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Die folgende Beschreibung wurde unverändert übernommen von der privaten Webseite www.opengeiger.de –  Stand 06.04.2013, aktualisiert am 20.05.2015.

Mit freundlicher Genehmigung von Bernd Laquai. Vielen DANK.

Historisches

Prof. Dr. Franz Waldemar Kirchheimer (*1911, †1984) war von 1947 bis 1952 Direktor der Badischen Geologischen Landesanstalt in Freiburg i. Br. und Verfechter des Uranabbaus im Schwarzwald. Nach ihm ist auch ein Mineral der Uranglimmerserie, das Kirchheimerit, benannt. Ein Buch über einen seiner Arbeitsschwerpunkte hat er ebenfalls geschrieben: Das Uran und seine Geschichte / Franz Kirchheimer 1963 (Schweizerbart Verlag Stuttgart). Die Hinterlassenschaften seines Wirkens kann man heute noch mit dem Geigerzähler in Müllenbach bei Baden-Baden (Stadtteil Oberbeuern) finden. Der Geigerzähler hilft dann auch das „Denkmal“ zu finden, das einer seiner verbündeten Firmen, die Saarberg-Interplan Uran GmbH aus Saarbrücken gebaut hat. Sehen will dieses Denkmal heute allerdings keiner mehr, deswegen ist es auch ziemlich mit Efeu überwuchert. Diese Firma nennt sich heute etwas dezenter „Saarberg-Interplan GmbH Industrieanlagenbau“. In den Jahren 1982-85 hat diese Firma vom Land Baden-Württemberg etwa 2.5 Mio DM erhalten um bei Müllenbach nach Uran zu suchen. Geistiger Vater des Projekts und Auffinder der geologischen Anomalität war Kichheimer.

Abb. 1: Das Denkmal am Stollenmundloch des Stollens bei Müllenbach

Ab 1975 hatte man hier zwei Probestollen angelegt (Kirchheimerstollen und Sauersboschstollen) und Versuche zur Auslaugung des Urans unternommen. Bis 1982 hatte man mindestens 30 Tonnen Uran herausgeholt. Das war attraktiv genug, damit das Wirtschaftsministerium Geld bereitstellte. Doch schnell gab es Ärger mit der Stadt Baden-Baden und Umweltschutzverbänden, welche die Mineralquellen und den Tourismus in Gefahr sahen. Vor allem in den Haldenablagerungen im Müllenbach- und Sauersboschtal sah man eine Gefahr. Es sollten neue spezielle Uranabaumethoden erprobt werde und im Waldbachtal sollte zusätzlich eine Aufbereitungsanlage für Erze zu „Yellow Cake“, dem Rohstoff für Brennelemente, errichtet werden. Als man die Erweiterung der Haldenablagerung beantragte, verweigerte die Stadt Baden-Baden jede weitere Genehmigung. Vermutlich kam es danach zu weiteren politischen Auseinandersetzungen, die schließlich zur Beendigung des Projekts führten. Danach waren die Stollen noch für eine gewisse Zeit als Referenz für Strahlungsmessungen benutzt worden. Angeblich wurde ein großer Teil des Urans wieder im Stollen entsorgt worden, bevor er verschlossen wurde.

Beschreibung der Tour

Die Erkundung des Gebiets kann man mit einer schönen Wanderung verbinden. Wenn man nicht mit dem Auto anreist, kann man auch von Baden-Baden aus mit der Buslinie 201 bis Lerchenbergweg fahren und dort aussteigen (N48 44.346 E8 16.876). Von hier aus geht man zunächst einen Feldweg Richtung Nordosten zum Gebiet Hummelsacker (etwa N48 45.025 E8 17.550), bis man an das Stollenmundloch des Sauerboschstollens kommt. Dieses ist hinter einem Holzschuppen versteckt und bis auf einen Fledermausschlitz zugemauert. Dieser Stollen ist mit einem sogenannten Aufhauen (einem im Berg verlaufenden schrägen Verbindungsstollen) mit dem Kirchheimerstollen verbunden.

Abb. 2: Stollenmundloch des Sauerboschstollen 

Dass man hier richtig ist, zeigt der Geigerzähler wenn man ihn in den Schlitz hält. Ganz offensichtlich strömt hier radonhaltige Luft aus, denn die Anzeige fluktuiert um Werte zwischen 0.3 und 0.8uSv/h. Geht man von hier aus ein Stück zurück, kann man über die Wiesen hochsteigen um auf einen Wanderweg unterhalb des Hummelsacker-Wegs etwa bei N48 44.498 E8 17.075) zu gelangen. Auf diesem Weg kann man leicht erhöhte Strahlungswerte messen. Der Mittelwert über 2 min erreicht hier gelegentlich 0.25uSv/h.

Der Weg führt durch einen wunderschönen Tannenwald bis man etwa bei N48 44.605 E8 17.301 auf den Hummelsacker-Weg trifft. In diesem Bereich müsste etwa der Aufhauen im Berg verlaufen. Bei N48 44.797 E8 17.479 kann man aber östlich abzweigen um nach Müllenbach zum Stollenmundloch des Kirchheimerstollens zu gelangen.

Abb. 3: Idyllischer Hummelsacker-Weg im Wald bei Müllenbach

Bei N48 45.026 E8 17.757 macht man einen Bogen, so dass man bei N48 44.730 E8 17.645 auf die Haarnadelkurve der L78 bei Müllenbach gelangt. Dort befindet sich ein größerer geologischer Aufschluss, der aber von der Strahlung her keine besonderen Werte liefert. Kurz vor der Mündung des Wegs auf die Straße führt ein weiterer Feldweg immer noch im Wald der Hangkante entlang Richtung Müllenbach. Etwa bei N48 44.535 E8 17.419 kann man den Hang hinuntersteigen, was etwas beschwerlich aber machbar ist. Das Stollenmundloch befindet sich dann bei N48 44.543 E8 17.473 etwas versteckt hinter Efeu am Rande einer Wiese zum Wald. Dieser Stolleneingang ist ebenfalls bis auf einen Fledermausschlitz zugemauert. Hier allerdings zeigt der Geigerzähler bereits Werte über 1uSv/h an wenn man ihn in den Schlitz legt. Im Prinzip könnte hier die Stadt Baden-Baden aus dem Übel nun eine Tugend machen und ähnlich zum Radon-Stollen in Bad Gastein Rheuma Patienten einen medizinisch kontrollierten Aufenthalt im Kirchheimerstollen ermöglichen. Das wäre sicher sinnvoller, als hier einen Tierschutz der besonderen Art zu betreiben. Es sei denn die Universität Freiburg untersucht in diesem Stollen die Wirkung des Radons auf das Lungenkrebsrisiko oder die Leukämierate an Fledermäusen, weil Fledermäuse ja auch Säugetiere sind und daher dem Menschen biologisch nahe kommen.

Abb. 4: Blick auf das Dörfchen Müllenbach

Abb. 5: Mundloch des Kichheimerstollen bei Müllenbach. Man kann den Fledermausschlitz im Efeu kaum erkennen

Abb. 6: Hauptsächlich durch Radon erzeugte radioaktive Strahlung im Fledermausschlitz

Vor dem Stolleneingang des Kirchheimerstollens befindet sich eine Wiese, die sich im Süden bis an einen Waldrand hinzieht. An der Kontur kann man ahnen, dass sich darunter eine Halde befindet. Das bestätigt dann auch der Geigerzähler. Im Bereich dieser Wiese misst man zwischen 0.3 und 0.45uSv/h Dosisleistung der Gammastrahlung. Im Vergleich zu anderen Haldensanierungen, z.B. an der Aufbereitungsanlage in Ellweiler, ist dies eine vergleichsweise schlechte Sanierung. Wie das Wasser des Müllenbachs aussieht, wurde bereits vom Kernforschungszentrum im Jahre 1980 untersucht /2/. Aber man darf annehmen, dass dieser Bericht unter den zu dieser Zeit herrschenden politischen Umständen durchaus zu einem etwas verharmlosenden Resultat kam. Dennoch hat man die Radionuklide deutlich nachgewiesen und spricht von gelegentlich überhöhten Werte in der Nähe der Grube.

Abb. 7: Der Müllenbach, wie er unter der ehemaligen Halde hervorkommt

Wenn man nun auf der Wiese etwas nachhaltig sucht, dann kann man mit etwas Glück auch durchaus noch Erzbrocken des Abraums finden. Es handelt sich dabei aber nicht um Granite sondern eher um Sedimentgestein, welches poröser ist und weniger Festigkeit besitzt. Im Gestein kann man oxidiertes Eisen erkennen aber auch dunkelschwarze mineralische Einlagerungen. Die messbare Radioaktivität der noch herumliegenden Brocken ist aber meist kleiner als 0.5uSv/h (gemessen mit Gammascout an der Oberfläche).

Abb. 8: Aufgebrochener Gesteinsbrocken von der Halde Müllenbach

Abb. 9: Übersicht über die Tour

Abb. 10: Daten des GeoRexx-Systems im Bereich des Kirchheimerstollen. Die Stollen-Eingänge sind deutlich anhand der höheren Strahlung (rot makiert) zu erkennen.

Nachdem beide Eingänge der Stollen gefunden und die jeweiligen Geo-Koordinaten vermessen werden konnten, war es möglich eine historische Karte als Overlay auf der OSM Wanderkarte zu justieren. Unter der Annahme, dass die historische Zeichnung einigermaßen maßstabsgetreu und unverzerrt dargestellt ist, kann man nun die Lage der Stollen erkennen.

Abb. 11: Overlay einer historischen Karte zur Ermittlung der Lage des Sauersbosch-Stollen

Die Annahmen über die Lage der Stollen wird auch durch eine Skizze in der Veröffentlichung des Geologen Michael Zuther /3/ bestätigt, der diese spezielle Uranlagerstätte mit Unterstützung der Saarberg Interplan im Jahre 1983 untersucht hat. Das Ergebnis seiner Untersuchung war, dass es sich um eine epigenetisch hydrothermale Imprägnationslagerstätte in Sedimenten handelt. D.h. das uranführende Gestein ist hier kein Granit im Gegensatz zum Bärhaldegranit in der Urangrube im Krunkelbachtal von Menzenschwand im Südschwarzwald, sondern ein sedimentäres Gestein. 

Abb. 12: Profil durch den Hügel des Untersuchungsgebiets aus /3/. Entlang der Bergkuppe läuft der Hummelsackerweg. 

Abb. 13: Die Halde des Sauerboschstollen (Dank an Niko) 

Literatur

/1/  Helge Steen Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald: Eine detaillierte Zusammenstellung der Bergbauaktivitäten von 1890 bis zum Jahr 2000.

/2/  H. Schüttelkopf, H. Kiefer Die Dosisbelastung der Umgebungsbevölkerung durch natürliches und aus einer Uranuntersuchungsgrube emittiertes Ra-226 – Radioökologische Untersuchungen im Raum Baden-Baden – KfK 2994, Hauptabteilung Sicherheit, August 1980.

/3a/ Michael Zuther, Göttingen, Das Uranvorkommen Müllenbach/Baden-Baden, eine epigenetisch-hydrothermale Imprägnationslagerstätte in Sedimenten des Oberkarbon (Teil I: Erzmineralbestand) Neues Jahrbuch Miner. Abh. 147,2,191-216, Stuttgart, August 1983

/3a/  Olaf Brockamp, Michael Zuther, Göttingen, Das Uranvorkommen Müllenbach/Baden-Baden, eine epigenetisch-hydrothermale Imprägnationslagerstätte in Sedimenten des Oberkarbon (Teil II: Das Nebengestein) Neues Jahrbuch Miner. Abh. 148,1,22-33, Stuttgart, November 1983