Grainau: Geologische Wanderung zum Eibsee

Auf geologischen Pfaden das Zugspitzdorf Grainau erleben.

Die Landschaft um Grainau bietet ein breites Spektrum an geologischen Sehenwürdigkeiten. Erkunden Sie die Landschaft eines Dorfes, welches durch einen Bergsturz vor ca. 4.000 Jahren nachhaltig geprägt wurde.

Die Wanderung beginnt im Kurpark der Gemeinde. Unterhalb des großen Felsblockes vor dem Rathaus steht die erste Infotafel. Der Weg führt vorbei am Rosen- und Badersee, über die Breitla, Frenzl, Radschuh weiter zur Umrundung des Eibsees bis zum Frillensee.

Die Gehzeit beträgt ca. 3,5 bis 4 Stunden.

In der Tourist-Information gibt es den kostenlosen Führer mit allen Erklärungen.

Wegstationen
Station 1: Felsblock am Rathaus

Aus dem Bayerischen Schneekar unter dem Zugspitzgipfel ging vor rund 3700 Jahren ein riesiger Bergsturz nieder. Die ausgebrochene Felsmasse stürzte in das Eibsee-Becken und das Loisachtal und brandete am Gegenhang des Kramer-Gebirgsstockes bis etwa 100 m hoch. Am Bergrücken Zirmerskopf— Höhenrain wurde ein großer Teil der Sturzmasse nach Osten bis zum Westrand des Talkessels von Garmisch-Partenkirchen abgelenkt; als gleitungsfördernder Horizont wirkte dabei eine späteiszeitliche Seeton-Decke. Die Bergsturzmasse nimmt eine Fläche von rund 15 km2 ein; ihre Mächtigkeit schwankt zwischen wenigen Metern und über 50 m. Die Reichweite der Sturzbahn beträgt rund 10 km, das Volumen der Sturzmasse rund 300–400 Mio. m3. Damit handelt es sich um den größten Bergsturz der Bayerischen Alpen. Die Bergsturzmasse weist ein unruhiges Kleinrelief auf. Es handelt sich um eine stark gegliederte, von einem teilweise intensiven Wechsel von hügeligen Aufragungen und dazwischen liegenden Senken gebildete Felstrümmerlandschaft. Diese verleiht – im Zusammenwirken mit zwischengestreuten Auen (See- und Bachablagerungen) – dem Ortsbereich von Grainau sein vielfältiges, typisches Gepräge. Auch der Hügel, auf dem das Rathaus steht, stellt ein Relikt des seinerzeit katastrophalen Ereignisses dar. Die eindrucksvollen Blöcke bestehen aus hellem Wettersteinkalk. Der große Block, vor dem der Wanderer steht, lässt auch erahnen, mit welcher Wucht die Massen zu Tale donnerten.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 2: Brücklesbach-Ursprung

Hier, am Ostfuß des bewaldeten Hinterbichel-Rückens, tritt ein Grundwasserstrom aus der Bergsturzmasse zutage. Unter dem Pflaster der Waxensteinstraße liegen fünf Quellen; ihre Schüttung ist sehr gleichmäßig und auf 50–100 l/s zu veranschlagen. Die Wassertemperatur beträgt 7-10 °C (im Winter niedrig, im Sommer hoch). Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den unterirdischen Abfluss des 22 m höher gelegenen Badersees (Station 4), worauf nicht nur die Lagegegebenheiten, sondern auch der saisonale Temperaturgang (siehe Diagramm auf der folgenden Seite) hindeuten: Das den Badersee speisende, gleichmäßig temperierte Grundwasser unterliegt beim Durchströmen des Sees im Sommer einer leichten Erwärmung, im Winter dagegen einer Abkühlung.

Der Austritt wird verursacht durch den Staueffekt einer Seeton- Decke, die bei der Anlage von Baugruben im Ortsbereich von Grainau immer wieder aufgeschlossen wird. Der Brücklesbach nimmt den vom Plateau der Neuneralm kommenden Alplebach (Quellwasser) auf und mündet im Untergrainauer Feld in den Krepbach.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 3: Rosensee und Baderseewald

Rechts unterhalb des Wanderweges ist das grünklare Wasser des Rosensees zu erkennen. Der See liegt auf Privatgrund und ist nicht öffentlich zugänglich. Seine maximale Fläche beträgt ca. 3.500 m2, die größte Wassertiefe etwa 4 m (bei hohem Wasserstand). Das Stillgewässer liegt vollständig in der Bergsturzmasse; die Ufer und Seegrund bildenden Sturzblöcke sind gut zu erkennen. Es herrscht Analogie zum Badersee (Station 4): Die Speisung erfolgt allein durch Grundwasser, oberirdische Zu- und Abflüsse fehlen; aufgrund der Lage in einer oberflächenabflusslosen Mulde ist von einem Blindsee zu sprechen. Ungewöhnlich ist die hohe Schwankung des Wasserspiegels: Sie beträgt bis etwa 2 m. Offenbar ist der Ablauf durch die knapp östlich beginnende Seetondecke gestaut (siehe Station 2). Bei Niedrigwasserstand zerfällt der See in zwei Teilflächen. Bei mittlerem und hohem Wasserstand lässt sich beobachten, wie der Grundwasserstrom an der westlichen (vom Betrachtungspunkt aus linken) Ecke in den See eintritt.

Die unruhige Geländeoberfläche des bewaldeten Hinterbichel- Rückens, durch die der Weg führt, ist charakteristisch für grobblockige Bergsturz-Trümmermassen (zur Entstehung siehe Station 1). Mulden und Aufragungen wechseln einander in rascher Folge ab. Wie an zahlreichen Öffnungen im Waldboden zu erkennen, ist der Untergrund von Kleinhohlräumen durchzogen und hoch durchlässig; alles Niederschlagswasser versickert flächenhaft, ohne oberirdische Rinnsale zu bilden.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 4: Badersee

Der See weist eine Fläche von 12.810 m2 auf (Länge 177 m, Breite 131 m, Umfang 580 m). Die groben Bergsturzblöcke prägen das morphologische Erscheinungsbild des Sees und seines Umfeldes. Der größte Block bildet im Ostteil des Sees eine kleine, bewachsene Insel. Zwischen den Blöcken des Seegrundes liegt heller Sand. Die mittlere Wassertiefe liegt im Westteil des Seebeckens bei 2–3 m, im Ostteil bei 5–6 m; die maximale Tiefe beträgt 8 m (Senke zwischen Insel und Südufer). Die Sohle des Sees besteht im Westteil großteils aus Sand, im Ostteil vorwiegend aus Blöcken. Den Untergrund des Seebeckens bilden feinkörnige Sedimente, die abdichtend wirken.

Ebenso wie der Rosensee (Station 3) weist der Badersee oberirdisch weder Zu- noch Abfluss auf. Er ist Teil eines starken Grundwasserstrom- Systems, das die Bergsturz-Trümmermasse des Hinterbichels durchfließt. Man kann beobachten, wie das Grundwasser am Westufer an mindestens drei Stellen aus Blockwerk in den See eintritt. Dagegen sind die Ablaufstellen kaum auszumachen. Der Abfluss durchströmt teilweise den Rosensee und tritt am Brücklesbach- Ursprung (Station 2) wieder zutage. Im Gegensatz zum Rosensee schwankt der Wasserstand des Badersees nur um etwa 0,7 m.

Mehrjährige Messungen an zwei Quellen am Westufer des Sees ergaben eine mittlere Wassertemperatur von 8,3 °C bzw. 8,7 °C (Minimum 7,9 °C, Maximum 9,1 °C). Die ganzjährig niedrige Temperatur des Sees erklärt sich aus der ständigen, starken Durchströmung mit kühlem Grundwasser. Erwärmung des Seewassers im Sommer und Abkühlung im Winter findet nur in unbedeutendem Umfang statt. Deshalb friert der See nie zu, ist aber auch als Badesee ungeeignet. Auch die außerordentliche Klarheit und hohe Sichttiefe des Sees resultiert aus der ganzjährigen Durchspülung mit nährstoffarmem Grundwasser bei gleichzeitigem Fehlen von Oberflächenzufluss, der Trübungspartikel und organische Stoffe eintragen könnte.

Vor allem im tiefen Ostteil finden sich am Seegrund ausgedehnte Rasen von Wasserpflanzen, bestehend aus Armleuchteralgen (Characeen), Moos und Laichkraut. Die zu den Grünalgen rechnenden Characeen bilden Indikatoren für saubere, nährstoffarme Gewässer. Ihr massenhaftes Vorkommen wird als Mitursache für die reizvolle Smaragdtönung des Sees erachtet. Einige Meter westlich der Insel liegt auf einem Felsblock in einer Wassertiefe von rund 5 m die lebensgroße Bronzeguss-Skulptur einer Nixe. Sie lässt sich vom Boot aus gut betrachten. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ die Gattin des damaligen See-Eigentümers Staatsrat Rudhart von Schwaigwang dieses Kunstobjekt anbringen. Es war nicht zuletzt diese Skulptur, die dem See zu seiner Bekanntheit verhalf. Der Name des Sees rührt von den ursprünglichen Besitzern her, der Familie Bader aus Grainau.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 5: Vorderbrand / Breitla

Hier hat der Rohrbach (Station 6) im Laufe von Jahrtausenden aus dem mitgeführten Schotter einen Schwemmkegel aufgeschüttet; seine Spitze liegt an der Christlhütte. Die leicht gewölbte, durch trockengefallene Abflussrinnen nur unwesentlich gegliederte Oberfläche des Schwemmkegels zeigt einen im Großen ruhigen Verlauf, der sich deutlich unterscheidet vom unruhigen Relief der umgebenden Bergsturz-Ablagerungen. Die glatte Oberflächengestalt und der relativ tiefgründige Boden ermöglichten eine landwirtschaftliche Kultivierung (Nutzung als Grünland). Die Schwemmkegel- Spitze liegt im Bereich einer oberirdischen Wasserscheide.

Es existierte eine Phase, in welcher der Bach nicht über die Breitla und zum Krepbach, sondern nach Obergrainau, also südlich des Hinterbichel-Rückens floss. Davon zeugt der ruhige Sohlverlauf der flach profilierten Talrinne. Im heutigen Trockental zwischen Christlhütte und Obergrainau verlaufen die Trasse der Zahnradbahn und ein Fahrweg. Der Talboden trägt die Flurbezeichnung Obergrainauer Feld, welche auf die einstige Nutzung als Ackerland hinweist (heute Weidefläche der Obergrainauer Landwirte). – Bei dem umzäunten Gebäude am Waldrand handelt es sich um den Hochbehälter der Grainauer Wasserversorgung.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 6: Rohrbach und Christlhüttenquelle

Der Rohrbach kommt aus der Zuggasse (Graben an der NW-Flanke der Waxensteinkette) herab. Seine obersten Äste werden gespeist aus einem lang gestreckten Quellhorizont im Muschelkalk-Sockel der Wand (Station 12). Bei starkem Gewitterregen bilden sich in den nackten Felsflanken Sturzbäche, die große Mengen an Gesteinsschutt mitreißen und am Wandfuß ablagern. So finden sich im oberen Abschnitt der Zuggasse mächtige steinige Wülste niedergegangener Muren. Mit Austritt aus der Zuggasse versickert bei Niedrig- und Mittelwasserabfluss der Bach vollständig im kiesigen Untergrund. Dauerhafte Wasserführung besteht zunächst wieder ab der Christlhüttenquelle (siehe unten). Aber auch dieses Wasser versickert die meiste Zeit vollständig auf dem kiesigen Schwemmkegel der Breitla (Station 5). Zum Schutz der Grünlandfläche Breitla vor Vermurung hat man ein Schotter-Auffangbecken angelegt. Unterhalb der Breitla setzt sich der Rohrbach als Krepbach fort, nachdem er starken Zulauf aus den Krepbach-Quellen erhalten hat. Diese nahe der Eibseestraße in der Bergsturzmasse gelegene Quellgruppe schüttet bis einige hundert Liter pro Sekunde; mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei in der Hauptsache um den unterirdischen Abfluss des Eibsees (Station 10).

Die am linken Ufer des Rohrbaches austretende Christlhüttenquelle diente in früherer Zeit zur Trinkwasserversorgung von Grainau. Wegen häufiger bakterieller Belastung ist diese Fassung seit dem Jahre 1977 aufgelassen. Ihre Schüttung schwankt zwischen 3 und 82 l/s (Durchschnitt 37 l/s). Die mittlere Wassertemperatur beträgt 7,2 °C. Vermutlich gelangt hier das im oberstromigen Abschnitt des Rohrbaches versickerte Wasser zum Wiederaustritt. Die Trinkwasserversorgung von Grainau erfolgt heute aus zwei Bohrbrunnen, welche den Grundwasserstrom erschließen, der die Krepbach- Quellen speist.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 7: Lärchwald

Der Name dieses Waldes rührt von den hier häufiger auftretenden Lärchen her. Durch Bewirtschaftung des Waldes ging der Lärchenbestand zurück; heute überwiegt die Fichte. Die Lärche (Larix decidua) liefert ein begehrtes, da haltbares und witterungsbeständiges (harzreiches) Bauholz. Eine Besonderheit ist, dass es sich hier um eine sehr robuste Lärchenart handelt, die an anderer Stelle nicht mehr vorkommt (autochthone Art). Die oft von Heidelbeer- Gestrüpp (Vaccinium myrtillus) überwucherten Bergsturz-Blöcke bilden eine reizvolle Szenerie. Im Verbreitungsgebiet der Bergsturz- Trümmermasse verhinderten das unruhige Kleinrelief und der flachgründige Boden eine landwirtschaftliche Nutzung. Deshalb blieben diese Flächen waldbestanden; sie werden forstwirtschaftlich genutzt (Staatswald). Der Bodentyp im Bereich der Bergsturzmasse ist im Allgemeinen als Moder-Rendzina, stellenweise gar nur als Rohhumus-Auflage anzusprechen. Es herrscht ein niedriger Entwicklungsgrad, der dem geologisch sehr jungen Alter des Bergsturzes entspricht.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth     

Station 8: Frenzl

Längliche Wiese inmitten der bewaldeten Bergsturz-Trümmermassen; im unteren Teil sehr flach, nach oben zunehmend steiler. Es besteht Analogie zum Talboden Obergrainauer Feld (Station 5): Einst floss hier der Rohrbach durch eine Depression der Bergsturzmasse, lagerte Schotter ab und glättete damit das unruhige Kleinrelief. Infolge einer Laufänderung des Baches wurde die Mulde zum Trockental.

An der Wegkehre über dem oberen Ende der Frenzl-Wiese lässt sich ein steiler Graben mit Bergsturz-Blöcken als Relikt des einstigen Bachbettes erkennen. Die ruhige Oberfläche der Aufschüttung im Frenzl und der (im Vergleich zur Trümmermasse) tiefgründige Boden ermöglichten eine landwirtschaftliche Nutzung. Gleiches gilt für die oberhalb (entlang der Eibseestraße) gelegene Wiese Auf dem Rohr, welche ebenfalls eine Aufschüttung des Rohrbaches darstellt.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 9: Radschuh

Die Passhöhe der Eibseestraße wird auch als Radschuh bezeichnet. Der Name dieses Ortes kommt daher, dass hier früher die Fuhrleute die Hinterräder ihrer Wagen vor der Talfahrt mit einem Bremsschuh versehen haben. Die Steilheit der Straße machte dies erforderlich.

Der Wanderweg zum Eibsee führt hier durch eine Ansammlung von Riesenblöcken. Diese bestehen aus Wettersteinkalk, und zwar aus Partien mit massiger Gesteinsausbildung. Solche kompakten Groß- Kluftkörper, die mechanisch widerstandsfähig waren, blieben beim Absturz relativ unbeschädigt, während geschichtete Partien – entsprechend ihrer jeweiligen Bankdicke – in kleinere bis kleinste Trümmer zerbrachen.

Die Bergsturzmasse ist generell durch ein extrem breites Korngrößenspektrum charakterisiert: von Riesenblöcken bis zum Gesteinsmehl. Das Trümmer-Haufwerk ist i. Allg. ungeschichtet; die Komponenten sind schlecht sortiert und eckig bis kantengerundet. Wie in Aufschlüssen zu beobachten, „schwimmen“ die großen Blöcke vielfach auf stärker zerkleinerten Blockmassen. Blöcke bis zur Größe eines kleinen Hauses finden sich im und neben dem Flussbett der Loisach, an der Bundesstraße 23 / Radweg Grainau—Griesen (Straßen-Kilometer 6–7).

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Der Eibsee

Das Eibsee-Becken wird aufgefasst als eine von eiszeitlichen Gletschern ausgeschürfte Mulde, deren Überlaufschwelle durch Bergsturz überhöht wurde. Die Sturzmasse hat das ursprünglich größere Becken vor allem auf seiner Nord- und Ostseite teilweise verfüllt. Die Grunddaten des Sees, bezogen auf Mittelwasserstand, lauten: Wasserspiegelhöhe 973,3 m über NN, Oberfläche 1,774 km, Volumen 26,61 Mio. m3, maximale Tiefe 36 m. Die Längserstreckung beträgt 2,45 km, die größte Breite 0,85 km. Das Nordufer ist durch Buchten reich gegliedert. Im Nordteil des Sees liegen acht Inseln, die aus Bergsturzblöcken aufgebaut sind. Es werden folgende Teilbecken unterschieden: Weitsee (Hauptbecken), Untersee, Braxensee, Steingringpriel und Frillensee (die drei Letzteren durch Schwellen abgetrennt, doch spiegelgleich).

Aufgrund seiner Lage in einem oberflächenabflusslosen Becken (siehe unten) ist der Eibsee als Blindsee zu typisieren und weist hohe Wasserstandsschwankungen auf. Die Größt-Amplitude beträgt über 4 m. Die mittlere Schwankung im Jahresgang liegt bei 1,8 m, wobei das Minimum im März und der Hochpunkt im August erreicht wird. Das überaus niederschlagsreiche Jahr 1999 brachte einen Extremhochstand: Er lag etwa 2,2–2,5 m über dem Mittelwasserstand. Ein ungefähr gleich hoher Wert war bereits in den Jahren 1910 und 1965 erreicht worden. Der See weist an durchschnittlich 100–110 Tagen im Jahr Eisbedeckung auf: Die von den überragenden Höhen zugeströmte Kaltluft kann aus dem geschlossenen Becken nicht abfließen; es handelt sich um eine Kaltluftsenke.

Es sind keinerlei oberirdische Abflussmöglichkeiten gegeben; die niedrigste „Überlaufschwelle“ (nordöstlich des Untersees) liegt etwa 25–30 m über dem mittleren Seespiegel. Das Seebecken ist nach Osten durch einen Süd–Nord verlaufenden Rücken aus Bergsturzmasse gegen den Talraum von Grainau hin abgedämmt.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth                 

Station 10: Untersee

Der schmale Untersee ist vom Hauptbecken durch eine Schwelle getrennt, deren Scheitel bei Mittelwasserstand nur 0,6 m unter dem Seespiegel liegt und die bei Niedrigwasserstand trockenfällt. Über diese Schwelle aus Bergsturztrümmern führt der Steg des Seerundweges. Der unterirdische Abfluss des Eibsees findet im Untersee statt. Bei Niedrigwasserstand (wie im Sommer/Herbst 2003) lässt sich unter dem Steg beobachten, wie das Wasser vom Weitsee zum Untersee strömt bzw. die hoch durchlässige Schwelle auch unterirdisch quert.

Hydrologische Berechnungen des unterirdischen Abflusses aus dem Eibsee-Becken ergaben für niedrige Wasserstände etwa 300 l/s und für sehr hohe Wasserstände rund 800 l/s; der mittlere Abfluss wird auf 450 l/s geschätzt. Als Wiederaustritt des Seeabflusses kommen nur die rund 1,7 km nordöstlich des Untersees gelegenen Krepbachquellen mit ihren mutmaßlichen Folgeaustritten im Bereich von Grainau-Dorf in Betracht (Stationen 2, 4, 6).

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 11: Steingringpriel (Fortsamtsseale)

Der Bergsturz hat den Nordteil des ursprünglichen Eibsee-Beckens teilweise verfüllt. Aufgrund des unruhigen Kleinreliefs der Trümmermasse ist das Nordufer durch Buchten reich gegliedert. Im Hinterland des Ufers liegen vier Kleinseen, die mit dem Hauptbecken in unterirdischer hydraulischer Verbindung stehen und deshalb stets dieselbe Wasserspiegelhöhe wie der Weitsee aufweisen; aus gleichem Grund schwankt ihr Wasserstand ebenso stark wie der des Weitsees. Wir stehen hier am größten und tiefsten dieser Kleinseen.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth         

Station 12: Wankle

Wankle bedeutet kleine Lichtung, genützt als Weidefläche. Der Ort liegt etwas oberhalb des Weges, wird heute nicht mehr beweidet und wächst deshalb mit Fichten allmählich zu.

Blick über den Eibsee auf die schroffen, massigen Steilwände des Zugspitz-Massives (rechts) und der daran anschließenden Waxenstein- Kette (links); die Wandflucht erreicht eine relative Höhe bis 1260 m. In Falllinie des Zugspitz-Gipfels liegt die viereckige Nische des Bayerischen Schneekares. Dort brach der gewaltige Bergsturz aus, dessen Ablagerungen die Landschaft des Raumes Eibsee— Grainau maßgeblich prägen (siehe Stationen 1, 3, 4, 7-11).

Im Fußbereich der Wandzone erscheint ein gebänderter, schrofiger, überwiegend von Latschen bewachsener Sockel, der an seiner Oberkante eine Verflachung (Bärenheimatkopf, links) aufweist, doch ebenfalls sehr steil bis über 400 Höhenmeter abbricht. Dieser Sockel besteht aus Alpinem Muschelkalk, der zweitältesten Gesteinseinheit des Wettersteingebirges. Er reicht, von links nach rechts flach ansteigend, im SW hinauf bis zum Ehrwalder Kopf (auf dem von dort abfallenden Grat die Stütze der Tiroler Zugspitz-Seilbahn). Es handelt sich um eine Folge geschichteter, bis etwa 500 m mächtiger Kalksteine; als Besonderheiten sind eine knollig-wellige Ausbildung (Wurstelbänke) sowie Lagen von grünem vulkanischem Tuff (Pietra verde) zu nennen. Zwischen Bärenheimatkopf und dem Großschuttkegel Riffelriss verläuft im Muschelkalk ein lang gestreckter Quellhorizont (siehe auch Station 6), dessen abstürzende Bäche man bis zum Eibsee herunter rauschen hört.

Dominierender Wandbildner des betrachteten Raumes ist der auf dem Muschelkalk-Sockel liegende Wettersteinkalk. Der sehr reine, nur im unteren Bereich partienweise dolomitische Kalkstein tritt teils in massiger (Schwammriffe), teils in bankiger Ausbildung (Algenrasen) auf. Seine Mächtigkeit erreicht im Zugspitzmassiv bis über 1000 m. Der Wettersteinkalk neigt zu Verkarstung und unterirdischer Entwässerung. Beim Bau des Zahnradbahn-Tunnels der Bayerischen Zugspitzbahn wurden Höhlen angeschnitten. Die Bedeutung des Wettersteinkalkes als Kluft- und Karstwasserleiter ist besonders augenfällig in der Höllentalklamm, wo das im Gesteinskörper fließende Wasser über zahllose Spalten und Röhren zutage tritt.

Das Paket aus Muschelkalk und Wettersteinkalk ist tektonisch über eine Serie jüngerer Gesteine geschoben (Station 16). Dabei handelt es sich in der Hauptsache um Kössener Schichten. Zufolge ihres hohen Tongehaltes verwittert diese Serie leicht und ist meist von Schutt überdeckt. Sie bildet den Untergrund im weiten Zugwald zwischen dem Eibsee und der Wandflucht.

Rechts, über dem SW-Ufer des Sees, erhebt sich der steile, schrofige NW-Abbruch der bewaldeten Törlen-Ebene (Blaue und Schwarze Wand). Er besteht aus brüchigem Hauptdolomit (Station 15), während die Ebene darüber in verkarstetem Plattenkalk ausgebildet ist.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 13: Seeberg-Quellen

Zwischen der letzten Station und hier zeigten sich bergseits des Weges einige schwache Austritte aus lehmig verwitterter Grundmoräne. Solche eiszeitlichen Gletscher-Ablagerungen, die den Felsuntergrund vielerorts flächenhaft überdecken, sind durch ein extrem breites Korngrößenspektrum (von Blöcken bis zum Ton) gekennzeichnet und wirken wegen ihres hohen Feinkorngehaltes (zerriebenes Gestein) oft wasserstauend. Als während der Würm- Eiszeit die Vergletscherung vor etwa 20.000 Jahren ihren Höchststand erreichte, betrug die Mächtigkeit des Eises an dieser Stelle rund 600 m.

Hier am bergseitigen Steilhang liegt ein kleiner Quellbezirk: oben Hochwasser-, unten Niedrigwasser-Austritte aus Spaltenkarst. Als Wasserstauer in dem zerrütteten Kalkstein wirkt eine von links oben nach rechts unten abfallende, rund 0,2 m mächtige Zwischenlage von dunklem Mergel. Es handelt sich hier um einen kleinen Fleck von Kössener Schichten (Station 16) auf verkarstetem Plattenkalk- Untergrund.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 14: Koatbach

Hier, am NW-Ende des Sees, mündet einer der wenigen oberirdischen Zuläufe mit ganzjähriger Wasserführung ein. Das Gestein, im Graben Kaskaden und einen kleinen Wasserfall bildend, ist dünnbankiger Plattenkalk in steiler Lagerung. Der Bach nimmt seinen Anfang im Gern-Mösl, einer moorigen Ebene in einem Sattel (1270 m über NN) zwischen Eibsee-Becken und Loisachtal. Er bildet in der Uferbucht einen flachen, kiesigen Schwemmkegel, im See selbst ein Delta mit flachem Böschungswinkel (dieser ist ein Ergebnis der hohen Wasserstandsschwankungen des Sees) und schlammiger Oberfläche.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth            

Station 15: Beim stinkenden Wasser

Die ungeklärte Bezeichnung des Ortes geht möglicherweise auf eine Schwefelwasserstoff (H2S) enthaltende, wie faule Eier riechende Quelle zurück. Solche Austritte sind im Zusammenhang mit Vorkommen von Sulfatgestein (Anhydrit, Gips) von einigen Stellen der Bayerischen Alpen bekannt. Durch Bakterien erfolgt eine Reduktion des Sulfates zu Sulfid.

Der Eibsee-Rundweg quert dort auf über 1 km Strecke eine steile Hangschutt-Halde. Die den Weg kreuzenden Bäche weisen unter normalen Verhältnissen geringe Wasserführung auf oder liegen gar trocken; bei hohem Abfluss führen sie jedoch reichlich Schutt mit, so dass es nicht selten zur Vermurung des Weges kommt. Der Schutt entstammt der unmittelbar darüber gelegenen schrofigen Wandflucht (Station 12). Lieferant ist der Hauptdolomit, eine monotone Folge von Dolomitsteinen; im oberen Abschnitt treten Kalksteinbänke auf, die den Faziesübergang zum Plattenkalk anzeigen. Der Hauptdolomit stellt das neben dem Wettersteinkalk bedeutendste Gestein des betrachteten Raumes dar. Er bildet den Sockel des Eibsee-Plateaus und baut (zum wesentlichen Teil) die Höhenrücken im Westen und Norden des Sees auf. Seine Mächtigkeit beträgt im hiesigen Gebiet 800–1000 m. Charakteristisch ist die intensive Zerklüftung des Gesteins, die die typische Brüchigkeit verursacht und zu kantigkleinstückigem Zerfall führt. Deshalb dominiert im Hauptdolomit Schrofengelände und es fallen beträchtliche Schuttmassen an.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 16: Weiherkopf

Hier, fast 50 Höhenmeter über dem felsigen Süd-Ufer des Sees, besteht ein auffallender Unterschied zur vorherigen steilen, meist trockenen Schutthalde: flacheres Gelände, dichter Bewuchs, feuchte Lehmböden, zahlreiche Quellen und Wasserläufe. Ursache hierfür ist das Auftreten tonreicher, leicht verwitternder, wasserstauender Gesteine: am Weg Kössener Schichten, zwischen Weg und Seeufer Malm- und Neokom-Aptychenschichten (siehe auch Station 12). Der Untergrund ist sehr labil (siehe unten), so dass an einer Stelle schon der gesamte Weg abrutschte.

Bei den Kössener Schichten handelt es sich um eine Wechselfolge von Kalken und Mergeln. Kennzeichnend ist der hohe Reichtum an Fossilien, vor allem an Muscheln und Brachiopoden. Das stets vorkommende Mineral Pyrit (FeS2) verursacht nach Oxidation zu Eisen-III-Verbindungen die für die Kössener Schichten ebenfalls typische gelbliche bis rostbraune Anwitterungsfarbe. Aus der Verwitterung der Mergel gehen mächtige Lehmdecken hervor. Ihr hoher Tongehalt bedingt die charakteristischen hydrologischen und geomorphologischen Merkmale der Kössener Schichten: Sie fungieren als Wasserstauer, was zum Auftreten vieler kleinerer Quellen und (in flacheren Lagen) zu Versumpfung führt. In Hanglage besitzen sie starke Neigung zu Blaikenbildung und zu Rutschungen. Das Gestein ist meist von Schutt überdeckt und nur fleckenhaft aufgeschlossen. Seine Mächtigkeit beträgt im betrachteten Gebiet 180–200 m.

Die Aptychenschichten des Malms bestehen aus dünnbankigen bunten Kalken, die des Neokoms aus grüngrauen Mergelkalken und Mergeln. Erstere bilden Schrofengelände und in Gräben Wasserfallstufen, Letztere Ausraumzonen mit sumpfigen Lehmböden (Wasserstauer). Die Mächtigkeit dieser Gesteinsserien beträgt am Eibsee-Südufer jeweils 15 m. Bildungsraum war in beiden Fällen die küstenferne Tiefsee.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

Station 17: Schöngänge

Hier liegt ein ausgedehnter Schwemmkegel, der sich als Delta in den See vorgebaut hat. Über eine Länge von rund 400 m findet sich breiter, glatter Kies-Strand mit konvexer Uferlinie. Die Komponenten des Kieses bestehen aus hellem Wettersteinkalk und sind kantenrund bis leicht gerundet. Der Bachlauf, der diese Schotter- Ablagerung aufgeschüttet hat, fehlt heute. Von der Spitze des Schwemmkegels führt ein Trockental über die ehemalige Seealm hinauf bis zum Fuß der hohen Wandflucht unter dem Bayerischen Schneekar (darin verläuft die Skipiste Riffelriss–Eibsee). Vermutlich waren es Starkregen-Ereignisse katastrophalen Ausmaßes, die den Abgang riesiger Muren aus den Wänden herunter bis zum See ausgelöst haben. Die Bergsturz-Trümmermassen wurden dabei überschüttet. Die Existenz von schottergefülltem Trockental und Schwemmkegel weist auf Klimabedingungen (nach dem Bergsturz- Ereignis, also in den letzten 3700 Jahren) hin, die sich von den heutigen deutlich unterscheiden.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth               

Station 18: Frillensee

Der Name des Sees rührt von Frille oder Elritze (Phoxinus phoxinus) her, einem kleinen Süßwasser-Fisch. Das Ufer des bei mittlerem Wasserstand maximal rund 5 m tiefen Sees wird weitestgehend aus Bergsturz-Blöcken gebildet; nur im jenseitigen Südost-Zipfel des Sees erscheint eine helle Kiesbank, wobei es sich um Schotter handelt, der von einem kleinen Bach aufgeschüttet wurde (vergleiche Station 17). Zur Entstehung und Hydrologie des Sees gilt analog das bei Station 11 Mitgeteilte: Der Bergsturz hat den See vom ursprünglichen Eibsee-Becken abgetrennt. Wie bei den Kleinseen am Nordufer des Eibsees steht der Frillensee mit dem Hauptbecken in unterirdischer hydraulischer Verbindung und weist deshalb stets dieselbe Wasserspiegelhöhe wie der Eibsee auf; aus gleichem Grund variiert sein Wasserstand ebenso stark wie der des Eibsees.

Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth                

Infomaterialien

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Grainau

Broschüre „Geologische Wanderung durch Grainau“

Niederbronn-les-Bains: Circuit de randonnée des carrières (F)

Unterwegs zu den Rothbacher Steinbrüchen.

Verlassen Sie Niederbronn-les-Bains mit dem Auto und folgen Sie dann der Richtung Oberbronn. Durchqueren Sie die Dörfer Oberbronn, Zinswiller, Offwiller und Rothbach.

Zu Fuß dem roten Ring folgen: Ebenung – Winkelberg – Carrière Adam – Grab des französischen Soldaten von 1870 – Carrière Loegel – Carrière Rauscher.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Steinbruchweg in Niederbronn-les-Bains

Keine Infomaterialien vorhanden.

Textquellen

Husseren-les-Châteauex: Sentier des Carrières (F)

Der „Steinbruchweg“ verläuft zwischen dem Parkplatz des Klosters „Marbach“ und dem Parkplatz der „Drei Schlösser“.

Entlang der Wegstrecke informieren mehrere Infotafeln über die Besonderheiten der Steinbrüche und die Funktionalität des Waldes.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Husseren-les-Châteaux

Faltblatt „Découvrir Le Sentier des Carrières“

Textquellen

Faltblatt „Découvrir Le Sentier des Carrières“

Garmisch-Partenkirchen: Geomorphologischer Lehrpfad „Reintal“

Der Geomorphologische Lehrpfad führt vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen mit einem Höhenunterschied von 2.230 Metern über eine Distanz von ca. 22 Kilometern auf den Gipfel der Zugspitze. Die Haltepunkte entlang der Wegstrecke sind mit kleinen orangefarbenen, quadratischen Tafeln gekennzeichnet.

An 11 Haltepunkten wird über die landschaftsgeschichtliche Entwicklung des Reintals zwischen der Partnachklamm und dem Zugspitzgipfel informiert. Der Schwerpunkt des Lehrpfades liegt im Reintal selbst und auf den alpinen Prozessen, die das Reintal seit dem Ende der letzten Kaltzeit bis heute prägen und stetig verändern.

Bei der Bockhütte erreicht die Via Alpina-Etappe R45 den Lehrpfad und folgt ihm fortan bis zur Reintalangerhütte.

Die Stationen 2 bis 7 des Geomorphologischen Lehrpfads informieren über Wildbäche (Partnach), Muren und Steinschlag. Besonderheiten sind dabei der Bergsturz „Steingerümpel“ und die „Vordere Blaue Gumpe“. Dieser um das Jahr 1800 durch einen Bergsturz aufgestaute See – einst das landschaftliche Juwel des Reintals – wurde im August 2005 während eines zweitägigen Unwetters vollständig verfüllt.

Kurz vor der Reintalangerhütte quert die Via Alpina eine späteiszeitliche Endmoräne („Reintalanger-Stand“). Im Gegensatz zum heutige Schneeferner, der das oberste Zugspitzplatt bedeckt, reichte der Lokalgletscher im Reintal („Partnachgletscher“) vor etwa 11.000 Jahren noch bis hier herab.

Buch-Tipp

Zum Lehrpfad ist ein ausführliches Begleitbuch erhältlich:

(Götz, Joachin & Schrott, Lothar: Das Reintal – Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze; Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 2010.

Wegstationen
Station 1: Die Partnachklamm

Bayerns schönste Geotope Nr. 16

Die Partnachklamm

Die Partnachklamm ist eine der eindrucksvollsten Klammen in den bayerischen Alpen.
Auf einer Länge von 700 Metern durchschneidet sie mächtige Gesteinslagen am Fuß des Wettersteingebirges. Die Wände der Klamm reichen bis zu 86 Meter in die Höhe. Der namensgebende Fluss – die Partnach – entspringt im Reintalanger und ist eine der größten Karstquellen der Bayerischen Alpen. Sie wird vor allem durch Schmelzwasser des Schneeferners, dem Rest eines eiszeitlichen Gletschers auf dem Zugspitzplatt, gespeist.

Beschreibung

Wie alt sind die Gesteine, in die sich die Partnach einschnitt?

Der „Alpine Muschelkalk“ (hier Reifling- und Steinalm-Formation) ist in der Mittleren Trias (genauer: im Anis und Ladin) vor etwa 245 Millionen Jahren in einem flachem Meer und am Rand eines Ozeanbeckens abgelagert worden. Ein charakteristisches Merkmal der Steinalm-Formation sind die dickbankigen, stellenweise geklüfteten, hellgrauen Kalksteine während die Kalk- und Kalkmergelsteine der Reifling-Formation schmale, dunkle und oft grasbewachsene Terrassenbänder in den Wandabbrüchen hinterlassen.
Die darüber liegenden weicheren Schichten der Partnach-Formation bestehen aus dunkelgrauen Mergelsteinen und Tonschiefern mit einzelnen Kalkbänken. Entstanden sind sie vor etwa 235 Millionen Jahren im gleichen Meeresbecken wie der „Alpine Muschelkalk“.

Wie entstand die Partnachklamm?

Im Verlauf der alpinen Gebirgsbildung wurden die Gesteine gefaltet und im Bereich der Partnachklamm als so genannter Wamberger Sattel herausgehoben. Im Kern des Sattels quert die Klamm die harten Kalksteine des „Alpinen Muschelkalks“ (Reifling- und Steinalm-Formation). Nach dem Rückzug des Eises im Bereich von Graseck vor ca. 12.000 Jahren, hatte die Partnach noch genügend Zeit, um sich in die harten Kalkbänke einzuschneiden, wodurch die eindrucksvolle Partnachklamm entstanden ist. Nördlich und südlich der Klamm fließt die Partnach durch die jüngeren Schichten der Partnach-Formation. Hier konnte die Partnach aufgrund der weicheren Gesteine ein deutlich breiteres Flussbett anlegen.

Häufig bilden sich Klammen an Geländestufen, die durch die unterschiedlich starke Eintiefung von Haupt– und Nebentälern entstanden. Flüsse überwinden diese Höhenunterschiede zunächst als Wasserfälle und schneiden sich im Laufe der Zeit in das Gestein ein. Bei starkem Gefälle, hoher Fließgeschwindigkeit und hartem Gestein entsteht so die typische Talform der Klamm.

Felsstürze in der Klamm

Am 1. Juni 1991 brachen ca. 5.000 Kubikmeter Gestein aus der westlichen Felswand am Südende der Klamm heraus und bildeten einen 15 Meter hohen Wall. Durch die Sturzmasse wurde die Partnach zu einem See aufgestaut, der nach kurzer Zeit verlandete.
Im März 2003 erfolgte während der regulären Frühjahrssperrung im nördlichen Teil der Klamm ein erneuter Felssturz mit einem Volumen von ca. 500 Kubikmetern.

Tal–Schlucht–Kerbtal

Die wesentlichen Faktoren bei der Talbildung sind die Beschaffenheit des Gesteins und Gefälle. Im Bereich von Flussabschnitten mit großem Gefälle dominiert die Tiefenerosion der Flüsse. Bei abnehmender Härte des Gesteins – und damit zunehmender Seitenerosion – bildet sich ein breiteres Tal. Die charakteristischen Talformen wie a) Klamm, b) Schlucht oder c) Kerbtal entstehen bei der Erosion in härteren Gesteinen.

Bedeutung von Partnach und Klamm

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Partnach als Triftbach benutzt. Bäume aus den umliegenden Wäldern wurden zersägt und mit dem „Hausmarch“, einem Erkennungszeichen des Eigentümers, versehen. Im Frühjahr bei Schmelzwasser wurde das Holz in den Bach geworfen, der dieses dann talabwärts transportierte. Das Triften verlor erst in den 1960er-Jahren seine Bedeutung. Die Partnachklamm wurde bereits 1912 zum Naturdenkmal erklärt.

Heute ist die Partnachklamm mit jährlich über 200.000 Besuchern eine Touristenattraktion 1. Ranges.

 

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Station 2: Die Partnach

Das Reintal wird durch die Partnach entwässert, die bei Garmisch-Partenkirchen in die Loisach mündet, welche über die Isar und die Donau in das Schwarze Meer entwässert.

Typisch für einen Wildbach zeichnet sich die Partnach durch ein hohes Gefälle und eine jahreszeitlich stark schwankende Wasserführung und Sedimentfracht aus.

Das Quellgebiet der Partnach liegt am Zugspitzplatt, wo sie das Wasser aus einem weit verzweigten und räumlich abgeschlossenen, unterirdischen Karstsystem bezieht. Nach dem Quellaustritt (siehe Station 8) fließt sie, mit Ausnahme des kurzen Abschnitts zwischen der Bergsturzmasse „Steingerümpel“ und der „Vorderen Gumpe“ überwiegend oberirdisch. Im Bereich der „Hinteren Gumpe“ führt das geringere Gefälle zur Ausbildung eines verzweigten Flusssystems.

Station 3: Schutthalden und Murkegel

Hier ereigneten sich in den letzten Jahren mehrfach Steinschläge und Murabgänge, die einen durchgängigen Materialtransport aus den Felswänden über die Schutthänge bis in das Flussgerinne verursachen. Dieser Bereich wurde im Rahmen von Forschungsarbeiten besonders intensiv untersucht und die bewegten Gesteinsmassen und -volumina bestimmt.

Für die Murabgänge wurden Geschwindigkeiten bis 60 km/h berechnet, die Feststoffanteile betragen 30 bis 60%. Sekundäre Steinschläge überwiegen die primären um ein Vielfaches. Remobilisierende Muraktivitäten überwiegen den Sedimenteintrag durch Steinschlag auf diesem Schutthang deutlich.

Station 4: Die Vordere Gumpe

Die Vordere (Blaue) Gumpe, das ehemalige „Juwel im Wetterstein“, entsatand in Folge eines Bergsturzes, dessen Sturzmassen das Reintal abdämmten. Hinter dem natürlichen Damm wurde die Partnach zur „Blauen Gumpe“ aufgestaut. Im Laufe der Zeit wurde die Gumpe kontinuierlich mit Sedimentfracht verfüllt und fiel in den Sommern nach längeren Trockenperioden trocken.

Ein Extremhochwasser am 22. und 23. August 2005 verfüllte das Seebecken innerhalb weniger Stunden vollständig. Ein Dammdurchbruch führte im Talabschnitt darunter zu einer Flutwewelle, die im Wald und an den Wanderwegen große Schäden verursachte.

Has Hochwasserereignis veränderte durch Materialumlagerungen auch die gesamte Gerinnemorphologie der Partnach. Seitdem der Gumpen nicht mehr als Sedimentfalle fungiert wird zunehmend mehr Sediment weiter ausgetragen.

Station 5: Der Bergsturz Steingerümpel

Vor ca. 500 Jahren stürzten ca. 2,8 Millionem m³ Fels aus der gegenüberliegenden Nordwand des Höhlenkopfes. Durch den Bergsturz änderte sich das Erscheinungsbild des Reintals drastisch. Die Sturz- und Rutschmassen stauten die Partnach zu einem See auf, wodurch große Sedimentmengen im Bereich der „Hinteren Gumpe“ abgelagert wurden, die seitdem kontinuierlich aufgefüllt wurde und schließlich verlandete und heute eine Schwemmebne bildet.

Das Sturzmaterial besteht aus Wettersteinkalk. Ursächlich für die „Sturz- und Rutschanfälligkeit“ sind Schwächezonen im Wettersteinkalk (Schichtung und Klüftung) sowie das Schichteinfallen an beiden Talflanken zur Talmitte hin (tektonische Muldenstruktur). Das Abrutschen bzw. Abgleiten von mehrfach vorhandenen „gekappten Schichten“ ist nur eine Frage der Zeit.

Die Massen wurden stürzend und gleitend insgesamt bis zu einem Kilometer weit transportiert. Der „Bergsturz Steingerümpel“ war neben dem vermutlich spät- bis postglazialen Bergsturz am Oberen Anger (Station 9) das größte nacheiszeitliche Einzelereignis im Reintal.

Station 6: Die Hintere Gumpe

Die „Hintere Gumpe“ zeigt lehrbuchhaft alpine Formen. Mur- und Lawinenbahnen, Schuttkegel und die Schwemmebene der Partnach zeugen von intensiver Sedimentation in der Gegenwart. Die Prozesse, die zum Auf- und Abbau dieser Formen beitragen sind hier offenkundig.

Damit ist die „Hintere Gumpe“ auch ein Paradebeispiel für den Aktualismus bzw. das Aktualitätsprinzip als wichtigste Grundlage zur Interpretation aller geologischen Geschehnisse in der Geologie. Die Theorie des Aktualismus geht von der stetigen Gültigkeit der physikalischen, chemischen und biologischen Gesetze aus und folgert, daß die geologischen Prozesse der Vergangenheit in vergleichbarer Weise wie heute abgelaufen sind. Als Begründer des Aktualismus gilt Ch. Lyell (1797-1875), der an die wegweisenden Arbeiten von J. Hutton (1788) und C.E.A. von Hoff (1822) anschloß und als erster die Beobachtung der heutigen geologischen Vorgänge als einzige Erfahrungsquelle für die Vergangenheit ansah.

Die „Hintere Gumpe“ entstand durch den Bergsturz Steingerümpel (Station 5), der das Reintal abdämmte und die Partnach zu einem See aufstaute. Durch die dadurch abnehemende Fließgeschwindigkeit der Partnach wurden im Tal oberhalb des Bergsturzes große Sedimentmengen abgelagert, bis der See im Laufe der Zeit verlandete und eine Schwemmebene (Alluvion) zurückblieb. Die abnehmende Fleießgeschwindigkeit führte zur Ausbildung eines  verzweigten Flusssystems, in dem sich die einzelnen Flussarme in Abhängigkeit der Niederschläge/Wasserführung spontan und schnell verlagern. Im englischen Sprachraum wird ein solches verzweigtes Flusssystem als „braided river“ bezeichnet.

Die maximale mächtigkeit der fein geschichteten Ablagerungen konnte durch geophysikalische Messungen auf ca. 15 m bis 17 m bestimmt werden. Eine Altersdatierung organischer Bestandteile in Bohrungen lässt auf das sehr junge Alter der „Hinteren Gumpe“ schließen und damit auch des Bergsturzes Steingerümpel (500 Jahre).

Die „Hintere Gumpe“ umfasst eine ca. 84.000 m² große Fläche. Das Volumen wurde auf ca. 900.000 m³ bestimmt. Aus der Mächtigekit der Ablagerungen (15 m9 lässt sich eine Sedimentationsrate von 1,8 bis 3,4 cm/Jahr ableiten.

Station 7: Späteiszeitlicher Moränenstand

Nach dem Abschmelzen der Gletscherströme, die am Höhepunkt der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren (Würm-Eiszeit), vom Inntal kommend, um das Wettersteinmassiv herum bis weit in das Alpenvorland vorgestossen sind, prägten in der Zeit vor 13.000 bis 10.000 Jahren hur noch lokale kleinere Gletscher die Alpentäler. Diese stießen in kälteren Phasen weiter vor und lagerten dabei Geschiebe als Moränenwälle ab. Die Wegstation erläutert den „Reintalanger-Stand“ in der Dryas, vor ca. 11.000 Jahren, einen besonders markanten spätglazialen Gletscherstand im Reintal. Die Bezeichnung „Dryas“ geht auf die „Weiße Silberwurz“ (Dryas octopetala) zurück, die damals in Deutschland und Skandinavien weit verbreitet war.

Anmerkung: Der Talboden des Reintals besteht zu ca. 1% aus Moränenmaterial, vermutlich aber deutlich mehr, da weite Bereiche von jüngeren Sedimenten überdeckt sind.

 

Station 8: Am Partnachursprung

Das Einzugsgebiet des Partnachursprungs, das Zugspitzplatt, ist das höchstgelegene Karstgebiet in Deutschland. Die Entwässerung erfolgt weitgehend unterirdisch. Am Partnachursprung erfolgt durch die wasserstauende Wirkung der unter dem Wettersteinkalk ausgebildeten tonig-mergeligen Partnachschichten, begünstigt durch die Lage am Kreuzungspunkt zweier Störungen, ein Wasseraustritt an der Oberfläche. Durch Markierungsversuche konnte nachgewiesen werden, dass das Zugspitzplatt ein in sich abgeschlossenes Einzugsgebiet  (ca. 8 km²) mit nur diesem einen Quellaustritt bildet. Das System reagiert sehr schnell auf Niederschlag und Schmelzwasserabfluss. Die Quelle wird auch durch die beiden kleinen Gletscher des Nördlichen und Südlichen Schneeferner gespeist.

Das hufeisenförmig ausgebildete Zugspitzplatt entwässert nach Osten, wo Störungen den Karstkörper begrenzen. Dort wird das Wasser hydraulisch gezwungen aufzusteigen, die Partnachquelle ist der einzige Ausfluss an der Oberfläche.

Das Abflussverhalten und die Hydrologie des Prtnachursprungs wird seit 1996 von den Universitäten Augsburg und Halle untersucht. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers im Untergrund wurde bei einem einjährigen Markierungsversuch 2005/2006 auf 170 Meter pro Stunde bestimmt, was auf ein gut entwickeltes Kluft- und Höhlensysten rückschließen lässt.

Station 9: Am Oberen Anger

Der „Obere Anger“ ist der Talabschluss es Reintals. Hier ist eine Vielzahl geomorphologischer Prozesse und Formen erkennbar. Lawinen, Steinschläge, Felsstürze, Murgänge und fluviatile Prozesse trugen auch in jüngerer Vergangenheit zu einer regelmäßigen Umgestaltung. In direkter Nachbarschaft zu wohl mächtigsten Bergsturzablagerung im Reintal ereignete sich hier am 06. Mai 1920 ein zweiter größerer Bergsturz, der von Kurt Leuchs beobachtet werden konnte.

Zuerst kam es zu einer Abspaltung großer Teile der Felswand, die dann kollabierten und auf die unteren Hangbereichee stürzten. Zu deisem Zeitpuunkt lag hier Schnee, der zusammen mit dem lockeren Gesteinsmaterial einen Schuttstrom bidete, der sich am Talboden des Oberen Angers ablagerte. Als Auslöser des Bergsturzes wird in Spalten eingedrungenes und später oberflächennah gefrierendes Niederschlagswasser angesehen, das im Felsinnern zu einem überkrischen Anstieg des hydrostatischen Drucks führte, der die Ablösung der Sturzmassen verursachte.

Station 10: Das Zugspitzplatt - Gletscherstände und Karstphänomene

An das ehemals komplett vergletscherte Zugspitzplatt erinnern heute nur noch der Nördliche und ein Rest des Südlichen Schneeferners. Das Abschmelzen der Gletscher führte zu einer Vielzahl von Reliefformen (glaziale und postglaziale „Kleinformen“, die der großen „tertiären Altform“ aufsitzen.

Die Löslichkeit des Wettersteinkalkes bewirkte im Untergrund die Ausbildung eines alpinen Karstsystems, welches das gsamt Zugspitzplatt nach Osten entwässert. Die Karstformen an der Oberfläche sind deutlich jünger als die unterirdischen Formen.

Das Zugspitzplatt ist eine hochalpine Ebene, die vor ca. 25 Millionen Jahren angelegt wurde, die Taleintiefung entwickelte sich vor ca. 10 Millionen Jahren.

Station 11: Felspermafrost an der Zugspitze

Die Zugspitze ist mit 2.962 m nicht nur Deutschlands höchster Gipfel, sie ist auch dessen einziger hochalpiner Gipfel, der technisch erschlossen und intensiv bebaut ist. Dadurch entsteht ein Gefährdungspotential, das eine genauere Betrachtung des Permafrostes erforderlich macht. Gleichzeitig erleichtert die Infrastruktur den Zugang für Forschungsarbeiten. Ein weiterer Vorteil für die Permafrostforschung an der Zugspitze ist die Tatsache, dass der Deutsche Wetterdienst dort bereits seit dem Jahr 1900 Wetterbeobachtungen aufzeichnet. Der Ausbau des Schneefernerhauses zur Umweltforschungsstation (UFS) im Jahr 1999 legte es nahe, die Permafrostuntersuchungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU Bayern) mit der UFS zu verknüpfen.

Forschungsbohrung

Das LfU hat im Jahr 2007 mit Mitteln des Bayerischen Umweltministeriums zwei Bohrungen quer durch den Gipfelkamm veranlasst. Eine davon hat den Rücken auf 44,5 m Länge vollständig durchbohrt. Diese Bohrungen dienen zur Beobachtung von Temperaturänderungen im Permafrost und wurden dafür mit Messsonden bestückt. Die bisherigen Messergebnisse zeigen, dass die Temperatur im Berginneren in den letzten zehn Jahren um etwa 0,4 Kelvin angestiegen ist; die Auftauzone liegt derzeit von Süden her bei ca. 16 m, an der Nordwand bei ca. 3 m. Um Aussagen zu langfristigen Tendenzen vornehmen zu können, wurde anhand der im Beobachtungszeitraum gemessenen Daten ein neu entwickeltes Computermodell kalibriert. Mit Hilfe dieses Modells erfolgten eine Berechnung der Entwicklung des Permafrosts in den letzten hundert Jahren sowie eine Projektion der möglichen weiteren Entwicklung bis Ende des Jahrhunderts. Die Messungen sind langfristig angelegt und werden weiter fortgesetzt.

Beobachtung der Temperaturentwicklung

Die Temperatursensoren zeigen die jahreszeitlichen Veränderungen gut auf. Das jährliche Temperaturmaximum im Berginneren wird um ca. 6 Monate verzögert erst im Januar beobachtet. Grund hierfür ist die Wärmeleitfähigkeit des Gesteins. Der bisherige Beobachtungszeitraum lässt bereits eine erkennbare Tendenz für eine Zunahme der Gesteinstemperaturen und somit eine Reduzierung des Permafrosts erkennen.

Das Einsetzen der winterlichen Abkühlung im Berginneren verschiebt sich aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit des Gesteins (Wettersteinkalk) um über ein halbes Jahr. Die Minimaltemperatur von -1,8 bis -2,15°C im Zentrum des Zugspitzgipfels wird erst im Juli erreicht, das Temperaturmaximum von – 1,3 bis -1,6°C wird dagegen im Januar verzeichnet.

Modellierung und Ergebnisse

Die Berechnungen legen nahe, dass die Erhöhung der Umgebungstemperatur an der Zugspitze von etwa 1,6 K in hundert Jahren (gleitender zehnjähriger Durchschnitt 1915 bis 2015) bereits eine deutliche Reduzierung des Umfangs des Permafrosts im Zugspitzgipfel bewirkt hat. Demnach ist der Permafrost entlang der Bohrstrecke in hundert Jahren von 34 Meter Gesamtlänge im Jahr 1915 auf 24,5 Meter im Jahr 2015 zurückgegangen. Die bis Ende des Jahrhunderts projizierte weitere Erhöhung der Umgebungstemperaturen lässt bei einer Fortsetzung des derzeitigen Trends ein Verschwinden des Permafrosts an der Zugspitze ab dem Jahr 2040 erwarten.

Weitere Untersuchungen

Von 2008 bis 2011 fanden im Rahmen des EU-Projektes PermaNet weitere Untersuchungen zum Permafrost statt. Die Zugspitze wurde dabei als einer der Referenzstandorte gewählt. Im Umfeld des Gipfels fanden ergänzend zu den Bohrungen Messungen der Temperatur im oberflächennahen Fels statt. Auf der Basis der dort gewonnenen Ergebnisse hat die Universität Zürich für die Bayerischen Alpen eine Karte der Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von Permafrost erstellt. Zusätzliche Untersuchungen im Zugspitzgebiet erfolgen weiterhin im sog. Kammstollen durch die TU-München, Lehrstuhl f. Ingenieurgeologie. Dieser Stollen führt von der ehemaligen Tiroler Bergstation zum Schneefernerhaus und verläuft teilweise in Permafrostbereichen.

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Infomaterialien

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Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze

Keine Infomaterialien vorhanden.

Textquellen

Götz, Joachin & Schrott, Lothar: Das Reintal – Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze; Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 2010.

Frauenweiler: Geologische Wanderung

Die Wanderung im Grenzbereich der Gemarkungen Frauenweiler und Rauenberg informiert über lokale Aspekte zu den Themen Geologie, Hydro(geo)logie, Bergbau, Erdölförderung, Steinbruchbetrieb und Tonabbau (mit einer herausragenden Fossilienfundstätte) sowie zur Archäologie und Naturkunde.

Und all dies auf sehr engem Raum. Eine sehr besonderere Gegend.

Die Rundwanderung wurde von dem Geologen Dr. Ludwig H. Hildebrandt aus Wiesloch konzipert und ausgearbeitet und im Juli 2012 in der Festschrift „75 Jahre Frauenweiler“ veröffentlicht. Dort wurden auch die im folgenden aufgeführten Beschreibungen der Wegstationen entnommen.

Wichtiger Hinweis: An den Wegstationen gibt es vor Ort KEINE Infotafeln. Die Beschreibungen können also nur der Original-Veröffentlichung (mit Fotos) oder den von dort entnommenen Beschreibungen auf dieser Seite entnommen werden.

Wegstationen
Station 1: Kehrgraben

Schon im Jahr 1697 wird der „Cantel“ genannt, ein Wiesenwässerungsgraben, der auf der Höhe der heutigen Stadtwerke Wiesloch vom Leimbach abzweigte und unterhalb des heutigen Sandpfadweges gen Süden verlief. Südlich der ehemaligen Sandgrube Kälberer mündete er in den ca. 50 m weiter westlich verlaufenden Kehrgraben. Letzterer wurde im Rahmen der „Meliorationsarbeiten“ während des Dritten Reiches 1934 als Entwässerungsgraben vertieft und bis zum Kraichbach bei Rot geführt.

Hydrologisch besteht eine Besonderheit darin, dass er gen Süden, also entgegen der Fließrichtung des Rheins gerichtet ist. Dementsprechend sind Gefälle und Fließgeschwindigkeit sehr gering, und er neigt deshalb zu Überschwemmungen. Ökologisch ist dies jedoch von Vorteil, denn er bietet vielen Feuchtgebiets-Pflanzen und Wassertieren eine Heimat. So findet sich z.B. im Südteil die seltene Wasserfeder (Hottonia palustris), und auch diverse gefährdete Amphibien und Libellen kommen vor. Deshalb wurde das Gebiet 1991 unter Naturschutz gestellt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 2: Gärtnersbrunnen

Westlich von Frauenweiler findet sich ein markanter Geländeabfall, der den Übergang zur Rheinebene markiert – die Höhendifferenz beträgt immerhin bis zu 6 m. An diesem Abhang entspringen einige Schichtquellen wie der kräftig schüttende Sandbrunnen weiter nördlich und der so genannte „Gärtnersbrunnen“, die den Kehrgraben speisen. Letzterer ist vermutlich mit dem 1641 und 1697 erwähnten Erlenbrunnen identisch.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 3: Erdölförderung "Unterer Wald"

Die Wenigsten werden es wissen: In den 50er bis anfangs der 60er Jahre des 20. Jh. wurde zwischen Frauenweiler und Rot durch die Wintershall AG Erdöl gefördert. Frühere erfolgreiche Abbauversuche in Forst bei Bruchsal datieren sogar schon in die Mitte der 30er Jahre.

Das erste Rohöl aus Wieslocher Gemarkung floss am 14. Januar 1953 noch mit 40 Tonnen pro Tag von selber aus; später musste gepumpt werden. Westlich von Frauenweiler standen im „Unteren Wald“ mehrere Tiefpumpen, die das Erdöl aus den Schichten des Lettenkeupersandsteins in 650 m Tiefe förderten. Die Gesamtförderung des Erdölfeldes Rot betrug zwischen 1953 und 1962 61.182 Tonnen. Die Verladestation lag ein Kilometer südlich des Bahnhofes Wiesloch-Walldorf.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 4: Autobahn

Die ersten Planungen zu einer Ost-West verlaufenden Autobahnverbindung bestanden schon 1935, realisiert wurde sie jedoch erst Mitte der 60er Jahre. Die A6 ist heue eine der am meisten befahrenen Autobahnen in Süddeutschland und wurde deshalb auch nach und nach sechsspurig ausgebaut.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 5: Orchideen Gabelwiesen

Ein kleiner Halbtrockenrasen birgt im Sommer Überraschungen: Seltene Orchideen wie Ragwurz oder, schon östlich der Landesstraße, die stattliche Bocksriemenzunge. Beim Betreten bitte vorsichtig sein!

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 6: Kohlplatte

Der Flurname „Kohlplatte“ belegt, dass das Gewann früher bewaldet war und im Mittelalter oder der frühen Neuzeit dort ein Standort zur Gewinnung von Holzkohle existierte.

Im Mai 1994 wurden nach dem Abschieben des Oberbodens südlich des Weges einige dunkle Verfärbungen entdeckt, die sich als laténezeitliche (475 v. Chr. bis um Christi Geburt) Gruben herausstellten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 7: Mittelalterliche Keramikfunde südlich der Autobahn

In den 90er Jahres des letzten Jahrhunderts konnten bei diversen Feldbegehungen direkt südlich der Autobahn diverse Keramikbruchstücke aus dem 13. bis 15. Jh. aufgesammelt werden. Mit der Wüstung Frauenweiler (siehe Nr. 16) werden sie kaum etwas zu tun haben, denn diese liegt 700 m weiter nordöstlich.

Möglicherweise stand dort im 13./14. Jh. ein Hof. Ab dem Jahr 1445 wird regelmäßig der so genannte „Geleitwechsel“ zwischen der Kurpfalz und dem Hochstift Speyer an der Straße zwischen Heidelberg und Bruchsal in Verträgen geregelt. Geleit ist das lukrative Recht einer Territorialmacht, Kaufmannszüge und andere Reisende gegen Gebühr mit berittenen Knechten zu schützen. Der Wechselpunkt war der vom Standpunkt 200 m weiter südlich liegende Kaltbach (heute Kahlbach). Es kann vermutet werden, dass die späteren Keramikfunde mit einer Unterkunft der kurpfälzischen Geleitsknechte zusammenhängen könnten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 8: Tongrube Unterfeld

Vor 31 Millionen Jahren bestand im Rheingraben ein großer Meeresarm von Basel über Frankfurt bis in die Nordsee. Das Klima war subtropisch, da Frauenweiler damals auf der geografischen Breite von Rom lag. Am Meeresboden herrschte zeitweise Sauerstoffarmut, so dass die abgestorbenen Lebewesen im Tonschlamm sehr gut konserviert wurden. Der Ton wiederum wurde ab 1978 bis in die 90er Jahre des 20. Jh. von der Fa. Bott in der Tongrube „Unterfeld“ zur Ziegelproduktion abgebaut.

Aus den Fossilfunden wissen wir, dass das Meer sehr fischreich war – von Heringen über Thunfische bis hin zu großen Haien. Aber auch Vögel wie z.B. der älteste Kolibri der Welt oder das komplette Skelett einer Seekuh konnten geborgen werden. Die Funde sind weltweit so einzigartig, dass die Grube Unterfeld schon mit dem Weltkulturerbe „Grube Messel“ verglichen wird, die jedoch knapp 20 Millionen Jahre älter ist.

Die Tongrube gehört heute komplett zu Rauenberg; dies war aber nicht immer so: Bis zum Abschluss der Flurbereinigunglm Jahre 1998 lag die nördliche Hälfte der Grube auf der Gemarkung Wiesloch-Frauenweiler. Da hauptsächlich dort die sensationellen Fossilfunde gemacht wurden, findet man in Fachveröffentlichungen noch häufiger die nicht mehr ganz korrekte Bezeichnung „Tongrube Frauenweiler“.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 9: Ausgleichsfläche Hutäcker

Für den Laien manchmal etwas trostlos aussehend ist die „Ausgleichsfläche Hutäcker“ ökologisch doch sehr wertvoll. Seltene Amphibien (Laubfrosch) und Vögel haben hier ihr Zuhause. Teile des Areals werden wechselweise gemäht, um die speziellen Lebensbedingungen der Arten zu erhalten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 10: Feldkreuz in den Zinsäckern

Auf der zum Hochstift Speyer gehörigen Gemarkung Rauenberg waren früher Feldkreuze als Manifestation des katholischen Glaubens sehr häufig. Ein Liste von 1743 nennt 2 Kapellen, 3 Holzkreuze und 4 Steinkreuze in der Flur; drei weitere Steinkreuze kamen später noch hinzu, wie auch das in den Zinsäckern. Es wurde von dem aus einer alteingesessenen Küferfamilie stammenden und späteren Schultheißen Jacob Weiskapp sowie seiner Frau Catharina geb. Woll im Jahr 1763 errichtet.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 11: Kurbrunnen

Geologisch gesehen ist der Kurbrunnen eine Verwerfungsquelle. Östlich liegt Unterer Keuper der Trias, westlich tertiärer Foraminiferenmergel und Fischschiefer. Letztere sind gegenüber der Ostscholle um über 900 m abgesunken. Das Wasser ist reich an Natriumchlorid, Calciumcarbonat, Kohlensäure und Schwefelwasserstoff und erfüllt die heutigen Anforderungen der „Mineralquellenverordnung“, die der Anerkennung als Heilwasser aber nicht zumindest nach der zwischen 1858 und 1868 zu datierenden Analyse von Georg Philipp Bronner, dem Sohn des Apothekers und Weinbaupioniers Johann Philipp Bronner.

Zwar wird der Kurbrunnen erst Ende des 18. Jh. schriftlich erwähnt, die Nutzung dürfte aber bis in das Mittelalter hinabreichen. Man kann für das frühe 15. Jh. eine Wallfahrt erschließen und im Jahr 1459 ritt der Speyerer Bischof Johannes II. nach Frauenweiler um in der dortigen Kirche zu beten – alles wohl Hinweise auf den „heilsamen Ruf“ der Quelle.

1767 wird der Brunnen erstmals aktenkundig: Kurfürst Carl Theodor hatte von der Heilwirkung erfahren und befahl weitere Untersuchungen. Zwei Jahre später sollte ein „Pavillon mit Wächterhäuslein“ errichtet und das abgefüllte Wasser sogar in Mannheim in Krügen verkauft werden. Das Projekt schlief aber ein und wurde erst 1776 realisiert. Das Aufkommen von anderen Badeorten (Langenbrücken, Zaisenhausen), der Übergang von Wiesloch an das Großherzogtum Baden und diverse mutwillige Zerstörungen ließen nie einen richtigen Badebetrieb aufkommen. Allerdings wurde das Wasser zu Trinkkuren bis etwa 1930 noch genutzt.

Bei der Anlage des Gänsberg-Bergwerks wurde im Herbst 1953 die Rheingraben-Hauptverwerfung angeschnitten und der Kurbrunnen versiegte. Unverständlicherweise schob man anfangs der 60er Jahre die Anlage mit Bauaushub zu; eine in den 90er Jahren angedachte Freilegung der historischen Reste scheiterte am Widerstand der Naturschutzbehörde.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 12: Alter Bachlauf

Im April 2005 wurde bei der Erweiterung der Autobahn auf der Höhe des Gänsberges ein alter, mit kalkfreiem Sand verfüllter Bachlauf angeschnitten – mehr als 20 m über dem heutigen Waldangelbach. Ein fast identisches Bachbett konnte 2010 am Rotschlagweg südlich von Mühlhausen bei der Erbauung der dortigen Umgehungsstraße nachgewiesen werden – 35 m über dem Waldangelbach.

Es handelt sich um ein sehr altes, einige 100.000 Jahre altes Bachsystem, das als Vorläufer des Waldangelbachs angesehen werden muss. Die Gewanne „Aschenäcker“ und „Salzäcker“ am Gänsberg könnten von den sandigen Bachablagerungen ihren Namen haben.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 13: Alter Steinbruch

Schon 1803 wird ein städtischer Steinbruch auf dem Gänsberg erwähnt. Ein Jahr später heißt es, der „Chaussee Director von La Roche zu Bruchsal“ habe auf dem Wieslocher Gänsberg Äcker zur Anlage eines Kalksteinbruchs aufgekauft. Es wurden also Kalksteine des oberen Muschelkalks zur Erzeugung von Straßenschotter abgebaut.

Leider ist er heute völlig zugewachsen. Offene Steinbruchflächen sind wertvolle Biotope für seltene Pflanzen und Tiere; deshalb sollte man sich überlegen, ob die Freilegung des Steinbruchs nicht auch eine ökologische Verbesserung darstellt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 14: Gänsbergschacht

Seit römischer Zeit wurden natürlich mit diversen Unterbrechungen im Raum Wiesloch Blei-, Zink- und Silbererze abgebaut. Die am Westhang des Gänsberges auftretenden Schlacken einer hochmittelalterlichen Bleigewinnung sind auch in diesem Zusammenhang zu sehen.

Ab 1846 baute die „Stolberger Zink AG“ bzw. ihre Vorgängergesellschaften auf Wieslocher, Nußlocher, Altwieslocher und Baiertaler Gemarkung Erze ab. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Erzqualitäten nachließen, versuchte die Firma im Jahr 1950 durch die Anlage des Gänsberg- Schachtes weit im Süden des Grubenfeldes neue Erzvorkommen aufzufinden. Dieser erhielt eine Teufe von 71 m, und ein weiter südlich gelegener Blindschacht erschloss 1952 eine weitere 87 m- Sohle.

In der Fachwelt wurde das Versuchsbergwerk durch Funde des sehr seltenen Blei-Thallium- Arsen-Sulfides Hutchinsonit und Schwerspat- Stalaktiten bekannt. Die in einigen Vererzungszonen gefundenen, durchaus reichen Blei-Zink- Erze erwiesen sich leider als äußert schwierig zu verarbeiten, da sie stark mit Erdöl imprägniert waren. Deshalb wurden die Arbeiten Ende März 1954 eingestellt und der Schacht mit einer Betonplombe verschlossen.

Der Plan, zum Abschluss der Flurbereinigung nicht wie sonst üblich einen Gedenkstein zu setzen, sondern das Fördergerüst des Gänsberg- Schachtes als Aussichtsturm wieder aufzubauen, fand bedauerlicher Weise 2002 keine Mehrheit im Gemeinderat.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 15: Feldlager auf dem Gänsberg

Mit 158,2 m Höhe ist der Gänsberg der Hausberg (eigentlich eher ein Haushügel) von Frauenweiler. Die erste urkundliche Nennung erfolgte als „Genßberg“ im September 1437. Die Herleitung des Namens ist einfach: Es war der Berg, auf den die Bewohner der Siedlung Frauenweiler ihre Gänse trieben. Aber es existiert eine schöne Sage: Im 17. Jh. wollten fremde Soldaten mal wieder den Gänsberg besetzen. Als sie den Berg hoch stürmten scheuchten sie die dortigen Gänse auf, dachten die weißen Hinterteile gehörten zur Uniform feindlicher Soldaten und flohen.

Tatsächlich diente der Gänsberg im 17. und 18. Jh. für unterschiedlichste Truppen als Feldlager, da man von dort die Rheinebene und auch Wiesloch kontrollieren kann und zugleich schwer angreifbar auf einer Höhe sitzt. Befestigungen haben sich nicht erhalten, aber wenige archäologische Funde wie eine aus Thüringen stammende Silbermünze (24 Kreuzer) der Grafen v. Schwarzburg-Sondershausen von 1620/22 und ein Feuerstein eines wohl gleich alten Steinschlossgewehres belegen die Anwesenheit von Soldaten.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 16: Wüstung Frauenweiler

Wüstungen sind aufgelassene Siedlungsstellen. Man kann versuchen, sie entweder über urkundliche Nachrichten oder archäologische Funde zu datieren. Die erste Erwähnung des mittelalterlichen Frauenweiler ist leider schwierig zu beurteilen, denn sie steht auf einem, an eine Urkunde von 1287 angenähtem Zettel: Dem St. German Stift zu Speyer sind jährlich 2,5 Malter Korn zu Frawenwilre zu geben. Man wird das Ganze wohl in die Zeit um 1290 stellen dürfen. So kommt man zur Frage, wie es zu dem Namen Frauenweiler kam. Da gibt es zwei Möglichkeiten:

a) Die dortige Kirche war der Jungfrau Maria geweiht, was manchmal auch als „unsere liebe Frau Maria“ bezeichnet wurde. So könnte es früh geheißen haben: Der Weiler bei der Kirche der lieben Frau Maria – zusammen gezogen als Frauen-Weiler.

b) Im 15. Jh. hatte das Frauenkloster Lobenfeld großen Besitz in Frauenweiler, der wohl auf Schenkungen im 12. oder 13. Jh. zurück geht. So wäre auch die Benennung „Weiler der Kloster-Frauen“ denkbar. Zur weiteren Geschichte vergleiche man den Beitrag von Helmut Mohr in diesem Heft.

Die Historie der archäologischen Überreste ist leider wenig erfreulich: Gegen 1950 erreichte der Abbau der Tongrube Bott das Gebiet und Vieles ging verloren. Im Herbst 1951 wurde ein teilzerstörter Holzbrunnen gesichtet und deshalb im März 1952 eine kurze archäologische Notbergung durch Paul Stemmermann durchgeführt, wobei undeutliche Reste von Häusern, einem Kachelofen und dem Brunnen dokumentiert werden konnten.

Als im Frühjahr 1970 der Aussiedlerhof Messmer errichtet wurde, geschah dies – ohne es vorher zu ahnen – genau an der Stelle der ehemaligen Kirche von Frauenweiler. Kaum dokumentiert wurden die erstaunlich gut gebauten Fundamente abgeschoben – aber zwei der größten Teile wurden immerhin zu dem noch heute existierenden Denkmal umfunktioniert. Drei Jahre später 78 buddelte ein Hobbygärtner weitere Funde in seinem Schrebergarten aus. Seit über 20 Jahren sucht der Autor ein Feld oberflächlich nach Funden ab – mühsam, aber in der Menge von vielen 1000, meist kleinst zerscherbten Funden mit der Zeit doch erfolgreich:

Die „Frühzeit“ von Frauenweiler ist in diesem Areal geprägt durch vereinzelte Funde des 10. Jh., die man wegen der auftretenden Schlacken einer Bleiverhüttung vermutlich mit dem Wieslocher Blei-Silber-Bergbau in Verbindung bringen kann. Erst ab dem 11. Jh. werden die Funde etwas häufiger, bleiben aber bis zum 14. Jh. immer noch im üblichen Qualitätsbereich eines kleinen Weilers. Ab dem 14./15. Jh. ist ein Aufschwung festzustellen. Es erscheinen nun auch qualitätvollere Dinge wie Glasbecher, Fensterglas, Kachelöfen oder verzierte Keramik. Ab dem späten 15. Jh. tritt glasierte Keramik auf und läuft noch etwas über die Zwangsauflassung der Siedlung von 1526 hinaus, da die Kirche noch länger in Funktion blieb.

Station 17: Sühnekreuz

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit konnte bei einem Todschlagsfall der Täter einer Verurteilung entgehen, wenn er drei Dinge auf sich nahm:

a) Schadenersatz an die Familie des Getöteten

b) kirchliche Buße wie z.B. eine Pilgerreise und

c) die Errichtung eines Sühnekreuzes am Tatort.

Das Steinkreuz von Frauenweiler dürfte aus dem 16. Jh. stammen und wird erstmals 1641 erwähnt.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 18: See Sumpfwiesen "Bottloch"

Schon in den Jahren 1925/26 erfolgten die ersten Geländeaufkäufe durch die Rauenberger Firma Bott, nachdem Bohrerkundungen dort ein gutes Tonlager nachgewiesen hatten. Der Tonabbau zur Herstellung von Dachziegeln und Backsteinen begann im Jahr 1935. Die Gründung des Neudorfes Frauenweiler 1937 bedingte eine Ausrichtung des Abbaus allein gegen Südosten. Gegen 1965 wurde der Abbau eingestellt und der nordöstliche Teil der Grube, der aufgeschüttet und heute bewaldet ist, als Deponie genutzt, der westliche Teil verblieb als Angler- und Badesee. 1993 kam dieser in Verruf, da erhöhte Arsengehalte im Wasser und in Fischen gemessen wurden. Noch heute besteht ein Badeverbot und geangelte Fische dürfen nur für den privaten Verzehr genutzt werden.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Station 19: Tongrube Frauenweilerwiesen, "Silbersee"

Auch hier baute die Rauenberger Firma Bott tertiären Ton ab. Der Beginn des dortigen Tonabbaus soll gegen 1942 geschehen sein. Die Einstellung des Abbaus datiert anfangs der 70er Jahre, ohne dass eine völlige Wiederverfüllung erfolgte. Eine angedachte Nutzung als Baugebiet zerschlug sich. Bald darauf stellte sich eine artenreiche und zum Teil seltene Flora und Fauna ein.

Die Experten streiten sich seit längerem, ob die vielen verschiedenen, dort vorkommenden Orchideen alle natürlich sind, oder angesalbt (angepflanzt) wurden. Egal wie, die seit über 20 Jahren recht stabile Population von u.a. Pyramidenorchis, vielen Knabenkräutern und einigen Stendelwurzen sowie der Mücken-Händelwurz sind außergewöhnlich und hoch schützenswert.

Deshalb: Die Wege bitte nicht verlassen.

Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Eine Wanderung durch den südlichen Flur von Frauenweiler

Auszug aus der Broschüre „75 Jahre Frauenweiler“, herausgegeben im Jahr 2012 vom Stadtteilverein Fruenweiler.

Textquellen

Hildebrandt, Ludwig H.: Eine Wanderung durch den südlichen Teil der Flur von Frauenweiler; in: Festschrift „75 Jahre Frauenweiler“. Herausgeber: Stadtteilverein Frauenweiler e.V., Juli 2016.

Mit freundlicher Genehmigung am 03.09.2023. VIELEN DANK.