Steinsfeld: Landschaftspfad am Endseer Berg

11.06.2022 | Franken, Lehrpfad, Natur & Kultur

Der Endseer Berg (Zeugenberg) liegt am nordwestlichen Steilanstieg der Frankenhöhe und umfasst ein 126 ha großes Schutzgebiet, das durch einen beschilderten Landschaftspfad erschlossen ist. Erleben Sie an insgesamt 24 Thementafeln z. B. unterschiedlichste Baumarten, ein unterhaltsames Baumtelefon, die Entstehung von Dolinen, einen Fjord in Mittelfranken oder die prächtigen Streuobstwiesen bei Endsee.

Durch Gipsabbau entstanden und entstehen hier Kalktockenrasen-Standorte und auf unverfüllten Abbauflächen neue Lebensräume für Amphibien, Insekten und weitere Kleintiere.

Die mineralkräftigen Böden prägen auch den Lebensraum Wald. So wachsen hier Eichen und Hainbuchen mit Elsbeere, Speierling und Ulme. Im Frühjahr weist der Boden einen reichen Blütenfloor auf

Gipsbruch Endsee

Der „Gipsbruch Endsee“ ist ein ehemaliger Steinbruch, in dem ein 7 m mächtiges Gips Flöz abgebaut wurde. Es entstand vor ca. 230 Millionen Jahren zur Zeit des Mittleren Keuper bei trockenem Klima durch Eindampfung in einer vom Meer abgeschnürten Lagune.

Die Zeit des Gipskeuper

Das Muschelkalkmeer zog sich vor etwa 235 Millionen Jahren langsam aus unserem Raum zurück. Es entstand die flache, küstennahe Landschaft der Keuperzeit, in der Einflüsse von Meer und Land häufig wechselten. Lagunen, Seen, Sümpfe und weite Flußebenen prägten das Bild. Anfangs kam es noch zu einzelnen kurzen Meeres–Überflutungen; erst im Verlauf des Mittleren Keuper zog sich das Meer weitgehend zurück. Das Klima war wechselhaft, aber überwiegend trocken. In den weitgehend vom Meer abgeschnürten Lagunen bildete sich durch Eindampfung Gips. Deshalb bezeichnet man diese Zeit und ihre Ablagerungen auch als „Gipskeuper“.

Der Gipsbruch Endsee

An der Basis des Profils im Steinbruch Endsee ist ein etwa 7 m mächtiges Schichtpaket aufgeschlossen, der sogenannte ‚Grundgips‘. Er besteht aus massiven Bänken von grauem und weißem Gips – einem sehr weichen und wasserlöslichen Gestein, das man mit dem Fingernagel ritzen kann. Durch Regen und fließendes Wasser entstehen oft Rillen unterschiedlicher Größe (mm bis mehrere dm) auf der Gesteinsoberfläche, die durch mitunter sehr scharfkantige Rippen voneinander getrennt sind.

Diese als „Karren“ bezeichnete Erosionsform ist auch im Steinbruch Endsee zu beobachten. Über dem Grundgips liegen plattige Schichten, in denen dünne Bänke von Gips mit bunten Mergellagen oder grauen und roten Ton– und Schluffgesteinen wechseln. Hier kann eine leichte Fältelung beobachtet werden. In der untersten Mergellage kommen Abdrücke der Muschel „Myophoria“ vor, die dem gesamten darüberliegenden Schichtpaket den Namen „Myophorienschichten“ gab. Auch die grauen Ton– und Mergelsteine (Mergel = kalkiger Ton) im obersten Teil des Profils gehören hierzu.

Wie entstand der Gips von Endsee?

Gips ist chemisch gesehen ein Salz, das in gelöster Form ebenso wie Kalk im Wasser der Meere vorkommt. Wenn Meerwasser einer flachen Lagune bei trocken–heißem Klima verdunstet, werden die Salze im Restwasser abgesetzt.
Hält die Verdunstung über einen längeren Zeitraum an, so können sich mächtige Schichten verschiedener Salzgesteine bilden. Solche Gesteine, die durch Eindampfung entstehen, nennt der Geologe „Evaporite„.

Die Reihenfolge der Ausfällung der Salze ist immer gleich: Zunächst werden die schwer löslichen Karbonate ausgeschieden (Kalk und Dolomit), bei stärkerer Eindampfung folgt Gips.

Zum Schluß, bei höherer Salzkonzentration im Wasser, werden auch Kali– und Steinsalze (= Kochsalz) ausgeschieden. Hier in Endsee ist die Salzbildung auf die Ausfällung von Gips beschränkt, da die Salzkonzentration durch nachfließendes Meerwasser für die Ausfällung von Meersalz nicht ausreichte. (Abb. Ochsenius: Barrentheorie). Der Druck der im Verlauf von Jahrmillionen darüber abgelagerten Sedimente, wandelte den Gips (CaSO4 * H2O) durch ‚Auspressen‘ des Wassers (H2O) zu Anhydrit (CaSO4) um.

Wenn der Anhydrit heute in der Nähe der Erdoberfläche mit Grundwasser in Berührung kommt, nimmt er erneut Wasser auf und wandelt sich zurück in Gips zurück. Die damit verbundene Volumenvergrößerung führt zu der beobachteten Fältelung.

Wirtschaftliche Bedeutung und Bergbau

Gips ist ein wichtiger Rohstoff für die Bauindustrie. Der Grundgips des Mittleren Keuper ist das wirtschaftlich bedeutendste Gipsflöz in Bayern und wird daher an verschiedenen Stellen, teilweise in großem Stil, abgebaut. Auch im Südteil des Endseer Berges wird heute noch Gips gewonnen. Um die Grenze zum „tauben“ Anhydrit rechtzeitig einplanen zu können, wurden Untersuchungsstollen in den Berg getrieben. Das „Mundloch“ eines solchen Stollens sieht man im Steinbruch Endsee.

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Infomaterialien

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Steinsberg

Broschüre „Landschaftspfad am Endseer Berg“

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Bayerns schönste Geotope

Schautafel „Gipsbruch Endsee“

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.