Hintergrund
Der Sandbauernweg wurde 1987 von der Gemeinde Sternenfels und dem Naturpark Stromberg-Heuchelberg eingerichtet. Der kulturhistorische Rundweg bewahrt das Wissen über die Sandbauern in Sternenfels, die v.a. im 18. und 19. Jahrhundert Fegesand zum Reinigen der Wohnstuben gewonnen haben.
Der Fegesand stammt von den örtlichen Sandsteinvorkommen. Anfänglich noch lose abgegraben, wurde der mürbe Sandstein schon bald durch Steinhauer in Blöcken abgebaut und zerkleinert und von den Sandbauern in Mühlen gemahlen. In der Hochzeit der Fegesandgewinnung zwischen 1840 und 1880 gab es in Sternenfels ca. 35 Sandmühlen und mindestens 54 Sandbauern.
Der Versuch eines Pforzheimer Juweliers und Tüftlers, im Fegesand enthaltenes Gold um 1818 am Dorfbrunnen mit einer selbst entworfenen Goldwaschanlage zu gewinnen, ergab eine nur sehr geringe, nicht rentable Ausbeute. Die „Goldwaschmaschine“ selbst bewährte sich jedoch. Der Tüftler ging einige Jahre später damit nach Amerika und wurde ein sehr erfolgreicher und wohlhabender Geschäftsmann und Besitzer mehrerer Goldminen. 1830 prägte er den ersten Golddollar, auf der Vorderseite prangt am Rand sein Name: C. Bechtler.
Historischer Startpunkt
Die Wanderung beginnt beim KOMM-IN-Dienstleistungszentrum in der Maulbronner Straße. Parkmöglichkeiten ganz in der Nähe auf dem Wanderparkplatz am Kraichweg und auf dem Parkdeck. Zu den Öffnungszeiten des KOMM-IN kann man dort im Untergeschoß eine alte „Sandmühle“ besichtigen und sich an Schautafeln über das alte Sternenfelser Sandbauerngewerbe informieren.
Wegbeschreibung
Die Wanderung geht zunächst der Maulbronner Straße entlang, am „Expo-Stein“ vorbei zur Straßenkreuzung in der Ortsmitte. Die neun Tonnen schwere und sieben Meter hohen Skulptur des Bildhauers Darko Gol aus Zaberfeld erinnert an die Teilnahme der Gemeinde Sternenfels an der Weltausstellung in Hannover im Jahr 2000.
Auf dem Augenbergweg, vorbei an der Pension „Krone“ führt die Strecke bergauf zum Aussichtspunkt „Augenberg“, wo mehrere Ruhebänke zum Verschnaufen einladen. Eine Panoramatafel informiert über die schöne Rundumsicht.
Durch die Weinberge und Streuobstwiesen geht es hinunter ins Tal des jungen Kraichbachs. Kurz vor dem Freibad biegt der Sandbauernweg nach rechts ab. Wer von dort aus einen kleinen Abstecher machen will, geht ein kurzes Stück am Freibadgelände entlang und kommt zur Kraichquelle. Der Kraichbach (kurz: Kraich) ist Namensgeber des Lanschaftsraumes „Kraichgau„.
Der Sandbauernweg führt weiter auf einem Wiesenweg am Zaun des Wildgeheges vorbei. Dort kann Dam- und Muffelwild beobachtet werden. Dem idyllischen Oberlauf des jungen Kraichbach folgend erreicht man die „Tränk“ im Trinkwald. Der „Trinkwaldsee“, ein kleiner Waldweiher wurde im Rahmen eines Kinderferienprogramms angelegt. Eine Tafel informiert über das Wildgehege, eine Ruhebank lädt zum Verweilen ein.
Den Wanderzeichen des Sandbauernwegs folgend, verläuft die Strecke auf einem Erdweg durch den Wald zum „Herzogenwäldle“. Hier am Waldrand entlang, mit Aussicht über Diefenbach nach Süden, zum Sternenfelser Sportgelände. Mehrere Bänke und ein Pavillon ermöglichen eine Ruhepause.
Nach Überqueren der Landstraße, entlang den Weinbergen und durch den Wald hinauf zum „Sandberger Kopf“. Dort wartet eine Sitzgarnitur, Ruhebänke und eine schöne Aussicht nach Südwesten bis zu den Ausläufern des Nordschwarzwalds und zum Pfälzer Wald.
Über einen Waldpfad kommt man schließlich zu den Sandgruben, dem ehemaligen Abbaugelände des Sternenfelser Stubensandsteins. Zahlreiche Mulden im Waldboden sind noch heute stille Zeugen der einstigen Abbautätigkeit. Mehrere Schautafeln informieren über den damaligen Abbau, die Weiterverarbeitung, den Vertrieb und die Verwendung des Sternenfelser Stubensandes.
Auf dem letzten Teil des Sandbauernweges kommt man zur Freizeitanlage beim Sternenfelser Schlossbergturm, wo 1232 die Burg der Herren von Sternenfels errichtet wurde. Im 17. Jahrhundert war sie Sitz eines Forstbeamten, des sogenannten Forstknechts. Die Burg bestand aus einem mächtigen, fast turmhaften Pallasbau mit kleinen Nebenbauten und einer Ringmauer. Im 30-jährigen Krieg wurde sie zerstört und später komplett abgetragen, auch Dank dem Eifer der Sandbauern.
Der heutige Schlossbergturm wurde erst 1967 als Wasserturm errichtet und steht baulich in keinem Zusammenhang mit der früheren mittelalterlichen Burganlage. Der Turm hat mehrere Funktionen:
- In erster Linie ist er als Wasserturm wichtiger Bestandteil der örtlichen Wasserversorgung (Höhe: 14 m, Fassungsvermögen: 150 m³).
- Darüber hinaus befindet sich im Turm auch eine Ausstellung „GuG-Geschichte & Geologie im Turm“ zur Geschichte der Herren von Sternenfels und der Geologie des Strom- und Heuchelbergs.
- Die Aussichtsplattform bietet eine hervorragende Aussicht über den Kraichgau, die Rheinebene und das Zabergäu bis zum Odenwald, der Kette der Haardtberge und des Pfälzer Waldes und schließlich auch bis in den Nordschwarzwald.
Beim Schlossbergturm befindet sich im Schatten der Bäume ein sehr gemütlicher Biergarten mit Kiosk und einer Lounge mit mehreren Sitzmöglichkeiten und angrenzend ein Kinderspielplatz. Am Kiosk erhält man, gegen eine geringe Eintrittsgebühr, den Schlüssel für den Zutritt zum Turm.
Über eine Treppenanlage geht es schließlich wieder hinunter in den Ort. Vorbei an einer 1850 errichteten Brunnenstube in der Schlossbergstraße (1974 renoviert) erreicht man bald den geschichtsträchtigen Dorfbrunnen gegenüber der Sandbauernstube im Ortszentrum und ist schließlich wieder zurück am Ausgangspunkt der Tour.
Vorlage zur Wegbeschreibung von Klaus Haag, Schwäbischer Albverein