Erdölförderung in Forst und Weiher (Baden)

Bohrmänner einer Schicht am Bohrturm Nr. 17, der hinter dem heutigen Tennis-Zentrum in Weiher stand. Die Männer stammen u.a. aus Weiher (Adolf Flick und Karl Heiler, 2. u. 5. von links), Zeutern (Oskar Hoffmann, 3. von links) und Forst. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt das Innere des Maschinenhauses im Bohrturm mit seinem 250 PS Gasöl-Deutz-Motor. Dieser treibt das zentnerschwere Bohrgestänge, die Drahtseilwinde und die Hochdruckpresse an. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt Ölarbeiter bei der Arbeit mit einem Bohrgestänge. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt Ölarbeiter beim Einbringen des Bohrgestänges. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt Ölfördertürme bei Forst mit Wohnbaracke und einem Material- und Ersatzteilschuppen. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt die Ölverladestation. Bald nach Beginn der Erdölförderung bei Weiher und Forst konnte im Jahr 1936 der 100. Waggon abtransportiert werden. Ein Waggon fasste bis zu 20.000 Liter Erdöl. (Repro: Karl Simon)

Erdölförderung im Hessischen Ried

Erdölförderung im 20. Jahrhundert

Nach einer Reihe von ersten Bohrversuchen der Gewerkschaft Elwerathbereits in den 1930er Jahren erschließt das Unternehmen im November 1952 mit der Bohrung Stockstadt 1 das gleichnamige Ölfeld, das sich im Gebiet zwischen den Gemeinden Stockstadt, Gernsheim und Crumstadt erstreckt.

Die Lagerstätte in Teufen von 1.530 m bis 1.720 m gliedert sich in ein Oberes und ein Unteres Lager. Beide Lager setzen sich aus mehreren erdölführenden Schichten der geologischen Formation „Pechelbronner Schichten“ zusammen.

In den Jahren nach 1952 werden insgesamt 47 Bohrungen zur vollständigen Erschließung des Vorkommens abgeteuft. Eine dieser Bohrungen war die Bohrung Stockstadt 38 auf dem Kühlkopf, die bis heute als Industriedenkmal erhalten wurde.

Seit Aufnahme der Förderung am 30.11.1952 bis zu ihrer Einstellung am 26.04.1994 wurden aus dem Erdölfeld Stockstadt aus insgesamt 33 Bohrungen in Summe  1.041.900 t Erdöl gefördert.

Textquelle: Infotafel an der Erdölfördertelle Stockstadt 38.

Übersichtskarte der ersten Such- und Förderbohrungen im Erdölfeld Stockstadt  (Ausschnitt der Infotafel an der Bohrung Stockstadt 38).

Stockstadt 1952

Bei Stockstadt am Rhein (Landkreis Groß-Gerau) wird bei Bohrarbeiten 30.11.1952 ein großes Erdölvorkommen angetroffen. Nachdem die Bohrung bis auf eine Tiefe von 1.629 Meter abgeteuft wurde, strömt ununterbrochen Erdöl aus dem Bohrloch. Bereits in  einer Tiefe von 1.552 Metern war man erstmalig auf ölhaltiges Gestein gestossen.

Erste Erkenntnisse aus den seismologischen Messungen geben zunächst Anlass zu der Vermutung, dass sich die ölgesättigte Schicht bei einer Mächtigkeit von zwölf Meter auf ein Gebiet von ca. 32 Quadratkilometer ausdehnt und sich von der Fundstelle bis zum Rhein hin erstreckt. Die weitere Exploration ergibt allerdings, daß sich die öltragende Schicht nur auf die Gemarkungen Stockstadt, Biebesheim, Crumstadt und Gemsheim beschränkt. Sie verläuft in 1.500 bis 1.700 Metern Tiefe in südwestlicher Richtung. Schwierigkeiten bereitet die Frage des Abtransports des geförderten Rohöls.

Bereits wenige Tage nach dem erfolgreichen Abteufen verkündet die Bundesbahn die Absicht, am Bahnhof Stockstadt ein Auslegergleis zu bauen, auf dem die Tankwagen der Gewerkschaft Elwerath* abgestellt werden können. Bereits am 6.Dezember 1952 werden die ersten 4.000 Liter Erdöl in Stockstadt zum Bahnhof gebracht.

1953 werden (Dezember 1952 eingeschlossen) im Hessischen Ried 25.000 Tonnen Erdöl gefördert, 1954 sind es bereits 46.000 Tonnen.

Im Hessischen Ried, dem in Hessen gelegenen nordöstlichen Abschnitt der Oberrheinischen Tiefebene, wurden in einem Gebiet zwischen Stockstadt, Gernsheim und Crumstadt bereits in den 1930er Jahren Erdölvorkommen entdeckt.

Am 3. August 1951 war bei Wolfskehlen ein Gasvorkommen erbohrt worden, das sich beim Zurückziehen des Bohrgestänges schlagartig entzündete und eine gut 60 Meter hohe und über eine Entfernung von 40 Kilometer sichtbare Feuersäule verursachte.

* Die 1866 gegründete (bergrechtliche) Gewerkschaft Elwerath ist eine Kapitalgesellschaft, die ursprünglich mit dem Eisenerzabbau befasst war und sich seit 1920 aktiv im Erdölgeschäft betätigt. Anteilseigner der Gewerkschaft Elwerath sind (1952) die Wintershall AG (34 %), die Deutsche Shell AG (11,5 %) und die Esso AG (11,5 %) sowie die Familiengruppe Seifer (23 %). Im April 1969 wird die Gewerkschaft Elwerath gemeinsam mit der Gewerkschaft Brigitta unter dem Dach der BEB Gewerkschaften Brigitta und Elwerath Betriebsführungsgesellschaft mbH zusammengeführt, an der die Deutsche Shell AG und Esso AG zu jeweils 50 % beteiligt sind.

Im Feld Stockstadt wurde in den Jahren 1952 bis 1994 insgesamt 1.041.900 t Erdöl gefördert.

Textquelle: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Erdölförderung im 21. Jahrhundert

Durch moderne Explorationsmethoden wie 3-D-Seismik können inzwischen bislang unentdeckte Fallenstrukturen entdeckt werden und auch die Wirtschaftlichkeit kleiner Lagerstätten ist mit der Verteuerung der Energiepreise gestiegen. Dadurch wurde in den 2000er Jahren ein erneutes Interesse an der Erschließung von Kohlenwasserstofflagerstätten auch in Hessen geweckt.

Dabei geht es in erster Linie um eine Prüfung, ob aufgelassene Öl- und Gasfelder, wie z.B. das Feld Stockstadt, wieder erschlossen werden können. Es sollen geologisch bekannte, aber in der Vergangenheit nicht genutzte oder nicht vollständig ausgeförderte Vorkommen in den bisher bekannten Speicherhorizonten mit modernen Arbeitsmethoden und neuen Explorationsmöglichkeiten genauer untersucht und auch neue Mutter- und Speichergesteine erkundet werden. Bei der beabsichtigten Erschließung geht es ausschließlich um konventionelle Lagerstätten in durchlässigen Speichergesteinen, die ohne künstliche Erhöhung der Durchlässigkeit (Fracking) gefördert werden können.

3-D seismische Erkundung im Ried

Im Zeitraum von Oktober 2011 bis März 2012 führte die Rhein Petroleum GmbH in einem mehr als 240 km² großen Gebiet zwischen Wolfskehlen, Riedstadt, Gernsheim, Biblis, Bürstadt und Worms im Nordteil des Erlaubnisfeldes eine umfangreiche 3-D seismische Erkundung durch. Dabei wurde u.a. eine dreidimensionalen Karte der geologischen Untergrundstrukturen mit potentiell erdölführenden Schichten erstellt. Ölführung und Ergiebigkeit ausgewählter Zielgebiete sollten im Rahmen der folgenden Suchbohrungen verifiziert bzw. geprüft werden.

Wiedererschließung des Erdölfeldes Stockstadt

Ende August 2013 wurden die Bohrarbeiten zur Wiedererschließung auf dem südlich von Riedstadt-Crumstadt liegenden Bohrplatz mit der Bohrung „Stockstadt 2001“ begonnen. Die Bohrung wurde bis ca. 550 m saiger gebohrt un dann leicht in westliche Richtung abgelenkt, um so das eigentliche Zielgebiet der Suchbohrung in den „Pechelbronner Schichten“ zu erreichen. Noch vor der Durchführung einer Ergiebigkeitsprüfung wurde lediglich 7,5 m daneben eine zweite Suchbohrung  „Allmend 1“ abgeteuft.

Ende Dezember 2013 wurde die mobile Bohranlage demontiert.

Im März 2014 beginnen die Vorarbeiten für eine Ergiebigkeitsprüfung mit dem Aufbau einer ca. 25 m hohen Windenanlage zum Einbau der Fürderpumpe und der 11 cm dicken Verrohrung des Förderstranges.

Nach Abschluss der ersten Tests ruhen im September 2014 die Arbeiten an den beiden Bohrstellen unter dem vorbehalt weiterer Arbeiten. Beide Bohrungen werden dafür „eingeschlossen“ (gesichert). Die Rhein Petroleum GmbH setzt die Auswertung der bis dato gewonnen Daten fort.

Schwarzbach 1

Die Rhein Petroleum AG beginnt nach längerer Planungsphase am 31.01.2015 mit dem Abteufen der Suchbohrung „Schwarzbach 1“ in Riedstadt-Goddelau. Die Bohrung wurde bis 350 m saiger abgeteuft und dann in westliche Richtung abgelenkt, um das geplante Zielgebiet zu erreichen. Ende März 2015 wurde die Bohrung fündig.

„Wir sind exakt an der Stelle fündig geworden, die wir aufgrund unserer Seismik-Kampagne als vielversprechend definiert hatten“, betonte Dr. Michael Suana, Geschäftsführer der Rhein Petroleum GmbH.

Das Ölfeld befindet sich in einer Tiefe von ca. 1.700 Metern in den porösen Sandsteinen der Meletta- und Pechelbronner Schichten. Aus diesen Schichten wurden im benachbarten Stockstadt am Rhein bereits von 1952 bis 1994 über acht Millionen Barrel Öl gefördert.

Am 11. März 2016 hat die Anlage „Schwarzbach“ die Testförderung aufgenommen. Nach mehr als 20 Jahren wurde erstmalig wieder heimisches Erdöl aus dem hessischen Ried gefördert. Im Anschluss wurde 12 Monate getestet, wie viel Erdöl sich im Untergrund befindet, und ob sich eine Förderung wirtschaftlich lohnt.

Aufgrund positiver Ergebnisse hat Rhein Petroleum anschließend die bergrechtliche Bewilligung und einen Betriebsplan zur Dauerförderung beim Regierungspräsidium Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt Wiesbaden beantragt. Die Genehmigung zur Förderung von Erdöl wurde zum 1. Januar 2018 für 27 Jahre erteilt.

Textquelle: Webseite „Rhein Petroleum GmbH“

Schwarzbach 2

Neben der bestehenden Förderanlage der Rhein Petroleum GmbH wurden im Juni 2023 Probebohrungen auf weitere Erdölvorkommen durchgeführt (Schwarzbach 2).

Die Rhein Petroleum GmbH teilte Mitte August 2023 mit, dass derzeit vieles „auf ein interessantes Vorkommen“ hindeute. Sowohl hinsichtlich der Menge als auch der Qualität läge es über den Erwartungen. Die erdölführenden Schichten (Sandsteine der Meletta- und Pechelbronner-Schichten) wurden in einer geringeren Tiefe (1.700 m) angetroffen, als prognostiziert und sind mächtiger, als vor der Bohrung angenommen.

Ende August 2023 startet Rhein Petroleum GmbH eine umfassende Testphase, die weitere Erkenntnisse über die ölführenden Lagerstätten bringen wird. Hierzu werden in die Bohrung ein dünner Förderstrang und eine Pumpe eingebaut, unmittelbar danach wird die Bohranlage mit dem rund 35 Meter hohem Turm abgebaut. Für eine wirtschaftliche Förderung des Erdöls aus der Bohrung „Schwarzbach 2“ kann die bestehende Produktionsanlage von Rhein Petroleum in unmittelbarer Nachbarschaft genutzt werden.

Seit 2018 fördert Rhein Petroleum GmbH aus der Bohrung „Schwarzbach 1“ dauerhaft Erdöl und bereitet es in der Anlage auf. Von dort wird der Rohstoff aus dem Hessischen Ried mit Lkws in die nahe gelegene Raffinerie nach Karlsruhe transportiert.

Textquelle: Webseite „Rhein Petroleum GmbH“ (Pressemitteilung vom 21.08.2023)

Hofheim-Wattenheim

Im Feld Hofheim-Wattenheim zwischen 1954 und 1976 insgesamt 38.500 t  gefördert.

Textquelle: HLNUG

Eich-Königsgarten

Im Feld Eich-Königsgarten wurden 1959 bis 1964 sowie 1983 bis 1994 insgesamt 677.700 t Erdöl gefördert.

Textquelle: HLNUG

Zeitlicher Überblick

1952

Im November 1952 wird die Erdölsuchbohrung Stockstadt 1 fündig.

1953/1954

Es werden 11 weitere Bohrungen abgeteuft.

1955

Das erste Betriebsgebäude in Gernsheim wird fertiggestellt. Die Schiffsbeladungsstelle am Rhein wird in betrieb genommen. Das Öl wird per Schiff oder Bahn zur Raffinerie Misburg bei Hannover transportiert.

1956

Der Betrieb Stockstadt erreicht mit 524 Personen den historisch höchsten Mitarbeiterstand.

1959

Entdeckung des Teilfeldes „Kühlkopf“ in einer Altrheinschlinge nördlich von Stockstadt.

1964/1965

Die historisch höchste jährliche Ölfördermenge wird mit jeweils 64.000 t erreicht.

1966-1970

Zur Aufrechterhaltung der Förderung muss zunehmend Lagerstättenwasser in die Lagerstätte zurückgeführt (injiziert) werden. Die Ölförderung geht auf 21.000 t zurück.

1968

Im Zusammenhang mit Aktivitäten im Erdgasbereich erfolgt der Umzug des Betriebes nach Crumstadt. Die Zahl der Mitarbeiter ist inzwischen auf 53 gesunken.

1969

Die bergrechtliche Gewerkschaft Elwerath schließt sich mit der Gewerkschaft Brigitta zur BEB Erdgas und Erdöl GmbH zusammen.

1983

Die Wiederaufnahme der Explorationsaktivitäten im Rheintal, ermöglicht durch die Erlössteigerung, führt in der Region Stockstadt zur Entdeckung des linksrheinischen Teilfeldes Eich.

1986

Nach Beendigung der Aktivitäten im Erdgasbereich wird ein neues Betriebsgebäude in Gernsheim bezogen.

1987

Die Schiffsbeladung wird stillgelegt. Das Öl wird fortan mit Straßentankwagen abgefahren.

1990

Die Jahresproduktion beträgt nur noch 5.500 t. Sieben Fördersonden sind noch aktiv.

1994

Aus der Bohrung Stockstadt 38 auf dem Kühlkopf wird am 24. Juni die letzte Tonne Erdöl gefördert.

Textquelle: Infotafel an der Erdölfördertelle Stockstadt 38.

Industriedenkmal Erdölförderstelle „Stockstadt 38“ auf dem Kühlkopf. Hier wurde am 24.06.1994 das letzte Erdöl in der Explorationsphase im 20. Jahrhundert gefördert.

Erdölförderung in Landau (Pfalz)

In der Pfalz wurde man erstmals in Frankweiler auf Erdöl aufmerksam. Hier trat in einigen Kellern des Ortes das Erdöl natürlich zu Tage. 1896 führte man dort vier Suchbohrungen bis 200 Meter Tiefe durch.

Die Erschließung des Erdölfelds Landau begann im Jahr 1955. Die Bohrtätigkeiten konzentrierten sich zunächst auf ein Gebiet um Dannheim und Queichheim. Mit verbesserten geophysikalischen Messverfahren wurde in den Jahren 1959 und 1962 die Prospektion auf die Teilfelder Nußdorf, Knörringen und Walsheim ausgedehnt. Dort stieß man in Mergel- und Sandsteinschichten auf Öl, aus denen bis heute produziert wird.

Bis August 1963 wurden im Erdölfeld Landau insgesamt 725.456 t Erdöl gefördert. Bis dahin wurden 135 Suchbohrungen mit einer Gesamtbohrlänge 184.564 m (184,5 km !) abgeteuft, davon waren 99 Bohrungen fündig.

Bis heute wurden in der Region mehr als 1.300 Bohrungen (!) niedergebracht. Im gesamten Bundesgebiet sind es seit Beginn der Erdölförderung in Deutschland mehr als 20.000 Bohrungen.

I, Bodoklecksel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Erdölförderung in Leopoldshafen (Baden)

Erdölförderung in Scheibenhard-Niederlauterbach (Elsass)

In Scheibenhard-Niederlauterbach wurde 1956 das nach Pechelbronn bedeutendste Erdölvorkommen im Elsass entdeckt.

Die Bohrung SEB 102 wurde bis 2.294 m abgeteuft. Sie ist damit die tiefste Bohrung im Nieder-Elsass. Bis 1968 wurden 221.469 t Erdöl gefördert.

Erdölgeologische Exkursion zum Ölfeld Scheibenhard (Unter-Elsass) am 9. November 1958
Beschreibung

Führung und Bericht: J. BLUMENROEDER, Strasbourg

Textquelle: Mitteilungen Badischer Landesverein für Naturkunde und Naturschutz e.V.; N.F. 7; Freiburg im Breisgau, 15.12.1958.

In Scheibenhard beutet die PREPA ihr zur Zeit ergiebigstes Ölfeld aus.

Dieses Feld ist wie die meisten Rheintalfelder an eine N-S streichende antithetische Störung gebunden. Durch Seismik und Bohrungen in der Pfalz schon als nach Süden ansteigende Struktur bekannt, wurde das Scheibenharder Hoch auf der elsässischen Seite durch Seismik und Geoelektrik untersucht.

Am besten wurde die Lage der westlichen Randstörung der Hochscholle durch Geoelektrik bestimmt. Produktiv sind zugleich die östliche Hoch- und die westliche Tiefscholle.

Ölführend sind die so unregelmäßig im Unterelsässer Tertiär verteilten Sande oder Sandsteine. Eine Teilproduktion entstammt der einzigen Sannois-Lagerstätte, die man fast systematisch an der Basis der oberen Pechelbronner Schichten findet, außerhalb des Pechelbronner Feldes, in dem sie auf weiten Flächen produktiv war, sowie in den kleinen Feldern von Soufflenheim und Schirrhein. Das Neue in Scheibenhard – abgesehen von unbedeutenden Produktionen in der Grauen Schichtenfolge der Hagenauer Umgebung – ist der Reichtum an Sanden oder Sandsteinen im Rupel, welche die Hauptförderung liefern und in Vergleich mit den zahlreichen produktiven Lagen des Pechelbronner Sannois zu stellen sind. Diese jüngeren Schichten sind bis jetzt allein produktiv auf der westlichen Tiefscholle, welche nach der Seismik Erweiterungsmöglichkeiten nach W und SW erlaubt.

In der besichtigten Bohrung Scheibenhard 102 wurde auch neuerdings ein gut imprägnierter Sandstein an der Basis der Bunten Niederroederner Schichten durchfahren.

Der Mechanismus der Sandschüttung und der Grund für die Häufung der Sandlager im Sannois von Pechelbronn und im Rupel von Scheibenhard sind noch nicht geklärt. Letztere sowie die Basissandsteine der Oberen Pechelbronner Schichten sind mit wechselnder Produktion bis mehr als 20 km nördlich der Grenze, in der Pfalz über Minfeld und Hayna bis Landau entwickelt. Ihre Ausdehnung gegen Süden und Westen ist noch unbekannt: sterile Sande sind in der grauen Schichtenfolge geläufig, doch hat man nur in Soufflenheim in den Basissandsteinen Ölspuren beobachtet, die höchstwahrscheinlich aus den unterlagern- den Fischschiefern stammen.

Ende Oktober förderten 15 Bohrungen, davon 12 eruptiv, 11 aus der Grauen Schichtenfolge, 5 aus dem Basissandstein der Oberen Pechelbronner Schichten, dessen produktives Band schMäler ist als das der Rupellagerstätten.

Zwei Bohrungen sind ausgerüstet, um zwei Lager getrennt auszubeuten (Doppelförderung).

Zur selben Zeit hatte das Feld seit der Inproduktionsnahme insgesamt etwa 38 000 t Öl gefördert (wasserfrei), und zwar 58 % aus dem Rupel und 42 % aus dem Sannois. 97 % der Gesamtförderung stammen aus der östlichen Hochscholle, da die Feldesentwiddung auf die westlichen Tiefschollen noch ganz jung ist.

Die Dichte der Öle, welche beide schwach asphalt- und schwefelhaltig sind (0,3 bis 1,7 und 0,2 %), liegt zwischen 0,82 und 0,86; der Salzwasseranfall ist gering (1 %), nur in zwei Bohrungen wurden 8 und 27 % erreicht. Infolge des hohen Paraffingehaltes (16 %) und Stockpunktes (28°) musste das ganze Feld, von der Lagerstätte bis zur Sammelstation, mit Heizanlagen durch Pyrotenax-Kabel ausgerüstet werden.

An der Verladestation selbst wird das Öl durch Dampfheizung in den Sammelbehältern flüssig gehalten. Die Heizquelle liefert das anfallende Gas, das vor den Behältern vom Öl getrennt wird; der Gas- überfluß wird frei auf der Fackel verbrannt. Das Öl wird durch Tankzug nach der Pechelbronner Raffinerie verfrachtet.

Besichtigt wurden auf dem Feld eine mittlere Ideco-Apparatur (bis 2.500 m) mit Klappmast, die den mesozoischen Untergrund der Scheibenharder Hochscholle untersuchen soll, sodann die Sammelstation; auf der Durchfahrt konnte man die kleinen Eruptionskreuze der Förderbohrungen sehen.

Le pétrole à Scheibenhard (1996)
Beschreibung

Textquelle: Webseite Gemeinde Scheibenhard, Januar 2024: „Scheibenhard, 100e anniversaire de la Caisse de Crédit Mutuel“ 15 septembre 1996

In Scheibenhard und Umgebung schlummerte ein Erdölvorkommen, dessen Ursprung 160 Millionen Jahre zurückreicht.

Im Jahr 1956 entdeckte die Firma „Prépa“ dort zwei Schichten

  • eine in einer Tiefe von 592 bis 597 Metern mit einer Fördermenge von 5,3 m³ pro Tag
  • die andere in einer Tiefe von 948 bis 952 Metern mit einer Fördermenge von 13 m³ pro Tag.

Weitere Schächte wurden gebohrt und von 1957 bis 1968 belief sich die Gesamtproduktion auf 221.469 Tonnen.

Die Ausbeutung dieser Lagerstätte wurde von ELF-Aquitaine auf den Bannern der Nachbargemeinden wieder aufgenommen.

Aus nächster Nähe kann man die Pendelpumpen beobachten, deren Gegengewichte die Kraft der Motoren mit einer Leistung von 3.000 bis 4.000 kg, die zum Ziehen der Flüssigkeit erforderlich sind, und den Schaft der Saug- und Druckpumpe ausgleichen, die 500 bis 900 Meter tief in den Grundwasserspiegel eintauchen.

Mithilfe eines elektrischen Heizsystems wird die Mindesttemperatur des paraffinreichen Rohöls auf 27 °C (500 m Tiefe) bzw. 32 °C (950 m Tiefe) gehalten, um die Lagerung und das anschließende Umfüllen in Tankwagen zu erleichtern. In der Raffinerie in Reichstett wird dieses Rohöl zu: Erdöl, Öl, Kerosin, Paraffin, Teer, Leuchtpetroleum usw.

Die produzierten Mengen sind symbolisch, im Durchschnitt 5 m³ pro Tag und Bohrloch, und die Ausbeutung wird nicht fortgesetzt.

Der Erdölkonzern Total verkaufte 1994 die Förderkonzession „Scheibenhard“ an die Fa. Geopetrol. Um 2008 wurden wöchentlich 1.000 Barrel Erdöl gefördert (1 Barrel sind 159 Liter).

Erdölfeld NDL 103/108 der Fa. Geopetrol in Scheibenhard-Niederlauterbach im Januar 2024.

Erdölförderung in Speyer (Pfalz)

Erdölförderstelle Römerberg-Speyer

Auf der Suche nach Erdwärme entdeckte die in Speyer ansässige Palatina GeoCon GmbH & Co. KG bei einer Bohrung im Jahr 2003 in ca. 2.500 Metern Tiefe unerwartet Erdöl. Um das Erdöl fördern zu können, erfolgte ein Zusammenschluss mit der Neptune Energy Deutschland GmbH (Hannover), einem in der Erdölexploration tätigen Unternehmen.

Nach näheren geophysikalischen Erkundungen weiß man, dass die Lagerstätte eine längliche Form hat und sich in einer Tiefe von etwa 2.500 Metern unterhalb von Speyer von Nordost nach Südwest erstreckt. Die Lagerstätte befindet sich im Buntsandstein, der als Speichergestein des Erdöls fungiert. Die Förderung aus der Lagerstätte ist zunächst für eine Dauer von 30 Jahren zugelassen.

Das Ölvorkommen in Speyer wurde zur ergiebigsten Lagerstätte Süddeutschlands. Rheinland-Pfalz ist nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen das drittgrößte erdölfördernde Bundesland.

Zwei Betriebsplätze im Norden von Speyer

Das Erdöl aus der Lagerstätte „Römerberg-Speyer“ wird aus mehreren Bohrungen zutage gefördert. Dazu wurden auf zwei Grundstücken im Norden der Stadt Speyer Betriebsplätze eingerichtet. Die beiden Partnerunternehmen unterhalten ein gemeinsames Büro in Speyer und beschäftigen rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort.

Auf Betriebsplatz 1 im Nordwesten von Speyer, in der Siemensstraße, nahm das Konsortium 2008 die erste Probebohrung vor, die das 2003 entdeckte Erdölvorkommen bestätigte. Seit 2008 wird dort konstant Erdöl gefördert. Kontinuierlich werden neue Bohrungen niedergebracht, um die Lagerstätte weiter zu erschließen.

Anfang 2009 nahmen die beiden Unternehmen auf dem Betriebsplatz 2 im Nordosten von Speyer, nahe der Franz-Kirrmeier-Straße, eine Bohrung zur weiteren Erkundung des Feldes „Römerberg-Speyer“ vor. Seitdem wird nun auch hier aus rund 2.500 Metern Tiefe Erdöl gefördert und es wurden mehrere Bohrungen niedergebracht.

Aufbau der Betriebsplätze

Die Bohrungen befinden sich auf einer flüssigkeitsundurchlässigen Fläche, auf der auch das sogenannte Eruptionskreuz (auch E-Kreuz) errichtet wird. Es ist das Herzstück des Betriebsplatzes und als Bohrlochabschluss zu verstehen, denn es besteht aus einer Rohrleitung sowie zahlreichen Absperrarmaturen und Sicherheitseinrichtungen, die mit dem Bohrloch fest verbunden sind. So ist es möglich, Erdöl kontrolliert über das E-Kreuz zu fördern. Darüber hinaus haben die Betriebsplätze einen mit Asphalt befestigten äußeren Bereich.

Textquelle: Webseite „Erdöl im Rheintal“