Steinheim: Meteoritenkrater-Rundweg

18.08.2021 | Impakte, Lehrpfad, Schwäbische Alb

Der ca. 20 km lange Meteorkrater Rundweg verläuft ungefähr entlang des Kraterrandes und informiert auf insgesamt 28 Schautafeln über die Geologie, Geomorphologie, Flora und Fauna sowie die kulturellen Entwicklungen des Kraterbeckens.

Der Rundweg hat fünf Ein- und Ausstiegspunkte und verläuft teilweise auch auf Themenwegen, wie dem Geologischen Lehrpfad, dem Wentallehrpfad, dem Waldsinnespfad oder dem Heidelehrpfad.

Geologischer Überblick

Vor ca. 14,5 Millionen Jahren entstand durch den Einschlag eines Meteoriten mit einem Durchmesser von ca. 150 m der Meteoritenkrater „Steinheimer Becken“ – der heute wohl besterhaltene und prägnanteste Meteoritenkrater mit Zentralkegel. Das Steinheimer Becken hat einen Durchmesser von ca. 4 km.

Zur selben Zeit schlug nur 40 km östlich von Steinheim, ein zweiter, deutlich größerer Asteroid (Durchmesser ca. 1 km) auf die Albhochfläche und erzeugte einen Einschlagskrater mit ca. 24 km Durchmesser, das „Nördlinger Ries„.

Die Entstehung beider Krater war lange Zeit ein geowissenschaftliches Rätsel. Die gegenseitige Verknüpfung wurde viele Jahre nicht erkannt. Wie das Nördlinger Ries wurde das Steinheimer Becken bis vor wenigen Jahrzehnten als vulkanischer Explosionskrater gedeutet, in dem sich nach der Aussprengung des Beckens ein See gebildet hatte. Vulkanische Gesteine sind jedoch nicht vorhanden. Durch zahlreiche Bohrungen und geophysikalische Vermessungen konnte die vulkanische Entstehung des Beckens ausgeschlossen werden.

Das Becken

Die Beckenumrandung besteht aus Weißjura-Massenkalk, z.T. zuckerkörnig und dolomitisch, darüber liegen Kalk- und Mergelsteine der Mergelstetten-Formation, lokal treten Brenztal-Trümmeroolith und schließlich pleistozäne Decklehme auf.

Der ursprüngliche Beckenboden ist überwiegend aus geschichteten Kalksteinen des Weißjura aufgebaut.

Die Schollen am Beckenrand bestehen aus schräggeschichteten, massigen Kalksteinen des Weißjura, die z.T. stark zertrümmert und stellenweise sekundär verkieselt sind.

Die Zentralerhebung besteht aus hochgepressten Schichten des Braunjura und des Weißjura. Die Beckenfüllung setzt sich aus primärer Beckenbreccie (=Bunte Breccie), limnischen Sedimenten des Sarmatium (Gyttjen, Süßwasserkalksteine, Kalksandsteine, Kalksande, Algenkalkstotzen, Breccien, am Beckenrand auch Konglomerate), sowie pleistozänem lehmigen Schotter, z.T. anmoorigem Auenlehm, Gehängeschutt und Bergsturzmassen zusammen.

Besondere Ausbildungen

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Strahlenkalke („shatter cones“)

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zerbrochene und wiederverheilte Fossilien

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sogenannte „planare Elemente“ (kristallographisch orientierte Deformationsstrukturen) in den Quarzkörnern der Beckenbreccie als Anzeichen der Stoßwellenmetamorphose

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verkieselter Weißjurakalk

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Aragonit und Opal in tertiären Süßwasserkalken

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Formänderungen in den Gehäusen tertiärer Schnecken

Zweifel am Zwillingskrater-Szenario

Das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken sind möglicherweise doch nicht gemeinsam entstanden. Stattdessen könnte es zwei getrennte Einschläge mit rund einer halben Million Jahren Abstand gegeben haben. Indizien dafür haben Forscher im Alpenvorland entdeckt. Dort zeugen Bruchspuren im Untergrund von zwei zeitlich getrennten Beben im Gebiet der heutigen Krater.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Steinheim

Faltblatt „Meteorkrater-Rundwanderweg“

Textquellen

Faltblatt „Meteorkrater-Rundwanderweg“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an dem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.