Zülpich-Bürvenich: Geologischer Wanderpfad

05.06.2022 | Eifel, Geologie, Lehrpfad

Der Geologische Wanderpfad Zülpich-Bürvenich im Deutsch-Belgischen Naturpark ist ein 2,5 km langer Pfad zur Geologie der Nordeifel.

Wegstationen
Station 1: Rundblick

Der Standort gewährt einen hervorragenden Blick vom erhöhten Eifelnordrand in die NiederrheinischeBucht – bei guter Sicht bis zum Siebengebirge. Diese weite Ebene entstand durch Absenkungen im Grundgebirge. Hier am Standort wird das ältere Gebirge durch Ablagerungendes Erdmittelalters (Buntsandstein und Muschelkalk) überdeckt. Diese Gesteinsschichten lassen sich von hier aus entlang einer tektonischen Schwächezone, der sogenannten „Eifeler Nordsüd-Zone“ verfolgen.

Station 2: Das Eifeler Flachmeer

Am Wegrand sind bunt gefärbte, sandige Mergelgesteine und Tonsteine aus der mittleren Buntsandsteinzeit aufgeschlossen. Die Ablagerung dieser Schichten erfolgte vor etwa 225 Mio. Jahren durch ein Flachmeer. Zwischen den Ardennen im Westen und dem Bergischem Land im Osten bildete sich die Eifeler Meeresstraße mit Meeresvorstößen und –rückzügen aus. Dadurch wechseln heute typisch marine Ablagerungen wie Kalk- und Dolomitsteine mit mehr festländisch beeinflußten tonigen Ablagerungen. Unter dem ständigzunehmenden Gewicht der Ablagerungen wurde der Meeresschlamm allmählich zu dem über 100 m mächtigen Gesteinspaket des Muschelkalkes verfestigt.

Station 3: Steinsalzmarken

Auf den Schichtunterseiten der sandigen Mergelsteine finden sich würfelförmige Gebilde, die an Kristalle erinnern. Es handelt sich hierbei um Steinsalzmarken, die vor ca. 255 – 215 Mio. Jahren entstanden. Im mitteleuropäischen Flachmeer war zeitweise die Verdunstung höher als der Zufluß, der Meeresspiegel sank ab und es kam zu einer Übersalzung. Randgebiete der Eifel fielen ganz trocken. Dort wurde ein Steinsalzschlamm abgelagert. An der Oberfläche wuchsen die Salzkristalle zu großen Würfeln heran. Als später die Fläche erneut überschwemmt wurde, lösten sich die Kristalle. Die entstandenen Hohlräume füllten sich nun mit dem überlagernden Feinsand und so entstanden nach der Verfestigung perfekte Nachbildungen der ehemaligen Salzkristalle.

Station 4: Fossilien

Das anstehende Gestein an der Böschung aus der mittleren Muschelkalkzeit (vor ca. 225 Mio. Jahren) fällt durch den Reichtum an Fossilien auf. Fossilien sind Reste eines Tieres oder einer Pflanze zur Zeit der Ablagerung. Der Meeresboden war an dieser Stelle zahlreich durch die Tiergattung Lingula besiedelt, im Volksmund auch Zungenmuschel genannt. Doch Lingula ist keine Muschel, sondern gehört zum Tierstamm der Brachiopoden (Armfüßer). Hierbei handelt es sich um Meerestiere, deren zweiklappige Gehäuse die Weichteile umschließen. Mit Hilfe der tentakeltragenden Arme strudeln sie Wasser herbei und filtern Plankton daraus. Außerdem verfügt Lingula über einen langen, fleischigen Stiel, mit dem sie sich am Boden festhält.

Station 5: Seelilien

Nach der Mittleren Muschelkalkzeit folgen die Schichten der Oberen Muschelkalkzeit (vor ca. 210 Mio. Jahren), die hier an der Böschung in Form von Kalkbänken zu Tage treten. Sie enthalten neben Muscheln, Schnecken und Brachiopoden auch Reste von Seelilien. Es handelt sich hierbei um Stielglieder, die durch ihre Form an Münzen oder Sonnen erinnern, und deshalb im Volksmund auch Bonifatiuspfennige bzw. Sonnenräder genannt werden. Sie lebten in der erdgeschichtlichen Vergangenheit stets in Küstennähe und bildeten dort Kolonien. Ihr Körper besitzt wurzelartige Anhänge mit denen sie auf dem Meeresboden haften.

Station 6: Das verworfene Tal

Hier ist ein mächtiges Gesteinspaket aufgeschichtet, dessen oberste Partie die Böschung als Felsenklippe überragt. Gut zu sehen ist die geradlinige Abtrennung der Schichten. Hierfür ist eine Gesteinsverschiebung, auch Verwerfung genannt, verantwortlich, die sich aufgrund von Erdkrustendehnungen der jüngeren Erdgeschichte bildete. Die Sprunghöhe der Verwerfung beträgt ca. 15 m. Wie weit diese Verwerfungen in die Erdkruste hinabreichen, ist unklar. Es ist aberanzunehmen, dass auch das Grundgebirge in ca. 400 m Tiefe davon betroffen ist.

Station 7: Drusen

Die hier aufgeschlossenen Kalksteine der obersten Muschelkalkzeit (vor ca. 210 Mio. Jahren) enthalten Hohlräume, die stellenweise mit Kristallen ausgekleidet sind. Derart verzierte Gesteinshohlräume bezeichnet man als Drusen. Nach dem Absterben der Meerestiere werden die Weichteile rasch zersetzt und die Schalenhälften allmählich von Sand und Kalk eingedeckt. Durch den Druck weiterer Ablagerungen verfestigte sich das Sediment. Späterwurde der Hohlraumerneut mit kalkhaltigem Wassergefüllt. Dabei wurden in dem Hohlraum diese idealen Kristalle ausbildet.

Station 8: Die Saurier der Eifel

Beiderseits des Bachlaufes sind Gesteine der obersten Muschelkalkzeit und der unteren Keuperzeit angeschnitten. Neben wirbellosen Tieren finden sich hier bereits Reste (Knochen und Zähne) von Fischen, Lurchen, Fischsauriern und amphibisch lebenden Sauriern. Funde zusammenhängender Skelette sind sehr selten. Die am Grund liegenden Tierkörper wurden von Aasfressern zerlegt, die verbliebenen Knochen über weite Distanzen zerstreut und von Brandungszonen bis zur Unkenntlichkeit zerstört.

Station 9: Das Bürvenicher Bachtal

Vor ca. 60 – 45 Mio. Jahren kam es durch Erdkräfte zu Erdkrustenbewegungen. Die Folge war die allmähliche Heraushebung des Rheinischen Schiefergebirges und der Einbruch der Niederrheinischen Bucht. Besonders in der Jungtertiärzeit (vor ca. 30- 25 Mio. Jahren) verstärkte sich die Hebung und erlebte inmitten der letzten Eiszeit vor ca. 500.000 Jahren einen Höhepunkt. Bedingt durch die Relieferhöhung stieg das Gefälle, so dass sich die Bäche und Flüsse tief in den Gebirgskörper einschnitten. In diesen Zeitraum fällt auch die Entstehung des Bürvenicher Bachtales. Auch heute noch halten die Erdbewegungen im Bereich Eifelnordrand/Niederrheinische Bucht in abgeschwächter Form an und werden dann und wann von kleineren Erdbeben begleitet.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Zülpich-Bürvenich

Wegstationen Geologischer Wanderweg

Allgemeine Hinweise

Streckenkilometrierung

Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an einem Track die Kilometrierung der Tour an und sollten nicht mit den Stationsnummern von Infotafeln an Lehrpfaden verwechselt werden (Standorte von Infotafeln werden auf den Karten nicht angezeigt).

Vor Tourenbeginn

Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

Nebenwege

Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.