Mistelbach: Entdeckungen im Rhätolias-Sandstein

02.04.2022 | Franken, Geologie, Lehrpfad

GEOPARK Bayern-Böhmen

Cesko-Bavorský GEOPARK

Aufbruch ins Erdinnere

Tajemstvi zemského nitra

Mistelbach

Mistelbach liegt am Rande des stufenweisen Gelände­anstiegs aus dem Bayreuther Kessel zur Fränkischen Schweiz.

Die wichtigsten Stufen dieser Schichtstu­fenlandschaft (jeweils 50 bis 80 Höhenmeter) werden bedingt durch der Abtragung gegenüber unterschiedlich widerstandsfähige Gesteins­formationen: den Rhätolias-Sandstein“ („Gümbelscher Sandstein“), den „Dogger-Sandstein“ („Eisensand­stein“) und die Malm-Kalke.

Den Anstieg im Relief bei Mistelbach verursacht der Rhätolias-Sandstein. In den Geländeanstieg tiefen sich schluchtartig mehrere Täler ein, von denen das wildro­mantische Arzloch das stimmungsvollste ist. Durch ein gegenüber der Umge­bung feuchteres und kühleres Lokalklima haben sich hier zahlreiche Pflanzen angesie­delt, die sonst nur in höheren Lagen der Mittelgebirge zu Hause sind, z. B. der Wald-Geißbart, der Hasenlattich, die Schwarze Heckenkirsche oder der Siebenstern.

Wandertour

Die Wandertour durch das Arzloch führt vorbei an mehreren, schon lange nicht mehr aktiven Steinbrüchen sowie an Fels- und Hangstür­zen.

Kulturgeschichtlich interessant ist der Markgrafentisch. Das Baudenk­mal wurde von den markgräflichen Jägern zum Zerlegen von Wild genutzt und ist teils aus dem Fels geschlagen. Informationen zum Arzloch finden Sie auf der Geopark-Infotafel am Parkplatz der Katholischen Kirche in der Kirchröthe. Von hier erreichen Sie das Arzloch bequem in wenigen Minuten.

Nahe dem Ortszentrum von Mistelbach finden sich weitere Felsbildungen aus dem Rhätolias-Sandstein. Die bekanntes­te davon ist der Viertelstein, der am Radweg Richtung Pettendorf und isoliert im Talhang der Mistel liegt. Eindrucksvoll sind am Hirtenstein die an Bienenwaben erinnernden Bröckellöcher zu sehen. Diese entstehen dadurch, dass die Oberflächen des Sandsteins eine dünne Patina aus Eisenverbindungen besitzen. Dort, wo diese zerstört ist, wird der Sandstein nach innen mürbe und verwittert dann rascher.

Neben dem Arzloch war das Gebiet nahe dem Naturdenkmal Sattlerstein früher ein Abbaugebiet für den Rhätolias-Sandstein. Viele der Abbaue sind klein parzelliert. Sie wur­den von einzelnen Steinbre­chern genutzt, die dafür die Abbaurechte erhalten hatten. Nutzt man für den Rückweg den Wanderweg entlang des Talbaches, kommt man an lange aufgelassenen größeren Steinbrüchen vorbei. Größe und frischer Zustand der Abbauwände zeigen, dass hier der jüngere Abbau stattfand.

Tipp

Historische Abbaue finden sich auch entlang des Wanderweges durch das Tal der Mistel nach Süden, vorbei an der Poppen- bis zur Steinmühle. Betrachten Sie auch die Sandsteingebäude im Ort, allen voran die Kirche. Sie sind in Quaderbauweise aus den Rhätolias-Sandsteinen erbaut.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Mistelbach

Faltblatt „Mistelbach und Arzloch – Entdeckungen im Rhätolias-Sandstein“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.