Sulzheim: Rund um den Gips

26.05.2022 | Franken, Geologie, Lehrpfad

Weiße Gipssteinbrüche, blaue Seen und seltene Pflanzen in der steppenartigen Karstlandschaft prägen diesen Rundweg. Die Sulzheimer Gipshügel sind dabei einmalig. Sie zählen zu den 100 schönsten Geotopen in ganz Bayern. Denn genau hier wächst nacheiszeitliche Steppenvegetation. Ein absoluter Hingucker sind das Federgras, die Steppenwolfsmilch und gelbleuchtende Adonisröschen.

Regen- und Grundwasser greifen den Gips an und lösen ihn auf. Höhlen, Klüfte und Grater entstehen. An der Oberfläche  entdecken Sie als Ergebnis kleine Einsturzkrater im Boden, klippenähnliche Abbruchkanten, Senken und Mulden.

Nur bestimmte Pflanzen siedeln sich hier an. In Sulzheim ist eine steppenartige Karstlandschaft entstanden, die von Trockenrasen überzogen ist. Entdecken Sie seltene Pflanzen wie die Steppenwolfsmilch, das Federgras oder die hübsch blühenden Adonisröschen bei der Wanderung durch die Gipshügel.

Nördlich von Sulzheim liegen noch große Gipssteinbrüche. Der weiß schimmernde Gips wird hier im Tagebau abgebaut. Die Seen, an denen Sie vorbeikommsen sind ältere, bereits still gelegte Steinbrüche.

Mehr Infos und Wissenswertes zum Gips erfahren Sie in der Ausstellung im Gips-Informationszentrum GIZ. Hier werden auch Workshops für Kinder, Vorträge und Führungen angeboten.

Textquelle: Touristinformation Schweinfurt

Ein Rundweg zu den Höhepunkten der Gipslandschaft

Zum Gipsinformationszentrum gehört auch ein aufwändig gestaltetes Freigelände, das auch außerhalb der Öffnungszeiten zu einem Besuch einlädt!

Über 100 t Gipsgestein wurden vor dem Gipsinformationszentrum (GIZ) zu einem attraktiven Freigelände verwendet. Das Freigelände ist Rast- und Ruheraum, Abenteuerspielplatz und Freiluftausstellung zugleich. Es entstand hier ein Gipshügel, auf dem seltene Pflanzen wachsen. Ein tonnenschwerer Gipsfels lädt zum Klettern ein und historisches Steinbruchgerät lässt die früheren Mühen der Arbeiter beim Gipsbrechen erahnen.

Erläuterungstafeln beantworten Ihnen zentrale Fragen rund um den Gips und bereiten Sie damit auf den großen Gipsrundweg vor, der beim GIZ startet und durch die Sulzheimer Flur führt. Gute zwei Stunden sollten Sie für den etwa 6,5 km langen Rundweg einplanen. Die Strecke führt über Flurstraßen und Feldwege, aber auch entlang kleinerer Waldpfade. So erhalten Sie einmalige Einblicke in eine vom Gips geprägte Landschaft!
Wagen Sie einen Blick über die Abbruchkante eines aufgelassenen Steinbruchs und entdecken Sie dort ein verstecktes Biotop. Staunen Sie über die modernen Produktionsanlagen des Gipswerks und beobachten Sie die Arbeiten im Steinbruch. Bewundern Sie die einmalige Pflanzenwelt der Sulzheimer Gipshügel und helfen Sie mit, dieses Naturschutzgebiet zu erhalten.

An sieben großformatigen Tafeln erhalten Sie vor Ort Informationen über verschiedene Aspekte der Sulzheimer Gipslandschaft. Meist bieten diese Stationen auch Rastmöglichkeiten und natürlich endet der Rundweg mitten im Dorf, wo Einkehrmöglichkeiten locken.

Textquelle: Webseite „Gemeinde Sulzheim“

Der Gips und das GIZ

Gips – kennt doch jeder. Das ist ein hellgraues Pulver, das mit Wasser angerührt einen Brei ergibt, der schnell erstarrt. So einfach ist das.

Wirklich? Aber woher stammt der Gips? Wie entsteht Gips? Warum wird Gips hart? Wie kommt Gips in den Baumarkt? Wozu lässt sich Gips verwenden? Wie kommt Gips in der Natur vor? Was sind Gipshügel? Und warum darf Gips in Lebensmittel?

Gips ist ein Salz der Schwefelsäure, das in oberflächennahen Gesteinsschichten vorkommt. Ein solches Vorkommen verläuft am Westrand der Haßberge und des Steigerwalds von Bad Königshofen im Norden bis Bad Windsheim im Süden. Geschichte, Kultur und Wirtschaftsleben der Orte entlang dieser Linie sind eng mit dem Gips verbunden. Das gilt besonders für Sulzheim. Seit Jahrhunderten wird hier Gips gebrochen und verarbeitet: Häuser und Scheunen bestehen aus Gipsgestein, die örtliche Mühle mahlte schon im 18. Jahrhundert Gips zu Pulver und das 1948 gegründete Gipswerk entwickelte sich zum wichtigsten Arbeitgeber des Dorfes. Darüber hinaus schuf der Gips bei Sulzheim noch ein botanisches Kleinod: Die Gipshügel mit ihrer in Deutschland einmaligen Steppenvegetation.

Gründe genug für Sulzheim, ein Informationszentrum zum Gips einzurichten – und Gründe genug, sich den Gips doch einmal genauer anzusehen !

Textquelle: Webseite „Gemeinde Sulzheim“

Der Gipskeuper

In der Zeit der Oberen Trias lag das heutige Süddeutschland im Randbereich eines flachen Meeres, dessen Küstenlinie sich ständig verlagerte. Zu Beginn des Mittleren Keupers, vor etwa 230 bis 220 Millionen Jahren, wurden pfannenartige Senken im Küstenbereich episodisch überflutet und dampften bei trockenem und warmem Klima ständig ein. Dabei fielen im Meerwasser gelöste Stoffe als Minerale aus, wodurch regelrechte Gipsschichten entstanden. So bildet der bis über 10 Meter mächtige „Grundgips“ an der Basis der „Myophorienschichten“ die Rohstoff-Basis der fränkischen Gips-Industrie. Auch in der weiteren Schichtfolge treten immer wieder Gipslagen auf, weshalb man den älteren Abschnitt des Mittleren Keupers auch als „Gipskeuper“ bezeichnet.

Das Mineral Gips ist ein wasserhaltiges Calcium-Sulfat. Wegen des steigenden Druckes durch die Überlagerung mit jüngeren Sedimenten wandelte er sich unter Abgabe des Wassers in das wasserfreie Calcium-Sulfat „Anhydrit“ um. Daher kommt im Erdinneren unter normaler Überdeckung nur Anhydrit vor. Sobald die Schichten aber durch Hebung und Abtragung wieder zur Erdoberfläche gelangen, verursachen eindringende Regen- und Grundwässer die Rückwandlung von Anhydrit zu Gips.

Karstlandschaft Sulzheimer Gipshügel

Bei Sulzheim sind die Grundgipsschichten breit aufgeschlossen. In Gebieten mit besonderer Mächtigkeit werden sie abgebaut, in anderen Bereichen, wo der Gips teilweise ausgelaugt ist, haben sich Landschaften mit einem unruhigen Relief aus pilzförmigen Gips-Härtlingen gebildet. Dort findet man auch Dolinen bzw. verfüllte Erdfalltrichter. Letztlich geologisch bedingt konnte sich auf den Sulzheimer Gipshügeln ein Vorkommen einer seltenen, reliktischen Steppenflorengemeinschaft entwickeln, das durch Federgras, Steppenwolfsmilch, Dänischen Tragant oder auch Frühlings-Adonisröschen gekennzeichnet ist. Darüber hinaus findet man auf den Gipsfelsen eine bunte Erdflechten-Gesellschaftung.

Entstehung der Gipshügel

Gips ist ein relativ leicht lösliches Gestein, seine Auslaugung beginnt, sobald es nicht mehr vollständig von den wasserundurchlässigen Schichten bedeckt ist. Zunächst entstehen Bachschwinden, Höhlensysteme und Karstquellen, mit Vergrößerung der Hohlräume kommt es immer häufiger zum Einsturz mit plötzlichen Erdfällen an der Erdoberfläche. Wenn die Auslaugung weiter voran schreitet, senken sich größere Bereiche und es bildet sich ein „Auslaugungstal“, in dem zunächst noch Restbuckel („Gipshügel“) erhalten sind. Sobald der Gips flächenhaft weggelöst ist, bleiben große Becken ohne oberirdischen Abfluss („Subrosionssenken“) zurück.

Bedeutendes Archiv der Erdgeschichte

Größere Gipskarst-Gebiete sind nur an wenigen Orten in Bayern erhalten. Die Sulzheimer Gipshügel sind ein Musterbeispiel für Entstehung und Charakteristik derartiger Landschaften. Sie stellen daher ein besonders wertvolles „Archiv der Erdgeschichte“ dar. Wegen ihrer empfindlichen nacheiszeitlichen Steppenvegetation sind die Gipshügel als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Bitte verlassen Sie die Wege nicht und tragen Sie so zur Erhaltung dieses Naturschatzes bei.

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (Lfu Bayern)

Wegstationen

Textquelle: Webseite „Gemeinde Sulzheim“

Station 1: Gipswerk und Gräberfeld

Über ein wiederaufgefülltes Abbaugebiet hinweg haben Sie freie Sicht auf die eindrucksvolle Anlage des Sulzheimer Gipswerkes.

Bei der Werksgründung 1948 lagen die ersten Betriebsgebäude noch im aktiven Steinbruch.

Übrigens stehen Sie gerade an der Stelle, an der 1964 ein frühmittelalterliches Gräberfeld im Gipsfels entdeckt wurde.

Station 2: Gipsbestattung und Saurierknochen

Knochen, Metallteile und Scherben tauchten als Vorboten für einen besonderen archäologischen Fund schon lange vor Beginn der 1966 begonnenen Grabungen auf.

Die im 6./7. Jahrhundert in den Gips geschlagenen Grabstätten konnten dokumentiert und die Funde gesichert werden.

Eine kleine Sensation war auch ein kleiner Saurier, den Steinbrucharbeiten 1967 bei Sprengungen entdeckt hatten.

Station 3: Gipskeuper und Wald

Im flachen Vorland des Steigerwaldes wachsen auf den schweren und tonigen Böden des Gipskeupers Eichen-Hainenbuchenwälder. Die bodennahe Vegetation prägen Bärlauch und blühende Pflanzengesellschaften.

In diesem Lebensraum fühlen sich auch viele Tiere wohl. Ein besonderes Schutzprogramm sorgt dafür, dass er auch zukünftig erhalten bleibt.

Station 4: Renaturierung und Verkarstung

Riskieren Sie einen Blick in einen aufgeschlossenen und renaturierten Steinbruch, der als Rückzugsort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dient.

Nur wenige Meter entfernt am Rand des verkarsteten Waldstücks liegt ein versteckter Ponor. Hier versickert das ablaufende Wasser des Karstgebiets.

Station 5: Steinbruch und Grundbesitz

Vor Ihnen öffnet sich ein imposanter Einblick in den Sulzheimer Gipssteinbruch, in dem auf mehreren Abbausohlen das bis zu 10 m mächtige Gipsgestein gewonnen wird.

Dazu pachtet das Gipswerk den Grund, baut den Gips ab und verfüllt die Grube wieder.

Seien Sie bitte vorsichtig und achten Sie auf die schweren Arbeitsmaschinen.

Station 6: Naturschutz und Unkenmühle

Die nacheiszeitliche Steppenvegetation der Gipshügel lockt jedes Jahr botanisch interessierte Besucher an.

Seit 1979 stehen die Gipshügel unter Naturschutz. Bitte tragen auch Sie zum Erhalt dieser einmaligen Vegetation bei. Verlassen Sie nicht die Wege!

Ganz in der Nähe steht die Unkenmühle, in der bis ins 20. Jahrhundert hinein Gips gemahlen und wohl auch gebrannt wurde.

Station 7: Mauerstein und Frankenwein

Viele Gebäude in Sulzheim wurden aus Gipsgestein errichtet, das in unmittelbarer Umgebung des Dorfes gebrochen wurde. Die hellen, weißlichen Mauern können Sie auch heute noch leicht erkennen, wenn Sie durch den Ort gehen.

Ein Sulzheimer Weingut baut seine Reben im Gipskeuper an, das soll dem Wein einen ganz besonderen Charakter verleihen.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Bayerns schönste Geotope (87)

Infotafel „Sulzheimer Gipshügel“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.