder Gebrüder Stern KG.

Nach Kriegsende waren die Rohstoffvorkommen knapp und teuer, da kamen die im Boden lagernden Braunkohlevorkommen gerade recht. Es wurde ein Liefervertrag mit der in Harburg ansässige Phoenix AG geschlossen, und ab 1919 ein Bergwerk abgeteuft. Die Braunkohlevorräte lagerten in 13 und 19 m Tiefe, so waren sie leicht zu bergen. Die Braunkohleförderung begann im Herbst 1919. Wenig technisiert, bastelte man immerzu weiter an einer Optimierung des Untertagebaus, der Kohlenwäsche und der Übertageförderung nach Harburg. So wandelte sich auch das oberirdische Bild des Bergwerksgebäudes am Ehestorfer Heuweg immerzu.

Zu Spitzenzeiten arbeiteten hier bis zu 120 Mann im 3 Schichtbetrieb. Jedoch war die Qualität der gewonnenen Kohle eher gering, zudem diese zu ca 60 % mit Sand vermischt war und zunächst mit viel Aufwand gewaschen werden musste. Neben der ungleichmäßigen Tagesfördermengen war auch der Abtransport damals mit noch wenig fort entwickelten Lastkraftwagen schwierig.

Ab 1921 wurde daher eine Seilbahnförderanlage quer durch die Haake erbaut, mit welcher endlich für gleichmäßigen Abtransport der Braunkohle gesorgt werden konnte. Jedoch im Sommer 1922 erschlossen sich wieder andere günstigere Steinkohlebezugsquellen, dadurch wurde die Braunkohleförderung in Hausbruch schnell unrentabel. So wurde die Kohleförderung im September 1922 eingestellt und der Liefervertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst.

Die Tagesanlagen des Bergwerkes wurden innerhalb von nur 2 Monaten zurück gebaut; untertage hat man die in den Straßenbereichen befindlichen Stollen verschüttet. Die übrigen Stollen überließ man sich selbst. Insgesamt hatte man in 3 Förderjahren ca 25 km Stollenstrecke aufgefahren.

Textquelle: Webseite „Bergwerk Robertshall“

© Verein Bergwerk Robertshall e.V.

Braunkohlebergwerk Robertshall (1920 – 1922)

Die Vorgeschichte

Im Jahre 1915 war die alte Frau Paul, die damals in einem kleinen Haus auf dem Wulmsberg wohnte, es leid geworden, ihren Wasserbedarf jeden Tag aus dem Emmetal von Nachbarn, die über einen Brunnen verfügten, holen zu müssen. So beauftragte sie einen Brunnenbohrer, für sie dort oben auf dem Berg einen eigenen Brunnen herzustellen.

Trotzt mehrerer Bohrversuche stieß er aber nicht auf das gesuchte Grundwasser, sondern auf Braunkohle. Bedauernd teilte er der Frau Paul diese schlechte Nachricht mit. Die geschäftstüchtige Witwe jedoch, hocherfreut, eilte sofort nach Celle zum Bergamt, um sich die Schürfrechte an diesem bisher unbekannten Braunkohlevorkommen zu sichern.

Zwei Jahre später, im Jahre 1917, wurde die Gebrüder Stern KG, eine Bergbaufirma aus Dortmund, auf dieses Braunkohlelagergebiet aufmerksam und entsandte einen Ingenieur namens Robert Bilke zu Frau Paul. Schnell wurden sich beide einig. Frau Paul verkaufte die rechte und Bilke untersuchte zusammen mit seinem Freund Professor Hugo Strache aus Wien die Ausbreitung, Mächtigkeit, Lagertiefe und Qualität der Braunkohle. Die erfolgversprechendsten Braunkohlefelder benannte er nach seinem Vornamen Robert und nach dem Vornamen seines Chefs, Louis zu Robertshall bzw. Louishall.

Nach Kriegsende im Jahre 1918 waren Saarland und Ruhrgebiet besetzt, Kohle konnte man von dort nicht mehr beziehen. Dadurch litten viel Fabriken Not und konnten nicht produzieren. Die Vereinigte Gummiwarenfabriken Harburg-Wien (Später Phoenix AG) erfuhren von diesem Braunkohlevorrat in Hausbruch, nahmen Kontakt zu Bilke auf und drohten ihm zugleich mit Enteignung der Förderrechte, sofern er nicht bereit sei, einen Exklusiv-Liefervertrag mit der Fabrik abzuschließen. Am 6. Dezember 1919 wurde in Bilkes Wohnung in Hannover die Firma Bergbaugesellschaft Robertshall GmbH gegründet und sogleich ein Liefer- und Kooperationsvertrag mit der Gummiwarenfabrik aus Harburg gegründet. Dieser vertrag regelte, dass die Bergbaugesellschaft so bald als möglich einen Untertagebau in Hausbruch errichten wird, Braunkohle zu Tage fördert, und am Förderschacht eine Übergabestelle gebaut wird, an welcher die Gummifabrik die Kohle übernimmt und auf eigene Rechnung nach Harburg transportiert.

Bau des Braunkohlebergwerkes Robertshall

Sogleich nach Unterzeichnung der Verträge erteilte das Bergamt Celle dem Direktor Bilke mündlich über Fernsprecher die Schachterlaubnis. Jedoch zeigten die Thermometer in Hausbruch im Winter 1919 / 1920 Temperaturen von unter 20 Grad Minus an, wodurch sich der Baubeginn verzögerte. Erst Mitte Januar konnten die eigens aus dem harz angeworbenen Bergleute ihre Schaufeln schwingen und in Handarbeit den Förderschacht ausheben. Nach 4 Tagen gleichzeitiger Ausschacht- und Zimmerarbeit erreichten die Kumpel die Endtiefe von 17 Metern. Während Übertage fleißige Zimmerleute den Förderschacht sowie eine Baufirma das Dampfkessel- und Bürogebäude errichteten, durchörterte man untertage schon den „Ehestorfer Heuweg“ und stieß auf erste Kohle. In nur 3 Wochen hatten Bilkes fleißige Männer sowie die beteiligten Firmen die wichtigsten Gebäude fertiggestellt, damit die in Harburg dringend benötigte Kohle zu Tage gefördert werden konnte. Die Gummifabrik war aber auch nicht untätig geblieben. In Windeseile baute man eine Feldbahn-Gleisanlage vom Förderschacht am „Rehwechsel“ bis zum „Jägerhof“. Dort sollte die Kohle von Sand gewaschen und auf Lastkraftwagen umgeladen werden, welche das schwarze Gut nach Harburg fahren würden.

Untertage schwangen mittlerweile die Kumpel schon eifrig die Spitzhacke. Es wurden Fahrstrecken aufgewältigt, Stollen mit Holz ausgezimmert und auch schon erste Braunkohle in Grubenloren verladen. Ende Februar 1920 konnte die erste Hausbrucher Braunkohle in die Kessel der Gummifabrik geschaufelt werden. Zunächst aber stockte die Förderung noch erheblich; die eingeplanten ca. 100 Tonnen Heizmaterial pro Tag konnten nicht geliefert werden. Zwar war große menge Kohle vorhanden, auch konnte diese problemlos freigeschlagen und zu Tage gebracht werden, aber das Fördergut war zu sehr mit Sand vermischt. Die Waschvorrichtung am „Jägerhof“ konnte die Kohle nicht in der vorgesehenen Zeit reinigen, so kam es zu einem Rückstau in der Förderkette.

Die Ingenieure der Gummifabrik fanden zu der Lösung, dass die sandvermischte kohle schon direkt am Förderschacht gewaschen und dort zudem ein Kohlesilo zur Sicherstellung einer gleichmäßigen Kohlenabgabe erbaut werden muss. Ein für den Neubau der Kohlenwäsche und Siloanlage erforderliches Waldgrundstück wurde im April 1920 aufgrund bergrechtlicher Verfügung innerhalb von nur wenigen Tagen vom Landwirt Clemens Behrens aus Oldesloe zwangsenteignet. Nur einen Monat später konnte der Betrieb der eilig errichteten Kohlewäsche und Siloanlage aufgenommen werden. Parallel hierzu wuchs das Bergwerksunternehmen immer weiter; die oberirdischen Gebäude wurden um ein Kantinenhaus (heute noch vorhanden), eine Trafostation und ein Werkstattgebäude mit Zimmerei, Schmiede und Schlosserei ergänzt.

Auch war die Stollenanlage 17 m unter dem Wald schon erheblich gewachsen. Ein Marktscheider aus dem Harz protokollierte im Mai 1920 immerhin schon ca. 3.500 m Strecke. Zu Spitzenzeiten schufteten hier in Hausbuch über 180 Bergleute im Untertagebetrieb und 20 Handwerker im Übertagebetrieb im Dreischichtsystem. Abgesehen von Loren, Förderschacht und Kohlenwaschanlage wurde der gesamte Kohleabbau ausschließlich von Hand geleistet; Maschinen standen nicht zur Verfügung. Die Kohlemächtigkeit der Flöze betrug bis zu 12 Meter. Um die Kohle weitestmöglich abbauen zu können, war es erforderlich, eine zusätzliche 13 m-Sohle aufzuwältigen. Auch wurde das Abbaufeld immer mehr erweitert und in verschiedene Einzelfelder unterteilt. Probebohrungen zeigten förderungswürdige Schichten bis zu 1,5 km vom Hauptförderschacht entfernt, die von Untertage auch von den Kumpel erreicht werden konnten. Insgesamt wurden ca. 20 km Strecken aufgewältigt.

 

Schwierigkeiten bei der Kohleförderung

Trotz der geringen Fördertiefe von nur 13 bzw. 17 Metern unter dem Waldbodenniveau gab es zahlreiche technische Probleme. Die bis zu 1,5 km langen Förderstrecken von den Abbauörtern bis zum Förderschacht, die jeweils mit der Lore im Handschubbetrieb zurückgelegt werden mussten, verschlangen viel Zeit. Um diese Strecken zu verkürzen war vorgesehen, am „Hohlredder“ einen zweiten Förderturm zu errichten, weiterhin wurden 5 Befahrungs- und Wetterschächte erbaut, über die man ein- und ausfahren konnte und damit die laufstrecken verkürzte. Insgesamt war die Abbautätigkeit ohne Hilfe von Maschinen ausschließlich von Hand zu erledigen, da der Streckenausbau und die Statik des Untertagebaues den Einsatz von Maschinen nicht standhalten würden. Trotzdem konnten pro Tag durchschnittlich beachtliche 100 Tonnen Braunkohle zuzüglich ca. 200 t Sandabraum zu Tage gefördert werden.

In ca. 35 m Tiefe entdeckte man weitere, mächtige Braunkohlelager, die durch einen neuen Schrägschacht angegriffen wurden. In dieser Tiefe war jedoch der Wassereinbruch so stark, dass es mit den vorhandenen Pumpen nicht möglich war, die Stollen wasserfrei zu halten und der tiefe Abbau wieder aufgegeben werden musste. Auch der Abtransport brachte Schwierigkeiten mit sich. Die Feldbahnanlage zum „Jägerhof“ war nur eingleisig ausgebaut und entwickelte sich schnell zum Engpass, so dass Robertshall die geförderte Kohle nicht schnell genug loswerden konnte und die Gummifabrik nicht ausreichend Nachschub an Heizmaterial erhielt. So entschloss man sich dazu, im Frühjahr 1921 eine Seilbahnanlage vom Kohlensilo aus quer durch die „Haake“ bis nach Bostelbek zu bauen. Von dort aus wurde die Kohle in Güterwagen der Straßenbahn bis auf das Gelände der Gummifabrik, die sich ab 1924 Phoenix AG nannte, transportiert.

Der Arbeitsschutz wurde in Hausbuch Untertage kleingeschrieben. Die Kumpel arbeiteten im Unterhemd mit einem Filzhut geschützt, es kam auch immer wieder zu Stolleneinbrüchen. Ein altes Archivdokument beschreibt ein Grubenunglück in einem Stollen nahe der Straße „Hohlredder“, bei welchem ein Mann verschüttet wurde. Er konnte sich in eine Luftblase retten und wurde rechtzeitig wieder ausgegraben.

 

Das plötzliche Ende

Im Jahre 1922 war der Ablauf des Bergbaubetriebes soweit optimiert und auch die Kohlelagerstätten lokalisiert, dass die Existenz für einige Jahre gesichert erschien. Insbesondere die Tatsache, dass die Gummifabrik sich die neue Seilbahn auf heutige Währung umgerechnet ca. 10 Millionen Euro kosten ließ, schaffte bei der Mitarbeiterschaft erhebliches Vertrauen auf den Fortbestand ihrer Arbeitsplätze, trotz der damals unsicheren Wirtschaftslage zu Beginn der 1920er Jahre. Die Abnahme der Hausbrucher Kohle war ja ohnehin durch Exklusivlieferverträge an die Gummiwarenfabrik gesichert. Direktor Bilke allerdings konnte in seinen Geschäftsbüchern zu keinem Zeitpunkt schwarze zahlen verzeichnen, obwohl die Kohle ziemlich teuer verkauft wurde.

Im Spätsommer 1922 änderte sich durch ein Ereignis alles. Die Franzosen gaben das seit Ende des Ersten Weltkrieges bestehende Kohlenembargo auf und von einem Tag auf den anderen war die höherwertige und zugleich wesentlich günstigere Ruhrkohle wieder lieferbar. Die Gummifabrik kündigte ihre Abnahmeverträge und der Bergbaubetrieb Robertshall brach wirtschaftlich zusammen. Der Förderbetrieb endete im September 1922.

 

Die Zeit nach dem Bergbau

Das Bergbauunternehmen Robertshall hatte sich vor Beginn der Errichtung aller Anlagen verpflichtet, sämtliche Schächte und Stollen nach Beendigung des Abbaubetriebes wieder sicher zu verfüllen. Als der Bergbaubetrieb stillgelegt war, meldete der Direktor Bilke in einer rekordzeit von nur 20 Tagen dem Bergamt Celle die erfolgreiche Verfüllung sämtlicher Bergwerksstollen, und er ließ Teile der Bergbaufläche für 1 Jahr einzäunen, so wie es das Gesetz vorschrieb. Daraufhin wurde die zu Beginn hinterlegte Sicherheitskaution erstattet und das Bergwerksunternehmen entlastet.

Einige Jahre später jedoch begann vielerorts der Waldboden wegzubrechen. Bilke hatte geschummelt. Anstatt wie vereinbart, ein mittelgroßes Vermögen noch in die Verfüllung der ca. 20 Streckenkilometer zu stecken, hatte er nur die Straßenunterquerungen aufgefüllt und die 6 Zugangsschächte zuschütten lassen. So wurde im Jahre 1928 das Hamburger Bauunternehmen Dyckerhoff & Widmann damit beauftragt, zumindest die straßennahen Bereiche auf sicheren Stand zu untersuchen. Hierbei stellte man eine große Anzahl vorhandener Hohlräume fest, konnte aber keine Sicherungsmaßnahmen ausführen, weil es zur Bergbauanlage Robertshall keine vollständigen Streckenpläne gab. Daraufhin beschloss das Bergamt, in diesem Falle nicht weiter tätig zu werden. Letztendlich wurde das Gelände bis zum heutigen Tage nicht vollständig untersucht oder gesichert. So wurden auch in den letzten Jahren noch immer wieder neue Einsturztrichter festgestellt.

Im Jahre 2000 hatte Rolf Weiß mit einer Studentengruppe des Helms-Museums, Harburg, die damals vorhandenen Einsturztrichter katalogisiert und mit alten Grubenrisszeichnungen verglichen. Anhand dessen ließ sich feststellen, an welchen Stellen verbliebene unterirdische Stollen vorhanden sein könnten. So wurden damals an verschiedenen Stellen mittels Tiefbohrmaschine Erkundungsbohrungen vorgenommen. Nach etlichen Versuchen stieß man letztendlich auf einen noch vorhandenen Stollen, welcher fotografisch dokumentiert worden ist. Eine stichprobenartig erfolgte Bodenradaruntersuchung im Dezember 2017 zeigte, dass sowohl im Gebiet der Straße „Rehwechsel“ als auch im Waldgebiet bis fast hin zur „Stadtscheide“ bis heute noch Bergwerksstollen bzw. Hohlräume untertage vorhanden sind.

Entlang der ehemaligen Bergwerksgebietes finden Sie im Wald einen Bergbau-Erinnerungspfad. Dieser beginnt in Höhe der Straße „Beim Bergwerk“ und endet ca. 400 m weiter in Richtung Ehestorf.

Textquelle: Infotafel am Startpunkt

© Verein Bergwerk Robertshall e.V.

Mehr erfahren auf folgenden Webseiten:

Länderübergreifende Bergwerkssanierung

Unter Begleitung des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wird das einstige Braunkohlebergwerk Robertshall saniert (Verpressen von Beton über Bohrungen).

Die Arbeiten zur Sanierung laufen seit Ende August 2020, verzögern sich aber fortlaufend und waren im August 2022 noch im Gange. Voraussichtliches Ende der Sanierungsarbeiten soll Ende 2022 sein (nach Angabe der Sanierungsfirma im persönlichen Gespräch im August 2022).

Da die Bergwerksanlage sowohl auf „Hamburger“ als auch auf „Niedersächsischen“ Gemarkungen liegt, handelt es sich um eine länderübergreifende Sanierungsmaßnahme.

Die Wegstationen

Textquelle: Infotafeln am Lehrpfad

© Verein Bergwerk Robertshall e.V.

Station 1: Die Kohlebahn

Seit Februar 1920 existierte auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Ehestorfer Heuweges eine Schmalspur-Bahnstrecke. Mittels dieser ca. 1,5 km langen Bahn wurde die im Braunkohlebergwerk Robertshall geförderte Kohle zu einem Umladeplatz nahe des heutigen Jägerhofes transportiert. Von dort ging es dann mittels Lkw weiter nach Harburg zu den Phoenix-Werken, die in den Nachkriegsjahren dringend auf die Hausbrucher Kohle angewiesen waren.

Zum Einsatz kamen hier mehrere Rohöl-Lokomotiven des Herstellers Deutz. Die Fahrgeschwindigkeiten dieser Schmalspurbahn war nicht so hoch, so dass die Kohle nicht in der erforderlichen Menge befördert werden konnte. Außerdem kam es immer wieder zu Gleisverwerfungen, weil der Untergrund durch die abfließenden Grubenwässer stets aufgeweicht war. Da im Frühjahr 1921 der Ehestorfer Heuweg verbreitert und befestigt werden sollte, beschloss man die Einstellung der Kohlebahn und baute stattdessen eine Materialseilbahnanlage, welche die Kohlen in Körben quer durch den Wald bis nach Bostelbek beförderte.

Station 2: Die Seilbahn

Die Seilbahnanlage zur Förderung der Braunkohle wurde im März 1921 errichtet, um den Transport effizienter zu gestalten. Die sogenannte Bergstation, die sich jedoch nur ca. 10 Höhenmeter über dem Niveau der ca. 3 km entfernten Talstation Bostelbek befand, lag auf der anderen Straßenseite des „Ehestorfer Heuweges“, ca. 50 m entfernt von hier.

Heute sind an der Stelle noch zwei Brückenfundamente zu sehen. Die Seilbahnanlage wurde über 42 Stützpfeiler geführt, dessen Betonfundamente heute noch entlang der Trassenführung im Waldboden zu finden sind. Die Talstation Bostelbek lag im Bereich der Buswendeschleife. Dort wurde seinerzeit die Kohle von der Seilbahn auf Straßenbahnloren mit Frachtziel Phoenix, Harburg, verladen.

Der Bau der Seilbahnanlage kostete umgerechnet ca. 10 Millionen Euro. In den 20 Monaten Betriebsdauer wurden über diesen Weg ca. 36.000 Tonnen Braunkohle nach Bostelbek transportiert. Dies entspricht ca. 240.000 Seilbahnkorbladungen.

Nach Einstellung des Gesamtbetriebes Robertshall wurde die Seilbahnanlage im Frühjahr 1923 an einen Bergwerksbetrieb in Norwegen verkauft und demontiert.

Station 3: Die Tagesanlage

Die Tagesanlage eines Bergwerkes ist der Bereich, der zu Tage liegt, der für den >Außenstehenden sichtbar ist. Die Tagesanlage des Braunkohlebergwerkes Robertshall lag auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Sie bestand aus einem Techniktrakt, in dem sich Schlosserei, Zimmerei und Schmiede sowie Waschkaue befanden, Verwaltungsgebäude, Dampfkesselhaus, Förderturm, Lorenbahnbrücke zum Kohlenwäschehaus, Silogebäude und Seilbahnstation. Von diesem Gebäude steht heute noch der Trog der Kohlenwaschanlage. Außerdem ist auch noch das ehemalige Kantinengebäude vorhanden, welches heute als Wohnhaus genutzt wird.

Die Tagesanlage wurde größtenteils aus Holz bzw. Fachwerk innerhalb von nur wenigen Wochen aufgebaut.

Nach Einstellung des Betriebes wurden die Gebäude zum Abbruch frei gegeben und wurden im Wesentlichen von Anwohnern für den winterlichen Heizholzvorrat verwendet.

Station 4: Die Grubenanlage

Die Grubenanlage ist der wesentliche Bestandteil eines Bergwerks. Sie bestand aus einem Hauptförderschacht, durch welchen die Kumpel ein- und ausfuhren sowie Material und Kohle transportiert wurde. Außerdem gab es noch weitere Luft- und Wetterschächte, die als Ein- und Ausstieg sowie für die Frischluftzufuhr genutzt worden sind. Die Stollenanlage mit ihren Fahr- und Abbaustrecken reichten vom Standort an der Tagesanlage an der Straße „Beim Bergwerk“ bis weit in den Wald hinein.

Die Gesamtausdehnung des Abbaugebietes betrug ca. 700 x 1.000 m. Die Braunkohleflöze wurden in 13 und 17 m Tiefe als abbauwürdig vorgefunden. Die Mächtigkeiten betrugen dort von 2 bis 12 Meter.

Die unterirdischen Stollen mussten nach dem Aufwältigen mit Stammholz abgestützt werden. Das Gehölz wurde dazu oft erst unter Tage vor Ort auf die passenden Längen gesägt und eingebaut.

Für den Materialtransport stand ein Grubenplan zur Verfügung. Zu Spitzenzeiten hatte das Braunkohlebergwerk Robertshall bis zu 160 Kumpel unter Tage beschäftigt, die in den 2,5 Betriebsjahren zusammen gerechnet über 20 km Stollenstrecke von Hand aufgegraben haben.

Station 5: Die Einsturztrichter

Zu den letzten oberirdischen Spuren des Braunkohlebergwerks Robertshall gehören neben Fundament- und Mauerwerksresten eine Vielzahl von Einsturztrichtern, die man links und rechts der Waldwege deutlich erkennen kann.

Die Stollen wurden in Türstockbauweise errichtet, das bedeutet, ein Holzstamm links, einer rechts und einer oben über beide drübergelegt. Damit waren die teilweise durch Sand geführte Strecken für 10 Jahre gegen Einsturz gesichert. Die meisten Strecken hielten jedoch wesentlich länger; einige stehen bis heute noch.

Nach Einstellung des Bergbaubetriebes bestätigte der Direktor des Braunkohlebergwerkes Robertshall, Robert Bilke, dem Bergamt Celle, dass sämtliche Stollen fachgerecht zugeschüttet seien. Auf dem Papier war damit der Zustand von vor Beginn des Bergbaubetriebes wieder hergestellt. Das Bergamt hat es geglaubt. Jedoch schon einige Jahre später erreichten die ersten Beschwerdeschreiben das Bergamt. Von dort aus beauftragte man die Hamburger Tiefbaufirma Dyckerhoff damit, die Stollen zu verfüllen. Da es jedoch keine vollständigen Pläne gab, musste man passen. Und so brachen und brechen bis zum heutigen Tage immer wieder Stollen ein. Mittels Bodenradar konnten auch 2017 noch bestehende Stollen nachgewiesen werden.

Station 6: Die Rollkästen

Der Abbau der Braunkohle erfolgte hier in Hausbruch in einer Tiefe von 13 und 17 m unter der Erdoberkante. Um die Stabilität des Grubenbaus nicht zu gefährden, erstellte man die Stollen seitlich versetzt und verzichtete aus Kostengründen auf verbindende Förderschächte. Man baute stattdessen eine Rutsche, über welche man die geförderte Kohle von der 13 m-Sohle auf bereitstehende Grubenloren der 17 m-Sohle kippte. Von der 17 m-Sohle aus wurden die Loren über den Förderschacht ans Tageslicht geholt. Insgesamt gab es in Hausbruch 12 solcher Rollkastenstandorte, einer davon liegt nur ca. 10 m von diesem Schild entfernt.

Station 7: Die Erkundungen

Etwa 30 m hinter diesem Schild befindet sich der Standort der ersten Erkundungsbohrung, die man im Jahre 1918 unternommen hatte.

Die Bohrarbeiten als auch der Aufbau des Braunkohlebergwerkes Robertshall wurde beratend von Prof. Hugo Strache mit unterstützt. Im Bereich dieser Bohrung wurde am 9. April 1921 im Zuge der Erschließung des Ostfelds IV ein Befahrungs- und Wetterschacht erstellt. Dieser Schacht wird in einigen Protokollen auch als Prof. Strache-Schacht bezeichnet. Der Schacht verfügte über eine Tiefe von ca. 18 m und ist von hand gegraben worden. An dieser Stelle wurde später ein Wetter- und Befahrungsschacht abgeteuft. Oberirdisch war er mit einem Wetterhäuschen abgesichert. Insgesamt wurden 5 solcher Schächte, die sowohl für die Frischluftversorgung als auch zum Ein- und Ausstieg dienten, abgeteuft. Die Schächte wurden nach Betriebseinstellung mit Sand verfüllt. Heute kann man hier noch mehrere Einsturzverläufe entlang der Stollenführung sowie einen Trichter über dem Schacht finden.

Die Bohrungen wurden ausschließlich mit einem Dreibock-Gestänge von Hand getätigt. Insgesamt liegen Bohrprotokolle von über 70 Einzelbohrungen bis zu einer Tiefe von 45 Metern vor, von denen ein Großteil vielversprechend ausgewertet werden konnte.

Station 8: Die Abbaufelder

Die durch die Erkundungsbohrungen gewonnenen Erkenntnisse zur Lage der Braunkohleflöze konnten für die optimierte Auswertung des Abbaugebietes genutzt werden.

Die Ausdehnung der Lagerstätte konnte bis hin zum „Stadtscheideweg“ nachgewiesen werden. Entsprechend lang waren auch die unterirdischen Stollenstrecken gebaut worden. Die teilweise sehr langen Förderwege drosselten die Abbaugeschwindigkeit erheblich, so dass nicht zuletzt auch dadurch der Gesamtbetrieb zu keinem Zeitpunkt wirtschaftlich geführt werden konnte.

Zur Zeit des Abbaubetriebes jedoch war Kohle sehr teuer, und für den Fortbetrieb der Phoenix-Werke in Harburg dringend erforderlich, so dass der Abbau trotzdem vorangetrieben worden ist.

Im Zuge von Erforschungsbohrungen im Jahre 2000 konnten von vorhandenen Stollen Fotografien angefertigt werden. Im Dezember 2017 konnte in der Nähe dieses Standortes mittels Bodenradar das Vorhandensein von nicht eingestürzten Stollen nachgewiesen werden.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Braunkohlebergwerk Robertshall

Grubenrisskarte 17 m-Sohle

Textquellen

Infotafeln am Weg

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an dem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.