Rieden: Geopfad Route R (Riedener Vulkankomplex)

29.12.2021 | Eifel, Lehrpfad, Vulkanismus

Geopfade Vulkanregion Laacher See

© Zweckverband Ferienregion Laacher See

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Geologische Entwicklung des Riedener Vulkans

Als der Riedener Vulkan zum ersten Mal ausbrach, existierte hier die von Süd­west nach Nordost zum Laacher See und nach Ost zur schon vor­han­denen Senke der Pellenz allmählich abfallende Hochfläche der Eifel. Auf dieser saßen im Raum zwischen Kempenich und Rieden einzelne ba­sische Vulkankegel und Tuffringe auf. Am östlichsten gelegen war der Bräuning-Vulkan, der noch heute die Anhöhe zwischen Volkesfeld und dem Riedener Berg westlich der Gemeinde Rieden bildet.

Gleichzeitig hatten einzelne Täler begonnen, sich einzuschneiden. Dies zeigen uns heute z.B. Leuzitit-Lavaströme des Vulkans Sulzbusch, die das alte, damals noch nördlich des Sulzbusch und des Hochstein verlau­fen­de Tal der Nette talabwärts bis hinunter nach Thür und talaufwärts bis zu den Riedener Mühlen auffüllten.

Der zentrale Riedener Vulkan eruptierte sechs Mal mit Aschewolken, wie man sie vom Ausbruch des Mount St. Helens 1980 in den USA kennt. Diese Eruptionen führten zu einer weiten Verbreitung großer Bims- und Aschenmengen – jeweils ca. 0,5 km3 – , die jedoch während der folgenden Kalt- und Warmzeiten bis heute weitgehend erodiert wurden.

Mehrere 10er Meter mächtige Tuffe sind allein im Umkreis von ca. 6 km um die Ortschaft Rieden erhalten. Sie werden hier seit Jahrhunderten in zahlreichen Steinbrüchen abgebaut und als Riedener, Weiberner oder Ettringer Tuffstein bzw. als Beller Backofenstein zum Haus-, Kirchen- oder Backofenbau und als Betonzuschlagstoffe verwendet.

Zwei der Eruptionen waren Maar-Eruptionen, deren Erup­tions­pro­dukte zur Form eines Tephra­rings um Rieden angehäuft wurden. Der Tephra­ring entspricht weitestgehend dem heutigen Verlauf der Höhen­rü­cken vom Schmalberg im Süden über den Gänsehals im Osten, der Ho­hen Lei im Norden und dem Riedener Berg im Westen. Dieser Ring wur­de zwar im­mer wieder durch kräftige Erosion lokal zerstört, durch die Aschen und Lapilli der da­rauf folgenden Eruption jedoch wieder er­neuert.

Von diesem Tephraring umgeben, hat zwischen den Eruptionen ein See für etwa 10.000 Jahre existiert. In sei­ner größten Aus­dehnung reich­­­te er ge­­nau vom Staudamm des heutigen Waldsees bis ca. 1 km nord­­­­öst­­lich des Ortsausganges von Rieden zur Höhe 556,2, dem Esels­mor­gen, der da­mals jedoch noch nicht exis­­tier­te. Von diesem See zeu­gen unzählige Funde von Tannennadel- und Blattabdrücken, voll erhalte­nen Schne­cken­gehäusen sowie mikroskopisch kleinen Diatomeen und Algenresten in fein ge­bän­der­ten Sedi­men­ten. Man kann solches in den Anschnitten ent­­lang der Stra­ße südwest­lich und nördlich von Rieden sowie in einzel­nen Weg- und Stra­­ßenan­schnit­ten auch innerhalb Riedens finden.

Der Wasserspiegel des Riedener Sees lag etwa bei einer Höhe von 440 – 460 m ü. NN, d.h. ca. 80 – 100 m über der Oberfläche des heu­ti­gen Rie­de­ner Waldsees. Der See lief während der nachfolgenden Erup­ti­onen tro­cken und das Becken wurde durch vulkanische Aschen voll­stän­­dig auf eine Höhe von 550 m aufgefüllt. Nur der Bereich des jüngsten Kraters südlich des Ortes (Flur „In der Schweinskaul“) füllte sich wie­der mit Was­ser. Während starker Regenfälle wurden die lockeren Bim­se und Schiefer von den umlie­gen­den Höhen ein­gespült und der klei­ne Teich ver­­landete schließlich. Diese letzte Kraterfüllung wurde bis vor wenigen Jahren noch als „Rie­­­­dener Sand“ wirtschaftlich genutzt.

Erst im Verlauf der letzten Eiszeit (vor ca. 100.000 – 18.000 Jahren) ent­stand das heutige verzweigte Tal­­sys­tem innerhalb des Riedener Kes­­sels. Damals war der Untergrund gefroren. Anfallendes Regen­was­ser floss ober­flächlich in Rinnen ab und schuf durch Erosion diese Täler. Hätten nicht zahlreiche der verbliebenen Höhen um Rieden Kerne von kris­tal­li­sier­tem Magma, das als Dome steckenblieb, wäre die Erosion stärker ge­we­­sen. Heute versickert das gesamte Re­gen­­was­ser in dem porenreichen Rie­­de­ner Tuff und macht das Becken von Rieden zum größten Trink­­­was­­­­ser­­re­­ser­voir der Eifel. Der Tuff wirkt nämlich wie ein Schwamm. Jedes Stück Tuff, das Sie am We­ges­rand aufheben, besteht zu etwa 1/3 sei­­nes Vo­­lumens aus Hohlräumen, die unterhalb des Grund­was­­­ser­spie­gels voll­stän­­dig mit Was­ser gefüllt sind.

© Verbandsgemeinde Mendig

Der Riedener Kessel ist neben dem Wehrer Kessel und dem Laacher See einer der drei großen „Bimsvulkane“ dieser Region, die die Vulkano­lo­gen „Vulkanfeld der Osteifel“ nennen. Aus dem Becken von Kempenich erfolgten ebenfalls mindestens drei Eruptionen, überwiegend jedoch von phre­ato­magmatischer Natur. Das Magma hatte eine foiditische Zusam­men­set­zung und war in seiner Silizium-Armut dem Magma des Herchen­berg-Vulkans sehr ähnlich.

Der Laacher-See-Vulkan eruptierte einmal vor ca. 13.000 Jahren, der Wehrer Vulkan dreimal vor ca. 200.000 – 100.000 Jahren und von dem im Becken von Kempenich gelegenen Vulkan sind die jüngeren beiden von mindestens drei Eruptionen vor ca. 425.000 Jahren erfolgt (vgl. Zeittafel im Wanderführer, Seite 11).

Der Riedener Vulkan war vor ca. 440.000 – 390.000 Jahren aktiv und hat in dieser Zeit acht größere und mindestens sechs kleinere Eruptionen erlebt. Die großen Eruptionen erfolgten aus fünf verschiedenen Kratern, die in der direkten Umgebung der Ortschaft Rieden sowie am Südwest-Fuß der Hohen Lei lagen.

Bevor wir starten, müssen wir wissen, dass mit Tephra alle Partikel jeg­li­cher Größe bezeichnet werden, die wäh­rend einer Vulkaneruption aus­ge­­worfen werden. Tuff (von der Steinindustrie Tuffstein genannt) da­ge­gen ist zu Stein verfestigte Asche. Asche wiederum ist nichts Ver­brann­tes, son­­­dern mit diesem Wort wer­den alle maximal 2 mm großen Par­tikel be­zeichnet, die aus einem Vulkan ausgeworfen werden. Dabei han­­­delt es sich insbesondere um mikroskopisch kleine Glassplitter, die bei vulkani­schen Explosionen durch Zer­reißen der etwa 700-1100 °C hei­ßen Ge­steinsschmelze, des Magmas, entstehen.

Asche­par­ti­kel sind al­so über­wiegend kleine Bruchstücke von Bims, der nichts an­de­res ist als zu Glas erstarrtes hoch­­po­rö­ses Magma.

Die Gesteine der Riedener Tuffe werden als Leuzitphonolithe be­zeich­­­net, denn im Gegensatz zu den Pho­­no­lithen des Laacher Sees ent­hal­ten sie keinen Plagioklas, der als tafelig wachsendes Calcium-Na­tri­um-Alu­mi­ni­um-Silikat zur Gruppe der Feldspäte gehört.

Die Magmen waren so arm an Silizium, dass der sonst als eine Haupt­komponente auftretende Feldspat Plagioklas in dem Magma nicht wach­sen konnte. Stattdessen wuchsen sog. Feldspatvertreter wie Nephelin (Na­trium-Aluminium-Silikat) und – wegen des hohen Kalium-Reichtums des Magmas – Leuzit (Kalium-Aluminium-Silikat). Da das Riedener Mag­ma auch sehr reich an Schwefel war, wuchs häufig zusätzlich zum Ne­phe­lin das Mineral Nosean, ein schwefelhaltiges Natrium-Aluminium-Sili­kat, der Calcium-arme Bruder des am Laacher See häufigen Haüyns.

Die Gesteine der um die Riedener Tuffe liegenden Vulkankegel und die der Riedener Maareruptionen dürfen wir daher nicht als „Basalte“ be­zeich­nen – obwohl sie optisch kaum von diesen zu unterscheiden sind, denn sie enthalten keinen Plagioklas. Wegen ihrer Siliziumarmut und ihres Kalium-Reichtums werden sie als Leuzitite bezeichnet und sind Raritäten auf allen Kontinenten, so z.B. in den Leucite Hills, USA, in den Virunga Bergen Ostafrikas, am Gaussberg, Antarktis, oder in den Albaner Bergen und am Vesuv, Italien.

Auffällig ist in ihnen auch der Reichtum an einem schwarzen, häufig Zen­ti-meter großen Glimmer (Kalium-Magnesium-Eisen-Aluminium-Silikat mit Kristallwasser), den man wegen seines Magnesiumgehalts nicht als Bio­tit, sondern als Phlogopit bezeichnet.

© Zweckverband Ferienregion Laacher See

Wegstationen
Startpunkt
Tafel 1: Gefaltete Schiefer und Sandsteine
Tafel 2: Kraterfüllung
Tafel 3: Grube Wolf
Tafel 4: Vulkandom Riedener Hardt
Tafel 5: Altenberg und Steinberg
Tafel 6: Eselsmorgen und Grobesberg
Tafel 7: Gänsehalsturm
Tafel 8: Vulkandom Burgberg
Tafel 9: Schorenberg und "grüner Tuff"
Tafel 10: Riedener Sand
Tafel 11: Baumstamm-Hohlform im Tuff
Tafel 12: Bachsedimente und Lavastrom
Tafel 13: Lavastrom und Bimsablagerungen
Tafel 14: Tuffwände an der Hohen Lei

Infomaterialien

Rieden

Begleitbuch „Geologische Wanderung um Rieden“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.