Flossenbürg: Ringweg

30.12.2021 | Geologie, Geowissenschaftlich interessante Tour, Oberpfalz

Der Flossenbürger Granit

Im Zuge der „Variszischen Gebirgsbildung“ kollidierten vor rund 300 bis 350 Millionen Jahren mehrere Kontinente. Dabei wurden manche Gesteine tief in die Erdkruste versenkt und heizten sich dort auf. Teile schmolzen dabei und stiegen als flüssige Magmen innerhalb der Erdkruste nach oben. In mehreren Kilometern Tiefe blieben sie stecken und erstarrten zu Graniten. Große Mengen derartiger magmatischer Gesteine bildeten sich vor allem in der Spätphase der Gebirgsbildung, zur Zeit des Karbons. Später wurde das Gebiet stark gehoben, durch die gleichzeitige Erosion gelangten die Granite an die Erdoberfläche.

Der „Nordoberpfalz-Pluton“ ist ein rund 50 x 20 km großes Gebiet, das überwiegend aus diesen magmatischen Gesteinen aufgebaut ist. Hier kommen sehr viele verschiedene Granitkörper vor, die sich durch ihr Alter und ihr Aussehen unterscheiden.

Einer dieser Körper ist der Flossenbürger Granit, der vor etwa 310 Millionen Jahren aus einer glutflüssigen Schmelze erstarrte. Der Flossenbürger Granit eignet sich besonders gut als Naturwerkstein, da aufgrund der weitständigen Klüftung besonders große Rohblöcke gewonnen werden können, die auch für großvolumige Skulpturen genutzt werden können.

Flossenbürger Granit zeichnet sich durch eine erhöhte natürliche Radioaktivität aus, bei der unter anderem das Gas Radon freigesetzt wird.

Vorkommen und Verwendung

Der Flossenbürger Granit ist eines von drei großen Vorkommen, dem Leuchtenberger Granit, Flossenbürger Granit und Bärnau/Rozadov-Granit.

Flossenbürger Granit ist sehr verwitterungsbeständig, verschleißfest, polierbar und gegen chemische Aggressorien stabil. In der manuellen Steinbearbeitung gilt er als „pelzig“, das heißt, dass er mit höherem Kraftaufwand als andere Granite zu bearbeiten ist. Verwendet werden kann dieser Granit als Bodenbelag, Pflastersteine, Quadermauerstein, Treppen- und Fassadenbelag, Fenster- und Türumrahmungen, für Brückenbauwerke, Grabsteine, Bord- und Grenzsteine sowie Skulpturen.

Abbau

Seit 1769 wird – bis heute – in Flossenbürg Granit abgebaut. Am Schlossberg, auf dem bis 1958 abgebaut wurde, ist aus Naturschutzgründen ein weiterer Abbau nicht mehr möglich. 2009 produzierten noch vier Granitindustriebetriebe in Flossenbürg.

Geotop Schlossberg Flossenbürg

Am Schlossberg gibt es im Flossenbürger Granit mehrere alte Steinbrüche und natürliche Aufschlüsse, die eindrucksvolle Einblicke in den inneren Aufbau des Berges erlauben. Auffällig sind dabei die mehr oder weniger parallel zur Oberfläche orientierten Klüfte (Lagerklüfte). Sie verlaufen also konzentrisch um den Berg herum. Dies ist besonders eindrucksvoll im Steinbruch auf der Westseite des Schlossbergs zu sehen.

Da die Erosion vorwiegend durch flächenhaftes Abplatzen von Gestein entlang des Kluftsystems („Exfoliation„) stattfindet, bleibt die kuppelförmige Gestalt des Berges erhalten. Ein bekanntes Beispiel für einen derartigen „Granitdom“ ist der Zuckerhut in Rio de Janeiro.

Der Granitdom des Schlossbergs ist ein für Bayern einzigartiges Beispiel für einen Exfoliationsdom in Europa. Doch erst durch den Granitabbau wurden Aufschlüsse wie der Steinbruch auf der Westseite geschaffen, die noch heute lehrbuchhafte Einblicke in den inneren Aufbau des Berges bieten. Am Schlossberg ist der Abbau schon lange eingestellt, er ist heute als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Um die einzigartige Landschaft zu erhalten, werden aufwändige Pflegemaßnahmen vor allem durch den Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald durchgeführt. Der Schlossberg ist das Wahrzeichen des Naturparks.

Der Schlossberg wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als Geotop ausgewiesen und mit dem offiziellen Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ (Nr. 73) ausgezeichnet.

Schautafel Burgberg Flossenbürg

© Bayerisches Landesamt für Umwelt

Der Ringweg verläuft in einer großen Schleife um Flossenbürg. Der Weg ist mit einen roten Punkt im weißen Quadrat ausgeschidert.

Sehenswürdigkeiten in und um Flossenbürg:

  • Burgruine Flossenbürg
  • Feuchtgebiet des Mühl- bzw. Stieberweihers
  • Parkstein (Basaltkegel)
  • Brückelberg (Felsgruppe)
  • ehem. Grenzturm in Tschechien
  • Silberhütte
  • Gaisweiher

Infomaterialien

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Flossenbürg

Wegbeschreibung „Ringweg um Flossenbürg“

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Flossenbürg

Schautafel Bayerns schönste Geotope Nr. 73 (Burgberg Flossenbürg)

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Flossenbürg

Faltblatt „Zwiebelberg“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.