Frankfurt: Geopfad Stadt-Land-Fluss

26.05.2022 | Lehrpfad, Natur & Kultur

Geo-Wissenschaften sind überall

Das Jahr 2008 wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als „International Year of Planet Earth“ oder kurz IYPE ausgerufen. Ziel ist es, das angesammelte Wissen der 400.000 Geowissenschaftler auf der ganzen Welt umfassender und vor allem effizienter zu nutzen.

Es waren zwei Aktionsschwerpunkte geplant:

  • ein wissenschaftliches Programm

und

  • ein auf die breite Öffentlichkeit zielendes Programm.

Das wissenschaftliche Programm wird in zehn umfassende, gesellschaftspolitisch relevante Bereiche aufgefächert: Gesundheit, Klima, Grundwasser, Ozeane, Böden, Erdinneres, (Riesen)Städte, Gefahren, Ressourcen und Leben. Das Öffentlichkeitsprogramm hat zum Ziel eine größere Beachtung der engen Beziehung zwischen Erdwissenschaften und gesellschaftlicher Entwicklung zu erreichen. Der Geo-Pfad Stadt-Land-Fluss ist Teil des IYPE-Öffentlichkeitsprogramms.

Geopfad Stadt-Land-Fluss

An zehn Stationen bringt Ihnen der Geopfad „Stadt-Land-Fluss“ geographische und geowissenschaftliche Sachverhalte näher, zeigt Ihnen was sich alles unter dem Begriff „Geo“ verbirgt. Er erklärt Zusammenhänge zwischen tieferen Untergrund, Landschaft und Gewässer, der Nutzung des Gesteins und des Bodens bis hin zur Stadtplanung und gegenwärtigen Bebauung.

Am Rande der Großstadt Frankfurt am Main wird besonders sichtbar, welche Rolle wir Menschen im System Erde übernommen haben, ein System, in das wir mächtig eingreifen, dem wir aber auch ohnmächtig zuschauen müssen.

Ausgangspunkt des Geopfades „Stadt-Land-Fluss“ ist der alte NIDA-Hafen nahe der U-Bahn-Station Römerstadt. Nehmen Sie den Ausgang „Hadrianstrasse“ und folgen Sie dem Verlauf der Strasse bis zum Ende in Richtung Nidda. Nach wenigen Metern erreichen Sie die erste Station.

© Geo Agentur am Fachbereich Geowissenschaften/Geographie der J. W. Goethe Universität, Frankfurt am Main

Mit freunlicher Genehmigung. Vielen Dank.

Hinweis

Die in der Karte angegebene Route wurde aus dem Faltblatt zum Geopfad – mit allen damit verbundenen Unsicherheiten – „händisch“ übertragen.

 

Vandalismus

Die Informationstafeln sind seit geraumer Zeit in weiten Teilen zerstört und mit Graffitis übersprüht. Von Beginn an wurden die Aufsteller von Chaoten bis zur Unkenntlichkeit besprüht, eingetreten und die speziell für Kinder gedachten interaktiven Elemente mit Gewalt zerstört. Seitdem sind diese Schautafeln für viele Spaziergänger und Nachbarn eine stete Erinnerung an sinnlose Gewalt.

Nach Mitteilung der Wegebetreiberin wird der Geopfad aktuell neu konzipiert und dann auch neu ausgeschildert. Die Planungen dazu laufen bereits seit mindestens 2019.  Lassen wir uns überraschen.

Station 1: Die Nidda – Der römische NIDA-Hafen

Die Nidda – Frankfurts „Canal Grande“

Die Nidda ist – nach dem Main – der zweitgrößte Fluss auf Frankfurter Stadtgebiet. Sie hat eine Gesamtlänge von rund 90 km, etwa 18 km verlaufen durch Frankfurt. Die Nidda ist ein typisches Beispiel für einen regulierten Fluss und bekam aufgrund ihres geraden Verlaufes in den 1960er Jahren den Spitznamen „Frankfurter Canal Grande“. Diente die Regulierung nach 1800 hauptsächlich zur Gewinnung von Flächen für neue Siedlungen, wurde in den 20er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts der Fluss begradigt, um die Hochwassergefahr zu verringern. Die Nidda erhielt Dämme, eine ebene Gewässersohle und das bis heute bestehende trapezförmige Querprofil. Durch die Begradigung ergaben sich aber – besonders aus ökologischer Sicht – erhebliche Nachteile für die Tier- und Pflanzenwelt der Nidda. Deshalb wird der Fluss seit den 1980er Jahren wieder ökologisch umgestaltet. Als Pilotprojekt wurde mit dem naturnahen Ausbau vom Berkersheimer Bogen bis zum westlichen Bonameser Altarm begonnen.

Doch die geschichtlichen Zeugnisse zur Nidda reichen noch viel weiter in die Vergangenheit zurück. Der Name „Nidda“ gehört zu den ältesten Gewässernamen Europas und ist indogermanischen Ursprungs. In den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts errichteten römische Soldaten zwischen Praunheim und Heddernheim auf einer Anhöhe nördlich der Nidda zehn verschiedene Militärlager sowie ein fünf Hektar großes Steinkastell für eine 500-Mann starke Reitereinheit. Um 100 AD, nach Abzug der letzten Einheiten, wurde die Siedlung NIDA vom obergermanischen Statthalter im Auftrag Kaiser Trajans zum Verwaltungsmittelpunkt der neu eingerichteten Civitas Taunensium erhoben. Nach dieser administrativen Aufwertung entwickelte sich NIDA schnell zu einem ansehnlichen Vicus ohne Stadtrecht mit einem wichtigen Hafen.

Die Hauptverdienstquelle des Vicus war der Handel. Öl wurde aus Südspanien, Wein aus Südgallien importiert. Entscheidend für den florierenden Handel und den Aufstieg des rund 3.000 bis 5.000 Menschen starken Vicus NIDA war der namensgebende Fluss Nidda, der als Haupthandelsweg genutzt wurde. Ziegel und Keramikprodukte wurden mit Lastkähnen entlang der Nidda zum kleinen Hafen von NIDA gebracht. Wohl um 630 fiel NIDA aufgrund einer Verwaltungsreform auf Befehl des Frankenkönigs Dagoberts I. zugunsten der neuen Zentrale auf dem FRANKFURTER DOMHÜGEL zum Opfer und begann zu verfallen.

Folgen Sie dem Verlauf der Nidda; Sie passieren die Brücke Rosa-Luxemburg-Straße und biegen nach etwa 300 m rechts Richtung Römerstadtsiedlung ab. Folgen Sie dem Fußweg bis zur zweiten Bastion. Über einen Fußweg gelangen Sie auf die Bastion zur Station 2.

Station 2: Ernst May und seine Siedlung – Frankfurter Römerstadt

„Neues Frankfurt“

Bereits vor dem 1. Weltkrieg war die Wohnungsfrage in Frankfurt ungelöst. Die Industrialisierung brachte immer wieder neuen Zustrom von Menschen in die Städte mit sich. Dieses Problem verschärfte sich mit der Zunahme von Flüchtlingsströmen nach dem 1. Weltkrieg und dem jährlichen Bevölkerungswachstum. Dr. Ludwig Landmann, der von 1924 an das Amt des Oberbürgermeisters in Frankfurt am Main begleitete, reagierte auf die wachsende Nachfrage nach bezahlbaren Wohnraum und berief 1925 Ernst May zum Stadtbaurat.

Der 1886 in Frankfurt am Main geborene Ernst May ist einer der bekanntesten deutschen Architekten und Stadtplaner. Während seiner Amtszeit von 1925 – 1930 entstand in Frankfurt am Main ein nahezu einzigartiges Modell sozialdemokratischer Planungs- und Sozialpolitik. Unter der Bezeichnung „Neues Frankfurt“ wurde diesem Modell auch international Anerkennung zuteil. May entschied sich bezüglich der künftigen Stadtplanung und -erweiterung für das Prinzip der Trabantenstadt. Die Stadt solle nicht – wie bisher – peripher erweitert werden, sondern der neue Wohnraum sollte mittels „Trabanten“ von der Stadt losgelöst, auf (preiswertem) Boden des Umlandes entstehen. May schloss seine Trabanten – anders als seine Vorgänger – an vorhandene alte Ortskerne an. Die Römerstadt-Siedlung ist ein typisches Beispiel für Mays Stadtplanungsmodell „Neues Frankfurt“.

Tipp

Möchten Sie selber mal in einer „Frankfurter Küche“ stehen? Gelegenheit gibt es im nahe der Station 2 liegenden „Ernst-May-Haus“. Das zweistöckige Reihenhaus in der Römerstadt ist ein Dokumentations- und Veranstaltungsort für Architekturinteressierte aus aller Welt. Derzeit wird das Haus denkmalgerecht restauriert, mit Originalinventar ausgestattet und der Garten nach den Plänen des Landschaftarchitekten Leberecht Migge rekonstruiert. Möglich wurde dies durch die Initiative der ernst-may-gesellschaft e.V. Das Ernst-May-Haus (Im Burgfeld 136) kann jeden Dienstag bis Samstag von 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung besichtigt werden!

Zur Website der Ernst-May-Gesellschaft e. V. Frankfurt am Main

Gehen Sie Richtung Römerstadtsiedlung und überqueren Sie die Straße „Im Burgfeld“. Rechts erblicken Sie das Ernst-May-Haus. Weiter geradeaus gelangen Sie zur Straße „In der Römerstadt“, die Sie überqueren müssen. Nach etwa 100 Metern nach rechts gelangen Sie an die Station 3.

Station 3: Römerstadt NIDA – Grenze Römerstadt/Nordweststadt

Unter dem Pflaster liegt so Einiges

Bis Mitte des 3.Jahrhunderts lag im Norden des heutigen Frankfurts die römische Stadt NIDA. Von zahlreichen Ausgrabungen ist bekannt, dass unter der heutigen Siedlung Wohnhäuser, Marktplätze, ein Theater, Badehäuser, Werkstätten von Handwerkern und religiöse Kultstätten liegen. Durch die Überbauung der römischen Stadt im 20. Jahrhundert konnte Vieles nicht geborgen werden und liegt noch immer im Untergrund.

Um dennoch einen Blick in die Vergangenheit werfen zu können, bedienen sich Forscher verschiedener geophysikalischer Mess-Methoden mit denen verborgene Strukturen im Untergrund abgebildet werden können. Die Geophysik ist ein wesentliches Teilgebiet der Geowissenschaften. Sie erforscht die physikalischen Eigenschaften und Vorgänge der Erdkruste und des Erdinnern. Besonders das Georadar eignet sich zum Aufspüren von archäologischen Objekten wie Mauer- oder Straßenreste, aber auch zur Erkundung des Verlaufes von geologischen Strukturen im Untergrund, zur Bestimmung der Mächtigkeiten von geologischen Schichten, und zum Auffinden von Hohlräumen, Rohrleitungen oder Kabeln.

Beim Georadar-Verfahren handelt es sich um ein elektromagnetisches Reflexionsverfahren. Eine Sendeantenne strahlt elektromagnetische Impulse in den Untergrund ab, wo sie an eventuell vorhandenen Schichtgrenzen oder Störkörpern zurück zur Oberfläche reflektiert werden. Dort werden sie mit einer Empfangsantenne aufgezeichnet. Bewegt man beide Antennen während der Messungen entlang einer Profillinie, so kann man die einzelnen Messspuren zu einem so genannten Radargramm zusammensetzen. Unter optimalen Bedingungen liefert das Radargramm ein Abbild des Untergrundes.

Biegen Sie links in die Straße „In der Römerstadt“ ein und folgen Sie dieser bis zum Wendehammer. Von dort führt ein Fußweg Richtung Nordwestzentrum. Überqueren Sie die Brücke über die Bernadottestraße, nach etwa 150 Metern erreichen Sie den Walter-Schwagenscheidt-Platz vor dem Nordwestzentrum.

Station 4: Die Nordwest-Stadt – Walter-Schwagenscheidt-Platz

Walter-Schwagenscheidt-Platz

Die Frankfurter Großsiedlung Nordweststadt entstand von 1962 bis 1968 zwischen den bestehenden Stadtteilen Niederursel, Heddernheim und Praunheim. Im Jahr 1959 nahmen die Architekten Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann am städtebaulichen Wettbewerb zur Frankfurter Nordweststadt teil und erreichten den 3. Platz. Da der Entwurf am besten den Vorstellungen des Planungsdezernenten Hans Kampffmeyer entsprach, wurde er zur Realisierung ausgewählt. Der Architekt Walter Schwagenscheidt (*1886; † 1968) war ein Stadtplaner aus dem Umfeld „Neues Frankfurt“. Schwagenscheidt und Sittmann konnten in der Nordweststadt nicht alle ihre Vorstellungen realisieren; so wurden statt ihrer Gebäudeentwürfe größtenteils Standardhäuser der beteiligten, damals noch gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften gebaut. Der Grundriss der Nordweststadt entspricht jedoch fast vollständig dem Entwurf Schwagenscheidts und Sittmanns. Die lockere räumliche Anordnung der Häuser in parkähnlichen Grünanlagen mit einem zum Autoverkehr kreuzungsfreien Fußwegenetz sowie die äußere Verkehrserschließung der Nordweststadt sind Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann zuzuschreiben.

Das Nordwestzentrum ist das zentral gelegene Einkaufs- und Erlebniszentrum der Nordweststadt. Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Zentrums war von typischem 1970er Jahre Flair geprägt. Am 4. Oktober 1968 wurde das Nordwestzentrum als erstes Einkaufszentrum Frankfurts eröffnet. Mit der am gleichen Tag eröffneten Frankfurter U-Bahn strömten Zehntausende Menschen in das Zentrum. Die Bausubstanz wurde in den späten 1980er Jahren schnell renovierungsbedürftig und die Besucherzahlen sanken stark. Investoren für die notwendige Sanierung wurden zunächst nicht gefunden und es wurde sogar über den Abriss des Zentrums diskutiert. 1986 wurde das Zentrum dann aber komplett saniert und nach dem Vorbild amerikanischer Shopping Malls umgestaltet. Im Dezember 2001 begannen die Arbeiten am Erweiterungsbau des Nordwestzentrums, die 2004 abgeschlossen wurden und dem Nordwestzentrum zum heutigen Erscheinungsbild verhalfen.

Folgen Sie dem Fußweg und überqueren dabei die Bernadottestraße. Nach etwa 500 Metern erreichen Sie den Martin-Luther-King-Park.

Station 5: Martin-Luther-King-Park

Von der Lehmgrube zur Erholungsfläche

Die Landschaft unserer Erde wird schon lange vom Menschen verändert. Auch das Gelände rund um die Station 5 sah nicht immer so aus wie heute. Der heutige See in der Mitte der Nordweststadt war früher eine Lehmgrube, die als Rohstofflieferant für eine der vielen ehemaligen Ziegelein diente. Der Lehm entstand aus einem eiszeitlichen Löss-Staub (siehe Station 7), der durch einsickerndes Niederschlagswasser auf natürliche Weise entkalkt wurde. 1971 wurde der Martin-Luther-King-Park mit dem künstlichen Teich nach den Plänen der Architekten Schwagenscheidt und Sittmann angelegt.

Der Teich hat eine Ausdehnung von ca. 4800 m². Das verdunstende Wasser wird durch die Zufuhr von Grundwasser ausgeglichen, sodass trotz der nur geringen Tiefe von 50 – 80 cm eine ganzjährige Wasserführung gewährleistet ist. Mittlerweile hat sich wegen des naturnahen Gewässercharakters eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt angesiedelt. Im Uferbereich befinden sich eine Röhrichtzone und vereinzelt Weidenbäume. Rund um das Gewässer lädt eine großzügige Rasenfläche zum Entspannen ein.

Durchqueren Sie den Martin-Luther-King-Park oberhalb des Teiches bis zum Ausgang „Praunheimer Weg“. Folgen Sie diesem und biegen nach der Kirche am „Kleinen Zentrum“ links in den Seitenarm der „Thomas-Mann-Straße“ ein. Nehmen Sie dann den ersten Fußweg rechts und folgen diesem bis zum „Weißkirchener Weg“. Biegen Sie rechts in die „Kirchgartenstraße“ ein und folgen dieser bis Sie links in die Straße „Alt Niederursel“ einbiegen, um dann rechts der „Obermühlgasse“ zu folgen, die Sie zur Station 6 führt.

Station 6: Niederursel

Ein Stadtteil mit Geschichte – Alter Ortskern Niederursel

Erstmals wurde Niederursel im Jahr 1132 urkundlich erwähnt. Etwa 300 Jahre später wird es aufgrund finanzieller Not durch den königlichen Vogt Henne von Niederursel geteilt und an die Stadt Frankfurt und die Ritter von Kronberg verkauft. Zu dieser Zeit hat das Dorf 21 Einwohner.

1712 ist Niederursel noch immer ein geteiltes Dorf und die damaligen Herren des Ortes, Frankfurt und Solms, einigen sich auf die Hauptstraße als Trennlinie ihres Herrschaftsbereiches. Im Süden ist für Gesetz und Ordnung Solms zuständig, im Norden die freie Reichsstadt Frankfurt. Erst im Jahre 1898 findet die Wiedervereinigung Niederursels statt und 1910 wird das Dorf endgültig nach Frankfurt eingemeindet. In den 1960er und 1970er Jahren erfährt Niederursel eine rasante Bevölkerungsentwicklung, die vor allem auf die neu errichtete, nahegelegene Nordweststadt zurückzuführen ist. Heute hat Niederursel über 16.000 Einwohner.

Zu den Niederurseler Sehenswürdigkeiten zählen neben zahlreichen, schön erhaltenen Fachwerkhäusern das ehemalige Frankfurter und Solms-Rödelheimsche Rathaus und die Gustav-Adolf-Kirche aus dem Jahr 1927. Die Gustav-Adolf-Kirche wurde 1927 auf den Grundmauern der ehemaligen Sankt Georgskapelle vom Architekten Martin Elsässer mit einem oktogonalem Grundriss errichtet. Die Bautechnik, die Elsässer – ein Mitarbeiter von Ernst May – einsetzte, war zu dieser Zeit geradezu revolutionär. Die Kirche wurde einschließlich des Daches aus Beton gegossen. Die wichtigsten Teile der alten Georgskapelle, ein Kruzifix und in Holz geschnitzte Schriftbänder von 1613, wurden ebenso wie ein romanischer Türsturz und ein Dreipassfenster in den Bau integriert. Auch die Grabsteine in der Außenmauer und das sogenannte „Gehorsam“ wurden erhalten. Am Gehorsam wurden Verbrecher zum Gespött der Bewohner tagsüber an der Prangerkette angekettet und nachts wieder in das hinter der Türe befindliche „dunkle Loch“ gebracht.

Folgen Sie dem Fußweg „Am Urselbach“ und biegen links in die „Spielsgasse“ ein. Folgen Sie dieser bis zu den Bahngleisen. Überqueren Sie die Bahngleise und folgen Sie der Straße „Im Kreuzerhohl“. Hinter der Brücke über die Rosa-Luxemburg-Straße befindet sich die Station 7. Der dazugehörige bodenkundliche Aufschluss befindet sich wenige Meter von der Station entfernt.

Station 7: „Loch Löss“

Boden – die dünne Haut der Erde – „Loch Löss“ am Riedberg.

Die Bodendecke, die nahezu die gesamte Erdoberfläche überzieht, ist ein hoch kompliziertes Ökosystem, ohne das höher entwickelte Pflanzen, Tiere und wir Menschen auf dem Festland nicht existieren können. Böden sind zum Leben ebenso elementar wie Luft und Wasser. Die Böden des Riedbergs und dessen Umgebung sind maßgeblich durch die Ablagerung von Löss während der letzten Eiszeit vor 15.000 bis 20.000 Jahren beeinflusst. Löss ist ein vom Wind transportiertes Sediment, das vor allem aus Schluff (Korngrößen von 0,063 bis 0,002 mm) besteht. Löss entsteht, wenn Schluff-Staub bei fehlender Vegetationsdecke ausgeblasen wird und sich nach einem längeren Transport durch Wind in einigen zehn bis mehreren hundert Kilometern Entfernung in Bereichen mit dichterer Vegetation wieder ablagert. Böden aus Löss sind aufgrund der kleinen aber nicht zu feinen Korngröße und dem Mineralreichtum sehr fruchtbar. Die gute Durchlüftung, die guten Eigenschaften als Wasserspeicher und der Porenreichtum des Lösses erleichtern die Bodenbildung. Auf Löss entstehen tiefgründige, leicht bearbeitbare und enorm leistungsfähige Böden, wie Parabraunerden und Schwarzerden. So ist es nicht verwunderlich, dass der Riedberg lange Zeit aus ausgedehnten Ackerflächen bestand.

Doch Boden wird nicht nur genutzt, sondern auch durch den Menschen belastet: durch Schadstoffe, durch Versiegelung mit Straßen und Gebäuden oder indem er der Erosion ausgesetzt wird. Gerade die fruchtbaren Lössgebiete neigen – besonders bei starken Niederschlägen und landwirtschaftlicher Überbeanspruchung – zur schnell voranschreitender Erosion, Bodenrutschen und Hohlwegbildungen.

Gehen Sie die Straße „Im Kreuzerhohl“ bis diese in die „Max-von-Laue-Straße“ übergeht und biegen dann halb rechts auf das Campusgelände der Universität ein.

Station 8: Aussichtsturm

Ein Blick auf die Mittelgebirge – Geologischer Aussichtsturm am Riedberg

Die geplante Aussichtsplattform wird eine Rundumsicht vom Riedberg zu allen Mittelgebirgen der Umgebung ermöglichen. Im Nordosten erhebt sich wie ein flacher Schild der Vogelsberg. Der Vogelsberg stellt das größte mitteleuropäische Vulkangebiet dar, dessen Aktivität vor etwa 16 Millionen Jahren ihren Höhepunkt erreicht hatte und von dem heute keine Gefahr eines erneuten Ausbruchs mehr ausgeht.

Im Westen erstreckt sich fast geradlinig von Bad Nauheim im Norden bis in den Rheingau im Südwesten der markante Höhenzug des Taunus mit dem Großen Feldberg als seiner höchsten Erhebung (878 m). Den Kern des Mittelgebirges bildet ein mehrere hundert Meter dickes Gesteinspaket aus Taunusquarzit. Das Gestein ist etwa 408 Millionen Jahre alt und entstand als Flachwassersediment in einem Ozean, der sich zwischen dem heutigen Nordeuropa und dem heutigen Südeuropa erstreckte. Vor etwa 300 Millionen Jahren wurde das Rheinische Schiefergebirge gefaltet und in diesem Zusammenhang erhärtete der ehemalige Meeressand zu einem Quarzit.

Südlich der Skyline von Frankfurt ragen die wellig erscheinenden Mittelgebirge von Odenwald und Spessart heraus. Ihre geringere Erhebung von maximal 626 m (Katzenbuckel) und 586 m (Geiersberg) sind das Ergebnis einer gegenüber Taunus und Vogelsberg deutlicheren Abtragung. Bei gleichzeitiger Hebung der Mittelgebirge kamen dadurch metamorphe Gesteine aus der Tiefe zum Vorschein. Dort finden sich verschiedene Gneise, deren schlierige Struktur ein plastisches Verhalten des erhitzten Materials erkennen lässt.

Nach Süden ist der Blick frei über die Oberrheinische Tiefebene, die sich bis zum 400 km südlich gelegenen Basel erstreckt. Es ist der bekannteste und landschaftlich auffälligste Grabenbruch in Europa. Unter der Oberfläche liegt ein Sedimentstapel von bis zu 4 km Dicke.

Der Aussichtspunkt öffnet auch bei weniger guter Fernsicht einen Überblick über den Nordwesten Frankfurts, in dem wir den Verlauf des Geopfades von der Nidda über das Nordwest-Zentrum bis zum Standort verfolgen können.

Durchqueren Sie das Campusgelände bis zum Geozentrum. Umlaufen Sie das Gebäude bis zur Altenhöferallee und folgen dieser bis Sie rechts in den Annette-Kolb-Weg einbiegen. Biegen Sie links in den Kätcheslachweg ein und nehmen Sie den ersten Fussweg rechts. Nach 8 Minuten erreichen Sie den Kätcheslachweiher.

Station 9: Kätcheslachweiher im Kätcheslachpark

Alles fließt …

Der Kätcheslachweiher beansprucht etwa ein Drittel der Fläche des zukünftigen rund 10 ha großen Kätcheslachparks. Die Teichanlage ist in erster Linie eine „entwässerungstechnische Anlage“, sie dient der Regenwassersammlung und -rückhaltung. Das Oberflächenwasser (Regenwasser) von den öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen wird in kleineren Regenrückhaltebecken gesammelt und über Gräben zur Teichanlage geführt. Von dort wird es verzögert in die Kätcheslache und danach in den Kalbach geleitet. Hinzu kommt Oberflächenwasser von privaten Grundstücken. Die Teichanlage besteht aus einem kleineren Absetzbecken und einem größeren östlich gelegenen Becken. Im Absetzbecken setzen sich Schlamm- und andere Partikel ab, die dann dort entfernt werden können. Um die Reinigung des Beckens zu erleichtern ist der Beckenboden des Absetzbeckens mit Rasengittersteinen befestigt, Ab einer gewissen Einstauhöhe gelangt das Wasser durch eingebaute Rohrdurchlässe in das größere Becken. Da Oberflächenwasser nicht mit Grundwasser vermischt werden darf, wurde der Teichboden mittels Verkalkung abgedichtet. Die gesamte Anlage ist so dimensioniert, dass die Becken einen permanenten Wasserspiegel von etwa 1,50 m – 2,00 m aufweisen. Im östlichen Bereich des größeren Beckens befindet sich ein Drosselbauwerk, das dafür sorgt, dass das Wasser nur im reduziertem Umfang (maximal 10 Liter Wasser pro Sekunde pro Hektar) in die Kätcheslache und dann in den Kalbach eingeleitet wird, so dass es hier nicht zu Überschwemmungen kommen kann. Die gesamte Anlage – Teichanlage und Absetzbecken – fasst rund 17.000 Kubikmeter und zusätzlich bis zur Böschungskante weitere 9.800 Kubikmeter.

Umrunden Sie den Kätcheslachteich und nehmen Sie den Fußweg Richtung „Riedbergallee“. Biegen Sie rechts in die „Riedbergallee“ ein und folgen dieser bis Sie links in die Straße „Zur Kalbacher Höhe“ einbiegen. Nach etwa 300 Metern gelangen Sie zum Bonifatiuspark und der Natursteinmauer.

Station 10: Natursteinmauer im Bonifatiuspark

Fränkische Ammoniten in Frankfurt – Natursteinmauer im Bonifatiuspark

Die über 5 Meter hohe Natursteinmauer im Bonifatiuspark hat eine Fläche von 15 000 m². Die Mauer ist das zentrale Element des 7,5 ha großen Stadtteilparks, der mit seinen ruhigen Linien eine Verbindung zwischen den Wohnvierteln am Bonifatiusbrunnen, dem Riedberg und dem Universitätsgelände herstellt. Für die verschiedenen Funktionen, nämlich als gestalterisches Element, als Ruheplatz, aber auch zur Hangstabilisierung wurde sie in den Jahren 2004 – 2006 nach den Plänen der Landschaftsarchitekten Bernard, Müggenburg und Sattler (Berlin) errichtet. Tatsächlich ist die Wand nicht ausschließlich massiv aus Natursteinen gemauert, sondern besteht im Kern aus Stahlbeton, der mit natürlichen Steinen verkleidet wurde. Für die Dekoration fanden zwei in den Eigenschaften deutlich verschiedene Gesteinsarten Verwendung. Die Wandflächen (mit Ausnahme der glatten Platten) sind aus Quadern eines Kalksteins von der Fränkischen Alb errichtet, der unter dem Handelsnamen „Dietfurter Kalkstein“ vertrieben wird und zur Gesteinsgruppe des „Treuchtlinger Marmors“ gehört. Für die Deckplatten und die Verkleidung der Fundamente, die ebenen Einzelflächen in der Wand, die Wasserspeier und Ruhebänke wurde ein Sandstein aus China gewählt. Der „Treuchtlinger Marmor“ wird gesägt und poliert vor allem für den Innenausbau verwendet. Besonders bekannt ist er als Fensterbankmaterial.

Das Gestein entstand vor rund 153 Millionen Jahren in der Zeit des Oberjura, als fast ganz Süddeutschland von einem tropischen Flachmeer mit Riffgürteln und zwischengelagerten Lagunen bedeckt war. Das Gebiet um Frankfurt lag am Südrand einer großen Insel. In den Kalksteinen ist eine Vielzahl von Skelettresten und Abdrücken der Lagunenbewohner des einstigen Jura-Meeres erhalten. Die schönsten und auch die bekanntesten Fossilien darin sind die zahlreichen Ammoniten, die man in verschiedenen Erhaltungsformen in der Mauer ausmachen kann.

Hinweis

Zur nächsten Bushaltestelle gelangen Sie, wenn Sie der Straße „Kalbacherhöhe“ nach links bis zur Haltestelle „Am Bonifatiusbrunnen“ folgen. Von dort fährt die Buslinie 26 in Richtung U-Bahnstation Nordwestzentrum bzw. S-Bahnstation Eschersheim.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Geopfad Stadt-Land-Fluss

Kurzbeschreibung

agsdi-file-pdf

Geopfad Stadt-Land-Fluss

Pressemitteilung zur Eröffnung des Geopfads

agsdi-file-pdf

Geopfad Stadt-Land-Fluss

Faltblatt Geopfad

agsdi-file-pdf

Geopfad Stadt-Land-Fluss

Aktionsheft für Kinder „Fränkische Ammoniten in Frankfurt“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.