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Die folgende Beschreibung wurde unverändert übernommen von der privaten Webseite www.opengeiger.de –  Stand 01.09.2014.

Mit freundlicher Genehmigung von Bernd Laquai. Vielen DANK.

Ein versteckter Radonstollen im Stammelbachtal bei Schiltach

Es ist ja nicht ganz einfach so ganz ohne ärztliche Verordnung und ohne viel Geld bezahlen zu müssen eine Brise radioaktives Radon in therapeutischer Dosis zu inhalieren. Wer das aber unbedingt haben will, der kann das im Stammelbachtal mit etwas Mut ganz kostenlos haben. Dort gibt es nämlich einen alten Stollen, den man mit viel Glück auch finden kann und dessen Radongehalt nicht ganz ohne ist. Allerdings sollte man sich auf einen Blick in den Eingangsbereich beschränken, alles andere ist lebensgefährlich, da nicht nur die Luftzusammensetzung völlig unberechenbar ist, sondern auch erhebliche Einsturzgefahr
besteht und der Stollen meistens halb unter Wasser steht. Bei schlechtem bzw. gewittrigem Wetter sollte man den Stollen ebenfalls meiden, da in derartigen Gruben das Wasser ganz urplötzlich steigen kann, wenn sich draußen ein Gewitter entlädt. Auf jeden Fall sollte man mindestens zu zweit sein, wenn man dorthin geht, und wenigstens einer sollte außerhalb des Stollens bleiben, denn im Stollen hat man bekanntlich kein Händynetz für eventuelle Notrufe.

Das Stammelbachtal gehört auch zu den Gegenden im Schwarzwald, das im oberen Teil durch eine überdurchschnittliche Gamma-Ortsdosisleistung auffällt. Man kann dort auf den Kuh- und Schafweiden durchaus Werte über 0.5uSv/h messen (Messung mit Gammascout), auf Wegen die mit Granitgestein aus der Gegend geschottert sind dann schon auch mal
mehr. Auch einige Felsbrocken im Wald oder Gesteinsaufschlüsse in Seitentälern zeigen deutlich erhöhte Strahlungswerte was auf eine gewisse Präsenz des Urans im Gestein schließen lässt.

Bereits im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde hier Bergbau betrieben, genau wie im nahe gelegenen Wittichen und man baute vor allem Kobalt, Nickel und Wismut ab. Die größte Grube im Stammelbachtal hieß Grube Hilfe Gottes, in historischer Literatur taucht aber auch der Name Johannes und unterer Hünersbach als Bezeichnungen für Gruben und Stollen auf. Auf alten Karten findet man dann schließlich genügend Anhaltspunkte um zumindest den Eingang eines Stollens zu der als Hilfe Gottes bezeichneten Grube zu finden. Die Halde der Grube kann man heute aber nur noch ahnen oder mit dem Geigerzähler versuchen zu finden.

Als in Deutschland der Uranrausch begann, führte man auch hier Uran-Prospektionsarbeiten durch und untersuchte die alten Stollen, sofern man sie noch finden konnte. Nach den Prospektionsbohrungen verschloss man die Stollen wieder mehr schlecht als recht und in der Zwischenzeit ist davon auch einiges wieder verrottet. Während man bei den ersten Probebohrungen 1973 nicht allzu viel abbauwürdiges Uran fand, schaute man sich die Grube 1991/92 nochmals genauer an und fand dann doch erhebliche Radioaktivität und hochprozentige Uranerzimpregnationen. Gott sei Dank blieb es aber bei diesen prospektierenden Untersuchungen, vermutlich weil es wohl schon zu viel Widerstand der Umweltschützer gegen einen Uranabbau im Schwarzwald an anderen Orten gab und so bleib die Idylle und das Uran dem Stammelbachtal weitgehend erhalten, genau wie der historische
Stollen.

Wenn man nun einen Blick in den Eingangsbereich wagt (das kostet schon eine gewisse Überwindung, da der Eingang nicht gerade was für dicke Leute ist), dann zeigt der Geigerzähler bereits schon hier Werte über 1 μSv/h an, was bei einem kalten Luftzug auch schon deutlich höher gehen kann, sofern der Geigerzähler für Radon und seine Zerfallsprodukte (Alphastrahler) entsprechend empfindlich ist. Diese starke Variation mit der Luftbewegung ist ein deutliches Zeichen für den hohen Radongehalt in der Luft. Vererzungen oder Stellen mit hoher Radioaktivität kann man an den Stollen-Wänden im Eingangsbereich aber nicht erkennen. Nach einigen Metern beginnt bereits das Wasser im Stollen zu stehen, so dass es auch vom Untergrund her viel zu gefährlich wird weiterzugehen.

Ansonsten ist die Gegend aber auch für Wanderungen recht empfehlenswert, insbesondere von dem Höhenrücken bei Schöngrund aus (N48 16.100 E8 19.271). Und wenn man es dann zum Abschluss noch urig haben will, kann man danach auch im völlig ungeschönten Höhengasthaus Heuwiese (N48 15.899 E8 18.766) einkehren und die eindrucksvolle Aussicht genießen.

Abb. 1: Plan für Uran-Prospektionsarbeiten im Stammelbachtal aus dem Jahre 1973, dunkel hinterlegt ist die Halde der Grube Hilfe Gottes

Abb. 2: Die während des Weges entlang des Stammelbachtals aufgezeichnete Gamma-Ortsdosisleistung. Dabei bedeutet rot >0.5uSv/h, magenta>0.4uSv/h, gelb>0.3uSv/h, türkis>0.2uSv/h, blau>0.1uSv/h (gemessen und über 2min gemittelt mit Gammscout)

Abb. 3: Profil der Gamma-Ortsdosisleistung entlang des Weges durch das Stammelbachtal

Abb. 4: Der Wegweiser ins Stammelbachtal

Abb. 5: Blick vom Stammelbachtal auf das Schwarzwald-Umland

Abb. 6: Der Stammelbach. Man erkennt das durch den hämatisierten Granit rötlich gefärbte Bachsediment. Das Wasser wird durchaus so einige Radionuklide und Schwermetalle enthalten (nicht jedes Schwarzwaldwasser ist eben gesund)

Abb. 7: Saftige Weiden im feuchten Stammelbachtal

Abb. 8: Schafe mit gut trainierten Nieren und etwas Uran in der Milch

Abb. 9: Solche Wege ticken besonders

Abb. 10: Großer Granitbrocken am idyllischen Wegrand

Abb. 10b: Ein wenig Uran gehört aber auch zur Idylle des Granits

Abb. 11: Suchbild: Gut versteckt der Stolleneingang zur Grube Hilfe Gottes

Abb. 11: Ja genau, hier geht’s rein (mit viel Mut)

Abb. 11: Ein mal tief Luft holen und dabei auf den Geigerzähler schauen (Radon soll gegen so manches Zipperlein helfen, bzw. der Glaube daran, so die Ärzte in Bad Gastein)

Abb. 11: Die Radionuklide lassen sich bestimmt mit einem Bierchen schnell wieder ausschwemmen… Die Höhengaststätte Heuwiese.

Abb. 11: Glückliche Schwarzwald-Kühe, sie wissen vermutlich nicht, was hier außer dem Weidezaun noch so alles unangenehm ticken kann