Mummelsee

Mummelsee

Mummelsee 

Älteste Darstellung des Mummelsees (Athanasius Kircher 1678, II. Bd., S. 112) mit dem Acherabfluss („Seebächle“, nach unten) mit (heute noch vorkommenden) Bergmolchen sowie dem Panoramablick über den „Katzenkopff“/“Horngrindt“ (links oben), den Wildsee rechts von der „Grindt“ (= Altsteigerskopf, rechts oben) und das Ruhesteinbachtal von oben nach unten (=„Achert“, ganz rechts) mit Keiser´s Steg (=„Alter Weg/Alte Strasse“). Textquelle: https://dr-ortlam.de/acher.htm

Quelle Graphik: Scan, Kircher-Mummelsee, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Geotop

Der Mummelsee wird beim Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe, Baden-Württemberg (LGRB) mit folgender Beschreibung als schützenswertes Geotop geführt (Geotop-Nr. 6786/2704).

Der an der Schwarzwaldhochstraße (B 500) liegende, ganz von Nadelwald umschlossene Mummelsee ist der größte und zugleich der tiefste der Karseen des Nordschwarzwalds.

Er befindet sich in 1.029 m NN direkt unterhalb des Gipfels der Hornisgrinde, des mit 1.163 m NN höchsten Bergs des Nordschwarzwalds.

Der See ist fast kreisrund, weist eine Länge von 240 m und eine Breite von 193 m auf und ist bis 17 m tief. Westlich des Sees steigt die steile Karwand aus Gesteinsschichten des Mittleren Buntsandstein über 130 m steil über die Wasseroberfläche auf. Der See, der seinen Namen wegen der früher zahlreich vorkommenden gelben Teichrosen (Nuphar lutea, volkstümlich Mummeln) erhielt, entwässert in das Seebächle, einen Quellbach der Acher.

Um den Mummelsee ranken sich viele Sagen und Märchen. Die Ballade „Die Geister vom Mummelsee“ von E. Möricke ist sicher die bekannteste literarische Bearbeitung dieser Sagen.

Datenquelle: Geotope aus https://maps.lgrb-bw.de/, 15.07.2022,
© Regierungspräsidium Freiburg, LGRB

Größe

Der Mummelsee ist mit einer Oberfläche von 3,7 ha ein kleiner See, unter den Karseen des Gebietes ist er dennoch der größte und mit 17,7 m Tiefe zugleich der tiefste und mit 1028 m. ü. NN auch der höchstgelegene dieser Seen.

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet ist mit 18 ha relativ klein und größtenteils mit Nadelwald bestanden. Der einzige oberirdische Wasserzulauf ist die Hirtensteinquelle direkt am Nordufer des Sees.

Datenquelle: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): ISF-Arbeitsbericht 2019

Tiefenkarte Mummelsee

Datenquelle: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): ISF-Arbeitsbericht 2019. Mit freundlicher Genehmigung vom 02.06.2026.

Einzugsgebietskarte Mummelsee

Datenquelle: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): ISF-Arbeitsbericht 2019. Mit freundlicher Genehmigung vom 02.06.2026.

Seebach (Gewässer)

Der Abfluss des Sees ist der Seebach an der Südostseite. Der Seebach (bzw. das Seebächle) entwässert nach Süden und mündet beim Adlersee/Tennisplatz im gleichnamigen Ort Seebach in die Acher.

Die Acher entspringt ca. 4 km südlich am Ruhesteinloch, hydrographische Kriterien sprechen aber für die Hirtensteinquelle als Acherquelle.

Datenquelle: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): ISF-Arbeitsbericht 2019

Seebach (Ort)

Der Seebach ist Namensgeber desgleichnamigen Ortes im oberen Achertal. Die Gemeinde Seebach (Ortenaukreis) liegt an der Kreisgrenze zum benachbarten Landkreis Freudenstadt.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich mit seinem größeren westlichen Teil im Grundgebirge des Nördlichen Talschwarzwaldes, der durch die Täler von Simmersbach und oberster Acher gegliedert wird.

Im Norden und Osten steigt das Gebiet bis auf die Hochflächen des Grindenschwarzwaldes an. Im Osten reicht es bis auf die ausgedehnte Hochmoorfläche des Altsteigerskopfs und im Norden bis auf die Hornisgrinde.

Naturräumlich gehört das Gebiet zu den übergreifenden Einheiten des Nördlichen Talschwarzwaldes im Westen und des Grindenschwarzwaldes und der Enzhöhen im Osten. Der höchste Punkt liegt auf 1013,24 m, der tiefste Punkt auf 623,19 m.

Das Gemeindegebiet hat Anteil an dem 520 ha großen Naturschutzgebiet Schliffkopf. Zur Gemeinde Seebach gehören neben dem Hauptort zahlreiche Zinken, Wohnplätze und Höfe.

Der aus einer Streusiedlung entstandene Ort erlangte erst 1818 seine politische Selbständigkeit als Kommune. Eine Ersterwähnung ist für 1347 nachgewiesen.

Seebach ist eine späte Ausbausiedlung, die ursprünglich nach Vorder- und Hinterseebach unterschieden wurde. Das Gebiet gehörte immer zur straßburgischen Herrschaft Oberkirch, Gericht Kappelrodeck. 1803 gelangte es an Baden und war zunächst beim Amt Achern, ab 1924 beim Bezirksamt, 1939 Landkreis Bühl und kam 1973 zum Ortenaukreis.

Seebach ist Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband Kappelrodeck, dem auch die Gemeinden Kappelrodeck und Ottenhöfen im Schwarzwald angehören.

Die Gemeinde ist staatlich anerkannter Luftkurort mit einigem Fremdenverkehr; 76% der Gemarkung sind mit Wald bedeckt.

Datenquelle: Landeskunde entdecken online (Leo bw)

Sinterhügel Florentinerberg

Sinterhügel Florentinerberg

Sinterhügel am Florentinerberg

Beim Alemanneneinbruch und dem Fall des Limes wurde der römische Badeort um 260 n. Chr. durch einen Brand vernichtet. In der Folgezeit lief das Thermalwasser am Hangfuß des Haupt-Quellengebiets, dem Florentinerberg, frei ab.

Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte bildete sich ein bis zu 6 m hoher fächerförmiger Sinterhügel. Die Ausscheidung (Fällung) erfolgte vorwiegend durch Algen und Bakterien. Im Sinterhügel wurden Schnecken (Helix pomatia) und Kieselhölzer gefunden.

Der Sinterhügel wurde beim Bau des Friedrichbades (1869 bis 1877) abgetragen.

Abbildung: Rekonstruktion der Lage des Sinterhügels am heutigen Standort des Friedrichbades. Mit Darstellung der im 19. Jahrhundert von Robert Gerwig errichteten Thermalstollen unter dem Florentinerberg und Marktplatz.

Historische Beschreibungen des Sinterhügels

1794 (August Bayer)

„Unterhalb der heißen Quellen zu Baden, in dem Garten des Herrn Oberburgermeisters, Nagel, fast ganz an dem dortigen Fusse des Schloßberges, sind Felsen, welche aus einer licht nelkenbraunen und graulich weissen gefleckten, dem Pechsteine völlig ähnlich sehenden Steinart bestehet, in welcher einige Kieselkörner liegen.

An den Quellen selbst konnte man die Gesteinart, aus der das heisse Wasser hervorquillet, nicht beobachten, weil man Bedenklichkeiten machte, damals in der besten Brunnen-Curzeit, die an den Quellen angebrachten Wasserbehälter abzulassen und das dortige Gestein frisch aufzuhauen.“

(Bayer, August: Beiträge zur Bergbaukunde, Dresden, 1794)

1840 (Heinrich Schreiber)

„In dem warmen Mineralwasser bilden sich einige Produkte, die merkwürdig sind, und die wir deshalb anführen müssen. Erstens entsteht der sogenannte Badestein, der sich aus dem Niederschlag am Ausgange der Quellen bildet. Es ist eine Art Kalksinter, und schon Widmer in seiner Abhandlung über die warmen Bäder in Baden hat ihn der Beachtung werth gefunden, und mehrere Arten desselben beschrieben. In neuerer Zeit hat man in der Nähe des Frauenklosters solchen Thermalkalksinter mit eingesprengten kleinen Landconchylien von noch lebenden Arten gefunden, der ganze Felsschichten bildete.

Der Badeschlamm ist ein Gebilde des stehenden Mineralwassers, welches zu Kuren gebraucht und als erweichende Ueberschläge angewendet wird.

Der Badeschlamm ist eine eigenthümliche Art der Oscillatorien; er setzt sich, jedoch nicht häufig, im Innern der Bäder und Reservoirs an, und glänzt in dem lebhaftesten Farbenspiel. Mit der Untersuchung desselben beschäftigt sich der rühmlichst bekannte K. russische Leibarzt und Naturforscher  von Dopplemayer. Die Resultate sind nicht bekannt geworden.“

(Schreiber, Heinrich.: Baden-Baden – Die Stadt, ihre Heilquellen und Umgebung, Stuttgart, 1840)


1861 (Carl Ludwig Fridolin Ritter von Sandberger | Geologe, Paläontologe und Mineraloge)

„Die alte Trinkhalle (wo jetzt das oberste Stockwerk des Friedrichsbades steht) auf einem Quelltuffhügel aufgebaut sei und auch die Felswand bilde in den Höfen der unter ihr liegenden Häuser (jetzt Friedrichsbad) und zuletzt an der Nordseite des Klosters zum heiligen Grabe an der Staffel zu Tage kommt.

Der Sinter ist sehr porös, schmutzig-bräunlichgrau mit schwärzlichen und gelblichweißen, erdigen Flecken und häufigen fettglänzenden Ausscheidungen von der Härte und Zusammensetzung des Opals, so dass er, wie z. B. in dem Hofe des Glasermeisters Stroh stellenweise mehr einen Kieselsinter als einen Kalksinter darstellt.“

Den Opalsinter aus dem Hofe des Glasermeisters Stroh fand Nessler zusammengesetzt aus [%]:

Kohlensaurem Kalk: 15,75

kohlensaurer Bittererde: 1,36

Kieselerde: 72,36

Eisenoxyd (manganhaltig): 2,83

Kali: 1,53

Natron: 0,27

Organischen Stoffen: 1,81

Wasser: 3,09

Summe: 99,00 [im Original steht 100,00]

(Sandberger, Fridolin: Geologische Beschreibung der Gegend von Baden, Karlsruhe, 1861)

1869/1870

Der Neubau des Friedrichsbades (Grundfläche: 4.000 m²) war nur durch den Erwerb eines „ganzen Häuserqaudrates“ möglich (Kosten: 514.000 Mark). Nachdem die Gebäude „niedergelegt“ waren, wurden der Sinterhügel abgetragen, um das Friedrichsbad zu fundamentieren.

(Schnars, Carl Wilhelm: Baden-Baden und Umgebung, 1878)

Oskar Rössler schreibt ergänzend dazu:

„Die gewonnenen Sintergesteine wurden zum inneren Ausbau der Fettquellgrotte, zur Errichtung des Springbrunnens in der Lichtentaler Allee und ähnlichen Zierzwecken verwendet; der stark radiumhaltige Schutt aber zum Auffüllen des Platzes der Turnhalle und der vor dem Landesbad liegenden Wiesen im Rotenbachtale benutzt.“

(Rössler, Oskar: Baden-Baden als Heilbad, 1939)

Ostansicht Friedrichsbad. Im Vordergrund die Friedrichsbadterrasse am Römerplatz. So ungefähr könnte der Sinterhügel vor der Bebauung des Areals unterhalb des Florentinerberges ausgesehen haben. Für den Bau des Friedrichsbades wurde 1869 der Hang mit den Sinterablagerungen abgetragen.

1871/1891 (Adolph Knop | Geologe und Mineraloge)

„Sinter bestehend aus einem lagen- und regionenweisen Wechsel von Kalkspath (theilweise in Drusen in spitzen Skalenoedern krystallisirt) von gelber oder, wenn manganhaltig, von schwärzlicher Farbe und von Opal, welcher ebenso in der Farbe wechselt. Er war sehr cavernös, reich an Einschlüssen von Helix pomatia und anderen Helix-Arten und enthielt ferner zahlreiche Kieselhölzer, welche Coniferen angehörten, Kieselröhren vom Bau des Stengels gewisser Umbelliferen, etwa von Heracleum oder Angelica sylvestris und in einer Höhlung 5 wohlerhaltene Skelete von Schlangen, deren Rippen und Wirbelsäule mit durchsichtigen Kalkspathskalenoedern zart und leicht überdrust waren. „Namentlich Oscillatoria smaragdina hat den kohlensauren Kalk des Sinterhügels abgeschieden“.

(Knop, Adolph.: Sinterhügel in Baden, 1871)

(Knop, Adolph: Ueber Kaikabscheidungen aus widriger Lösung. 1891)

1878 (C.W. Schnars | Arzt und Forschungsreisender)

„Mit den Ausgrabungen für das Fundament des neuen Dampfbades auf unsicherem Boden und mit der Sicherung des angrenzenden Bergterrains durch Stützmauern waren sehr grosse, kaum vorherzusehende Schwierigkeiten und Kosten verbunden. Hierbei wurden interessante geologische und archäologische Entdeckungen gemacht. Letztere bestanden in Ueberresten römischer Badanlagen; das meiste war mit einer schwärzlichen Sinterschicht von durchschnittlich 13—15 Fuss Dicke überdeckt. Nachdem die römischen Bauten zerstört worden waren, hatte sich nämlich das, bis dahin in Leitungen gefasste Thermalwasser frei über die Ruinen ergossen und in circa 1500 Jahren diese, aus Kieselsinter bestehende Schicht gebildet, welche demnach in je 100 Jahren etwa 1 Fuss hoch gewachsen war.“ 

(Schnars, Carl Wilhelm: Baden-Baden und Umgebung, 1878)


Oskar Rössler schreibt ergänzend dazu:

 Das Alter des 9 Meter hohen Hügels wäre dann auf etwa 3.000 Jahre zu schätzen gewesen. Ohne Zweifel würde noch Vieles entdeckt werden, wenn es möglich wäre unter der Stiftskirche, der „Rose“ und anderen Häusern zu graben. (…)“

(Rössler, Oskar: Baden-Baden als Heilbad, 1939)

1918 (Hans Rössler | Apotheker) 

„Nach der Meinung Knops (Knop, Sinterhügel in Baden-Baden, Stuttgart 1869) ist es die Alge Oscillaria smaragdina, welche aus den heißen Quellen Kalk abscheidet. Man kannte damals eben noch nicht die thermophylen Bakterien, welche nicht nur Kalk, sondern auch Eisen und Mangan aus der Therme abscheiden und eine ganz gewaltige chemische Arbeit leisten“.

(Rössler, Hans: Über thermophyle Bakterien der Badener Thermalquellen, Heidelberg 1918)


1939 (Oskar Rössler | Apotheker)

„Diese [die Quellen] entspringen am Abhang des jäh ansteigenden Florentinerberges, hinter dem alten Dampfbad, etwa auf der Höhe des Friedrichsbades. Wir dürfen uns den Schloßberg in jener Zeit ebenso wenig bewaldet vorstellen, wie dies heute der Fall ist; besonders im eigentlichen Gebiet der heißen Quellen ist an ein Vorkommen von Bäumen nicht zu denken, denn unser heißes Wasser duldet in Nachbarschaft keine Entwicklung höherer Pflanzen.

Im Laufe der Jahrtausende setzten die Quellen Kalk-Kieselsinter ab, welche die ursprüngliche Form des Berges änderten. So mußte beim Bau des Friedrichsbades im Jahre 1869/70 ein Hügel von etwa 9 Meter Höhe und beträchtlichem Umfange, aus Quellsinter gebildet, weggesprengt werden.

In den obersten Schichten fanden sich Trümmer aus der Römerzeit eingebettet, also aus einer Zeit vor etwa 1.800 Jahren, und in den tieferen Schichten als Zeugen der Vorzeit: Reste von Tannen und Eichen vor, welche wohl den Berg herabgerollt und von der Quelle allmählich inkrustiert – versteinert – worden waren, darunter auch ein mächtiger Stamm einer Eiche.

Durch die Sinterbildung wurden aber auch die Abflüsse der heißen Quellen öfters verstopft und das Wasser mußte einen anderen Lauf nehmen. So läßt sich nachweisen, daß eine der heißen Quellen ihren Weg über den Marktplatz in der Richtung der Büttenstraße nahm.

Für uns Buben war der Sinterhügel am Friedrichsbad damals eine ergiebige Fundgrube für unsere Stein- und Altertumssammlungen, denn außer den Inkrustationen fanden sich reichlich schöne gelbe und braungefärbte Kalkspatkristalle, Terra sigillata und andere römische Tonwarenscherben, ja, ein ganz Glücklicher fand einmal auch eine römische Kupfermünze.

(Rössler, Oskar: Baden-Baden als Heilbad, 1939)

Textquellen:

Bayer, August (1794): Beytraege zur Bergbaukunde. In der Waltherischen Hofbuchhaltung, Dresden, März 1794.

Schreiber, Heinrich (1840): Baden-Baden – Die Stadt, ihre Heilquellen und Umgebung. Taschenbuch für Fremde und Einheimische, mit Ausflügen in die gegend und die Bäder des Schwarzwaldes, nebst geognostischen, botanischen und literarischen Zugaben und örtlichen Nachweisungen. Verlag der J. B. Metzler’schen Buchhandlung, Stuttgart, 1840.

Sandberger, Fridolin (1861): Geologische Beschreibung der Gegend von Baden. Herausgegeben von dem Großherzoglichen Handels-Ministerium, Carlsruhe, Chr. Fr. Müller´sche Hofbuchhandlung, 1861.

Knop, Adolph (1871): Sinterhügel in Baden. — Verh. d. naturw. Ver. in Carlsruhe, 1871, H 5, S. 21.

Schnars, Carl Wilhelm (1878): Baden-Baden und Umgebung. Neuester zuverlässiger Führer. Mit einem Plan der Stadt, einer Karte der Umgebung, sowie einer Karte des Schwarzwaldes und Anleitung zu 12 grösseren Tagesausflügen. Verlag der C. Wild’schen Buchhandlung, Baden-Baden, 1878.

Knop, Adolph (1891): Ueber Kaikabscheidungen aus widriger Lösung. A. Allgemeine.“. [S. 12: Sinterhügel in Baden-Baden.]Bericht über die XXIll. Versammlung d. Oberrhein, geolog. Vereins Sigmaringen am 10. April 1890. Stuttgart, [1891.] S. 9-14.

Eck, Heinrich (1892): Geognostische Beschreibung der Gegend von Baden-Baden, Rothenfels, Gernsbach und Herrenalb. Herausgegeben von der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt, Berlin. In Verlag bei der Simon Schropp’schen Hof-Landkartenhandlung (J. H. Neumann), 1892.

Rössler, Oskar (1939): Baden-Baden als Heilbad. Gesammelte Aufsätze. Verlag Ernst Brockhoff Nachf. Wilhelm Fehrholz, Baden-Baden, 1939.


Sinterspuren heute

Auch heute fällt im Thermalwasser noch Kieselsinter aus, allerdings für die meisten Menschen unsichtbar, nämlich in sämtlichen Wasserleitungen und auch an den unterirdischen Wasseraustritten und in den Ablaufrinnen im Stollensystem am Florentinerberg.


Friedrichsbad

Aus dem Material des abgetragenen Sinterhügels wurde im Dampfbad des Friedrichsbades eine kaskadenartig aufgemauerte Wand hergestellt, über die Thermalwasser geleitet wird, das beim herunterplätschern verdampft.

Brunnengrotte Fettquelle

In der Brunnengrotte der Fettquelle, im Stützmauerwerk der Dernfeldstaffeln am Römerplatz, wurde Abbruchmaterial des Sinterhügels für jedermann sichtbar zur Auskleidung verbaut.

Foto links: Die Brunnengrotte der Fettquelle (der schmutzug-graue Kalksinter hebt sich deutlich vom roten Natursteinmauerwerk ab (Treppenanlage Dernfeldstaffeln: hellroter Leisbergporphyr; Friedrichsbad: Buntsandstein). Oktober 2022

Foto rechts: Detailaufnahme Brunnengrotte Fettquelle: Sintersteine mit feinlagiger Bänderung (Oktober 2022)


Sinterbrunnen Lichtentaler Allee

Weitere Reste des ehemaligen Sinterhügels am Florentinerberg findet man auch in der Lichtentaler Allee, wo vor der Kulisse der Kunsthalle und des Museums Frieder Burda, Sintersteine zu einem Springbrunnen aufgetürmt wurden.

Foto: Sinterbrunnen gegenüber der Kunsthalle und dem Museum Frieder Burda in der Lichtentaler Allee (März 2026)

Laut Stadtwiki Baden-Baden (Abfrage im Mai 2026) wurde der Brunnen anfänglich aus dem oberen Solmssee mit Wasser versorgt. Später kam das Wasser durch eine Pumpe direkt aus der Oos. Dies hatte zur Folge, dass bei Niedrigwasser im Sommer der Brunnen nicht betrieben werden konnte. 1991 wurde schließlich eine Wanne unter dem Brunnen installiert, so dass nun nur noch geringfügige Mengen aus der Oos entnommen werden müssen. Bei dieser Maßnahme wurden alle Steine durchnummeriert, entfernt und danach wieder an ihrem ursprünglichen Ort verbaut.

Mummelsee-Sage

Mummelsee-Sage

Die Sage vom Mummelsee

Eine von sehr vielen Versionen.

Wie ein altgrau Moos, so heftet sich
Die Sage an die Landschaft, unzergänglich,
Und tief aus hohlen Bäumen oder Bergen
Vermeint der Wand’rer Sang und Ton zu hören,
Als Nachhall ferner, lang verklung’ner Zeit.

 

So klingt Scheffel, und wie dem Wanderer erging es Oberst von Ramsberg, seinen beiden Töchtern, seinem Sohne und dem Sohne seines Jugendfreundes, welche von der Perle der Bäder, unserm schönen Baden-Baden aus gar manche Pilgerfahrt in’s romantische Land der Sagen unternahmen.

Frau Aventiure war ihnen gewogen, gar Vieles ward ihnen kund; aus Bäumen und Bergen, aus Felsen und Klüften, aus Schlössern und Klöstern, aus Burgen, Kirchen und Ruinen klang der Nachhall ferner, lang verklungener Zeit wie Neolsharfensang an Ohr und Herz. Und was aus der Gegenwart hinein ertönte, vermählte sich gar sinnig mit den Geistern der Vergangenheit, treue Kunde gebend, daß Gott und das Menschenherz gleich bleiben in alle Ewigkeit.

Willst Du, mein hochverehrter Leser, Dich der Pilgefahrt anschließen und so auch die Reize des alemannischen Landes, die sich nicht auf den ersten Blick Dir darbieten, kennen lernen, nimm einfach diese Büchlein zur Hand.

Du bedarfst dann weder Empfehlung nach Vorstellung. Was Du dabei gewinnst, ist viel lauteres Gold, aus dem Herzen eines Volkes geschürft, das seiner paradiesischen Heimath werth war, ist und bleibt, eines Volkes gerade, fest und treu, der Schwarzwaldtanne gleichend, in deren geheimnisvollem Dunkel heute noch, wie vor mehr als tausend Jahren, Frau Sage ihre Runen ritzt.

Glück auf zur Fahrt! Sie wird dich nicht gereuen; mein Büchlein aber möge Dir und den lieben Deinen zu Hause eine angenehme Erinnerung bleiben als Schwarzwaldgruß.

L. Bernow

… das der Geleitsbrief von L. Jung (L. Bernow) in seinem Büchlein „Des Schwarzwalds schönste Sagen – auf fröhlicher Fahrt erzählt und allen Besuchern Badens gewidmet“, 2. Auflage, Baden-Baden im Sommer 1903.

Im ersten Kapitel des Büchleins beschriebt Jung die 14 Sagen der Trinkhalle in Baden-Baden, die durch großformatige Gemälde von Jakob Götzenberger die Rückwand des Wandelganges schmücken.

Foto: Wandelgang der Trinkhalle in Baden-Baden. Alemannische Sagen Nr. 1 bis 7 (März 2026)

Die Sagen der Trinkhalle

Die Promenade war zu einem Fee’nreiche umgeschaffen. Wie mit Brillanten besäet leuchtete das Konversationshaus, gleich einem Zaubergarten mit feurigen Blumen und Früchten glänzte seine Umgebung. Liebliche Musik ertönte, frohes Leben herrschte, die elegante Menge ergab sich dem ungetrübten Genusse der Herrlichkeit ringsum.

Hoch oben am tiefblauen Himmelsdome ergoß, vom goldenen Sternenheere umgeben, Freund Mond seinen magischen Glanz. „Komm mit“, rief er seinem Herrn zu, der sich soeben in heiterer Gesellschaft bewegte. „Der Mond ruft mich,“ sagte dieser mitten im anregendten Gespräch zu den beiden jungen Damen an seiner Seite.

„Von der Fee’rie zur Romantik. Das setzt dem Abend die Krone auf. Bruder Albert bitte für uns, daß der Poet uns mitnimmt ins Mondscheinreich!“ rief die jüngere der Schwestern dem soeben an sie Herantretenden zu. „Ihm gebührt der Vortritt, wir folgen,“ entgegnete lachend der Bruder. „So ist’s recht,“ meinte der Dichter, verbeugt sich leicht vor den Damen und trat die Reise an.

Weit war sie nicht: am Marmordenkmal des entschlafenen Heldenkaisers vorüber, eine Freitreppe empor, in eine Säulenhalle. Gar oft hatte er morgens hier Kur getrunken, heute aber erschien ihm die Trinkhalle fremd.

„Was lockst Du mich hierher, alter Geselle,“ fragte er den Mond. Dieser goß helle Strahlen auf zwei Gestalten, die sich langsam von der Rückwand der Halle lösten.

(1) Burkhard Keller von Yburg

stand in weithin sichtbaren Lettern unter dem Rahmen aus dem sie traten. (…)

„… will Ihnen die zweite Geschichte mittheilen, die mir der Mond offenbarte,“… Man schaarte sich um ihn auf der großen Bank beim Schloß Solms und lauschte seinen Worten:

 

„Kennen Sie die Geheimnisse des deutschen Waldes? Wohl nirgends locken sie verführischer als dort oben in den blauen Schwarzwaldbergen. Sehen Sie jenen langen Bergrücken. Hornisgrinde genannt?

Haidekraut und schwarzes Moos bedecken den sumpfigen Boden, mühsam streben Krummholzkiefern daraus zum Licht, mächtige Steinmassen sind hier und da zu finden.

Wie ein erblindetes Auge weilt ein dunkler, unergründlicher See, von Felstürmen umschlossen, in tiefem Bergkessel inmitten der Wildnis. Kein lebendes Wesen erkor ihn zum Aufenthalte, unbewegt bleibt sein schwarzer Spiegel,

Foto: Der sagenhafte Mummelsee (August 2020)

(2) Mummelsee

heißt er, weil Seeweiblein, hier Mümmelein genannt, darin hausen. Bei Tage sind es weiße Lilien,

Doch wenn die Nacht herniedersinkt,
Der volle Mond am Himmel blinkt,
Entsteigen sie dem Bade
Als Jungfern am Gestade.
Und schweben leis umher im Kreis,
Gesichter weiß, Gewänder weiß,
Bis ihre bleichen Wangen
Mit zarter Röte prangen

wie das Lied erzählt. Schlägt die zwölfte Stunde, erscheint ihr Vater, der strenge Nix, an der Oberfläche des schwarzen See‘s und ruft die Töchter zu sich in die Fluth. Sie tauchen mit ihm unter und werden im Morgengrauen wieder zu Lilien.

Manchmal hat schon eine der holden Mümmelein eines Jünglings Herz entflammt, und ihm Gegenliebe gewährt. Viele Nächte hintereinander verließ sie seinetwegen die kühle Fluth, dann bedeutete sie ihm, er werde sie eine Zeit lang nicht mehr sehen, dürfte ihr aber ja nicht rufen.

Ein Hirtenknabe übertrat, von Sehnsucht getrieben, ihr Gebot. Kaum war der theure Namen seinen Lippen entschlüpft, als die See zu zischen begann. Ein Schmerzensschrei gellte dem zu Tode Erschrockenen, aus der Tiefe kommend in‘s Ohr, ein großer Blutfleck erschien auf dem Wasserspiegel, ein weißes Röslein löste sich von demselben ab und schwamm zum Ufer. Von Entsetzen getrieben wandte sich zur Flucht und ward nie mehr gesehen. Ein Einsiedler mit ergrautem Haare ließ sich bald darauf in einer Felsenschlucht nahe der Wasserfälle bei Allerheiligen nieder. Er hat niemals ein Wort gesprochen, außer zu seinem Gott. Ein alter Jäger behauptete, er trüge wie die zu Stein gewordenen Züge des Hirten.

Ein frischer, junger, kecker Waidmann sah nicht lange darnach ein lieblich Mümmelein, mit einem Sträußchen aus Feldblumen im zarten, weißen Händchen, am Ufer sitzen.

Er näherte sich dem Seefräulein, das ganz aussah wie ein lebendes Wesen. Doch kaum hatte ihn das schöne Kind erblickt, als es mit tödlichem Erschrecken aufsprang und im See verschwand. Sein Schleier, ein fein meergrün Gewebe, blieb im Gestrüpp am Ufer. Dem Waidmann, des Försters Sohn aus der Legelsau, überkam ein seltsam süßes Bangen, die Liebe war eingezogen in sein Herz. Scheu griff er nach dem Schleier und barg das theure Pfand an der Brust. Seine Ruhe war dahin, er kannte nur noch die Sehnsucht, bleich und still wanderte er rastlos jede Nacht vom Försterhaus im Kapplerthale zum See. Ein Freund entriß ihm wohlmeinend den Schleier un versenkte diesen an schwerem Steine in die schwarze Fluth. Doch statt Berwin, so nannte sich der junge Waidmann, zu heilen, vermehrte er dessen Sehnsucht. Beim schwachen Lichtlein des ersten Mondviertels erhob sich der Jüngling vom Lager und ging den wohlbekannte Weg. Unheimlich rauschte das Wasser, eine Welle erhob sich, ein Blitzstrahl warf blendendes Licht  auf etwas aus der Tiefe des See’s Entsteigendes. „Der Schleier,“ jubelte Berwin, „das Seefräulein winkt.“

Ratsch, ohne Besinnen stürzte er sich in die aufbrausende Fluth, sein geübter Arm zerteilte die Wellen, schon war er inmitten des See’s und griff nach dem Schleier. Hatte er mit diesem den Arm des Mümmeleins erfaßt? Die Wasser schlugen über ihm zusammen, dann wurde der Spiegel glatt und still, ein unergründliches Gehemnis.“

„Und sind die Mümmelein nie wieder gekommen?“ fragte Bertha, die jüngere der beiden Damen.

„Sie kamen wieder,“ entgegnete der Poet, „ein weibliches Wesen läßt die Liebe nicht, und bringt sie auch den Tod. Die Mümmelein tragen ein warmes Herz in der Brust, trotz dem kalten Elemente, das sie umgibt.

Der nächste Mann, der dies erfuhr, war ein ganz tapferer Ritter, in der Minne erfahren. Ermüdet vom edlen Waidwerk, rastete er am unwirthlichen Ufern des gemiedenen See’s. Träumerisch sah er in die Fluth. Da verschwand der schwarze, trübe Glanz derselben, hell und klar aus flüssigem Golde erschien das Wasser, sanft kräuselten sich die Wellchen und inmitten des weißen Schaumes tauchte ein Anlitz empor wie aus Himmelshöhen. Weiße Arme schimmerten in den krystallenen Wogen, eine Huldgestalt stand vor dem seiner Sinne kaum mehr mächtigen Ritter. „Dein bin ich, herrliches Weib, „ entsprang sich seinen Lippen, dann hielt er die Jungfrau umfangen.

Selige Stunden verbrachte er am Gestade, nur dünktem sie ihm viel zu kurz, denn um Mitternacht verließ ihn die Braut. Er dachte nicht viel darüber nach, droben auf seiner Burg rüstete er zur Hochzeitsfeier seiner Schwester, mit dieser wollte er die eigene verbinden. Unter Scherz und Kofen brachte er das Mümmelein mit Lift am Vorabend des Hochzeittages zur Burg. Im festlich geschmückten Saale unter der Schar der frohen Gäste, beim Saitenklange und tanz vergaß das Seefräulein der Zeit. Da drang auf einmal der erst Frührothschein in das Prunkgemach, als sie eben der Ritter vom Tanz weg seiner Schwester zuführen wollte; tödtlicher Schrecken malte sich auf des Mümmeleins Anlitz:

„Es tagt, es tagt, ich sterben muß
Gieb mir noch den letzten Kuß!“
Und aus des Ritters Armen reißt
Die bleiche Braut, der greiße Geist
Verschwindet mit ihr in die Fluth,
Die blutig dann im Frühglanz ruht.

„Und der Ritter?“ fragte Bertha ergriffen.

„Der See verstummt, der Wald verdorrt,
Der Ritter sitzt dort immerfort;
Dort harrt sein Geist noch heutzutag,
Ob Keiner ihn erlösen mag

beantwortet das Lied ihr Frage,“ lautete die Entgegnung.

„Weiß nicht aus Grimmelshausen in seinem Simpilcissimus Wunderbares vom Mummelsee zu berichten? Ich erinnere mich, er behauptet, die darin hausenden Geister erlaubten nicht, mit Meßinstrumenten in seine Tiefe zu dringen,“ warf der Vater der Damen ein.

„Gewiß, als es ein Markgraf von Baden versuchte, mit geweihten Kugeln und anderen geweihten Gegenständen, sprang ein fürchterliches Ungeheuer aus den Wellen hervor, jage die Messenden in die Flucht, und sieben Tage lang wütheten Ungewitter über dem See“, antwortete der Bruder, ein junger Philologe.

Marie aber, die ältere Schwester, recitierte mit wohlklingender Stimme Mörickes Geister am Mummelsee, eine der schönsten deutschen Balladen.

„Wie war es aber mit der

(3) Nixe am Wildsee?“

fragte Albert, der Philologe.

„Der Wildsee liegt einige Stunden in südöstlicher Richtung vom Mummelsee entfernt auf einer, das Moor genannten, Hochebene zwischen Murg und Elz.

(…)

 

… und im Weiteren beschreibt Jung in seinem Büchlein auch die anderen im Wandelgang der Trinkhalle dargestellten Sagen des nördlichen Schwarzwalds.

Mummelsee-Sage

Lilien am Mummelsee

Vom Mummelsee im Schwarzwald

Die Lilien

 

Im Mummelsee, im dunklen See,
Da blüh’n der Lilien viele,
Sie wiegen sich, sie biegen sich,
Dem losen Wind zum Spiele;
Doch wenn die Nacht herniedersinkt,
Der volle Mond am Himmel blinkt,
Entsteigen sie dem Bade
Als Jungfern ans Gestade.

 

Es braust der Wind, es saust das Rohr
Die Melodie zum Tanze,
Die Lilienmädchen schlingen sich,
Als wie zu einem Kranze,
Und schweben leis‘ umher im Kreis,
Gesichter weiß, Gewänder weiß,
Bis ihre bleichen Wangen
Mit zarter Röte prangen.

 

Es braust der Sturm, es saust das Rohr,
Es pfeift im Tannenwalde,
Die Wolken ziehn am Monde hin,
Die Schatten auf der Halde,
Und auf und ab, durch’s nasse Gras,
Dreht sich der Reigen ohne Maß,
Und immer lauter schwellen
Zum Ufer an die Wellen.

 

Da hebt ein Arm sich aus der Flut,
Die Riesenfaust geballet,
Ein triefend Haupt dann, schilfbekränzt,
Vom langen Bart umwallet,
Und eine Donnerstimme schallt,
Daß im Gebirg‘ es wiederhallt:
„Zurück in eure Wogen,
Ihr Lilien ungezogen!“

 

Da stockt der Tanz – die Mädchen schrei’n
Und werden immer blässer:
Der Vater ruft: „Puh! Morgenluft
Zurück in das Gewässer!“ –
Die Nebel steigen aus dem Tal,
Es dämmert schon der Morgenstrahl,
Und Lilien schwanken wieder
Im Wasser auf und nieder.


Quelle:
August Schnezler „Gedichte“, 2. Auflage, Creuzbauer und Kasper Verlag Karlsruhe, 1846.

 

Foto: Nuphar (Teichrose)

Seerosen am Mummelsee?

Seerosen am Mummelsee?

Seerosen am Mummelsee?

Wie der Mummelsee zu seinem Namen kam.

Aloys Wilhelm Schreiber (1761 bis 1841), späterer Professor für Ästhetik in Heidelberg, veröffentlichte 1811 in seiner Publikation „Baden im Großherzogthum mit seinen Heilquellen und Umgebungen“ einen historischen und topographischen Überblick über die Stadt Baden (Baden-Baden) und ihre Umgebung.

In seinen Ausflugstipps für Kurgäste in „entfernte Gegenden um Baden“ heißt es:

Die etwas entferntern Thäler und Berge bieten so manche große und anmuthige Scenerei dar, daß es in jeder Hinsicht der Mühe lohnt, kleine Wanderungen von einem und zwei Tagen dahin zu unternehmen“.

Zu dieser „anmuthigen Scenerei“ zählt Schreiber auch die Seen auf den Schwarzwälder Höhen, so auch den „Mummelsee“. So schreibt Aloys Wilhelm Schreiber:

„Am südlichen Hange dieses Bergs, in einem sehr hoch liegenden Thale, versteckt sich das Dörfchen, die Herrenwiese, und etwa ¾ Stunden von da, an dem südöstlichen Hange, breitet sich ein kleiner See aus, der den Nahmen des Dörfchens führt, im Munde des Volks aber den Namen des Mummelsee’s (von Mümmelchen, Seefräulein) hat.“

(…)

„Die Bäume haben in diesem torfigten Boden meist ein zerkümmertes Ansehen, besonders in der Nähe des Mumelsees. Sein Bord ist, wie das Ufer der Lethe, öd und abgeschieden – die Fichten und Tannen ringsum senken ihre Häupter zur Erde, und sterben schon in ihrer Jugend hin. Kein Laut unterbricht die ewige Stille, nur daß tief unten im Thal melancholisch ein Quell murmelt. Immer unbewegt ist der schwarzbeschattete Spiegel des Wassers, das nahe am Ufer mit Torf bedeckt ist, und auf welchem die gelbe Seerose (Nymphea luthea) ihre breiten Blätter entfaltet. Auch blüht hier das Sonnenthau (Dunsera rotundifolia), das Wollgraß (Eriophorum vaginatum) und die Torfbinse (Scirpus cespitosus). Es ist hier der Aufenthalt der Betrachtung, der Wehmuth und der Dichtung.“

„Das Romantische knüpft sich immer an die seltenern Erscheinungen in der Natur. Von diesem See leben in dem Munde der umwohnenden Landleute eine Menge Sagen. Ehemals war er, ihren Erzählungen nach, von Seefräulein bewohnt, die in jener guten alten Zeit gar freundlich mit ihren Nachbarn umgingen.“

(…)

Schreibers Beschreibung von 1811, in denen erstmals Seerosen beschrieben werden, gilt bei zahlreichen Veröffentlichungen bis heute als Nachweis für Seerosenvorkommen am Mummelsee.

ABER …

Schreiber beschreibt hier nicht den Mummelsee an der Hornisgrinde, sondern den Herrenwieser See, den er (auch) „Mummelsee“ nennt.

Herrenwieser See | Mummelsee (Hornisgrinde)

Der Herrenwieser See liegt am Seekopf, zwischen der Badener Höhe und der (heutigen) Schwarzenbach-Talsperre, gute 10 km Luftlinie entfernt vom Mummelsee an der Hornisgrinde.

Beide Seen sind eiszeitliche Karseen.

Im Vergleich zum Mummelsee (1.028 m NN), an dem heute direkt die Schwarzwaldhochstraße entlang führt, liegt der Herrenwieser See (829 m NN), abseits einer direkten Straßenanbindung, auch heute noch vergleichsweise abgeschieden. Zumindest abgeschieden von den großen Tourismusströmen wie am „Rummelsee“.

Keine Seerosen am Mummelsee (Hornisgrinde)

Botanisch gesicherte Nachweise für Seerosenvorkommen am Mummelsee sind nicht bekannt.

So stellt beispielsweise der botanische Bericht zu den „Nuphar der Vogesen und des Schwarzwaldes“ von 1870 explizit heraus, dass weder auf dem Mummelsee, noch auf dem nahegelegenen Wildsee, Nymphaeaceae wachsen. Es fänden sich dort überhaupt keine Pflanzen im See.

Seerosengewächse (Nymphaeales)

Die Nymphaeales werden in insgesamt acht Gruppen unterteilt (Anecphya, Brachyceras, Hydrocallis, Lotos, Nymphaea, Victoria, Euryale und Nuphar).

Insgesamt sind ca. 70 Arten bekannt, die überwiegend in den Tropen verbreitet sind. Es sind ausschließlich Wasserpflanzen mit teilweise untergetauchten, schwimmenden oder über das Wasser herausragenden, meist sehr großen Blättern. Die vorwiegend schraubig gebauten Blüten haben entweder eine doppelte Blütenhülle aus zwei dreizähligen Wirteln oder einen drei- bis mehrgliedrigen Kelch. Aus den Fruchtknoten entwickeln sich Schließfrüchte oder beerenartige Früchte. Die größten Schwimmblätter (bis 2 m Durchmesser) bilden die südamerikanischen Victoria-Arten, Victoria cruciana und Victoria amazonica.

Foto: Weiße Seerose (Nymphaea alba)
Jacek Halicki, 2016 Kwiat grzybieni białych 2, CC BY-SA 4.0

Teichrose

Die Gruppe der Nuphar hat verschiedene deutsche Namen. Allgemein wird sie Teichrose genannt.

Die Teichrose ist in Deutschland weit verbreitet und wächst häufig in Seen, Teichen und langsam fließenden Flüssen. Die Gattung Nuphar umfasst 13 Arten, die alle aus den gemäßigten Klimazonen der nördlichen Hemisphäre stammen.

Die Teichrose hat bis 2 Meter lange Rhizome und große, teils untergetauchte, teils schwimmende, grasgrüne Blätter. Die kleinen, gelben Blüten stehen auf kräftigen Stielen hoch über der Wasseroberfläche.

Foto: Gelbe Teichrose (Nymphaea lutea)

Teichrose, Nixblume, Teichmummel, Mummel, Mümmelchen

Andere Bezeichnungen der Teichrose sind Mummel, Mümmelchen oder Teichmummel. In manchen Gegenden ist auch die Bezeichnung Nixblume geläufig.

Die taxonomische Bezeichnung der Seerosengewächse (Nymphaeales) stellt eine Verbindung zu weiblichen Wasserwesen, den Nymphen, her.

Laut Wörterbuch der Deutschen Sprache 1809 (Hrsg.: Joachim Heinrich Campe) ist Mümmelchen „ein Name der Wasserlilie oder weißen Seeblume, auch wol der gelben Seeblume, welche auch Mümmelkraut genannt wird (Nymphea alba und lutea)“.

Über die Nixblume schreibt beispielsweise Jacob Grimm in seiner „Deutschen Mythologie“ von 1844:

Die Wasserlilie wird bei uns auch genannt wassermännlein und mummel, mümmelchen = müemel, mühmchen, wassermuhme, wie im alten lied die merminne ausdrücklich Morolts ›liebe muome‹ angeredet, und noch heute in Westfalen watermöme ein geisterhaftes wesen ist. […] mehrere von nixen bewohnte seen heissen mummelsee […].“

Foto: Herrenwieser See

Was bleibt

Wie schrieb schon Jacob Grimm 1844 in seiner „Deutschen Mythologie“: „Mehrere von Nixen bewohnte Seen heißen Mummelsee“. Nicht nur im Schwarzwald und nicht nur an der Hornisgrinde oder in Herrenwies. Da sind Verwechslungen nicht ausgeschlossen.

Auf dem Mummelsee an der Hornisgrinde gab es früher und gibt es auch heute keine Seerosen. Die Namensgebung des Mummelsee und die Sagenfiguren, die im knapp 18 m tiefen See hausen, lassen sich dennoch auf die Seerose zurückführen.

Die Sagenfiguren heißen Mümmelchen, Seefräulein, Seeweiblein, Nymphen oder Nixen.

Schreibers Seerosen fanden sich 1833 dann auch im Balladenzyklus von Ferdinand August Schnezler „Zehn Romanzen vom Mummelsee im Schwarzwald“. Dort werden Lilien beschrieben, die sich in der Nacht in Wasserfrauen verwandeln und in den Gewässern spielen, bis ihrem Treiben durch ihren Vater, dessen bärtiges Haupt schilfbekränzt ist, durch strenge Worte ein Ende bereitet wird.

Diese Ballade wiederum diente Jacob Götzenberger als Inspiration für seine Illustration zum Mummelsee im Rahmen der Sagenbilder für die 1842 in Baden-Baden fertiggestellte Trinkhalle.

Jacob Götzenberger: Der Mummelsee mit nächtlichem Reigen der Nixen, die bei anbrechendem Morgen durch den Geist des Wasserreichs in die Tiefe zurückgerufen werden.

Foto: Der Mummelsee an der Südseite der Hornisgrinde (August 2020, kurz nach Sonnenaufgang)

Waldhaus Batschari

Waldhaus Batschari

Waldhaus Batschari

Im Stadtwald am Fremersberg treffen sich mit dem „Panoramaweg“ und dem „Beutig-Rundweg“ zwei sehr empfehlenswerte Wanderwege.

Dort wurde am 18. Juni 1911 eine Wanderhütte eingeweiht. Die Hütte, das Waldhaus Batschari, wurde nach einem bekannten Baden-Badener Fabrikanten benannt: August Batschari.

August Batschari war Tabakwaren-Fabrikant. Er gründete 1834 im heute weltberühmten Gebäudeensemble des „Batschari Palais“ die erste Zigarettenfabrik Europas.

Mit einer täglichen Produktion von 1,5 Millionen Zigaretten war August Batschari zu dieser Zeit einer der größten Arbeitgeber Baden-Badens. Besonders hervorzuheben ist die herausragende und ambitionierte Reklamekunst der August Batschari Cigarettes.

Bis heute ist das im Jahr 1902 erbaute Batschari Palais (Mozartstraße 8) mit seiner spannenden Geschichte eines der imposantesten Gebäude der Stadt Baden-Baden.

Foto: Alte Zigarettenverpackung. Aufnahme von Siegfried Hoyer

Im Laufe der Zeit nagte auch am Waldhaus Batschari der Zahn der Zeit. Das Dach wurde marode, das lange Gedicht an der Rückwand musste neu geschrieben werden. Auch das ganze Umfeld war in die Jahre gekommen. Dank einer großzügigen Unterstützung von Max Grundig, der seinerzeit auf Mariahalden wohnte, konnte die Hütte saniert und nur dadurch überhaupt erhalten werden.

(Zeitzeugenangaben eines ehemaligen Stadtforstdirektors in den BNN im Juni 2024)

 

Die halboffene Hütte verfügt über einen großzügigen Innenraum mit an den Wänden verlaufenden Sitzbänken sowie Darstellungen heimischer Wildtiere und einem Gedicht von August Batschari.

Foto: Innenraum Waldhaus Batschari (März 2026)

Der nach Nordosten geöffnete Raum und die der Hütte vorgelagerte Terrasse bieten eine herrliche Aussicht über Baden-Baden. Wir blicken auf das Stadtgebiet von Baden-Baden, das in einem Talkessel liegt.

Foto: Ausblick vom Waldhaus Batschari in den Talkessel von Baden-Baden (Februar 2022)

Dieser Talkessel ist eine geologische Senke.

Diese Senke nennen die Geologen einmal „Senke von Baden-Baden“, das andere Mal „Badener Trog“ oder ein weiteres Mal auch „Oberkarbon-Rotliegend-Senke“.

Die Senke ist von Südwesten nach Nordosten ausgerichtet. Ihr Kern ist die in gleicher Richtung verlaufende Battert-Aufwölbung. Nördlich dieser Aufwölbung liegt die Rotenfelser Senke und südlich die Lichtentaler Senke. Die gesamte Senke (Badener Trog) besteht also eigentlich aus zwei kleineren Teiltrögen.

Foto: Ausblick vom Waldhaus Batschari in den Talkessel von Baden-Baden (Februar 2022)

Wir sehen am Horizont von links nach rechts:

Die Oberrheinebene – den Hardberg (375 m) – den Battert mit seinen markanten Steilfelsen (569 m) und den Hausberg von Baden-Baden, den Merkur (669 m), mit seinem weithin erkennbaren Aussichtsturm.

„Unterhalb“ des Battertfelsen das Neue Schloss und das Gebäudeensemble der Stiftskirche am Marktplatz, dem Friedrichsbad und der Carcalla-Therme.

„Links“ vom Battert das Alte Schloss Hohenbaden.

Der gelbe Farbtupfer in der Bildmitte, vor dem Taleinschnitt des Rotenbachtals, ist das Markgraf-Ludwig-Gymnasium in der Hardstraße. 

Und genau dorthin fliegen wir jetzt.