Gambach: Geologischer Lehrpfad

23.03.2022 | Franken, Geologie, Lehrpfad

Der Geologische Lehrpfad am Kalbenstein führt über 2 km durch deutschlandweit bekannte geologische Aufschlüsse im Buntsandstein und Muschelkalk.

Diese Gesteinsformationen prägen heute unsere Landschaft in Franken. Wir bewegen uns also über ein Gelände, das in jenem Zeitabschnitt schon einmal Erdoberfläche war. Zwischenzeitlich fanden jedoch weitere Ablagerungen statt. Der Erosion schließlich haben wir es zu verdanken, dass heute die versteinerten Relikte aus dem Trias wieder sichtbar wurden und wir einen Einblick in dieses Zeitalter erhalten.

Der geologische Lehrpfad ist mit Wegweisern ausgeschildert, die einen Mastodonsaurus zeigen. Dessen Blickrichtung zeigt die Wegrichtung an.

DGGV: Kalbenstein – Geotop November 2018

Der Main hat zwischen Karlstadt und Gambach einen eindrucksvollen 2,5 Kilometer breiten und bis zu 150 Meter hohen Prallhang geschaffen. Hier ist ein fast vollständiges Profil im oberen Buntsandstein und Unteren Muschelkalk (Wellenkalk) erschlossen.

Zahlreiche Aufschlüsse entlang der Wanderwege und eines Klettersteiges ermöglichen eine Wanderung durch die Stratigraphie. Im Niveau des Plattensandsteins streift der Weg große historische Naturwerksteinbrüche. Hier wurden mit Mastodonsaurus ingens und Saurichnites gambachensis zwei Amphibien- bzw. Saurierarten erstmals gefunden und beschrieben. Im südlichen Teil des Prallhangs wurde durch eine große Rutschung im Jahr 1784 eine fast alpin anmutende Felswand (Kalbenstein) im Unteren Muschelkalk freigelegt. Verwerfungen sind für häufige Felsstürze verantwortlich, die vor der Wand eine spezifische morphologische Situation erzeugten. Zimmergroße Felsblöcke zeugen von den Ereignissen.

Der Geotop kann auf einer Rundwanderung erkundet werden: Ein geologischer Lehrpfad entlang der Gambacher Steige informiert mit 10 attraktiven Infotafeln über die Gesteine, bedeutende Fossilien und die erdgeschichtliche Entwicklung. Der aussichtsreiche Weiterweg entlang der Kante des Prallhangs über den Grainberg zum Aussichtspunkt Edelweiß wartet mit sehenswerter Trockenrasen-Vegetation auf.

Der Abstieg erfolgt über die Rutschmassen des Kalbensteins (mit Infotafel „Bayerns schönste Geotope“) zur Falteshütte, der Rückweg auf hangparallelem Weg mit weiteren Aufschlüssen nach Gambach. Diese Geo-Tour ist nicht nur aufgrund der geologischen Besonderheiten außergewöhnlich, sie sucht auch aufgrund der außerordentlichen landschaftlichen Schönheiten und teilweise alpinem Charakter im gesamten nordbayerischen Raum ihresgleichen!

Textquelle: Deutsche Geologische Vereinigung (DGGV); Geotop November  2018

Muschelkalkprofil Kalbenstein

An den Felswänden des Kalbensteins ist ein fast vollständiges Profil durch die rund 90 Meter mächtige Abfolge der Kalk- und Mergelsteine des Unteren Muschelkalkes (Wellenkalk) erschlossen. Eine Rutschung im Jahr 1784 legte die Felswand frei.

Beschreibung

Die Zeit des Muschelkalkes

Zu Beginn des Erdmittelalters nahm ein großes, flaches Becken weite Teile Deutschlands ein. Während der Zeit des Muschelkalks vor etwa 245 Millionen Jahren war in diesem Germanischen Becken ein flaches Binnenmeer entstanden, das im Südosten durch eine Festlandsschwelle (Vindelizisches Land) vom offenen, tiefen Ozean getrennt war. Nur über schmale Meerengen hatte es Verbindung zur Tethys, dem Mittelmeer des Erdmittelalters.
Heißes, trockenes Klima begünstigte damals in dem Flachmeer eine intensive Verdunstung mit direkter Kalkausfällung und Kalkabscheidung durch Organismen. Da nur wenig Material vom umgebenden Festland in das Becken eingetragen wurde, konnte sich eine Kalkabfolge mit Einschaltungen von Tonstein, Dolomit, Gips und Salz bilden – die Schichtfolge des Muschelkalkes.

Gesteinsserien am Kalbenstein

An den steilen Felswänden am Prallhang des Mains ist ein Profil durch die Kalke und Mergel des Unteren Muschelkalkes aufgeschlossen. Die dünnbankigen Kalksteine weisen als charakteristisches Merkmal wellenförmige Strukturen auf, daher bezeichnet man die Abfolge auch als Wellenkalk.

Die Gesteine zeigen, dass das Meer in diesem Gebiet damals ziemlich salzhaltig und lebensfeindlich war, denn es wurden nur wenige aus dem offenen Ozean eingewanderte Lebewesen heimisch. Betrachtet man die Abfolge genauer, so kann man eine Wechsellagerung von fossilarmen Wellenkalkpaketen mit sehr schalenreichen Gesteinsbänken erkennen. Häufig bilden die harten fossilreichen Kalksteine Steilstufen und Gesimse.

Diese charakteristischen Lagen lassen sich über weite Bereiche des Beckens verfolgen. Zusammen mit ihrem Fossilinhalt erlauben sie eine Gliederung der Abfolge, man bezeichnet sie daher als Leitbänke. Die oberste Steilstufe des Hanges bildet der Leithorizont der Schaumkalkbänke. Diese bestehen aus Kalkkügelchen (Ooiden) und Schalenbruchstücken und wittern schaumig an. Weitere Beispiele sind die Spiriferina-Bank und die Terebratelbänke, die jeweils nach dort häufig auftretenden Armfüßern (Brachiopoden) benannt sind. Armfüßer sind schalenbildende Meerestiere, die im Aussehen Muscheln ähneln.

Die Rutschung von 1784

Im Jahr 1784, dem Jahr des Jahrtausendhochwassers am Main, wurde die Wand des Klettergartens im Bereich des Kalbensteins durch eine Rutschung freigelegt. Wie kam es dazu? Der Kalkstein wird von großen Klüften sowie Störungen durchzogen. Unter dem geklüfteten Muschelkalk liegen Röttone des Buntsandsteins, die im Gegensatz zu den Kalken nicht wasserdurchlässig sind. Dort staut sich von der Oberfläche versickerndes Wasser. Zusammen mit dem Ton wirkt dieses wie ein Schmiermittel. Begünstigt durch die Erosionswirkung des Mains und starke Regenfälle rutschten vor gut 200 Jahren große Mengen Gestein herab. Auch heute noch kommt es am Mainprallhang zu kleineren Felsstürzen und Hangrutschungen.

Naturschutzgebiet Grainberg-Kalbenstein

Die schwer verwitternden Kalkbänke des Wellenkalks bilden Gesimse und Felsstufen und sind meist nur spärlich bewachsen. Auf den Steillagen am Kalbenstein und Grainberg entwickelte sich eine charakteristische Pflanzengemeinschaft. Diese einzigartigen Vorkommen von Kalk-Trockenrasen wurden 1941 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, waren jedoch durch private Initiativen bereits seit 1905 unter Schutz.

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Wegstationen
Station 1: Landschaft vor 245 Millionen Jahren

Bei Station 1 sehen wir unten den harten Felssandstein, dessen Festigkeit auf längere, stabile Verhältnisse zurückzuführen ist. Blickt man unterhalb der Treppenanlage über den Zaun des dortigen Anwesens hat man einen sehr schönen Einblick in die Karneol-Dolomit-Schichten über dem Felssandstein. 

Station 2: Ehemalige Steinbrüche im Plattensandstein

Die Steinbrüche waren wohl im 17. und 18. Jahrhundert aktiv. Die Abraumhalden zeugen von deren Größe. Die drei großen Steinquader bei der 2. Tafel stammen von der Oberkannte der Wand. Sie mussten aus sicherheitstechnischen Grünen abgebrochen werden. Wir befinden uns im Bereich des Plattensandsteins.

Station 3: Das Gesicht verschwundener Flüsse
Station 4: Schlammebenen bis zum Horizont
Station 5: Der geheimnisvolle Sandstein
Station 6: Eine neue Zeit: Der Muschelkalk beginnt
Station 7: Rätselraten um den Wellenkalk
Station 8: Der Main schreibt seine Geschichte
Station 9: Dünen unter dem Meeresspiegel

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Gambach

Geotop Buntsandsteinprofil WSW von Gambach

agsdi-file-pdf

Gambach

Kalbenstein: Schautafel am Muschelkalkprofil (Bayerns schönste Geotope, Nr. 35)

agsdi-file-pdf

Gambach

Funde aus der Urzeit (Presseartikel Uni Würzburg)

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.