Sandbauerndorf Sternenfels

Sandbauerndorf Sternenfels

Die Geschichte der Sandbauern

Seit dem 1. Jh. n. Chr. war im Stromberg die Steinhauerei bekannt. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde Sternenfels verwüstet und die Steinhauerei kam zum Erliegen. Erst ab 1700 blühte die Steinhauerei wieder auf und mit ihr entwickelte sich das Mahlen von Reststeinen zu Fegesand. Das gesteigerte Reinlichkeitsbedürfnis ließ ab 1740 zahlreiche Sandmühlen entstehen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts existierten ca. 35 Sandmühlen. Allein nach Stuttgart wurden in dieser Zeit jährlich 3 Millionen Liter Fegesand geliefert.

Trotzdem waren die Sandbauern nie wohlhabend. Und als das Gewerbe durch zunehmend geänderte Haushaltsmaterialien (statt Ton- und Holzgeschirr Porzellan, statt Nadelholzböden Hartholzparkett und Linoleum) allmählich an Bedeutung verlor, waren die Sandbauern bettelarm.

Den endgültigen Todesstoß fügten die Materialverknappung und die Entwicklung der chemischen Putzindustrie zu. 1935 schloss die letzte Sandmühle.

1. und 2. Jahrhundert n. Chr.

Die Römer brachten im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. ihre Erfahrungen über die Steinbearbeitung ins heutige Stromberggebiet mit. Sie benutzten Schilf- und Stubensandsteine für Bauwerke und Skulpturen.

12. und 13. Jahrhundert

Im 12. und frühen 13. Jahrhundert ist dann eine planmäßige Verwendung der Keupersandsteinezu Bauzwecken nachweisbar. Zu dieser Zeit wurde auch die Burg der Herren von Sternenfels aus weißem Stubensandstein erbaut.

Ab dem 13. Jahrhundert wurden auch in der Umgebung von Sternenfels Steine gebrochen, Flurnamen wie „Steingrube“ deuten darauf hin.

17. und 18. Jahrhundert

Während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) wurde der Ort verwüstet und war danach zeitweise verlassen. Erst ab etwa 1700 blühte die Steinhauerei wieder auf. Das Sandbauerngewerbe ist unmittelbar mit der Steinhauerei verknüpft, beide Gewerbebereiche hängen zusammen.

Die Ursprünge des Sandhandels in Sternenfels lassen sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen und liegen wohl in den Jahren um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Al­lerdings fließen die Schriftquellen zum Fegsandabbau und Sandhandel für diese frühen Jahre ausgesprochen spärlich. Eine starke Zunahme von Fegsandherstellung und -handel in Sternenfels ist sicherlich mit der Abtragung des Sternenfelser Schlosses einherge­gangen. Innerhalb weniger Jahre war die Ruine des Schlosses, das zur Abtragung in private Hand vergeben worden war, bis auf wenige Reste abgetragen worden. Der überwiegende Teil – auch für den Hausbau sowie den Straßenbau hatten Steine Verwendung gefunden – war ganz offensichtlich in den Sandmühlen des Ortes zu Fegsand zermahlen worden.

Die Sandmühlen

Exakt datieren lässt sich das erste Aufkommen der Sandmühlen nicht, doch man kann, ausgelöst durch ein gesteigertes Reinlichkeitsbedürfnis, etwa die Zeit um 1740 annehmen. Man entdeckte, dass die in den Stubensandsteinbrüchen gebrochenen und zu feinem Sand zermahlenen weißen Steine ein ausgezeichnetes Putz- und Scheuermittel waren. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein eigenständiger, von der Steinhauerei losgelöster Berufszweig.

Die Sandmühlen basierten auf einem recht einfachen Konstruktionsprinzip, das Jürgen Böhringer detailliert beschrieben hat: „In der Mitte war eine starre Achse in den Boden eingelassen, an der ein Göpel umlief, welcher durch ein Loch im Mittelpunkt des kreisrunden Laufsteins gesteckt war. Auf der der Achse abgewandten Seite wurde am Göpel mittels Haken ein Wagscheid befestigt, an dem ein Pferd im Kreise ging und den Göpel mit dem Laufrad bewegte.“ Die Pferde des Sandbauern waren zumeist von minderwertiger Qualität, alt und krank. Sie bewegten die aus Buntsandstein bestehenden Laufsteine stetig im Kreise, während die Sandbauern die Stubensandsteinbrocken zum Zermahlen oder besser zum Zerquetschen mit Schaufeln unter den sich bewegenden Laufstein schoben. „Die Laufsteine der Sandmühlen hatten Durchmesser von 1,00 und 1,90 Meter, eine Breite von ca. 0,35 Meter und liefen auf einer ebenen Bodenplatte mit ungefähr 3,00 Meter Durchmesser. Das Material bestand aus dem harten rötlich-braunen oder gelben Schilfsandstein, der in den nahegelegenen Steinbrüchen von den Sternenfelser Steinhauern gebrochen und zu Werksteinen, Marksteinen, Vorlagsteinen, Pflastersteinen, Platten und runden Wetz- und Sandmühlsteinen verarbeitet wurde. […] Die starre Achse in der Mitte, um die sich die gesamte Konstruktion drehte, war eine mit Holz verkleidete Eisenstange. Der Göpel und die hölzernen Teile bestanden aus Eichenholz.“

19. Jahrhundert

Nach der mündlichen Überlieferung durch den letzten Sternen­felser Sandbauern Christian Mannuß wusste Otto Link zu berichten, dass es im 19. Jahrhundert „zeitweise 54 Sandbauern“ und etwa 35 Sandmühlen im Ort gegeben ha­ben soll.

Wegen dieser großen Bedeutung des Stubensandhandels für Sternenfels waren dessen Einwohner in der ganzen Umgebung auch als „Sandhasen“ bekannt. Es waren vor allem drei Momente, die für dieses starke Aufkommen des Sternenfelser Sandgewerbes verantwortlich zeichneten:

  1. Die landwirtschaftliche Nutzfläche des Ortes war eine lediglich geringe und konnte der im 18. Jahrhundert anwachsenden Bevölkerung nicht mehr ausreichende Existenzgrundlagen gewähren. Geradezu zwangsläufig mussten sich die Einwohner jenseits der Landwirtschaft andere Einkommensmöglichkeiten erschließen.
  2. Die geologischen Voraussetzungen für den Stubensandabbau waren auf Sternenfel­ser Gemarkung günstig: Der III. Horizont der Stubensandsteinschicht — infolge seiner losen Sande und mürben Sandsteine besonders geeignet zur Sandgewinnung — stand großflächig unter den Waldböden an.
  3. Ein ausgedehntes, relativ gut erreichbares Absatzgebiet war vorhanden: „Der Absatz ging von Sternenfels über die nächste Umgebung (Zabergäu, Stromberggebiet mit Kirbach und Mettertal) ins Enztal bis Vaihingen, gegen den Schwarzwald nach Pforzheim und Wildbad, bis an den Rhein, in den Kraichgau bis Sinsheim, in Richtung Heilbronn, das selbst von Löwenstein und vom Mainhardter Wald beliefert wurde, bis Nordheim.“ Das Absatzgebiet war nach den Erinnerungen des letzten Sternenfelser Sandbauern unter den Sandbauern des Ortes mehr oder weniger aufgeteilt, das heißt die Sandbauern befuhren bestimmte Routen in regelmäßigen Abständen; sie wurden zumeist schon in den von ihnen zu beliefernden Haushalten erwartet. So fuhr der Sandbauer Christian Mannuß zweimal die Woche mit seinem Einspänner-Kastenwagen „ins Wildbad“ — eine Strecke, für die er etwa zwölf Stunden benötigte. „Mannuß fuhr am späten Nachmit­tag in Sternenfels weg, je nach Jahreszeit wurde es bei Maulbronn schon dunkel, dann sei er eingeschlafen und gegen Morgen „im Wildbad“ wieder aufgewacht. Das Pferd wusste den Weg selbst.“ Freilich waren manche Sandbauern so arm, dass ihnen die Anschaffung eines Pferdes nicht möglich war. Sie mussten dann einen Karren, „mit Leinenbändern und Hanfstricken über die Schultern gelegt und um den Körper geschlun­gen, welche fest mit dem Wagen verbunden waren und zwei Lannen (Holzstangen), die beidseitig am Karren befestigt waren,“ selbst ziehen.

Eine im Staatsarchiv Ludwigsburg überlieferte Akte aus dem Jahr 1831 gibt in Sternenfels eine Gipsmühle und sieben Sandmühlen an. Nach den im Gemeindearchiv Sternenfels überlieferten Katasterbüchern blieb deren Anzahl bis zum Jahr 1873 nahezu unverändert; so werden im Gebäudekataster von 1873 ebenfalls nur sieben Sandmühlen ausdrücklich aufgeführt.

Der Sandhandel nimmt überhand

Anfang 1850 mussten sich Gemeinderat und Bürgerausschuss des überhand neh­menden Sandhandels annehmen: Wegen den so häufig vorkommenden Klagen wegen dem Sandgraben u. Sandbrechen haben sich heute [11. Februar 1850; R. F.] die bürgerlichen Collegien berathen und in betracht, dass das unterirdische Sandgraben gefährlich  ist, u. daß ein Mann, der nicht bitten u. betten kann, seinen Sand nicht mehr verkaufen kann, weil es mit Sand so überführt wird, dass er den Käufer aufgedrungen werden muß, beschlossen die bürgerlichen Gemeindekollegien, dass ein Sandbauer in einer Wochen nicht mehr als zwei mal mit Sand fahren darf, weil diejenigen welche 3 mal mit Sand fahren, ihre Grundstücke in der Regel vernachlässigen u. nicht bauen. Auch sieht man, dass der Sand, wenn das Fahren so stark wie bisher fortgeführt wird, in einigen Jahren zu Ende geht. Derjenige, der fortan mehr als zweimal in der Woche Sand führe — damit sind offensichtlich die Fuhren Sand aus den ausgewiesenen Sandgruben zu den Sandmühlen im Ortsetter gemeint —, werde mit einer Strafe von drei Gulden belegt. Die gleiche Strafe solle denjenigen treffen, der unterirdisch Sand abbaue.

Strafandrohung ist das eine, Regelbefolgung aber das andere. Die Not breiterer Sternenfelser Bevölkerungsteile war — wie wir an anderer Stelle gesehen haben — derart groß, dass man sich offensichtlich nur wenig um die Vorgaben der Gemeindegremien kümmerte. So sah sich der mit der Umsetzung der Vorgaben betraute Schultheiß Merz wenige Monate später, am 5. August 1850, gezwungen den Gemeindegremien vorzutragen, dass die Sandbauern auf einem Plaz im Schüttwald Sand graben, welcher ihnen nicht angewiesen worden ist, auch denselben bedeutend vergrößern, so dem Wald durch Graben u. Fuhren ein bedeutender Schaden zugefügt wird.  Da die Sandbauern im allgemeinen größtentheils arm und unkultivirt sind, so daß weder Geld noch Arrest Strafen etwas fluchten, bat Schultheiß Merz die bürgerlichen Collegien um Unterstützung.

Die Beschlüsse von Gemeinderat und Bürgerausschuss, die diesem Übel Einhalt gebieten sollten, wirken drastisch:

  1. Jedem, der den Wald hinten hinunter fährt mit einer Strafe von 3 fl. und dem Uebertretter die Räder aus dem Karren nehmen bis die Strafe bezahlt ist.
  2. Darf kein Plaz mehr abgeraumt werden. Auch dürfen die Bauren keinen Sand verkaufen bei 5 fl. Straf und diejenigen, welche bis Lichtmeß Sand im Vorrath haben, ist die Gemeinde berechtigt ohne Einwand der Sand[bauern], er mag schon zu Haus seyn oder in dem Bruch, wegzunehmen zu verkaufen. Die Sandbrecher dürfen dagegen Sandgraben mäßen aber die restirende 8 fl. Pachtgeld bezahlen. Hieraus lässt sich doch einiges über die damaligen, den Sandabbau betreffenden Verhältnisse in Sternenfels aussagen: Die bürgerlichen Gremien wandten sich mit Vehemenz gegen das wilde Steinbrechen jenseits der von der Gemeinde verpachteten Sandgrube[n] im Gemeindewald. Die Sandgrube der Gemeinde war zu 8 Gulden Pachtgeld an mehrere Personen vergeben, die nicht nur zum Sandbrechen berechtigt waren, sondern zudem die gebrochenen Sandsteine an die Sandbauern zu einem festgelegten Betrag je Karren voll Sand abzugeben hatten.

Auch in späteren Jahren gab es beim Abbau des Stubensandsteins immer wieder Ausei­nandersetzungen zwischen den Steinbrechern und dem Schultheißenamt.

Zunehmende Verwüstung der Landschaft

Der gesamte Gemeindewald auf dem Sandberg wurde im Laufe der Zeit völlig durchwühlt und nach geeigneten Stubensandsteinen durchsucht. Hierbei entstand ein Bild der Verwüstung.

In einer Akte von 1897 heißt es:

„… dieses Pachtgeld steht aber in keinem Verhältnis zu dem Schaden, der durch die Benützung als Sandgrube angerichtet wird. Dass zugunsten weniger Gemeindebürger und zum Nachteil der ganzen übrigen Steuerzahler so gewirtschaftet werden kann, muss ich sehr bezweifeln… Der Gemeinderat hat nicht den Mut, gegen die Zumutungen der Sandbauern aufzutreten, da sie sich stets grob und beleidigend in Wirtschaften gebärden.“

Rückgang Scheuersandhandel

Ursache des ab 1880 rückgängige Scheuersandhandels war das Aufkommen von Metall- und Keramikküchengefäßen. Die tannenen Weichholzböden, die regelmäßig mit einem Wasser-Fegesandgemisch aufgeputzt werden mussten, wurden nach und nach durch Hartholzböden, vor allem Parkett oder fugenlose Linoleumböden, ersetzt, die geölt oder gewachst werden mussten.

20. Jahrhundert

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es dann ganz verboten, aus dem Sternenfelser Gemeindewald Stubensandsteine abzufahren, und so mussten die Sandbauern ihren Rohstoff aus den Nachbargemeinden beziehen. Die Bedingungen für die Sandbauern wurden dadurch noch zusätzlich verschlechtert.

Der Niedergang der Sandbauern in den 1930er Jahren ist schließlich auf die Entwicklung von chemischen Putzmitteln zurückzuführen. Ab dieser Zeit war es nicht mehr möglich, Stubensand zu verkaufen.

Gab es 1921/22 noch fünf Sandbauern in Sternenfels, so hatte sich deren Zahl Ende 1931 – nach dem Tod von Johannes Riekert – bereits auf zwei verringert. Im Jahre 1935 wurde die letzte Sternenfelser Sandmühle, die sich im Besitz des Christian Mannuß befand, stillgelegt.

Das Wissen um das Sandbauerndorf Sternenfels ist jedoch auch heute noch präsent. Das Sandbauerngewerbe steht stellvertretend für die frühe Aufnahme eines Gewerbes seitens breiter Bevölkerungsteile des Ortes zwecks Existenzsicherung. Mit der Einrichtung eines „Sandbauernweges“ hat die Gemeinde dieser alten Gewerbetradition ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Nachruf auf den Sandbauer Johannes Riekert

Im Maulbronner Tagblatt vom 10. November 1931 wurde ein sehr stimmungsvoller Nachruf auf einen der letzten Sternenfelser Sandbauern, Johannes Riekert, genannt „Hannesle“ veröffentlicht. Der Autor bleibt ungenannt.

Sternenfels. „In Sternenfels gibt es sehr viel Sandbauern, nicht wahr?“ So fragte mich kürz­lich jemand. Sobald da „draußen“ vernommen wird, ich sei von St[ernenfels], werde ich mit Fragen angegangen. Ich muß aber gewöhnlich feststellen, daß die Ansichten über uns und unsere Verhältnisse meist weit von der Wirklichkeit abweichen. So auch hier. An Sand­bauern gibt es nur noch drei. Früher war es anders. Das beweist das von Herrn Landrat bei einer Festfeier angezogene Geschichtchen. Ein Sternenfelser Sandbauer wurde einmal da drunten im badischen Ländchen gefragt:

»Gibt’s denn bei Euch lauter Sandbauern?“

„Ja“.

„,Und Euer Schultheiß, ist der auch Sandbauer?“

„Ja, der ginge auch, wenn er bessere Stiefel hätte“.

Drei Sandbauern sagte ich. Eigentlich sind es nur noch zwei und die Nachkommen des Dritten. Den Dritten, den Hannesle, hat man dies Jahr auf den Friedhof getragen. Der Hannesle war weithin bekannt. Er belieferte die Gegenden bis Vaihingen, den nördlichen Schwarzwald und Karlsruhe zu. Hannesle hieß ihn jedes, er wurde aber auf den Namen Johannes getauft. Auf dem Schilde an seinem Wagen war sein ganzer Namen zu sehen: Johannes Riekert. „Hannesle“, keinen besseren Namen konnten sie dir beilegen. Hinter diesem Wort steckt freudige Lebensbejahung. Wohl faßte dich das Geschick mitunter hart an. Ein paarmal griff der Tod in die Familie hinein. Wohl erschütterte das den Mann, gebrochen hats ihn nicht. Seiner starken Familie war er ein guter Vater. An den Enkeln hing er später mit gleicher Liebe.

Das Gesicht war fast stets freundlich. Lässig hingen die Spitzen des Schnurrbarts an den Mundwinkeln herunter. Auf dem Kopfe saß die bejahrte Sportmütze. Unter ihrem Schilde blinkten zwei helle Aeuglein hervor. Da war kein Sand drin. Freilich wollte er auch niemand Sand in die Augen streuen. Sein Wesen war offen und grundehrlich. Ein schalkhaftes Wort lag immer auf den Lippen. Werktag und Sonntag waren eben Tage für ihn. An der Kleidung unterschied er sie kaum. Sonntags konnte man fast den ganzen Tag den untersetzten, ein wenig gebeugten Mann vor seinem Hause sehen. Es liegt an der Weggabelung Derdingen-Kürnbach.

Der Hannesle war ein starker Rau­cher. Die Pfeife war ihm unentbehrlich. Auch eine Zigarre wurde nicht verschmäht, wenn er sie hatte. Auf einmal wollte ihm die Pfeife nicht mehr schmecken. Das war ein ernstes Zeichen. Krankheit hatte ihn erfaßt. Bald konnte er keinen Rauch mehr riechen. Jetzt ging es rasch bergab.

Eines Morgens ging das Gerücht durch den Ort: „Der Hannesle ist beute Nacht gestorben“. Es war wahr: Wenn der Sternenfelser etwas Eigenes für sich hat, so war der Hannesle ein Besonderer. Grundgütig, goldener Humor; lebensfreudig, solche Leute tun uns not. Hannesle war einer. Ihn zu Ehren diese paar Zeilen.

Die einzige noch erhaltene Sandmühle (gestiftet von der Ehefrau un den Kindern des Bauunternehmers Franz Kugler). Ausgestellt im Untergeschoss des Dienstleistungszentrums KOMM-INN in der Ortsmitte von Sternenfels.

Christian Bechtler und der Golddollar
Es begann am Sternenfelser Dorfbrunnen

In geologischen Zeiträumen entstand die Erhebung des Strombergs aus Verwitterungsablagerungen des „Vindelizischen Gebirges“. So gelangten auch die wasserunlöslichen Edelmetalle der ursprünglichen Lagerstätte als feinster Abrieb in die Schichten des Sternenfelser Stubensandsteins.

Im Jahre 1818 fand der Pforzheimer Christian Bechtler im Fegesand, den seine Frau von Sternenfelser Sandbauern gekauft hatte, Spuren von Gold. Der schwäbische Erfinder erwirkte vom Stuttgarter Bergamt die Konzession, in Sternenfels Gold gewinnen zu dürfen.  Er konstruierte eine Goldwaschanlage, die den Unterschied der spezifischen Gewichte der Materialien Gold und Quarzsand ausnützend, im Wasserstrom den leichteren Sand von den schwereren Goldpartikeln trennte.

Bechtler zog mit seiner Goldwaschmaschine zum Sternenfelser Dorfbrunnen und begann sein Werk. Überwacht wurde sein Tun vom Finanzrat Nördlinger aus Stuttgart, der die mögliche neue Geldquelle für den Württemberger Hof sichern sollte.

Christian Bechtler kaufte von den Sternenfelser Sandbauern Sand für 220 Gulden. Er zahlte 5 Kreuzer je Simri à 22,5 Liter und erhielt so etwa 140 Tonnen, die er in 10 Tagen verarbeitete. Den gewaschenen Sand erhielten die Sandbauern zum Nulltarif zurück. Seine Ausbeute war mager, etwa 20 g Gold.

In den Württembergischen Jahresheften notierte ein Nachfahre des Finanzrates 1873: „Das Ergebnis der Arbeit war ein geringes und stand außer Verhältnis zu den Kosten des Mahlens des Gesteins, der Ausschlämmung des dadurch entstandenen Sandes, endlich die Ausbringung mittels Quecksilber in der königlichen Münzanstalt.“

Mit dem Ergebnis dieses Versuches, aus Sternenfelser Stubensandstein Gold zu gewinnen, endete der Sternenfelser Goldrausch. Für Christian Bechtler wurden die Erfahrungen zur Grundlage einer sagenhaften Karriere…

Der Bechtler-Dollar

Christian Bechtler erhielt für seine in Sternenfels getestete Goldwaschmaschine 1819 ein großherzoglich-badisches Patent. 1829 ging er mit dieser Maschine nach Amerika, das sich in dieser Zeit nach der Entdeckung der Goldvorkommen im Goldfieber befand. Seine Goldwaschmaschine bewährte sich bestens. Da die Goldnuggets kompakter vorkamen und von der „Bechtler-Maschine“ besser erfasst werden konnten, wurde seine Maschine zu einem Verkaufsschlager in den Minen der Goldgräber, die zu Tausenden den schnellen Reichtum suchten. Bechtler ließ sich seine Anlage in Nuggets bezahlen, die er nach Gewicht weiterverkaufte.

1830 gelang dem cleveren Schwaben, das „Münzregal“ zu erlangen. Dieses Recht gestattete ihm in Rutherford, Nord California, Goldmünzen zu prägen. Er hatte seine eigene private Münzstätte und prägte dort den ersten amerikanischen Golddollar.

Neben der 1-Dollarmünze entstand die 2,20- und 5-Dollarmünze mit einfachem Münzbild. Sie trugen auf der Vorderseite den Namen „C. Bechtler“ und den Prägeort. Auf der Rückseite stand die Herkunft des Goldes, das Gewicht und der Feingehalt der Münze in Zahlen.

Bechtler hat damit das Gold seiner Minen in Münzen geprägt und die Differenz zwischen Goldwert und Münzwert als Gewinn einbehalten. Nach damaligen Unterlagen wurden in den Jahren 1831 bis 1841, als er die Prägeanstalt an seinen Sohn übertrug, Goldmünzen im Gesamtwert von fast 225 Millionen Dollar geprägt. Der Rohstoff, das begehrte Gold, kam zum großen Teil aus eigenen Minen.

Heute ist der „Bechtler-Dollar“ ein begehrtes Sammelobjekt der Münzsammler der ganzen Welt.

In Sternenfels wurde 1987 ein ca. 5,7 km langer Rundwanderweg eingerichtet, der das Wissen über die Sandbauern bewahren soll, die v.a. im 18. und 19. Jahrhundert Fegesand zum Reinigen der Wohnstuben gewonnen haben.

Textquellen

Ortschronik „Sternenfels – Die Geschichte zweier Dörfer“ (2010)

Förderverein Sandbauernstube Schlossbergstraße 7 e.V.

Urgraben

Urgraben

INHALT

Einleitung

Streckenverlauf

Bauphasen

Urgrabenurkunde (1284)

Wasserkünste

Sage vom Suggental

Textquellen

Einleitung

Der Urgraben ist ein im späten Mittelalter errichteter Wassergraben im Mittleren Schwarzwald. Als einer der wenigen sicher datierbaren Hangkanäle gilt er als eines der bedeutendsten technikgeschichtlichen Denkmäler Deutschlands.

Hinweis: Der Begriff Urgraben leitet sich ab von (das) „Wuhr“ oder (die) Wühre“, eine alemannische Bezeichnung für eine Wasserbeileitung, die andernorts Kunstgraben, Hangkanal, Gewerbekanal oder Leite genannt wird.

Über den Urgraben wurde Wasser von der Ostseite des 1.242 m hohen Kandels zu den Bergwerken im Glottertal und Suggental auf der Westseite geleitet. Ein für damalige Verhältnisse waghalsiges und auch sehr kostspieliges Unterfangen.

Der Bau eines derartigen Kanals stellte große Anforderungen an die Vermessungstechnik und an den Wasserbau, da über mehre Kilometer Strecke unwegsames Gelände gequert und zwei Wasserscheiden überquert werden mussten.

Doch warum betrieb man einen derart großen Aufwand und wofür benötigte man so viel Wasser im Bergbau?

Der Urgraben am Gullerbühl (Foto von Dr. Andreas Haasis-Berner)

Schriftquellen und archäologische Funde (Lesefunde im Bereich der Verhüttungsplätze und der Bergleutesiedlungen) zeigen, dass die Blütezeit des lokalen Bergbaus in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lag.

Daraus ergab sich die Notwendigkeit zur Vermehrung des Aufschlagwassers für Pochen, Wasserhaltung und Hüttenbetrieb, weshalb Wasser aus benachbarten Wassereinzugsgebieten beigeleitet werden musste. In beiden Bergbaugebieten konnte der Wasserbedarf durch die vorhandenen Bäche (Badbächle im Glottertal und Talbach im Suggental) nicht gedeckt werden.

Verlauf des Urgraben am Kandel (nach Metz 1962)

Eckdaten Urgraben

Fakt
Historische Nachweise
Baumeister

(Urgraben ab 1284 und Wasserkunst)

Länge
Breite/Tiefe
Breite/Tiefe

(historische Angaben)

Damm, talseitig
mittleres Gefälle
Verteilerbecken
Speicherbecken
Spuren heute
Beschreibung
Urgrabenurkunde von 1284
Meister Conrat Rotermellin (Conrad Rothermel)
15 km

(ab Ableitung vom Zweribach am Plattenhof bis zur Wasserscheide am Luser)

jeweils 30-50 cm (gemäß Sondierungen am Gullerbühl)
Der Bergrichter von CARATO berichtete 1786: Da der Kanal noch dermalen sichtbar und noch bey 5 Schuh (1,5 m) breit ist, so ist zu vermuten, daß er vermög dieser Breite etwa 3 bis 4 Schuh (0,9 bis 1,2 m) tief gewesen seyn mag.
2 m breit
70 bis 90 cm je 100 m (0,7-0,9 %)
Luser (ca. 25 m x 15 m)
mehrere Ausgleichsbecken im Suggental (u.a. südlich des Oberen Adamshofs und am Reschbauernhof)
Der Urgraben ist nur an einzelnen Stellen noch sichtbar, zumeist aufgefüllt und als Weg erkennbar (Urweg).

Das Verteilerbecken am Luser ist heute nicht mehr vorhanden, auch ist der ehem. Standort nicht zu erkennen.

Streckenverlauf

Der Urgraben beginnt am Zweribach an der Ostseite des Kandels im Bereich der Gemarkungsgrenze St. Peter/Simonswald. Nach Ruf, Josef (1923) beginnt der Graben direkt an der Quelle bei der Buchhornhütte/Bockhornhütte (1.026 m). Andere Autoren nennen den Abzweig vom Bach beim Plattenhof als Startpunkt (klingt plausibler).

Das Wuhr nimmt in seinem Verlauf das Wasser sämtlicher den Kandel nach Süden entwässernder Bäche auf und quert bis ins Suggental zwei Wasserscheiden. Die erste bereits kurz nach der Ableitung aus dem Zweribach (am „Gschwinghof“) und die zweite direkt oberhalb des Suggentaldobels am Höhenrücken des „Luser“).

Beschreibungen Streckenverlauf
von Carato, Hermann (1786)

Carato, Hermann Joseph Ritter von (1786): Haubtrelation über alle in den k.k. oesterreichischen Vorlanden befindliche, theils wirklich im Bau stehende 2ten theils aufgelassenene Gruben und Bergwercke. Freyburg.– Ms., Breisgau-Generalia, Fasc. No. 141; Karlsruhe (Generallandesarchiv Karlsruhe).

Eben so verlässig ist die Erzählung von dem Kanal der vom Plattenbühl [heutzutage heißt es die Platte] bis ins Paradiesthal geführet worden, denn man siehet ihn noch heut, und Unterzeichneter ist ihm wirklich vom Ursprung bis ins Suggenthal, ein Weg von 2 Stund nachgegangen; die ersten Quellen, die in diesen Kanal geführt werden, entspringen auf einer sumpfigen wiesen, die im Wald des dermaligen Plattenbauers liegt.

Es sind aber in seiner Strecke bis ins Suggenthal noch mehr sehr starke Quellen aufgefangen worden, mit welchem (dem Kanal) dermalen Mahlmühlen und verschiedene Sägmühlen getrieben, und viele Wiesen, oder Matten, wie man sie hierzulande nennt, gewässeret werden; da der Kanal noch dermaln sichtbar und noch obenbey 5 Schuh breit ist, so ist zu vermuthen, daß er vermög dieser Breite etwan 3 bis 4 Schuh tief gewesen seyn mag. Es könnte derselbe mit höchstens 30 Kreuzern pro Klafter wieder hergestellt werden, wozu man vermög den Bergrechten vollkommens Recht hätte.

Daß endlich diese Werker (Bergbauanlagen) sehr reich gewesen, erhellet selbst aus der Führung dieses so kostbarn Kanals und aus den vielen Stollen und Schächten, die man auf der Karte siehet. Der Kanal aber ist nicht allein wegen der Schmelzhütte, sondern wegen einer Wasserhebungsmaschine und vielleicht wegen der damaligen schon in Übung gewesenen Mühlen zum Erzmahlen gemacht worden.

Ruf, Josef (1923)

Ruf, Josef (1923): Der Urgraben am Kandel. In: Rund um den Kandel, S. 50- 53. Waldkircher Verlagsgesellschaft mbH, 1981.

Auf der Hochebene östlich des Kandels stand in früherer Zeit mitten im Wald ein hoher, senkrechter Stein, das sogenannte Bockhorn; wohl ein keltischer Menhir. Er bildete die Gemarkungsscheide zwischen St. Peter und Simonswald. Im 18. Jahrhundert wurde dieser Stein durch einen Baumsturz umgekippt. Heute noch heißt die Quelle, die an dieser Stelle entspringt und später den Zweribach bildet, Bockhornbrunnen.

Hier (1.030 m) beginnt der Urgraben mit einem reich verzweigten Kanalsystem, zieht in der Nähe des Plattenhofes vorbei und passiert beim Brosihäusle (980 m) die Wasserscheide Wilde Gutach – Glotter. In dem Zinken Schönhöfe sind die Spuren fast ganz verwischt. Im anschließenden Zinken Neuwelt ist der Verlauf des Grabens durch die Lage der Höfe markiert, d. h. bei der dortigen Rodung um das Jahr 1700 wurden die Höfe zu beiden Seiten des Urgrabens gebaut.

Wir kommen in den Kandelwald. Hier haben wir einen ausgesprochenen Fahrweg, der uns in kaum merklichem Gefälle in den Zinken Rohr führt.

Vom Rohrbach bis zum Nazihof dient der Urgraben als Mühlekanal seiner ursprünglichen Bestimmung. Von da zog er wahrscheinlich zwischen Türlekapelle und Rohrerhof bei dem sogenannten Wunderbaum (816 m) über den Türleberg, einem Ausläufer des Kandels. Sichere Spur erkennen wir erst wieder beim Steckle- und Lautackerhäusle im Oberglottertal.

Von da führt uns der Kanal am Fuße des kleinen Kandelfelsens (Thomashütte) vorbei an den steilen zerklüfteten Hängen des Glottertals entlang bis zum Luser. Hier – oberhalb des Glotterbades – stehen wir plötzlich vor einem Trichter. Sonst keine Spur mehr. Auf dem Suggentäler Hang des Lusers in gleicher Höhe der nämliche Trichter. Also haben wir es hier mit einer ehemaligen Unterführung zu tun.

Von der Unterführung bis in die Nähe des Adamhofes im Suggental finden wir wieder Spuren, die in dem sogenannten Pochiloch aufhören.

Überblicken wir noch einmal den Verlauf des ganzen Grabens, so können wir Bader begreifen, der eine Wasserleitung von Simonswald bis ins Suggental für etwas Unmögliches hielt. Welche gigantische Arbeit dazu gehörte bei der damaligen Technik ein solches Werk zu vollenden, kann kaum der ermessen, der es versucht, den Spuren dieses über I5 km langen Kanals nachzugehen. Sprengmittel gab es damals noch nicht, und doch sahen wir im oberen Glottertal (in des alten Vogts Wald) einen mächtigen Felsen durchbrochen. Es ist fast unbegreiflich, wie man Wasser durch dieses metertiefe Fels- und Steingeröll leiten konnte, ohne es versickern zu lassen. Wahrscheinlich waren streckenweise Boden und Seiten des Kanals mit Holz ausgekleidet. Über Breite und Tiefe kann man nur unsichere Angaben erhalten.

Jedenfalls war es ein starkes Wasser, das durch den Urgraben ins Suggental geleitet wurde. Sind es doch lauter wasserreiche Bergbäche, die durch den Kanal aufgefangen wurden, wie: Zweribach, Glotter, Erzerbach, Stecklebach usw. Mit anderen Worten das ganze Wasser vom Ost- und Südhange des Kandels.

Ob durch dieses Wasser irgend welche Werke und Maschinen getrieben wurden, ist unbekannt. Nach Trenkle fehlte im 13. und I4. Jahrhundert noch jede einigermaßen ausgiebige Maschinenarbeit zur Förderung der Erze aus der Tiefe und zur Zerkleinerung. Und so glaubten auch die meisten Autoren die Hauptverwendung dieses Wassers galt der Erzwascherei. Da aber die Stelle, wo die Spuren des Urgrabens aufhören, heute noch den Namen Pochiloch führt, wäre es doch wahrscheinlich, daß schon damals durch das Urgrabenwasser ein Pochewerk getrieben wurde; das ist ein Mühlenwerk, in welchem Erz vermittelst mehrerer mit Eisen beschlagener Stempel in Trögen zerkleinert wird.

Der Kanal war noch nicht lange fertiggestellt, als im Jahre 1298 Suggental durch einen Wolkenbruch überschwemmt wurde, wobei etwa 300 Menschen ums Leben kamen. Wieweit damals die Wasserleitung in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist nicht bekannt. An der alten Kirche waren als Nachricht hiervon die Wasserhöhe und das Jahr 1258 angegeben. Vielleicht ist die 1258 berichtete Überschwemmung mit der von 1298 identisch.

Wie lange noch das Bergwerk im Suggental und die Wasserleitung im Betrieb war, ist unbekannt. Wahrscheinlich hat sich Suggental nach der Überschwemmung von 1298 nie mehr zur früheren Bedeutung emporgeschwungen. Dafür spricht auch die Tatsache, daß bei neueren Ausgrabungen in alten Schächten Skelette gefunden wurden, die entschieden von jener Überschwemmung herrühren. So wird wohl auch der Urgraben seit 1298 außer Betrieb sein. Nachrichten über den Bergbau im Suggental im 15., 16. und 17. Jahrhundert fehlen.

Anmerkung: Joseph Ruf war der Sohn einer Bauernfamilie (Neuhof) der Ortschaft Rohr bei St. Peter. Er konnte eine gute Ausbildung genießen und in Baden als Beamter Karriere machen. So kam es, dass er als erster einen weit verbreiteten Aufsatz über den Urgraben und seinen Verlauf veröffentlichen konnte. Darin hat er das in der Bevölkerung über Jahrhunderte überlieferte Wissen über den Verlauf des Urgrabens und seinen Zweck festgehalten und verbreitet. Dieser 1923 in der Badischen Heimat veröffentlichte Bericht war die Grundlage für den wesentlich ausführlicheren Aufsatz von Rudolf Metz über den Urgraben und den Bergbau im Suggental.

Metz, Rudolf (1961)

Metz, Rudolf (1961): Der frühere Bergbau im Suggental und der Urgraben am Kandel im Schwarzwald , In: Alemannisches Jahrbuch 1961, S. 281 -316, Moritz Schauenburg Verlag, Lahr/Schwarzwald.

Über die Wasserscheide holte man den oberen Zweribach und führte die ganzen, vom Kandel nach Süden zur Glatter ablaufenden Wasser, wie Götzenbächle, Albersbach, Rohrbach, Steckenbächle, Winterhohlenbächle und mehrere kleinere dem Hangkanal zu. Dieser hatte das gerade erforderliche Gefälle, um beim Luser in 600 m Höhe die Wasserscheide zwischen Glatter und Elz wiederum zu überschreiten – eine für das 13. Jahrhundert erstaunliche Leistung. Heute ist der Verlauf des Urgrabens an vielen Stellen noch deutlich zu verfolgen (vgl. RUF, 1923).

Der am Bockshornbrunnen (Buchhornbrunnen) auf der Gemarkungsgrenze zwischen Obersimonswald und St. Peter in 1026 m Höhe entspringende Zweribach wurde am Brosihäusle in 976 m Höhe über die Wasserscheide ins Glottertal geführt. Dann verlief der Kanal durch die Neuwelt, vorbei am Urgrabenhof und oberhalb des Absätzlerhofs in den Dobel des Götzenbächles und in das Rohrallmend. Am Hang des Sägecks ist der Kanal aufgefüllt und wird als „Urweg“ (=Wuhrweg) bezeichnet. Vom Eintritt in den Wald westlich des Absätzlerhofs, zwischen Götzen- und Albersbächle und weiter bis zum Brandeck ist der Kanal zugeschüttet und als „Urweg“ gut zu verfolgen. Bei P. 873,7, südwestlich des Fuchsfelsens, quert die grasüberwachsene Kanaltrasse die im Bau befindliche Autostraße vom Sägedobel hinauf zum Kandel.

Am Kandelberg ist der Kanal streckenweise noch in Funktion, dort nimmt er den Rohrbach auf und führt ihn als Mühlkanal zum Nazihof. Vom Neubauernhof im Zinken Rohr verläuft der Urgraben dann durch den Lindlesdobel und den Häuslewald, am Properstein vorbei und in den Dobel des Winterhohlenbächles. Von dort wurde der Kanal am Kandelfelsen und an den steilen, schwer zugänglichen Hängen des Kandelwalds entlang, weiter unter dem Guller- und Kranzkopf vorbei zum Luser und von dort schließlich in das Suggental geführt. Der Weiher südlich des Oberadamhofs im oberen Suggental geht wohl auf ein ehemaliges Ausgleichsbecken dieses Wuhrkanals zurück.

Zur Amtszeit des Bergrichters v. CARATO waren Teile des Kanals noch besser erhalten. Er berichtet (1786): „Da der Kanal noch dermalen sichtbar und noch bey 5 Schuh (1,5 m) breit ist, so ist zu vermuten, daß er vermög dieser Breite etwa 3 bis 4 Schuh (0,9 bis 1,2 m) tief gewesen seyn mag.“

Der Weg längs des Urgrabens ließe sich mit geringen Mitteln wieder instand setzen und vielleicht könnte der Schwarzwaldverein hier einen Wanderpfad vom Plattenwirtshaus bis in das Suggental anlegen.

Albiez, Gustav (1979)

Albiez, Gustav (1979): Die Wuhren im Schwarzwald. In: Der Anschnitt, 31/6: S. 215-225, Glückauf Verlag, Essen.

Der Urgraben misst etwa 15 km. Er sollte alle vom Kandel nach Osten und Süden abfließenden Bäche und Quellen abfangen und beginnt nördlich vom Plattenhof als Ableitung aus dem Zweribach in etwa 988 m Meereshöhe. Beim Brosihäusle (978 m NN) überschreitet das Wuhr die erste Wasserscheide, die zwischen Wildgutach und Glatter liegt. Von hier floß das Wasser in freiem Gefälle bis zur Fassung oberhalb Hornmaier (ca. 895 m NN). Der Urgraben lief dann unterhalb des Urgrabenhofs in den Wald. Hier ist der Graben zugeschüttet und führt den Namen „Urweg“. Dieser überschreitet bei 880 m NN die Kandelstraße und zieht nördlich vom Sägedabei am Nazihof (821 m NN) vorbei zum Disseihof (814 m NN). Am Gefälleknick folgt ein steiler Abfall zum Lindlesdobel, wo das Wasser bei schätzungsweise 680 m NN neu gefaßt wurde, um dann als Hangkanal auf einer Strecke von mehr als 6 km entlang dem südlichen Steilhang des Kandels weitergeführt zu werden. Der Kanal zog auf der Glattertäler Seite unterhalb vom Luser vorbei. Etwa 500 m westlich vom Luser hört die Spur des Urgrabens plötzlich auf: Hier wurde das Wasser durch einen etwa 70 m langen Stollen in das Einzugsgebiet des Suggenbachs geleitet. Dieser Durchbruch liegt bei etwa 600 m NN. Im Stollenbereich erinnert der Flurname „Pochiloch“ an diese Unterführung.

Auf der Suggentaler Seite floss das Wasser frei durch einen steilen Dobel westlich des Adamshofes. Ein Stauweiher ermöglichte die Regulierung der Wassermenge. Von der Talsohle zweigte ein neuer Hangkanal zum Reschhof (387 m NN) ab, wo heute noch große Halden zu sehen sind. Etwa 200 m abwärts befindet sich im Friedhof die kürzlich renovierte Sakristei der alten, abgerissenen Bergmannskirche. Mehrere 100 m nördlich vom Friedhof hatte der Urgraben bei 320 m NN das Zentrum des Suggentaler Bergbaus erreicht.

AK Bergbau Glottertal (2012)

Arbeitskreis Glottertäler Ortsgeschichte (2021): Bergbau im Glottertal – Beiträge zur 900-Jahr-Feier der Gemeinde Glottertal. Freiburger graphische Betriebe, Freiburg i. Br.

Im Jahr 1265 wird auch ein Grenzstreit zwischen dem Kloster St. Peter und dem Kloster Friedenweiler geschlichtet. Etwa in dem gleichen Zeitraum wurde auch die dritte Grenzbeschreibung des Kloster St. Peter angefertigt. Sie befasst sich insbesondere mit den Verhältnissen auf der Platte, also der Grenze zum Kloster St. Margarethen von Waldkirch. In der Neu-Edition des Rotulus Sanpetrinus, in dem diese Beschreibung als R103 bezeichnet wird, wird die Notwendigkeit, die Grenzverhältnisse in diesem Bereich zu fixieren mit den Planungen zum Bau des Urgrabens in Verbindung gebracht. Fasst man diese spärlichen Hinweise zusammen, so ergibt sich, dass der Urgraben irgendwo im Bereich des Oberlaufs der Glotter beginnen muss und im Glottertal im Bereich des Schwimmbades bzw. im Suggental endet.

Zum Glück haben sich im Gelände aber auch in der mündlichen Überlieferung noch viele Hinweise auf den Verlauf des Grabens erhalten. Es ist eine glückliche Fügung, dass der Sohn einer Bauernfamilie (Neuhof) der Ortschaft Rohr bei St. Peter – Josef Ruf – eine gute Ausbildung genießen konnte und in Baden als Beamter Karriere machte. So kam es, dass er als erster einen weit verbreiteten Aufsatz über den Urgraben und seinen Verlauf veröffentlichen konnte. Darin hat er das in der Bevölkerung über Jahrhunderte überlieferte Wissen über den Verlauf des Urgrabens und seinen Zweck festgehalten und verbreitet. Dieser 1923 in der Badischen Heimat veröffentlichte Bericht war die Grundlage für den wesentlich ausführlicheren Aufsatz von Rudolf Metz über den Urgraben und den Bergbau im Suggental. In diesen Veröffentlichungen waren genug Hinweise gegeben, um den Verlauf im Gelände zu erforschen. 1os Der Urgraben beginnt in 1.000 m Höhe auf der rechten Seite des Zweribaches. Hier ist im Wald über einige Hundert Meter noch gut der verfüllte Graben zu erkennen (Abb. 35). Im weiteren Verlauf ist er vollständig verfüllt und wird als Waldweg genutzt. Dort, wo er den Wald verlässt und auf eine Wiese kommt, ist er nicht mehr zu erkennen. Oberhalb der Fahrstraße, die zum Plattenhof führt, verläuft er bis zur Wasserscheide zwischen dem Zweribach und der oberen Glotter. Hier dürfte auf eine künstliche Führung verzichtet worden sein. Das Wasser konnte hier von selbst in den Oberlauf der Glotter fließen.

Ein paar 100 Meter unterhalb dieses Zuflusses wurde das Wasser aus der Glotter abgeleitet (Abb. 36). Eine als Weg genutzte Hangkante zeigt den Verlauf des Grabens an. Auf älteren topografischen Karten ist hier bis vor einigen Jahrzehnten noch ein Mühlkanal eingezeichnet. Der Graben verläuft entlang Hornmaier-, Urgraben- und Absätzlerhof. Oberhalb des Absätzlerhofes ist der Urgraben in Form eines Waldweges deutlich zu erkennen.

Dieser Waldweg führt einige Hundert Meter weit. Dann muss die Kandelstraße überquert werden und auf der anderen Seite wurde der Urgraben wieder zu einem Waldweg ausgebaut. Diesem Weg folgt man bis zum sogenannten Brandeck – einer Wiese – oberhalb der Ortschaft Sägendobel. Hier ist im Wald der Graben als leichte Geländekante auszumachen. Im weiteren Verlauf liegt ein markanter Lesesteinhaufen auf seinem Weg – der Urgraben verläuft genau dort, wo der Haufen eine breite Lücke aufweist. Nachdem die Wiese überquert wurde – auch hier ist obertägig nichts mehr zu sehen – gibt es einen weiteren indirekten Hinweis. Denn auch hier diente bis vor wenigen Jahrzehnten der Urgraben als Mühlkanal. Das in einem kleinen Weiher aufgestaute Wasser wurde bis zum sogenannten Nazihof (von Ignaz) geleitet. Die Talseite wurde durch eine Trockenmauer verstärkt.

Vom Nazihof aus führte der Graben bis zur Wasserscheide zwischen Neuhof und Rohrerhof (früher Gummenhof). Von hier aus hat man einen guten Blick auf die nördliche Freiburger Bucht. Das Wasser des Urgrabens konnte den Hang hinunterfließen und in das Stecklebächle münden. Oberhalb des heutigen Stecklehäusle wurde er wieder gefasst und verlief entlang des heutigen Waldweges. Dort, wo der Forstweg nach unten abfällt, erkennt man rechter Hand im Hang eine Geländekante. Über 800 m ist der Urgraben hier sehr gut erhalten (Abb. 37). Hier, an der Südseite des Kandels, verläuft der Urgraben den Höhenlinien folgend über viele Kilometer bis zum Gullerbühl, wo steile Felsen bearbeitet werden mussten, um dem Kanal einen Weg zu bieten (Abb. 38).

Nochmals einige Kilometer weiter in der Nähe des Lusers gibt es ein Plateau. Hierbei handelt es sich um ein Verteilerbecken, mit dessen Hilfe das Wasser sowohl ins Glottertal, wie auch in Suggental geleitet werden konnte (Abb. 39). Im Glottertal selbst gibt es keine eindeutigen Spuren des Grabens. Richtung Suggental jedoch ist er kurz vor dem Heidelbeereckle noch zu sehen, bevor er an einer Geländesenke endet. Hier mündete er in einen Stollen, der die Wasserscheide unterquert und dessen eingestürztes Mundloch auf der Suggentäler Seite deutlich zu sehen ist (Abb. 40).

Von hier aus konnte das Wasser wieder dem Geländeverlauf folgen und speiste den Talbach. Die Radstube mit der Wasserkunst befand sich nach Aussage von Carato und Vernier, die  Ende des 18. Jahrhunderts das Suggental besichtigt und bergmännisch untersucht haben, an der engsten Stelle des Tales, unterhalb des Bergwerkes. Möglicherweise gab es auf Höhe der alten Bergleutekirche eine weitere Wasserkunst.

 

Die folgende Karte zeigt den ungefähren Verlauf des Urgrabens von der Ableitung des Zweribachs am „Plattenhof“ bis zum früheren Standort einer Wasserkunst am St. Josephi-Stollen im Unteren Suggental.

Der Abzweig am Luser nach Süden in das Badbächle, einem rechten (nördlichen) Zulauf der Glotter, ist nicht dargestellt.

Anmerkungen zur Karte

Die wellige Topographie im Höhenprofil ist der Ungenauigkeit der Darstellung des Streckenverlaufs geschuldet.

rote Linie: Wasserscheide Glotter/Wilde Gutach

magentafarbene Linie: Wasserscheide Glotter/Elz

Unterwegs auf dem Entdeckerpfad „Urgraben-Variante“ (April 2020). Standort: Infostele Nr. 6 am Luser.

Lange Jahre endete der Urgraben an diesem Standort und das Wasser floss von hier aus direkt den Bergwerken im Glottertal zu. Als der legendäre Kanal im Jahr 1284 schließlich zum Suggental hin erweitert wurde, bedurfte es einer regelbaren Wasserverteilung. Die Lösung war der Bau eines Verteilerbeckens genau an dieser Stelle. Mit beachtlichen 25 x 15 Metern wies die Konstruktion die Maße eines kleinen Schwimmbades aus. Eindeutig nachgewiesene Ablagerungen bestätigen dies. In Richtung Tal befindet sich der mächtige Erddamm. Zu sehen ist davon heute nicht mehr viel und es bedarf einiger Fantasie, sich ein solch gewaltiges Wasserbecken an dieser Stelle vorzustellen. Teile der ehemaligen Anlage werden mittlerweile vom Forstweg überlagert und auch die anderen Bereiche des Verteilerbeckens sind über die Jahrhunderte mehr und mehr verlandet und versandet.

Bauphasen

Der Urgraben wurde nach dem aktuellen Stand der Forschung in mindestens zwei Bauphasen errichtet. Die aktuelle These geht davon aus, dass der Abschnitt vom „Stecklebächle“ (westlich der Siedlung Rohr) bis zum „Luser“ zuerst gebaut wurde, vermutlich bereits um 1265.

Dieser Graben wurde ausschließlich errichtet um die Bergwerke in Oberglottertal mit Aufschlagwasser zu versorgen. Dazu wurde das beigeführte Wasser auf dem Höhenrücken des „Luser“ in das Badbächle, einem rechten (nördlichen) Zulauf der Glotter, geleitet.

Exkurs: Badbächle
Glotterbad

Das „Badbächle“ ist nach dem „Glotterbad“ benannt, das im Jahr 1488 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Bad wurde 1714 durch französische Truppen verwüstet und 1770 durch den Cronenwirt zu Freiburg von Grund auf renoviert. 1824 schreibt die Freiburger Zeitung über das Bad: „Die Heilkräfte desselben werden selbst über Badenweiler gehalten, und das Bad wird besonders von Freiburgern stark besucht… die Zahl der Badegäste stieg auf 1871 Personen, eine Frequenz, die nächst Baden wohl die stärkste einer vaterländischen Heilquelle ist“.

1906 entsteht neben dem Sanatorium der „Alexanderbau“ (benannt nach Alexander Isenberg) mit allem Komfort einer modernen Kuranstalt. Der Bau enthält 40 Schlaf- und Wohnräume, 30 offene Balkone, einen Speisesaal für 150 Personen und große Terrassen die der Anlage einen südländischen Charakter geben. Man bezeichnet das Glottertal und das Glotterbad als die Côte d´ Azur des Schwarzwaldes. Ausgedehnte Waldungen, Forellenfischerei und Tennisplätze bieten weitere Anreize für die Gäste.

1913/1914 wird auf dem Gelände des Badburenhofes auf der dem Alexanderbau gegenüberliegenden Seite der „Carlsbau“, so genannt nach Carl Isenberg, errichtet. Eine 70m lange Wandelhalle überspannt auf hohen Pfeilern das Tal des Badbächleins und verbindet den Carlsbau mit dem Alexanderbau.

1916 wird als letzter Bau das im Schwarzwaldstil errichtete Wohnhaus von Direktor Bayer errichtet.

Das Glotterbad (seit 2014 „Thure-von-Uexküll-Klinik“) blickt auf eine sehr lange Historie zurück.

Im Jahr 1985 passierte dann das: Der Carlsbau wird Filmkulisse zur TV-Serie „Schwarzwaldklinik“. Die Drehorte im Schwarzwald, allen voran das Glottertal, ziehen unzählige Touristen an. Das Medieninteresse ist gewaltig. Um die Jahreswende 1985/86 beherrscht die „Schwarzwaldklinik“ sowohl das Fernsehen als auch die deutsche Presselandschaft.

Am 5. Juni 2025 starteten mit dem Spatenstich zum 1. Bauabschnitt die umfangreichen Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen der Rehaklinik Glotterbad. Gebaut wird unter anderem ein neuer Bettentrakt.

Datenquelle: Webseite „Glottertal“ (Januar 2026)

Verlängerung nach Westen ins Suggental

Als später auch die Bergwerke im Suggental mehr Aufschlagwasser benötigten, wurde der Kanal nach Westen verlängert. Aufgrund der vorgegebenen topographischen Höhe des vorhandenen Kanals musste die Wasserscheide ins Suggental mit einem ca. 70 m langen Stollen unterquert werden, um dann auf der anderen Seite die oberirdische Wasserführung wieder fortsetzen zu können. Wäre der Graben direkt bis ins Suggental gebaut worden, hätte man diese bautechnische Erschwernis durch eine andere Streckenführung vor der Wasserscheide planerisch vermeiden können.

Die Ableitung des beigeführten Wassers sowohl ins Glottertal als auch ins Suggental erfolgte über ein ca. 25 m x 15 m großes Verteilerbecken.

Verlängerung nach Osten bis zur „Platte“

Da das aus dem Stecklebächle beigeführte Wasser nicht ausreichte, um beide Bergbaugebiete versorgen zu können, wurde der Kanal zur Beiführung größerer Wassermengen über die Güter des Klosters St. Peter bis zum Zweribach im Gewann „Platte“ nach Osten verlängert. Dadurch wurde die Gesamtstrecke auf insgesamt 15 km verdoppelt.

Diese Baumaßnahme wurde durch die Urgrabenurkunde von 1284 genehmigt. Die Froner, drei wohlhabende Freiburger Bürger (Turner, Enderlin und Wolleb) sowie ein Meiser Conrat Rotermellin, erhielten dadurch das Recht, das Wasser vom Gebiet des Klosters St. Peter zu nutzen und über das Gebiet des Klosters zu leiten.

Erste Bauphase
(um 1265)

Stecklebächle bis Luser

Ältester Abschnitt

Versorgung der Bergwerke in Oberglottertal über das Badbächle, einem rechten (nördlichen) Zulauf der Glotter

Verlängerung nach Westen

Luser bis Suggental

Versorgung der Bergwerke im Suggental
über ein Verteilerbecken am Luser (25 m x 15 m)

Technische Besonderheit:

Querung Wasserscheide Glotter/Elz am Plateau unterhalb des Lusers

Verlängerung nach Osten

Platte bis Stecklebächle

Beiführung weiterer Wassermengen zur Abdeckung des höheren Wasserbedarfs durch Mitversorgung des Suggentals

Technische Besonderheit:

Querung Wasserscheide Glotter/Wilde Gutach am Gschwinghof

Urgrabenurkunde (1284)

Der Bau der Verlängerung des Wassergrabens nach Osten, also durch die Güter des Klosters St. Peter, wurde im Mai 1284 von Graf Egino von Freiburg genehmigt. Für 17 Mark Silber Freiburger Gewichtes wurde den genannten Fronern das Recht an diesem Wasser verliehen.

Anmerkung: Graf Egino war sowohl Vogt des Klosters St. Peter und somit für die weltlichen Belange des Klosters zuständig, als auch Besitzer der Bergwerke im Glottertal und somit durchaus an einem erfolgreichen Abbau interessiert.

Die Genehmigungsurkunde (umgangssprachlich als „Urgrabenurkunde“ bekannt) ist heute noch erhalten und wird im Generallandesarchiv in Karlsruhe aufbewahrt. Im Gegensatz zu allen anderen Wuhren im Schwarzwald ist das Alter des Suggentaler Wuhrgrabens dank dieser Quelle genau bekannt.

Direkte Abschrift der Urgrabenurkunde

Wir Grave Egen von Friburg kunden allen die disen brief sehint oder horint lesen / das wir haben erloubit Burchart dem Turner / Heinrich Wolleben / Cunrat Ederlin / meister Cunrat Rotermellin / un allen iren gesellen ze den silberbergen ze sukendal / un ze des herzogen berge / un allen die die selben berge buwent / un iren erben / das si einen graben mit wasser ze dem selben berge vuren uber des gottishus gut von sante peter / un über ellu die gut da wir vogit ube sin / un da wir gewaltig sin / nah ir willen / un alse vil so si bedurfen / un her uber ze einem urkunde so geben wir in disen mit unserm ingesigel besigelt. Un geschach dis ding / un wart diese brief gegeben do man zalte von gottis geburte zwelf hundirt / ahzig / un vier jar / an dem nehisten zistage nah sante Walpurge tage.

Übersetzung

Wir, Graf Egon von Freiburg, verkünden allen, die diesen Brief sehend oder hörend lesen, daß wir haben erlaubt Burkart dem Turner, Heinrich Wolleben, Conrat Ederlin, Meister Conrat Rotermellin und allen ihren Gesellen (= Mitgewerken) von den Silberbergen in Suggental und am Herzogenberg, und allen, die in diesen Bergwerken arbeiten und ihren Erben, dass sie nach ihrem Willen einen Wassergraben zu diesen Bergen bauen dürfen (und zwar) von den Gütern des Klosters St. Peter und über alle Güter, über die wir als Vogt verfügen dürfen.

Diese Urkunde haben wir mit unserem Siegel besiegelt und übergeben, als man zählte von Gottes Geburt zwölf Hundert achtzig und vier Jahr an dem nächsten Dienstag nach Sankt Walpurgis Tag (2. Mai 1284).

Anmerkung: Das Glottertal wird in der Urkunde zwar nicht explizit genannt, doch ist der Eichberg im Glottertal mit dem herzogenberg zu identifizieren.

Warum der Wassergraben errichtet wurde, wird nicht weiter ausgeführt. Es wird nur die uneingeschränkte Nutzung und somit indirekt der dringende Bedarf erwähnt. Nun wissen wir von jüngeren Bergwerken, dass derartige Hangkanäle aus einem einzigen Grund errichtet wurden: um eine Wasserhebeanlage zu errichten.

Wasserkünste

Eine Wasserkunst ist eine Maschine, die mit Hilfe von Wasserkraft Wasser hebt. In diesem Falle diente sie zum Sümpfen, d.h. Trockenlegen der unter der Talsohle befindlichen Gruben.

Die Konstruktion bestand (mutmaßlich) aus einem großen Wasserrad, das ein Hebewerk mit Kannen antrieb. Bis 1430 ist keine andere Technik im Bergbau bekannt. Nur im optimalen Fall dürfte der Urgraben ausreichend Wasser zu den Bergwerken geleitet haben. In trockenen Sommern und harten Wintern wird gar kein Wasser geflossen sein. Wir wissen auch nicht, aus welcher Tiefe das Wasser gehoben wurde. Realistisch sollte ein Wert von etwa 30–40 m sein. Wahrscheinlich hat man die Wasserhebeanlage nur periodisch, tage- bis wochenweise, betrieben.

Im Suggental gab es einst offenbar zwei Wasserkünste.

Obere Wasserkunst

Unterhalb des Oberen Adamshofes befand sich eine Staumauer, deren Reste in den 1950er Jahren abgetragen wurden. Auf der Südseite des Tales führte noch Ende des 20. Jahrhunderts ein kleiner Wasserlauf Wasser zu einem ehemaligen Teich, der heute als Gemüsegarten genutzt wird. Unterhalb des Teiches vermutet man den Hauptstollen. Über diesem Stollen muss sich ein Kunstrad befunden haben, welches mit dem herbeigeschafften Wasser das darunterliegende Bergwerk sümpfte. Ein Becken unterhalb des Lusers, ca. 500 m vor dem Stollen, diente zur Ableitung des Wassers zum Herzogenberg.

Untere Wasserkunst

Das Suggental wird von zwei sich rechtwinklig schneidenden Erzgängen durchzogen. Der eine Gang verläuft parallel zum Talbach, der andere vom Hornbühl zum Wisserhof im Glottertal. Genau im Schnittpunkt beider Gänge befand sich der Hauptstollen und der Hauptschacht, über dem die zweite Wasserkunst (nach v. Carato) errichtet wurde. Spätestens 1284 waren die Erzgänge oberhalb der Talsohle weitgehend ausgebeutet. Unterhalb der Talsohle befanden sich noch reiche Erzmittel. Doch konnte diese mit den herkömmlichen Mitteln nicht erreicht werden. Aus diesem Grunde wurde der Urgraben gebaut. Mit Hilfe der Wasserkunst konnten demnach die Grubengebäude beider Erzgänge gesümpft werden.

Spuren dieser Anlagen sind heute zwar nicht mehr vorhanden, doch hat sie der vörderösterreichische Bergbausachverständige von Carato noch Ende des 18. Jahrhunderts im Suggental gesehen (zumindest Spuren der unteren Anlage) und 1786 davon berichtet.

„Der Kanal aber ist nicht allein wegen der Schmelzhütte sondern wegen einer Wasser Hebungsmaschine, und villeicht wegen der damalen schon in Übung gewesenen Mühle zum Erzmahlen gemacht worden. Dass aber eine Wasserhebungsmaschine eingerichtet gewesen, und zwar vor dem Josephi Stollner mündloch, in dem also mit Nr 43 bezeichneten Schacht /: welcher Nr zugleich das Stolln mündloch anzeiget :/ daran kan man nicht zweifeln, weil man noch zum Theil die aus dem lebendigen Felsen gehaute Radstube siehet.“

Mundloch des St. Josephi-Stollen an der Talstraße NE des Vogelsanghofs im September 2025. Das Mundloch liegt direkt am Talbach, ca. 2 m unterhalb der Bachsohle.

Ehem. Standort der Wasserkunst am St. Josephi-Stollen gemäß Infostele vor Ort (September 2025). Das Mundloch des Josephi-Stollen befindet sich ca. 50 m „rechts“ hinter der Straßenkurve.

Ein weiterer, indirekter Hinweis auf den Bau einer Wasserkunst ist der in der Urkunde benannte Conrat Rotermellin („Conrad Rothermel“), der als Erbauer der hiesigen Wasserkunst gilt. Interessanterweise gibt es noch weitere Personen mit dem Namen Rothermel (Heinrich und Hans Rothermel), die im Wasserbau ungewöhnliches geleistet haben.

Die Sage vom Suggental

Der mittelalterliche Bergbau in Suggental und Glottertal fand nur wenige Jahre nach Fertigstellung des (kompletten) Urgrabens ein baldiges Ende.

Dieses Ende wird in der Sage vom Suggental beschrieben. Die Sage geht auf zwei unterschiedliche historische Ereignisse zurück, ein Unwetter um 1288 und eine kriegerische Auseinandersetzung um 1297.

Die Sage von Suggental

Das Suggental hieß einst Reichenthal. Reiche Bodenschätze lagern im Innern seiner Berge. Der große Reichtum machte viele Bergleute übermütig und hoffärtig. Auf dem Schloss wurde die Hochzeit der Gräfin auf’s Üppigste gefeiert.

Gottes Strafgericht brachte ein schreckliches Gewitter über das Tal. Alles fiel den Wasserfluten zum Opfer. Nur ein kleines Knäblein wiegte sich in Sicherheit dank einer Katze auf den Dolden einer Eiche.

Hochzeitstanz im Suggental

… voll Übermut tanzten sie in ausgehöhlten Weißbroten. Der Versgesang des Pfarrers wurde mißachtet. Verschwendungssucht und Laster führten zum Untergang. Einst Reichenthal, dann Sunkental, heute Suggental genannt.

Infotafel zur Suggental-Sage am Parkplatz gegenüber der Kirche in Suggental (September 2025)

Sage vom Untergang des Suggentales

Im Suggental mit seinen reichen Silbergruben stand im Mittelalter ein prächtiges Schloss. Viele junge Männer warben um die Gunst der schönen Prinzessin. Aber sie wollte nur denjenigen zum Mann nehmen, der ihr einen gläsernen Weiher anlegte. Schließlich gelang es einem Bergmann, einen Wasserkanal von der Platte auf dem Kandel bis zum Schloss zu bauen und füllte mit dem Wasser einen Weiher aus Glas. Die glückliche Prinzessin heiratete ihn. Das rauschende Hochzeitsfest endete jedoch im Übermut: So nahmen die Gäste ausgehöhlte Brotlaiber als Tanzschuhe! Zufällig kam ein Pfarrer am Schloss vorbei. Anstatt sich niederzuknien, wie es sich damals gehörte, verspottete ihn die Prinzessin. Sogleich brach ein schreckliches Unwetter über das Dorf herein. Fast alle Gebäude außer der Kirche wurden weggerissen, sämtliche Gruben zerstört. Nur ein alter Mann und ein Kind, dessen Wiege von einer Katze im Gleichgewicht gehalten wurde, überlebten.

Ausführliche Version der Sage

In diesem Grunde befanden sich vor Zeiten viele reiche Silbergruben, worin bei fünfzehnhundert Bergleute arbeiteten; er war so voll Häuser, daß die Katzen von der Elz bis zum obersten Hof im Thal auf den Dachfirsten spazieren konnten, und auf der heutigen Schloßmatte stand ein stattliches Grafenschloß. Darin, wie auch in dem ganzen Orte herrschte großer Reichthum, zugleich aber ungemeine Hoffart und Ueppigkeit. Die Gräfin hatte eine einzige, wunderschöne Tochter, um die sich viele reiche und vornehme Herren bewarben, allein dieselbe wollte nur Demjenigen ihre Hand reichen, welcher im Schloß einen gläsernen Weiher mit lebendigem Wasser anlegen würde, so daß sie von ihrem Bette aus die Fische darin umherschwimmen sehen könne. So schwer diese Bedingung auch zu erfüllen war, so ließ doch der Oberhauptmann der Bergleute, der in die junge Gräfin verliebt war, sich nicht davon abschrecken, sondern führte mit unsäglicher Mühe eine drei Stunden lange Wasserleitung (deren Ueberbleibsel noch jetzt der Mauerweg heißen) von der Platte bis zum Schlosse, woselbst er den Weiher, das Bett desselben aus gegossenem Glase, ganz nach des Fräuleins Verlangen, endlich glücklich zu Stande brachte.

Auf Dieses schenkte die geschmeichelte Gräfin ihm wirklich ihre Hand; die Hochzeit ward im Schloß und ganzen Ort auf’s Ueppigste gefeiert und endlich der Uebermuth dabei so groß, daß die Gäste das Weiche im Weißbrod herausschnitten und in den hohlen Krusten, als wären es Schuhe, herumtanzten. Während dessen ging der Pfarrer mit dem Hochwürdigsten am Schlosse, vorüber zu einem Kranken in der Nachbarschaft und der voranwandelnde Meßner schellte dabei nach üblicher Weise. Da wollten zwar Einige mit dem Tanz einhalten und niederknieen, aber die Gräfin rief ihnen zu: Was fragt ihr nach der Schelle! Jede meiner Kühe hat auch eine solche am Halse!“ und nun ging es auf’s Neue fort mit Spielen, Lärmen und Tanzen.

Auf dem obersten Thalhof bei dem Kranken, der ein frommer christlicher alter Mann war, angekommen, versah ihn der Pfarrer mit den heiligen Sakramenten und entfernte sich darauf wieder in Begleitung des Meßners. Nicht lange darnach schickte der Alte seinen sechzehnjährigen Sohn, welcher allein bei ihm war, an das Fenster, um nachzusehen, ob am Himmel keine Wolke sei? Die Antwort lautete, es komme ein Wölkchen, doch nicht größer als ein Hut, über dem Schwarzenberg. Noch zweimal mußte der Sohn nach der Wolke schauen; das erste Mal hinterbrachte derselbe, sie sei bereits so groß wie eine Badewanne, und das zweite Mal, jetzt habe sie die Größe eines Scheuerthores. Da befahl ihm sein Vater, ihn geschwind auf den Luserberg zu tragen, so wie auch ihre besten Habseligkeiten hinauf zu flüchten, denn Gottes Gericht breche jetzt über das Thal herein.

Nachdem sie oben auf dem Berge angelangt waren, setzten sie sich nieder und sahen zu, wie das kohlschwarze Gewitter, welches sich inzwischen über dem Thale zusammengezogen hatte, nun mit schrecklichen Blitzen und Donnerschlägen und einem ungeheuren Wolkenbruche sich entlud. Alle Gebäude im ganzen Thale, die Kirche und den obersten Hof, der dem Kranken gehörte, ausgenommen, wurden vom Wasser weggerissen, sämmtliche Bergwerke zerstört und von der ganzen Einwohnerschaft nur der alte Mann mit seinem Sohne und ein kleines Kind am Leben erhalten. Dieses Kind, ein Knäblein, schwamm in seiner Wiege mitten in der Fluth und bei ihm befand sich eine Katze. So oft die Wiege auf eine Seite sich neigte, spang die Katze auf die entgegengesetzte und brachte sie so stets wieder in das Gleichgewicht. Auf diese Weise gelangte die Wiege glücklich bis unterhalb Buchholz, wo sie im Dold (Wipfel) einer hohen Eiche hängen blieb. Als der Baum wieder zugänglich geworden, holte man die Wiege herunter und fand Kind und Katze lebend und unverletzt darin. Da Niemand wußte, wer des Knäbleins Eltern gewesen, so benannte man dasselbe nach dem Wipfel des Baumes: Dold, und dieser Name wird von seinen Abkömmlingen noch heute geführt. Nachdem das Wasser aus dem Thale sich wieder verlaufen hatte, fanden die Leute der benachbarten Gegend eine Menge Leichen, die sie zum Theile noch erkannten; auch stifteten sie für die Umgekommenen viele Seelenmessen. An der Kirche hatte das Wasser ein Zeichen seiner Höhe hinterlassen, das auf keinerlei Weise mehr weggebracht werden konnte. Der ganze Grund, welcher bisher Reichenthal geheißen, erhielt nun den Namen Sunkenthal, woraus in der Folge Suckenthal geworden.

Datenquelle: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins („Schau-ins-Land“‘), 101. Jahresheft, Seite 110 – 122, 1982

Ältere Fassungen

Von dieser Sage liegen zwei ältere Fassungen vor, die eben beschriebene von Bernhard Baader und eine weitere von Julius Leichtlin. Sie stimmen in den Grundzügen im wesentlichen miteinander überein. Allem Anschein nach gehen sie auf die gleiche Quelle zurück, nämlich auf eine Handschrift, die aus dem Nachlaß von Joseph Bader in das Generallandesarchiv Karlsruhe gelangt ist. Das Deckblatt trägt den Titel: „Beschreibung von dem Sukenthaler Bergwerk“. In einem Vorbericht auf Folio 3 steht zu lesen: „Das größte und reichste Bergwerk von Kupfer, Silber, Bley, in dem Breisgau ist erfunden worden Anno 1092, wie ich es von einer alten Beschreibung von Wort zu Wort durch einen erfahreren Schreiber habe abschreiben lassen, und in ein Buch verfasset zum Angedenken der Nachwelt: von mir Josephus Isacus Trautenbach, den 16. Februari Anno 1777. Unter dem Strich fährt Trautenbach fort: „Diese Schrift habe ich zu Hand gebracht von einem alten Bauersmann, wohnhaft auf der Blatten mit Namen Petrus Willbert, Anno 1493.“ Folio 3 folgt ein neuer Abschnitt, überschrieben „Vom Suncken oder Suckenthal.“ Auf Folio 4 erscheint sodann der Inhalt der Sage:

„ . . . bis Anno 1276 das Werk an eine Gräfliche Prizessin gefallen und ihr zu ihrem Sitz geworden. Solche hat dann in solchem Reichthum gelebet, daß sie in allen ihrer Werken über 300 Bergmann gehabt, solche so reichlich besoldet, daß ein Überfluß in allem zu sehen, sie ihr Reichenthal im Namen verändert, solches Paradiesthal genannt, endlich hat solche einen Liebhaber gefunden, so auf dem Blattengebirg gewohnet und ein Sohn des Edlen Herrn Gallartiri von Bostenheim oder Blattenheim mit Namen Albert. Dieser hat sodann, weilen diese Jungfrau alle Gebäude gerne beisammen gehabt, von dem Blattenschloß einen Kanal machen lassen, damit man Schmelzwerker und andere Werker könne in dem Paradies/hat bauen und sodann von diesem Wasser alle Werker bequem führen können Alle Freiheit ist hier in diesem Paradies/hat (unser Herrschaft ist Richterin über alles und ist sie zwar sehr frech und vergißt unsere Mutter Anna und Joseph völlig), bis endlich, da alles in bestem Flor und größtem Jubel, den 15ten May Anno 1298 durch Gottes Straf und plötzliches Ungewitter alles Volk bis auf 5 Personen zu Grund gegangen, so daß in Zeit 5 Minuten nichts mehr von dem ganzen Werk gesehen worden, auch hernach ein Gestank von dieser Fluth hinterlassen, daß eine ansteckende Krankheit viele Menschen hinweggerafft. Dieses ist die ganze Beschreibung dieses Werks, beschrieben von einem Hochfreyen Reymund Kramer.“

Folio 7 f erscheint wieder ein Titel: „Beschreibung von dem Suckenthaler Bergwerk.“ Der Inhalt der nun folgenden Seiten stellt eine Wiederholung dar, bis dann auf Folio 9 die Sage in der Fassung, wie sie Pater Abraham a Sancta Clara von Heinrich Spondanus übernommen und in seinem vierbändigen Werk „Judas der Erzschelm …“ wiedergibt. Spondanus hingegen schöpfte sein Wissen aus einer älteren Quelle, nämlich bei Cäsarius Baron1us. Dieser Kirchenhistoriker hatte in den Jahren 1588-1607 ein 12bändiges Werk herausgegeben. Er nannte es: Annales Ecclesiastici a Christo nato ad annum 1198. Raymundus setzte das Werk des Baronius fort bis zum Jahre 1565 und gab in den Jahren 1646-1677 in Rom 9 Bände heraus.

Entstehung der Sage

Die Sage zum Untergang des Suggentales wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals gedruckt. Diese Fassung geht auf das Manuskript des Isaac Trantenbach zurück, welches 1777 aufgetaucht ist. Bis zu diesem Zeitpunkt existierten nur knappe Berichte über ein Unglück im Suggental, die alle ohne Unterschied stark moralisierenden Charakter haben.

Die historischen Ereignisse: Die Sage geht auf zwei Ereignisse zurück, die miteinander verschmolzen wurden.

Gemäß einer 1292 verfassten Chronik von Johannes von Winterthur zerstörte am 14. Juli 1288 ein Unwetter das Suggental, dabei wurden 300 Personen getötet.

Anlässlich einer Fehde zwischen dem elsässischen Landvogt Tiebald von Pfirt und Graf Egino von Freiburg zerstörten im November 1297 elsässische Truppen die Silbergruben im Glottertal und in benachbarten Tälern. Damit kann auch das Suggental gemeint sein. Dieses Ereignis bedeutete das weitgehende Ende des Bergbaus in dieser Region.

In den ersten Erwähnungen im 16. Jahrhundert sind beide Ereignisse schon nicht mehr getrennt. Die Gründe für die Zerstörung der Gruben werden mangels besseren Wissens als Gottesgericht beschrieben. Als Sühne für die fehlende Ehrerbietung gegenüber einem Priester soll das Tal verwüstet worden sein (Crusius 1546, Annales suevicorum; Spondanus 1659, Annales ecclesiasticum; P. Abraham a Santa Clara 1689, Judas der Erzschelm). In diesem Sinne wird die Erzählung bis ins späte 18. Jahrhundert überliefert.

Erst mit dem Wunsch, aus der Sage Kapital zu schlagen, wurde diese stärker ausgeschmückt.

In der hier zitierten Datenquelle wird erstmals das vermeintliche Datum „15. Mai 1298“ erwähnt, für das es vorher keinerlei Hinweise gibt. Es kann kein Zufall sein, dass die ausgeschmückte Sage ein Jahr nach der Wiederaufnahme des Bergbaus im Suggental auftaucht. Die Sage spiegelt vor, das Bergwerk sei in voller Blüte versunken, ein Abbau daher noch lohnend.

Datenquelle: Haasis-Berner, Andreas: „Gold und Silber lieb‘ ich sehr…“ Die Geschichte des Bergbaus rund um den Kandel (Elz-, Glotter-, Simonswälder- und Brettenbachtal); Freiburger Online Publikationen, Institut für Ur- und Frühgeschichte.

Datenquellen zu den historischen Ereignissen
Beschreibung von einem Hochfreyen mit Namen Reymund Kramer (1493)

Endlich Anno 1211 ist in dem Reichenthal im Monat Julius von einem Bergmann Joseph Wannot an 3 Orten Spuren gefunden worden und zugleich an allen gearbeitet und vorgetrieben worden; in diesem Jahr isf der Schmelzofen bey St. Martin durch Unglück sambt allen Gebäuden verbrennt, und die Werker allgemach schwer worden, ist hernach wieder alles stehen geblieben und nimmer gearbeitet worden.

Anno 1217 hat der Römische Kaiser auf Anhalten des Grafen von Zähringen, welcher ein Schwager zum Grafen Wollheim von Kaysersburg, diese Werke dem Grafen gänzlich zu Lehen geschenkt, welcher zuerst in dem Reichenthal angefangen und in etlich Monath gleich glicklich Kupfer, und reichlich Silber gefunden ; diese 3 Gruben seynd von im selbst benennt worden, die unterste nannte er St. Anna, welche in Mitte des Thais lieget und gegen Aufgang streichet und sich in viele Trümer ergießet, doch Silber und Bley die obhand behalten. Die andere welche oben im Thal gegen die Engelsburg lieget, streichet gegen Mittag an der kleinen Seite der Engelsburg, haltet Kupfer und Silber, ist auch sehr reich, hat den Namen St. Joseph. Die 3te lieget aufwärts gegen die Linnie des Bergs strecket vom frechen Feld gegen Canalberg und ist sehr reich von Silber und Bley . . .

Anno 1218 ist nun wieder ein Schmelzofen erbauet worden an dem Elsenfluß unten in dem Reichenthal an der Bergenge und hat sich in allen drei Gruben reichlich Ausbäut gezeiget, so das der Graf wieder alle alte Ort hat aufmachen lassen und über 200 Häuer zusammen gebracht, viele Wohnhäuser in dem Reichenthal erbauet, auch zu ehren der Mutter Anna eine Kirche vor die Bergleite erbauen lassen. Ist allso in großen reichthum und großem überfluß diese Werker fortgetrieben, bis anno 1276 das Werk an eine gräfliche Prinzessin gefallen, und ihr zu ihrem Sitz geworden, solche hat dan in solchem Reichthum gelebt, daß sie in allen ihren Werken über 300 Hauer gehabt, solche so reichlich besoldet, das ein Überfluß in allem zu sehen, sie ihr Reichental im Namen verändert, solches Paradiesthal genennet; endlich hat solche einen Liebhaber gefunden, wo auf dem Blattengebürg gewohnt und ein Sohn des Edlen Herrn Gallariti von Bostenheim oder Blattenheim mit Namen Albert, dieser hat sodan, weilen diese Jungfrau alle Gebäude gerne beisammen gehabt, von dem Blattenschloß einen Kanal machen lassen und solchen bis ins Paradiesthal damit man Schmelzwerker und andere Werker kann in dem Paradiesthal bauen, und sodan von diesem Wasser alle Werker bequem führen können, und ist auch würklich schon so weit gebracht, daß Schmelz- und Bauwerk in der Ebene 30 Fuß von St. Anna Mündung und 50 von St. Joseph genant diese 2 Gruben sind so mächtig worden, daß man die größte Reichthum der Welt in Silber und Kupfer hoffet, ist auch in allem sehr glücklich ergangen, das man Häufen Erz da liegen siehet, die bis 10 Ehlen hoch aus Ungemach, weil das Schmelzen 4 Monath gehindert worden wegen dem Bauwessen.

Endlich da der neue Schmelzbau fertig gehet alles in bestem Ernst und auch mehr glücklich, alle Freyheit ist hier in diesem Paradiesthal (unser Herrschaft ist Richterin über alles und ist zwar sehr frech und vergißt unsere Mutter Anna und Joseph völlig) bis endlich da alles in bestem Flor und größtem Jubel den 15ten May Anno 1298 durch Gottes Straf und plötzliches Ungewitter alles Volk bis auf 5 Personen zu Grund gegangen, wo in Zeit von 5 Minuten nichts mehr von dem ganzen Werk gesehen worden, auch hernach ein Gestank von dieser Flut hinterlassen, das eine ansteckende Krankheit viel Menschen hinweggerafft.

Dieses ist die ganze Beschreibung dieses Werks, beschrieben von einem hochfreyen mit Namen Reymund Kramer.

Da in der Kirche angemerket, das die Versäufung Anno 1258 geschehen seye, mithin das Jahrzahl gegen dieser Beschreibung nicht übereins kommen, ist wohl die Ursach, das diese Beschreibung von alten Schriften ausgezogen worden, worinnen die Zahlen sehr unerkäntlich, folgsam nicht richtig ab Copiert waren.

Zur Erklärung. Dies Schriftstück von 1493, welches der Bergmann Trantenbach im Jahre 1777 von dem Blattenbauer Wilbertz (Plattenhof beim Zweribach, Schnar’s Hdl.) zu Handen gebracht und abschreiben ließ, ist offenbar eine umschreibende Uebersetzung von uralten Chronikaufschrieben, deren verschiedene Namensangaben durch mehrmaliges Abschreiben sehr verketzert worden.

Die ältesten Nachrichten der Schrift von 1092 und 1099 fallen in die Zeit der Uebersiedlung der Zäringer aus Schwaben nach dem Breisgau und der Stiftung des Klosters S. Peter, somit der Erbauung des herzoglichen Wohnsitzes bei dem Römerthurm auf der Höhe hinterhalb Zäringen.

Die Angabe, daß das Werk 1108 verlassen worden und öd gelegen bis 1177, fällt mit den Kämpfen zwischen Welfen und Ghibellinen und mit dem Frieden von Venedig zusammen (nach der Schlacht von Legnano), worauf Kaiser Friedrich I. wieder nach Deutschland zurückkehrte. Unter den Grafen von Kaisersburg ist wohl der Vogt der Reichsherrschaft Kaiserberg im benachbarten Elsaß zu verstehen.

Die Nachrichten von 1211 bis 1218 deuten darauf hin, daß unter Berthold V. von Zäringen der Bergbau am Kandel wieder mit Eifer betrieben worden, nachdem der Herzog vom Reichshaupte die Belehnung mit den Bergregeln erhalten. Die Oertlichkeitsbezeichnungen Reichenthal , Enge an der Elz, Blattenberg, Sulzspitz, Lauerbrunnen, Schwarzenberg u. s. w. sind noch handen; der „Kanal“ vom Blattenschloß (wird ein Berghaus gewesen sein) nach vordem Reichenthal, findet sich noch im sog. Urgraben, welcher eine (wahrscheinlich von den Römern stammende) Wasserleitung war. Vergl. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrh. XXI., 96.

Die gräfliche Princessin von 1276 bezieht sich wohl auf eine Gräfin von Freiburg; denn damals theilte sich das zäringische Erbhaus von Urach in die beiden Aeste von Freiburg und Fürstenberg. Unter dem Edelherrn Gallariti von Bostenheim dürfte ein Gualterius von Bolsenheim zu finden sein. Die Bolsenheim waren ein aus Breisach oder Neuenburg stammendes Geschlecht.

Die Katastrophe von 1258, wodurch das Suckenthal durch einen Wolkenbruch zu Grunde gieng, ist historisch nach der Chronik des Albertus Argentinensis.

Anniversarbuch St. Margarethenkirche, Waldkirch (1584)

„Am dritten Tag nach Allerheiligen wird Kapitelskonvent und die Jahrzeit gehalten für die Bergleut und die anderen Einwohner des Suggentäler Tales beiderlei Geschlechts welche bei der plötzlichen und schrecklichen Wasserüberschwemmung und dem Bergwassereinbruch erstickten als die Berge einstürzten, ihren letzten Tag kläglich beschlossen im Jahre des Herrn Tausendzweihundertachtundfünfzig.

Es gingen 150 Menschen zugrunde, die gefunden worden sind und in Buchholz begraben liegen, ohne die, welche durch das Wasser weggeschwemmt wurden und in den übereinander stürzenden Bergen geblieben sind.

Wahrheitsgehalt der Sage

Während dem Unwetter von 1288 angeblich 300 Personen zum Opfer fielen, was von Johannes von Winterthur übernommen wurde, wird ab 1584 (Anniversarbuch der St. Margarethenkirche) übereinstimmend von 150 Personen gesprochen. Erst Trantenbach spricht wieder von 300 Bergleuten, welche in diesem Tal arbeiteten. Die Ertrunkenen sollen in Buchholz begraben sein, obwohl im Mittelalter die Bergleute über eine eigene Kirche mit Friedhof verfügten. Auch wenn dieser recht klein ist, kann die Bestattung aller Toten in Buchholz nicht erklärt werden. So kann dieses Element vielleicht dahingehend interpretiert werden, dass in Buchholz im 16. Jahrhundert (oder früher) ein älterer Friedhof angeschnitten wurde, vielleicht sogar ein frühmittelalterlicher. Zwar war in der Bevölkerung das Wissen um das Unglück noch immer vorhanden. Doch erfuhr die Sage im 18. Jahrhundert erhebliche Ausschmückungen. Ziel war, den potentiellen Geldgebern vorzugaukeln, innerhalb kürzester Zeit könnten aus dem Bergwerk große Gewinne erzielt werden.

Als Beweis für das Unwetter wurde auch auf eine bemerkenswerte Verfärbung an der Kirchenwand verwiesen. Diese Marke auf Höhe der Fensterbänke soll den Wasserstand nach dem Unwetter markieren. Da ein Aufstauen bis in diese Höhe aufgrund der Topographie unmöglich ist, wird hier eine andere Deutung vorgeschlagen. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert werden die Klagen über den feuchten Untergrund der Kirche immer lauter. Dieser Missstand führte zur Zerstörung der Steinplatten, zum Verfaulen der Kirchenbücher und -bänke. Schließlich wurde die Kirche 1835/36 abgebrochen. Bei der Hochwassermarke dürfte es sich daher um eine Baunaht handeln, welche durch die in der Wand aufsteigende Feuchtigkeit zutage trat. Die heute in der Sakristei sichtbare Marke, wurde anlässlich der Restaurierung 1977, nachdem ein Fenster freigelegt wurde, auf der Grundlage der Sage nachträglich angebracht.

Die übrigen Angaben der Trantenbach’schen Quelle sind – was die topographischen Beschreibungen angeht – zum größten Teil richtig. Auch ist der Hinweis auf die Goldvorkommen am Hornbühl korrekt. Allerdings wird in einer sehr freien Weise mit den historischen Daten umgegangen. Beginnend mit dem ältesten Datum 1099, in welchem Jahr ein Schmelzwerk an der Elz gebaut worden sei. Abgesehen von der leicht erkennbaren Tatsache, dass kein Hüttenbesitzer seinen Betrieb unmittelbar an die wilde, zu Hochwassern neigende Elz gebaut hätte, macht die Jahreszahl stutzig. Sie steht in großer Nähe zur Gründung der Stadt Freiburg 1091. Möglicherweise sollte so der Eindruck erweckt werden, die Gründung der Stadt Freiburg stehe in engem Zusammenhang mit dem Bergbau im Suggental. Dieses Schmelzwerk sei 1218 abgebrannt. Jeder, der sich ein wenig mit der Breisgauer Geschichte auskennt, weiß, dass in diesem Jahr der Herrschaftswechsel von den Zähringern zu den Grafen von Freiburg stattfand. Offenbar passten Angaben zu Unruhen und Zerstörungen in jenem Jahr in das Bild der Zeit, dass Herrschaftswechsel nicht friedvoll abgehen.

Die Sage enthält zwar einen wahren Kern, bei der Ausgestaltung griff Trantenbach auch auf historische Quellen zurück, vermischte aber deutlich Dichtung und Wahrheit in unlauterer Absicht. Die Sage ist nicht als glaubwürdige Quelle für die mittelalterlichen Geschehnisse anzusehen. Zu diesem Ergebnis kamen alle, die sich mit dieser Sage wissenschaftlich beschäftigt haben.

Textquellen

Ruf, Josef (1923): Der Urgraben am Kandel. In: Rund um den Kandel, S. 50-53. Waldkircher Verlagsgesellschaft mbH, 1981.

Erdöl in Merkwiller-Pechelbronn

Erdöl in Merkwiller-Pechelbronn

Pechelbronn war der erste Ort in Europa, an dem Erdöl gewonnen wurde.

Die kommerzielle Nutzung erfolgte zwischen 1735 und 1964, in diesem Zeitraum wurden insgesamt 3,3 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Generationen von Technikern besuchten das Gebiet, um das Fördern und Raffinieren von Erdöl zu lernen. 1927 nahmen die Gebrüder Marcel und Conrad Schlumberger in Pechelbronn die erste elektrische Bohrlochvermessung vor.

Die noch heute aktive Erdpechquelle ist seit 1498 belegt und gab dem Ort den Namen: „Pech-Brunnen. Die Bewohner der Gegend gewannen geringe Mengen des Petroleums, indem sie Löcher in die Erde in der Nähe der natürlichen Quellen gruben und das Öl auf dem Wasser abschöpften. Das so gewonnene Erdöl wurde zunächst medizinisch bei Hauterkrankungen benutzt.

Im 17. und frühen 18. Jahrhundert wurden Versuche unternommen, das Petroleum kommerziell zu nutzen, die aber alle fehlschlugen. Erst die Untersuchungen von Jean-Théophile Hoeffel (1704–1781) ab 1734 erlaubten die Herstellung eines reinen Schmierstoffs, der dazu führte, dass man die Erzeugung industrialisierte hin zur Förderung des Teersands in Gruben und der Raffinierung des Petroleums.

Ab 1741 wurde die Produktion in Pechelbronn durch zwei Männer erweitert, die ihre Erfahrungen in den Asphaltminen im Val de Travers(Schweiz) gewonnen haben: Jean Damascène d’Eirinis und Louis-Pierre Auzillon de la Sablonnière.

Ab 1879 ersetzte Joseph Le Bel die Förderung von Teersand durch ein neues Verfahren, welches in Pennsylvania (Vereinigte Staaten) erprobt worden war: man bohrte die Ölschichten an und injizierte Wasser unter Druck, welches das Öl nach oben treibt. Mit geringerem Aufwand konnte man so größere Mengen von Öl gewinnen.

1899 entschloss sich die Familie Le Bel, ihr Unternehmen an die Pechelbronner Ölberbergwerke zu verkaufen, eine Gesellschaft reicher Elsässer Unternehmer. Innerhalb von 15 Jahren erhöhte die neue Firma die Förderung um 75 Prozent, 1924 gab es in der Umgebung von Pechelbronn 550 Pumpstationen, die über ein Leitungsnetz von 150 km mit der Raffinerie verbunden waren. 1911 wurden alle lokalen Produktionsgesellschaften in der Deutsche Erdöl Aktiengesellschaft (DEA) zusammengefasst.

In Pechelbronn wurde die weltweit erste großtechnische Erdölraffinerie errichtet. In den besten Zeiten waren hier 3.200 Menschen beschäftigt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Elsass-Lothringen wieder französisch, die DEA wurde enteignet und die Anlagen 1921 der neu gegründeten Pechelbronn SAEM (Bergbau Aktiengesellschaft Pechelbronn) übertragen. Für den Vertrieb wurde die Marke Antar gegründet.

Die Raffinerie wurde 1944 bombardiert und fast vollständig zerstört, nach dem Krieg aber wieder aufgebaut. Nach dem Ende der Ölförderung am 31.12.1964 wurde der Raffineriebetrieb noch bis 1970 fortgeführt. Die Gebäude und technischen Anlagen wurden in der Folgezeit rückgebaut. Das heute größtenteils brachliegende Gelände ist komplett eingezäunt und darf durch Unbefugte nicht betreten werden! Zutritt verboten. Accès interdit.

Textquelle: Wikipedia „Merkwiller-Pechelbronn“ (Januar 2025)

Die Erdpechquellen von Lampertsloch und Baechelbrunn

1745-1888: Ölförderung im Schachtbetrieb (1. Phase)

1845-1964: Ölförderung im Bohrbetrieb

1917-1954: Ölförderung im Schachtbetrieb (2. Phase)

Raffinerie Merkwiller

d‘Karichschmiermann

Les Mines d’Asphaltes, Bitumes et Lignites de Lobsann

Meilensteine

Gut zu wissen

Musée Français du Pétrole

Grube Müllenbach, BAD-Oberbeuern

Grube Müllenbach, BAD-Oberbeuern

Das westliche Stollenmundloch der Grube Müllenbach: Der Sauersboschstollen (Foto vom Januar 2023).

Die Saarberg Interplan, Gesellschaft für Rohstoff-, Energie- und Ingenieurtechnik mbH erhielt am 12. März 1973 eine Untersuchungserlaubnis zum Aufsuchen von Uran- und Thoriumerzen im Raum Baden-Baden/Gernsbach.

Im September 1973 wurden daraufhin mittels radiometrischer Messungen mehrere Anomalien in den ausstreichenden Karbonschichten des Oostroges festgestellt. Abgesehen von unbedeutenden Ausnahmen, befanden sich alle Anomalien in den karbonischen Sedimenten. Aus diesem Grunde wurden diese Schichten mit einem engmaschigen Netz radiometrischer Messpunkte und -linien überdeckt.

Der Erfolg dieser Untersuchung war die Auffindung zahlreicher Einzelanomalien und dreier größerer vererzter Bereiche bei Neuweier, Malschbach und Müllenbach. In diesen Gebieten wurden durch Bohrungen auch vererzte Horizonte gefunden, die sich an der Oberfläche nicht nachweisen ließen.

Die größte Anomalie, mit mehr als 1 Million Impulse pro Minute (ipm), wurde am Hummelsacker bei Müllenbach ermittelt.

Durch flache Bohrungen bis max. 2 m Tiefe konnten die Anomalien räumlich genauer abgegrenzt werden. Tiefere Bohrungen waren aufgrund der Lage im äußeren Quellschutzgebiet der Thermen von Baden-Baden nur sehr eingeschränkt möglich.

Die wahrscheinlichen, gewinnbaren Lagerstättenvorräte in Müllenbach betragen, bei einer Konzentration von durchschnittlich 1.200 ppm, ca. 1.500 t Uran (nach Prof. Dr. A. Wilke).

Geologie
Übersicht

Baden-Baden liegt im „Oostrog“, einer intramontanen karbonischen Senke, der in SW-NE-Richtung streicht. Im Westen wird dieser Trog vom Rheingraben begrenzt, im Osten wird er von mesozoischen Schichten bedeckt.

Der insgesamt etwa 10 km breite Oostrog wird durch den Battertsattel in zwei strukturelle Bereiche gegliedert:

  • Rotenfelser Mulde (Norden)
  • Lichtentaler Mulde (Süden)

Lithologisch sind hier sedimentäre Gesteine, Schiefer, Quarzite, Dolomite und Magmatite ausgebildet.

Der Baden-Badener Granit und die angrenzenden Alten Schiefer im Kern des Battertsattels sind intensiv miteinander verschuppt.

Aufgrund ihrer petrographischen Ähnlichkeit mit den Steiger und Weiler Schiefern der Vogesen werden die Alten Schiefer des Oostroges ins Devon gestellt.

Karbon

Die nächstjüngeren Sedimente der Trogfüllung sind karbonischen Alters (Stefan). Abgesehen von einigen kleineren Vorkommen im Bereich des Battertsattels treten sie vorwiegend am Südrand der Lichtentaler Mulde auf, wo sie den Nordschwarzwälder Granit überlagern oder an Störungen gegen diesen abgesetzt sind.

Die Sedimentfolge des Karbons ist gekennzeichnet durch die Wechsellagerung von Kohleflözen, z.T. kohligen Tonsteinen, Arkosen und Konglomeraten. Die einzelnen Schichten sind meist geringmächtig und keilen auf kurze Distanz aus. Leitbänke sind nach unserer bisherigen Kenntnis nicht ausgebildet, so dass eine weitere Untergliederung nicht möglich ist.

Das allgemeine Schichtstreichen ist 15—20 °E, das Einfallen liegt bei 25—30 °W. Innerhalb des gesamten Schichtpaketes beobachtet man zahlreiche syngenetische Rutschflächen, Schrägschichtungen und Strukturen, die auf subaquatische Gleitungen zurückzuführen sind. Im Zusammenhang mit dem Wechsel von Tonsteinen, Arkosen und Konglomeraten deuten diese Sedimentstrukturen auf einen küstennahen Sedimentationsraum hin, der stellenweise durch Deltabildungen unterbrochen wird.

Ein deutliches Bild der unruhigen Sedimentation vermittelt die geologische Aufnahme des Kirchheimerstollens. Dieser Stollen wurde von Müllenbachtal aus in nordwestlicher Richtung in den Hummelsacker vorgetrieben und erschließt auf 150 m Länge einen guten Einblick in die Sedimente des Oberkarbons, die hier wie auch an anderen Stellen erkennen lassen, dass die Schüttung aus S bis SE erfolgte (vgl. SCHNEIDER. H. 1966).

  • Die Arkosen und Tonsteine stellen also den Abtragungsschutt des Nordschwarzwälder Granits dar, eine Feststellung, die sich gelegentlich sogar ohne Schwierigkeiten im Gelände bestätigen lässt.
  • Südlich von Geroldsau führt der Granit z. B. große Orthoklas-Porphyroblasten, die als wenig zerkleinerte Bruchstücke auch in der angrenzenden Arkose zu finden sind. Auch der Geröllinhalt der Konglomerate ist mit der Annahme einer Sedimentschüttung aus südlicher Richtung in Einklang zu bringen, enthalten sie doch vorwiegend granitische Komponenten.
  • Untergeordnet treten auch Prophyrgerölle auf, die den Gangporphyren des Granitgebietes entstammen.
  • Lediglich die Herkunft der Greisengerölle, die in nicht unbedeutender Menge am Aufbau der Konglomerate beteiligt sind, ist noch unbekannt. Sie entstammen entweder den abgetragenen Hangend-Partien des Granits oder dem Gebiet, das im Südosten unter den Schichten des Buntsandsteins verdeckt ist.
Rotliegendes + Buntsandstein

Gegen das Muldeninnere zu wird das Karbon von Rotliegend-Sedimenten überdeckt, die schließlich als jüngste Bildung den Buntsandstein tragen. Der Übergang vom Karbon zum Perm erfolgte ohne Fazieswechsel, so dass die Grenze nicht immer exakt festzulegen ist.

These zur syngenetisch-sedimentärenn Entstehung (nach Maus)
Beschreibung Uranverteilung

Erst die Auffahrung des Kirchheimerstollens und später des Sauersboschstollens brachten Klarheit über die Form der Uranverteilung.

Bei den vererzten Lagen handelt es sich nicht, wie ursprünglich angenommen, um stratigraphisch exakt definierbare (Leit)Horizonte, die durch Tektonik in unterschiedliche Höhenlagen gebracht worden sind.

Radiometrische Aufnahmen und chemische Analysen ergaben das folgende Verteilungsmuster:

  • Tonsteine: schichtkonkordante Verteilung
  • Arkosen: wolkig-diffuse, schichtübergreifende Verteilung

 

 

 

 

 

 

Abb.: Geologische und radiometrische Aufnahme einer schichtgebundenen Uranvererzung im Kirchheimerstollen (verändert nach: Ertle, Kneuper & Müller 1976). Bei beiden Aufnahmen ist die Lage der Schiefer- und Sandschieferschichten mit einer roten Umrandung hervorgehoben.

Der in der Abbildung wiedergegebene Ausschnitt aus der radiometrischen Vermessung des Kirchheimer- Stollens zeigt zwischen 32 und 44 m einen relativ scharf begrenzten Vererzungshorizont, wie er in ähnlicher Art auch im gleichen Stollen von 53 bis 61 m aufgeschlossen ist.

Im Gegensatz hierzu stehen diffuse Vererzungsbereiche, die keinerlei Bindung an die Schichtung erkennen lassen und nach bisheriger Kenntnis an keiner Stelle eine Urankonzentration erreichten, die dem Maximum in den schichtgebundenen Vererzungen entspricht.

Diese im Großbereich deutlich erkennbare Verteilung des Urans lässt sich auch im Kleinbereich und sogar im Mikroskop beobachten. Wie Hauptmann (1976) feststellte, zeichnen die uranvererzten Tonsteine und tonreichen Arkosen sogar die syngenetischen Wickelstrukturen nach und geben im Mikroskop sogar eine subparallele Anordnung von Tonmineralen und Pechblende-Partikeln zu erkennen.

Hieraus kann man schließen, dass

  • diese Art der Vererzung als primär anzusehen ist,
  • während für die wolkig-diffuse Uran Verteilung eine sekundäre Genese angenommen werden muss.

Für eine sekundäre Umlagerung spricht auch folgende Beobachtung: Die Konglomerate enthalten stellenweise vererzte Gerölle, während die Matrix praktisch uranfrei ist. Die Vererzung ist dabei nicht auf eine bestimmte Art der Gerölle beschränkt, es finden sich sowohl uranimprägnierte Granit-, Greisen- und Porphyr- Gerölle. Im Hinblick auf die große Mobilität des Urans sind mehrfache Umlagerungen nicht auszuschließen, doch ist auffällig, dass die postkarbonische Tektonik als Wegsamkeit für die zirkulierenden Lösungen keinerlei erkennbaren Einfluss auf die Verteilung des Urans genommen hat.

Störungen und Klüfte sind weder vererzt noch haben sie in sichtbarer Weise zu einer Verarmung geführt. Die gelegentlich auf Kluftflächen zu beobachtenden sekundären Uranminerale sind wahrscheinlich erst Produkte jüngster Umlagerungen.

An primären Uranmineralen wurden bisher Pechblende und Coffinit beobachtet, sekundäre Uranminerale sind durch Zeunerit, Autunit, Torbernit, Heinrichit, Uranophan, Phospuranylit und ein Urankarbonat vertreten. Ein Teil des Urans scheint jedoch adsorptiv an Tonminerale gebunden zu sein oder auch als Uranyl-Humat vorzuliegen (vgl. hierzu auch die eingehenden Untersuchungen von Hauptmann 1976).

Abgesehen von den wenigen Fällen der rezenten bis subrezenten Ausblühung spärlicher sekundärer Uranminerale sind die Uranträger ohne Mikroskop nicht zu beobachten, den Tonsteinen und Arkosen ist der Urangehalt also nicht anzusehen.

Genese der Uranmineralisation

Bei der intensiven Untersuchung des Uranvorkommens bei Müllenbach wurde aus den beiden Stollenauffahrungen und zahlreichen Oberflächenaufschlüssen sowie aus einigen tausend Bohrmetern umfangreiches Datenmaterial gewonnen.

Danach ergibt sich folgendes Bild der Uranvererzung:

1: Die Vererzung ist beschränkt auf die Schichten des Karbons

Nennenswerte Anreicherungen wurden bisher weder im Granit noch in den hangenden Schichten des Rotliegenden oder des Buntsandsteins beobachtet. Die hier festgestellten Anomalien erwiesen sich stets als lokal eng begrenzt und in der Konzentration nur von mineralogischem Interesse. Möglicherweise handelt es sich hierbei um Ausfällungen aus Lösungen, die ihren Urangehalt aus den karbonischen Schichten bezogen.

2: Die Uranvererzung war ursprünglich wohl über das gesamte Vorkommen der karbonischen Sedimente verbreitet

Primäre Inhomogenitäten aufgrund unterschiedlicher Gesteinsausbildung und spätere selektive Auslaugungen im Gefolge der Erosion täuschen lokale Primär-Konzentrationen vor.

  • Diese Feststellung konnte durch Bohrungen bestätigt werden, die in Bereichen ohne Oberflächenanomalien in größerer Tiefe Uranvererzungen antrafen.
  • Da erst die Gebiete mit ausgeprägten Oberflächenanomalien nach der Tiefe zu untersucht wurden, war zunächst der Eindruck entstanden, als seien auch nur in diesen Gebieten in der Tiefe Vererzungen vorhanden.

3: Die Verteilung des Urans in den Sedimenten lässt noch keinen gesicherten Schluss auf die Herkunft des Urans zu.

Eine hydrothermale Zufuhr aus dem liegenden Granit über Klüfte ist jedoch auszuschließen.

  • Ein im Granit aufsetzender Erzgang mit Baryt, Kupferkies, Malachit und braunem Glaskopf fand in der überlagernden Arkose keine Fortsetzung.
  • Eine den Gang begleitende Störung war im Bereich des Sediments lediglich mit geringen Mengen von Brauneisen markiert. Dieser Gang zeigte zwar gelegentlich eine etwas erhöhte Strahlungsaktivität, doch war sie stets beschränkt auf das aus der Zersetzung des Kupferkieses stammende Brauneisen.

4: Über das Alter der Uranvererzung liegen noch keine gesicherten Angaben vor

Physikalische Altersbestimmungen am Uran erbrachten bisher erst Maximalwerte von 300.000 Jahren. Dieses extrem junge Alter bezieht sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf umgelagertes Uran, das tatsächliche Alter der Vererzung dürfte dem des Sediments entsprechen, also oberkarbonisch sein.

Thesen zur Urananreicherung

Die Uranvererzung erstreckt sich wolkig-diffus durch das Gestein und erschwert eine Vorratsberechnung.

Es zeigt sich jedoch, dass entlang dünner, schwarzer Tonsteinlagen Uran am häufigsten auftritt. Dagegen fehlen in der Hauptmasse des Gesteins (in den 10 m bis 20 m mächtigen Lagen aus Arkosen und Konglomeraten) ausgesprochene Erzhorizonte. Doch auch hier gibt es Urananreicherungen. Bei ihrer Entstehung spielt das Grundwasser eine wichtige Rolle.

Die grobkörnigen Arkosen und Konglomerate führen Schwefelkies (FeS2). Bei Zutritt von  sauerstoffreichem Grundwasser oxidieren die Sulfide zu Schwefelsäure, die das im Gestein dispers verteilte Uran löst und mit dem Grundwasserstrom verfrachtet. Trifft das Grundwasser auf sich ändernde Redoxbedingungen, z.B. auf kohlenhaltige Schichten, dann wird das gelöste, sechswertige Uran zur vierwertigem Uran reduziert und fällt an der „Front“ zum sauerstoffarmen Bereich aus, wo sich in den Gesteinsporen in konzentrierter Form dünne Lagen mit Uranmineralien abscheiden. Der Mechanismus einer solchen Erzanreicherung wird „Rollfront“ genannt.

Altersbestimmungen an den Uranmineralien ergaben mit 300.000 Jahren ein vergleichsweise sehr junges Alter. Daraus kann rückgeschlossen werden, dass der Rollfront-Mechanismus noch heute andauert.

Von allen genetischen Modellen scheint die von Berger & Salger (1965) formulierte Theorie am ehesten auf die Vererzung im Nordschwarzwald zuzutreffen: Die Entstehung der Urananreicherung wird folgendermaßen gedeutet:

Schichtgebundene Uranvererzung

Das in geringer Konzentration im Wasser als Uranyl- oder Uranylkomplexion in sechswertiger Form gelöste Uran kommt in ein stark reduzierendes Milieu, gekennzeichnet durch wechselnde Konzentration von Huminstoffen und kohligen pflanzlichen Resten.

Es wird zur vierwertigen Stufe reduziert.

Da diese wesentlich weniger löslich ist, fällt Uran als Hydroxyd in dem Maß aus, wie es dem pH und Eh der Lösung entspricht. Es wird mit der Tontrübe im Sedimentationsraum abgesetzt.

Änderungen im Oxidationspotential und in der Reaktion der Lösungen bewirken unterschiedliche Fällungen und können die Differenzen zwischen den einzelnen Gesteinen erklären.

Soweit also auch im Karbon des Nordschwarzwaldes noch schichtkonkordante Vererzungen vorliegen, ist ihre Entstehung wohl im zitierten Sinne anzunehmen.

Wolkig-diffuse Uranvererzung

Dies stark vereinfachte Bild muss jedoch noch insoweit modifiziert werden, als die Bereiche der wolkig-diffusen Vererzung nicht so gedeutet werden können.

Für sie müssen in jedem Fall sekundäre Umlagerungen angenommen werden.

Der Zeitpunkt dieser Umlagerungen ist nicht allgemein festzulegen; aufgrund der hohen Mobilität des Urans ist anzunehmen, dass dieser Vorgang auch heute lokal noch andauert.

Durch diese Umlagerungen entstanden neue Vererzungsbereiche mit rollfrontartigem Charakter. Sie finden sich vorwiegend in den gut durchlässigen, grauen, also reduzierten Arkosen.

Geochemische Untersuchungen durch Hauptmann (1976) konnten für diese Bereiche eine für Rollfrontvererzungen typische Korrelation von Uran und Arsen feststellen, nicht jedoch für Uran und Kupfer bzw. Vanadium, doch besteht die Aussicht, an neuen Aufschlüssen unter Tage eine derartige Verbindung noch nachzuweisen.

These zur hydrothermalen Entstehung (nach Zuther)
Beschreibung folgt

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Chronologie
1973: Prospektion auf Uran- und Thoriumerze

Die Saarberg Interplan, Gesellschaft für Rohstoff-, Energie- und Ingenieurtechnik mbH erhält am 12. März 1973 eine Untersuchungserlaubnis zum Aufsuchen von Uran- und Thoriumerzen im Raum Baden-Baden/Gernsbach.

Im September 1973 werden mittels radiometrischer Messungen mehrere Anomalien in den ausstreichenden Karbonschichten des Oostroges festgestellt. Abgesehen von unbedeutenden Ausnahmen, befinden sich alle Anomalien in den karbonischen Sedimenten.

Die größte Anomalie, mit mehr als 1 Million Impulse pro Minute (ipm), wird am Hummelsacker bei Müllenbach ermittelt.

1974: Beginn bergmännische Aufwältigung (Kirchheimerstollen)

Auf Empfehlung von Prof. Dr. Franz Kirchheimer, Präsident des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, beginnt im August 1974 die bergmännische Aufwältigung der Vererzung am Hummelsacker. Der Kirchheimerstollen am SE-Hang des Hummelsacker fährt auf 150 m Länge das Karbon querschlägig an und erschließt dabei drei größere und mehrere kleinere Vererzungen mit beachtlichen Gehalten von bis zu 1 % U3O8.

1975: Tiefere Erkundungsbohrungen

Nach der Genehmigung durch die Bergbehörde können im Sommer 1975 nun auch tiefere Erkundungsbohrungen zur Teufenuntersuchung der Vererzung niedergebracht werden. Die tiefste Bohrung (am Steufenberg) weist eine Vererzung bis in eine Teufe von 920 Meter nach.

1975: Sauersboschstollen

Am 02.07.1975 wird mit dem Sauersbosch-Stollen, am NW-Hang des Hummlesacker, ein zweiter Stollen, ca. 40 m tiefer als der Kirchheimerstollen, angesetzt.

1975: Schürfkonzession Murgtal

Gemäß Antrag vom 06. August 1975 wird die Untersuchungserlaubnis von 1973 in die Schürfkonzession Murgtal umgewandelt (befristet bis zum 31.12.1979, verlängert um fünf Jahre am 19.12.1979)

1976 | 1978: Anlage Aufhauen 2/1-1

Dezember 1976 + Frühjahr 1978:Anlage des Aufhauens 2/1-1 zwischen dem Sauersbosch- und dem Kirchheimerstollen.

1977: Einführung der Lade- und Fördertechnik

Einführung der gleislosen Lade- und Fördertechnik in den Vortrieb der Untersuchungsstrecken. Dazu mussten die teilweise zu engen Stollen nochmals nachgegossen werden.

1978: Stundung Vortrieb Aufhauen 2/1-1

Stundung des Vortriebs von Aufhauen 2/1-1 im März 1978 bei 172 m Länge, da die Stadt Baden-Baden eine weitere Haldenablagerung vor dem Stollenmundloch nicht genehmigt. Im hinteren Bereich des Stollens wird eine Klärkammer für die Grubenwässer errichtet.

1978: Laugungsversuche

Für Laugungsversuche werden im Mai 1978 insgesamt 26 t Erz aus dem Sauersbosch-Stollen entnommen.

1978 | 1979: Anlage Aufhauen 2/1-2

Juli 1978 – Februar 1979: Anlage des Aufhauens 2/1-2 vom Sauersbosch-Stollen im Einfallen der Vererzung. Installation eines Schrappers und Förderbandes.

1979: Durchschlag Aufhauen mit dem Kirchheimerstollen

Das beim Leerschrappern der Strecke angefallene Material wird im Februar 1979 im nicht fertig gestellten Aufhauen 2/1-1 eingelagert. Die bergmännischen Untertagetätigkeiten werden fortan gestundet, v.a. weil die Stadt Baden-Baden die Genehmigung zur weiteren Aufhaldung von Gesteinsmaterial im Sauersboschtal noch immer verweigert.

1979: Kündigung der Gestattungsverträge

Die Stadt Baden-Baden kündigt am 28.08.1979 alle Gestattungsverträge mit dem Begbauunternehmen.

1979: Untersuchungen Strahlenbelastung

Untersuchungen zur Strahlenbelastung der Bergleute + der Umwelt und der Beeinflussung der natürlichen Gewässer durch die Exploration und den Grubenbetrieb in Zusammenarbeit mit dem Kernforschungszentrum Karlsruhe.

Die Untertageanlagen werden fortan als „Versuchsgrube“ bezeichnet. Es werden Reihenversuche zur Erprobung von Messgeräten wie Dosimetern unter Bedingungen des Grubenbetriebs ausgeführt. Darüber hinaus finden Langzeitbeobachtungen der Grund- und Oberflächenwässer und der meteorologischen Bedingungen statt.

1980: Verlängerung Radonstollen

Im ersten Halbjahr 1980 wird der sogenannte Radonstollen um etwa 12 m verlängert, im Herbst um weitere 9 m. Der Abraum wurde im Aufhauen 2/1-1 handversetzt.

1982: Erzentnahme für Auslaugungsversuche

Die Saarberg-Interplan schlug im März 1982 ein Drei-Phasen-Programm für die weiteren Arbeiten in der Versuchsgrube vor:

  • Phase I: Weitere Exploration + Sicherung und Erweiterung der bekannten Vorräte.
  • Phase II: Versuchsbergbau zur Erprobung verschiedener Abbaumethoden + Test einer Pilot-Aufbereitungsanlage im Waldbachtal, die durch eine untertägige Rampe an die Versuchsgrube angeschlossen werden sollte. Die Aufbereitung war als Sickerlaugung in einer Laugungshalle konzipiert (Ausfällung von Yellow cake).
  • Phase III: Wirtschaftliche Gewinnung von Uranerz im Müllenbachtal.

Die Betriebspläne wurden wegen heftigen Widerstandes der Stadt und zahlreicher Umweltverbände nicht genehmigt.

1982: Drei-Phasen-Programm

Die Saarberg-Interplan schlug im März 1982 ein Drei-Phasen-Programm für die weiteren Arbeiten in der Versuchsgrube vor:

  • Phase I: Weitere Exploration + Sicherung und Erweiterung der bekannten Vorräte.
  • Phase II: Versuchsbergbau zur Erprobung verschiedener Abbaumethoden + Test einer Pilot-Aufbereitungsanlage im Waldbachtal, die durch eine untertägige Rampe an die Versuchsgrube angeschlossen werden sollte. Die Aufbereitung war als Sickerlaugung in einer Laugungshalle konzipiert (Ausfällung von Yellow cake).
  • Phase III: Wirtschaftliche Gewinnung von Uranerz im Müllenbachtal.

Die Betriebspläne wurden wegen heftigen Widerstandes der Stadt und zahlreicher Umweltverbände nicht genehmigt.

1985: Vorläufige Betriebseinstellung

Im Juli 1985 schlägt die die Interuran, die Nachfolgegesellschaft der Saarberg-Interplan, die vorläufige Einstellung des Betriebes vor. Ein Abschlussbetriebsplan sollte sicherstellen, dass von den Grubenbauen und Halden keine Gefährdung ausgeht.

  • Am Sauersboschstollen werden Haldenteile > 350 mrem/a in den Stollen transportiert. Die Trafostation, die Baustellenwagen und Material für den grubenbetrieb werden entfernt.
  • Am Kirchheimerstollen wird das oberflächliche haldenmaterial > 400 mrem/a entfernt und in den Stollen eingelagert.
  • Die Haldenflächen werden anschließend mit Mutterboden angedeckt und eingesät.
  • Aus der Grube werden noch die verwendbaren Maschinen und Geräte sowie elektrische Anschlüsse und Pumpen demontiert. Grubenausbau, Klärbecken und Sprengstofflager blieben für eine eventuelle Wiederbenutzung erhalten. Die Mundlöcher beider Stollen werden abschließend doppelt vermauert.
1985 bis 1988: Rekultivierung

Mai 1985 bis Januar 1988: Rekultivierung

Zwischen Mai 1985 und Januar 1988 werden die Flächen rekultiviert. Die Grube wird im Februar 1988 durch die Bergbehörde aus der Bergaufsicht entlassen.

Textquellen

Steen, H.: Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald. 488 S., Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 2004.

Das östliche Stollenmundloch der Grube Müllenbach: Der Kirchheimerstollen (Foto vom Januar 2023).

Grube Schauinsland, Oberried

Grube Schauinsland, Oberried

Mit der Lorenbahn im Arbeitseinsatz. © Forschergruppe Steiber

Überblick & Geschichte

Das heutige Breisgau mit dem Zentrum Freiburg, im Rheintal klimatisch begünstigt, war schon immer ein bevorzugtes Siedlungsgebiet verschiedener Kulturen. Archäologische Funde weisen steinzeitliche, keltische, römische und alemannische Siedlungen nach. Für die Vorbergzone z.B. in Badenweiler, Sulzburg, nicht jedoch für das Schauinslandgebiet, ist römischer Bergbau nachgewiesen. Die Rodung der Wälder und langsame Besiedelung der Schwarzwaldberge begann erst vor rund 1.000 Jahren aus den Tälern heraus. Im Mittelalter war dafür der wesentliche Grund die Suche nach Edelmetallen. Silber (Gold wurde in Mitteleuropa kaum gefunden) war im Mittelalter Grundlage des sich entwickelnden Geldwesens und wegen seiner Knappheit begehrt und teuer. Es war durchaus in seiner Kaufkraft dem heutigen Goldpreis vergleichbar.

Über die Anfänge des Bergbaus am Schauinsland um das 13. Jahrhundert ist bisher nicht viel bekannt, denn übertägige Spuren des oberflächennahen Bergbaus aus der Anfangsphase macht die durch Höhenlage und strenge Winter verstärkte Erosion bald unkenntlich. Bereits im 14. Jahrhundert besaß der Bergbau im Schauinsland jedoch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für die Region und war lange Zeit wesentlicher Silberlieferant der Freiburger Münze. Deshalb trafen sich im Juni 1372 einflussreiche Bergwerksbetreiber aus dem Breisgau auf dem Schauinsland bei der Grube Dieselmuth (ungefähr beim Hotel Halde gelegen), um strittige rechtliche Fragen mit Graf Egon IV. von Freiburg zu klären. Das daraus entstandene, bald 750 Jahre alte Dieselmuth-Bergweistum, ist das älteste in deutscher Sprache bekannte Bergrecht.

Ungewöhnlich sind auch die beiden Glasfenster mit Bergbaudarstellungen im Freiburger Münster, gestiftet von damaligen am Schauinsland erfolgreich tätigen Bergwerksbetreibern (Fronern). Das Münster ist die einzige im Mittelalter begonnene und auch fertiggestellte gotische Großkirche in Deutschland. Sitz eines Bischofs wurde Freiburg erst 1821. Das zeigt die nach der Stadtgründung 1120 rasch erreichte wirtschaftliche Blüte und den Wohlstand einer Stadt mit damals nur 5.000 Einwohnern, möglich geworden durch die erfolgreiche Symbiose von Handel und Silberbergbau.

Die drei charakteristischen Bergbauperioden am Schauinsland
Mittelalterlicher Bergbau

Der mittelalterliche Bergbau des 13. bis 15. Jahrhunderts galt überwiegend dem Silber. In dieser ersten Periode erreichte der Bergbau am Schauinsland seine größte Blüte. Der anfängliche Bergbau wurde durch den höheren Silbergehalt in den oberflächennahen Bereichen der Erzgänge (Zementationszone) begünstigt. Probleme mit Grubenwässern traten noch kaum auf und das Gestein war nicht so hart. Mit dem Vordringen in die Tiefe erfolgte gezwungenermaßen der Übergang vom Tagebau zum aufwändigeren Stollen- und Schachtbau.

Zahlreiche Bergwerke unter verschiedenen Betreibern und in Konkurrenz stehend, beschäftigten damals Hunderte von Bergleuten. Trotz des mühsamen händischen Herausmeißelns der Stollen entstand bereits im Mittelalter ein Stollensystem mit ca. 10 km Länge im Schauinsland. Teilweise wurden die oberen 200 m der Erzgänge abgebaut und fast die 1.000 m Höhenlinie erreicht, auf welcher Ende des 19. Jahrhunderts die Kapplersohle aufgefahren wurde.

Bis Ende des 18. Jahrhundert wurden die Erze vor Ort am Schauinsland aufbereitet und verhüttet. Als Antriebsmedium für die Pochanlagen diente Wasser. Heizmaterial für die Schmelzöfen und Reduktionsmittel war aus Holz gewonnene Holzkohle.

Neuzeitlicher Bergbau

Beim neuzeitlichen Bergbau des 16. bis 18. Jahrhundert wurde in beträchtlichem Umfang neben dem Silber auch das Blei mitgenutzt, welches im Bauwesen, für Glasuren und militärisch bei den mit Schießpulver betriebenen neuen Kanonen als Kugeln verwendet wurde.

Aufgrund des vollständigen Abbaus der reichen, oberflächennahen Erzgänge und des Verfalls des einst hohen Silberpreises durch die großen Edelmetallmengen aus Mittel- und Südamerika verschlechterten sich die wirtschaftlichen Bedingungen für den Bergbau am Schauinsland. Für andere Bergbaureviere im Schwarzwald war damals wegen fehlender Wettbewerbsfähigkeit bereits das Ende gekommen. Im Schauinsland konnte jedoch aufgrund seines Erzpotenzials mit geringeren Erträgen weiter abgebaut werden.

Ab etwa 1620 wurde unter Verwendung von Schwarzpulver mit handgebohrten Sprenglöchern untertage gesprengt und damit die Leistungsfähigkeit enorm erhöht. Schwarzpulver, der erste Sprengstoff überhaupt, wurde 1355 für Europa von dem Franziskanermönch Berthold Schwarz in Freiburg erfunden.

Moderner Bergbau

Der moderne Bergbau ab Ende des 19. Jahrhunderts nutzte erstmalig alle drei in der Lagerstätte vorkommenden Metalle Silber, Blei und Zink. Zink ist ein Metall, welches erst durch die Industrialisierung nachgefragt wurde. Aus Kupfer und Zink entsteht Messing, heute der Kontaktwerkstoff der Elektrotechnik.

1889 begann mit der Auffahrung des Kappler-Stollens durch die Gewerkschaft Schwarzwälder Erzbergwerke/Köln eine neue Epoche am Schauinsland. Unter dieser Bergbaugesellschaft wurden alle Aktivitäten am Schauinsland zusammengefasst, eine nassmechanische Aufbereitung zur Trennung der Erze vom tauben Gestein am Ausgang des Kapplertals errichtet und diese mit einer 5,3 km langen Materialseilbahn an die Grube angebunden. Durch Wasserkraft des Reichenbachs angetriebene Kompressoren erzeugten Druckluft zum Antrieb der Bohrhämmer und gesprengt wurde mit Dynamit, einem modernen, sehr leistungsfähigen Sprengstoff.

Nach zwei Gesellschaftswechseln und 5-jähriger Betriebsunterbrechung übernahm 1935 die Stolberger Zink AG/Aachen als letzte aktive Bergbaugesellschaft den Grubenbetrieb am Schauinsland und modernisierte ihn nachhaltig. Wesentliche Neuerung war der Umbau der Aufbereitung in eine Flotation. Somit wurde nicht mehr nach Dichteunterschieden selektiert, sondern nach verschiedenen Oberflächenbenetzbarkeiten, einem viel trennschärferen Verfahren. Damit stand erstmalig ein der Lagerstätte angemessenes Aufbereitungsverfahren zur Verfügung.

In den beiden Weltkriegen musste Raubbau mit höchstmöglicher Förderung betrieben werden, unter totalem Verzicht auf weitere Aus- und Vorrichtung der Lagerstätte.

Der Tiefbau erreichte 1952 mit der 9. Sohle auf +358 m Höhe über NN den tiefsten Punkt der Grube Schauinsland und damit einen Teufenaufschluss von 900 m. Die Ergebnisse enttäuschten jedoch. Die Verschlechterung der Erzgänge zur Teufe, deutlich gestiegene Lohnkosten und eine langanhaltende Baisse an den Metallmärkten machten die Grubenschließung zum 31. Oktober 1954 unvermeidlich. Da zukünftige Bergbauaktivitäten im Schauinsland ausgeschlossen wurden, erfolgte eine vollständige Demontage aller unter- und übertägigen Einrichtungen einschließlich der Aufbereitung. Nur das Wasserkraftwerk an der Brugga im Oberrieder Tal (insgesamt 620 kW) lieferte nun seinen Strom in das öffentliche Netz und wurde 1969 an einen privaten Betreiber verkauft.

1970 kaufte die damals selbstständige Gemeinde Kappel das Bergwerkseigentum von der Stolberger Zink AG, welches mit der Eingemeindung 1974 zur Stadt Freiburg kam. Für das Museums-Bergwerk Schauinsland hat Berthold Steiber einen Gestattungsvertrag mit der Stadt Freiburg bis 2049.

Grubenriss Bergwerk Schauinsland. © Forschergruppe Steiber

Grube Schauinsland

Der Bergbau am Schauinsland weist eine 800-jährige Tradition auf und bot früher vielen Bergleuten aus Kappel, Oberried, Hofsgrund und Umgebung die Lebensgrundlage. Ende Oktober 1954 mußte die zuletzt tätige Bergbaugesellschaft Stolberger Zink AG/Aachen aus wirtschaftlichen Gründen die Grube Schauinsland schließen. Dabei wurden alle unter- und übertägigen Einrichtungen demontiert.

Durchschnittlich arbeiteten im 20. Jahrhundert in der Grube Schauisland etwa 250 Bergleute. In diesem Jahrhundert bauten sie als Erz eisenreiche und deshalb schwarze, silberarme Zinkblende (Sphalerit, ZnS) und silberhellen Bleiglanz ab (Galenit, PbS) mit einem Silbergehalt von ca. 0,1%. Im 20. Jahrhundert wurden insgesamt ca. 1,2 Millionen Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Gehalt von 5,7% Zink, 1,0% Blei und 0,001% Silber gewonnen. Dieses entspricht in heutigen Preisen (Stand 2011) einer Wertschöpfung von etwa 200 Millionen Euro. Trotz des, mit Unterbrechungen über 800 Jahre andauernden Bergbaus, ist der Schauinsland heute noch die größte Blei-Zink-Silber-Lagerstätte des Schwarzwaldes und der Vogesen. Die Erzvorräte sind etwa zu Dreiviertel abgebaut worden.

Bedeutende Stollen und Schächte in der Grube Schauinsland
Übersicht

In der Grube Schauinsland erschließen Stollen die damals 12 zumindest partiell abbauwürdigen, im Bereich des Schauinsland Gipfels gelegenen, hydrothermalen steilstehenden Erzgänge. Die bedeutendsten Stollen (Mundlochhöhen in m über NN) auf der nördlichen Kappler Seite sind folgende Stollen:

  • Tiefe Stollen (+443 m)
  • Leopoldstollen (+836 m)
  • Kapplerstollen (+981 m), der sog „Hebammenstollen“ und
  • Barbarastollen (+560 m), heute Zentraler Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland

und auf der südlichen Hofsgrunder Seite

  • Hofsgrunder-Stollen (+998 m), mit Kappler-Stollen verbunden, und
  • Gegentrum II-Stollen (+1.189 m), der Zugang zum Museums-Bergwerk.
Kapplerstollen („Hebammenstollen“)

Der Kappler-Stollen ist heute der wohl bekannteste Stollen der Grube Schauinsland. Er wurde 1889 unter Frhr. von Roggenbach angeschlagen und war ab 1891 Hauptförderstollen der Grube Schauinsland. Über den Hofsgrunder Stollen war er mit der Südseite des Schauinslandes verbunden. Mit der Kapplersohle war die Grube Schauinsland eines der wenigen Bergwerke mit einem Stollen, der ähnlich einem Tunnel den Schauinsland vom oberen Kappler-Großtal auf der Nordseite nach Hofsgrund auf der Südseite durchquerte. Wegen der Lage der Erzgänge nimmt er jedoch nicht den direkten Weg, sondern hat einen S-förmige Verlauf.

Berühmtheit erlangte der Kappler-Stollen als Verbindung von Kappel nach Hofsgrund, die nicht nur von Bergleuten genutzt wurde. Der kürzeste Weg zwischen den damals noch selbstständigen Orten Kappel und Hofsgrund führte durch den Hebammenstollen des Schauinslandes. So hatten die Kinder der Bergleute vom der Bergbausiedlung auf der Nordseite des Schauinslands einen auch im Winter gangbaren Weg zur Schule nach Hofsgrund auf der Südseite. Dieser Fußweg durch den Kappler-Stollen dauerte etwa eine halbe Stunde Zeit und war damit deutlich schneller als der Weg über den Berg. Die Kinder mussten auf ihrem „Schulweg“ durch das Bergwerk jedoch äußerst achtsam sein, denn der Abbaubetrieb in der Grube wurden nicht unterbrochen, wenn sie durch den Stollen gingen. Zudem hatte diese wettersichere Verbindung noch einen erheblichen Nachteil: In besonders schneereichen Wintern waren die Kinder der Bergleute oft die einzigen, die in der kleinen Schule beim Mundloch des Hofsgrunder-Stollens saßen, da die Kinder der umliegenden Bauernhöfe oft von den Schneemassen eingeschlossen waren.

Der heute noch gebräuchliche Name „Hebammenstollen“ für den Kappler-Stollen rührt daher, dass eine Hebamme aus Hofsgrund diesen Stollen als Möglichkeit entdeckte, ihr Einzugsgebiet zu vergrößern. Zudem war die Geburtshelferin auf diesem Weg deutlich schneller zur Stelle, wenn ihre Dienste im Bergmannsheim und auf der Kappler Seite benötigt wurden.

Nach Silber, Blei und Zink wird heute hochwertiges Trinkwasser aus dem Kappler-Stollen gewonnen.

Leopoldstollen

Der Leopold-Stollen (rund 150 m unter der Kapplersohle gelegen) wurde ab 1903 aufgefahren und löste ab 1908 den Kappler-Stollen als Hauptförderstollen ab. Von hier führte die Materialseilbahn der Grube Schauinsland zur Erzwäscherei in Kappel.

Tiefer Stollen

Der rund 540 m unter Kapplersohle Tiefe Stollen blieb fördertechnisch ein Torso. Nur der Bereich Grubenzentrum unterhalb des Schauinslandgipfels (Mundloch Hercherhof angeschlagen 15.12.1938) konnte am 6. März 1947 mit dem Zwischenzugang beim Hercherhof und fast 5 km Länge fertiggestellt werden. Die von der Stolberger Zink kühn geplante ganze untertägige Verbindung wurde nie fertiggestellt, da ein kleines Reststück in der Verbindung Hercherhof-Erzwäscherei in Kappel/Neuhäuser fehlte. Es ist ein Trauerspiel, denn dieses fehlende kurze Stück macht nur etwa 120 m der rund 2 km langen Verbindung aus. Das legt den Schluss nahe, bereits Jahre vor der endgültigen Grubenschließung hatte die Stolberger Zink nicht mehr an eine Zukunft der Grube Schauinsland geglaubt. Die frühzeitige Inventarisierung 1952 geht ebenfalls in diese Richtung.

Zwar konnte durch das „Teilstück“ des Tiefen Stollens die Entwässerung der Grube Schauinsland ab 1947 im natürlichen Gefälle zum Hercherhof vorgenommen werden, Ausnahmen waren nur die 8. und 9. Sohle. Auch bedeutete für viele der rund 250 Bergleute die tägliche Ein- und Ausfahrt mit dem Grubenzug durch den Tiefen Stollen zum Roggenbachschacht eine Erleichterung. Ein Abwerfen der störanfälligen 5,3 km langen Materialseilbahn und eine Neustrukturierung des Haufwerk-Abtransportes durch den Tiefen Stollen zur Erzwäscherei unterblieb wegen dessen nie erfolgter Fertigstellung.

Barbarastollen

Dieser Stollen wurde 1903 unter dem Namen „Oberrieder-Stollen“ im Oberrieder Tal (+560 m) begonnen – zeitgleich mit dem Leopold-Stollen, jedoch rund 270 m tiefer gelegen. Die Auffahrungen wurden jedoch 1914 bei einer erreichten Länge von fast 1.100 m endgültig eingestellt zugunsten einer Intensivierung der Arbeiten auf der Leopoldsohle; lediglich das bereits 1912 fertiggestellte Kraftwerk Oberried wenig unterhalb blieb in Betrieb.

Heute unter dem Namen Barbara-Stollen bekannt, ist dieser Grubenbau eine weitere Besonderheit der Grube Schauinsland. Die Bundesrepublik kaufte zu Beginn der 70er Jahre die dazugehörenden Grubenfelder und ließ 1973 zwei Kammern 400 m tief im Berg anlegen. Dort werden in Edelstahlbehältern auf Mikrofilmen inzwischen über 1 Milliarde Dokumente archiviert. Dieser Zentrale Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland unterliegt seit 1978 den Regeln der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten und ist das größte Langzeitarchiv in Europa.

Im Bergwerk sind die 22 Etagen durch senkrechte Schächte verbunden. Darunter vier größere Blindschächte, die nicht zur Tagesoberfläche geführt sind (Teufe in m)

  • Roggenbach-Schacht (535 m Teufe): Kapplersohle – 7. Sohle, tiefster Blindschacht Süddeutschlands
  • Schacht II (151 m Teufe:) Leopoldsohle – 3. Sohle
  • Schacht VI (147 m Teufe): Leopoldsohle – 3. Sohle
  • Blindschacht Tiefer Stollen (100 m Teufe): 7. Sohle – 9. Sohle
Roggenbachschacht

Der bereits 1929 unter der Bergbau AG Lothringen begonnene, auf 55 m geteufte Roggenbach-Schacht mit begonnener Auffahrung der 1.Sohle, konnte nach Sümpfung ab 1935 fortgesetzt werden. Er ermöglichte im Grubenzentrum ein kostengünstiges Vordringen zur Teufe. So erschien dem damaligen Betreiber (der Stolberger Zink) ein Übergang zum forcierten Tiefbau – auf Kosten eines riskanteren weiteren Breitenaufschlusses – verlockend. 1940 erreichte er die 7.Sohle, von wo aus der neue Tiefstollen jetzt im Gegenortvortrieb in Angriff genommen wurde. 1949 wurde nach aufwendigen Vermessungen der Roggenbach-Schacht als zentraler Förderschacht der Grube Schauinsland von der Leopold- zur Kapplersohle im Gegenortbetrieb hochgebrochen. Damit ist der Roggenbach-Schacht mit 535 m der tiefste Blindschacht Süddeutschlands.

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Fördermaschinen. Beide wurden im Schauinsland eingesetzt:

  • Trommel-Fördermaschine
  • Fördermaschine mit Treibscheibe

Die Fördermaschine mit Treibscheibe wurde 1877 vom Bergingenieur Carl Friedrich Koepe erfunden und patentiert und stellte, gerade bei tieferen Schächten mit gegebenen Förderverhältnissen, eine Vereinfachung dar und fand zum Schluss auf der Kapplersohle am Roggenbach-Schacht Verwendung. Bei den anderen Blindschächten im Schauinsland wurden Trommelfördermaschinen eingesetzt.

Die Koepe-Treibscheibe im Kappler-Stollen hatte einen Durchmesser von 3 m. Das Förderseil mit 34 mm Durchmesser wurden nicht aufgetrommelt, sondern von der Fördermaschine über die Treibscheibe bewegt, und an dessen Enden hing jeweils ein 2-etagiger Förderkorb. Die elektrische Antriebsleistung betrug 170 kW/380 V, Geschwindigkeit 6 m/sec (mittlere Seilfahrtsanlage), Nutzlast 1.500 kg.

Beim Teufen des Roggenbach-Schachtes befand sich auf der Leopoldsohle dagegen eine Trommelfördermaschine der Maschinenfabrik Beien aus Herne (NRW). Zwei Trommeln mit 2,5 m Durchmesser bei 1,2 m Breite nahmen das Förderseil (Durchmesser 31 mm) auf. Die Geschwindigkeit betrug 3 m/sec, Nutzlast 1.500 kg, Teufe bis 500 m bei einer elektrischen Antriebsleistung von 118 kW/380 V.

Nach dem Einbau der Fördermaschine mit Koepe-Treibscheibe auf der Kapplersohle wurde die Trommel-Fördermaschine auf der Leopoldsohle nicht mehr benötigt und demontiert. Heute ist dort nur der leere Aufstellort mit Betonfundamenten und den bei der Demontage der Grube herausgeschlagenen Zugängen übriggeblieben.

Lagerstätte
Größte Silber-, Blei-, Zink-Lagerstätte des Schwarzwalds und der Vogesen

Die Lagerstätte gliedert sich in ein Nord- und ein Südfeld im Schauinsland und umfasst in der Gipfelregion eine Fläche von rund 3 km².

Im gut bekannten Nordfeld ging der moderne Bergbau um bis Oktober 1954 um. Diese Periode beginnt Ende des 19. Jahrhunderts durch Bergbautätigkeit des Freiherrn Carl von Roggenbach. Ihm folgten die 1890 gegründete Gewerkschaft Schwarzwälder Erzbergwerke in Köln sowie zwei weitere Bergbaugesellschaften, bis zuletzt die Stolberger Zink die Grube 1935 übernahm.

Im Südfeld dagegen, das durch eine erzleere Zone getrennt südwestlich vom Nordfeld liegt, ging nur bis zum 18. Jahrhundert der Bergbau um. Hier begann im Mittelalter der Metallerz-Bergbau, welcher der Stadt Freiburg und der Region Wohlstand brachte und den Bau des Münsters ermöglichte. Das Freiburger Münster ist die einzige gotische Großkirche in Deutschland, die noch im Mittelalter fertiggestellt wurde. Freiburg wurde erst durch den geänderten Zuschnitt der Bistümer 1821 Bischofsitz, lange nach Fertigstellung des Münsters „Unserer Lieben Frau“. Zuvor war das Münster eine reine „Stadtkirche“.

Steilstehende Erzgänge mit Zinkblende und Bleiglanz

Die beiden Haupterze Zinkblende und Bleiglanz kommen im Nordfeld in 12 steilstehenden, fast senkrechten Gangspalten vor, genannt Erzgänge. Zwei verschiedene, horizontale Streichrichtungen (Hauptgänge: Gang II, Roggenbach-Gangzone, Gang III, Gang VI, Gang VIII mit ca. 40 Grad bei einem Vollkreis von 360 Grad (SW-NO), Diagonaltrümer 0(!), 1, 2a, 2b, 3, 4, 5 mit ca. 90 Grad (N-O) gingen mit einer historisch entstandenen Nummerierung einher. Die streichende Ganglänge betrug nur wenige Hundert Meter bei einer Mächtigkeit von 0,5 bis 3 m und einem absätzigen Gangverhalten. Das Manko der geringen Streichlänge wurde bei der Roggenbach-Gangzone, welche im Schauinsland das meiste Erz brachte, durch eine vertikale Teufe von über 700 Höhenmetern mehr als ausgeglichen. Die Anhäufung von 12 Erzgängen unterhalb des Gipfels auf einer Fläche von nur einem Quadratkilometer ist ungewöhnlich. Dem haben wir das kompakte Museums-Bergwerk zu verdanken, da in den oberen Teufen nur der Bereich zwischen Gang III und VI untersucht wurde.

Leider war nie die gesamte Füllung eines Erzgangs aus Bleiglanz und Zinkblende bestehend, sondern metallerzfreie, wertlose Gangarten waren in der Mehrheit. Gangarten sind im Schauinsland-Nordfeld der bei Gangerz-Lagerstätten fast allgegenwärtige Quarz, daneben Schwerspat, Kalkspat, Dolomit. In der Regel machten die Metallerze rund ein Drittel und die Gangarten zwei Drittel der Erzgänge aus. Die saubere Trennung in die beiden Erze und die Abtrennung der Gangarten ist im modernen Bergbau Aufgabe der Aufbereitung. Früher wurde diese Trennung vor Ort durchgeführt und der Erzgang unter Inkaufnahme enger Arbeitsplätze oft nur im silberhaltigen Bleiglanzbereich abgebaut. Natürlich veränderten sich über die Zeit die Vorstellungen von Bauwürdigkeit. Einige Zentimeter Bleiglanz- und 10 cm Zinkblende-Mächtigkeit waren unter der Stolberger Zink keine schlechte Vorgabe. Die Metallerzkonzentration in Gangerz-Lagerstätten ist eine sehr gute und betrug im Schauinsland stets deutlich über 10%.

Vererzung
Zusammensetzung

Im Schauinsland kommen in den Erzen die Metalle (Elemente) Silber, Blei, Zink und Cadmium – alles Schwermetalle mit Dichten ähnlich Eisen – und bei den nichtmetallhaltigen Gangarten zusätzlich die Elemente Silicium, Barium, Calcium, Magnesium, Eisen, Kohlenstoff, Sauerstoff und Schwefel vor. Durch Kombination lassen sich zahlreiche Mineralien bilden, etwa 80 verschiedene wurden bisher für den Schauinsland nachgewiesen. Der Schauinsland ist eine sulfidische Lagerstätte, und beide Erze sind ganz einfache chemische Verbindungen, jeweils nur aus dem Metall und Schwefel bestehend. Abgebaut wurde im Firstenstoßbau, das Nebengestein ist sedimentär gebildeter Paragneis.

Der Schauinsland war in Deutschland das höchstgelegene Bergwerk, welches über längere Zeit im Abbau stand. Früher waren große Schaustufen (nicht Micromounts) aus dem Gang II oberhalb der Holzschlägermatte mit dunklem kristallinem Erz, den hellen Gangarten und Überzügen von goldfarbenem Pyrit Klassiker, die durch Kristallgröße und Farbkontrast wirkten. Während der Abbauzeit konnten kubische Bleiglanzkristalle mit Kantenlängen bis 5 cm gewonnen werden. Die wegen ihres Eisengehaltes tiefschwarze Zinkblende mit Diamantglanz erreichte Kristallgrößen bis 1 cm und war bei Sammlern begehrt. Bräunliches Wurtzit als weitere Zinkblende-Variante ist im Schauinsland selten. Verwachsungen der Erze mit Gangarten und Nebengestein führten zu Brekzien-Strukturen mit schönem Farbkontrast, insbesondere in der Roggenbach-Gangzone.

Durch zufließende Wässer werden stetige Umbildungen von eisenreicher Zinkblende ausgelöst. Aus dem Zinkerz kann sich weißes Hydrozinkit bilden und aus dem Eisenanteil brauner Limonit. Manche Gangstrecke untertage „verrostet“ bei inzwischen gut sichtbaren weißen Hydrozinkitüberzügen. In den 1920er wurde u.a. wegen des Silbergehaltes im Bleiglanz weitergearbeitet und Schaustufen in den angelsächsichen Raum gegen inflationsbeständige Devisen verkauft.

Mineralienreichtum

Eine weitere Besonderheit des Schauinslandes ist Grünbleierz (Pyromorphit), ein Bleiphosphat und als Umwandlungsprodukt aus Bleiglanz im Südfeld so häufig, dass es früher abgebaut wurde. Sein Silbergehalt ist zum Bleiglanz leicht gemindert. Wegen seiner intensiven grasgrünen Farbe hatte er wohl im Mittelalter eine Signalfunktion für die Lagerstätte. Der braune Pyromorphit (Braunbleierz) hingegen ist am Schauinsland selten. Im Nordfeld – und dort wieder in den oberen Teufen – kommt statt des Grünbleierzes Weißbleierz (Cerussit) lokal gehäuft vor. Mit seinen weißen Nadeln ist es ebenfalls eine Umbildung des Bleiglanzes. Mit Erfahrung können Sammler Erzstufen aus dem Schauinsland aufgrund deren Ausprägung durchaus einem Erzgang zuordnen. Die Grube Schauinsland dürfte heute noch weltweit mit ihren Mineralien in vielen Museen vertreten sein.

Durch den langandauernden Grubenbetrieb mit den konstant zufließenden Oberflächenwässern ist die Oxidationszone weit in den Berg hineingezogen worden und reicht heute im Gang VI über 200 Höhenmeter bis zur Kapplersohle hinab. Im Bereich der alten früheren Grundwasserhorizonte (Zementationszonen) konnten deutlich erhöhte Metallerzmengen und gediegenes Silber vorkommen, welche den Altbergbau beflügelten.

Mit „Die Mineralien und der Bergbau vom Schauinsland, Schwarzwald“ erschien von uns 1986 im Januar-März Emser-Heft ein Bergwerksportrait, welches leicht erweitert später in zwei Auflagen als Buch gedruckt wurde. Die Emser-Hefte, leider eingestellt, waren Lagerstätten im deutschsprachigen Raum gewidmet.

Herkunft

Die Frage kann doppelt gestellt werden, sowohl nach dem absoluten Alter der Erze als auch nach dem Alter der Erzgänge mit der dortigen Ablagerung der Erzmetalle im Schauinsland. Die Naturwissenschaft hat Modelle geschaffen, welche universale Gültigkeit besitzen. Die gesamte Materie setzt sich aus 92 Elementen zusammen, vom leichtesten mit der Ordnungszahl 1, dem Wasserstoff (gasförmig), bis zum Uran (Metall) mit der Ordnungszahl 92. Diese Elemente kommen in sehr unterschiedlichen Mengen vor. Ein Würfel von 1.000 m Länge, 1.000 m Breite und 1.000 m Höhe, also 1 km³, wiegt bei einer angenommenen Dichte von 2,3 kg/cm³ (welche etwa dem Gestein entspricht) 2.300.000.000 kg. Das sind 2,3 Milliarden kg, und dieser 1 km³ (etwa die Größe der Schauinsland-Lagerstätte) enthält durchschnittlich 750 kg Silber. Silber ist damit rund 20-mal häufiger als Gold und 700-mal seltener als Kupfer. In einem km³ sind des Weiteren 750.000 kg Zink und 140.000 kg Blei enthalten. Auf jeden Fall ist eine starke Anreicherung notwendig, um eine bergmännische Gewinnung wirtschaftlich zu ermöglichen. Diese Anreicherung erfolgte im Schauinsland in Erzgängen.

Blei und Zink können nicht durch Kernfusion in der Sonne erzeugt werden. Die Kernfusion findet ihr Ende beim Eisen mit der Ordnungszahl 26. Blei- und Zinkmetall sind somit älter als unser Sonnensystem. Sie stammen alle aus dem kurzzeitigen, hellen Aufleuchten eines massereichen Sterns am Ende seiner Lebenszeit durch eine gigantische Explosion, einer Supernova, welche deutlich größer als die Sonne ist. Aus deren staubförmigen Überresten, welche auch die höheren Elemente über Eisen hinaus enthielten, entstand vor 4,6 Milliarden Jahren die Erde. Die Lebensdauer der Elemente ist zwar begrenzt, sie sind jedoch äußerst langlebig. Das Alter des Weltalls seit dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren beträgt damit rund das 3-fache des Sonnensystems.

Es ist interessant, wie sich in den Geowissenschaften über die Zeit doch Vorstellungen über die Bildung von Erzgängen verändern. Die von uns mit hohem Einsatz an privater Zeit und Geld wieder zugänglich gemachten Grubenbaue mit guten Aufschlüssen bis zur Leopoldsohle führten in Kombination mit strukturgeologischen Untersuchungen zu neuen Erkenntnissen über die Lagerstättenbildungen im Südschwarzwald. So konnte nachgewiesen werden, dass die Vererzungen im Schauinsland erst im frühen Miozän erfolgten, also vor ca. 20 Millionen Jahren und somit früher als die Alpenauffaltung. Die in den Erzgängen gebundenen Metalle kamen dabei durch Laugung aus den Gneisen, und eine Wechselwirkung mit von der Oberfläche eingedrungenen Formationswässern ließ schwerlösliche Sulfide entstehen. Damit gilt die lange Zeit vertretene Lehrmeinung von z.B. Hans Schneiderhöhn, der früher an der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg den Lehrstuhl für Lagerstättenbildung innehatte und eine Koryphäe war, über die Entstehung der Erzgänge mit einer Abkühlung von Granit-Intrusionen und ihrem oberkarbonischen, also viel höherem Alter, als überholt. Ein entsprechender Granit-Pluton wurde zudem nie gefunden.

Textquellen

© Forschergruppe Steiber, Stand: Oktober 2022. Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

Baden-Baden

Baden-Baden

Die Stadt Baden-Baden verdankt ihre Existenz den Thermalquellen am Florentinerberg direkt unterhalb vom Neuen Schloss.

Die folgenden Beschreibungen erzählen die Geschichte der Thermalquellen. Ihre Entstehung und ihre historisch frühe Nutzung durch die Römer seit ca. 75 n. Chr. Heute gibt es mit dem historischen Friedrichsbad und der moderneren Caracalla-Therme zwei weit über die Region hinaus bekannte Thermalbäder.

Die Thermalquellen von Baden-Baden

In Bearbeitung

Teil 5:     Die Quellen

Besondere Orte in Baden-Baden

In der Stadt und in deren Umgebung gibt es unzählbar viele schöne Ecken.

Stadtbildprägend sind die großen Villengebiete in den Gewannen Friesenberg, Beutigwiesen, Beutigacker, Ochsenacker, Salzgraben, Am Quettig, Quettigäcker, Sonnenberg, Quettighof, Birkenbuckel und Herchenbach.

In der Innenstadt weisen ca. 1.350 Gebäude, Objekte und Flächen eine Denkmaleigenschaft oder eine Erhaltungswürdigkeit auf (Stand: 2023).

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen das Alte Schloss Hohenbaden am Battert und das Neue Schloss am Florentinerberg, das Casino, Festspielhaus und Kurhaus sowie die Trinkhalle, der Rosenneuheitengarten, das Paradies und insbesondere die Flaniermeile „Lichtentaler Allee“.

Diese Sehenswürdigkeiten sind teilweise weltbekannt und vielen Menschen geläufig.

Aber es gibt auch weniger bekannte Orte bzw. Orte, deren Besonderheiten sich erst auf den zweiten Blick offenbaren.

 

Alter Bahnhof

Rathaus-See

Büffelbad

Fortsetzung folgt…