Bernau: Blössling

ein Ausflugstipp von der Webseite opengeiger.de

© Bernd Laquai

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Aussicht Top – Strahlung Top: Der Blössling bei Bernau im Südschwarzwald

Prof. Franz Kirchheimer und sein Mitarbeiter Otto Leible hätten wahrscheinlich Luftsprünge gemacht, wenn sie gemerkt hätten, wie hoch die Ortsdosisleistung bzw. die natürliche Radioaktivität im Gebiet hinter Bernau ist, das ist nämlich gar nicht so weit weg von der damaligen Urangrube im Krunkelbachtal. Den beiden haben nämlich die Menzenschwander den Ärger mit dem Schwarzwald-Uran zu verdanken, welches in den 50er Jahren im Krunkelbachtal abgebaut wurde („probehalber“ versteht sich). Und beide Herren versuchten mit viel Mühe noch weitere interessante Ecken im Schwarzwald zu finden, bis sich dann schließlich die Natur- und Heimatschützer doch noch gegen die Interessen des Bergbaus und gegen den Herrn Burda, der Menzenschwand zum gehobenen Mekka der Radon-Balneologie machen wollte, durchsetzen konnten.

Die Suche solcher Stellen (auch Uranprospektion genannt) hat etwas mit der berühmten Nadel im Heuhaufen zu tun und erinnert etwas an die Kriminalistik und Forensik. Nur hatten die Herren Kirchheimer und Leible kein Internet und keinen Szintillationszähler mit der Empfindlichkeit von heute zur Verfügung. Heute wird die Uranprospektion in USA, Australien oder Kanada (Saskatchewan) vom Hubschrauber aus gemacht, der mit gewaltigen Natriumjodid-Szintillationszählern in etwa 100m ein Prospektionsgebiet mäanderförmig, oder den Höhenlinien entlang, überfliegt und nuklidspezifisch die Gammastrahlung misst. Um Uran aufzuspüren schaut man dann in erster Linie auf das gammaintensive Zerfallsprodukt in der Uran-Zerfallskette, das Bismut-214, wo man eine starke Linie bekommt, wenn es Uran im Boden gibt. Mit dieser Methode lassen sich auch Strahlungs-Karten mit einer Auflösung von weniger als 200m erstellen.

Nun darf auch das Bundesamt für Strahlenschutz ab und zu mal mit einem Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes mitfliegen und solches Equipment einsetzen um zum Beispiel verlorengegangene Strahlungsquellen zu suchen oder anderweitig verdächtige Vorgänge zu analysieren. In der Schweiz gibt es dagegen eine spezielle Aeroradiometriegruppe an der ETH Zürich, die sich um die Sicherheit von kerntechnischen Anlagen kümmert und jährliche Übungen durchführt. Und manchmal üben dann beide Länder gemeinsam, so z.B. 1999. Jetzt suchen sich die Teams natürlich ein grenznahes Übungsgebiet aus und da bietet sich eben an, z.B. mal über die ehemalige Urangrube im Krunkelbachtal zu fliegen um zu sehen was man da so mit heutigen Mitteln davon sieht.

Nun lassen die Schweizer ihre Bevölkerung immer etwas mehr an den Ergebnissen solcher Übungen teilhaben, als die Deutschen und so findet man den Schweizer Bericht auch im Internet unter dem Titel ARM99 und kann unter dem Kapitel Schwarzwald 1999 nachlesen. Nun wäre der Bericht sicher nicht erschienen, wenn man die Grube „Hans Paul“ im Krunkelbachtal nicht hätte erkennen können und nicht beide Helikoptertrupps in etwa das gleiche Ergebnis erzeugt hätten. Man sieht die ehemalige Urangrube also als leuchtend roten Tupfen im türkis eingefärbten Krunkelbachtal. Man kann daran auch erkennen, dass es im wesentlichen der Rest der Halde ist, was da leuchtet und für eine hohe Radioaktivität steht. Die Grube ist ja bereits „renaturiert“, zumindest was den Grubeneingang anbelangt, der Haldenrest strahlt allerdings immer noch mit mehr als 1μSv/h vor sich hin. Ansonsten tut sich im Krunkelbachtal aber nichts all zu Auffälliges was die radioaktive Strahlung des
Bismut-214 bzw. die Ortsdosisleistung anbelangt.

Was aber an den Karten doch etwas auffällt, ist, dass es am Rande im Süd-Westen des abgeflogenen Gebiets in der Nähe von Bernau zwei viel größere Gebiete gibt, die noch viel deutlicher rot leuchten, besonders wenn man sich die Beilage 14 für das Bismut-214 anschaut. Auf den Karten der Bodentrupps, welche zum Vergleich die Ortsdosisleistung in 1m Abstand über dem Boden gemessen haben, steht lediglich > 210nSv/h. Hier kommt jetzt das Thema Kriminalistik auf, denn wer die Grube im Krunkelbachtal und die Ortsdosisleistung auf der Halde kennt, dem kommt nun schnell ein Verdacht.

Der Kampf um das Schwarzwald-Uran wäre vermutlich nicht so hart geführt worden, wenn die Natur in dieser Ecke des Südschwarzwalds nicht so ausgesprochen schön und einmalig und daher auch schützenwert wäre. Daher kann man auch gleich die zweite Schlussfolgerung ziehen: Es lohnt sich vermutlich schon allein der Natur wegen, diesem Gebiet ein Besuch abzustatten und nachzuschauen. Außerdem kann man, um nicht allzu lange suchen zu müssen, die Koordinaten des Schweizer Koordinaten Gitters bzw. die Deutschen Gauß Krüger Koordinaten des Messgebiets in GPS Koordinaten umrechnen und so die Strahlenkarte aus dem Helikopter auf den GPS Koordinaten einjustieren, dass man in Ungefähr die Lage der roten Gebiete ins Wander-Navi übertragen kann.

Und in der Tat, was man vor Ort sieht ist einerseits eine atemberaubend schöne Natur, mit wunderschöner Aussicht und anderseits eine Ortsdosisleistung, die es locker in die Top Ten Deutschlands schafft. Das erste rote Gebiet liegt beim Skilift Köpfle am Rande von Bernau-Innerlehen, das andere am Südwest-Hang des Blössling.

Man kann beide roten Gebiete gut mit einer Wander-Rundtour verbinden und dabei vom Rathaus Innerlehen über das Köpfle von Süden her auf den Blössling Gipfel hochwandern (1309m), dort an der Artur Schweizer Hütte Rast machen, die herrliche Aussicht genießen und über ein Stück des Westwegs den Nordhang hinunter und über den Sportplatz wieder zurück nach Innerlehen wandern. Die dazu zurückgelegte Strecke beträgt so etwa 10km.

Während im Dorf Innerlehen die Welt, was die Ortsdosisleistung anbelangt, noch ganz in Ordnung ist, merkt man sobald man die Wiesen am Köpfle erreicht, dass sich etwas tut. Die Werte gehen da schon Richtung 0.3μSv/h. Läuft man die Wiese hoch (auf den Weidebetrieb achten) über die Gleitschirmabsprungrampe bei N47 47.980 E8 01.639 zur oberen Station des Skilifts Köpfle, dann merkt man an Stellen die nicht mit Gras überwachsen sind, dass an vielen Stellen Werte über 0.5μSv/h auftauchen. Im Bereich eines kleineren Gesteinsaufschlusses bei N47 47.961 E8 01.632 ist dies beispielsweise der Fall. Läuft man dann weiter den Weg zum Blössling Gipfel hoch, bemerkt man etwa bei N47 47.614 E8 00.385 einen zweiten Hotspot. Dort werden für einzelne kurz gewählte Zählintervalle schon auch mal Werte von annähernd 1uSv/h erreicht. Der Nordhang des Blösslings dagegen ist wieder harmlos, dort hat man es meist mit Werten unter 0.2μSv/h zu tun.

Damit lässt sich der Verdacht also ganz klar bestätigen. Das bedeutet, dass im Bereich dieser, allerdings doch noch sehr lokalen Gebiete, die aber deutlich größer als die Halde der Grube im Krunkelbachtal sind, einiges an Uran liegen muss. Und das macht sich heute eben fast deutlicher bemerkbar als zu den Zeiten wo im Krunkelbachtal noch nicht geschürft worden war.

Schaut man sich das Gestein am Blössling Hotspot an der Oberfläche genau an, so handelt es sich meist um Granit ohne auffällig große Mineralieneinschlüsse. Am Köpfle ist der Grasbewuchs dagegen zu dicht, als dass man dort überhaupt die Ursache für die hohe natürlich radioaktive Strahlung erkennen könnte, ohne zu graben. Das bedeutet entweder, dass das Uran fein in der Gesteinsmatrix verteilt ist oder aber unter der für den Wanderer sichtbaren Gesteins-Oberfläche liegt.

Jedenfalls wird man am BfS und an der ETH genau wie an den jeweiligen Bergämtern schon seit geraumer Zeit wissen, dass es hier weitere Uran-Anomalien im Gestein geben muss, die, falls Bedarf bestünde, unter Umständen auch abbaubar wären. Man hält sich dazu aber am BfS aus verständlichen Gründen etwas bedeckt, zumindest solange es in Deutschland noch ein gewisses staatliches Interesse an diesem chemischen Element und seiner kerntechnischen Nutzung gibt. Aber genau in dem Hinblick ist nicht ganz verständlich, warum sich manche Bewohner des Schwarzwald so gegen Naturschutzgebiete wehren, das war jedenfalls im Krunkelbachtal eines der tragfähigsten Argumente vor den Gerichten, als es um die Zulassung des Uranabbaus für das damalige Bergbauunternehmen Brunhilde ging.

Abb. 1: Geo-referenzierte Messdaten der Gamma-Ortsdosisleistung sind farblich entlang des Wegs markiert. Der Weg in der Nähe der Grube leuchtet deutlich rot. Dabei bedeutet rot >0.5uSv/h, magenta>0.4uSv/h, gelb>0.3uSv/h, türkis>0.2uSv/h, blau>0.1uSv/h (gemessen und über 2 min gemittelt mit Gammscout)

Abb. 2: Hotspot am Skilift Köpfle

Abb. 3: Hotspot am Blösslingsattel

Abb. 4: Profil der Gamma-Ortsdosisleistung über die gesamte Tour. Am Hotspot beim Köpfle wurden aber wesentlich mehr Messpunkte aufgezeichnet (längere Verweildauer) als am Blössling-Sattel. Mittelungsdauer 2min.

Abb. 5: Bergstation des Skilifts Köpfle

Abb. 6: Messung am Hotspot Köpfle

Abb. 7 Gut ausgeschilderte Wege

Abb. 8: Granit-Aufschlüsse am Wegesrand zum Blössling

Abb. 9: Der Weg zum Blössling Gipfel

Abb. 10: Der Blössling-Gipfel mit Artur Schweizer-Schutzhütte

Abb. 11: Die herrliche Aussicht auf Bernau und das Hinterland

Abb. 12: So sieht ein Genusspfad aus

Infomaterialien

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Bernau

Aussicht Top – Strahlung Top: Der Blössling bei Bernau im Südschwarzwald (Originalbeschreibung)

Textquellen

B. Bucher, L. Rybach, G. Schwarz, Chr. Bärlocher Aeroradiometrische Messungen im Rahmen der Übung ARM99 Schwarzwald 1999; Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich) http://www.gtr.geophys.ethz.ch/far/reports/uarm99/FAR99.pdf

Der Streit um das Schwarzwald-Uran Armin Simon Donzelli-Verlag Mai 2003 ISBN 3-933284-11-2.

Fotos von der Wander-Tour auf den weiteren Seiten. GPS-Tour-Daten im Downloadbereich von opengeiger.de

Ellweiler: Das Gebiet der Uranförderung und Aufbereitung

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© Bernd Laquai

Mit freundlicher Genehmigung.

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Historisches

Ende der 50er Jahre wurde von der niedersächsischen Bergbaugesellschaft „Gewerkschaft Brunhilde GmbH, Uetze“ am Bühlskopf im Tagebau schwach uranhaltiges Gestein abgebaut. Der Vorteil lag dabei zunächst in der geringeren Belastung der Arbeiter vor allem wegen der niedrigeren Radon-Aktivitätskonzentrationen an der freien Luft und der geringeren Staubbelastung im Vergleich zu Gruben unter Tage. 1958/59 wurde in Ellweiler an der Straße nach Birkenfeld auch eine Anlage zur Aufbereitung des gewonnenen Urans zu „Yellow Cake“ zunächst als staatliche Versuchsanlage aufgebaut. Sie wurde später von der Gewerkschaft Brunhilde privatwirtschaftlich betrieben. Dabei wurden später auch höher-prozentige Erze aus Menzenschwand und anderen Abbaugebieten antransportiert und zu Urankonzentraten verarbeitet.

Die Aufbereitungsanlage in Ellweiler geriet in den 80iger Jahren in Zusammenhang mit „Unregelmäßigkeiten“ bei der Brennelemente-Fabrik Transnuklear / Nukem mit in den Strudel von etlichen Skandalen, unter anderem da auch Strahlungsgrenzwerte bei der Haldenlagerung der Abfälle massiv überschritten wurden. 1989 wurde der Betrieb von den Landesbehörden untersagt. 1991 stellte die Gewerkschaft Brunhilde den Konkursantrag. Die Sanierung und Rekultivierung mit Kosten in Höhe von rund 50 Millionen DM wurden daraufhin vom Land Rheinland-Pfalz durchgeführt.

Abb. 1: Die ehemalige Uranerz-Aufbereitungsanlage in Ellweiler (nach einer Skizze von /1/)

Besuch des Gebiets Ellweiler

Wenn man nicht mit dem Auto direkt anreist, kann man auch bequem mit der Bahn bis zum Bahnhof Neubrücke (Nahe) fahren und von dort aus eine etwa 8-10km lange Rund-Wanderung machen. Die Strecke ist allerdings nicht immer ein komfortabler und ausgeschilderter Wanderweg.

Zunächst geht man in nord-östlicher Richtung parallel zur Bahnlinie bis zum Ortsausgang und sucht den Radweg nach Birkenfeld. Er führt auf einem schönen Sträßchen rechts von einem Bach bis zur Landes-Sammelstelle für radioaktiven Abfall, die sich linksseitig des Baches befindet. Wenn man noch ein kleines Stück auf dem Sträßchen weitergeht, biegt der Bach nach links ab und man hat Zugang zur ersten Halde bei N49 37.086 E7 09.603. Diese ist ca. 15m hoch mit einer relativ steilen Böschung, die aber so gut befestigt und mit Gras bewachsen ist, dass man problemlos hochsteigen kann. Beim Aufstieg kann man eine nur sehr geringe Zunahme der Strahlung feststellen. Sie beträgt kaum mehr als 0.2uSv/h wenn man über 2 min mittelt (Gammascout). Von der Halde oben hat man eine schöne Aussicht auf die Sammelstelle auf der einen Seite und die Wiesen, wo früher die Fabrik stand, auf der anderen Seite. Auf der Halde kann man einige Messstellen erkennen, so zum Beispiel zur Grundwassermessung. Um die Halde herum führt ein Fußweg. In der Nähe zum Bach steht ein Stromleitungsmast, an dessen Halteseilen Radonmessdosen befestigt sind. Man befindet sich also in guter Gesellschaft. Mindestens eine der Dosen stammt vom Landes-Umweltamt Rheinland-Pfalz. Im Norden auf der Wiese lässt sich ebenfalls kaum eine erhöhte Strahlung feststellen. Ganz am Nordende der Halde findet man eine Brücke über den Bach, so dass man auf die Seite der Strasse kommt. Von dort kann man zurücklaufen bis auf die Höhe eines Rastplatzes gegenüber der Tankstelle. Von hier aus kann man ohne Probleme auch die zweite Halde bei N49 36.994 E7 09.615 besteigen. Von oben hat man einen guten Blick auf das etwas gruselig anmutende, fensterlose Gebäude der Sammelstelle. Etwas Graffiti an der Wand des Gebäudes würde gut tun. Auch auf der zweiten Halde kann eine nur ganz leicht erhöhte Gammastrahlung messen.

Abb. 8: Blick von Halde 2 auf die Landessammelstelle für radioaktive Abfälle

Ganz grundsätzlich bekommt man den Eindruck, dass die Halden in der Zwischenzeit ordentlich saniert sind, zumindest was die Gamma-Ortsdosisleistung anbelangt. Läuft man auf der Straße entlang des Zaunes zurück zur Sammelstelle, kann man auch keine großen Auffälligkeiten beobachten.

Von der Sammelstelle aus muss man ein Stück der Strasse entlang nach Süden gehen, bis rechts der Wald endet. Frühestens hier kann man nach Westen Richtung Ellweiler rechts abbiegen. Allerdings sind die Felder umzäunt, so dass, wenn man sich nicht durch den Wald schlagen will, man am besten bis zur nächsten Kreuzung der Strasse entlang läuft. Nach einer kurzen Distanz trifft man auf ein großes Gehöft von wo aus ein Feldweg Richtung Westen abzweigt. Dieser Weg führt nach Ellweiler.

Hier fällt allerdings deutlich auf, dass die Gamma-Orstdosisleistung auf den Feldern merklich ansteigt. Schaut man sich die Felder genau an, kann man erkennen, dass manche Bauern bewußt Gesteinsschotter unter die Erde gemischt haben. Das könnte zur Lockerung dienen oder auch als Wärmespeicher. Allerdings weist dieser Schotter einen gewissen Radionuklidgehalt auf, was man an der Strahlung erkennen kann. Dies ist beispielsweise auf dem Acker bei N49 36.681 E7 09.403 der Fall. Wo dieser Gesteinsschotter aus gleichmäßig kleinen Steinchen herkommt, ist unklar, aber an der Färbung kann man sehen, dass es ebenfalls Rhyolitgestein ist. Da das Gestein im Uranabbaugebiet genauso aussieht, kann man davon ausgehen, dass das Gestein auf den Äckern auch uranhaltig ist. Wie das auf das Grundwasser wirkt und auf die angebauten Pflanzen, ist offen. Wenn man schließlich wieder auf die Teerstrasse am Ortseingang bei Ellweiler kommt, nimmt die Strahlungsintensität wieder etwas ab.

Das ehemalige Uranabbaugebiet von Ellweiler befindet sich am Rande eines Hügels im Norden mit dem Namen Bühlskopf (N49 37.047 E7 08.801). Um dorthin zu gelangen folgt am besten dem Sträßchen „Am Bühl“, das am Ende in ein Feldweg übergeht, der im westlich um den Bühlkopf herumführt. Das sanierte und rekultivierte Abbaugebiet befindet sich im Norden des Bühlkopfs. Der Hügel wurde dort im Prinzip abgebrochen. Man kann die Abbruchkante mit einigen Aufschlüssen noch erkennen, dort wo das rötliche Rhyolithgestein mit einer gelblichweißen Textur deutlich hervortritt. Vor allem an der Abbruchkante und an den kleinen Höhlungen im Wald steigt die Gamma-Ortsdosisleistung stark an und erreicht Werte von über 1uSv/h an einigen Stellen. Auf Grund des noch vorhandenen Schnees war aber bei meinem Besuch die Suche nach sehr deutlich radioaktiven Steinen ziemlich erschwert. Möglicherweise behindert auch das weiträumig austretende Radon die Suche mit dem Geigerzähler.

Der größte Teil des Abbaugebiets scheint aber heute verfüllt und mit Erde bedeckt zu sein. Die Boden ist mit Gras bewachsen und man hat bereits einen Bewuchs mit Sträuchern und kleinen Kiefern. Im Wald dagegen findet man noch einige Hinterlassenschaften wie z.B. ein gemauertes Becken und eine eiserne Bergbau-Lore, die total verrostet ist.

Abb. 17 zeigt den zurückgelegten Weg als Übersicht mit der Farbmarkierung entlang der Tour, welche die vom GeoRexx-System gemessene Zählrate darstellt. Deutlich kann man die erhöhte Radioaktivität am Bühlskopf erkennen, sowie auf den Äckern mit dem untergemischen Rhyolit-Schotter.

Abb 17:  Mit dem GeoR-System ermittelte Strahlungsintensität entlang der Tour

Parallel zur Messung mit dem GeoRexx-System wurde die Äquivalentdosisleistung mit dem Gammascout aufgezeichnet. Die Dosis wurde durch Mittelung über 2 Minuten intervalle gewonnen und zusammen mit der Uhrzeit für jede Messung abgespeichert. Da auch der GPS-Empfänger die Zeit abspeichert, ist eine Zuordnung der Messpunkte zu den Koordinaten leicht möglich. Die beiden Peaks mit über 1uSv/h stammen von Aufschlüssen an der Böschung.

Auch wenn die Rekultivierung das Abbaugebiet wieder gut in die Natur integriert, so wäre doch ein deutlicher Gefahrenhinweis wünschenswert, um vor allem ahnungslose Wanderer ohne besondere Kenntnisse vor dem Gebiets zu warnen. Besonders Kinder, welche mit den schön gefärbten Steinen spielen könnten, sind gefährdet.

Die örtlichen Behörden sollten auch die Landwirte auf die Gefahren hinweisen, die durch Vermengen des Gesteins mit dem Ackerboden entstehen. Das Grundwasser sollte nicht nur im Bereich der ehemaligen Halden der Aufbereitungsanlagen überwacht werden.

Abb. 18: Mit dem Gammascout gemessenes Profil der Äquivalentdosisleistung entlang der Tour

Abb. 19: Daten des GeoRexx-Systems im Bereich der Halden nahe der Sammelstelle

Abb. 20: GeoRexx Daten auf den Äckern und im Bereich des Gehöfts

Abb. 21: GeoRexx Daten von dem ehemaligen Uranabbaugebiet am Bühlskopf

Während des Besuchs am Bühlskopf wurden 5kg des Rhyolitgesteins an der Abbruchkante eingesammelt und in der 10Liter Radonmesskammer vermessen. Allerdings brachte die Probenmenge das Radonmessinstrument (Sirad MR-106) bereits nach 2 Tagen an den Anschlag (max. messbare Radonkonzentration 20000Bq/m3). Von daher kann man davon ausgehen, dass tatsächlich Konzentrationen von deutlich über 50000Bq/m3 in der Messkammer entstanden sind. Das Gestein wird daher sehr gleichmäßig mit Uran durchsetzt und sehr porös sein, so dass man an einem einzelnen Stein eine im Vergleich nur geringe Gammastrahlung sieht. Die Radon-Exhalationsrate ist dagegen vermutlich sehr hoch.

Abb. 22: Messung des Rhyolit-Gesteins vom Bühlkopf in der Radonmesskammer. Das Messgerät gerät in 2 Tagen „an den Anschlag“.

Infomaterialien

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Ellweiler

Das Gebiet der Uranförderung und Aufbereitung in Ellweiler (Originalbeschreibung).

Textquellen

/1/ Peter Diehl Uranabbau im Westen Deutschlands (Okt. 1991)

http://www.wise-uranium.org/umwd.html

/2/ Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland
Pfalz: Sanierung der ehemaligen Uranerzaufbereitungsanlage Ellweiler

/3/ Nachrichtenmagazin: Der Spiegel: etliche Artikel

http://www.spiegel.de

/4/ Wikipedia: Uranerzaufbereitungsanlage Ellweiler

http://de.wikipedia.org/wiki/Uranerzaufbereitungsanlage_Ellweiler

Menzenschwand: Krunkelbachtal

Bergbau in Menzenschwand

Einen kurzen Überblick über den Bergbau in Menzenschwand finden Sie hier …

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© Bernd Laquai

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20 Jahre später – Hinterlassenschaften des Uranabbaus im Krunkelbachtal bei Menzenschwand (Stand: 09.07.2013)

Eine der eindrucksvollsten und lehrreichsten Wanderungen, die man mit einem Geigerzähler machen kann, ist zweifellos eine Wanderung durch das herrliche Krunkelbachtal bei Menzenschwand, einem netten Schwarzwald-Örtchen einige Kilometer südlich des Feldbergs und einige Kilometer westlich des Schluchsees. Das Krunkelbachtal ist ein extrem gutes Lehrbeispiel aus der jüngeren Geschichte der Menschheit, wie die Gier nach Geld und Macht dazu geführt hat, dass selbst 20Jahre nach der Renaturierung des ersten und größten westdeutschen Uranabbaugebiets die idyllische Natur dort immer noch mit giftigem und radioaktivem Material auf recht gefährliche Weise kontaminiert ist. Allerdings sind die Schäden des Grubenbetriebs so behoben, dass man die Gefahren als unerfahrener Wanderer und Tourist nicht mehr mit bloßem Auge erkennen kann. Die Tatsache, dass hier das Naturschutzgebiet Feldberg beginnt, suggeriert zudem sofort, das hier die Natur völlig in Ordnung wäre.

Der Konflikt um das Schwarzwalduran, der 1957 durch den Fund von Uranglimmer durch Geologie-Studenten seinen Anfang nahm, hat mehr als 30 Jahre lang zu einem heftigen Aufeinanderprallen unterschiedlicher wirtschaftlicher und politischer Interessen geführt. Selbst einige Umwelt- und Heimatschützer hatten sich mit millionenschweren Investoren der Tourismusbranche (vom Verleger Franz Burda organisiert) verbündet, um mit einem gewaltigen Umbauprogram das Örtchen Menzenschwand zu einem mondänen und exklusiven Kurbetriebsort zu machen, nur damit der Tourismus das weitere Ausdehnen des Bergbaus verhindern möge. Schließlich kam es nach vielen Jahren des politischen Gezerres und der Unentschlossenheit, die das Bergbauunternehmen Gewerkschaft Brunhilde zu einem intensiven „Probebetrieb“ nutzte, vor dem Bundesverwaltungsgericht zu einem Vergleich, bei dem die Landesregierung den größten Teil der Kosten für die Grubenschließung und Renaturierung übernehmen musste.

Trotz des Siegs für die Tourismusindustrie über die Interessen der Bergbauindustrie und die wirtschaftlichen Interessen der Regierung ist das heutige Tourismuskonzept für das Krunkelbachtal in der Gemeinde St. Blasien, zu dem heute Menzenschwand gehört, als äußerst fragwürdig einzustufen. Auch der Job, den hier die Umweltbehörden geleistet haben, müsste man eigentlich als völlig unzureichend kritisieren. Eine juristisch einigermaßen korrekte Lösung für die derzeitigen Verhältnisse im hinteren Krunkelbachtal wäre, das Gebiet wenigstens zu umzäunen und mit entsprechenden Warnhinweisen zur Radioaktivität und zur chemischen Giftigkeit der herumliegenden Erzbrocken und Steine zu versehen, selbst wenn das nicht so richtig zum übrigen Tourismuskonzept und zum idyllischen Naturschutzgebiet Feldberg passt und sicher die ahnungslosen Wanderer etwas aufschrecken würde. Ein eifriger Jurastudent der naheliegenden Universität Freiburg könnte sich den Fall hier sicher auch nochmals vornehmen und unter Beweis stellen, dass er in seinem Studium etwas ordentliches gelernt hat. Ein Medieninteresse würde er garantiert auslösen und hätte durchaus Aussicht auf Erfolg.

Abb. 1: Tour vom Radon-Revitalbad in Menzenschwand durch das Krunkelbachtal zur Urangrube und über die Farnwitte zurück. Geo-referenzierte Messdaten der Gamma-Ortsdosisleistung sind farblich entlang des Wegs markiert. Der Weg in der Nähe der Grube leuchtet deutlich rot. Dabei bedeutet rot >0.5uSv/h, magenta>0.4uSv/h, gelb>0.3uSv/h, türkis>0.2uSv/h, blau>0.1uSv/h (gemessen mit Gammscout). Weitere Bilder am Ende des Textes.

Hintergrund der Vorwürfe ist, dass das was das Herz eines Geigerzählers im hinteren Krunkelbachtal höher schlagen lässt, einem Kleinkind das weitere Leben ziemlich schwer machen könnte weil dessen Nieren und andere Organe schweren Schaden nehmen könnten. Die relativ hohe Radioaktivität des mit Uran kräftig kontaminierten Bodens allein würde für eine Familie mit Kindern, welche dem mit dem freundlichen Raben gekennzeichneten „Menzo’s Wegle“ in das Krunkelbachtal folgt und sich am kühlen Wasser des Krunkelbachs labt, vermutlich gar nicht mal das größte Problem darstellen. Dazu wäre der Expositionszeitraums vermutlich zu kurz. Etwas viel Schlimmeres könnte passieren, wenn das kleine Kind einen der schönen dunkelroten Steinchen, welche wegen den eingelagerten Kristallen auch noch höchst interessant in der Sonne glitzern, aufhebt, und dann darauf herumlutscht und im schlimmsten Fall sogar verschluckt. Dann würde nämlich das Uran seine gefährliche Alphastrahlung im noch immunschwachen Körper freisetzen und auch seine hohe chemische Giftigkeit in voller Kraft freisetzen was zur Niereninsuffizienz führen könnte.

Die schönen roten Steinchen sind nämlich in den erzführenden Gängen losgeschossenes Uranerz aus der ehemaligen Grube Krunkelbach. Das Restmaterial des Uranerzes wurde bei der Stillegung der Grube zum Verfüllen des Stollenmundlochs (Eingang) der Grube verwendet und teilweise sogar auf den Halden in der Umgebung belassen. Die rote Farbe der Steinchen rührt vom stark hämatitisierten Granitporphyrgestein her. Das Glitzern wird von Einlagerungen verschiedenster kristallisierter Mineralien hervorgerufen, die im tiefliegenden Gestein des Rabenfelsen vorkommen. Unter diesen Mineralien finden sich Uranglimmer, Strontium, Arsen und andere hochgiftigen Schwermetalle. Das Lutschen an diesen Steinchen wäre also selbst für einen Erwachsenen alles andere als gesund.

Das besonders heimtückische an der Situation ist aber, dass diese Steinchen, ähnlich wie die Köder, die man für Rattengift benutzt, erst zeitlich sehr versetzt zu Problemen führen würden. Wenn die Probleme erst Monate oder Jahre später auftauchen, weil sich das Uran und die anderen hochgiftigen Schwermetalle in den Körper eingelagert haben und dort „über Zeit“ so vor sich hinstrahlen bzw. äußerst toxisch wirken, dann wird sich die betroffene Familie nicht mehr so ohne weiteres an ein Steinchen erinnern, an denen das kleine Kind in dem so idyllischen Krunkelbachtal auf Menzo’s Wegle ganz in der Nähe von Barbara’s Quellplätzle gelutscht hat. Das ist dann ähnlich wie bei der ansonsten sehr intelligenten Ratte, die sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr an den Köder erinnert und deswegen auch ihre Artgenossen nicht mehr warnen kann, wenn sie merkt, dass es mit ihr zu Ende geht.

Das Wasser im Krunkelbach wird ebenfalls ganz schön uranhaltig sein und auch andere Schwermetalle und Halbmetalle wie Arsen enthalten. Unter den Uranmineralien (Uranglimmer) sind chemisch hochgiftige Uranylverbindungen, die in Wasser löslich sind. Dazu gibt es in Wikipedia auch einen recht lehrreichen Eintrag. Wenn man also bei N47 50.304 E8 02.642, Menzo’s Wegle folgend, über die Krunkelbach-Brücke in Richtung Grubenzugang geführt wird, sollte man sich nicht unbedingt an dem herrlich kühlen und sprudelnden Wasser laben. Unterhalb von Barbara’s Quellplätze ergießt sich zusätzlich Wasser aus dem verfüllten Grubeneingang über die Reste der Halde (etwa bei N47 50.337 E8 02.821) und fließt ebenfalls direkt in den Krunkelbach. Man sollte sich daher auch fragen, welches Wasser die im Krunkelbachtal so scheinbar glücklich weidenden Kühe Tag ein Tag aus so zur Tränke bekommen (wenn nicht aus dem Krunkelbach) und ob man das Uran nicht doch in der Schwarzwaldmilch, welche von den Bauern aus Menzenschwand geliefert wird, später noch deutlich nachweisen kann.

All das aber kommt dem fröhlichen Familienurlauber und fröhlichen Wandersmann bestimmt nicht in den Sinn, wenn er bei schönem Wetter durch das rein optisch herrlich wirkende Krunkelbachtal wandert. Der Tourismusverband hat sich viel Mühe gegeben und einen schönen Lehrpfad entlang des Krunkelbachwegs eingerichtet mit vielen Informationen zur idyllischen Natur dieses schönen Schwarzwaldtals am Rande des majestätischen Rabenfelsens, auf dem auch etliches zur Geologie und zum Quellgebiet des Krunkelbachs erklärt ist. Es laden auch viele Bänkchen zur Rast ein, wo neugierige Kinder ganz aus der Nähe die Natur bewundern können.

Selbst das holzverschalte Quellhäuschen der Floriansquelle (bei N47 50.324 E8 02.653), aus der seit 2005 das mit dem radioaktiven Radongas aus der ehemaligen Grube beladene Wasser für das beschauliche Radon Revitalbad in Menzenschwand-Hinterdorf gefördert wird, gibt kaum einen Anlass um ins Zweifeln zu geraten. Auf einer Infotafel auf der eine entspannte Badenixe im Wasser zu sehen ist, wird von der heilenden Wirkung des Radons erzählt. Auch der Name „Revital“ passt ja immer noch recht gut zur herrlichen Landschaft. Nur der Geigerzähler merkt, dass es hier so langsam „heiß“ wird.

Geht man Menzo’s Wegle noch etwas weiter hinter, gelangt man durch herrliche wilde Wiesen, wo im Sommer viele blaue Lupinen blühen, zu Barbara’s Quellplätzle. Hier führt ein verstecktes Wegchen zu einem weiteren Quellhäuschen (bei N47 50.319 E8 02.720). Wer hierhin findet, der wird nun interessanterweise auch ein wenig über den Streit um das Uran im Schwarzwald informiert. Wahrscheinlich freut sich der Wandersmann nach eingehendem Studium der Infotafel dann darüber, dass der Umwelt- und Heimatschutz bei der Auseinandersetzung gewonnen hat und darüber, dass das schöne Krunkelbachtal eben keine wüste Bergbau-Gegend geworden ist, sondern die Idylle der Natur in diesem Bereich wieder hergestellt wurde. Nichts in der herrlichen Gegend lässt daher die heute noch vorhandenen Gefahren für das bloße Auge erkennbar werden. Nur ein geschultes Auge erkennt vielleicht, dass beide Holzhäuschen eine eingebaute aktive Querlüftung (unten neben der Tür und oben auf der Rückseite) haben, um das Aufstauen des radioaktiven Radongases im Häuschen zu verhindern und um das Wartungspersonal zu schützen.

Von Barabara’s Quellplätzchen aus kann man gut vollends zum Bachbett des Krunkelbachs hinterlaufen. Man kann den hier schon stark überwachsenen Weg noch einigermaßen erkennen, der hinunter führt. Bei N47 50.313 E8 02.797 kommt man wieder auf eine größere Wiese, die früher einmal der Eingangsbereich zur Grube war. Ungefähr hunderttausend Tonnen Uranerz, so schätzt man, wurden hier von der Gewerkschaft Brunhilde aus dem Innern des Rabenfelsens geholt, mit einem durchschnittlichen Gehalt von 0.72% Uran, das in der Uranaufbereitungsanlage in Ellweiler aus dem Menzenschwander Erz extrahiert wurde. Diese Aufbereitungsanlage gehörte ebenfalls der Gewerkschaft Brunhilde. Viele schwere Lastwagen müssen dazu von hier durch das idyllische Tal bis zur Bahnverladung bei Schluchsee gefahren sein. Der größte Teil des Uranerzes, das in der Nähe des Eingangs auf einer Halde lag, hat man in der Zwischenzeit abtransportiert oder zum Verfüllen des Stollenmundlochs verwendet. An vielen Stellen ist die Halde auch wieder zugewachsen, aber der Bewuchs ist nur sehr oberflächlich auf dem sehr unwirtlichen Gestein. Besonders dort wo reichlich Wasser aus dem verfüllten Eingang austritt (bei N47 50.337 E8 02.824), spült die Strömung des herrlich klaren Wassers die Steine immer wieder frei. Dieses Wasser sieht geradezu wie gesundes Schwarzwaldwasser aus. Etlicher dieser rötlichen und glitzernden Erzsteine liegen auf den unbewachsenen Teilen der Halde frei herum und werden schön umspült und funkeln förmlich im Wasser.

Konzentriert man sich nun auf die Steine auf denen viele feine, leicht grünliche Kristalle auf der Oberfläche zu sehen sind, kann man mit einem Geigerzähler eine Ortsdosisleistung von deutlich über 15uSv/h messen. Mit einer UV-Lampe erkennt man schnell, dass diese grünlichen Kristalle hell aufleuchten, wenn man sie im Dunkel der Bäume mit UV Licht bestrahlt. Diese Fluoreszenz ist das Merkmal der Uranglimmer, wie z.B. der Mineralien Autunit und Uranocitrit. Etwas seltener findet man auch Steine mit schwarzgrauen Einlagerungen in den sonst rötlichen Steinen, die den Geigerzähler sofort an die Alarmgrenze treiben. Hier handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Uraninit (Uranoxid, UO2 bzw. U3O8) oder auch im Volksmund Pechblende genannt, das Mineral, dem die vorrangige Begierde der bergbaulichen Aktivitäten hier galt.

Einzelne der geförderten Erzchargen, so wird berichtet, erreichten über 2% Urangehalt, hauptsächlich in Form von Pechblende, was ein relativ hoher Gehalt ist im internationalen Vergleich. Pechblende hat einen der höchsten Werte für die spezifische Radioaktivität unter allen natürlich vorkommenden Uranmineralien. Während die Pechblenden-Mineralisationen sehr gediegen ins Gestein eingelagert sind, ist der Uranglimmer dagegen für den ahnungslosen Finder besonders gefährlich, weil sich die Kristalle bröselig und fein verteilt auf den Oberflächen befinden und sich leicht ablösen. Deswegen ist es mehr als sinnvoll, sich die Hände gut zu waschen, nachdem man solche Steine angefasst hat. Sonst gelangen diese Uranglimmerbrösel nämlich beim nächsten Vesper auf das Vesperbrot und können von da aus in den Körper gelangen. Die chemische Giftigkeit des Urans liegt ähnlich hoch wie die anderer Schwermetalle und ist vergleichbar zu der des Quecksilbers. An den vielfältigen Färbungen der Kristalle auf den Steinen kann man ebenfalls erahnen, dass hier noch etliche andere seltenere chemische Elemente zu finden sind, die meistens für den Menschen nicht gerade gut bekömmlich sind.

Oben auf Menzo’s Wanderwegle findet man ebenfalls immer wieder Ansammlungen von Erzsteinen. Besonders auffällig ist ein Loch bei N47 50.353 E8 02.747, das mit Steinen verfüllt wurde. Vermutlich hat sich hier ein Bauer geärgert, dass sein Fahrzeug immer wieder in dieses Loch (ein altes Bohrloch?) rutscht und hat die Steine auf der Halde gesucht um es zu füllen. Hier misst man erstaunliche 10uSv/h mitten auf dem Weg, was natürlich mit einem heftigem Geknatter des Geigerzählers einhergeht. Aber ohne so ein Messinstrument würde man denken, dass hier neben den schönsten Wiesenblumen die Welt völlig in Ordnung ist.

Was sich hier bergbaulich in etwa abgespielt hat, hat Helge Steen minutiös genau in seinen Bergbau-Fachbüchern dokumentiert. Teilweise lesen sich die Passagen wie Krimis, an denen man die Hochspannung der Bergleute erkennen kann, die sie angetrieben hat um eine noch hochgradigere und noch ergiebigere Uranerzader zu finden. Helge Steen hat auch die gefundenen Erzgänge mit Geokoordinaten so gut dokumentiert, dass sich diese relativ einfach vom damals gebräuchlichen Gauss-Krüger Koordinatensystem (mit Potsdam Datum) in das heute üblichere GPS-basierte Koordinatensystem (mit WGS84 Datum) umrechnen lassen. Damit lassen sich auch heute noch die Lage der durch zwei Stollen verbundenen Erzgänge auf einer Karte visualisieren. Besonders ergiebig waren wohl Gang 1 und 2. Hier wurden Schächte in die Tiefe gegraben, von denen aus etliche Sohlen auf unterschiedlichen Tiefe bis hinunter auf 240m Tiefe abgezweigt wurden, aus denen das Erz der Gänge von unterschiedlichen Tiefen her gefördert werden konnte. In den Büchern findet man auch eine interessante Dokumentation der damals verfügbaren technischen Ausrüstung sowie etliche relativ neutrale Erläuterungen zu den politischen Auseinandersetzungen, die den Betrieb erheblich beeinflussten.

Der Eintrag zum Thema „Grube Krunkelbach“ in Wikipedia ist eine ebenfalls eine sehr lesenswerte Kurzfassung zu der Geschichte, die sich im Krunkelbachtal abgespielt hat und etwas näher erläutert, was die Politik, die Industrie und die Menschen in Menzenschwand seinerseits bewegt hat. Im Internet gibt es ebenfalls weitere sehr interessante Artikel zum Schwarzwalduran, zu der Grube Krunkelbach und der Bergbaugesellschaft Gewerkschaft Brunhilde aus Uetze in Niedersachsen.

Hat man schließlich die beeindruckenden Strahlungswerte um die ehemalige Grube im hinteren Krunkelbachtal verarbeitet und die Giftigkeit der glitzernden Steinchen begriffen, dann kann man auf der Nordseite das Krunkelbachtal zurückgehen und die Tour Richtung Farnwitte zu einer schönen Runde ausdehnen. Auf dieser Seite findet man im Sommer viele Fingerhutpflanzen, die zwar auch sehr schön und giftig sind, nur mit dem kleinen Unterschied, dass die meisten Leute darüber Bescheid wissen.

Sowohl auf dem Hin- wie auf dem Rückweg ist leicht zu erkennen, dass die Umweltradioaktivität im übrigen Krunkelbachtal überhaupt kein Problem darstellt. Sie beträgt meist um 0.2uSv/h, was angesichts des granitigen Untergrunds (Bärhalde-Granit) ein völlig normaler Wert ist. Daraus kann man schließen, dass solange man das Uran im Berg lässt, es normalerweise auch kein Problem darstellt.

Der Weg führt einen dann bei N47 50.343 E8 03.748 zum Cafe und Berg-Beizle Kuckuck (http://www.kuckuck-schwarzwald.de/). Dort gleich in der Nähe gelangt man zu den Menzenschwander Wasserfällen (bei N47 50.417 E8 03.773) einer sehenswerten Schlucht durch welche die Menzenschwander Alb (ein Fluss) fließt.

Geht man vom Kuckuck zunächst den Weg nach Norden bis zu einer Steinbrücke bei N47 50.779 E8 03.713 und biegt dort rechts nach Westen ab, führt ein Weg hoch zur Farnwitte. Unter einer Witte verstand man früher eine Vieh-Tränke und Wasser und Farne gibt es hier wirklich genug. Man findet etliche schöne Pflanzen beispielsweise auch jede Menge Heidelbeeren und Baumwollgras. Hier wollte die Gewerkschaft Brunhilde eine weitere Abbaustätte errichten und einen Förderschacht anlegen. Den Grund dafür kann man auch heute noch nachvollziehen, denn wenn man die geo-referenzierten Aufzeichnungen des Geigerzählers betrachtet bzw. die von Helge Steen angegebenen Uran-Prospektionsdaten anschaut, sieht man dass hier auch eine sogenannte Anomalie bezüglich der Radioaktivität zu finden ist. Auf dem Forstweg bei etwa N47 50.933 E8 04.065 erkennt man wieder leicht rötliches Porphyrgestein (Rhyolit) mit leicht erhöhter Radioaktivität, die hier vereinzelt in Gesteinsaufschlüssen auch zu Messwerten über 0.5uSv/h Gamma-Ortsdosisleistung führt. Das heißt, man hat dies offensichtlich als Zeichen für ein Uranvorkommen auch auf dieser Seite des Tals gesehen. Der Antrag der Bergbaugesellschaft wurde allerdings mit Hinweis auf das Landschaftsschutzgebiet abgelehnt. Da auch mehrfach die Lage der Grube Krunkelbach am Rande des Naturschutzgebiets Feldberg vor Gericht sehr entscheidend war, kann man erkennen, dass die Ausweisung solcher Gebiete für den Erhalt der Natur manchmal sehr hilfreich werden kann.

Oben auf der Farnwitte hat man dann einen tollen Blick auf den Feldberg (etwa bei N47 50.838 E8 04.314) und auf das so friedlich erscheinende Menzenschwand (bei N47 50.306 E8 04.387 bzw. noch besser bei N47 50.159 E8 04.394). Von hier aus sieht man dann am Ortsrand auch das Radon-Revitalbad von oben, das vor allem Menschen mit rheumatischen Erkrankungen Heilung durch die Radioaktivität des radonhaltigen Wassers aus der Grube Krunkelbach verspricht. Man darf allerdings nur auf ärztliche Anordnung und eingehende Beratung ist das radonhaltige Wannenbad. Im normalen Schwimmbad ist kaum eine erhöhte Radioaktivität messbar, vermutlich wird das Bad von den Strahlenschutzbehörden heute recht streng überwacht. Im Vergleich zur Radioaktivität in der Umgebung der Grube aus der das Wasser stammt, wirkt das allerdings ziemlich grotesk. Man kann sich ebenfalls denken, dass wenn eine kerntechnische Firma oder Nuklearanlage Müll mit 10uSv/h im Firmengelände gelagert hätte, dann hätte diese Firma mit großer Sicherheit ein ernsthaftes Problem. So gesehen muss die Gemeinde St. Blasien als Eigentümer des ehemaligen Firmengeländes um die Grube Krunkelbach wohl eine sehr eigenartige Ausnahmegenehmigung haben, dass sie nicht einmal einige dezente Warnhinweise für die ahnungslosen Touristen aufstellen muss, die nichtsahnend Menzo’s Wegle entlang geführt werden.

Abb. 2: Zoom in das Gebiet der ehemaligen Grube Krunkelbach

Abb. 3: Der Weg ins Krunkelbachtal entlang der Südseite, gegenüber ist der Rabenfelsen sichtbar

Abb. 4: Messdatenprofil der Gamma-Ortsdosisleistung über die gesamte Tour

Abb. 5: Zoom auf der y-Achse über niedrige Werte der Gamma-Ortsdosisleistung, so werden die leicht erhöhten Werte auf der Farnwitte auch erkennbar

Abb. 6: Die Lage der erkundeten Erzgänge in der Grube Krunkelbach nach den Dokumentationen von Helge Stehen, der Stolleneingang lag demnach bei N47 50.345 E8 02.788

Abb. 7: Sehr schön angelegter Lehrpfad entlang des Krunkelbachweg

Abb. 8: Die Florianquelle, hier wird das radonhaltige Wasser aus der gefluteten Grube für das Radon-Revitalbad gefördert

Abb. 9: Entspannung und Gesundheit suggerierende Information zum Radon

Abb. 10: Der Weg zum ehemaligen Grubeneingang

Abb. 11: Uranhaltiger Bärhalde-Granit vor schönen Lupinen

Abb. 12: Der verwachsene Eingangsbereich zur Grube

Abb. 13: Entwässerung des verfüllten Grubeneingangs

Abb. 14: Rötliches, uranhaltiges Erz auf der verbliebenen Halde

Abb. 15: Völlig mit Uranglimmer überzogener Erzbrocken

Abb. 16: Massiv hohe Radioaktivität des frei herumliegenden Erzbrockens

Abb. 17: Der Krunkelbach unterhalb der Uranerzhalde

Abb. 18: Ein stark strahlendes Loch auf Menzo’s Wegle

Abb. 19: Dosisleistung von 10uSv/h im Loch auf Menzo’s Wegle, gefüllt mit hochgiftigen Steinchen

Abb. 20: Menzenschwander Wasserfälle

Abb. 21: Die Schlucht der Menzenschwander Alb

Abb. 22: Noch mehr Wasser

Abb. 23: Und noch ein Wasserfall

Abb. 24: Makroaufnahme von radioaktivem und giftigem Uranglimmer auf einem Erzstein

Abb. 25: Makroaufnahme von Uranglimmer unter zusätzlichem UV-Licht

Abb. 26: Großflächiger Uranglimmerüberzug auf einem anderen Stein

Abb. 27: Weiterer ca. 5cm großer Stein mit Uranglimmerüberzug

Abb. 28: Erzbrocken mit verschiedensten Erzeinlagerungen unter anderem einer grauschwarzen, stark radioaktiven, linsenförmigen Einlagerung von Pechblende

Kontrolle: Strahlenschutz an der ehemaligen Krunkelbach-Urangrube (Stand: 20.07.2014)

Ein wenig scheint es schon bewegt zu haben, dass im idyllischen Krunkelbachtal auf Menzos Wegle die Werte für die Radioaktivität gemessen wurden, dort wo früher der Uranbergbau betrieben wurde. Insbesondere das stark strahlende Loch bei N47 50.353 E8 02.747 hat in der Zwischenzeit jemand mit Schotter verfüllt und vermutlich vorher auch die schlimmsten Brocken an Uranerz entfernt. Zumindest ist nun die Strahlung dort um einen Faktor von mehr als 10 geringer geworden und ist mit 0.7μSv/h wieder näher an dem was man in unbelassenen Gebieten der Nachbarschaft im Bereich natürlicher Hotspots messen kann (beispielsweise am Blössling bei Bernau). Die schönen aber hochgiftigen Steinchen liegen aber immer noch im Gebüsch herum und man tut sich nach wie vor nicht schwer ein stark strahlendes und imposantes Exemplar mit deutlichem sichtbaren Uranglimmerzu finden.

Angesichts der Tatsache, das dies ein Gebiet ist, das relativ stark touristisch vermarktet wird, fehlen hier nach wie vor eindeutige Hinweise auf die Gefahren, die von den herumliegenden bröseligen Uran-Erzbrocken der ehemaligen Grube „Hans Paul“ ausgehen, sowohl was die chemische Giftigkeit anbelangt (Nierenschädigung) wie von der radioaktiven Strahlung. Denn dieses Gebiet liegt immer noch im Naturschutzgebiet Feldberg, wo sich der ahnungslose Besucher nichts schlimmes denkt wenn er schön glitzernde Steine in die Hand nimmt. Und Vesperbänkchen gibt es hier auch.

 

Abb. 1: Verfülltes Loch auf Menzo’s Wegle

Abb. 2: Deutlich weniger Strahlung wie vorher aber für den Schwarzwald immer noch recht hoch

Abb. 3: Ein deutlich strahlendes Steinchen von der ehemaligen Halde

Abb. 4: Makroaufnahme des eingewachsenen Uranglimmer-Minerals

Abb. 5: Dieselbe Aufnahme mit zusätzlichem UV-Licht, welches den Uranglimmer zum Leuchten anregt. So wird die feine Schichtung des Glimmers recht gut sichtbar. Das Mineral heißt Uranocircit und hat die chem. Formel Ba(UO2)2(PO4)2·10H2O mit etwa 45% Urangehalt.

Statusupdate 30.07.2017

Das Ministerium hat die Situation in Bezug auf den obigen Bericht untersuchen lassen und auf eine Anfrage eines besorgten Bürgers hin reagiert. Es wies das LUBW an, die Situation an der ehemaligen Urangrube zu klären und eine strahlenschutzrechtliche Bewertung abzugeben. Das LUBW hat sich der Sache angenommen und sich richtig viel Mühe gegeben nachzumessen, sowohl was die Strahlung anbelangt als auch was die Wasserqualität  anbelangt und einen beeindruckenden Bericht angefertigt, der kaum noch Wünsche offenläßt, was die Detailliertheit anbelangt. Das verdient schon mal ein richtig großes Lob. Das wäre vor 20 Jahren schon aus politischen Gründen ziemlich sicher nicht möglich gewesen. Im Prinzip reflektiert diese Stellungnahme jetzt die rechtliche Situation, wie sie durch die derzeit gültige Strahlenschutzverordnung vorgegeben ist. Das Ministerium kann demnach keine Anweisung erteilen, dass an der Grube auf die Strahlung hinzuweisen ist oder die Grube einzuzäunen ist. Das gibt das Gesetz nicht her. Die im ursprünglichen Bericht genannten Messwerte wurden im Prinzip bestätigt, aber die offizielle strahlenschutzrechtliche Rechnung sagt, dass hier für normale Wanderer nicht mit einer Gefährdung zu rechnen ist. Man kann natürlich ganz persönlich noch anderer Meinung sein, aber zumindest mal können die Leute im Ministerium oder am LUBW daran wenig ändern, das müsste man dann eher versuchen über sein eigenes politisches Wahlrecht zu beeinflussen. Und dass das längerfristig durchaus eine Änderung bewirken kann, das sieht man ja eigentlich heute schon. Vielen Dank ans Umweltministerium und an das LUBW!

Infomaterialien

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Menzenschwand

20 Jahre später – Hinterlassenschaften des Uranabbaus im Krunkelbachtal bei
Menzenschwand (Originalbeschreibung)

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Menzenschwand

Kontrolle: Strahlenschutz an der ehemaligen Krunkelbach-Urangrube (Originalbeschreibung)

Textquellen

/1/ Wikipedia Grube Krunkelbach http://de.wikipedia.org/wiki/Grube_Krunkelbach

/2/ Wikipedia Uranylverbindungen http://de.wikipedia.org/wiki/Uranylverbindungen

/3/ Helge Steen Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald: Eine detaillierte Zusammenstellung der Bergbauaktivitäten von 1890 bis zum Jahr 2000

/4/ Helge Steen Bergbau auf Lagerstätten des Südlichen Schwarzwaldes: Ein Beitrag zur Bergbaugeschichte und Lagerstättenkunde zwischen Dreisamtal und Hochrhein Kapitel 18 Revier Menzenschwand

/5/ Armin Simon Menzenschwand – Uranabbau: Der Streit um das Schwarzwald-Uran Die Auseinandersetzung um den Uranbergbau in Menzenschwand im Südschwarzwald 1960-1991 Ausführliche Buchzusammenfassung unter: http://www.bund-rvso.de/menzenschwand-uran-abbau-schwarzwald.html

/6/ Peter Diehl: Strahlengefahr am Krunkelbach: Unranabbau Menzenschwand Eine Information des Umweltkongress Hochrhein, Nr.6, 15.4.1989 http://www.wise-uranium.org/pdf/mzdsk.pdf

/8/ DER SPIEGEL 52/1987 – Suchen und finden http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13526399.html

Müllenbach: Kirchheimerstollen

ein Ausflugstipp von der Webseite opengeiger.de

© Bernd Laquai

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Historisches

Prof. Dr. Franz Waldemar Kirchheimer (*1911, †1984) war von 1947 bis 1952 Direktor der Badischen Geologischen Landesanstalt in Freiburg i. Br. und Verfechter des Uranabbaus im Schwarzwald. Nach ihm ist auch ein Mineral der Uranglimmerserie, das Kirchheimerit, benannt. Ein Buch über einen seiner Arbeitsschwerpunkte hat er ebenfalls geschrieben: Das Uran und seine Geschichte / Franz Kirchheimer 1963 (Schweizerbart Verlag Stuttgart). Die Hinterlassenschaften seines Wirkens kann man heute noch mit dem Geigerzähler in Müllenbach bei Baden-Baden (Stadtteil Oberbeuern) finden. Der Geigerzähler hilft dann auch das „Denkmal“ zu finden, das einer seiner verbündeten Firmen, die Saarberg-Interplan Uran GmbH aus Saarbrücken gebaut hat. Sehen will dieses Denkmal heute allerdings keiner mehr, deswegen ist es auch ziemlich mit Efeu überwuchert. Diese Firma nennt sich heute etwas dezenter „Saarberg-Interplan GmbH Industrieanlagenbau“. In den Jahren 1982-85 hat diese Firma vom Land Baden-Württemberg etwa 2.5 Mio DM erhalten um bei Müllenbach nach Uran zu suchen. Geistiger Vater des Projekts und Auffinder der geologischen Anomalität war Kichheimer.

Abb. 1: Das Denkmal am Stollenmundloch des Stollens bei Müllenbach

Ab 1975 hatte man hier zwei Probestollen angelegt (Kirchheimerstollen und Sauersboschstollen) und Versuche zur Auslaugung des Urans unternommen. Bis 1982 hatte man mindestens 30 Tonnen Uran herausgeholt. Das war attraktiv genug, damit das Wirtschaftsministerium Geld bereitstellte. Doch schnell gab es Ärger mit der Stadt Baden-Baden und Umweltschutzverbänden, welche die Mineralquellen und den Tourismus in Gefahr sahen. Vor allem in den Haldenablagerungen im Müllenbach- und Sauersboschtal sah man eine Gefahr. Es sollten neue spezielle Uranabaumethoden erprobt werde und im Waldbachtal sollte zusätzlich eine Aufbereitungsanlage für Erze zu „Yellow Cake“, dem Rohstoff für Brennelemente, errichtet werden. Als man die Erweiterung der Haldenablagerung beantragte, verweigerte die Stadt Baden-Baden jede weitere Genehmigung. Vermutlich kam es danach zu weiteren politischen Auseinandersetzungen, die schließlich zur Beendigung des Projekts führten. Danach waren die Stollen noch für eine gewisse Zeit als Referenz für Strahlungsmessungen benutzt worden. Angeblich wurde ein großer Teil des Urans wieder im Stollen entsorgt worden, bevor er verschlossen wurde.

Beschreibung der Tour

Die Erkundung des Gebiets kann man mit einer schönen Wanderung verbinden. Wenn man nicht mit dem Auto anreist, kann man auch von Baden-Baden aus mit der Buslinie 201 bis Lerchenbergweg fahren und dort aussteigen (N48 44.346 E8 16.876). Von hier aus geht man zunächst einen Feldweg Richtung Nordosten zum Gebiet Hummelsacker (etwa N48 45.025 E8 17.550), bis man an das Stollenmundloch des Sauerboschstollens kommt. Dieses ist hinter einem Holzschuppen versteckt und bis auf einen Fledermausschlitz zugemauert. Dieser Stollen ist mit einem sogenannten Aufhauen (einem im Berg verlaufenden schrägen Verbindungsstollen) mit dem Kirchheimerstollen verbunden.

Abb. 2: Stollenmundloch des Sauerboschstollen 

Dass man hier richtig ist, zeigt der Geigerzähler wenn man ihn in den Schlitz hält. Ganz offensichtlich strömt hier radonhaltige Luft aus, denn die Anzeige fluktuiert um Werte zwischen 0.3 und 0.8uSv/h. Geht man von hier aus ein Stück zurück, kann man über die Wiesen hochsteigen um auf einen Wanderweg unterhalb des Hummelsacker-Wegs etwa bei N48 44.498 E8 17.075) zu gelangen. Auf diesem Weg kann man leicht erhöhte Strahlungswerte messen. Der Mittelwert über 2 min erreicht hier gelegentlich 0.25uSv/h.

Der Weg führt durch einen wunderschönen Tannenwald bis man etwa bei N48 44.605 E8 17.301 auf den Hummelsacker-Weg trifft. In diesem Bereich müsste etwa der Aufhauen im Berg verlaufen. Bei N48 44.797 E8 17.479 kann man aber östlich abzweigen um nach Müllenbach zum Stollenmundloch des Kirchheimerstollens zu gelangen.

Abb. 3: Idyllischer Hummelsacker-Weg im Wald bei Müllenbach

Bei N48 45.026 E8 17.757 macht man einen Bogen, so dass man bei N48 44.730 E8 17.645 auf die Haarnadelkurve der L78 bei Müllenbach gelangt. Dort befindet sich ein größerer geologischer Aufschluss, der aber von der Strahlung her keine besonderen Werte liefert. Kurz vor der Mündung des Wegs auf die Straße führt ein weiterer Feldweg immer noch im Wald der Hangkante entlang Richtung Müllenbach. Etwa bei N48 44.535 E8 17.419 kann man den Hang hinuntersteigen, was etwas beschwerlich aber machbar ist. Das Stollenmundloch befindet sich dann bei N48 44.543 E8 17.473 etwas versteckt hinter Efeu am Rande einer Wiese zum Wald. Dieser Stolleneingang ist ebenfalls bis auf einen Fledermausschlitz zugemauert. Hier allerdings zeigt der Geigerzähler bereits Werte über 1uSv/h an wenn man ihn in den Schlitz legt. Im Prinzip könnte hier die Stadt Baden-Baden aus dem Übel nun eine Tugend machen und ähnlich zum Radon-Stollen in Bad Gastein Rheuma Patienten einen medizinisch kontrollierten Aufenthalt im Kirchheimerstollen ermöglichen. Das wäre sicher sinnvoller, als hier einen Tierschutz der besonderen Art zu betreiben. Es sei denn die Universität Freiburg untersucht in diesem Stollen die Wirkung des Radons auf das Lungenkrebsrisiko oder die Leukämierate an Fledermäusen, weil Fledermäuse ja auch Säugetiere sind und daher dem Menschen biologisch nahe kommen.

Abb. 4: Blick auf das Dörfchen Müllenbach

Abb. 5: Mundloch des Kichheimerstollen bei Müllenbach. Man kann den Fledermausschlitz im Efeu kaum erkennen

Abb. 6: Hauptsächlich durch Radon erzeugte radioaktive Strahlung im Fledermausschlitz

Vor dem Stolleneingang des Kirchheimerstollens befindet sich eine Wiese, die sich im Süden bis an einen Waldrand hinzieht. An der Kontur kann man ahnen, dass sich darunter eine Halde befindet. Das bestätigt dann auch der Geigerzähler. Im Bereich dieser Wiese misst man zwischen 0.3 und 0.45uSv/h Dosisleistung der Gammastrahlung. Im Vergleich zu anderen Haldensanierungen, z.B. an der Aufbereitungsanlage in Ellweiler, ist dies eine vergleichsweise schlechte Sanierung. Wie das Wasser des Müllenbachs aussieht, wurde bereits vom Kernforschungszentrum im Jahre 1980 untersucht /2/. Aber man darf annehmen, dass dieser Bericht unter den zu dieser Zeit herrschenden politischen Umständen durchaus zu einem etwas verharmlosenden Resultat kam. Dennoch hat man die Radionuklide deutlich nachgewiesen und spricht von gelegentlich überhöhten Werte in der Nähe der Grube.

Abb. 7: Der Müllenbach, wie er unter der ehemaligen Halde hervorkommt

Wenn man nun auf der Wiese etwas nachhaltig sucht, dann kann man mit etwas Glück auch durchaus noch Erzbrocken des Abraums finden. Es handelt sich dabei aber nicht um Granite sondern eher um Sedimentgestein, welches poröser ist und weniger Festigkeit besitzt. Im Gestein kann man oxidiertes Eisen erkennen aber auch dunkelschwarze mineralische Einlagerungen. Die messbare Radioaktivität der noch herumliegenden Brocken ist aber meist kleiner als 0.5uSv/h (gemessen mit Gammascout an der Oberfläche).

Abb. 8: Aufgebrochener Gesteinsbrocken von der Halde Müllenbach

Abb. 9: Übersicht über die Tour

Abb. 10: Daten des GeoRexx-Systems im Bereich des Kirchheimerstollen. Die Stollen-Eingänge sind deutlich anhand der höheren Strahlung (rot makiert) zu erkennen.

Nachdem beide Eingänge der Stollen gefunden und die jeweiligen Geo-Koordinaten vermessen werden konnten, war es möglich eine historische Karte als Overlay auf der OSM Wanderkarte zu justieren. Unter der Annahme, dass die historische Zeichnung einigermaßen maßstabsgetreu und unverzerrt dargestellt ist, kann man nun die Lage der Stollen erkennen.

Abb. 11: Overlay einer historischen Karte zur Ermittlung der Lage des Sauersbosch-Stollen

Die Annahmen über die Lage der Stollen wird auch durch eine Skizze in der Veröffentlichung des Geologen Michael Zuther /3/ bestätigt, der diese spezielle Uranlagerstätte mit Unterstützung der Saarberg Interplan im Jahre 1983 untersucht hat. Das Ergebnis seiner Untersuchung war, dass es sich um eine epigenetisch hydrothermale Imprägnationslagerstätte in Sedimenten handelt. D.h. das uranführende Gestein ist hier kein Granit im Gegensatz zum Bärhaldegranit in der Urangrube im Krunkelbachtal von Menzenschwand im Südschwarzwald, sondern ein sedimentäres Gestein. 

Abb. 12: Profil durch den Hügel des Untersuchungsgebiets aus /3/. Entlang der Bergkuppe läuft der Hummelsackerweg. 

Abb. 13: Die Halde des Sauerboschstollen (Dank an Niko) 

Infomaterialien

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Müllenbach

Der Kirchheimerstollen bei Müllenbach (Originalbeschreibung)

Textquellen

/1/  Helge Steen Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald: Eine detaillierte Zusammenstellung der Bergbauaktivitäten von 1890 bis zum Jahr 2000.

/3/ Michael Zuther, Göttingen, Das Uranvorkommen Müllenbach/Baden-Baden, eine epigenetisch-hydrothermale Imprägnationslagerstätte in Sedimenten des Oberkarbon (Teil I: Erzmineralbestand) Neues Jahrbuch Miner. Abh. 147,2,191-216, Stuttgart, August 1983.

/3a/  Olaf Brockamp, Michael Zuther, Göttingen, Das Uranvorkommen Müllenbach/Baden-Baden, eine epigenetisch-hydrothermale Imprägnationslagerstätte in Sedimenten des Oberkarbon (Teil II: Das Nebengestein) Neues Jahrbuch Miner. Abh. 148,1,22-33, Stuttgart, November 1983.

Schiltach: Ein unbekannter Radonstollen im Stammelbachtal

ein Ausflugstipp von der Webseite opengeiger.de

© Bernd Laquai

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Ein versteckter Radonstollen im Stammelbachtal bei Schiltach

Es ist ja nicht ganz einfach so ganz ohne ärztliche Verordnung und ohne viel Geld bezahlen zu müssen eine Brise radioaktives Radon in therapeutischer Dosis zu inhalieren. Wer das aber unbedingt haben will, der kann das im Stammelbachtal mit etwas Mut ganz kostenlos haben. Dort gibt es nämlich einen alten Stollen, den man mit viel Glück auch finden kann und dessen Radongehalt nicht ganz ohne ist. Allerdings sollte man sich auf einen Blick in den Eingangsbereich beschränken, alles andere ist lebensgefährlich, da nicht nur die Luftzusammensetzung völlig unberechenbar ist, sondern auch erhebliche Einsturzgefahr besteht und der Stollen meistens halb unter Wasser steht. Bei schlechtem bzw. gewittrigem Wetter sollte man den Stollen ebenfalls meiden, da in derartigen Gruben das Wasser ganz urplötzlich steigen kann, wenn sich draußen ein Gewitter entlädt. Auf jeden Fall sollte man mindestens zu zweit sein, wenn man dorthin geht, und wenigstens einer sollte außerhalb des Stollens bleiben, denn im Stollen hat man bekanntlich kein Händynetz für eventuelle Notrufe.

Das Stammelbachtal gehört auch zu den Gegenden im Schwarzwald, das im oberen Teil durch eine überdurchschnittliche Gamma-Ortsdosisleistung auffällt. Man kann dort auf den Kuh- und Schafweiden durchaus Werte über 0.5uSv/h messen (Messung mit Gammascout), auf Wegen die mit Granitgestein aus der Gegend geschottert sind dann schon auch mal mehr. Auch einige Felsbrocken im Wald oder Gesteinsaufschlüsse in Seitentälern zeigen deutlich erhöhte Strahlungswerte was auf eine gewisse Präsenz des Urans im Gestein schließen lässt.

Bereits im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde hier Bergbau betrieben, genau wie im nahe gelegenen Wittichen und man baute vor allem Kobalt, Nickel und Wismut ab. Die größte Grube im Stammelbachtal hieß Grube Hilfe Gottes, in historischer Literatur taucht aber auch der Name Johannes und unterer Hünersbach als Bezeichnungen für Gruben und Stollen auf. Auf alten Karten findet man dann schließlich genügend Anhaltspunkte um zumindest den Eingang eines Stollens zu der als Hilfe Gottes bezeichneten Grube zu finden. Die Halde der Grube kann man heute aber nur noch ahnen oder mit dem Geigerzähler versuchen zu finden.

Als in Deutschland der Uranrausch begann, führte man auch hier Uran-Prospektionsarbeiten durch und untersuchte die alten Stollen, sofern man sie noch finden konnte. Nach den Prospektionsbohrungen verschloss man die Stollen wieder mehr schlecht als recht und in der Zwischenzeit ist davon auch einiges wieder verrottet. Während man bei den ersten Probebohrungen 1973 nicht allzu viel abbauwürdiges Uran fand, schaute man sich die Grube 1991/92 nochmals genauer an und fand dann doch erhebliche Radioaktivität und hochprozentige Uranerzimpregnationen. Gott sei Dank blieb es aber bei diesen prospektierenden Untersuchungen, vermutlich weil es wohl schon zu viel Widerstand der Umweltschützer gegen einen Uranabbau im Schwarzwald an anderen Orten gab und so bleib die Idylle und das Uran dem Stammelbachtal weitgehend erhalten, genau wie der historische Stollen.

Wenn man nun einen Blick in den Eingangsbereich wagt (das kostet schon eine gewisse Überwindung, da der Eingang nicht gerade was für dicke Leute ist), dann zeigt der Geigerzähler bereits schon hier Werte über 1 μSv/h an, was bei einem kalten Luftzug auch schon deutlich höher gehen kann, sofern der Geigerzähler für Radon und seine Zerfallsprodukte (Alphastrahler) entsprechend empfindlich ist. Diese starke Variation mit der Luftbewegung ist ein deutliches Zeichen für den hohen Radongehalt in der Luft. Vererzungen oder Stellen mit hoher Radioaktivität kann man an den Stollen-Wänden im Eingangsbereich aber nicht erkennen. Nach einigen Metern beginnt bereits das Wasser im Stollen zu stehen, so dass es auch vom Untergrund her viel zu gefährlich wird weiterzugehen.

Ansonsten ist die Gegend aber auch für Wanderungen recht empfehlenswert, insbesondere von dem Höhenrücken bei Schöngrund aus (N48 16.100 E8 19.271). Und wenn man es dann zum Abschluss noch urig haben will, kann man danach auch im völlig ungeschönten Höhengasthaus Heuwiese (N48 15.899 E8 18.766) einkehren und die eindrucksvolle Aussicht genießen.

Abb. 1: Plan für Uran-Prospektionsarbeiten im Stammelbachtal aus dem Jahre 1973, dunkel hinterlegt ist die Halde der Grube Hilfe Gottes

Abb. 2: Die während des Weges entlang des Stammelbachtals aufgezeichnete Gamma-Ortsdosisleistung. Dabei bedeutet rot >0.5uSv/h, magenta>0.4uSv/h, gelb>0.3uSv/h, türkis>0.2uSv/h, blau>0.1uSv/h (gemessen und über 2min gemittelt mit Gammscout)

Abb. 3: Profil der Gamma-Ortsdosisleistung entlang des Weges durch das Stammelbachtal

Abb. 4: Der Wegweiser ins Stammelbachtal

Abb. 5: Blick vom Stammelbachtal auf das Schwarzwald-Umland

Abb. 6: Der Stammelbach. Man erkennt das durch den hämatisierten Granit rötlich gefärbte Bachsediment. Das Wasser wird durchaus so einige Radionuklide und Schwermetalle enthalten (nicht jedes Schwarzwaldwasser ist eben gesund)

Abb. 7: Saftige Weiden im feuchten Stammelbachtal

Abb. 8: Schafe mit gut trainierten Nieren und etwas Uran in der Milch

Abb. 9: Solche Wege ticken besonders

Abb. 10: Großer Granitbrocken am idyllischen Wegrand

Abb. 10b: Ein wenig Uran gehört aber auch zur Idylle des Granits

Abb. 11: Suchbild: Gut versteckt der Stolleneingang zur Grube Hilfe Gottes

Abb. 11: Ja genau, hier geht’s rein (mit viel Mut)

Abb. 11: Ein mal tief Luft holen und dabei auf den Geigerzähler schauen (Radon soll gegen so manches Zipperlein helfen, bzw. der Glaube daran, so die Ärzte in Bad Gastein)

Abb. 11: Die Radionuklide lassen sich bestimmt mit einem Bierchen schnell wieder ausschwemmen… Die Höhengaststätte Heuwiese.

Abb. 11: Glückliche Schwarzwald-Kühe, sie wissen vermutlich nicht, was hier außer dem Weidezaun noch so alles unangenehm ticken kann

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Schiltach

Ein versteckter Radonstollen im Stammelbachtal bei Schiltach (Originalbeschreibung)

Schramberg: Radioaktivität in Schramberg

ein Ausflugstipp von der Webseite opengeiger.de

© Bernd Laquai

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Das Gebiet Schramberg

Das schöne an dieser „Geiger-Cache Location“ ist die Tatsache, dass es sich hier wirklich um eine vom Menschen bisher nicht beeinflusste natürliche und schwache Radioaktivität handelt. Da die Gegend dazuhin noch sehr schön ist, eignet sich diese Location für einen schönen Ausflug, besonders auch für Schulen. Die Stadt Schramberg hat eine nette Altstadt, ein Uhrenmuseum und ein altes Schloss auf einem Berg mit schöner Aussicht.

Schramberg hatte schon sehr früh mit der Radioaktivität Kontakt. Das lag daran, dass hier eine führende Uhrenindustrie beheimatet war, dominiert von der Firma Junghans in der 1907 von Arthur Junghans die Radium haltige Leuchtfarbe entwickelt wurde. Auch der Leiterplatten-Hersteller Schweizer, der damals noch ein Emaillierwerk betrieb, nutzte die Leuchtfarbe auf den Emaille-Werbeschildern. Die Folgen des überschwenglichen Gebrauchs von Radium war dann auch noch bis vor einigen Jahren auf der Betriebsdeponie von Junghans an der Glasbachkurve bei N48 14.149 E8 24.048 ein spürbar. Man fand hier noch einige Behälter mit Radiumresten und konnte an der Böschung eine Dosisleistung von einigen zehn Mikrosievert pro Stunde messen. Daraufhin wurde der strahlende Müll entsorgt und die Deponie wenigstens grob eingezäunt. Mittlerweile ist die Deponie stark zugewachsen und man kann auch in nächster Nähe kaum eine Erhöhung der ortsüblichen Nullrate bemerken.

In den Jahren der aufkommenden Nuklearindustrie geriet der schöne Schwarzwaldort aber ebenfalls wieder in das Visier der Strahlenforscher. Bei Uranprospektionsarbeiten hatte man festgestellt, dass im Bereich der Geigeshalde (der Berghang südlich der Lauterbacher Straße im Ortsteil Geisshalden) verstärkt Uranmineralien zu finden sind. Das hat damit zu tun, dass hier die Granite und der Granitporhyr des Triberger Granit Massivs an der Erdoberfläche offen zu Tage treten. Dieses Urgestein hat einen relativ hohen Urangehalt. An der Geigeshalde wie auch am Schramberger Felsenmeer (nördlich der Lauterbacher Straße) kann man das an einer deutlichen Erhöhung der Zählrate gegenüber dem sonstigen Nivau in Schramberg erkennen. Diesen beiden Örtlichkeiten kombiniert mit den anderen kulturellen und touristischen Zielen in Schramberg kann man nun  Einen schönen Ausflug planen. Er führt von der Innenstadt hoch zum Schloß Hohenschramberg (auch Nippenburg genannt) bei N48 13.549 E8 22.722, von dort wieder hinunter zum Felsenmeer (etwa bei N48 13.424 E8 22.326). Man kreuzt die Lauterbacher Straße bei den Lauterbacher Wasserfällen (eher Wasserfällchen) und geht auf der anderen Seite der Strasse dem Trombach folgend wieder hoch auf die Höhe bei Tennenbronn (N48 12.967 E8 22.084). Von dort führt ein schöner Waldweg entlang etlicher geologischer Aufschlüsse die Geigeshalde hinunter in die Altstadt von Schramberg. Beim Felsenmeer findet man auch einen schönen geologischen Lehrpfad der einige Details zur Geologie vor Ort erklärt. Einen GPX-File mit der ca. 9km langen Route dieses Wegs findet man hier: www.opengeiger.de/download/TourSchramberg.gpx.

Die höchsten Strahlungswerte findet man entlang der Aufschlüsse an der Geigeshalde zwischen N48 12.896 E8 22.634 und N48 12.908 E8 22.734. Die Werte liegen hier an einzelnen Punkten bis etwa 0.45uSV/h. Aber auch zwischen des Felsenblöcken im Felsenmeer und am Bachbett des Trombachs kann man deutlich erhöhte Werte erkennen (Werte bis 0.35uSv/h). In dieser wirklich schönen Umgebung kann man wirklich zu dem Glauben kommen, dass die natürlich Strahlung in dieser Größenordnung auch positive Eigenschaften oder gar heilende Kräfte haben könnte. Man sollte dabei aber vielleicht auch daran denken, dass auch eine Tollkirsche an sich ein sehr schöne, wenn auch hoch giftige Pflanze ist.

Abb. 1: Übersicht über die Tour in Schramberg

Abb. 2: Profil der mit dem Gammascout gemessenen Dosisleistung entlang der Tour

Abb. 3: GeoRexx Daten im Bereich des Schlossbergs und dem Felsenmeer

Abb. 4: GeoRexx Daten im interessanten Bereich der Geigeshalde

Abb. 5: Alte Junghans Betriebsdeponie vom Glasbachweg her

Abb. 6: Burg Hohenschramberg von der Geigeshalde aus

Abb. 7: Blick auf Schramberg vom Schloß aus

Abb. 8: Granit-Blöcke im Schramberger Felsenmeer

Abb. 9: Gesteins-Matrix des Granits im Schramberger Felsenmeer

Abb. 10: Marienbild am Trombach bei N48 13.279 E8 22.240

Abb. 11: Schwach strahlende rötliche Porphyr-Aufschlüsse an der Geigeshalde

Abb. 12: Blick auf Schramberg von der Geigeshalde aus

Ergänzungen

1973 wurden bei Uran-Prospektionsarbeiten am steilen Hang der Geigeshalde starke Annomalien festgestellt. Diese wurden mit Schürfgängen und Kernbohrungen intensiv untersucht. Man unterteilte damals in die Geigeshalde West und die G. Ost. Man stellte fest, daß oberflächennah eine Folge von Gängchen mit nur sehr geringer Länge vorliegt. Es handelt sich um uran- und wismutreiche Gangstrukturen. In 50 m Teufe konnte keine Spur der oberflächenreichen Uranmineralisation mehr festgestellt werden. Innerhalb des Schurfes wurden erhebliche Urangehalte von 0,2 – 2,5% U3O8 festgestellt. Durchschnittlich 0,5%.

 

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Schramberg

Das Gebiet Schramberg (Originalbeschreibung)