Thermalquellen Baden-Baden (1): Die Sage

Thermalquellen Baden-Baden (1): Die Sage

Thermalquellen Baden-Baden

Teil 1: Die Sage

ODER wie alles begann

(oder auch nicht)

 

Der Schwarzwald ist sagenumwoben.

Besonders viele Sagen ranken sich um den Mummelsee, das „dunkle Auge“ am Südhang der Hornisgrinde, einem eiszeitlichen Karsee.

Hier hausen Nymphen und Nixen.

In ferner Vergangenheit kam es vereinzelt immer wieder zu seltenen Begegnungen, nicht nur durch Einheimische.

So ist einst ein junger Mann auf einer Wanderung durch den Schwarzwald zum Mummelsee gekommen.

Foto: Mummelsee (August 2020)

Am Ufer sieht er ein Seeweiblein, das sich ihm bald nähert.

Foto: Mummelsee (August 2020)
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Foto: Mummelsee (August 2020)

Er ist so von der Schönheit der Nixe verzaubert, dass er mehrere Stunden mit ihr am See verbringt.

Beim Abschied gibt ihm die Nixe drei Steine aus dem See. Der junge Mann nimmt sie an sich, denkt aber:

„Die sind doch wertlos.“

 

Später wirft er sie auf seiner Wanderung nach und nach weg. Aber überall, wo einer dieser Steine hinfällt, sprudelt eine Quelle hervor:

Die erste an der Stelle des Erlenbades, die zweite in Hub und die dritte in Baden-Baden.

Hier geht`s zu den drei Quellen …

Erlenbadquelle

Hubquelle

Quellen Baden-Baden

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Thermalquellen Baden-Baden (2): Die Römer

Thermalquellen Baden-Baden (2): Die Römer

Thermalquellen Baden-Baden

Teil 2: Die Römer

Inhalt

Aquae aureliae

Rettig-Hügel

Castrum – Kastell am Rettig

Vicus – Die Siedlung

Badeanlagen

Textquellen

Aquae aureliae

Es war die Zeit der Regentschaft von Kaiser Vespasian.

Um 75 n. Chr. entstand dort, wo heute die Stadt Baden-Baden liegt, die Siedlung AQUAE („Am Wasser“ oder „Bei den Wassern“).

Offenbar waren römische Bautrupps der in VINDONISSA (Windisch, Schweiz) stationierten elften Legion und der siebten berittenen Räterkohorte, die um 90 n. Chr. in das Neuwieder Becken verlegt wurde, am Aufbau der Stadt beteiligt.

Funde römischer Bauinschriften beim Bau des Friedrichsbades (1869 bis 1877) weisen darauf hin, dass auch die 26. Freiwilligenkohorte römischer Bürger, die COHORS XXVI VOLUNTARORUM CIVIUM ROMANORUM, beteiligt war. Der Text der Inschrift lautet „Die 26. Kohorte freiwilliger römischer Bürger hat dieses Werk geschaffen“.

Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde Aquae das Verwaltungszentrum einer selbstverwalteten Gebietskörperschaft, die bis zum Fall des Limes im Jahr 260 n. Chr. bestand. Dies war die CIVITAS AURELIA AQUENSIS („Die Stadt der Aurelia des Wassers“).

Das Verwaltungszentrum, also die „Keimzelle“ der heutigen Stadt Baden-Baden, trug wohl seither den Namen AQUAE AURELIAE. Belegt ist der Name erst ab dem 3. Jahrhundert.

 

Rettig-Hügel

Südlich vom Markplatz, auf der gegenüberliegenden Hangseite des Rotenbachtals, liegt kurz vor der Einmündung in das Oos-Tal, der Rettig-Hügel.

 

Nutzung im 19. Jahrhundert

Um 1809 errichtete in dem bis dahin landwirtschaftlich genutzten Areal der Straßburger Präfekturrat Huvelin ein Landhaus. Nur drei Jahre später erwarb Großherzog Karl von Baden das Anwesen für seine Gemahlin Stephanie Beauharnais, der Adoptivtochter von Napoleon Bonarparte.

Der zugehörige Park umfasste ein Areal zwischen der heutigen Sophienstraße, Rettigstraße und Stephanienstraße.

Schon im frühen 19. Jahrhundert finden sich in einschlägigen Druckschriften immer wieder Hinweise über römische Funde auf dem Rettig, insbesondere im Bereich des dort errichteten Wohngebäudes oder dem späteren Folgebau, aber auch bei der Anlage von Pflanzenbeeten im Parkareal.

1887 wurde das Gebäude abgerissen, um Platz für einen Neubau für Marie von Hamiliton, einer Tochter der Stephanie von Baden zu schaffen („Villa Marie“). Diese verstarb im Folgejahr, so dass das Anwesen 1889 neuerlich verkauft wurden, an den Fabrikanten Ino Werner. Damit verbunden war auch eine Zerteilung des Grundstücks.

Ab 1890 entstanden an der Sophienstraße und Stephanienstraße erste Gebäude, darunter auch das Hotel „Holländischer Hof“, das große Teile des Hügels als Gartenanlage nutzte.

 

Nutzung im 20. Jahrhundert

1926 erwarb die Stadt Baden-Baden die „Villa Werner“ nebst Grundstück zur Unterbringung des Forst- und Wirtschaftsamtes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete die französische Militärverwaltung 1951 auf dem Gelände der Villa einen Kindergarten. Dabei konnten auf dem Rettig erstmals römische Baustrukturen systematisch freigelegt und dokumentiert werden. Der Park blieb bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in seinem Kernbereich weitgehend unbebaut.

1957 ließ die Stadt Baden-Baden die „Villa Werner“ abreißen, um dort eine städtische Mädchenvolksschule, die heutige Realschule zu errichten. Im Gegensatz zum Bau des französischen Kindergartens nur wenige Jahre zuvor, wurde mit dem Bau ohne vorherige archäologische Untersuchungen begonnen. Es wurde ein mannshoher Mauerzug angetroffen, der auf ein 42 m x 21 m großes Gebäude schließen ließ.

Nach Fertigstellung der Volksschule war vom ursprünglichen Park der Großherzogin Stephanie nur noch ein Drittel unbebaute Fläche übrig (Gartenanlage Hotel „Holländischer Hof“).

Dieser Teil wurde Mitte der 1950er Jahre nochmals aufgeteilt. Zwei Drittel davon, direkt westlich an die Volksschule angrenzend, wurde von der Familie des Hotelbesitzers zur Errichtung eines Einfamilienhauses errichtet.

1990 wurde dieses Einfamilienhaus bereits wieder abgerissen, um das Grundstück neu und dichter bebauen zu können. Dank der Kooperationsbereitschaft des Bauherrn, konnte das zu bebauende Areal zwischen 1991 und 1994 – ohne Zeitdruck – durch das Landesdenkmalamt detailliert untersucht werden.

 

Castrum – Kastell am Rettig

Vom Militärstützpunkt zur Zivilverwaltung

Bei den archäologischen Ausgrabungen wurde ein schon langes in Baden-Baden vermutetes Kastell, ein römischer Militärstützpunkt (Castrum), entdeckt.

 

Militärische Nutzung in der Holzbauphase

  • Mutmaßlich fünf langgestreckte Gebäude, bis mind. 40 m Länge, die als römische Mannschaftsbaracken gedeutet werden. Die Fußböden bestanden, soweit erhalten, aus Holzdielen oder Stampflehm. Die Holzdielen waren (teilweise?) verkohlt und lagen unter einer Brandschicht.
  • In den Gebäuden wurden mehrere Herdstellen gefunden, in einem Fall „Rücken an Rücken“, getrennt durch eine schmale Trennwand von der benachbarten Wohnstube (contubernia).
  • In einer 1991 freigelegten, vollständigen Herdstelle eines Wohnbereiches (papilio), lagen tatsächlich noch Reste der letzten Feuerung.
  • Südöstlich der Baracken wurde eine mit flachen Kieseln eingefasste Lagerstraße mit dazugehöriger Schottertragschicht angetroffen.

Die Mannschaftsgebäude werden einer älteren „Holzbauphase“ zugeordnet, die durch eine spätere „Steinbauphase“ abgelöst wurde. Beim Rückbau der Gebäude wurde das Bauholz offenbar verbrannt und der Brandschutt auf dem Gelände flächig verteilt und eingeebnet. Auf dem einplanierten Gelände wurde anstehender Lehmboden aufgetragen, um ein Plateau für die Folgebebauung zu schaffen.

 

Zivile Nutzung in der Steinbauphase

Nach dem Ende der militärischen Nutzung des Rettigareals erfolgte auf dem Plateau eine großflächige zivile Bebauung mit repräsentativem Charakter.

Bei den Ausgrabungen konnten insgesamt fünf Steinbauten nachgewiesen werden, die aber nicht alle zeitgleich bestanden, dazwischen ein größerer Pfostenbau.

Der Steinbau I (Bau ca. in den 80er Jahren des 1. Jahrunderts, Nutzung bis in das 2.Jahrhundert n. Chr.) wurde über einen aus hinereinander überlappend ausgelegten Ziegeln hergestellten Abwasserkanal in eine vor dem Gebäude liegende Grube entwässert. Dort wurden neben Küchenabfällen auch größere Mengen zerscherbter Keramiken gefunden. Eines der schönsten Fundstücke war eine sehr kunstvoll gestaltete bronzene Amphorenfibel, die mit großem handwerklichen Geschick aus drei ineinander gestellten Amphoren hergestellt wurde.

Das südwestlich angrenzende Steinbau III (Bau ca. Mitte des 2. Jahrhunderts) zeichnete sich durch eine massive Umfassungsmauer aus. An der Südseite verlief direkt entlang der Mauer der vom Steingebäude I ausgehende Abwasserkanal. An der Aussenwand wurde über dem Kanal zu einem späteren Zeitpunkt eine kleine Latrine errichtet. An der Nordseite des Gebäudes wurde ein beheizbarer Raum (Hypocaustum) sowie ein daneben liegender Keller angetroffen. Teile der Hypocaust-Pfeiler waren abgebaut. Auch hier wurden Spuren der letzten Befeuerung gefunden (mächtige Ascheschicht).

Als Steinbau IV wurde ein kurzes Mauerstück an der Südseite von Gebäude I beschrieben. Ob es sich tatsächlich um ein separates Gebäude handelt, konnte nicht geklärt werden, die Befunde in diesem Bereich waren bereits weitestgehend durch moderne Eingriffe zerstört.

Die mäßig erhaltenen Reste von Steinbau V schließt sich unmittelbar südlich an das Gebäude III an. Der Gebäudegrundriss weist auf eine Risalitvilla hin, einem häufig im ländlichen Raum verbreiteten Gebäudetyp. Die Schauseite ist nach Südwesten in Richtung der von den Schwarzwaldausläufern flankierten Oosniederung ausgerichtet, der zur Römerzeit einen imposanten Ausblick bot. Bauschuttfundstücke weisen auf polychrome Wandmalereien hin.

Ein Risalit (italienisch risalto = Vorsprung) ist ein in der gesamten Gebäudehöhe – vom Sockel bis zum Dach – aus der Hauptfassade vorspringender Gebäudeteil.

Zwischen den Steinbauten I und III, größteteils im Bereich von Steinbau II, wurde eine große Anzahl von Pfostenstandspuren dokumentiert. Die Pfosten sind in parallelen Reihen von bis zu 14 Pfosten aufgereiht. Nach Ende der Nutzungszeit wurden die oberirdischen Teile der Pfosten entfernt, aber nicht in der Umgebung verfüllt . Die Funktion des Pfostenbaus bleibt rätselhaft. Grundrissvergleiche mit anderen Pfostenbauten lasse einen Speicherbau (horreum) vermuten.

Wesentliche Veränderungen in der Bebauung des Rettigareals sind erst wieder in der Zeit des zweiten Viertels des 3. Jahrhunderts zu registrieren (225 bis 250 n. Chr.). Die Gebäude I und III waren mittlerweile offenbar nicht mehr in Nutzung (ruinös). Es entstand, in der letzten Phase der römischen Bebauung des Rettig, ein Neubau (Steinbau II).

Die Überreste des Gebäudes sind sehr gut erhalten. Das Mauerwerk besteht ausschließlich aus Altmaterial, größtenteils wohl Baumaterial der Gebäude I und III. Die Funde weisen auf einen Vorratskeller, eine Feuerstelle und einen beheizbaren Raum mit Heizanlage hin. Der Innenausbau war im Vergleich zu den älteren Bauten deutlich bescheidener. Die Raumaufteilung erfolgte mutmaßlich durch Holzfachwerkwände. Die massive Aussenmauer lässt eine Schutzfunktion vermuten. Das Gebäude wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts offenbar partiell zerstört, die Ostwand des Kellers stürzte ein. Der Keller wurde wohl aufgegeben, der Schutt im Keller entsorgt, das restliche Gebäude aber mit einfachsten Mitteln notdürftig instandgesetzt.

Das Schadensbild des Gebäudes lässt sich nach den Erfahrungen der Archäologen nicht auf klassische Ereignisse, wie beispielsweise ein Brand oder eine mutwillige Zerstörung zurückführen. Bei den folgenden Überlegungen wurde ein Erdbeben als mögliche Ursache in Erwägung gezogen.

Abbildung: Teilweise schematisierte  Wiedergabe der ergrabenen Strukturen der Holzbauphase auf dem Rettig, einbezogen sind auch die Ergebnisse der Nachgrabungen 1996-1997 im Bereich der Realschule. Die beiden blass angelegten Gebäude unter der Realschule sind hypothetisch und nur durch einen kleinen Einblick (E) bei der Nachgrabung belegt.

© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart/E. Löhnig, P. Knierriem

Abbildung: Schematischer Gesamtplan der Gebäude I bis V auf dem rettig mit Ergänzung der Nachgrabung von 1996 im Hotelgarten.

© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart/E. Löhnig, P. Knierriem

Vicus – Die Siedlung

In dem Areal zwischen dem Castrum und den Badeanlagen am gegenüberliegenden Talhang des Rotenbachtals unterhalb des Florentinerberges entwickelte sich die Siedlung (Vicus) von Aquae.

Die größten zusammenhängenden Ausschnitte der Bebauung von Aquae konnten entlang der Gernsbacher Straße dokumentiert werden unter der die römische Hauptstraße verläuft (Abwasserleitungen und Wohngebäude in Holz- und Steinbauweise, mit Hypokausten und Herdstellen).

Am Leopoldsplatz wurde mit der schola eines Kollegiums, eine Art Versammlungshaus, auch ein öffentliches Gebäude gefunden.

Am Römerplatz südlich des Friedrichsbades und der Klosterschule „Zum Heiligen Grab“ wurden zahlreiche Altäre, Weihesteine oder Statuen zur Verehrung einer Vielzahl von Göttern gefunden.

Archäologische Funde nahe dem Marktplatz, in der Höllgasse 13 und an den Rathausstaffeln 3, werden als mögliche Heiligtümer interpretiert.

Badeanlagen

Schon zur Gründungszeit von Aquae wurden vermutlich bereits auch Badeanlagen, wie das „balineum“ (Hygienebad) am heutigen Römerplatz errichtet („Soldatenbäder“).

Inschriften „LEG VIII AVG“ von Ziegelfunden im Jahr 2023 am heutigen Marktplatz zeigen, dass beim Bau der sogenannten „Kaiserbäder“ die 8. Legion beteiligt war.

Die Römer nutzten die heilenden Quellen in erster Linie um ihre Verletzungen zu kurieren. Die Bäder boten aber auch die Möglichkeit zur Entspannung und Pflege sozialer Kontakte.

 

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Textquellen

„Soldatenbäder“ und „Kaiserbäder“

Coenen, Ulrich: Von Aquae bis Baden-Baden, Die Baugeschichte der Stadt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Kurachitektur, Verlag Mainz, Aachen 2008.

 

Archäologische Untersuchungen

Roth, Sarah & Preiß, Jessica: Zwischen Marmor und heißen Quellen – Das römische Baden-Baden. Schriftenreihe „Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg“, Heft 90. Landesamt für Denkmalpflege (LAD) Baden-Württemberg, 2023.

Thermalquellen Baden-Baden (3): Römische Bäder

Thermalquellen Baden-Baden (3): Römische Bäder

Thermalquellen Baden-Baden

Teil 3: Römische Bäder

Inhalt

Entdeckung der römischen Badeanlagen

Historische Badetradition

Kaiserbäder

Soldatenbäder

Sinterhügel

Textquellen

Entdeckung der römischen Badeanlagen

1846 wurden am heutigen Marktplatz beim Abriss der erst 1804 gebauten Antiquitäten- oder Altertumshalle, dem sogenannten „Museum Paleotechnikum“, erstmals zusammenhängende Teile der römischen Badeanlagen entdeckt. Die Antiquitätenhalle musste dem Bau des heutigen „Alten Dampfbades“ weichen.

1848 wurden dort zwei Plattenbruchstücke aus weißem Marmor gefunden. Die Inschrift, die sich in die Jahre 213 bis 217 n. Chr. datieren lässt, weist auf eine Renovierung und einen Ausbau einer Badeanlage durch Kaiser „Caracalla“ hin.

Der Text lautet: „Der Imperator CAESAR MARCUS AURELIUS ANTONIUS, der Fromme und Glückliche, der unbesiegte Herrscher, der größte parthische, britannische, germanische Oberpontifex, im 17. Jahr der tribunischen Gewalt, im vierten Konsulat, Prokonsul, Vater des Vaterlandes, hat gemäß seiner Freigiebigkeit nach Entfernung der Felsen das Badgebäude ausgebaut, die Warmbäder wiederhergestellt und mit Marmorplatten ausgeschmückt.“

Die bei den Bauarbeiten entdeckten Badeanlagen werden „Kaiserbäder“ genannt. Die Namensgebung lässt sich sowohl auf den Ausbau durch Kaiser „Caracalla“ zurückführen, insbesondere aber auch auf die luxuriöse Ausstattung. Die persönliche Anwesenheit von Kaiser „Caracalla“ in AQUAE AURELIA ist historisch nicht belegt.

Im gleichen Zeitraum (1846/1847) wurden bei Erdarbeiten vor der Klosterkirche des Frauenklosters „Vom Heiligen Grab“ weitere Badeanlagen entdeckt. Diese Anlagen waren deutlich bescheidener ausgestattet. Diese Bäder, die topographisch tiefer liegen, wurden in der späteren Zeit als „Soldatenbäder“ bezeichnet.

 

Historische Badetradition

Römische Bäder

Die römischen Bäder lagen topographisch auf zwei unterschiedlichen Ebenen.

Die „Kaiserbäder“ auf einer oberen Ebene unter dem heutigen Marktplatz. Die „Soldatenbäder“ auf einer unteren Ebene unter der Stiftskirche, dem Friedrichsbad und dem Römerplatz.

Die Namensgebung der Bäder nimmt nicht Bezug auf die damaligen Badegäste, sie spielt vielmehr auf die unterschiedliche Ausstattung der Badeanlagen an.

Abbildung: Lageskizze der römischen Badeanlagen
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

Die Umrisse der einst luxuriösen „Kaiserbäder“ sind heute durch eine grau abgesetzte Pflasterung am Marktplatz nachgezeichnet. Sichtbare Spuren sucht man jedoch vergebens.

Ganz im Gegenteil zu den seinerzeit einfacher ausgestatteten „Soldatenbädern“.

Deren archäologische Überreste  können heute im „Historischen Museum Römische Badruinen“ unter dem Römerplatz besichtigt werden.

Foto: Umrisse der ehem. Kaiserbäder vor dem Alten Dampfbad (Oktober 2022)

Kaiserbäder

1847 wurden beim Abriss der Antiquitätenhalle (Museum Palaeotechnicum), am heutigen Standort des Alten Dampfbades, die beiden östlichen Wasserbecken „A“ und „B“ der sogenannten „Kaiserbäder“ freigelegt.

Die Funde wurden von August von Bayer dokumentiert und ein Jahr später in Publikationen des Badischen Altertumsvereins veröffentlicht.

Das ca. 0,75 m tiefe Becken „A“ hat einen Durchmesser von 7,5 m (88,3 m²), das Becken „B“ ist 8 m x 9 m groß (72 m²). An der Südseite befand sich ein sudatoriume, ein trocken-heißes Schwitzbad.

Das Wasser entspringt hier in zwei Quellströmen einer natürlichen Felsspalte (P), die in römischer Zeit mit einem querliegenden Stein eingefasst worden war.

Ein durch den Grabungsfund angeregtes geologisches Gutachten beschreibt das Gebirge wie folgt:

„Der Thermalquellenfelsen besteht aus einer an seinem Rand mit Trümmern von Urgestein gemengten, stellenweise fast breiartig weichen Tonmasse, die eine mächtige, von Südost über Nord nach Südwest, gekrümmte Bergspalte ausfüllt. Das zerspaltene Gestein besteht hangabwärts aus Granit, zum Bergrücken hinauf aus Gneis, aus zwei Urgebirgsformationen also, während das die Bergspalte ausfüllende Gestein hingegen aus Tonschiefer ist.

Dieser ist an den Stellen, wo ihn die Therme durchdringt, vermittelst dieser Durchdrängung von Urzeiten her weich erhalten und somit thermalwassererfüllt, das man ihn kneten kann“.

Von dort wurde es durch eine ca. 8 m lange Felsrinne, die laut Steinmetzzeichen im Fels in römischer Zeit mindestens einmal erweitert wurde, zunächst in den halbrunden Wasserauffangbehälter (S) geleitet und floss von dort weiter in das Becken.

Dessen Boden bestand aus Marmorplatten, die auf einer Estrichschicht aus hydraulischem Mörtel, dem sogenannten opus signinum, auflagern. Diesem Estrich waren neben Kalk auch zerstoßene Ziegel beigemischt, was ihn wasserfest machte.

Neben der Quelle führte eine bronzene Wasserleitung (Q) aus der nördlichen Hangmauer (HH) ebenfalls in das Becken. Von welcher Quelle über diese Leitung Wasser bezogen wurde, ist bislang nicht bekannt.

Von Raum „A“ wurde das Wasser vermutlich unterirdisch in Raum „B“ geleitet, wo sich ein rechteckiges. 9 m langes und 8 m breites, ca. 0,9 m tiefes Becken befand.

Wahrscheinlich waren beide Becken nicht zum Baden gedacht, sondern dienten zur Abkühlung des heißen Quellwassers (von der Kühlquelle sind Mitte des 19. Jahrhunderts Temperaturen bis 54°C bekannt). Dass es sich nicht um Badebecken handelte, ist auch an den fehlenden Stufen zu erkennen, die für Badebecken typisch sind. Stufen erleichtern den Badegästen einerseits den Einstieg, boten andererseits aber auch eine Sitzgelegenheit.

Stattdessen waren die Becken mit ca. 30 cm hohen Einfassungen ausgestattet, um vermutlich den Kontakt mit dem heißen Wasser zu vermeiden.

Wahrscheinlich wurden diese beiden Becken als Dampfbäder genutzt. Dafür spricht auch die Auskleidung der Becken mit Marmorplatten, die in rein technisch genutzten, für Badegäste nicht zugänglichen Anlagen, eher unwahrscheinlich sind.

Die Ergebnisse der Ausgrabungen 1846 fanden seinerzeit große Aufmerksamkeit. Trotz der damaligen Bemühungen des Altertumsvereins, die sichtbaren Strukturen zu erhalten, wurde beim Bau des „Alten Dampfbades“ Teile des Raums „A“ abgerissen und die Überreste wieder zugeschüttet.

Entdeckung zwei weiterer Wasserbecken

1848 verursachte im Gasthaus „Rose“, das sich bis Mitte des 20. Jahrhunderts westlich des Alten Dampfades befand, austretendes Thermalwasser Schäden am Gebäude. Bei den folgenden Aufgrabungen wurden zwei weitere Badebecken entdeckt (Becken „C“ und „D“).

Das Becken „C“ ist 14,5 m x 9 m groß (130,5 m²), das Becken „D“ weist einen Durchmesser von 9 m auf (127,2 m²). Nach Norden konnten beide Räume nicht vollständig erfasst werden, da die Mauerstrukturen teilweise von dem Gasthaus überdeckt waren. Das ca. 1,5 m tiefe Becken „C“

hat an den einzelnen Seiten unterschiedlich viele Sitzstufen (eine bis drei). Das ca. 1,6 m tiefe runde Becken „D“ hatte ringsum zwei Sitzstufen.

Bei beiden Becken handelt es sich um sogenannte piscinae, Schwimmbecken, die für Thermalbäder typisch sind.

Die vier Becken waren kaskadenartig angelegt, so dass das Thermalwasser von den östlichen Becken in die westlichen Becken frei ablaufen konnte.

Das Abwasser wurde über die cloaca maxima von AQVAE in die Oos abgeleitet.

Neue Erkenntnisse im Rosenstollen (April 2023)

Bei der Umgestaltung des Bäderbezirkes durch Gerwig wurden zeitgenössische Dokumente, die vor einer Gefährdung der römischen Badebecken (Kaiserbäder) warnten, ignoriert.

Neben dem von Norden nach Süden ausgerichteten Kirchenstollen, der überwiegend im Bereich des vermutlich bereits zerstörten Bassins B vorgetrieben wurde, auch der in nach Westen abzweigende, ebenfalls mannshohe Rosenstollen mitten durch das noch erhaltene Becken C hindurchgeführt. In der gemauerten Stollenwand ist heute beidseits, etwa auf Schulterhöhe, auf einer Länge von ca. 9,6 m der Boden des Beckens erhalten.

Der öffentlich nicht zugängliche Stollen konnte im April 2023 durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im Rahmen der jährlich stattfindenden Reinigungsarbeiten begangen werden, um die erhaltenen Reste des Bades zu dokumentieren.

Unter dem Becken C befindet sich ein 30 cm dicker Estrich, der einen dreischichtigen Lagenbau zeigt. Auf dem Estrich liegt bis heute die Marmorauskleidung des Beckens. Die 3 cm bis 5 cm starken Platten mit Breiten von 67 cm bis 82 cm in rechteckiger und dreieckiger Form sind präzise auf Kante verlegt.

Vermutlich handelt es sich um Auerbacher Marmor aus dem westlichen Odenwald.

Foto: Blick in den Rosenstollen Richtung Westen. Die massive römische Estrichschicht wird oben und unten von der gemauerten Stollenwand eingefasst.
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Sarah Roth

Entdeckung Schwitzraum

Bei den Grabungen 1848 wurde neben den beiden Wasserbecken „C“ und „D“ auch ein Schwitzraum (sudatorium) entdeckt (F), ähnlich einer heutigen Sauna. Im Badeablauf der Römer wurden Sudatorien im Wechsel mit kühleren Räumen besucht, um den Körper abzuhärten.

Der Raum hat einen Durchmesser von ca. 6,3 m und war vermutlich vom direkt nördlich angrenzenden Raum „C“ aus zugänglich.

Die Beheizung erfolgte mit einem Hypocaustum, das ähnlich einer heutigen Fußbodenheizung funktionierte. Der Fußboden wurde von ca. 0,8 m bis 1,2 m hohen schmalen Pfeilern aus gestapelten Ziegeln oder Steinsäulen getragen. Durch die Zwischenräume wurde heiße Luft geleitet, die durch ein Feuer in einem in einem Heizungsraum (praefurnium) erzeugte wurde.

An den Wänden verbaute und miteinander verbundene Ziegel mit seitlichen Öffnungen (tubuli) leiteten die Wärme im Raum auch nach oben und komplettierten so die Aufheizung des gesamten Raumes. Durch einen aufgetragenen Verputz war der Wandaufbau für die Badegäste nicht zu erkennen.

 

Die „Kaiserbäder“ waren ein luxuriös ausgestattetes Kur- und Heilbad („thermae“) mit Wand- und Bodenverkleidungen aus weißem Marmor (Ostteil) und grünlichem Granit (Westteil).

Die symmetrische Anordnung der Badebecken lässt eine getrennte Nutzung, z.B. für Männer und Frauen vermuten, wie dies von anderen römischen Badeanlagen wie in Badenweiler nachweislich bekannt ist.

Der zentrale Teil der Anlage wurde vermutlich bereits im letzten Drittel des 1.Jahrhunderts n.Chr. als Kurbad für das Militär errichtet.

Der vermutlich letzte Ausbau, wahrscheinlich nach einem Brand, wird gemäß einer in der Anlage aufgefundenen Inschrift auf den Zeitraum um 213 bis 217 n. Chr. datiert. Befehlsgeber war Kaiser Marcus Aurelius Antonius, besser bekannt als Kaiser „Caracalla“.

Ob sich Caracalla auch selbst in AQVAE aufhielt, ist nicht eindeutig belegt.

 

Im Herbst 2024 mussten im Bereich des Marktplatzes Wasserleitungen ausgetauscht werden.

Dabei wurden erstmals seit über 180 Jahren wieder die Ruinen der römischen „Kaiserthermen“ unter dem Marktplatz freigelegt.

Dabei konnten die Badruinen durch eine Fachfirma archäologisch untersucht werden. Die Arbeiten wurden vom Landesamt für Denkmalpflege (Regierungspräsidium Stuttgart) fachlich begleitet.

Foto: Überreste von Badeluxus: Zwischenwand mit Estrichschichten (links im Bild), einem Rest der Marmorverkleidung am Boden-Wand-Übergang und abgerundeter Ecke des Badebeckens mit Stufen. Das Rohr und die Verfüllung darüber sind modern.
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Sarah Roth

„Es ergaben sich auf zirka 50 Quadratmetern wichtige Erkenntnisse zum Erhaltungszustand der Ruine, aber auch neue Informationen zu ihrer Struktur.“

„In den geöffneten Bereichen wurden zirka einen Meter unter dem Pflaster des heutigen Marktplatzes römerzeitliche Mauerzüge festgestellt. Darunter auch solche, die in den Grundrissplänen der ersten Ausgräber nicht verzeichnet waren. „Sogenannte Hypokaustziegel weisen auf einen Raum mit Unterbodenheizung“.

Das Foto zeigt Überreste von Badeluxus:

Zwischenwand mit Estrichschichten (links im Bild), einem Rest der Marmorverkleidung am Boden-Wand-Übergang und abgerundete Ecke des Badebeckens mit Stufen.

Das Rohr und die Verfüllung darüber sind modern.

Foto: Überreste von Badeluxus: Zwischenwand mit Estrichschichten (links im Bild), einem Rest der Marmorverkleidung am Boden-Wand-Übergang und abgerundeter Ecke des Badebeckens mit Stufen. Das Rohr und die Verfüllung darüber sind modern.
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Sarah Roth

Foto: Blick auf die antiken Mauerzüge und Ziegel der römischen Unterbodenheizung, darübermoderne Verfüllungen und eine Betonplatte. Der Schnitt endet an einem modernenThermalwasserschacht. Im Hintergrund der Marktplatz mit Stiftskirche.
© Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Sarah Roth

Foto: Aufnahme an ungefähr gleicher Stelle. Der graue Pflasterstreifen auf dem Marktplatz zeichnet den (links freigelegten) Mauerzug an der nördlichen Längssseite der Stiftskirche nach. Eigenes Foto ca. 3,5 Jahre vorher (März 2021).

Der östliche Teil der leider nur sehr fragmentarisch bekannten Kaiserbäder war durch Wand- und Bodenverkleidungen aus weißem Marmor besonders luxuriös ausgestattet. Die Archäolgen nehmen an, dass es sich um Auerbacher Marmor aus Steinbrüchen an der Bergstraße im westlichen Odenwald handelt.

 

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Auerbacher Marmor

Soldatenbäder

Die einzigen heute noch sichtbaren Reste der römischen Bäder können im „Historischen Museum Römische Badruinen“ (Römerplatz 1) besichtigt werden.

Es sind dies Reste der „Soldatenbäder“. Der Begriff „Soldatenbad“ wurde offenbar durch die Ausgräber im 19. Jahrhundert geprägt und spielt auf die im Vergleich zu den reich ausgestatteten Kaiserbädern einfachere Ausstattung an.

Entdeckt wurden die „Soldatenbäder“ 1846/1847 bei Baumaßnahmen vor dem Kloster „Zum Heiligen Grab“. Beim Bau des Friedrichsbades (1869 bis 1877) und des Augustabades (1890 bis 1893 – 1963 bereits wieder abgerissen) wurden weitere Bereiche der „Soldatenbäder“ entdeckt und konserviert.

Durch den Bau der genannten Gebäude ging viel historische Substanz an den Ruinen verloren. So schneiden beispielsweise die Kellerwände und Fundamente des Friedrichsbades auch heute noch deutlich erkennbar in erheblichem Umfang in den nordwestlichen Bereich der Ruinenanlage ein.

Weitere Mauerzüge im südlichen Teil deuten an, dass sich die Badeanlage auch in Richtung Römerplatz fortsetzte.

1899 wurde eine Schneise durch Wände und Böden der Badeanlagen geschlagen, um eine Wasserleitung zu verlegen.

Im Zusammenhang mit der multitemporalen Umgestaltung dieses Bereiches im 19. und 20. Jahrhundert, der Errichtung der umgebenden Bebauung und der dafür erforderlichen Tiefbauarbeiten (Kanalisation) wurden weitere Bereiche der Badeanlagen komplett zerstört oder überbaut.

Als einer der größten Eingriffe erwies sich der Bau der Friedrichsbadterrasse Mitte der 1960er Jahre. Um eine ebenerdige Verbindung zwischen dem Eingangsniveau des Friedrichsbades und dem Kloster „Vom Heiligen Grab“ herzustellen, wurde eine weit auskragende Plattform aus Beton errichtet. Bei den Gründungsarbeiten der die Plattform tragenden Stützen wurden großflächige Bereiche inmitten der Badeanlagen abgetragen und für immer zerstört. Dort befindet sich heute eine triste Tiefgarage.

Foto: Blick von den Dernfeldstafelfeln (Höhenniveau Marktplatz) nach Süden auf die tiefer liegende Friedrichsbadterrasse. Links die Klosterschule „Zum Heiligen Grab“ mit dem Treppenabgang zum „Historischen Museum Römische Badruinen“. Foto vom Oktober 2022.

Die Soldatenbäder wurden als Hygienebad („balneum“ oder „balineum“) errichtet und dienten der Körperreinigung.

Von der ursprünglich 60 x 48 m großen Anlage sind heute noch ca. 20 x 21 m erhalten.

Erste öffentliche Begehungen der Ruinen waren um 1900 möglich.

 

Historisches Museum Römische Badruinen

Diese Reste der „Soldatenbäder“ können heute im „Museum Römische Badruinen“ besichtigt werden. Bitte beachten: Die Öffnungszeiten sind sehr eingeschränkt.

Mitte der 1960er Jahre wurde mit dem Neubau der Friedrichsbadterrasse der heutige „Schutzbau“ errichtet.

Zwischen 1995 und 2003 waren aufwändige Sanierungsarbeiten erforderlich, da die alte Bausubstanz durch den jahrzehntelangen Museumsbetrieb erheblich beschädigt wurde.

Die Museumsbesucher betraten bis dahin die originale römische Bausubstanz, so dass es auch zu Durchbrüchen kam und ein Rundgang nicht mehr möglich war.

Darüber hinaus mehrten sich auch Feuchtigkeitsschäden durch defekte Thermalwasserleitungen.

Foto: Zugang zum Museum Römische Bauruinen

Die Römischen Badruinen in Baden-Baden gehören zu den am besten erhaltenen und eindrucksvollsten römischen Badeanlagen in Baden-Württemberg.

Dieses „balineum“ (Hygienebad) zeigt einen einzigartigen Erhaltungszustand der Fußbodenheizung (hypocaustum) mit dem dazu gehörigen Wandheizsystem aus Hohlziegeln (tubuli).

Vermutlich in den 70er Jahren n. Chr. fertig gestellt, stand das Hygienebad der Bevölkerung zur Verfügung.

Die Heizanlage wurde mit Heißluft betrieben. Diese wurde durch Feuer in den Schürkanälen (praefurnia) der Heizräume erzeugt und in den Hohlraum zwischen Unter- und Oberboden (hypocausis) eingeleitet.

 

Die Soldatenbäder wurden erstmals 1846/1847 bei Erdarbeiten vor der Klosterkirche des Frauenklosters „Vom Heiligen Grab“ (rechts) freigelegt.

Das Mauerwerk war auffällig gut erhalten.

Foto links: Römische Baureste vor dem Kloster zum heiligen Grabe in Baden-Baden, Karlsruhe, 1850. Datenquelle: Bayer, August von: Denkmale der Kunst & Geschichte des Heimathlandes.

Foto rechts: Die Fundstelle am Römerplatz heute (Oktober 2022)

Beim Bau des Friedrichsbades (1869 bis 1877) wurden weitere Teile der Anlage angeschnitten.

Foto: Die Fundstelle der Soldatenbäder am Römerplatz (Oktober 2022)

Heute befindet sich im Bereich der Fundstelle der Soldatenbäder, zwischen Friedrichsbad und Klosterschule „Vom Heiligen Grab“, eine Grünanlage.

 

Zwischen 1890 und 1893 wurden beim Bau des Augustabades Eingang und Latrine ausgegraben, nach der Einmessung und Dokumentation aber zerstört.

Foto: Das Augustabad um 1900

Beim Alemanneneinbruch und dem Fall des Limes wurde der römische Badeort um 260 n.Chr. durch einen Brand vernichtet.

In der Folgezeit lief das Thermalwasser am Florentinerberg frei ab.

Sinterhügel

Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte bildete sich durch kontinuierliche Kalkfällung, Lage um Lage, ein bis zu 6m hoher fächerförmiger Sinterhügel.

Abbildung: Die Thermalstollen am Florentinerberg (19. Jahrhundert) mit Darstellung des Sinterhügels, der sich nach der Zerstörung der Römerbäder am späteren/heutigen Standort des Friedrichbades bildete.

Die Thermalstollen am Florentinerberg (19. Jahrhundert) mit Darstellung des Sinterhügels, der sich nach der Zerstörung der Römerbäder am späteren/heutigen Standort des Friedrichbades bildete.

Die Ausscheidung (Fällung) von Opalkieselsinter erfolgte durch Kieselalgen, die im warmen Wasser lebten. Im Sinterhügel wurden Schnecken (Helix pomatia) und Kieselhölzer gefunden.

Beim Bau des Friedrichsbades (1869 bis 1877) musste der Sinterhügel abgetragen werden.

Foto links: Die Brunnengrotte der Fettquelle (der schmutzug-graue Kalksinter hebt sich deutlich vom roten Natursteinmauerwerk ab (Treppenanlage Dernfeldstaffeln: hellroter Leisbergporphyr; Friedrichsbad: Buntsandstein). Oktober 2022

Foto rechts: Detailaufnahme Brunnengrotte Fettquelle: Sintersteine mit feinlagiger Bänderung (Oktober 2022)

Auch heute fällt im Thermalwasser noch Kalksinter aus, allerdings für die meisten Menschen unsichtbar, nämlich in sämtlichen Wasserleitungen und auch an den unterirdischen Wasseraustritten und in den Ablaufrinnen im Stollensystem am Florentinerberg.

Franz Kirchheimer, Altpräsident des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg beschrieb einen plastischen, gelb- bis grauschwarzen Schlamm, der sich im Thermalwasser niederschlägt.

Der manganoxidreiche Thermalschlamm der Murquelle weist nach Kirchheimer (1959), im Vergleich zu anderen untersuchten Schlämmen, die höchste Radioaktivität auf.

 

Auch in der Lichtentaler Allee findet man, vor der Kulisse der Kunsthalle und des Museums Frieder Burda, Reste vom ehemaligen Sinterhügel. Aufgetürmt zu einem Brunnen…

Foto: Sinterbrunnen gegenüber der Kunsthalle und dem Museum Frieder Burda in der Lichtentaler Allee (März 2026)

Sage | Römer | Römische Bäder | …

Weiter geht’s mit Teil 4: Geologie

Textquellen

„Soldatenbäder“ und „Kaiserbäder“

Coenen, Ulrich: Von Aquae bis Baden-Baden, Die Baugeschichte der Stadt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Kurachitektur, Verlag Mainz, Aachen 2008.

 

Soldatenbäder

Meyer-Reppert, Petra und Rabold, Britta: Die römischen „Soldatenbäder“ in Baden-Baden (Aquae Aureliae); Landesamt für Denkmalpflege – Regierungspräsidium Stuttgart. Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Band 25, 2008.

 

Archäologische Untersuchungen

Roth, Sarah & Preiß, Jessica: Zwischen Marmor und heißen Quellen – Das römische Baden-Baden. Schriftenreihe „Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg“, Heft 90. Landesamt für Denkmalpflege (LAD) Baden-Württemberg, 2023.

 

Historisches Museum Römische Badruinen

CARASANA Bäderbetriebe GmbH 

Thermalquellen Baden-Baden (4): Geologie

Thermalquellen Baden-Baden (4): Geologie

Thermalquellen Baden-Baden

Teil 4: Geologie

Inhalt

Geologie

Vulkanismus

Kohle

Uran

Textquellen

Geologie

Baden-Baden liegt in der Badener Oberkarbon-Rotliegend-Senke, welche durch SW- NE-Streichen gekennzeichnet ist. Ihr Kern ist die in gleicher Richtung verlaufende Battert-Aufwölbung, in deren Norden die Rotenfelser Senke und in deren Süden die Lichtentaler Senke angelegt ist, kleine Teiltröge des gesamten Badener Troges.

Diese drei Zentraleinheiten werden durch Verwerfungen voneinander getrennt. Die Trogfüllung ist nach bisheriger Kenntnis über 1.000 m mächtig:

600 m Rotliegendes (Oostal Subformation, rTO)

400 m Oberkarbon (Staufenberg Formation, coS)

Datenquelle: Geologische Karte von Baden-Württemberg 1:50.000. Baden-Baden.
© Regierungspräsidium Freiburg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB-Kartenviewer)

Am Florentinerberg stehen Gesteine des Oberkarbon an, eingerahmt von paläozoischen Schiefern im SW, Graniten im NW und Oberrotliegendem im E und SE.

Das Oberkarbon besteht aus Arkosen, Sandsteinen und Konglomeraten in Wechsellagerung mit Schiefertonen.

1895 stieß man bei Quellfassungsarbeiten in einem Stollen in den Arkosen auf ein 15 bis 20 cm mächtiges Kohlenflöz. Die Schichten des Oberkarbon fallen am Florentinerberg ca. 20-35° nach NW ein.

Tektonik

Im Grenzbereich der Battert-Aufwölbung und der Lichtentaler Teilsenke setzt aus Richtung Kurhaus eine SW-NE streichende, nach SE einfallende Störungszone (Abschiebung) zum Neuen Schloss ein, die das Oberkarbon gegen eine höher liegende Scholle aus Friesenberggranit verstellt. An dieser zum Gebirge einfallenden Störungszone steigen die Thermalwässer auf.  Die unterschiedlichen Temperaturen der Austritte zeigen an, dass die Wässer aus unterschiedlichsten Tiefen stammen.

An die Oberkarbon-Rotliegend-Senke grenzt im Süden, getrennt durch die SW-NE ver­laufende Gernsbacher Störungszone, das höher aufragende Nordschwarzwälder Granitmas­siv an, dessen Oberfläche nach Norden unter die Senke abtaucht.

Hauptthermalstörung

Die Hauptthermalstörung kommt vom Beutig im Westsüdwesten her und zieht auf das Kurhaus hin. Hinter dem Nordflügel des Kurhauses, in der Felswand des Parkplatzes (Alte Schiefer, Baden-Baden-Schiefergruppe), ist die Störung aufgeschlossen. Das auf einer Breite von nahezu 100 m zerruschelte, mit verstürzten Massen gemengte Gestein ist gebleicht und tonig zersetzt; neben Baryt sind auch andere thermale Minerale vorhanden.

Die Störung ändert von hier ab ihre Richtung von WSW-ENE (ca. 67 °) in SW-NE (ca. 37°), streicht südlich der Trinkhalle vorbei und wird dann durch die quartären Kiese der Oos verdeckt. Bis zum Fluß versetzt sie die Alten Schiefer (Devon) im Norden gegen oberkarbonische Sandsteine im Süden.

Östlich ist sie in der unteren Büttenstraße festzustellen, zieht mit 37° über die Büttenquelle auf die NW-Begrenzung des Marktplatzes, über die Westecke der Schloßterrasse am Florentinerberg in Richtung Hungerberg auf das Murgtal zu.

Bis zum Marktplatz grenzen Alte Schiefer im Norden an Oberkarbon im Süden, von da bis zur Schloßterrasse Badener Granit (Friesenberg Granit) gegen Oberkarbon.

Die Thermalquellen treten am Südhang des Florentinerberges südöstlich der Hauptthermalspalte im Bereich einer stark zerrütteten, durch Störungen umgrenzten Oberkarbonscholle aus.

Abbildung: Geologischer Schnitt Thermalgebiet Florentinerberg

Herkunft und Alter des Thermalwassers

Das  Thermalwasser stammt, bei einem lokalen geothermischen Gradienten von ca. 5°C/100 m, aus Tiefen von ca. 1.200 m bis 1.500 m.

Die enthaltenen Mineralstoffe weisen auf eine Herkunft in der Füllung des Oberrheingrabens hin, wo das Tertiär W der Senke von Baden-Baden eine Mächtigkeit von ungefähr 1.200 m aufweist. Niederschlagswasser dringt dort in den Untergrund ein, bewegt sich in der tektonisch zerlegten Randscholle nach N und vermischt sich dabei mit salinaren Lösungen aus dem Oberrheingraben, um an Störungen im Bereich des Florentinerberg artesisch bis zur Oberfläche aufzusteigen.

Über das Alter der Thermalquellen sind keine genauen Angaben möglich. Vermutlich sind sie im Spätpleistozän durch neuerliche Bewegungen an älteren Störungen entstanden.

Vulkanismus

In der Spätphase der variszischen Orogenese (Oberkarbon und Unterperm) folgte eine Hebung und Dehnung der Kruste, die zum kompletten Abtrag des alten Hochgebirges und zur Bildung tektonischer Gräben und Horste führte.

Das erodierte Gesteinsmaterial wurde lokal in intramontanen Gräben, z.B. bei Schramberg oder Baden-Baden und überregional in vorgelagerten Molassebecken, wie z.B. der 9 km (!) tiefen Saar-Nahe-Senke abgelagert.

Diese Phase wurde von einem explosiven Vulkanismus begleitet, der hauptsächlich saure, rhyolithische Laven und Aschen förderte. Untersuchungen weisen auf ein Extrusionsalter zwischen 307 ± 5 und 286 ± 7 Mio. Jahren hin.

Die Rhyolithe (alte Bezeichnung: Quarzporphyre) und zugehörigen Pyroklastika des Nord- und Zentralschwarzwaldes liegen als Decken, Schlotfüllungen und Spaltenintrusionen vor. Sie sind lediglich Erosionsreste größerer Vulkangebäude und weit ausgedehnter, zusammenhängender Decken, die während der explosiven vulkanischen Tätigkeit im Rotliegend entstanden sind.

Bei der Mehrzahl der Vorkommen handelt es sich um Quarzporphyrdecken, die durch Ignimbrite (Glutwolkenabsätze) oder Laven gebildet wurden. Die einzelnen Decken sind z. T. durch Tufflagen voneinander getrennt.

Quarzporphyrdecken südlich von Baden-Baden

Die größten Quarzporphyrvorkommen im Schwarzwald befinden sich im Münstertal (Südschwarzwald) sowie im Achertal bei Ottenhöfen und bei Baden-Baden (Nordschwarzwald).

Datenquelle: Übersichtskarte der Quarzporphyrdecken südlich von Baden-Baden. Datenquelle: LGRBwissen 

Steinbruch Waldeneck (Peter’scher Bruch), Neuweier

Die Glutwolkenströme (base surges) sind Zeugen besonders destruktiver vulkanischer Tätigkeit mit sehr hohen Ablagerungsgeschwindigkeiten.

Ein besonders schöner Aufschluss solcher ignimbtrischer Laven ist der Steinbruch Waldeneck südwestlich von Baden-Baden, Ortsteil Neuweier unterhalb des Yberg.

In dem aufgelassenen Steinbruch wurden früher Gesteine der Rotliegend-Magmatite abgebaut, die als Reste von drei Ignimbrit-Tuff-Decken gedeutet werden.

In den höheren Teilen der Steinbruchwand sind diese Tuff-Decken deutlich anhand von Farbunterschieden unterscheidbar.

Foto: Steinbruch Waldeneck (Februar 2022)

In den Magmatiten der Umgebung (Klopfengraben, Wernerhütte) finden sich häufig, im Waldboden auch herausgewittert, Baden-Badener Achate, die früher als Halbedelsteine gesucht waren und in Edelsteinschleifereien (z. B. Hofschleiferei in Karlsruhe) verarbeitet wurden.

Es handelt sich um Chalcedone, Karneole und andere Quarzvarietäten, die in Geröllen gefunden werden konnten und mit etwas Glück auch noch können.

Aufgelassener Steinbruch am Leisberg SW von BAD-Lichtental

48.73871, 8.25259

Ein weiterer Aufschluss permischer Quarzporphyre ist der aufgelassene Steinbruch am Osthang des Leisbergs im Ortsteil Geroldsau.

Es handelt sich um hellrotviolette Vulkanite (Leisbergporphyre), die schon ab dem 16. Jahrhundert als wichtigster Baustein Baden-Badens Verwendung fanden.

Sie sind altersmäßig in das Obere Rotliegende (pc-3-Alter, 4. Decke) zu stellen. Klüfte führen teilweise Minerale wie Kalkspat, Schwerspat, Eisenspat. Auf der Sohle befindet sich der Schießstand des Schützenhauses.

Verwendung als Baumaterial

Der Leisbergporphyr wurde insbesondere in der Umgebung von Baden-Baden als Werkstein genutzt. Das verkieselte Porphyrkonglomerat, welches durch Erosion nördlich von Baden-Baden abgelagert wurde, fand Anfang des 12. Jahrhunderts Verwendung beim Bau des Alten Schlosses, das auch als Burg Hohenbaden bekannt ist.

Wahrscheinlich im 12. Jahrhundert wurden die Quarzporphyre für das Mauerwerk der Yburg östlich von Varnhalt genutzt. Die Verwendung des Porphyrs für die Errichtung von Häusern setzte erst im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung im großen Umfang ein.

Der Quarzporphyr wurde bevorzugt für die Fundamente verwendet und der Buntsandstein für die Fassaden. Später entstandene Gebäude wurden vollständig aus Leisbergporphyr errichtet und verdrängten zeitweise sogar den Buntsandstein als Baumaterial.

Beispiele für die Nutzung von Leisbergporphyr für große Bauwerke sind die 1864 begonnene neuromanische Basilika St. Bonifatius in Baden-Baden-Lichtental sowie die gleichalte St. Johanniskirche.

Foto links: St. Johannis-Kirche.
Foto rechts: Detailansicht des Kirchenmauerwerks aus Leisbergporphyr (März 2026)

Des Weiteren wurde das Gestein in der Dreieichenkapelle in Baden-Baden-Weststadt, der Vincenti-Grundschule und in der 1900 errichteten Villa Stroh verbaut.

Die rotvioletten Gesteine fallen an einer Vielzahl von Gebäuden in Baden-Baden auf. So auch an der Brunnengrotte der Fettquelle.

Die Grotte selbst ist mit Abbruchmaterial des füheren Sinterhügels verkleidet (grau). Das direkt angrenzende Stützmauerwerk der Treppenanlage (Dernfeldstaffeln) besteht aus Leisbergporphyr.

Foto links: Brunnengrotte Fettquelle (Oktober 2022).
Foto rechts: Detailansicht des Mauerwerks der Stützmauer aus Leisbergporphyr (März 2026)

Aufgelassener Steinbruch Schatzbühl, BAD-Geroldsau

Geotop-Nr. 13191/267

48.72974, 8.25542

Auch in diesem Steinbruch wurden permische Quarzporphyre abgebaut, sogenannte Pinitporphyre des Rotliegend (Rotliegend-Magmatit).

Sie sind altersmäßig in das Mittlere Rotliegend zu stellen und entsprechen der 1. Decke, sind also älter als die benachbarten Leisbergporphyre.

Es handelt sich um dickbankige Gesteine von rötlicher Farbe mit dichter Grundmasse und Einsprenglingen von Quarz und Feldspat.

Auf der Sohle befindet sich eine Hütte sowie ein Lagerplatz. Das ganze Gelände ist eingezäunt und nicht zugänglich.

Kohle

1745 wurde bei Steinbach-Umweg nach einem Wolkenbruch in den dortigen Oberkarbonschichten ein geringmächtiges Kohlenflöz entdeckt. In den Folgejahren wurden die Kohlen in verschiedenen Stollen abgebaut. 1778 übernahm dann der Bergrat C. F. ERHARDT die Grube auf eigene Rechnung und brachte den bis dahin nicht gerade schwungvollen Betrieb besonders durch die Anlage weiterer Stollen in Gang.

Im Jahr 1792 betrug die Ausbeute insgesamt 222 Tonnen Steinkohlen, die in der ganzen Region Abnehmer fanden. Die Qualität der Kohle war durch den hohen Anteil an Sand jedoch nur schwer verkäuflich.

1802 kaufte die Großherzogliche Regierung das Bergwerk für 12.000 Gulden von ERHARDT zurück und betrieb dieses bis 1824. Anschließend wurde in den Grubenanlagen bis 1848 erfolglos Nachlesebergbau betrieben.

Ein Teil des Zechengebäudes der Grube steht heute noch in der Umweger Straße.

Foto: Die ehem. Faktorei am Brunnengraben in der Umweger Straße (Februar 2025)

Ein Stollenmundloch befand sich auch hinter dem Gasthaus Weinberg in Umweg. Weitere Baue auf Kohlen erfolgten unterhalb des Zimmerplatzes bei Malschbach.

Foto: Gasthaus Weinberg in Umweg (Februar 2025)

Uran

Im September 1973 wurden im Osten von Baden-Baden bei Prospektionsarbeiten mittels radiometrischer Messungen mehrere Anomalien in den ausstreichenden Karbonschichten des Oostroges festgestellt.

Die größte Anomalie wurde am Hummelsacker ermittelt, einem NE-SW streichenden Höhenrücken an der Nordseite des Oostales im Ortsteil Oberbeuern.

Der Hummelsacker wird von zwei Tälern flankiert. In den Jahren 1974 und 1975 legte die Fa. Saarberg-Interplan Uran GmbH, später nur noch Saarberg-Interplan GmbH, an beiden Bergflanken je einen Probestollen an.

Beide Täler sind nach den gleichnamigen Bachläufen benannt. Im Westen das Harlachtal, im Osten das Müllenbachtal.

Foto: Mundloch Sauersboschstollen im Harlachtal (Januar 2023)

Foto: Mundloch Kirchheimerstollen im Müllenbachtal (Januar 2023)

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Weiter geht’s mit Teil 5: Die Quellen am Florentinerberg

Textquellen

Geologie

Stober, Ingrid: Geologie und Geschichte der Mineral- und Thermalquellen im Schwarzwald, In: Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 92, Heft 2, S. 29-52, Freiburg 2002.

GK 25 Blatt Baden-Baden

Steinbruch Waldeneck (Peter’scher Bruch)

© Regierungspräsidium Freiburg, LGRB: Geotop-Nr. 6023/3027, Geotopkataster, 15.07.2022.

 

Leisbergporphyr

LGRBwissen ©Regierungspräsidium Freiburg

Thermalquellen Baden-Baden (6): Bohrwasser

Thermalquellen Baden-Baden (6): Bohrwasser

Thermalquellen Baden-Baden

Teil 6: Thermalwasserbohrungen am Pflutterloch

Inhalt

Gesteigerter Wasserbedarf

Bohrung 1

Bohrung 2

Förderwasser

Herkunft des Thermalwassers

Regionalgeologische Erkenntnisse

Textquellen

Gesteigerter Wasserbedarf

Um den zunehmenden Wasserverbrauch im Friedrichsbad decken zu können, gab es ab 1959 Bemühungen, mittels Bohrungen zusätzliches Thermalwasser zu erschließen. Es lag nahe, zunächst einen Streifen nördlich und südlich der Hautthermalspalte vom „Beutig“ bis zum „Hungerberg“ durch thermische Messungen näher zu erkunden.

Zunächst wurden im Januar/Februar 1960 in einem Gebiet vom Kloster „Zum Heiligen Grab“ bis in das Gebiet an den Radiumbrunnen im „Steinwald“ in 500 Bohrlöchern bis 4 m Tiefe geoelektrische Messungen durchgeführt. In einem zweiten Schritt wurden im Januar/Februar 1962 in weiteren 400 Bohrlöchern analoge Messungen in einem Gebiet nördlich des „Steinwald“, im „Pflutterloch“ und westlich der Oos vom „Friesenberg“ bis zum „Rebbuckel“ und die „Beutigwiesen“ durchgeführt. Alle Messungen wurden in einem 25 m-Raster durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigten, dass das Wiesengelände an der Westseite des Schlossbergs, im Pflutterloch, besonders hoffnungsträchtig ist. Die Auswertung ergab, dass vom Westrand des Schlossgartens nach Nordosten eine Wärmeanomalie vorhanden ist, welche mit ziemlicher Gewissheit durch im Untergrund zirkulierendes Thermalwasser erzeugt wird.

Zunächst musste jedoch überprüft werden, ob sich die durch die bisherigen Messungen nachgewiesenen Anomalien auch bei Wiederholung zeigen und auch in größere Tiefe zu verfolgen sind. Deshalb wurden im Pflutterloch eine Anzahl Bohrungen von 10, 20 und 50 m Tiefe gestoßen. Darin wurden bis 1964 zu verschiedenen Zeiten Kontroll- und Wiederholungsmessungen vorgenommen, insbesondere aber in einer 21 m tiefen Dauermessstelle, in welche 17 Messelemente stationär eingebaut waren. Die Messungen ergaben einen ungewöhnlich hohen Temperaturgradienten von 28°C/100 m. Der Raum erschien somit zu Bohrversuchen prädestiniert, zumal auch in anderen in der Nähe gelegenen Bohrlöchern ähnlich abnormale Gradienten festgestellt waren (Normalgradient 3° C/100 m). Eine solche ungewöhnliche Aufheizung konnte nur mit einer echten tiefenbedingten Wärmeanomalie in Beziehung stehen.

So wurden 1965 südlich vom Pflutterbächle am Hang zur Schloßstraße zwei vollständig gekernte Versuchsbohrungen abgeteuft.

Bohrung 1

Foto: Brunnenkopf Bohrung 1 (November 2022)

Bohrtiefe
301,5 m

Ansatzhöhe
200,41 m NN

Endhöhe
unbekannt

Bohrdurchmesser
150 mm (bis 6,60 m)
131 mm (bis 14,50 m)
101 mm (bis 144,60 m)
86 mm (bis 301,5 m)

 

Bohrwinkel
15° nach Süden

Bei diesem Bohrwinkel liegt die Sohle der Bohrung in ca. 80 m Entfernung an der Ostseite vom Neuen Schloss.

Geologische Skizze des Thermalquellengebietes von Baden-Baden mit den Pflutterloch-Bohrungen (nach der Geologischen Spezialkarte 1:25 000 und der Kartierung 1:2000 von A. BILHARZ 1939 sowie eigenen Beobachtungen zusammengestellt von K. SAUER, 1970). Hinweis: Farblich ergänzt

© Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden, Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse; In: Mitt. bad. Landesver. Naturkunde u. Naturschutz, N.F. 10, Seite 469-480, 1. August 1972.

Bohrprofil Bohrung 1

bis 6,60 m
Hangschutt

bis 228,0 m
Granit

bis 241,0 m
Schiefer

bis 242,0 m
Granit

bis 249,0 m
Schiefer

bis 252,0 m
Granit

bis 256,0 m
Schiefer

bis 257,0 m
Granit

bis 301,5 m
Schiefer

Zutritte Thermalwasser

197 m NNschwach

203 m NN
Hauptzutritt (1,12 l/s)

Wassertemperatur
62,4°C

 

Zuflussrate

1,12 l/s 

Das Bohrloch wurde, im Gegensatz zum Bohrloch der Bohrung 2, nicht erweitert.

Ausbau

Das Schrägbohrloch 1 wurde nicht erweitert und derart ausgebaut, dass zuerst ein Vorschacht von 1,60 m Durchmesser unter 15° Neigung bis 17,20 m geteuft wurde, wobei das vorhandene Kernbohrloch zur Führung des Piloten verwendet wurde.

In den Vorschacht wurde ein Hagustarohr NW 150 (vollwandig) eingebaut, welches auf 3 m dicht in den Fels einbetoniert wurde. Zusätzlich wurde eine Abdichtung mit Hilfe eines in die Felsbohrung eingesetzten Gummipackers vorgenommen.

Bohrung 2

Foto: Brunnenhaus Bohrung 2 (November 2022)

Bohrtiefe
553 m

Ansatzhöhe
200,41 m NN

Endhöhe
– 352,59 m NN

Bohrdurchmesser
101 mm (Anfang)
86 mm (Ende)

Bohrwinkel

Bohrprofil Bohrung 2

bis 11,0 m
Hangschutt

bis 358,0 m
Granit

bis 359,0 m
Schiefer

bis 360,0 m
Granit

bis 366,0 m
Schiefer

bis 368,0 m
Granit

bis 372,0 m
Schiefer

bis 374,0 m
Granit

bis 553,0 m
Schiefer

Zutritte Thermalwasser

139 m NN
ohne weitere Angabe

446 m NN
ohne weitere Angabe

496,6 m NN
Hauptzutritt

Wassertemperatur
55°C

 

Zuflussraten

während der Bohrarbeiten
1,26 l/s

nach Abschluss der Bohrarbeiten
0,87 l/s

im Pumpenbetrieb
2,27 l/s

 

Das Bohrloch wurde angesichts der günstigen Ergebnisse für die Produktion aufgebohrt:

bis 98 m
253 mm

bis zur Endteufe
225 mm

Ausbau

Das Bohrloch wurde mit korrosionsbeständigen Hagusta-Aufsatz-Rohren NW 175 bis 451,70 m ausgebaut, an die sich Filterrohre derselben Dimension und Beschaffenheit mit versetzter Schlitzlochung dreimal 25 mm anschließen, durch welche das Thermalwasser eintreten kann.

Um gegen Oberflächenwässer abgesichert zu sein, wurde eine Schutzrohrtour von 240 mm Durchmesser bis 98 m eingestellt. Die Zwischenräume zwischen Bohrlochwand, Hilfsverrohrung und Hagustarohren wurden bis 128 m über Injektionsrohre ausbetoniert.

Der nach erfolgtem Ausbau durchgeführte Dauerpumpversuch ergab, dass 2,27 l/s (= 196 m³/d) bei Absenkung des Wasserspiegels um 100 m gefördert werden können.

 

Förderwasser

Wasser für das Friedrichsbad

Foto: Friedrichsbad (Oktober 2022)

Im Pumpbetrieb versorgen die beiden Brunnen das Friedrichsbad über eine 630 m lange Leitung seit 1969 jeden Tag mit 293m³ Thermalwasser (3,4 l/s).

Das sind jedes Jahr: 106.945 m³ oder 106,945 Millionen Liter

Alle Thermalquellen von Baden-Baden fördern täglich 1,7 t NaCl (Kochsalz) und 40kg LiCl und das seit mindestens 2.000 Jahren.

Das sind in Summe: über 1,24 Millionen t NaCl (Kochsalz).

Brunnen 1

Entnahmetiefe
bis 301,5 m
= – 101,09 m NN

Temperatur
62,4°C

Zuflussrate
1,12 l/s

Lösungsinhalt
2.792,4 mg/l
(04.06.1969)

Brunnen 2

Entnahmetiefe
bis 553 m
= – 352,59 m NN

Temperatur
55,5°C

Zuflussrate
0,87 l/s

Lösungsinhalt
3.640.4 mg/l
(04.06.1969)

Foto: Die beiden Förderbrunnen im Pflutterloch (November 2022)

Herkunft und Alter des Thermalwassers

Das Thermalwasser stammt, bei einem lokalen geothermischen Gradienten von ca. 5°C/100 m, aus Tiefen von ca. 1.200 m bis 1.500 m.

Die enthaltenen Mineralstoffe weisen auf eine Herkunft in der Füllung des Oberrheingrabens hin, wo das Tertiär W der Senke von Baden-Baden eine Mächtigkeit von ungefähr 1.200 m aufweist.

Niederschlagswasser dringt dort in den Untergrund ein, bewegt sich in der tektonisch zerlegten Randscholle nach N und vermischt sich dabei mit salinaren Lösungen aus dem Oberrheingraben, um an Störungen im Bereich des Florentinerberg artesisch bis zur Oberfläche aufzusteigen.

Über das Alter der Thermalquellen sind keine genauen Angaben möglich. Vermutlich sind sie im Spätpleistozän durch neuerliche Bewegungen an älteren Störungen entstanden.

Regionalgeologische Erkenntnisse

Die beiden Bohrungen konnten wesentlich zur Klärung über die Art des Kontaktes zwischen den Alten Schiefern (Baden-Baden-Schiefergruppe) und dem Badener Granit (Friesenberg Granit) beitragen.

Die starke Verzahnung von Granit und Schiefer ergibt einen Schuppenkontakt, was sich durchaus mit den mikroskopischen Befunden deckt.

Der Mineralbestand der Schiefer zeigt zwar, dass sie einer Metamorphose unterlegen haben, doch hat es sich hierbei um die niedertemperierten Zonen der Grünschieferfazies gehandelt, also um eine seichte Regionalmetamorphose.

Für eine Kontaktmetamorphose an einem Granit lassen sich selbst direkt am Kontakt absolut keine Kriterien feststellen.

Die Bohrprofile zeigen nicht nur die vertikale Verschuppung sondern auch die laterale tektonische Störung des Gebirges. Während in Bohrung 2 bis 358 m durchgehend Granit angetroffen wurde, setzt bei Bohrung 1 die Verschuppung bereits ab 228 m ein.

Bohrprofil Bohrung 1

bis 6,60 m
Hangschutt

bis 228,0 m
Granit

bis 241,0 m
Schiefer

bis 242,0 m
Granit

bis 249,0 m
Schiefer

bis 252,0 m
Granit

bis 256,0 m
Schiefer

bis 257,0 m
Granit

bis 301,5 m
Schiefer

Bohrprofil Bohrung 2

bis 11,0 m
Hangschutt

bis 358,0 m
Granit

bis 359,0 m
Schiefer

bis 360,0 m
Granit

bis 366,0 m
Schiefer

bis 368,0 m
Granit

bis 372,0 m
Schiefer

bis 374,0 m
Granit

bis 553,0 m
Schiefer

Sage | Römer | Römische Bäder | Geologie | Quellen | Bohrwasser | …

Weiter geht’s mit Teil 7: Thermalwasserbrunnen

Textquellen

Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden, Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse; In: Mitt. bad. Landesver. Naturkunde u. Naturschutz, N.F. 10, Seite 469-480, 1. August 1972.

 

 

Thermalquellen Baden-Baden (7): Brunnen

Thermalquellen Baden-Baden (7): Brunnen

Thermalquellen Baden-Baden

Teil 7: Thermalwasserbrunnen

Inhalt

Trinkhalle

Reiherbrunnen

Brunnengrotte Fettquelle

Wandbrunnen Büttenquelle

Dreischalenbrunnen Badischer Hof

Trinkhalle

Die Trinkhalle ist wohl eines der beeindruckendsten Gebäude in Baden-Baden.

In leicht erhöhter Lage erinnert der Bau mit seinen 16 Säulen und dem 90 m langen offenen Wandelgang an die römische Geschichte Baden-Badens.

Insgesamt 14 großformatige Wandgemälde von Jakob Götzenberger (1802 bis 1866) stellen Szenen aus der Sagenwelt des nördlichen Schwarzwalds dar und runden die imposante Erscheinung des majestätisch wirkenden Gebäudes ab.

Foto: Wandelgang Trinkhalle (Oktober 2022)

Die Trinkhalle wurde 1839 bis 1842 nach Plänen von Heinrich Hübsch, einem Schüler Friedrich Weinbrenners, für die im 19. Jahrhundert in Mode gekommenen Trinkkuren erbaut.

Der halboffene Wandelgang beeindruckt nicht durch eine zeitlos schöne und beeindruckende Architektur. Übergroße Fresken mit Szenen aus Mythen und Sagen der Region runden das gesamte Bauwerk ab.

Foto: Hinweis auf die Herkunft und Zusammensetzung des Thermalwassers am Eingang zur Trinkhalle (Oktober 2022)

Die Friedrichsquelle befindet sich am Florentinerberg hinter dem Friedrichsbad.

Die Haupt-Thermalquellen am Florentinerberg wurden im 19. Jahrhundert durch den Karlsruher Ingenieur Robert Gerwig in begehbaren Stollen gefasst. Die Stollen sammeln das gesammte Wasser der in der Stollenanlage austretenden Quellen. Es handelt sich also um ein Mischwasser verschiedener Thermalquellen.

Wegen der hohen Temperaturen und v.a. auch wegen der Arsengehalte wird, wie auch bei den anderen Thermalwasser-Trinkbrunnen in Baden-Baden, normal temperiertes Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz der Stadt Baden-Baden zugemischt.

Die Trinkbrunnen im prächtigen Innenraum der Trinkhalle werden aus der Friedrichsquelle gespeist, so die Inschrift vor dem Gebäude. Bei der Friedrichsquelle handelt es sich um eine arsenhaltige Lithium-Kochsalz-Quelle.

Fotos: Blick in die Trinkhalle (Oktober 2022)

Reiherbrunnen

Foto: Der Reiherbrunnen am heutigen Standort auf der Mittelachse der Sophienallee zwischen Sonnen- und Leopoldsplatz (März 2026)

Der Entwurf dieses Brunnens im Jugendstil geht auf den Karlsruher Bildhauer Karl Albiker (1878-1961) zurück.

Auf dem steinernen Brunnentrog thronen drei bronzene Reiher. Der mittlere Reiher hat die Flügel ausgebreitet und aus seinem Schnabel strömt das Thermalwasser.

Foto: Der Reiherbrunnen am heutigen Standort auf der Mittelachse der Sophienallee zwischen Sonnen- und Leopoldsplatz (März 2026)

In früheren Jahren war das Wasser, dass offenbar aus der Fettquelle (ca. 63°C) an der Klosterschule „Zum Heiligen Grab“ stammt, noch um 40°C warm.

Heute aber fühlt sich das Wasser nicht nur spürbar kühler an, es ist auch kühler. Der Grund ist die Novellierung der Trinkwasserverordnung im Jahr 2012. Dort wurden die Grenzwerte für Arsen verschärft.

Seither muss der Brunnen mit vorgefiltertem Wasser (mit geringerem Arsengehalt), das aus verschiedenen Thermalwasserquellen stammt, versorgt werden. Das Wasser ist seither mit ca. 28°C gefühlt nur noch „lauwarm“.

 

Von seiner Einweihung am 10. Oktober 1908 bis ins Jahr 1966 stand der Reiherbrunnen auf Höhe des Sonnenplatzes. So auch 1915 während des Ersten Weltkrieges.

Das arsenhaltige Wasser scheint sehr schmackhaft zu sein.

Foto: Der Reiherbrunnen auf Höhe des Sonnenplatzes (Historische Ansichtskarte), Sammlung Roland Seiter

Mal hier, mal dort

Nachdem er in den 1960er Jahren mehrfach von Autofahrern angefahren worden war, wurde er 1966 in eine Ladennische an der Ecke Sophienstraße-Stephanienstraße versetzt.

Anlässlich der Landesgartenschau 1981 wurde der Brunnen an einer besser einsehbaren Stelle platziert. Dort steht er noch heute:

Auf der Mittelachse der Sophienallee zwischen Sonnen- und Leopoldsplatz.

2013 rissen Unbekannte den wasserspeienden Reiher aus seiner Verankerung. Nach einer Restaurierung konnte der Vogel im April 2014 wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren.

Schaden: 10.000 Euro

Brunnengrotte Fettquelle

Foto: Brunnengrotte der Fettquelle in der Stützmauer der Dernfeldstaffeln (Oktober 2022)

Um 1870 wurde an der Ostseite des Friedrichsbades an den Dernfeldstaffeln eine künstliche Grotte mit Trinkbrunnen angelegt.

Der Brunnen wird von der Fettquelle gespeist, die sich nur wenige Meter daneben, an der Grundstücksgrenze zur Klosterschule „Zum Heiligen Grab“ befindet.

Zur Verblendung der Brunnengrotte wurden Sintersteine (grau) aus dem hier an Ort und Stelle früher vorhandenen Sinterhügel verwendet.

Bei den Steinen des hellroten Mauerwerks handelt sich um Vulkanite, die schon im 16. Jahrhundert an der Ostseite des Leisberg im Ortsteil Geroldsau abgebaut wurden und als wichtigster Baustein Baden-Badens Verwendung fanden (Leisbergporphyr).

Foto rechts: Detailansicht des Mauerwerks der Brunnengrotte aus Kalksinter (März 2026)

Foto rechts: Detailansicht des Mauerwerks der Stützmauer aus Leisbergporphyr (Oktober 2022)

Wandbrunnen Büttenquelle

Büttenstraße 8

Foto: Wandbrunnen der Büttenquelle in der Büttenstraße 8 (August 2023)

Ungefähr 100 m südwestlich vom eigentlichen Thermalareal am Westrand des Markplatzes befinden sich die als Büttenquellen altbekannten Austritte warmen Wassers.

Die Existenz der Büttenquellen (zwei Quellaustritte) ist durch eine Urkunde vom 13. Juni 1471 erstmals belegt. Der Markgraf schenkte sie der Stadt 1477. Die Quellen wurden gegenüber dem Badhaus „Baldreit“ in einem 1558 angelegten, 1894 um wenige Meter verlängerten Stollen unter dem Gebäude Büttenstraße 8 gefasst (Stollenlänge ca. 15 m).

Das Haus wurde später an einen Privatmann verkauft, der das Gebäude Anfang der 1990er Jahre abreißen ließ. 

Das Landesdenkmalamt verpflichtete den neuen Besitzer beim Wiederaufbau den Stollen der Büttenquelle zu erhalten, den Kopfstein des Stolleneingangs wiedereinzusetzen und für den zerstörten Wandbrunnen eine Rekonstruktion anfertigen zu lassen.

Der Baden-Badener Bildhauer Walter Grimm schuf nach den alten Plänen den neuen Wandbrunnen.

Dreischalenbrunnen

Badischer Hof

Foto: Dreischalenbrunnen im Badischen Hof (2018). Das Foto wurde vor dem Brand 2021 aufgenommen.

Im Jahr 1925 hatte Gustav Schnetzer, der damalige Besitzer des Badischen Hofs, die Idee, an der Einfahrt zum Kurgebiet einen mit Thermalwasser betriebenen Brunnen zu errichten, der die Bäderstadt verkörpern solle. Er beauftragte den Baden-Badener Architekten Ernst Walker mit der Planung.

Umbauarbeiten am Hotel führten im Herbst 1980 dazu, dass der Brunnen abgebaut werden musste. Der Brunnen wurde in seine Einzelteile zerlegt und von einem Kuppenheimer Steinmetz generalüberholt. Er entfernte Ablagerungen, die durch das Thermalwasser entstanden waren und besserte kleinere Beschädigungen aus. Im Juli 1981 konnte Brunnen wieder aufgebaut werden.

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