Baden-Baden: Grube Müllenbach

Baden-Baden: Grube Müllenbach

Baden-Baden: Grube Müllenbach

Das westliche Stollenmundloch der Grube Müllenbach: Der Sauersboschstollen (Foto vom Januar 2023).

Die Saarberg Interplan, Gesellschaft für Rohstoff-, Energie- und Ingenieurtechnik mbH erhielt am 12. März 1973 eine Untersuchungserlaubnis zum Aufsuchen von Uran- und Thoriumerzen im Raum Baden-Baden/Gernsbach.

Im September 1973 wurden daraufhin mittels radiometrischer Messungen mehrere Anomalien in den ausstreichenden Karbonschichten des Oostroges festgestellt. Abgesehen von unbedeutenden Ausnahmen, befanden sich alle Anomalien in den karbonischen Sedimenten. Aus diesem Grunde wurden diese Schichten mit einem engmaschigen Netz radiometrischer Messpunkte und -linien überdeckt.

Der Erfolg dieser Untersuchung war die Auffindung zahlreicher Einzelanomalien und dreier größerer vererzter Bereiche bei Neuweier, Malschbach und Müllenbach. In diesen Gebieten wurden durch Bohrungen auch vererzte Horizonte gefunden, die sich an der Oberfläche nicht nachweisen ließen.

Die größte Anomalie, mit mehr als 1 Million Impulse pro Minute (ipm), wurde am Hummelsacker bei Müllenbach ermittelt.

Durch flache Bohrungen bis max. 2 m Tiefe konnten die Anomalien räumlich genauer abgegrenzt werden. Tiefere Bohrungen waren aufgrund der Lage im äußeren Quellschutzgebiet der Thermen von Baden-Baden nur sehr eingeschränkt möglich.

Die wahrscheinlichen, gewinnbaren Lagerstättenvorräte in Müllenbach betragen, bei einer Konzentration von durchschnittlich 1.200 ppm, ca. 1.500 t Uran (nach Prof. Dr. A. Wilke).

Geologie
Übersicht

Baden-Baden liegt im „Oostrog“, einer intramontanen karbonischen Senke, der in SW-NE-Richtung streicht. Im Westen wird dieser Trog vom Rheingraben begrenzt, im Osten wird er von mesozoischen Schichten bedeckt.

Der insgesamt etwa 10 km breite Oostrog wird durch den Battertsattel in zwei strukturelle Bereiche gegliedert:

  • Rotenfelser Mulde (Norden)
  • Lichtentaler Mulde (Süden)

Lithologisch sind hier sedimentäre Gesteine, Schiefer, Quarzite, Dolomite und Magmatite ausgebildet.

Der Baden-Badener Granit und die angrenzenden Alten Schiefer im Kern des Battertsattels sind intensiv miteinander verschuppt.

Aufgrund ihrer petrographischen Ähnlichkeit mit den Steiger und Weiler Schiefern der Vogesen werden die Alten Schiefer des Oostroges ins Devon gestellt.

Karbon

Die nächstjüngeren Sedimente der Trogfüllung sind karbonischen Alters (Stefan). Abgesehen von einigen kleineren Vorkommen im Bereich des Battertsattels treten sie vorwiegend am Südrand der Lichtentaler Mulde auf, wo sie den Nordschwarzwälder Granit überlagern oder an Störungen gegen diesen abgesetzt sind.

Die Sedimentfolge des Karbons ist gekennzeichnet durch die Wechsellagerung von Kohleflözen, z.T. kohligen Tonsteinen, Arkosen und Konglomeraten. Die einzelnen Schichten sind meist geringmächtig und keilen auf kurze Distanz aus. Leitbänke sind nach unserer bisherigen Kenntnis nicht ausgebildet, so dass eine weitere Untergliederung nicht möglich ist.

Das allgemeine Schichtstreichen ist 15—20 °E, das Einfallen liegt bei 25—30 °W. Innerhalb des gesamten Schichtpaketes beobachtet man zahlreiche syngenetische Rutschflächen, Schrägschichtungen und Strukturen, die auf subaquatische Gleitungen zurückzuführen sind. Im Zusammenhang mit dem Wechsel von Tonsteinen, Arkosen und Konglomeraten deuten diese Sedimentstrukturen auf einen küstennahen Sedimentationsraum hin, der stellenweise durch Deltabildungen unterbrochen wird.

Ein deutliches Bild der unruhigen Sedimentation vermittelt die geologische Aufnahme des Kirchheimerstollens. Dieser Stollen wurde von Müllenbachtal aus in nordwestlicher Richtung in den Hummelsacker vorgetrieben und erschließt auf 150 m Länge einen guten Einblick in die Sedimente des Oberkarbons, die hier wie auch an anderen Stellen erkennen lassen, dass die Schüttung aus S bis SE erfolgte (vgl. SCHNEIDER. H. 1966).

  • Die Arkosen und Tonsteine stellen also den Abtragungsschutt des Nordschwarzwälder Granits dar, eine Feststellung, die sich gelegentlich sogar ohne Schwierigkeiten im Gelände bestätigen lässt.
  • Südlich von Geroldsau führt der Granit z. B. große Orthoklas-Porphyroblasten, die als wenig zerkleinerte Bruchstücke auch in der angrenzenden Arkose zu finden sind. Auch der Geröllinhalt der Konglomerate ist mit der Annahme einer Sedimentschüttung aus südlicher Richtung in Einklang zu bringen, enthalten sie doch vorwiegend granitische Komponenten.
  • Untergeordnet treten auch Prophyrgerölle auf, die den Gangporphyren des Granitgebietes entstammen.
  • Lediglich die Herkunft der Greisengerölle, die in nicht unbedeutender Menge am Aufbau der Konglomerate beteiligt sind, ist noch unbekannt. Sie entstammen entweder den abgetragenen Hangend-Partien des Granits oder dem Gebiet, das im Südosten unter den Schichten des Buntsandsteins verdeckt ist.
Rotliegendes + Buntsandstein

Gegen das Muldeninnere zu wird das Karbon von Rotliegend-Sedimenten überdeckt, die schließlich als jüngste Bildung den Buntsandstein tragen. Der Übergang vom Karbon zum Perm erfolgte ohne Fazieswechsel, so dass die Grenze nicht immer exakt festzulegen ist.

These zur syngenetisch-sedimentärenn Entstehung (nach Maus)
Beschreibung Uranverteilung

Erst die Auffahrung des Kirchheimerstollens und später des Sauersboschstollens brachten Klarheit über die Form der Uranverteilung.

Bei den vererzten Lagen handelt es sich nicht, wie ursprünglich angenommen, um stratigraphisch exakt definierbare (Leit)Horizonte, die durch Tektonik in unterschiedliche Höhenlagen gebracht worden sind.

Radiometrische Aufnahmen und chemische Analysen ergaben das folgende Verteilungsmuster:

  • Tonsteine: schichtkonkordante Verteilung
  • Arkosen: wolkig-diffuse, schichtübergreifende Verteilung

 

 

 

 

 

 

Abb.: Geologische und radiometrische Aufnahme einer schichtgebundenen Uranvererzung im Kirchheimerstollen (verändert nach: Ertle, Kneuper & Müller 1976). Bei beiden Aufnahmen ist die Lage der Schiefer- und Sandschieferschichten mit einer roten Umrandung hervorgehoben.

Der in der Abbildung wiedergegebene Ausschnitt aus der radiometrischen Vermessung des Kirchheimer- Stollens zeigt zwischen 32 und 44 m einen relativ scharf begrenzten Vererzungshorizont, wie er in ähnlicher Art auch im gleichen Stollen von 53 bis 61 m aufgeschlossen ist.

Im Gegensatz hierzu stehen diffuse Vererzungsbereiche, die keinerlei Bindung an die Schichtung erkennen lassen und nach bisheriger Kenntnis an keiner Stelle eine Urankonzentration erreichten, die dem Maximum in den schichtgebundenen Vererzungen entspricht.

Diese im Großbereich deutlich erkennbare Verteilung des Urans lässt sich auch im Kleinbereich und sogar im Mikroskop beobachten. Wie Hauptmann (1976) feststellte, zeichnen die uranvererzten Tonsteine und tonreichen Arkosen sogar die syngenetischen Wickelstrukturen nach und geben im Mikroskop sogar eine subparallele Anordnung von Tonmineralen und Pechblende-Partikeln zu erkennen.

Hieraus kann man schließen, dass

  • diese Art der Vererzung als primär anzusehen ist,
  • während für die wolkig-diffuse Uran Verteilung eine sekundäre Genese angenommen werden muss.

Für eine sekundäre Umlagerung spricht auch folgende Beobachtung: Die Konglomerate enthalten stellenweise vererzte Gerölle, während die Matrix praktisch uranfrei ist. Die Vererzung ist dabei nicht auf eine bestimmte Art der Gerölle beschränkt, es finden sich sowohl uranimprägnierte Granit-, Greisen- und Porphyr- Gerölle. Im Hinblick auf die große Mobilität des Urans sind mehrfache Umlagerungen nicht auszuschließen, doch ist auffällig, dass die postkarbonische Tektonik als Wegsamkeit für die zirkulierenden Lösungen keinerlei erkennbaren Einfluss auf die Verteilung des Urans genommen hat.

Störungen und Klüfte sind weder vererzt noch haben sie in sichtbarer Weise zu einer Verarmung geführt. Die gelegentlich auf Kluftflächen zu beobachtenden sekundären Uranminerale sind wahrscheinlich erst Produkte jüngster Umlagerungen.

An primären Uranmineralen wurden bisher Pechblende und Coffinit beobachtet, sekundäre Uranminerale sind durch Zeunerit, Autunit, Torbernit, Heinrichit, Uranophan, Phospuranylit und ein Urankarbonat vertreten. Ein Teil des Urans scheint jedoch adsorptiv an Tonminerale gebunden zu sein oder auch als Uranyl-Humat vorzuliegen (vgl. hierzu auch die eingehenden Untersuchungen von Hauptmann 1976).

Abgesehen von den wenigen Fällen der rezenten bis subrezenten Ausblühung spärlicher sekundärer Uranminerale sind die Uranträger ohne Mikroskop nicht zu beobachten, den Tonsteinen und Arkosen ist der Urangehalt also nicht anzusehen.

Genese der Uranmineralisation

Bei der intensiven Untersuchung des Uranvorkommens bei Müllenbach wurde aus den beiden Stollenauffahrungen und zahlreichen Oberflächenaufschlüssen sowie aus einigen tausend Bohrmetern umfangreiches Datenmaterial gewonnen.

Danach ergibt sich folgendes Bild der Uranvererzung:

1: Die Vererzung ist beschränkt auf die Schichten des Karbons

Nennenswerte Anreicherungen wurden bisher weder im Granit noch in den hangenden Schichten des Rotliegenden oder des Buntsandsteins beobachtet. Die hier festgestellten Anomalien erwiesen sich stets als lokal eng begrenzt und in der Konzentration nur von mineralogischem Interesse. Möglicherweise handelt es sich hierbei um Ausfällungen aus Lösungen, die ihren Urangehalt aus den karbonischen Schichten bezogen.

2: Die Uranvererzung war ursprünglich wohl über das gesamte Vorkommen der karbonischen Sedimente verbreitet

Primäre Inhomogenitäten aufgrund unterschiedlicher Gesteinsausbildung und spätere selektive Auslaugungen im Gefolge der Erosion täuschen lokale Primär-Konzentrationen vor.

  • Diese Feststellung konnte durch Bohrungen bestätigt werden, die in Bereichen ohne Oberflächenanomalien in größerer Tiefe Uranvererzungen antrafen.
  • Da erst die Gebiete mit ausgeprägten Oberflächenanomalien nach der Tiefe zu untersucht wurden, war zunächst der Eindruck entstanden, als seien auch nur in diesen Gebieten in der Tiefe Vererzungen vorhanden.

3: Die Verteilung des Urans in den Sedimenten lässt noch keinen gesicherten Schluss auf die Herkunft des Urans zu.

Eine hydrothermale Zufuhr aus dem liegenden Granit über Klüfte ist jedoch auszuschließen.

  • Ein im Granit aufsetzender Erzgang mit Baryt, Kupferkies, Malachit und braunem Glaskopf fand in der überlagernden Arkose keine Fortsetzung.
  • Eine den Gang begleitende Störung war im Bereich des Sediments lediglich mit geringen Mengen von Brauneisen markiert. Dieser Gang zeigte zwar gelegentlich eine etwas erhöhte Strahlungsaktivität, doch war sie stets beschränkt auf das aus der Zersetzung des Kupferkieses stammende Brauneisen.

4: Über das Alter der Uranvererzung liegen noch keine gesicherten Angaben vor

Physikalische Altersbestimmungen am Uran erbrachten bisher erst Maximalwerte von 300.000 Jahren. Dieses extrem junge Alter bezieht sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf umgelagertes Uran, das tatsächliche Alter der Vererzung dürfte dem des Sediments entsprechen, also oberkarbonisch sein.

Thesen zur Urananreicherung

Die Uranvererzung erstreckt sich wolkig-diffus durch das Gestein und erschwert eine Vorratsberechnung.

Es zeigt sich jedoch, dass entlang dünner, schwarzer Tonsteinlagen Uran am häufigsten auftritt. Dagegen fehlen in der Hauptmasse des Gesteins (in den 10 m bis 20 m mächtigen Lagen aus Arkosen und Konglomeraten) ausgesprochene Erzhorizonte. Doch auch hier gibt es Urananreicherungen. Bei ihrer Entstehung spielt das Grundwasser eine wichtige Rolle.

Die grobkörnigen Arkosen und Konglomerate führen Schwefelkies (FeS2). Bei Zutritt von  sauerstoffreichem Grundwasser oxidieren die Sulfide zu Schwefelsäure, die das im Gestein dispers verteilte Uran löst und mit dem Grundwasserstrom verfrachtet. Trifft das Grundwasser auf sich ändernde Redoxbedingungen, z.B. auf kohlenhaltige Schichten, dann wird das gelöste, sechswertige Uran zur vierwertigem Uran reduziert und fällt an der „Front“ zum sauerstoffarmen Bereich aus, wo sich in den Gesteinsporen in konzentrierter Form dünne Lagen mit Uranmineralien abscheiden. Der Mechanismus einer solchen Erzanreicherung wird „Rollfront“ genannt.

Altersbestimmungen an den Uranmineralien ergaben mit 300.000 Jahren ein vergleichsweise sehr junges Alter. Daraus kann rückgeschlossen werden, dass der Rollfront-Mechanismus noch heute andauert.

Von allen genetischen Modellen scheint die von Berger & Salger (1965) formulierte Theorie am ehesten auf die Vererzung im Nordschwarzwald zuzutreffen: Die Entstehung der Urananreicherung wird folgendermaßen gedeutet:

Schichtgebundene Uranvererzung

Das in geringer Konzentration im Wasser als Uranyl- oder Uranylkomplexion in sechswertiger Form gelöste Uran kommt in ein stark reduzierendes Milieu, gekennzeichnet durch wechselnde Konzentration von Huminstoffen und kohligen pflanzlichen Resten.

Es wird zur vierwertigen Stufe reduziert.

Da diese wesentlich weniger löslich ist, fällt Uran als Hydroxyd in dem Maß aus, wie es dem pH und Eh der Lösung entspricht. Es wird mit der Tontrübe im Sedimentationsraum abgesetzt.

Änderungen im Oxidationspotential und in der Reaktion der Lösungen bewirken unterschiedliche Fällungen und können die Differenzen zwischen den einzelnen Gesteinen erklären.

Soweit also auch im Karbon des Nordschwarzwaldes noch schichtkonkordante Vererzungen vorliegen, ist ihre Entstehung wohl im zitierten Sinne anzunehmen.

Wolkig-diffuse Uranvererzung

Dies stark vereinfachte Bild muss jedoch noch insoweit modifiziert werden, als die Bereiche der wolkig-diffusen Vererzung nicht so gedeutet werden können.

Für sie müssen in jedem Fall sekundäre Umlagerungen angenommen werden.

Der Zeitpunkt dieser Umlagerungen ist nicht allgemein festzulegen; aufgrund der hohen Mobilität des Urans ist anzunehmen, dass dieser Vorgang auch heute lokal noch andauert.

Durch diese Umlagerungen entstanden neue Vererzungsbereiche mit rollfrontartigem Charakter. Sie finden sich vorwiegend in den gut durchlässigen, grauen, also reduzierten Arkosen.

Geochemische Untersuchungen durch Hauptmann (1976) konnten für diese Bereiche eine für Rollfrontvererzungen typische Korrelation von Uran und Arsen feststellen, nicht jedoch für Uran und Kupfer bzw. Vanadium, doch besteht die Aussicht, an neuen Aufschlüssen unter Tage eine derartige Verbindung noch nachzuweisen.

These zur hydrothermalen Entstehung (nach Zuther)
Beschreibung folgt

Beschreibung folgt

Chronologie
1973: Prospektion auf Uran- und Thoriumerze

Die Saarberg Interplan, Gesellschaft für Rohstoff-, Energie- und Ingenieurtechnik mbH erhält am 12. März 1973 eine Untersuchungserlaubnis zum Aufsuchen von Uran- und Thoriumerzen im Raum Baden-Baden/Gernsbach.

Im September 1973 werden mittels radiometrischer Messungen mehrere Anomalien in den ausstreichenden Karbonschichten des Oostroges festgestellt. Abgesehen von unbedeutenden Ausnahmen, befinden sich alle Anomalien in den karbonischen Sedimenten.

Die größte Anomalie, mit mehr als 1 Million Impulse pro Minute (ipm), wird am Hummelsacker bei Müllenbach ermittelt.

1974: Beginn bergmännische Aufwältigung (Kirchheimerstollen)

Auf Empfehlung von Prof. Dr. Franz Kirchheimer, Präsident des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, beginnt im August 1974 die bergmännische Aufwältigung der Vererzung am Hummelsacker. Der Kirchheimerstollen am SE-Hang des Hummelsacker fährt auf 150 m Länge das Karbon querschlägig an und erschließt dabei drei größere und mehrere kleinere Vererzungen mit beachtlichen Gehalten von bis zu 1 % U3O8.

1975: Tiefere Erkundungsbohrungen

Nach der Genehmigung durch die Bergbehörde können im Sommer 1975 nun auch tiefere Erkundungsbohrungen zur Teufenuntersuchung der Vererzung niedergebracht werden. Die tiefste Bohrung (am Steufenberg) weist eine Vererzung bis in eine Teufe von 920 Meter nach.

1975: Sauersboschstollen

Am 02.07.1975 wird mit dem Sauersbosch-Stollen, am NW-Hang des Hummlesacker, ein zweiter Stollen, ca. 40 m tiefer als der Kirchheimerstollen, angesetzt.

1975: Schürfkonzession Murgtal

Gemäß Antrag vom 06. August 1975 wird die Untersuchungserlaubnis von 1973 in die Schürfkonzession Murgtal umgewandelt (befristet bis zum 31.12.1979, verlängert um fünf Jahre am 19.12.1979)

1976 | 1978: Anlage Aufhauen 2/1-1

Dezember 1976 + Frühjahr 1978:Anlage des Aufhauens 2/1-1 zwischen dem Sauersbosch- und dem Kirchheimerstollen.

1977: Einführung der Lade- und Fördertechnik

Einführung der gleislosen Lade- und Fördertechnik in den Vortrieb der Untersuchungsstrecken. Dazu mussten die teilweise zu engen Stollen nochmals nachgegossen werden.

1978: Stundung Vortrieb Aufhauen 2/1-1

Stundung des Vortriebs von Aufhauen 2/1-1 im März 1978 bei 172 m Länge, da die Stadt Baden-Baden eine weitere Haldenablagerung vor dem Stollenmundloch nicht genehmigt. Im hinteren Bereich des Stollens wird eine Klärkammer für die Grubenwässer errichtet.

1978: Laugungsversuche

Für Laugungsversuche werden im Mai 1978 insgesamt 26 t Erz aus dem Sauersbosch-Stollen entnommen.

1978 | 1979: Anlage Aufhauen 2/1-2

Juli 1978 – Februar 1979: Anlage des Aufhauens 2/1-2 vom Sauersbosch-Stollen im Einfallen der Vererzung. Installation eines Schrappers und Förderbandes.

1979: Durchschlag Aufhauen mit dem Kirchheimerstollen

Das beim Leerschrappern der Strecke angefallene Material wird im Februar 1979 im nicht fertig gestellten Aufhauen 2/1-1 eingelagert. Die bergmännischen Untertagetätigkeiten werden fortan gestundet, v.a. weil die Stadt Baden-Baden die Genehmigung zur weiteren Aufhaldung von Gesteinsmaterial im Sauersboschtal noch immer verweigert.

1979: Kündigung der Gestattungsverträge

Die Stadt Baden-Baden kündigt am 28.08.1979 alle Gestattungsverträge mit dem Begbauunternehmen.

1979: Untersuchungen Strahlenbelastung

Untersuchungen zur Strahlenbelastung der Bergleute + der Umwelt und der Beeinflussung der natürlichen Gewässer durch die Exploration und den Grubenbetrieb in Zusammenarbeit mit dem Kernforschungszentrum Karlsruhe.

Die Untertageanlagen werden fortan als „Versuchsgrube“ bezeichnet. Es werden Reihenversuche zur Erprobung von Messgeräten wie Dosimetern unter Bedingungen des Grubenbetriebs ausgeführt. Darüber hinaus finden Langzeitbeobachtungen der Grund- und Oberflächenwässer und der meteorologischen Bedingungen statt.

1980: Verlängerung Radonstollen

Im ersten Halbjahr 1980 wird der sogenannte Radonstollen um etwa 12 m verlängert, im Herbst um weitere 9 m. Der Abraum wurde im Aufhauen 2/1-1 handversetzt.

1982: Erzentnahme für Auslaugungsversuche

Die Saarberg-Interplan schlug im März 1982 ein Drei-Phasen-Programm für die weiteren Arbeiten in der Versuchsgrube vor:

  • Phase I: Weitere Exploration + Sicherung und Erweiterung der bekannten Vorräte.
  • Phase II: Versuchsbergbau zur Erprobung verschiedener Abbaumethoden + Test einer Pilot-Aufbereitungsanlage im Waldbachtal, die durch eine untertägige Rampe an die Versuchsgrube angeschlossen werden sollte. Die Aufbereitung war als Sickerlaugung in einer Laugungshalle konzipiert (Ausfällung von Yellow cake).
  • Phase III: Wirtschaftliche Gewinnung von Uranerz im Müllenbachtal.

Die Betriebspläne wurden wegen heftigen Widerstandes der Stadt und zahlreicher Umweltverbände nicht genehmigt.

1982: Drei-Phasen-Programm

Die Saarberg-Interplan schlug im März 1982 ein Drei-Phasen-Programm für die weiteren Arbeiten in der Versuchsgrube vor:

  • Phase I: Weitere Exploration + Sicherung und Erweiterung der bekannten Vorräte.
  • Phase II: Versuchsbergbau zur Erprobung verschiedener Abbaumethoden + Test einer Pilot-Aufbereitungsanlage im Waldbachtal, die durch eine untertägige Rampe an die Versuchsgrube angeschlossen werden sollte. Die Aufbereitung war als Sickerlaugung in einer Laugungshalle konzipiert (Ausfällung von Yellow cake).
  • Phase III: Wirtschaftliche Gewinnung von Uranerz im Müllenbachtal.

Die Betriebspläne wurden wegen heftigen Widerstandes der Stadt und zahlreicher Umweltverbände nicht genehmigt.

1985: Vorläufige Betriebseinstellung

Im Juli 1985 schlägt die die Interuran, die Nachfolgegesellschaft der Saarberg-Interplan, die vorläufige Einstellung des Betriebes vor. Ein Abschlussbetriebsplan sollte sicherstellen, dass von den Grubenbauen und Halden keine Gefährdung ausgeht.

  • Am Sauersboschstollen werden Haldenteile > 350 mrem/a in den Stollen transportiert. Die Trafostation, die Baustellenwagen und Material für den grubenbetrieb werden entfernt.
  • Am Kirchheimerstollen wird das oberflächliche haldenmaterial > 400 mrem/a entfernt und in den Stollen eingelagert.
  • Die Haldenflächen werden anschließend mit Mutterboden angedeckt und eingesät.
  • Aus der Grube werden noch die verwendbaren Maschinen und Geräte sowie elektrische Anschlüsse und Pumpen demontiert. Grubenausbau, Klärbecken und Sprengstofflager blieben für eine eventuelle Wiederbenutzung erhalten. Die Mundlöcher beider Stollen werden abschließend doppelt vermauert.
1985 bis 1988: Rekultivierung

Mai 1985 bis Januar 1988: Rekultivierung

Zwischen Mai 1985 und Januar 1988 werden die Flächen rekultiviert. Die Grube wird im Februar 1988 durch die Bergbehörde aus der Bergaufsicht entlassen.

Textquellen

Steen, H.: Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald. 488 S., Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 2004.

Das östliche Stollenmundloch der Grube Müllenbach: Der Kirchheimerstollen (Foto vom Januar 2023).

Baden-Baden: Thermalquellen am Florentinerberg

Baden-Baden: Thermalquellen am Florentinerberg

Baden-Baden: Thermalquellen am Florentinerberg

INHALT

Die Thermalquellen

AQVAE und die römischen Bäder

Die Entwicklung des Bäderwesens

Geologie

Sinterkegel

Thermalwasserbohrungen

Übersicht Thermalquellengebiet

Historische Ansichtskarten

Ein junger Mann ist einst auf einer Wanderung durch den Schwarzwald zum Mummelsee gekommen.

Am Ufer sieht er ein Seeweiblein, das sich ihm bald nähert. Er ist so von der Schönheit der Nixe verzaubert, dass er mehrere Stunden mit ihr am See verbringt. Beim Abschied gibt ihm die Nixe drei Steine aus dem See.

Der junge Mann nimmt sie an sich, denkt aber: „Die sind doch wertlos.“ Später wirft er sie auf seiner Wanderung nach und nach weg.

Aber überall, wo einer dieser Steine hinfällt, sprudelt eine Quelle hervor,

die erste an der Stelle des Erlenbades,

die zweite in Hub,

die dritte in Baden-Baden.

Die Thermalquellen

Direkt unterhalb vom Neuen Schloss in Baden-Baden entspringen am Florentinerberg und am direkt angrenzenden historischen Marktplatz und Klosterareal mehr als ein Dutzend Thermalquellen.

Das Quellgebiet

Das Quellgebiet erstreckt sich über eine Fläche von ca. 110 m x 90 m. Hier tritt artesisch gespanntes Wasser aus über einem Dutzend Quellen aus einer Tiefe von über 1.000 Metern mit Temperaturen von bis zu 69° C an die Erdoberfläche. Die wichtigsten Bestandteile der Wässer sind v.a. Natrium und Chlorid, daneben auch Fluor, Lithium, Kieselsäure und Bor.

Die wichtigste und mit einer Schüttung von 113 m³/d ergiebigste Quelle, ist die Ursprungsquelle, die im Untergeschoss der Alten Dampfbades gefasst ist.

Datenquelle: BILHARZ, A. (1934), unter Mitwirkung von HASEMANN, W.: Erläuterungen zu Blatt Baden-Baden (Nr. 67). – Geol. Spez.-Kt. Baden: 144 S., 8 Abb., 2 Beil.; Freiburg i.Br. – [Unveränderter Nachdruck als Geol. Kt. 1:25000 Baden-Württ., Bl. 7215 Baden-Baden, Stuttgart 1985.]

Die ergiebige Schüttung der Ursprungsquelle war ausschlaggebend für den Bau des „Alten Dampfbades“ an dieser Stelle in den Jahren 1846-1848.

Das Thermalwasser der Ursprungsquelle wird nur zu Badezwecken verwendet.

Der Quellenaustritt wurde 1980 bei der Renovierung des Hauses neu gefasst und als einzige Baden-Badener Thermalquelle zugänglich und sichtbar gemacht.

Die Ursprungsquelle im Alten Dampfbad im Oktober 2022

Quellfassungen

Die wichtigsten Quellaustritte wurden zwischen 1868 und 1871 unter der Federführung des Karlsruher Ingenieurs Robert Gerwig, dem späteren „Erbauer“ der Schwarzwaldbahn, in zwei Stollensystemen gesammelt.

Beim Vortrieb des Hauptstollens versiegten einige Quellen (Brüh-, Ungemach- und Judenquelle). Die tägliche Gesamtschüttung aller Quellen konnte durch die bauliche Umgestaltung von 693 m³ (5,1 l/s) im Jahr 1868 auf 856 m³ im Jahr 1871 gesteigert werden. Wegen der Hitze konnten die Stollen nicht direkt bis zur Störung (Hauptquellaustritt) vorgetrieben werden.

Durch den späteren Bau des Kirchen- und Rosenstollens und weiterer Stollen zwischen 1897 bis 1898 konnten die Wassermengen weiter gesteigert werden.

Um den hohen Wasserverbrauch des Friedrichsbades decken zu können, wurden im Pflutterloch, oberhalb vom Neuen Schloss, zwei Tiefbrunnen gebohrt, die das Friedrichsbad seit 1969 jeden Tag mit ca. 293 m³ Thermalwasser versorgen.

Alle Thermalquellen von Baden-Baden fördern täglich 1,7 t NaCl und 40 kg LiCl und das seit mindestens 2.000 Jahren. Das sind in Summe über 1,24 Millionen t NaCl.

Graphik aus: Kirchheimer, Franz: Über radioaktive und uranhaltige Thermalsedimente, insbesondere von Baden-Baden, Geologisches Landesamt Baden-Württemberg, Freiburg i. Br., 1959.

Im Bademantel zum Dienst (ein Video des SWR auf Facebook)

Brühquelle
Büttenquellen
Fettquelle
Freibadquelle
Friedrichsquelle
Höllgassquelle
Höllquelle
Judenquelle
Klosterquelle
Kühlquelle
Murquelle
Römerquelle
Ungemachquelle
Ursprungsquelle

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 66,1 °C

Am Brühbrunnen wurden außerhalb der gewöhnlichen Badezeit, im späten Herbst und Winter, durch die Metzgerzunft in der über 60°C heißen Quelle geschlachtete Tiere abgebrüht. Mit dem zunehmenden Fremdenverkehr zu Beginn des 19. Jahrhunderts sollte ein kleines Häuschen den Brühbrunnen von den Blicken der Gäste abschirmen. Da sich die Metzgerzunft aber gegen dieses Häuschen sträubte, verlor sie das Recht zur Nutzung des Brühbrunnens.

Bei der Umgestaltung des Bäderbezirkes zwischen 1868 und 1871 durch den Karlruher Ingenieur Robert Gerwig versiegten beim Vortrieb des Hauptstollens die Brüh-, Ungemach- und Judenquelle, die im Hauptstollen zusammengefasst wurden.

Alternative Bezeichnung(en): Metzigquellen
Maximale Temperatur: 34,7 °C (stark schwankend)

Ungefähr 100 m südwestlich vom eigentlichen Thermalareal am Westrand des Markplatzes befinden sich die als Büttenquellen altbekannten Austritte warmen Wassers.

Die Existenz der Büttenquellen (zwei Quellaustritte) ist durch eine Urkunde vom 13. Juni 1471 erstmals belegt. Der Markgraf schenkte sie der Stadt 1477. Die Quellen wurden gegenüber dem Badhaus „Baldreit“ in einem 1558 angelegten, 1894 um wenige Meter verlängerten Stollen unter dem Gebäude Büttenstraße 8 gefasst (Stollenlänge ca. 15 m).

Im Gegensatz zu den übrigen Thermen entspringen die Büttenquellen nicht dem anstehenden Gestein, sondern sickern aus dem auf Oberen Karbon liegenden jungen Schutt. Auch zeigt das auf ca. 170,5 m austretende Wasser erhebliche Unterschiede in der Temperatur, die während der Jahre 1894 bis 1932 zwischen 13 °C und 34,7 °C geschwankt hat. Die Ursache der vergleichsweisen geringen Temperaturen/großen Schwankungen ist eine größere Beeinflussung der Büttenquellen von Oberflächenwasser.

In den Jahren 1926 bis 1928 wurde der Keller der Metzgerei in der Büttenstraße ausgebaut. Bei den Erdarbeiten kam es zu einem Austritt von heißem Wasser. Um das Wasser zu stoppen, presste man große Mengen Zement in die Öffnung, bis die Stelle abgedichtet war. In der Folge ließ aber auch die Büttenquelle nach und wurde 1935 als „außer Betrieb“ erklärt. Erst bei Sprengungen im Zuge von Fundamentarbeiten für das Kaufhaus Horten (heute Wagener) im Jahr 1979 wurde die Büttenquelle erneut aktiv.

Nach Schäden am Mauerwerk des Hauses Büttenstraße 8 wurde ein Rohr vom Quellstollen in den vor den Brunnen verlaufenden Abwasserkanal gelegt. Das Haus wurde an einen Privatmann verkauft, der das Gebäude 1991 abreißen ließ. Das Landesdenkmalamt verpflichtete den neuen Besitzer beim Wiederaufbau den Stollen der Büttenquelle zu erhalten, den Kopfstein des Stolleneingangs wiedereinzusetzen und für den zerstörten Wandbrunnen eine Rekonstruktion anfertigen zu lassen. Der Baden-Badener Bildhauer Walter Grimm schuf nach den alten Plänen den neuen Wandbrunnen.

Radioaktivität

Berühmtheit erlangten die Büttenquellen zum Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts als in ihrem Wasser die radioaktiven Elemente Radium und Radon entdeckt wurden. Zu dieser Zeit galt die Büttenquelle, als die radioaktivste Quelle Europas. Die Stadt versuchte diese neuerliche Attraktion für sich zu nutzen. Unter anderem wurde eine Rohrleitung von der Büttenquelle zum Palais Hamilton gelegt und dort das sogenannte Büttenquellen-Emanatorium eingerichtet. In dieser Anstalt war es möglich die natürliche und angeblich gesundheitsfördernde Radiumstrahlung der Büttenquelle einzuatmen. Im Jahr 1923 wurde der Betrieb aus mangelndem Interesse der Kurgäste wieder eingestellt.

Entdeckung eines „neuen“ Elements

Im Jahr 1904 entdeckte der Physiker Hans Friedrich Geitel unter Mitarbeit des Apothekers Rößler in dessen Labor in einer Schlammprobe der Büttquelle ein „neues“ radioaktives Element, das als „Badenium“ künftig immer mit der Bäderstadt an der Oos in Verbindung gebracht werden sollte. Wie sich bald aber herausstellen sollte, war das „neue“ Element nicht neu, sondern es handelte sich, wie eine Arbeistgruppe um den Physiker Otto Hahn feststellte, um ein radioakives Isotop des bereits bekannten Elements Thorium (Th-228), das deshalb fortan „Radiothor“ oder auch „Radiothorium“ genannt wurde.

Radiumhaltige Quellen

Abseits des Thermalbezirks liegen vier Li-haltige kühle Radiumquellen.

Den höchsten Radongehalt besitzt um die 1960er/1970er Jahre die Murquelle, während 1926 in der Büttenquelle die höchste Radioaktivität gemessen wurde. Der Radium- und Radongehalt wird auf das Oberkarbon und Rotliegende zurückgeführt.

Robert Bunsen hatte 1861 in der Höll- und Ungemachquelle Rubidium und Cäsium festgestellt.

Alternative Bezeichnung(en): Moorquelle
Maximale Temperatur: 63,2 °C

Um 1870 wurde an der Ostseite des Friedrichsbades an den Dernfeldstaffeln eine künstliche Grotte mit Trinkbrunnen angelegt. Zur Verblendung wurden Sintersteine aus dem hier früher vorhandenen Sinterhügel verwendet. Der eigentliche Quellaustritt befindet sich an der direkt angrenzenden Klosterkirche „Vom Heiligen Grab“. Die Fettquelle versorgte bis Ende des 17. Jahrhunderts die dort vorhandene Badeherberge „Zum Ungemach“ mit heißem Wasser.

Der Name der Quelle rührt wohl von den Gesteinspartikeln her, die das Wasser wie Fett glänzen lassen. Einst war das Thermalwasser der Fettquelle beim Austritt 63 °C heiß.

Textquelle: Stadtwiki Baden-Baden

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur:
59,9 °C

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 67,5 °C

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 54 °C

Die Höllgassquelle, nicht zu verwechseln mit der Höllquelle, wurde um 1901/1902 gefasst.

Die Höllgasse war eine schmale, eng mit Wohnhäusern bebaute Gasse zwischen dem Florentinerberg und dem Alten Dampfbad.

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 68,8 °C

Die Höllquelle ist die höchstgelegene und heißeste Quelle im Thermalgebiet am Florentinerberg.

Alternative Bezeichnung(en): Judenbrühbronnen
Maximale Temperatur: 66,1 °C

Bei der Umgestaltung des Bäderbezirkes zwischen 1868 und 1871 durch den Karlruher Ingenieur Robert Gerwig versiegten beim Vortrieb des Hauptstollens die Brüh-, Ungemach- und Judenquelle, die im Hauptstollen zusammengefasst wurden.

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 60,3 °C

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 56,6 °C

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 57,4 °C

In den 1960er/1970er Jahren wurde in der Murquelle die höchste Radioaktivität der Thermalquellen gemessen. Der Radium- und Radongehalt wird auf das Oberkarbon und Rotliegende zurückgeführt.

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 62 °C

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: unbekannt

Der Physiker Gustav Robert Kirchhoff und der Chemiker Robert Bunsen entdeckten bei der spektralanalyischen Untersuchung der Mutterlaugen der Solwässer von Bad Durkheim und Bad Kreuznach sowie des Wassers der Ungemachquelle in Baden-Baden  im Jahr 1860 zwei bis dahin unbekannte blaue Spektrallinien, die sie einem neuen vierten Alkalimetall zuschrieben. Für das neue Element schlugen sie unter Anlehnung an das lateinische Wort caesius (himmelblau) den Namen Caesium und das Symbol Cs vor.

Bei der Umgestaltung des Bäderbezirkes zwischen 1868 und 1871 durch den Karlruher Ingenieur Robert Gerwig versiegten beim Vortrieb des Hauptstollens die Brüh-, Ungemach- und Judenquelle, die im Hauptstollen zusammengefasst wurden.

Alternative Bezeichnung(en): unbekannt
Maximale Temperatur: 63,8 °C

Die ergiebige Schüttung der Ursprungsquelle war ausschlaggebend für den Bau des „Alten Dampfbades“ (in historischer Zeit 113 m³/d).

Der Quellaustritt im Untergeschoss wurde 1980 im Zuge der Gebäuderenovierung neu gefasst. Die Ursprungsquelle ist die einzige öffentlich zugängliche Thermalquelle in Baden-Baden.

ACHTUNG: Nach aktuellen EU-Richtlinien ist das Thermalwasser in Baden-Baden aufgrund erhöhter Arsengehalte heute nicht mehr als Trinkwasser zugelassen.

AQVAE und die römsichen Bäder

Die Stadt Baden-Baden verdankt ihre Bedeutung den Thermalquellen. Schon in römischer Zeit bestand in der Nähe der Thermalquellen eine Siedlung.

Die Römerzeit
AQVAE

Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand die Siedlung AQVAE. Bei archäologischen Ausgrabungen Angang der 1990er Jahre wurde am Rettig-Plateau ein schon langes in Baden-Baden vermutetes Kastell entdeckt. Das Kastell wurde Mitte der 70er Jahre des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtet.

Ab dem 2. Jahrhundert nach Christus waren römische Besatzungstruppen in Baden-Baden stationiert und erkundeten die Umgebung um Straßburg (ARGENTORATE). Die Römer nutzten die heilenden Quellen, um in erster Linie ihre Verletzungen zu kurieren. Die Bäder boten die Möglichkeit zur Entspannung und Pflege sozialer Kontakte. Die Bäder für die Kaiser waren luxuriös, die für die Soldaten und Pferde entsprechend einfacher ausgestattet. Die archäologischen Überreste der Soldatenbäder mit ihren ausgeklügelten Heiz- und Wassertechnologien unterhalb des Friedrichsbads können heute im Museum „Römische Badruinen“ am Römerplatz besichtigt werden, wo neben den Ausgrabungen auch Computer- und Videoanimation einen bildlichen Eindruck der ursprünglichen Bäder ermöglichen.

Im Jahr 213 wurden die Badeanlagen durch Kaiser MARCVS AVRELIVS ANTONIVS CARACALLA erweitert, seitdem wurde der Ort AQVAE AVRELIA genannt, er war Teil einer größeren Verwaltungseinheit am Schwarzwaldrand, der CIVITAS AVRELIA AQVENSIS („Die Stadt der Aurelia des Wassers“).

Unter dem Marktplatz in Baden-Baden fand man römische, mit Marmorplatten ausgekleidete Bäder, die als „Kaiserthermen“ bezeichnet wurden. Einfachere Badeanlagen befinden sich unter der Stiftskirche und unter dem Römerplatz, die man „Soldatenbäder“ nannte. Beim Alemanneneinbruch wurde der römische Badeort um 260 n. Chr. durch einen Brand vernichtet.

Das seit der römischen Besiedlung frei austretende Thermalwasser konservierte die Ruinen unter einem 6 m mächtigen Sinterhügel.

Nach der römischen Ära waren das Oostal und die Gegend um die Quellen wohl über einen längeren Zeitraum unbesiedelt, zumindest gibt in der Zeit zwischen 260 und 500 n. Chr. – in der Herrschaftszeit der Alemannen – keine archäologischen Hinweise (auch nicht in den Sinterablagerungen) auf eine dauernde Anwesenheit von Menschen.

Kaiserbäder

Die Kaiserbäder am heutigen Markplatz, zwischen der Stiftskirche und dem Alten Dampfbad. Heute sind dort keine Spuren der römischen Badeanlagen zu erkennen, das farblich abgehobene Straßenpflaster zeichnet jedoch den Grundriss der alten Anlagen nach.

1847 wurden beim Abriss der Antiquitätenhalle, am heutigen Standort des Alten Dampfbades, die beiden östlichen Badebecken (70 m² bzw. 90 m²) freigelegt. Über eine natürliche Felsrinne und ein Bronzerohr aus einer zweiten gefassten Quelle wurde das bis zu 70°C heiße Wasser zuerst in ein kleines Reservoir und von dort schließlich in die Becken geleitet. Vervollständigt wurde die Badeanlage durch zwei weitere, größere und aufwändiger ausgestattete Becken, im westlichen Teil (jeweils ca. 130 m²).

Die Kaiserbäder waren ein luxuriös ausgestattetes Kur- und Heilbad („thermae“) mit Wand- und Bodenverkleidungen aus weißem Auerbacher Marmor (Ostteil) und grünlichem Granit (Westteil). An der Südseite befand sich ein „sudatorium“ (ein trocken-heißes Schwitzbad).

Die Kaiserbäder waren offenbar terrassiert angelegt (der östliche Teil lag höher), das Abwasser wurde über die „cloaca maxima“ von Aquae in die Oos abgeleitet.

Die symmetrische Anordnung der Badebecken lässt eine getrennte Nutzung, z.B. für Männer und Frauen vermuten, wie dies von anderen römischen Badeanlagen wie in Badenweiler nachweislich bekannt ist.

Der zentrale Teil der Anlage wurde vermutlich bereits im letzten Drittel des 1. Jahrhunderts n. Chr. als Kurbad für das Militär errichtet. Der vermutlich letzte Ausbau – vermutlich nach einem Brand – wird gemäß einer in der Anlage aufgefundenen Inschrift auf den Zeitraum um 213 bis 217 n. Chr. datiert. Befehlsgeber war Kaiser Marcus Aurelius Antonius, besser bekannt als Kaiser „Caracalla“. Ob sich Caracalla auch selbst in Aquae aufhielt, ist nicht eindeutig belegt.

Soldatenbäder

Die Soldatenbäder an der Ostseite des Friedrichsbades, dessen Ruinen heute im gleichnamigen Museum besichtigt werden können. Der Begriff „Soldatenbad“ wurde offenbar durch die Ausgräber im 19. Jahrhundert geprägt und spielt auf die im Vergleich zu den reich ausgestatteten Kaiserbädern einfachere Ausstattung an.

Die Soldatenbäder wurden als Hygienebad („balneum“ oder „balineum“) errichtet und dienten der Körperreinigung. Von der ursprünglich knapp 2.900 m² großen Anlage (60 m x 48 m) sind heute noch ca. 420 m² erhalten (20 m x 21 m).

Die Soldatenbäder wurden erstmals 1846/1847 bei Erdarbeiten vor der Klosterkirche des Frauenklosters „Vom Heiligen Grab“ freigelegt. Das Mauerwerk war auffällig gut erhalten. Beim Bau des Friedrichsbades wurden zwischen 1869 und 1877 weitere Teile der Anlage angeschnitten. Zwischen 1890 und 1893 wurden beim Bau des Augustabades Eingang und Latrine ausgegraben, nach der Einmessung und Dokumentation aber zerstört.

Erste öffentliche Begehungen der Ruinen waren um 1900 möglich. Mitte der 1960er Jahre wurde mit dem Neubau der Friedrichsbadterrasse der heutige Schutzbau errichtet, die Ruinenanlage selbst war wenig verändert. Zwischen 1995 und 2003 waren aufwändige Sanierungsarbeiten erforderlich, da die alte Bausubstanz durch den jahrzehntelangen Museumsbetrieb erheblich beschädigt wurde.

Ausführliche Informationen zu den Soldatenbädern erhält man bei einem Museumsbesuch oder im Führer “Die römischen Soldatenbäder in Baden-Baden (Aquae Aureliae)“.

Zugang Museum „Römische Badruinen“

Das Museum befindet sich zwischen dem Friedrichsbad und der Klosterschule im „souterrain“ der Friedrichsbadterrasse.

Ein zweiter, barrierefreier Zugang ist über die Straße „Römerplatz“ möglich.

Im Museum können Teile der Soldatenbäder besichtigt werden. Das Museum ist vom 16. März bis 15. November täglich von 11.00 bis 12.00 Uhr und 15.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.

Weitere Infos gibt es hier

Blick von den Dernfeldstaffeln auf die Friedrichsbadterrasse am Römerplatz mit dem Treppenzugang zum Museum „Römische Badruinen“.

Die Entwicklung des Bäderwesens
Vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert

Vor der Wiederentdeckung der römischen Badekultur wurde das Thermalwasser in Baden-Baden zum Waschen von Wäsche und Abbrühen geschlachteter Tiere verwendet. In den Bädern wurde das Thermalwasser zu Bade-, Inhalations- und Trinkkuren verwendet.

Mittelalter

Im Mittelalter wurden die römischen Badruinen überbaut, dadurch ist ihre einstige Ausdehnung nur ungefähr bekannt, es dürfte aber ein städtischer Charakter bestanden haben.

Der Zähringische Markgraf HERMANN II. erbaute um 1100 über der Siedlung bei den Thermalquellen ein Schloss (Hohenbaden). Er nannte sich ab 1112 Markgraf von Baden.

Urkundliche Überlieferungen setzten mit Beginn des 14. Jahrhunderts ein.

Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt zur Bekämpfung von Seuchen mehrfach erfolgreich mit Thermalwasser geflutet. Ein Aberglaube verhieß Glück und Gesundheit im gesamten Jahr, wenn man im Mai ein Bad nimmt. Das Thermalwasser wurde aufgrund seiner „Heilwirkung“ zur Bekämpfung verschiedenster Krankheiten, wie Kinderlosigkeit und Gicht sowie bei Hautkrankheiten und Atembeschwerden eingesetzt.

Bereits 1306 existierte beim Marktplatz – direkt neben den römischen Badebecken, die damals schon im Untergrund verborgen waren – eine öffentliche Badeeinrichtung, für deren Benutzung bezahlt werden musste. Nach Meinung der Fürsten sollten die Vorzüge der Bäder möglichst vielen Menschen zuteilwerden, deshalb wurde das Freibad – wo nach späteren Berichten Männlein und Weiblein gemeinsam badeten, „nackend wie die Frösch“ – errichtet.

15. bis 18. Jahrhundert

Das Freibad wurde 1393 erstmals urkundlich erwähnt, ab dem 16. Jahrhundert wurde es auch „Armenbad“ genannt. Ein zweites Bassin neben dem Freibad, das sogenannte „Bürgerbad“, wurde von den Einwohnern, getrennt nach dem sozialen Stand, genutzt.

Bis ins 18. Jahrhundert gab es separate Badezeiten für Diener, Knechte und Mägde der Bürger. Nach dem Bade mussten sie das Wasser ablassen, das Bassin säubern und wieder frisches Wasser einlassen. Eine weitere Badestube existierte in der Nähe des Königshofes, auf dem heutigen Römerplatz. Die Stadtgemeinde hatte sie vom Markgrafen gepachtet.

Des Weiteren gab es auch Badeherbergen privater Betreiber. Diese durften gegen ein festgelegtes Entgeld eine genau festgelegte Wassermenge in ihr Haus leiten. Die wichtigsten Badeherbergen im 15. und 16. Jahrhundert standen dort, wo heißes Wasser aus dem Boden kam. Die Quellen waren auf den Gassen oder in den Gebäuden gefasst, Stollen gab es noch keine. Jede einzelne Quelle hatte einen eigenen Namen. Die Hauptquelle wurde „Ursprung“ genannt.

Einige Quellen wurden nach den Herbergen benannt, in denen ihr Wasser zum Baden verwendet wurde, z.B. die Ungemachquelle, deren Wasser in die Badeherberge „Zum Ungemach“ am Römerplatz geleitet wurde. An der heutigen Stelle des Rathauses befand sich das Fürstenbad des Markgrafen. Die am höchsten Punkt am Florentinerberg entspringende Quelle wurde „Höll“ genannt.

Mit Ausnahme des „Baldreit“ in der Küferstraße, wo noch Grundmauern der Badeherberge „Zum Balderich“ erhalten sind, sind die Spuren dieser Badeeinrichtungen verschwunden. Nördlich des Baldreit befindet sich in der Büttenstraße ein auf das Jahr 1558 datierter Abschlussstein der inzwischen fast versiegten, einst nur lauwarmen Büttenquelle.

In der Blütezeit des Badebetriebs im 16. Jahrhundert bestanden in der Stadt 12 Badehäuser (Fürsten-, Bürger- und Armenbäder) mit 389 Badkästen mit Platz für ein oder zwei Personen. In diesen saßen Pesthafte, Kranke und Gesunde täglich bis 10 Stunden bei Speis‘ und Trank im heißen Wasser. Als vornehmste Badherberge galt 1625 das „Ungemach“, sie verfügt über 60 Badkästen.

Bäder wurden bei Rheumaleiden, Herz- und Kreislaufbeschwerden, Stoffwechselstörungen und Atemwegserkrankungen angewendet.

Auf dem Marktplatz existierten zwei öffentliche Bäder. Ein durchschnittlicher Badeaufenthalt dauerte drei bis sechs Wochen bei einer Badezeit von bis zu zehn Stunden täglich.

Baden-Baden wurde im August 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich fast vollständig niedergebrannt, dabei verbrannten auch die Badeeinrichtungen. Die Stadt wurde teilweise wieder aufgebaut, doch der Badebetrieb kam fast zum Stillstand. Das Bürger- und das Freibad auf dem Marktplatz wurden wieder aufgebaut. Im Jahr 1764 bestanden erst wieder vier Badehäuser. Das Bürger- und das Freibad bestanden bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts rückten bei den Anwendungen zusehends die im Wasser gelösten Mineralien in den Fokus. Die Trinkkuren setzten sich durch, z.B. bei Leber- und Gallenleiden, Magen- und Darmerkrankungen, Diabetes und Gicht. Die reinen Thermalbadanwendungen verloren an Bedeutung.

Der Wiederaufstieg zur Kurstadt wurde in den Jahren 1765/1766 durch den Bau des Promenadenhauses und den Entwurf einer Kastanienallee außerhalb der Stadtmauern westlich der Oos (Lichtentaler Allee) initiiert.

19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts setzte wieder ein rascher Aufstieg ein. Nach Abbruch der Stadtbefestigung dehnte sich Baden-Baden rasch über den alten Mauerring aus und entwickelte sich zur Villenstadt. Die Eröffnung der Spielbank 1838 leitete einen ungeahnten Aufschwung ein, der auch erste geologische Aufnahmen der Umgebung der Badeorte ermöglichte.

Zwischen 1839 und 1842 wurde nördlich des Kurhauses nach den Plänen des Karlsruher Architekten Heinrich Hübsch die neue Trinkhalle, eine Kombination aus Trink- und Wandelhalle, errichtet, die durch eine Rohrleitung vom Florentinerberg mit Thermalwasser versorgt wurde.

Die Stadt entwickelte sich zum sommerlichen Treffpunkt von Fürsten, Diplomaten, Dichtern, Komponisten und Bankiers und galt 1845-1870 als vornehmste Kurstadt Europas („Sommerstadt Europas“ oder etwas eleganter: „capitale d’été“).

Badehäuser ab dem 19. Jahrhundert
Altes Dampfbad (1848 bis 1877)

Das Alte Dampfbad wurde zwischen 1846 und 1848 nach den Plänen des Karlsruher Architekten Heinrich Hübsch im Stil eines toskanischen Landhauses über der Ursprungsquelle errichtet. Es ist das einzige Badegebäude, das aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis heute erhalten geblieben ist.

Das Dampfbad, mit Kabinetten für Dampbäder und einem Inhalationsraum ausgestattet, wurde an der Stelle der Antiquitättenhalle, dem ersten Museum in Baden-Baden, errichtet.

In den Jahren 1864/1865 erweiterte L. Engesser das Bad an der östlichen Schmalseite um eine zweigeschossige Apsis mit großen Fenstern, die als Sauna genutzt wurde.

Mit der Eröffnung des direkt angrenzenden Friedrichsbades verlor das Alte Dampfbad seine ursprüngliche Funktion.

Heute erinnert nur noch die im Untergeschoss gefasste Ursprungsquelle an die frühere Nutzung. Heute wird das Gebäude, als Vereinssitz der Freunde Junger Kunst, für Kunstausstellungen genutzt.

Im Gebäude ist es Dank der Ursprungsquelle mollig warm. Gehen Sie rein und überzeugen Sie sich selbst.

Friedrichsbad (seit 1877)

Ende der 1850er Jahre drohte die Schließung der Spielbank. Dies sorgte seitdem für Diskussionen über die Konkurrenzfähigkeit Baden-Badens, die insbesondere von Medizinern angestoßen wurde. Die weitgehende Vernachlässigung der Therapie zu Gunsten des Vergnügens in der Bénazet-Ära war nicht in ihrem Sinne, so dass sie das Ende des Glückspiels eher als Chance denn als Krise begriffen.

Planungsphase:

Erste Pläne des Bezirksbauinspektors Lukas Engesser im Jahr 1859 wurden rasch verworfen, die Diskussion über die Zukunft der Kurbäder in Baden-Baden nahm aber immer mehr Fahrt auf.

Der Großherzogliche Amtsarzt Julius Füsslin forderte in einer Denkschrift im Jahr 1864 eine Modernisierung der Bäder und kritisierte die Zustände in Baden-Baden mit deutlichen Worten:

„Die hiesigen Bade- und Heilanstalten entsprechen bekanntermaßen so wenig den Anforderungen der jetzigen Zeit wie den Einrichtungen der übrigen concurrierenden Badeorte … Man ist über die aller einfachste Benützung unserer reichen Quellenschätze, nämlich zu Thermalwasserbädern, nicht hinausgekommen.“

Ähnlich beurteilte Füsslins Kollege Carl Frech die Situation, der sich bereits 1861 Gedanken machte, wie man dem Badeleben in Baden-Baden Impulse geben könnte. Er forderte ein großes öffentliches Gesellschaftsbad für alle Klassen. Er macht dafür neben medizinischen Gründen vor allem das Argument der Geselligkeit geltend. Baden doch in zahlreichen anderen Bädern Männer, Frauen und Kinder dutzendweise in großen gemeinschaftlichen Bassins, und werden diese gemeinschaftlichen Bäder, selbst von höheren Ständen, den ihnen zu Gebot stehenden Einzelbädern vorgezogen.

Diese Einrichtung sollte das bestehende Dampfbad von Heinrich Hübsch, das aus seiner Sicht völlig unzureichend war, ablösen.

Die Großherzogliche Badeanstalten-Kommission lehnte Frechs Entwurf, u.a. wegen der „Gefährdung der Schamhaftigkeit“ ab. Die Kommission empfahl im Mai 1862, gestützt auf ein Gutachten der Heidelberger Professoren Robert Bunsen und Robert Kirchhoff, den Neubau unterhalb des Dampfbads von Hübsch zu errichten. Nach deren Expertise geschieht die Dampfentwicklung im Bad am besten durch einen Sprühregen, der auch unterhalb des Quellaustritts durch Rohrleitungen möglich ist.

Eine am 16.Juli 1862 von der Regierung neu einberufene Kommission, der auch Frech angehörte, empfahl, das Dampfbad des Heinrich Hübsch abzureißen und einen großen Neubau mit Gesellschaftsbädern nach den Vorstellungen von Frech zu errichten. Diese Überlegungen waren Auslöser für Planungen in der Baudirektion Karlsruhe. Friedrich Theodor Fischer, der 1864 als Nachfolger von Heinrich Hübsch die Leitung der Baudirektion übernahm, sollte das wichtig Bauprojekt selbst übernehmen.

Die Bezirksbauinspektion in Baden-Baden führte im Auftrag Fischers eine mehrjährige Versuchsreihe zur Dampfbelastbarkeit verschiedener Steinmaterialien durch. Die Planungen wurden zwischen 1865 und 1867 daraufhin mehrfach überarbeitet. Bald darauf jedoch verstarb Friedrich Theodor Fischer völlig überraschend.

Auftragsvergabe:

Schlussendlich erhielt 1868 der zu diesem Zeitpunkt relativ unbekannte Bezirksbauinspektor Karl Denfeld (1831 bis 1879) den Planungsauftrag für das Friedrichsbad.

Denfeld war auch Architekt der neugotischen St. Peter und Paul Kirche im nahegelegenen Bühl. In intensiver Vorbereitung auf die Entwurfsarbeiten besichtigte Denfeld gemeinsam mit Medizinalrat Carl Frech „die besuchtesten Badeorte Deutschlands und Frankreichs, sowie hauptsächlich auch unter den Badeanstalten größerer Städte solche in Wien, Ofen-Pesth und Berlin“.

Neubau:

Das Bad entstand an der Stelle eines abgebrochenen Altstadtreviers.

Bauzeit: 1869 bis 1877

Die eigentlichen Bauarbeiten begannen nach Abschluss der Aushub- und Fundamentierungsarbeiten erst 1871.

In Anlehnung an antike Vorbilder ist der Grundriss streng axialsymmetrisch aufgebaut.

Bereits die Eingangshalle und der Aufgang zum Friedrichsbad lassen ein außergewöhnliches Badeerlebnis erahnen. Das antike Ambiente des Badetempels gewährt zwischen eindrucksvollen Duscharmaturen, handbemalten Majolika-Kacheln und dem prächtigen, zentral gelegenen kreisrunden Kuppelsaal einen unvergesslichen Einblick in jahrhundertealte Badetraditionen.

Das im Renaissance-Stil erbaute Gebäude galt bei seiner Eröffnung im Jahre 1877 als das modernste Badehaus Europas und hat seither nichts an Charme und Atmosphäre verloren. Die „Aerztlichen Mitteilungen aus Baden“ würdigen die Einrichtung anlässlich ihrer Fertigstellung wie folgt:

„Mit der Eröffnung des Friedrichsbades in Baden enthält unsere Bäderstadt eine Musteranstalt, wie sie in keinem anderen Badeorte und selbst in keiner anderen Großstadt Europas in gleicher Eleganz und Vollkommenheit gefunden wird“.

Das Bad stieß auf ein großes Besucherinteresse und erreichte bereits in den frühen 1880er Jahren seine Kapazitätsgrenze. Ab 1885 dachte man daher im badischen Innenministerium über Alternativen nach (siehe Augustabad).

Heute bilden die siebzehn aufeinander abgestimmten Wohlfühlstationen des historischen Friedrichsbades den maximalen Ausgleich zwischen Energietanken und Badespaß.

Thermalwasserbohrungen:

Das Friedrichsbad wird seit 1969 zusätzlich jeden Tag mit ca. 293 m³ Thermalwasser aus zwei Tiefbrunnen im Pflutterloch, oberhalb vom Neuen Schloss, versorgt.

Landesbad (1890 bis 1960er?)

Das 1890 eröffnete Landesbad diente, im Gegensatz zu den Luxusbädern, als Volksbad den breiten Bevölkerungsschichten. 1890 wurde nebenan zur Therapie von Atemwegserkrankungen ein Inhalatorium errichtet. An dieser Stelle befindet sich heute die Caracalla-Therme.

Augustabad (1890 bis 1963)

Aufgrund des großen Publikumsinteresses war die Kapazität des Friedrichbades bereits in den frühen 1880er-Jahren erschöpft. Daraufhin wurde beschlossen, das eigentlich als Doppelanlage konzipierte Friedrichsbad ausschließlich für männliche Badegäste zu nutzen und für Frauen einen kleineren Neubau zu erstellen.

Die badische Baudirektion nannte das Gasthaus Zum Salmen unmittelbar östlich des Friedrichsbades, in dem das Armenbad untergebracht war, als Bauplatz. Ursprünglich sollte ein Teil des Gebäudekomplexes erhalten bleiben, als dann aber noch eine Erweiterung in Richtung Osten um eine heilgymnastische Anlage angefügt wurde, musste das Gasthaus Salmen komplett abgerissen werden.

Die Baupläne für den dreieckförmig zugeschnittenen, schwer zu bebauenden Bauplatz zwischen Friedrichsbad, Kloster vom Heiligen Grab und Zähringerstraße erstellte der Leiter der badischen Baudirektion Josef Durm.

Mit den Bauarbeiten des zweigeschossigen Bauwerkes wurde im März 1890 begonnen. Großherzog Friedrich I. verfügte, anlässlich des Geburtstages der verstorbenen Kaiserin Augusta (1811-1890), das Frauenbad nach ihr zu benennen. Am 28. Juni 1893 wurde das Kaiserin-Augusta-Bad offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Wilhelm Schleyer schreibt in seiner Veröffentlichung „Bäder und Badeanstalten“ im Jahr 1909: „Der an die Lage der Quelle gebundene Bauplatz bot dem Architecten erhebliche Schwierigkeiten, welche indessen äußerst glücklich überwunden sind und innen und außen unter reicher Verwendung echter Materialien zu einer glanzvollen Gestaltung geführt haben; die phantasievolle Raumbildung und Ausschmückung findet ihresgleichen nur in den schönsten und großartigsten Bäderbauten der Römer“.

Das Augustabad wies eine überaus reiche Innenausstattung auf: So wurden kostbare, verschiedenfarbige Marmorsorten eingesetzt und die Wandverkleidungen meist mit bunten Fayencen, Majoliken und Glasmalereien geschmückt. Die Decken waren alle gewölbt, die Fußböden aus Tonfliesen, Terrazzo oder Stiftmosaik hergestellt; die Oberlichte und Fenster hatte man mit Glasmalereien geschmückt, in der Eingangshalle und in den Treppenhäusern fanden sich figürliche Malereien. Die Wannen waren überwiegend aus einem Block Carrara-Marmor, andere aus englischer Fayence gefertigt, während die Bassins vielfach in Monierbauweise ausgeführt und mit Marmorplatten auf wasserdichtem Zementputz bekleidet waren.

Im Zuge der Umgestaltung des Bäderviertels zu einem zeitgemäßen Kurviertel mit grüner Umgebung wurden in den 1960er Jahren große Teil der historischen Bausubstanz abgerissen (Kaiserin-Augusta-Bad, Fangohaus und Inhalatorium).

Das Augustabad wurde 1963, nach der Demontage der wiederverwendbaren Ausstattung, abgebrochen.

Heute befindet sich in am Standort des Augustbades eine Grünanlage, in der eine Figur aus der Fassade des Bauwerks an die frühere Position des einstigen Bades erinnert.

Haupttextquelle: Coenen, Ulrich: Von Aquae bis Baden-Baden. Die Baugeschichte der Stadt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Kurachitektur. Verlagshaus Mainz GmbH Aachen, 2008.

Caracalla Therme (seit 1985)

Die nach dem römischen Kaiser Caracalla benannte Therme befindet sich am früheren Standort des Landesbades und Inhalatoriums.

Zwischen 1963 und 1966 entstand nach den Plänen des Architekten Rolf E. Weber unmittelbar nordöstlich des Vorgängerbaus das sogenannte Kurmittelhaus („Neues Augustabad“), ein siebengeschossiger Kubus in Stahlbeton-Skelettbauweise mit Glasfassade und einer Trinkhalle im zweiten Geschoss sowie einem Hallenbad im Dachgeschoss.

Webers Entwurf wurde der gestellten Aufgabe, das „Neue Augustabad“ für eine Stadt mit fast 2000 jähriger Badgeschichte zu bauen, in keiner Weise gerecht und wirkte im historischen Bäderviertel deplatziert.

„Die formale Ausgestaltung des Kurmittelhauses war willkürlich, das Gebäude von außen nicht als Therme zu identifizieren und hätte genauso ein Bürohaus sein können“, schreibt Ulrich Coenen in einem Buch „Von Aquae bis Baden-Baden“ wohlwollend freundlich.

Das neue Bad wurde vom Publikum auch nur unzureichend angenommen, schon bald wurde sogar der Abriss in Betracht gezogen. Diese Idee wurde aber verworfen.

Stattdessen wurde das Kurmittelhaus nach Plänen des Freiburger Architekten Hans-Dieter Hecker umgebaut und erweitert. Das Bestandgebäude konnte aufgrund der beengten Situation am Südhang des Florentinerberges zwischen Kloster und Spitalkirche nur nach Osten in Richtung Landesbad (Rheumazentrum) erweitert werden. Heckers Ziel war ein Entwurf, der an die Baden-Badener Kur- und Bäderbauten anknüpft, in dem er die alte Form eines von Säulen getragenen Rundbaues mit zeitgemäßen architektonischen und konstruktiven Mitteln neu interpretiert.

Im März 1983 begannen die Bauarbeiten. Die obersten Geschosse des Kurmittelhauses wurden rückgebaut und direkt angrenzend eine Badehalle als von weißen Stahlbetonsäulen getragener Rundbau mit angegliederten runden Außenbecken und offenem Liegebereich errichtet.

Am 19. August 1985 wurde die fortan nach dem römischen Kaiser Caracalla bezeichnete Therme ihrer Bestimmung übergeben.

Haupttextquelle: Coenen, Ulrich: Von Aquae bis Baden-Baden. Die Baugeschichte der Stadt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Kurachitektur. Verlagshaus Mainz GmbH Aachen, 2008.

Weitere Thermalwassernutzungen
Trinkhalle

Die Trinkhalle ist wohl eines der beeindruckendsten Gebäude in Baden-Baden.

In leicht erhöhter Lage erinnert der Bau mit seinen 16 Säulen und dem 90 Meter langen offenen Wandelgang an die römische Geschichte Baden-Badens. Insgesamt 14 großformatige Wandgemälde von Jakob Götzenberger (1802 bis 1866) stellen Szenen aus der Sagenwelt des nördlichen Schwarzwalds dar und runden die imposante Erscheinung des majestätisch wirkenden Gebäudes ab.

Die Trinkhalle wurde 1839 bis 1842 nach Plänen von Heinrich Hübsch, einem Schüler Friedrich Weinbrenners, für die im 19. Jahrhundert in Mode gekommenen Trinkkuren erbaut. Der Trinkbrunnen im prächtigen Innenraum wird (wurde) aus der Friedrichsquelle gespeist, so die Inschrift vor dem Gebäude.

ACHTUNG: Nach heutigen Richtlinien ist das Thermalwasser, v.a. aufgrund des erhöhten Arsengehaltes, nicht als Trinkwasser geeignet. Arsen wirkt kanzerogen. Durch den Hinweis „Kein Trinkwasser“ wird deshalb vom Verzehr abgeraten, was den einen oder anderen durstigen Touristen beim Betreten der Trinkhalle dann doch etwas verwundert.

Stiftskirche

In den 1860er Jahren wurde in der Stiftskirche eine Thermalwasserheizung aus Kupferrohren installiert. Sie war bis 1954 in Betrieb stellte sich aber rückblickend als sehr schädlich für das Mauerwerk heraus.

Reiherbrunnen

Der Reiherbrunnen in der Sophienstraße wird wie auch die Fettquelle mit Thermalwasser gespeist. Der Entwurf dieses Brunnens im Jugendstil geht auf den Karlsruher Bildhauer Karl Albiker (1878-1961) zurück. Auf dem steinernen Brunnentrog thronen drei bronzene Reiher. Der mittlere Reiher hat die Flügel ausgebreitet und aus seinem Schnabel strömt das heiße Thermalwasser. Insbesondere im Winter bei geschlossener Schneedecke ist der dampfende und schneefreie Reiherbrunnen ein echter Blickfang. Die heutige Position auf der Mittelachse der Sophienallee hat der Brunnen erst seit 1981 inne. Von seiner Einweihung am 10. Oktober 1908 bis ins Jahr 1966 stand er auf Höhe des Sonnenplatzes. Nachdem er in den 1960er Jahren mehrfach von Autofahrern angefahren worden war, wurde er in eine Ladennische an der Ecke Sophienstraße/Stephanienstraße versetzt. Die Vorbereitungen zur Landesgartenschau 1981 gaben Anlass zur erneuten Versetzung an seine heutige Position. Während das Wasser des Reiherbrunnens 1992 noch 42 °C warm war, ist es seit Oktober 2012 mit 28 °C nur noch lauwarm. Grund dafür ist ein Gesetz, das Thermalwasser aus öffentlichen Brunnen als Trinkwasser einstuft. Da der Arsengehalt des Baden-Badener Thermalwassers über dem gesetzlichen Grenzwert liegt, werden die Brunnen nun mit vorgefiltertem Wasser versorgt, das aus verschiedenen Thermalwasserquellen stammt. Auch der lange Leitungsweg von der Quelle beim Friedrichsbad bis zum Brunnen in der Sophienstraße wird für einen Teil der Abkühlung des Wassers verantwortlich gemacht.

Anfang August 2013 beschädigten Unbekannte den Brunnen. Der mittlere Reiher mit ausgebreiteten Flügeln wurde abgerissen. Nachdem der abgerissene Reiher von Bildhauerin Birgit Stauch restauriert worden war, konnte er am 16. April 2014 wieder installiert werden. Der Schaden belief sich laut OB Gerstner auf 10.000 Euro.

Textquelle: Stadtwiki Baden-Baden

Die Trinkhalle im Oktober 2022

(KEIN) Trinkbrunnen in der Trinkhalle

Blick auf den Florentinerberg

Quellschacht am Florentinerberg

Altes Dampfbad und Friedrichsbad

Friedrichsbad

Treppenzugang Römische Badruinen

Caracalla Therme und Spitalkirche

Zeitliche Entwicklung der Thermalquellen
Anfang 17. Jahrhundert

Früher hatte fast jede der ca. 20, teilweise sehr nahe beisammen liegenden Thermalwasser­austritte, einen eigenen Namen. 1606 wurde von Joh. Matthaeus Heuss ein erstes Verzeichnis der Badener Quellen veröffentlicht. Dort sind 12 Wasseraustritte benannt:

  Name
1 Baldreitquelle
2 Brühquelle
3 Büttquelle
4 Fettquelle
5 Höllquelle
6 Kühler Brunnen
9 Judenquelle
10 Murquelle
11 Ungemachquelle
12 Ursprungsquelle
Mitte 18. Jahrhundert

Im Jahr 1768 wurden die Thermalquelle, Leitungen und Badeeinrichtungen genau verzeichnet. NE der Stiftskirche bestand das Frei- und Bürgerbad mit Einzelbadekästen, zwei Becken und einer Badestube. Die Ursprungsquelle war in einer gemauerten Brunnenstube gefasst.

Mitte 19. Jahrhundert

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts traten die meisten Quellen getrennt aus.

Vor dem Bau des alten Dampfbads (1846 bis 1848) wurden die drei am hinteren Ende des Markplatzes liegenden Quellen (Freibad-, Kühl- und Ursprungquelle) gefasst.

Umgestaltung Bäderbezirk 1868 bis 1871

Der Karlsruher Ingenieur Robert Gerwig, der spätere „Erbauer“ der Schwarzwaldbahn, konnte 1868 bis 1871 die wichtigsten Thermalwasseraustritte fassen und in zwei Stollensystemen sammeln.

Beim Vortrieb des Hauptstollens versiegten die Brüh-, Ungemach- und Judenquelle, sie wurden im Hauptstollen zusammengefasst. Die tägliche Gesamtschüttung aller Quellen konnte durch die bauliche Umgestaltung von 693 m³ (5,1 l/s) im Jahr 1868 auf 856 m³ im Jahr 1871 gesteigert werden. Wegen der Hitze konnten die Stollen nicht direkt bis zur Störung (Haupt-Quellaustritt) vorgetrieben werden. Durch den späteren Bau des Kirchen- und Rosenstollens und weiterer Stollen zwischen um 1897 bis 1898 konnten die Wassermengen weiter gesteigert werden.

Heute

Nach Erweiterungen um die Wende zum 20. Jahrhundert ist das ausgemauerte und begehbare Stollensystem heute insgesamt 200 m lang.

Die drei Stollen versorgen als Mischwasser die Caracalla Therme und das Friedrichsbad. Der Friedrichsstollen fördert rund 50 % der gesamten Wassermenge. 

Geologie

Baden-Baden liegt in der Badener Oberkarbon-Rotliegend-Senke, welche durch SW- NE-Streichen gekennzeichnet ist. Ihr Kern ist die in gleicher Richtung verlaufende Battert-Aufwölbung, in deren Norden die Rotenfelser Senke und in deren Süden die Lichtentaler Senke angelegt ist, kleine Teiltröge des gesamten Badener Troges. Diese drei Zentraleinheiten werden durch Verwerfungen voneinander getrennt. Die Trogfüllung ist nach bisheriger Kenntnis über 1.000 m mächtig:

  • 600 m Rotliegendes  (Oostal Subformation, rTO)
  • 400 m Oberkarbon    (Staufenberg Formation, coS)

Am Florentinerberg stehen Gesteine des Oberkarbon an, eingerahmt von paläozoischen Schiefern im SW, Graniten im NW und Oberrotliegendem im E und SE. Das Oberkarbon besteht aus Arkosen, Sandsteinen und Konglomeraten in Wechsellagerung mit Schiefertonen. Bei Quellfassungsarbeiten stieß man 1895 in einem Stollen in den Arkosen auf ein 15 bis 20 cm mächtiges Kohlenflöz. Die Schichten des Oberkarbon fallen am Florentinerberg ca. 20-35° nach NW ein.

Im Grenzbereich der Battert-Aufwölbung und der Lichtentaler Teilsenke setzt aus Richtung Kurhaus eine SW-NE streichende, nach SE einfallende Störungszone (Abschiebung) zum Neuen Schloss ein, die das Oberkarbon gegen eine höher liegende Scholle aus Friesenberggranit verstellt. An dieser zum Gebirge einfallenden Störungszone steigen die Thermalwässer auf.  Die unterschiedlichen Temperaturen der Austritte zeigen an, dass die Wässer aus unterschiedlichsten Tiefen stammen.

Die Hauptthermalstörung kommt vom Beutig im Westsüdwesten her und zieht auf das Kurhaus hin. Hinter dem Nordflügel des Kurhauses, in der Felswand des Parkplatzes (Alte Schiefer, Baden-Baden-Schiefergruppe), ist die Störung aufgeschlossen. Das auf einer Breite von nahezu 100 m zerruschelte, mit verstürzten Massen gemengte Gestein ist gebleicht und tonig zersetzt; neben Baryt sind auch andere thermale Minerale vorhanden.

Die Störung ändert von hier ab ihre Richtung von WSW-ENE (ca. 67 °) in SW-NE (ca. 37°), streicht südlich der Trinkhalle vorbei und wird dann durch die quartären Kiese der Oos verdeckt. Bis zum Fluß versetzt sie die Alten Schiefer (Devon) im Norden gegen oberkarbonische Sandsteine im Süden. Östlich ist sie in der unteren Büttenstraße festzustellen, zieht mit 37° über die Büttenquelle auf die NW-Begrenzung des Marktplatzes, über die Westecke der Schloßterrasse am Florentinerberg in Richtung Hungerberg auf das Murgtal zu. Bis zum Marktplatz grenzen Alte Schiefer im Norden an Oberkarbon im Süden, von da bis zur Schloßterrasse Badener Granit (Friesenberg Granit) gegen Oberkarbon.

Ausschnitt aus der Geologischen Karte 1:50.000. Datenquelle: Kartenviewer LGRB

Die Thermalquellen treten am Südhang des Florentinerberges südöstlich der Hauptthermalspalte im Bereich einer stark zerrütteten, durch Störungen umgrenzten Oberkarbonscholle aus. An die Oberkarbon-Rotliegend-Senke grenzt im Süden, getrennt durch die SW-NE ver­laufende Gernsbacher Störungszone, das höher aufragende Nordschwarzwälder Granitmas­siv an, dessen Oberfläche nach Norden unter die Senke abtaucht.

Als Regenerationsgebiet für die Thermalwässer wird das südlich der Lichtentaler Senke gelegene Granitmassiv betrachtet. Das von dort in die Lichtentaler Senke vordringende Wasser wird im Grenzbe­reich zur Battert-Aufwölbung in der Hauptthermalspalte zum Austritt gezwungen. Die ungewöhnliche Lage der Thermalwasseraustritte ca. 30 m über Talniveau wird durch eine Abdichtung bestehend aus tonigem Gesteinsmaterial bewirkt.

Die Radium- und Urangehalte der Thermalwässer sollen aus den Sedimenten des Oberkarbon stammen. Es sind Schwemmfächerablagerungen bestehend aus dem Material des erodierten Granites im Süden der Lichtentaler Senke.

Textquelle: Stober, Ingrid: Geologie und Geschichte der Mineral- und Thermalquellen im Schwarzwald, Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 92, Heft 2, S. 29-52, Freiburg 2002.

Nach der Zerstörung der römischen Bäder lief das Thermalwasser am Florentinerberg frei ab. Es bildete sich ein mehrere Meter mächtiger Sinterhügel. Der poröse, schmutzig-graubraune bis gelblichgraue Quellensinter – von Beyer (1788) als „lichtnelkenbraune bläulichweiße Steinart“ bezeichnet – besteht vorwiegend aus Aragonit (CaCO3), das im Vergleich zum „trigonalen“ Calcit (CaCO3) eine andere Kristallstruktur aufweist und untergeordnet auch aus Kalkspat und Kieselsinter. Er enthält schwärzliche und gelblichweiße erdige Flecken.

Die Ausscheidung (Fällung) von Opalkieselsinter erfolgte durch Kieselalgen, die im warmen Wasser lebten.

Im Sinterhügel wurden Schnecken (Helix pomatia) und Kieselhölzer gefunden. Beim Bau des Friedrichsbads musste der Sinterhügel 1869 bis 1870 abgetragen werden.

Das Material wurde zum Auffüllen im Rotenbachtal und u.a. zur Ausgestaltung der Brunnengrotte der Fettquelle verwendet.

Heute setzt sich Kalksinter in Thermalwasserleitungen ab. Aus Thermalwasser schlägt sich außerdem ein plastischer, gelb- bis grauschwarzer Badschlamm nieder. Dabei weist der manganoxidreiche Thermalschlamm der angrenzenden Murquelle nach Kirchheimer (1959) die höchste Radioaktivität auf.

Graphik verändert nach: Metz, Rudolf: Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald – besonders in dessen alten Bergbaurevieren, Moritz Schauenburg Verlag, Lahr/Schwarzwald, 2. vollständig überarbeitete Auflage, 1977.

Die Grotte ist mit Steinen aus dem früheren Sinterhügel ausgekleidet.

Der poröse, schmutzig-graubraune bis gelblichgraue Quellensinter – von Beyer (1788) als „lichtnelkenbraune bläulichweiße Steinart“ bezeichnet besteht vorwiegend aus Aragonit (CaCO3) und untergeordnet auch aus Kalkspat und Kieselsinter. Er enthält schwärzliche und gelblichweiße erdige Flecken.

Die Ausscheidung (Fällung) von Opalkieselsinter erfolgte durch Kieselalgen, die im warmen Wasser lebten. Im Sinter wurden Schnecken (Helix pomatia) und Kieselhölzer gefunden.

Bei dem roten Mauerwerk handelt es sich um Leisbergporphyr, der früher in der Nähe abgebaut wurde.

Um 1870 wurde an der Ostseite des Friedrichsbades an den Dernfeldstaffeln eine künstliche Grotte mit Trinkbrunnen angelegt.  Der eigentliche Quellaustritt befindet sich an der direkt angrenzenden Klosterkirche „Vom Heiligen Grab“. Die Fettquelle versorgte bis Ende des 17. Jahrhunderts die dort vorhandene Badeherberge „Zum Ungemach“ mit heißem Wasser.

Der Name der Quelle rührt wohl von den Gesteinspartikeln her, die das Wasser wie Fett glänzen lassen. Einst war das Thermalwasser der Fettquelle beim Austritt 63 °C heiß.

Die Brunnengrotte der Fettquelle bei den Dernfeldstaffeln an der Ostseite des Friedrichsbades im Oktober 2022. Der eigentliche Quellaustritt der Fettquelle liegt wenige Meter entfernt an der NW-Ecke der Klosterkirche (im Foto rechts).

Sintermauerwerk Brunnengrotte

Thermalwasserbohrungen
Pflutterloch (1960 bis 1965)

Ab 1959 gab es Bemühungen, mittels Bohrungen zusätzlich Thermalwasser zu erschließen. Es lag nahe, zunächst einen Streifen nördlich und südlich der Hautthermalspalte vom „Beutig“ bis zum „Hungerberg“ durch thermische Messungen näher zu erkunden.

Vorerkundungen

Zunächst wurden im Januar/Februar 1960 in einem Gebiet vom Kloster „Zum Heiligen Grab“ bis in das Gebiet an den Radiumbrunnen im „Steinwald“ in 500 Bohrlöchern bis 4 m Tiefe geoelektrische Messungen durchgeführt.

In einem zweiten Schritt wurden im Januar/Februar 1962 in weiteren 400 Bohrlöchern analoge Messungen in einem Gebiet nördlich des „Steinwald“, im „Pflutterloch“ und westlich der Oos vom „Friesenberg“ bis zum „Rebbuckel“ und die „Beutigwiesen“ durchgeführt. Alle Messungen wurden in einem 25 m-Raster durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigten, dass das Wiesengelände an der Westseite des Schlossbergs, im Pflutterloch, besonders hoffnungsträchtig ist. Die Auswertung ergab, dass vom Westrand des Schlossgartens nach Nordosten eine Wärmeanomalie vorhanden ist, welche mit ziemlicher Gewissheit durch im Untergrund zirkulierendes Thermalwasser erzeugt wird.

Zunächst musste jedoch überprüft werden, ob sich die durch die bisherigen Messungen nachgewiesenen Anomalien auch bei Wiederholung zeigen und auch in größere Tiefe zu verfolgen sind. Deshalb wurden im Pflutterloch eine Anzahl Bohrungen von 10, 20 und 50 m Tiefe gestoßen. Darin wurden bis 1964 zu verschiedenen Zeiten Kontroll- und Wiederholungsmessungen vorgenommen, insbesondere aber in einer 21 m tiefen Dauermessstelle, in welche 17 Messelemente stationär eingebaut waren. Die Messungen ergaben einen ungewöhnlich hohen Temperaturgradienten von 2,8°C/100 m. Der Raum erschien somit zu Bohrversuchen prädestiniert, zumal auch in anderen in der Nähe gelegenen Bohrlöchern ähnlich abnormale Gradienten festgestellt waren (Normalgradient 3° C/100 m). Eine solche ungewöhnliche Aufheizung konnte nur mit einer echten tiefenbedingten Wärmeanomalie in Beziehung stehen.

So wurden 1965 an der Westseite im Pflutterloch zwei vollständig gekernte Versuchsbohrungen abgeteuft.

Bohrung B 1

Ansatzhöhe:

  • 200,41 m NN

Bohrwinkel:

  • 15° nach Süden

Geothermischer Gradient: 

  • 23,6 °C/100m (Messbohrung BQ 16, ca. 50 m entfernt)

Bohrlänge:

  • 301,5 m

Lithologie:

  • bis 6,60 m Hangschutt
  • bis 228,00 m Granit
  • bis 241,00 m Schiefer
  • bis 242,00 m Granit
  • bis 249,00 m Schiefer
  • bis 252,00 m Granit
  • bis 256,00 m Schiefer
  • bis 257,00 m Granit
  • bis 301,50 m Schiefer

Thermalwasserzutritte:

  • 197 m NN (Zufluss schwach)
  • 203 m NN (Hauptzutritt)

Auslauf:

  • frei (artesisch gespannt)

Schüttung:

  • 1,12 l/s

Wassertemperatur:

  • 62,4 °C (am Auslauf)

Mineralisation:

  • 2.792,4 mg/kg, v.a. Natrium und Chlorid

Ausbau:

Das Schrägbohrloch 1 wurde nicht erweitert und derart ausgebaut, dass zuerst ein Vorschacht von 1,60 m Durchmesser unter 15° Neigung bis 17,20 m geteuft wurde, wobei das vorhandene Kernbohrloch zur Führung des Piloten verwendet wurde. In den Vorschacht wurde ein Hagustarohr NW 150 (vollwandig) eingebaut, welches auf 3 m dicht in den Fels einbetoniert wurde. Zusätzlich wurde eine Abdichtung mit Hilfe eines in die Felsbohrung eingesetzten Gummipackers vorgenommen.

Bohrung B 2

Ansatzhöhe:

  • 241 m NN

Bohrwinkel:

Bohrlänge:

  • 553 m

Lithologie:

  • bis 11,00 m Hangschutt
  • bis 358,00 m Granit
  • bis 359,00 m Schiefer
  • bis 360,00 m Granit
  • bis 366,00 m Schiefer
  • bis 368,00 m Granit
  • bis 372,00 m Schiefer
  • bis 374,00 m Granit
  • bis 553,00 m Schiefer

Thermalwasserzutritte:

  • 139 m NN
  • 446 m NN
  • 496,6 m NN (Hauptzutritt)

und immer wieder in geringen bis geringsten Mengen bis 511 m

Auslauf:          

  • frei (artesisch gespannt)

Schüttung:      

  • 0,87 l/s
  • 2,27 l/s (im Pumpbetrieb)

Wassertemperatur:

  • 55,5 °C

Mineralisation:

  • 3.640 mg/kg, v.a. Natrium und Chlorid

Ausbau:

Das Bohrloch wurde angesichts der günstigen Ergebnisse für die Produktion aufgebohrt (253 mm bis 98 m und danach mit 225 mm bis zur Endteufe). Es wurde mit korrosionsbeständigen Hagusta-Aufsatz-Rohren NW 175 bis 451,70 m ausgebaut, an die sich Filterrohre derselben Dimension und Beschaffenheit mit versetzter Schlitzlochung dreimal 25 mm anschließen, durch welche das Thermalwasser eintreten kann. Um gegen Oberflächenwässer abgesichert zu sein, wurde eine Schutzrohrtour von 240 mm Durchmesser bis 98 m eingestellt. Die Zwischenräume zwischen Bohrlochwand, Hilfsverrohrung und Hagustarohren wurden bis 128 m über Injektionsrohre ausbetoniert. Der nach erfolgtem Ausbau durchgeführte Dauerpumpversuch ergab, dass 2,27 l/s (= 196 m³/d) bei Absenkung des Wasserspiegels um 100 m gefördert werden können.

Regionalgeologische Erkenntnisse

Die beiden Bohrungen konnten wesentlich zur Klärung über die Art des Kontaktes zwischen den Alten Schiefer (Baden-Baden-Schiefergruppe) und dem Badener Granit (Friesenberg Granit) beitragen.

Die starke Verzahnung von Granit und Schiefer ergibt einen Schuppenkontakt, was sich durchaus mit den mikroskopischen Befunden deckt. Der Mineralbestand der Schiefer zeigt zwar, dass sie einer Metamorphose unterlegen haben, doch hat es sich hierbei um die niedertemperierten Zonen der Grünschieferfazies gehandelt, also um eine seichte Regionalmetamorphose. Für eine Kontaktmetamorphose an einem Granit lassen sich selbst direkt am Kontakt absolut keine Kriterien feststellen.

Wasser für das Friedrichsbad

Eine 630 m lange Leitung führt seit 1969 das Thermalwasser der beiden Bohrungen zum Friedrichsbad, im Pumpenbetrieb täglich 293 m³ (3,4 l/s).

Alle Thermalquellen von Baden-Baden fördern täglich 1,7 t NaCl und 40 kg LiCl und das seit mindestens 2.000 Jahren.

Herkunft und Alter des Thermalwassers

Das Thermalwasser stammt – bei einem lokalen geothermischen Gradienten von ca. 5°C/100 m – aus Tiefen von ca. 1.200 m bis 1.500 m. Die enthaltenen Mineralstoffe weisen auf eine Herkunft in der Füllung des Oberrheingrabens hin, wo das Tertiär W der Senke von Baden-Baden eine Mächtigkeit von ungefähr 1.200 m aufweist. Niederschlagswasser dringt dort in den Untergrund ein, bewegt sich in der tektonisch zerlegten Randscholle nach N und vermischt sich dabei mit salinaren Lösungen aus dem Oberrheingraben, um an Störungen im Bereich des Florentinerberg artesisch bis zur Oberfläche aufzusteigen.

Über das Alter der Thermalquellen sind keine genauen Angaben möglich. Vermutlich sind sie im Spätpleistozän durch neuerliche Bewegungen an älteren Störungen entstanden.

U

Brunnenschacht Thermalwasserbohrung B 1

U

Pumpenhaus Thermalwasserbohrung B 2

Das Pflutterloch oberhalb (nördlich) vom Neuen Schloss im November 2022.

Bohrung B 1

Ansatzhöhe: 200,41 m NN

Bohrwinkel: 15° nach Süden

Geothermischer Gradient: 23,6 °C/100m (Messbohrung BQ 16, ca. 50 m entfernt)

Bohrlänge: 301,5 m

Bohrung B 2

Ansatzhöhe: 241 m NN

Bohrwinkel: 

Bohrlänge: 553 m

Von hier wird das Thermalwasser beider Bohrungen zum Friedrichsbad gepumpt.

Die Thermalbrunnen im Pflutterloch im November 2022.

Datenquelle: Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden – Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse, Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 10, Heft 3, S. 469 – 480, Freiburg, 01. August 1972.

Übersicht Thermalquellengebiet

Schachtfassung „A“

Schachtfassung „B“

Schachtfassung „C“

Historische Ansichtskarten

Textquellen

Stadt Baden-Baden (Hrsg.): Teil der gemeinsamen transnationalen UNESCO Welterbebewerung Great Spas of Europe, Broschüre, 3. Auflage; Herausgeber: Baden-Baden, Juli 2019.

Coenen, Ulrich: Baden in Baden-Baden. Von den römischen Anlagen zur modernen Caracallatherme, in: Die Ortenau, Seite 189 bis  228 (2001).

Coenen, Ulrich: Von Aquae bis Baden-Baden. Die Baugeschichte der Stadt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Kurachitektur. Verlagshaus Mainz GmbH Aachen, 2008.

Mayer-Reppert, Petra & Rabold, Britta: Die römischen „Soldatenbäder“ in Baden-Baden (Aquae Aureliae), Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Band 25, Landesamt für Denkmalpflege – Regierungspräsidium Stuttgart (Hrsg.), 2008.

Maus, Hansjosef & Sauer, Kurt: Die Thermalwasserbohrungen im Gewann Pflutterloch auf Gemarkung Baden-Baden – Balneo- und regionalgeologische Ergebnisse, Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 10, Heft 3, S. 469 – 480, Freiburg, 01. August 1972.

Metz, Rudolf: Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald – besonders in dessen alten Bergbaurevieren, Moritz Schauenburg Verlag, Lahr/Schwarzwald, 2. vollständig überarbeitete Auflage, 1977.

Stober, Ingrid: Geologie und Geschichte der Mineral- und Thermalquellen im Schwarzwald, Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br., 92, Heft 2, S. 29 – 52, Freiburg 2002.

Buggingen: Ehemaliges Kalibergwerk

Buggingen: Ehemaliges Kalibergwerk

Buggingen: Ehemaliges Kalibergwerk
Überblick

Das Kalisalzbergwerk Buggingen war das größte Bergwerk Süddeutschlands. Es bestand von 1922 bis 1973. Mit bis zu 1.200 Beschäftigten war es ein bedeutender Arbeitgeber der Region.

Eine geförderte Tonne Rohsalz enthielt 28 % Kalisalz und 48 % Steinsalz. Insgesamt förderte das Werk 17 Millionen Tonnen Rohsalz. Das Kali wurde in einer eigenen Fabrik zu Düngemitteln verarbeitet, ferner wurden Brom und Streusalz erzeugt. Letzter Besitzer war die Kali + Salz AG mit Sitz in Kassel.

Beginn des Kalibergbaus

1904 wurde durch Tiefbohrungen bei Mülhausen Kalisalz gefunden. Dadurch entstand linksrheinisch das Kalirevier im Elsass.

Der Berliner Bankier Fritz Eltzbacher erhielt 1910 die Konzession zur Suche nach Salzlagerstätten auf der badischen Rheinseite. Nahe Buggingen wurden in den Jahren 1911 bis 1913 auf den Gewannen „Breitlache“, „Hölzleeck“ und „Ob dem Mühlengraben“ Bohrungen niedergebracht. Bei Hartheim (10 km nördlich von Buggingen) wurde eine am 2. März 1911 begonnene erste Tiefbohrung bei 1143 m abgebrochen. In der am 11. Januar 1912 begonnenen Tiefbohrung Buggingen 1 westlich des Bahnhofs wurde in 712 m Teufe ein 4 m mächtiges Kalilager erbohrt. Eine Bohrung im „Kuntel“ blieb erfolglos. Die angetroffenen Salze gehörten zu den qualitativ wertvollsten damals bekannten Kalisalzen.

Nach diesen Voruntersuchungen folgten langwierige Verhandlungen zur Gründung des Bergwerks, da sich zunächst viele Grundstückseigner weigerten, ihr Gelände zu verkaufen. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, kamen die Verhandlungen gänzlich zum Erliegen. 1916 erhielt Eltzbacher die Konzession zur Gewinnung von Kalisalz. Am 22. April 1922 wurden auf Initiative des Karlsruher Ministerialrats Erich Naumann die drei Gewerkschaften Baden, Markgräfler und Zähringen gegründet. Die Republik Baden erwarb 434 Anteile, die Burbach-Kaliwerke 566 Anteile.

Unter der Leitung von Bergwerksdirektor Theodor Albrecht wurde am 7. August 1922 der Bau des Schachtes Baden (Schacht 1) begonnen. 1924 wurde das Abteufen des Schachtes Markgräfler (Schacht 2) 60 m südlich von Schacht 1 begonnen. Im Juli 1925 erreichte Schacht 1 das Kalilager in 786 m Teufe, im Oktober 1926 Schacht 2 bei 779 m. Von 1923 bis 1927 folgte der Bau der Tagesanlagen (Chlorkaliumfabrik, Kraftwerk, Werkstätten, Sozial- und Verwaltungs-Gebäude, Magazin, Werksbahn, Werkswohnungen usw.). Einzelne Werkswohnhäuser an der Grißheimer Straße wurden bereits im Mai 1923 bezogen, das Verwaltungsgebäude wurde zwei Jahre später fertiggestellt.

1928 wurde die regelmäßige Förderung von Rohsalz und die Kalidüngerproduktion aufgenommen. 1930 betrug die Jahresfördermenge 250.000 t Rohsalz. Bereits im Jahr 1933 übernahm die Preussag die Anteile der Burbach AG.

Geologie

Das Kalivorkommen verteilt sich auf mehrere tektonische Schollen des Oberrheingrabens.

Während in den meisten elsässischem Gruben zwei Kaliflöze aufgeschlossen waren (unteres Hauptlager = 4,20 m und oberes Lager = 1,20 m Mächtigkeit, tritt in der Bugginger Scholle nur das Hauptlager mit 4,20 m Mächtigkeit auf. Nur in der Grißheimer Scholle wurde auch das obere Lager mit 0,6 m Mächtigkeit erbohrt.

Das Hauptlager wird durch vier Dolomit-Mergeleinlagen, sogenannte „Löser“ in fünf ungleich große „Bänke“ geteilt. Die einzelnen Bänke bestehen aus einer Wechsellagerung von teilweise intensiv rot gefärbten Sylvingesteine und weißgrauen Steinsalze, denen dünne, dunkelgraue Ton-, Anhydrit-, Dolomitstreifen eingelagert sind. Diese Ausbildung ist im gesamten rechtsrheinischen Vorkommen und in den meisten Aufschlüssen im Elsass stets gleich. Nur am Ausbiss der Lagerstätte ändern sich Mächtigkeit und Struktur (Versteinerung einiger Bänke).

Aus den bituminösen Gebirgsschichten strömt brennbares Grubengas in die Grubenräume.

Abbau

Nach Fertigstellung der beiden Bugginger Schächte wurde zunächst die 793 m-Sohle nach Norden und Süden vorgetrieben, anschließend die 754 m-Sohle. Dazwischen wurden die ersten Abbaue angelegt. Hier mussten schnell große Vorräte erschlossen werden, um eine hohe Förderquote zu erhalten.

In den ersten Jahren wanderten die Abbaue beiderseits der 793 m-Sohle langsam nach Norden, bis sie 1936 die Basaltzone erreichten. Da eine Durchörterung zu gefährlich erschien, wurde das Kalilager vorerst lediglich nach Osten und Westen ausgerichtet.

Historische Bugginger Gewinnungsmethode

Als Hauptförderstrecke mit Seilbahnförderung und späterer schlagwettergeschützter Diesel-Lokomotivförderung wurde eine 793 Meter Sohle im Liegenden Steinsalz aufgefahren.

Als tiefste Hauptförderstrecke des Unterwerksbaues ist die 940 m-Sohle im Lager aufgefahren.

Für die Abförderung des Salzes und die Zuführung des Versatzes (Verfüllmaterial) waren Teilsohlen im Lager aufgefahren deren Abstände die einfallende Streblängen von 100 bis 120 Meter gewährleisteten und durch geneigte (einfallende) Bandstrecken mit den zwei Hauptsohlen (940 und 793 Meter-Sohlen) in Verbindung standen. Dabei waren 1954 3000 Gummigurt-, und 4000 Stahlgliederband – Nutzmeter bei Neigungen von 15 bis 35 Grad im Einsatz.

Zur Abförderung des Salzes aus dem Streb waren Schüttelrutschen im Einsatz auf die das Haufwerk mittels Schwerkraft (50%) und Handarbeit gelangten, später kamen auch Schrapper zum Einsatz.
Die Zuführung des Versatzes übernahmen Gummigurtförderer die am Kopf des einfallenden Strebes an eine Schüttelrutsche übergaben.

Die Abbaue oberhalb der 793 Meter-Sohle wurden über die 647 Meter-Lagersohle bewettert, die durch einen Querschlag im Steinsalz mit dem ausziehenden Schacht Markgräfler verbunden war.

Die Abbaue im Unterwerksbau in westlicher Richtung unterhalb der Hauptförderstrecke 793 Meter- Sohle wurden durch eine Lagerstrecke auf  dem 793 m Niveau bewettert, auch diese Strecke war durch einen Querschlag im Steinsalz mit dem ausziehenden Schacht Markgräfler verbunden.

Grubenunglück

Am 7. Mai 1934 kam es zu einem Grubenbrand, wobei 86 Bergleute ums Leben kamen. Eine Woche danach starb der damalige Bergwerksdirektor Dr.-Ing. Theodor Albrecht im Alter von 45 Jahren. Vermutlich war es Selbstmord.

Der 7. Mai 1934 war ein Montag. Morgens um 6 Uhr fuhren 150 Kumpel in die Grube ein. Kurz danach brach das Feuer aus und setzte das geruchlose, tödliche Methangas frei. 26 der Toten hatten im Kernort Buggingen gewohnt, darunter waren 18 Aktive des Bugginger Fußballvereins, der zunächst nicht mehr zu Spielen antreten konnte. Betroffen war aber die ganze Region. Mehr als die Hälfte der geborgenen Kumpel stammte aus Nachbarorten rund um Buggingen, die anderen hatten in Gemeinden zwischen Lörrach und Freiburg gewohnt. Ein Opfer wurde bereits am 12. Mai bestattet, bei allen anderen war dies, wegen der schwierigen Bergungsarbeiten, erst zwischen dem 5. und dem 9. Juni 1934 möglich.

Zur Ursache des Grubenunglücks knapp 800 Meter unter der Erde gibt es verschiedenste Angaben:

Heißgelaufene Schüttelrutsche

Eine heißgelaufene Schüttelrutsche soll die Leitungen überhitzt und die Holzstützen des Stollens in Brand gesetzt haben. Über offene Sicherheitstüren sollen sich Gas und Rauch schnell ausgebreitet und die Arbeiter erstickt haben.

Quelle: Presseartikel der Badischen Zeitung vom 07.05.2014.

Elktrischer Kurzschluss

Nach einem regulären Schichtbeginn um 06:00 Uhr kam es gegen 10:00 in ca. 850 m Entfernung zum einziehenden Schacht 1 (Baden) zu einem elektrischen Kurzschluss. Der Lichtbogen entzündete die als Verzug dienenden Reisigbündel und den Holzausbau. Während sich die Belegschaft des Reviers 2 retten konnte, gelang dies der Belegschaft des Reviers 1 nicht. Aufgrund festgelegter Wettertüren wurde ihr Arbeitsbereich umgehend verqualmt, die Bergleute starben mutmaßlich binnen einer halben Stunde an Kohlenmonoxidvergiftungen. Bereits um 10:20 waren zwei Grubenwehrtrupps mit Atemschutz im Einsatz, denen jedoch lediglich die Bergung eines Toten gelang. Nachdem vergeblich versucht wurde, durch Umkehren der Wetterrichtung die Brandausbreitung zu stoppen und keine Hoffnung auf Überlebende bestand, wurde gegen 16:30 das Grubengebäude abgedämmt.

Quelle: Wikipedia

In Erinnerung

Ein Jahr nach dem Grubenunglück, am 5. Mai 1935, wurde auf dem Bugginger Friedhof oberhalb des großen Platzes, wo 55 Kumpel in Einzelgräbern beerdigt wurden, ein Ehrenmal für alle Opfer eingeweiht. Und ein Jahr nach der Werkschließung 1974 gründeten 89 ehemalige Kumpel den Bergmannsverein Buggingen.

Zum Gedenken an alle Kumpel, die das Glück, wieder aufzufahren, nicht hatten, sondern unter Tage gestorben sind, bauten Vereinsmitglieder einen Schaustollen und ein neues Kalimuseum in Buggingen.

In der gesamten Betriebszeit sind 190 Arbeiter ums Leben gekommen.

Wiederaufnahme der Bergbautätigkeiten

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, der zu eingeschränkter Förderung und Produktion geführt hatte, kam das Werk unter französische Verwaltung. 1948 wurde die Förderung von der Badischen Kaligesellschaft mit französischer Beteiligung fortgeführt, bevor das Werk 1953 von der Gewerkschaft Baden übernommen wurde.

1951 wurde die Basaltzone durchörtert. Östlich davon lag eine nach Osten absinkende, bis zu 1000 m tiefe Mulde, in welche die 793 m-Sohle nach Norden hin abfallend fortgeführt wurde. Im Südfeld, das zwischen 1944 und 1967 gebaut wurde, herrschten komplizierte Lagerungsbedingungen vor, die den Abbau erschwerten.

Im Jahr 1962 wurde mit 1186 Beschäftigten (in der Grube ca. 700), darunter 203 Gastarbeitern aus mehreren Nationen, der höchste Belegschaftsstand erreicht (Buggingen hat knapp 2000 Einwohner). Bis zum 7. Dezember 1962 wurde die untertägige Verbindung zu den Bugginger Schächten 1 und 2 hergestellt.  

Um neue Kalivorräte zu erschließen, nahm am 19. November 1964 der bei Heitersheim liegende Schacht 3 seine regelmäßige Förderung auf. Eine Werkseisenbahn brachte das in Heitersheim geförderte und gemahlene Rohsalz zur Weiterverarbeitung nach Buggingen. Nordwestlich von Schacht 3, im Diapir-West-Feld, war das Kalisalz steil gelagert, woraus sich für das Bergwerk gänzlich andere Abbaumethoden ergaben. Aus diesem Feld kam in den letzten Betriebsjahren der Hauptanteil der Förderung.

Durch Veränderung der Abbaumethode und nach Inbetriebnahme von Schacht 3 im Jahr 1964 erreichte das Kaliwerk 1966 mit 744.350 t die höchste Rohsalz-Jahresförderung in seiner Geschichte.

Bereits am Ende desselben Jahres kündigte sich durch erste Absatzprobleme der Niedergang der deutschen Kaligruben an. Verursacht wurden diese insbesondere durch die nordamerikanische Konkurrenz.

1965 gelangten die Preussag-Anteile an die AG Wintershall.

1967 wurde die 1950 eingestellte Steinsalzförderung und die 1929 beziehungsweise 1940 eingestellte Brom-Produktion wieder aufgenommen.

1970 gaben Wintershall und das Land Baden-Württemberg ihre Anteile an die Kali + Salz AG ab, die nun Alleineigentümer des Werkes war.

Schwierigkeiten beim Abbau

Aus der Teufenlage und dem Aufbau des Bugginger Kalilagers ergaben sich besondere bergbauliche Probleme, die nur mit hohem technischem und finanziellem Aufwand bewältigt werden konnten:

Grubenklima

Im Bereich der südlichen Oberrheinebene liegt die Geothermische Tiefenstufe bei 25 m. In den tiefsten Grubenteilen herrschten deshalb über 52 °C. Die reine Arbeitszeit der Bergleute durfte hier höchstens 6 Stunden betragen, im Gegensatz zur andernorts üblichen 8-Stunden-Schicht.

Schlagwettergefährdung

Da die bituminösen Gesteinsschichten permanent Grubengas ausströmten, wurden die oberrheinischen Kalilager als einzige Deutschlands als „schlagwettergefährdet“ eingestuft. Der Schlagwetterschutz erforderte neben einer kräftigen Frischwetterversorgung (bis 6.000 m³ pro Minute) aufwändigere elektrische Apparaturen, Spezial-Sprengstoffe und ständige Kontrollen.

Gebirgsdruck

Das Hangende des Kalilagers ist wegen seines geringen geologischen Alters nicht vollständig verfestigt und setzt dem in dieser Tiefe herrschenden Auflastdruck nur einen vergleichsweise geringen Widerstand entgegen. Alle Hohlräume (Abbaue, Förderstrecken usw.) mussten deshalb mit besonders massivem Ausbau versehen werden. Zunächst wurde Holzausbau, nach dem großen Grubenbrand zunehmend Stahlausbau eingesetzt.

Dennoch konnte das ständige Zusammensacken der Strecken nicht vollständig vermieden werden. Verformungen oder gar Zusammenbrüche waren deshalb an der Tagesordnung. Diejenigen Bereiche der Grube, die nicht mehr für Abbau-, Lager- oder Transportarbeiten offengehalten werden mussten, wurden deshalb mit Bergen (Gestein ohne Rohstoffe, taubes Gestein) und Produktionsrückständen aus der Chlorkaliumfabrik versetzt, um Senkungen der Erdoberfläche zu begrenzen. Insbesondere die über das Grubengebäude führende Bahnstrecke der Rheintalbahn musste auf diese Weise geschützt werden.

Den periodischen Druckphasen des Strebabbaus war nur mit massivem Ausbau, schnellem Verhieb
und parallel laufendem Vollversatz der Hohlräume zu begegnen. Dies gelang nicht immer erfolgreich, besonders das Offenhalten von Kopf- und Fußstrecken der Strebe machte größte Mühe.

Neue Abbaumethoden

Über die Gewinnung von jungen bankigen Kaliflözen lag noch keine Erfahrung vor. Die verschiedensten Abbauversuche erstreckten sich über Jahre. Sowohl der im Zechsteinsalz-Bergbau bewährte Kammerbau als auch Versuche des Strebbaues mit streichendem Verhieb erwiesen sich als ungünstig. Auch der Einsatz von Schrämmaschinen scheiterte. Übrig blieb der „Streichende Strebbau mit schwebendem Verhieb“.

Aber auch hier war es schwierig die richtige Gewinnungsmethode zu finden. Nach Versuchen das Flöz in ganzer Höhe oder bankweise hereinzugewinnen, musste man letztlich aus Sicherheitsgründen auf die Gewinnung der obersten Bank verzichten (15% Verlust) und baute nur 360 m des Flözes im Stück ab. Eine höhere Verhiebgeschwindigkeit – ein 100 langer Abbaustreifen von 4 Meter Breite wurde in nur 10 Tagen verhauen, der Einsatz von Stahlstempeln und das restlose Rauben des Ausbaues vor der Versatzeinbringung, ließen nun das Hangende allmählich und gleichmäßig auf den Versatz absinken und zum Auflegen kommen. Die stehengelassene D-Schicht des Flözes als Hangendschicht bewies nun bessere Standfestigkeit. Gelegentliche Abrisse des Hangenden im Versatzfeld waren meist die Folge des periodischen Gebirgsdruckes, der nach 25 bis 50 Metern streichenden Verhiebs (Abbau von 6 bis 12 Strebbreiten) auftrat.

Arbeit im Wandel

Die Arbeitsmethoden der Bugginger Bergleute und die entsprechenden Maschinen blieben teilweise über lange Zeit nahezu unverändert. Zum Teil aber wandelten sie sich grundlegend, insbesondere gegen Ende der 1960er Jahre. Als Beispiel soll die Arbeit des Hauers und seines Lehrhauers umrissen werden. Dieses Team führte die Bohr- und Sprengarbeiten durch.

Lange Zeit bestand die Aufgabe eines Hauers im Abbau darin, zunächst mit seiner elektrisch betriebenen, schlagwettergeschützten Säulendrehbohrmaschine ein Muster von 5 bis 8 m tiefen Sprenglöchern in das Kalilager zu bohren. Der Lehrhauer musste dabei unter anderem den vom Hauer bestimmten Bohransatzpunkt mit seiner Hacke anritzen, das Gestänge ansetzen und es während der ersten Umdrehungen stabil halten.

Anschließend wurden die Bohrlöcher mit Sprengstoff-Patronen besetzt, mit Zünder und Zündkabel (bis etwa 1940 Zündschnur) versehen und abgedichtet. Zum Transport dienten Blechkisten, ab 1966 Sprengstoffkartons. Der Hauer löste schließlich durch das Anbrennen der Zündschnur beziehungsweise durch Betätigung der Zündmaschine aus sicherer Entfernung die Sprengung aus.

Mit der Verlagerung des Abbaufeldes nach Norden in das teilweise steilstehende Heitersheimer Revier wandelte sich gegen Ende der Betriebszeit, etwa ab 1970, das Abbauverfahren und damit die Arbeit des Hauerteams entscheidend. Die Lagerungsverhältnisse erlaubten den Einsatz von Großgeräten, die hier die über mehr als 40 Jahre benutzten Säulenbohrmaschinen ersetzten.

Der Hauer bediente einen fahrbaren Bohrwagen mit Bohrlafette, das Markieren und „Anhacken“ durch den Lehrhauer war meist nicht mehr notwendig. Der Sprengstoff wurde nun nicht mehr in Patronenform in das Bohrloch gedrückt, sondern in loser Form eingeblasen. Dazu standen spezielle Besatzfahrzeuge zur Verfügung.

Stilllegung und Rückbau

Trotz vorheriger Zusagen der Wintershall AG, das Bergwerk erhalten zu wollen, stimmte 1972 der Aufsichtsrat der Kali + Salz AG der Stilllegung des Kalisalzbergwerks mit stufenweiser Reduzierung von Förderung und Belegschaft zu. Im September 1972 wurde die Schließung des Kaliwerkes zum Mai 1973 bekanntgegeben. Begründet wurde dies mit der durch die schwierige Abbausituation verursachten Unwirtschaftlichkeit (30 Millionen Mark Verlust).

Viele der Arbeiter und Angestellten hatten sich bereits vor der offiziellen Bekanntgabe der Stilllegungspläne einen neuen Arbeitsplatz gesucht. Die Betriebskonzentration auf Schacht 3 hatte zur weiteren Verkleinerung der Belegschaft geführt. Bis zum 30. April 1973 mussten schließlich noch etwa 300 Mitarbeiter entlassen werden (von ehemals 1.186 im Jahre 1962). Viele von ihnen fanden in Metallverarbeitungsbetrieben der Umgebung neue Arbeit, einige waren in andere Bergwerke gewechselt, als die Förderung am 13. April 1973 eingestellt wurde.

Die Stilllegungs- und Abrissarbeiten begannen zunächst mit der weitgehenden Räumung der Untertageanlagen. Danach wurde vom Heitersheimer Werksteil aus das Bugginger Hauptwerk größtenteils abgerissen. Die Schächte wurden verfüllt und mit Betonplatten abgedeckt.

Im April 1996 traten aus Schacht 3 die Grubengase Methan, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Stickstoff aus. Das Landesbergbauamt ließ den Schacht von Spezialisten der technischen Abteilung der Ruhrkohle AG und von der Deutschen Montan Technologie öffnen, um das Gas ausströmen zu lassen. Anschließend wurde eine Protegohaube montiert, um eventuell austretendes Gas kontrolliert abführen zu können.

Während bei Heitersheim mit Ausnahme des imposanten Fördergerüstes relativ viel erhalten wurde, blieben nur wenige Teile der Bugginger „Fabrik“ erhalten, unter anderem das Pförtnerhaus, das Verwaltungsgebäude, die Kantine sowie die weithin sichtbare Abraumhalde Monte Kalino am Nordende des ehemaligen Werkes.

Das Bugginger Werksgelände wurde an private Investoren verkauft. Im Dorfbild fallen die typischen Bergmannssiedlungen und die Werkswohnhäuser auf. Am Ende der Werkstraße gibt es eine private Sammlung von Teilen der ehemaligen Grubenbahn einschließlich Signalen und Lore. Ein Feldweg verläuft auf der ehemaligen Trasse.

Ausstehende Sanierung der Abraumhalde

Chronik

1904

1904

In Tiefbohrungen bei Mülhausen wird Kalisalz gefunden. Dadurch entsteht das linksrheinische Kalirevier im Elsass.

1910

1910

Der Berliner Bankier Fritz Eltzbacher erhält die Konzession zur Suche nach Salzlagerstätten auf der badischen Rheinseite.

1911-1913

1911-1913

Nahe Buggingen werden in den Gewannen „Breitlache“, „Hölzleeck“ und „Ob dem Mühlengraben“ Bohrungen niedergebracht. Bei Hartheim (10 km nördlich von Buggingen) wird eine am 2. März 1911 begonnene erste Tiefbohrung bei 1143 m abgebrochen.

1912

1912

In der am 11. Januar begonnenen Tiefbohrung Buggingen 1 westlich des Bahnhofs wurde in 712 m Teufe ein 4 m mächtiges Kalilager erbohrt. Eine Bohrung im „Kuntel“ bleibt erfolglos. Die angetroffenen Salze gehören zu den qualitativ wertvollsten damals bekannten Kalisalzen.

1916

1916

Der Bankier Fritz Eltzbacher erhält die Konzession zur Gewinnung von Kalisalz.

1922

1922

Am 22. April 1922 werden auf Initiative des Karlsruher Ministerialrats Erich Naumann die drei Gewerkschaften Baden, Markgräfler und Zähringen gegründet. Die Republik Baden erwirbt 434 Anteile, die Burbach-Kaliwerke 566 Anteile.

Unter der Leitung von Bergwerksdirektor Theodor Albrecht wird am 7. August der Bau des Schachtes Baden (Schacht 1) begonnen.

1923-1927

1923-1927

Bau der Tagesanlagen (Chlorkaliumfabrik, Kraftwerk, Werkstätten, Sozial- und Verwaltungs-Gebäude, Magazin, Werksbahn, Werkswohnungen usw.). Einzelne Werkswohnhäuser an der Grißheimer Straße werden bereits im Mai 1923 bezogen, das Verwaltungsgebäude wird zwei Jahre später fertiggestellt.

1924

1924

Abteufen des Schachtes Markgräfler (Schacht 2) 60 m südlich von Schacht 1.

1925

1925

Im Juli wird in Schacht 1 in 786 m Teufe das Kalilager erreicht.

1926

1926

Im Oktober wird in Schacht 2 in 779 m Teufe das Kalilager erreicht.

1928

1928

Aufnahme der regelmäßigen Förderung von Rohsalz und der Kalidüngerproduktion.

1930

1930

Die Jahresfördermenge beträgt 250.000 t Rohsalz.

1933

1933

Die Preussag übernimmt die Anteile der Burbach AG.

1934

1934

Am 7. Mai 1934 kam es zu einem Grubenbrand, wobei 86 Bergleute ums Leben kamen. Eine Woche danach starb der damalige Bergwerksdirektor Dr.-Ing. Theodor Albrecht im Alter von 45 Jahren. Vermutlich war es Selbstmord.

1945

1945

Das Bergwerk wird nach Ende des 2. Weltkrieges von der französischen Militärregierung zwangsverwaltet.

1950

1950

Der Grubenbetrieb hat, bei Teufen von 600 bis 860 m, eine Ausdehnung von 2,4 km in Süd-Nord Richtung und 1,0 km in Ost-West Richtung.

1951

1951

Durchörterung der bereits 1936 vom Abbau erreichten Basaltzone. Östlich davon wird eine nach Osten absinkende, bis zu 1000 m tiefe Mulde aufgeschlossen. Bis dahin schien die Basaltdurchörterung als zu gefährlich, deshalb wird der Abbau nur nach Osten und Westen ausgerichtet.

1953

1953

Die Gewerkschaften Baden und Markgräfler betreiben wieder das Bergwerk. Die alten Besitzverhältnisse von 1933 gelten für die Preussag und das Land Baden-Württemberg wieder.

1955

1955

Nach Abschluss umfangreicher Untersuchungen durch Bohrungen und reflexionsseismischer Methoden wird eine größere Ausdehnung des rechtsrheinischen Kalisalzlagers festgestellt. Die Untersuchungen bis 2400 m Endteufe schlossen auch die (erfolglose) Suche nach Erdöl ein.

1961

1961

Abteufen von Schacht 3 bei Heitersheim bis auf 1.115 m. Tagesanlagen werden aufgebaut, eine neue Werksbahn nach Buggingen errichtet.

1962

1962

Fertigstellung der untertägigen Verbindung vom Schacht 3 zu den Bugginger Schächten 1 und 2.

Mit 1186 Beschäftigten (in der Grube ca. 700), darunter 203 Gastarbeitern aus mehreren Nationen, wird der höchste Belegschaftsstand erreicht.

1964

1964

Inbetriebnahme von Schacht 3. Der Schacht dient überwiegend als Transport – Wetter- und Seilfahrtsschacht. Nordwestlich von Schacht 3 war im Diapir-West-Feld das Kaliflöz bis 70 Grad steil gelagert. Da das steilstehende Flöz nicht mehr dem vollen Gebirgsdruck der überlagernden Schichten ausgesetzt war, ist der Einsatz neuer, zum Teil mechanisierter Abbaumethoden bei vermindertem Ausbau möglich. Aus diesem Feldesteil kommt in den letzten Betriebsjahren der Hauptanteil der Gewinnung. Das im neuen Abbaufeld gewonnene Rohsalz wird unterirdisch über eine 3,5 lange Richtstrecke auf einer Bandanlage zum Schacht Markgräfler abtransportiert.

1965

1965

Die Preussag-Anteile gehen an die Wintershall AG über.

1966

1966

Das Kaliwerk erreicht mit 744.350 t die höchste Rohsalz-Jahresförderung in seiner Geschichte.

1970

1970

Die Wintershall AG und das Land Baden-Württemberg geben ihre Anteile an die Kali + Salz AG ab. Die Kali + Salz AG ist nun alleinige Eigentümerin.

1973

1973

Das Bergwerk Buggingen wird stillgelegt. Gründe für die Stilllegung: Der Niedergang der Deutschen Kaliwerke und die Unwirtschaftlichkeit (30 Millionen DM Verlust).

Laufenburg: Schwarzwald in der Schweiz

Laufenburg: Schwarzwald in der Schweiz

Laufenburg: Schwarzwald in der Schweiz

Abwasserstollen im Schwarzwaldkristallin in Laufenburg (CH). Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Laufenburg (CH). Vielen Dank.

Die Stadt Laufenburg hat in geologischer Hinsicht eine Besonderheit aufzuweisen. Hier befindet sich einer der wenigen / der größte Aufschluss des Schwarzwald-Kristallins auf der Südseite des Rheins. Die Aufschlüsse am Schlossberg (Inventar-Nr. 64626800) und am Rheinufer (Inventar-Nr. 64626700) stehen als Geotope unter besonderm Schutz.

Die Ufer beidseits des Rheins werden durch steile Wände von vor allem Gneisen gebildet. Der Schlossberg besteht aus gebankten, nach NW einfallenden metamorphen Gneisen und Schiefer, die von Pegmatitgängen (Adern von grobkristallinen Erstarrungsgesteinen) durchschlagen werden.

Bis zur letzten Eiszeit floss der Rhein noch südlich des Schlossberges, etwa in Höhe der Bahnlinie. Das Flussbett wurde jedoch durch Ablagerungen großer Sedimentmassen verriegelt, so dass sich der Rhein nördlich des Schlossbergs im harten Kristallingestein ein neues Bett suchen musste.  Es entstand eine Stromschnelle, der Laufen, der der Stadt ihren Namen gab. Die Stromschnelle ist seit dem Bau des Rheinkraftwerks durch den Wasseraufstau nicht mehr ausgebildet.

Exkursion

Die Stadt Laufenburg bietet eine geologische Exkursion durch die Stadt an. Die Tour gliedert sich in vier Haltepunkte und führt durch einen ca. 270 m langen Stollen (Durchmesser: 2,27 Meter) unter der unteren Altstadt über die Rheinbrücke auf den Schlosshügel. Der Stollen wurde 1980 zum Bau einer Abwasserleitung in das Kristallingestein gefräst. Ein besonderer Ort im „Schwarzwald“.

Eine Führung für Gruppen ist bei der Stadt Laufenburg auf Anfrage jederzeit buchbar. Dauer ca. 1.5 Std.

Die außergewöhnliche Exkursion gibt einen phantastischen Einblick in die Gesteine des Kristallins, auf denen Laufenburg aufgebaut ist.

Überzeugen Sie sich selbst …

Virtueller Rundgang im Stollen

Menzenschwand: Grube Krunkelbach

Menzenschwand: Grube Krunkelbach

Menzenschwand: Grube Krunkelbach

Das Bergwerk Krunkelbach am Ostermontag 2023 bzw. die heute noch zu erkennenden Überreste. Das Foto zeigt den Verfüllbereich vor dem Stollenmundloch, der über mindestens drei Drainageleitungen in den „links“ direkt angrenzenden Krunkelbach entwässert wird.

Chronologie

Grube Krunkelbach oder Grube Hans Paul (1961 bis 1992)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Schwarzwald v.a. durch den Bergbauingenieur Otto Leible, dem späteren Direktor der Gewerkschaft „Finstergrund“ und dem späteren Präsidenten des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, Franz Kirchheimer, nach Uranvorkommen gesucht. Bereits im Jahr 1949 fand Leible bei Sulzburg, Eisenbach und Wittichen Uranerze mit 0,3-0,5 % Uran.

Das Geologische Landesamt in Freiburg wurde seitens des Wirtschaftsministeriums angewiesen, insbesondere die Vorkommen bei Wittichen näher zu untersuchen, was in den Folgejahren auch sehr intensiv geschah. Im Abschlussbericht Kirchheimers von 1957 wird Menzenschwand nicht erwähnt und war bis 1960 als Lagerstätte praktisch unbeschrieben und das als einzig abbauwürdiges Uranvorkommen in Baden-Württemberg.

Am 5. Mai 1957 entdeckten zwei Freiburger Geologiestudenten, auf der Suche nach Flussspat, Uranglimmer im Uferbereich des Krunkelbaches. Im April 1959 fand ein Stuttgarter Diplomand eine radioaktive Anomalie, die er im Auftrag des Landesamtes noch im gleichen Jahr untersuchen sollte.

Im August 1960 erteilte das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg der niedersächsischen Gewerkschaft „Brunhilde“ die Untersuchungsermächtigung für das Gebiet um Menzenschwand. Dies war der Startschuss für eine im Schwarzwald wohl einzigartige und vergleichsweise nur sehr kurze, dafür aber sehr streitbehaftete Bergbaugeschichte (31 Jahre) in einem Spannungsfeld zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen, dem Naturschutz, der Atomkraftgegener und v.a. auch den Interessen der Einheimischen, v.a. dem Fremdenverkehr. Besonders pikant an der „Bergbaugeschichte“ im Krunkelbachtal ist, dass die Gewerkschaft zu keiner Zeit über eine Konzession zum Abbau verfügte, sondern lediglich zur Untersuchung/Prospektion.

Die Grube Krunkelbach (Grube „Hans Paul“) entstand aus ersten übertägigen Baggerschürfen am 09. August 1961 in den  Moräneablagerungen, die in ca. 6 m Tiefe den ersten mutmaßlich abbauwürdigen Uranerzgang im Bärhaldegranit freilegten.

Die Gewerkschaft „Brunnhilde“ betrieb bereits seit 1955 bei Ellweiler (Kreis Birkenfeld, Rheinland-Pfalz) einen Tagebau auf Uranerz und seit 1957 eine großtechnische Uranaufbereitungsanlage, in der später auch das Uranerz aus Menzenschwand zu einem pulverförmigen Konzentrat (Ammoniumdiuranat), dem sogenannten „yellow cake“ verarbeitet wurde.

Bei den „Untersuchungen“ stellte sich schon bald heraus, dass es sich bei dem Vorkommen im Krunkelbachtal um die größte westdeutsche Lagerstätte mit einem Urangehalt von 1,4 % handelt.

In Menzenschwand wurden in den 31 Jahren des Grubenbetriebes (ohne formelle Abbaugenehmigung) insgesamt 100.000 t Uranerz gefördert, aus dem 720 t Uran gewonnen wurden.

Die Lagerstätte

Die Lagerstätte liegt im Bärhaldegranit, einer Intrusion in die Migmatite der Zentralschwarzwälder Gneismasse.

Das eigentliche Uranvorkommen hat eine nachgewiesene Teufenerstreckung von mindestens 500 Höhenmeter. Die Lagerstätte besteht im Wesentlichen aus Quarz-Baryt-Fluorit-Gängen mit Pyrit, Pechblende, Hämatit und geringen Mengen anderer Sulfide.

Um eine zentrale, nicht uranvererzte Störung (Krunkelbachstörung) – eine 5 km lange Schrägabschiebung, sind verschiedene vererzte Störungen, die Erzgänge, angeordnet. Drei von fünf größeren uranvererzten Gängen sind abbauwürdig. Die Mächtigkeit der Erzgänge nimmt zur Teufe hin zu, die Mächtigkeiten schwanken deutlich (durchschnittlich 2,5 m) bis maximal 11 m.

Der Gesamturangehalt der Lagerstätte wird auf ca. 3.200 t geschätzt, von denen 1.000 t nachgewiesen und 700 t abgebaut wurden. Die Urangehalte schwanken zwischen 0,8 und 8 % U3O8.

Die Grube

Die Grube Krunkelbach (Grube „Hans Paul“) entstand aus ersten übertägigen Baggerschürfen am 09. August 1961 in den  Moräneablagerungen, die in ca. 6 m Tiefe den ersten mutmaßlich abbauwürdigen Uranerzgang im Bärhaldegranit freilegten. Die Vererzung erhielt die Bezeichnung Gang 1.

In drei weiteren Schürfen wurde die 2,5 m mächtige Gangstruktur über eine Strecke von 25 m weiter erschlossen, bei den Wegebauarbeiten wurde ein zweiter Gang mit 2 m Mächtigkeit angetroffen. Insgesamt wurden dabei 300 t erzhaltiges Material zur Versuchsaufbereitung nach Ellweiler abgefahren. Im Jahr 1962 wurden ca. 1.500 t Uranerz gefördert, in dem 31 verschiedene Uranmineralien nachgewiesen wurden, was das Vorkommen zu einem der mineralreichsten Lagerstätten des Schwarzwaldes machte.

Nachdem man sich nun ein Bild über die übertägigen Vererzungen gemacht hatte begann man zur weiteren Untersuchung 1962 (Stollen I) bzw. im Februar 1963 (Stollen II) mit der Auffahrung von zwei Stollen.

Wegen diverser Streitigkeiten ruhten die Arbeiten vom September 1963 bis in das Jahr 1972. Bis dahin waren in den beiden Stollen insgesamt 200 m Grubenbaue angelegt.

Nach Wiederaufnahme der Arbeiten nach 1972 wurde der Stollen I schon bald aufgegeben. Der Stollen II wurde bis Ende 1973 auf 349 m verlängert. Um den 50 m vom Stollenmundloch entfernten Gang 13 zur Teufe hin zu erkunden, wurde ein Blindschacht angelegt, der im Laufe des Jahres 1974 auf insgesamt 68 m abgeteuft wurde. In 30 m und 60 m Teufe wurden zwei Sohlen zur Erzförderung angesetzt. Im Jahr 1974 förderten 10 Mann unter Tage insgesamt 2.592,26 t Uranerz, aus denen 23,56 t U3O8 gewonnen werden konnten.

Zu Beginn des Jahres 1976 ereignete sich mit einem größeren Bruch der erste ernsthafte Bergschaden in der Grube, der mit vorhandenem Fördermaterial aus den Untersuchungsstrecken der 60 m Sohle verfüllt werden konnte.

Zwischen Juli und Oktober 1976 wurde der Blindschacht weiter auf 98 m abgeteuft. Mit Beginn der 1980er Jahre waren die reichsten Lagerstättenteile über der 90 m Sohle weitgehend abgebaut, so dass der Blindschacht bis 1982 auf 219 m abgeteuft wurde. Alle 30 m Teufe wurden bis zu 100 m lange horizontale Sohlen, die den eigentlichen Erzkörper erschlossen, aufgefahren. Zu Beginn des Jahres 1984 wurde der Blindstollen auf 241,5 m vertieft.

Stilllegung

Am 07. September 1989 wurde eine „öffentlich-rechtliche Vereinbarung“ über die Beendigung der bergbaurechtlichen Aktivitäten in den Erlaubnisfeldern „Menzenschwand“ und „Belchen-Hoffnung“ abgeschlossen.

Die Gewerkschaft „Brunhilde“ legte einen Abschlußbetriebsplan vor. Uranerze mit mehr als 0,25 % U3O8 wurden zwischen Februar und Juni 1991 insgesamt 5.477,86 t Uranerz aus der Grube entnommen (magazinierte Reserven) und zur Verarbeitung nach Bessines sur Gartempe (Frankreich) abgefahren.

Anschließend wurden zum Fluten der Grube alle Wettertüren entfernt, der Blindschacht mit Stahlträgern abgedeckt und über Tage die Haldenflächen eingeebnet und mit verdichtetem Mutterboden bedeckt, um die Radonexhalation zu unterbinden, Klärteiche verfüllt und letztlich das Stollenmundloch sicher verschlossen und das Grubengelände landschaftsgerecht gestaltet.

Kenndaten
Betriebsdaten

Übertägig waren mehrere Verwaltungs- und Arbeitsgebäude sowie kleinere Halden vorhanden.

In der Grube Krunkelbach wurden in 31 Betriebsjahren über einen 249,5 m tiefen Blindschacht, auf insgesamt neun Sohlen und einem 4.300 m langen Streckennetz 100.000 t Uranerz gefördert.

Förderung

Die Streckenauffahrung und die Förderung erfolgten gleisgebunden in Grubenhunten mit ca. 1 t Verfassungsvermögen. Die Förderung im Schacht erfolgte als Kübelförderung.

Grubenwasser

Das Grubenwasser wurde zur Sedimentation der relevanten Radionuklide auf die 0 m Sohle in eine Wasseraufbereitungsanlage in einer alten Untersuchungsstrecke gepumpt. Das gereinigte Grubenwasser floss dann nacheinander in drei Klärteiche, von wo aus es in den Krunkelbach geleitet wurden.

Erzaufbereitung

Das Erz wurde mit Lkw nach Seebrugg am Schluchsee gefahren und dort zum Weitertransport zur Aufbereitungsanlage nach Ellweiler auf die Schiene verladen.

Verwendung des Uran

Das in der Aufbereitung hergestellte Urankonzentrat wurde an bundesdeutsche  Energieversorgungsunternehmen verkauft und von diesen zu Kernbrennstäben verarbeitet.

Es geht um die Schürfrechte der Gewerkschaft Brunhilde und ihren Antrag auf gewerblichen Abbau von Uran in Menzenschwand (Gemeinde St. Blasien).

Die Bergbaugemeinschaft Brunhilde wollte in Menzenschwand Uranerz abbauen. Die weltweiten Uranreserven und Fördermöglichkeiten wurden überschätzt.

Was mit dem bis dato abgebauten Uranerz geschah und wie die Gewerkschaft Brunhilde mit der Saarberg-Interplan agierte (Gespräch mit Peter Diehl, BUND).

Die Audiostreams werden auf der Webseite „Radio Dreyeckland“ unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland Lizenz zur Nutzung angeboten.

CC BY NC SA

Textquellen

Markl, G. & Wolfsried, S. (2011): Das Uran von Menzenschwand – Geschichte, Lagerstätte, Mineralien. 140 S., Christian Weise Verlag.

Steen, H. (2004). Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald. 488 S., Verlag: Books on Demand, Norderstedt.

Merkwiller-Pechelbronn: Die Wiege der Erdölindustrie

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Die Erdpechquellen von Lampertsloch und Baechelbrunn

1745-1888: Ölförderung im Schachtbetrieb (1. Phase)

1845-1964: Ölförderung im Bohrbetrieb

1917-1954: Ölförderung im Schachtbetrieb (2. Phase)

Raffinerie Merkwiller

d‘Karichschmiermann

Les Mines d’Asphaltes, Bitumes et Lignites de Lobsann

Meilensteine

Gut zu wissen

Musée Français du Pétrole