Wendelsheim: Naturlehrpfad

Wendelsheim: Naturlehrpfad

Der Naturlehrpfad Wendelsheim wurde im Jahr 2003 von einer Schülergruppe der Grundschule Wendelsheim unter der Leitung von Lehrerin Heidi Haaf und Schulleiter Michael Schneider erstellt. Im Laufe der Zeit sind die Tafeln ausgebleicht, beschädigt oder entwendet worden.

Im Jahr 2023 wurden die Tafeln neu gedruckt und wieder aufgebaut. Die Klasse 4 der Grundschule Wendelsheim hat aus diesem Anlass zu allen Tafeln kleine Podcasts in Schwäbisch und Hochdeutsch aufgenommen, die Zusatzwissen in Form kleiner lebendiger Dialoge vermitteln.

Auf der Webseite der Grundschule Wendelsheim sind alle Podcasts zu den Naturlehrpfadschildern zusammengefasst. Man kann sie gezielt starten, die zugehörige Lehrtafel anschauen und den Text mitlesen.

Auf den Tafeln selbst sind QR-Codes angebracht, über die man direkt zur passenden Hördatei kommt.

Hinweis: Die schwäbischen Podcasts sind in der folgenden Wegbeschreibung direkt verlinkt.

Grundschule Wendelsheim (Juli 2026)
Hier wurde der Naturlehrpfad konzipiert.

Alte Infotafel am Startpunkt der Tour (Juli 2026)
Parkplatz Grundschule Wendelsheim

Wegstationen
Station 1: Startschild

Dieser Lehrpfad wurde im Frühjahr 2003 während der Projektprüfung der Klasse 9 von fünf Schülern unter Mithilfe verschiedener Experten geplant und fertig gestellt.

Wir möchten mit unseren Informationstafeln die Natur rund um Wendelsheim näherbringen und auf das schützenswerte Leben im Wald, im See und in den Weinbergen aufmerksam machen.

Deshalb wünschen wir uns, dass Sie beim Rundgang die Natur achten, sich umweltbewusst verhalten, insbesondere keinen Müll zurück lassen und nichts beschädigen.

So kann der Lehrpfad lange Jahre die Wanderer erfreuen und unseren Ort bereichern.

Station 2: Sträucher am Wegrand

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Sträucher kommen in der freien Landschaft entlang von Wegen und Straßen, an Ackern und Wiesenflächen sowie im Siedlungsbereich vor. Wie kaum ein anderer Lebensraum bieten Sträucher eine Vielfalt verschiedenster Lebensbedingungen.

Funktion von Sträuchern:

  • Hecken gliedern die Landschaft
  • sie verbessern das Kleinklima (Luftreinigung)
  • sie bieten einen Sicht- und Lärmschutz
  • sie geben Tieren einen Lebensraum
  • sie erscheinen als lebende Zäune
  • Hecken mindern die Windgeschwindigkeit
  • sie speichern Feuchtigkeit (z. B. Raureif, Tau)
  • sie bieten Erosionsschutz für den Boden

Häufige Pflanzen am Wegrand:

  • Roter Hartriegel
  • Schwarzer Holunder
  • gewöhnliche Waldrebe
  • Schwarzdorn (Schlehe)
  • Eberesche (Vogelbeerbaum)
  • Hundsrose
  • Himbeere
  • Brombeere
  • Sanddorn
  • Pfaffenhütchen
  • Haselnuss
Station 3: Bäume auf dem Pfaffenberg

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Das Landschaftsschutzgebiet Pfaffenberg besteht seit 1967. Das flachgründige und wechseltrockene Waldgebiet wurzelt auf Gipskeuper und Schilfsandstein. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 7-8° und es regnet ca. 650-700mm/Jahr. Der Berg hat eine wichtige Funktion für die Kaltluftproduktion, so kann Frischluft ins Tal abfließen.

Der vorherrschende Baum war hier die Fichte, doch sorgte der Orkan Lothar für ein anderes Mischungsverhältnis, seither gibt es immer mehr Hainbuchen-Eichenwald. Häufiger findet man auch Kiefern, Tannen, Lärchen und Rotbuchen. Zu unseren einheimischen Bäumen gehören außerdem: Birke, Ahorn, Ulme, Esche, Erle und Pappel. Der wirtschaftlich wichtigste Baum ist nach wie vor die Fichte.

Station 4: Tiere rund um den See

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Auf dem Pfaffenberg findet man eine reiche Tierwelt mit einigen Besonderheiten: Im Steinbruchbereich leben Geburtshelferkröten (s. Schild Nr. 8) und in den kleinen Tümpeln findet man die ungiftigen Ringelnattern. Diese völlig ungefährlichen Schlangen sind tagaktiv und ernähren sich von Kröten, Fröschen, Molchen und Wasserinsekten. Sie beißen fast nie.

An Säugetieren findet man: Rehe, Wildschweine, Füchse, Dachse, Eichhörnchen, Siebenschläfer, Fledermäuse, Waldmäuse, Feldhasen, Kaninchen, u.a. Vögel im Wald: Buntspecht, Schwarzspecht, Kleiber, Waldkauz, Waldohreule, Eichelhäher, Wintergold-hähnchen, Meise, Zaunkönig, Baumläufer, u.a.

Und dann sind da noch unzählige Insekten, Schnecken, Frösche, Molche, Kröten, Eidechsen, usw.

Station 5: Aufgaben des Waldes

Erklärung in schwäbischer Mundart:

Schutzfunktion:

Schützt den Boden gegen Erosion, verhindert Überschwemmungen, wirkt als Wasserspeicher, spendet Trinkwasser, mildert Klimaextreme, trägt zur Luftreinigung bei.

Rohstofffunktion:

Liefert den wertvollen Rohstoff Holz. Holz wächst nach, Produktion und Verbrauch sind umweltfreundlich.

Lebensraum:

Der Wald ist Lebensraum und Zufluchtsort für viele Tiere und Pflanzen. Er ist unser ursprüng-lichster Naturraum und durch seine Vielfalt und Stabilität ein langlebiges Ökosystem.

Erholungsfunktion:

Im Wald findet man Ruhe und Erholung in gesunder Luft. Das ausgeglichene Waldklima wirkt anregend und gesundheitsfördernd auf den Körper.

Station 6: Geschichte des Steinbruchs

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Hannelore Holocher berichtet im Interview, wie ihr Vater Franz Schäfer früher im Steinbruch arbeitete. Dauer: 18 Min.

 

Die älteste Erwähnung eines Sandsteinabbaus im Steinbruch Märchensee findet sich in Stein-quadern verschiedener Mauern der Umgebung eingeritzt (1707, 1755). Erst 1826 geht der Besitz des Württembergischen Königs auf die Gemeinde Wendelsheim über.

Das wurde aus dem Wendelsheimer Schilfsandstein gebaut:

  • das Rathaus (siehe Bild auf der Tafel)
  • die Kirche
  • alle alten Häuser im Ort
  • Feldkreuze und Bildstöcke
  • die Rottenburger Eisenbahnbrücke
  • Schleifsteine
  • Grabsteine
  • der Eingangsbereich der Wilhelma

Schwierigkeiten gab es im Steinbruch mit dem Grundwasser, vor allem im südlichen Teil. So baute man später im nördlichen Teil ab. Ende der 1960er Jahre wurde der Steinbruch geschlossen.

Station 7: Steinbruch im alten Flussbett

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Der Sand für den Schilfsandstein im Steinbruch wurde vor 223 Millionen Jahren von Skandinavien in einem ca. 1500 km langen Fluss angeschwemmt. Der Fluss mündete in den Ozean Tethys, wo heute die Provence ist.

Im Winter sieht man am besten, wie das Regenwasser durch den Sandstein abfließt. An der Schichtgrenze zwischen Schilfsandstein und Gipskeuper entstehen Quellen, da das Wasser auf Gipskeuper nicht weiter versickern kann, wie z. B. der Märchensee und die kleinen Nebenseen im Steinbruch.

An der Steinbruchwand erkennen wir fein-körnige Sandsteine, die bei Hochwasserereignissen entlang eines Flusses abgelagert wurden. Die dickbankigen Sandsteine im unteren Bereich entstanden, als sich vermutlich durch eine Art Dammbruch in Minutenschnelle Schichtfluten über die umgebende Ebene ergossen.

Die unruhigen dünneren Sandsteinbänke darüber entstanden in kleinen Rinnen, welche auf eine Verlagerung des Hauptflusses hindeuten. Die Tonsteinlagen bilden die Schichtfugen. Die grünen Flecke sind auf dem Stein angesiedelte Moose.

Station 8: Die Geburtshelferkröte

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Die Geburtshelferkröte kommt in Württemberg nur im Steinbruch am Märchensee vor. Hier gibt es geeignete Laichgewässer und eine spalten- und unterschlupfreiche Gesteinshalde, die sich im Sommer erwärmt. Die Tiere lieben die Wärme und verbringen die meiste Zeit ihres Lebens an Land.

Nachts lassen die Männchen ihren glockenartigen Ruf ertönen, der im Volksmund auch „Feenglöckchen“ genannt wird und die Weibchen anlocken soll. Die Paarung erfolgt an Land, nicht wie üblich im Wasser. Nach der Eiablage nimmt das Männchen dem Weibchen die Eischnüre ab und wickelt sie sich um den Hinterleib. Dort bleiben sie bis zur Schlupfreife. Danach entlässt das Männchen die Quappen ins Wasser.

Station 9: Märchensee

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Der Märchensee befindet sich als idyllisch gelegener Waldsee mitten auf dem Pfaffenberg. Er liegt im ehemaligen Steinbruchgelände und hat sich erst im 19. Jh. durch Grundwasserstau über Nacht gebildet.

Tiere, die man im See finden kann:

  • Schlammschnecken
  • Tellerschnecken
  • Wasserskorpione
  • Rückenschwimmer
  • Gelbrandkäfer + Larve
  • Großlibellenlarven
  • Kleinlibellenlarven
  • Wasserasseln
  • Wasserläufer
  • Teichläufer
  • Köcherfliegen
  • Eintagsfliegen
  • Stechmückenlarven
  • Taumelkäfer
  • Wasserflöhe
  • Hüpferlinge
  • Wassermilben
  • Strudelwürmer
  • Rollegel
  • Bergmolche
  • Teichmolche

Tübinger Professoren und Studenten gaben ihm 1920 den Namen Märchensee. Er hat heute ca. 25 ar Wasserfläche und ist im Sommer mit Wasserlinsen bedeckt, die Molchen und Wasserschnecken Nahrung bieten. Gefährdet ist der See vor allem durch übermäßige und rücksichtslose Freizeitnutzung.

Station 10: Landwirtschaft

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Auf den umliegenden Feldern von Wendelsheim bauen ca. sieben Bauern Feldfrüchte an. Es wird sowohl ökologischer als auch konventioneller Anbau betrieben.

Ökologischer Anbau:

  • Stickstoffdüngung durch den Anbau von Leguminosen (z. B. Klee, Luzerne, …)
  • Unkrautbekämpfung durch
  • Fruchtfolgegestaltung und gezielte Bodenbearbeitung
  • Saatgut nicht chemisch gebeizt

Konventioneller Anbau:

  • Stickstoffdüngung mit chemisch synthetisiertem Stickstoff
  • Unkrautbekämpfung durch Herbizide
  • zunehmender Verzicht auf Bodenbearbeitung
  • Saatgut chemisch geschützt

Angebaut wird:

  • Getreide: Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Mais
  • Ölfrüchte: Sonnenblumen, Raps, Lein (siehe blaue Blüte oben)
  • Sonstiges: Klee, Ackerbohnen, Erbsen, Kartoffeln, Senf
Station 11: Kanal und Reutegraben

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Kaum war der neugekaufte Steinbruch im Jahre 1826 von der Gemeinde in Be-trieb genommen, spielte er den Wendelsheimern seinen größten Streich. Als die Steinhauer nach einer Gewitternacht morgens an ihren Arbeitsplatz kamen, war überall Wasser ein einziger See! Mit Mühe fanden sie ihr Handwerkszeug unter Wasser wieder.

Leider verschwand der 3 Meter tiefe See nicht mehr und so beschloss man im Jahre 1836 für 900 Gulden einen 6 Meter tiefen Kanal zu graben, der über den Reutegraben bis zum Gairenbühl das Wasser ableiten sollte. Doch was man auch unternahm, das Wasser blieb. Als man um die Jahrhundertwende den heutigen Steinbruch erschloss, gab man den alten schließlich auf. Diesem Entschluss verdankt der Märchensee seine heutige romantische Schönheit.

Station 12: Weinbau am Pfaffenberg

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Heinrich Höschle im Interview, wie er früher in seinem Weinberg gearbeitet hat. Dauer: 10 Min.

 

Typisch für Wendelsheim ist der kleinparzellierte Eigenbedarfsweinbau. Er ist seit dem 13. Jh. bekannt. Durch die Trockensteinmauern ist ein Maschineneinsatz bei der Pflanzung und Ernte nicht möglich. Die einheimischen Familien übernehmen Anbau und Pflege ihres „Wengerts“. Viele Wengerter laden im Frühsommer zur Weinprobe im Weinberg ein. Beim jährlichen Weinbergfest gibt es zum Wein auch heimische Spezialitäten.

Gut geeignet sind folgende Sorten:

Rote Trauben:

  • Schwarzriesling
  • Portugieser
  • Spätburgunder
  • Trollinger
  • Lemberger
  • Dornfelder

Weiße Trauben:

  • Kerner
  • Riesling
  • Müller-Thurgau

Tätigkeiten im Jahr:

  • zurückschneiden
  • düngen
  • anbinden
  • Boden lockern
  • Triebe kürzen
  • ausgeizen
  • spritzen
  • ernten
Station 13: Trockensteinmauern - Bau

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Die Trockensteinmauern wurden schon vor Jahrhunderten (1273) hier in Wendelsheim angelegt und dienten als Stützmauern zur Terrassierung der steilen Hänge des Pfaffenberges. Diese Befestigungen des Hanges waren eine Voraus-setzung für die Bewirtschaftbarkeit im Weinbau.

Durch das trockene Aufsetzen (d.h. ohne Mörtelverfugung) von behauenen und unbehauenen Natursteinen entstanden im Laufe der Zeit wertvolle Biotope, die nun vielen Tieren und Pflanzen besondere Lebensräume bieten.

Station 14: Pflanzen im Mauerbereich

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Die Trockensteinmauern weisen eine an die Trockenheit und Wärme angepasste Flora auf. Wenn die Mauern ausgefugt wären, könnten nicht so viele Pflanzen dort wurzeln und dann gäbe es auch weniger Tiere.

Charakteristische Pflanzen im Mauerbereich:

  • Mauerraute (Aspenium ruta-muraria)
  • Zimbelkraut (Cymbalaria muralis)
  • Wilder Majoran (Origanum vulgare)
  • Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
  • Kleiner Storchschnabel (Geranium pusillum)
  • Frühlingsfingerkraut (Potentilla tabernaemontani
  • Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)
  • Große Fetthenne (Sedum telephium)
  • Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus)
  • Mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis)
  • Natternkopf (Echium vulgare)
  • Steinkleearten (Melilotus alba und officinalis)

und andere

Im Mauerkronenbereich findet man auch:

  • Weinbergslauch (Allium vineale)
  • Traubenhyazinthe (Muscari racemosum)
  • Dolden-Milchstern (Ornithogalum umbellatum)
  • Acker-Gelbstern (Gagea villosa)
  • Wild Tulpe (Tulipa sylvestris)
Station 15: Tiere im Mauerbereich

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

In Trockenmauern gibt es zahlreiche Ritzen, Spalten und Höhlungen, in denen vielfältige Lebensräume für Tiere vorhanden sind.

So bieten die bodengefüllten Mauerspalten in sonnigen Lagen:

  • Nistmöglichkeiten für wärmeliebende Insekten (Wildbienen, Ameisen, Grab- und Töpferwespen)
  • in höheren Mauern Brutplätze für Vögel (Steinschmätzer, Hausrotschwanz)
  • Lebensräume für Reptilien (Mauereidechse, Zauneidechse, Blindschleiche, Schlingnatter)
  • Nahrung für Vögel (Wendehals, Neuntöter)
  • Verstecke für Amphibien (Erdkröten).
Station 16: Streuobstwiesen

Erklärung in schwäbischer Mundart:

 

Durch den stockwerkartigen Aufbau bietet der hochstämmige Obstbaum für viele Tiere geeignete Lebensräume.

Viele Vogelarten brauchen die großen Baum-kronen als Brutplatz und als Ansitz bei ihrer Jagd auf Wirbeltiere und Insekten. Stein-marder, Siebenschläfer und Eichhörnchen jagen in ihrem Geäst. Die Blüten und Blätter sind wichtig für viele Insekten. Die Blätter dienen als Nahrungs- und Wohnort, die Blüten liefern Pollen und Nektar für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Auf dem Stamm leben Käfer, Wespen und Spinnen, die wiederum baumlaufenden Vögeln wie Kleiber und Meisen als Nahrung dienen. In Baumhöhlen nisten Spechte. Verlassene Baumhöhlen werden von Fledermäusen als Quartier genutzt. Im Wurzelbereich leben Kleinsäu-ger wie Spitz- und Feldmäuse und ebenfalls auch Igel. Die Früchte schmecken nicht nur den Menschen.

Auf Exkursion im Wendelsheimer Steinbruch (Juli 2026): Abbauwand im Schilfsandstein.

Auf Exkursion im Wendelsheimer Steinbruch (Juli 2026). Der Märchensee.

Wendelsheimer Schilfsandstein

Im etwa 2 km² großen Waldgebiet Pfaffenberg–Tannenrain zwischen Rottenburg-Wurmlingen und Rottenburg‑Oberndorf erstreckt sich ein Schilfsandsteinplateau, in dem ein ausgedehnter Steinbruch (RG 7419‑120) im gelblich grauen, bankigen Schilfsandstein angelegt wurde (Mittelkeuper, Stuttgart-Formation).

Es handelt sich um einen Zeugenberg, also einen Erosionsrest, der sich über die Gipskeuperlandschaft erhebt. Weitere, kleinere Schilfsandsteinbrüche liegen noch ganz in der Nähe bei Entringen und Oberndorf an der Westkante des südlichen Schönbuchgebiets und somit im Anstieg der Keuperberglandschaft. Umgeben werden die Erosionsreste aus Schilfsandstein von der flach welligen Gipskeuperlandschaft (Grabfeld-Formation), deren Sulfatgesteinsvorkommen vor allem bei Wurmlingen und Altingen nahe Herrenberg genutzt wurden bzw. z. T. noch werden.

Weiter westlich und südwestlich schließen sich die ausgedehnten Hauptmuschelkalkvorkommen an (Oberer Muschelkalk), die bei Nagold und Frommenhausen abgebaut werden (LGRB, 2006a); für den Mauerbau und die Erzeugung von Branntkalk stehen diese seit langem in Nutzung.

Gesteinsbeschreibung

Beim Wendelsheimer Sandstein handelt es sich um einen hellgrauen, graugrünen bis beigebraunen, glimmerführenden Feinsandstein mit toniger Matrix. Die Korngrößen liegen zwischen 0,02 und 0,1 mm. Feinverteilte kohlige Pflanzenreste und Hellglimmer sind auf den Schichtflächen nicht selten. Die Bankmächtigkeiten variieren meist zwischen 0,1 und 0,5 m, selten erreichen sie 2 m.

Die am Rand der alten Brüche verbliebenen dünnbankigen Sandsteine deuten Beutler et al. (1999) als Ablagerungen der Uferbänke randlich der Hauptflussrinne.

Technische Eigenschaften

Prüfwerte liegen zum Wendelsheimer Sandstein nur wenige vor. Frank (1944) berichtet, dass die Druckfestigkeit des Feinsandsteins zwischen 478 und 603 kg/cm² liegt (entspricht 46,9–59,15 MPa), der Mittelwert beträgt 553 kg/cm² (entspricht 54,2 MPa). Nach Frank eignet sich der Wendelsheimer Sandstein besonders zur Herstellung von Schleifsteinen. A. Schreiner (LGRB-Archiv) betont, dass die Werksteinbänke leicht spaltbar sind und sowohl feste als auch mäßig feste Qualitäten nebeneinander zu finden sind.

Gewinnung und Verwendung

Der bei Rottenburg a. N. auftretende Schilfsandstein wurde vor allem im Steinbruch am Pfaffenberg nördlich von Wendelsheim (RG 7419‑120) gewonnen.

Viele Gebäude im Umfeld von Rottenburg, Tübingen und Reutlingen bezogen ihr Baumaterial von hier. Die Hauptabbauperiode lag zwischen dem Beginn des 18. Jahrhunderts und den 1960er Jahren (Reyer, 1927; Jacobsen, 1994).

Wegen der plattigen bis dünnbankigen ­Absonderung des Wendelsheimer Schilfsandsteins wurde dieser vor allem für Mauersteine, Treppen, Fenster- und Tür­­umfassungen sowie Bodenplatten verwendet. Ein schönes Verwendungsbeispiel ist das Rathaus in Wendelsheim.

Nach Reyer (1927) wurden die Sandsteine auch als Schleifsteine an die Sensenfabriken und Messerschmieden des Schwarzwalds verkauft. Die größten Schleifsteine hatten dabei einen Durchmesser von 2,80 m und eine Dicke von 30 cm. Dünnere Platten des Sandsteins wurden z. B. für Scheunen verwendet. A. Schreiner (LGRB-Archiv) berichtet, dass bei seiner Aufnahme im Jahr 1951 in diesem gemeindeeigenen Bruch am Pfaffenberg 10 Steinhauer tätig waren, die für verschiedene Maurerfirmen der Umgebung Steine für Haus- und Gartenmauern, für Keller und Sockel sowie für Fensterbänke und Verblendungen herstellten, bisweilen wurden auch Grabsteine sowie Schleif- und Wetzsteine erzeugt.

Weitere alte Steinbrüche, in denen ehemals Schilf­sandstein gewonnen wurde, liegen 0,5 km südlich von Oberndorf (RG 7419‑121; Erzeugung von Werksteinen und Platten, nutzbare Mächtigkeit 4 m), bei Entringen an der Schwarzenburg (RG 7419‑118, Mächtigkeit 2–3 m, Steine für Weinbergsmauern) und bei Breitenholz (RG 7419‑130, Stbr. zur ehem. Burg Muneck, 2–4 m rote Sandsteine) (Beschreibung s. LGRB, 2006a).

© Regierungspräsidium Freiburg, Abteilung 9 LGRB — Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Wendelsheimer Schilfsandstein

Beschreibung LGRB

Herrischried: Entlang der Hochsaler Wuhr bis zum Hochrhein

Wanderung entlang der Hochsaler Wuhr von Herrischried bis zum Hochrrhein in Laufenburg.

Der Streckenverlauf wurde auf Grundlage der in der OSM-Karte dargestellten Wege so konstruiert, dass die Strecke möglichst nahe an der Wuhr verläuft. Abweichungen des tatsächlichen Streckenverlaufs sind also möglich. Erkennbar private Grundstücke bitte umgehen.

Die Wuhren
Lebensadern des Hotzenwaldes

Zum Bild der Kulturlandschaft des Hotzenwaldes gehören die Wuhren oder Wühren, die kilometerweit an den Hängen entlang führen. Das Wuhr oder die Wuhre (bzw. Wühre) ist ein künstlich angelegter Wasserlauf. Dieser Ausdruck leitet sich aus dem mittelhochdeutschen wuor, wuore her und bedeutet einen Damm zum Abhalten oder Ableiten des Wassers. Sie sind 0,3 bis 1,0 m breit und 0,2 bis 0,5 m tief und verlaufen mit 1 – 2% Gefälle und bringen das Wasser auch über Wasserscheiden hinweg. Bei ihrer Entstehung wurden sie als Wasserkraft für die Triebwerke im Tal, in späteren Zeiten aber auch zum Wiesenwässern benutzt.

Im Gemeindegebiet von Rickenbach befinden sich die drei größten Hotzenwälder Wuhre.

Entstehung

Sicher ist die Annahme, dass der Bau dieser künstlich angelegten Wasserläufe nur von einer starken Hand oder durch einen herrschaftlichen Erlass angeordnet wurde. Wir wissen von dem Säckinger Historiker Dr. Fridolin Jehle, dass das Kloster in Säckingen als Königskloster die „blühendste Entfaltung in seiner Geschichte“ schon im 10. Jahrhundert erreicht hatte. Es diente den deutschen Königen als Königspfalz. Mit seinem großen Besitz bis weit in die Schweiz hinein konnte das Stift Säckingen die Ansprüche königlicher Hofhaltung zufrieden stellen. Um die Mühlen für das Säckinger Versorgungszentrum zu betreiben, wurde das Wasser des Heidenwuhrs zum Antrieb benötigt.

Die Laufenburger Urkunde vom 4. September 1207 enthält einen Schiedsspruch zwischen dem Grafen von Habsburg und dem Stift Säckingen. Die Grafen besaßen die Waldungen um Laufenburg als Lehen und hatten zu viel Holz an die Eisenschmelzöfen und Hammerwerke abgegeben. Dies wurde in dem Schiedsspruch untersagt.

Wir dürfen also annehmen, dass die Wuhren des Hotzenwaldes und die Eisenschmelzen im Tal in der Zeit um 1000 bis 1100 geschaffen wurden. Diese Wuhren beziehen ihr Wasser aus einem Gebiet, in dem die Klein-Maier des Stiftes Säckingen das Sagen hatten. Diese könnten hinter dem Bau dieser Wuhren gestanden haben.

Die große Zeit der Säckinger Reichsabtei klang aus mit dem letzten uns bekannten Hoftag in Säckingen im Jahre 1173. Damals verlieh Kaiser Friedrich Barbarossa die Schutzvogtei über das Kloster Säckingen an Albrecht von Habsburg. Als Vögte besaßen die Habsburger die militärische und hochgerichtliche Gewalt im Klostergebiet. Mit dieser Position bauten sie zielstrebig ihre Territorialhoheit zu Lasten des Klosters aus. Säckingen und Laufenburg, auf Klostergebiet entstanden, wurden habsburgische Landesstädte. Aus dem Säckinger Siedlungsraum auf dem Hotzenwald hatte sich die Grafschaft Hauenstein unter Vorderösterreichischer Herrschaft gebildet, so dass hier ein großes Territorium unter einer Herrschaft stand, die ein solches Vorhaben durchsetzen konnte.

Aufbau

Als erstes nach dem Einstieg zum Heidenwuhr sehen Sie die Stellfalle. Mit dieser wird der Wasserzulauf in das Heidenwuhr geregelt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr. Insbesondere bei Hochwasser kann hier der Zulauf dezimiert werden. Es muss aber immer eine Mindestwasserführung gewährleistet werden, damit die Fische und andere Lebewesen nicht zugrunde gehen. Das Überwasser wird über das Streichwehr in den Seelbach abgeleitet.

Neben der gewerblichen Nutzung war die landwirtschaftliche Nutzung zur Wiesenwässerung von großer Bedeutung. Am Heidenwuhr ist noch ein steinernes Auswuhr erhalten, das in früheren Zeiten der Wiesenbewässerung diente. Es gab genaue Anordnungen, wie ein solches Auslaufbauwerk beschaffen sein musste und welche Materialen verwendet werden durften. Klar zu erkennen sind in den Bodensteinen die beiden Falze für das Schlussbrett. Alle übrigen Auswuhre und Stellfallen wurden im Lauf der Jahre von der Bachgenossenschaft beseitigt, wenn die Wässerungsrechte zurückgekauft waren.

Um die Wässerungsrechte gab es immer wieder Streitigkeiten, die von der Obrigkeit, also dem Waldvogt oder später durch das Großherzogliche Bezirksamt in sog. Schiedsbriefen beigelegt werden mussten. Der älteste bekannte Schiedsbrief stammt von 1457 bzw. dessen Abschrift von 1591. Darin wurden Regelungen getroffen für die Ausleitung des Wassers und zur Unterhaltung des Wuhres. Zur Überwachung wurde ein sog. „Geschworener Knecht“ bestellt.

Von Hütten her kommen starke Zuflüsse in das Wuhr. Insbesondere nach Starkregen oder Schneeabgang führt dies zu Hochwasser im Wuhr. Dies kann zu einer Gefahr für die unterhalb liegenden Grundstücke und Gebäude im Ortsteil Willaringen führen. Um dem vorzubeugen wurde Ende der 1990er Jahre ein Notüberlauf gebaut, der das Wasser in die unterhalb liegende Felsenhalde abschlägt, welche das ursprüngliche Gewässerbett war.

Unterhalt

Der Unterhalt der Wuhren ist seit Jahrhunderten sehr aufwendig und liegt in der Verantwortung des Wühreaufseher. Seine wichtigste Aufgabe war schon immer, das Wasser im Wuhr zu halten. Dies geschah in früheren Zeiten durch die Überwachung der Wässerungszeiten sowie bis heute durch das Abdichten des Dammes. Nach starken Regenfällen muss der Wuhraufseher das Wuhr auf Steine und Äste kontrollieren und diese entfernen, damit sich das Wasser nicht aufstauen und den talseitigen Damm überspülen kann. Im Herbst werden deshalb Böschungen gemäht, weil in das Wasser hängende Grasbüschel, Äste oder Zweige sehr schnell vereisen und so das Wuhr zufrieren kann. Auch im Winter, vor allem nach starken Schneefällen, muss das Wuhr kontrolliert werden, damit keine Schneeverwehungen das Wuhr aufstauen und dadurch das Wasser unkontrolliert seinen Weg über die Böschung ins Tal findet und unter Umständen großen Schaden anrichtet.

Durch Niederschläge und sonstige Einträge werden Sand, Erde und Laub in das Wuhr gespült. Deshalb muss der Sandfang regelmäßig geleert werden. Die beckenartige Erweiterung des Wuhres, die im hinteren Teil bis zu 2m tief ist, dient der Verringerung der Fließgeschwindigkeit. Es entsteht eine drehende Bewegung des Wassers. Feststoffpartikel, die schwerer sind als Wasser, setzen sich ab. Durch regelmäßige Entnahme des Sediments wird das einfache System aufrechterhalten.
Hochsaler Wuhr

Das Hochsaler Wuhr ist urkundlich bereits 1453 erwähnt, es ist 19 km lang, mit den Seitenwuhren sogar 27 km. Es wird zwischen Herrischried und Segeten aus der Murg abgeleitet. Unterhalb der Hetzlenmühle verläuft die Wühre dann an Hogschür und am Hang der Hohneck vorbei, überschreitet in 790 m Höhe westlich von Oberwihl die Wasserscheide zwischen der Murg und dem Andelsbach. Bei Rotzel verzweigt es sich in zwei Arme: die Rotzler- und die Hochsaler Wühre, an den früher mehrere Eisenhammerwerke und Mühlen lagen. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein.

Hännemer Wuhr

Das Hännemer Wuhr – oder Hänner Wuhr – wird erstmals 1477 erwähnt, es ist 11,5 km lang und wird nördlich Hottingen in ca. 720 m Höhe aus der Hauensteiner Murg abgeleitet. Das Wuhr durchquert die Gemarkungen Hottingen und Hänner, vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach, berührt die Gemarkung Binzgen und mündet bei Laufenburg in den Rhein. Ab der Grenze zwischen Oberhof und Niederhof wird von dem Hauptwuhr ein weiteres Wuhr, der Schreiebach, abgeleitet. Er fließt durch die Gemarkungen Niederhof und Rhina dem Hochrhein zu.

Heidenwuhr

Das Heidenwuhr erfuhr seine erste schriftliche Erwähnung 1457. Im Bereich des Hornberges entspringen in ca. 955 m Höhe einige kleine Bäche, die sich bei Atdorf zum Schneckenbach vereinen und südwärts an Strick vorbeifließen. Oberhalb des Dammes der Kreisstraße K 6538 bei der Abzweigung nach Glashütten wird der Bach aus seinem natürlichen Bett in ein künstliches Ableitungsbauwerk geleitet. Unterhalb der Kreisstraße beginnt dann in ca. 790 m Höhe das künstliche Bachbett. Dort steht ein Pegelhaus zur Abflussmessung des Schneckenbaches (zurzeit außer Betrieb). Danach wird an einer Stellfalle der Wasserzufluss in das Heidenwuhr begrenzt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr, der Rest fließt über ein Streichwehr dem Seelbach zu, an Rickenbach und Willaringen vorbei, um dann bei Wickartsmühle über den Strahlbrusch (Wasserfall) in die Hauensteiner Murg zu gelangen

Das ca. 14 km lange Heidenwuhr überwindet zwischen Jungholz und Kühmoos die Wasserscheide zur Murg und fließt nunmehr dem Hochrhein zu. Es trägt nur in seinem Oberlauf bis zur Egger Säge diesen Namen. Von dort bis zur Einmündung in den Bergsee heißt der Wasserlauf „Schöpfebach“. Er fließt in einem natürlichen Bett, teilweise unter einer großen zusammenhängenden Blockhalde, den sogenannten “Wollsäcken“. Vom Ausfluss aus dem Bergsee bezeichnet man den renaturierten Unterlauf bis in die Stadtmitte von Bad Säckingen als „Gewerbebach“, der südlichste Abschnitt fließt als „Gießen“ in den Hochrhein.

Zum Wassersystem des Heidenwuhrs gehört auch der auf Bad Säckinger Gemarkung gelegene Bergsee. Er entstand erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Initiative der Bachgenossen. Im Bereich des Wildgeheges wurde 1802/03 durch den Scheffelfelsen ein Durchstich geschaffen um das Wasser in den Bergsee zu leiten, der bisher als Fischweiher gedient hatte. Er wurde so in einen ‚Wassersammler‘ umgewandelt. Um das Fassungsvermögen zu erhöhen, wurde mehrmals das Stauvolumen erhöht. Er ist heute 450m lang, 325m breit und bis zu 12m tief.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Wuhrenwanderung

Keine Infomaterialien vorhanden.

Laufenburg: Entlang der Rotzeler Wuhr bis zum Hochrhein

Wanderung entlang der Rotzeler Wuhr von Laufenburg-Rotzel bis zum Hochrrhein in Laufenburg.

Der Streckenverlauf wurde auf Grundlage der in der OSM-Karte dargestellten Wege so konstruiert, dass die Strecke möglichst nahe an der Wuhr verläuft. Abweichungen des tatsächlichen Streckenverlaufs sind also möglich. Erkennbar private Grundstücke bitte umgehen.

Die Wuhren
Lebensadern des Hotzenwaldes

Zum Bild der Kulturlandschaft des Hotzenwaldes gehören die Wuhren oder Wühren, die kilometerweit an den Hängen entlang führen. Das Wuhr oder die Wuhre (bzw. Wühre) ist ein künstlich angelegter Wasserlauf. Dieser Ausdruck leitet sich aus dem mittelhochdeutschen wuor, wuore her und bedeutet einen Damm zum Abhalten oder Ableiten des Wassers. Sie sind 0,3 bis 1,0 m breit und 0,2 bis 0,5 m tief und verlaufen mit 1 – 2% Gefälle und bringen das Wasser auch über Wasserscheiden hinweg. Bei ihrer Entstehung wurden sie als Wasserkraft für die Triebwerke im Tal, in späteren Zeiten aber auch zum Wiesenwässern benutzt.

Im Gemeindegebiet von Rickenbach befinden sich die drei größten Hotzenwälder Wuhre.

Entstehung

Sicher ist die Annahme, dass der Bau dieser künstlich angelegten Wasserläufe nur von einer starken Hand oder durch einen herrschaftlichen Erlass angeordnet wurde. Wir wissen von dem Säckinger Historiker Dr. Fridolin Jehle, dass das Kloster in Säckingen als Königskloster die „blühendste Entfaltung in seiner Geschichte“ schon im 10. Jahrhundert erreicht hatte. Es diente den deutschen Königen als Königspfalz. Mit seinem großen Besitz bis weit in die Schweiz hinein konnte das Stift Säckingen die Ansprüche königlicher Hofhaltung zufrieden stellen. Um die Mühlen für das Säckinger Versorgungszentrum zu betreiben, wurde das Wasser des Heidenwuhrs zum Antrieb benötigt.

Die Laufenburger Urkunde vom 4. September 1207 enthält einen Schiedsspruch zwischen dem Grafen von Habsburg und dem Stift Säckingen. Die Grafen besaßen die Waldungen um Laufenburg als Lehen und hatten zu viel Holz an die Eisenschmelzöfen und Hammerwerke abgegeben. Dies wurde in dem Schiedsspruch untersagt.

Wir dürfen also annehmen, dass die Wuhren des Hotzenwaldes und die Eisenschmelzen im Tal in der Zeit um 1000 bis 1100 geschaffen wurden. Diese Wuhren beziehen ihr Wasser aus einem Gebiet, in dem die Klein-Maier des Stiftes Säckingen das Sagen hatten. Diese könnten hinter dem Bau dieser Wuhren gestanden haben.

Die große Zeit der Säckinger Reichsabtei klang aus mit dem letzten uns bekannten Hoftag in Säckingen im Jahre 1173. Damals verlieh Kaiser Friedrich Barbarossa die Schutzvogtei über das Kloster Säckingen an Albrecht von Habsburg. Als Vögte besaßen die Habsburger die militärische und hochgerichtliche Gewalt im Klostergebiet. Mit dieser Position bauten sie zielstrebig ihre Territorialhoheit zu Lasten des Klosters aus. Säckingen und Laufenburg, auf Klostergebiet entstanden, wurden habsburgische Landesstädte. Aus dem Säckinger Siedlungsraum auf dem Hotzenwald hatte sich die Grafschaft Hauenstein unter Vorderösterreichischer Herrschaft gebildet, so dass hier ein großes Territorium unter einer Herrschaft stand, die ein solches Vorhaben durchsetzen konnte.

Aufbau

Als erstes nach dem Einstieg zum Heidenwuhr sehen Sie die Stellfalle. Mit dieser wird der Wasserzulauf in das Heidenwuhr geregelt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr. Insbesondere bei Hochwasser kann hier der Zulauf dezimiert werden. Es muss aber immer eine Mindestwasserführung gewährleistet werden, damit die Fische und andere Lebewesen nicht zugrunde gehen. Das Überwasser wird über das Streichwehr in den Seelbach abgeleitet.

Neben der gewerblichen Nutzung war die landwirtschaftliche Nutzung zur Wiesenwässerung von großer Bedeutung. Am Heidenwuhr ist noch ein steinernes Auswuhr erhalten, das in früheren Zeiten der Wiesenbewässerung diente. Es gab genaue Anordnungen, wie ein solches Auslaufbauwerk beschaffen sein musste und welche Materialen verwendet werden durften. Klar zu erkennen sind in den Bodensteinen die beiden Falze für das Schlussbrett. Alle übrigen Auswuhre und Stellfallen wurden im Lauf der Jahre von der Bachgenossenschaft beseitigt, wenn die Wässerungsrechte zurückgekauft waren.

Um die Wässerungsrechte gab es immer wieder Streitigkeiten, die von der Obrigkeit, also dem Waldvogt oder später durch das Großherzogliche Bezirksamt in sog. Schiedsbriefen beigelegt werden mussten. Der älteste bekannte Schiedsbrief stammt von 1457 bzw. dessen Abschrift von 1591. Darin wurden Regelungen getroffen für die Ausleitung des Wassers und zur Unterhaltung des Wuhres. Zur Überwachung wurde ein sog. „Geschworener Knecht“ bestellt.

Von Hütten her kommen starke Zuflüsse in das Wuhr. Insbesondere nach Starkregen oder Schneeabgang führt dies zu Hochwasser im Wuhr. Dies kann zu einer Gefahr für die unterhalb liegenden Grundstücke und Gebäude im Ortsteil Willaringen führen. Um dem vorzubeugen wurde Ende der 1990er Jahre ein Notüberlauf gebaut, der das Wasser in die unterhalb liegende Felsenhalde abschlägt, welche das ursprüngliche Gewässerbett war.

Unterhalt

Der Unterhalt der Wuhren ist seit Jahrhunderten sehr aufwendig und liegt in der Verantwortung des Wühreaufseher. Seine wichtigste Aufgabe war schon immer, das Wasser im Wuhr zu halten. Dies geschah in früheren Zeiten durch die Überwachung der Wässerungszeiten sowie bis heute durch das Abdichten des Dammes. Nach starken Regenfällen muss der Wuhraufseher das Wuhr auf Steine und Äste kontrollieren und diese entfernen, damit sich das Wasser nicht aufstauen und den talseitigen Damm überspülen kann. Im Herbst werden deshalb Böschungen gemäht, weil in das Wasser hängende Grasbüschel, Äste oder Zweige sehr schnell vereisen und so das Wuhr zufrieren kann. Auch im Winter, vor allem nach starken Schneefällen, muss das Wuhr kontrolliert werden, damit keine Schneeverwehungen das Wuhr aufstauen und dadurch das Wasser unkontrolliert seinen Weg über die Böschung ins Tal findet und unter Umständen großen Schaden anrichtet.

Durch Niederschläge und sonstige Einträge werden Sand, Erde und Laub in das Wuhr gespült. Deshalb muss der Sandfang regelmäßig geleert werden. Die beckenartige Erweiterung des Wuhres, die im hinteren Teil bis zu 2m tief ist, dient der Verringerung der Fließgeschwindigkeit. Es entsteht eine drehende Bewegung des Wassers. Feststoffpartikel, die schwerer sind als Wasser, setzen sich ab. Durch regelmäßige Entnahme des Sediments wird das einfache System aufrechterhalten.
Hochsaler Wuhr

Das Hochsaler Wuhr ist urkundlich bereits 1453 erwähnt, es ist 19 km lang, mit den Seitenwuhren sogar 27 km. Es wird zwischen Herrischried und Segeten aus der Murg abgeleitet. Unterhalb der Hetzlenmühle verläuft die Wühre dann an Hogschür und am Hang der Hohneck vorbei, überschreitet in 790 m Höhe westlich von Oberwihl die Wasserscheide zwischen der Murg und dem Andelsbach. Bei Rotzel verzweigt es sich in zwei Arme: die Rotzler- und die Hochsaler Wühre, an den früher mehrere Eisenhammerwerke und Mühlen lagen. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein.

Hännemer Wuhr

Das Hännemer Wuhr – oder Hänner Wuhr – wird erstmals 1477 erwähnt, es ist 11,5 km lang und wird nördlich Hottingen in ca. 720 m Höhe aus der Hauensteiner Murg abgeleitet. Das Wuhr durchquert die Gemarkungen Hottingen und Hänner, vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach, berührt die Gemarkung Binzgen und mündet bei Laufenburg in den Rhein. Ab der Grenze zwischen Oberhof und Niederhof wird von dem Hauptwuhr ein weiteres Wuhr, der Schreiebach, abgeleitet. Er fließt durch die Gemarkungen Niederhof und Rhina dem Hochrhein zu.

Heidenwuhr

Das Heidenwuhr erfuhr seine erste schriftliche Erwähnung 1457. Im Bereich des Hornberges entspringen in ca. 955 m Höhe einige kleine Bäche, die sich bei Atdorf zum Schneckenbach vereinen und südwärts an Strick vorbeifließen. Oberhalb des Dammes der Kreisstraße K 6538 bei der Abzweigung nach Glashütten wird der Bach aus seinem natürlichen Bett in ein künstliches Ableitungsbauwerk geleitet. Unterhalb der Kreisstraße beginnt dann in ca. 790 m Höhe das künstliche Bachbett. Dort steht ein Pegelhaus zur Abflussmessung des Schneckenbaches (zurzeit außer Betrieb). Danach wird an einer Stellfalle der Wasserzufluss in das Heidenwuhr begrenzt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr, der Rest fließt über ein Streichwehr dem Seelbach zu, an Rickenbach und Willaringen vorbei, um dann bei Wickartsmühle über den Strahlbrusch (Wasserfall) in die Hauensteiner Murg zu gelangen

Das ca. 14 km lange Heidenwuhr überwindet zwischen Jungholz und Kühmoos die Wasserscheide zur Murg und fließt nunmehr dem Hochrhein zu. Es trägt nur in seinem Oberlauf bis zur Egger Säge diesen Namen. Von dort bis zur Einmündung in den Bergsee heißt der Wasserlauf „Schöpfebach“. Er fließt in einem natürlichen Bett, teilweise unter einer großen zusammenhängenden Blockhalde, den sogenannten “Wollsäcken“. Vom Ausfluss aus dem Bergsee bezeichnet man den renaturierten Unterlauf bis in die Stadtmitte von Bad Säckingen als „Gewerbebach“, der südlichste Abschnitt fließt als „Gießen“ in den Hochrhein.

Zum Wassersystem des Heidenwuhrs gehört auch der auf Bad Säckinger Gemarkung gelegene Bergsee. Er entstand erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Initiative der Bachgenossen. Im Bereich des Wildgeheges wurde 1802/03 durch den Scheffelfelsen ein Durchstich geschaffen um das Wasser in den Bergsee zu leiten, der bisher als Fischweiher gedient hatte. Er wurde so in einen ‚Wassersammler‘ umgewandelt. Um das Fassungsvermögen zu erhöhen, wurde mehrmals das Stauvolumen erhöht. Er ist heute 450m lang, 325m breit und bis zu 12m tief.

Infomaterialien

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Wuhrenwanderung

Keine Infomaterialien vorhanden.

Rickenbach-Glashütten: Entlang der Heidenwuhr bis zum Hochrhein

Wanderung entlang der Heidenwuhr von Rickenbach-Glashütte bis zum Hochrrhein in Bad Säckingen.

Der Streckenverlauf wurde auf Grundlage der in der OSM-Karte dargestellten Wege so konstruiert, dass die Strecke möglichst nahe an der Wuhr verläuft. Abweichungen des tatsächlichen Streckenverlaufs sind also möglich. Erkennbar private Grundstücke bitte umgehen.

Die Wuhren
Lebensadern des Hotzenwaldes

Zum Bild der Kulturlandschaft des Hotzenwaldes gehören die Wuhren oder Wühren, die kilometerweit an den Hängen entlang führen. Das Wuhr oder die Wuhre (bzw. Wühre) ist ein künstlich angelegter Wasserlauf. Dieser Ausdruck leitet sich aus dem mittelhochdeutschen wuor, wuore her und bedeutet einen Damm zum Abhalten oder Ableiten des Wassers. Sie sind 0,3 bis 1,0 m breit und 0,2 bis 0,5 m tief und verlaufen mit 1 – 2% Gefälle und bringen das Wasser auch über Wasserscheiden hinweg. Bei ihrer Entstehung wurden sie als Wasserkraft für die Triebwerke im Tal, in späteren Zeiten aber auch zum Wiesenwässern benutzt.

Im Gemeindegebiet von Rickenbach befinden sich die drei größten Hotzenwälder Wuhre.

Entstehung

Sicher ist die Annahme, dass der Bau dieser künstlich angelegten Wasserläufe nur von einer starken Hand oder durch einen herrschaftlichen Erlass angeordnet wurde. Wir wissen von dem Säckinger Historiker Dr. Fridolin Jehle, dass das Kloster in Säckingen als Königskloster die „blühendste Entfaltung in seiner Geschichte“ schon im 10. Jahrhundert erreicht hatte. Es diente den deutschen Königen als Königspfalz. Mit seinem großen Besitz bis weit in die Schweiz hinein konnte das Stift Säckingen die Ansprüche königlicher Hofhaltung zufrieden stellen. Um die Mühlen für das Säckinger Versorgungszentrum zu betreiben, wurde das Wasser des Heidenwuhrs zum Antrieb benötigt.

Die Laufenburger Urkunde vom 4. September 1207 enthält einen Schiedsspruch zwischen dem Grafen von Habsburg und dem Stift Säckingen. Die Grafen besaßen die Waldungen um Laufenburg als Lehen und hatten zu viel Holz an die Eisenschmelzöfen und Hammerwerke abgegeben. Dies wurde in dem Schiedsspruch untersagt.

Wir dürfen also annehmen, dass die Wuhren des Hotzenwaldes und die Eisenschmelzen im Tal in der Zeit um 1000 bis 1100 geschaffen wurden. Diese Wuhren beziehen ihr Wasser aus einem Gebiet, in dem die Klein-Maier des Stiftes Säckingen das Sagen hatten. Diese könnten hinter dem Bau dieser Wuhren gestanden haben.

Die große Zeit der Säckinger Reichsabtei klang aus mit dem letzten uns bekannten Hoftag in Säckingen im Jahre 1173. Damals verlieh Kaiser Friedrich Barbarossa die Schutzvogtei über das Kloster Säckingen an Albrecht von Habsburg. Als Vögte besaßen die Habsburger die militärische und hochgerichtliche Gewalt im Klostergebiet. Mit dieser Position bauten sie zielstrebig ihre Territorialhoheit zu Lasten des Klosters aus. Säckingen und Laufenburg, auf Klostergebiet entstanden, wurden habsburgische Landesstädte. Aus dem Säckinger Siedlungsraum auf dem Hotzenwald hatte sich die Grafschaft Hauenstein unter Vorderösterreichischer Herrschaft gebildet, so dass hier ein großes Territorium unter einer Herrschaft stand, die ein solches Vorhaben durchsetzen konnte.

Aufbau

Als erstes nach dem Einstieg zum Heidenwuhr sehen Sie die Stellfalle. Mit dieser wird der Wasserzulauf in das Heidenwuhr geregelt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr. Insbesondere bei Hochwasser kann hier der Zulauf dezimiert werden. Es muss aber immer eine Mindestwasserführung gewährleistet werden, damit die Fische und andere Lebewesen nicht zugrunde gehen. Das Überwasser wird über das Streichwehr in den Seelbach abgeleitet.

Neben der gewerblichen Nutzung war die landwirtschaftliche Nutzung zur Wiesenwässerung von großer Bedeutung. Am Heidenwuhr ist noch ein steinernes Auswuhr erhalten, das in früheren Zeiten der Wiesenbewässerung diente. Es gab genaue Anordnungen, wie ein solches Auslaufbauwerk beschaffen sein musste und welche Materialen verwendet werden durften. Klar zu erkennen sind in den Bodensteinen die beiden Falze für das Schlussbrett. Alle übrigen Auswuhre und Stellfallen wurden im Lauf der Jahre von der Bachgenossenschaft beseitigt, wenn die Wässerungsrechte zurückgekauft waren.

Um die Wässerungsrechte gab es immer wieder Streitigkeiten, die von der Obrigkeit, also dem Waldvogt oder später durch das Großherzogliche Bezirksamt in sog. Schiedsbriefen beigelegt werden mussten. Der älteste bekannte Schiedsbrief stammt von 1457 bzw. dessen Abschrift von 1591. Darin wurden Regelungen getroffen für die Ausleitung des Wassers und zur Unterhaltung des Wuhres. Zur Überwachung wurde ein sog. „Geschworener Knecht“ bestellt.

Von Hütten her kommen starke Zuflüsse in das Wuhr. Insbesondere nach Starkregen oder Schneeabgang führt dies zu Hochwasser im Wuhr. Dies kann zu einer Gefahr für die unterhalb liegenden Grundstücke und Gebäude im Ortsteil Willaringen führen. Um dem vorzubeugen wurde Ende der 1990er Jahre ein Notüberlauf gebaut, der das Wasser in die unterhalb liegende Felsenhalde abschlägt, welche das ursprüngliche Gewässerbett war.

Unterhalt

Der Unterhalt der Wuhren ist seit Jahrhunderten sehr aufwendig und liegt in der Verantwortung des Wühreaufseher. Seine wichtigste Aufgabe war schon immer, das Wasser im Wuhr zu halten. Dies geschah in früheren Zeiten durch die Überwachung der Wässerungszeiten sowie bis heute durch das Abdichten des Dammes. Nach starken Regenfällen muss der Wuhraufseher das Wuhr auf Steine und Äste kontrollieren und diese entfernen, damit sich das Wasser nicht aufstauen und den talseitigen Damm überspülen kann. Im Herbst werden deshalb Böschungen gemäht, weil in das Wasser hängende Grasbüschel, Äste oder Zweige sehr schnell vereisen und so das Wuhr zufrieren kann. Auch im Winter, vor allem nach starken Schneefällen, muss das Wuhr kontrolliert werden, damit keine Schneeverwehungen das Wuhr aufstauen und dadurch das Wasser unkontrolliert seinen Weg über die Böschung ins Tal findet und unter Umständen großen Schaden anrichtet.

Durch Niederschläge und sonstige Einträge werden Sand, Erde und Laub in das Wuhr gespült. Deshalb muss der Sandfang regelmäßig geleert werden. Die beckenartige Erweiterung des Wuhres, die im hinteren Teil bis zu 2m tief ist, dient der Verringerung der Fließgeschwindigkeit. Es entsteht eine drehende Bewegung des Wassers. Feststoffpartikel, die schwerer sind als Wasser, setzen sich ab. Durch regelmäßige Entnahme des Sediments wird das einfache System aufrechterhalten.
Hochsaler Wuhr

Das Hochsaler Wuhr ist urkundlich bereits 1453 erwähnt, es ist 19 km lang, mit den Seitenwuhren sogar 27 km. Es wird zwischen Herrischried und Segeten aus der Murg abgeleitet. Unterhalb der Hetzlenmühle verläuft die Wühre dann an Hogschür und am Hang der Hohneck vorbei, überschreitet in 790 m Höhe westlich von Oberwihl die Wasserscheide zwischen der Murg und dem Andelsbach. Bei Rotzel verzweigt es sich in zwei Arme: die Rotzler- und die Hochsaler Wühre, an den früher mehrere Eisenhammerwerke und Mühlen lagen. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein.

Hännemer Wuhr

Das Hännemer Wuhr – oder Hänner Wuhr – wird erstmals 1477 erwähnt, es ist 11,5 km lang und wird nördlich Hottingen in ca. 720 m Höhe aus der Hauensteiner Murg abgeleitet. Das Wuhr durchquert die Gemarkungen Hottingen und Hänner, vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach, berührt die Gemarkung Binzgen und mündet bei Laufenburg in den Rhein. Ab der Grenze zwischen Oberhof und Niederhof wird von dem Hauptwuhr ein weiteres Wuhr, der Schreiebach, abgeleitet. Er fließt durch die Gemarkungen Niederhof und Rhina dem Hochrhein zu.

Heidenwuhr

Das Heidenwuhr erfuhr seine erste schriftliche Erwähnung 1457. Im Bereich des Hornberges entspringen in ca. 955 m Höhe einige kleine Bäche, die sich bei Atdorf zum Schneckenbach vereinen und südwärts an Strick vorbeifließen. Oberhalb des Dammes der Kreisstraße K 6538 bei der Abzweigung nach Glashütten wird der Bach aus seinem natürlichen Bett in ein künstliches Ableitungsbauwerk geleitet. Unterhalb der Kreisstraße beginnt dann in ca. 790 m Höhe das künstliche Bachbett. Dort steht ein Pegelhaus zur Abflussmessung des Schneckenbaches (zurzeit außer Betrieb). Danach wird an einer Stellfalle der Wasserzufluss in das Heidenwuhr begrenzt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr, der Rest fließt über ein Streichwehr dem Seelbach zu, an Rickenbach und Willaringen vorbei, um dann bei Wickartsmühle über den Strahlbrusch (Wasserfall) in die Hauensteiner Murg zu gelangen

Das ca. 14 km lange Heidenwuhr überwindet zwischen Jungholz und Kühmoos die Wasserscheide zur Murg und fließt nunmehr dem Hochrhein zu. Es trägt nur in seinem Oberlauf bis zur Egger Säge diesen Namen. Von dort bis zur Einmündung in den Bergsee heißt der Wasserlauf „Schöpfebach“. Er fließt in einem natürlichen Bett, teilweise unter einer großen zusammenhängenden Blockhalde, den sogenannten “Wollsäcken“. Vom Ausfluss aus dem Bergsee bezeichnet man den renaturierten Unterlauf bis in die Stadtmitte von Bad Säckingen als „Gewerbebach“, der südlichste Abschnitt fließt als „Gießen“ in den Hochrhein.

Zum Wassersystem des Heidenwuhrs gehört auch der auf Bad Säckinger Gemarkung gelegene Bergsee. Er entstand erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Initiative der Bachgenossen. Im Bereich des Wildgeheges wurde 1802/03 durch den Scheffelfelsen ein Durchstich geschaffen um das Wasser in den Bergsee zu leiten, der bisher als Fischweiher gedient hatte. Er wurde so in einen ‚Wassersammler‘ umgewandelt. Um das Fassungsvermögen zu erhöhen, wurde mehrmals das Stauvolumen erhöht. Er ist heute 450m lang, 325m breit und bis zu 12m tief.

Infomaterialien

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Das Heidenwuhr

Faltblatt (Gemeinde Rickenbach)

Rickenbach-Hottingen: Entlang der Hännemer Wuhr bis zum Hochrhein

Wanderung entlang der Hännemer Wuhr von Rickenbach-Hottingen bis zum Hochrrhein in Laufenburg.

Der Streckenverlauf wurde auf Grundlage der in der OSM-Karte dargestellten Wege so konstruiert, dass die Strecke möglichst nahe an der Wuhr verläuft. Abweichungen des tatsächlichen Streckenverlaufs sind also möglich. Erkennbar private Grundstücke bitte umgehen.

Die Wuhren
Lebensadern des Hotzenwaldes

Zum Bild der Kulturlandschaft des Hotzenwaldes gehören die Wuhren oder Wühren, die kilometerweit an den Hängen entlang führen. Das Wuhr oder die Wuhre (bzw. Wühre) ist ein künstlich angelegter Wasserlauf. Dieser Ausdruck leitet sich aus dem mittelhochdeutschen wuor, wuore her und bedeutet einen Damm zum Abhalten oder Ableiten des Wassers. Sie sind 0,3 bis 1,0 m breit und 0,2 bis 0,5 m tief und verlaufen mit 1 – 2% Gefälle und bringen das Wasser auch über Wasserscheiden hinweg. Bei ihrer Entstehung wurden sie als Wasserkraft für die Triebwerke im Tal, in späteren Zeiten aber auch zum Wiesenwässern benutzt.

Im Gemeindegebiet von Rickenbach befinden sich die drei größten Hotzenwälder Wuhre.

Entstehung

Sicher ist die Annahme, dass der Bau dieser künstlich angelegten Wasserläufe nur von einer starken Hand oder durch einen herrschaftlichen Erlass angeordnet wurde. Wir wissen von dem Säckinger Historiker Dr. Fridolin Jehle, dass das Kloster in Säckingen als Königskloster die „blühendste Entfaltung in seiner Geschichte“ schon im 10. Jahrhundert erreicht hatte. Es diente den deutschen Königen als Königspfalz. Mit seinem großen Besitz bis weit in die Schweiz hinein konnte das Stift Säckingen die Ansprüche königlicher Hofhaltung zufrieden stellen. Um die Mühlen für das Säckinger Versorgungszentrum zu betreiben, wurde das Wasser des Heidenwuhrs zum Antrieb benötigt.

Die Laufenburger Urkunde vom 4. September 1207 enthält einen Schiedsspruch zwischen dem Grafen von Habsburg und dem Stift Säckingen. Die Grafen besaßen die Waldungen um Laufenburg als Lehen und hatten zu viel Holz an die Eisenschmelzöfen und Hammerwerke abgegeben. Dies wurde in dem Schiedsspruch untersagt.

Wir dürfen also annehmen, dass die Wuhren des Hotzenwaldes und die Eisenschmelzen im Tal in der Zeit um 1000 bis 1100 geschaffen wurden. Diese Wuhren beziehen ihr Wasser aus einem Gebiet, in dem die Klein-Maier des Stiftes Säckingen das Sagen hatten. Diese könnten hinter dem Bau dieser Wuhren gestanden haben.

Die große Zeit der Säckinger Reichsabtei klang aus mit dem letzten uns bekannten Hoftag in Säckingen im Jahre 1173. Damals verlieh Kaiser Friedrich Barbarossa die Schutzvogtei über das Kloster Säckingen an Albrecht von Habsburg. Als Vögte besaßen die Habsburger die militärische und hochgerichtliche Gewalt im Klostergebiet. Mit dieser Position bauten sie zielstrebig ihre Territorialhoheit zu Lasten des Klosters aus. Säckingen und Laufenburg, auf Klostergebiet entstanden, wurden habsburgische Landesstädte. Aus dem Säckinger Siedlungsraum auf dem Hotzenwald hatte sich die Grafschaft Hauenstein unter Vorderösterreichischer Herrschaft gebildet, so dass hier ein großes Territorium unter einer Herrschaft stand, die ein solches Vorhaben durchsetzen konnte.

Aufbau

Als erstes nach dem Einstieg zum Heidenwuhr sehen Sie die Stellfalle. Mit dieser wird der Wasserzulauf in das Heidenwuhr geregelt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr. Insbesondere bei Hochwasser kann hier der Zulauf dezimiert werden. Es muss aber immer eine Mindestwasserführung gewährleistet werden, damit die Fische und andere Lebewesen nicht zugrunde gehen. Das Überwasser wird über das Streichwehr in den Seelbach abgeleitet.

Neben der gewerblichen Nutzung war die landwirtschaftliche Nutzung zur Wiesenwässerung von großer Bedeutung. Am Heidenwuhr ist noch ein steinernes Auswuhr erhalten, das in früheren Zeiten der Wiesenbewässerung diente. Es gab genaue Anordnungen, wie ein solches Auslaufbauwerk beschaffen sein musste und welche Materialen verwendet werden durften. Klar zu erkennen sind in den Bodensteinen die beiden Falze für das Schlussbrett. Alle übrigen Auswuhre und Stellfallen wurden im Lauf der Jahre von der Bachgenossenschaft beseitigt, wenn die Wässerungsrechte zurückgekauft waren.

Um die Wässerungsrechte gab es immer wieder Streitigkeiten, die von der Obrigkeit, also dem Waldvogt oder später durch das Großherzogliche Bezirksamt in sog. Schiedsbriefen beigelegt werden mussten. Der älteste bekannte Schiedsbrief stammt von 1457 bzw. dessen Abschrift von 1591. Darin wurden Regelungen getroffen für die Ausleitung des Wassers und zur Unterhaltung des Wuhres. Zur Überwachung wurde ein sog. „Geschworener Knecht“ bestellt.

Von Hütten her kommen starke Zuflüsse in das Wuhr. Insbesondere nach Starkregen oder Schneeabgang führt dies zu Hochwasser im Wuhr. Dies kann zu einer Gefahr für die unterhalb liegenden Grundstücke und Gebäude im Ortsteil Willaringen führen. Um dem vorzubeugen wurde Ende der 1990er Jahre ein Notüberlauf gebaut, der das Wasser in die unterhalb liegende Felsenhalde abschlägt, welche das ursprüngliche Gewässerbett war.

Unterhalt

Der Unterhalt der Wuhren ist seit Jahrhunderten sehr aufwendig und liegt in der Verantwortung des Wühreaufseher. Seine wichtigste Aufgabe war schon immer, das Wasser im Wuhr zu halten. Dies geschah in früheren Zeiten durch die Überwachung der Wässerungszeiten sowie bis heute durch das Abdichten des Dammes. Nach starken Regenfällen muss der Wuhraufseher das Wuhr auf Steine und Äste kontrollieren und diese entfernen, damit sich das Wasser nicht aufstauen und den talseitigen Damm überspülen kann. Im Herbst werden deshalb Böschungen gemäht, weil in das Wasser hängende Grasbüschel, Äste oder Zweige sehr schnell vereisen und so das Wuhr zufrieren kann. Auch im Winter, vor allem nach starken Schneefällen, muss das Wuhr kontrolliert werden, damit keine Schneeverwehungen das Wuhr aufstauen und dadurch das Wasser unkontrolliert seinen Weg über die Böschung ins Tal findet und unter Umständen großen Schaden anrichtet.

Durch Niederschläge und sonstige Einträge werden Sand, Erde und Laub in das Wuhr gespült. Deshalb muss der Sandfang regelmäßig geleert werden. Die beckenartige Erweiterung des Wuhres, die im hinteren Teil bis zu 2m tief ist, dient der Verringerung der Fließgeschwindigkeit. Es entsteht eine drehende Bewegung des Wassers. Feststoffpartikel, die schwerer sind als Wasser, setzen sich ab. Durch regelmäßige Entnahme des Sediments wird das einfache System aufrechterhalten.
Hochsaler Wuhr

Das Hochsaler Wuhr ist urkundlich bereits 1453 erwähnt, es ist 19 km lang, mit den Seitenwuhren sogar 27 km. Es wird zwischen Herrischried und Segeten aus der Murg abgeleitet. Unterhalb der Hetzlenmühle verläuft die Wühre dann an Hogschür und am Hang der Hohneck vorbei, überschreitet in 790 m Höhe westlich von Oberwihl die Wasserscheide zwischen der Murg und dem Andelsbach. Bei Rotzel verzweigt es sich in zwei Arme: die Rotzler- und die Hochsaler Wühre, an den früher mehrere Eisenhammerwerke und Mühlen lagen. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein.

Hännemer Wuhr

Das Hännemer Wuhr – oder Hänner Wuhr – wird erstmals 1477 erwähnt, es ist 11,5 km lang und wird nördlich Hottingen in ca. 720 m Höhe aus der Hauensteiner Murg abgeleitet. Das Wuhr durchquert die Gemarkungen Hottingen und Hänner, vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach, berührt die Gemarkung Binzgen und mündet bei Laufenburg in den Rhein. Ab der Grenze zwischen Oberhof und Niederhof wird von dem Hauptwuhr ein weiteres Wuhr, der Schreiebach, abgeleitet. Er fließt durch die Gemarkungen Niederhof und Rhina dem Hochrhein zu.

Heidenwuhr

Das Heidenwuhr erfuhr seine erste schriftliche Erwähnung 1457. Im Bereich des Hornberges entspringen in ca. 955 m Höhe einige kleine Bäche, die sich bei Atdorf zum Schneckenbach vereinen und südwärts an Strick vorbeifließen. Oberhalb des Dammes der Kreisstraße K 6538 bei der Abzweigung nach Glashütten wird der Bach aus seinem natürlichen Bett in ein künstliches Ableitungsbauwerk geleitet. Unterhalb der Kreisstraße beginnt dann in ca. 790 m Höhe das künstliche Bachbett. Dort steht ein Pegelhaus zur Abflussmessung des Schneckenbaches (zurzeit außer Betrieb). Danach wird an einer Stellfalle der Wasserzufluss in das Heidenwuhr begrenzt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr, der Rest fließt über ein Streichwehr dem Seelbach zu, an Rickenbach und Willaringen vorbei, um dann bei Wickartsmühle über den Strahlbrusch (Wasserfall) in die Hauensteiner Murg zu gelangen

Das ca. 14 km lange Heidenwuhr überwindet zwischen Jungholz und Kühmoos die Wasserscheide zur Murg und fließt nunmehr dem Hochrhein zu. Es trägt nur in seinem Oberlauf bis zur Egger Säge diesen Namen. Von dort bis zur Einmündung in den Bergsee heißt der Wasserlauf „Schöpfebach“. Er fließt in einem natürlichen Bett, teilweise unter einer großen zusammenhängenden Blockhalde, den sogenannten “Wollsäcken“. Vom Ausfluss aus dem Bergsee bezeichnet man den renaturierten Unterlauf bis in die Stadtmitte von Bad Säckingen als „Gewerbebach“, der südlichste Abschnitt fließt als „Gießen“ in den Hochrhein.

Zum Wassersystem des Heidenwuhrs gehört auch der auf Bad Säckinger Gemarkung gelegene Bergsee. Er entstand erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Initiative der Bachgenossen. Im Bereich des Wildgeheges wurde 1802/03 durch den Scheffelfelsen ein Durchstich geschaffen um das Wasser in den Bergsee zu leiten, der bisher als Fischweiher gedient hatte. Er wurde so in einen ‚Wassersammler‘ umgewandelt. Um das Fassungsvermögen zu erhöhen, wurde mehrmals das Stauvolumen erhöht. Er ist heute 450m lang, 325m breit und bis zu 12m tief.

Infomaterialien

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Wuhrenwanderung

Keine Infomaterialien vorhanden.

Rickenbach-Hottingen: Wuhrenrundweg am Energiemuseum

Etwas außerhalb von Rickenbach-Hottingen entführt das 2001 errichtete Energiemuseum seine Besucher in die spannende Welt der Energieversorgung des Hotzenwaldes.

Das Museum entstand 2001 im Zusammenhang mit dem Murgtalpfad und bildet ziemlich genau die Mitte dieses etwa 25 km langen Wanderweges. Etwas außerhalb des Ortsteiles Hottingen der Gemeinde Rickenbach gelegen, richtet es sich sowohl an Wanderer, die hier während einer Rast sicher manches Neue und Interessante zum Thema „Energie der Region“ durch die vielen Fensteröffnungen entdecken können, als auch an Besucher, die die Öffnungszeiten für eine ausführlichere Information nutzen möchten.

Infos unter www.energiemuseum-rickenbach.de.

Das Energiemuseum ist der ideale Ausgangspunkt für eine kleine Rundtour entlang der beiden längsten Wuhren (oder: Wühren) im Hotzenwald, das sind die

Hochsaler Wuhr, Gesamtlänge ca. 21,4 km

Hännemer Wuhr (auch Hännemer Wuhre), Gesamtlänge ca. 11,3 km

Sicherheitshinweise

Punktuell Abrutschgefahr; etwas Trittsicherheit erforderlich; Weg nicht immer klar ersichtlich. Der Weg kann abschnittsweise stark bewachsen oder durch umgestürzte Bäume nur beschwerlich/nicht begehbar sein. Informieren Sie sich vorab bei den zuständigen Stellen vor Ort.

Die Wuhren
Lebensadern des Hotzenwaldes

Zum Bild der Kulturlandschaft des Hotzenwaldes gehören die Wuhren oder Wühren, die kilometerweit an den Hängen entlang führen. Das Wuhr oder die Wuhre (bzw. Wühre) ist ein künstlich angelegter Wasserlauf. Dieser Ausdruck leitet sich aus dem mittelhochdeutschen wuor, wuore her und bedeutet einen Damm zum Abhalten oder Ableiten des Wassers. Sie sind 0,3 bis 1,0 m breit und 0,2 bis 0,5 m tief und verlaufen mit 1 – 2% Gefälle und bringen das Wasser auch über Wasserscheiden hinweg. Bei ihrer Entstehung wurden sie als Wasserkraft für die Triebwerke im Tal, in späteren Zeiten aber auch zum Wiesenwässern benutzt.

Im Gemeindegebiet von Rickenbach befinden sich die drei größten Hotzenwälder Wuhre.

Entstehung

Sicher ist die Annahme, dass der Bau dieser künstlich angelegten Wasserläufe nur von einer starken Hand oder durch einen herrschaftlichen Erlass angeordnet wurde. Wir wissen von dem Säckinger Historiker Dr. Fridolin Jehle, dass das Kloster in Säckingen als Königskloster die „blühendste Entfaltung in seiner Geschichte“ schon im 10. Jahrhundert erreicht hatte. Es diente den deutschen Königen als Königspfalz. Mit seinem großen Besitz bis weit in die Schweiz hinein konnte das Stift Säckingen die Ansprüche königlicher Hofhaltung zufrieden stellen. Um die Mühlen für das Säckinger Versorgungszentrum zu betreiben, wurde das Wasser des Heidenwuhrs zum Antrieb benötigt.

Die Laufenburger Urkunde vom 4. September 1207 enthält einen Schiedsspruch zwischen dem Grafen von Habsburg und dem Stift Säckingen. Die Grafen besaßen die Waldungen um Laufenburg als Lehen und hatten zu viel Holz an die Eisenschmelzöfen und Hammerwerke abgegeben. Dies wurde in dem Schiedsspruch untersagt.

Wir dürfen also annehmen, dass die Wuhren des Hotzenwaldes und die Eisenschmelzen im Tal in der Zeit um 1000 bis 1100 geschaffen wurden. Diese Wuhren beziehen ihr Wasser aus einem Gebiet, in dem die Klein-Maier des Stiftes Säckingen das Sagen hatten. Diese könnten hinter dem Bau dieser Wuhren gestanden haben.

Die große Zeit der Säckinger Reichsabtei klang aus mit dem letzten uns bekannten Hoftag in Säckingen im Jahre 1173. Damals verlieh Kaiser Friedrich Barbarossa die Schutzvogtei über das Kloster Säckingen an Albrecht von Habsburg. Als Vögte besaßen die Habsburger die militärische und hochgerichtliche Gewalt im Klostergebiet. Mit dieser Position bauten sie zielstrebig ihre Territorialhoheit zu Lasten des Klosters aus. Säckingen und Laufenburg, auf Klostergebiet entstanden, wurden habsburgische Landesstädte. Aus dem Säckinger Siedlungsraum auf dem Hotzenwald hatte sich die Grafschaft Hauenstein unter Vorderösterreichischer Herrschaft gebildet, so dass hier ein großes Territorium unter einer Herrschaft stand, die ein solches Vorhaben durchsetzen konnte.

Aufbau

Als erstes nach dem Einstieg zum Heidenwuhr sehen Sie die Stellfalle. Mit dieser wird der Wasserzulauf in das Heidenwuhr geregelt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr. Insbesondere bei Hochwasser kann hier der Zulauf dezimiert werden. Es muss aber immer eine Mindestwasserführung gewährleistet werden, damit die Fische und andere Lebewesen nicht zugrunde gehen. Das Überwasser wird über das Streichwehr in den Seelbach abgeleitet.

Neben der gewerblichen Nutzung war die landwirtschaftliche Nutzung zur Wiesenwässerung von großer Bedeutung. Am Heidenwuhr ist noch ein steinernes Auswuhr erhalten, das in früheren Zeiten der Wiesenbewässerung diente. Es gab genaue Anordnungen, wie ein solches Auslaufbauwerk beschaffen sein musste und welche Materialen verwendet werden durften. Klar zu erkennen sind in den Bodensteinen die beiden Falze für das Schlussbrett. Alle übrigen Auswuhre und Stellfallen wurden im Lauf der Jahre von der Bachgenossenschaft beseitigt, wenn die Wässerungsrechte zurückgekauft waren.

Um die Wässerungsrechte gab es immer wieder Streitigkeiten, die von der Obrigkeit, also dem Waldvogt oder später durch das Großherzogliche Bezirksamt in sog. Schiedsbriefen beigelegt werden mussten. Der älteste bekannte Schiedsbrief stammt von 1457 bzw. dessen Abschrift von 1591. Darin wurden Regelungen getroffen für die Ausleitung des Wassers und zur Unterhaltung des Wuhres. Zur Überwachung wurde ein sog. „Geschworener Knecht“ bestellt.

Von Hütten her kommen starke Zuflüsse in das Wuhr. Insbesondere nach Starkregen oder Schneeabgang führt dies zu Hochwasser im Wuhr. Dies kann zu einer Gefahr für die unterhalb liegenden Grundstücke und Gebäude im Ortsteil Willaringen führen. Um dem vorzubeugen wurde Ende der 1990er Jahre ein Notüberlauf gebaut, der das Wasser in die unterhalb liegende Felsenhalde abschlägt, welche das ursprüngliche Gewässerbett war.

Unterhalt

Der Unterhalt der Wuhren ist seit Jahrhunderten sehr aufwendig und liegt in der Verantwortung des Wühreaufseher. Seine wichtigste Aufgabe war schon immer, das Wasser im Wuhr zu halten. Dies geschah in früheren Zeiten durch die Überwachung der Wässerungszeiten sowie bis heute durch das Abdichten des Dammes. Nach starken Regenfällen muss der Wuhraufseher das Wuhr auf Steine und Äste kontrollieren und diese entfernen, damit sich das Wasser nicht aufstauen und den talseitigen Damm überspülen kann. Im Herbst werden deshalb Böschungen gemäht, weil in das Wasser hängende Grasbüschel, Äste oder Zweige sehr schnell vereisen und so das Wuhr zufrieren kann. Auch im Winter, vor allem nach starken Schneefällen, muss das Wuhr kontrolliert werden, damit keine Schneeverwehungen das Wuhr aufstauen und dadurch das Wasser unkontrolliert seinen Weg über die Böschung ins Tal findet und unter Umständen großen Schaden anrichtet.

Durch Niederschläge und sonstige Einträge werden Sand, Erde und Laub in das Wuhr gespült. Deshalb muss der Sandfang regelmäßig geleert werden. Die beckenartige Erweiterung des Wuhres, die im hinteren Teil bis zu 2m tief ist, dient der Verringerung der Fließgeschwindigkeit. Es entsteht eine drehende Bewegung des Wassers. Feststoffpartikel, die schwerer sind als Wasser, setzen sich ab. Durch regelmäßige Entnahme des Sediments wird das einfache System aufrechterhalten.
Hochsaler Wuhr

Das Hochsaler Wuhr ist urkundlich bereits 1453 erwähnt, es ist 19 km lang, mit den Seitenwuhren sogar 27 km. Es wird zwischen Herrischried und Segeten aus der Murg abgeleitet. Unterhalb der Hetzlenmühle verläuft die Wühre dann an Hogschür und am Hang der Hohneck vorbei, überschreitet in 790 m Höhe westlich von Oberwihl die Wasserscheide zwischen der Murg und dem Andelsbach. Bei Rotzel verzweigt es sich in zwei Arme: die Rotzler- und die Hochsaler Wühre, an den früher mehrere Eisenhammerwerke und Mühlen lagen. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein.

Hännemer Wuhr

Das Hännemer Wuhr – oder Hänner Wuhr – wird erstmals 1477 erwähnt, es ist 11,5 km lang und wird nördlich Hottingen in ca. 720 m Höhe aus der Hauensteiner Murg abgeleitet. Das Wuhr durchquert die Gemarkungen Hottingen und Hänner, vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach, berührt die Gemarkung Binzgen und mündet bei Laufenburg in den Rhein. Ab der Grenze zwischen Oberhof und Niederhof wird von dem Hauptwuhr ein weiteres Wuhr, der Schreiebach, abgeleitet. Er fließt durch die Gemarkungen Niederhof und Rhina dem Hochrhein zu.

Heidenwuhr

Das Heidenwuhr erfuhr seine erste schriftliche Erwähnung 1457. Im Bereich des Hornberges entspringen in ca. 955 m Höhe einige kleine Bäche, die sich bei Atdorf zum Schneckenbach vereinen und südwärts an Strick vorbeifließen. Oberhalb des Dammes der Kreisstraße K 6538 bei der Abzweigung nach Glashütten wird der Bach aus seinem natürlichen Bett in ein künstliches Ableitungsbauwerk geleitet. Unterhalb der Kreisstraße beginnt dann in ca. 790 m Höhe das künstliche Bachbett. Dort steht ein Pegelhaus zur Abflussmessung des Schneckenbaches (zurzeit außer Betrieb). Danach wird an einer Stellfalle der Wasserzufluss in das Heidenwuhr begrenzt. Normalerweise fließen maximal 300l/sec. in das Wuhr, der Rest fließt über ein Streichwehr dem Seelbach zu, an Rickenbach und Willaringen vorbei, um dann bei Wickartsmühle über den Strahlbrusch (Wasserfall) in die Hauensteiner Murg zu gelangen

Das ca. 14 km lange Heidenwuhr überwindet zwischen Jungholz und Kühmoos die Wasserscheide zur Murg und fließt nunmehr dem Hochrhein zu. Es trägt nur in seinem Oberlauf bis zur Egger Säge diesen Namen. Von dort bis zur Einmündung in den Bergsee heißt der Wasserlauf „Schöpfebach“. Er fließt in einem natürlichen Bett, teilweise unter einer großen zusammenhängenden Blockhalde, den sogenannten “Wollsäcken“. Vom Ausfluss aus dem Bergsee bezeichnet man den renaturierten Unterlauf bis in die Stadtmitte von Bad Säckingen als „Gewerbebach“, der südlichste Abschnitt fließt als „Gießen“ in den Hochrhein.

Zum Wassersystem des Heidenwuhrs gehört auch der auf Bad Säckinger Gemarkung gelegene Bergsee. Er entstand erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Initiative der Bachgenossen. Im Bereich des Wildgeheges wurde 1802/03 durch den Scheffelfelsen ein Durchstich geschaffen um das Wasser in den Bergsee zu leiten, der bisher als Fischweiher gedient hatte. Er wurde so in einen ‚Wassersammler‘ umgewandelt. Um das Fassungsvermögen zu erhöhen, wurde mehrmals das Stauvolumen erhöht. Er ist heute 450m lang, 325m breit und bis zu 12m tief.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Wuhrenwanderung

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