Husseren-les-Châteauex: Sentier des Carrières (F)

Der „Steinbruchweg“ verläuft zwischen dem Parkplatz des Klosters „Marbach“ und dem Parkplatz der „Drei Schlösser“.

Entlang der Wegstrecke informieren mehrere Infotafeln über die Besonderheiten der Steinbrüche und die Funktionalität des Waldes.

Infomaterialien

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Husseren-les-Châteaux

Faltblatt „Découvrir Le Sentier des Carrières“

Textquellen

Faltblatt „Découvrir Le Sentier des Carrières“

Garmisch-Partenkirchen: Geomorphologischer Lehrpfad „Reintal“

Der Geomorphologische Lehrpfad führt vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen mit einem Höhenunterschied von 2.230 Metern über eine Distanz von ca. 22 Kilometern auf den Gipfel der Zugspitze. Die Haltepunkte entlang der Wegstrecke sind mit kleinen orangefarbenen, quadratischen Tafeln gekennzeichnet.

An 11 Haltepunkten wird über die landschaftsgeschichtliche Entwicklung des Reintals zwischen der Partnachklamm und dem Zugspitzgipfel informiert. Der Schwerpunkt des Lehrpfades liegt im Reintal selbst und auf den alpinen Prozessen, die das Reintal seit dem Ende der letzten Kaltzeit bis heute prägen und stetig verändern.

Bei der Bockhütte erreicht die Via Alpina-Etappe R45 den Lehrpfad und folgt ihm fortan bis zur Reintalangerhütte.

Die Stationen 2 bis 7 des Geomorphologischen Lehrpfads informieren über Wildbäche (Partnach), Muren und Steinschlag. Besonderheiten sind dabei der Bergsturz „Steingerümpel“ und die „Vordere Blaue Gumpe“. Dieser um das Jahr 1800 durch einen Bergsturz aufgestaute See – einst das landschaftliche Juwel des Reintals – wurde im August 2005 während eines zweitägigen Unwetters vollständig verfüllt.

Kurz vor der Reintalangerhütte quert die Via Alpina eine späteiszeitliche Endmoräne („Reintalanger-Stand“). Im Gegensatz zum heutige Schneeferner, der das oberste Zugspitzplatt bedeckt, reichte der Lokalgletscher im Reintal („Partnachgletscher“) vor etwa 11.000 Jahren noch bis hier herab.

Buch-Tipp

Zum Lehrpfad ist ein ausführliches Begleitbuch erhältlich:

(Götz, Joachin & Schrott, Lothar: Das Reintal – Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze; Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 2010.

Wegstationen
Station 1: Die Partnachklamm

Bayerns schönste Geotope Nr. 16

Die Partnachklamm

Die Partnachklamm ist eine der eindrucksvollsten Klammen in den bayerischen Alpen.
Auf einer Länge von 700 Metern durchschneidet sie mächtige Gesteinslagen am Fuß des Wettersteingebirges. Die Wände der Klamm reichen bis zu 86 Meter in die Höhe. Der namensgebende Fluss – die Partnach – entspringt im Reintalanger und ist eine der größten Karstquellen der Bayerischen Alpen. Sie wird vor allem durch Schmelzwasser des Schneeferners, dem Rest eines eiszeitlichen Gletschers auf dem Zugspitzplatt, gespeist.

Beschreibung

Wie alt sind die Gesteine, in die sich die Partnach einschnitt?

Der „Alpine Muschelkalk“ (hier Reifling- und Steinalm-Formation) ist in der Mittleren Trias (genauer: im Anis und Ladin) vor etwa 245 Millionen Jahren in einem flachem Meer und am Rand eines Ozeanbeckens abgelagert worden. Ein charakteristisches Merkmal der Steinalm-Formation sind die dickbankigen, stellenweise geklüfteten, hellgrauen Kalksteine während die Kalk- und Kalkmergelsteine der Reifling-Formation schmale, dunkle und oft grasbewachsene Terrassenbänder in den Wandabbrüchen hinterlassen.
Die darüber liegenden weicheren Schichten der Partnach-Formation bestehen aus dunkelgrauen Mergelsteinen und Tonschiefern mit einzelnen Kalkbänken. Entstanden sind sie vor etwa 235 Millionen Jahren im gleichen Meeresbecken wie der „Alpine Muschelkalk“.

Wie entstand die Partnachklamm?

Im Verlauf der alpinen Gebirgsbildung wurden die Gesteine gefaltet und im Bereich der Partnachklamm als so genannter Wamberger Sattel herausgehoben. Im Kern des Sattels quert die Klamm die harten Kalksteine des „Alpinen Muschelkalks“ (Reifling- und Steinalm-Formation). Nach dem Rückzug des Eises im Bereich von Graseck vor ca. 12.000 Jahren, hatte die Partnach noch genügend Zeit, um sich in die harten Kalkbänke einzuschneiden, wodurch die eindrucksvolle Partnachklamm entstanden ist. Nördlich und südlich der Klamm fließt die Partnach durch die jüngeren Schichten der Partnach-Formation. Hier konnte die Partnach aufgrund der weicheren Gesteine ein deutlich breiteres Flussbett anlegen.

Häufig bilden sich Klammen an Geländestufen, die durch die unterschiedlich starke Eintiefung von Haupt– und Nebentälern entstanden. Flüsse überwinden diese Höhenunterschiede zunächst als Wasserfälle und schneiden sich im Laufe der Zeit in das Gestein ein. Bei starkem Gefälle, hoher Fließgeschwindigkeit und hartem Gestein entsteht so die typische Talform der Klamm.

Felsstürze in der Klamm

Am 1. Juni 1991 brachen ca. 5.000 Kubikmeter Gestein aus der westlichen Felswand am Südende der Klamm heraus und bildeten einen 15 Meter hohen Wall. Durch die Sturzmasse wurde die Partnach zu einem See aufgestaut, der nach kurzer Zeit verlandete.
Im März 2003 erfolgte während der regulären Frühjahrssperrung im nördlichen Teil der Klamm ein erneuter Felssturz mit einem Volumen von ca. 500 Kubikmetern.

Tal–Schlucht–Kerbtal

Die wesentlichen Faktoren bei der Talbildung sind die Beschaffenheit des Gesteins und Gefälle. Im Bereich von Flussabschnitten mit großem Gefälle dominiert die Tiefenerosion der Flüsse. Bei abnehmender Härte des Gesteins – und damit zunehmender Seitenerosion – bildet sich ein breiteres Tal. Die charakteristischen Talformen wie a) Klamm, b) Schlucht oder c) Kerbtal entstehen bei der Erosion in härteren Gesteinen.

Bedeutung von Partnach und Klamm

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Partnach als Triftbach benutzt. Bäume aus den umliegenden Wäldern wurden zersägt und mit dem „Hausmarch“, einem Erkennungszeichen des Eigentümers, versehen. Im Frühjahr bei Schmelzwasser wurde das Holz in den Bach geworfen, der dieses dann talabwärts transportierte. Das Triften verlor erst in den 1960er-Jahren seine Bedeutung. Die Partnachklamm wurde bereits 1912 zum Naturdenkmal erklärt.

Heute ist die Partnachklamm mit jährlich über 200.000 Besuchern eine Touristenattraktion 1. Ranges.

 

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Station 2: Die Partnach

Das Reintal wird durch die Partnach entwässert, die bei Garmisch-Partenkirchen in die Loisach mündet, welche über die Isar und die Donau in das Schwarze Meer entwässert.

Typisch für einen Wildbach zeichnet sich die Partnach durch ein hohes Gefälle und eine jahreszeitlich stark schwankende Wasserführung und Sedimentfracht aus.

Das Quellgebiet der Partnach liegt am Zugspitzplatt, wo sie das Wasser aus einem weit verzweigten und räumlich abgeschlossenen, unterirdischen Karstsystem bezieht. Nach dem Quellaustritt (siehe Station 8) fließt sie, mit Ausnahme des kurzen Abschnitts zwischen der Bergsturzmasse „Steingerümpel“ und der „Vorderen Gumpe“ überwiegend oberirdisch. Im Bereich der „Hinteren Gumpe“ führt das geringere Gefälle zur Ausbildung eines verzweigten Flusssystems.

Station 3: Schutthalden und Murkegel

Hier ereigneten sich in den letzten Jahren mehrfach Steinschläge und Murabgänge, die einen durchgängigen Materialtransport aus den Felswänden über die Schutthänge bis in das Flussgerinne verursachen. Dieser Bereich wurde im Rahmen von Forschungsarbeiten besonders intensiv untersucht und die bewegten Gesteinsmassen und -volumina bestimmt.

Für die Murabgänge wurden Geschwindigkeiten bis 60 km/h berechnet, die Feststoffanteile betragen 30 bis 60%. Sekundäre Steinschläge überwiegen die primären um ein Vielfaches. Remobilisierende Muraktivitäten überwiegen den Sedimenteintrag durch Steinschlag auf diesem Schutthang deutlich.

Station 4: Die Vordere Gumpe

Die Vordere (Blaue) Gumpe, das ehemalige „Juwel im Wetterstein“, entsatand in Folge eines Bergsturzes, dessen Sturzmassen das Reintal abdämmten. Hinter dem natürlichen Damm wurde die Partnach zur „Blauen Gumpe“ aufgestaut. Im Laufe der Zeit wurde die Gumpe kontinuierlich mit Sedimentfracht verfüllt und fiel in den Sommern nach längeren Trockenperioden trocken.

Ein Extremhochwasser am 22. und 23. August 2005 verfüllte das Seebecken innerhalb weniger Stunden vollständig. Ein Dammdurchbruch führte im Talabschnitt darunter zu einer Flutwewelle, die im Wald und an den Wanderwegen große Schäden verursachte.

Has Hochwasserereignis veränderte durch Materialumlagerungen auch die gesamte Gerinnemorphologie der Partnach. Seitdem der Gumpen nicht mehr als Sedimentfalle fungiert wird zunehmend mehr Sediment weiter ausgetragen.

Station 5: Der Bergsturz Steingerümpel

Vor ca. 500 Jahren stürzten ca. 2,8 Millionem m³ Fels aus der gegenüberliegenden Nordwand des Höhlenkopfes. Durch den Bergsturz änderte sich das Erscheinungsbild des Reintals drastisch. Die Sturz- und Rutschmassen stauten die Partnach zu einem See auf, wodurch große Sedimentmengen im Bereich der „Hinteren Gumpe“ abgelagert wurden, die seitdem kontinuierlich aufgefüllt wurde und schließlich verlandete und heute eine Schwemmebne bildet.

Das Sturzmaterial besteht aus Wettersteinkalk. Ursächlich für die „Sturz- und Rutschanfälligkeit“ sind Schwächezonen im Wettersteinkalk (Schichtung und Klüftung) sowie das Schichteinfallen an beiden Talflanken zur Talmitte hin (tektonische Muldenstruktur). Das Abrutschen bzw. Abgleiten von mehrfach vorhandenen „gekappten Schichten“ ist nur eine Frage der Zeit.

Die Massen wurden stürzend und gleitend insgesamt bis zu einem Kilometer weit transportiert. Der „Bergsturz Steingerümpel“ war neben dem vermutlich spät- bis postglazialen Bergsturz am Oberen Anger (Station 9) das größte nacheiszeitliche Einzelereignis im Reintal.

Station 6: Die Hintere Gumpe

Die „Hintere Gumpe“ zeigt lehrbuchhaft alpine Formen. Mur- und Lawinenbahnen, Schuttkegel und die Schwemmebene der Partnach zeugen von intensiver Sedimentation in der Gegenwart. Die Prozesse, die zum Auf- und Abbau dieser Formen beitragen sind hier offenkundig.

Damit ist die „Hintere Gumpe“ auch ein Paradebeispiel für den Aktualismus bzw. das Aktualitätsprinzip als wichtigste Grundlage zur Interpretation aller geologischen Geschehnisse in der Geologie. Die Theorie des Aktualismus geht von der stetigen Gültigkeit der physikalischen, chemischen und biologischen Gesetze aus und folgert, daß die geologischen Prozesse der Vergangenheit in vergleichbarer Weise wie heute abgelaufen sind. Als Begründer des Aktualismus gilt Ch. Lyell (1797-1875), der an die wegweisenden Arbeiten von J. Hutton (1788) und C.E.A. von Hoff (1822) anschloß und als erster die Beobachtung der heutigen geologischen Vorgänge als einzige Erfahrungsquelle für die Vergangenheit ansah.

Die „Hintere Gumpe“ entstand durch den Bergsturz Steingerümpel (Station 5), der das Reintal abdämmte und die Partnach zu einem See aufstaute. Durch die dadurch abnehemende Fließgeschwindigkeit der Partnach wurden im Tal oberhalb des Bergsturzes große Sedimentmengen abgelagert, bis der See im Laufe der Zeit verlandete und eine Schwemmebene (Alluvion) zurückblieb. Die abnehmende Fleießgeschwindigkeit führte zur Ausbildung eines  verzweigten Flusssystems, in dem sich die einzelnen Flussarme in Abhängigkeit der Niederschläge/Wasserführung spontan und schnell verlagern. Im englischen Sprachraum wird ein solches verzweigtes Flusssystem als „braided river“ bezeichnet.

Die maximale mächtigkeit der fein geschichteten Ablagerungen konnte durch geophysikalische Messungen auf ca. 15 m bis 17 m bestimmt werden. Eine Altersdatierung organischer Bestandteile in Bohrungen lässt auf das sehr junge Alter der „Hinteren Gumpe“ schließen und damit auch des Bergsturzes Steingerümpel (500 Jahre).

Die „Hintere Gumpe“ umfasst eine ca. 84.000 m² große Fläche. Das Volumen wurde auf ca. 900.000 m³ bestimmt. Aus der Mächtigekit der Ablagerungen (15 m9 lässt sich eine Sedimentationsrate von 1,8 bis 3,4 cm/Jahr ableiten.

Station 7: Späteiszeitlicher Moränenstand

Nach dem Abschmelzen der Gletscherströme, die am Höhepunkt der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren (Würm-Eiszeit), vom Inntal kommend, um das Wettersteinmassiv herum bis weit in das Alpenvorland vorgestossen sind, prägten in der Zeit vor 13.000 bis 10.000 Jahren hur noch lokale kleinere Gletscher die Alpentäler. Diese stießen in kälteren Phasen weiter vor und lagerten dabei Geschiebe als Moränenwälle ab. Die Wegstation erläutert den „Reintalanger-Stand“ in der Dryas, vor ca. 11.000 Jahren, einen besonders markanten spätglazialen Gletscherstand im Reintal. Die Bezeichnung „Dryas“ geht auf die „Weiße Silberwurz“ (Dryas octopetala) zurück, die damals in Deutschland und Skandinavien weit verbreitet war.

Anmerkung: Der Talboden des Reintals besteht zu ca. 1% aus Moränenmaterial, vermutlich aber deutlich mehr, da weite Bereiche von jüngeren Sedimenten überdeckt sind.

 

Station 8: Am Partnachursprung

Das Einzugsgebiet des Partnachursprungs, das Zugspitzplatt, ist das höchstgelegene Karstgebiet in Deutschland. Die Entwässerung erfolgt weitgehend unterirdisch. Am Partnachursprung erfolgt durch die wasserstauende Wirkung der unter dem Wettersteinkalk ausgebildeten tonig-mergeligen Partnachschichten, begünstigt durch die Lage am Kreuzungspunkt zweier Störungen, ein Wasseraustritt an der Oberfläche. Durch Markierungsversuche konnte nachgewiesen werden, dass das Zugspitzplatt ein in sich abgeschlossenes Einzugsgebiet  (ca. 8 km²) mit nur diesem einen Quellaustritt bildet. Das System reagiert sehr schnell auf Niederschlag und Schmelzwasserabfluss. Die Quelle wird auch durch die beiden kleinen Gletscher des Nördlichen und Südlichen Schneeferner gespeist.

Das hufeisenförmig ausgebildete Zugspitzplatt entwässert nach Osten, wo Störungen den Karstkörper begrenzen. Dort wird das Wasser hydraulisch gezwungen aufzusteigen, die Partnachquelle ist der einzige Ausfluss an der Oberfläche.

Das Abflussverhalten und die Hydrologie des Prtnachursprungs wird seit 1996 von den Universitäten Augsburg und Halle untersucht. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers im Untergrund wurde bei einem einjährigen Markierungsversuch 2005/2006 auf 170 Meter pro Stunde bestimmt, was auf ein gut entwickeltes Kluft- und Höhlensysten rückschließen lässt.

Station 9: Am Oberen Anger

Der „Obere Anger“ ist der Talabschluss es Reintals. Hier ist eine Vielzahl geomorphologischer Prozesse und Formen erkennbar. Lawinen, Steinschläge, Felsstürze, Murgänge und fluviatile Prozesse trugen auch in jüngerer Vergangenheit zu einer regelmäßigen Umgestaltung. In direkter Nachbarschaft zu wohl mächtigsten Bergsturzablagerung im Reintal ereignete sich hier am 06. Mai 1920 ein zweiter größerer Bergsturz, der von Kurt Leuchs beobachtet werden konnte.

Zuerst kam es zu einer Abspaltung großer Teile der Felswand, die dann kollabierten und auf die unteren Hangbereichee stürzten. Zu deisem Zeitpuunkt lag hier Schnee, der zusammen mit dem lockeren Gesteinsmaterial einen Schuttstrom bidete, der sich am Talboden des Oberen Angers ablagerte. Als Auslöser des Bergsturzes wird in Spalten eingedrungenes und später oberflächennah gefrierendes Niederschlagswasser angesehen, das im Felsinnern zu einem überkrischen Anstieg des hydrostatischen Drucks führte, der die Ablösung der Sturzmassen verursachte.

Station 10: Das Zugspitzplatt - Gletscherstände und Karstphänomene

An das ehemals komplett vergletscherte Zugspitzplatt erinnern heute nur noch der Nördliche und ein Rest des Südlichen Schneeferners. Das Abschmelzen der Gletscher führte zu einer Vielzahl von Reliefformen (glaziale und postglaziale „Kleinformen“, die der großen „tertiären Altform“ aufsitzen.

Die Löslichkeit des Wettersteinkalkes bewirkte im Untergrund die Ausbildung eines alpinen Karstsystems, welches das gsamt Zugspitzplatt nach Osten entwässert. Die Karstformen an der Oberfläche sind deutlich jünger als die unterirdischen Formen.

Das Zugspitzplatt ist eine hochalpine Ebene, die vor ca. 25 Millionen Jahren angelegt wurde, die Taleintiefung entwickelte sich vor ca. 10 Millionen Jahren.

Station 11: Felspermafrost an der Zugspitze

Die Zugspitze ist mit 2.962 m nicht nur Deutschlands höchster Gipfel, sie ist auch dessen einziger hochalpiner Gipfel, der technisch erschlossen und intensiv bebaut ist. Dadurch entsteht ein Gefährdungspotential, das eine genauere Betrachtung des Permafrostes erforderlich macht. Gleichzeitig erleichtert die Infrastruktur den Zugang für Forschungsarbeiten. Ein weiterer Vorteil für die Permafrostforschung an der Zugspitze ist die Tatsache, dass der Deutsche Wetterdienst dort bereits seit dem Jahr 1900 Wetterbeobachtungen aufzeichnet. Der Ausbau des Schneefernerhauses zur Umweltforschungsstation (UFS) im Jahr 1999 legte es nahe, die Permafrostuntersuchungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU Bayern) mit der UFS zu verknüpfen.

Forschungsbohrung

Das LfU hat im Jahr 2007 mit Mitteln des Bayerischen Umweltministeriums zwei Bohrungen quer durch den Gipfelkamm veranlasst. Eine davon hat den Rücken auf 44,5 m Länge vollständig durchbohrt. Diese Bohrungen dienen zur Beobachtung von Temperaturänderungen im Permafrost und wurden dafür mit Messsonden bestückt. Die bisherigen Messergebnisse zeigen, dass die Temperatur im Berginneren in den letzten zehn Jahren um etwa 0,4 Kelvin angestiegen ist; die Auftauzone liegt derzeit von Süden her bei ca. 16 m, an der Nordwand bei ca. 3 m. Um Aussagen zu langfristigen Tendenzen vornehmen zu können, wurde anhand der im Beobachtungszeitraum gemessenen Daten ein neu entwickeltes Computermodell kalibriert. Mit Hilfe dieses Modells erfolgten eine Berechnung der Entwicklung des Permafrosts in den letzten hundert Jahren sowie eine Projektion der möglichen weiteren Entwicklung bis Ende des Jahrhunderts. Die Messungen sind langfristig angelegt und werden weiter fortgesetzt.

Beobachtung der Temperaturentwicklung

Die Temperatursensoren zeigen die jahreszeitlichen Veränderungen gut auf. Das jährliche Temperaturmaximum im Berginneren wird um ca. 6 Monate verzögert erst im Januar beobachtet. Grund hierfür ist die Wärmeleitfähigkeit des Gesteins. Der bisherige Beobachtungszeitraum lässt bereits eine erkennbare Tendenz für eine Zunahme der Gesteinstemperaturen und somit eine Reduzierung des Permafrosts erkennen.

Das Einsetzen der winterlichen Abkühlung im Berginneren verschiebt sich aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit des Gesteins (Wettersteinkalk) um über ein halbes Jahr. Die Minimaltemperatur von -1,8 bis -2,15°C im Zentrum des Zugspitzgipfels wird erst im Juli erreicht, das Temperaturmaximum von – 1,3 bis -1,6°C wird dagegen im Januar verzeichnet.

Modellierung und Ergebnisse

Die Berechnungen legen nahe, dass die Erhöhung der Umgebungstemperatur an der Zugspitze von etwa 1,6 K in hundert Jahren (gleitender zehnjähriger Durchschnitt 1915 bis 2015) bereits eine deutliche Reduzierung des Umfangs des Permafrosts im Zugspitzgipfel bewirkt hat. Demnach ist der Permafrost entlang der Bohrstrecke in hundert Jahren von 34 Meter Gesamtlänge im Jahr 1915 auf 24,5 Meter im Jahr 2015 zurückgegangen. Die bis Ende des Jahrhunderts projizierte weitere Erhöhung der Umgebungstemperaturen lässt bei einer Fortsetzung des derzeitigen Trends ein Verschwinden des Permafrosts an der Zugspitze ab dem Jahr 2040 erwarten.

Weitere Untersuchungen

Von 2008 bis 2011 fanden im Rahmen des EU-Projektes PermaNet weitere Untersuchungen zum Permafrost statt. Die Zugspitze wurde dabei als einer der Referenzstandorte gewählt. Im Umfeld des Gipfels fanden ergänzend zu den Bohrungen Messungen der Temperatur im oberflächennahen Fels statt. Auf der Basis der dort gewonnenen Ergebnisse hat die Universität Zürich für die Bayerischen Alpen eine Karte der Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von Permafrost erstellt. Zusätzliche Untersuchungen im Zugspitzgebiet erfolgen weiterhin im sog. Kammstollen durch die TU-München, Lehrstuhl f. Ingenieurgeologie. Dieser Stollen führt von der ehemaligen Tiroler Bergstation zum Schneefernerhaus und verläuft teilweise in Permafrostbereichen.

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Infomaterialien

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Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze

Keine Infomaterialien vorhanden.

Textquellen

Götz, Joachin & Schrott, Lothar: Das Reintal – Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze; Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 2010.

Frauenweiler: Geologische Wanderung

Die Wanderung im Grenzbereich der Gemarkungen Frauenweiler und Rauenberg informiert über lokale Aspekte zu den Themen Geologie, Hydro(geo)logie, Bergbau, Erdölförderung, Steinbruchbetrieb und Tonabbau (mit einer herausragenden Fossilienfundstätte) sowie zur Archäologie und Naturkunde.

Und all dies auf sehr engem Raum. Eine sehr besonderere Gegend.

Die Rundwanderung wurde von dem Geologen Dr. Ludwig H. Hildebrandt aus Wiesloch konzipert und ausgearbeitet und im Juli 2012 in der Festschrift „75 Jahre Frauenweiler“ veröffentlicht. Dort wurden auch die im folgenden aufgeführten Beschreibungen der Wegstationen entnommen.

Wichtiger Hinweis: An den Wegstationen gibt es vor Ort KEINE Infotafeln. Die Beschreibungen können also nur der Original-Veröffentlichung (mit Fotos) oder den von dort entnommenen Beschreibungen auf dieser Seite entnommen werden.

Wegstationen
Station 1: Kehrgraben

Schon im Jahr 1697 wird der „Cantel“ genannt, ein Wiesenwässerungsgraben, der auf der Höhe der heutigen Stadtwerke Wiesloch vom Leimbach abzweigte und unterhalb des heutigen Sandpfadweges gen Süden verlief. Südlich der ehemaligen Sandgrube Kälberer mündete er in den ca. 50 m weiter westlich verlaufenden Kehrgraben. Letzterer wurde im Rahmen der „Meliorationsarbeiten“ während des Dritten Reiches 1934 als Entwässerungsgraben vertieft und bis zum Kraichbach bei Rot geführt.

Hydrologisch besteht eine Besonderheit darin, dass er gen Süden, also entgegen der Fließrichtung des Rheins gerichtet ist. Dementsprechend sind Gefälle und Fließgeschwindigkeit sehr gering, und er neigt deshalb zu Überschwemmungen. Ökologisch ist dies jedoch von Vorteil, denn er bietet vielen Feuchtgebiets-Pflanzen und Wassertieren eine Heimat. So findet sich z.B. im Südteil die seltene Wasserfeder (Hottonia palustris), und auch diverse gefährdete Amphibien und Libellen kommen vor. Deshalb wurde das Gebiet 1991 unter Naturschutz gestellt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 2: Gärtnersbrunnen

Westlich von Frauenweiler findet sich ein markanter Geländeabfall, der den Übergang zur Rheinebene markiert – die Höhendifferenz beträgt immerhin bis zu 6 m. An diesem Abhang entspringen einige Schichtquellen wie der kräftig schüttende Sandbrunnen weiter nördlich und der so genannte „Gärtnersbrunnen“, die den Kehrgraben speisen. Letzterer ist vermutlich mit dem 1641 und 1697 erwähnten Erlenbrunnen identisch.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 3: Erdölförderung "Unterer Wald"

Die Wenigsten werden es wissen: In den 50er bis anfangs der 60er Jahre des 20. Jh. wurde zwischen Frauenweiler und Rot durch die Wintershall AG Erdöl gefördert. Frühere erfolgreiche Abbauversuche in Forst bei Bruchsal datieren sogar schon in die Mitte der 30er Jahre.

Das erste Rohöl aus Wieslocher Gemarkung floss am 14. Januar 1953 noch mit 40 Tonnen pro Tag von selber aus; später musste gepumpt werden. Westlich von Frauenweiler standen im „Unteren Wald“ mehrere Tiefpumpen, die das Erdöl aus den Schichten des Lettenkeupersandsteins in 650 m Tiefe förderten. Die Gesamtförderung des Erdölfeldes Rot betrug zwischen 1953 und 1962 61.182 Tonnen. Die Verladestation lag ein Kilometer südlich des Bahnhofes Wiesloch-Walldorf.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 4: Autobahn

Die ersten Planungen zu einer Ost-West verlaufenden Autobahnverbindung bestanden schon 1935, realisiert wurde sie jedoch erst Mitte der 60er Jahre. Die A6 ist heue eine der am meisten befahrenen Autobahnen in Süddeutschland und wurde deshalb auch nach und nach sechsspurig ausgebaut.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 5: Orchideen Gabelwiesen

Ein kleiner Halbtrockenrasen birgt im Sommer Überraschungen: Seltene Orchideen wie Ragwurz oder, schon östlich der Landesstraße, die stattliche Bocksriemenzunge. Beim Betreten bitte vorsichtig sein!

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 6: Kohlplatte

Der Flurname „Kohlplatte“ belegt, dass das Gewann früher bewaldet war und im Mittelalter oder der frühen Neuzeit dort ein Standort zur Gewinnung von Holzkohle existierte.

Im Mai 1994 wurden nach dem Abschieben des Oberbodens südlich des Weges einige dunkle Verfärbungen entdeckt, die sich als laténezeitliche (475 v. Chr. bis um Christi Geburt) Gruben herausstellten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 7: Mittelalterliche Keramikfunde südlich der Autobahn

In den 90er Jahres des letzten Jahrhunderts konnten bei diversen Feldbegehungen direkt südlich der Autobahn diverse Keramikbruchstücke aus dem 13. bis 15. Jh. aufgesammelt werden. Mit der Wüstung Frauenweiler (siehe Nr. 16) werden sie kaum etwas zu tun haben, denn diese liegt 700 m weiter nordöstlich.

Möglicherweise stand dort im 13./14. Jh. ein Hof. Ab dem Jahr 1445 wird regelmäßig der so genannte „Geleitwechsel“ zwischen der Kurpfalz und dem Hochstift Speyer an der Straße zwischen Heidelberg und Bruchsal in Verträgen geregelt. Geleit ist das lukrative Recht einer Territorialmacht, Kaufmannszüge und andere Reisende gegen Gebühr mit berittenen Knechten zu schützen. Der Wechselpunkt war der vom Standpunkt 200 m weiter südlich liegende Kaltbach (heute Kahlbach). Es kann vermutet werden, dass die späteren Keramikfunde mit einer Unterkunft der kurpfälzischen Geleitsknechte zusammenhängen könnten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 8: Tongrube Unterfeld

Vor 31 Millionen Jahren bestand im Rheingraben ein großer Meeresarm von Basel über Frankfurt bis in die Nordsee. Das Klima war subtropisch, da Frauenweiler damals auf der geografischen Breite von Rom lag. Am Meeresboden herrschte zeitweise Sauerstoffarmut, so dass die abgestorbenen Lebewesen im Tonschlamm sehr gut konserviert wurden. Der Ton wiederum wurde ab 1978 bis in die 90er Jahre des 20. Jh. von der Fa. Bott in der Tongrube „Unterfeld“ zur Ziegelproduktion abgebaut.

Aus den Fossilfunden wissen wir, dass das Meer sehr fischreich war – von Heringen über Thunfische bis hin zu großen Haien. Aber auch Vögel wie z.B. der älteste Kolibri der Welt oder das komplette Skelett einer Seekuh konnten geborgen werden. Die Funde sind weltweit so einzigartig, dass die Grube Unterfeld schon mit dem Weltkulturerbe „Grube Messel“ verglichen wird, die jedoch knapp 20 Millionen Jahre älter ist.

Die Tongrube gehört heute komplett zu Rauenberg; dies war aber nicht immer so: Bis zum Abschluss der Flurbereinigunglm Jahre 1998 lag die nördliche Hälfte der Grube auf der Gemarkung Wiesloch-Frauenweiler. Da hauptsächlich dort die sensationellen Fossilfunde gemacht wurden, findet man in Fachveröffentlichungen noch häufiger die nicht mehr ganz korrekte Bezeichnung „Tongrube Frauenweiler“.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 9: Ausgleichsfläche Hutäcker

Für den Laien manchmal etwas trostlos aussehend ist die „Ausgleichsfläche Hutäcker“ ökologisch doch sehr wertvoll. Seltene Amphibien (Laubfrosch) und Vögel haben hier ihr Zuhause. Teile des Areals werden wechselweise gemäht, um die speziellen Lebensbedingungen der Arten zu erhalten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 10: Feldkreuz in den Zinsäckern

Auf der zum Hochstift Speyer gehörigen Gemarkung Rauenberg waren früher Feldkreuze als Manifestation des katholischen Glaubens sehr häufig. Ein Liste von 1743 nennt 2 Kapellen, 3 Holzkreuze und 4 Steinkreuze in der Flur; drei weitere Steinkreuze kamen später noch hinzu, wie auch das in den Zinsäckern. Es wurde von dem aus einer alteingesessenen Küferfamilie stammenden und späteren Schultheißen Jacob Weiskapp sowie seiner Frau Catharina geb. Woll im Jahr 1763 errichtet.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 11: Kurbrunnen

Geologisch gesehen ist der Kurbrunnen eine Verwerfungsquelle. Östlich liegt Unterer Keuper der Trias, westlich tertiärer Foraminiferenmergel und Fischschiefer. Letztere sind gegenüber der Ostscholle um über 900 m abgesunken. Das Wasser ist reich an Natriumchlorid, Calciumcarbonat, Kohlensäure und Schwefelwasserstoff und erfüllt die heutigen Anforderungen der „Mineralquellenverordnung“, die der Anerkennung als Heilwasser aber nicht zumindest nach der zwischen 1858 und 1868 zu datierenden Analyse von Georg Philipp Bronner, dem Sohn des Apothekers und Weinbaupioniers Johann Philipp Bronner.

Zwar wird der Kurbrunnen erst Ende des 18. Jh. schriftlich erwähnt, die Nutzung dürfte aber bis in das Mittelalter hinabreichen. Man kann für das frühe 15. Jh. eine Wallfahrt erschließen und im Jahr 1459 ritt der Speyerer Bischof Johannes II. nach Frauenweiler um in der dortigen Kirche zu beten – alles wohl Hinweise auf den „heilsamen Ruf“ der Quelle.

1767 wird der Brunnen erstmals aktenkundig: Kurfürst Carl Theodor hatte von der Heilwirkung erfahren und befahl weitere Untersuchungen. Zwei Jahre später sollte ein „Pavillon mit Wächterhäuslein“ errichtet und das abgefüllte Wasser sogar in Mannheim in Krügen verkauft werden. Das Projekt schlief aber ein und wurde erst 1776 realisiert. Das Aufkommen von anderen Badeorten (Langenbrücken, Zaisenhausen), der Übergang von Wiesloch an das Großherzogtum Baden und diverse mutwillige Zerstörungen ließen nie einen richtigen Badebetrieb aufkommen. Allerdings wurde das Wasser zu Trinkkuren bis etwa 1930 noch genutzt.

Bei der Anlage des Gänsberg-Bergwerks wurde im Herbst 1953 die Rheingraben-Hauptverwerfung angeschnitten und der Kurbrunnen versiegte. Unverständlicherweise schob man anfangs der 60er Jahre die Anlage mit Bauaushub zu; eine in den 90er Jahren angedachte Freilegung der historischen Reste scheiterte am Widerstand der Naturschutzbehörde.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 12: Alter Bachlauf

Im April 2005 wurde bei der Erweiterung der Autobahn auf der Höhe des Gänsberges ein alter, mit kalkfreiem Sand verfüllter Bachlauf angeschnitten – mehr als 20 m über dem heutigen Waldangelbach. Ein fast identisches Bachbett konnte 2010 am Rotschlagweg südlich von Mühlhausen bei der Erbauung der dortigen Umgehungsstraße nachgewiesen werden – 35 m über dem Waldangelbach.

Es handelt sich um ein sehr altes, einige 100.000 Jahre altes Bachsystem, das als Vorläufer des Waldangelbachs angesehen werden muss. Die Gewanne „Aschenäcker“ und „Salzäcker“ am Gänsberg könnten von den sandigen Bachablagerungen ihren Namen haben.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 13: Alter Steinbruch

Schon 1803 wird ein städtischer Steinbruch auf dem Gänsberg erwähnt. Ein Jahr später heißt es, der „Chaussee Director von La Roche zu Bruchsal“ habe auf dem Wieslocher Gänsberg Äcker zur Anlage eines Kalksteinbruchs aufgekauft. Es wurden also Kalksteine des oberen Muschelkalks zur Erzeugung von Straßenschotter abgebaut.

Leider ist er heute völlig zugewachsen. Offene Steinbruchflächen sind wertvolle Biotope für seltene Pflanzen und Tiere; deshalb sollte man sich überlegen, ob die Freilegung des Steinbruchs nicht auch eine ökologische Verbesserung darstellt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 14: Gänsbergschacht

Seit römischer Zeit wurden natürlich mit diversen Unterbrechungen im Raum Wiesloch Blei-, Zink- und Silbererze abgebaut. Die am Westhang des Gänsberges auftretenden Schlacken einer hochmittelalterlichen Bleigewinnung sind auch in diesem Zusammenhang zu sehen.

Ab 1846 baute die „Stolberger Zink AG“ bzw. ihre Vorgängergesellschaften auf Wieslocher, Nußlocher, Altwieslocher und Baiertaler Gemarkung Erze ab. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Erzqualitäten nachließen, versuchte die Firma im Jahr 1950 durch die Anlage des Gänsberg- Schachtes weit im Süden des Grubenfeldes neue Erzvorkommen aufzufinden. Dieser erhielt eine Teufe von 71 m, und ein weiter südlich gelegener Blindschacht erschloss 1952 eine weitere 87 m- Sohle.

In der Fachwelt wurde das Versuchsbergwerk durch Funde des sehr seltenen Blei-Thallium- Arsen-Sulfides Hutchinsonit und Schwerspat- Stalaktiten bekannt. Die in einigen Vererzungszonen gefundenen, durchaus reichen Blei-Zink- Erze erwiesen sich leider als äußert schwierig zu verarbeiten, da sie stark mit Erdöl imprägniert waren. Deshalb wurden die Arbeiten Ende März 1954 eingestellt und der Schacht mit einer Betonplombe verschlossen.

Der Plan, zum Abschluss der Flurbereinigung nicht wie sonst üblich einen Gedenkstein zu setzen, sondern das Fördergerüst des Gänsberg- Schachtes als Aussichtsturm wieder aufzubauen, fand bedauerlicher Weise 2002 keine Mehrheit im Gemeinderat.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 15: Feldlager auf dem Gänsberg

Mit 158,2 m Höhe ist der Gänsberg der Hausberg (eigentlich eher ein Haushügel) von Frauenweiler. Die erste urkundliche Nennung erfolgte als „Genßberg“ im September 1437. Die Herleitung des Namens ist einfach: Es war der Berg, auf den die Bewohner der Siedlung Frauenweiler ihre Gänse trieben. Aber es existiert eine schöne Sage: Im 17. Jh. wollten fremde Soldaten mal wieder den Gänsberg besetzen. Als sie den Berg hoch stürmten scheuchten sie die dortigen Gänse auf, dachten die weißen Hinterteile gehörten zur Uniform feindlicher Soldaten und flohen.

Tatsächlich diente der Gänsberg im 17. und 18. Jh. für unterschiedlichste Truppen als Feldlager, da man von dort die Rheinebene und auch Wiesloch kontrollieren kann und zugleich schwer angreifbar auf einer Höhe sitzt. Befestigungen haben sich nicht erhalten, aber wenige archäologische Funde wie eine aus Thüringen stammende Silbermünze (24 Kreuzer) der Grafen v. Schwarzburg-Sondershausen von 1620/22 und ein Feuerstein eines wohl gleich alten Steinschlossgewehres belegen die Anwesenheit von Soldaten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 16: Wüstung Frauenweiler

Wüstungen sind aufgelassene Siedlungsstellen. Man kann versuchen, sie entweder über urkundliche Nachrichten oder archäologische Funde zu datieren. Die erste Erwähnung des mittelalterlichen Frauenweiler ist leider schwierig zu beurteilen, denn sie steht auf einem, an eine Urkunde von 1287 angenähtem Zettel: Dem St. German Stift zu Speyer sind jährlich 2,5 Malter Korn zu Frawenwilre zu geben. Man wird das Ganze wohl in die Zeit um 1290 stellen dürfen. So kommt man zur Frage, wie es zu dem Namen Frauenweiler kam. Da gibt es zwei Möglichkeiten:

a) Die dortige Kirche war der Jungfrau Maria geweiht, was manchmal auch als „unsere liebe Frau Maria“ bezeichnet wurde. So könnte es früh geheißen haben: Der Weiler bei der Kirche der lieben Frau Maria – zusammen gezogen als Frauen-Weiler.

b) Im 15. Jh. hatte das Frauenkloster Lobenfeld großen Besitz in Frauenweiler, der wohl auf Schenkungen im 12. oder 13. Jh. zurück geht. So wäre auch die Benennung „Weiler der Kloster-Frauen“ denkbar. Zur weiteren Geschichte vergleiche man den Beitrag von Helmut Mohr in diesem Heft.

Die Historie der archäologischen Überreste ist leider wenig erfreulich: Gegen 1950 erreichte der Abbau der Tongrube Bott das Gebiet und Vieles ging verloren. Im Herbst 1951 wurde ein teilzerstörter Holzbrunnen gesichtet und deshalb im März 1952 eine kurze archäologische Notbergung durch Paul Stemmermann durchgeführt, wobei undeutliche Reste von Häusern, einem Kachelofen und dem Brunnen dokumentiert werden konnten.

Als im Frühjahr 1970 der Aussiedlerhof Messmer errichtet wurde, geschah dies – ohne es vorher zu ahnen – genau an der Stelle der ehemaligen Kirche von Frauenweiler. Kaum dokumentiert wurden die erstaunlich gut gebauten Fundamente abgeschoben – aber zwei der größten Teile wurden immerhin zu dem noch heute existierenden Denkmal umfunktioniert. Drei Jahre später 78 buddelte ein Hobbygärtner weitere Funde in seinem Schrebergarten aus. Seit über 20 Jahren sucht der Autor ein Feld oberflächlich nach Funden ab – mühsam, aber in der Menge von vielen 1000, meist kleinst zerscherbten Funden mit der Zeit doch erfolgreich:

Die „Frühzeit“ von Frauenweiler ist in diesem Areal geprägt durch vereinzelte Funde des 10. Jh., die man wegen der auftretenden Schlacken einer Bleiverhüttung vermutlich mit dem Wieslocher Blei-Silber-Bergbau in Verbindung bringen kann. Erst ab dem 11. Jh. werden die Funde etwas häufiger, bleiben aber bis zum 14. Jh. immer noch im üblichen Qualitätsbereich eines kleinen Weilers. Ab dem 14./15. Jh. ist ein Aufschwung festzustellen. Es erscheinen nun auch qualitätvollere Dinge wie Glasbecher, Fensterglas, Kachelöfen oder verzierte Keramik. Ab dem späten 15. Jh. tritt glasierte Keramik auf und läuft noch etwas über die Zwangsauflassung der Siedlung von 1526 hinaus, da die Kirche noch länger in Funktion blieb.

Station 17: Sühnekreuz

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit konnte bei einem Todschlagsfall der Täter einer Verurteilung entgehen, wenn er drei Dinge auf sich nahm:

a) Schadenersatz an die Familie des Getöteten

b) kirchliche Buße wie z.B. eine Pilgerreise und

c) die Errichtung eines Sühnekreuzes am Tatort.

Das Steinkreuz von Frauenweiler dürfte aus dem 16. Jh. stammen und wird erstmals 1641 erwähnt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 18: See Sumpfwiesen "Bottloch"

Schon in den Jahren 1925/26 erfolgten die ersten Geländeaufkäufe durch die Rauenberger Firma Bott, nachdem Bohrerkundungen dort ein gutes Tonlager nachgewiesen hatten. Der Tonabbau zur Herstellung von Dachziegeln und Backsteinen begann im Jahr 1935. Die Gründung des Neudorfes Frauenweiler 1937 bedingte eine Ausrichtung des Abbaus allein gegen Südosten. Gegen 1965 wurde der Abbau eingestellt und der nordöstliche Teil der Grube, der aufgeschüttet und heute bewaldet ist, als Deponie genutzt, der westliche Teil verblieb als Angler- und Badesee. 1993 kam dieser in Verruf, da erhöhte Arsengehalte im Wasser und in Fischen gemessen wurden. Noch heute besteht ein Badeverbot und geangelte Fische dürfen nur für den privaten Verzehr genutzt werden.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 19: Tongrube Frauenweilerwiesen, "Silbersee"

Auch hier baute die Rauenberger Firma Bott tertiären Ton ab. Der Beginn des dortigen Tonabbaus soll gegen 1942 geschehen sein. Die Einstellung des Abbaus datiert anfangs der 70er Jahre, ohne dass eine völlige Wiederverfüllung erfolgte. Eine angedachte Nutzung als Baugebiet zerschlug sich. Bald darauf stellte sich eine artenreiche und zum Teil seltene Flora und Fauna ein.

Die Experten streiten sich seit längerem, ob die vielen verschiedenen, dort vorkommenden Orchideen alle natürlich sind, oder angesalbt (angepflanzt) wurden. Egal wie, die seit über 20 Jahren recht stabile Population von u.a. Pyramidenorchis, vielen Knabenkräutern und einigen Stendelwurzen sowie der Mücken-Händelwurz sind außergewöhnlich und hoch schützenswert.

Deshalb: Die Wege bitte nicht verlassen.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Infomaterialien

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Eine Wanderung durch den südlichen Flur von Frauenweiler

Auszug aus der Broschüre „75 Jahre Frauenweiler“, herausgegeben im Jahr 2012 vom Stadtteilverein Fruenweiler.

Textquellen

Hildebrandt, Ludwig H.: Eine Wanderung durch den südlichen Teil der Flur von Frauenweiler; in: Festschrift „75 Jahre Frauenweiler“. Herausgeber: Stadtteilverein Frauenweiler e.V., Juli 2016.

Mit freundlicher Genehmigung am 03.09.2023. VIELEN DANK.

Seefeld/Tirol (A): Geoweg Hermannstal

Ausgehend vom Seefelder Kurpark führt dieser gesteinskundliche Lehrweg über sieben Stationen durch das Hermannstal und bis zum Panoramarestaurant Rosshütte.

An den insgesamt sieben Wegstationen werden verschiedene Fels-Findlinge aus der Region vorgestellt sowie ihre Herkunft und Beschaffenheit beschrieben: Granit und Glimmerschiefer, Flasergneis, Metaandesit und Biotitgneis.

Fachwissen zum Anfassen.

Infomaterialien

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Geoweg Hermannstal

Keine Infomaterialien vorhanden.

Mosbach: Geopark-Pfad „Naturerlebnis am Schreckberg“

Der Geopark-Pfad am Schreckberg ist leicht zu wandern und auch für Familien mit Kindern geeignet. Es bieten sich tolle Ausblicke ins Neckartal und sogar Spuren von Dinosauriern.

Auf dieser Tour stehen Lernen, Erleben und Bestaunen im Vordergrund. Lassen Sie sich Zeit und informieren Sie sich über das Mosaik aus Muschelkalkbänken und Sandsteinen. Erfahren Sie, wie im Laufe von Jahrmillionen der Untergrund entstanden ist, und was die seltenen Pflanzen und Vögel, die Sie heute hier erleben dürfen, damit zu tun haben. Nehmen Sie das Landschaftsbild als Spiegel sich wandelnder Wirtschaftsgeschichte wahr.

Genießen Sie beim Durchstreifen der Weinberge und Streuobstwiesen immer wieder herrliche Blicke ins Neckartal. Durchstöbern Sie die Muschelkalk-Steinchen: Vielleicht findet sich eine versteinerte Muschel? Lauschen Sie dem Zirpen der Grillen und dem Gezwitscher der Vögel.

Für den sportlichen Aspekt sorgen kurze Waldpfade mit teilweise steilen Steigungen. Sand- und Kalksteinwände öffnen ein Fenster in die Erdgeschichte und geben eine Ahnung, wie tief sich der Neckar in die Landschaft gegraben hat.

Im ehemaligen Milchhäuschen des Schreckhofs befindet sich das Infozentrum. Ausgestellte Funde, Bilder und Infotafel bringen Ihnen das Geheimnis des Schreckbergs näher. Beim Verlassen des Weilers durchströmt Sie ein Gefühl von Freiheit und Sie wandern über die unendliche Weite dem nächsten Aussichtspunkt entgegen.

Textquelle: Odenwald Touismus GmbH

Wegbeschreibung LGRB

Rund um den Mosbacher Ortsteil Schreckhof verläuft seit 2010 der Geopark-Pfad Naturerlebnis Schreckberg. Er gibt zahlreiche Einblicke in die Erdgeschichte, Vegetation und Tierwelt des 16 ha großen Naturschutzgebiets.

Am Unterhang des Schreckbergs führen zwei ehemalige Steinbrüche in die Welt des Oberen Buntsandstein vor etwa 240 Mio. Jahren. Hier können Spuren von Sauriern und Riesenlurchen oder Sandsteine mit Krusten junger Kalkausfällungen an einem Wasseraustritt entdeckt werden.

Bei den Stationen zum Unteren und Mittleren Muschelkalk geht es z. B. um die Fossilienfunde aus dem damaligen Meer, wie Muscheln, Schnecken, Tintenfische und Fischsaurier, und um die Frage wie die Wellen im Wellenkalk entstanden.

In dem früher auf größeren Flächen als Weinberg genutzten steilen Südwesthang finden sich Mager- und Trockenrasen, orchideenreiche Obstwiesen, eine wärmeliebende Gebüsch- und Saumvegetation sowie alte Eichenbestände.

Aus den flachgründigen Böden (Rendzinen, Syrosem-Rendzinen) am Oberhang ragen immer wieder Felsbänke hervor. Als Ausgangspunkte bieten sich das Infozentrum im „Milchhäusle“ in Schreckhof oder der Wanderparkplatz in der Ludolfsklinge an.

Die Stationen zur Geologie lassen sich auf einem 3,5 km langen Rundweg erwandern. Auf einer zusätzlichen Wegschleife erfährt man Interessantes zu Fauna und Flora und bekommt am Aussichtspunkt einen weiten Überblick über das Neckartal.

Textquelle: LGRBwissen: Geopark-Pfad Naturerlebnis Schreckberg

Infomaterialien

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Geopark-Pfad am Schreckberg

Keine Infomaterialien vorhanden!