Vom späteiszeitlichen Fluss zu einer Sumpflandschaft
Die Entstehungsgeschichte des Bruchgrabens beginnt mit einem späteiszeitlichen Flusslauf.
Es war einmal ein Gewässer, das einst ein verzweigtes und mäandrierendes, mit dem Rhein verbundenes Fließsystem bildete. Die letzte Eiszeit ist gerade am ausklingen. Zwischen den einzelnen Gewässerarmen gibt es erhöhte Schotterrücken und tiefer liegende Rinnen.
Das Gewässer bekam erst viele Jahre später einen Namen. Sein Name leitete sich von gleichnamigen Ort ab, der ihm seine Richtung vorgab. Der Ort ist die sogenannte Kinzig-Murg-Rinne (KiMuRi). Diese Bezeichnung geht auf den Geologen Hans Thürach (1912) zurück.
Der Fluss selbst wird, wenig phantasievoll, einfach nur Kinzig-Murg-Fluss genannt. Johann Gottfried Tulla (1822), leitender Ingenieur der Rheinbegradigung, nannte ihn „Ostrhein“.
Da es den Fluss heute aber nicht mehr gibt, spricht man vielmehr von seinen Spuren, seinen Ablagerungen in der Rinne. Und genau diese (jüngeren) Spuren heben sich von seiner direkten (älteren) Umgebung ab.
Die KiMuRi war eine rheinparallel verlaufende Senke am Westrand des Schwarzwalds und Kraichgaus, die am dem Ende der letzten Eiszeit, ab ca. 14.000 bis 15.000 Jahre vor heute, zwischen Offenburg im Süden und Wiesloch im Norden alle östlichen Randzuflüsse aufnahm, um diese erst in Höhe von Mannheim in den Rhein zu leiten.
In Anbetracht nachweislicher subrezenter bis rezenter Bewegungen am Ostrand des Oberrheingrabens wird die Entstehung der Rinne auf eine tektonische Absenkung zurückgeführt.
Das Gewässer war ein wild verzweigter Fluss mit zahlreichen verflochtenen Fließrinnen, wie auch der deutlich größere Rhein, ein „braided river“, der je nach Wasserführung sein Bett verlagerte. In der Rinne findet man engräumig wechselnde Ablagerungen grober und feinkörniger Sedimente. Mehrere, von Südwesten kommende Gewässerrinnen vereinigten sich in zu einem breiten Strom, der bei Karlsruhe eine außergewöhnlich Breite einnahm (2km bis 2,5km).
Verladung und Moorbildung
Verschiedene Durchbrüche entlang der Rinne nach Westen direkt in den Rhein führten ab einer Zeit von vor ca. 6.000 Jahren sukzessive zur Verlandung des Fließsystems. Zurück blieben Stillgewässer und feuchte Senken, die mit der Zeit versumpften und vermoorten. Ein üppiges Pflanzenwachstum in Verbindung mit konservierenden, wassergesättigten Böden führte zur Bildung von Torfen.
Da es sich um grundwassergebundene Moorbildungen handelt, spricht man von sogenannten „Niedermooren“ (in Abgrenzung zu den niederschlagsgebundenen „Hochmooren“).
Spuren der Erosion
Der Bruchgraben ist ein besonders naturnaher und gut erhaltener Abschnitt der Kinzig-Murg-Rinne. Weithin sichtbarer Zeuge der nacheiszeitlichen Flusslandschaft ist im Schutzgebiet eine 5 bis 6m hohe Gestadekante entlang des westlichen Randes, die auf einer Länge von rund 1.000 m noch gut erhalten ist und die frühere Erosionskraft des Flusses verdeutlicht.