Lenggries: Natur-Erlebnispfad Isar

12.06.2022 | Alpen(vorland), Lehrpfad, Natur & Kultur

Auf dem Natur- und Erlebnispfad lernen wir den Wildfluss Isar an ihrem Oberlauf kennen. Wir werden von der Lenggrieser Isarbrücke aus 1,5 km lang auf dem Isarwanderweg fluss­aufwärts gehen und Abstecher in die Auen – das ist die vom Fluss geformte Naturland­schaft – machen.

Auf dem Weg sind Tafeln mit den Nummern und QR-Codes der einzelnen Stationen zu finden. Unser gemeinsames NATUR ERLEBNIS ISAR endet beim Parkplatz südlich des Hirschbaches. Danach kann es jeder auf eigene Faust fortsetzen.

Der Isarwanderweg ist Rad- und Fußweg. Bitte nehmen Sie gegenseitig Rücksicht!

Die Isar ist ein Fluss, und damit fließenden Veränderungen unterworfen. Deshalb kann es vorkommen, dass wir manchmal etwas anders antreffen werden, als es hier beschrieben wird. Bei Hochwasser sind leider einige besonders erlebnisreiche Standorte (4, 5, 6, 8) nicht betretbar!!

Dafür bietet aber die ausufernde Isar äußerst interessante Vorgänge zum Beobachten.

Wegstationen
Station 1: Wildfluss Isar - "Die Reißende"

Von der Brücke haben wir eine gute Übersicht über den Fluss. Woher kommt die Isar? Wo fließt sie hin? Was bedeutet der Name?

Die Isar kommt aus dem Karwendelgebirge, einem Teil der Nordalpen. Ca. 70 km hat sie bis hierher schon zurückgelegt. Zehn Kilometer flussabwärts bei Bad Tölz ver­lässt sie die Alpen. Von Lenggries braucht sie noch 211,1 km bis zur Mündung in die Donau.

Der Name Isar ist indogermanischen Ursprungs und bedeutet: die Reißende. Meistens sehen wir einen schnell strömenden Fluss – aber reißend? – ist das nicht ein bisschen übertrieben?

An den Alpen stauen sich die feuchten Luftmassen, die vom Atlantik mit den häufigen Nord-West-Winden herangetragen werden. Die Luft muss aufsteigen, kühlt sich ab und es regnet. Wenn eine solche (Stau-) Wetterlage im Sommer mehrere Tage lang anhält, kommt es zu Hochwasser.

Wolken-Stau an den Alpen

Bei Hochwasser rauscht an dieser Stelle 5 bis 10mal so viel Wasser durch das Isar­bett wie normal, manchmal sogar noch mehr. Dann können wir den Namen „die Reißende“ verstehen. Durch den Sylvensteinspeicher ist man seit 1959 in der Lage, den Abfluss eines Hochwassers zu regulieren. Früher stand zum Beispiel in Bad Tölz der Ortsteil Gries (beim Parkplatz am Isarkai) häufig unter Wasser, heute aber nicht mehr. Lenggries ist bereits seit 1924 durch den Damm der Eisenbahn vor Hochwas­ser geschützt.

Wir gehen die Treppe hinab und 10 m flussabwärts.

Station 2: Wildfluss Isar - "Verkehr auf dem Fluss"

Es lässt sich nicht überhören: An dieser Stelle erleben wir diese Isar als eine Leitlinie für den Verkehr, Eisenbahn und Bundesstraße verlaufen nebeneinander. Verkehrsader war die Isar schon viele hundert Jahre lang. Wenn wir zur Brücke zurückschauen, sehen wir warum.

Der Flößerei wurde hier ein Denkmal gesetzt. Sie war bis zum Beginn dieses Jahr­hunderts ein wichtiges Transportgewerbe bis München, aber gelegentlich auch bis zur Donau und nach Wien. Der Holzreichtum des Isarwinkels bildete die Grundlage der Flößerei. Die Isar war die Wasserstraße. Die Städte im Unterlauf wuchsen zu immer größeren Abnehmern von Bau- und Brennmaterial. Außer Holz wurden Bruchsteine, gebrannter Kalk und Holzkohle verschifft. Sogar der Personenverkehr war durch einen Fahrplan geregelt.

Generationen von verwegenen Männern verließen mit einem Floß die Heimat, um dann mit vielen Berichten und Andenken aus der „großen Welt“ zu Fuß heimzukom­men. Der Name Schöffmann (= Schiffer) ist im Isarwinkel recht häufig anzutreffen.

Übrigens: In Oberbayern heißt es: der Floß.

Überbleibsel des früher blühenden Gewerbes sind Vergnügungsfahrten von Wolf­ratshausen bis München. Sie sind eine Attraktion in den Sommermonaten. Fragen Sie in der Tourist Information danach!

Der Weg führt von jetzt an immer isaraufwärts.

Station 3: Wildfluss Isar - "Die Steinreiche"

An dieser Kiesbank entstand vor 900 Jahren Lenggries. Was bedeutet der Name?

Bei Hochwasser ist von dieser Insel fast nichts zu sehen. Das Isarwasser ist braun. Erst wenn das Wasser abgelaufen ist, sieht man, welche Kraft es hatte: der Fluss hat Steine transportiert, sie über den Grund gerollt, dabei aneinander glattgerieben, ge­rundet und zum Schluss an anderer Stelle liegen lassen. Früher war der Fluss in zahlreiche Rinnen verzweigt, die sich mit jedem Hochwasser veränderten. Bei nor­malen Wasserstand gab es früher viel mehr Kies- als Wasserflächen

Vergleich: Isarlauf bei Lenggries 1920… und heute
(Über die Ursachen der Veränderung erfahren wir bei Station 7 Näheres.)

Kiesbänke sind also ein Kennzeichen des alpinen Wildflusses. Sie heißen in der bayerischen Mundart: Gries (sprich: Griaß)

–> Jetzt wissen wir, was Leng-Gries bedeutet! – Worauf ist auch der Tölzer Stadtteil Gries entstanden? Woher kam der Kies? Das Isartal liegt doch zwischen felsigen Bergen, warum fließt der Fluss nicht über Felsgestein? Warum ist der Talboden so breit und so eben? Die Felsen setzen sich natürlich unterhalb des Flussbettes fort. In den Eiszeiten höhlten mächtige Gletscherströme den felsigen Boden des Tales aus. Als das Eis schmolz, trug das Schmelzwasser große Mengen von Steinen aus den Bergen mit sich. Sie füllten das Tal bis zu 200 m hoch auf. Dadurch entstand der drei Kilometer breite, fast ebene Talboden des Isartales. Später grub sich der Fluss wie­der in seine Ablagerungen ein.

Schnitt durch den Untergrund des Isartales

–> Wer findet die Kilometerangabe 211,6?

Das Wasserwirtschaftsamt misst regelmäßig die Veränderungen im Flusslauf. Dafür werden Schneisen quer durch die Aue freigehalten. – Jetzt sind es nur noch ein paar Meter bis zur nächsten Bank, dann können wir endlich auf den Gries und ans Wasser.

Station 4: Wildfluss Isar - "Edelsteine und Fossilien"

Wenn es der Wasserstand erlaubt, gehen wir ins Isarbett hinunter. Für die nächsten 150m verläuft unser Weg auf der Kiesbank. Radfahrer holen ihr Rad hier wieder ab. Jetzt stehen wir auf dem Gries. Wir wollen uns Zeit nehmen und auf Schatzsuche gehen, hier gibt es nämlich: Edelsteine und Fossilien!

Von weitem schauen die Steine alle grau aus. Aber aus der Nähe?! Bei leichtem Re­gen oder danach glänzen die Kiesel besonders schön.

–> Nehmen wir Steine in die Hand und betrachten sie. Wir erkennen Unterschiede. Sie laden uns ein, nach ihrer Entstehung zu fragen.

Die überwiegende Menge der Steine ist weiß, hell- oder dunkelgrau und in sich ziem­lich einheitlich – ohne Richtung oder Struktur. Das sind Kalksteine. Kein Wunder, denn die Isar kommt ja aus den „Nördlichen Kalkalpen“.

Parallele helle und dunkle Bänder sind Zeugen der Ablagerung von Kalkschlamm. (vor ca. 200 Mio. Jahren).                        
Unterschiedliche Färbungen entstehen durch verschiedene enthaltene Mineralien.

Weiße Steine bestehen aus reinem Kalk. Sie wurden früher gesammelt und in Kalköfen gebrannt, dann zum Mauern oder Weißeln benutzt. (–> Kalkofen Lenggries und seine Kopie im Freilichtmuseum Glentleiten)

Versteinerte Korallen und Muscheln, deren Schalen im Kalkgestein erhalten sind, beweisen, dass der Kalkschlamm in einem Meer abgelagert wurde. Solche Steine sind relativ leicht zu finden.

In manchen rosafarbenen Kieseln finden wir weiße Kreise: Stengelabschnitte der Seelilie, eines Meertieres.

In vielen Kieseln entdecken wir weiße Adern. Diese bestehen aus Kalkspat. Sie zeigen uns, dass es sich um eine „gequältes Gestein“ handelt. Bei der Hebung des Alpengebirges (beginnend vor über 50 Mio. Jahren) wurden die Gesteinslagen zerbrochen, kalkhaltiges Wasser sickerte in die Spalten und bildete weiße Adern.

Wir finden auch Gneise. Diese „Fremdlinge“ sind an farbigen, manchmal glitzernden Kristall-Lagen zu erkennen. Eigentlich kommt Gneis-Gestein in den Zentralalpen vor. Wie sind die Kiesel hierhergekommen? – Das Eis, das zuletzt vor 10 000 Jahren die Alpen bedeckte, hat sie im Isarkies als Andenken hinterlassen. In den oberen Gletscherschichten wanderten die Steine über die heutigen Wasserscheiden in unser Gebiet. In grünlichen Gneisen finden wir oft rote oder braune Punkte. Dies sind abgeschlagene Kristalle des Halbedelsteins Granat.

Station 5: Wildfluss Isar - "Pflanzen als Pioniere"

Uns ist aufgefallen, dass der Gries sehr uneben ist. –> Gehen wir noch einmal quer durch die Aue, erleben wir die Geländeoberfläche und die Höhenunterschiede!

Querschnitt durch die Aue

Auf der Krone der „Insel“ können sich Pionierpflanzen ansiedeln, wie z.B. die Purpurweide und die Pestwurz. Aber große Hochwasser räumen viele Pflanzen wieder ab und gestalten den Flusslauf neu. Wo die Isar dies nicht mehr alleine schafft, müssen gelegentlich Baumaschinen eingesetzt werden.

Die Purpurweide:

Die roten Zweige geben dieser Weidenart ihren Namen: Purpurweide. Sie kann hervorragend mit schlechten Bedingungen fertig werden: trockener Kies, kaum Nährstoffe, bei Sonnenschein extreme Hitze. Dann: Hochwasser, zugeschüttet Mit Kies oder die Wurzeln freigelegt. Die Purpurweide ist ein Überlebenskünstler, wenn sie nur Licht und Grundwasseranschluß hat. Weidensträucher werden uns auf unserem Weg immer wieder begegnen.

Die Pestwurz:

Eine andere häufige Pionierpflanze ist die Pestwurz. –> Befühlen wir die Blattunterseite! Jetzt verstehen wir den bayerischen Namen dieser Pflanze: „Scheißbladl“. Sie wächst überall, wo frischer Kies eine Weile liegen bleibt: hier genauso wie an frisch aufgeschütteten Wegrändern.

–> (Darauf achten!)

–> Natürlich können wir auch eine Pause einlegen und an dem Rinnsal, das die Kiesbank teilt, Wasserbauer spielen. (Hierzu bietet sich auch noch bei 8 Gelegenheiten.) Nicht nur für Kinder ist bei kühlem Wetter Ersatzkleidung sinnvoll. Auch für Landart-Künstler ist hier ein Betätigungsfeld in den Materialien, die die Isar bietet: Steine, Sand und Treibgut. Unser Kunstwerk können wir als Foto mit nach Hause nehmen.

Wer nicht so aktiv sein möchte, kann sich eine Zeitlang an den Fluss setzen. Die Gedanken gehen mit dem Wasser auf die Reise….

Der Weg führt uns nun an der Kiesbank entlang. Dabei können wir beobachten, was beim letzten Hochwasser angeschwemmt wurde („Spülsaum“).

Station 6: Wildfluss Isar - "Sauberes Wasser"

Wir setzen uns ans Wasser und beobachten es. Manchmal sieht das Wasser braun und schlammig aus. Wie sauber ist die Isar eigentlich? Wie können wir das ohne Analysegerät, Mikroskop und Labor herausbekommen? Die Lebewesen, die im Wasser wohnen, zeigen es uns.

Mit etwas Geduld (allerdings nicht immer!) können wir 1 bis 2 cm kleine Wasserlebewesen finden: Wir heben im flachen Wasser vorsichtig mittelgroße Steine auf und drehen sie um. Nicht erschrecken, wenn sich etwas bewegt und ganz schnell aus dem Hellen auf fliehen will! Wir haben eine Larve gefunden. (Bitte nicht anfassen! Sie ist zerbrechlich.)

Was ist eine Larve? Viele Fluginsekten werfen ihre Eier ins Wasser. Diese entwickeln sich im Wasser zu Larven. Aus der letzten Larvenhaut, die oft im Wasser treibt, schlüpft das flugunfähige Insekt.

Wir können die Larve mit Wasser in ein Marmeladenglas (Filmdose) schwemmen. Jetzt müssen wir genau hinschauen (Lupe!): Hat die Larve zwei oder drei Fäden am Hinterleib?

Zwei Fäden:                                                           
Steinfliegenlarve: Anzeiger für sehr gute Wasserqualität

Drei Fäden: 
Eintagsfliegenlarve: Anzeiger für gute bis mittlere Wasserqualität

Steinfliegen sind sehr empfindlich gegenüber Wasserverschmutzung. Ihre Larven entwickeln sich zwei bis drei Jahre lang nur in sehr sauberem, sauerstoffreichen Wasser. Die Steinfliegenlarven sind also lebende Anzeiger für gute Wasserqualität über einen langen Zeitraum. Man nennt solche Lebewesen „Bioindikatoren“.

–> Steine mit Larven bitte wieder vorsichtig an ihre Stelle im Wasser setzen! Bitte gefangene Tiere nach dem Anschauen sofort wieder schwimmen lassen. Nicht aus großer Höhe ins Wasser werfen und nicht in der Sonne stehen lassen!

–> Am Ende der Kiesbank steigen wir wieder zum Wanderweg hinauf. Hier informiert eine Tafel über die heimischen Fische.

Welche Lebensbedingungen bietet die Isar den Fischen? Das Wasser fließt schnell, ist sauerstoffreich und arm an Nährstoffen, der Untergrund ist kiesig und es wachsen keine Pflanzen im Flussbett. An solchen Voraussetzungen sind Forelle, Äsche, Nase, Mühlkoppe und Huchen angepasst. (auf der Tafel mit Punkten markiert).

Station 7: Wildfluss Isar - "Fluss mit Korsett"

–> Wann wurde die Fußgängerunterführung gebaut? Die Fußgängerunterführung ist das jüngste Bauwerk in der Isaraue. Seit 1920 rückten die Menschen dem Fluss immer näher: zuerst wurde die Eisenbahn in die Aue gelegt, später die Bundesstraße, dann der Wanderweg. Wieso war das möglich? Die Isar war doch – zumindest bei Hochwasser – ein gefährlicher Fluss!

Ab ca. 1900 hatte man die technischen Voraussetzungen, den Fluss zu verbauen. Das Ziel war ein geregelter Flusslauf mit sicheren Ufern. Dadurch sollten Siedlungen und Verkehrswege geschützt werden. Um dies zu erreichen, musste man den Fluss in einem einzigen Lauf zusammenfassen. (vgl. 3). Die Ufer befestigte man mit schweren Steinen, wie wir sie schon öfters überstiegen haben.

Die Folge der Verbauung aber war, dass sich die Isar in ihr Kiesbett tiefer einschnitt.

–> Zehn Meter weiter flussaufwärts ist eine Schneise. Wir können schätzen, wie weit der Isar-Wasserspiegel hier unter der Geländeoberfläche liegt.

In wenigen Jahrzehnten sank der Wasserspiegel um 2 bis 3 Meter. Die Isar konnte bei Hochwasser immer seltener ihr festes Bett verlassen. Schließlich waren die großen Flächen der ehemaligen Aue vor Hochwasser sicher. Endgültig wurde dies mit dem Sylvensteinspeicher garantiert. In ihm werden die höchsten Hochwasser zurückgehalten und langsam abgegeben. Auch der Kies setzt sich im See ab und fehlt dem Fluss unterhalb des Dammes.

So konnte sich Lenggries ungehindert in Richtung Isar entwickelt, zuerst von der Marktstraße bis zum Bahnhof, dann bis zur neutrassierten Bundestraße und an ihr entlang. An dieser Stelle wurden wegen des Straßenlärms Gewerbebetriebes gebaut. Weiter südlich am Parkplatz werden wir einen Lärmschutz sehen, hinter dem sich ein Wohngebiet verbirgt.

Wasserbau und Energiegewinnung

Ebenfalls ab etwa 1900 wollte man die Energie der Alpenflüsse nutzen. Das Walchensee-Kraftwerk wurde 1924 verwirklicht. Dazu leitete man einen großen Teil des Isarwassers in den Walchensee um. Die Isar hat bei Lenggries nur noch die Hälfte ihres Wassers (bei normalen Wasserabfluss).

–> Hinweis: Schaut euch beim Besuch des Walchensee-Kraftwerks das Gesamtmodell an!

–> Vorsicht! Wir kommen gleich der Bundesstraße sehr nahe. Wir überqueren mit Kindern die Hirschbachbrücke zügig.

Station 8: Wildfluss Isar - "Die Welle und die Vogelinsel"

Hinter der Hirschbachbrücke gehen wir entweder sofort oder nach 10 Metern (weniger steil!) die Böschung hinunter.

Hier mündet der Hirschbach in die Isar. Er ist in eine gemauerte Rinne gezwungen, damit er bei Hochwasser nicht ausbricht und die Ortschaften Lenggries oder Anger nicht gefährdet. Bei niedrigen Wasserstand kann man hier das Schauspiel der „Rollwellen“ beobachten: auf der unteren Wasserschicht bildet sich eine zweite, die schneller fließt und sich mit Getöse ins Isarbett stürzt.

–> Wir schließen die Augen und horchen, wann wieder eine Welle kommt.

Der Hirschbach bringt bei Hochwasser große Mengen an Steinen und Holz mit, die er im Isarbett ablagert.

Es ist ein wunderbares Spiel für kleine und große Wasserbauer, Rinnsale vom Hauptbach abzuleiten, aufzustauen … –> Wir können beobachten, wo Steinchen weggetragen und wo sie abgelagert werden. Hinweis: Für kleine Leute ist eine zweite Garnitur Hosen, Strümpfe und Schuhe empfehlenswert.

Im Winter wird der Kies mit Baggern von den Arbeitern des Wasserwirtschaftsamtes auf die andere Seite des Isararmes transportiert. Damit bekommt die Kiesinsel neues Material. Anderseits wird verhindert, dass der Arm zugeschüttet wird und die Insel betreten werden kann.

–> Denn: Was steht auf dem blauen Schild?

Vogelinsel – vom 1. April bis 20. Juli bitte nicht betreten!

Es gibt tatsächlich Vögel, die ihre Eier ohne Nest auf den blanken Kies legen. Das ist nicht etwa mangelnde Fürsorge, sondern Tarnung! Auch geübte Augen können solches „Gelege“ nicht sofort erkennen. Die brütenden Eltern sind farblich der Kiesumgebung so gut angepasst, dass man sie erst sieht, wenn sie sich bewegen. Solche Vögel nennt man „Kiesbrüter“. Sie ernähren sich von Insekten, die sie im Uferbereich zusammenfassen (vgl. 6 Wie sauber ist das Wasser?). An dieser Stelle brütet jedes Jahr ein Flussregenpfeifer-Paar.

Freie Kiesflächen gibt es an der Isar nur noch wenige, deshalb ist auch der Lebensraum der Kiesbrüter sehr klein geworden. Dazu droht ihnen Gefahr von Menschen wie uns, die sich an der Isar erholen möchten. Wenn wir auch nicht mit Absicht das Gelege zerstören, so hindern wir doch die Vogeleltern daran, die Eier warmzuhalten.

–> Weil wir die Situation der Kieselbrüter kennen, müssen wir uns eine andere Stelle suchen – die Vögel können es nicht!
–> Nach dem 20. Juli kann man auf der Insel eine ganze Ausstellung von Kunstwerken machen. Wenn wir genug gelauscht, gespielt und gebaut haben, kehren wir zum Weg zurück.

Station 9: Wildfluss Isar - "Dschungel und Steppe"

Wir können gerade aus dem Weiden-Eschen-Wald getreten. Wenn es ein sonniger Tag ist spüren wir gleich den Temperaturgegensatz. Hinter uns ist es kühl, vor uns warm. Auch die Lichtverhältnisse sind unterschiedlich und ebenso die Luftfeuchtigkeit. Alle diese Unterschiede lassen sich auch am Bewuchs feststellen: hinter uns üppig, vor uns karg. Wenn wir länger an der Isar entlanggehen, werden wir viele solcher Übergänge erleben.

Den Grund dafür können wir in der Landschaft nicht erkennen. Bei 7 Ein Korsett für die Isar – haben wir von der Eintiefung der Isar gehört. Mit dem Isarwasser sank auch das zur Isar strömende Grundwasser. Nur an Stellen, wo ein Steinbach oder eine alte Rinne zur Isar fließt, ist der Grundwasseranschluss, die nicht mehr vom Hochwasser überschwemmt werden, hat sich das Pflanzenwachstum der Trockenheit angepasst. Hier wachsen Wacholder, Disteln, Gräser, aber auch viele bunt blühende Arten. Sie locken zahlreiche Insekten an. Diese wiederum dienen den Zauneidechsen als Nahrung. Man kann sie an warmen Tagen oft beobachten.

Wir verlassen den Wanderweg für 100 m. Radfahrer kommen hierher zurück.

Station 10: Wildfluss Isar - "Überbleibsel der Eiszeit"

Wir gehen hinunter fast bis zur Isar und suchen die weißblühende Silberwurz. Ihre Blüten sind von Mai bis September zu finden.

–> Wenn wir vorsichtig einen Zweig aufheben, der über den Kies gebreitet ist, können wir feststellen, woraus der Stängel besteht. Welche Farbe hat die Unterseite der Blättchen?

Die Unterseite verrät ihren Namen: Silberwurz. Die immergrünen holzigen Zweige wachsen nur wenige Zentimeter im Jahr. Unter sich sammelt die Silberwurz ihre abgefallenen, ledrigen Blätter, die nur langsam zu Humus verrotten. Deshalb dauert es Jahrzehnte, bis ein einziger Quadratmeter bewachsen und dann der Boden für andere Pflanzen vorbereitet ist.

Als am Ende der letzten Eiszeit (vor 10 000 Jahren) die Temperaturen wieder anstiegen, hinterließen gewaltige Gletscherströme im Alpenvorland weite Flächen aus Kies und Sand. Aber es blieb noch kalt. Die Silberwurz schaffte es, die Flächen zu besiedeln. Deshalb wurde dieser Zeitabschnitt nach ihr benannt.

Heute kommt sie fast nur noch im Gebirge vor und gilt als Überbleibsel der Eiszeit. Auf dem unwirtlichen Isarkies kann sie gegenüber Konkurrenten, die bei guten Bedingungen schneller und höher wachsen, behaupten. Deshalb nimmt sie hier große Flächen ein.

Wir wenden uns nach Süden.

Station 11: Wildfluss Isar - "Zart, zähe Tamariske"

–> Jetzt liegt eine Fläche vor uns, auf der nur niedrigen Pflanzen wachsen. Ausnahmen sind einige Weidensträucher und eine Strauchart, die 1 bis 2 m hoch wird und zarte, blaugrüne nadelähnliche Blätter hat. Wer findet sie?

Die „Deutsche Tamariske“ kommt nur in alpinen Wildflusslandschaften vor. Früher besiedelte sie die frischen Kiesbänke zusammen mit den Weiden. Mit der Verbauung der Alpenflüsse wurden der Lebensraum der Deutschen Tamariske immer knapper. Heute ist sie extrem gefährdet. In Deutschland kommt sie nur noch an der Oberen Isar in größeren Beständen vor.

–> Oft können wir am frisch abgebrochenen Ufer Wurzeln von Weiden finden, die vom Hochwasser freigespült wurden! Wir wollen die Wurzel genau anschauen. Was können wir daran erkennen?

–> Wir sind im Hochwasserbett der Isar. Welche Zeichen des letzten Hochwassers finden wir? Wo endet der Einfluss des Hochwassers?

Wir folgen einem Trampelpfad parallel zur Isar, bis wir auf eine 2 m hohe Böschung stoßen. Bei Flusskilometer 212,8 steigen wir wieder zum Isarwanderweg hinauf. Wir folgen dem Weg bis zum Parkplatz an der Bundesstraße.

Zum Weiterlesen:

  • „Die Obere Isar – Eine Zeitreise“ Hrsg. Verlag Eder, Lenggries 1997.
  • „Isarkiesel – Leben und Kultur entlang der Isar“ Kulturzeitschrift, Verlag Eder.
  • „Gold und Steine auf der Isar“ Carl-Josef von Sazenhofen, Verlag Eder.
  • „Die Isarflößerei“ Carl-Josef von Sazenhofen, 1988
  • „Als die Meiler brannten“ Carl-Josef von Sazenhofen, 1988
  • „Lenggries – Ein Streifenzug durch Vergangenheit und Gegenwart“ Heimatbuch Hsrg. Gemeinde Lenggries, 1989.
  • „Lenggries ein Dorf im Wandel“ Hauber/Ulrich, 1997
  • „Lenggries und seine Almen“, Hsrg. Gemeinde Lenggries 1989
Station 12: Wildfluss Isar - "Lebende Juwelen"

Rechts am Beginn des Parkplatzes liegt eine sehr kleine Wiesenfläche, eingezwängt zwischen Parkplatz und Isar. Sie birgt eine Fülle von seltenen und geschützten Arten. Viele Besucher gehen achtlos vorüber, weil sie sie nicht (er-)kennen.

Als Beispiel schauen wir uns nur die Orchideen an. Es gibt hier mindestens fünf Arten.

Orchideen-Arten

1) Fliegen-Ragwurz:
sehr unscheinbar, ahmt in der Blüte eine Fliege nach, wenige Exemplare
Blütezeit: Mai/Juni

2) Geflecktes Knabenkraut:
rosarot, in der Sonne und Halbschatten
Blütezeit: Juni

3) Große Händelwurz:
rosa, Einzelblüte mit 2 cm langem Sporn, häufig
Blütezeit: Juni/Juli

4) Großes Zweiblatt:
grün-gelbe Blüte, 2 große ovale Blätter, unter Sträuchern
Blütezeit: Juni/Juli

5) Sumpfwurz
weiß-braune Blüte, auf der gesamten Fläche
Blütezeit: Juli

Die Einzelblüten stehen in nichts außer der Größe den tropischen Orchideen nach. Sie wachsen hier, weil sie mit dem mageren Boden auskommen. Dadurch können sie sich gegen andere Pflanzenarten behaupten, die besseren Boden brauchen. (vgl. 9 Silberwurz) Bedroht sind sie, weil solche mageren Standorte in unserer intensiv genutzten Landschaft selten geworden sind.

–> Diese Juwelen sind dem Schutz der Öffentlichkeit empfohlen: lassen wir sie stehen damit sich viele Menschen daran erfreuen können! In einem Garten hätten sie sowieso keine Chance.
Und wenn die Blütezeit der Orchideen vorbei ist??? – Das ist doch ein Grund, im Juli oder Juni des Jahres wiederzukommen und das NATUR ERLEBNIS ISAR wieder zu genießen.

Station 13: Wildfluss Isar - "Naturerbe Isarlandschaft"

Zum Abschluss gibt es am Südende des Parkplatzes einen wunderschönen Ausblick auf die Isar mit den Bergen v. I. Hochalm (fast ganz bewaldet, 1428 m), Zettenjoch (1881 m) und Demmeljoch (1923m).

–> Schöne Fotos erzielt man hier am späten Vormittag, wenn die Sonne auf dem Wasser glitzert. Vielleicht ist auch dieser Punkt ein Grund wiederzukommen und zu malen oder zu zeichnen.

Die Obere Isar hat trotz aller Eingriffe den Charakter eines Wildflusses bewahrt. Sie ist einer der letzten Wildflüsse der Nordalpen. Die Landschaft, die wir heute erlebt haben, ist ein Naturerbe von nationaler Bedeutung. Deshalb müssen wir sie erhalten und schützen.

Die Naturschutzbehörde hat das Gebiet als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Das Wasserwirtschaftsamt hilft mit abgestimmten Maßnahmen, die Merkmale dieses Gebietes zu erhalten. Wer also einen Bagger im Landschaftsschutzgebiet antrifft, braucht nicht zu erschrecken!

–> Jeder einzelne kann zum Schutz der Lebensgemeinschaft Isarauen beitragen. Besonders indem er sich an die Schutzbestimmungen hält, vor allem:

  • Vogelinseln respektiert
  • Pflanzen wachsen lassen
  • nicht befahren, campen und Feuer machen
  • Verunreinigungen vermeiden
Quiz zum "Natur Erlebnis Isar"

Hier könnt Ihr euer neu erlerntes Wissen unter Beweis stellen. Es können mehrere Antworten richtig sein. Kreist die Buchstaben bei den richtigen Antworten ein und fügt sie dann zum Lösungswort zusammen! Viel Spaß!

  1. Die Zweige der Silberwurz bestehen aus: Silber L / Holz G / Gras I.
  2. Das Wasser der Isar R / der Loisach E / des Rißbaches I erzeugt im Walchensee-Kraftwerk elektrischen Strom.
  3. In den Kieselsteinen kann man: versteinerte Dinosaurier-Eier S /Korallen und Muscheln E / Seepferdchen M entdecken.
  4. Die Flüsse Isar und Inn S / Altmühl und Regen N / Lech und Iller L sind Alpenflüsse, die in die Donau münden.
  5. Die Fliegen-Ragwurz ist: eine insektenfressende Pflanze I / eine Spinnenart, die Fliegen fängt O / eine Orchidee, die wie eine Fliege aussieht A.
  6. Die Isar wurde: 1990 verbaut H / 1924 abgeleitet E / 1959 aufgestaut U.
  7. Die Gletscher haben im Isarbett: besondere Pflanzen B / Steine aus den Zentralalpen F / Ziegelsteine G hinterlassen.
  8. Eine Larve ist: ein Entwicklungsstadium eines Insekts E / eine Bewohnerin der norwegischen Stadt Larvik D / eine Insektenart, die im Wasser lebt M.
  9. Das Oberbayerische Wort „Gries“ bedeutet: alter Mann S / Getreidebrei E / Kiesfläche R.

 

Das Lösungswort lautet………………………………………………

Es ist der Isarwinkler Name für einen Vogel.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Lenggries

Faltblatt „Natur Erlebnis Isar“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.