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Geographischer Lehrpfad Schwälblesklinge

© Universität Stuttgart (ehem. Geographisches Institut)

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Der Geographische Lehrpfad „Schwälblesklinge“ wurde im Jahr 2001 zusammen mit den begleitenden Webseiten von Studierenden des ehemaligen Instituts für Geographie der Universität Stuttgart im Rahmen einer Lehrveranstaltung eingerichtet.

Entlang des Weges vom Nesenbach bis zur Filderebene lernt man eine Vielzahl von geographischen und ökologischen Zusammenhängen näher kennen und man wird gleichzeitig über die Landschaftsgeschichte und Geologie dieser Kulturlandschaft informiert.

Graphik: © Universität Stuttgart

Geologie

Der Lehrpfad stellt einen – wenn auch nicht ganz vollständigen – Schnitt durch die Keuperformation dar. Der Schnitt reicht von den Bunten Mergeln mit dem Kieselsandstein nahe Heslach bis zur Hochfläche des Schwarzjura (Lias alpha) in Sonnenberg. Die Schichten stellen den geologischen Unterbau der Klinge dar, der v.a während der Eiszeiten (Pleistozän) stark umgeformt wurde. Die Schwälblesklinge selbst wird im Bild oben allerdings nur angeschnitten, sodaß die eigentlich stark eingeschnittene V-Form nur als kleine Delle zu erkennen ist.

Die Geologie spielt für die Prozesse, die sich an der terrestrischen Reliefsphäre, also an der Erdoberfläche abspielen, eine wichtige Rolle. Allerdings solte man die Geologie immer im Zusammenhang mit ihren vielfältigen Auswirkungen und Wechselbeziehungen zu anderen Teilgebieten der Geowissenschaften (Bodenkunde, Geomorphologie, Vegetationskunde, Klimatologie, Hydrologie) betrachten.

Stratigraphische Einheiten
Der Knollenmergel (km 5)

Einer der geologischen Schwerpunkte des Lehrpfads in der Schwälblesklinge ist der über dem Stubensandstein auftretende Knollenmergel, der für die Rutschgefährdung im Bereich seiner Hänge verantwortlich ist. Sein Name bezieht sich dabei auf die z.T. handballgroßen Kalkknollen (Konkretionen), die sich in seinen mergeligen Schichten eingelagert haben.

  • Standort Tafel 6/8
  • rund 30 – 35 m mächtige Gesteinsformation im Oberen Keuper; bandförmige Verbreitung südlich einer gedachten Linie Sindelfingen – Stuttgart.

Herkunft und Sedimentationsbedingungen:

  • Sedimentationsbedingungen: trocken-wüstenhaftes Klima; äolischer Transport und anschließende Ablagerung im Germanischen Becken; aus tektonischer Sicht fand eine Absenkung des Landes statt, wodurch es zur Transgression des Oberkeupermeeres über das Festland des Vindelizischen Landes und der Böhmischen Masse kam.
  • Die obersten Meter des Knollenmergels sind als Folge von Sauerstoffmangelbedingungen unter Stauwassereinfluß fast immer gebleicht und dann grün-gräulich gefärbt.

Gesteinseigenschaften (fazielle Ausprägung):

  • Der Knollenmergel besteht aus roten, rotbraunen oder violetten Tonschichten, die lagenweise von hellen Kalkkonkretionen, den „Knollen“, durchzogen sind.
  • kohärenter ( ungeschichteter ), sehr feiner Tonstein (Schlammstein, „mudstone“).

Reliefeigenschaften:

  • Hangbildner; bildet den letzten Geländeanstieg innerhalb der Keuperformation zwischen dem Stubensandstein und dem bereits zum Unterjura gehörenden Arietenkalk (Lias alpha).
  • Im Mesorelief z.T. sehr welliger Untergrund, häufig von kleinen Fließzungen übersät; intensive Rutschgefährdung.

Böden:

  • Braunerde-Pelosole und Pelosole (Tonböden), auch „Minutenböden“ genannt; sehr schwierig nutzbar; bei der Bearbeitung der Böden ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt (daher „Minutenböden“) zu treffen, da die Pelosole in nassem Zustand sehr schwere, in trockenem Zustand wiederum steinharte und von klaffenden Trockenrissen durchzogene Böden sind; durch Dreischichttonminerale eigentlich sehr nährstoffreich, doch können diese wegen der schlechten Durchwurzelbarkeit des dichten Bodengefüges nur schwer von den Pflanzen erreicht werden.
Der Stubensandstein (km 4)

Ein wichtiger geologischer Themenschwerpunkt des Lehrpfades ist der Stubensandstein, den man nahe der Tafel 5/8 im Aufschluß betrachten kann. Er galt einst nicht nur als einer der bedeutendsten Bausteine des Mittelalters (Kirchen, Rathäuser…), sondern wurde u.a. auch als Scheuer- und Putzmittel für heimische Wohnstuben genutzt, wodurch er dann auch seinen Namen erhielt. Als sogenannter Stufenbildner hat der Stubensandstein großen Einfluß auf das Aussehen der Landschaft, in der wir heute leben…

  • Standort Tafel 5/8
  • häufigstes Gestein im Stuttgarter Raum (ca. 25% der Oberfläche der GK 1 : 50 000 Stuttgart und Umgebung werden von km 4 bedeckt) ; Auftreten südlich einer Linie von Leonberg über Botnang, die Stuttgarter Kernstadt und Fellbach bis nach Korb; begrenzt von den Bunten Mergeln (km 3) und dem Knollenmergel (km 5).

Herkunft und Sedimentationsbedingungen:

  • Sedimentation: überwiegend semiarides bis semihumides Klima; Transport entweder durch Zopfstromsysteme oder durch Schichtfluten bei episodisch bis periodischem Niederschlag, die Schwemmfächer ausbildeten und somit auch die Schichtung des Stubensandsteins erklären.
  • Am Überhang des Aufschlusses erkennt man von feinem Substrat umgebene größere Gesteinsbruchstücke, die wegen ihrer Kantenrundung auf einen fluvialen Transport rückschließen lassen und als Konglomerat bezeichnet werden.

Gesteinseigenschaften (fazielle Ausprägung):

  • Der Stubensandstein bezeichnet eine bis zu 100 m mächtige Gesteinsformation im Keuper: größtenteils Sandstein, aber auch Tone und Mergel (kalkhaltige Tonsteine); mittel- bis grobkörnig.
  • Farbe: gelblich-weiß mit durch Hämatit ( alpha – Fe2O3 ) gefärbten roten Flecken und Schlieren.
  • Morphologie (je nach Typ, s. Tabelle ): immer wieder Schräg- oder Kreuzschichtung ; teils äußerst plattig ; z.T großklüftige Bankung (guter Wasserleiter !).
  • Bindemittel:
    • Ton –> sehr weiche Festigkeit –> Gestein mürbe
    • Karbonat –> weiche Festigkeit –> Gestein mürbe
    • Kieselsäure –> harte Festigkeit –> Gestein hart

Reliefeigenschaften:

  • bedeutendster Stufenbildner im Keuper; weiträumige Verebnungsflächen zwischen den Hängen der Bunten Mergel und des Knollenmergels.
Die bunten Mergel (km 3o / km 3u)
  • Standort Tafel 1/8
  • Durch Kieselsandstein in Obere (km 3o) und Untere Bunte Mergel (km 3u) geteilt.

Herkunft und Sedimentationsbedingungen:

  • Sedimentationsbedingungen: übereinandergeschichtete Lagen und Dolomit weisen auf Playa-Ablagerungen (abflußlose Endseen) hin, ungeschichtete Lagen hingegen auf Windtransport.
  • Die intensive Rotfärbung durch Hämatit zeigt ein trocken-heißes, arides bis semiarides Klima an.

Gesteinseigenschaften (fazielle Ausprägung):

  • Material: größtenteils weiche Tonsteine und Mergel.
  • Farbe: rot; im Bereich der Oberen Bunten Mergel weiße – geomorphologisch sehr viel härtere – Dolomitbänckchen ; an der Basis des Aufschlusses und in der Nähe der Dolomitbänckchen grünfarbene Bereiche durch reduzierte Eisenverbindungen (durch Stauwasser)
  • Schichtung: Bereiche mit und ohne (= Kohärenz) Schichtung.

Reliefmerkmale:

  • Geomorphologie: z.T. recht steile Hänge , dazwischen kleine Kieselsandsteinverebnungen

Böden:

  • Typischer Boden:  Pelosol – Braunerde

Der Lehrpfad verläuft durch einen repräsentativen Ausschnitt der Südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft im Stuttgarter Stadtgebiet. Der Schwerpunkt liegt auf der Veranschaulichung von Zusammenhängen zwischen verschiedenen landschaftsprägenden Faktoren. Dazu gehören das Gestein, die Oberflächenformen, das Klima, die Gewässer, der Boden, die Vegetation und nicht zuletzt der Mensch, der die Landschaft seit etwa 8000 Jahren zunehmend prägt und umgestaltet.

Dem Stadtbewohner soll er einen Einblick in unterschiedliche Mensch-Umwelt-Beziehungen geben und ein Verständnis für die Entstehungsgeschichte dieser Kulturlandschaft wecken. Er besteht aus insgesamt acht Thementafeln, deren Standorte im Landschaftsmodell eingetragen sind.

Anfang der 2010er Jahre wurden die Infotafeln altersbedingt vom Fortstamt Solitude der Landeshauptstadt Stuttgart durch neue ersetzt, die sich inhaltlich und kon­zep­ti­o­nell aber an den urprünglich verwendeten Tafeln orientieren.

Der Weg kann in zwei Richtungen begangen werden. Es gibt drei Einstiegsmöglichkeiten, an denen sich eine Infotafel befindet.

Wegstationen
Infotafeln

Anfang der 2010er Jahre wurden die Infotafeln durch neue ersetzt, die sich inhaltlich und kon­zep­ti­o­nell aber an den urprünglich verwendeten Tafeln orientieren. Bei den verlinkten Infotafeln handelt es sich um die ursprünglich verwendeten Infotafeln.

Start: Info Lehrpfad
Station 1: Vielfältig und bunt - die Keupergsteine Süddeutschlands
Station 2: Vom Urwald zum naturnahen Wirtschaftswald
Station 3: Wie atmet Stuttgart?
Station 4: Schwälblesklinge
Station 5: Der Stubensandstein
Station 6: Warum sind die Bäume krumm?
Station 7: Wasser aus dem Untergrund
Station 8: Die Filderebene - ein Meeresboden?