Wendelsheim: Naturlehrpfad
Der Naturlehrpfad Wendelsheim wurde im Jahr 2003 von einer Schülergruppe der Grundschule Wendelsheim unter der Leitung von Lehrerin Heidi Haaf und Schulleiter Michael Schneider erstellt. Im Laufe der Zeit sind die Tafeln ausgebleicht, beschädigt oder entwendet worden.
Im Jahr 2023 wurden die Tafeln neu gedruckt und wieder aufgebaut. Die Klasse 4 der Grundschule Wendelsheim hat aus diesem Anlass zu allen Tafeln kleine Podcasts in Schwäbisch und Hochdeutsch aufgenommen, die Zusatzwissen in Form kleiner lebendiger Dialoge vermitteln.
Auf der Webseite der Grundschule Wendelsheim sind alle Podcasts zu den Naturlehrpfadschildern zusammengefasst. Man kann sie gezielt starten, die zugehörige Lehrtafel anschauen und den Text mitlesen.
Auf den Tafeln selbst sind QR-Codes angebracht, über die man direkt zur passenden Hördatei kommt.
Hinweis: Die schwäbischen Podcasts sind in der folgenden Wegbeschreibung direkt verlinkt.
Grundschule Wendelsheim (Juli 2026)
Hier wurde der Naturlehrpfad konzipiert.
Alte Infotafel am Startpunkt der Tour (Juli 2026)
Parkplatz Grundschule Wendelsheim
Wegstationen
Station 1: Startschild
Dieser Lehrpfad wurde im Frühjahr 2003 während der Projektprüfung der Klasse 9 von fünf Schülern unter Mithilfe verschiedener Experten geplant und fertig gestellt.
Wir möchten mit unseren Informationstafeln die Natur rund um Wendelsheim näherbringen und auf das schützenswerte Leben im Wald, im See und in den Weinbergen aufmerksam machen.
Deshalb wünschen wir uns, dass Sie beim Rundgang die Natur achten, sich umweltbewusst verhalten, insbesondere keinen Müll zurück lassen und nichts beschädigen.
So kann der Lehrpfad lange Jahre die Wanderer erfreuen und unseren Ort bereichern.

Station 2: Sträucher am Wegrand
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Sträucher kommen in der freien Landschaft entlang von Wegen und Straßen, an Ackern und Wiesenflächen sowie im Siedlungsbereich vor. Wie kaum ein anderer Lebensraum bieten Sträucher eine Vielfalt verschiedenster Lebensbedingungen.
Funktion von Sträuchern:
- Hecken gliedern die Landschaft
- sie verbessern das Kleinklima (Luftreinigung)
- sie bieten einen Sicht- und Lärmschutz
- sie geben Tieren einen Lebensraum
- sie erscheinen als lebende Zäune
- Hecken mindern die Windgeschwindigkeit
- sie speichern Feuchtigkeit (z. B. Raureif, Tau)
- sie bieten Erosionsschutz für den Boden
Häufige Pflanzen am Wegrand:
- Roter Hartriegel
- Schwarzer Holunder
- gewöhnliche Waldrebe
- Schwarzdorn (Schlehe)
- Eberesche (Vogelbeerbaum)
- Hundsrose
- Himbeere
- Brombeere
- Sanddorn
- Pfaffenhütchen
- Haselnuss
Station 3: Bäume auf dem Pfaffenberg
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Das Landschaftsschutzgebiet Pfaffenberg besteht seit 1967. Das flachgründige und wechseltrockene Waldgebiet wurzelt auf Gipskeuper und Schilfsandstein. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 7-8° und es regnet ca. 650-700mm/Jahr. Der Berg hat eine wichtige Funktion für die Kaltluftproduktion, so kann Frischluft ins Tal abfließen.
Der vorherrschende Baum war hier die Fichte, doch sorgte der Orkan Lothar für ein anderes Mischungsverhältnis, seither gibt es immer mehr Hainbuchen-Eichenwald. Häufiger findet man auch Kiefern, Tannen, Lärchen und Rotbuchen. Zu unseren einheimischen Bäumen gehören außerdem: Birke, Ahorn, Ulme, Esche, Erle und Pappel. Der wirtschaftlich wichtigste Baum ist nach wie vor die Fichte.
Station 4: Tiere rund um den See
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Auf dem Pfaffenberg findet man eine reiche Tierwelt mit einigen Besonderheiten: Im Steinbruchbereich leben Geburtshelferkröten (s. Schild Nr. 8) und in den kleinen Tümpeln findet man die ungiftigen Ringelnattern. Diese völlig ungefährlichen Schlangen sind tagaktiv und ernähren sich von Kröten, Fröschen, Molchen und Wasserinsekten. Sie beißen fast nie.
An Säugetieren findet man: Rehe, Wildschweine, Füchse, Dachse, Eichhörnchen, Siebenschläfer, Fledermäuse, Waldmäuse, Feldhasen, Kaninchen, u.a. Vögel im Wald: Buntspecht, Schwarzspecht, Kleiber, Waldkauz, Waldohreule, Eichelhäher, Wintergold-hähnchen, Meise, Zaunkönig, Baumläufer, u.a.
Und dann sind da noch unzählige Insekten, Schnecken, Frösche, Molche, Kröten, Eidechsen, usw.
Station 5: Aufgaben des Waldes
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Schutzfunktion:
Schützt den Boden gegen Erosion, verhindert Überschwemmungen, wirkt als Wasserspeicher, spendet Trinkwasser, mildert Klimaextreme, trägt zur Luftreinigung bei.
Rohstofffunktion:
Liefert den wertvollen Rohstoff Holz. Holz wächst nach, Produktion und Verbrauch sind umweltfreundlich.
Lebensraum:
Der Wald ist Lebensraum und Zufluchtsort für viele Tiere und Pflanzen. Er ist unser ursprüng-lichster Naturraum und durch seine Vielfalt und Stabilität ein langlebiges Ökosystem.
Erholungsfunktion:
Im Wald findet man Ruhe und Erholung in gesunder Luft. Das ausgeglichene Waldklima wirkt anregend und gesundheitsfördernd auf den Körper.
Station 6: Geschichte des Steinbruchs
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Hannelore Holocher berichtet im Interview, wie ihr Vater Franz Schäfer früher im Steinbruch arbeitete. Dauer: 18 Min.
Die älteste Erwähnung eines Sandsteinabbaus im Steinbruch Märchensee findet sich in Stein-quadern verschiedener Mauern der Umgebung eingeritzt (1707, 1755). Erst 1826 geht der Besitz des Württembergischen Königs auf die Gemeinde Wendelsheim über.
Das wurde aus dem Wendelsheimer Schilfsandstein gebaut:
- das Rathaus (siehe Bild auf der Tafel)
- die Kirche
- alle alten Häuser im Ort
- Feldkreuze und Bildstöcke
- die Rottenburger Eisenbahnbrücke
- Schleifsteine
- Grabsteine
- der Eingangsbereich der Wilhelma
Schwierigkeiten gab es im Steinbruch mit dem Grundwasser, vor allem im südlichen Teil. So baute man später im nördlichen Teil ab. Ende der 1960er Jahre wurde der Steinbruch geschlossen.
Station 7: Steinbruch im alten Flussbett
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Der Sand für den Schilfsandstein im Steinbruch wurde vor 223 Millionen Jahren von Skandinavien in einem ca. 1500 km langen Fluss angeschwemmt. Der Fluss mündete in den Ozean Tethys, wo heute die Provence ist.
Im Winter sieht man am besten, wie das Regenwasser durch den Sandstein abfließt. An der Schichtgrenze zwischen Schilfsandstein und Gipskeuper entstehen Quellen, da das Wasser auf Gipskeuper nicht weiter versickern kann, wie z. B. der Märchensee und die kleinen Nebenseen im Steinbruch.
An der Steinbruchwand erkennen wir fein-körnige Sandsteine, die bei Hochwasserereignissen entlang eines Flusses abgelagert wurden. Die dickbankigen Sandsteine im unteren Bereich entstanden, als sich vermutlich durch eine Art Dammbruch in Minutenschnelle Schichtfluten über die umgebende Ebene ergossen.
Die unruhigen dünneren Sandsteinbänke darüber entstanden in kleinen Rinnen, welche auf eine Verlagerung des Hauptflusses hindeuten. Die Tonsteinlagen bilden die Schichtfugen. Die grünen Flecke sind auf dem Stein angesiedelte Moose.
Station 8: Die Geburtshelferkröte
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Die Geburtshelferkröte kommt in Württemberg nur im Steinbruch am Märchensee vor. Hier gibt es geeignete Laichgewässer und eine spalten- und unterschlupfreiche Gesteinshalde, die sich im Sommer erwärmt. Die Tiere lieben die Wärme und verbringen die meiste Zeit ihres Lebens an Land.
Nachts lassen die Männchen ihren glockenartigen Ruf ertönen, der im Volksmund auch „Feenglöckchen“ genannt wird und die Weibchen anlocken soll. Die Paarung erfolgt an Land, nicht wie üblich im Wasser. Nach der Eiablage nimmt das Männchen dem Weibchen die Eischnüre ab und wickelt sie sich um den Hinterleib. Dort bleiben sie bis zur Schlupfreife. Danach entlässt das Männchen die Quappen ins Wasser.
Station 9: Märchensee
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Der Märchensee befindet sich als idyllisch gelegener Waldsee mitten auf dem Pfaffenberg. Er liegt im ehemaligen Steinbruchgelände und hat sich erst im 19. Jh. durch Grundwasserstau über Nacht gebildet.
Tiere, die man im See finden kann:
- Schlammschnecken
- Tellerschnecken
- Wasserskorpione
- Rückenschwimmer
- Gelbrandkäfer + Larve
- Großlibellenlarven
- Kleinlibellenlarven
- Wasserasseln
- Wasserläufer
- Teichläufer
- Köcherfliegen
- Eintagsfliegen
- Stechmückenlarven
- Taumelkäfer
- Wasserflöhe
- Hüpferlinge
- Wassermilben
- Strudelwürmer
- Rollegel
- Bergmolche
- Teichmolche
Tübinger Professoren und Studenten gaben ihm 1920 den Namen Märchensee. Er hat heute ca. 25 ar Wasserfläche und ist im Sommer mit Wasserlinsen bedeckt, die Molchen und Wasserschnecken Nahrung bieten. Gefährdet ist der See vor allem durch übermäßige und rücksichtslose Freizeitnutzung.
Station 10: Landwirtschaft
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Auf den umliegenden Feldern von Wendelsheim bauen ca. sieben Bauern Feldfrüchte an. Es wird sowohl ökologischer als auch konventioneller Anbau betrieben.
Ökologischer Anbau:
- Stickstoffdüngung durch den Anbau von Leguminosen (z. B. Klee, Luzerne, …)
- Unkrautbekämpfung durch
- Fruchtfolgegestaltung und gezielte Bodenbearbeitung
- Saatgut nicht chemisch gebeizt
Konventioneller Anbau:
- Stickstoffdüngung mit chemisch synthetisiertem Stickstoff
- Unkrautbekämpfung durch Herbizide
- zunehmender Verzicht auf Bodenbearbeitung
- Saatgut chemisch geschützt
Angebaut wird:
- Getreide: Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Mais
- Ölfrüchte: Sonnenblumen, Raps, Lein (siehe blaue Blüte oben)
- Sonstiges: Klee, Ackerbohnen, Erbsen, Kartoffeln, Senf
Station 11: Kanal und Reutegraben
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Kaum war der neugekaufte Steinbruch im Jahre 1826 von der Gemeinde in Be-trieb genommen, spielte er den Wendelsheimern seinen größten Streich. Als die Steinhauer nach einer Gewitternacht morgens an ihren Arbeitsplatz kamen, war überall Wasser ein einziger See! Mit Mühe fanden sie ihr Handwerkszeug unter Wasser wieder.
Leider verschwand der 3 Meter tiefe See nicht mehr und so beschloss man im Jahre 1836 für 900 Gulden einen 6 Meter tiefen Kanal zu graben, der über den Reutegraben bis zum Gairenbühl das Wasser ableiten sollte. Doch was man auch unternahm, das Wasser blieb. Als man um die Jahrhundertwende den heutigen Steinbruch erschloss, gab man den alten schließlich auf. Diesem Entschluss verdankt der Märchensee seine heutige romantische Schönheit.
Station 12: Weinbau am Pfaffenberg
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Heinrich Höschle im Interview, wie er früher in seinem Weinberg gearbeitet hat. Dauer: 10 Min.
Typisch für Wendelsheim ist der kleinparzellierte Eigenbedarfsweinbau. Er ist seit dem 13. Jh. bekannt. Durch die Trockensteinmauern ist ein Maschineneinsatz bei der Pflanzung und Ernte nicht möglich. Die einheimischen Familien übernehmen Anbau und Pflege ihres „Wengerts“. Viele Wengerter laden im Frühsommer zur Weinprobe im Weinberg ein. Beim jährlichen Weinbergfest gibt es zum Wein auch heimische Spezialitäten.
Gut geeignet sind folgende Sorten:
Rote Trauben:
- Schwarzriesling
- Portugieser
- Spätburgunder
- Trollinger
- Lemberger
- Dornfelder
Weiße Trauben:
- Kerner
- Riesling
- Müller-Thurgau
Tätigkeiten im Jahr:
- zurückschneiden
- düngen
- anbinden
- Boden lockern
- Triebe kürzen
- ausgeizen
- spritzen
- ernten
Station 13: Trockensteinmauern - Bau
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Die Trockensteinmauern wurden schon vor Jahrhunderten (1273) hier in Wendelsheim angelegt und dienten als Stützmauern zur Terrassierung der steilen Hänge des Pfaffenberges. Diese Befestigungen des Hanges waren eine Voraus-setzung für die Bewirtschaftbarkeit im Weinbau.
Durch das trockene Aufsetzen (d.h. ohne Mörtelverfugung) von behauenen und unbehauenen Natursteinen entstanden im Laufe der Zeit wertvolle Biotope, die nun vielen Tieren und Pflanzen besondere Lebensräume bieten.
Station 14: Pflanzen im Mauerbereich
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Die Trockensteinmauern weisen eine an die Trockenheit und Wärme angepasste Flora auf. Wenn die Mauern ausgefugt wären, könnten nicht so viele Pflanzen dort wurzeln und dann gäbe es auch weniger Tiere.
Charakteristische Pflanzen im Mauerbereich:
- Mauerraute (Aspenium ruta-muraria)
- Zimbelkraut (Cymbalaria muralis)
- Wilder Majoran (Origanum vulgare)
- Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
- Kleiner Storchschnabel (Geranium pusillum)
- Frühlingsfingerkraut (Potentilla tabernaemontani
- Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)
- Große Fetthenne (Sedum telephium)
- Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus)
- Mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis)
- Natternkopf (Echium vulgare)
- Steinkleearten (Melilotus alba und officinalis)
und andere
Im Mauerkronenbereich findet man auch:
- Weinbergslauch (Allium vineale)
- Traubenhyazinthe (Muscari racemosum)
- Dolden-Milchstern (Ornithogalum umbellatum)
- Acker-Gelbstern (Gagea villosa)
- Wild Tulpe (Tulipa sylvestris)
Station 15: Tiere im Mauerbereich
Erklärung in schwäbischer Mundart:
In Trockenmauern gibt es zahlreiche Ritzen, Spalten und Höhlungen, in denen vielfältige Lebensräume für Tiere vorhanden sind.
So bieten die bodengefüllten Mauerspalten in sonnigen Lagen:
- Nistmöglichkeiten für wärmeliebende Insekten (Wildbienen, Ameisen, Grab- und Töpferwespen)
- in höheren Mauern Brutplätze für Vögel (Steinschmätzer, Hausrotschwanz)
- Lebensräume für Reptilien (Mauereidechse, Zauneidechse, Blindschleiche, Schlingnatter)
- Nahrung für Vögel (Wendehals, Neuntöter)
- Verstecke für Amphibien (Erdkröten).
Station 16: Streuobstwiesen
Erklärung in schwäbischer Mundart:
Durch den stockwerkartigen Aufbau bietet der hochstämmige Obstbaum für viele Tiere geeignete Lebensräume.
Viele Vogelarten brauchen die großen Baum-kronen als Brutplatz und als Ansitz bei ihrer Jagd auf Wirbeltiere und Insekten. Stein-marder, Siebenschläfer und Eichhörnchen jagen in ihrem Geäst. Die Blüten und Blätter sind wichtig für viele Insekten. Die Blätter dienen als Nahrungs- und Wohnort, die Blüten liefern Pollen und Nektar für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.
Auf dem Stamm leben Käfer, Wespen und Spinnen, die wiederum baumlaufenden Vögeln wie Kleiber und Meisen als Nahrung dienen. In Baumhöhlen nisten Spechte. Verlassene Baumhöhlen werden von Fledermäusen als Quartier genutzt. Im Wurzelbereich leben Kleinsäu-ger wie Spitz- und Feldmäuse und ebenfalls auch Igel. Die Früchte schmecken nicht nur den Menschen.
Auf Exkursion im Wendelsheimer Steinbruch (Juli 2026): Abbauwand im Schilfsandstein.
Auf Exkursion im Wendelsheimer Steinbruch (Juli 2026). Der Märchensee.
Wendelsheimer Schilfsandstein
Im etwa 2 km² großen Waldgebiet Pfaffenberg–Tannenrain zwischen Rottenburg-Wurmlingen und Rottenburg‑Oberndorf erstreckt sich ein Schilfsandsteinplateau, in dem ein ausgedehnter Steinbruch (RG 7419‑120) im gelblich grauen, bankigen Schilfsandstein angelegt wurde (Mittelkeuper, Stuttgart-Formation).
Es handelt sich um einen Zeugenberg, also einen Erosionsrest, der sich über die Gipskeuperlandschaft erhebt. Weitere, kleinere Schilfsandsteinbrüche liegen noch ganz in der Nähe bei Entringen und Oberndorf an der Westkante des südlichen Schönbuchgebiets und somit im Anstieg der Keuperberglandschaft. Umgeben werden die Erosionsreste aus Schilfsandstein von der flach welligen Gipskeuperlandschaft (Grabfeld-Formation), deren Sulfatgesteinsvorkommen vor allem bei Wurmlingen und Altingen nahe Herrenberg genutzt wurden bzw. z. T. noch werden.
Weiter westlich und südwestlich schließen sich die ausgedehnten Hauptmuschelkalkvorkommen an (Oberer Muschelkalk), die bei Nagold und Frommenhausen abgebaut werden (LGRB, 2006a); für den Mauerbau und die Erzeugung von Branntkalk stehen diese seit langem in Nutzung.
Gesteinsbeschreibung
Beim Wendelsheimer Sandstein handelt es sich um einen hellgrauen, graugrünen bis beigebraunen, glimmerführenden Feinsandstein mit toniger Matrix. Die Korngrößen liegen zwischen 0,02 und 0,1 mm. Feinverteilte kohlige Pflanzenreste und Hellglimmer sind auf den Schichtflächen nicht selten. Die Bankmächtigkeiten variieren meist zwischen 0,1 und 0,5 m, selten erreichen sie 2 m.
Die am Rand der alten Brüche verbliebenen dünnbankigen Sandsteine deuten Beutler et al. (1999) als Ablagerungen der Uferbänke randlich der Hauptflussrinne.
Technische Eigenschaften
Prüfwerte liegen zum Wendelsheimer Sandstein nur wenige vor. Frank (1944) berichtet, dass die Druckfestigkeit des Feinsandsteins zwischen 478 und 603 kg/cm² liegt (entspricht 46,9–59,15 MPa), der Mittelwert beträgt 553 kg/cm² (entspricht 54,2 MPa). Nach Frank eignet sich der Wendelsheimer Sandstein besonders zur Herstellung von Schleifsteinen. A. Schreiner (LGRB-Archiv) betont, dass die Werksteinbänke leicht spaltbar sind und sowohl feste als auch mäßig feste Qualitäten nebeneinander zu finden sind.
Gewinnung und Verwendung
Der bei Rottenburg a. N. auftretende Schilfsandstein wurde vor allem im Steinbruch am Pfaffenberg nördlich von Wendelsheim (RG 7419‑120) gewonnen.
Viele Gebäude im Umfeld von Rottenburg, Tübingen und Reutlingen bezogen ihr Baumaterial von hier. Die Hauptabbauperiode lag zwischen dem Beginn des 18. Jahrhunderts und den 1960er Jahren (Reyer, 1927; Jacobsen, 1994).
Wegen der plattigen bis dünnbankigen Absonderung des Wendelsheimer Schilfsandsteins wurde dieser vor allem für Mauersteine, Treppen, Fenster- und Türumfassungen sowie Bodenplatten verwendet. Ein schönes Verwendungsbeispiel ist das Rathaus in Wendelsheim.
Nach Reyer (1927) wurden die Sandsteine auch als Schleifsteine an die Sensenfabriken und Messerschmieden des Schwarzwalds verkauft. Die größten Schleifsteine hatten dabei einen Durchmesser von 2,80 m und eine Dicke von 30 cm. Dünnere Platten des Sandsteins wurden z. B. für Scheunen verwendet. A. Schreiner (LGRB-Archiv) berichtet, dass bei seiner Aufnahme im Jahr 1951 in diesem gemeindeeigenen Bruch am Pfaffenberg 10 Steinhauer tätig waren, die für verschiedene Maurerfirmen der Umgebung Steine für Haus- und Gartenmauern, für Keller und Sockel sowie für Fensterbänke und Verblendungen herstellten, bisweilen wurden auch Grabsteine sowie Schleif- und Wetzsteine erzeugt.
Weitere alte Steinbrüche, in denen ehemals Schilfsandstein gewonnen wurde, liegen 0,5 km südlich von Oberndorf (RG 7419‑121; Erzeugung von Werksteinen und Platten, nutzbare Mächtigkeit 4 m), bei Entringen an der Schwarzenburg (RG 7419‑118, Mächtigkeit 2–3 m, Steine für Weinbergsmauern) und bei Breitenholz (RG 7419‑130, Stbr. zur ehem. Burg Muneck, 2–4 m rote Sandsteine) (Beschreibung s. LGRB, 2006a).
© Regierungspräsidium Freiburg, Abteilung 9 LGRB — Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau
Infomaterialien
Wendelsheimer Schilfsandstein
Beschreibung LGRB
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