Büffelbad

Büffelbad

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Naturschutzgebiet Bruchgraben

Der Bruchgraben im Stadtkreis Baden-Baden auf den Gemarkungen Sandweier und Oos ist mit 185 Hektar eines der größten Naturschutzgebiete am Ostrand der Rheinebene.

Das Gebiet ist eine Feuchtniederung von überregionaler Bedeutung, die vielen seltenen Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet.

Zur geschützten Fläche gehört neben dem eigentlichen Bruchgrabengebiet auch der durch Ausbaggerung entstandene Leissee, der nördlich der Niederung liegt.

Naturschutzgebiete westlich von Baden-Baden. Links das NSG Bruchgraben.
© Daten- und Kartendienst der LUBW (Abfrage vom Februar 2026)

Vom späteiszeitlichen Fluss zu einer Sumpflandschaft

Die Entstehungsgeschichte des Bruchgrabens beginnt mit einem späteiszeitlichen Flusslauf.

Es war einmal ein Gewässer, das einst ein verzweigtes und mäandrierendes, mit dem Rhein verbundenes Fließsystem bildete. Die letzte Eiszeit ist gerade am ausklingen. Zwischen den einzelnen Gewässerarmen gibt es erhöhte Schotterrücken und tiefer liegende Rinnen.

Das Gewässer bekam erst viele Jahre später einen Namen. Sein Name leitete sich von gleichnamigen Ort ab, der ihm seine Richtung vorgab. Der Ort ist die sogenannte Kinzig-Murg-Rinne (KiMuRi). Diese Bezeichnung geht auf den Geologen Hans Thürach (1912) zurück.

Der Fluss selbst wird, wenig phantasievoll, einfach nur Kinzig-Murg-Fluss genannt. Johann Gottfried Tulla (1822), leitender Ingenieur der Rheinbegradigung, nannte ihn „Ostrhein“.

Da es den Fluss heute aber nicht mehr gibt, spricht man vielmehr von seinen Spuren, seinen Ablagerungen in der Rinne. Und genau diese (jüngeren) Spuren heben sich von seiner direkten (älteren) Umgebung ab.

Die KiMuRi war eine rheinparallel verlaufende Senke am Westrand des Schwarzwalds und Kraichgaus, die am dem Ende der letzten Eiszeit, ab ca. 14.000 bis 15.000 Jahre vor heute, zwischen Offenburg im Süden und Wiesloch im Norden alle östlichen Randzuflüsse aufnahm, um diese erst in Höhe von Mannheim in den Rhein zu leiten.

In Anbetracht nachweislicher subrezenter bis rezenter Bewegungen am Ostrand des Oberrheingrabens wird die Entstehung der Rinne auf eine tektonische Absenkung zurückgeführt.

Das Gewässer war ein wild verzweigter Fluss mit zahlreichen verflochtenen Fließrinnen, wie auch der deutlich größere Rhein, ein „braided river“, der je nach Wasserführung sein Bett verlagerte. In der Rinne findet man engräumig wechselnde Ablagerungen grober und feinkörniger Sedimente. Mehrere, von Südwesten kommende Gewässerrinnen vereinigten sich in zu einem breiten Strom, der bei Karlsruhe eine außergewöhnlich Breite einnahm (2km bis 2,5km).

Verladung und Moorbildung

Verschiedene Durchbrüche entlang der Rinne nach Westen direkt in den Rhein führten ab einer Zeit von vor ca. 6.000 Jahren sukzessive zur Verlandung des Fließsystems. Zurück blieben Stillgewässer und feuchte Senken, die mit der Zeit versumpften und vermoorten. Ein üppiges Pflanzenwachstum in Verbindung mit konservierenden, wassergesättigten Böden führte zur Bildung von Torfen.

Da es sich um grundwassergebundene Moorbildungen handelt, spricht man von sogenannten „Niedermooren“ (in Abgrenzung zu den niederschlagsgebundenen „Hochmooren“).

Spuren der Erosion

Der Bruchgraben ist ein besonders naturnaher und gut erhaltener Abschnitt der Kinzig-Murg-Rinne. Weithin sichtbarer Zeuge der nacheiszeitlichen Flusslandschaft ist im Schutzgebiet eine 5 bis 6m hohe Gestadekante entlang des westlichen Randes, die auf einer Länge von rund 1.000 m noch gut erhalten ist und die frühere Erosionskraft des Flusses verdeutlicht.

Foto: Im Naturschutzgebiet Bruchgraben (Mai 2025)

Durch die Sperre des Murgschwemmfächers zwischen Oos, Haueneberstein, Niederbühl und Sandweier bildete sich bei starken Niederschlägen der „Landsee“.

Nach dem Bau des Ooskanals und dem Durchstich des Sandbachs nach Westen in Richtung Iffezheim wurden die regelmäßig überfluteten Flächen zu Beginn des 18. Jahrhunderts trockengelegt.

 

Schutz- und Pflegekonzept

Der Bruchgraben soll sich wieder zu einer Sumpf- und Moorlandschaft entwickeln dürfen. Hierzu werden Teilbereiche durch den Einstau von Niederschlägen wiedervernässt und nach den Anforderungen der seltenen Pflanzen- und Tierarten gepflegt.

Zur Pflege zählt hauptsächlich die Mahd der Feuchtwiesen, Seggenriede und Röhricht aber auch die Entfernung von Gebüschen, die sich nach der Nutzungsaufgabe im Gebiet ausgebreitet haben.

 

Mahd? Entfernung von Büschen? Das können wir doch auch…

Foto: Büffelbad im Naturschutzgebiet Bruchgraben (Mai 2025)

Tierische Badekultur

Im Naturschutzgebiet Bruchgraben werden seit 2020 auch Wasserbüffel zur Beweidung eingesetzt. Ein Landwirt aus Sinzheim-Winden macht‘s möglich.

Die Wasserbüffel halten nicht nur die Landschaft offen, sondern sie legen mit ihren Hörnern und Hufen auch Schlamm- und Wassersuhlen an.

Sie schaffen sich also ihr eigenes Schlammbad.

 

Gewünschter Nebeneffekt: Sie legen damit auch Nahrungsquellen für Vögel frei und schaffen einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Foto: Das zweite Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)

Bahnhof Baden-Baden

Bahnhof Baden-Baden

Bahnhof

Oos? | Baden? | Baden-Oos? | Baden-Baden?

Wo ist eigentlich der Bahnhof von Baden-Baden? Diese Frage ist durchaus berechtigt. Er befindet sich in Baden-Oos, ca. 5 km Luftlinie nordwestlich der Innenstadt.

Der Bahnhof in Baden-Baden ist aufgrund seiner Lage weit außerhalb vom Ortszentrum kein Bahnhof der kurzen Wege – kein Stadtbahnhof. Das war früher jedoch ganz anders…

Die Badische Hauptbahn (ab1840)

1838 begann die staatliche Eisenbahnverwaltung im Großherzogtum Baden mit dem Bau einer Bahnstrecke entlang des Rheins, die sogenannte „Badische Hauptbahn“, die Vorläuferin der heutigen Rheintalbahn.

Im September 1840 wurde der erste Streckenabschnitt zwischen Mannheim und Heidelberg fertiggestellt. Anschließend wurde zuerst Karlsruhe, dann Rastatt und schließlich im Mai 1844 auch Oos angeschlossen.

Oos war zu dieser Zeit noch eine eigenständige Ortschaft. Im ersten Jahr nach Fertigstellung des Bahnhofs Oos wurden die anreisenden Gäste noch mit Pferdebussen und Kutschen nach Baden-Baden befördert.

Das Streckennetz der Badischen Hauptbahn (1850).
Unknown author,  Streckennetz Badische Hauptbahn 1850 , als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf  Wikimedia Commons 

Stadtbahnhof Baden-Baden (ab 1845)

Am 27. Juli 1845 wurde eine ca. 4 km lange Stichbahn von Oos nach Baden-Baden in Betrieb genommen. Die Bahnstrecke endete mit einem Kopfbahnhof, dessen erstes Empfangsgebäude ein von Friedrich Eisenlohr entworfenes Holzfachwerkgebäude im Schweizerhausstil war.

 

Neues Empfangsgebäude (1895)

Dieses erste Empfangsgebäude war aber für den rasant wachsenden Verkehr schon sehr bald zu klein und für das mondäne Publikum des „Weltbades“ zu wenig repräsentativ.

Nachdem man zunächst versuchte, die Missstände mit diversen Anbauten zu kompensieren, entschied man sich dann doch für einen Neubau. Die Einweihung war am 18. März 1895.

 

Streckenstilllegung (1977)

In den 1960er und 1970er Jahren galt die Stichstrecke von Oos in den Augen der Baden-Badener Kommunalpolitik als veraltet und lästig.

Schon Anfang der 1970er Jahre gab es erste Anzeichen dafür, dass die Strecke geschlossen werden soll.

Am 24. September 1977 fuhr schließlich der letzte Zug. Die Bahnanlagen wurden anschließend rückgebaut.

Teile der ehemaligen Bahnsteigüberdachung wurden in das 20km entfernte Bad Herrenalb transloziert, wo diese noch heute am Bahnhof der Albtalbahn ihre Funktion erfüllt.

Der Stadtbahnhof

Das erste Empfangsgebäude war ein von Friedrich Eisenlohr entworfenes Holzfachwerkgebäude im Schweizerhausstil.

Der in Lörrach geborene Eisenlohr studierte bis 1824 in Freiburg und danach auch an der Bauschule von Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe. 1839 wurde er Professor für Konstruktionslehre an der Polytechnischen Oberschule in Karlsruhe. Eisenlohr plante sämtliche Bahnhöfe der Badischen Hauptbahn zwischen Freiburg und Mannheim.

Foto: Das erste Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)

50 Jahre später war das Gebäude den gehobenen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Bauliche Veränderungen im Bestand des Ensembles führten nicht zum gewünschten Ziel. Es war ein Neubau erforderlich.

 

Die gleiche Ansicht Jahre später. Das neue Gebäude wurde am 18. März 1895 eröffnet.

Wir schauen die „Lange Straße“ hinauf in Richtung Florentinerberg mit dem Neuen Schloss. Es ist Winter, die Straße ist leer. Am Vorplatz wartet eine Kutsche auf Reisende.

Foto: Das zweite Empfangsgebäude im Stadtbahnhof (historische Ansichtskarte)

Foto: Am Bahnsteig um 1910 (Sammlung Korkisch)

„Baden, hier Baden. Bitte alle Fahrgäste aussteigen, der Zug endet hier.<
Herzlich willkommen in der Sommerhauptstadt Europas. Bienvenue à Baden, la capitale d’été de l’Europe.
Ihr Zug ist pünktlich angekommen. Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Aufenthalt.“

So oder so ähnlich könnte die Durchsage am Bahnsteig um 1910 gelautet haben. An einem lauen Sommertag um 16:08 Uhr. 

 

Das Empfangsgebäude am Stadtbahnhof heute und in Farbe…

Foto: Entrée Festspielhaus Baden-Baden
SchiDD, Baden-Baden-Festspielhaus-1, CC BY-SA 4.0 

Ein prächtiges Bauwerk im Stil der Neorenaissance mit Anleihen aus dem Barock. Erbaut mit einem hellen Sandstein aus dem Murgtal.

Exkurs

Sandsteinbrüche in der Gegend um Baden-Baden

In der Gegend um Baden-Baden, Gaggenau und Gernsbach gibt es viele große Sandsteinbrüche („Murgtalsandstein“). Die Sandsteine gehören stratigraphisch der „Tigersandstein-Formation“ (Zechstein) an. Die werksteinfähigen Partien sind überwiegend feinkörnige Sandstine mit häufigen Wechseln der Bankmächtigkeiten und v.a. der Farben.

Monotone rote oder graue Typen treten unmittelbar neben lebhaft mehrfarbig gestreiften Typen auf. Häufig sind gebleichte, fast weiße und rötlich gefleckte Sandsteine. Ein großer Teil der Staats- und Gemeindebauten der Umgebung von Baden-Baden sowie in und um Karlsruhe wurde aus diesem Sandstein erbaut. Vermutlich auch dieses Gebäude.

Abbildung: Übersichtskarte der Verbreitung der Tigersandstein-Formation bei Baden-Baden
© LGRBwissen 

Nach der Streckenstillegung 1977 wurde das Gebäude knapp 20 Jahre anderweilig genutzt.

Mit dem Bau des Festspielhauses auf dem früheren Gleisfeld an der Gebäuderückseite, änderte sich die Nutzung erneut.

Seit der Eröffnung 1998 dient das Gebäude als Entrée in das zweitgrößte Opernhaus in Europa (2.500 Plätze).

Das historische Gebäude nennt man in Baden-Baden bis heute, in würdigender Anerkennung seiner Historie, schlicht und einfach Alter Bahnhof.

 

Schlicht und einfach? Nicht das Gebäude!

Wir gehen einfach mal rein. Überzeugen Sie sich selbst.

Schalterhalle

Deckenornamente

Zu den Geschäftsräumen

Lichtdurchflutete Flure

Die (älteren) Einheimischen nennen ihre Stadt auch heute noch „Baden“ und nicht „Baden-Baden“. So war das in längst vergangenen Tagen schon. Und so steht es auch über dem Eingangsportal am Alten Bahnhof.

Foto: Fassadeninschrift über dem Eingang in den „Alten Bahnhof“ (Oktober 2022)

Ein erst auf den zweiten Blick sichtbarer Rest der alten Stichbahnstrecke findet sich im Wörthböschelpark in Baden-Oos. Die Überführung erfolgte mit einer unscheinbaren Brücke. Brücke und Geländer sind noch im Original erhalten.

Fotos: Bahnbrücke der Alten Stichbahnstrecke nach Baden-Baden über den Ooser Landgraben im Wörthböschelpark in Baden-Oos (August 2023)

Rathaus-See

Rathaus-See

Rathaus-See

Das Rathaus von Baden-Baden: Verschachtelt | Verwinkelt | Geheimnisvoll

Unter dem Rathaus verbirgt sich ein lange vergessenes Geheimnis. Im Volksmund „Rathaus-See“ genannt. Das Wasser hat Trinkwasserqualität und eine konstante Temperatur von 18°C. Der See wurde 1991 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Rathaus von Baden-Baden besteht aus drei miteinander verbundenen Bauwerken:

  1. dem historischen Gebäudekomplex des Jesuitenordens (Wiederaufbau 1698 bis 1723)
  2. dem ehemaligen Hotel „Darmstädter Hof“ (ab 1827 an Stelle der ehemaligen Jesuitenkirche von 1671).
  3. dem Ratssaal-Gebäude (früher Jesuitenschule mit Aula)

Im Mittelalter befand sich hier der Freihof der Markgrafen von Baden. 1627 überließ Markgraf Wilhelm das Anwesen den Jesuiten.

Die Jesuiten errichteten bis 1679 ein repräsentatives Kolleggebäude, das nur zehn Jahre später beim Stadtbrand zerstört wurde. Der Wiederaufbau auf altem Grundriss dauerte bis 1723.

Nach Auflösung des Jesuitenordens 1773 wurde das Gebäude zunächst als Schule, dann als Konversationshaus und schließlich zu Mietwohnungen genutzt.

Als Friedrich Weinbrenner das Jesuitenkolleg 1811 in eine Konversationshaus verwandelte, ließ er die Kirche mit Ausnahme der Chorpartie abbrechen.

Darmstädter Hof

Von 1671 bis 1812 befand sich am Standort des Darmstädter Hofes die nach Plänen von Tommaso Comacio erbaute barocke Jesuitenkirche und ein Jesuitenkolleg.

Das Hotel „Darmstädter Hof“ entstand ab 1827.

Nach Fertigstellung des neuen Konversationshauses, dem heutigen Kurhaus, wurde der Gebäudekomplex vorrübergehend als Wohngebäude genutzt, bis schließlich im Jahr 1862 das Rathaus in die früheren Jesuitengebäude einzog.

Der Darmstädter Hof erhielt nach Umbauten 1894 sein heutiges Erscheinungsbild. Das Hotel wurde nach dem Ersten Weltkrieg staatliches Kur- und Badehaus, bis die Stadt im Jahr 1937 das Gebäude zur Erweiterung des Rathauses übernahm.

Foto: Rathaus Baden-Baden (rechts der Gebäudetrakt „Ehem. Darmstädter Hof“ (Oktober 2022)

Entdeckung einer Höhle

Im Dezember des Jahres 1891 wurde bei Umbauarbeiten im damaligen Hotel „Darmstädter Hof“ (A) der Zugang zu einer Höhle entdeckt.

Die Anlage erstreckte sich auf etwa 13 m Länge in nordöstlicher Richtung in den Rathaushügel und liegt somit größtenteils unter dem heutigen Rathaushof.

Die Höhle selbst besteht aus einer größeren Vorhalle, an die sich zwei tieferliegende Kammern anschließen. Beide Nebenkammern sind mit Wasser gefüllt und bilden zwei kleine, voneinander getrennte Seen (B).

Der Wasserspiegel liegt knapp unter den jeweiligen Höhlendecken, so dass sich beide Räume einer systematischen Begehung entziehen. Über die Bedeutung und das Alter der Anlage gab es bislang keine gesicherten Anhaltspunkte.

Archäologische Funde, mehrere Salbgefäße und ein Terrakottaköpfchen, die angeblich in der Höhle gefunden worden sein sollen, gaben Anlass zu der Vermutung, dass es sich bei der Höhle möglicherweise um ein römisches Heiligtum handeln könnte. Die allerdings aus einer Privatsammlung stammenden Funde sind bezüglich der Fundüberlieferung jedoch mit starken Vorbehalten zu betrachten.

Abbildung: Lageskizze des „Rathaus-Sees“ im Untergeschoss des Rathauses von Baden-Baden
© Knierriem, Peter, Löhnig, Elke & Schallmayer, Egon: Aquae: Die antike Bäderstadt im Lichte neuerer Ausgrabungen und Forschungen, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg

Das ist er, der geheimnisvolle Rathaus-See (August 2023). Er besteht aus zwei wassergefüllten, bis zu 4 Meter tiefen Becken. Spektakulär, oder?

In der Tat, aber nur, wenn man die Geschichte dahinter kennt.

Neuerliche Bauarbeiten an der Höhle

Einhundert Jahre nach ihrer Entdeckung geriet die Höhle erneut in den Mittelpunkt archäologischen Interesses. Wiederum im Zusammenhang mit Umbauarbeiten an dem mittlerweile zum Rathauskomplex gehörenden „Darmstädter Hof“ wurde der Eingangsbereich der Höhle erneut von Bauarbeiten betroffen.

Das außergewöhnliche Denkmal sollte nun mit Glastüre und Beleuchtungseinrichtung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Ein Geheimnis wird gelüftet

Im Vorfeld dieser Arbeiten wurden die beiden Seen abgepumpt. Die Höhle war somit in fast allen Bereichen zugänglich geworden. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die bislang gänzlich überflutete östliche Nebenkammer, da nachsickerndes Wasser zur Eile trieb. Die zutage getretenen Strukturen sprachen bald für sich.

Was verbirgt sich hinter der Höhle?

Nicht die Reste eines römischen Heiligtums, wie von den Archäologen ursprünglich vermutet, vielmehr die bizarren Formen eines alten Steinbruchbetriebes erschienen im Scheinwerferlicht.

Foto: Blick in den Alten Steinbruch nach dem Abpumpen des Wassers
© Knierriem, Peter, Löhnig, Elke & Schallmayer, Egon: Aquae: Die antike Bäderstadt im Lichte neuerer Ausgrabungen und Forschungen, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg

Historischer Mühlstein-Steinbruch

Unzählige Abbauspuren verrieten den künstlichen Ursprung der Höhle. Abgebaut wurden ausnahmslos Steintrommeln von ca. 1,20 m Durchmesser und einer Stärke von 0,30 bis 0,35 m. Insgesamt fanden sich in der östlichen Kammer noch 23 Abbausteilen.

Viele Abbauspuren wiesen Überschneidungen auf, so dass die Zahl der ursprünglich entnommenen Stücke wesentlich höher gewesen sein muss. Mehrfach fanden sich auch Überreste von Fehlprodukten, die im Moment des Absprengens zu Bruch gingen und verworfen wurden.

In der Höhle haben sich Relikte aller Arbeitsgänge eines Steinbruchbetriebes erhalten. Dies reicht von Anrisslinien anzulegender Schrotgräben bis hin zum fertiggestellten Rohling. Die abgebauten Werkstücke dürften wohl als Mühlsteine verwendet worden sein. Nach dem Ergebnis geologischer Untersuchungen ist der Stein für eine solche Verwendung geeignet.

Die Notwendigkeit des Untertageabbaus erklärt sich ebenfalls aus der Geologie, die Betreiber des Steinbruches folgten der für ihre Verwendung benötigten Gesteinsart, angrenzende Formationen blieben unberührt.

Die Anfangsdatierung des Betriebes ist in Ermangelung archäologischen Fundmaterials derzeit nicht zu erschließen.

Das Ende hingegen lässt sich baugeschichtlich herausarbeiten. Vor dem Eingang der Höhle wurde bis in das Jahr 1673 die Kirche des Baden-Badener Jesuitenkollegs errichtet. Spätestens mit der Fertigstellung des Baues war der Steinbruch bis zu seiner Wiederentdeckung nicht mehr zugänglich.


Zugang

Der Zugang zum historischen Mühlstein-Steinbruch unter dem Rathaus ist heute mit einer Glastür verschlossen.

Die mannshohe Infotafel neben der Treppe hätte genug Platz für eine ausführlichere Beschreibung.

Foto: Zugang zum „Rathaus-See“ mit Infotafel (August 2023)

Exkurs

Steinbrüche um Baden-Baden

In der Gegend um Baden-Baden gibt es sehr viele Steinbrüche. In den meisten ist der Betrieb längst stillgelegt.

In den Sandsteinbrüchen (v.a. im Tigersandstein oder im Mittleren Buntsandstein) und in den Porphyrbrüchen wurden die Gesteine vorwiegend für den Gebäudebau gewonnen. Dies setzt voraus, dass die Gesteine in größeren Blöcken gewinnbar und auch spaltbar sind.

In den Brüchen wurden aber auch Mühlsteine gewonnen. Harte, abriebfeste Gesteine für Getreide- oder Ölmühlen, aber auch für Schleifereien.

Weitere Mühlsteinbrüche sind von Varnhalt bis ins Murgtal (z.B. im Staatswald Rotenfels) bekannt.

In Steinbach wurden Mühlsteinbrüche mindestens seit dem 13. Jahrhundert betrieben. Die Steinbacher Steinbrüche waren seinerzeit weithin für ihr gutes Material bekannt. Steinbacher Mühlsteine standen hoch im Kurs und waren begehrt.

Im 16. Jahrhundert werden die besten Mühlsteine im Bistum Straßburg in den Steinbrüchen um Steinbach gebrochen, vor allem im Bruch oberhalb von Varnhalt.

In der Straßburger Mühlordnung aus dem Jahr 1568 steht die Anweisung: „Es sollen auch alle Müller der Mühlen, die zu unserer Stadt Straßburg gehören, mit keinem anderen Läufer mahlen als mit Steinen aus Steinbach. Denn die Steinbacher Steine sind besser als alle anderen Mühlsteine. Wenn ein Müller einen anderen Mahlstein als von Steinbach verwendet, so wird er mit 5 Pfund Pfennig bestraft.“

Auerbacher Marmor

Auerbacher Marmor

Auerbacher Marmor

Wissenschaftlich belegt ist es nicht, aber die Archäologen vermuten, dass es sich bei dem in den römischen Kaiserbädern in Baden-Baden verbauten Marmor um Auerbacher Marmor handelt.

Benannt nach einem Herkunftsort, einem Ortsteil der Stadt Bensheim/Bergstraße am Westrand des Odenwaldes, ca. 110 km Luftlinie entfernt von Baden-Baden.

Bergbaugeschichte

Das Gestein diente in erster Linie der Herstellung von Trockenmörtel. Erstmals erwähnt wird der Auerbacher Marmor 1571, der erste Abbau über Tage erfolgte zwischen 1720 und 1773.

Ab 1820 erfolgt auch eine Förderung unter Tage. Während des 2. Weltkriegs wurde in den Stollen ein unterirdischer Rüstungsbetrieb eingerichtet.

Nach einer Wiederaufnahme des Abbaubetriebes ab 1946 wurde der Untertageabbau 1974 eingestellt. Über sieben Sohlen wurde eine Abbautiefe von 140 m erreicht.

In einem Betriebsgebäude des Marmoritwerks befand sich das Stollenmundloch zum Untertagebau.

Nach dem Abriss der Betriebsanlagen wurde das Stollenmundloch aufwändig gesichert.

Der Stollen ist heute ein geschütztes Winterquartier für Fledermäuse. Die Einfluglöcher für die Fledermäuse sind in das Verschlusstor integriert.

Foto: Weitgehend fertiggestellter Eingangsbereich mit gesicherter Einflugmöglichkeit für die Fledermäuse
© NABU Bergstraße

Geologie

Das Vorkommen des „Auerbacher Marmors“ setzt sich aus mehreren, teilweise über 50m breiten und 400m langen Gesteinskörpern zusammen, die in einem schmalen Streifen vom Kirchberg bei Bensheim über die Schönberger Höhe zur Rossbach bis zur Bangertshöhe bei Hochstädten zu verfolgen sind.

Die Marmorkörper werden von Granodiorit und Quarzdiorit umgeben. Granodiorit und Quarzdiorit sind Gesteine, die zur Zeit ihrer Entstehung in Tiefen von über 10 km aus Schmelzen langsam erstarrten und dabei ihre typische grobkörnige Struktur erhielten.

Der Marmor selbst entstand jedoch nicht aus einer Schmelze, denn an den Rändern der Linsen bildeten sich durch die hohen Temperaturen und durch eine Stoffzufuhr aus den Schmelzen neue Mineralien, die sich heute noch im Gelände nachweisen lassen. Der Marmor muss also bereits als Gestein existiert haben, als die Schmelzen aus größerer Tiefe aufstiegen.

Chemisch gesehen besitzt er die gleiche Zusammensetzung wie Kalkstein (Calciumkarbonat), der als Ablagerung am Meeresgrund oder an Riffen entsteht. Er enthält im Gegensatz zum Kalkstein keine Versteinerungen und zeigt einzelne Körner bis 1 cm Durchmesser. 

Marmor ist ein umgewandelter (metamorpher) Kalkstein, dessen Bestandteile durch Versenkung in große Tiefen neu kristallisierten. Bei diesem Prozess (Metamorphose) bilden sich je nach Druck und Temperatur aus unreinen Kalkpartien auch neue Mineralien, an denen Geologen die Bedingungen der Umwandlung abschätzen können.

Der Auerbacher Marmor wurde in 9 bis 10 km Tiefe bei Temperaturen von rund 620°C gebildet.

Datenquelle: Barth, Henner: Petrologische Untersuchungen im Felsberg-Zug (Bergsträßer Odenwald). Abhandlungen des Hessischen Landesamtes für Bodenforschung, Heft 66, Wiesbaden 1972.

Quellen in Baden-Baden

Quellen in Baden-Baden

Quellen in Baden-Baden (bis 69°C)

Am Florentinerberg

Der dritte Stein, den der junge Mann von der Nixe am Mummelsee geschenkt bekam, war ganz offenbar der Kostbarste.

Als er ihn an einem Hügel in Baden-Baden fallen ließ öffnete sich bald der Fels und heißes Wasser strömte armdick hervor.

Der Stein rollte weiter noch den Berghang hinab, und es sprudeltn allenthalben, wo er den Felsen berührte, heiße Quellen heraus.

… Dies der Ursprung der warmen Quellen von Baden.

Der besagte Hügel ist der Florentinerberg.

Die Quellaustritte liegen am Südhang direkt unterhalb vom Neuen Schloss innerhalb einer ca. 110 m x 90 m  große Fläche.

Das Wasser tritt in mehr als einem Dutzend Quellen mit Temperaturen bis zu 69°C aus einer Tiefe von über 1.000 m aus.

Foto: Brunnenbohrung hinter dem Brunnenhaus Hubquelle (Juni 2023)

Die wichtigsten Bestandteile der Wässer sind v.a. Natrium und Chlorid, daneben auch Fluor, Lithium, Kieselsäure und Bor. Einige Quellen enthalten auch das radioaktive Element Radon.

Die wichtigste und mit einer Schüttung von 113 m³ pro Tag ergiebigste Quelle, ist die Ursprungsquelle.

Diese ist im Untergeschoss des Alten Dampfbades gefasst.

Foto: Die Ursprungsquelle im Untergeschoss des Alten Dampfbades am Marktplatz (Oktober 2022)

Den Thermalquellen verdankt die Stadt Baden-Baden ihre Existenz. Die Siedlungsgeschichte geht auf die Römer zurück.

 

Römische Siedlungsgeschichte?

weiter geht’s mit Teil 2: Die Römer

Hubquelle

Hubquelle

Hubquelle (36°C)

Ottersweier-Hub

Die Hubquelle liegt auf dem früheren Gelände des Hubbades, heute Pflege- und Betreuungszentrum „Hub“ des Klinikums Mittelbaden.

Die Thermalquellen „in der Hub“ entstanden mutmaßlich aufgrund tektonischer Bewegungen bei einem Erdbeben um 1470.

Im Brunnenhaus läuft das Wasser in einen Trinkbrunnentrog aus rotem Sandstein. Früher wurde das Wasser über Deicheln ins Badehaus geleitet.

 

Der Anfang der 2020er Jahre noch vorhandene Doppelauslauf im Brunnenhaus wurde zwischenzeitlich durch ein schmuckloses Edelstahlrohr getauscht.

 

Das 36°C warme Thermalwasser tritt, artesisch gespannt, aus einer 44 m tiefen Bohrung hinter dem Gebäude frei bis an die Oberfläche auf, also ohne Pumpenbetrieb.

Foto: Brunnenbohrung hinter dem Brunnenhaus Hubquelle (Juni 2023)

Das kostbare Wasser wird heute leider nicht mehr genutzt.

Der Überlauf aus dem Trinkbrunnen verschwindet direkt in einen Straßengully vor dem Brunnenhaus in die Kanalisation.

Foto: Auslauf Thermalwasser in den Straßengully vor dem Brunnenhaus Hubquelle (März 2024)

Tschüß und Adé.

Heilwasser für die inneren Organe

Natrium:    653 mg/l

Calcium:    225 mg/l

Chlorid:     1.002 mg/l

Sulfat:       479 mg/l

Fluorid:     2,92 mg/l

Lithium:    4,59 mg/l

Kalium:     35,5 mg/l

Arsen:       0,08 mg/l

Das Bad Hub (Hubbad oder „die Hub“)

Die Hub ist seit 1475 urkundlich als Bad nachgewiesen.

Der erste Badbesitzer war Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz (1425-1476). Die von ihm ausgestellte Badeordnung ist eine der erste Badeordnungen in Deutschland überhaupt.

1722 erwirbt die badische Markgräfin Sibylla Augusta, die Ehefrau des „Türkenlouis“. Das Bad Hub wurde so Privatbesitz des Hauses Baden.

1810 kauft Friedrich Gottfried Kampmann (1771-1844) aus Straßburg das Bad Hub und lässt es im folgenden Jahr von Friedrich Weinbrenner (1766-1826) völlig neu gestalten.

 

Weinbrennerhaus

Das nach ihm benannte Weinbrennerhaus (1811) ist das bedeutendste Gebäude der Hub. Es bildet eine vierflügelige Anlage im klassizistischen Stil mit einem Innenhof.

In den 70 Fremdenzimmern konnten im Sommer über 100 Kurgäste aufgenommen werden.

Nachdem der Badebetrieb nach 1870 zum Erliegen kam, wurde 1873 von den Großkreisen Karlsruhe und Baden in der Hub eine Kreispflegeanstalt eingerichtet.

2006 wurde das Weinbrennerhaus von der Stiftung Hub übernommen, nach alten Plänen grundlegend saniert und zum Palliativzentrum umgebaut.

Foto: Weinbrennerhaus des ehem. Hubbades (Februar 2026)

Eine weiterer Thermalbrunnen in der Hub befindet sich im Innenhof des Weinbrennerhauses mit seinen klösterlich anmutenden Kreuzgängen.

Foto: Thermalwasser-Trinkbrunnen im Innenhof des Weinbrennerhauses (Juni 2023)

Diesem Ambiente angemessen läuft das Thermalwasser hier aus einen kunstvoll gestalteten gusseisernen Trinkbrunnen.

Der Zweiröhrenbrunnen aus dem 18. Jahrhundert steht direkt vor dem Eingang zum ehemaligen Kursaal. Seit der Umwidmung des Hubbades zu einem Pflegeheim (1873) befindet sich in diesem Gebäudetrakt eine Kirche.

 

Das Thermalwasser läuft in einem – im doppelten Sinne – gesunden Strahl in zwei kleine runde Becken.

Foto: Thermalwasser-Trinkbrunnen im Innenhof des Weinbrennerhauses (Juni 2023)

Erbauer des Brunnens ist laut Aufschrift das

 

Gas & Wasserleitungs Geschäft

Strassbourg VOLTZ & WITTMER