Alter Bahnhof

Alter Bahnhof

Alter Bahnhof

Wo ist eigentlich der Bahnhof von Baden-Baden?

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Er befindet sich im Ortsteil Baden-Oos, ca. 5 km Luftlinie nordwestlich der Innenstadt.

Der Bahnhof von Baden-Baden liegt ca. 5 km außerhalb der Innenstadt im Ortsteil Baden-Oos (April 2026).

Der Bahnhof in Baden-Baden ist aufgrund seiner Lage weit außerhalb vom Ortszentrum kein Bahnhof der kurzen Wege – kein Stadtbahnhof. 

Das war früher jedoch ganz anders…

1838 begann die staatliche Eisenbahnverwaltung im Großherzogtum Baden mit dem Bau einer Bahnstrecke entlang des Rheins, die sogenannte „Badische Hauptbahn“, die Vorläuferin der heutigen Rheintalbahn.

Im September 1840 wurde der erste Streckenabschnitt zwischen Mannheim und Heidelberg fertiggestellt. Anschließend wurde zuerst Karlsruhe, dann Rastatt und schließlich im Mai 1844 auch Oos angeschlossen.

Oos war zu dieser Zeit noch eine eigenständige Ortschaft. Im ersten Jahr nach Fertigstellung des Bahnhofs Oos wurden die anreisenden Gäste noch mit Pferdebussen und Kutschen nach Baden-Baden befördert.

Am 27. Juli 1845 wurde eine ca. 4 km lange Stichbahn von Oos nach Baden-Baden in Betrieb genommen. Die Bahnstrecke endete mit einem Kopfbahnhof.

Badische Hauptbahn

Stadtbahnhof Baden-Baden

Das Empfangsgebäude war ein von Friedrich Eisenlohr entworfenes Holzfachwerkgebäude im Schweizerhausstil.

Der in Lörrach geborene Eisenlohr studierte bis 1824 in Freiburg und danach auch an der Bauschule von Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe. 1839 wurde er Professor für Konstruktionslehre an der Polytechnischen Oberschule in Karlsruhe. Eisenlohr plante sämtliche Bahnhöfe der Badischen Hauptbahn zwischen Freiburg und Mannheim.

Foto: Das erste Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)

Das Empfangsgebäude war für den rasant wachsenden Verkehr schon sehr bald zu klein und für das mondäne Publikum des „Weltbades“ zu wenig repräsentativ, es war den gehobenen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Bauliche Veränderungen im Bestand des Ensembles führten nicht zum gewünschten Ziel.

Es war ein Neubau erforderlich. Das neue Gebäude wurde am 18. März 1895 eröffnet.

 

Die gleiche Ansicht Jahre später. Wir schauen die „Lange Straße“ hinauf in Richtung Florentinerberg mit dem Neuen Schloss. Es ist Winter, die Straße ist leer. Am Vorplatz wartet eine Kutsche auf Reisende.

Foto: Das zweite Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)

Foto: Am Bahnsteig um 1910 (Sammlung Korkisch)

„Baden, hier Baden. Bitte alle Fahrgäste aussteigen, der Zug endet hier. Herzlich willkommen in der Sommerhauptstadt Europas. Bienvenue à Baden, la capitale d’été de l’Europe. Ihr Zug ist pünktlich angekommen. Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Aufenthalt.“

 

So oder so ähnlich könnte die Durchsage am Bahnsteig um 1910 gelautet haben. An einem lauen Sommertag um 16:08 Uhr.

 

Streckenstilllegung

In den 1960er und 1970er Jahren galt die Stichstrecke von Oos in den Augen der Baden-Badener Kommunalpolitik als veraltet und lästig.

Schon Anfang der 1970er Jahre gab es erste Anzeichen dafür, dass die Strecke geschlossen werden soll. Am 24. September 1977 fuhr schließlich der letzte Zug.

Die Bahnanlagen wurden anschließend rückgebaut. Ein erst auf den zweiten Blick sichtbarer Rest der alten Stichbahnstrecke findet sich noch heute im Wörthböschelpark in Baden-Oos. Die Überführung erfolgte mit einer unscheinbaren Brücke. Brücke und Geländer sind noch im Original erhalten.

Fotos: Bahnbrücke der Alten Stichbahnstrecke nach Baden-Baden über den Ooser Landgraben im Wörthböschelpark in Baden-Oos (August 2023)

Teile der ehemaligen Bahnsteigüberdachung wurden in das 20 km entfernte Bad Herrenalb transloziert, wo diese noch heute am Bahnhof der Albtalbahn ihre Funktion erfüllt.

Das Empfangsgebäude gibt es heute noch.

Ein prächtiges Bauwerk im Stil der Neorenaissance mit Anleihen aus dem Barock. Erbaut mit einem hellen Sandstein aus dem Murgtal.

Foto: Das Empfangsgebäude vom ehem. Stadtbahnhof in Baden-Baden (April 2026)

Sandsteinbrüche

Nach der Streckenstillegung 1977 wurde das Gebäude 20 Jahre anderweilig genutzt. In den 1990er Jahren wurde an der Gebäuderückseite, auf dem früheren Gleisfeld, das Festspielhaus gebaut.

Seit dessen Eröffnung 1998 dient das Gebäude als Entrée in das zweitgrößte Opernhaus in Europa (2.500 Plätze).

Das Festspielhaus an der Rückseite des Empfangsgebäudes des ehemaligen Stadtbahnhofes von Baden-Baden (April 2026).

Das historische Gebäude nennt man in Baden-Baden bis heute, in würdigender Anerkennung seiner Historie, schlicht und einfach Alter Bahnhof.

 

Schlicht und einfach? Nicht das Gebäude!

Schalterhalle

Deckenornamente

Zu den Geschäftsräumen

Lichtdurchfluteter Flur

Die (älteren) Einheimischen nennen ihre Stadt auch heute noch „Baden“ und nicht „Baden-Baden“. So war das in längst vergangenen Tagen schon. Und so steht es auch über dem Eingangsportal am Alten Bahnhof.

Foto: Fassadeninschrift über dem Eingang in den „Alten Bahnhof“ (April 2026)

Rathaus-See

Rathaus-See

Rathaus-See

Das Rathaus von Baden-Baden: Verschachtelt | Verwinkelt | Geheimnisvoll

Unter dem Rathaus verbirgt sich ein lange vergessenes Geheimnis. Im Volksmund „Rathaus-See“ genannt. Das Wasser hat Trinkwasserqualität und eine konstante Temperatur von 18°C. Der See wurde 1991 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Rathaus von Baden-Baden besteht aus drei miteinander verbundenen Bauwerken:

  1. dem historischen Gebäudekomplex des Jesuitenordens (Wiederaufbau 1698 bis 1723)
  2. dem ehemaligen Hotel „Darmstädter Hof“ (ab 1827 an Stelle der ehemaligen Jesuitenkirche von 1671).
  3. dem Ratssaal-Gebäude (früher Jesuitenschule mit Aula)

Im Mittelalter befand sich hier der Freihof der Markgrafen von Baden. 1627 überließ Markgraf Wilhelm das Anwesen den Jesuiten.

Die Jesuiten errichteten bis 1679 ein repräsentatives Kolleggebäude, das nur zehn Jahre später beim Stadtbrand zerstört wurde. Der Wiederaufbau auf altem Grundriss dauerte bis 1723.

Nach Auflösung des Jesuitenordens 1773 wurde das Gebäude zunächst als Schule, dann als Konversationshaus und schließlich zu Mietwohnungen genutzt.

Als Friedrich Weinbrenner das Jesuitenkolleg 1811 in eine Konversationshaus verwandelte, ließ er die Kirche mit Ausnahme der Chorpartie abbrechen.

 

Darmstädter Hof

Das Hotel „Darmstädter Hof“ entstand ab 1827.

Nach Fertigstellung des neuen Konversationshauses, dem heutigen Kurhaus, wurde der Gebäudekomplex vorrübergehend als Wohngebäude genutzt, bis schließlich im Jahr 1862 das Rathaus in die früheren Jesuitengebäude einzog.

Der Darmstädter Hof erhielt nach Umbauten 1894 sein heutiges Erscheinungsbild. Das Hotel wurde nach dem Ersten Weltkrieg staatliches Kur- und Badehaus, bis die Stadt im Jahr 1937 das Gebäude zur Erweiterung des Rathauses übernahm.

Foto: Rathaus Baden-Baden (rechts der Gebäudetrakt „Ehem. Darmstädter Hof“ (Oktober 2022)

Von 1671 bis 1812 befand sich am Standort des Darmstädter Hofes die nach Plänen von Tommaso Comacio erbaute barocke Jesuitenkirche und ein Jesuitenkolleg. Ansicht von Südosten.

Entdeckung einer Höhle

Im Dezember des Jahres 1891 wurde bei Umbauarbeiten im damaligen Hotel „Darmstädter Hof“ (A) der Zugang zu einer Höhle entdeckt.

Die Anlage erstreckte sich auf etwa 13 m Länge in nordöstlicher Richtung in den Rathaushügel und liegt somit größtenteils unter dem heutigen Rathaushof.

Die Höhle selbst besteht aus einer größeren Vorhalle, an die sich zwei tieferliegende Kammern anschließen. Beide Nebenkammern sind mit Wasser gefüllt und bilden zwei kleine, voneinander getrennte Seen (B).

Der Wasserspiegel liegt knapp unter den jeweiligen Höhlendecken, so dass sich beide Räume einer systematischen Begehung entziehen. Über die Bedeutung und das Alter der Anlage gab es bislang keine gesicherten Anhaltspunkte.

Archäologische Funde, mehrere Salbgefäße und ein Terrakottaköpfchen, die angeblich in der Höhle gefunden worden sein sollen, gaben Anlass zu der Vermutung, dass es sich bei der Höhle möglicherweise um ein römisches Heiligtum handeln könnte. Die allerdings aus einer Privatsammlung stammenden Funde sind bezüglich der Fundüberlieferung jedoch mit starken Vorbehalten zu betrachten.

Abbildung: Lageskizze des „Rathaus-Sees“ im Untergeschoss des Rathauses von Baden-Baden
© Knierriem, Peter, Löhnig, Elke & Schallmayer, Egon: Aquae: Die antike Bäderstadt im Lichte neuerer Ausgrabungen und Forschungen, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg

Das ist er, der geheimnisvolle Rathaus-See (August 2023). Er besteht aus zwei wassergefüllten, bis zu 4 Meter tiefen Becken. Spektakulär, oder?

In der Tat, aber nur, wenn man die Geschichte dahinter kennt.

Neuerliche Bauarbeiten an der Höhle

Einhundert Jahre nach ihrer Entdeckung geriet die Höhle erneut in den Mittelpunkt archäologischen Interesses. Wiederum im Zusammenhang mit Umbauarbeiten an dem mittlerweile zum Rathauskomplex gehörenden „Darmstädter Hof“ wurde der Eingangsbereich der Höhle erneut von Bauarbeiten betroffen.

Das außergewöhnliche Denkmal sollte nun mit Glastüre und Beleuchtungseinrichtung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Ein Geheimnis wird gelüftet

Im Vorfeld dieser Arbeiten wurden die beiden Seen abgepumpt. Die Höhle war somit in fast allen Bereichen zugänglich geworden. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die bislang gänzlich überflutete östliche Nebenkammer, da nachsickerndes Wasser zur Eile trieb. Die zutage getretenen Strukturen sprachen bald für sich.

Was verbirgt sich hinter der Höhle?

Nicht die Reste eines römischen Heiligtums, wie von den Archäologen ursprünglich vermutet, vielmehr die bizarren Formen eines alten Steinbruchbetriebes erschienen im Scheinwerferlicht.

Foto: Blick in den Alten Steinbruch nach dem Abpumpen des Wassers
© Knierriem, Peter, Löhnig, Elke & Schallmayer, Egon: Aquae: Die antike Bäderstadt im Lichte neuerer Ausgrabungen und Forschungen, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg

Historischer Mühlstein-Steinbruch

Unzählige Abbauspuren verrieten den künstlichen Ursprung der Höhle. Abgebaut wurden ausnahmslos Steintrommeln von ca. 1,20 m Durchmesser und einer Stärke von 0,30 bis 0,35 m. Insgesamt fanden sich in der östlichen Kammer noch 23 Abbausteilen.

Viele Abbauspuren wiesen Überschneidungen auf, so dass die Zahl der ursprünglich entnommenen Stücke wesentlich höher gewesen sein muss. Mehrfach fanden sich auch Überreste von Fehlprodukten, die im Moment des Absprengens zu Bruch gingen und verworfen wurden.

In der Höhle haben sich Relikte aller Arbeitsgänge eines Steinbruchbetriebes erhalten. Dies reicht von Anrisslinien anzulegender Schrotgräben bis hin zum fertiggestellten Rohling. Die abgebauten Werkstücke dürften wohl als Mühlsteine verwendet worden sein. Nach dem Ergebnis geologischer Untersuchungen ist der Stein für eine solche Verwendung geeignet.

Die Notwendigkeit des Untertageabbaus erklärt sich ebenfalls aus der Geologie, die Betreiber des Steinbruches folgten der für ihre Verwendung benötigten Gesteinsart, angrenzende Formationen blieben unberührt.

Die Anfangsdatierung des Betriebes ist in Ermangelung archäologischen Fundmaterials derzeit nicht zu erschließen.

Das Ende hingegen lässt sich baugeschichtlich herausarbeiten. Vor dem Eingang der Höhle wurde bis in das Jahr 1673 die Kirche des Baden-Badener Jesuitenkollegs errichtet. Spätestens mit der Fertigstellung des Baues war der Steinbruch bis zu seiner Wiederentdeckung nicht mehr zugänglich.


Zugang

Der Zugang zum historischen Mühlstein-Steinbruch unter dem Rathaus ist heute mit einer Glastür verschlossen.

Die mannshohe Infotafel neben der Treppe hätte genug Platz für eine ausführlichere Beschreibung.

Foto: Zugang zum „Rathaus-See“ mit Infotafel (August 2023)

Sandsteinbrüche

Auerbacher Marmor

Auerbacher Marmor

Auerbacher Marmor

Wissenschaftlich belegt ist es nicht, aber die Archäologen vermuten, dass es sich bei dem in den römischen Kaiserbädern in Baden-Baden verbauten Marmor um Auerbacher Marmor handelt.

Benannt nach Auerbach, einer Ortsgemeinde der Stadt Bensheim (Südhessen, Landkreis Bergstraße) am Westrand des Odenwaldes, ca. 110 km Luftlinie NNE von Baden-Baden.

Bergbaugeschichte

Das Gestein diente in erster Linie der Herstellung von Trockenmörtel. Erstmals erwähnt wird der Auerbacher Marmor 1571, der erste Abbau über Tage erfolgte zwischen 1720 und 1773.

Ab 1820 erfolgt auch eine Förderung unter Tage. Während des 2. Weltkriegs wurde in den Stollen ein unterirdischer Rüstungsbetrieb eingerichtet.

Nach einer Wiederaufnahme des Abbaubetriebes ab 1946 wurde der Untertageabbau 1974 eingestellt. Über sieben Sohlen wurde eine Abbautiefe von 140 m erreicht.

In einem Betriebsgebäude des Marmoritwerks befand sich das Stollenmundloch zum Untertagebau.

Nach dem Abriss der Betriebsanlagen wurde das Stollenmundloch aufwändig gesichert.

Der Stollen ist heute ein geschütztes Winterquartier für Fledermäuse. Die Einfluglöcher für die Fledermäuse sind in das Verschlusstor integriert.

Foto: Weitgehend fertiggestellter Eingangsbereich mit gesicherter Einflugmöglichkeit für die Fledermäuse
© NABU Bergstraße

Geologie

Das Vorkommen des „Auerbacher Marmors“ setzt sich aus mehreren, teilweise über 50m breiten und 400m langen Gesteinskörpern zusammen, die in einem schmalen Streifen vom Kirchberg bei Bensheim über die Schönberger Höhe zur Rossbach bis zur Bangertshöhe bei Hochstädten zu verfolgen sind.

Die Marmorkörper werden von Granodiorit und Quarzdiorit umgeben. Granodiorit und Quarzdiorit sind Gesteine, die zur Zeit ihrer Entstehung in Tiefen von über 10 km aus Schmelzen langsam erstarrten und dabei ihre typische grobkörnige Struktur erhielten.

Der Marmor selbst entstand jedoch nicht aus einer Schmelze, denn an den Rändern der Linsen bildeten sich durch die hohen Temperaturen und durch eine Stoffzufuhr aus den Schmelzen neue Mineralien, die sich heute noch im Gelände nachweisen lassen. Der Marmor muss also bereits als Gestein existiert haben, als die Schmelzen aus größerer Tiefe aufstiegen.

Chemisch gesehen besitzt er die gleiche Zusammensetzung wie Kalkstein (Calciumkarbonat), der als Ablagerung am Meeresgrund oder an Riffen entsteht. Er enthält im Gegensatz zum Kalkstein keine Versteinerungen und zeigt einzelne Körner bis 1 cm Durchmesser. 

Marmor ist ein umgewandelter (metamorpher) Kalkstein, dessen Bestandteile durch Versenkung in große Tiefen neu kristallisierten. Bei diesem Prozess (Metamorphose) bilden sich je nach Druck und Temperatur aus unreinen Kalkpartien auch neue Mineralien, an denen Geologen die Bedingungen der Umwandlung abschätzen können.

Der Auerbacher Marmor wurde in 9 bis 10 km Tiefe bei Temperaturen von rund 620°C gebildet.

Datenquelle: Barth, Henner: Petrologische Untersuchungen im Felsberg-Zug (Bergsträßer Odenwald). Abhandlungen des Hessischen Landesamtes für Bodenforschung, Heft 66, Wiesbaden 1972.

Quellen in Baden-Baden

Quellen in Baden-Baden

Quellen in Baden-Baden (bis 69°C)

Am Florentinerberg

Der dritte Stein, den der junge Mann von der Nixe am Mummelsee geschenkt bekam, war ganz offenbar der Kostbarste.

Als er ihn an einem Hügel in Baden-Baden fallen ließ öffnete sich bald der Fels und heißes Wasser strömte armdick hervor.

Der Stein rollte weiter noch den Berghang hinab, und es sprudeltn allenthalben, wo er den Felsen berührte, heiße Quellen heraus.

… Dies der Ursprung der warmen Quellen von Baden.

Der besagte Hügel ist der Florentinerberg.

Die Quellaustritte liegen am Südhang direkt unterhalb vom Neuen Schloss innerhalb einer ca. 110 m x 90 m  große Fläche.

Das Wasser tritt in mehr als einem Dutzend Quellen mit Temperaturen bis zu 69°C aus einer Tiefe von über 1.000 m aus.

Foto: Brunnenbohrung hinter dem Brunnenhaus Hubquelle (Juni 2023)

Die wichtigsten Bestandteile der Wässer sind v.a. Natrium und Chlorid, daneben auch Fluor, Lithium, Kieselsäure und Bor. Einige Quellen enthalten auch das radioaktive Element Radon.

Die wichtigste und mit einer Schüttung von 113 m³ pro Tag ergiebigste Quelle, ist die Ursprungsquelle.

Diese ist im Untergeschoss des Alten Dampfbades gefasst.

Foto: Die Ursprungsquelle im Untergeschoss des Alten Dampfbades am Marktplatz (Oktober 2022)

Den Thermalquellen verdankt die Stadt Baden-Baden ihre Existenz. Die Siedlungsgeschichte geht auf die Römer zurück.

 

Römische Siedlungsgeschichte?

weiter geht’s mit Teil 2: Die Römer

Hubquelle

Hubquelle

Hubquelle (36°C)

Ottersweier-Hub

Die Hubquelle liegt auf dem früheren Gelände des Hubbades, heute Pflege- und Betreuungszentrum „Hub“ des Klinikums Mittelbaden.

Die Thermalquellen „in der Hub“ entstanden mutmaßlich aufgrund tektonischer Bewegungen bei einem Erdbeben um 1470.

Im Brunnenhaus läuft das Wasser in einen Trinkbrunnentrog aus rotem Sandstein. Früher wurde das Wasser über Deicheln ins Badehaus geleitet.

 

Der Anfang der 2020er Jahre noch vorhandene Doppelauslauf im Brunnenhaus wurde zwischenzeitlich durch ein schmuckloses Edelstahlrohr getauscht.

 

Das 36°C warme Thermalwasser tritt, artesisch gespannt, aus einer 44 m tiefen Bohrung hinter dem Gebäude frei bis an die Oberfläche auf, also ohne Pumpenbetrieb.

Foto: Brunnenbohrung hinter dem Brunnenhaus Hubquelle (Juni 2023)

Das kostbare Wasser wird heute leider nicht mehr genutzt.

Der Überlauf aus dem Trinkbrunnen verschwindet direkt in einen Straßengully vor dem Brunnenhaus in die Kanalisation.

Foto: Auslauf Thermalwasser in den Straßengully vor dem Brunnenhaus Hubquelle (März 2024)

Tschüß und Adé.

Heilwasser für die inneren Organe

Natrium:    653 mg/l

Calcium:    225 mg/l

Chlorid:     1.002 mg/l

Sulfat:       479 mg/l

Fluorid:     2,92 mg/l

Lithium:    4,59 mg/l

Kalium:     35,5 mg/l

Arsen:       0,08 mg/l

Das Bad Hub (Hubbad oder „die Hub“)

Die Hub ist seit 1475 urkundlich als Bad nachgewiesen.

Der erste Badbesitzer war Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz (1425-1476). Die von ihm ausgestellte Badeordnung ist eine der erste Badeordnungen in Deutschland überhaupt.

1722 erwirbt die badische Markgräfin Sibylla Augusta, die Ehefrau des „Türkenlouis“. Das Bad Hub wurde so Privatbesitz des Hauses Baden.

1810 kauft Friedrich Gottfried Kampmann (1771-1844) aus Straßburg das Bad Hub und lässt es im folgenden Jahr von Friedrich Weinbrenner (1766-1826) völlig neu gestalten.

 

Weinbrennerhaus

Das nach ihm benannte Weinbrennerhaus (1811) ist das bedeutendste Gebäude der Hub. Es bildet eine vierflügelige Anlage im klassizistischen Stil mit einem Innenhof.

In den 70 Fremdenzimmern konnten im Sommer über 100 Kurgäste aufgenommen werden.

Nachdem der Badebetrieb nach 1870 zum Erliegen kam, wurde 1873 von den Großkreisen Karlsruhe und Baden in der Hub eine Kreispflegeanstalt eingerichtet.

2006 wurde das Weinbrennerhaus von der Stiftung Hub übernommen, nach alten Plänen grundlegend saniert und zum Palliativzentrum umgebaut.

Foto: Weinbrennerhaus des ehem. Hubbades (Februar 2026)

Eine weiterer Thermalbrunnen in der Hub befindet sich im Innenhof des Weinbrennerhauses mit seinen klösterlich anmutenden Kreuzgängen.

Foto: Thermalwasser-Trinkbrunnen im Innenhof des Weinbrennerhauses (Juni 2023)

Diesem Ambiente angemessen läuft das Thermalwasser hier aus einen kunstvoll gestalteten gusseisernen Trinkbrunnen.

Der Zweiröhrenbrunnen aus dem 18. Jahrhundert steht direkt vor dem Eingang zum ehemaligen Kursaal. Seit der Umwidmung des Hubbades zu einem Pflegeheim (1873) befindet sich in diesem Gebäudetrakt eine Kirche.

 

Das Thermalwasser läuft in einem – im doppelten Sinne – gesunden Strahl in zwei kleine runde Becken.

Foto: Thermalwasser-Trinkbrunnen im Innenhof des Weinbrennerhauses (Juni 2023)

Erbauer des Brunnens ist laut Aufschrift das

 

Gas & Wasserleitungs Geschäft

Strassbourg VOLTZ & WITTMER

Erlenbadquelle

Erlenbadquelle

Erlenbadquelle (21°C)

Obersasbach

Die Thermalquelle von Erlenbad entspringt mitten in einer Wiese im Obersasbacher Gewann „Winterbach“. Man erreicht die Quelle fußläufig über den 1854 angelegten Promenadenweg, der am Sulzbächel entlang direkt zum Brunnenhaus führt.

Die Erlenbadquelle ist seit 1431 als Heilquelle nachweisbar und war ab 1895 im Besitz des Klosters Erlenbad.

Um 1660 befand sich das Kurhaus noch bei der Quelle selbst. Später wurde das Wasser von der Quellfassung mit einer Deichel (Holzleitung) in das 560m NW gelegene Erlenbad geleitet.

Die Quellfassung musste im Laufe der Zeit immer wieder erneuert werden.

1854 wurde die Quelle in einem gemauerten Brunnen von 75cm Breite und 6m Tiefe gefasst.

Die Schüttung betrug 18.000 badische Maas am Tag, also 0,31 l/s.

(1 Maas = 1,5 Liter)

 

Bei der Quelle in der heutigen Form handelt es sich um einen 41 m tiefen Bohrbrunnen an der leicht erhöhten Rückseite des Brunnenhauses.

Foto: Brunnentröge im Brunnenhaus Erlenbadquelle (Juli 2022)

Das Wasser der Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Therme steigt im Brunnen artesisch auf. Mit einer Austrittstemperatur von knapp über 20°C erreicht es das Kriterium für ein Thermalwasser nur knapp. Der Auslauf ist durch Eisenfällung (Rost) deutlich ockerfarben gefärbt.

Vereinzelt wurde im Wasser auch ein leichter Geruch nach faulen Eiern festgestellt (Schwefelwasserstoff).

 

Bei der Quelle in der heutigen Form handelt es sich um einen 41 m tiefen Bohrbrunnen an der leicht erhöhten Rückseite des Brunnenhauses.

Der Brunnen befindet sich in einem ca. 4,6m tiefen Schacht an der Rückseite des Brunnenhauses.

Baujahr: 1968

Brunnenhaus bis 1976 Heutiges Brunnenhaus

Foto: Brunnenschacht hinter dem Brunnenhaus Erlenbadquelle (Juni 2020)

Bei der Quelle in der heutigen Form handelt es sich um einen 41 m tiefen Bohrbrunnen an der leicht erhöhten Rückseite des Brunnenhauses.

Der Bohrbrunnen befindet sich in einem ca. 4,6m tiefen Schacht an der Rückseite des Brunnenhauses (Baujahr: 1968).

 

Bei der ein Jahr früher durchgeführten Versuchsbohrung wurden wie folgt Wasserzutritte festgestellt:

12,0m bis 15,0m:       0,42 l/s

15,0 bis 21,5 m:         0,08 l/s

21,5 bis 59,5 m:         0,16 l/s

Temperatur:             20,8°C

Feststoffinhalt:        2.375,62 mg

 


Bohrprofilaufnahme
LGRB (06.02.2004)

Durch glückliche Umstände war es 36 Jahre später möglich, die vor Ort noch vorhandenen Bohrkerne durch das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) aufnehmen zu lassen.

Foto: Bohrkernaufnahme beim Kloster Erlenbad (Februar 2004)

Brunnenausbau

Der Brunnen ist ausschließlich im  Deckgebirge ausgebaut.

Ein ursprünglich bis 60m geplanter Ausbau bis in das Grundgebirge war durch den zu gering gewählten Anfangs-Bohrdurchmesser nicht möglich.

Bohrfirma: Fa. Adolf Keller KG, Steinbach (1968)

 

Filterstrecke 1

15m bis 29m

(Keuper+Muschelkalk)

4 Zoll

Bohrdurchmesser bis 33,0m: 159 mm

 

Filterstrecke 2

33m bis 41m

(Buntsandstein)

3 Zoll

Bohrdurchmesser ab 33,0m: 116 mm

 


Messungen am Ende der Bohrarbeiten ergaben:

Wassertemperatur: 21,1°C

Quellschüttung: 0,22 l/s

(Januar 1968)

 

Das Brunnenhaus wurde 1976 durch das heutige Gebäude ersetzt.