Steinbruch Waldeneck, Sinzheim

Steinbruch Waldeneck, Sinzheim

Steinbruch Waldeneck (Sinzheim)

Der Steinbruch Waldeneck liegt südwestlich von Baden-Baden, in einer Exklave der Stadt Sinzheim unterhalb des Yberg. Der aufgelassene Steinbruch ist ein besonders schöner Aufschluss ignimbtrischer Laven.

Geotop-Nr. 6023/3027

In dem großen aufgelassenen Steinbruch (Peter’scher Bruch) im Iburgwald südwestlich von Baden-Baden wurden Gesteine des Rotliegend abgebaut. Es handelt sich um Rotliegend-Magmatite, die als Reste von drei Ignimbrit-Tuff-Decken gedeutet werden. In den höheren Teilen der Steinbruchwand sind diese Tuff-Decken deutlich anhand von Farbunterschieden unterscheidbar.

In den Magmatiten der Umgebung (Klopfengraben, Wernerhütte) finden sich häufig – im Waldboden auch herausgewittert – Baden-Badener Achate, die früher als Halbedelsteine gesucht waren und in Edelsteinschleifereien (z. B. Hofschleiferei in Karlsruhe) verarbeitet wurden. Es handelt sich um Chalcedone, Karneole und andere Quarzvarietäten, die in Geröllen gefunden werden konnten und mit etwas Glück auch noch können.

Textuelle: Geotope aus https://maps.lgrb-bw.de/, 15.07.2022
© Regierungspräsidium Freiburg, LGRB

Ehem. Steinbruch Waldeneck (Peter), Sinzheim

Im 1968 stillgelegten Porphyrschotterwerk PETER sind Quarzporphyre (Rhyolithe) des Oberen Rotliegenden (pc-3-Alter) anstehend. Nach MAUS (1967) handelt es sich um ignimbritische Rhyolithe, d. h. um keine in Form von Lava ausgeflossenen, sondern aus fluiden Suspensionen von Magmateilchen in hocherhitzten Gasen abgesetzte pyroklastische Gesteine.

An den Bruchwänden lassen sich nach der Farbe drei Deckenergüsse erkennen (von unten nach oben: bräunlich rot, grüngrau, rotbraun), die sich auch durch die mineralogische Zusammensetzung unterscheiden. Durch die lagige Anordnung der ehemaligen Gesteinsgläser entsteht eine angedeutete Paralleltextur. Einschlüsse von Grundgebirgsmaterial (Gneise, Granite) sind reichlich vertreten.

An Mineralen treten Calcit, diverse Quarzvarietäten, Turmalin, Siderit und Baryt auf. Auf der Sohle befinden sich ausgeprägte Sekundärbiotope (See, Feuchtgebiete). Literatur: BILHARZ (1934), MAUS (1967), METZ (1977).

Textquelle: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU): Geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe, 2. Auflage, 2000.

Waldenecksee (Petersee)

Der Waldenecksee oder Petersee ist ein Steinbruchsee am Westrand des Nordschwarzwalds. Er liegt in einer von Baden-Badener Stadtgebiet umgebenen Exklave der Gemeinde Sinzheim zwischen Iberg und Fremersberg an der Westseite des Bergs Waldeneck. Um das Jahr 1900 wurde dort ein Steinbruch angelegt, der bis 1968 in Betrieb war. In der Bruchsohle bildete sich danach ein etwa 200 m langer und 35–75 m breiter See. Er trägt einen seiner geläufigen Namen nach dem ehemaligen Steinbruchpächter, dem Porphyr-Schotterwerk Peter. Heute ist er als Fischgewässer verpachtet; das Baden ist verboten.

Textquelle: Wikipedia „Waldenecksee“ (Stand: 10.05.2023)

Felssturz am 08.05.2023

Am Waldenecksee ereignete sich am  08.05.2023 in den frühen Morgenstunden ein Felssturz. Im Bereich des Waldenecksee und der dort entlangführenden Straßen und Waldwege bestehe „deshalb Lebensgefahr“, warnt das Rathaus Sinzheim. „Die Bevölkerung, insbesondere Radfahrer, Wanderer aber auch Angler werden gebeten, diesen Bereich bis auf Weiteres zu meiden“.

Der Felssturz löste eine Fluwelle aus, die weit über den See hinausschwappte und an einer gegenüberliegenden Böschung bis in eine Höhe von ca. 4 bis 5 m ihre Spuren hinterlies. Dabei wurden Bäume sowie Verkehrsschilder umgeknickt und zahlreiche Fische teilweise über einige hundert Meter weit an Land gespült. Trotz eines spontan organisierten Hilfseinsatzes des lokalen Angelsportvereins sind viele Fische verendet. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Feuerwehr hat das Gelände weiträumig abgesperrt. Das Betreten des Geländes ist bis auf Weiteres verboten. Es besteht Lebensgefahr.

 

13.06.2023

Die ersten Sicherungsmaßnahmen an der Abbruchwand sind inzwischen erfolgt. Die nähere Untersuchung ergab, dass der obere Teil der Wand stark zerklüftet ist und weitere Felsabstürze durch kontrollierte Sprengungen verhindert werden müssen. Der Zugang zum See bleibt gesperrt.

Foto: Steinbruch Peter (Februar 2022)

Sandsteinbrüche bei Baden-Baden

Sandsteinbrüche bei Baden-Baden

Sandsteinbrüche in der Gegend um Baden-Baden

In der Gegend um Baden-Baden, Gaggenau und Gernsbach gibt es viele große Sandsteinbrüche („Murgtalsandstein“). In den meisten ist der Betrieb längst stillgelegt.

Die Sandsteine gehören stratigraphisch der „Tigersandstein-Formation“ (Zechstein) an. Die werksteinfähigen Partien sind überwiegend feinkörnige Sandstine mit häufigen Wechseln der Bankmächtigkeiten und v.a. der Farben.

Monotone rote oder graue Typen treten unmittelbar neben lebhaft mehrfarbig gestreiften Typen auf. Häufig sind gebleichte, fast weiße und rötlich gefleckte Sandsteine. Ein großer Teil der Staats- und Gemeindebauten der Umgebung von Baden-Baden sowie in und um Karlsruhe wurde aus diesem Sandstein erbaut.

Vermutlich auch der Alte Bahnhof in Baden-Baden (heute: Entrée Festspielhaus).

Übersichtskarte der Verbreitung der Tigersandstein-Formation bei Baden-Baden

Datenquelle:
LGRBwissen | Abruf am 10.04.2026 | © Regierungspräsidium Freiburg, LGRB.

Mühlsteinbrüche

In den Sandsteinbrüchen (und in den Porphyrbrüchen um Baden-Baden) wurden die Gesteine vorwiegend für den Gebäudebau gewonnen. Dies setzt voraus, dass die Gesteine in größeren Blöcken gewinnbar und auch spaltbar sind.

In den Brüchen wurden aber auch Mühlsteine gewonnen. Harte, abriebfeste Gesteine für Getreide- oder Ölmühlen, aber auch für Schleifereien.

Weitere Mühlsteinbrüche sind von Varnhalt bis ins Murgtal (z.B. im Staatswald Rotenfels) bekannt.

In Steinbach wurden Mühlsteinbrüche mindestens seit dem 13. Jahrhundert betrieben. Die Steinbacher Steinbrüche waren seinerzeit weithin für ihr gutes Material bekannt. Steinbacher Mühlsteine standen hoch im Kurs und waren begehrt.

Im 16. Jahrhundert werden die besten Mühlsteine im Bistum Straßburg in den Steinbrüchen um Steinbach gebrochen, vor allem im Bruch oberhalb von Varnhalt.

In der Straßburger Mühlordnung aus dem Jahr 1568 steht die Anweisung: „Es sollen auch alle Müller der Mühlen, die zu unserer Stadt Straßburg gehören, mit keinem anderen Läufer mahlen als mit Steinen aus Steinbach. Denn die Steinbacher Steine sind besser als alle anderen Mühlsteine. Wenn ein Müller einen anderen Mahlstein als von Steinbach verwendet, so wird er mit 5 Pfund Pfennig bestraft.“

Büffelbad

Büffelbad

Büffelbad

Naturschutzgebiet Bruchgraben

Der Bruchgraben im Stadtkreis Baden-Baden auf den Gemarkungen Sandweier und Oos ist mit 185 Hektar eines der größten Naturschutzgebiete am Ostrand der Rheinebene.

Das Gebiet ist eine Feuchtniederung von überregionaler Bedeutung, die vielen seltenen Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet.

Zur geschützten Fläche gehört neben dem eigentlichen Bruchgrabengebiet auch der durch Ausbaggerung entstandene Leissee, der nördlich der Niederung liegt.

Vom späteiszeitlichen Fluss zu einer Sumpflandschaft

Die Entstehungsgeschichte des Bruchgrabens beginnt mit einem späteiszeitlichen Flusslauf.

Es war einmal ein Gewässer, das einst ein verzweigtes und mäandrierendes, mit dem Rhein verbundenes Fließsystem bildete. Die letzte Eiszeit ist gerade am ausklingen. Zwischen den einzelnen Gewässerarmen gibt es erhöhte Schotterrücken und tiefer liegende Rinnen.

Kinzig-Murg-Rinne

Das Gewässer bekam erst viele Jahre später einen Namen. Sein Name leitet sich vom gleichnamigen Ort ab, der ihm seine Richtung vorgab. Der Ort ist die sogenannte Kinzig-Murg-Rinne (KiMuRi). Diese Bezeichnung geht auf den Geologen Hans Thürach (1912) zurück.

Der Fluss selbst wird, wenig phantasievoll, einfach nur Kinzig-Murg-Fluss genannt. Johann Gottfried Tulla (1822), leitender Ingenieur der Rheinbegradigung, nannte ihn „Ostrhein“.

Da es den Fluss heute aber nicht mehr gibt, spricht man vielmehr von seinen Spuren, seinen Ablagerungen in der Rinne. Und genau diese (jüngeren) Spuren heben sich von seiner direkten (älteren) Umgebung ab.

Die KiMuRi war eine rheinparallel verlaufende Senke am Westrand des Schwarzwalds und Kraichgaus, die am dem Ende der letzten Eiszeit, ab ca. 14.000 bis 15.000 Jahre vor heute, zwischen Offenburg im Süden und Wiesloch im Norden alle östlichen Randzuflüsse aufnahm, um diese erst in Höhe von Mannheim in den Rhein zu leiten.

In Anbetracht nachweislicher subrezenter bis rezenter Bewegungen am Ostrand des Oberrheingrabens wird die Entstehung der Rinne auf eine tektonische Absenkung zurückgeführt.

Das Gewässer war ein wild verzweigter Fluss mit zahlreichen verflochtenen Fließrinnen, wie auch der deutlich größere Rhein, ein „braided river“, der je nach Wasserführung sein Bett verlagerte. In der Rinne findet man engräumig wechselnde Ablagerungen grober und feinkörniger Sedimente. Mehrere, von Südwesten kommende Gewässerrinnen vereinigten sich in zu einem breiten Strom, der bei Karlsruhe eine außergewöhnlich Breite einnahm (2 km bis 2,5 km).

Verladung und Moorbildung

Verschiedene Durchbrüche entlang der Rinne nach Westen direkt in den Rhein führten ab einer Zeit von vor ca. 6.000 Jahren sukzessive zur Verlandung des Fließsystems. Zurück blieben Stillgewässer und feuchte Senken, die mit der Zeit versumpften und vermoorten. Ein üppiges Pflanzenwachstum in Verbindung mit konservierenden, wassergesättigten Böden führte zur Bildung von Torfen.

Da es sich um grundwassergebundene Moorbildungen handelt, spricht man von sogenannten „Niedermooren“ (in Abgrenzung zu den niederschlagsgebundenen „Hochmooren“).

Spuren der Erosion

Der Bruchgraben ist ein besonders naturnaher und gut erhaltener Abschnitt der Kinzig-Murg-Rinne. Weithin sichtbarer Zeuge der nacheiszeitlichen Flusslandschaft ist im Schutzgebiet eine 5 m bis 6m hohe Gestadekante entlang des westlichen Randes, die auf einer Länge von rund 1.000 m noch gut erhalten ist und die frühere Erosionskraft des Flusses verdeutlicht.

Foto: Im Naturschutzgebiet Bruchgraben (Mai 2025)

Durch die Sperre des Murgschwemmfächers zwischen Oos, Haueneberstein, Niederbühl und Sandweier bildete sich bei starken Niederschlägen der „Landsee“.

Nach dem Bau des Ooskanals und dem Durchstich des Sandbachs nach Westen in Richtung Iffezheim wurden die regelmäßig überfluteten Flächen zu Beginn des 18. Jahrhunderts trockengelegt.

 

Schutz- und Pflegekonzept

Der Bruchgraben soll sich wieder zu einer Sumpf- und Moorlandschaft entwickeln dürfen. Hierzu werden Teilbereiche durch den Einstau von Niederschlägen wiedervernässt und nach den Anforderungen der seltenen Pflanzen- und Tierarten gepflegt.

Zur Pflege zählt hauptsächlich die Mahd der Feuchtwiesen, Seggenriede und Röhricht aber auch die Entfernung von Gebüschen, die sich nach der Nutzungsaufgabe im Gebiet ausgebreitet haben.

 

Mahd? Entfernung von Büschen? Das können wir doch auch…

Foto: Büffelbad im Naturschutzgebiet Bruchgraben (Mai 2025)

Tierische Badekultur

Im Naturschutzgebiet Bruchgraben werden seit 2020 auch Wasserbüffel zur Beweidung eingesetzt. Ein Landwirt aus Sinzheim-Winden macht‘s möglich.

Die Wasserbüffel halten nicht nur die Landschaft offen, sondern sie legen mit ihren Hörnern und Hufen auch Schlamm- und Wassersuhlen an.

Sie schaffen sich also ihr eigenes Schlammbad.

 

Gewünschter Nebeneffekt: Sie legen damit auch Nahrungsquellen für Vögel frei und schaffen einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Foto: Das zweite Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)

Alter Bahnhof

Alter Bahnhof

Alter Bahnhof

Wo ist eigentlich der Bahnhof von Baden-Baden?

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Er befindet sich im Ortsteil Baden-Oos, ca. 5 km Luftlinie nordwestlich der Innenstadt.

Der Bahnhof von Baden-Baden liegt ca. 5 km außerhalb der Innenstadt im Ortsteil Baden-Oos (April 2026).

Der Bahnhof in Baden-Baden ist aufgrund seiner Lage weit außerhalb vom Ortszentrum kein Bahnhof der kurzen Wege – kein Stadtbahnhof. 

Das war früher jedoch ganz anders…

1838 begann die staatliche Eisenbahnverwaltung im Großherzogtum Baden mit dem Bau einer Bahnstrecke entlang des Rheins, die sogenannte „Badische Hauptbahn“, die Vorläuferin der heutigen Rheintalbahn.

Im September 1840 wurde der erste Streckenabschnitt zwischen Mannheim und Heidelberg fertiggestellt. Anschließend wurde zuerst Karlsruhe, dann Rastatt und schließlich im Mai 1844 auch Oos angeschlossen.

Oos war zu dieser Zeit noch eine eigenständige Ortschaft. Im ersten Jahr nach Fertigstellung des Bahnhofs Oos wurden die anreisenden Gäste noch mit Pferdebussen und Kutschen nach Baden-Baden befördert.

Am 27. Juli 1845 wurde eine ca. 4 km lange Stichbahn von Oos nach Baden-Baden in Betrieb genommen. Die Bahnstrecke endete mit einem Kopfbahnhof.

Badische Hauptbahn

Stadtbahnhof Baden-Baden

Das Empfangsgebäude war ein von Friedrich Eisenlohr entworfenes Holzfachwerkgebäude im Schweizerhausstil.

Der in Lörrach geborene Eisenlohr studierte bis 1824 in Freiburg und danach auch an der Bauschule von Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe. 1839 wurde er Professor für Konstruktionslehre an der Polytechnischen Oberschule in Karlsruhe. Eisenlohr plante sämtliche Bahnhöfe der Badischen Hauptbahn zwischen Freiburg und Mannheim.

Foto: Das erste Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)

Das Empfangsgebäude war für den rasant wachsenden Verkehr schon sehr bald zu klein und für das mondäne Publikum des „Weltbades“ zu wenig repräsentativ, es war den gehobenen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Bauliche Veränderungen im Bestand des Ensembles führten nicht zum gewünschten Ziel.

Es war ein Neubau erforderlich. Das neue Gebäude wurde am 18. März 1895 eröffnet.

 

Die gleiche Ansicht Jahre später. Wir schauen die „Lange Straße“ hinauf in Richtung Florentinerberg mit dem Neuen Schloss. Es ist Winter, die Straße ist leer. Am Vorplatz wartet eine Kutsche auf Reisende.

Foto: Das zweite Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)

Foto: Am Bahnsteig um 1910 (Sammlung Korkisch)

„Baden, hier Baden. Bitte alle Fahrgäste aussteigen, der Zug endet hier. Herzlich willkommen in der Sommerhauptstadt Europas. Bienvenue à Baden, la capitale d’été de l’Europe. Ihr Zug ist pünktlich angekommen. Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Aufenthalt.“

 

So oder so ähnlich könnte die Durchsage am Bahnsteig um 1910 gelautet haben. An einem lauen Sommertag um 16:08 Uhr.

 

Streckenstilllegung

In den 1960er und 1970er Jahren galt die Stichstrecke von Oos in den Augen der Baden-Badener Kommunalpolitik als veraltet und lästig.

Schon Anfang der 1970er Jahre gab es erste Anzeichen dafür, dass die Strecke geschlossen werden soll. Am 24. September 1977 fuhr schließlich der letzte Zug.

Die Bahnanlagen wurden anschließend rückgebaut. Ein erst auf den zweiten Blick sichtbarer Rest der alten Stichbahnstrecke findet sich noch heute im Wörthböschelpark in Baden-Oos. Die Überführung erfolgte mit einer unscheinbaren Brücke. Brücke und Geländer sind noch im Original erhalten.

Fotos: Bahnbrücke der Alten Stichbahnstrecke nach Baden-Baden über den Ooser Landgraben im Wörthböschelpark in Baden-Oos (August 2023)

Teile der ehemaligen Bahnsteigüberdachung wurden in das 20 km entfernte Bad Herrenalb transloziert, wo diese noch heute am Bahnhof der Albtalbahn ihre Funktion erfüllt.

Das Empfangsgebäude gibt es heute noch.

Ein prächtiges Bauwerk im Stil der Neorenaissance mit Anleihen aus dem Barock. Erbaut mit einem hellen Sandstein aus dem Murgtal.

Foto: Das Empfangsgebäude vom ehem. Stadtbahnhof in Baden-Baden (April 2026)

Sandsteinbrüche

Nach der Streckenstillegung 1977 wurde das Gebäude 20 Jahre anderweilig genutzt. In den 1990er Jahren wurde an der Gebäuderückseite, auf dem früheren Gleisfeld, das Festspielhaus gebaut.

Seit dessen Eröffnung 1998 dient das Gebäude als Entrée in das zweitgrößte Opernhaus in Europa (2.500 Plätze).

SE-Ansicht Ansicht von Nordwesten

Das Festspielhaus an der Rückseite des Empfangsgebäudes des ehemaligen Stadtbahnhofes von Baden-Baden (April 2026).

Das historische Gebäude nennt man in Baden-Baden bis heute, in würdigender Anerkennung seiner Historie, schlicht und einfach Alter Bahnhof.

 

Schlicht und einfach? Nicht das Gebäude!

Schalterhalle

Deckenornamente

Zu den Geschäftsräumen

Lichtdurchfluteter Flur

Die (älteren) Einheimischen nennen ihre Stadt auch heute noch „Baden“ und nicht „Baden-Baden“. So war das in längst vergangenen Tagen schon. Und so steht es auch über dem Eingangsportal am Alten Bahnhof.

Foto: Fassadeninschrift über dem Eingang in den „Alten Bahnhof“ (April 2026)

Rathaus-See

Rathaus-See

Rathaus-See

Das Rathaus von Baden-Baden: Verschachtelt | Verwinkelt | Geheimnisvoll

Unter dem Rathaus verbirgt sich ein lange vergessenes Geheimnis. Im Volksmund „Rathaus-See“ genannt. Das Wasser hat Trinkwasserqualität und eine konstante Temperatur von 18°C. Der See wurde 1991 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Rathaus von Baden-Baden besteht aus drei miteinander verbundenen Bauwerken:

  1. dem historischen Gebäudekomplex des Jesuitenordens (Wiederaufbau 1698 bis 1723)
  2. dem ehemaligen Hotel „Darmstädter Hof“ (ab 1827 an Stelle der ehemaligen Jesuitenkirche von 1671).
  3. dem Ratssaal-Gebäude (früher Jesuitenschule mit Aula)

Im Mittelalter befand sich hier der Freihof der Markgrafen von Baden. 1627 überließ Markgraf Wilhelm das Anwesen den Jesuiten.

Die Jesuiten errichteten bis 1679 ein repräsentatives Kolleggebäude, das nur zehn Jahre später beim Stadtbrand zerstört wurde. Der Wiederaufbau auf altem Grundriss dauerte bis 1723.

Nach Auflösung des Jesuitenordens 1773 wurde das Gebäude zunächst als Schule, dann als Konversationshaus und schließlich zu Mietwohnungen genutzt.

Als Friedrich Weinbrenner das Jesuitenkolleg 1811 in eine Konversationshaus verwandelte, ließ er die Kirche mit Ausnahme der Chorpartie abbrechen.

 

Darmstädter Hof

Das Hotel „Darmstädter Hof“ entstand ab 1827.

Nach Fertigstellung des neuen Konversationshauses, dem heutigen Kurhaus, wurde der Gebäudekomplex vorrübergehend als Wohngebäude genutzt, bis schließlich im Jahr 1862 das Rathaus in die früheren Jesuitengebäude einzog.

Der Darmstädter Hof erhielt nach Umbauten 1894 sein heutiges Erscheinungsbild. Das Hotel wurde nach dem Ersten Weltkrieg staatliches Kur- und Badehaus, bis die Stadt im Jahr 1937 das Gebäude zur Erweiterung des Rathauses übernahm.

Foto: Rathaus Baden-Baden (rechts der Gebäudetrakt „Ehem. Darmstädter Hof“ (Oktober 2022)

Von 1671 bis 1812 befand sich am Standort des Darmstädter Hofes die nach Plänen von Tommaso Comacio erbaute barocke Jesuitenkirche und ein Jesuitenkolleg. Ansicht von Südosten.

Entdeckung einer Höhle

Im Dezember des Jahres 1891 wurde bei Umbauarbeiten im damaligen Hotel „Darmstädter Hof“ (A) der Zugang zu einer Höhle entdeckt.

Die Anlage erstreckte sich auf etwa 13 m Länge in nordöstlicher Richtung in den Rathaushügel und liegt somit größtenteils unter dem heutigen Rathaushof.

Die Höhle selbst besteht aus einer größeren Vorhalle, an die sich zwei tieferliegende Kammern anschließen. Beide Nebenkammern sind mit Wasser gefüllt und bilden zwei kleine, voneinander getrennte Seen (B).

Der Wasserspiegel liegt knapp unter den jeweiligen Höhlendecken, so dass sich beide Räume einer systematischen Begehung entziehen. Über die Bedeutung und das Alter der Anlage gab es bislang keine gesicherten Anhaltspunkte.

Archäologische Funde, mehrere Salbgefäße und ein Terrakottaköpfchen, die angeblich in der Höhle gefunden worden sein sollen, gaben Anlass zu der Vermutung, dass es sich bei der Höhle möglicherweise um ein römisches Heiligtum handeln könnte. Die allerdings aus einer Privatsammlung stammenden Funde sind bezüglich der Fundüberlieferung jedoch mit starken Vorbehalten zu betrachten.

Abbildung: Lageskizze des „Rathaus-Sees“ im Untergeschoss des Rathauses von Baden-Baden
© Knierriem, Peter, Löhnig, Elke & Schallmayer, Egon: Aquae: Die antike Bäderstadt im Lichte neuerer Ausgrabungen und Forschungen, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg

Das ist er, der geheimnisvolle Rathaus-See (August 2023). Er besteht aus zwei wassergefüllten, bis zu 4 Meter tiefen Becken. Spektakulär, oder?

In der Tat, aber nur, wenn man die Geschichte dahinter kennt.

Neuerliche Bauarbeiten an der Höhle

Einhundert Jahre nach ihrer Entdeckung geriet die Höhle erneut in den Mittelpunkt archäologischen Interesses. Wiederum im Zusammenhang mit Umbauarbeiten an dem mittlerweile zum Rathauskomplex gehörenden „Darmstädter Hof“ wurde der Eingangsbereich der Höhle erneut von Bauarbeiten betroffen.

Das außergewöhnliche Denkmal sollte nun mit Glastüre und Beleuchtungseinrichtung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Ein Geheimnis wird gelüftet

Im Vorfeld dieser Arbeiten wurden die beiden Seen abgepumpt. Die Höhle war somit in fast allen Bereichen zugänglich geworden. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die bislang gänzlich überflutete östliche Nebenkammer, da nachsickerndes Wasser zur Eile trieb. Die zutage getretenen Strukturen sprachen bald für sich.

Was verbirgt sich hinter der Höhle?

Nicht die Reste eines römischen Heiligtums, wie von den Archäologen ursprünglich vermutet, vielmehr die bizarren Formen eines alten Steinbruchbetriebes erschienen im Scheinwerferlicht.

Foto: Blick in den Alten Steinbruch nach dem Abpumpen des Wassers
© Knierriem, Peter, Löhnig, Elke & Schallmayer, Egon: Aquae: Die antike Bäderstadt im Lichte neuerer Ausgrabungen und Forschungen, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg

Historischer Mühlstein-Steinbruch

Unzählige Abbauspuren verrieten den künstlichen Ursprung der Höhle. Abgebaut wurden ausnahmslos Steintrommeln von ca. 1,20 m Durchmesser und einer Stärke von 0,30 bis 0,35 m. Insgesamt fanden sich in der östlichen Kammer noch 23 Abbausteilen.

Viele Abbauspuren wiesen Überschneidungen auf, so dass die Zahl der ursprünglich entnommenen Stücke wesentlich höher gewesen sein muss. Mehrfach fanden sich auch Überreste von Fehlprodukten, die im Moment des Absprengens zu Bruch gingen und verworfen wurden.

In der Höhle haben sich Relikte aller Arbeitsgänge eines Steinbruchbetriebes erhalten. Dies reicht von Anrisslinien anzulegender Schrotgräben bis hin zum fertiggestellten Rohling. Die abgebauten Werkstücke dürften wohl als Mühlsteine verwendet worden sein. Nach dem Ergebnis geologischer Untersuchungen ist der Stein für eine solche Verwendung geeignet.

Die Notwendigkeit des Untertageabbaus erklärt sich ebenfalls aus der Geologie, die Betreiber des Steinbruches folgten der für ihre Verwendung benötigten Gesteinsart, angrenzende Formationen blieben unberührt.

Die Anfangsdatierung des Betriebes ist in Ermangelung archäologischen Fundmaterials derzeit nicht zu erschließen.

Das Ende hingegen lässt sich baugeschichtlich herausarbeiten. Vor dem Eingang der Höhle wurde bis in das Jahr 1673 die Kirche des Baden-Badener Jesuitenkollegs errichtet. Spätestens mit der Fertigstellung des Baues war der Steinbruch bis zu seiner Wiederentdeckung nicht mehr zugänglich.


Zugang

Der Zugang zum historischen Mühlstein-Steinbruch unter dem Rathaus ist heute mit einer Glastür verschlossen.

Die mannshohe Infotafel neben der Treppe hätte genug Platz für eine ausführlichere Beschreibung.

Foto: Zugang zum „Rathaus-See“ mit Infotafel (August 2023)

Sandsteinbrüche