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© Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Diese geologische Wanderung folgt der Via Alpina von der Bergstation der Kampenwandbahn vorbei am Staffelstein zur Steinlingalm. Sie führt mit einem Abstecher hinauf auf über 1.600 m zur Kampenwand.

Die Strecke ist mit 2,1 km recht kurz und der – bei Weglänge und -zeit nicht einberechnete – Rückweg wäre der gleiche. Bei einem Tagesausflug mit der Bergbahn bleibt also genug Zeit, die Geologie am Wegrand & in der Ferne zu erkunden. Der breite Hauptweg zur Steinlingalm unterhalb der Kampenwand ist einfach zu begehen und verlangt wenig Kondition. Für einen kurzen Abstecher nach der Sonnenalm ist auf schmalem Pfad Trittsicherheit gut. Wer noch zur Kampenwand hoch möchte, braucht Kondition und muss eine kleine Kraxelei mithilfe der Hände bewältigen.

Auf der Wanderung werden auf 2 Kilometern Wegstrecke die Ablagerungen von 20 Millionen Jahre Erdgeschichte durchquert. Die Geschichte der Gesteine an der Kampenwand ereignete sich in der Triaszeit vor 240-220 Millionen Jahren. Wie fast immer, wenn Ablagerungsgesteine („Sedimente“) erhalten sind, wurden sie ursprünglich am Meeresboden abgesetzt. Etwa 130 Millionen Jahre später in der Kreidezeit war die Gebirgsbildung der Alpen dann in Gange: Durch die Plattenbewegung schlossen sich Ozeane, in der Folge kollidierten Kontinente und Meeressedimente wurden zusammengeschoben, verfaltet und übereinandergeschoben. Deshalb liegt alter Meeresgrund heute als Gestein hoch oben in den Bergen.

Wegbeschreibung

Wenn … der Himmel blau und die Fernsicht unendlich ist … dann beginnt die Wanderung mit einem Paukenschlag.

Geologische Sehenswürdigkeiten
GeoAussichtspunkt "Tauernblick"

50 m von der Bergstation (2/26) kann man auf einer Bank Platz nehmen und über herbeigeschaffte ortstypische Gesteinsblöcke hinweg Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Loferer Steinberge, Hohe Tauern und Wilden Kaiser anpeilen.

Hallo Afrika! Das ist keine schlechte Einleitung für diese geologische Wanderung: Der Blick in Richtung Afrika ist auch ein Blick in die geologische Vergangenheit. Die Gesteine, die wir heute sehen werden, wurden nämlich weit im Süden im Meer auf der späteren afrikanischen Platte abgelagert. Als sich bei der Alpenbildung der Ozean zwischen afrikanischer und europäischer Platte schloss und die Kontinente kollidierten, wurden die alten Meeresablagerungen weit auf die europäische Platte herübergeschoben. Wie weit lässt sich erahnen, wenn man erfährt, dass die Nahtstelle zwischen den beiden Platten von hier aus hinter (!) den Hohen Tauern liegt.

Beiderseits des Wegs ist hier Weidegelände. Wiesen deuten meist auf Gesteine im Untergrund hin, die zu Tonen verwittern und dadurch Feuchtigkeit gut speichern können und auf denen Quellen austreten, an denen das Vieh getränkt werden kann. Hier sind es die Ton- und Mergelsteine der Partnach-Formation. 

Mergelsteine sind kalkreiche Tonsteine. Wird bei der Verwitterung der Kalk weggeführt, dann bleibt Ton übrig.  Feuchter Ton ist ziemlich rutschig.  Das zeigt sich bei Nässe in dem Pfad, der kurz nach der Sonnenalm mit Wegweiser Richtung Steinbergalm nach rechts unten führt.

Formation

Als Formation bezeichnet der Geologe eine im Gelände leicht unterscheidbare und in Karten gut darstellbare Gesteinseinheit. Sie ist durch eine genaue Gesteinsbeschreibung an einem bestimmten Ort („Typlokalität“) definiert. Bei der Partnach-Formation liegt die Typlokalität an der Partnach im Wettersteingebirge.

GeoPunkt "Partnach-Formation"

Ein kleiner Abstecher auf diesem Pfad führt zu anstehenden Ton- und Mergelsteinen der Partnach-Formation und zu  Kalksteinbänken, die dazwischen eingeschaltet sind. Die Kalksteine enthalten Einschlüsse von Pyrit, einer Eisen-Schwefel-Verbindung, die rostig verwittert. Der Schwefel im Gestein ist ein Anzeichen dafür, dass zum Zeitpunkt der Ablagerung am Meeresboden sauerstoffarme, reduzierende Verhältnisse herrschten. Die Partnach-Formation wurde in Meeresbecken abgelagert, die Wetterstein-Formation – der wir bald begegnen werden – auf den dazwischenliegenden Schwellen.

Geopunkt "Alpiner Muschelkalk"

40 m weiter den Weg abwärts steht die unter der Partnach-Formation liegende – und damit ältere – Schichtfolge des Alpinen Muschelkalks an. Sie besteht hier im höheren Teil aus dünnbankigen grauen Kalksteinen.

Genug des Abstechers und wieder auf dem Pfad hinauf: Diesmal gehen wir in der Schichtfolge von alt nach jung aufwärts vom Alpinen Muschelkalk durch die Partnach-Formation zur Wetterstein-Formation.

Der Kalkstein der Wetterstein-Formation – kurz: Wettersteinkalk – steht oben bankig im Hauptweg an und in Blöcken beiderseits des Wegs. Am Wegweiser zeigt der Blick in Richtung Sonnenalm einen großen Block von Wettersteinkalk mit einer Störungsfläche.

GeoPunkt "Störungsfläche"

Auf einer senkrechten, leicht gebogenen Fläche sind parallele Striemen zu sehen. An dieser Fläche hatten sich unter seitlicher Pressung zwei Gesteinsblöcke gegeneinander verschoben. Die Striemen zeigen die Bewegungsrichtung an. Der Block mit dem Gegenstück der Störungsfläche liegt abgekippt unterhalb. 

GeoPunkt "Wetterstein-Formation"

Der Kalkstein der Wetterstein-Formation begleitet den Wanderer jetzt ein ganzes Stück bis zu einem Aussichtspunkt mit Kreuz und bis zum Staffelstein. Der Wettersteinkalk baut auch die Felsmauer der Kampenwand auf und ist einfach deshalb das augenfälligste Gestein der Wanderung.

Die Wetterstein-Formation wurde vor etwa 235 Millionen Jahren auf Schwellen eines seichten Meers am Rande eines Kontinents abgelagert.  Der Wettersteinkalk entstand südlich seiner heutigen Lage in einem tropischen bis subtropischen Klima aus den versteinerten Schalen abgestorbener Lebewesen und Skelettresten ehemaliger Riffbewohner.

Als fast reiner Kalkstein zeigt der Wettersteinkalk Karren. So schöne Karren entstehen unter Bodenbedeckung, wenn eingesickertes „saures“ Regenwasser auf dem Fels abfließt und Kalk löst. Später ist dieser Felsblock gekippt, der Boden wurde weggespült und die Karren wurden freigelegt. 

Auch der beeindruckende Kletterfels des Staffelsteins besteht aus Kalkstein der Wetterstein-Formation.

Kurz darauf beginnt mit einer Geländemulde, die auf weichere Gesteine hinweist,  die jüngste Schichtfolge unserer Wanderung: die Raibl-Formation. Bisher sind wir im Aufstieg in immer jüngere Gesteine gekommen. Jetzt, im leichten Abstieg, müsste es eigentlich wieder in ältere Schichten gehen: Zeit, über den tektonischen Bau des Kampenwandgebiets zu reden.

GeoAussichtspunkt "Tektonik"

Die Tektonik beschäftigt sich in der Geologie mit dem Bauplan der Erdkruste und den stattfindenden oder stattgefundenen Bewegungen. Am Geopunkt Störungsfläche wurde ein tektonisches Thema angesprochen. Die angesprochene Alpenbildung ist ein  großes tektonisches Thema. Tektonik ist immer im Spiel, wenn Schichten nicht mehr horizontal und zusammenhängend so liegen, wie sie im  Meer abgelagert wurden, sondern an Störungen versetzt, verbogen oder in Falten gelegt wurden.

Hier an der Kampenwand sind die Schichten in Form einer großen Schüssel verbogen – der Geologe nennt es eine tektonische Mulde.  Die Wand der Schüssel wird vom Wettersteinkalk gebildet, in der Schüssel liegt die darüberliegende und jüngere Raibl-Formation und ganz in der Mitte als jüngste Schicht und Sahnehäubchen liegt der Hauptdolomit oben auf dem Sulten. Und tatsächlich lässt sich auch der Rand der Schüssel als ein Felszug von Wettersteinkalk in einem großen ovalen Ring um den Sulten herum verfolgen: Der Südrand wird von Hirschenstein, Staffelstein und Kampenwand gebildet, der Nordrand von Maiswand und Gedererwand. In der Abbildung wurde das digitale Geländemodell mit der geologischen Karte überlagert. Zu erkennen sind der oval und fast rundum laufende „Schüsselrand“ der Wetterstein-Formation (rosa), der „Schüsselinhalt“ aus Raibl-Formation (dunkelbraun) und das „Sahnehäubchen“ aus Haupdolomit (hellbraun).

Die Verbiegung der Schichten ist also der Grund, dass wir beim leichten Abstieg in die Schüssel hinein in jüngere Gesteinsschichten kommen. 

GeoPunkt "Raibl-Formation"

Die Raibl-Formation ist eine Schichtfolge mit einer breiten Palette von Gesteinen: Sandsteine, Tonsteine, Mergelsteine, Kalksteine, Dolomitsteine und Rauhwacken. Das liegt daran, dass sie küstennah abgelagert wurde. Flüsse haben Sand ins Meer geschüttet: Sandstein. Die feineren Bestandteile dieser Flussschüttungen wurden weiter draußen in ruhigen Becken abgelagert: Tonstein. Kamen hier in den Becken noch Schalenreste von kleinen oder kleinsten Meeresbewohnern dazu: Mergelstein (=Tonstein + Kalkstein). Tummelten sich auf Schwellen zwischen den Becken nahe der Meeresoberfläche im hellen und sauerstoffreichen Wasser reichlich Meeresbewohner wie Schnecken, Muscheln, Schwämme und Korallen: Kalkstein. Dampften im heißen Klima flache Meeresbecken ein: Dolomitstein (= magnesiumreicher Kalkstein) und Rauhwacke. Rauhwacken sind zellig-löchrige Kalk- oder Dolomitsteine.

Die Einmuldung im Gelände nach dem Wettersteinkalk zeigt in der Böschung braune Sandsteine. Danach folgen bis zur Umbiegung des Wegs Dolomite und Kalksteine der Raibl-Formation schön aufgeschlossen. Die für die Raibl-Formation charakteristischen Rauhwacken sind längs des weiteren Wegs zur Steinlingalm in Lesesteinen oder zwischen dem Wettersteinkalkschutt von der Kampenwand zu finden.

Geotop "Dolomitblöcke an der Steinlingalm"

Die Felsen an den Hütten der Steinlingalm sind so bemerkenswert, dass sie als geologisch bedeutsam zum Geotop erklärt wurden. Man könnte meinen, es handele sich um von der Kampenwand herabgekommene Felssturzblöcke. Aber dem ist nicht so. Die Blöcke sind mehr oder weniger da, wo sie die Verwitterung als Härtlinge von rauhwackenartigem Dolomit der Raibl-Formation herauspräpariert hat. Das umgebende weichere Gestein wurde weggewaschen oder weggelöst.

Jetzt lädt die Steinlingalm zu einer Einkehr ein. Danach kann man sich noch die anstrengenden etwa 170 m zur Gipfelschlucht der Kampenwand vornehmen. Im Aufstieg zeigen sich am Pfad noch einmal braune Feinsandsteine der Raibl-Formation. Im anstehenden Wettersteinkalk muss man dann schon mal für eine leichte Kraxelei die Hand an den Fels legen. Wegen abgespeckter Tritte ist hier Vorsicht geboten!

Geotop "Kaisersäle an der Kampenwand"

Die von weitem so schmal wirkende Gratmauer der Kampenwand enthält in Gipfelnähe eine Schlucht, die als „Kaisersäle“ bekannt ist. Hier führt der Weg zum Gipfel durch. Die Schichtflächen des Wettersteinkalk stehen fast senkrecht und Verwerfungen verlaufen in der gleichen Richtung. Gesteinsblöcke sind dadurch tiefreichend getrennt und so führt ein leichtes talwärtiges Kippen mit der Schwerkraft („Bergzerreißung“) zu gratparallelen, klaffenden Spalten.

Unsere geologische Wanderung endet hier, denn der weitere Aufstieg zum Ostgipfel hat eine ausgesetzte seilversicherte Stelle und verlangt Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und passende Ausrüstung. Der Rückweg zur Bergstation der Kampenwandbahn erfolgt auf dem gleichen Weg wie hinwärts.

Infomaterialien

Aschau

„Geologie erleben“ an der Kampenwand – „Hoch oben auf dem Meeresgrund“ – keine Infomaterialien vorhanden!