Frauenweiler: Geologische Wanderung

Die Wanderung im Grenzbereich der Gemarkungen Frauenweiler und Rauenberg informiert über lokale Aspekte zu den Themen Geologie, Hydro(geo)logie, Bergbau, Erdölförderung, Steinbruchbetrieb und Tonabbau (mit einer herausragenden Fossilienfundstätte) sowie zur Archäologie und Naturkunde.

Und all dies auf sehr engem Raum. Eine sehr besonderere Gegend.

Die Rundwanderung wurde von dem Geologen Dr. Ludwig H. Hildebrandt aus Wiesloch konzipert und ausgearbeitet und im Juli 2012 in der Festschrift „75 Jahre Frauenweiler“ veröffentlicht. Dort wurden auch die im folgenden aufgeführten Beschreibungen der Wegstationen entnommen.

Wichtiger Hinweis: An den Wegstationen gibt es vor Ort KEINE Infotafeln. Die Beschreibungen können also nur der Original-Veröffentlichung (mit Fotos) oder den von dort entnommenen Beschreibungen auf dieser Seite entnommen werden.

Wegstationen
Station 1: Kehrgraben

Schon im Jahr 1697 wird der „Cantel“ genannt, ein Wiesenwässerungsgraben, der auf der Höhe der heutigen Stadtwerke Wiesloch vom Leimbach abzweigte und unterhalb des heutigen Sandpfadweges gen Süden verlief. Südlich der ehemaligen Sandgrube Kälberer mündete er in den ca. 50 m weiter westlich verlaufenden Kehrgraben. Letzterer wurde im Rahmen der „Meliorationsarbeiten“ während des Dritten Reiches 1934 als Entwässerungsgraben vertieft und bis zum Kraichbach bei Rot geführt.

Hydrologisch besteht eine Besonderheit darin, dass er gen Süden, also entgegen der Fließrichtung des Rheins gerichtet ist. Dementsprechend sind Gefälle und Fließgeschwindigkeit sehr gering, und er neigt deshalb zu Überschwemmungen. Ökologisch ist dies jedoch von Vorteil, denn er bietet vielen Feuchtgebiets-Pflanzen und Wassertieren eine Heimat. So findet sich z.B. im Südteil die seltene Wasserfeder (Hottonia palustris), und auch diverse gefährdete Amphibien und Libellen kommen vor. Deshalb wurde das Gebiet 1991 unter Naturschutz gestellt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 2: Gärtnersbrunnen

Westlich von Frauenweiler findet sich ein markanter Geländeabfall, der den Übergang zur Rheinebene markiert – die Höhendifferenz beträgt immerhin bis zu 6 m. An diesem Abhang entspringen einige Schichtquellen wie der kräftig schüttende Sandbrunnen weiter nördlich und der so genannte „Gärtnersbrunnen“, die den Kehrgraben speisen. Letzterer ist vermutlich mit dem 1641 und 1697 erwähnten Erlenbrunnen identisch.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 3: Erdölförderung "Unterer Wald"

Die Wenigsten werden es wissen: In den 50er bis anfangs der 60er Jahre des 20. Jh. wurde zwischen Frauenweiler und Rot durch die Wintershall AG Erdöl gefördert. Frühere erfolgreiche Abbauversuche in Forst bei Bruchsal datieren sogar schon in die Mitte der 30er Jahre.

Das erste Rohöl aus Wieslocher Gemarkung floss am 14. Januar 1953 noch mit 40 Tonnen pro Tag von selber aus; später musste gepumpt werden. Westlich von Frauenweiler standen im „Unteren Wald“ mehrere Tiefpumpen, die das Erdöl aus den Schichten des Lettenkeupersandsteins in 650 m Tiefe förderten. Die Gesamtförderung des Erdölfeldes Rot betrug zwischen 1953 und 1962 61.182 Tonnen. Die Verladestation lag ein Kilometer südlich des Bahnhofes Wiesloch-Walldorf.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 4: Autobahn

Die ersten Planungen zu einer Ost-West verlaufenden Autobahnverbindung bestanden schon 1935, realisiert wurde sie jedoch erst Mitte der 60er Jahre. Die A6 ist heue eine der am meisten befahrenen Autobahnen in Süddeutschland und wurde deshalb auch nach und nach sechsspurig ausgebaut.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 5: Orchideen Gabelwiesen

Ein kleiner Halbtrockenrasen birgt im Sommer Überraschungen: Seltene Orchideen wie Ragwurz oder, schon östlich der Landesstraße, die stattliche Bocksriemenzunge. Beim Betreten bitte vorsichtig sein!

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 6: Kohlplatte

Der Flurname „Kohlplatte“ belegt, dass das Gewann früher bewaldet war und im Mittelalter oder der frühen Neuzeit dort ein Standort zur Gewinnung von Holzkohle existierte.

Im Mai 1994 wurden nach dem Abschieben des Oberbodens südlich des Weges einige dunkle Verfärbungen entdeckt, die sich als laténezeitliche (475 v. Chr. bis um Christi Geburt) Gruben herausstellten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 7: Mittelalterliche Keramikfunde südlich der Autobahn

In den 90er Jahres des letzten Jahrhunderts konnten bei diversen Feldbegehungen direkt südlich der Autobahn diverse Keramikbruchstücke aus dem 13. bis 15. Jh. aufgesammelt werden. Mit der Wüstung Frauenweiler (siehe Nr. 16) werden sie kaum etwas zu tun haben, denn diese liegt 700 m weiter nordöstlich.

Möglicherweise stand dort im 13./14. Jh. ein Hof. Ab dem Jahr 1445 wird regelmäßig der so genannte „Geleitwechsel“ zwischen der Kurpfalz und dem Hochstift Speyer an der Straße zwischen Heidelberg und Bruchsal in Verträgen geregelt. Geleit ist das lukrative Recht einer Territorialmacht, Kaufmannszüge und andere Reisende gegen Gebühr mit berittenen Knechten zu schützen. Der Wechselpunkt war der vom Standpunkt 200 m weiter südlich liegende Kaltbach (heute Kahlbach). Es kann vermutet werden, dass die späteren Keramikfunde mit einer Unterkunft der kurpfälzischen Geleitsknechte zusammenhängen könnten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 8: Tongrube Unterfeld

Vor 31 Millionen Jahren bestand im Rheingraben ein großer Meeresarm von Basel über Frankfurt bis in die Nordsee. Das Klima war subtropisch, da Frauenweiler damals auf der geografischen Breite von Rom lag. Am Meeresboden herrschte zeitweise Sauerstoffarmut, so dass die abgestorbenen Lebewesen im Tonschlamm sehr gut konserviert wurden. Der Ton wiederum wurde ab 1978 bis in die 90er Jahre des 20. Jh. von der Fa. Bott in der Tongrube „Unterfeld“ zur Ziegelproduktion abgebaut.

Aus den Fossilfunden wissen wir, dass das Meer sehr fischreich war – von Heringen über Thunfische bis hin zu großen Haien. Aber auch Vögel wie z.B. der älteste Kolibri der Welt oder das komplette Skelett einer Seekuh konnten geborgen werden. Die Funde sind weltweit so einzigartig, dass die Grube Unterfeld schon mit dem Weltkulturerbe „Grube Messel“ verglichen wird, die jedoch knapp 20 Millionen Jahre älter ist.

Die Tongrube gehört heute komplett zu Rauenberg; dies war aber nicht immer so: Bis zum Abschluss der Flurbereinigunglm Jahre 1998 lag die nördliche Hälfte der Grube auf der Gemarkung Wiesloch-Frauenweiler. Da hauptsächlich dort die sensationellen Fossilfunde gemacht wurden, findet man in Fachveröffentlichungen noch häufiger die nicht mehr ganz korrekte Bezeichnung „Tongrube Frauenweiler“.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 9: Ausgleichsfläche Hutäcker

Für den Laien manchmal etwas trostlos aussehend ist die „Ausgleichsfläche Hutäcker“ ökologisch doch sehr wertvoll. Seltene Amphibien (Laubfrosch) und Vögel haben hier ihr Zuhause. Teile des Areals werden wechselweise gemäht, um die speziellen Lebensbedingungen der Arten zu erhalten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 10: Feldkreuz in den Zinsäckern

Auf der zum Hochstift Speyer gehörigen Gemarkung Rauenberg waren früher Feldkreuze als Manifestation des katholischen Glaubens sehr häufig. Ein Liste von 1743 nennt 2 Kapellen, 3 Holzkreuze und 4 Steinkreuze in der Flur; drei weitere Steinkreuze kamen später noch hinzu, wie auch das in den Zinsäckern. Es wurde von dem aus einer alteingesessenen Küferfamilie stammenden und späteren Schultheißen Jacob Weiskapp sowie seiner Frau Catharina geb. Woll im Jahr 1763 errichtet.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 11: Kurbrunnen

Geologisch gesehen ist der Kurbrunnen eine Verwerfungsquelle. Östlich liegt Unterer Keuper der Trias, westlich tertiärer Foraminiferenmergel und Fischschiefer. Letztere sind gegenüber der Ostscholle um über 900 m abgesunken. Das Wasser ist reich an Natriumchlorid, Calciumcarbonat, Kohlensäure und Schwefelwasserstoff und erfüllt die heutigen Anforderungen der „Mineralquellenverordnung“, die der Anerkennung als Heilwasser aber nicht zumindest nach der zwischen 1858 und 1868 zu datierenden Analyse von Georg Philipp Bronner, dem Sohn des Apothekers und Weinbaupioniers Johann Philipp Bronner.

Zwar wird der Kurbrunnen erst Ende des 18. Jh. schriftlich erwähnt, die Nutzung dürfte aber bis in das Mittelalter hinabreichen. Man kann für das frühe 15. Jh. eine Wallfahrt erschließen und im Jahr 1459 ritt der Speyerer Bischof Johannes II. nach Frauenweiler um in der dortigen Kirche zu beten – alles wohl Hinweise auf den „heilsamen Ruf“ der Quelle.

1767 wird der Brunnen erstmals aktenkundig: Kurfürst Carl Theodor hatte von der Heilwirkung erfahren und befahl weitere Untersuchungen. Zwei Jahre später sollte ein „Pavillon mit Wächterhäuslein“ errichtet und das abgefüllte Wasser sogar in Mannheim in Krügen verkauft werden. Das Projekt schlief aber ein und wurde erst 1776 realisiert. Das Aufkommen von anderen Badeorten (Langenbrücken, Zaisenhausen), der Übergang von Wiesloch an das Großherzogtum Baden und diverse mutwillige Zerstörungen ließen nie einen richtigen Badebetrieb aufkommen. Allerdings wurde das Wasser zu Trinkkuren bis etwa 1930 noch genutzt.

Bei der Anlage des Gänsberg-Bergwerks wurde im Herbst 1953 die Rheingraben-Hauptverwerfung angeschnitten und der Kurbrunnen versiegte. Unverständlicherweise schob man anfangs der 60er Jahre die Anlage mit Bauaushub zu; eine in den 90er Jahren angedachte Freilegung der historischen Reste scheiterte am Widerstand der Naturschutzbehörde.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 12: Alter Bachlauf

Im April 2005 wurde bei der Erweiterung der Autobahn auf der Höhe des Gänsberges ein alter, mit kalkfreiem Sand verfüllter Bachlauf angeschnitten – mehr als 20 m über dem heutigen Waldangelbach. Ein fast identisches Bachbett konnte 2010 am Rotschlagweg südlich von Mühlhausen bei der Erbauung der dortigen Umgehungsstraße nachgewiesen werden – 35 m über dem Waldangelbach.

Es handelt sich um ein sehr altes, einige 100.000 Jahre altes Bachsystem, das als Vorläufer des Waldangelbachs angesehen werden muss. Die Gewanne „Aschenäcker“ und „Salzäcker“ am Gänsberg könnten von den sandigen Bachablagerungen ihren Namen haben.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 13: Alter Steinbruch

Schon 1803 wird ein städtischer Steinbruch auf dem Gänsberg erwähnt. Ein Jahr später heißt es, der „Chaussee Director von La Roche zu Bruchsal“ habe auf dem Wieslocher Gänsberg Äcker zur Anlage eines Kalksteinbruchs aufgekauft. Es wurden also Kalksteine des oberen Muschelkalks zur Erzeugung von Straßenschotter abgebaut.

Leider ist er heute völlig zugewachsen. Offene Steinbruchflächen sind wertvolle Biotope für seltene Pflanzen und Tiere; deshalb sollte man sich überlegen, ob die Freilegung des Steinbruchs nicht auch eine ökologische Verbesserung darstellt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 14: Gänsbergschacht

Seit römischer Zeit wurden natürlich mit diversen Unterbrechungen im Raum Wiesloch Blei-, Zink- und Silbererze abgebaut. Die am Westhang des Gänsberges auftretenden Schlacken einer hochmittelalterlichen Bleigewinnung sind auch in diesem Zusammenhang zu sehen.

Ab 1846 baute die „Stolberger Zink AG“ bzw. ihre Vorgängergesellschaften auf Wieslocher, Nußlocher, Altwieslocher und Baiertaler Gemarkung Erze ab. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Erzqualitäten nachließen, versuchte die Firma im Jahr 1950 durch die Anlage des Gänsberg- Schachtes weit im Süden des Grubenfeldes neue Erzvorkommen aufzufinden. Dieser erhielt eine Teufe von 71 m, und ein weiter südlich gelegener Blindschacht erschloss 1952 eine weitere 87 m- Sohle.

In der Fachwelt wurde das Versuchsbergwerk durch Funde des sehr seltenen Blei-Thallium- Arsen-Sulfides Hutchinsonit und Schwerspat- Stalaktiten bekannt. Die in einigen Vererzungszonen gefundenen, durchaus reichen Blei-Zink- Erze erwiesen sich leider als äußert schwierig zu verarbeiten, da sie stark mit Erdöl imprägniert waren. Deshalb wurden die Arbeiten Ende März 1954 eingestellt und der Schacht mit einer Betonplombe verschlossen.

Der Plan, zum Abschluss der Flurbereinigung nicht wie sonst üblich einen Gedenkstein zu setzen, sondern das Fördergerüst des Gänsberg- Schachtes als Aussichtsturm wieder aufzubauen, fand bedauerlicher Weise 2002 keine Mehrheit im Gemeinderat.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 15: Feldlager auf dem Gänsberg

Mit 158,2 m Höhe ist der Gänsberg der Hausberg (eigentlich eher ein Haushügel) von Frauenweiler. Die erste urkundliche Nennung erfolgte als „Genßberg“ im September 1437. Die Herleitung des Namens ist einfach: Es war der Berg, auf den die Bewohner der Siedlung Frauenweiler ihre Gänse trieben. Aber es existiert eine schöne Sage: Im 17. Jh. wollten fremde Soldaten mal wieder den Gänsberg besetzen. Als sie den Berg hoch stürmten scheuchten sie die dortigen Gänse auf, dachten die weißen Hinterteile gehörten zur Uniform feindlicher Soldaten und flohen.

Tatsächlich diente der Gänsberg im 17. und 18. Jh. für unterschiedlichste Truppen als Feldlager, da man von dort die Rheinebene und auch Wiesloch kontrollieren kann und zugleich schwer angreifbar auf einer Höhe sitzt. Befestigungen haben sich nicht erhalten, aber wenige archäologische Funde wie eine aus Thüringen stammende Silbermünze (24 Kreuzer) der Grafen v. Schwarzburg-Sondershausen von 1620/22 und ein Feuerstein eines wohl gleich alten Steinschlossgewehres belegen die Anwesenheit von Soldaten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 16: Wüstung Frauenweiler

Wüstungen sind aufgelassene Siedlungsstellen. Man kann versuchen, sie entweder über urkundliche Nachrichten oder archäologische Funde zu datieren. Die erste Erwähnung des mittelalterlichen Frauenweiler ist leider schwierig zu beurteilen, denn sie steht auf einem, an eine Urkunde von 1287 angenähtem Zettel: Dem St. German Stift zu Speyer sind jährlich 2,5 Malter Korn zu Frawenwilre zu geben. Man wird das Ganze wohl in die Zeit um 1290 stellen dürfen. So kommt man zur Frage, wie es zu dem Namen Frauenweiler kam. Da gibt es zwei Möglichkeiten:

a) Die dortige Kirche war der Jungfrau Maria geweiht, was manchmal auch als „unsere liebe Frau Maria“ bezeichnet wurde. So könnte es früh geheißen haben: Der Weiler bei der Kirche der lieben Frau Maria – zusammen gezogen als Frauen-Weiler.

b) Im 15. Jh. hatte das Frauenkloster Lobenfeld großen Besitz in Frauenweiler, der wohl auf Schenkungen im 12. oder 13. Jh. zurück geht. So wäre auch die Benennung „Weiler der Kloster-Frauen“ denkbar. Zur weiteren Geschichte vergleiche man den Beitrag von Helmut Mohr in diesem Heft.

Die Historie der archäologischen Überreste ist leider wenig erfreulich: Gegen 1950 erreichte der Abbau der Tongrube Bott das Gebiet und Vieles ging verloren. Im Herbst 1951 wurde ein teilzerstörter Holzbrunnen gesichtet und deshalb im März 1952 eine kurze archäologische Notbergung durch Paul Stemmermann durchgeführt, wobei undeutliche Reste von Häusern, einem Kachelofen und dem Brunnen dokumentiert werden konnten.

Als im Frühjahr 1970 der Aussiedlerhof Messmer errichtet wurde, geschah dies – ohne es vorher zu ahnen – genau an der Stelle der ehemaligen Kirche von Frauenweiler. Kaum dokumentiert wurden die erstaunlich gut gebauten Fundamente abgeschoben – aber zwei der größten Teile wurden immerhin zu dem noch heute existierenden Denkmal umfunktioniert. Drei Jahre später 78 buddelte ein Hobbygärtner weitere Funde in seinem Schrebergarten aus. Seit über 20 Jahren sucht der Autor ein Feld oberflächlich nach Funden ab – mühsam, aber in der Menge von vielen 1000, meist kleinst zerscherbten Funden mit der Zeit doch erfolgreich:

Die „Frühzeit“ von Frauenweiler ist in diesem Areal geprägt durch vereinzelte Funde des 10. Jh., die man wegen der auftretenden Schlacken einer Bleiverhüttung vermutlich mit dem Wieslocher Blei-Silber-Bergbau in Verbindung bringen kann. Erst ab dem 11. Jh. werden die Funde etwas häufiger, bleiben aber bis zum 14. Jh. immer noch im üblichen Qualitätsbereich eines kleinen Weilers. Ab dem 14./15. Jh. ist ein Aufschwung festzustellen. Es erscheinen nun auch qualitätvollere Dinge wie Glasbecher, Fensterglas, Kachelöfen oder verzierte Keramik. Ab dem späten 15. Jh. tritt glasierte Keramik auf und läuft noch etwas über die Zwangsauflassung der Siedlung von 1526 hinaus, da die Kirche noch länger in Funktion blieb.

Station 17: Sühnekreuz

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit konnte bei einem Todschlagsfall der Täter einer Verurteilung entgehen, wenn er drei Dinge auf sich nahm:

a) Schadenersatz an die Familie des Getöteten

b) kirchliche Buße wie z.B. eine Pilgerreise und

c) die Errichtung eines Sühnekreuzes am Tatort.

Das Steinkreuz von Frauenweiler dürfte aus dem 16. Jh. stammen und wird erstmals 1641 erwähnt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 18: See Sumpfwiesen "Bottloch"

Schon in den Jahren 1925/26 erfolgten die ersten Geländeaufkäufe durch die Rauenberger Firma Bott, nachdem Bohrerkundungen dort ein gutes Tonlager nachgewiesen hatten. Der Tonabbau zur Herstellung von Dachziegeln und Backsteinen begann im Jahr 1935. Die Gründung des Neudorfes Frauenweiler 1937 bedingte eine Ausrichtung des Abbaus allein gegen Südosten. Gegen 1965 wurde der Abbau eingestellt und der nordöstliche Teil der Grube, der aufgeschüttet und heute bewaldet ist, als Deponie genutzt, der westliche Teil verblieb als Angler- und Badesee. 1993 kam dieser in Verruf, da erhöhte Arsengehalte im Wasser und in Fischen gemessen wurden. Noch heute besteht ein Badeverbot und geangelte Fische dürfen nur für den privaten Verzehr genutzt werden.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 19: Tongrube Frauenweilerwiesen, "Silbersee"

Auch hier baute die Rauenberger Firma Bott tertiären Ton ab. Der Beginn des dortigen Tonabbaus soll gegen 1942 geschehen sein. Die Einstellung des Abbaus datiert anfangs der 70er Jahre, ohne dass eine völlige Wiederverfüllung erfolgte. Eine angedachte Nutzung als Baugebiet zerschlug sich. Bald darauf stellte sich eine artenreiche und zum Teil seltene Flora und Fauna ein.

Die Experten streiten sich seit längerem, ob die vielen verschiedenen, dort vorkommenden Orchideen alle natürlich sind, oder angesalbt (angepflanzt) wurden. Egal wie, die seit über 20 Jahren recht stabile Population von u.a. Pyramidenorchis, vielen Knabenkräutern und einigen Stendelwurzen sowie der Mücken-Händelwurz sind außergewöhnlich und hoch schützenswert.

Deshalb: Die Wege bitte nicht verlassen.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Infomaterialien

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Eine Wanderung durch den südlichen Flur von Frauenweiler

Auszug aus der Broschüre „75 Jahre Frauenweiler“, herausgegeben im Jahr 2012 vom Stadtteilverein Fruenweiler.

Textquellen

Hildebrandt, Ludwig H.: Eine Wanderung durch den südlichen Teil der Flur von Frauenweiler; in: Festschrift „75 Jahre Frauenweiler“. Herausgeber: Stadtteilverein Frauenweiler e.V., Juli 2016.

Mit freundlicher Genehmigung am 03.09.2023. VIELEN DANK.

Seefeld/Tirol (A): Geoweg Hermannstal

Ausgehend vom Seefelder Kurpark führt dieser gesteinskundliche Lehrweg über sieben Stationen durch das Hermannstal und bis zum Panoramarestaurant Rosshütte.

An den insgesamt sieben Wegstationen werden verschiedene Fels-Findlinge aus der Region vorgestellt sowie ihre Herkunft und Beschaffenheit beschrieben: Granit und Glimmerschiefer, Flasergneis, Metaandesit und Biotitgneis.

Fachwissen zum Anfassen.

Infomaterialien

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Geoweg Hermannstal

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Mosbach: Geopark-Pfad „Naturerlebnis am Schreckberg“

Der Geopark-Pfad am Schreckberg ist leicht zu wandern und auch für Familien mit Kindern geeignet. Es bieten sich tolle Ausblicke ins Neckartal und sogar Spuren von Dinosauriern.

Auf dieser Tour stehen Lernen, Erleben und Bestaunen im Vordergrund. Lassen Sie sich Zeit und informieren Sie sich über das Mosaik aus Muschelkalkbänken und Sandsteinen. Erfahren Sie, wie im Laufe von Jahrmillionen der Untergrund entstanden ist, und was die seltenen Pflanzen und Vögel, die Sie heute hier erleben dürfen, damit zu tun haben. Nehmen Sie das Landschaftsbild als Spiegel sich wandelnder Wirtschaftsgeschichte wahr.

Genießen Sie beim Durchstreifen der Weinberge und Streuobstwiesen immer wieder herrliche Blicke ins Neckartal. Durchstöbern Sie die Muschelkalk-Steinchen: Vielleicht findet sich eine versteinerte Muschel? Lauschen Sie dem Zirpen der Grillen und dem Gezwitscher der Vögel.

Für den sportlichen Aspekt sorgen kurze Waldpfade mit teilweise steilen Steigungen. Sand- und Kalksteinwände öffnen ein Fenster in die Erdgeschichte und geben eine Ahnung, wie tief sich der Neckar in die Landschaft gegraben hat.

Im ehemaligen Milchhäuschen des Schreckhofs befindet sich das Infozentrum. Ausgestellte Funde, Bilder und Infotafel bringen Ihnen das Geheimnis des Schreckbergs näher. Beim Verlassen des Weilers durchströmt Sie ein Gefühl von Freiheit und Sie wandern über die unendliche Weite dem nächsten Aussichtspunkt entgegen.

Textquelle: Odenwald Touismus GmbH

Wegbeschreibung LGRB

Rund um den Mosbacher Ortsteil Schreckhof verläuft seit 2010 der Geopark-Pfad Naturerlebnis Schreckberg. Er gibt zahlreiche Einblicke in die Erdgeschichte, Vegetation und Tierwelt des 16 ha großen Naturschutzgebiets.

Am Unterhang des Schreckbergs führen zwei ehemalige Steinbrüche in die Welt des Oberen Buntsandstein vor etwa 240 Mio. Jahren. Hier können Spuren von Sauriern und Riesenlurchen oder Sandsteine mit Krusten junger Kalkausfällungen an einem Wasseraustritt entdeckt werden.

Bei den Stationen zum Unteren und Mittleren Muschelkalk geht es z. B. um die Fossilienfunde aus dem damaligen Meer, wie Muscheln, Schnecken, Tintenfische und Fischsaurier, und um die Frage wie die Wellen im Wellenkalk entstanden.

In dem früher auf größeren Flächen als Weinberg genutzten steilen Südwesthang finden sich Mager- und Trockenrasen, orchideenreiche Obstwiesen, eine wärmeliebende Gebüsch- und Saumvegetation sowie alte Eichenbestände.

Aus den flachgründigen Böden (Rendzinen, Syrosem-Rendzinen) am Oberhang ragen immer wieder Felsbänke hervor. Als Ausgangspunkte bieten sich das Infozentrum im „Milchhäusle“ in Schreckhof oder der Wanderparkplatz in der Ludolfsklinge an.

Die Stationen zur Geologie lassen sich auf einem 3,5 km langen Rundweg erwandern. Auf einer zusätzlichen Wegschleife erfährt man Interessantes zu Fauna und Flora und bekommt am Aussichtspunkt einen weiten Überblick über das Neckartal.

Textquelle: LGRBwissen: Geopark-Pfad Naturerlebnis Schreckberg

Infomaterialien

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Geopark-Pfad am Schreckberg

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Bergen: Geologischer Lehrpfad Hochfelln

Der Themenweg informiert anhand von 22 Schautafelnüber die Entstehung der Chiemgauer Alpen und speziell die geologische Entstehung des Hochfelln.

Ausgangspunkt ist die Bergstation der Seilbahn des schönsten Aussichtsberges im Chiemgau, dem Hochfelln. Der Rundweg hat eine Gehzeit von ca. 45 Minuten.

Wegstationen
Station 1:
Station 2:
Station 3: Karst
Station 4: Der Chiemsee-Gletscher
Station 5: Faltung
Station 6: Zerknitterte Felsen
Station 7:
Station 8: Die Kontinente wandern
Station 9: Täler und verschleppte Berge
Station 10: Bodenbildung
Station 11: Der Antrieb der wandernden Kontinente
Station 12: Kreislauf der Gesteine
Station 13: Hauptdolomit - versteinerter Lagunenboden
Station 14: Die Altersbestimmung von Gesteinen : Das absolute Alter
Station 15: Die Altersbestimmung von Gesteinen: Das relative Alter
Station 16: Klima und Vegetation
Station 17: Floristische Besonderheiten des Hochfelln
Station 18: Latschengebüsch
Station 19: Alpine Urwiesen
Station 20: Die Entstehung des Hochfelln
Station 21: Vier Meere als Landschafts-Paten

Infomaterialien

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Geologischer Lehrpfad Hochfelln

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Textquellen

Chiemgau Tourismus e.V. (Stand: Juli 2023)

Garmisch-Partenkirchen: Geologischer Lehrpfad „Die Steine des Alpenraums“

Der Geologische Lehrpfad „Die Steine des Alpenraums“ ist ein Projekt des Fremdenverkehrsvereins Garmisch-Partenkirchen e.V., das ausschließlich aus Eigenmitteln des Vereins sowie Spenden und ohne offizielle Finanzierung im Oktober 2015 eröffnet wurde.

Der Lehrpfad verläuft auf 1,6 km Länge entlang der Partnach auf einer reizvollen Promenade zwischen Bahnhofstraße und Olympia-Skistadion.

Der Lehrpfad soll den Besuchern einen Einblick in die Welt der Gesteine aus dem gesamten Alpenraum (Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich, Deutschland) aus zwölf alpinen Regionen geben. Zu jeder Jahreszeit, für Jung und Alt, vermittelt er Wissen bei gleichzeitiger Erholung in der Natur. Die Schönheit der Steine und die vielen Informationen sollen das Interesse wecken, interessante Steine rund um Garmisch-Partenkirchen selbst zu entdecken

Der Lehrpfad zeigt auch viele geologische Besonderheiten des Werdenfelser Landes und der angrenzenden Regionen. So wurde der „Mittenwalder Marmor“ Jahrhunderte lang für repräsentative Bauten in München verwendet. Dank der letzten Eiszeit findet man in Isar, Loisach und den Zulaufbächen „zugereiste“ Steine aus dem Alpenhauptkamm. Im angrenzenden Tirol hat die Gewinnung und Verarbeitung von Ölschiefer lange Tradition. Diese Gesteinsart wird zur Herstellung von Ichthyol verwendet, woraus dann die weiteren medizinischen Pflegesubstanzen gewonnen werden. Markante Fundstellen des seltenen und sehr farbigen Mesozoischen Radiolarits der Alpen gibt es am Kramer und im Ammergebirge. Und was hat es mit dem Wetzstein auf sich? Die Wetzstein-Herstellung war viele Jahre Haupterwerb in Unterammergau und Ohlstadt. Eine Schautafel zeigt die einzelnen Fertigungsstufen vom rohen Stein bis zum fertigen Wetzstein.

Aktuell sind insgesamt über 100 Exponate aufgestellt. 60 unterschiedliche Gesteinsarten geben einen genauen Überblick über die Gesteinswelt der Alpen. Alle Steine wurden von den Original-Fundstellen aus dem gesamten Alpenraum mit großem Aufwand herbeigeschafft. Schon heute ist der Geologische Lehrpfad nach Anzahl der Exponate der größte seiner Art in Deutschland.

Die ältesten Steine sind über 500 Mio. Jahre alt und unser „Schwerster“ bringt rund 3,5 Tonnen auf die Waage. Die kleineren Exponate wurden auf Säulen gesetzt, um sie ins rechte Licht zu setzen. Als Besonderheit wurde der „Edelstein-Stein“ aufgestellt – er zeigt Edelsteine aus allen fünf Kontinenten.

Aus den beiden derzeitigen Tunnelprojekten im Ost-Alpenraum – Brenner Basistunnel und Umfahrung Oberau – sind die unterschiedlichen Gesteinsarten in Gabionen ausgestellt. Polierte Steintafeln an der Ufermauer der Partnach geben einen Einblick in das „Innenleben“ der Steine und ihre herrlichen Schattierungen und Muster.

Insgesamt zwölf Informations- und Schautafeln beschäftigen sich mit der Geologie des Alpenraums sowie dem Thema „Steine“. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Beteiligung aller BOTA-Orte der Marketing-Kooperation „Best of the Alps“ am Geologischen Lehrpfad. Eine Informationstafel gibt Auskunft über den Zusammenschluss der bekanntesten Wintersportorte in den Alpen. Jeder BOTA-Ort ist mit einem regional typischen Gestein vertreten.

Die Beschriftung der Steine umfasst folgende Informationen: Name des Steins, Herkunft, Alter, Härtegrad und individuelle Besonderheiten. Dazu der Name des Spenders, wobei bislang über 60 Institutionen und Privatpersonen als Spender gewonnen werden konnten.

Textquelle: Fremdenverkehrsverein Garmisch-Partenkirchen e.V. (Stand: Juli 2023)

Infomaterialien

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Die Steine des Alpenraums

Faltblatt zum Geologischen Lehrpfad in Garmisch-Partenkirchen

Menzenschwand: Geißenpfad

Menzenschwand: Geißenpfad

Radioaktivität

Messverfahren

Radon

Schon wieder ein Premiumwanderweg

„Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf erlebt der Wandermarkt eine neue Gründerzeit. Wie vor hundert Jahren entstehen überall neue Wanderwege mit und ohne Siegel, Zertifikat oder Prädikat. Jede Region, jeder Ort, der etwas auf seine Landschaft hält, präsentiert sich mit aufwendig vermarkteten Steigen, Pfaden und Touren. Der Wandergast wird mit derlei Offerten geradezu überflutet – und verliert die Übersicht.

Um auf diesem sich rasch entwickelnden Markt der Möglichkeiten überhaupt noch wahrgenommen zu werden, bedarf es überzeugender Orientierungshilfen. Vermarktung um der Vermarktung willen allein hilft nicht. Sie muss sich auf echte Spitzenqualität gründen und in der Bildung von Wandermarken gipfeln. Nur so kommt das nachweislich wichtigste PR-Medium zum Tragen: Die Mund-zu-Mund-Botschaft.“

… schreibt das Deutsche Wanderinstitut auf der vereinseigenen Webseite (Stand: 22.04.2023)

Orientierungshilfe

Die Wegbezeichnung „Geißenpfad“ gibt schon einen Hinweis auf das, was den Wanderer auf der Tour erwartet.

ABER: Der Pfad bietet noch deutlich mehr, v.a. aus geologischer und bergbauhistorischer Sicht. Diese Kombination ist in Deutschland einmalig. Die Landschaft am Südrand des Feldbergmassivs einfach nur wunderbar.

Und genau deshalb ist der Geißenpfad nicht doch nur „schon wieder ein Premiumwanderweg“, sondern tatsächlich ein ganz besonderer Wanderweg.

Streckenführung

Der offizielle Startpunkt des prämierten Genießerpfades ist der Mösle Parkplatz in Menzenschwand-Hinterdorf. Die Rundtour verläuft im „Gegenuhrzeigersinn“.

Der erste Wegabschnitt führt über die Menzenschwander Wasserfälle in Richtung Feldberg durch das Tal der Menzenschwander Alb bis hoch zur Menzenschwander Kluse mit beeindruckenden Zeugnissen der letzten Eiszeit.

Der zweite Wegabschnitt führt in Richtung Herzogenhorn durch das Tal des Krunkelbachs, wo sich kurz vor dem Rückweg nach Menzenschwand/der Bachquerung bei der Barbaraquelle bis 1992 das Uran-Versuchsbergwerk „Grube Krunkelbach“ – oder auch „Grube Hans Paul“ genannt – befand.

Menzenschwander Alb

Die Alb entsteht aus zwei Quellflüssen, der Menzenschwander Alb und der Bernauer Alb. Sie fließt in südliche Richtung und mündet, gemessen von der Quelle seines linken Oberlaufs, nach fast 44 km bzw. ab dem Zusammenfluss der zwei Oberläufe nach 32 km bei Albbruck in den Hochrhein. Mit einer mittleren natürlichen Wasserführung von 8,6 m³/s ist die Alb der zweitgrößte rechte Nebenfluss des Hochrheins.

Das Quellgebiet der Menzenschwander Alb liegt am Südhang des Feldberg-Massivs im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, das der Bernauer Alb am Südhang des Herzogenhorns. Nachdem beide Bäche ihre namengebenden Orte, Menzenschwand und Bernau in südöstlicher Richtung durchflossen haben, vereinigen sie sich nach unter 14 km bzw. über 11 km an der Glashofsäge zur Alb.

Beide Täler haben durch eiszeitliche Gletscher des ehemaligen Feldberg-Gletschers verbreiterte Talsohlen, die wegen ihrer Höhenlage um 900 m von Grünlandwirtschaft geprägt sind. Das Bernauer Tal ist ein breites Becken, das durch kleine Talstufen, Moränenwälle, moorige Senken, kleine Bachschluchten und rundhöckerartige Felsköpfe gegliedert ist. Etwas oberhalb der frostgefährdeten Talsohle liegen verstreut die Weiler und Einzelhöfe des Ortes. Noch augenfälliger sind die glazialen Formen im engeren Tal der Menzenschwander Alb. Bekannt ist der steile Endmoränenwall der Menzenschwander Kluse. Unterhalb stürzt die Alb in Wasserfällen durch eine kleine Schlucht zur Verlandungsebene eines vom einstigen Krunkelbach-Talgletscher ausgeschürften Seebeckens.

Textquelle: Wikipedia (Stand: 22.04.2023

Hauptfallstufe der Menzenschwander Wasserfälle im April 2023.

Hauptfallstufe der Menzenschwander Wasserfälle im April 2023.

Glaziale Formen

Rund um Menzenschwand können mehrere Glazialformen angetroffen werden, die vom Feldberg, dem Herzogenhorn und dem Spießhorn ausgehende Gletscherzungen während der letzten Eiszeit (Würm) geschaffen haben. Es handelt sich um Endmoränenwälle, ein Hängetal mit Wasserfallstufe, das Scheibenlechtenmoos-Kar und mehrere Rundhöcker.

Im mittleren, leicht vermoorten Talbereich der Menzenschwander Alb befinden sich im Bereich der „Kluse“ drei deutlich erkennbare Endmoränenwälle, die bogenförmig quer zum Tal verlaufen. Ihr Verlauf ist allerdings etwas asymmetrisch. An der Nordseite legen sich die Wälle flach an den Talrand, während sie an der Südseite senkrecht an den Rand stoßen. Die drei Moränen in der Kluse werden dem Feldsee-Stadium vor rund 13 000–12 000 Jahren zugeordnet.

Im weiteren Verlauf überwindet die Alb eine kleine Wasserfallstufe aus Bärhalde-Granit (Menzenschwander Wasserfälle). Sie kam dadurch zustande, dass sich der größere Gletscher aus dem unterhalb von der Seite einmündenden Krunkelbachtal stärker eintiefte und den Albtalgletscher aufstaute. Dadurch blieb nach Abschmelzen der Gletscher das Albtal als höher gelegenes Hängetal übrig.

Glaziale Formen in näherer Umgebung:

Westlich von Menzenschwand-Hinterdorf schürfte das Gletschereis am Osthang des Spießhorns in 1.097 m NN eine Karhohlform aus – das Scheibenlechtenmoos-Kar. Die bewaldeten Karwände sind hauptsächlich aus Bärhalde-Granit aufgebaut, ragen gut 140 m steil empor und schließen oben mit einem mächtigen Felskranz ab. Das Kar ist durch einen Endmoränenwall abgeriegelt. In dem übertieften Karboden hat sich ein Hochmoor gebildet, das bis 6 m Torfmächtigkeit aufweist. Nach Pollenanalysen reicht die Moorbildung bis 11 000 Jahre zurück. Sedimentologische Untersuchungen ergaben am Grund des Moors den Nachweis von Laacher Bimstuff, der beim letzten großen Vulkanausbruch in der Eifel vor knapp 13 000 Jahren ausgeworfen wurde. Hinweis: Der Laacher Vulkan ist 293 km entfernt.

Unterhalb von Menzenschwand-Vorderdorf befinden sich beim Sportplatz einige Rundhöcker aus Bärhalde-Granit. Die typische, flach abgerundete und glatte Schlifffläche auf der Luvseite und die steilere, raue und felsige Oberfläche auf der Leeseite der Rundhöcker werden hier besonders deutlich. Diese schönen Bildungen wurden dadurch begünstigt, dass die Fließrichtung des Gletschereises mit der Hauptkluftrichtung des Granits zusammenfiel.

Textquelle: LGRB-Wissen „Endmoränen und weitere Glazialformen bei Menzenschwand“ (Stand:  22.04.2023).

 

Tipp

Von Mai bis Oktober sind die Menzenschwander Wasserfälle jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag abends beleuchtet.

Endmoränenriegel an der Kluse im Talboden der Menzenschwander Alb im April 2023. Blick talabwärts nach Süden.

Seitenmoräne an der östlichen Flanke im Tal der Menzenschwander Alb im April 2023. Blick talaufwärts nach Norden.

Uran-Versuchsbergbau im Krunkelbachtal

Im Schwarzwald wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nach mehrjährigen Prospektionsarbeiten zwei abbauwürdige Uranvorkommen entdeckt: In Müllenbach bei Baden-Baden und in Menzenschwand. Bei Menzenschwand handelt es sich sogar um das größte Uranvorkommen in den „alten Bundesländern“.

An beiden Standorten hatten die Grubenbetreiber keine Konzession zum Abbau, es wurden lediglich Genehmigungen zu Erkundungszwecken erteilt.

Bei den Erkundungen in Menzenschwand wurden in einem Zeitraum von 31 Jahren (!) insgesamt 100.000 t Uranerz entnommen.

Mehr erfahren …

Die Floriansquelle im April 2023. Der Bohrbrunnen versorgt das Revitalbad in Menzenschwand mit radonhaltigem Wasser.

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