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Buggingen: Ehemaliges Kalibergwerk

Buggingen: Ehemaliges Kalibergwerk

Besondere Orte

Buggingen: Ehemaliges Kalibergwerk

INHALT

Video: So war der Kalisalz-Bergbau in Südbaden

Überblick

Beginn des Kalibergbaus

Geologie

Chronologie

Abbau

Grubenunglück

Schwierigkeiten beim Abbau

Arbeit im Wandel

Rückbau

Ausstehende Sanierung der Abraumhalde

Textquellen

Überblick

Das Kalisalzbergwerk Buggingen war das größte Bergwerk Süddeutschlands. Es bestand von 1922 bis 1973. Mit bis zu 1.200 Beschäftigten war es ein bedeutender Arbeitgeber der Region.

Eine geförderte Tonne Rohsalz enthielt 28 % Kalisalz und 48 % Steinsalz. Insgesamt förderte das Werk 17 Millionen Tonnen Rohsalz. Das Kali wurde in einer eigenen Fabrik zu Düngemitteln verarbeitet, ferner wurden Brom und Streusalz erzeugt. Letzter Besitzer war die Kali + Salz AG mit Sitz in Kassel.

Beginn des Kalibergbaus

1904 wurde durch Tiefbohrungen bei Mülhausen Kalisalz gefunden. Dadurch entstand linksrheinisch das Kalirevier im Elsass.

Der Berliner Bankier Fritz Eltzbacher erhielt 1910 die Konzession zur Suche nach Salzlagerstätten auf der badischen Rheinseite. Nahe Buggingen wurden in den Jahren 1911 bis 1913 auf den Gewannen „Breitlache“, „Hölzleeck“ und „Ob dem Mühlengraben“ Bohrungen niedergebracht. Bei Hartheim (10 km nördlich von Buggingen) wurde eine am 2. März 1911 begonnene erste Tiefbohrung bei 1143 m abgebrochen. In der am 11. Januar 1912 begonnenen Tiefbohrung Buggingen 1 westlich des Bahnhofs wurde in 712 m Teufe ein 4 m mächtiges Kalilager erbohrt. Eine Bohrung im „Kuntel“ blieb erfolglos. Die angetroffenen Salze gehörten zu den qualitativ wertvollsten damals bekannten Kalisalzen.

Nach diesen Voruntersuchungen folgten langwierige Verhandlungen zur Gründung des Bergwerks, da sich zunächst viele Grundstückseigner weigerten, ihr Gelände zu verkaufen. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, kamen die Verhandlungen gänzlich zum Erliegen. 1916 erhielt Eltzbacher die Konzession zur Gewinnung von Kalisalz. Am 22. April 1922 wurden auf Initiative des Karlsruher Ministerialrats Erich Naumann die drei Gewerkschaften Baden, Markgräfler und Zähringen gegründet. Die Republik Baden erwarb 434 Anteile, die Burbach-Kaliwerke 566 Anteile.

Unter der Leitung von Bergwerksdirektor Theodor Albrecht wurde am 7. August 1922 der Bau des Schachtes Baden (Schacht 1) begonnen. 1924 wurde das Abteufen des Schachtes Markgräfler (Schacht 2) 60 m südlich von Schacht 1 begonnen. Im Juli 1925 erreichte Schacht 1 das Kalilager in 786 m Teufe, im Oktober 1926 Schacht 2 bei 779 m. Von 1923 bis 1927 folgte der Bau der Tagesanlagen (Chlorkaliumfabrik, Kraftwerk, Werkstätten, Sozial- und Verwaltungs-Gebäude, Magazin, Werksbahn, Werkswohnungen usw.). Einzelne Werkswohnhäuser an der Grißheimer Straße wurden bereits im Mai 1923 bezogen, das Verwaltungsgebäude wurde zwei Jahre später fertiggestellt.

1928 wurde die regelmäßige Förderung von Rohsalz und die Kalidüngerproduktion aufgenommen. 1930 betrug die Jahresfördermenge 250.000 t Rohsalz. Bereits im Jahr 1933 übernahm die Preussag die Anteile der Burbach AG.

Geologie

Das Kalivorkommen verteilt sich auf mehrere tektonische Schollen des Oberrheingrabens.

Während in den meisten elsässischem Gruben zwei Kaliflöze aufgeschlossen waren (unteres Hauptlager = 4,20 m und oberes Lager = 1,20 m Mächtigkeit, tritt in der Bugginger Scholle nur das Hauptlager mit 4,20 m Mächtigkeit auf. Nur in der Grißheimer Scholle wurde auch das obere Lager mit 0,6 m Mächtigkeit erbohrt.

Das Hauptlager wird durch vier Dolomit-Mergeleinlagen, sogenannte „Löser“ in fünf ungleich große „Bänke“ geteilt. Die einzelnen Bänke bestehen aus einer Wechsellagerung von teilweise intensiv rot gefärbten Sylvingesteine und weißgrauen Steinsalze, denen dünne, dunkelgraue Ton-, Anhydrit-, Dolomitstreifen eingelagert sind. Diese Ausbildung ist im gesamten rechtsrheinischen Vorkommen und in den meisten Aufschlüssen im Elsass stets gleich. Nur am Ausbiss der Lagerstätte ändern sich Mächtigkeit und Struktur (Versteinerung einiger Bänke).

Aus den bituminösen Gebirgsschichten strömt brennbares Grubengas in die Grubenräume.

Chronologie

1904

In Tiefbohrungen bei Mülhausen wird Kalisalz gefunden. Dadurch entsteht das linksrheinische Kalirevier im Elsass.

1910

Der Berliner Bankier Fritz Eltzbacher erhält die Konzession zur Suche nach Salzlagerstätten auf der badischen Rheinseite.

1911 bis 1913

Nahe Buggingen werden in den Gewannen „Breitlache“, „Hölzleeck“ und „Ob dem Mühlengraben“ Bohrungen niedergebracht. Bei Hartheim (10 km nördlich von Buggingen) wird eine am 2. März 1911 begonnene erste Tiefbohrung bei 1143 m abgebrochen.

1912

In der am 11. Januar begonnenen Tiefbohrung Buggingen 1 westlich des Bahnhofs wurde in 712 m Teufe ein 4 m mächtiges Kalilager erbohrt. Eine Bohrung im „Kuntel“ bleibt erfolglos. Die angetroffenen Salze gehören zu den qualitativ wertvollsten damals bekannten Kalisalzen.

1916

Der Bankier Fritz Eltzbacher erhält die Konzession zur Gewinnung von Kalisalz.

1922

Am 22. April 1922 werden auf Initiative des Karlsruher Ministerialrats Erich Naumann die drei Gewerkschaften Baden, Markgräfler und Zähringen gegründet. Die Republik Baden erwirbt 434 Anteile, die Burbach-Kaliwerke 566 Anteile.

1922

Am 22. April 1922 werden auf Initiative des Karlsruher Ministerialrats Erich Naumann die drei Gewerkschaften Baden, Markgräfler und Zähringen gegründet. Die Republik Baden erwirbt 434 Anteile, die Burbach-Kaliwerke 566 Anteile.

Unter der Leitung von Bergwerksdirektor Theodor Albrecht wird am 7. August der Bau des Schachtes Baden (Schacht 1) begonnen.

1924

Abteufen des Schachtes Markgräfler (Schacht 2) 60 m südlich von Schacht 1.

1925

Im Juli wird in Schacht 1 in 786 m Teufe das Kalilager erreicht.

1926

Im Oktober wird in Schacht 2 in 779 m Teufe das Kalilager erreicht.

1923 bis 1927

Bau der Tagesanlagen (Chlorkaliumfabrik, Kraftwerk, Werkstätten, Sozial- und Verwaltungs-Gebäude, Magazin, Werksbahn, Werkswohnungen usw.). Einzelne Werkswohnhäuser an der Grißheimer Straße werden bereits im Mai 1923 bezogen, das Verwaltungsgebäude wird zwei Jahre später fertiggestellt.

1928

Aufnahme der regelmäßigen Förderung von Rohsalz und der Kalidüngerproduktion.

1930

Die Jahresfördermenge beträgt 250.000 t Rohsalz.

1933

Die Preussag übernimmt die Anteile der Burbach AG.

1945

Das Bergwerk wird nach Ende des 2. Weltkrieges von der französischen Militärregierung zwangsverwaltet.

1948

Die Badische Kaligesellschaft mbH pachtet für fünf Jahre die Betriebsrechte.

1950

Der Grubenbetrieb hat, bei Teufen von 600 bis 860 m, eine Ausdehnung von 2,4 km in Süd-Nord Richtung und 1,0 km in Ost-West Richtung.

1951

Durchörterung der bereits 1936 vom Abbau erreichten Basaltzone. Östlich davon wird eine nach Osten absinkende, bis zu 1000 m tiefe Mulde aufgeschlossen. Bis dahin schien die Basaltdurchörterung als zu gefährlich, deshalb wird der Abbau nur nach Osten und Westen ausgerichtet.

1953

Die Gewerkschaften Baden und Markgräfler betreiben wieder das Bergwerk. Die alten Besitzverhältnisse von 1933 gelten für die Preussag und das Land Baden-Württemberg wieder.

1955

Nach Abschluss umfangreicher Untersuchungen durch Bohrungen und reflexionsseismischer Methoden wird eine größere Ausdehnung des rechtsrheinischen Kalisalzlagers festgestellt. Die Untersuchungen bis 2400 m Endteufe schlossen auch die (erfolglose) Suche nach Erdöl ein.

1961

Abteufen von Schacht 3 bei Heitersheim bis auf 1.115 m. Tagesanlagen werden aufgebaut, eine neue Werksbahn nach Buggingen errichtet.

1962

Fertigstellung der untertägigen Verbindung vom Schacht 3 zu den Bugginger Schächten 1 und 2.

1964

Inbetriebnahme von Schacht 3. Der Schacht dient überwiegend als Transport – Wetter- und Seilfahrtsschacht. Nordwestlich von Schacht 3 war im Diapir-West-Feld das Kaliflöz bis 70 Grad steil gelagert. Da das steilstehende Flöz nicht mehr dem vollen Gebirgsdruck der überlagernden Schichten ausgesetzt war, ist der Einsatz neuer, zum Teil mechanisierter Abbaumethoden bei vermindertem Ausbau möglich. Aus diesem Feldesteil kommt in den letzten Betriebsjahren der Hauptanteil der Gewinnung. Das im neuen Abbaufeld gewonnene Rohsalz wird unterirdisch über eine 3,5 lange Richtstrecke auf einer Bandanlage zum Schacht Markgräfler abtransportiert.

1965

Die Preussag-Anteile gehen an die Wintershall AG über.

1966

Höchste Jahresförderung mit 744 350 Tonnen Rohsalz.

1970

Die Wintershall AG und das Land Baden-Württemberg geben ihre Anteile an die Kali + Salz AG ab. Die Kali + Salz AG ist nun alleinige Eigentümerin.

1973

Das Bergwerk Buggingen wird stillgelegt. Gründe für die Stilllegung: Der Niedergang der Deutschen Kaliwerke und die Unwirtschaftlichkeit (30 Millionen DM Verlust).

Abbau

Nach Fertigstellung der beiden Bugginger Schächte wurde zunächst die 793 m-Sohle nach Norden und Süden vorgetrieben, anschließend die 754 m-Sohle. Dazwischen wurden die ersten Abbaue angelegt. Hier mussten schnell große Vorräte erschlossen werden, um eine hohe Förderquote zu erhalten.

In den ersten Jahren wanderten die Abbaue beiderseits der 793 m-Sohle langsam nach Norden, bis sie 1936 die Basaltzone erreichten. Da eine Durchörterung zu gefährlich erschien, wurde das Kalilager vorerst lediglich nach Osten und Westen ausgerichtet.

Die historische Bugginger Gewinnungsmethode

Als Hauptförderstrecke mit Seilbahnförderung und späterer schlagwettergeschützter Diesel-Lokomotivförderung wurde eine 793 Meter Sohle im Liegenden Steinsalz aufgefahren.

Als tiefste Hauptförderstrecke des Unterwerksbaues ist die 940 m-Sohle im Lager aufgefahren.

Für die Abförderung des Salzes und die Zuführung des Versatzes (Verfüllmaterial) waren Teilsohlen im Lager aufgefahren deren Abstände die einfallende Streblängen von 100 bis 120 Meter gewährleisteten und durch geneigte (einfallende) Bandstrecken mit den zwei Hauptsohlen (940 und 793 Meter-Sohlen) in Verbindung standen. Dabei waren 1954 3000 Gummigurt-, und 4000 Stahlgliederband – Nutzmeter bei Neigungen von 15 bis 35 Grad im Einsatz.

Zur Abförderung des Salzes aus dem Streb waren Schüttelrutschen im Einsatz auf die das Haufwerk mittels Schwerkraft (50%) und Handarbeit gelangten, später kamen auch Schrapper zum Einsatz.
Die Zuführung des Versatzes übernahmen Gummigurtförderer die am Kopf des einfallenden Strebes an eine Schüttelrutsche übergaben.

Die Abbaue oberhalb der 793 Meter-Sohle wurden über die 647 Meter-Lagersohle bewettert, die durch einen Querschlag im Steinsalz mit dem ausziehenden Schacht Markgräfler verbunden war.

Die Abbaue im Unterwerksbau in westlicher Richtung unterhalb der Hauptförderstrecke 793 Meter- Sohle wurden durch eine Lagerstrecke auf  dem 793 m Niveau bewettert, auch diese Strecke war durch einen Querschlag im Steinsalz mit dem ausziehenden Schacht Markgräfler verbunden.

Grubenunglück

Am 7. Mai 1934 kam es zu einem Grubenbrand, wobei 86 Bergleute ums Leben kamen. Eine Woche danach starb der damalige Bergwerksdirektor Dr.-Ing. Theodor Albrecht im Alter von 45 Jahren. Vermutlich war es Selbstmord.

Der 7. Mai 1934 war ein Montag. Morgens um 6 Uhr fuhren 150 Kumpel in die Grube ein. Kurz danach brach das Feuer aus und setzte das geruchlose, tödliche Methangas frei. 26 der Toten hatten im Kernort Buggingen gewohnt, darunter waren 18 Aktive des Bugginger Fußballvereins, der zunächst nicht mehr zu Spielen antreten konnte. Betroffen war aber die ganze Region. Mehr als die Hälfte der geborgenen Kumpel stammte aus Nachbarorten rund um Buggingen, die anderen hatten in Gemeinden zwischen Lörrach und Freiburg gewohnt. Ein Opfer wurde bereits am 12. Mai bestattet, bei allen anderen war dies, wegen der schwierigen Bergungsarbeiten, erst zwischen dem 5. und dem 9. Juni 1934 möglich.

Ursache:

Zur Ursache des Grubenunglücks knapp 800 Meter unter der Erde gibt es verschiedenste Angaben:

E

Heißgelaufene Schüttelrutsche

Eine heißgelaufene Schüttelrutsche soll die Leitungen überhitzt und die Holzstützen des Stollens in Brand gesetzt haben. Über offene Sicherheitstüren sollen sich Gas und Rauch schnell ausgebreitet und die Arbeiter erstickt haben.

Quelle: Presseartikel der Badischen Zeitung vom 07.05.2014.

E

Elektrischer Kurzschluss

Nach einem regulären Schichtbeginn um 06:00 Uhr kam es gegen 10:00 in ca. 850 m Entfernung zum einziehenden Schacht 1 (Baden) zu einem elektrischen Kurzschluss. Der Lichtbogen entzündete die als Verzug dienenden Reisigbündel und den Holzausbau. Während sich die Belegschaft des Reviers 2 retten konnte, gelang dies der Belegschaft des Reviers 1 nicht. Aufgrund festgelegter Wettertüren wurde ihr Arbeitsbereich umgehend verqualmt, die Bergleute starben mutmaßlich binnen einer halben Stunde an Kohlenmonoxidvergiftungen. Bereits um 10:20 waren zwei Grubenwehrtrupps mit Atemschutz im Einsatz, denen jedoch lediglich die Bergung eines Toten gelang. Nachdem vergeblich versucht wurde, durch Umkehren der Wetterrichtung die Brandausbreitung zu stoppen und keine Hoffnung auf Überlebende bestand, wurde gegen 16:30 das Grubengebäude abgedämmt.

Quelle: Wikipedia

In Erinnerung

Ein Jahr nach dem Grubenunglück, am 5. Mai 1935, wurde auf dem Bugginger Friedhof oberhalb des großen Platzes, wo 55 Kumpel in Einzelgräbern beerdigt wurden, ein Ehrenmal für alle Opfer eingeweiht. Und ein Jahr nach der Werkschließung 1974 gründeten 89 ehemalige Kumpel den Bergmannsverein Buggingen.

Zum Gedenken an alle Kumpel, die das Glück, wieder aufzufahren, nicht hatten, sondern unter Tage gestorben sind, bauten Vereinsmitglieder einen Schaustollen und ein neues Kalimuseum in Buggingen.

In der gesamten Betriebszeit sind 190 Arbeiter ums Leben gekommen

Wiederaufnahme der Bergbautätigkeiten

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, der zu eingeschränkter Förderung und Produktion geführt hatte, kam das Werk unter französische Verwaltung. 1948 wurde die Förderung von der Badischen Kaligesellschaft mit französischer Beteiligung fortgeführt, bevor das Werk 1953 von der Gewerkschaft Baden übernommen wurde.

1951 wurde die Basaltzone durchörtert. Östlich davon lag eine nach Osten absinkende, bis zu 1000 m tiefe Mulde, in welche die 793 m-Sohle nach Norden hin abfallend fortgeführt wurde. Im Südfeld, das zwischen 1944 und 1967 gebaut wurde, herrschten komplizierte Lagerungsbedingungen vor, die den Abbau erschwerten.

Um neue Kalivorräte zu erschließen, nahm am 19. November 1964 der bei Heitersheim liegende Schacht 3 seine regelmäßige Förderung auf. Zuvor war bis zum 7. Dezember 1962 die untertägige Verbindung zu den Bugginger Schächten 1 und 2 hergestellt worden. Eine Werkseisenbahn brachte das in Heitersheim geförderte und gemahlene Rohsalz zur Weiterverarbeitung nach Buggingen. Nordwestlich von Schacht 3, im Diapir-West-Feld, war das Kalisalz steil gelagert, woraus sich für das Bergwerk gänzlich andere Abbaumethoden ergaben. Aus diesem Feld kam in den letzten Betriebsjahren der Hauptanteil der Förderung.

Schwierigkeiten beim Abbau

Aus der Teufenlage und dem Aufbau des Bugginger Kalilagers ergaben sich besondere bergbauliche Probleme, die nur mit hohem technischem und finanziellem Aufwand bewältigt werden konnten:

Grubenklima

Im Bereich der südlichen Oberrheinebene liegt die Geothermische Tiefenstufe bei 25 m. In den tiefsten Grubenteilen herrschten deshalb über 52 °C. Die reine Arbeitszeit der Bergleute durfte hier höchstens 6 Stunden betragen, im Gegensatz zur andernorts üblichen 8-Stunden-Schicht.

Schlagwettergefährdung

Da die bituminösen Gesteinsschichten permanent Grubengas ausströmten, wurden die oberrheinischen Kalilager als einzige Deutschlands als „schlagwettergefährdet“ eingestuft. Der Schlagwetterschutz erforderte neben einer kräftigen Frischwetterversorgung (bis 6.000 m³ pro Minute) aufwändigere elektrische Apparaturen, Spezial-Sprengstoffe und ständige Kontrollen.

Gebirgsdruck

Das Hangende des Kalilagers ist wegen seines geringen geologischen Alters nicht vollständig verfestigt und setzt dem in dieser Tiefe herrschenden Auflastdruck nur einen vergleichsweise geringen Widerstand entgegen. Alle Hohlräume (Abbaue, Förderstrecken usw.) mussten deshalb mit besonders massivem Ausbau versehen werden. Zunächst wurde Holzausbau, nach dem großen Grubenbrand zunehmend Stahlausbau eingesetzt.

Dennoch konnte das ständige Zusammensacken der Strecken nicht vollständig vermieden werden. Verformungen oder gar Zusammenbrüche waren deshalb an der Tagesordnung. Diejenigen Bereiche der Grube, die nicht mehr für Abbau-, Lager- oder Transportarbeiten offengehalten werden mussten, wurden deshalb mit Bergen (Gestein ohne Rohstoffe, taubes Gestein) und Produktionsrückständen aus der Chlorkaliumfabrik versetzt, um Senkungen der Erdoberfläche zu begrenzen. Insbesondere die über das Grubengebäude führende Bahnstrecke der Rheintalbahn musste auf diese Weise geschützt werden.

Den periodischen Druckphasen des Strebabbaus war nur mit massivem Ausbau, schnellem Verhieb
und parallel laufendem Vollversatz der Hohlräume zu begegnen. Dies gelang nicht immer erfolgreich, besonders das Offenhalten von Kopf- und Fußstrecken der Strebe machte größte Mühe.

Neue Abbaumethoden

Über die Gewinnung von jungen bankigen Kaliflözen lag noch keine Erfahrung vor. Die verschiedensten Abbauversuche erstreckten sich über Jahre. Sowohl der im Zechsteinsalz-Bergbau bewährte Kammerbau als auch Versuche des Strebbaues mit streichendem Verhieb erwiesen sich als ungünstig. Auch der Einsatz von Schrämmaschinen scheiterte. Übrig blieb der „Streichende Strebbau mit schwebendem Verhieb“.

Aber auch hier war es schwierig die richtige Gewinnungsmethode zu finden. Nach Versuchen das Flöz in ganzer Höhe oder bankweise hereinzugewinnen, musste man letztlich aus Sicherheitsgründen auf die Gewinnung der obersten Bank verzichten (15% Verlust) und baute nur 360 m des Flözes im Stück ab. Eine höhere Verhiebgeschwindigkeit – ein 100 langer Abbaustreifen von 4 Meter Breite wurde in nur 10 Tagen verhauen, der Einsatz von Stahlstempeln und das restlose Rauben des Ausbaues vor der Versatzeinbringung, ließen nun das Hangende allmählich und gleichmäßig auf den Versatz absinken und zum Auflegen kommen. Die stehengelassene D-Schicht des Flözes als Hangendschicht bewies nun bessere Standfestigkeit. Gelegentliche Abrisse des Hangenden im Versatzfeld waren meist die Folge des periodischen Gebirgsdruckes, der nach 25 bis 50 Metern streichenden Verhiebs (Abbau von 6 bis 12 Strebbreiten) auftrat.

Arbeit im Wandel

Die Arbeitsmethoden der Bugginger Bergleute und die entsprechenden Maschinen blieben teilweise über lange Zeit nahezu unverändert. Zum Teil aber wandelten sie sich grundlegend, insbesondere gegen Ende der 1960er Jahre. Als Beispiel soll die Arbeit des Hauers und seines Lehrhauers umrissen werden. Dieses Team führte die Bohr- und Sprengarbeiten durch.

Lange Zeit bestand die Aufgabe eines Hauers im Abbau darin, zunächst mit seiner elektrisch betriebenen, schlagwettergeschützten Säulendrehbohrmaschine ein Muster von 5 bis 8 m tiefen Sprenglöchern in das Kalilager zu bohren. Der Lehrhauer musste dabei unter anderem den vom Hauer bestimmten Bohransatzpunkt mit seiner Hacke anritzen, das Gestänge ansetzen und es während der ersten Umdrehungen stabil halten.

Anschließend wurden die Bohrlöcher mit Sprengstoff-Patronen besetzt, mit Zünder und Zündkabel (bis etwa 1940 Zündschnur) versehen und abgedichtet. Zum Transport dienten Blechkisten, ab 1966 Sprengstoffkartons. Der Hauer löste schließlich durch das Anbrennen der Zündschnur beziehungsweise durch Betätigung der Zündmaschine aus sicherer Entfernung die Sprengung aus.

Mit der Verlagerung des Abbaufeldes nach Norden in das teilweise steilstehende Heitersheimer Revier wandelte sich gegen Ende der Betriebszeit, etwa ab 1970, das Abbauverfahren und damit die Arbeit des Hauerteams entscheidend. Die Lagerungsverhältnisse erlaubten den Einsatz von Großgeräten, die hier die über mehr als 40 Jahre benutzten Säulenbohrmaschinen ersetzten.

Der Hauer bediente einen fahrbaren Bohrwagen mit Bohrlafette, das Markieren und „Anhacken“ durch den Lehrhauer war meist nicht mehr notwendig. Der Sprengstoff wurde nun nicht mehr in Patronenform in das Bohrloch gedrückt, sondern in loser Form eingeblasen. Dazu standen spezielle Besatzfahrzeuge zur Verfügung.

Rückbau

Im Jahr 1962 wurde mit 1186 Beschäftigten (in der Grube ca. 700), darunter 203 Gastarbeitern aus mehreren Nationen, der höchste Belegschaftsstand erreicht (Buggingen hat knapp 2000 Einwohner). Durch Veränderung der Abbaumethode und nach Inbetriebnahme von Schacht 3 im Jahr 1964 erreichte das Kaliwerk 1966 mit 744.350 t die höchste Rohsalz-Jahresförderung in seiner Geschichte. Bereits am Ende desselben Jahres kündigte sich durch erste Absatzprobleme der Niedergang der deutschen Kaligruben an. Verursacht wurden diese insbesondere durch die nordamerikanische Konkurrenz. 1965 gelangten die Preussag-Anteile an die AG Wintershall. 1967 wurde die 1950 eingestellte Steinsalzförderung und die 1929 beziehungsweise 1940 eingestellte Brom-Produktion wieder aufgenommen. 1970 gaben Wintershall und das Land Baden-Württemberg ihre Anteile an die Kali + Salz AG ab, die nun Alleineigentümer des Werkes war.

Trotz vorheriger Zusagen der Wintershall AG, das Bergwerk erhalten zu wollen, stimmte 1972 der Aufsichtsrat der Kali + Salz AG der Stilllegung des Kalisalzbergwerks mit stufenweiser Reduzierung von Förderung und Belegschaft zu. Im September 1972 wurde die Schließung des Kaliwerkes zum Mai 1973 bekanntgegeben. Begründet wurde dies mit der durch die schwierige Abbausituation verursachten Unwirtschaftlichkeit (30 Millionen Mark Verlust).

Viele der Arbeiter und Angestellten hatten sich bereits vor der offiziellen Bekanntgabe der Stilllegungspläne einen neuen Arbeitsplatz gesucht. Die Betriebskonzentration auf Schacht 3 hatte zur weiteren Verkleinerung der Belegschaft geführt. Bis zum 30. April 1973 mussten schließlich noch etwa 300 Mitarbeiter entlassen werden (von ehemals 1.186 im Jahre 1962). Viele von ihnen fanden in Metallverarbeitungsbetrieben der Umgebung neue Arbeit, einige waren in andere Bergwerke gewechselt, als die Förderung am 13. April 1973 eingestellt wurde.

Die Stilllegungs- und Abrissarbeiten begannen zunächst mit der weitgehenden Räumung der Untertageanlagen. Danach wurde vom Heitersheimer Werksteil aus das Bugginger Hauptwerk größtenteils abgerissen. Die Schächte wurden verfüllt und mit Betonplatten abgedeckt.

Im April 1996 traten aus Schacht 3 die Grubengase Methan, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Stickstoff aus. Das Landesbergbauamt ließ den Schacht von Spezialisten der technischen Abteilung der Ruhrkohle AG und von der Deutschen Montan Technologie öffnen, um das Gas ausströmen zu lassen. Anschließend wurde eine Protegohaube montiert, um eventuell austretendes Gas kontrolliert abführen zu können.

Während bei Heitersheim mit Ausnahme des imposanten Fördergerüstes relativ viel erhalten wurde, blieben nur wenige Teile der Bugginger „Fabrik“ erhalten, unter anderem das Pförtnerhaus, das Verwaltungsgebäude, die Kantine sowie die weithin sichtbare Abraumhalde Monte Kalino am Nordende des ehemaligen Werkes.

Das Bugginger Werksgelände wurde an private Investoren verkauft. Im Dorfbild fallen die typischen Bergmannssiedlungen und die Werkswohnhäuser auf. Am Ende der Werkstraße gibt es eine private Sammlung von Teilen der ehemaligen Grubenbahn einschließlich Signalen und Lore. Ein Feldweg verläuft auf der ehemaligen Trasse.

Ausstehende Sanierung der Abraumhalde

Im November 2012 forderte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zum wiederholten Male einen Sanierungsplan für die Abraumhalde, aus der seit Jahren Kalium- und Natriumchlorid ausgewaschen würden. Diese Auswaschungen, laut BUND sieben Gramm Salz je Liter Abstrom, seien nicht giftig, würden jedoch Rohrsysteme zerfressen und könnten dadurch das Trinkwasser ungenießbar machen. Im Jahr 2012 wurde zudem die Umwandlung des Großteils des Heitersheimer Geländes in ein Gewerbegebiet beschlossen.

Im Jahr 2013 wurden pro Tag bis zu 2,58 Tonnen Salz ins Grundwasser gespült. Der in der Trinkwasserverordnung festgelegte Grenzwert von 250 Milligramm Chlorid pro Liter wurde mit 400 bis 2800 mg/l bei weitem überschritten. Über eine Sanierung wird seit Jahren verhandelt.

Im November 2017 erklärte die Kali + Salz AG, dass die Halde abgedeckt werden soll um „das Grundwasser vor weiteren Salzeinträgen zu schützen.“ Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald erwartet bis Ende 2019 einen Vertrag über die Sanierung, deren Beginn jedoch noch nicht absehbar ist.

Karlsruhe: Gewässererlebnispfad an der Alb

Thema und Zielgruppe

Der Teil der Alb, die durch Karlsruhe fließt, steht im Spannungsfeld zwischen Naherholung und Naturschutz. Nach seiner Renaturierung haben wieder viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten hier einen neuen Lebensraum gefunden. Der Gewässererlebnispfad soll dabei helfen zu verstehen, was Renaturierung bedeutet und warum es wichtig ist, die Alb auch als Naturschutzzone zu betrachten. Daneben bietet er aber auch Gelegenheit am und im Wasser zu spielen und zu forschen. Der Gewässererlebnispfad will vor allem Spaziergänger ansprechen, die unerwartet und unvorbereitet auf ihn stoßen und solche Besucher, die sich ohne Vorkenntnisse mit dem Thema beschäftigen wollen. Es sollen unterschiedliche Gruppen angesprochen werden, besonders Kinder etwa von zehn bis 14 Jahren, Familien und Kindergruppen. Ziel ist es, sowohl Informationen über den Fluss zu ver-mitteln, als auch eine gefühlsmäßige Bindung zum Fluss aufzubauen.

Standort

Der Erlebnispfad befindet sich in der Günther-Klotz-Anlage einer weitläufigen Grün- und Freizeitanlage an der Alb im Südwesten von Karlsruhe. Die Anlage ist über Straßenbahnen (Stationen „Europahalle“ oder „Kühler Krug“) und Auto gut erreichbar. Die Länge des Weges, welcher auch gut mit Kinderwagen befahren werden kann, beträgt etwa 1,5 km.

Stationen

Tafeln mit einfachen Texten sollen die Aufmerksamkeit wecken und erste Informationen zum Thema geben. Nur wenige Tafeln geben abstrakte Informationen, etwa über die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union. Die meisten stehen in Verbindungen mit Einrichtungen und Geräten die zum aktiven Handeln und Begreifen führen sollen. In diesem Zusammenhang geben die Ta-feln kurze Hinweise zum Thema und Anregungen für Beobachtungen und einfache Versuche.

Gleichzeitig sollen dadurch die Aktivitäten auf bestimmte Punkte konzentriert werden, um die Belastung des Biotops Alb auf den übrigen Strecken gering zu halten. Jede Station ist in sich abgeschlossen und kann daher auch als einzelne Station gezielt besucht werden.

Beginnt der Besucher den Erlebnispfad am Südende, findet er die Eingangstafel, die das das Thema „Karlsruhe und die Alb“ behandelt. Nach 100 Metern stromabwärts gelangt er zur “ Station Sinne“. Hier gibt es eine Furt aus Trittsteinen, auf denen man die Alb bei niedrigen und mittleren Wasserständen überqueren kann. Daneben befindet sich ein Ohr aus Holz in das Rohre münden, die in unterschiedlicher Höhe über dem Boden enden. Je nach Wasserstand kann man die Geräusche des Wassers über der Flusssohle, knapp unter der Oberfläche oder außerhalb des Wassers hören. Eine dreiteilige Tafelbastion komplettiert die Station. Auf dem Weg zur nächsten Station passiert man eine Doppeltafel, die sich mit den Themen „Renaturierung der Alb“ und „Europäische Wasserrahmenrichtlinie“ auseinandersetzt. Die nächste Station nennt sich „Tiere in der Alb“ und besteht aus einem schwenkbaren Galgen, an dem ein Eimer befestigt ist. Daneben sind an einem kurzen Ständer eine Metallschale und darüber in einem Rahmen zwei Lupen höhenverstellbar befestigt. Hier kann man nach Kleintieren suchen und sie mit Hilfe der Lupen untersuchen. Eine Drehtafel auf der die häufigsten Kleintiere abgebildet und beschrieben sind, hilft beim Identifizieren.

An der „Station Mühlen“ wird anschließend die Wasserführung und Strömung der Alb und die Mühlentradition an der Alb erklärt. Hier mündet eine Wasserrinne. Diese verläuft über 20 Meter hin zu einer Wasserspirale, mit der man aus einem Wasserbecken Wasser befördern kann. Das Wasser treibt zunächst ein Mühlrad an und fließt dann über die Rinne zum Strand, wo es verschiedene Strömungsbilder formt.

Auf der nächsten Station sind im Flussbett große Steine eingebracht worden. Die Tafel erläutert, welche Strömungsphänomene man an den Steinen beobachten kann. Zu dieser Station mit dem Thema „Strömung“ gehört auch ein Steg, der so genannte Baumelsteg, der sich etwa 50 Meter flussabwärts befindet. Dort kann man die Beine in das Wasser baumeln lassen und die Strömung fühlen. Bald danach ist auch das Ende des Pfades erreicht, der gleichzeitig auch der Anfang für die entgegengesetzte Richtung darstellt.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Karlsruhe

Broschüre „Gewässererlebnispfad an der Alb“

Textquellen

Lehrpfade und Lehrgärten, Arbeitsmaterialie Agenda-Büro Nr. 47, LUBW, September 2008.

Karlsruhe-Weiherfeld: Bodenkundlicher Lehrpfad

Thema und Zielgruppe

Der Bodenlehrpfad will die Bürger über die Bedeutung des Bodens als Lebensgrundlage für Mensch, Tier und Pflanzen sowie über seine Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte informieren. Der Mensch verwendet den Boden für die Land- und Forstwirtschaft sowie für den Gartenbau. Boden wird aber auch als Baugrund und Rohstoffquelle genutzt. Darum ist es wichtig, sorgsam mit ihm umzugehen, denn zerstörte Böden sind unwiederbringlich verloren.

Standort

Der Bodenlehrpfad „Weiherfeld“ erschließt die Niederterrassenlandschaft im Süden von Karlsru-he zwischen den Ortsteilen Weiherfeld und Rüppurr. Der Bodenlehrpfad ist als Rund- bzw. als Radwanderweg angelegt, misst ca. 6 km und kann zu Fuß in etwa zwei Stunden erwandert werden. Die Strecke ist eben und bequem zurückzulegen. Auf die Wegführung zwischen den Anlaufstellen weist jeweils ein Schild mit einem kleinen Maulwurf hin. Er ist von Karlsruhe aus mit dem Bus (Haltestelle „Belchenplatz“) oder mit der Straßen-bahn (Haltestelle „Dammerstock“) zu erreichen. Für Besucher, die mit dem Auto anfahren, stehen mehrere Parkplätze zur Verfügung.

Stationen

Am Startpunkt befindet sich eine Einführungstafel, die einen Überblick über die dort vorkom-menden Böden und ihren Eigenschaften gibt. Danach folgen insgesamt 10 weitere Anlaufstellen zum Thema Boden.

Die Wegstationen
Einführung

Unter Boden verstehen wir die äußerste belebte Verwitterungsschicht der festen Erdrinde, die in Wechselwirkung mit den lebenden Organismen dieses Bereichs steht (Kuron in: Mückenhausen 1985).

Ohne Boden wäre höheres Leben auf dem Festland nicht möglich. Der Boden ist Produktionsgrundlage für Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft. Er speichert Niederschlagswasser und ermöglicht das Pflanzenwachstum. Im Wasserkreislauf erfüllt er die Funktion des Filters für gelöste Substanzen und Schwebstoffe und schützt unsere Grundwasservorkommen vor möglichen schädlichen Verunreinigungen.

Wir nutzen den Boden als Baugrund für unsere Wohn- und Arbeitsstätten, für die Anlage von Verkehrsverbindungen und als Rohstoffquelle für Baumaterialien. Darum ist es wichtig, sorgsam mit dem Gut Boden umzugehen, denn zerstörte Böden sind unwiederbringlich verloren.

Wie entstehen Böden?
Die Faktoren der Bodenbildung sind Klima, Vegetation, Grund- oder Stauwasser, Relieflage, Bodentiere, Ausgangsgestein und die Zeit. Prozesse, die sich im Boden abspielen sind Humusbildung, Verlehmung, Rostbildung, Tonverlagerung und Vergleyung (Ausfällung von Eisen, Mangan u.a. durch das Grundwasser). Die Faktoren und Prozesse der Bodenbildung lassen verschiedene Böden entstehen. Das räumliche Nebeneinander von Böden nennt man Bodenlandschaft.

Wie lassen sich Böden unterscheiden?
Durch Zerreiben von Bodenmaterial zwischen den Fingern kann man die Bodenart bestimmen (Sand, Schluff, Ton). Daneben dienen Farbe, Kalkgehalt, Rostflecken, Bodengefüge u.v.m. als Kriterien für die Charakterisierung von Bodenhorizonten. Mehrere übereinander liegende Horizonte ergeben ein Bodenprofil. Dieses Profil legt den Namen des Bodens fest, den sogenannten Bodentyp.

Reliktischer Gley

Der Ackerboden zwischen Reiherbach und Straße wird als reliktischer Gley bezeichnet. Seine Entwicklung ist eng mit den Schwankungen des Grundwasserspiegels verknüpft.

Bei tiefliegendem Grundwasser wird gelöstes Eisen zu rostfarbenen Verbindungen umgewandelt. Stehen die Bodenhorizonte unter Wasser, bilden sich grünliche bis graue Reduktionsfarben. Durch Grundwasserabsenkung unterliegt dieser Boden heute nicht mehr den natürlichen Bedingungen zur Zeit seiner Entstehung (reliktische Bodenbildung), so daß er heute als Acker genutzt werden kann.

Landschaftsgeschichte

Während der Würmeiszeit, vor ca. 120 000 bis 10 000 Jahren, wurden im Oberrheingraben mächtige Kies- und Sandlager aufgeschottert. Sie bilden die sogenannte Niederterrasse. Aus vegetationsfreien Gebieten wurden durchWestwinde Flugsande und Löß angeweht.

Als durch Klimaverbesserungen im Spätglazial vor 20 000 Jahren die Gletscher langsam zurückschmolzen, begannen der Rhein und die Schwarzwaldflüße (bspw. die Alb) sich in die Niederterrasse einzuschneiden. Im Holozän (10 000 Jahre bis heute) wurde im Zuge einer Klimaerwärmung die Bodenentwicklung und das  pflanzenwachstum gefördert. Humoser Boden wurde gebildet, abgetragen und bei Hochwasser in die Auenbereiche umgelagert.

Zu einer Zeit hoher Wasserführung, dem Atlantikum (vor ca. 5 500 bis 2 500 Jahre), brachen die Schwarzwaldflüsse durch die Niederterrasse zum Rhein durch. Große Teile dieser Rinnensysteme wurden inaktiv und verlandeten. Dieser Prozeß zeigt sich in der Bildung von Altwasserablagerungen und der Entstehung von Mooren.

Niedermoor

In der Umgebung der Tafel sehen wir die Salmenwiesen mit Niedermoorbildungen. Bei Hochwasser wurden diese Flächen teilweise überflutet. Die mitgeführte Schwebfracht (Bodenpartikel) setzte sich ab und bildete stellenweise eine ca. 40 cm mächtige Auflage aus sandigem und tonigem Auelehm (überdecktes Niedermoor). Darunter folgen stark zersetzte Torfhorizonte (Moorbildungen) mit sandigen Zwischenschichten.

Niedermoore entstehen in Tälern, Senken und abgeschnittenen Flußläufen, die permanent mit Wasser bedeckt sind. Abgestorbene Pflanzenreste sammeln sich unter Wasser an und zersetzen sich kaum. Das Gewässer wird langsam aufgefüllt und verlandet schließlich. Typisch für Niedermoore ist der hohe Grundwasserspiegel.

Niedermoore besitzen eine wichtige Funktion als Standort für natürliche Vegetation. Böden dieser Art sind auch als erd- und landschaftsgeschichtliche Urkunde schützenswert, weil sie von früheren, natürlichen Bodenverhältnissen zeugen.

Entwässerungsmaßnahmen

Auf den Flächen im Bereich des Lehrpfads sind häufig Drainagegräben zu sehen. Das Grundwasser stand hier sehr nahe an der Geländeoberfläche. Um die erforderliche Trag- und Trittfestigkeit für eine landwirtschaftliche Nutzung zu erhalten, war es nötig, das Grundwasser abzusenken. Dies kann durch verschiedene Entwässerungsmaßnahmen erreicht werden (Erstellung einer künstlichen Vorflut, Schöpfwerke, Binnenentwässerung, Rohrdränung).

Podsolige Bänderbraunerde

In höheren Lagen (im grundwasserfreien Bereich) treffen wir terrestrische (trockene) Böden an. Dazu gehört die Braunerde, deren Färbung durch Brauneisen hervorgerufen wird. Sie findet sich bevorzugt an Standorten mit quarzreichen, sandigen Sedimenten mit geringen Nährstoffvorräten und saurem Bodenmilieu. Sie ist dann häufig als podsolige (sauer gebleichte) Braunerde ausgebildet. Böden dieser Prägung besitzen ein geringes Filter- und Puffervermögen gegenüber Schwermetallen (z.B. Kupfer, Zink, Mangan, Blei, Cadmium, Quecksilber).

Das vorliegende Profil wird aus sandig-kiesigen Bodenarten aufgebaut. Die feinen Tonanreicherungsbänder entstehen durch die schwach ausgeprägte Tonverlagerung aus dem oberen Profilteil.

Brauner Auenboden-Auengley

Aueböden entstehen im Bereich der Flußniederungen, wenn humoses Bodenmaterial bei Hochwasser abgelagert wird (Schwemmlandboden). Der abgebildete Boden wurde in einer kleinen Rinne, die sich in die Niederterrasse eingeschnitten hat, abgelagert. Am Tafelstandort ist dies am unterschiedlichen Höhenniveau links und rechts des Weges deutlich zu sehen.

Altablagerung

Nach dem Motto „Vergraben und Vergessen“ wurden vor Inkrafttreten des Abfallgesetzes der BRD (1972) Hausmüll, Bauschutt und ähnliche Abfallprodukte an zahlreichen Stellen bedenkenlos abgelagert. Als Standorte dienten häufig Feuchtgebiete mit Grundwasseranschluß, Senken, Tälchen und Abgrabungen (z.B. Kiesabbauflächen). Probleme für den Boden und das Grundwasser waren somit vorprogrammiert.

Das Müllsickerwasser aus der Deponie kann in Böden und Oberflächengewässern zur Beeinträchtigung der Umwelt führen. Bei sachgerechter Anlage von Deponien wird heute durch Basisabdichtung und geeignete Oberflächenabdeckung das Umfeld geschützt. Durch Rekultivierung kann eine weitgehende Integration ins Landschaftsbild erfolgen.

Im Gewann Forstlach wurde zwischen Oberholzgraben und Bahnlinie in den Jahren 1955-68 Bauschutt, Erdaushub und Hausmüll abgelagert.

Parabraunerde

Die Parabraunerde ist durch die Verlagerung von Tonsubstanz (Lessivierung) aus dem oberen in den tieferen Profilbereich charakterisiert. Dadurch entsteht ein an Ton verarmter (Al) und ein an Ton angereicherter (Bt) Horizont. In einem pHBereich von 6,5 bis 4,5 ist die Bewegung der Tonteilchen besonders groß.

Das vorliegende Profil weist unter der Humusauflage und dem humosen Oberboden eine Schicht aus sandiglehmigem, an Ton verarmtem, Substrat auf. Die Tonanreicherung im stark kiesigen Unterboden erfolgte bevorzugt in sandigen Partien. Ab 80 cm ist eine Wechselfolge aus Sanden und Kiesen zu sehen, die früher zeitweise im Einflußbereich des Grundwassers stand.

Parabraunerden besitzen i.d.R. eine wichtige Funktion als Standort für Kulturpflanzen.

Auftragsboden

Dieser Boden zählt zu den Kultosolen, die durch die unmittelbare Arbeit des Menschen entstanden sind. Infolge der Technisierung von Land- und Bauwirtschaft ist die Verbreitung der anthropogen (von Menschen) umgestalteten Böden stark angewachsen.

Beim vorliegenden Profil handelt es sich um einen Auftragsboden, der über einer Abgrabung liegt. Hier wurde stellenweise Erdaushub, Bauschutt und Straßenaufbruch deponiert. Dies ist an der unruhigen Bodenoberfläche links und rechts des Weges zu erkennen. Auch solche Ablagerungen können Schadstoffe enthalten, die unsere Böden und das Grundwasser gefährden.

Flächenverbrauch

Im Zuge der Erschließung von Siedlungs- oder Verkehrsflächen werden natürliche Freiflächen zunehmend zerstört oder versiegelt. 1950 betrug der Anteil von Siedlungsflächen in den alten Bundesländern 7,5 %. 1985 waren es schon 12,5 %. Während dieser Zeit steigerte sich der tägliche Verbrauch von Freiflächen für Siedlungszwecke von 94 ha auf 120 ha. Dabei war die Zunahme in Ballungszentren doppelt so hoch als in ländlich geprägten Regionen.

Um diesem Siedlungsdruck entgegenzuwirken, ist es wichtig, neue Baumaßnahmen sorgfältig zu planen, um wertvollen Boden nicht unnötig zu zerstören. Versiegelte oder nicht mehr genutzte Flächen sollten zurückgebaut bzw. mit geeignetem Bodenmaterial rekultiviert werden. Dadurch ist es vereinzelt möglich, nicht mehr genutzte Böden in ihren Funktionen zu regenerieren.

Infomaterialien

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Karlsruhe-Weiherfeld

Faltblatt „Bodenkundlicher Lehrpfad Weiherfeld“

Textquellen

Lehrpfade und Lehrgärten, Arbeitsmaterialie Agenda-Büro Nr. 47, LUBW, September 2008.

Neuried: Auen-Wildnispfad

Wo Altrheinarme immer wieder über die Ufer treten und Hochwasser zum Schutz der Rheinanlieger zurückgehalten wird, schlängelt sich der etwa 3,5 Kilometer lange Auen-Wildnispfad durch eine urtümliche Landschaft. Der Pfad liegt innerhalb des Hochwasserrückhalteraumes Polder Altenheim, dessen Begehbarkeit je nach Wasserstand auch bereits bei ökologischen Flutungen eingeschränkt sein kann.

TIPPs:

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Hochwassergefahr

Beachten Sie unbedingt den Wasserstand an den Ampelfarben der Pegellatten und die allgemeinen Betretungshinweise im Faltblatt.

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Begehrbarkeit

Der Pfad ist teilweise matschig und rutschig. Öfters müssen umgestürtzte Bäume überstiegen oder unterquert werden.

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Zweite Schleife

Die zweite Schleife erreicht man über einen großen Holzsteg am Wegpunkt „C“.

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Mückenschutz

Die Anwendung eines Mücken- (Schnaken) und Zeckenschutzes ist sehr zu empfehlen!

Infomaterialien

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Neuried

Faltblatt „Auen-Wildnispfad“

Textquellen

Faltblatt „Auen-Wildnispfad“

Whyl: Naturlehrpfad Rheinauewald

Auf schmalen Pfaden und Stegen führt der Naturlehrpfad durch den Rheinauewald mit seinen Altrheinarmen. An mehreren Stationen können Besucher spannende Details über die Tier- und Pflanzenwelt des Lebensraums Aue erfahren und ihr Wissen testen.

Infomaterialien

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Whyl

Faltblatt „Naturlehrpfad Rheinauewald“

Textquellen

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