Acher: Vom Mummelsee nach Wintersdorf

Acher: Vom Mummelsee nach Wintersdorf

Es ist gar nicht so einfach, auf einer Karte – geschweige denn in der Natur – den Verlauf der Acher, von der Quelle an der Schwarzwaldhochstraße, bis zur Mündung in Wintersdorf bei Rastatt, zu verfolgen.

Auf ihrem Weg zum Rhein ändert die Acher zudem oft ihren Namen: (Seebach) – Acher – Feldbach –  Rheinseitengraben – Sandbach.

Streckenverlauf

Die Radtour startet am Mummelsee. Die Strecke verläuft bis Greffern entlang der „Baumallee entlang der Acher“. Ab dort heißt die Acher (zuletzt: Feldbach), ganz unromantisch, Rheinseitengraben, um kurz vor der Mündung bei Wintersdorf als Sandbach in den Rhein zu münden. Der Sandbach ist der gemeinsame Unterlauf der Oos und des Steinbachs.

Baumallee entlang der Acher

Im Jahre 2007 wurde die Idee einer „Baumallee entlang der Acher“ ins Leben gerufen. Sie verbindet als Rad- und Wanderweg die Orte, über deren Gemarkung die Acher fließt, von der Quelle bis zur Mündung: Seebach, Ottenhöfen, Kappelrodeck, Oberachern, Achern, Fautenbach, Renchen, Gamshurst, Rheinau, Lichtenau und Rheinmünster.

Die „Baumallee entlang der Acher“ wurde am 2. Mai 2009 feierlich eröffnet. Der Flusslauf sollte durch Baumpflanzungen naturnäher gestaltet und als  Fuß- und Radweg direkt erlebbar gemacht werden. Es war auch geplant, die Baumallee über den Rhein ins Elsass fortzusetzen, das Vorhaben  wurde aber nie realisiert.

Der Weg ist, trotz des unermüdlichen Einsatzes des Heimat- und Verschönerungsvereins Oberachern (HVO), heute nur spärlich beschildert (blaues Band auf weißem Grund und drei skizierte Bäume). Das Projekt und die Tour sind heute etwas in Vergessenheit geraten. Leider.

Acher

Die Acher ist ein rund 54 km langer, orografisch rechter Nebenfluss des Rheins im baden-württembergischen Ortenaukreis und im Landkreis Rastatt, Deutschland. Die Acher fließt aus dem Schwarzwald in nordwestlicher Richtung über die Oberrheinische Tiefebene zum Oberrhein, dem sie zwischen den in ähnlicher Richtung laufenden Rheinzuflüsse Rench zuvor und Murg danach zustrebt.

Verlauf

Das Quellgebiet der Acher liegt am von eiszeitlichen Karen gegliederten Nordosthang des Vogelskopfes (1.056,2 m ü. NHN). Die als Acherquelle bezeichnete Quelle im  Ruhesteinloch liegt auf einer Höhe von 848 m ü. NN, das nach dem östlich benachbarten Ruhestein-Sattel zwischen Vogelskopf und Seekopf (1.054,9 m ü. NHN) benannt ist.

Die Acher fließt zunächst mit großem Gefälle nach Norden. Bei der Einmündung des von Norden, aus der Hirtensteinquelle / dem Mummelsee unterhalb der Hornisgrinde herabkommenden Seebachs wendet sie ihren Lauf nach Westen und durchfließt den trogtalartig geweiteten Talraum von Seebach. Hier erreicht das Tal zwischen der Hornisgrinde und dem Vogelskopf eine Tiefe von etwa 550 Metern.

In diesem Teil wird die Acher auch Seebach genannt, ein Hinweis darauf, dass früher der vom Mummelsee herabkommende Nebenbach als der Hauptquellast der Acher galt, trotz seiner etwas geringeren Wasserführung.

Wo entspringt sie nun, die Acher?

Die Angaben dazu gehen auseinander. Hydrographische Kriterien sprechen, siehe Publikation von Prof. Dr. Dieter Ortlam, für die Lage der Quelle am Mummelsee (Hirtensteinquelle). Landläufig wird die Acherquelle aber im Ruhesteinloch verortet.

Egal, ob Mummelsee-Kar ODER Ruhesteinloch-Kar, die Radtour führt an beiden Quellen entlang. Die Quellaustritte selbst sind mit dem Fahrrad nicht erreichbar, können aber zu Fuß erkundet werden.

Unterhalb von Vorderseebach vereinigt sich der Seebach mit dem von Norden kommenden Grimmerswaldbach. Hier verspringt das Achertal rund einen Kilometer südwärts bis etwa zur Einmündung des schroffen Gottschlägtals mit dem Karlsruher Grat und den Wasserfällen am Edelfrauengrab oberhalb von Ottenhöfen. Ab dem von Süden einmündenden Unterwasser-Tal strebt die Acher in nordwestlicher Richtung, die Gemeinde Kappelrodeck durchfließend, der Oberrheinebene zu, welche sie in Achern erreicht, der größten Stadt des nördlichen Ortenaukreises.

In der Rheinebene ist der Flusslauf durch vielfältige wasserbauliche Maßnahmen, insbesondere durch die Acher-Rench-Korrektion zwischen 1936 und 1967, kompliziert. Noch in der Schwarzwälder Vorbergzone, oberhalb von Oberachern, wird der Acherner Mühlbach an einem Wehr von der Acher, die hier eine mittlere Wasserführung von gut 2 m³/s hat, abgeschlagen. Die Acher selbst durchquert danach das Stadtgebiet von Achern. Unterhalb von Achern zweigt der Acher-Flutkanal ab, der bei Hochwasser bis zu 80 Kubikmeter pro Sekunde zum Rench-Flutkanal und damit zum Rhein führen kann. Kurz vor der Aufteilung in Acher und Flutkanal trifft von links her noch der Fautenbach auf den Fluss. Der ursprüngliche, streckenweise ebenfalls kanalisierte Flusslauf verläuft als Acher (Feldbach) nordwärts über Gamshurst, Scherzheim und Lichtenau nach Greffern. Hier mündete der Fluss bis zum Bau der Staustufe Iffezheim in den Rhein.

Ab Greffern verläuft die Acher – nun mehr auch als Rheinseitengraben bezeichnet – weitgehend parallel zum Rhein, dessen Wasserspiegel hier über dem Geländeniveau liegt. Dabei wird die Acher als Verbindung der Teilflächen des Polders Söllingen/Greffern genutzt. Um den Abfluss der Acher auch bei Flutung des Polders zu gewährleisten, ging 2005 bei Greffern ein Schöpfwerk in Betrieb. Binnenseits der Acher verläuft der Rheinniederungskanal, der die Acher südlich von Greffern unterquert. Nordöstlich von Greffern mündet der Acherabzweig Acherner Mühlbach (im Unterlauf Schwarzbach genannt) in den Rheinniederungskanal. Ab Söllingen verläuft der Rheinniederungskanal ebenfalls durch den Polder Söllingen/Greffern. Bei Söllingen mündet – den Rheinniederungskanal unterquerend und mit dem Kanal über eine Hochwasserentlastung verbunden – der Sulzbach als Unterlauf des Sasbachs in die Acher. Südlich von Hügelsheim verlässt der Rheinniederungskanal den Polder; die Acher durchfließt den Auslaufbereich des Polders. In Höhe von Iffezheim mündet der Sandbach in die Acher. Zuletzt den lokalen Namen Sandbach tragend, umfließt die Acher die Staustufe Iffezheim und mündet unweit der Rheinbrücke Wintersdorf bei Rhein-Kilometer 335,9 von rechts in den Rhein.

Textquelle: Wikipedia

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Radtour entlang der Acher

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Textquellen

Achkarren: Geologischer Weinlehrpfad

Der Boden nährt die Weinrebe und beeinflusst den Geschmack des Rebensaftes, aus dem der Wein gekeltert wird.

Der ca. 3 km lange Geologische Weinlehrpad am Achkarrer Schlossberg zeigt den Zusammenhang zwischen Geologie und Weinbau. Neben der Erklärung zu Gesteinssorten werden Informationen zu Rebsorten und Anbaumethoden vermittelt.

Zum Weinlehrpad gibt es ein kleines Heft, dass beim Kaiserstühler Weinbaumuseum und in der Winzergenossenschaft erhältlich ist.

Start ist gegenüber der Winzergenossenschaft.

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Länge

3,3 km

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Tiefster Punkt

214 m

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Höchster Punkt

289 m

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Gesamtanstieg

144 m

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Achkarren

Geologischer Weinlehrpfad – keine Infomaterialien vorhanden!

Acher: Vom Mummelsee nach Wintersdorf

Alb: Von Bad Herrenalb nach Karlsruhe

Startpunkt der Tour ist die Günther-Klotz-Anlage in Karlsruhe, wo jedes Jahr im Sommer „Das Fest“ ausgetragen wird. Im „Kühlen Krug“ gibt es ein sehr leckeres „Hausgebrautes“, das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Zwischen Ettlingen und Bad Herrenalb verläuft die Strecke „rechts“ der Alb (östlich), der Rückweg jedoch „links“ der Alb (westlich) auf dem wunderschönen Graf-Rhena-Weg.

In Marxzell lohnt ein Besuch im Fahrzeugmuseum, in Frauenalb sollte man die Klosterruine anschauen. 

Alb

Die Alb ist ein etwa 51 Kilometer langer Fluss im Nordschwarzwald und der mittleren Oberrheinischen Tiefebene in Baden-Württemberg, der am Nordrand der Gemarkung der Stadt Karlsruhe von rechts und Süden in den Rhein mündet.

Der Rhein hat weiter flussaufwärts auf seinem Hochrhein-Abschnitt einen weiteren Zufluss des Namens Alb aus dem Südschwarzwald, der auch Hauensteiner Alb genannt wird.

Verlauf

Die Alb entspringt südöstlich des Berges Teufelsmühle auf etwa 743 m ü. NN. Von hier an fließt sie in nördlicher Richtung durch ein zunächst tief eingesenktes, breitsohliges Tal. Eine Talstufe durchschneidet sie im Engtal der Kluse und bildet dort einen kleinen, früher künstlich erhöhten Wasserfall. Unterhalb der von Felswänden des Rotliegenden überragten Kurstadt Bad Herrenalb sind die Talhänge deutlich niedriger, und das Gefälle des kleinen Flusses hat sich verringert. In diesem Talabschnitt liegt Frauenalb mit seiner Klosterruine. Bei Marxzell nimmt die Alb von rechts den Maisenbach auf. Bei Fischweier fließt ihr links die Moosalb zu. Bei Busenbach wendet sich ihr Lauf nach Nordwesten. Weite Teile der Talauen der Alb und ihrer Zuflüsse im Nordschwarzwald gehören seit 1994 zum Naturschutzgebiet Albtal und Seitentäler. Die im Talgrund verlaufende Albtalbahn verbindet Bad Herrenalb mit Ettlingen und Karlsruhe.

In Ettlingen verlässt die Alb nach recht genau ihrer halben Länge den Schwarzwald und tritt in die mittlere Oberrheinebene ein, durchfließt vollends Ettlingen und wendet danach ihren Lauf in der weitreichenden Kinzig-Murg-Rinne wieder in nördliche Richtung. In diesem sehr flachen Bereich zweigen von ihr links einige Seitenarme wie der Erlengraben ab, die dann alle wieder zurückfließen. Auf diesem Abschnitt fließt sie am Karlsruher Stadtteil Rüppurr vorbei.

Danach unterquert sie die Bundesstraße 10 und folgt dieser dann in Richtung Nordwesten durch die Günther-Klotz-Anlage im Südwesten Karlsruhes – teilweise als Stadtteilgrenze zwischen Bulach und Beiertheim – und bildet so das Rückgrat eines der beliebtesten Naherholungsgebiete Karlsruhes. Durch Daxlanden fließt sie, sonst eher gestreckten Laufs, in einer großen Schleife; einer der landschaftlichen Höhepunkte ist hier die Staustufe „Appenmühle“, wo die Stadtwerke Karlsruhe seit dem Jahre 2000 Strom aus Wasserkraft erzeugen; hier befindet sich auch eine Fischtreppe.

Später umfließt die Alb eng den Karlsruher Rheinhafen bei Mühlburg. Am Südost-Rand von Karlsruhe-Maxau, wo der längste Zufluss Federbach von links in sie mündet, wendet sich ihr Lauf nach Nordnordost ungefähr parallel zum Rhein und durchfließt kanalisiert die Erdölraffinerie MiRO. Sie mündet dann unmittelbar unterhalb der Einfahrt in den Karlsruher Ölhafen von rechts und zuletzt Südosten in den Rhein.

Kurz zuvor geht noch nach rechts die Albüberleitung ab, die den Strom weitere 3,5 km rechts begleitet und dann bei Eggenstein-Leopoldshafen im Bereich eines Altarms den Pfinz-Entlastungskanal speist, der dann seinerseits bald danach von rechts den Rhein erreicht.

Textquelle: Wikipedia

Infomaterialien

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RP Karlsruhe

Naturschutzgebiet Albtal und Seitentäler

Textquellen

Albsteinach: Steinbruchweg

Anspruchsvolle Rundwanderung über 13 km auf den Höhenzügen. Ziel der Tour ist der Steinbruch Mackenheim. Die Solardraisine kreuzt den Weg. Kunstwerke sind am Weg zu bewundern.

Diese Wanderung führt durch Wald und über offene Landschaft. Die Tour führt durch das Naturschutzgebiet „In der Striet“ und unterquert das Mackenheimer Viadukt.

Am Steinbruch Mackenheim wurden und werden seit Jahrhunderten Gneise und eisenreicher Glimmer abgebaut. Durch die Renaturierung der abgebauten Teilbereiche haben sich seltene Pflanzen, Vögel (z.B. Uhu und Wanderfalke), Insekten und Amphibien angesiedelt. Auch seltene  Eidechsen und Prachtlibellen finden hier einen neuen Lebensraum.

Zu Beginn und am Ende der Wanderung laden die Skulpturen des Kunstwanderweges zum Bertrachten ein.

Wegbeschreibung

Vom Parkplatz aus starten Sie zunächst auf asphaltiertem Weg in nördliche Richtung. An der ersten Sandsteinskulptur biegen Sie links auf den Feldweg ab und folgen der Markierung A6 auf den Wald zu. Bergab geht es nun an einer Fichtenschonung, dem neuen Wasserbehälter und einem Tümpel vorbei. Im weiteren Verlauf durch lichten Laubwald folgen rechtsseitig ein Weiher und dahinter ein Spielplatz. Gehen Sie aus dem Wald hinaus und um den Spielplatz herum. Unmittelbar hinter dem Straßenschild „Ringstraße“ führt der Wanderweg links in den Wald hinein. Wandern Sie links am Fußballtor vorbei, auf schmalem Waldpfad bergan. Waldmeister säumt den Weg. Ab und zu bildet ein umgefallener Baum ein leicht zu übersteigendes Hindernis.

Lassen Sie sich vom Vogelgesang nicht ablenken, denn mitten im Wald biegt der Pfad links ab und unser Wanderweg führt durch das Naturschutzgebiet „In der Striet“ nach Vöckelsbach. Die Markierung bringt uns bergan durch die Feldflur.

Markierungszeichen

A6

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Albsteinach

Tourenbeschreibung „Steinbruchweg“

Altensteig: Auf der alten Bahntrasse nach Nagold (Altensteigerle)

Altensteig: Auf der alten Bahntrasse nach Nagold (Altensteigerle)

Nagold – Altensteig (Altensteigerle)

Bis auf eine Unterbrechung bei Berneck ist die Meterspurtrasse des Altensteigerles zum Radweg der B 28 ausgebaut worden. Etwas abseits davon befindet sich in Nagold am Rand des ehemaligen Landesgartenschaugeländes eine sehenswerte Schauanlage.

Einfache Streckenlänge

  • 13,9 km (davon ca. 10,1 km auf der ehem. Bahntrasse) und weitere 0,4 km abseits der beschriebenen Route straßenbegleitend

Status, Beschilderung

  • kombinierter Fuß-/Radweg

Textquelle: Webseite „Bahntrasssenradeln“

Die Schmalspurbahn Nagold–Altensteig – im Volksmund Altensteigerle oder seltener auch Rütschle genannt – war eine 15,110 Kilometer lange meterspurige Schmalspurbahn im Nordschwarzwald. Sie verband vom 29. Dezember 1891 bis 1967 als Stichbahn den seit 1872 bestehenden Bahnhof Nagold an der Nagoldtalbahn mit Altensteig. Heute verläuft auf der ehemaligen Strecke größtenteils ein Bahntrassenradweg.

Geschichte

Das Altensteigerle wurde 1891 als erste Schmalspurbahn der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen eröffnet. Sie wurde vor allem für den Güterverkehr erbaut, weil die Holzflößerei immer mehr auf Schwierigkeiten stieß. Außerdem sollte das Holz über Handelsplätze in Württemberg verkauft werden, anstatt auf dem Fluss Nagold ins badische Pforzheim zu gelangen. Um Baukosten zu sparen, verlief die Strecke ursprünglich überwiegend im Planum der heutigen Bundesstraße 28. Sie wurde nach Vorbild der Bahnstrecke Ribeauvillé–Ribeauvillé-Gare, einer schmalspurigen Dampfstraßenbahn im Elsass, erstellt und anfangs teils ebenfalls als Straßenbahn bezeichnet. Formal handelte es sich jedoch stets um eine Eisenbahn. Weil sich später die Bahn und der zunehmende Kraftfahrzeugverkehr gegenseitig behinderten, wurde die Strecke Mitte der 1930er Jahre umfassend ausgebaut. Sie erhielt damals größtenteils einen eigenen Gleiskörper neben der Straße. Auch wurden schon 1927 von der Deutschen Reichsbahn vier neue Dampflokomotiven beschafft, die Nachbauten der sächsischen Baureihe 99.64–65 waren. Von der Filderbahn kamen Personenwagen gebraucht zur Altensteiger Bahn. Mitte der 1930er Jahre folgte eine Garnitur eleganter neuer Personenwagen, da wegen des zunehmenden Ausflugs- und Sonderverkehrs erstmals zwei Personenzüge gleichzeitig fuhren, vor allem weil Nagold bevorzugtes Ziel von Sonderzügen der Organisation „Kraft durch Freude“ wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Bahn dann an Bedeutung, in erster Linie, weil es keine direkte Bahnverbindung in Richtung der großen Arbeitgeber im Raum Böblingen/Sindelfingen gab. Die Deutsche Bundesbahn prüfte eine Umstellung auf moderne Triebwagen, die jedoch zu teuer erschien.

Zunächst wurde im August 1962 der Personenverkehr eingestellt, bevor im Mai 1967 auch der Güterverkehr endete. Langjährige Bemühungen der Interessengemeinschaft Nebenbahn in Altensteig, der rund hundert örtliche Unternehmen angehörten, blieben vergeblich. Allerdings nutzen viele Unternehmen die Bahn in den letzten Jahren nur für wenig ertragreiche Fracht, während lukrative Güter eher an die Lastwagen-Speditionen vergeben wurden. Insofern hatten auch die Anlieger ihren Anteil am Niedergang. Die Deutsche Bundesbahn wiederum machte keine Zusage über einen möglichen Mindestfortbestand der Bahn, so dass die Güterkunden ihre Logistik immer weniger auf die Schiene ausrichteten. Die Strecke wurde im Sommer 1967 sofort komplett abgebaut. Bemühungen der Politik, aus „strategischen“ Gründen – sowohl militärisch wie wegen der Abhängigkeit des Straßentransportes vom Erdöl – die Infrastruktur zu erhalten, hatten keinen Erfolg. Die Stadt Nagold bezeichnete die Bahn wegen der mehrmaligen Querungen mit Straßen als Verkehrshindernis und betrieb die Auflassung der Strecke, obwohl seit 1962 nur noch ein Zugpaar verkehrte.

Als Besonderheit diente die Strecke nach Altensteig unter anderem der Maschinenfabrik Esslingen im Laufe der Jahre immer wieder als Versuchsstrecke zum Erproben von Schmalspurfahrzeugen, die für den Export bestimmt waren. Mit einer Maximalneigung von vier Prozent in Nagold war sie die steilste öffentliche Bahnstrecke in Baden-Württemberg und daher für Testfahrten geeignet.

Verlauf

Vom Ausgangsbahnhof Nagold senkte sich die Strecke anfangs ins Tal der Nagold hinab, um dann nach dem Haltepunkt Nagold Stadt wieder anzusteigen. Dem Fluss folgte sie dann bis zum Endbahnhof Altensteig, der mit seinen zahlreichen Gleisen stets der Betriebsmittelpunkt der Strecke war.

Fahrzeugeinsatz

Zunächst wurden zwei Dampflokomotiven der speziellen Bauart „Klose“ beschafft. Adolf Klose hatte das Grundprinzip der Konstruktion ursprünglich für die Zahnradlokomotiven der Appenzeller Straßenbahn entwickelt. Die Bauart bewährte sich auch in Bosnien über Jahrzehnte hervorragend. 1927 wurden diese frühen Altensteiger Lokomotiven dann durch vier Exemplare der schon erwähnten Baureihe 99.19 abgelöst. Zwei Lokomotiven gingen durch Kriegseinwirkungen verloren (eine Maschine kam zur RBD Halle, die andere nach Jugoslawien), sodass nach 1945 nur noch zwei Maschinen zur Verfügung standen. Nach der Ausmusterung der einen Maschine kam 1956 dann die 99 044 als Ersatz. Ab demselben Jahr stand dann ebenfalls eine Diesellokomotive der Bauart V 29 zur Verfügung. Mit diesen Maschinen wurde der Betriebsdienst bis zur Stilllegung 1967 durchgeführt. Die V 29 sowie je ein Personen- und ein Güterwagen sind erhalten und beim Deutschen Eisenbahn-Verein im Einsatz. Ein weiterer Personenwagen ist bei der Öchsle-Museumsbahn vorhanden. 

Textquelle: Wikipedia

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Alte Bahnstrecke von Altensteig nach Nagold

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Altensteig: Auf der alten Bahntrasse nach Nagold (Altensteigerle)

Baden-Oos: Auf der alten Bahntrasse nach Baden-Baden

Baden-Oos – Baden-Baden

Auf der Stichstrecke wird Baden-Baden vom heutigen Bahnhof an der Hauptstrecke von Karlsruhe nach Basel angeschlossen: überwiegend autofrei, aber meist in unmittelbarer Nachbarschaft zur breiten Bundesstraße.

Einfache Streckenlänge

  • ca. 4,2 km (davon ca. 2,9 km auf der ehem. Bahntrasse)

Status, Beschilderung

  • Bahntrasse meist kombinierter Fuß-/Radweg und freigeg. Fußweg; Radwegweisung

Textquelle: Webseite „Bahntrasssenradeln“

Die Bahnstrecke Baden-Oos–Baden-Baden verband von 1845 bis 1977 die Stadt Baden-Baden mit der Bahnstrecke Mannheim–Basel. Die 4,26 Kilometer lange Stichbahn diente dem Nah- und Fernverkehr und war als Hauptbahn klassifiziert.

Infrastruktur

Da die Stadt Baden-Baden nicht in der Oberrheinischen Tiefebene, sondern im Tal der Oos liegt, konnte sie beim Bau der Badischen Hauptbahn aus topografischen Gründen nicht angebunden werden. Stattdessen wurde ein Bahnhof in der etwa vier Kilometer entfernt liegenden Gemeinde Oos eingerichtet. Da Baden-Baden bereits im 19. Jahrhundert ein mondänes Weltbad war, hatte der Badische Landtag gleichzeitig mit dem Bau der Badischen Hauptbahn auch eine Stichstrecke von Oos nach Baden-Baden beschlossen. Diese Zweigstrecke konnte am 27. Juli 1845 – nur ein Jahr, nachdem Oos an das Eisenbahnnetz angebunden worden war – eröffnet werden. Die Strecke endete in einem Kopfbahnhof.

Im Laufe der Zeit erfuhr die Strecke mehrere Umbauten. Zwischen dem 19. und dem 21. März 1855 wurde sie gemeinsam mit den übrigen badischen Eisenbahnstrecken von Breitspur (1600 mm) auf Normalspur (1435 mm) umgebaut, zum 18. August 1908 erfolgte der zweigleisige Ausbau der Strecke und seit dem 27. Mai 1958 war sie elektrifiziert.

Verkehr

Auf der Strecke verkehrten sowohl Zubringerzüge zum Bahnhof in Oos als auch Fernverkehrszüge und Kurswagen. In den Rennwochen wurden zudem Pendelzüge zwischen Baden-Baden und der Galopprennbahn in Iffezheim angeboten, um den internationalen Gästen eine bequeme Anreise zu ermöglichen.

Seit der Elektrifizierung trugen Triebwagen der Baureihen 425 und 445 die Hauptlast des Verkehrs.

Trotz ihrer Bedeutung für die Anbindung Baden-Badens galt die Strecke in den 1960er und 1970er-Jahren in den Augen der Baden-Badener Kommunalpolitik als veraltet und lästig. Insbesondere die zahlreichen Bahnübergänge gelten als Einstellungsgrund. Mit Beginn des Winterfahrplans 1977/78 wurde sie folglich stillgelegt; am 24. September 1977 verkehrte der letzte Zug.

Die beiden Bahnhöfe wurden mehrfach umbenannt. Siehe hierzu auch Bahnhof Baden-Baden.

Gegenwart

Seit der Einstellung des Zugbetriebes wird die Verbindung in die Stadt ausschließlich durch die Omnibusse der Verkehrsbetriebe bedient. Die Gleisanlagen wurden nach der Stilllegung restlos entfernt. Im Zuge der Landesgartenschau 1981 entstand die so genannte Grüne Einfahrt nach Baden-Baden. Auf dem Gelände des ehemaligen Stadtbahnhofs wurde unter anderem das Festspielhaus Baden-Baden errichtet; das historische Empfangsgebäude bildet heute den Eingangsbereich.

Seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gibt es Pläne, die Karlsruher Stadtbahn in das Stadtzentrum von Baden-Baden hineinzuführen. Hohe Investitionskosten sowie die ablehnende Haltung der Stadt Baden-Baden standen der Realisierung bisher entgegen. Die damalige Oberbürgermeisterin Margret Mergen wollte die Pläne jedoch erneut prüfen lassen.

Ein kurzer Gleisstumpf der ehemaligen Strecke dient heute als Abstell- und Umsetzgleis für in Baden-Baden endende Stadtbahnen.

 

Textquelle: Wikipedia

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Alte Bahnstrecke von Baden-Oos nach Baden-Baden

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Almerswind: Goldpfad nach Goldisthal

Der Goldpfad von Almerswind nach Goldisthal entführt Sie auf 30 km in die Zeit des Goldrausches im Thüringer Wald. Dabei durchwandern Sie interessante Orte der Goldgeschichte in Thüringen.

Gold besitzt schon immer eine besondere Faszination und Anziehung. Auch in Deutschland wurde bis in die Neuzeit Gold abgebaut, es gab sogar eine Zeit, die man als „Goldrausch“ bezeichnen könnte. In Thüringen, in den Flüssen Grümpen und Schwarza, gab es verborgen im Gestein besonders viel Gold.

Auf dem Goldpfad erfahren Sie viel über den ehemaligen Goldbergbau der Region und passieren dabei Abraumhalden, Goldschächte und Goldwaschplätze, wo Sie auch heute noch dem Goldrausch verfallen können. Wer mag, kann sich in die Kunst des Goldwaschens einweisen lassen und sein Glück probieren. Die erlebnisreiche Wanderung bietet Ihnen dabei auch abwechslungsreiche Natur, viele Fernsichten und die landschaftliche Schönheit der Thüringer Natur.

Sie beginnen in Almerswind mit der Wanderung und gehen zunächst durch die ehemaligen Goldseifenhügel und an Waldwegen entlang, durch das Tal der Grümpen. Dieser Fluss ist der goldreichste Deutschlands. Daher wurden hier Schächte mit bis zu 200 m Tiefe vorgetrieben, um an das wertvolle Edelmetall zu gelangen, das im Gestein verborgen war. Schließlich erreichen Sie Theuern. Hier lohnt sich ein Besuch im Goldmuseum, das uns die spannende Geschichte des Goldbergbaus und Goldwaschens in Deutschland erzählt. Danach geht es weiter durch die Vorberge des Thüringer Waldes bergauf. Unterwegs passieren Sie auf dem Weg nach Neumannsgrund immer wieder alte Abraumhalten oder Einbrüche von Goldschächten, die vom ehemaligen Goldrausch dieser Region zeugen. In Neumannsgrund befinden sich die Grube „Güte Gottes“, die besonders viel Gold abwarf und der Goldwaschplatz, wo Sie auch heute noch Ihr Glück versuchen können.

Entlang des Flusses Schwarza, am Schwarzastausee vorbei, gehen Sie zunächst bergab, um dann wieder bergauf zum „Großen Tor“ und zum Oberbecken des Pumpspeicherwerks Goldisthal zu gelangen. Unterwegs können Sie immer wieder herrliche Aussichten genießen. Schließlich wandern Sie wieder bergab und erreichen das Unterbecken der Talsperre Goldisthal, wo Sie die Wanderung beenden.

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Almerswind

Goldpfad nach Goldisthal – keine Infomaterialien vorhanden!

Amberg-Sulzbacher Land: Erzweg

Der Erzweg verbindet die Stätten mit einer über 1000-jährigen Bergbautradition im „Ruhrgebiet des Mittelalters“ und bindet die faszinierende Kultur und Natur entlang der Strecke mit ein. Perfekt inszeniert wird das Erlebnis mit eindrucksvollen, fast bizarren Resten der einstigen Montangeschichte der Region.

Der Qualitätswanderweg bietet einen Mix aus beschaulichen Waldspaziergängen im Hirschwald, schmalen Wandersteigen auf der Kuppenalb oder spannenden Felswegen in den Königsteiner Steinbergen.

Der Erzweg ist „offiziell“ in 11 Etappen aufgeteilt. Ergänzend dazu wurden neun Schlaufenwege angeschlossen, so dass der Erzweg auch in einzelne Rundwanderungen aufgeteilt erwandert werden kann. Die Etappenvorschläge und die Zusatzschleifen sind auf der Betreiberseite beschrieben.

Kulturhistorisch wertvolle Baudenkmäler, interessante Städte, Bergwerke und Höhlen bieten auch abseits der direkten Wegstrecke durch den Bayerischen Jura viel zum Schauen und Staunen. Durch zahlreiche Bahnhöfe lassen sich auch etliche Tagestouren absolvieren, indem man mit der Bahn zum Ausgangspunkt zurückfährt.

Die Etappen
Etappe 1 Pegnitz - Michelfeld

In Pegnitz befanden sich die nördlichsten Erzfunde. Die Karstbuckel der nordöstlichen Ausläufer der Kuppenalb gehen über in weite Hochflächen, die sich mit Tallandschaften abwechseln.

Start des Erzweges ist Pegnitz mit seinem historischen Marktplatz. Der Weg führt vorbei an dem stillgelegten Bergwerk Johannesschacht und den alten Erzhalden. Über den Zipser Berg verläuft der Wanderweg über einen weiten Bogen nach Neuhof und dann weiter auf den Hainberg. Über die Raisacher Höhe und die Penzenreuther Höhe gelangt man schließlich bergab ins Felsendorf Steinamwasser. Dem romantischen und entlegenen Flembachtal folgend wird Staubershammer erreicht. Von dort aus ist es nicht mehr weit nach Michelfeld mit seinem berühmten Asam-Kloster.

Etappe 2 Michelfeld - Auerbach

Trotz der Montangeschichte und den Zeugnissen des Bergbaus hat sich die Landschaft ihren ursprünglichen Reiz erhalten können.Ausgezeichnet choreographiert der Weg die lange Erztradition der früheren Hauptstadt des neuböhmischen Reichs. Diese Etappe ist ein Glanzlicht des Erzwegs.

Ab Michelfeld geht es an Saaß vorbei ins Speckbachtal, wo das Felsländle als Rastplatz dient. Aus der Ferne ist bald der Förderturm der Grube Leonie zu sehen, welche 1987 still gelegt wurde. Folgt man der Markierung weiter, gelangt man zunächst zum alten Bergbaugelände, das einst zur größten Erzlagerstätte der Oberpfalz gehörte.

Die Grubenfelder werden heute von Auerochsen beweidet. Um Vorsicht bei der Durchquerung wird gebeten. Von dort ist es nicht mehr weit in die Stadtmitte von Auerbach.

Etappe 3 Auerbach - Neuhaus

Höhlen, Bergwerke und Felsen sind nur einige Erlebniselemente, mit denen dieser Abschnitt aufwartet. Die erlebnisreiche Tour führt vom Oberpfälzer Hügelland in die Kuppenalb.

Nach Auerbach geht es über den Gottvaterberg mit seinem herrlichen Panorama weiter nach Welluck. An den Maffeischächten und Sand vorbei wandert man streckenweise auf einer ehemaligen Bahnlinie, welche dem Transport von Erz diente. Beim Gasthaus „Hohe Tanne“ angekommen, führt ein Forstweg in den Auerbacher Bürgerwald zur Eichenkreuzhütte.

Im weiteren Verlauf der Wanderung wird die Landschaft immer impulsiver. Nachdem der Schlawackenberg überquert und eine längere Strecke zurückgelegt ist, taucht die Vogelherdgrotte auf. Bald danach folgt auch schon die Maximiliansgrotte.

Etappe 4 Neuhaus - Etzelwang

Über längere Strecken durchquert sie die sanft gewellten Hochebenen der Frankenalb. Zu Beginn und am Ende der Etappe zeigen sich die Charakteristika der Kuppenalb deutlich.

Nach der Maximiliansgrotte tut sich nach einiger Zeit die Schlierau-Kapelle auf. Von da an führt der Weg bergauf durch den Staatsforst Bärnhof. Im Wald findet der Wanderer schon bald die Bismarckgrotte (verschlossen) und passiert das ehemalige Forsthaus Rinnenbrunn, das abgebrochen ist.

Durch Achtel und Buchhof führt der Erzweg über den Eschenberg nach Kirchenreinbach. Die Tour passiert hoch aufgetürmte Felsformationen sowie die Burg Rupprechtstein und erreicht schließlich den Ortsrand von Etzelwang.

Etappe 5 Etzelwang - Lichtenegg

Steile An- und Abstiege, imposante Burgruinen und Passagen durch kleine felsdurchsetzte Feld- und Waldstücke wechseln mit tief eingeschnittenen Tälern.

Ab Etzelwang leitet die Markierung bis zum Knappenberg und weiter über den Brennberg hinab ins idyllische Lehental. Nach Oed mit seiner ehemaligen Kunstmühle geht es entlang der bewaldeten Bergflanke, die mit eindrucksvollen Kalksteinformationen durchsetzt ist, in die Drei-Täler-Gemeinde Weigendorf. Über Hartmannshof wandert man ins Högenbachtal, passiert die Fallmühle und stößt auf eine Quelle.

Weiter auf dem Erzweg erreicht man schließlich Haunritz mit der Felsnadel „Alter Fritz“. In Lichtenegg lohnt sich ein Aufstieg zur Burgruine, von der man einen grandiosen Ausblick genießt. Wer möchte, kann von Lichtenegg aus nach Högen weiterwandern.

Etappe 6 Lichtenegg - Sulzbach

Die Landschaft verändert sich stetig. Die Tour beginnt wild und ungezähmt, wird in ihrem Verlauf aber immer gemächlicher und sanfter.

Nach Lichtenegg verschwindet der Weg in den Wald und führt über Tannlohe nach Kutschendorf. Schon bald wartet die Besteigung des Beselberges auf den Wanderer. Mit dem Kuhfels ist der Beselberg der Höhepunkt der Wanderung. Etwa einen Kilometer nach dem Kuhfels wird die europäische Hauptwasserscheide überschritten. Ein befestigter Weg über Frankenhof leitet nach Aichazandt.

Durch das Naherholungsgebiet Obere Wagensass ist Sulzbach-Rosenberg nicht mehr weit. Um in die Stadt zu gelangen, verlässt man die Haupttrasse an einem kleinen Waldsee nach Norden und folgt nicht dem weiteren Verlauf des Erzweges nach Osten.

Etappe 7 Sulzbach - Amberg

Auf dieser Etappe erlebt man die Wälder des Sulzbacher Stadtwalds in der Oberen Wagensass, genießt die lieblichen, felsumstandenen Ausläufer der Kuppenalb und wird dann gefangen von den weiten Aussichten auf den Oberpfälzer Jura, das Vilstal und das Naabgebirge.

Vom Bahnhof in Sulzbach-Rosenberg aus begibt sich der Wanderer auf den Weg durch die Obere Wagensass nach Breitenbrunn, wo er auf die idyllischen Sieben Quellen trifft. Begleitet vom Breitenbrunner Bach werden bald der Schlackenberg und das alte Stahlwerk Maxhütte passiert. Der Markierung weiter folgend, erklimmt man den Erzberg.

Über Wiesen und durch Wälder führt der Erzweg nach Häringlohe und später auf den Rücken des Kühbergs. Vorbei an Karmensölden und Schäflohe wird oberhalb von Neuricht weiter gewandert. Hier liegen im Wald verborgen mehrere Schachteingänge, die zur Luitpoldhütte gehörten. Wenig später muss am Stadtrand von Amberg die Vils überquert werden. Bergan wird der Mariahilfberg erklommen, der mit der bekannten Wallfahrtskirche und einer grandiosen Aussicht auf Amberg aufwartet. Stufen unterhalb der Bergwirtschaft führen in die Altstadt von Amberg.

Etappe 8 Amberg - Paulsdorf

Die Etappe ist auch deshalb so kurz, da die Altstadt von Amberg zur Besichtigung einlädt. Wanderer sollten sich auf jeden Fall für diese alte Erzstadt Zeit nehmen, denn durch das Eisenerz ist Amberg bedeutend und reich geworden.

Über den Mariahilfberg folgt man einem Wegstück, das östlich hinabführt und durch einen Mischwald verläuft. Schon bald ist der Ortsrand von Raigering in Sicht. Es folgt ein Waldspaziergang mit einigen Schritten durch einen Friedhof. Der weitere Weg führt auf die Höhen nördlich von Krumbach und Engelsdorf. Dort begegnen dem Wanderer Kiefernhänge, Felder, Waldpfade und weitläufige Ausblicke. Demnächst muss der Schreierberg erklommen werden, um später an Feldern und Fischweihern vorbeizuschlendern. Ab Schlauderhof führt der Erzweg größtenteils durch den Wald. Unser Etappenziel Paulsdorf liegt nicht direkt an der Trasse, sondern kann ganz einfach von Norden oder von Osten über Altenricht (Erzabbau) erreicht werden.

Markierung: Rotkreuz

Etappe 9 Paulsdorf - Theuern

Wälder, Bach- und Flusslandschaften sowie Hochflächen spiegeln die landschaftliche Vielfalt der Etappe wieder. Eine Brotzeit für die Rast unterwegs ist empfehlenswert.

Von Paulsdorf muss man zunächst zur Haupttrasse Erzweges wandern. Das Rotkreuz leitet auf wilden, unberührten Pfaden in endlos weiten Kiefernwäldern durch den ruhigen, bisher kaum bekannten Freihölser Forst. Der Bahnlinie folgend werden Baggerseen erreicht. Nach der Überquerung der Bundesstraße wandert man durch eine Sandgrube mitten im Kiefernwald.

Vor der Überquerung der Autobahn passiert man das Gelände der ehemaligen Grube Luxemburg (Lehrpfad) und kommt nach Ebermannsdorf. Nach der Ortschaft folgt man dem Eisenbach hinab zur Vils und steigt von dort auf die Hochfläche vor Theuern. Ins Vilstal hinabwandernd wird Theuern erreicht.

Etappe 10 Theuern - Heimhof

Die Hammerschlösser in Theuern und Wolfsbach, die Vils als Transportweg, oder der Hirschwald, der über Jahrhunderte Holzlieferant für die Verhüttung war, sind Elemente der regionalen Industriegeschichte.

Von Theuern wandert man entlang der Vils bis Wolfsbach. Hier wird der Hirschwald betreten, durch den sich der Erzweg auf unzähligen geheimen Wegen und Pfaden windet. Unterbrochen wird der schier endlose Wald durch die Rodungsinseln von Ober- und Unterbernstein. An den Bernsteiner Hängen hinab ergibt sich nach und nach ein wundervoller Ausblick über das Taubenbacher Tal.

Vor Eigentshofen und Eglhofen verlässt man die Wälder. Die Landschaft wird wieder kleingliedriger. Am Fuße des Spitzberges entlang spaziert man das letzte Stück der Etappe über sanfte Hügel bis nach Heimhof.

Etappe 11 Heimhof - Kastl

Die Wanderroute kreuzt Karst-Hochflächen mit ihrer mediterran anmutenden Flora ebenso wie die dunklen, felsumstandenen Waldhänge der Talaue, die frisch sprudelnde Lauterach sowie aussichtsreiche Felskuppen.

Zunächst nur leicht hügelig entwickelt diese Etappe im Lauterachtal eine zunehmende Dynamik. Die Burg Heimhof im Rücken gelangt der Wanderer der Markierung folgend nach Hausen. Über Felder und Wiesen und durch Waldstücke geht es oberhalb an Flügelsbuch vorbei. Der weitere Weg führt hangparallel entlang der Lauterach. Nach der Überquerung des romantischen Jurabaches wandert man direkt dem Fluss entlang bis zur Ortschaft Lauterach und biegt nach Süden ab, um den aussichtsreichen Rechenfels zu ersteigen und zu umrunden.

Am Übergang zum Kastler Berg wendet man sich nach Westen in Richtung Enzenberg. Der Endpunkt des Erzweges, die Marktgemeinde Kastl, ist nun nicht mehr weit. Die mächtige Klosteranlage von Kastl mit seinem romantischen Marktplatz bildet den Schlussakkord des Erzwegs.

Infomaterialien

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Amberg-Sulzbacher Land

Broschüre „Der Erzweg: Durch das Land der tausend Feuer“

Altensteig: Steinerne Schätze mit Weite und Ausblick

Geotour mit dem Thema ,,Steine und Geologie“, auch für kleine Naturliebhaber. Eine kurzweilige Entdeckungsreise durch die Erdgeschichte des Nordschwarzwaldes über die mittelalterliche Hornberger Burg, wo man an manchen Tagen sogar bis zur Burg Hohenzollern blicken kann.

Es gibt keine Infotafeln im Gelände! Alle Texte und Bilder finden Sie in der Broschüre.

Infomaterialien

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Altensteig

Broschüre „Steinerne Schätze mit Weite und Ausblick“

Amerang: Moorlehrpfad Freimoos

Der 2004 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Moorlehrpfad „Freimoos“ verbindet die Gemeinden Amerang und Halfing miteinander und durchquert dabei die unterschiedlichen Moorlandschaften.

Erholungssuchende finden auf dem Moorlehrpfad ein abwechlungsreiches Mosaik aus Wiesen, Wäldern und Feldern, durchsetzt mit Einöden, kleinen Weilern und Dörfern.

Auf vielen informativen Stationen bietet der Lehrpfad interessante Einblicke in die geschützte Tier und Pflanzenwelt ebenso wie in die kulturhistorische Bedeutung des Mooses für die Gemeinden Amerang & Halfing.

Für jüngere Besucher gibt es ein „Froschsuchrätsel“ bzw. ein anspruchsvolles Moorquiz.

Zum Moorlehrpfad Freimoos gibt es ein Begleitbuch, das in den Gemeinden Amerang und Halfing für  € 5,– erhältlich.

Die Infotafeln
Station 1: Welche Wege führen durch das Freimoos?
Station 2: Moorquiz - wie kannst Du es lösen?
Station 3: Wie ist das Freimoos entstanden?
Station 4a: Was ist ein Ökosystem?
Station 4b: Wie kann jeder von uns das Ökosystem Moor schützen?
Station 5a, 16a: Was kann man auf einer Streuwiese sehen?
Station 5b, 16b: Warum sind Streuwiesen "Paradiese aus Menschenhand"?
Station 5c, 16c: Wie können Streuwiesen durch naturnahe Landwirtschaft erhalten werden?
Station 6a: Moorentsehung (Niedermoor)
Station 6b: Moorentsehung (Hochmoor)
Station 7: Wissenswertes über das Moor
Station 8: Energiebilanz verschiedener Brennstoffe
Station 9a: Wie wurde und wird das Moor genutzt?
Station 9b: Warum wurde das Freimoos trocken gelegt?
Station 9c: Wie wurde das Freimoos trocken gelegt?
Station 10: Welche Pflanzen kann man im Uferbereich sehen?
Station 11: Welche Tiere kann man im Uferbereich sehen?
Station 12a: Welche Vögel kann man hier beobachten?
Station 12b: Was ist das Besondere an Libellen?
Station 13: Warum gibt es im Moor fleischfressende Pflanzen?
Station 14: Welche Tiere und Pflanzen kann man im Hochmoor sehen?
Station 15: Warum verlanden unsere Seen so schnell?

Infomaterialien

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Halfing und Amerang

Faltblatt „Moorerlebnispfad Freimoos“

Textquellen

Faltblatt „Moorerlebnispfad Freimoos“

Amöneburg: Vulkanregion Vogelsberg – Geotour „Kreuz & Quer“

Der Rundwanderweg führt zu den geologischen und biologischen Highlights der Stadt Amöneburg.

Der gut ausgeschilderte Rundwanderweg führt von Amöneburg  zum Schweinsbergre Moor und entlang der Ohm zu den geologischen und biologischen Besonderheiten rund um Amöneburg.

Die Wegstationen
Ziegelhütte

In der näheren Umgebung gab es früher vier Ziegelhütten, in denen Ziegel und Dachsteine aus Ton gebrannt wurden. Das Töpfer- und Ziegelhandwerk kam erstmals 1588 nach Amöneburg. 1663 ließ die Stadt östlich des Ohmübergangs an der Brücker Mühle eine stadteigene Ziegelhütte errichten, die jeweils für drei oder sechs Jahre an sogenannte Ziegler verpachtet wurde.

Mainzer Rad

Auf den denkmalgeschützten Grenzsteinen aus Bundsandstein findet man auf der einen Seite das Mainzer Rad und auf der anderen Seite den hessischen Löwen. Der Erzbischof Willigis von Mainz war Sohn eines Wagenbauers und im Jahr 975 wurden
ihm aus Neid große Wagenräder an seine Tore und Wände gemalt. Daraufhin hat er sich um seine einfache Herkunft zu betonen weiße Räder an die Wände seines Saales malen lassen. Da Amöneburg lange Zeit zu Mainz gehörte, findet man auch im Amöneburger Stadtwappen das Mainzer Rad.

Quarzitabbau

Quarzite (Gestein des Jahres 2012) sind Sedimentgesteine. Das Mineral Quarz ist sehr hart und verwitterungsresistent. Durch das feuchtwarme Klima im Tertiär, vor etwa
40 Millionen Jahren, entstand hier ein besonderer Quarzit. Im Brücker Wald wurde der Tertiärquarzit bis in die 50 er Jahre abgebaut.

Grenzsteine

Sie sehen mit Flechten überzogene historische Grenzsteine, die unter Denkmalschutz stehen. Die Steine sind aus Quarzit und wurden im nahegelegenen Brücker Wald gebrochen.

Brücker Wald

Das über 400 Hektar große Gebiet ist als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) unter anderem aufgrund seines alten Eichen- und Buchenbestandes geschützt. Es gehört damit zum europaweiten Schutzgebietsnetz Natura 2000. Der überaus viel vorkommende sandige Untergrund in dieser Gemarkung und der hohen Population von Feldhasen brachte vermutlich Niederklein den Dorfnamen „Sandhasen“ ein. Vielleicht hören Sie auch den Kuckuck rufen, dem Rüdigheim seinen Dorfnamen „Kuckucker“ verdankt.

Naturdenkmal

Sie kommen vorbei an einer 20 m hohen seltenen Schwarzpappel, die ein Naturdenkmal ist. Der Stammumfang hat 4,7 m und sie ist heute ca. 250 Jahre alt.

Infomaterialien

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Amöneburg

Faltblatt Geotour „Kreuz & Quer“

Textquellen

Faltblatt Geotour „Kreuz & Quer“

Amöneburg: Vulkanregion Vogelsberg – Geotour „Stock & Stein“

Geologie hautnah: Rundwanderweg um den ehemaligen Vulkanschlot der Amöneburg. Die Stadt Amöneburg lädt Sie ein auf eine Wanderung rund um die ehemaligen Vulkanschlote der Amöneburg. Hier kann man das Thema Geologie hautnah sehen, spüren und erleben.

Der abwechslungsreiche Wanderweg führt Sie an lokalen Geotopen wie Steinbrüchen und Felsformationen, aber auch an naturkundlichen Besonderheiten und interessanten Biotopen vorbei. Erleben und begreifen Sie, wie unsere Erde und ihre Rohstoffe entstanden sind und auf welchem Fundament sich unsere Landschaft gebildet hat.

Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und des Lebens aufzeigen. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralien und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile wie Höhlen, Moore, Seen und Quellen.

Die Wegstationen
Wenigenburg

Die Wenigenburg wurde im 12. Jahrhundert als Vorburg auf dem „wenigen“ oder „kleineren“ Berg, dem zweiten Vulkanschlot, errichtet.

Farnschlucht

An diesem Gesteinsaufschluss im Westen des Basaltmassivs der Amöneburg finden verschiedene Farne gute Wachstumsbedingungen.

Weihersborn und Stockborn

Das Wort „Born“ ist die historische Bezeichnung für einen Brunnen oder eine Quelle.
Ihren Ursprung haben diese Quellen in der vulkanischen Tätigkeit rund um Amöneburg.

Am Stockborn befindet sich eine unterirdische über 600 Jahre alte gemauerte Kaverne, worin das Wasser der umliegenden Quellen gesammelt und mit einer Hand-Pumpe geschöpft wird.

Hecken

Der Amöneburger Heckenhain liegt im Natuschutzgebiet und bietet tausenden Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Trockenmauer

Das Aufschichten von losen Steinen ohne Mörtel und Beton ist die älteste Form des Steinbaus.

Infomaterialien

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Amöneburg

Faltblatt Geotour „Stock & Stein“

Textquellen

Faltblatt Geotour „Stock & Stein“

Appenzell: Geologischer Panoramweg um den Hohen Kasten

Der unvergleichliche Geologische Panoramaweg verläuft auf dem sanften aber teilweise auch exponierten Grat vom Hohen Kasten über Staubern an der Saxerlücke vorbei zur Bollenwees. Alle paar Meter enteckt man neue Aus- und Ansichten. Über 300 Gipfel sind nah und fern sichtbar. Aber auch der Blick ins Rheintal, den Alpstein und das Appenzellerland verleiten dazu, immer mal wieder stehen zu bleiben, die Seele baumeln und den Gedanken freien lauf zu lassen.

Der geologische Wanderweg führt via Berggasthaus Staubern zur Saxerlücke entlang der südlichen Kette des Alpsteins. Die Route ist mit 15 Thementafeln ausgestattet, die dem Betrachter zahlreiche Phänomene der Geologie anschaulich erklären und Sie werden vieles davon auch gleich unterwegs in Ihrer Umgebung entdecken. Die imposanten Felsformationen der Keuzberg und die beiden Bergseen, Fälensee und Sämtisersee runden dies Wanderung ab.

Zu sehen sind Versteinerungen. Verwitterungsformen, unterirdisch entwässernde Seen, Falten und Brüche. Besonders beeindruckend ist der berühmte Sax-Schwende-Bruch, wo die Verschiebung des Ostmassivs um ein paar hundert Meter deutlich zu sehen ist. Nach einem kurzen Abstieg von der Saxer Lücke erreichen Sie das wunderbar am Fählensee gelegene Berggasthaus Bollenwees, wo der geologische Wanderweg endet.

Der Weg zurück ins Tal führt entweder via Sämtisersee und Berggasthaus Plattenbödeli oder via Rainhütten und Berggasthaus Ruhesitz nach Brülisau.

Hinweise

Beim Geologischen Wanderweg handelt es sich um einen Bergweg (weiss-rot-weiss markiert). Daher sind gutes Schuhwerk und entsprechende Trittsicherheit Voraussetzung für den Genuss der Tour.

Der Weg kann auch in umgekehrter Richtung begangen werden.

Die Infotafeln
Der Alpstein

Der Alpstein – Teil der Alpen

Wo ist der Ozean geblieben? Erhalten Sie einen Überblick über den komplizierten Bau der Alpen. Erfahren Sie, mit welchen anderen Regionen der Schweiz der Alpstein seine geologische Geschichte teilt.

Der Alpstein – vom Meer ins Meer

Wie entsteht ein Gebirge? Lernen Sie mehr über die drei Phasen, die den heutigen Alpstein formten. Erkennen Sie, dass es sich dabei um einen Kreislauf handelt: Sedimentation – Gebirgsbildung – Erosion – Sedimentation.

Der Alpstein in der geologischen Zeitleiste

Wie lange ist es her? Ordnen Sie die drei Phasen der Gebirgsbildung den entsprechenden geologischen Zeiträumen zu und begeben Sie sich dann auf eine Zeitreise.

Riffe im Alpstein

Die Schrattenkalk-Formation. Der Ozean im Gebirge? Schichten Sie die Sedimentgesteine des Alpsteins zu einem Stapel von rund 600 Metern auf. Versetzen Sie sich zurück in die Zeit von Ammoniten, Haifischen und Riffen und ertasten Sie deren Überreste auf 1795 m ü.M.

Gesteinsfalten formen den Alpstein

Sie runzeln die Stirn? Falten Sie die Schrattenkalk-Formation zu Scheiteln und Mulden und finden Sie sie wieder in den Talungen und Gipfelfluren des Alpstein-Panoramas.

Gesteine verwittern unterschiedlich

Wo sind die Felswände hin? Setzen Sie die verschieden harten Gesteine der Verwitterung und Erosion aus. Erkennen Sie die daraus entstandenen unterschiedlichen Landschaftsformen in 3D.

Bergsturzgebiet "Rohr"

Fehlt hier nicht etwas? Entdecken Sie von ganz oben die gut sichtbaren Spuren, die Bergstürze im Gelände hinterlassen.

Bruch versetzt Gesteinsschichten

Sehen Sie den Versatz? Erkennen Sie die verschiedenen Kalksteinschichten und rücken Sie diese in ihre ursprüngliche Position zurück.

Verwerfungen am Hohen Kasten

Wie entstand der Hohe Kasten? Machen Sie sich selbst ein Bild und verfolgen Sie Schritt für Schritt die einzelnen Phasen der Bruchtektonik und der Erosion, die zur heutigen Situation führten.

Der Sämtisersee – ein Karstsee

Wo ist das Wasser hin? Erfahren Sie mehr über die Hydrologie der Alpsteinseen und lassen Sie sich überraschen, welche Wege das versickernde Wasser nimmt.

Der Rheintalgletscher

Wie kalt war es vor 20.000 Jahren? Versetzen Sie sich zurück in die Zeit der letzten Eiszeit und beobachten Sie die Spuren, die der Rheintalgletscher hinterlassen hat.

Die Hoher-Kasten-Antiklinale

Sehen Sie die Falte? Entdecken Sie den Kern der Hoher-Kasten-Antiklinale auf der Stauberen. Übertragen Sie die Faltentheorie ins Gelände und tauchen Sie ab in ältere Gesteinsschichten.

Der Fählensee und der Sax-Schwende-Bruch

Total verschoben? Schauen Sie auf den Fälensee hinunter und erkennen Sie seine natürliche Staumauer. Bringen Sie Täler und Bergketten auf eine Linie.

Die Kreuzberge – Teil einer Synklinalen

Nun ist es anders rum? Blicken Sie in den Kern einer Synklinalen und finden Sie Gesteine jüngeren Alters. Vervollständigen Sie die
Überreste der angrenzenden Antiklinalen.

Karren – eine Karstform

Woher stammt der Name? Lesen Sie die Spuren der Kalkerosion und merken Sie sich die Namen dieser jüngsten und dennoch vergänglichen Naturformen.

Der Sax-Schwende-Bruch

Auf welcher Seite stehen Sie? Sehen Sie die markante Bruchlinie des berühmten Sax-Schwende-Bruchs quer durch den Alpstein mit Ihren eigenen Augen.

Der Bollenwees-See – Zeugnis der letzten Eiszeit

Wo sind die Badegäste? Machen Sie erneut eine Zeitreise in die Erdgeschichte und entdecken Sie die Relikte eines Schmelzwassersees und eines eiszeitlichen Felssturzes.

Infomaterialien

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Appenzell

Geologischer Wanderweg Hoher Kasten

Andernach: Geopfad Route U (Trasshöhlenweg)

Geopfade Vulkanregion Laacher See

© Zweckverband Ferienregion Laacher See

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

Hinter der Gaststätte „Gasthaus Jägerheim“ können die ehemaligen Trassabbaustollen besichtigt werden.

Die Route führt weiter auf dem Lönssteig oder auf die L 113 bis zur ehemaligen Klinik Bad Tönnisstein. Hinter der Klinik verläuft der Weg bis zur Wolfsschlucht. Die Treppe führt hinauf zur Straße, diese wird überquert, und weiter geht es Richtung Wassenach. Sie folgen der Beschilderung durch den Ort bis zur L 113, hier biegen Sie nach Überquerung links in einen Teerweg mit zwei Kapellchen ein. Dort geht es links zum Waldrand, wo sich ein römischer Steinbruch, „die Mauerley“, befindet.

Durch den Wald oberhalb des Gleeser Baches kommen Sie nach Burgbrohl. Durch die Wassenacher Hohl geht es hinab zur Kirche, dann über den Burgberg und entlang des Brohlbaches. Hinter der Fabrik führt der Pfad durch Basaltblöcke eines ehemaligen Lavastroms hinauf auf einen Basaltschlackenkegel.

Infomaterialien

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Andernach

Geopfad Route U (Trasshöhlenweg) – keine Infomaterialien vorhanden!

Arzberg: Humboldtweg

GEOPARK Bayern-Böhmen

Cesko-Bavorský GEOPARK

Aufbruch ins Erdinnere

Tajemstvi zemského nitra

Der Humboldtweg wurde zur Erinnerung an den Aufenthalt des Universalgelehrten Alexander von Humboldt angelegt, der sechs Jahre (1792-1798) in Arzberg als Oberbergmeister tätig war. Der Weg führt zu den historischen und kulturellen Stätten Arzbergs, insbesondere zu den Zeugen des ehemaligen Bergbaus und der Eisen- und Stahlverarbeitung in Arzberg.

Der Ausgangspunkt für diese Wanderung ist der Parkplatz beim Rathaus.

Der Weg führt die Friedrich-Ebert-Straße entlang bis vor zur Bahnhofstraße, hier überqueren wir die Straße und laufen geradeaus entlang der Röslau durch den Paul-Lincke- Park. Am Ende dieses Weges kommen Sie zur Nagelfabrik. Hier geht links der Weg an der Fabrik vorbei über eine kleine Brücke. Hier beginnt das Naturschutzgebiet G`steinigt. Ein kleiner Pfad führt hinauf in ein Siedlungsgebiet. An einem Brauneisenstein, der in der Nähe des Zentrums des westlichen Bergbaureviers aufgestellt wurde, geht es zurück zur Stadtmitte. Über den Ullmannsteig gelangt man an der ehemaligen Berufsschule und am Städt. Freibad vorbei zum letzten erhalten Bergwerksgebäude in Arzberg, dem Alten Bergwerk „Kleiner Johannes“. Darin befindet sich ein Informationszentrum des Naturparks Fichtelgebirge. Ausgestellt sind verschiedene Exponate zur Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Der Weg führt zurück über die Bergbrauerei, vorbei am Wohnhaus des Alexander von Humboldt, an der Kirchenburg mit Wehrmauer, und Pulverturm geht es weiter zum Ausgangspunkt am Rathausparkplatz.Sehenswürdigkeiten: verschiedene Tafeln und Exponate zur Bergbaugeschichte, Altes Bergwerk „Kleiner Johannes“, Evang. Kirche mit Pulverturm, Wohnhaus Alexander von Humboldt

Markierung: weiße 6 auf grünem Grund

ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
"ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
Humboldt in Falkenstein

Humboldt im Amt Lauenstein

Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

Der Stielersche Hammer

"Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

Falkenstein (Geschichte bis 1945)

Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

Falkenstein (Geschichte ab 1945)

Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

Tipps

Steinbach an der Heide

2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

Burg Lauenstein

Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Thüringer Warte

Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
Humboldt in Ludwigsstadt

Humboldt und der Schiefer

An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

[...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

[...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

[...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

Kaulsdorf, d. 10. März 1794
A. v. Humboldt"

1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

Tipps

Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

Internet: www.schiefermuseum.de

Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

 

Schieferpark Lehesten

Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

GEO-Tour Station 3: TETTAU
Humboldt in Tettau

Humboldt und das Porzellan

Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

Tipps

Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

Internet: www.glasbewahrer.de

GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
Humboldt in Schauberg

Humboldt macht "Blau"

Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

Was ist Schmalte bzw. Smalte?

Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

Tipps

Rösler Ceramtec GmbH

Werksverkauf:
Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
Humboldt in Lichtenberg

Humboldt zieht Bilanz

Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

Friedrich-Wilhelm-Stollen

Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

  • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
  • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
  • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
  • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
  • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

Tipps

Infostelle Naturpark Frankenwald

Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

Naturlehrpfad Höllental

Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
Humboldt in Bad Steben

Humboldt macht Schule

Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

  • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
  • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
  • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
  • Humboldt-Büste im Kurpark
  • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
  • Erzrevier Obere Mordlau.

 

Humboldt-Haus (Badstraße 2)

Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
Humboldt in Geroldsgrün

Humboldt und der "Alte Mann"

Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

"Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

  • Vogel Strauß Fdgr.
  • Friedlicher Vertrag Fdgr.
  • Schwarzer Mohr Erbst.
  • Gevattergraben
  • Hoher Ofen zu Marxgrün

Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

"[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
2) Gebirgsart = Gesteinsart
3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

"1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

"Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

"Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

Tipps

Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

 

Max-Marien-Heilquelle

Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

Humboldt und der Magnetberg

"Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

"Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

[...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

"[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

"[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

Der Haidberg aus heutiger Sicht

Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

Machen Sie Ihr eigenes Experiment

Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

Tipps

Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

 

Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

Kontakt Museum Hier öffnen

GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
Humboldt in Bad Berneck

Humboldt in matten Wettern

Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

"Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

Das Bergwerk "Beständiges Glück"

Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
(Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck. Er war schon Jahre zuvor ein begeisterter Kurgast des Ortes. Als Bürger von Berneck erwies sich Rother als Förderer des Kurortes, seit 1866 war er auch Mitglied des Kurkomitees. Auf den Halden des zwei Jahrzehnte zuvor stillgelegten Bergwerkes "Beständiges Glück" ließ Rother auf eigene Kosten einen Park ("Blüchersruhe") mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen anlegen. Dieser stellt heute eine überregionale Besonderheit dar.

Wilhelm Rother wurde 1867 Ehrenbürger von Berneck. Er starb 1898. Der Stadt Berneck hinterließ Rother testamentarisch mehr als eine halbe Million Goldmark, u.a. mit der Auflage, "dass die ganzen Zinsen und Renten des Nachlasses ausschließlich zum Vorteil und zur Hebung der Kuranstalten verwendet werden sollen". An den Förderer der Stadt Berneck erinnert im umbenannten "Rotherspark" der 1900 aufgestellte Granitobelisk aus Kösseine-Granit. Bestattet ist Wilhelm Rother auf dem alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche.

Tipps

Thiesen Wetterstation

Carl Thiesen finanzierte dem Kurort eine für die damalige Zeit technologisch aufwendige und damit äußerst kostspielige Wetterstation. Diese steht heute noch oberhalb des Marktplatzes.

GEO-Tour Station 10: BRANDHOLZ
Humboldt in Brandholz

Humboldt im Goldrausch

Am Abend des 20. Juli 1792 verfasst Alexander von Humboldt bereits Teile seines Berichtes über die Befahrung der Fürstenzeche in Brandholz und fügt diesem in einem zweiten Teil unter der Überschrift "Aussichten zur fortzusetzenden Wiedergewältigung der Fürstenzechen Baue" hinzu. Bei Niederschrift dieses Berichtes ist Humboldt möglicherweise schon in das Wunsiedler Revier weitergereist.

Am Abend des 23. Juli notiert Humboldt (jetzt bereits in Arzberg) am Rand eines Briefes an Carl Freiesleben:

"Die Fürstenzeche in Goldkronach hat mich sehr intriguirt [= neugierig gemacht]. Ich habe Akten, Risse p. studiert, bin das ganze ein 50 Lr. (= Lachter, 1 Lr. ∼ 2 Meter) tiefe Gebäude mit Ueberhauen aus dem 14ten Jahrhundert! durchfahren. Nun habe ich alles ins Reine. Es ist ein ungeheurer Bau, eine Grube auf 1.300 Lr. Länge."

Die Fürstenzeche im Jahr 1792

In seinem Bericht der Inspektionsreise beschreibt Humboldt den Zustand der Fürstenzeche. Diese war bereits unter Burggraf Friedrich V. 1365 als Fürstenzeche eröffnet worden und hatte ihre Blütezeit bis zum Einfall der Husiten 1430. Bis dahin hatte man die goldreichsten und gut erschließbaren Bereiche der Lagerstätte schon weitgehend abgebaut, so dass die Ausbeute immer geringer und und der Abbau immer schwieriger wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Bergbau auf Gold sogar subventioniert (es wurde eine "Zubuße" gegeben).

Humboldt erwähnt in seinem Bericht, dass die "Wiedergewältigung" der Fürstenzeche (sie befand sich demnach 1792 nicht in Betrieb) seit wenigen Monaten ("1 Quartal") auf allerhöchsten Befehl (vermutlich durch Minister Hardenberg) eingestellt worden war und dass man "[...] bloß das Ganze durch Einwechslung der Türstöcke in befahrbarem Stande" hielt. Humboldt studiert bereits zu diesem Zeitpunkt alte Bergwerksakten, u.a. die "lehrreichen Beschreibungen des Herrn Berghauptmann von Bothmer". Carl Ludwig Freiherr von Bothmer (1736–1803) war Berghauptmann im Fürstentum Bayreuth. Dessen Berichte können nur wenige Jahre zuvor verfasst worden sein.

Humboldt erwähnt in seinem Bericht die folgenden Stollen, Schächte und erzführenden Gänge:

    • Tannenschacht
    • Schmuzler
    • Schmiedtenstollen/Schmidtenstollen
    • Jacobschacht
    • Ferberschacht
    • Nasses Lichtloch
    • Rautenkranzer Gang (aber noch keine Rautenkranz-Zeche)
    • Knechtgang
    • Spießglasgang (= Spießglanz, Antimonit)
    • Weißer Kiesgang

.

Damit werden viele Lokalitäten genannt, deren Zeugnissen man noch heute bei einer Wanderung entlang des Humboldtweges begegnen kann.

Aus Humboldts Beschreibungen geht der sehr komplexe Aufbau der Goldlagerstätte am Goldberg hervor. Ursache dafür ist die starke tektonische Zergliederung des Gebirges im Nahfeld der Bruchzone der "Fränkischen Linie" (deren Einfluss Humboldt natürlich noch nicht kennen konnte). Humboldt widerspricht in seinem Bericht der Auffassung, dass "die Golderze auf der Fürstenzeche nicht auf ordentlichen Gängen, sondern [an] das Gestein durchschwärmenden Trümmern" gebunden wären. Diese Ansicht hätte vielfach zu einer wenig rentablen Wiedergewältigung der Zeche geführt.

Tipps

Goldbergbaumuseum Goldkronach

Das Goldbergbaumuseum in Goldkronach präsentiert in mehreren Abteilungen die Stadtgeschichte Goldkronachs, die Geologie der Umgebung und der Goldlagerstätte, die Geschichte des Bergbaus, das Blattgold-Kunsthandwerk sowie Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge.

Internet: www.goldbergbaumuseum.de

GEO-Tour Station 11: GOLDKRONACH
Humboldt in Goldkronach

Humboldt und das Goldstädtchen

Goldkronach gehört zu den Orten in Oberfranken, in denen Alexander von Humboldt heute wohl noch am gegenwärtigsten ist. So bezeichnet sich das kleine Städtchen vielfach auch als "Humboldt-Stadt". In Goldkronach hat auch der Verein Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V. seinen Sitz. Dessen Anliegen ist es, insbesondere an Humboldts Wirken in Goldkronach von 1792 bis 1795 zu erinnern. Einen Link auf die Internet-Präsenz des Vereins finden Sie weiter unten.

Als Sitz des Bergamtes Goldkronach und die einst reichen Goldlagerstätte am Goldberg hatte Goldkronach besondere Bedeutung für Alexander von Humboldt. Erstmals kam Humboldt am 20. Juli 1792 im Rahmen seiner Inspektionsreise nach Goldkronach. Von hier aus befuhr er die Fürstenzeche und blieb bis zur Weiterreise ins Wunsiedler Revier (20. Juli in Arzberg). Nach seinem offiziellen Dienstantritt im Oberbergdepartement Ende Mai 1793 war Goldkronach Ziel von Humboldts erstem Geländebesuch. Hier hält er sich im Juni mehrere Tage auf. Sein Quartier ist die alte Quickmühle (Amalgamiermühle) in Goldmühl. Von dort schreibt er am 10. Juni 1793 seinem Freund Carl Freiesleben:

"Ich komme eben aus der Grube. Ich bin 2 Meilen geritten und an 3 Stunden auf der Fürstenzeche gefahren, wundern Sie Sich also nicht, liebster Freiesleben, wenn ich Ihnen einen verworrenen Brief schreibe. Mit dem Bergbau geht alles schneller, als ich dachte. [...] In bin seit wenigen Tagen hier, um den eingestellten Bau auf der Fürstenzeche [...] vorzurichten. Das allgemeine Vertrauen, welches der gemeine Bergmann mir übberall zeigt, macht mir meine Arbeit lieb, denn sonst ist meine Lage sonderbar genug, ich thue eingentlich Dienste als Geschworener, nicht als O[ber]bergmeister. Von meinen Vorrichtungen schriebe ich Ihnen jezt nichts. Ich bin zu müde, die Hitze ist unerträglich und die Grubenwetter matt.[...] Die alte Mühle, die ich bewohne, war eine Quikmühle schon im 13ten Jahrhundert. Die Zoppte stürzt sich wild durch die Felsklippen durch. Wenn es glükken sollte, die ausgewanderten Bergleute wiederzurufen, dieser romantischen Gegend nur einen kleinen Theil ihres alten Glanzes wiederzugeben ..."

Humboldtorte

Die alte Mühle in Goldmühl

In den Jahren 1793 und 1794 diente die ehemalige Quickmühle in Goldmühl (heute Ortsteil von Bad Berneck) Alexander von Humboldt als Quartier. Die Mühle wurde um 1557 (nicht wie Humboldt schrieb "schon im 13ten Jahrhundert") als Schneidsäge mit sechs Wasserrädern erbaut. Die Wasserräder trieben ein Pochwerk, eine Mahlmühle und Blasebälge für eine Schmelzhütte an. In den ersten Jahren diente sie auch als Amalgamierwerk ("Quickmühle"), d.h., aus dem durch das Pochen zerkleinerten Erz wurde das Gold mit Hilfe von Quecksilber herausgelöst. Mahl- und Quickmühle arbeiteten bis 1563, danach wird die Mühle zunächst nur noch als Schmelzhütte betrieben, kommen eine Drahtzieherei (um 1600) und eine Getreidemühle (1689) hinzu (Holl & Schulz-Lüpertz 2012). Das heutige Wohnhaus stammt von 1769 (dem Geburtsjahr Humboldts!) und wird als solches noch heute privat genutzt. Die neben der Haustür angebrachte Gedenktafel sehen Sie nebenstehend.

Hotel "Alexander von Humboldt" (vormals Gasthaus "Zum weißen Schwan")

Das heutige Hotel steht an dem Ort, an dem zu Humboldts Zeit das Haus des Musikus und Handelsmannes Johann Georg Todschinder stand. In diesem hatte Humboldt möglicherweise seinen Amtssitz. Daran erinnert die an der Fassade angebrachte Gedenktafel:

"An diesem Platze stand das Haus, in welchem Alexander von Humboldt in den Jahren 1792 - 1795 als koenigl. Preußischer Bergamtsassessor und Oberbergmeister zeitweilig amtierte"

Ganz sicher belegt ist dies jedoch nicht. Das heutige Hotelgebäude wurde nach dem großen Stadtbrand von 1836 errichtet. Diesem Brand waren viele Gebäude des Ortes zum Opfer gefallen. Ursprünglich hieß das hier untergebrachte Gasthaus "Zum weißen Schwan". Es wurde im Jahr 1868 in einem Festakt in "Alexander von Humboldt-Hotel" umbenannt.

Ehemaliges Forsthaus (heute Goldbergbaumuseum)

Das heutige Goldbergbaumuseum an Durchgangsstraße (Bayreuther Straße 21) trägt im Wappenrelief über der Eingangstür die Jahreszahl 1740. In ihm befand sich zu Zeiten Humboldts (bis in die heutige Zeit) eine Forstdienststelle. Oberförster war damals Adolph Ferdinand Böhner, Schwiegervater von Georg Friedrich Püttner (Büttner bei Humboldt). Dieser war einer der Freiberger Kommilitonen von Humboldt. In einem Brief vom 11. Juli 1793 an einen anderen Freiberger Studienfreund, den Russen Vladimir Jurevič Sojmonov, erwähnt Alexander von Humboldt, dass er bei Böhner den gemeinsamen Studienfreund Püttner getroffen habe. Vielfach wird erwähnt, Humboldt hätte in dem Haus auch kurzzeitig gewohnt. Dies geht aus dem erwähnten Brief jedoch nicht hervor. Dort schreibt Humboldt von Forstmeister Böhner, in dessen Nachbarschaft er wohne.

Ein Besuch des Goldbergbaumuseums sollte man nicht versäumen. Es ist zurzeit allerdings nur von April bis Ende November an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der Geologie und Bergbaugeschichte im Raum Goldkronach beinhaltet das Museum auch einen eigenen Raum zu Alexander von Humboldt.

Einstiges Wohnhaus Marktplatz 11 (heute Bäckerei)

Dort wo heute auf der Nordseite des Marktplatzes ein Gebäude mit einer Bäckerei besteht, stand bis zum Stadtbrand von 1836 das Wohnhaus des Schichtmeisters, Bergverwalters und Knappschaftsschreibers Christian Ernst Tornesi. Dieser wohnte hier mit seiner Familie in den Jahren von 1738 bis 1754. Christian Ernst Tornesi kam 1731 aus dem Unterharz nach Goldkronach. Am 7. April 1748 wurde hier als eines von neun Kindern sein Sohn Otto Heinrich Tornesi geboren, der später ein geschätzter Kollege von Alexander von Humboldt und 1798 dessen Nachfolger im Oberbergdepartement werden sollte (siehe dazu weiter unten). Die ganze Familie siedelte 1754 nach Bayreuth über. Christian Ernst Tornesi war dort zum Inspektor und Verwalter für das Zucht- und Arbeitshaus in St. Georgen berufen worden. Dem Zuchthaus war eine Marmorfabrik angeliedert, in dem die Häftlinge arbeiten mussten und die Tornesi ebenfalls leitete.

Schloss Goldkronach und Humboldt-Kulturforum

Das Goldkronacher Schloss ist ein ehemaliges Ritterschloss aus dem 16./18. Jahrhundert. Es ist heute in Privatbesitz und Sitz des Alexander-von-Humboldt Kulturforums. Eine kleine Sonderausstellung zu Alexander von Humboldt sowie die von Hans Dressel (†) stammende Humboldt-Büste können bei Veranstaltungen der Kulturforums oder Führungen des GEOPARK Bayern-Böhmen besichtigt werden.

Nationles Geotop Goldberg

Seit 2019 gehört der Goldberg bei Goldkronach, das Zentrum des einstigen Goldbergbaus, zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Zu verdanken ist dies seiner montanhistorischer Bedeutung, auch im Hinblick auf das Wirken Alexander von Humboldts, und der dort vorhandenen Infrastruktur.

Tipps

Humboldt-Weg und Besucher-Bergwerke

Der rund sechs Kilometer lange Rundweg führt auf Waldwegen und -pfaden, innerorts auf befestigten Wegen, vorbei an vielen ehemaligen Zeugnissen des Bergbaus seit dem Mittelalter. Startpunkte sind am Infohaus zu den Besucher-Bergwerken auf dem Goldberg, am Parkplatz des Friedhofes, am Wanderparkplatz in Brandholz. Auch der Start in Goldkronach am Marktplatz ist empfehlenswert (Wegstrecke ca. zwei Kilometer länger). Dieser beginnt am Marktplatz und führt ca. 100 Meter nach der Bäckerei am Marktplatz 11 in Richtung Sichersreuth bzw. am Ende der Stadtkirche über einen Wanderpfad zunächst zum Parkplatz am Friedhof (eine Abkürzung direkt auf die Straße an der Ottenleite ist möglich).

 

Goldbergbaumuseum

Öffnungszeiten:
April bis Ende November Sonn- und Feiertage, 13 bis 17 Uhr
Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich.

 

Kulturforum Alexander von Humboldt Schloss Goldkronach
www.humboldt-kulturforum.de

Goldbergbaumuseum Goldkronach
www.goldbergbaumuseum.de

Goldbergknappen

http://www.goldbergknappen.de/html/rundgang_beginn.html

GEO-Tour Station 12: BISCHOFSGRÜN
Humboldt in Bischofsgrün

Humboldt und die Perlen

Alexander von Humboldt besucht Bischofsgrün bzw. den Fröbershammer erstmals am 21. Juli 1792. Er notiert in seinem Inspektionsbericht, dass es dort zwei Frischfeuer, einen Zainhammer (für die Nagelschmiede) und eine Knopfhütte gibt. Der Knopfhütte widmet er besondere Aufmerksamkeit.

Humboldt führt aus, dass die Knopfhütte nur in fünf Wintermonaten betrieben wird und dem Kommerzienrat Loewel gehört. Aus dem Hinweis, dass man "die Arbeiter [im Sommer] zum Holzhauen und zur Feldwirtschaft braucht" geht hervor, dass die einheimischen Bauern die Arbeit in der Knopfhütte verrichteten. Zum Zeitpunkt seines Besuches (Juli) wurde in der Knopfhütte jedoch wohl nicht gearbeitet. Humboldt hat sich demnach die Knopfhütte vor Ort ausführlich schildern lassen. Als Rohstoff für die Glasknöpfe - die Batterlessteine / Paterle - nennt Humboldt einen Grünstein mit wenig Feldspat und vieler innig beigemengter Hornblende von Schneeberg und Ochsenkopf. Er selbst habe das Gestein noch nirgends im Lande anstehend gefunden", es liege dort "in Butzen umher".

Bei dem von Humboldt angsprochenen Gestein handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, dass in einer rund 5 Kilometer langen und bis zu 20 Meter breiten NNW-SSO-verlaufenden Förderspalte quer durch den Ochsenkopf vorkommt, den sogenannten Proterobas. Vorkommen am Schneeberg gibt es allerdings nicht.

Humboldt berichtet über das Schmelzen des Gesteins, den Knopfofen sowie das Arbeiten am Ofen. Am Ofen arbeiten 25 Mann (!) vor je einer Öffnung und zogen die geschmolzene Masse (das Glas) mit einer langen Zange ("Kluft" bei Humboldt, auch "Kluppe" genannt) aus dem im Ofen stehenden Schmelztiegel, um es anschließend (durch Drehen) zu "modeln".

Hergestellt werden im Jahr Knöpfe im Wert von 4.000 - 5.000 Gulden. Bei einem Preis von 6 Kreuzer je "Schnur" mit je 20 Dutzend Knöpfen sind dies ... Knöpfe.

Die schwarzen Proterobas-Knöpfe wurden mit Emailfarbe bemalt und anschließend die Farbe eingebrannt. Als Farbstoffe wurden verwendet: weiß - Brauneisenstein mit Arsenikkalk, gelb - Birkenkohle, blau - Smalte (mit Kobald gefärbetes Kaliumsilikatglas).

Humboldt berichtet, dass Glasknöpfe bereits seit 200 bis 300 Jahren in der Region hergestellt werden und ihren Ursprung in "in der Warmen Steinach" - also in Warmensteinach - hat. Derzeit gäbe es im Bayreutherischen fünf Fabriken, die ihre Erzeugnisse nach Schlesien und Polen, teils für den "Sklavenhandel nach Afrika [?] geben."

Humboldt schließt seinen Bericht über die Knopfhütte mit einer Bemerkung zur Abwanderung von Arbeitern aus dem Bayreuther Fürstentum in die nahegelegee obere Pfalz und nach Böhmen:

"Bayreuther Arbeiter sind in die obere Pfalz und nach Böhmen übergelaufen und die Konkurrenz der dort neu angelegten Fabriken, die wohlfeileres [= günstigeres] Holz haben, hat den Absatz vermindert und die Ware wohlfeiler gemacht."

Dies lässt erkennen, dass der Mangel an Holz in der Region wirtschaftliche Folgen hatte.

Der Fröbershammer

Humboldt berichtet auch über die Frischfeuer und den Zainhammer, die "vortrefflich eingerichtet" sind und "sehr gute Ware" liefern. Er merkt jedoch an, dass der Verlust an Eisen durch das Frischen beträchtlich ist (3/8). Als wahrscheinliche Ursache benennt er das "Anlaufen" (siehe unten).

In einem Frischfeuer wird das Roheisen bei starker Hitze wieder aufgeschmolzen. Mit einem Blasebalg wird Luft über die Eisenschmelze geführt, um dem im Eisen von der Herstellung noch vorhandenen Kohlenstoff zu verbrennen. Zwischendurch wird das flüssige Eisen immer wieder umgerührt. Ziel ist es, möglichst wenig Kohlenstoff im Eisen zu haben, um es weniger spröde und damit gut schmiedbar zu bekommen. Das Frischen dauert 5 bis 6 Stunden.

Der von Humboldt verwendete Begriff des "Anlaufens" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man das Eisen mit einer Stange unter Drehen aus der flüssigen Schmelzmasse herausgenommen hat. Während des Drehens setzte sich das Eisen an der Stange fest. Anschließend wurde es abgeschreckt und geschmiedet. Dann wurde das Eisen wieder in die Schmelzmasse gehalten und die nächste Schicht lagerte sich an. Der Vorgang wurde so lang fortgesetzt, wie sich das Eisen schmieden ließ und dem Schmied nicht zu schwer. Am Grund des Ofens setzte sich das minderwertige "Theileisen" ab. Durch das Schmieden werden noch vorhandene Schlackenreste aus dem Eisen entfernt.

Das Frischen des Eisens ist ein sehr viel Energie verbrauchender Vorgang. Humboldt berichtet, dass je Frischfeuer am Fröbershammer je Woche 42 Zentner Eisen gefrischt werden, wobei dafür 84 Kübel Holzkohlen verbraucht wurden. Hierzu benötigte man 17 bis 21 Klafter Holz (ganz grob 1 Klafter Holz = 3 Kubikmeter). Für beide Frischfeuer waren das pro Woche rund 102 bis 126 Kubikmeter Holz!

Lesen Sie hier den gesamten Text Humboldts über die Frischfeuer und den Zainhammer zu Bischofsgrün. Es sei hier als Beispiel der von ihm verwendeten Fachtermini und Darstellungsweise aufgezeigt.

Tipps

Glaswanderweg

Der Glaswanderweg ist ein industriehistorisch interessanter und naturräumlich reizvoller Themenwanderweg mit einer Länge von 42 Kilometern zwischen Weidenberg und Bischofsgrün. Er ist in die Abschnitte

  • Weidenberg - Sophienthal - Zainhammer
  • Zainhammer - Warmensteinach - Grünstein
  • Grünstein - Neugrün - Fichtelberg - Karches
  • Karches - Bischofsgrün

gegliedert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite www.glas-im-fichtelgebirge.de.

Waldglashütte am Ochsenkopf

Archivalische Notizen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben eine „Glas- und Knopfhütte am Fichtelberg“, entlegen an der Landesgrenze zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Kulmbach und Obere Pfalz. Archäologische Ausgrabungen unter Trägerschaft der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth e. V. zwischen 2004 und 2006 haben die Relikte der alten Proterobas-Glashütte wieder zum Vorschein gebracht. Die begleitenden archäologischen Untersuchungen sind ein allererster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen und interdisziplinären Aufarbeitung der Siedlungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte im zentralsten deutschen Mittelgebirge.

Die am südlichen Hang des Ochsenkopfes im heutigen Landkreis Bayreuth ausgegrabene Glashütte lässt sich weit zurückverfolgen. Lorenz Glaser bittet 1616 um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Hütte auf oberpfälzischen Grund an der Mooslohe. Der Standort zwischen Proterobas- und Quarzitgängen an dem aus den Kalten Brunnen fließenden Bächlein ist ideal gelegen.

Die Waldglashütte erreichen Sie am besten vom Parkplatz nahe der Bleaml-Alm auf dem Forstweg Richtung Ochsenkopf. An der ersten Abzweigung (ca. 400 Meter nach Eintritt in das Waldgebiet) nach rechts und dem Forstweg noch etwa 200 Meter folgen.

GEO-Tour Station 13: LUISENBURG / WUNSIEDEL
Humboldt in Luisenburg / Wunsiedel

Humboldt und die Luisenburg

Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Felsenlabyrinth der Luisenburg als berühmtester Besucher Johann Wolfgang von Goethe genannt. Dieser duchstieg Teile des Felsenmeeres 1785, noch vor der ersten Ausbauphase zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten, und bei einem zweiten Besuch 1820. Zu diesem Zeitpunkt war das Labyrinth schon nahezu in seiner heutigen Form begehbar. Über Besuche Alexander von Humboldts ist tatsächlich nur sehr wenig bekannt. Die Kenntnis davon stützt sich auf eine Reisebeschreibung des polnische Grafen de Lagarde-Messence in von 1819, in der es heißt: "[...] dort findet man ein rechtmerkwürdiges Moos, das in der Finsternis schimmert. Als Herr von Humboldt, Bergwerksmeister seines Zeichens, durch diese Berge ging, machte er die Analyse davon [...]". Aufzeichnungen Humboldts selbst hierzu sind jedoch heute nicht mehr verfügbar.

In Humboldts Inspektionsbereicht von 1792 findet sich die folgende Textstelle:
"Daß das relative Alter dieser Granit-Abänderungen sehr verschieden ist, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man auch die eine nicht selten ("an der Luxburg") als Bruchstück in anderen eingewachsen findet."

Einige Absätze weiter heißt Humboldt:

"Der Granit auf dem höchsten Kuppengebirge liegt teils söhlig (aie auf der Luxburg), teils schießt er (wie auf dem Schneeberge) unter 10° gegen Abend [nach Westen] ein."

Humboldt bezieht sich mit seinen Beobachtungen zweimal auf die Luxburg, die 1805 zu Ehren des Besuches der preußischen Königin Luise in Luisenburg umbenannt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass Humboldt diese Erscheinungen mit eigenen Augen gesehen hat. Anders wäre es auch verwunderlich gewesen, denn bereits ab 1790 begann die Begehbarmachung des Labyrinthes.

Humboldt und der Granit

Humboldt ist zu einer fränkischen Zeit noch dem "Lager der Neptunisten" zuzuordnen. Er folgt damit der Lehrmeinung seines Lehrers in Freiberg, Abraham Gottlob Werner. Danach wurde der Granit in einer frühen Phase der Bildung der Erdkruste aus einem Urozean, d.h. aus einem wässrigen Medkum, ausgefällt. Als ein Indiz dafür galt auch die "Schichtung" des Granits:

"Da, wo noch das alte Ausgehende1) des Granits zu sehen ist, d.i. auf einzelnen, turmähnlichen Kuppen, findet sich der Granit äußerst regelmäßig, wie dichter Kalkstein geschichtet, und zwar in Lagern zu 2 Fuß 8 Zoll."

1) Das Ausgehende meint hier "die obersten Schichten". Humboldt beschreibt hier Felstürme, Felsbastionen, an denen die horizontalen Lagerklüfte gut zu erkennen sind.

Seine erste Niederschrift ergänzt Humboldt bei einer Überarbeitung des Manuskriptes (zwischen August 1792 und April 1793) wie folgt:

"Ich glaube nämlich, daß aller Granit ursprünglich (da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten) d.h. im Ausgehenden geschichtet war und daß geschichteter Granit nur darum ein so seltenes (von einigen nicht reisenden Geognosten geleugnetes) Phänomen ist, weil wir überall gleichsam in den Vertiefungen der zerstörten Erdrinde wohnen und das alte Ausgehende des Granits nur auf den höchsten besuchten Punkten der Erdoberfläche zu suchen ist."

Für Humboldt ist der Granit nur in seinen obersten Abschnitten geschichtet: "[...] da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten." Auch wenn es im Inspektionsbericht nicht weiter ausgeführt ist, dürfte Humboldt den Granit in der Tiefe als strukturlose Masse betrachtet haben. Ob er Vorstellungen darüber hatte, wie es hierzu gekommen sein soll, ist ebenfalls nicht ausgeführt.

Bei Seußen nahe Arzberg macht Humboldt eine weitere Beobachtung in den granitischen Gesteinen des Fichtelgebirges, die ihm so bemerkenswert erscheint, dass er sie noch während seiner Inspektionsreise im Juli 1792 an den Herausgeber des Bergmännischen Journals schreibt (vermutlich am 23. Juli). Der Brief erscheint daraufhin noch in der Juli-Ausgabe des Journals.

"Auf einer Reise durch das Wunsiedler Bergamt entdeckte mein lehrreicher Begleiter Herr Hof-Kammerrath Tornesi, [...] zwei vollkommene Granitkugeln am Wege unweit Seisen [= Seußen]! Dies Phänomen wird Ihnen gewiß nicht weniger auffallend scheinen, als es mir war. Beide Granitkugeln waren von 14-16 Zoll im Durchmesser [35-40 cm][...]. Sie bestehen aus einem deutlichen feinkörnigen Granite mit vielem tombackbraunen Glimmer, und zeigen konzentrisch-schalige absonderte Stücke, von denen wir zwei Schalen ablößten. Beide waren noch ihrer natürlichen Lagerstätte, eingewachsen in einem grobkörnigen Granite, der sich durch den (am Fichtelberg nicht seltenen) kristallisierten Feldspat auszeichnete und der Verwitterung nahe war: ein Beweis also, daß selbst der Granit [...] die Fähigkeit [hat] sich kugelartig zu ballen!"

Was Humboldt in die Eigenschaft des Granits "sich kugelartig zu ballen" hineininterpretiert, lässt sich nicht ohne Weiteres erschließen. Es ist vermutlich vor allem eine Beobachtung, die er der geognostischen Gemeinschaft kundtun will. Humboldt erwähnt die Kugeln auch in seinem Inspektionsbericht:

"[...] kommen auch Granitkugeln mit 2- 3fach konzentrisch, schalig abgesonderten Stücken in einem verwitterten Granite bei Seäßen vor".

In einer nachträglichen Ergänzung kommentiert Humboldt:

"Ihre Art des Vorkommens zeigt, daß sie nicht sekundär sind. In anderen Teilen europäischer Gebirge sind sie noch nie entdeckt worden und unseren Gebirgen [...] ausschließlich eigen."

Die Beobachtung Humboldts zeigt sein Interesse und Gespür für das "Nichtalltägliche", die Besonderheiten, die es gilt weiter zu erforschen. Die von Humboldt beschriebene Erscheinung erklärt sich heute als Folge von Verwitterungsprozessen (was sich bei Humboldts Beschreibung ja bereits andeutet). Die "Kugeln" sind in einer Verwitterungsdecke infolge des richtungslosen Gefüges des magmatischen Gesteins entstanden. Ausgehend von einer quaderförmigen, durch Klüfte begrenzten Rohform sind die Gesteinskanten rasch verwittert. In die kugelige Form sind Verwitterungslösungen unterschiedlich weit eingedrungen (oder auch thermische Einwirkungen, Frost oder Temperatur) und haben die konzentrischen Schalen abgelöst.

Tipps

Besuchen Sie das Felsenlabyrinth der Luisenburg - eine der wichtigsten geologischen Lokalitäten im GEOPARK Bayern-Böhmen.

GEO-Tour Station 14: KLAUSEN / SEUßEN
Humboldt in Klausen / Seußen

Humboldt und das Klima

Alexander von Humboldt besucht das Püttnersche Alaunwerk Treue Freundschaft in der Klausen bei Seußen erstmals am 24. Juli 1792 im Rahmen seiner "Inspektionsreise". In seinem Bericht schildert er ausführlich das Werk und die Produktionsschritte der Herstellung von Alaun.

Schon in seinem Bericht beschreibt er die bituminöse Blätterkohle, in der "oft noch unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten" haben, zu finden sind. Humboldt erwähnt diese Fossilien auch in einem Brief an den Verleger des "Bergmännichen Journals" Hoffmann, der diesen bereits in der Juli-Ausgabe 1792 abdruckt. Dort heißt es:

[...]Bei Klausen an der Oberpfälzischen Grenze liegt das 21 Lachter mächtige Braunkohlenflöz unter einem Gerölle von mehr oder weniger verwitterten Basaltkugeln. Einige sind mit den Fingern zerreiblich, und doch erkennt man noch die 6-9 fach concntrisch schaligen abgesonderten Stücke. In der Braunkohle finden sich unversehrte Aeste von Tannenzweigen, die fast ihre natürliche Farbe erhalten haben, und so also gegen die Feuerrevolution zeugen. [...]"

Mit dem Zeugnis gegen die Feuerrevolution spielt Humboldt auf die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten an (siehe dazu Station Luisenburg und Steinhaus). Nachdem Basalte die Braunkohlen überlagern, war Humboldt der Meinung, dass - wären diese aus glutflüssiger Lava erstarrt - die Lava die Pflanzenfossilien in der Farbe verändert, vermutlich verbrannt hätten. Aus heutiger Sicht ist bereits die Interpretation der Lagerungsverhältnisse nicht richtig. Die Basaltblöcke sind in einer lehmigen Grundmasse durch den Prozess des Bodenfließens hangabwärts auf die Braunkohlenlager verfrachtet worden.

Die Sache mit der Ekliptik

Im November 1794 schreibt Alexander von Humboldt einen Brief an den Mathematiker Johann Friedrich Pfaff. Darin kündigt er ein größeres Werk unter dem Titel "Ideen zu einer künftigen Geschichte und Geographie der Pflanzen oder historische Nachricht von der allmäligen Ausbreitung der Gewächse über den Erdboden und ihren allgemeinsten geognostischen Verhältnissen" an, das "in 20 Jahren" erscheinen soll. In dem Brief erläutert Humboldt, dass selbst in hohen geographischen Breiten Pflanzenfossilien vorkommen, die unter "Tropenwärme" vor Ort gewachsen sind. "Unter den vielen möglichen Gründen, welche eine Tropenwärme [...] hervorbringen können, studiere ich den besonders über die veränderte Schiefe der Ekliptik ...". Humboldt bittet Pfaff um eine Stellungnahme darüber, ob die Ekliptik in der Vergangenheit nicht auch 48° (gegenüber heute 23 1/2°) betragen haben könnte. Die Antwort von Pfaff ist nicht erhalten, da Humboldt in aller Regel die an ihn gerichteten Briefe vernichtete. In einem Vortrag vor der Akademie zu Berlin am 24. Januar 1823 stellt Humboldt eine völlig andere Hypothese zum Wachstum wärmeliebender Pflanzen weit außerhalb der heutigen Tropen auf. Lesen Sie diese Textpassage hier

Humboldt schließt seinen Brief wie folgt:

"Auf meinen rauhen Felsenhöhen hänge ich solchen Träumereien nach. Beraubt von den nothwendigsten Hilfsmitteln muß ich mich an lebendige Orakel wenden ...".

Was ist Alaun?

Alaun ist chemisch ein wasserhaltiges Doppelsulfat (SO44-), ein Salz der Schwefelsäure, vermischt mit Tonerde, einer kleinen Menge Potasche (Kalium) und Ammonium. Verwendung fand Alaun u.a.

  • in der Färberei als Beizmittel vor dem Aufbringen von Farbstoffen,
  • in der Gerberei, um weißgares Leder herzustellen,
  • zum Leimen von Papier, um es tintenfest zu machen,
  • zum Härten von Gips und Gelatine,
  • zum Stillen innerer Blutungen und Durchfälle
  • zum Blutstillen bei Schnittwunden (Rasur)
  • als Deodorant

Alaun kommt in der Natur i.d.R. nicht als Mineral vor, sondern muss in mehreren Schritten aus Schwefel-führenden Gesteinen ausgelaugt werden. In Frage kommen dafür Braunkohlen oder Schwefelkies-haltige Alaunschiefer.

Das ehemalige Alaunwerk auf der Klausen

Bereits 1732 gab es in Hohenberg a.d. Eger die Braunkohlengrube "Freundschaft". Dort verbrannte man die Kohle und laugte sie anschließend zur Herstellung von Alaun aus. In Arzberg entstand 1765 eine Alaunhütte am Schachtweg "in der Biih" (= bei der Alaunhütte), die ihre Braunkohle ebenfalls aus Hohenberg bezog, jedoch bereits 1770 ihren Betrieb wieder einstellte.

Für das Gebiet der Klausen erwirbt der in Seußen ansässige Oberförster Balthasar Christoph Reiz die Mutungsrechte für die Zeche "Treue Freundschaft", die 1762 ihren Betrieb aufnimmt. Vor Ort entsteht ein Alaunwerk, in dem aus der Schwefelkies-haltigen Braunkohle bis 1837 (75 Jahre lang) Alaun produziert wird. Erwähnung finden die Schwefelkies-haltigen Braunkohlen allerdings schon in der von dem markgräflichen Bergrat Johann Wilhelm Kretschmann stammenden "Sammlung zu einer Berg Historia" als "Schefel Kieße von der Clausen, eine Stunde von Redwitz nach Arzberg zu, wobei eine Art Stein Kohlenn, so alaunisch seyn ...".

Eine erste Beschreibung des Alaunwerkes stammt von 1786:

"Das Werk besteht aus 2 Hauptgebäuden, wovon jedes 2 Stockwerke hoch ist. In denselben wird zu ebener Erde in 5 kleinen Blechpfannen die Lauge gekocht und in 5 größeren Bleipfannen abgekühlt [...]. Hinter dem Gebäude befindet sich eine Hütte mit 10 hölzernen Kufen verschiedener Größe, in welchen sich die Sole sammelt. 11 Personen liefern wöchentlich 8 Zentner Alaun und etwas rote Farberde". (Nach: J.K. Bundschuh, Geographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799-1804).

Alexander von Humboldt und das Alaunwerk auf der Klausen

Alexander von Humboldt widmet dem Alaunwerk auf der Klausen 1792 einen ausführlichen Bericht. Er stellt darin fest, dass das Gestein, "aus welchem man hier den Alaun gewinnt, [...] weder Alaunschiefer noch Alaunerde, sondern wahre Braunkohle" ist. Die Lagerstätte des Flözes bezeichnet er als "überaus merkwürdig".

Aus Humboldts Beschreibung der Lagenstätte lässt sich der folgende geologische Aufbau ableiten:

  • Humus
  • 2 - 3 m Verwitterungslehm mit 37 - 42 cm großen Basaltkugeln
  • 4 - 5 m weiße und braune Letten
  • darunter (ab ca. 8 m) folgt das Braunkohlenflöz

Die Mächtigkeit des Flözes ist offensichtlich unbekannt, es soll jedoch noch in 42 m Tiefe erbohrt worden sein. Humboldt hält fest, dass die Lagerstätte im Nordwesten von Gneisen begrenzt wird (man findet sie in mehreren Aufschlüssen heute noch entlang des nördlichen Uferweges. In der Braunkohle beschreibt Humboldt "unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten [haben], und unverwitterte Schwefelkiese."

Der Beschreibung Humboldts zufolge erreichten die Bergleute das Braunkohlenflöz von der Oberfläche her über mehrere mit großem Aufwand gezimmerte Schächte. Über diese wurde das "mit dem Keilhauer Gewonnene durch Haspel herausgefördert." Der eigentliche Abbaustollen lag bis in 28 Meter Tiefe und hatte eine Länge von rund 220 Metern in südlicher Richtung. Der größte Teil des Stollens war ausgezimmert.

Zur Zeit von Humboldts Besuch arbeiteten 12 Bergleute auf der Grube, das Alaunsieden erfolgte nur während der wärmeren Jahreszeit. Das mit verwittertem und unverwittertem Schwefelkies durchsetzte Alaunerz, die Braunkohle, wurde auf die "Bühne" verbracht, ein aus Balken und Brettern bestehendes Bauwerk oberhalb der Grube, die mundartlich so genannte "Biih". Auf der "Biih" wurden die Braunkohlen vor der eigentlichen Alaunproduktion erst eineinhalb bis zwei Jahre gelagert, um dort zu "wittern". Danach beginnt das Auslaugen (12-15 Jahre!). Während der Lagerung und später beim Begießen und Wenden der Braunkohlen oxidiert der Luftsauerstoff den Schwefelkies (Pyrit) in der Braunkohle. Die dabei freigesetzte Schwefelsäure löst aus den tonigen Begleitsedimenten der Braunkohle Aluminium, Kieselsäure und Bitumen heraus. Diese Lauge wird in einen Schuppen nahe der Alaunhütte geleitet, wo sie in mehreren, im Boden eingelassenen Vorratskästen (1,50 m im Durchmesser, 1,20 m tief) zwischengelagert wird.

Im nächsten Schritt wird die Lauge in drei "Läuterpfannen" 36 Stunden lang "gesotten" (gekocht). Während des Siedens setzen sich die bituminösen Bestandteile und die Kieselsäure als teerartige Masse ab, die getrocknet schwarz-glänzend ist und einen muscheligen Bruch hat. Die geläuterte Lauge wird zum Abkühlen in größere Pfannen geleitet, danach in zwei Garpfannen unter Zugabe von Pottasche (Kaliumkarbonat) 24 Stunden eingedampft.

Humboldt nennt in seinem Bericht, dass wöchentlich 5 Zentner Alaun produziert werden. Der Holzbedarf dafür beträgt 10 Klafter. Humboldt bilanziert daraus die jährliche Produktion von 100 - 120 Zentner Alaun mit einem Holzverbrauch von 200 - 240 Klaftern (bei 5 - 6 Monaten Betrieb). Kritisch äußert er sich über den hohen Holzverbrauch, den er u.a. einer unsachgemäßen Befeuerung und falschen Bauweise der Pfannen zuschreibt.

Das "Püttnersche Alaunwerk" auf der Klausen

Humboldt benennt das Alaunwerk auf der Klausen als das "Püttnersche Alaunwerk". Es gehörte demnach der Kaufmanns- und Bankierfamilie Jakob Friedrich Püttner (1720-1798) aus Hof, die auch Eigentümer der Vitriol- und Alaunhütte "Goldene Adlerhütte" bei Wirsberg war. Dessen Enkel, Georg Friedrich Püttner, war Kommilitone Humboldts in Freiberg und übernahm später das Vitriolwerk bei Wirsberg und die Alaushütte auf der Klausen.

Hüttenmeister zur Zeit des Besuches von Humboldt war der Johann Christian Ullmann, "... ein sehr verständiger Mensch, aber ehemaliger Bermann aus Johanngeorgenstadt, der sich wohl besser auf Bergbau als Pyrotechnik verstehen mag." (Humboldt). Von 1808 an leitete das Püttnersche Alaunwerk der aus der Niederlausitz stammende August Reinsch (1778 - 1869), der ausgebildeter Apotheker war. Er war zuvor als Laborant auf der "Goldenen Adlerhütte" tätig. Reinsch übernahm nach dem Tod des Obersteigers J.C. Benker 1805 die Leitung der 1795 von Alexander von Humboldt in Arzberg gegründeten Bergschule. Reinsch übernimmt einige Jahre vor 1833 das Alaunwerk zu eigener Pacht. Für das Jahr 1829 werden noch 5 Bergarbeiter und 10 Alaunsieder genannt. Das Alauswerk wird 1833 von den Püttnerschen Gewerken an den Seußener Gutsbesitzer Christian Paul Aecker verkauft. Reinsch geht als "Berg- und Hüttenfaktor" (Verwalter) des Schwefelkiesbergwerkes am Silberberg nach Bodenmais (heute Besucher-Bergwerk).

Der Niedergang des Alaunwerkes auf der Klausen

Der neue Eigentümer seit 1833 des Alauswerkes, Christian Paul Aecker aus Seußen, betrieb das Werk nach einer Angabe von Carl Wilhelm von Gümbel nur bis zum Jahr 1837. 1834 heißt es in einem Text jedoch bereits, das sich " [...] sämtliche Grubenbaue der 'Treuen Freundschaft'bei Seußen ohne alle Beaufsichtigung und Unterhaltung befinden, wodurch eine sehr üble Gruben- und Hüttenwirtschaft [entstanden] ist". 1853 kam es durch das Bergamt zu einer "Freierklärung", da die Erben des mittlerweile verstorbenen Christian Paul Aecker den Verpflichtungen des Bergamtes nicht nachkamen.

Vom Alaunwerk zum Freizeitsee

1870 entsteht an Stelle der aufgelassenen Bergbaugrube der Klausenteich, jedoch wird die Staumauer durch ein Hochwasser im Juni 1913 zerstört. Erst 1935 wird der Teich durch den Klausenwirt Georg Sölch neu angelegt. Dieser wird 1912 zusammen mit seiner Familie als Bewohner des Gebäudes Nr. 1 des Anwesens "Treue Freundschaft" genannt. Im anderen Gebäude (1a) lebten sechs weitere Familien. Das von dem Ökonomen und Bierwirt Wirtshaus bestand bis zur Flutung des Feisnitzsee 1972/73 als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlen-Kraftwerk Arzberg.

Tipps

Machen Sie einen Rundgang um den Feisnitz- bzw. Haid-Speichersee (Wegstrecke rund 2,2 Kilometer) oder besuchen Sie den 32 Meter hohen Aussichtsturm, die Waldenfelswarte, auf dem 633 Meter hohen Kohlberg. Von diesem haben Sie eine einzigartige Aussicht in das Fichtelgebirge, nach Böhmen und in die nördliche Oberpfalz (einfache Wegstrecke ab Parkplatz 1,6 Kilometer).

GEO-Tour Station 15: ARZBERG
Humboldt in Arzberg

Die Lagerstätten in Arzberg und Umgebung waren zurzeit Humboldts und darüber hinaus die ergiebigsten im Wunsiedler Revier. Abgebaut wurden die an den Wunsiedler Marmor gebundenen Eisenerze. Und dies bereits seit dem Mittelalter. Erst 1941 kam der Bergbau in Arzberg mit der Stilllegung der Zeche "Kleiner Johannes" zum Ende. Über die Geschichte des Bergbaus, das Wirken Alexander von Humboldts in Arzberg und die Geologie des Fichtelgebirges informiert die heute auf dem Gelände der ehemaligen Zeche bestehende Infostelle von Naturpark Fichtelgebirge und GEOPARK Bayern-Böhmen.

Entsprechend der Bedeutung von Arzberg hielt sich Alexander von Humboldt häufiger wohl auch in Arzberg auf, doch gibt es nachweislich nur wenige Briefe, die von hier stammen. Humboldt wohnte während seiner Aufenthalte in Arzberg im Müssel'schen Haus, dem heutigen Bergbräu. Eine Gedenktafel in der Hausfassade erinnert daran. Sie wurde bereits am 12. September 1880 dort angebracht. Der damalige Arzberger Bürgermeister gab bei der Einweihung der Gedenktafel das Versprechen, "dass er sowohl als auch alle seine Nachfolger dasselbe würdig für alle Zeiten schützen und der Nachwelt zum ewigen Andenken an den großen Gelehrten, auf den Deutschland, Europa, ja die ganze zivilisierte Welt stolz ist, erhalten wollen".

Wie in Steben richtet Alexander von Humboldt in Arzberg eine Bergschule ein. Ende Juni schrieb Humboldt von seinen Plänen an das Oberbergdepartement in Bayreuth. Man sei "dort oben in der Kultur zurück", und die Schule sei hier nötiger als irgendwo. Nach langem Suchen wäre die Wahl auf den Obersteiger Johann Caspar Bencker (†1805) als Schulleiter gefallen. Dieser sei ein verdienstvoller und sehr erfahrener Grubenbeamter, der gewiss auch als Lehrer einiges leisten würde. Im Herbst 1795 schreibt Humboldt in seinem Generalbericht über das Wunsiedler Revier, dass der Etat für die Schule bereits eingeplant sei. Begonnen wurde mit dem Unterricht jedoch erst 1796. Es handelte sich um eine Winterschule mit Unterricht von November bis Mai für "Bergjungen" ab dem 12. Lebensjahr. Weder in Arzberg noch in Wunsiedel ist allerdings ein Gebäude für die Bergschule nachweisbar. Es ist daher anzunehmen, dass der Unterricht in der Wohnung des Bergschullehrers abgehalten wurde. Im Jahr 1804 wurde die Arzberger Bergschule nach Goldkronach verlegt.

Lesen Sie hier die Textpassage aus Humboldts Generalbericht von 1795, in der er auf die geplante Bergschule in Arzberg eingeht.

Aus den Briefen und Berichten Alexander von Humboldts geht hervor, dass er in Arzberg häufig persönlich in die Bergwerke eingefahren ist. Schon während seiner Inspektionsreise 1792 besuchte er eine Reihe dieser Gruben:

"Die Gruben, welche ich befahren, waren Susannen-Glück und Goldkammer Fundgrube, Silberkammer Fundgrube, Anna Christiana Fundgrube, Gottes Geschick Fundgrube und Friedrich Christian Fundgrube. Die beiden Hauptgruben gehören dem Faktor Müßel, dessen Vater sein Vermögen dem Bergbau fast schon ganz aufgeopfert hatte, als er diese Werke aufnahm, welche ihm und den Nachkommen einen reichlichen Ersatz geben und die [Berg-] Baulust zu Arzberg aufs neue sehr rege gemacht haben".

St. Georg-Stollen im Röslautal

In seinem Generalbericht schreibt Humboldt auch über den St. Georg-Stollen im Tal der Röslau (= Gsteinigt). Konkret geht es um Verbesserungsvorschläge für den weiteren Ausbau des Entwässerungsstollens für die Arzberger Bergwerke (= Erbstollen). Über dem Eingang des 2008 wiederhergestellten Mundlochs stehen die Jahreszahlen 1722-1795-1817-2008. Sie kennzeichnen die wichtigsten Ausbau- und Sanierungsetappen des Stollens.

Der St. Georg-Stollen wurde 1722 im Tal der Röslau so tief wie möglich angelegt und bis 1727 bis zur Eisensteinzeche Morgenstein vorangetrieben. In einem Befahrungsbericht vom August 1770 wird erwähnt, dass der Stollen im Bereich der Zeche Morgenstern fast völlig verbrochen ist. Bis zur Grube "Gold- und Silberkammer" scheint er jedoch durchgängig gewesen zu sein. [3] Die Gold- und Silberkammer ist die wohl bedeutendste Grube des Wunsiedler Reviers.

Im Jahr 1817 wurde in dem Stollen erstmals eine "Wasserkunst" eingebaut. Darunter versteht man im Bergbau eine technische Vorrichtung zur Entwässerung von Grubenbauten. Diese wurde bereits von Alexander von Humboldt ins Gespräch gebracht. So schreibt Humboldt 1795 in seinem Generalbericht:

"Mein hartes Eindringen in den Faktor [= Unternehmer] Müssel, nach Vorschriften des B.[erg]Amts nun so zu bauen, daß die Gewältigung mit dem Kunstgezeuge möglich wäre [...]."

Im nächsten Satz heißt es:

[...] und hielt es für besser, jetzt loszubrechen, als eine so wichtige den Arzberger Bergbau allein erhaltende Arbeit verzögert zu sehen."

Für den Einbau einer Wasserkunst will Humboldt die technischen Voraussetzungen schaffen. So schlägt er zunächst die Beseitigung von Krümmungen im bestehenden Stollen vor.

"Bei einem so langen Gestänge, zu dem man sich ja ohnedies nur aus Noth verstehen mußte, weil kein anderes Mittel die Arzberger Gruben zu sichern übrig blieb, bei einem so langen Gestänge muß jede Krümmung vermieden werden."

Mit dem Einbau der Wasserkunst sollte es möglich werden, insbesondere die Abbausohlen der ertragreichen Gold- und Silberkammer Gruben tiefer zu legen. Erst nach Humboldts Weggang wird die technische Anlage 1797 bis ins Detail geplant. Umgesetzt wurde sie jedoch erst im Jahr 1817. Angetrieben wurden die eingebaute Wasserhebemaschinen (mit 20 Pumpwerken, verbunden über ein Gestänge im St. Georg-Stollen) durch ein unterschlächtiges Wasserrad im Röslautal. Der Schacht der Grube Gold- und Silberkammer konnte bis 1841 auf 120 Meter unter Gelände abgeteuft werden. Noch heute sind im Uferbereich die Reste der ehemaligen Radstube zu erkennen.

Lesen Sie hier Humboldts Originaltext zum Sankt-Georg-Stollen.

Der St. Georg-Stollen besteht noch heute. Während des 2. Weltkrieges diente ein Teil von ihm den Arzbergern zeitweilig als Luftschutzraum. Nach dem Krieg wurde das Mundloch verschlossen und war kaum noch als solches zu erkennen. Im Jahr 2008 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und nach der alten Aufnahme von 1913 in seiner heutigen Form saniert. Seit 2009 gehört das Gsteinigt mit seinen geologischen und montanhistorischen Zeugnissen zu den "100 schönsten Geotopen von Bayern".

Humboldt-Orte in Arzberg

Müssel-Haus / Bergbräu

Bei seinen Aufenthalten in Arzberg wohnte Alexander von Humboldt auf dem Kirchberg im Hause der Patrizierfamilie Müssel.

Infostelle Altes Bergwerk Kleiner Johannes

Die Infostelle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eisenerz-Bergwerkes Kleiner Johannes. Sie zeigt in mehreren Räumen einen Querschnitt durch die wichtigsten Gesteine und Mineralien des Fichtelgebirges sowie die Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Auf dem Gelände befindet sich eine kleine Ausstellung mit Gesteinsexponaten aus dem Fichtelgebirge, der Nachbau der ehemaligen Förderanlage sowie ein Schaustollen. Eine 2017 ergänzte Ausstellung zur ehemaligen Specksteingrube Johannes bei Göpfersgrün ist nur zu besonderen Zeiten möglich.

Anschrift: Altes Bergwerk, Altes Bergwerk 1, 95659 Arzberg
Telefon: (0)9233 40 40 (Stadt Arzberg)
GPS: 50.059242, 12.192009

Öffnungszeiten der Infostelle:
Von Josefi (19.3.) bis Barbara (4.12.),
jeweils von 8 - 17 Uhr

Das Bergbaurevier Arzberg-Röthenbach

Die Verhältnisse im einstigen Arzberg-Röthenbacher Revier sind in der Monografie von Ernst Schmidtill (1963) ausführlich beschrieben. Die Lagerstätte, die an den Marmorzug gebunden ist, ist zwischen Röthenbach und Arzberg zweigeteilt in einen südlichen und einen nördlichen Erzzug (entsprechend zweier Marmorzüge). Das Profil der unten gezeigten Karte zeigt zwei voneinander getrennte Marmorlagen, die durch einen Phyllitrücken getrennt sind. Marmor und Phyllite fallen mit 70 - 80° nach Südwesten ein. Der Phyllitrücken ist bei Röthenbach etwa 60 Meter mächtig, östlich davon nur noch rund 30 Meter. Bei Arzberg ist er überhaupt nicht mehr vorhanden.

Mehr erfahren

Tipps

Volkskundliches Gerätemuseum Bergnersreuth

Das Museum Bergnersreuth ist ein Freilichtmuseum in einem alten Bauerngehöft. Neben den Dauerausstellungen zu den landwirtschaftlichen Geräten gibt es Abteilungen zur Bodenqualität und -bearbeitung. Original erhalten sind teils die Wohnstuben der ehemaligen Bewohner. Das Museum ist auch Station der GEO-Tour Boden des GEOPARK Bayern-Böhmen.

Anschrift: Wunsiedler Str. 14, 95659 Arzberg
Telefon: (0 92 33) 52 25
Internet: www.bergnersreuth.de

Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: jeweils von 10-17 Uhr (Montg geschlossen)

GEO-Tour Station 16: STEINBERG / Steinhaus Thiersheim
Humboldt in Steinberg / Steinhaus Thiersheim

Humboldt, die Kohle und der Vulkan

Das Steinhaus liegt am Fuße des "Steinberg-Vulkans". Dieser gehört zusammen mit dem "Neuhauser Schloßberg" und dem bereits in Tschechien liegenden "Plattenberg" (Blatná) zu einem vulkanischen "Dreigespann" an der bayerisch-tschechischen Grenze. Zwischen dem Steinberg und dem Plattenberg hat sich die Eger in einem markanten Tal eingetieft.

Der Steinberg wird von Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit der Suche nach Steinkohlen erwähnt. Der hohe Bedarf an Brennmaterial für das Montanwesen weckte schon vor Humboldts Amtszeit in Franken das Interesse der Bergbehörde an diesem fossilen Energieträger, doch war die Suche danach wohl eher unsystematisch. Humboldt stellt die Kohleprospektion auf neue Füße. Der Fokus lag dabei in den Gebieten zwischen Bayreuth und Kulmbach (Kulmbach/Kessel, Schlemme/Schlämm, Lanzendorf: Lettenkohlen/Keuper), Neustadt am Kulm (Lettenkohlen/Keuper) und in der Umgebung des Steinberges (Tertiär).

Am 22. Oktober 1794 schreibt Alexander von Humboldt an der Oberbergdepartement in Bayreuth:

"Da durch einzelne, unvollendete Versuche auf Steinkohlen bisher die Frage, ob wir bauwürdige Flöze im Lande haben, nicht entschieden und viel Geld versplittert worden ist, so hatte ich mich entschlossen, die Sache methodisch anzugreifen.[...] und gab ihm [dem Berggeschworenen Sievert] eine ausführliche Anweisung, alle Punkte, wo nur Sage oder Hofnung auf Steinkohlen wäre, einzeln zu untersuchen und ein Verzeichniß davon anzufertigen. Ich hielt es für ökonomisch wichtig genug, wenn man nur eine sichere Liste solcher Orte niederlegen könnte, wo nicht mehr zu suchen ist, statt dass man sonst immer auf dieselben Punkte zurückkehrt. Ich habe, indem ich dies Verfahren dem Hochl.[öblichen] K[öniglichen O.B. Dep. gehorsamst anzeige, die Ehre, den Anfang der Sieverschen Arbeit in der Anlage einzureichen, weit entfernt indes von der Besorgnis, dass alle Versuche, welche

bei Culmbach,
bei Lanzendorf und Schlemme,
unter den Basalten der Arzberger Refier und vielleicht bei Sulz im Ansbachischen anzustellen sind, gleich fruchtlos sein werden."

In einem weiteren Schreiben am 19. März 1795 schlägt Humboldt tiefere Bohrungen (20 - 24 Lachter, ca. 40 - 48 m) u.a. "an den Basalten des Wunsiedler Refiers" (am Steinberg) vor. Die Bohrung am Steinberg wird in der Folgezeit auch durchgeführt. Jedoch ohne einen erhofften Erfolg.

Im Herbst 1796 erreicht Humboldt eine Anfrage des Oberbergdepartements zu einer weiteren Erkundungsbohrung bei Kothigenbibersbach. Humboldt rät davon ab. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut der Briefes Humboldts an das Oberbergdepartement.

Der Vulkan und der Basalt

Auch wenn es der Titel unserer Tafel suggeriert, Alexander von Humboldt sah im Steinberg keinen Vulkan. Dass es sich dabei um einen Basaltberg handelte, war ihm bewusst. Das geht aus seinen Briefen ans Oberbergdepartement hervor. Humboldt war während seine Zeit in Franken jedoch noch Anhänger der Lehrmeinung Gottlob Abraham Werners. Dieser war in Deutschland der wichtigste und einflussreichste Vertreter der "Neptunisten". Diese sahen im Basalt ein aus einem Urozean ausgefälltes Gestein, das in keinem Zusammenhang mit Gesteinsschmelzen oder Vulkanen stehen würde. Vulkane waren für die Neptunisten dagegen das Ergebnis im Untergund brennender Kohlelager. Humboldt maß daher dem Basalt des Steinberges keine besondere Bedeutung bei.

Tipps

Hutschenreuther Gedenkstein

Besuchen Sie den Carolus Magnus Hutschenreuther-Gedenkstein. Dieser erinnert an das Auffinden von Kaolin in der Nähe des Steins durch den Begründer der C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg a.d. Eger (1822). Tatsächlich hatte ihm das Kaolin sein Verwandter und späterer Schwiegervater, der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, bei einem Besuch in Hohenberg gezeigt. Hutschenreuther blieb in Hohenberg und richtete 1814 in Räumen der Hohenberger Burg, die ihm Reuß zur Verfügung gestellt hatte, eine Porzellanmalerei ein. Das Jahr 1814 gilt daher auch als Geburtsjahr der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge. In Sichtweise zum Gedenkstein liegt eine ehemalige Farberde-Grube (mit kleiner Infotafel).

Geotop Heiligenberg

Über den "Mittelweg" ("M") erreichen Sie das auf der Nordostseite des Steinberges liegende Geotop "Heiligenberg". Dort können Sie die Basalte des Steinberges in anstehenden Felsen sehen. Von hier aus hat man auch eine Aussicht ins Egerer Becken.

© GEOPARK Bayern-Böhmen

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Infomaterialien

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Arzberg

Faltblatt „Kleiner Johannes“ – Zeche in Arzberg

Aschaffenburg: Kulturweg 3 „Gailbach – Marmor, Stein und Spessartit“

Spessartprojekt

© Archäologisches Spessartprojekt e.V.

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Archäologisches Spessartprojekt

Kulturwege

Die Kulturwege sind – gemeinsam mit den archäologischen Projekten – das Aushängeschild des Archäologischen Spessartprojekts.

Seit 1999 entsteht ein immer dichteres Netz von Kulturwegen, auf denen die Kulturlandschaft Spessart erlebbar und begreifbar wird.

Zu jedem Kulturweg erscheint ein Folder mit einer Wegbeschreibung und Kurzbeschreibung der Stationen. Eine Auswahl der Kulturwegefolder finden Sie in der Geschäftsstelle des Spessartbundes (Treibgasse 3, 63739 Aschaffenburg).

Kennzeichnend für die Gailbacher Geschichte ist die hohe Anzahl von Steinbrüchen, die in ihrer Vielfalt und Anzahl rund ums Dorf einmalig sind.

So erscheinen die umgebenden Höhen Kaiselsberg, Findberg, Stengerts und Weißberg bereits auf der Spessartkarte des Nürnberger Kartografen Paul Pfinzing von 1562/94. Hier wurden hauptsächlich Buntsandstein, Spessartit sowie Feldspat abgebaut, wobei der Sandsteinabbau besonders traditionsreich war.

Die Armutsperiode, die zwischen 1750 und 1950 den gesamten Spessart erfasste, war in Gailbach besonders folgenreich. Nur noch wenige Relikte aus früheren Epochen haben sich erhalten, darunter der ehemalige Pestfriedhof. Der Kulturweg führt in der Gailbacher Kulturlandschaft auf abwechslungsreiche Weise durch Feld und Wald – immer wieder mit überraschenden Ausblicken.

Wegbeschreibung

Man beginnt die ca. 8 km lange Wanderung an der 1969 neu errichteten Matthäuskirche und folgt dem Kulturwanderweg bis zu einem Aussichtspunkt am Waldrand. Von hier aus bietet sich dem Wanderer bei guter Sicht ein wunderbarer Blick ins Rhein-Main-Gebiet bis zum Feldberg im Taunus.

Nach ungefähr einem Kilometer durch den schattigen Wald, gelangt man zum Bensenbruch mit seinem Bildstock. Folgt man der Markierung weiter, kommt man zu einem besonderen Naturdenkmal, der sogenannten „Dick Aasche“, auch als Frühstückseiche bekannt, da Aschaffenburger Wanderer auf dem Weg zur Hohen Wart schon vor vielen Jahren hier eine Rast einlegten.

Noch vor dem Erreichen des Ausgangspunkts in Gailbach, führt der Wanderweg zum alten Marktplatz, der mit den umgebenden Fachwerkhäusern noch einen dörflichen Charakter aufweist. An dieser Stelle der Rundwanderung hat man die Möglichkeit, einen Abstecher zum Marmorsteinbruch zu unternehmen.

Station 1: Start an der Matthäuskirche

Gailbachs (Wirtschafts)geschichte wurde stark von den Steinbrüchen geprägt, deren Zahl und Vielfalt rund ums Dorf einmalig sind. Die Höhen rund um Gailbach, Kaiselsberg, Findberg, Stengerts und Weißberg erscheinen bereits auf der Spessartkarte des Nürnberger Kartografen Paul Pfinzing 1562/94 namentlich – ein deutlicher Hinweis auf ihre Bedeutung. In Gailbach wurde hauptsächlich Buntsandstein abgebaut, daneben aber auch
Spessartit sowie Feldspat. Die Armutsperiode, die zwischen 1750 und 1950 den gesamten Spessart erfasste, war in Gailbach besonders folgenreich. Nur noch wenige Relikte aus früheren Epochen haben sich erhalten,  arunter der ehemalige Pestfriedhof…

PDF-Download Infotafel 1

Station 2: Ausblick

Hinter Gailbach sind die Papierwerke von Stockstadt und die Hochhäuser von Mainaschaff (Bild 1-3) zu erkennen. Bei guter Sicht kann man dahinter die Skyline von Frankfurt (Bild 4) und den Taunus mit dem Feldberg (Bild 5 und 6) sehen…

PDF-Download Infotafel 2

Station 3: Bensenbruch

Nahe der Gemarkungsgrenze zu Dörrmorsbach steht der Schwind-Bildstock, der auf ein Versprechen während des Zweiten Weltkrieges zurückgeht. Da Gailbach und Dörrmorsbach in der Karwoche 1945 Kampfgebiet wurden, brachten sich die Menschen vor Bomben und Granaten in Kellern und Stollen in Sicherheit. Auch im Bensenbruch, einem alten Steinbruch, suchten die Menschen Zuflucht. Ein etwa 15 Meter langer und über 2 Meter hoher Raum, in Form eines Kellergewölbes, konnte 50 bis 60 Personen aufnehmen…

PDF-Download Infotafel 3

Station 4: Frühstückseiche

Gailbachs (Wirtschafts)geschichte wurde stark von den Steinbrüchen geprägt, deren Zahl und Vielfalt rund ums Dorf einmalig sind. Die Höhen rund um Gailbach, Kaiselsberg, Findberg, Stengerts und Weißberg erscheinen bereits auf der Spessartkarte des Nürnberger Kartografen Paul Pfinzing 1562/94 namentlich – ein deutlicher Hinweis auf ihre Bedeutung. In Gailbach wurde hauptsächlich Buntsandstein abgebaut, daneben aber auch Spessartit sowie Feldspat. Die Armutsperiode, die zwischen 1750 und 1950 den gesamten Spessart erfasste, war in Gailbach besonders folgenreich. Nur noch wenige Relikte aus früheren Epochen haben sich erhalten, darunter der ehemalige Pestfriedhof…

PDF-Download Infotafel 4

Station 5: Alter Kirchplatz

Noch ein weiterer prächtiger Fachwerkbau ziert diesen Platz. Dieses Wohnhaus im Stengertsweg 1 gilt als gelungenes Beispiel einer Rekonstruktion. Zwar war das ursprüngliche Bauernhaus nicht mehr zu retten, doch wurde es 1994 auf den alten Grundmauern orginalgetreu und nach alter Bauweise aufgerichtet…

PDF-Download Infotafel 5

Aussenstation: Marmorsteinbruch

Einzigartig ist der Auschluss des „Weißen Steinbruchs“, wo Kalkspat gefördert wurde. Um 1870 begann man den Abbau für die Zellstofffabrik in Aschaffenburg-Damm, die den Kalk für die Papierherstellung verewandte.

Geologisch handelt es sich um kalkige Sedimente, die durch Hitze und Druck zusammen mit den umgebenden Gesteinen zu den Marmoren und Silikatmarmoren umgewandelt wurden.

Lage

Bei dem „Weißen Steinbruch“ handelt es sich um einen schluchtförmiger Steinbruch im Marmor, der später untertägig fortgeführt wurde (“ Schacht „Heinrich“), ca. 700 m SE der Dümpelsmühle und südlich der Elterhöfe.

Der Zugang erfolgt über den „Reiterweg“, einem Abzweig von der Aschaffenburger Straße (von Aschaffenburg  nach Gailbach), gegenüber der Bushaltestelle „Gaibachtal“.

Infomaterialien

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Gaildorf

Faltblatt „Marmor, Stein und Spessartit“

Aschau: „Geologie erleben“ – Das geologische Fenster an der Prien bei Bach

© Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

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Die kurze Wanderung führt von der Tourist-Info Aschau i. Chiemgau zu einem seltenen und interessanten Stück Geologie: Ein „Fenster“ lässt in den Untergrund blicken.

Wegbeschreibung

Die Wanderung beginnt an der Tourist-Info Aschau i. Chiemgau und folgt dem Grenzenlos-Wanderweg entlang der Prien nach Süden.

Nach Bach führt die Wanderung in das „Fenster von Aschau“.

Ein geologisches Fenster wäre gar keine so seltene Sache: Da bräuchte es nur ein Loch in einer Schichtfolge und man schaut durch den Rahmen aus jüngerem Gestein hinunter in eine ältere Schicht. Hier bei Bach liegt aber ein „tektonisches“ Fenster vor. Und das ist schon etwas viel selteneres. „Tektonisch“ heißt in der Geologie, dass in der Erdkruste Bewegungen stattgefunden haben. Hier im Priental wurden vor Jahrmillionen bei der Alpenbildung zwei Schichtstapel aus Gesteinen übereinandergeschoben. Kurze Konzentration bitte: Ein Schichtstapel mit älteren Ablagerungen unten und jüngeren Ablagerungen oben wird auf einen Stapel gleicher Altersabfolge aufgeschoben. (Solche Schichtstapel, die kilometerweit übereinandergeschoben wurden, nennt der Geologe „Decken“.) Hat man nun ein Loch in der oberen Decke und schaut auf das Gestein der unteren Decke, dann – und das ist das Besondere! – liegt in einem Rahmen von älterem Gestein jüngeres Gestein.

Und wie entsteht so ein Loch in der oberen Decke? Hier bei Bach sind die Schichten aufgewölbt, nach oben verbogen, und die Verwitterung hat den herausragenden Teil der oberen Decke abgetragen und dadurch einen Ausschnitt der unteren Decke als „Fenster“ freigelegt.

Geologische Sehenswürdigkeiten
Geotop "Deckenüberschiebung an der Prien bei Bach"

An der Felswand neben der Straße zeigen sich zuerst rötliche, dünnbankige, stark verfältelte und zerscherte Gesteine. Das sind Mergelkalke (Mergel = Kalk + Ton) des Oberjura (Alter 150 Millionen Jahre) der unteren Decke. Sie wurden durch die Auflast und den Schub der oberen Decke stark verformt.

Dann kommt die deutliche Grenze zwischen der unteren und der oberen Decke – die Überschiebungsbahn. Die Gesteine sind hier durch die Bewegung bis zur Unkenntlichkeit zermahlen.

Darüber liegen massige bis gebankte Gesteine – der Alpine Muschelkalk der oberen Decke. Der Kalkstein des Alpinen Muschelkalks wurde vor etwa 245 Millionen Jahren abgelagert. Angewittert ist das Gestein hell, angeschlagen aber mittel- bis dunkelgrau. Die dunkelgraue Farbe hat der Alpine Muschelkalk von einem leichten Gehalt an Bitumen. Schlägt man zwei Gesteinsstücke aneinander, kann man das auch riechen.

Geopunkt "Steinbruch im Alpinen Muschelkalk"

Kurz nachdem die Straße die Engstelle verlässt, lädt eine Bank zum Verweilen ein. Auf Tafeln kann die Geologie hier am „Fenster von Aschau“ noch einmal nachgelesen werden. Die Wanderung endet an einem aufgelassenem Steinbruch in verfalteten Gesteinen des Alpinen Muschelkalks. 

Infomaterialien

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Aschau

„Geologie erleben“ – Das geologische Fenster an der Prien bei Bach – keine Infomaterialien vorhanden!

Aschau: „Geologie erleben“ an der Kampenwand – „Hoch oben auf dem Meeresgrund“

© Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

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Diese geologische Wanderung folgt der Via Alpina von der Bergstation der Kampenwandbahn vorbei am Staffelstein zur Steinlingalm. Sie führt mit einem Abstecher hinauf auf über 1.600 m zur Kampenwand.

Die Strecke ist mit 2,1 km recht kurz und der – bei Weglänge und -zeit nicht einberechnete – Rückweg wäre der gleiche. Bei einem Tagesausflug mit der Bergbahn bleibt also genug Zeit, die Geologie am Wegrand & in der Ferne zu erkunden. Der breite Hauptweg zur Steinlingalm unterhalb der Kampenwand ist einfach zu begehen und verlangt wenig Kondition. Für einen kurzen Abstecher nach der Sonnenalm ist auf schmalem Pfad Trittsicherheit gut. Wer noch zur Kampenwand hoch möchte, braucht Kondition und muss eine kleine Kraxelei mithilfe der Hände bewältigen.

Auf der Wanderung werden auf 2 Kilometern Wegstrecke die Ablagerungen von 20 Millionen Jahre Erdgeschichte durchquert. Die Geschichte der Gesteine an der Kampenwand ereignete sich in der Triaszeit vor 240-220 Millionen Jahren. Wie fast immer, wenn Ablagerungsgesteine („Sedimente“) erhalten sind, wurden sie ursprünglich am Meeresboden abgesetzt. Etwa 130 Millionen Jahre später in der Kreidezeit war die Gebirgsbildung der Alpen dann in Gange: Durch die Plattenbewegung schlossen sich Ozeane, in der Folge kollidierten Kontinente und Meeressedimente wurden zusammengeschoben, verfaltet und übereinandergeschoben. Deshalb liegt alter Meeresgrund heute als Gestein hoch oben in den Bergen.

Wegbeschreibung

Wenn … der Himmel blau und die Fernsicht unendlich ist … dann beginnt die Wanderung mit einem Paukenschlag.

Geologische Sehenswürdigkeiten
GeoAussichtspunkt "Tauernblick"

50 m von der Bergstation kann man auf einer Bank Platz nehmen und über herbeigeschaffte ortstypische Gesteinsblöcke hinweg Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Loferer Steinberge, Hohe Tauern und Wilden Kaiser anpeilen.

Hallo Afrika! Das ist keine schlechte Einleitung für diese geologische Wanderung: Der Blick in Richtung Afrika ist auch ein Blick in die geologische Vergangenheit. Die Gesteine, die wir heute sehen werden, wurden nämlich weit im Süden im Meer auf der späteren afrikanischen Platte abgelagert. Als sich bei der Alpenbildung der Ozean zwischen afrikanischer und europäischer Platte schloss und die Kontinente kollidierten, wurden die alten Meeresablagerungen weit auf die europäische Platte herübergeschoben. Wie weit lässt sich erahnen, wenn man erfährt, dass die Nahtstelle zwischen den beiden Platten von hier aus hinter (!) den Hohen Tauern liegt.

Beiderseits des Wegs ist hier Weidegelände. Wiesen deuten meist auf Gesteine im Untergrund hin, die zu Tonen verwittern und dadurch Feuchtigkeit gut speichern können und auf denen Quellen austreten, an denen das Vieh getränkt werden kann. Hier sind es die Ton- und Mergelsteine der Partnach-Formation.

Mergelsteine sind kalkreiche Tonsteine. Wird bei der Verwitterung der Kalk weggeführt, dann bleibt Ton übrig.  Feuchter Ton ist ziemlich rutschig.  Das zeigt sich bei Nässe in dem Pfad, der kurz nach der Sonnenalm mit Wegweiser Richtung Steinbergalm nach rechts unten führt.

Formation

Als Formation bezeichnet der Geologe eine im Gelände leicht unterscheidbare und in Karten gut darstellbare Gesteinseinheit. Sie ist durch eine genaue Gesteinsbeschreibung an einem bestimmten Ort („Typlokalität“) definiert. Bei der Partnach-Formation liegt die Typlokalität an der Partnach im Wettersteingebirge.

GeoPunkt "Partnach-Formation"

Ein kleiner Abstecher auf diesem Pfad führt zu anstehenden Ton- und Mergelsteinen der Partnach-Formation und zu  Kalksteinbänken, die dazwischen eingeschaltet sind. Die Kalksteine enthalten Einschlüsse von Pyrit, einer Eisen-Schwefel-Verbindung, die rostig verwittert. Der Schwefel im Gestein ist ein Anzeichen dafür, dass zum Zeitpunkt der Ablagerung am Meeresboden sauerstoffarme, reduzierende Verhältnisse herrschten. Die Partnach-Formation wurde in Meeresbecken abgelagert, die Wetterstein-Formation – der wir bald begegnen werden – auf den dazwischenliegenden Schwellen.

Geopunkt "Alpiner Muschelkalk"

40 m weiter den Weg abwärts steht die unter der Partnach-Formation liegende – und damit ältere – Schichtfolge des Alpinen Muschelkalks an. Sie besteht hier im höheren Teil aus dünnbankigen grauen Kalksteinen.

Genug des Abstechers und wieder auf dem Pfad hinauf: Diesmal gehen wir in der Schichtfolge von alt nach jung aufwärts vom Alpinen Muschelkalk durch die Partnach-Formation zur Wetterstein-Formation.

Der Kalkstein der Wetterstein-Formation – kurz: Wettersteinkalk – steht oben bankig im Hauptweg an und in Blöcken beiderseits des Wegs. Am Wegweiser zeigt der Blick in Richtung Sonnenalm einen großen Block von Wettersteinkalk mit einer Störungsfläche.

GeoPunkt "Störungsfläche"

Auf einer senkrechten, leicht gebogenen Fläche sind parallele Striemen zu sehen. An dieser Fläche hatten sich unter seitlicher Pressung zwei Gesteinsblöcke gegeneinander verschoben. Die Striemen zeigen die Bewegungsrichtung an. Der Block mit dem Gegenstück der Störungsfläche liegt abgekippt unterhalb. 

GeoPunkt "Wetterstein-Formation"

Der Kalkstein der Wetterstein-Formation begleitet den Wanderer jetzt ein ganzes Stück bis zu einem Aussichtspunkt mit Kreuz und bis zum Staffelstein. Der Wettersteinkalk baut auch die Felsmauer der Kampenwand auf und ist einfach deshalb das augenfälligste Gestein der Wanderung.

Die Wetterstein-Formation wurde vor etwa 235 Millionen Jahren auf Schwellen eines seichten Meers am Rande eines Kontinents abgelagert.  Der Wettersteinkalk entstand südlich seiner heutigen Lage in einem tropischen bis subtropischen Klima aus den versteinerten Schalen abgestorbener Lebewesen und Skelettresten ehemaliger Riffbewohner.

Als fast reiner Kalkstein zeigt der Wettersteinkalk Karren. So schöne Karren entstehen unter Bodenbedeckung, wenn eingesickertes „saures“ Regenwasser auf dem Fels abfließt und Kalk löst. Später ist dieser Felsblock gekippt, der Boden wurde weggespült und die Karren wurden freigelegt. 

Auch der beeindruckende Kletterfels des Staffelsteins besteht aus Kalkstein der Wetterstein-Formation.

Kurz darauf beginnt mit einer Geländemulde, die auf weichere Gesteine hinweist,  die jüngste Schichtfolge unserer Wanderung: die Raibl-Formation. Bisher sind wir im Aufstieg in immer jüngere Gesteine gekommen. Jetzt, im leichten Abstieg, müsste es eigentlich wieder in ältere Schichten gehen: Zeit, über den tektonischen Bau des Kampenwandgebiets zu reden.

GeoAussichtspunkt "Tektonik"

Die Tektonik beschäftigt sich in der Geologie mit dem Bauplan der Erdkruste und den stattfindenden oder stattgefundenen Bewegungen. Am Geopunkt Störungsfläche wurde ein tektonisches Thema angesprochen. Die angesprochene Alpenbildung ist ein  großes tektonisches Thema. Tektonik ist immer im Spiel, wenn Schichten nicht mehr horizontal und zusammenhängend so liegen, wie sie im  Meer abgelagert wurden, sondern an Störungen versetzt, verbogen oder in Falten gelegt wurden.

Hier an der Kampenwand sind die Schichten in Form einer großen Schüssel verbogen – der Geologe nennt es eine tektonische Mulde.  Die Wand der Schüssel wird vom Wettersteinkalk gebildet, in der Schüssel liegt die darüberliegende und jüngere Raibl-Formation und ganz in der Mitte als jüngste Schicht und Sahnehäubchen liegt der Hauptdolomit oben auf dem Sulten. Und tatsächlich lässt sich auch der Rand der Schüssel als ein Felszug von Wettersteinkalk in einem großen ovalen Ring um den Sulten herum verfolgen: Der Südrand wird von Hirschenstein, Staffelstein und Kampenwand gebildet, der Nordrand von Maiswand und Gedererwand. In der Abbildung wurde das digitale Geländemodell mit der geologischen Karte überlagert. Zu erkennen sind der oval und fast rundum laufende „Schüsselrand“ der Wetterstein-Formation (rosa), der „Schüsselinhalt“ aus Raibl-Formation (dunkelbraun) und das „Sahnehäubchen“ aus Haupdolomit (hellbraun).

Die Verbiegung der Schichten ist also der Grund, dass wir beim leichten Abstieg in die Schüssel hinein in jüngere Gesteinsschichten kommen. 

GeoPunkt "Raibl-Formation"

Die Raibl-Formation ist eine Schichtfolge mit einer breiten Palette von Gesteinen: Sandsteine, Tonsteine, Mergelsteine, Kalksteine, Dolomitsteine und Rauhwacken. Das liegt daran, dass sie küstennah abgelagert wurde. Flüsse haben Sand ins Meer geschüttet: Sandstein. Die feineren Bestandteile dieser Flussschüttungen wurden weiter draußen in ruhigen Becken abgelagert: Tonstein. Kamen hier in den Becken noch Schalenreste von kleinen oder kleinsten Meeresbewohnern dazu: Mergelstein (=Tonstein + Kalkstein). Tummelten sich auf Schwellen zwischen den Becken nahe der Meeresoberfläche im hellen und sauerstoffreichen Wasser reichlich Meeresbewohner wie Schnecken, Muscheln, Schwämme und Korallen: Kalkstein. Dampften im heißen Klima flache Meeresbecken ein: Dolomitstein (= magnesiumreicher Kalkstein) und Rauhwacke. Rauhwacken sind zellig-löchrige Kalk- oder Dolomitsteine.

Die Einmuldung im Gelände nach dem Wettersteinkalk zeigt in der Böschung braune Sandsteine. Danach folgen bis zur Umbiegung des Wegs Dolomite und Kalksteine der Raibl-Formation schön aufgeschlossen. Die für die Raibl-Formation charakteristischen Rauhwacken sind längs des weiteren Wegs zur Steinlingalm in Lesesteinen oder zwischen dem Wettersteinkalkschutt von der Kampenwand zu finden.

Geotop "Dolomitblöcke an der Steinlingalm"

Die Felsen an den Hütten der Steinlingalm sind so bemerkenswert, dass sie als geologisch bedeutsam zum Geotop erklärt wurden. Man könnte meinen, es handele sich um von der Kampenwand herabgekommene Felssturzblöcke. Aber dem ist nicht so. Die Blöcke sind mehr oder weniger da, wo sie die Verwitterung als Härtlinge von rauhwackenartigem Dolomit der Raibl-Formation herauspräpariert hat. Das umgebende weichere Gestein wurde weggewaschen oder weggelöst.

Jetzt lädt die Steinlingalm zu einer Einkehr ein. Danach kann man sich noch die anstrengenden etwa 170 m zur Gipfelschlucht der Kampenwand vornehmen. Im Aufstieg zeigen sich am Pfad noch einmal braune Feinsandsteine der Raibl-Formation. Im anstehenden Wettersteinkalk muss man dann schon mal für eine leichte Kraxelei die Hand an den Fels legen. Wegen abgespeckter Tritte ist hier Vorsicht geboten!

Geotop "Kaisersäle an der Kampenwand"

Die von weitem so schmal wirkende Gratmauer der Kampenwand enthält in Gipfelnähe eine Schlucht, die als „Kaisersäle“ bekannt ist. Hier führt der Weg zum Gipfel durch. Die Schichtflächen des Wettersteinkalk stehen fast senkrecht und Verwerfungen verlaufen in der gleichen Richtung. Gesteinsblöcke sind dadurch tiefreichend getrennt und so führt ein leichtes talwärtiges Kippen mit der Schwerkraft („Bergzerreißung“) zu gratparallelen, klaffenden Spalten.

Unsere geologische Wanderung endet hier, denn der weitere Aufstieg zum Ostgipfel hat eine ausgesetzte seilversicherte Stelle und verlangt Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und passende Ausrüstung. Der Rückweg zur Bergstation der Kampenwandbahn erfolgt auf dem gleichen Weg wie hinwärts.

Infomaterialien

Aschau

„Geologie erleben“ an der Kampenwand – „Hoch oben auf dem Meeresgrund“ – keine Infomaterialien vorhanden!

Aschau: „Geologie erleben“ – Ein Berggipfel aus Seelilien

© Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

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Die Tagestour führt von der Tourist-Info in Aschau i. Chiemgau auf den Laubenstein. Wer dort oben die Aussicht geniesst, steht auf einem Gestein, das fast gänzlich aus Fossilien besteht.

Wegbeschreibung

Mit 740 Höhenmetern verlangt die Tour einiges an Kondition, belohnt aber am Ziel – bei entsprechendem Wetter – mit einer prächtigen Sicht in die Ferne und – mit etwas Aufmerksamkeit – mit interessanten Fossilfunden.

Von der Tourist-Info Aschau i. Chiemgau folgt die Route dem Grenzenlos-Wanderweg entlang der Prien und biegt nach etwa 1 km nach rechts in den Maximiliansweg ein. Dieser führt in Serpentinen steil hinauf zur Hofalm (mit Einkehrmöglichkeit, die man aber vielleicht besser für den Rückweg einplant).

Geologische Sehenswürdigkeiten
GeoPunkt "Eiszeit unter dem Laubenstein"

Weiter geht es auf dem Maximiliansweg, der nach der Hofalm über einen sanften Geländerücken führt. Dabei handelt es sich um die Moräne eines eiszeitlichen Lokalgletschers, also eines kleinen örtlichen Gletschers. Das Eis dagegen, das damals das Priental ausfüllte, war das Eis eines Ferngletschers, der sein Nährgebiet in den Zentralalpen hatte. Die runde Senke der Holzstube, die nach Überschreiten der Moräne sichtbar wird, enthielt einstmals einen Gletschersee.

Der Weg führt in den Wald und auf 1.130 m Höhe zweigt ein Wanderweg nach links in Richtung Laubenstein ab. Der Weg führt stetig aufwärts bis 1.272 m. An einem Abzweig der Forststraßen geht es links weiter und an den Gebäuden der Laubensteinalm vorbei hinauf zum Gipfel des Laubensteins.

Geotop "Fossilien im Mitteljura des Laubenstein-Gipfelrückens"

Auf dem Pfad auf dem flachen Gipfelplateau lohnt es sich, in die Knie zu gehen und das, was mit Schuhen getreten wird, anzuschauen. Hier und auf kahlen Stellen in den Almwiesen liegen grobe beigefarbene Gesteinskörner und dazwischen eingestreut kleine „Muscheln“. Die „Muscheln“ sind meist keine, denn sie lagen oder klebten nicht am Meeresgrund, wie Muscheln das so tun, sondern es sind Brachiopoden. Brachiopoden hatten einen zähen, beweglichen Stiel, mit dem sie sich am Untergrund verankerten. Wer ein einigermaßen vollständiges Exemplar genauer untersucht, wird dort, wo die Muschel ihr Schloss hat, bei dem Brachiopoden stattdessen ein kleines Loch finden, aus dem der Stiel austrat.

Auch die millionenfach herumliegenden groben Körner sind Reste von Fossilien. Es sind die kalkigen Stielglieder von Seelilien (wissenschaftlich: Crinoiden). Ihre ursprünglich runde oder manchmal fünfeckige Form ist nur selten zu erkennen, denn sie wurden von Meeresströmungen ein ganzes Stück transportiert, dabei etwas beschädigt und in Senken zusammengeschwemmt. In der MItte hatten die Stielglieder ein kleines Loch (Nervenkanal), das manchmal noch zu erkennen ist. 

Was an Fossilien hier im Grus des Wegs gut zu beobachten ist, findet sich auch schön herausgewittert an Felsoberflächen. Wer den Fels aber mit dem Hammer anschlägt, wird wahrscheinlich enttäuscht. Das harte Gestein bricht quer durch die Fossilien. Nur selten können schön mit kleinen Kristallen ausgekleidete Hohlräume von Brachiopoden überraschen. 

Der Fossilreichtum hier am Laubenstein wurde schon früh von Geologen bemerkt. Die Wissenschaftler haben nicht nur eine große Anzahl von gut erhaltenen Fossilien, sondern auch eine große Artenanzahl feststellen können. Anhand der Fossilien konnte das Gesteinsalter als Mittlerer Jura bestimmt werden. Die Seelilien und Brachiopoden lebten also vor etwa 170 Millionen Jahren. 

Infomaterialien

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Aschau

„Geologie erleben“ – Ein Berggipfel aus Seelilien – keine Infomaterialien vorhanden!

Baden (Schweiz): Geopfad

Baden – an der Nahtstelle zwischen den beiden schweizerischen Grosslandschaften Jura und Mittelland – weist eine äusserst vielfältige erdkundliche Geschichte auf. Mehr Informationen über die Geologie erfahren Sie auf dem Geo Pfad.

Vom Teufelskeller bis zu den Thermal-Quellen

Die Umgebung von Baden ist erdgeschichtlich außerordentlich interessant. Wenn man zum Schloss Stein aufsteigt, befinden man sich gesteinsmässig im Jura. Die Felsen auf Schloss Stein setzen sich östlich der Limmat in der Lägern fort – der Berggrat bildet den letzten und östlichsten Ausläufer des Faltenjuras.

Der Teufelskeller ist eine Felssackung mit Nagelfluh-Obelisken, Höhlen, Schründen und Schluchten. Darin hat sich ein vielfältiges Mosaik von Pflanzengemeinschaften mit typischen Pflanzenarten und imposanten Baumriesen entwickelt. In den tiefgründigen Mulden wachsen die höchsten Buchen, Eschen und Fichten Badens mit bis zu 50 Meter Höhe. 1987 hat die Ortsbürgergemeinde Baden den Teufelskeller zum Naturreservat erklärt.

Die Thermen von Baden und Ennetbaden entspringen als aufsteigende Kluftquellen im Kern der Lägernfalte, wo die ältesten Felsschichten durch das Limmattal quer durchschnitten werden. Das Thermalwasser wird heute in 16 Quellen gefasst. Zwei Quellfassungen liegen rechts der Limmat auf Gemeindegebiet von Ennetbaden. Sechzehn Quellen befinden sich links der Limmat auf Badener Gemeindegebiet. Das bis zu 48° Celsius heisse Wasser ist stark mineralisiert.

Auf insgesamt zehn Tafeln werden obige und weitere interessante geologische Informationen rund um Baden erläutert und dem Besucher näher gebracht.

Die Infotafeln
Station 1: Halb Jura – halb Mittelland!

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 2: Lägernkopf

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 3: Felsaufschluss aus der unteren Süsswassermolasse am Chrüzliberg

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 4: Teufelskeller

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 5: Auf Fossilienjagd

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 6: Ein See vor den Toren Badens?

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 7: Weit gereist! Ein Fremder in Baden

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 8: Heisses Wasser aus der Tiefe

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 9: Schotterfluren und Erosionsterrassen

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Station 10: Das Gerippe einer Falte

mehr Infos: siehe Broschüre Geopfad

Infomaterialien

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Baden

Broschüre „Geopfad“

Textquellen

Webseite „Regio Magazin“

Badenweiler-Sehringen: Geologischer und bergbaugeschichtlicher Wanderweg

Badenweiler blickt auf eine lange Bergbautradition zurück. Viele Namen von Wegen und Plätzen, wie Alter Mann (= verlassener Stollen), Gipsgrubenweg oder Bergmannsruhe erinnern heute noch an diese Zeit. Nach Meinung von Experten hat der Bergbau bei Badenweiler zu keltischer Zeit begonnen. Im Laufe der Zeit wurde Blei, Silber und Eisenerz abgebaut. Der Abbau von Gips wurde bis in die 1960er Jahre betrieben.

Das reiche Erzvorkommen in der Region basiert auf dem Einbruch des Oberrheingrabens, der sich im Tertiär zwischen Schwarzwald und Vogesen vollzogen hat. Das an den Bruchstufen der stärksten Bewegung, der sog. „Hauptverwerfung“, entstandene Quarzriff erstreckt sich mit seinen dabei aufgerissenen Spaltungshohlräumen und Erzgängen als ein Hartgesteinsrippe deutlich sichtbar im Gelände von Sulzburg über Badenweiler bis nach Schloss Bürgeln.

Der neu eröffnete „Geologische und bergbaugeschichtliche Wanderweg Badenweiler-Sehringen“, dessen Start und Ziel der Info-Pavillon (Parkplatz) an der L 123 (Sehringer Straße) ist, oder am Inhalatorium in der Luisenstraße (gegenüber vom Rathaus), führt auf eine Länge von 5,6 km über schöne ruhige Waldwege, wo die Spuren des ehemaligen Bergbaus noch deutlich sichtbar sind. Am Info-Pavillon kann man sich anhand einer Übersichtstafel über den Verlauf der verschiedenen Wegvarianten sowie die Standpunkte der Stollen informieren. Interessante Exponate in den dortigen Schauvitrinen sowie weitere 35 Schautafeln am Weg geben wertvolle Einblicke u.a. zur Historie, zur Geologie und Geomorphologie der Badenweiler Bergbauregion.

Infomaterialien

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Badenweiler-Sehringen

Geologischer und bergbaugeschichtlicher Wanderweg – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Berneck: Thiesenring

GEOPARK Bayern-Böhmen

Cesko-Bavorský GEOPARK

Aufbruch ins Erdinnere

Tajemstvi zemského nitra

Thiesenring – ein abwechslungsreicher und informativer Rundwanderweg zu den schönsten Plätzen rund um Bad Berneck. Der Berliner Druckereibesitzer Carl Thiesen lernte Berneck als Kurgast kennen und verlegte seinen Wohnsitz im Alter in den Kurort. Ihm ist der Thiesen-Rundwanderweg mit 23 Informationstafeln zu unterschiedlichen Themen aus der Natur, Kultur und Geschichte von Bad Berneck gewidmet.

Alaunschiefer-Bergwerk „Beständiges Glück“

Das Bergwerk „Beständiges Glück“ war von 1486 bis 1841 in Betrieb und wurde vor allem zum Abbau von Alaunschiefer verwendet.

Alaun wurde für die Gerberei benötigt. Das Bergwerk bestand aus insgesamt drei Stollen und gehörte zum Bergbaurevier Goldkronach. Am 13.10.1796 testete Alexander von Humboldt, welcher zu dieser Zeit als Bergbaumeister fungierte, seinen selbstentwickelten „Lichterhalter“ in Bad Berneck. Er wartete bewusst auf sehr schlechtes Wetter um seine Entwicklung unter schwierigsten Bedingungen testen zu können. Dabei verlor er das Bewusstsein und konnte im letzten Moment durch Bergbaumeister Killinger gerettet werden, welcher außerhalb des Stollens gewartet hatte. Humboldt selber war – nachdem er wieder das Bewusstsein erlangt hatte – hoch erfreut, dass die Flamme in seinem Lichterhalter noch am Brennen war. Dadurch sollte den Bergleuten eine zuverlässigere Lichtquelle ermöglicht werden, um effizienter unter Tage arbeiten zu können.

1861 erwarb der Waldsassener Fabrikant, Naturliebhaber und Weltreisende Wilhelm Rother (welcher seinen Ruhesitz nach Bad Berneck verlagert hatte) das Gelände rund um das ehemalige Bergwerk und legte dort bis zu seinem Tod 1898 einen Landschaftspark mit Bäumen aus aller Welt an: Den Dendrologischen Garten (Dendrologie = Baumkunde). Diese brachte er vor allem von seinen Reisen nach Nordamerika und Asien mit. Der Dendrologische Garten  ist die erste Station des Theresienrings. Er ist ganzjährig geöffnet und mit seinen zahlreichen Informationstafeln ein lohnenswertes Ausflugsziel. Das Bergwerk selber ist nicht mehr begehbar.

Textquelle: Tourismuszentrale Fichtelgebirge e.V.

Geotop „Alaunbergwerk im Rother Park bei Bad Berneck“

Der Stollen der 1841 aufgelassenen Alaungrube „Beständiges Glück“ liegt im dendrologischen Garten „Rother Park“. Alexander von Humboldt testete hier bei einer Befahrung selbst entwickelte Gerätschaften (Geleucht und ein „Atemgerät“).

Der noch auf ca. 170 m befahrbare Stollen ist nicht öffentlich zugänglich. Oberhalb des Stollens befindet sich ein Schacht mit rekonstruierter Kaue und Haspelanlage.

Erläuterungstafeln informieren über das Bergwerk.

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Vom ehemaligen Bergbau an der Eisenleite in Berneck

Alter Stollen im Cafegarten Blüchersruh

Als einer der sieben Berneck umschließenden Berghügel liegt unweit der Vereinigung beider Flüsse, Ölschnitz und Weißer Main, deren Täler sie voneinander scheidet, die Eisenleite, die, wie schon der Name vermuten lässt, einstmals auf Eisen und andere Metalle abgebaut wurde. Die ersten nachweisbaren Bergbauspuren finden sich hier aus dem Jahre 1478, aus welcher Zeit überliefert ist, dass ein Otto Hofmann eine Fundgrube mit einem Suchstollen an der Eisenleite auf Eisen und andere Metalle errichtete.

Im Laufe der Zeit bis zum Anfang unseres Jahrhunderts entwickelten sich etwa im Gebiet des heutigen “Rothersberg” zwei Bergwerksgruben, die Eisengrube “Bergmannsglück”, die wohl ineinander übergingen und Stollen und Gänge gemeinsam hatten.  Aus dem Jahre 1486 ist erwähnt, dass im “Beständigen Glück” auf der Eisenleite auf “Vitriol” gegraben wurde, und aus dem Jahre 1770, dass sie in einer Fundgrube nebst 2er Maasen und einem Mittel- und tiefen Haupt- und Erbstollen bestand. Damals wurde auch die Alaunhütte, die bis dahin bei dem 1767 errichteten Bernecker Drahtwerk an der Stelle des heutigen Jahnschen Werkes (heute Popp & Co) stand, zu großem Vorteil nahe am Bergwerk erbaut und viel weißer Alaun und Vitriol gesotten.

Der Gewinn der Ausbeute war gut, 1795 wurde für 3000 Gulden Alaunschiefer gefördert und aus dem Jahre 1796 ist bekannt, dass der Goldkronacher Bergwerksbezirk, zu dem Berneck gehörte, für 45.000 Gulden Eisen und für 21.500 Gulden Vitriol und Alaun u.a. erzeugte. Der Bergbau war so eine gewaltige Quelle des Volkswohlstandes. Trotz aller Förderung durch die Regierung ging er aber im 19. Jahrhundert immer mehr zurück, da die  englische Eisenindustrie durch Verwendung ihrer weitaus billigeren Steinkohle als Brennmaterial in der Lage war, die deutsche Konkurrenz zu schlagen.1844 wurde die Eisenleite nicht mehr fachmännisch betrieben, weil der Eisenstein in der Grube “Bergmannsglück” zu viel Schwefel führte, und da die Hauptfundorte der Vitriole die abgebauten und wieder verfüllten Räume waren, so lohnte vermutlich auch die Vitriol- Alaunerzeugung nicht mehr.

Wenn man  heute zum Rothersberg kommt, so sind in der nunmehr aus der einstigen Bergwerksschutthalde erstellten großen Parkanlage noch eine Anzahl ausgefallener Schächte mit kesselförmiger Vertiefung, so genannter Ringen (Pingen) zu erkennen, die von dem alten Bergbau an der Eisenleite zeugen. In den Pingen kann man noch Erzproben sammeln. Es handelt sich um ein Roteisen oder Magneteisensteinlager, das in Brauneisen, dem Schwefelkies beigemengt ist, umgewandelt ist. Nebengestein sind Diabasmandelstein und Schalstein. Im Park finden sich außerdem zwei eingezäunte schächte (oder früher Lichtschächte?) zu erkennen von etwa 30 Meter Tiefe und 2 Meter oberen Durchmesser, die durch gewachsenen Felsen, der sichtbar zu Tage tritt, hindurchgehen. Von hier führt eine gedachte gerade Linie nach Südwesten in etwa 150 Meter Entfernung zu einem noch erhaltenen Stollen von 35 Meter Länge, dessen sehenswerter Eingang auf dem Besitztum des Cafégartens “Blüchersruh”, Maintalstraße, ist neben dem Wassertretbecken. Das Wasser dieses Beckens kommt aus dem Stollen und ist neben seiner erfrischenden, etwa 6 bis 7 Grad schwankenden Temperatur, wodurch es zu einem wirksamen Reaktionsmittel für Wassertretende Kneippianer wird, auch durch einen starken Alaun- und Eisengehalt ausgezeichnet und deshalb als Trink- und Heilwasser bei Verdauungsstörungen beliebt und bekannt. Der Stollen ist in seinem vorderen etwa 20 Meter betragenden Teil ausgemauert und 1,5 Meter hoch. Am Ende dieses Teils schließt seitlich rechter Hand ein 4 Meter langer und 3 Meter breiter Raum an, in dem die frühere Pulverkammer des Werkes vermutet. Das Felsgestein dieses Raumes ist stark mit weißen Alaunkristallen überzogen. In weiterer Fortsetzung des Längsstollens folgt nun der hintere Teil, ein etwa 15 Meter langer und 1 Meter hoher Gang mit überall bloßliegender ebenfalls mit Kristallen überzogener Felswand und Felsendecke.

Den Abschluss bildet die Quellfassung für die aus Spalten und den sichtbaren Höhlungen und Weitungen des ehemaligen Werkes zuströmenden Wassers für das Wassertretbecken und dem “Gesundbrünnlein” am Eingang des Stollens. Durch diesen engen Stollen ging am 25. Januar 1806 auch Generalfeldmarschall von Blücher, als Gast des damaligen Bergwerksdirektors Freiherr von Reitzenstein, Bayreuth, in das Bergwerk hinein, wo ihm zu Ehren ein glänzendes Fest gegeben wurde. Der enge Stollen und der waagrechte Eingang in die Grube waren durch 60 Leuchter mit Seitenlichtern erhellt, im Innern der Grube und ihren Weitungen strahlte eine feentempelartige Beleuchtung, in einem Seitenschacht spielte eine Regimentsmusik. Blücher musste auf einer Bohle über einen tiefen unter seinen Füßen beleuchteten Schacht schreiten, in welchem Moment links und rechts 12 losgebrannte Bohr-Ladungen donnerten. Als er den inneren Raum betrat, bewillkommneten ihn sinnige Gemälde und Inschriften an einer 30 Fuß hohen Pyramide, die mitten auf einer Bretterbühne in einem Lichtschacht errichtet war. Die Räume umher dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume alle kostbar möbliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren. Oben im Lichtschacht strahlte eine transparente Sonne. Diese Räume sind alle zerfallen und nicht mehr zugänglich, und nur noch der Eingangsstollen ist – wie schon erwähnt – noch erhalten und erinnert am stärksten an die alten Zeiten regen Bergbaubetriebes an der Eisenleite.

Erstellt: Dipl. Ing. F. Weiß, Berneck (Webseite „Goldbergknappen“); Textquelle: Bernecker Zeitung Juli 1935

ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
"ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
Humboldt in Falkenstein

Humboldt im Amt Lauenstein

Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

Der Stielersche Hammer

"Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

Falkenstein (Geschichte bis 1945)

Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

Falkenstein (Geschichte ab 1945)

Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

Tipps

Steinbach an der Heide

2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

Burg Lauenstein

Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Thüringer Warte

Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
Humboldt in Ludwigsstadt

Humboldt und der Schiefer

An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

[...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

[...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

[...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

Kaulsdorf, d. 10. März 1794
A. v. Humboldt"

1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

Tipps

Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

Internet: www.schiefermuseum.de

Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

 

Schieferpark Lehesten

Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

GEO-Tour Station 3: TETTAU
Humboldt in Tettau

Humboldt und das Porzellan

Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

Tipps

Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

Internet: www.glasbewahrer.de

GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
Humboldt in Schauberg

Humboldt macht "Blau"

Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

Was ist Schmalte bzw. Smalte?

Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

Tipps

Rösler Ceramtec GmbH

Werksverkauf:
Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
Humboldt in Lichtenberg

Humboldt zieht Bilanz

Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

Friedrich-Wilhelm-Stollen

Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

  • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
  • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
  • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
  • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
  • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

Tipps

Infostelle Naturpark Frankenwald

Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

Naturlehrpfad Höllental

Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
Humboldt in Bad Steben

Humboldt macht Schule

Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

  • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
  • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
  • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
  • Humboldt-Büste im Kurpark
  • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
  • Erzrevier Obere Mordlau.

 

Humboldt-Haus (Badstraße 2)

Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
Humboldt in Geroldsgrün

Humboldt und der "Alte Mann"

Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

"Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

  • Vogel Strauß Fdgr.
  • Friedlicher Vertrag Fdgr.
  • Schwarzer Mohr Erbst.
  • Gevattergraben
  • Hoher Ofen zu Marxgrün

Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

"[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
2) Gebirgsart = Gesteinsart
3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

"1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

"Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

"Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

Tipps

Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

 

Max-Marien-Heilquelle

Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

Humboldt und der Magnetberg

"Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

"Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

[...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

"[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

"[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

Der Haidberg aus heutiger Sicht

Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

Machen Sie Ihr eigenes Experiment

Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

Tipps

Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

 

Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

Kontakt Museum Hier öffnen

GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
Humboldt in Bad Berneck

Humboldt in matten Wettern

Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

"Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

Das Bergwerk "Beständiges Glück"

Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
(Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck. Er war schon Jahre zuvor ein begeisterter Kurgast des Ortes. Als Bürger von Berneck erwies sich Rother als Förderer des Kurortes, seit 1866 war er auch Mitglied des Kurkomitees. Auf den Halden des zwei Jahrzehnte zuvor stillgelegten Bergwerkes "Beständiges Glück" ließ Rother auf eigene Kosten einen Park ("Blüchersruhe") mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen anlegen. Dieser stellt heute eine überregionale Besonderheit dar.

Wilhelm Rother wurde 1867 Ehrenbürger von Berneck. Er starb 1898. Der Stadt Berneck hinterließ Rother testamentarisch mehr als eine halbe Million Goldmark, u.a. mit der Auflage, "dass die ganzen Zinsen und Renten des Nachlasses ausschließlich zum Vorteil und zur Hebung der Kuranstalten verwendet werden sollen". An den Förderer der Stadt Berneck erinnert im umbenannten "Rotherspark" der 1900 aufgestellte Granitobelisk aus Kösseine-Granit. Bestattet ist Wilhelm Rother auf dem alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche.

Tipps

Thiesen Wetterstation

Carl Thiesen finanzierte dem Kurort eine für die damalige Zeit technologisch aufwendige und damit äußerst kostspielige Wetterstation. Diese steht heute noch oberhalb des Marktplatzes.

GEO-Tour Station 10: BRANDHOLZ
Humboldt in Brandholz

Humboldt im Goldrausch

Am Abend des 20. Juli 1792 verfasst Alexander von Humboldt bereits Teile seines Berichtes über die Befahrung der Fürstenzeche in Brandholz und fügt diesem in einem zweiten Teil unter der Überschrift "Aussichten zur fortzusetzenden Wiedergewältigung der Fürstenzechen Baue" hinzu. Bei Niederschrift dieses Berichtes ist Humboldt möglicherweise schon in das Wunsiedler Revier weitergereist.

Am Abend des 23. Juli notiert Humboldt (jetzt bereits in Arzberg) am Rand eines Briefes an Carl Freiesleben:

"Die Fürstenzeche in Goldkronach hat mich sehr intriguirt [= neugierig gemacht]. Ich habe Akten, Risse p. studiert, bin das ganze ein 50 Lr. (= Lachter, 1 Lr. ∼ 2 Meter) tiefe Gebäude mit Ueberhauen aus dem 14ten Jahrhundert! durchfahren. Nun habe ich alles ins Reine. Es ist ein ungeheurer Bau, eine Grube auf 1.300 Lr. Länge."

Die Fürstenzeche im Jahr 1792

In seinem Bericht der Inspektionsreise beschreibt Humboldt den Zustand der Fürstenzeche. Diese war bereits unter Burggraf Friedrich V. 1365 als Fürstenzeche eröffnet worden und hatte ihre Blütezeit bis zum Einfall der Husiten 1430. Bis dahin hatte man die goldreichsten und gut erschließbaren Bereiche der Lagerstätte schon weitgehend abgebaut, so dass die Ausbeute immer geringer und und der Abbau immer schwieriger wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Bergbau auf Gold sogar subventioniert (es wurde eine "Zubuße" gegeben).

Humboldt erwähnt in seinem Bericht, dass die "Wiedergewältigung" der Fürstenzeche (sie befand sich demnach 1792 nicht in Betrieb) seit wenigen Monaten ("1 Quartal") auf allerhöchsten Befehl (vermutlich durch Minister Hardenberg) eingestellt worden war und dass man "[...] bloß das Ganze durch Einwechslung der Türstöcke in befahrbarem Stande" hielt. Humboldt studiert bereits zu diesem Zeitpunkt alte Bergwerksakten, u.a. die "lehrreichen Beschreibungen des Herrn Berghauptmann von Bothmer". Carl Ludwig Freiherr von Bothmer (1736–1803) war Berghauptmann im Fürstentum Bayreuth. Dessen Berichte können nur wenige Jahre zuvor verfasst worden sein.

Humboldt erwähnt in seinem Bericht die folgenden Stollen, Schächte und erzführenden Gänge:

    • Tannenschacht
    • Schmuzler
    • Schmiedtenstollen/Schmidtenstollen
    • Jacobschacht
    • Ferberschacht
    • Nasses Lichtloch
    • Rautenkranzer Gang (aber noch keine Rautenkranz-Zeche)
    • Knechtgang
    • Spießglasgang (= Spießglanz, Antimonit)
    • Weißer Kiesgang

.

Damit werden viele Lokalitäten genannt, deren Zeugnissen man noch heute bei einer Wanderung entlang des Humboldtweges begegnen kann.

Aus Humboldts Beschreibungen geht der sehr komplexe Aufbau der Goldlagerstätte am Goldberg hervor. Ursache dafür ist die starke tektonische Zergliederung des Gebirges im Nahfeld der Bruchzone der "Fränkischen Linie" (deren Einfluss Humboldt natürlich noch nicht kennen konnte). Humboldt widerspricht in seinem Bericht der Auffassung, dass "die Golderze auf der Fürstenzeche nicht auf ordentlichen Gängen, sondern [an] das Gestein durchschwärmenden Trümmern" gebunden wären. Diese Ansicht hätte vielfach zu einer wenig rentablen Wiedergewältigung der Zeche geführt.

Tipps

Goldbergbaumuseum Goldkronach

Das Goldbergbaumuseum in Goldkronach präsentiert in mehreren Abteilungen die Stadtgeschichte Goldkronachs, die Geologie der Umgebung und der Goldlagerstätte, die Geschichte des Bergbaus, das Blattgold-Kunsthandwerk sowie Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge.

Internet: www.goldbergbaumuseum.de

GEO-Tour Station 11: GOLDKRONACH
Humboldt in Goldkronach

Humboldt und das Goldstädtchen

Goldkronach gehört zu den Orten in Oberfranken, in denen Alexander von Humboldt heute wohl noch am gegenwärtigsten ist. So bezeichnet sich das kleine Städtchen vielfach auch als "Humboldt-Stadt". In Goldkronach hat auch der Verein Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V. seinen Sitz. Dessen Anliegen ist es, insbesondere an Humboldts Wirken in Goldkronach von 1792 bis 1795 zu erinnern. Einen Link auf die Internet-Präsenz des Vereins finden Sie weiter unten.

Als Sitz des Bergamtes Goldkronach und die einst reichen Goldlagerstätte am Goldberg hatte Goldkronach besondere Bedeutung für Alexander von Humboldt. Erstmals kam Humboldt am 20. Juli 1792 im Rahmen seiner Inspektionsreise nach Goldkronach. Von hier aus befuhr er die Fürstenzeche und blieb bis zur Weiterreise ins Wunsiedler Revier (20. Juli in Arzberg). Nach seinem offiziellen Dienstantritt im Oberbergdepartement Ende Mai 1793 war Goldkronach Ziel von Humboldts erstem Geländebesuch. Hier hält er sich im Juni mehrere Tage auf. Sein Quartier ist die alte Quickmühle (Amalgamiermühle) in Goldmühl. Von dort schreibt er am 10. Juni 1793 seinem Freund Carl Freiesleben:

"Ich komme eben aus der Grube. Ich bin 2 Meilen geritten und an 3 Stunden auf der Fürstenzeche gefahren, wundern Sie Sich also nicht, liebster Freiesleben, wenn ich Ihnen einen verworrenen Brief schreibe. Mit dem Bergbau geht alles schneller, als ich dachte. [...] In bin seit wenigen Tagen hier, um den eingestellten Bau auf der Fürstenzeche [...] vorzurichten. Das allgemeine Vertrauen, welches der gemeine Bergmann mir übberall zeigt, macht mir meine Arbeit lieb, denn sonst ist meine Lage sonderbar genug, ich thue eingentlich Dienste als Geschworener, nicht als O[ber]bergmeister. Von meinen Vorrichtungen schriebe ich Ihnen jezt nichts. Ich bin zu müde, die Hitze ist unerträglich und die Grubenwetter matt.[...] Die alte Mühle, die ich bewohne, war eine Quikmühle schon im 13ten Jahrhundert. Die Zoppte stürzt sich wild durch die Felsklippen durch. Wenn es glükken sollte, die ausgewanderten Bergleute wiederzurufen, dieser romantischen Gegend nur einen kleinen Theil ihres alten Glanzes wiederzugeben ..."

Humboldtorte

Die alte Mühle in Goldmühl

In den Jahren 1793 und 1794 diente die ehemalige Quickmühle in Goldmühl (heute Ortsteil von Bad Berneck) Alexander von Humboldt als Quartier. Die Mühle wurde um 1557 (nicht wie Humboldt schrieb "schon im 13ten Jahrhundert") als Schneidsäge mit sechs Wasserrädern erbaut. Die Wasserräder trieben ein Pochwerk, eine Mahlmühle und Blasebälge für eine Schmelzhütte an. In den ersten Jahren diente sie auch als Amalgamierwerk ("Quickmühle"), d.h., aus dem durch das Pochen zerkleinerten Erz wurde das Gold mit Hilfe von Quecksilber herausgelöst. Mahl- und Quickmühle arbeiteten bis 1563, danach wird die Mühle zunächst nur noch als Schmelzhütte betrieben, kommen eine Drahtzieherei (um 1600) und eine Getreidemühle (1689) hinzu (Holl & Schulz-Lüpertz 2012). Das heutige Wohnhaus stammt von 1769 (dem Geburtsjahr Humboldts!) und wird als solches noch heute privat genutzt. Die neben der Haustür angebrachte Gedenktafel sehen Sie nebenstehend.

Hotel "Alexander von Humboldt" (vormals Gasthaus "Zum weißen Schwan")

Das heutige Hotel steht an dem Ort, an dem zu Humboldts Zeit das Haus des Musikus und Handelsmannes Johann Georg Todschinder stand. In diesem hatte Humboldt möglicherweise seinen Amtssitz. Daran erinnert die an der Fassade angebrachte Gedenktafel:

"An diesem Platze stand das Haus, in welchem Alexander von Humboldt in den Jahren 1792 - 1795 als koenigl. Preußischer Bergamtsassessor und Oberbergmeister zeitweilig amtierte"

Ganz sicher belegt ist dies jedoch nicht. Das heutige Hotelgebäude wurde nach dem großen Stadtbrand von 1836 errichtet. Diesem Brand waren viele Gebäude des Ortes zum Opfer gefallen. Ursprünglich hieß das hier untergebrachte Gasthaus "Zum weißen Schwan". Es wurde im Jahr 1868 in einem Festakt in "Alexander von Humboldt-Hotel" umbenannt.

Ehemaliges Forsthaus (heute Goldbergbaumuseum)

Das heutige Goldbergbaumuseum an Durchgangsstraße (Bayreuther Straße 21) trägt im Wappenrelief über der Eingangstür die Jahreszahl 1740. In ihm befand sich zu Zeiten Humboldts (bis in die heutige Zeit) eine Forstdienststelle. Oberförster war damals Adolph Ferdinand Böhner, Schwiegervater von Georg Friedrich Püttner (Büttner bei Humboldt). Dieser war einer der Freiberger Kommilitonen von Humboldt. In einem Brief vom 11. Juli 1793 an einen anderen Freiberger Studienfreund, den Russen Vladimir Jurevič Sojmonov, erwähnt Alexander von Humboldt, dass er bei Böhner den gemeinsamen Studienfreund Püttner getroffen habe. Vielfach wird erwähnt, Humboldt hätte in dem Haus auch kurzzeitig gewohnt. Dies geht aus dem erwähnten Brief jedoch nicht hervor. Dort schreibt Humboldt von Forstmeister Böhner, in dessen Nachbarschaft er wohne.

Ein Besuch des Goldbergbaumuseums sollte man nicht versäumen. Es ist zurzeit allerdings nur von April bis Ende November an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der Geologie und Bergbaugeschichte im Raum Goldkronach beinhaltet das Museum auch einen eigenen Raum zu Alexander von Humboldt.

Einstiges Wohnhaus Marktplatz 11 (heute Bäckerei)

Dort wo heute auf der Nordseite des Marktplatzes ein Gebäude mit einer Bäckerei besteht, stand bis zum Stadtbrand von 1836 das Wohnhaus des Schichtmeisters, Bergverwalters und Knappschaftsschreibers Christian Ernst Tornesi. Dieser wohnte hier mit seiner Familie in den Jahren von 1738 bis 1754. Christian Ernst Tornesi kam 1731 aus dem Unterharz nach Goldkronach. Am 7. April 1748 wurde hier als eines von neun Kindern sein Sohn Otto Heinrich Tornesi geboren, der später ein geschätzter Kollege von Alexander von Humboldt und 1798 dessen Nachfolger im Oberbergdepartement werden sollte (siehe dazu weiter unten). Die ganze Familie siedelte 1754 nach Bayreuth über. Christian Ernst Tornesi war dort zum Inspektor und Verwalter für das Zucht- und Arbeitshaus in St. Georgen berufen worden. Dem Zuchthaus war eine Marmorfabrik angeliedert, in dem die Häftlinge arbeiten mussten und die Tornesi ebenfalls leitete.

Schloss Goldkronach und Humboldt-Kulturforum

Das Goldkronacher Schloss ist ein ehemaliges Ritterschloss aus dem 16./18. Jahrhundert. Es ist heute in Privatbesitz und Sitz des Alexander-von-Humboldt Kulturforums. Eine kleine Sonderausstellung zu Alexander von Humboldt sowie die von Hans Dressel (†) stammende Humboldt-Büste können bei Veranstaltungen der Kulturforums oder Führungen des GEOPARK Bayern-Böhmen besichtigt werden.

Nationles Geotop Goldberg

Seit 2019 gehört der Goldberg bei Goldkronach, das Zentrum des einstigen Goldbergbaus, zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Zu verdanken ist dies seiner montanhistorischer Bedeutung, auch im Hinblick auf das Wirken Alexander von Humboldts, und der dort vorhandenen Infrastruktur.

Tipps

Humboldt-Weg und Besucher-Bergwerke

Der rund sechs Kilometer lange Rundweg führt auf Waldwegen und -pfaden, innerorts auf befestigten Wegen, vorbei an vielen ehemaligen Zeugnissen des Bergbaus seit dem Mittelalter. Startpunkte sind am Infohaus zu den Besucher-Bergwerken auf dem Goldberg, am Parkplatz des Friedhofes, am Wanderparkplatz in Brandholz. Auch der Start in Goldkronach am Marktplatz ist empfehlenswert (Wegstrecke ca. zwei Kilometer länger). Dieser beginnt am Marktplatz und führt ca. 100 Meter nach der Bäckerei am Marktplatz 11 in Richtung Sichersreuth bzw. am Ende der Stadtkirche über einen Wanderpfad zunächst zum Parkplatz am Friedhof (eine Abkürzung direkt auf die Straße an der Ottenleite ist möglich).

 

Goldbergbaumuseum

Öffnungszeiten:
April bis Ende November Sonn- und Feiertage, 13 bis 17 Uhr
Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich.

 

Kulturforum Alexander von Humboldt Schloss Goldkronach
www.humboldt-kulturforum.de

Goldbergbaumuseum Goldkronach
www.goldbergbaumuseum.de

Goldbergknappen

http://www.goldbergknappen.de/html/rundgang_beginn.html

GEO-Tour Station 12: BISCHOFSGRÜN
Humboldt in Bischofsgrün

Humboldt und die Perlen

Alexander von Humboldt besucht Bischofsgrün bzw. den Fröbershammer erstmals am 21. Juli 1792. Er notiert in seinem Inspektionsbericht, dass es dort zwei Frischfeuer, einen Zainhammer (für die Nagelschmiede) und eine Knopfhütte gibt. Der Knopfhütte widmet er besondere Aufmerksamkeit.

Humboldt führt aus, dass die Knopfhütte nur in fünf Wintermonaten betrieben wird und dem Kommerzienrat Loewel gehört. Aus dem Hinweis, dass man "die Arbeiter [im Sommer] zum Holzhauen und zur Feldwirtschaft braucht" geht hervor, dass die einheimischen Bauern die Arbeit in der Knopfhütte verrichteten. Zum Zeitpunkt seines Besuches (Juli) wurde in der Knopfhütte jedoch wohl nicht gearbeitet. Humboldt hat sich demnach die Knopfhütte vor Ort ausführlich schildern lassen. Als Rohstoff für die Glasknöpfe - die Batterlessteine / Paterle - nennt Humboldt einen Grünstein mit wenig Feldspat und vieler innig beigemengter Hornblende von Schneeberg und Ochsenkopf. Er selbst habe das Gestein noch nirgends im Lande anstehend gefunden", es liege dort "in Butzen umher".

Bei dem von Humboldt angsprochenen Gestein handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, dass in einer rund 5 Kilometer langen und bis zu 20 Meter breiten NNW-SSO-verlaufenden Förderspalte quer durch den Ochsenkopf vorkommt, den sogenannten Proterobas. Vorkommen am Schneeberg gibt es allerdings nicht.

Humboldt berichtet über das Schmelzen des Gesteins, den Knopfofen sowie das Arbeiten am Ofen. Am Ofen arbeiten 25 Mann (!) vor je einer Öffnung und zogen die geschmolzene Masse (das Glas) mit einer langen Zange ("Kluft" bei Humboldt, auch "Kluppe" genannt) aus dem im Ofen stehenden Schmelztiegel, um es anschließend (durch Drehen) zu "modeln".

Hergestellt werden im Jahr Knöpfe im Wert von 4.000 - 5.000 Gulden. Bei einem Preis von 6 Kreuzer je "Schnur" mit je 20 Dutzend Knöpfen sind dies ... Knöpfe.

Die schwarzen Proterobas-Knöpfe wurden mit Emailfarbe bemalt und anschließend die Farbe eingebrannt. Als Farbstoffe wurden verwendet: weiß - Brauneisenstein mit Arsenikkalk, gelb - Birkenkohle, blau - Smalte (mit Kobald gefärbetes Kaliumsilikatglas).

Humboldt berichtet, dass Glasknöpfe bereits seit 200 bis 300 Jahren in der Region hergestellt werden und ihren Ursprung in "in der Warmen Steinach" - also in Warmensteinach - hat. Derzeit gäbe es im Bayreutherischen fünf Fabriken, die ihre Erzeugnisse nach Schlesien und Polen, teils für den "Sklavenhandel nach Afrika [?] geben."

Humboldt schließt seinen Bericht über die Knopfhütte mit einer Bemerkung zur Abwanderung von Arbeitern aus dem Bayreuther Fürstentum in die nahegelegee obere Pfalz und nach Böhmen:

"Bayreuther Arbeiter sind in die obere Pfalz und nach Böhmen übergelaufen und die Konkurrenz der dort neu angelegten Fabriken, die wohlfeileres [= günstigeres] Holz haben, hat den Absatz vermindert und die Ware wohlfeiler gemacht."

Dies lässt erkennen, dass der Mangel an Holz in der Region wirtschaftliche Folgen hatte.

Der Fröbershammer

Humboldt berichtet auch über die Frischfeuer und den Zainhammer, die "vortrefflich eingerichtet" sind und "sehr gute Ware" liefern. Er merkt jedoch an, dass der Verlust an Eisen durch das Frischen beträchtlich ist (3/8). Als wahrscheinliche Ursache benennt er das "Anlaufen" (siehe unten).

In einem Frischfeuer wird das Roheisen bei starker Hitze wieder aufgeschmolzen. Mit einem Blasebalg wird Luft über die Eisenschmelze geführt, um dem im Eisen von der Herstellung noch vorhandenen Kohlenstoff zu verbrennen. Zwischendurch wird das flüssige Eisen immer wieder umgerührt. Ziel ist es, möglichst wenig Kohlenstoff im Eisen zu haben, um es weniger spröde und damit gut schmiedbar zu bekommen. Das Frischen dauert 5 bis 6 Stunden.

Der von Humboldt verwendete Begriff des "Anlaufens" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man das Eisen mit einer Stange unter Drehen aus der flüssigen Schmelzmasse herausgenommen hat. Während des Drehens setzte sich das Eisen an der Stange fest. Anschließend wurde es abgeschreckt und geschmiedet. Dann wurde das Eisen wieder in die Schmelzmasse gehalten und die nächste Schicht lagerte sich an. Der Vorgang wurde so lang fortgesetzt, wie sich das Eisen schmieden ließ und dem Schmied nicht zu schwer. Am Grund des Ofens setzte sich das minderwertige "Theileisen" ab. Durch das Schmieden werden noch vorhandene Schlackenreste aus dem Eisen entfernt.

Das Frischen des Eisens ist ein sehr viel Energie verbrauchender Vorgang. Humboldt berichtet, dass je Frischfeuer am Fröbershammer je Woche 42 Zentner Eisen gefrischt werden, wobei dafür 84 Kübel Holzkohlen verbraucht wurden. Hierzu benötigte man 17 bis 21 Klafter Holz (ganz grob 1 Klafter Holz = 3 Kubikmeter). Für beide Frischfeuer waren das pro Woche rund 102 bis 126 Kubikmeter Holz!

Lesen Sie hier den gesamten Text Humboldts über die Frischfeuer und den Zainhammer zu Bischofsgrün. Es sei hier als Beispiel der von ihm verwendeten Fachtermini und Darstellungsweise aufgezeigt.

Tipps

Glaswanderweg

Der Glaswanderweg ist ein industriehistorisch interessanter und naturräumlich reizvoller Themenwanderweg mit einer Länge von 42 Kilometern zwischen Weidenberg und Bischofsgrün. Er ist in die Abschnitte

  • Weidenberg - Sophienthal - Zainhammer
  • Zainhammer - Warmensteinach - Grünstein
  • Grünstein - Neugrün - Fichtelberg - Karches
  • Karches - Bischofsgrün

gegliedert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite www.glas-im-fichtelgebirge.de.

Waldglashütte am Ochsenkopf

Archivalische Notizen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben eine „Glas- und Knopfhütte am Fichtelberg“, entlegen an der Landesgrenze zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Kulmbach und Obere Pfalz. Archäologische Ausgrabungen unter Trägerschaft der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth e. V. zwischen 2004 und 2006 haben die Relikte der alten Proterobas-Glashütte wieder zum Vorschein gebracht. Die begleitenden archäologischen Untersuchungen sind ein allererster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen und interdisziplinären Aufarbeitung der Siedlungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte im zentralsten deutschen Mittelgebirge.

Die am südlichen Hang des Ochsenkopfes im heutigen Landkreis Bayreuth ausgegrabene Glashütte lässt sich weit zurückverfolgen. Lorenz Glaser bittet 1616 um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Hütte auf oberpfälzischen Grund an der Mooslohe. Der Standort zwischen Proterobas- und Quarzitgängen an dem aus den Kalten Brunnen fließenden Bächlein ist ideal gelegen.

Die Waldglashütte erreichen Sie am besten vom Parkplatz nahe der Bleaml-Alm auf dem Forstweg Richtung Ochsenkopf. An der ersten Abzweigung (ca. 400 Meter nach Eintritt in das Waldgebiet) nach rechts und dem Forstweg noch etwa 200 Meter folgen.

GEO-Tour Station 13: LUISENBURG / WUNSIEDEL
Humboldt in Luisenburg / Wunsiedel

Humboldt und die Luisenburg

Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Felsenlabyrinth der Luisenburg als berühmtester Besucher Johann Wolfgang von Goethe genannt. Dieser duchstieg Teile des Felsenmeeres 1785, noch vor der ersten Ausbauphase zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten, und bei einem zweiten Besuch 1820. Zu diesem Zeitpunkt war das Labyrinth schon nahezu in seiner heutigen Form begehbar. Über Besuche Alexander von Humboldts ist tatsächlich nur sehr wenig bekannt. Die Kenntnis davon stützt sich auf eine Reisebeschreibung des polnische Grafen de Lagarde-Messence in von 1819, in der es heißt: "[...] dort findet man ein rechtmerkwürdiges Moos, das in der Finsternis schimmert. Als Herr von Humboldt, Bergwerksmeister seines Zeichens, durch diese Berge ging, machte er die Analyse davon [...]". Aufzeichnungen Humboldts selbst hierzu sind jedoch heute nicht mehr verfügbar.

In Humboldts Inspektionsbereicht von 1792 findet sich die folgende Textstelle:
"Daß das relative Alter dieser Granit-Abänderungen sehr verschieden ist, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man auch die eine nicht selten ("an der Luxburg") als Bruchstück in anderen eingewachsen findet."

Einige Absätze weiter heißt Humboldt:

"Der Granit auf dem höchsten Kuppengebirge liegt teils söhlig (aie auf der Luxburg), teils schießt er (wie auf dem Schneeberge) unter 10° gegen Abend [nach Westen] ein."

Humboldt bezieht sich mit seinen Beobachtungen zweimal auf die Luxburg, die 1805 zu Ehren des Besuches der preußischen Königin Luise in Luisenburg umbenannt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass Humboldt diese Erscheinungen mit eigenen Augen gesehen hat. Anders wäre es auch verwunderlich gewesen, denn bereits ab 1790 begann die Begehbarmachung des Labyrinthes.

Humboldt und der Granit

Humboldt ist zu einer fränkischen Zeit noch dem "Lager der Neptunisten" zuzuordnen. Er folgt damit der Lehrmeinung seines Lehrers in Freiberg, Abraham Gottlob Werner. Danach wurde der Granit in einer frühen Phase der Bildung der Erdkruste aus einem Urozean, d.h. aus einem wässrigen Medkum, ausgefällt. Als ein Indiz dafür galt auch die "Schichtung" des Granits:

"Da, wo noch das alte Ausgehende1) des Granits zu sehen ist, d.i. auf einzelnen, turmähnlichen Kuppen, findet sich der Granit äußerst regelmäßig, wie dichter Kalkstein geschichtet, und zwar in Lagern zu 2 Fuß 8 Zoll."

1) Das Ausgehende meint hier "die obersten Schichten". Humboldt beschreibt hier Felstürme, Felsbastionen, an denen die horizontalen Lagerklüfte gut zu erkennen sind.

Seine erste Niederschrift ergänzt Humboldt bei einer Überarbeitung des Manuskriptes (zwischen August 1792 und April 1793) wie folgt:

"Ich glaube nämlich, daß aller Granit ursprünglich (da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten) d.h. im Ausgehenden geschichtet war und daß geschichteter Granit nur darum ein so seltenes (von einigen nicht reisenden Geognosten geleugnetes) Phänomen ist, weil wir überall gleichsam in den Vertiefungen der zerstörten Erdrinde wohnen und das alte Ausgehende des Granits nur auf den höchsten besuchten Punkten der Erdoberfläche zu suchen ist."

Für Humboldt ist der Granit nur in seinen obersten Abschnitten geschichtet: "[...] da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten." Auch wenn es im Inspektionsbericht nicht weiter ausgeführt ist, dürfte Humboldt den Granit in der Tiefe als strukturlose Masse betrachtet haben. Ob er Vorstellungen darüber hatte, wie es hierzu gekommen sein soll, ist ebenfalls nicht ausgeführt.

Bei Seußen nahe Arzberg macht Humboldt eine weitere Beobachtung in den granitischen Gesteinen des Fichtelgebirges, die ihm so bemerkenswert erscheint, dass er sie noch während seiner Inspektionsreise im Juli 1792 an den Herausgeber des Bergmännischen Journals schreibt (vermutlich am 23. Juli). Der Brief erscheint daraufhin noch in der Juli-Ausgabe des Journals.

"Auf einer Reise durch das Wunsiedler Bergamt entdeckte mein lehrreicher Begleiter Herr Hof-Kammerrath Tornesi, [...] zwei vollkommene Granitkugeln am Wege unweit Seisen [= Seußen]! Dies Phänomen wird Ihnen gewiß nicht weniger auffallend scheinen, als es mir war. Beide Granitkugeln waren von 14-16 Zoll im Durchmesser [35-40 cm][...]. Sie bestehen aus einem deutlichen feinkörnigen Granite mit vielem tombackbraunen Glimmer, und zeigen konzentrisch-schalige absonderte Stücke, von denen wir zwei Schalen ablößten. Beide waren noch ihrer natürlichen Lagerstätte, eingewachsen in einem grobkörnigen Granite, der sich durch den (am Fichtelberg nicht seltenen) kristallisierten Feldspat auszeichnete und der Verwitterung nahe war: ein Beweis also, daß selbst der Granit [...] die Fähigkeit [hat] sich kugelartig zu ballen!"

Was Humboldt in die Eigenschaft des Granits "sich kugelartig zu ballen" hineininterpretiert, lässt sich nicht ohne Weiteres erschließen. Es ist vermutlich vor allem eine Beobachtung, die er der geognostischen Gemeinschaft kundtun will. Humboldt erwähnt die Kugeln auch in seinem Inspektionsbericht:

"[...] kommen auch Granitkugeln mit 2- 3fach konzentrisch, schalig abgesonderten Stücken in einem verwitterten Granite bei Seäßen vor".

In einer nachträglichen Ergänzung kommentiert Humboldt:

"Ihre Art des Vorkommens zeigt, daß sie nicht sekundär sind. In anderen Teilen europäischer Gebirge sind sie noch nie entdeckt worden und unseren Gebirgen [...] ausschließlich eigen."

Die Beobachtung Humboldts zeigt sein Interesse und Gespür für das "Nichtalltägliche", die Besonderheiten, die es gilt weiter zu erforschen. Die von Humboldt beschriebene Erscheinung erklärt sich heute als Folge von Verwitterungsprozessen (was sich bei Humboldts Beschreibung ja bereits andeutet). Die "Kugeln" sind in einer Verwitterungsdecke infolge des richtungslosen Gefüges des magmatischen Gesteins entstanden. Ausgehend von einer quaderförmigen, durch Klüfte begrenzten Rohform sind die Gesteinskanten rasch verwittert. In die kugelige Form sind Verwitterungslösungen unterschiedlich weit eingedrungen (oder auch thermische Einwirkungen, Frost oder Temperatur) und haben die konzentrischen Schalen abgelöst.

Tipps

Besuchen Sie das Felsenlabyrinth der Luisenburg - eine der wichtigsten geologischen Lokalitäten im GEOPARK Bayern-Böhmen.

GEO-Tour Station 14: KLAUSEN / SEUßEN
Humboldt in Klausen / Seußen

Humboldt und das Klima

Alexander von Humboldt besucht das Püttnersche Alaunwerk Treue Freundschaft in der Klausen bei Seußen erstmals am 24. Juli 1792 im Rahmen seiner "Inspektionsreise". In seinem Bericht schildert er ausführlich das Werk und die Produktionsschritte der Herstellung von Alaun.

Schon in seinem Bericht beschreibt er die bituminöse Blätterkohle, in der "oft noch unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten" haben, zu finden sind. Humboldt erwähnt diese Fossilien auch in einem Brief an den Verleger des "Bergmännichen Journals" Hoffmann, der diesen bereits in der Juli-Ausgabe 1792 abdruckt. Dort heißt es:

[...]Bei Klausen an der Oberpfälzischen Grenze liegt das 21 Lachter mächtige Braunkohlenflöz unter einem Gerölle von mehr oder weniger verwitterten Basaltkugeln. Einige sind mit den Fingern zerreiblich, und doch erkennt man noch die 6-9 fach concntrisch schaligen abgesonderten Stücke. In der Braunkohle finden sich unversehrte Aeste von Tannenzweigen, die fast ihre natürliche Farbe erhalten haben, und so also gegen die Feuerrevolution zeugen. [...]"

Mit dem Zeugnis gegen die Feuerrevolution spielt Humboldt auf die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten an (siehe dazu Station Luisenburg und Steinhaus). Nachdem Basalte die Braunkohlen überlagern, war Humboldt der Meinung, dass - wären diese aus glutflüssiger Lava erstarrt - die Lava die Pflanzenfossilien in der Farbe verändert, vermutlich verbrannt hätten. Aus heutiger Sicht ist bereits die Interpretation der Lagerungsverhältnisse nicht richtig. Die Basaltblöcke sind in einer lehmigen Grundmasse durch den Prozess des Bodenfließens hangabwärts auf die Braunkohlenlager verfrachtet worden.

Die Sache mit der Ekliptik

Im November 1794 schreibt Alexander von Humboldt einen Brief an den Mathematiker Johann Friedrich Pfaff. Darin kündigt er ein größeres Werk unter dem Titel "Ideen zu einer künftigen Geschichte und Geographie der Pflanzen oder historische Nachricht von der allmäligen Ausbreitung der Gewächse über den Erdboden und ihren allgemeinsten geognostischen Verhältnissen" an, das "in 20 Jahren" erscheinen soll. In dem Brief erläutert Humboldt, dass selbst in hohen geographischen Breiten Pflanzenfossilien vorkommen, die unter "Tropenwärme" vor Ort gewachsen sind. "Unter den vielen möglichen Gründen, welche eine Tropenwärme [...] hervorbringen können, studiere ich den besonders über die veränderte Schiefe der Ekliptik ...". Humboldt bittet Pfaff um eine Stellungnahme darüber, ob die Ekliptik in der Vergangenheit nicht auch 48° (gegenüber heute 23 1/2°) betragen haben könnte. Die Antwort von Pfaff ist nicht erhalten, da Humboldt in aller Regel die an ihn gerichteten Briefe vernichtete. In einem Vortrag vor der Akademie zu Berlin am 24. Januar 1823 stellt Humboldt eine völlig andere Hypothese zum Wachstum wärmeliebender Pflanzen weit außerhalb der heutigen Tropen auf. Lesen Sie diese Textpassage hier

Humboldt schließt seinen Brief wie folgt:

"Auf meinen rauhen Felsenhöhen hänge ich solchen Träumereien nach. Beraubt von den nothwendigsten Hilfsmitteln muß ich mich an lebendige Orakel wenden ...".

Was ist Alaun?

Alaun ist chemisch ein wasserhaltiges Doppelsulfat (SO44-), ein Salz der Schwefelsäure, vermischt mit Tonerde, einer kleinen Menge Potasche (Kalium) und Ammonium. Verwendung fand Alaun u.a.

  • in der Färberei als Beizmittel vor dem Aufbringen von Farbstoffen,
  • in der Gerberei, um weißgares Leder herzustellen,
  • zum Leimen von Papier, um es tintenfest zu machen,
  • zum Härten von Gips und Gelatine,
  • zum Stillen innerer Blutungen und Durchfälle
  • zum Blutstillen bei Schnittwunden (Rasur)
  • als Deodorant

Alaun kommt in der Natur i.d.R. nicht als Mineral vor, sondern muss in mehreren Schritten aus Schwefel-führenden Gesteinen ausgelaugt werden. In Frage kommen dafür Braunkohlen oder Schwefelkies-haltige Alaunschiefer.

Das ehemalige Alaunwerk auf der Klausen

Bereits 1732 gab es in Hohenberg a.d. Eger die Braunkohlengrube "Freundschaft". Dort verbrannte man die Kohle und laugte sie anschließend zur Herstellung von Alaun aus. In Arzberg entstand 1765 eine Alaunhütte am Schachtweg "in der Biih" (= bei der Alaunhütte), die ihre Braunkohle ebenfalls aus Hohenberg bezog, jedoch bereits 1770 ihren Betrieb wieder einstellte.

Für das Gebiet der Klausen erwirbt der in Seußen ansässige Oberförster Balthasar Christoph Reiz die Mutungsrechte für die Zeche "Treue Freundschaft", die 1762 ihren Betrieb aufnimmt. Vor Ort entsteht ein Alaunwerk, in dem aus der Schwefelkies-haltigen Braunkohle bis 1837 (75 Jahre lang) Alaun produziert wird. Erwähnung finden die Schwefelkies-haltigen Braunkohlen allerdings schon in der von dem markgräflichen Bergrat Johann Wilhelm Kretschmann stammenden "Sammlung zu einer Berg Historia" als "Schefel Kieße von der Clausen, eine Stunde von Redwitz nach Arzberg zu, wobei eine Art Stein Kohlenn, so alaunisch seyn ...".

Eine erste Beschreibung des Alaunwerkes stammt von 1786:

"Das Werk besteht aus 2 Hauptgebäuden, wovon jedes 2 Stockwerke hoch ist. In denselben wird zu ebener Erde in 5 kleinen Blechpfannen die Lauge gekocht und in 5 größeren Bleipfannen abgekühlt [...]. Hinter dem Gebäude befindet sich eine Hütte mit 10 hölzernen Kufen verschiedener Größe, in welchen sich die Sole sammelt. 11 Personen liefern wöchentlich 8 Zentner Alaun und etwas rote Farberde". (Nach: J.K. Bundschuh, Geographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799-1804).

Alexander von Humboldt und das Alaunwerk auf der Klausen

Alexander von Humboldt widmet dem Alaunwerk auf der Klausen 1792 einen ausführlichen Bericht. Er stellt darin fest, dass das Gestein, "aus welchem man hier den Alaun gewinnt, [...] weder Alaunschiefer noch Alaunerde, sondern wahre Braunkohle" ist. Die Lagerstätte des Flözes bezeichnet er als "überaus merkwürdig".

Aus Humboldts Beschreibung der Lagenstätte lässt sich der folgende geologische Aufbau ableiten:

  • Humus
  • 2 - 3 m Verwitterungslehm mit 37 - 42 cm großen Basaltkugeln
  • 4 - 5 m weiße und braune Letten
  • darunter (ab ca. 8 m) folgt das Braunkohlenflöz

Die Mächtigkeit des Flözes ist offensichtlich unbekannt, es soll jedoch noch in 42 m Tiefe erbohrt worden sein. Humboldt hält fest, dass die Lagerstätte im Nordwesten von Gneisen begrenzt wird (man findet sie in mehreren Aufschlüssen heute noch entlang des nördlichen Uferweges. In der Braunkohle beschreibt Humboldt "unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten [haben], und unverwitterte Schwefelkiese."

Der Beschreibung Humboldts zufolge erreichten die Bergleute das Braunkohlenflöz von der Oberfläche her über mehrere mit großem Aufwand gezimmerte Schächte. Über diese wurde das "mit dem Keilhauer Gewonnene durch Haspel herausgefördert." Der eigentliche Abbaustollen lag bis in 28 Meter Tiefe und hatte eine Länge von rund 220 Metern in südlicher Richtung. Der größte Teil des Stollens war ausgezimmert.

Zur Zeit von Humboldts Besuch arbeiteten 12 Bergleute auf der Grube, das Alaunsieden erfolgte nur während der wärmeren Jahreszeit. Das mit verwittertem und unverwittertem Schwefelkies durchsetzte Alaunerz, die Braunkohle, wurde auf die "Bühne" verbracht, ein aus Balken und Brettern bestehendes Bauwerk oberhalb der Grube, die mundartlich so genannte "Biih". Auf der "Biih" wurden die Braunkohlen vor der eigentlichen Alaunproduktion erst eineinhalb bis zwei Jahre gelagert, um dort zu "wittern". Danach beginnt das Auslaugen (12-15 Jahre!). Während der Lagerung und später beim Begießen und Wenden der Braunkohlen oxidiert der Luftsauerstoff den Schwefelkies (Pyrit) in der Braunkohle. Die dabei freigesetzte Schwefelsäure löst aus den tonigen Begleitsedimenten der Braunkohle Aluminium, Kieselsäure und Bitumen heraus. Diese Lauge wird in einen Schuppen nahe der Alaunhütte geleitet, wo sie in mehreren, im Boden eingelassenen Vorratskästen (1,50 m im Durchmesser, 1,20 m tief) zwischengelagert wird.

Im nächsten Schritt wird die Lauge in drei "Läuterpfannen" 36 Stunden lang "gesotten" (gekocht). Während des Siedens setzen sich die bituminösen Bestandteile und die Kieselsäure als teerartige Masse ab, die getrocknet schwarz-glänzend ist und einen muscheligen Bruch hat. Die geläuterte Lauge wird zum Abkühlen in größere Pfannen geleitet, danach in zwei Garpfannen unter Zugabe von Pottasche (Kaliumkarbonat) 24 Stunden eingedampft.

Humboldt nennt in seinem Bericht, dass wöchentlich 5 Zentner Alaun produziert werden. Der Holzbedarf dafür beträgt 10 Klafter. Humboldt bilanziert daraus die jährliche Produktion von 100 - 120 Zentner Alaun mit einem Holzverbrauch von 200 - 240 Klaftern (bei 5 - 6 Monaten Betrieb). Kritisch äußert er sich über den hohen Holzverbrauch, den er u.a. einer unsachgemäßen Befeuerung und falschen Bauweise der Pfannen zuschreibt.

Das "Püttnersche Alaunwerk" auf der Klausen

Humboldt benennt das Alaunwerk auf der Klausen als das "Püttnersche Alaunwerk". Es gehörte demnach der Kaufmanns- und Bankierfamilie Jakob Friedrich Püttner (1720-1798) aus Hof, die auch Eigentümer der Vitriol- und Alaunhütte "Goldene Adlerhütte" bei Wirsberg war. Dessen Enkel, Georg Friedrich Püttner, war Kommilitone Humboldts in Freiberg und übernahm später das Vitriolwerk bei Wirsberg und die Alaushütte auf der Klausen.

Hüttenmeister zur Zeit des Besuches von Humboldt war der Johann Christian Ullmann, "... ein sehr verständiger Mensch, aber ehemaliger Bermann aus Johanngeorgenstadt, der sich wohl besser auf Bergbau als Pyrotechnik verstehen mag." (Humboldt). Von 1808 an leitete das Püttnersche Alaunwerk der aus der Niederlausitz stammende August Reinsch (1778 - 1869), der ausgebildeter Apotheker war. Er war zuvor als Laborant auf der "Goldenen Adlerhütte" tätig. Reinsch übernahm nach dem Tod des Obersteigers J.C. Benker 1805 die Leitung der 1795 von Alexander von Humboldt in Arzberg gegründeten Bergschule. Reinsch übernimmt einige Jahre vor 1833 das Alaunwerk zu eigener Pacht. Für das Jahr 1829 werden noch 5 Bergarbeiter und 10 Alaunsieder genannt. Das Alauswerk wird 1833 von den Püttnerschen Gewerken an den Seußener Gutsbesitzer Christian Paul Aecker verkauft. Reinsch geht als "Berg- und Hüttenfaktor" (Verwalter) des Schwefelkiesbergwerkes am Silberberg nach Bodenmais (heute Besucher-Bergwerk).

Der Niedergang des Alaunwerkes auf der Klausen

Der neue Eigentümer seit 1833 des Alauswerkes, Christian Paul Aecker aus Seußen, betrieb das Werk nach einer Angabe von Carl Wilhelm von Gümbel nur bis zum Jahr 1837. 1834 heißt es in einem Text jedoch bereits, das sich " [...] sämtliche Grubenbaue der 'Treuen Freundschaft'bei Seußen ohne alle Beaufsichtigung und Unterhaltung befinden, wodurch eine sehr üble Gruben- und Hüttenwirtschaft [entstanden] ist". 1853 kam es durch das Bergamt zu einer "Freierklärung", da die Erben des mittlerweile verstorbenen Christian Paul Aecker den Verpflichtungen des Bergamtes nicht nachkamen.

Vom Alaunwerk zum Freizeitsee

1870 entsteht an Stelle der aufgelassenen Bergbaugrube der Klausenteich, jedoch wird die Staumauer durch ein Hochwasser im Juni 1913 zerstört. Erst 1935 wird der Teich durch den Klausenwirt Georg Sölch neu angelegt. Dieser wird 1912 zusammen mit seiner Familie als Bewohner des Gebäudes Nr. 1 des Anwesens "Treue Freundschaft" genannt. Im anderen Gebäude (1a) lebten sechs weitere Familien. Das von dem Ökonomen und Bierwirt Wirtshaus bestand bis zur Flutung des Feisnitzsee 1972/73 als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlen-Kraftwerk Arzberg.

Tipps

Machen Sie einen Rundgang um den Feisnitz- bzw. Haid-Speichersee (Wegstrecke rund 2,2 Kilometer) oder besuchen Sie den 32 Meter hohen Aussichtsturm, die Waldenfelswarte, auf dem 633 Meter hohen Kohlberg. Von diesem haben Sie eine einzigartige Aussicht in das Fichtelgebirge, nach Böhmen und in die nördliche Oberpfalz (einfache Wegstrecke ab Parkplatz 1,6 Kilometer).

GEO-Tour Station 15: ARZBERG
Humboldt in Arzberg

Die Lagerstätten in Arzberg und Umgebung waren zurzeit Humboldts und darüber hinaus die ergiebigsten im Wunsiedler Revier. Abgebaut wurden die an den Wunsiedler Marmor gebundenen Eisenerze. Und dies bereits seit dem Mittelalter. Erst 1941 kam der Bergbau in Arzberg mit der Stilllegung der Zeche "Kleiner Johannes" zum Ende. Über die Geschichte des Bergbaus, das Wirken Alexander von Humboldts in Arzberg und die Geologie des Fichtelgebirges informiert die heute auf dem Gelände der ehemaligen Zeche bestehende Infostelle von Naturpark Fichtelgebirge und GEOPARK Bayern-Böhmen.

Entsprechend der Bedeutung von Arzberg hielt sich Alexander von Humboldt häufiger wohl auch in Arzberg auf, doch gibt es nachweislich nur wenige Briefe, die von hier stammen. Humboldt wohnte während seiner Aufenthalte in Arzberg im Müssel'schen Haus, dem heutigen Bergbräu. Eine Gedenktafel in der Hausfassade erinnert daran. Sie wurde bereits am 12. September 1880 dort angebracht. Der damalige Arzberger Bürgermeister gab bei der Einweihung der Gedenktafel das Versprechen, "dass er sowohl als auch alle seine Nachfolger dasselbe würdig für alle Zeiten schützen und der Nachwelt zum ewigen Andenken an den großen Gelehrten, auf den Deutschland, Europa, ja die ganze zivilisierte Welt stolz ist, erhalten wollen".

Wie in Steben richtet Alexander von Humboldt in Arzberg eine Bergschule ein. Ende Juni schrieb Humboldt von seinen Plänen an das Oberbergdepartement in Bayreuth. Man sei "dort oben in der Kultur zurück", und die Schule sei hier nötiger als irgendwo. Nach langem Suchen wäre die Wahl auf den Obersteiger Johann Caspar Bencker (†1805) als Schulleiter gefallen. Dieser sei ein verdienstvoller und sehr erfahrener Grubenbeamter, der gewiss auch als Lehrer einiges leisten würde. Im Herbst 1795 schreibt Humboldt in seinem Generalbericht über das Wunsiedler Revier, dass der Etat für die Schule bereits eingeplant sei. Begonnen wurde mit dem Unterricht jedoch erst 1796. Es handelte sich um eine Winterschule mit Unterricht von November bis Mai für "Bergjungen" ab dem 12. Lebensjahr. Weder in Arzberg noch in Wunsiedel ist allerdings ein Gebäude für die Bergschule nachweisbar. Es ist daher anzunehmen, dass der Unterricht in der Wohnung des Bergschullehrers abgehalten wurde. Im Jahr 1804 wurde die Arzberger Bergschule nach Goldkronach verlegt.

Lesen Sie hier die Textpassage aus Humboldts Generalbericht von 1795, in der er auf die geplante Bergschule in Arzberg eingeht.

Aus den Briefen und Berichten Alexander von Humboldts geht hervor, dass er in Arzberg häufig persönlich in die Bergwerke eingefahren ist. Schon während seiner Inspektionsreise 1792 besuchte er eine Reihe dieser Gruben:

"Die Gruben, welche ich befahren, waren Susannen-Glück und Goldkammer Fundgrube, Silberkammer Fundgrube, Anna Christiana Fundgrube, Gottes Geschick Fundgrube und Friedrich Christian Fundgrube. Die beiden Hauptgruben gehören dem Faktor Müßel, dessen Vater sein Vermögen dem Bergbau fast schon ganz aufgeopfert hatte, als er diese Werke aufnahm, welche ihm und den Nachkommen einen reichlichen Ersatz geben und die [Berg-] Baulust zu Arzberg aufs neue sehr rege gemacht haben".

St. Georg-Stollen im Röslautal

In seinem Generalbericht schreibt Humboldt auch über den St. Georg-Stollen im Tal der Röslau (= Gsteinigt). Konkret geht es um Verbesserungsvorschläge für den weiteren Ausbau des Entwässerungsstollens für die Arzberger Bergwerke (= Erbstollen). Über dem Eingang des 2008 wiederhergestellten Mundlochs stehen die Jahreszahlen 1722-1795-1817-2008. Sie kennzeichnen die wichtigsten Ausbau- und Sanierungsetappen des Stollens.

Der St. Georg-Stollen wurde 1722 im Tal der Röslau so tief wie möglich angelegt und bis 1727 bis zur Eisensteinzeche Morgenstein vorangetrieben. In einem Befahrungsbericht vom August 1770 wird erwähnt, dass der Stollen im Bereich der Zeche Morgenstern fast völlig verbrochen ist. Bis zur Grube "Gold- und Silberkammer" scheint er jedoch durchgängig gewesen zu sein. [3] Die Gold- und Silberkammer ist die wohl bedeutendste Grube des Wunsiedler Reviers.

Im Jahr 1817 wurde in dem Stollen erstmals eine "Wasserkunst" eingebaut. Darunter versteht man im Bergbau eine technische Vorrichtung zur Entwässerung von Grubenbauten. Diese wurde bereits von Alexander von Humboldt ins Gespräch gebracht. So schreibt Humboldt 1795 in seinem Generalbericht:

"Mein hartes Eindringen in den Faktor [= Unternehmer] Müssel, nach Vorschriften des B.[erg]Amts nun so zu bauen, daß die Gewältigung mit dem Kunstgezeuge möglich wäre [...]."

Im nächsten Satz heißt es:

[...] und hielt es für besser, jetzt loszubrechen, als eine so wichtige den Arzberger Bergbau allein erhaltende Arbeit verzögert zu sehen."

Für den Einbau einer Wasserkunst will Humboldt die technischen Voraussetzungen schaffen. So schlägt er zunächst die Beseitigung von Krümmungen im bestehenden Stollen vor.

"Bei einem so langen Gestänge, zu dem man sich ja ohnedies nur aus Noth verstehen mußte, weil kein anderes Mittel die Arzberger Gruben zu sichern übrig blieb, bei einem so langen Gestänge muß jede Krümmung vermieden werden."

Mit dem Einbau der Wasserkunst sollte es möglich werden, insbesondere die Abbausohlen der ertragreichen Gold- und Silberkammer Gruben tiefer zu legen. Erst nach Humboldts Weggang wird die technische Anlage 1797 bis ins Detail geplant. Umgesetzt wurde sie jedoch erst im Jahr 1817. Angetrieben wurden die eingebaute Wasserhebemaschinen (mit 20 Pumpwerken, verbunden über ein Gestänge im St. Georg-Stollen) durch ein unterschlächtiges Wasserrad im Röslautal. Der Schacht der Grube Gold- und Silberkammer konnte bis 1841 auf 120 Meter unter Gelände abgeteuft werden. Noch heute sind im Uferbereich die Reste der ehemaligen Radstube zu erkennen.

Lesen Sie hier Humboldts Originaltext zum Sankt-Georg-Stollen.

Der St. Georg-Stollen besteht noch heute. Während des 2. Weltkrieges diente ein Teil von ihm den Arzbergern zeitweilig als Luftschutzraum. Nach dem Krieg wurde das Mundloch verschlossen und war kaum noch als solches zu erkennen. Im Jahr 2008 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und nach der alten Aufnahme von 1913 in seiner heutigen Form saniert. Seit 2009 gehört das Gsteinigt mit seinen geologischen und montanhistorischen Zeugnissen zu den "100 schönsten Geotopen von Bayern".

Humboldt-Orte in Arzberg

Müssel-Haus / Bergbräu

Bei seinen Aufenthalten in Arzberg wohnte Alexander von Humboldt auf dem Kirchberg im Hause der Patrizierfamilie Müssel.

Infostelle Altes Bergwerk Kleiner Johannes

Die Infostelle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eisenerz-Bergwerkes Kleiner Johannes. Sie zeigt in mehreren Räumen einen Querschnitt durch die wichtigsten Gesteine und Mineralien des Fichtelgebirges sowie die Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Auf dem Gelände befindet sich eine kleine Ausstellung mit Gesteinsexponaten aus dem Fichtelgebirge, der Nachbau der ehemaligen Förderanlage sowie ein Schaustollen. Eine 2017 ergänzte Ausstellung zur ehemaligen Specksteingrube Johannes bei Göpfersgrün ist nur zu besonderen Zeiten möglich.

Anschrift: Altes Bergwerk, Altes Bergwerk 1, 95659 Arzberg
Telefon: (0)9233 40 40 (Stadt Arzberg)
GPS: 50.059242, 12.192009

Öffnungszeiten der Infostelle:
Von Josefi (19.3.) bis Barbara (4.12.),
jeweils von 8 - 17 Uhr

Das Bergbaurevier Arzberg-Röthenbach

Die Verhältnisse im einstigen Arzberg-Röthenbacher Revier sind in der Monografie von Ernst Schmidtill (1963) ausführlich beschrieben. Die Lagerstätte, die an den Marmorzug gebunden ist, ist zwischen Röthenbach und Arzberg zweigeteilt in einen südlichen und einen nördlichen Erzzug (entsprechend zweier Marmorzüge). Das Profil der unten gezeigten Karte zeigt zwei voneinander getrennte Marmorlagen, die durch einen Phyllitrücken getrennt sind. Marmor und Phyllite fallen mit 70 - 80° nach Südwesten ein. Der Phyllitrücken ist bei Röthenbach etwa 60 Meter mächtig, östlich davon nur noch rund 30 Meter. Bei Arzberg ist er überhaupt nicht mehr vorhanden.

Mehr erfahren

Tipps

Volkskundliches Gerätemuseum Bergnersreuth

Das Museum Bergnersreuth ist ein Freilichtmuseum in einem alten Bauerngehöft. Neben den Dauerausstellungen zu den landwirtschaftlichen Geräten gibt es Abteilungen zur Bodenqualität und -bearbeitung. Original erhalten sind teils die Wohnstuben der ehemaligen Bewohner. Das Museum ist auch Station der GEO-Tour Boden des GEOPARK Bayern-Böhmen.

Anschrift: Wunsiedler Str. 14, 95659 Arzberg
Telefon: (0 92 33) 52 25
Internet: www.bergnersreuth.de

Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: jeweils von 10-17 Uhr (Montg geschlossen)

GEO-Tour Station 16: STEINBERG / Steinhaus Thiersheim
Humboldt in Steinberg / Steinhaus Thiersheim

Humboldt, die Kohle und der Vulkan

Das Steinhaus liegt am Fuße des "Steinberg-Vulkans". Dieser gehört zusammen mit dem "Neuhauser Schloßberg" und dem bereits in Tschechien liegenden "Plattenberg" (Blatná) zu einem vulkanischen "Dreigespann" an der bayerisch-tschechischen Grenze. Zwischen dem Steinberg und dem Plattenberg hat sich die Eger in einem markanten Tal eingetieft.

Der Steinberg wird von Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit der Suche nach Steinkohlen erwähnt. Der hohe Bedarf an Brennmaterial für das Montanwesen weckte schon vor Humboldts Amtszeit in Franken das Interesse der Bergbehörde an diesem fossilen Energieträger, doch war die Suche danach wohl eher unsystematisch. Humboldt stellt die Kohleprospektion auf neue Füße. Der Fokus lag dabei in den Gebieten zwischen Bayreuth und Kulmbach (Kulmbach/Kessel, Schlemme/Schlämm, Lanzendorf: Lettenkohlen/Keuper), Neustadt am Kulm (Lettenkohlen/Keuper) und in der Umgebung des Steinberges (Tertiär).

Am 22. Oktober 1794 schreibt Alexander von Humboldt an der Oberbergdepartement in Bayreuth:

"Da durch einzelne, unvollendete Versuche auf Steinkohlen bisher die Frage, ob wir bauwürdige Flöze im Lande haben, nicht entschieden und viel Geld versplittert worden ist, so hatte ich mich entschlossen, die Sache methodisch anzugreifen.[...] und gab ihm [dem Berggeschworenen Sievert] eine ausführliche Anweisung, alle Punkte, wo nur Sage oder Hofnung auf Steinkohlen wäre, einzeln zu untersuchen und ein Verzeichniß davon anzufertigen. Ich hielt es für ökonomisch wichtig genug, wenn man nur eine sichere Liste solcher Orte niederlegen könnte, wo nicht mehr zu suchen ist, statt dass man sonst immer auf dieselben Punkte zurückkehrt. Ich habe, indem ich dies Verfahren dem Hochl.[öblichen] K[öniglichen O.B. Dep. gehorsamst anzeige, die Ehre, den Anfang der Sieverschen Arbeit in der Anlage einzureichen, weit entfernt indes von der Besorgnis, dass alle Versuche, welche

bei Culmbach,
bei Lanzendorf und Schlemme,
unter den Basalten der Arzberger Refier und vielleicht bei Sulz im Ansbachischen anzustellen sind, gleich fruchtlos sein werden."

In einem weiteren Schreiben am 19. März 1795 schlägt Humboldt tiefere Bohrungen (20 - 24 Lachter, ca. 40 - 48 m) u.a. "an den Basalten des Wunsiedler Refiers" (am Steinberg) vor. Die Bohrung am Steinberg wird in der Folgezeit auch durchgeführt. Jedoch ohne einen erhofften Erfolg.

Im Herbst 1796 erreicht Humboldt eine Anfrage des Oberbergdepartements zu einer weiteren Erkundungsbohrung bei Kothigenbibersbach. Humboldt rät davon ab. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut der Briefes Humboldts an das Oberbergdepartement.

Der Vulkan und der Basalt

Auch wenn es der Titel unserer Tafel suggeriert, Alexander von Humboldt sah im Steinberg keinen Vulkan. Dass es sich dabei um einen Basaltberg handelte, war ihm bewusst. Das geht aus seinen Briefen ans Oberbergdepartement hervor. Humboldt war während seine Zeit in Franken jedoch noch Anhänger der Lehrmeinung Gottlob Abraham Werners. Dieser war in Deutschland der wichtigste und einflussreichste Vertreter der "Neptunisten". Diese sahen im Basalt ein aus einem Urozean ausgefälltes Gestein, das in keinem Zusammenhang mit Gesteinsschmelzen oder Vulkanen stehen würde. Vulkane waren für die Neptunisten dagegen das Ergebnis im Untergund brennender Kohlelager. Humboldt maß daher dem Basalt des Steinberges keine besondere Bedeutung bei.

Tipps

Hutschenreuther Gedenkstein

Besuchen Sie den Carolus Magnus Hutschenreuther-Gedenkstein. Dieser erinnert an das Auffinden von Kaolin in der Nähe des Steins durch den Begründer der C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg a.d. Eger (1822). Tatsächlich hatte ihm das Kaolin sein Verwandter und späterer Schwiegervater, der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, bei einem Besuch in Hohenberg gezeigt. Hutschenreuther blieb in Hohenberg und richtete 1814 in Räumen der Hohenberger Burg, die ihm Reuß zur Verfügung gestellt hatte, eine Porzellanmalerei ein. Das Jahr 1814 gilt daher auch als Geburtsjahr der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge. In Sichtweise zum Gedenkstein liegt eine ehemalige Farberde-Grube (mit kleiner Infotafel).

Geotop Heiligenberg

Über den "Mittelweg" ("M") erreichen Sie das auf der Nordostseite des Steinberges liegende Geotop "Heiligenberg". Dort können Sie die Basalte des Steinberges in anstehenden Felsen sehen. Von hier aus hat man auch eine Aussicht ins Egerer Becken.

© GEOPARK Bayern-Böhmen

Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

Infomaterialien

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Bad Berneck

Broschüre „Dendrologischer Garten“

Bad Bertrich: HeimatSpur Geo-Route

Eine spannende Zeitreise in die geologische Vergangenheit der Vulkaneifel. Die Geo-Route führt zu zahlreichen Zeugnissen der explosiven Vergangenheit von Bad Bertrich.

Die Geo-Route führt Sie zu zahlreichen Zeugnissen der explosiven Vergangenheit von Bad Bertrich. Hier waren vor etwa 50.000 Jahren neun Vulkane aktiv und haben die Region mit interessanten geologischen Formationen geprägt. Lernen Sie diese Erdgeschichte auf ganz besondere Art kennen und genießen Sie währenddessen atemberaubende Weitblicke.

Der Weg hat einen Anstieg von 270 Höhenmetern. Zwei Kilometer bleibt er auf der Höhe und führt dann zurück in das Tal.

Bad Bertrich hat eine abwechslungsreiche und bedeutende Geschichte. Bereits die Römer kannten die heilende Wirkung des Wassers im Tal des Üssbachs. Ein gut markiertes Wegenetz rund um den Kurort führt Wander- und Naturfreunde zu interessanten Aussichtspunkten, historischen Orten und besonderen Naturerlebnissen.

Wegbeschreibung

Nach dem Start an der GesundLand Tourist Information führt der Weg hinauf zum Palmberg. Von dort geht es weiter bergauf zur Viktoriahöhe und zur Ruflay. Ab dann sind bereits die meisten Höhenmeter bewältigt und die Route verläuft weiter bis zur Oase der Ruhe, wo eine atemberaubende Aussicht auf das Üssbachtal möglich ist. Weiter geht es bis zur Maischquelle, die im Zuge vulkanischer Aktivitäten entstanden ist.

Highlights am Weg

  •  0,6 km Viktoriahöhe
  •  1,7 km Oase der Ruhe

  •  4,2 km Falkenlay/Steinzeithöhlen

  •  4,8 km Maischquelle

  •  5,3 km Dachslöcher

Geheimtipp

Bei der Maischquelle erwartet Sie eine wohltuende Erfrischung in Form eines Naturkühlschranks!

Infomaterialien

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Bad Bertrich

HeimatSpur Geo-Route – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Buchau: Archäologischer Moorlehrpfad

Dieser Weg erschließt bedeutende stein-, bronze- und eisenzeitlichen Fundstellen im Naturschutzgebiet Südliches Federseeried, darunter die Siedlung Forschner, die Teil des UNESCO Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ ist.

Elf Stationen mit Infotafeln geben einen Einblick in die Archäologie sowie in die Natur- und Landschaftsgeschichte des südlichen Federseeriedes. Teilrekonstruktionen zeigen die Lage von Gebäuden und Palisaden im Gelände.

Tipp

Vor dem Start sollte man unbedingt das Federseemuseum besuchen. Hier sind bedeutende archäologische Funde aus dem Federseemoor ausgestellt. Das Freigelände vermittelt einen Eindruck, wie die Häuser und Siedlungen unserer Vorfahren ausgesehen haben könnten.

Die Wegstationen
Geologie des Federsees
Die "Insel Buchau"

Eine mineralische Insel im Moor, die am Ende der letzten Eiszeit vollständig mit Wasser umgeben war.

Das Dorf in "Dullenried"

Eine Siedlung von Fischern und Jägern aus der späten Jungsteinzeit.

"Blütenstaub im Moor"

Die Vegetationsgeschichte des Federseemoors vom Ende der Eiszeit bis heute und der menschliche Einfluss auf die Umwelt.

Naturschutzgebiet "Südliches Federseenried"
Wasserburg "Buchau"

Die Wasserburg „Buchau“ zählte zu den bedeutendsten Siedlungen der Spätbronzezeit in Süddeutschland.

Oggelshausen "Bruggraben"

Hier wurde vor über 2.500 Jahren ein fast schon industrieller Fischfang betrieben.

Siedlung "Forschner"

Eine bronzezeitliche Befestigung im Moor. Seit 2011 eine Fundstelle des UNESCO-Welterbes.

Taubriedbach

Ein vorgeschichtlicher Wasserlauf mit zahlreichen steinzeitlichen Ansiedlungen.

Siedlung "Taubried"

Ein jungsteinzeitliches Bauerndorf.

Blick zum "Hernauhof"

Den Hof umgaben zahlreiche alt- und mittelsteinzeitliche Jagdplätze.

Infomaterialien

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Bad Buchau

Faltblatt „Archäologischer Moorlehrpfad – Der Weg ins südliche Ried“

Textquellen

Faltblatt

Bad Buchau: Rund um den Federsee

Rundtour um den Federsee die einen guten Über- und Einblick in das Federseegebiet sowie auch bei entsprechender Wetterlage einen tollen Weitblick auf die Alpen ermöglicht. Mit einem  Fernglas ausgestattet sind interessante Tierbeobachtungen möglich.

Vom Parkplatz aus führt der Weg erst einmal zum Federseemuseum. den dortigen Parkplatz quert man diagonal und verlässt ihn links vom Zugang zum Federseesteg. Über einen Holzweg geht es über Moosburg, Alleshausen, Seekirch, Tiefenbach und Oggelshausen zurück zum Ausgangspunkt.

Die Wegstationen
Station 1: Streuwiesen
Station 2: Federseekanal
Station 3: Flachmoor
Station 4: Wie entsteht ein Moor?
Station 5: Banngebiet Staudacher
Station 6: Vögel im Banngebiet
Station 7: Bannwälder
Station 8: Übergangsmoor
Station 9: Schmetterlinge
Station 10: Der Federsee - Ein Erbe der Eiszeit
Station 11: Landwirtschaft im Federseemoor
Station 12: Greifvögel
Station 13: Kliff
Station 14: Vögel der Feuchtwiesen

Infomaterialien

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Bad Buchau

Rund um den Federsee – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Buchau: Zum Blinden See

Die Wanderung führt von Bad Buchau aus über Kanzach, den Blinden See, Dürnau über Kappel zurück nach Bad Buchau.

Der Blinde See ist ein idyllisch gelegener Moorsee. Die heutige Seefläche entstand durch Torfabbau, heute steht das Gebiet unter Naturschutz. Das Moor und der See beherbergen viele selten gewordene Tiere und Pflanzen.

Das Moor ist trittempfindlich und darf zu seinem Schutz nicht betreten werden.

Infomaterialien

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Bad Buchau

Zuim Blinden See – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Dürkheim: Geo-Erlebnispfad „Schatzinsel im Rebenmeer“

Der Geo-Erlebnispfad ist eine Entdeckungsreise durch das Bad Dürkheimer Terroir. Auf der Tour zwischen Riesenfass, Gradierbau und Römervilla Weilberg zeigen reich illustrierte Tafeln Informationen zu (Wein-) Kulturlandschaft, Geologie, Klima, Weinbau und Geschichte. 

Die heutige Pfalz: Eine schwere Geburt mit dramatischen Ereignissen

Ließe man die letzten 250 Millionen Jahre dieser Weinberglandschaft im Zeitraffer ablaufen, würde jeder Kino-Blockbuster vor Neid erblassen. 

Die Buntsandsteintürme des Pfälzerwaldes wurden erst von heiß-trockenen Wüstenwinden umtost und dann von reißenden Flüssen umspült. Das Land versank unter den Fluten eines tropischen Meeres, in dem Haie zwischen gigantischen Kalkriffen jagten. Die Alpen türmten sich auf, ließen das Land zerbrechen und kehrten das Unterste nach oben. 

Der Rheingraben brach um einige tausend Meter ein und zerrte so am umliegenden Land, dass es um tausend Meter empor gehoben wurde. Dann verwandelte die Eiszeit die Pfalz in eine Kältewüste voller Staub und Steine. Diesem Chaos der Vergangenheit verdanken wir heute unsere vielfältige Landschaft und den Reichtum an Böden, die ganz unterschiedliche Weine hervor bringen. 

Der Geo – Erlebnispfad erzählt auf 26 reich illustrierten Tafeln diese dramatische Geschichte der Entstehung der Pfalz und der Deutschen Weinstraße.

Wegstationen
Station 1: Riesenfass

Weltrekorde rund um den Wein

Station 2: Weißes Gold
Station 3: Wurstmarkt
Station 4: Dürkheimer Wein
Station 5: Windschutz
Station 6: Elemente der Weinbaulandschaft
Station 7: Buntsandstein
Station 8: Kein Canyon für den Rhein
Station 9: Kalkstein
Station 10: Bad Dürkheim am Strand
Station 11: Römer
Station 12: Aufrechter Weinberg
Station 13: Jahr im Weinberg
Station 14: Schauriger Ort
Station 15: Schwarzwaldblick
Station 16: Weinproduktion der Röme
Station 17: Prachtbau
Station 18: Flurbereinigung
Station 19: Löss
Station 20: Der Boden macht den Wein
Station 21: Rote Erde
Station 22: Mandeln und Klima
Station 23: Helm von Pfeffingen
Station 24: Kleiner Ort mit großer Geschichte
Station 25: Der verlegte Bach
Station 26: Alte Weinstraße

Infomaterialien

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Bad Dürkheim

Erlebnispfad „Schatzinsel im Rebenmeer“ – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Friedrichshall: Salzwanderweg

Der Salzwanderweg begibt sich auf die Spuren des Salzes und führt weit zurück in die Geschichte der Stadt Bad Friedrichshall. König Friedrich von Württemberg ließ im frühen 19. Jahrhundert nach Salz bohren und wurde so zum Namenspatron der Stadt.

Der Weg führt durch die Geschichte der Salzgewinnung und des Salzabbaus, die Orte dieser Geschichte erleben Sie bei dieser Wanderung.

Salz, das weiße Gold, hat Bad Friedrichshall geprägt. 

Bereits 1816 wies König Friedrich von Württemberg an, eine Saline in Jagstfeld zu errichten. 1818 wurde bereits das erste Siedwerk angebrannt, 1821 wurde die ausgedehnte Anlage der neuen Saline und 1859 gelang der zweite Versuch zum Abteufen eines Schachtes in Jagstfeld. Die Salzförderung brach dort nach einem Stolleneinbruch 1895 jäh ab.

Heute erinnern noch der idyllische Schachtsee und ein historisches Tretrad an dieses frühere Bergwerk.

Der Salzwanderweg führt durch die Geschichte der Salzgewinnung und an die historischen Orte des Salzbergbaus. Insgesamt 11 Infotafeln erläutern die spannende Geschichte zur ehemaligen Saline und dem früheren Bergwerk in Jagstfeld.

Nach der Wandertour bietet sich ein Besuch im Salzbergwerk Bad Friedrichshall an.

Wegstationen
Station 1: Salinenkanal

Die im Jahr 1817 errichtete Saline Friedrichshall benötigte eine Antriebskraft für die Solepumpen sowie auch einen günstigen Transportweg für das Holz zum Beheizen der Siedepfannen. Dafür wurde ab dem 12. Juni 1819 der Salinenkanal nach Plänen von Oberwasserbaudirektor Karl August Friedrich Duttenhofer gebaut. Bis zu 110 durch Militär bewachte Sträflinge aus der Strafanstalt Ludwigsburg verrichteten die Arbeiten. Der 3,7 Kilometer lange Kanal war 1825 fertiggestellt. Sein Gefälle beträgt 1,9 Meter, seine Wasserkraft erbringt 150 PS. Unterhalb von Hagenbach wurde ein Wehr errichtet, um den Kanal mit Wasser zu versorgen.

Station 2: Eisenbahnbrücke

Die 11,2 Kilometer lange Eisenbahnlinie Heilbronn-Jagstfeld wurde im September 1866 eröffnet. Zur Überquerung von Kocher und Salinenkanal war der Bau von zwei Eisenbahnbrücken notwendig geworden.

Gleichzeitig mit dem Bau des Kochendorfer Salzbergwerks (1896 bis 1899) wurde eine werkseigene Schmalspurbahn zum Transport des Salzes vom Werk Kochendorf zur Salzmühle in der Saline Jagstfeld mit eigener, parallel zur Eisenbahnbrücke stehender Brücke errichtet.

Kurz vor Kriegsende am 24. März 1945 griffen 41 amerikanische Mittelstreckenbomber des Typs Martin B 26 Marauder die Eisenbahnbrücke an und warfen dabei 325 5-Zentner-Sprengbomben ab. Während die Salzbahnbrücke einen Totalschaden erlitt, trug die Eisenbahnbrücke nur leichte Schäden davon. Sie wurde nur kurze Zeit später von deutschen Truppen gesprengt, als sich die US-Armee annäherte. 

Station 3: Holzgarten

Um bei der Salzversorgung vom Ausland unabhängiger zu werden, galt das Augenmerk König Friedrichs von Württemberg fundverdächtigen Stellen in seinem Land. Auf Empfehlung von Bergrat Hermann Bilfinger begann am 17. August 1812 das Bohrgeschäft auf den Jagstfelder Steinäckern. Bei 140,7 Meter wurde das Soleflöz erreicht. Ab Februar 1816 konnte man volllötige Sole fördern. Die Bohrung wurde im August 1816 in 149,9 Meter Tiefe eingestellt. Eine Mächtigkeit von mindestens 12,66 Meter Steinsalz war nachgewiesen, womit man erstmals in Mitteleuropa ein unversehrtes Steinsalzflöz angebohrt hatte. Das Fundbohrloch Nummer 1 befand sich neben dem heutigen E-Werk.

Zur Salzgewinnung betrieb die Saline Friedrichshall bis zu 12 Siedepfannen, für deren Beheizung viel Brennholz benötigt wurde. Das Holz stammte aus den Staatswaldungen der Forstämter Neuenstadt und Bietigheim. Es wurde teils auf dem Kocher, teils auf dem Neckar beigeflößt. Ab 1829 kamen die Flöße aus den Limpurger Waldungen. Endstation für die Flöße war der Fangrechen bei Hagenbach, wo sie aufgebunden wurden. Die Einzelstämme schwammen sodann im Salinenkanal bis zum Fangrechen am Holzgarten. Bis 1855 waren alle Herde auf Steinkohlenfeuerung umgestellt worden.

Station 4: Kraftwerk / Salzmühle

Neben dem heute noch betriebenen kleinen Wasserkraftwerk stand die Salzmühle der Saline Friedrichshall.

Nach erfolgreicher Probebohrung ließ König Wilhelm I. von Württemberg 1817 die Saline auf Jagstfelder Markung errichten. Der erste Sud wurde am 14. Januar 1818 angebrannt.  

Im April 1817 versuchte man 30 Meter vom Fundbohrloch entfernt einen Schacht für die bergmännische Förderung von Steinsalz abzuteufen. Wegen zu starkem Wassereinbruch musste dieses Vorhaben jedoch bei einer Schachttiefe von 63 Meter aufgegeben werden. 

Am 3. April 1820 besichtigte König Wilhelm I. die Salinenanlagen und genehmigte den weiteren Ausbau. In Gedenken an seinen hochseligen Vater gab er der Saline den Namen „Friedrichshall“. Die Salzproduktion stieg rasant: 1820 erzeugte man 17.000 Zentner Salz, im folgenden Jahr bereits 100.000 Zentner und 1822 konnte man 170.000 Zentner Salz gewinnen.  

Nach Fertigstellung des Bergwerks 1859 wurde das Steinsalz mit einer 1168 Meter langen Schienenbahn vom Schacht zur Salzmühle transportiert. Den Antrieb für die beladenen Wägen besorgte anfangs das Gefälle von 8,5 Meter. Es wurden jeweils 10 Wagen zusammen gekoppelt und hinabgebremst. Die leeren Züge wurden von zwei Pferden wieder emporgezogen. Später wurden die Wagen von einer kleinen Lokomotive gezogen. Der größte Teil dieses Salzes wurde mit Schiffen abgefahren. Zur Beladung wurden die Schiffe vom Neckar mit einem Seilzug zur Verladestelle in den Salinenkanal gezogen.

Station 5: Prinzessinnenwäldchen

Gegenüber der Saline befindet sich das so genannte „Prinzessinnenwäldchen“. Die Herkunft dieses Namens ist unbekannt. Früher stand hier ein kleiner Pavillon. Heute befindet sich unter diesem Platz ein 1936 erbauter Wehrmachtsbunker der ehemaligen Neckar-Enz-Verteidigungslinie. 

Südlich dieser Stelle wurde 1935 ein Förderband errichtet, welches das Salz von der Salzmühle bis zum Neckar transportierte, um das Beladen der größeren Neckarschiffe zu ermöglichen. Im Wiesental sieht man noch die Fundamente dieser Anlage.

Station 6: Mündung Salinenkanal

Kurz vor der im Jahr 1869 in Betrieb genommenen Eisenbahnbrücke nach Bad Wimpfen mündet der 3,7 Kilometer lange Salinenkanal in den Neckar. 

Auf der östlichen Seite des Kanals befindet sich das Kindersolbad „Bethesda“, welches der Ludwigsburger Arzt und Pädagoge August Hermann Werner 1861 gründete.

Station 7: Saline Friedrichshall

Nach erfolgreichen Bohrungen nach Salz von 1812 bis 1816 konnte man ab Februar 1816 volllötige Sole fördern. Erstmals war man in Mitteleuropa auf ein Steinsalzflöz gestoßen. 1817 wurde die Saline errichtet und in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut. König Wilhelm I. hatte im Jahr 1820 den Bau genehmigt und ihn in Gedenken an seinen hochseligen Vater den Namen „Friedrichshall“ gegeben. Nach vielen erfolgreichen Jahren wurde im März 1969 die Saline Friedrichshall stillgelegt. Zahlreiche Gebäude wurden in der Zwischenzeit abgebrochen. Ihre Funktion übernahm eine moderne Schmelzanlage (Vakuum Raffinade) zur Herstellung von Kochsalz beim Kochendorfer Bergwerk.

Station 8: Bahnhof

1866 wurde die Eisenbahnstrecke Heilbronn – Jagstfeld in Betrieb genommen. Ihre Weiterführung über das badische Osterburken ins bayerische Würzburg bedurfte drei weiterer Jahre Verhandlungszeit zwischen den beteiligten Staatsregierungen sowie Bauzeit. Kurz vor ihrer Vollendung im gleichen Jahr, 1869, war auch die Strecke Heidelberg – Meckesheim – Sinsheim mit dem an der Grenze zwischen Württemberg und Baden liegenden Jagstfeld verbunden worden. 

Das Bahnhofsgebäude von Jagstfeld wurde 1866 eingeweiht. Das Gebäude lag zwischen den Gleisanlagen (Inselbahnhof) und konnte von der Poststraße erreicht werden. Als Grenzbahnhof war das Verwaltungsgebäude geteilt: auf der Ostseite befand sich die königlich württembergische und auf der Westseite die großherzoglich badische Verwaltung. In der Anfangszeit mussten auf dem Jagstfelder Bahnhof sogar die Lokomotiven der grenzüberfahrenden Züge ausgewechselt werden. 

Im März 1945 wurde das Gebäude durch Fliegerangriff völlig zerstört. Das neue Bahnhofgebäude auf der Ostseite wurde am 26. Juli 1955 eingeweiht. Heute ist der Jagstfelder Bahnhof Bad Friedrichshaller Hauptbahnhof.

Station 9: Alter Schacht Friedrichshall

Am 2. Januar 1854 begann man unter Leitung von Bergrat Friedrich von Alberti mit dem Abteufen eines runden Schachtes mit einem Durchmesser von 6,9 Meter, um nach dem missglückten Versuch von 1817 nochmals das unter der Erdoberfläche ruhende Steinsalzlager zu erschließen.  

Am 14. März 1859 fuhr man in 152,3 Meter Tiefe das Salzlager an. Es hatte eine Mächtigkeit von 13,5 Meter. Das Werk war gelungen, das Königreich Württemberg besaß nun eine zweite Steinsalzgrube.  

Durch den Bruch einiger Pfeiler im alten Abbaufeld erfolgte am 15. September 1895 ein starker Wassereinbruch, das Bergwerk soff ab. Die wertvollen Maschinen konnten noch gerettet werden. Menschen kamen bei dem Unglück nicht zu Schaden. Über dem eingebrochenen Abbaufeld entstand eine Senkung des Geländes. Später wurde hier der Schachtsee angelegt.

Station 10: Tretrad

Dieses mit Menschenkraft betriebene Tretrad diente beim Niederbringen einer Bohrung zum Heben und Ablassen des Bohrgestänges. Später wurde mit Hilfe des Tretrades die zusammengeschraubten Metallrohre in das Bohrloch eingelassen. Unter Verwendung einer Pumpe konnte dann die Sole gefördert werden. Bei gelegentlichen Reinigungsarbeiten wurden die Rohre ebenfalls unter Zuhilfenahme des Tretrades gehoben und dann wieder abgelassen. 

Gegenüber im Kocherwald befindet sich ein großes Grabhügelfeld aus der Urnenfelderzeit (um 1000 v. Chr.).

Station 11: Bunker im Wald

Unter dem Erdwall befindet sich ein 1936 erbauter Wehrmachtsbunker der Neckar-Enz-Verteidigungslinie. In Bad Friedrichshall wurden 58 Bunker gebaut. Auf Anordnung der amerikanischen Militär-Regierung mussten die meisten Bunker nach 1945 gesprengt werden.

Station 12: Römischer Limes in Bad Friedrichshall (beim Werk Hengstenberg)

An dieser Stelle kreuzt der Radweg den Limes, die ehemalige Grenze des Römischen Reiches. Für rund 50 Jahre trennte der Limes, der durch den Odenwald, entlang des Neckars und über die Schwäbisch Alb verlief, die Germanen von den Römern. In seiner letzten Ausbauphase bestanden hier eine Sperranlage aus Holz und Wachttürme aus Stein, von denen aus der Grenzstreifen lückenlos überwacht werden konnte. Nur unweit des Infoschildstandortes muss sich ein Wachtturm befunden haben. Er konnte noch nicht entdeckt werden.

Immer wieder sind auch kleine Kastelle angelegt worden, wie an der Jagst bei Duttenberg  und auf der Höhe südlich des Kochers beim Bergfriedhof. Die großen Militärlager dieser Grenzanlage befanden sich aber in diesem Raum am Neckar, wie in Bad Wimpfen  oder bei Heilbronn-Böckingen.

Station 13: Hagenbacher Wehr

Die im Jahr 1817 errichtete Saline Friedrichshall benötigte eine Antriebskraft für die Solepumpen sowie auch viel Holz zum Beheizen der Siedepfannen. Deshalb wurde zwischen 1819 und 1825 unterhalb von Hagenbach im Kocher ein Wehr errichtet und der Salinenkanal gebaut. Der Kanal hat vom Hagenbacher Wehr bis zur Mündung in den Neckar eine Länge von 3,7 Kilometer und ein Gefälle von 1,9 Meter. Zur Arbeit daran wurden bis zu 110 Sträflinge aus Ludwigsburg beschäftigt, die durch das Militär bewacht wurden.

Die ab 1829 aus den Limpurger Waldungen kommenden Flöße wurden hier am Fangrechen aufgebunden. Die einzelnen Stämme schwammen dann weiter bis zum Fangrechen bei der Saline.

Station 14: Römischer Limes in Bad Friedrichshall (am Kocherkanal)

An dieser Stelle kreuzt der Weg am Salinenkanal den Limes, die ehemalige Grenze des Römischen Reiches. Für rund 50 Jahre trennte der Limes, der durch den Odenwald, entlang des Neckars und über die Schwäbisch Alb verlief, die Germanen von den Römern. In seiner letzten Ausbauphase bestanden hier eine Sperranlage aus Holz und Wachttürme aus Stein, von denen aus der Grenzstreifen lückenlos überwacht werden konnte. 

Immer wieder sind auch kleine Kastelle angelegt worden, wie an der Jagst bei Duttenberg und auf der Höhe südlich des Kochers beim Bergfriedhof. Die großen Militärlager des Grenzsystems befanden sich aber in unserem Raum am Neckar, wie in Bad Wimpfen im Tal oder bei Heilbronn-Böckingen.

Infomaterialien

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Bad Friedrichshall

Faltblatt „Salzbergwerk Bad Friedrichshall“

Bad Herrenalb: „Wassersteine“ und plätschernde Quellen

Diese GeoTour macht mit ihren Erkundungsaufgaben und Forschungsfragen das Thema „Steine und Geologie“ zum spannenden Outdoor-Erlebnis für die ganze Familie.

Hauptthemen

Gesteine aus drei Erdzeitaltern, Quellen und Bäche, Geologie und Landschaft, Alb

Weitere Themen

Historische Waldgewerbe, Felsen, Wanderblöcke

Gesteins-/Mineralienarten

Forbach-Granit, Aplit (selten), Gang-Quarze mit Kristalldrusen (selten), Rotliegend-Fanglomerat (selten), Tigersandstein, Ecksches Konglomerat, Badischer Bausandstein, „Kugelsandstein“ (selten), Geröllsandstein mit Quarzgeröllen, Muschelkalk-Kalkstein (Wegschotter)

Es gibt keine Infotafeln im Gelände! Alle Texte und Bilder finden Sie in der Broschüre.

Infomaterialien

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Bad Herrenalb

Broschüre „Wassersteine“ und plätschernde Quellen“

Bad Herrenalb: Quellenerlebnispfad

Thema und Zielgruppe

Der Quellenerlebnispfad von Bad Herrenalb will den Besuchern die zahlreichen Quellen im Albtal vorstellen und sie dazu bringen, sich mit den damit verbundenen Phänomenen interaktiv auseinander zu setzen. Gezielte Anregungen lassen die Besucher Naturerscheinungen wahrnehmen, an denen sie ansonsten achtlos vorbeigegangen wären und machen so Zusammenhänge verständlich.

Standort

Der Quellenerlebnispfad befindet sich auf dem Albtalweg zwischen Bad Herrenalb und der Plotzsägemühle. Die Länge beträgt ca. 4,6 km (ab Bahnhof) bzw. 3 km (ab Friedhof). Startpunkt und Endstation des Pfades sind mit dem Bus gut erreichbar.

Stationen

Es gibt 16 Stationen. An den Stationen werden großformatige Informationstafeln, eine Übersichtskarte, Quellenmodelle, die zum Teil interaktiv sind, Klapptafeln sowie Wasserspielelemente verwendet. Hinzu kommt eine ständige Aufforderung zu Überlegungen und Aktivitäten.

Die erste Station befindet sich im Bahnhof, da bewusst auf die Anreise mit der Albtalbahn gesetzt wird. Sie stimmt den Besucher ein, vermittelt erste Informationen und gibt Anregungen zur Entdeckung.

An der zweiten Station kann man am Modell einer Tümpelquelle interaktiv die Entstehung und Funktion einer Quelle kennen lernen.

Die drei wichtigsten Quelltypen werden dann an der nächsten Station vorgestellt. Ab dem „Ohr“ ist das Plätschern der Alb zu hören, das vorher vom Verkehrslärm überdeckt wurde.

An der Station 6 darf die Funktion einer Konstruktion erraten werden, die früher zur Wiesenbewässerung benutzt wurde.

Die Besonderheiten einer Sickerquelle und einer Sturzquelle sind Thema der beiden folgenden Stationen. Neben Informationen zu Quellnischen und Quellerosion gibt es an dieser Station die Möglichkeit Quellwasser zu schmecken. Anschließend werden die Besucher auf geologische Phänomene aufmerksam gemacht, die u. a. dazu führen, dass die Alb unterschiedlich schnell fließt.

Die Stationen 13 und 14 vermitteln dann Informationen über biologische Besonderheiten von Quellen. Wie ein Blockmeer entsteht, oder wie die Alb an dieser Stelle für die Flößerei benutzt wurde, lernt man an der nächsten Station. An der letzten Station gibt es mit der Plotzsägemühle die älteste Mühle im Umkreis. Sie wird heute als Ausflugslokal genutzt. Mühlenführungen sind gelegentlich auf Anfrage möglich.

Infomaterialien

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Bad Herrenalb

Quellerlebnispfad – keine Infomaterialien vorhanden!

Textquellen

Lehrpfade und Lehrgärten, Arbeitsmaterialie Agenda-Büro Nr. 47, LUBW, September 2008.

Bad Hindelang: „Geologie erleben“ – „Falten & Decken“ zwischen Hochvogel und Nebelhorn

© Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Mit freundlicher Genehmigung.

Vielen Dank.

GeoAlpina – Violetter Weg

Etappe A66: Prinz-Luitpold-Haus – Edmund-Probst-Haus

Auf dem Höhenweg der Via Alpina vom Prinz-Luitpold-Haus zum Edmund-Probst-Haus zeigt sich spektakulär der Bauplan der Alpen: Gesteinsschichten wurden verbogen und wie mehrere Bettdecken aufeinander gestapelt.

Die Etappe führt vom Prinz-Luitpold-Haus ohne allzu große Höhenunterschiede zuerst ins hinterste Bärgündeletal. Der violette Weg der Via Alpina verläuft dann von hier weiter zum Laufbacher Eck und zum Edmund-Probst-Haus an der Station Höfatsblick der Nebelhornbahn.

Als vor Jahrmillionen Afrika auf Kollisionskurs mit Europa ging, wurde es im Meer dazwischen eng für die Ablagerungen aus Kalk und Ton.  Sie begannen sich übereinander zu stapeln. Diesen Prozess kann man sich vorstellen, wie wenn man seine Bettdecke von den Füßen bis zum Kinn hochzieht und dies mit der 2. und 3. Decke auch noch macht. So entsteht ein Deckenstapel. Nur an wenigen Stellen in den bayerischen Alpen lässt sich ein Deckenstapel so schön beobachten wie von diesem Höhenweg aus im Rückblick zu Wiedemerkopf und Wilder.

Durch die Einengung stapelten sich Gesteine nicht nur übereinander, sie legten sich auch in Falten, wie wenn man mit den Händen ein Tischtuch zusammenschiebt. Nach dem Laufbacher Eck zeigen sich zwei berühmte Grasberge des Allgäus: Schneck und Höfats. Ihre bizarre Form entstand in einer solchen Faltung.

Wegbeschreibung

Geologische Zeittafel

Die geologische Zeittafel zeigt die Namen und die Abfolge der Schichten, die auf der Wanderetappe durchquert werden, und das Alter ihrer Ablagerung.

Tipp

Vor dem Aufbruch auf der Via Alpina lohnt sich ein kurzer Abstecher vom Prinz-Luitpold-Haus etwa 10 Höhenmeter den Weg Richtung Bärgündele hinunter: Im Weg von den Tritten der Wanderer poliert und am Rande finden sich Korallen im Oberrhätkalk. Der Oberrhätkalk ist aus Riffen und ihrem Brandungsschutt entstanden. Hier kann man die fossilen Reste der riffbildenden Organismen (Korallen) erkennen.

Start

Auf der Via Alpina führt der Weg anfangs durch eine Halde aus Felssturzmaterial aus den steilen Wänden des Wiedemerkopfs. Hier besteht Steinschlaggefahr. Derart gefährdete Bereiche sollten zügig und mit Abstand zwischen den Wanderern durchquert werden.

Die Allgäuer Hochalpen sind Naturschutzgebiet. Mineralien und Fossilien bitte bewundern und fotografieren, aber nicht mitnehmen!

Sicherheitshinweis

Die hier beschriebenen Wege verlaufen teilweise in hochalpinem Gelände. Sie sind an manchen Stellen absturzgefährlich und ab und zu sind einfache Kletterstellen (mit Drahtseilsicherungen) zu meistern. Daher ist für bestimmte Abschnitte Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Bergerfahrung Voraussetzung. Etappenweise sind viele Höhenmeter sowie lange Strecken zu bewältigen. Eine gute Kondition ist deswegen genauso unerlässlich wie die richtige Bergausrüstung.

Die meisten Wegabschnitte können nicht ganzjährig gegangen werden.

Bitte informieren Sie sich über Schwierigkeiten, etwaige Gefahren und den aktuellen Zustand der Route, zum Beispiel auf den Internet-Seiten der Via Alpina oder beim Deutschen Alpenverein.

Die Begehung der Touren erfolgt auf eigene Gefahr.

Geologische Sehenswürdigkeiten
GeoPunkt "Radiolarite"

 Nach der Felssturzhalde wird ein Bereich betreten, in dem splittrige Steinchen unter den Sohlen knirschen. Es handelt sich hier um die gut gebankten, roten Radiolarite der Ruhpolding-Formation. 

Radiolarite

Radiolarite sind ein interessantes Gestein: Sie verraten, wie tief das Meer am Ort und zur Zeit ihrer Entstehung war! Weit draussen in den Ozeanen kommt kaum noch feinste Tontrübe vom Festland an. Hier schweben fast nur noch die Gehäuse- oder Skelettreste abgestorbener Meerestiere zu Boden. Kalk löst sich aber bei hohem Druck vollständig auf. Das heisst, dass in großen tifen des Meeres keine kalkigen Fossilien mehr vorkommen. Was dann noch übrigbleibt sind die Reste von abgestorbenem Plankton mit einem Skelett aus Kieselsäure: Radiolarien. Im oberen Jura – vor rund 160 Mio. Jahren – lag die Tiefe der Kalklösung bei 2.000 bis 3.000 m unter dem Meeresspiegel!

GeoPunkt "Mergel- und Kalksteine der Allgäu-Formation"

Etwa eine halbe Stunde nach dem Aufbruch biegt der Pfad in Wiesengelände rechtwinklig nach links ab und tieft sich gleich darauf zwischen Büschen in lehmigen und rutschigen Boden ein. Das liegt an der Verwitterungsanfälligkeit der darunterliegenden Gesteine der Allgäu-Formation. Die Allgäu-Formation besteht aus einer Wechselfolge von dunklen Mergelsteinen und Kalksteinen. In den Bacheinschnitten sind diese Gesteine gut erkennbar.  Mergelstein ist eine Mischform zwischen Kalk- und Tonstein: Er enthält sowohl Kalk als auch Ton.

Zum Talschluss des Bärgündeletals zu werden gewaltige Hangschuttmassen gequert. Die Bachüberschreitung und der Anstieg zur Schönberghütte verläuft wieder in Schichten der Allgäu-Formation.

Hier trennen sich roter und violetter Weg der Via Alpina. Wir bleiben auf dem violetten Weg, der unterhalb von Schneck und Rotkopf vorbei zum Laufbacher Eck hoch führt.

GeoAussichtspunkt "Schönberghütte"

Von der Schönberghütte geht der Blick zurück auf die bisherige Wegstrecke. Der Weg führte unterhalb des Wiedemerkopfs durch grasiges Gelände in den Radiolariten der Ruhpolding-Formation. Bei den dunklen Gebüschen im Grashang begann die Schichtfolge der Allgäu-Formation und zuletzt verlief der Wanderweg auf jungen Schutthalden, die hauptsächlich aus dem Hauptdolomit der darüberliegenden, hellen Felswände bestehen. Diese Felswände mit ziemlich wild verfaltetem Gestein gehören zur Lechtal-Decke. Die Grenze zur darunterliegenden Allgäu-Decke liegt dort, wo am Wandfuß die Wiesenhänge beginnen. Stellenweise ist die Deckengrenze von Hangschutt bedeckt.

In Felswand und Wiesenhang unter dem Kreuzkopf liegt Hauptdolomit (ca. 215 Mio. Jahre alt) in der Lechtal-Decke auf Allgäu-Formation (ca. 190 Mio. Jahre alt) in der Allgäu-Decke.

Decken

Wenn sich relativ dünne Gesteinspakete kilometerweit übereinandergeschoben haben, spricht der Geologe von Decken. Benannt werden die Decken nach der Region, wo sie die größte Verbreitung haben: Allgäu-Decke im Allgäu, Lechtal-Decke im Lechtal. Die Lechtal-Decke liegt über der Allgäu-Decke und ist hier die höchste eines ganzen Stapels von Decken. Als höchste Decke wurde sie auch bereits kräftig von der Verwitterung abgetragen und hat daher im Allgäu keine weite Verbreitung mehr. An der Deckengrenze (Überschiebungsbahn) liegt das älteste Gestein der oberen Decke über dem jüngsten Gestein der unteren Decke.

In allen Decken des Stapels bis hinunter zur Auflage auf dem kristallinen Grundgebirge der Kontinentplatte Europa treffen wir gleich alte Gesteine an. Nur dass die unterste Gesteinsfolge auf dem Grundgebirge am Ort ihrer Entstehung liegt, während die Decken darüber jeweils von weiter südlich herangeschoben wurden. Die jüngste Decke ist gegenüber ihrem tiefen Untergrund über mehrere 100 km herantransportiert worden: vom Rand der Kontinentplatte Afrika. 

GeoAussichtspunkt "Zwerenwand"

20 Minuten bergauf von der Schönberghütte liegt an der Zwerenwand der weitere Weg bis zum Laufbacher Eck gut sichtbar vor dem Wanderer. Die Gesteinsschichten sind hier in Form einer Mulde verbogen.

Was bei einer Welle Berg und Tal ist, ist bei einer Falte in der Geologie Sattel und Mulde. Hat die Verwitterung und Abtragung die Falte später einmal eingeebnet, dann ist die Mulde noch immer daran zu erkennen, dass im Kern jüngere Schichten liegen, die von älteren umgeben sind; umgekehrt beim Sattel.

Hier liegen im Kern der Mulde weiche, mergelige Gesteine aus der Schrambach-Formation (ca. 130 Mio. Jahre alt) der frühen Kreidezeit. Diese weichen Gesteine ziehen den Hang hoch und bilden zwischen Schneck und Rotkopf eine Einkerbung in der Felswand.

Wir stehen hier auf den älteren Kalksteinen der Ammergau-Formation des späten Jura (ca. 150 Mio. Jahre), die wir nach der Durchquerung des Muldenkerns auf der anderen Talseite wieder antreffen.

Relativ reine Kalksteine wie die der Ammergau-Formation verkarsten gut, d.h. sie werden von kohlesäurereichen Wässern gut angelöst. Neben tiefen Lösungsspalten treten auch Kleinstformen – hier sogenannte Spitzkarren – auf.

Im steilen Pfad hinauf zum Laufbacher Eck ist unter den Schuhen wieder das bekannte Knirschen der Radiolarite der Ruhpolding-Formation zu hören.

GeoAussichtspunkt "Laufbacher Eck"

Bei der verdienten Rast am höchsten Punkt der Etappe (2.132 m) lohnt sich der Blick zurück auf ein klassisches Panorama der Alpengeologie mit dem Hochvogel (2.592 m) im Mittelpunkt. Nirgendwo in den bayerischen Alpen ist die Grenze zweier Decken so deutlich und auf so große Erstreckung zu sehen. Deshalb haben Geologen in den letzten 150 Jahren vielfach darüber diskutiert und die Ansicht skizziert. Die jüngste dieser „Skizzen“ wurde aus der Kombination von digitalem Geländemodell und geologischer Karte erstellt.

Der Blick nach Westen vom Laufbacher Eck aus zeigt den weiteren Wanderweg unter dem Lachenkopf vorbei bis zum Schochen.

Unterhalb des Lachenkopfs macht lehmiger Boden aus der Verwitterung von Mergeln der Allgäu-Formation die Begehung der Etappe bei Nässe heikel!

Kurz danach wird ein Felsriegel aus Oberrhätkalk auf einem drahtseilversicherten Band gequert. 

GeoPunkt "Pyrit und Muschelschill"

Die nachfolgende Kössen-Formation besteht aus bräunlichen Mergelsteinen und dunklen Tonsteinen mit Kalksteinbänkchen. Auf den Mergelsteinen wittern stellenweise Schnüre des Minerals Pyrit heraus. Der Pyrit, ein Eisensulfid, ist oberflächlich zu braunem Limonit verwittert. Feinverteiltes Eisen ist auch für die bräunliche Gesteinsfarbe verantwortlich. Einige der Bänkchen innerhalb der Formation sind ganz aus Schalen und Schalenbruchstücken von Muscheln – Muschelschill – aufgebaut.

GeoAussichtspunkt "Oytal und Höfats"

Dort, wo der Weg nicht mehr ausgesetzt ist, lohnt es sich stehenzubleiben und das Panorama im Süden zu betrachten. Auf der Gratschneide in Bildmitte liegt die Typlokalität der Allgäu-Formation. Eine Typlokalität ist der Ort, an dem eine Gesteinsformation erstmals genau beschrieben und mit einem Namen belegt wurde. Wie am Schneck sind auch an der Höfats die hellen Felswände und die grasigen Spitzen aus Kalksteinen der Ammergau-Formation aufgebaut. 

Zwischen Lachenkopf und Schochen verläuft der Wanderweg eine Zeit lang auf in den Hang hinein geneigten Schichtflächen. Diese gut gebankten Kalksteine sind typisch für den Plattenkalk.

GeoPunkt "Korallen und Brachiopoden"

Die geologische Situation am weiteren Weg unterhalb des Schochens zeigt das Foto. Vor allem im Übergangsbereich von Kössen-Formation und Oberrhätkalk sind Kalkbänke mit Korallen und Muschelschill zu sehen.

GeoPunkt "Rotkalke"

Unterhalb des Großen Seekopfes fallen am Weg Rotkalke auf, die in graue Kalksteine der Allgäu-Formation eingeschaltet sind.

Geotop "Seealpsee"

Der Seealpsee ist ein Geotop, denn er zeigt besonders schön eine vom Gletscher ausgeschliffene Karmulde mit Karsee und mit einem erhöhten Karriegel zum Tal hin. Hier hat eine geologische Mulde mit weichen Schichten der Allgäu-Formation im Kern die Ausräumung des Karbodens erleichtert.

Infomaterialien

Bad Hindelang

„Geologie erleben“ – „Falten & Decken“ zwischen Hochvogel und Nebelhorn – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Hindelang: Hirschbachtobel

Der Hirschbachtobel ist eine wildromantische Schlucht und führt hinauf zum 1.500 m hohen Hirschberg bei Bad Hindelang. Die Wanderwege durch den Hirschbachtobel gehören zu den schönsten im ganzen Voralpenland. Über Brücken und Stege wandert man vorbei an steilen Felswänden und schroffen Steinbrocken, entlang des malerischen Bachs, der immer wieder in wilden Wasserfällen über die Felsen stürzt.

Auch geologisch ist die Schlucht sehr interessant, da sie durch verschiedene Gesteinsschichten führt. Hat man den imposanten Ausgang der Schlucht erreicht, wird man mit einem schönen Rundblick über die Region belohnt.

Wegbeschreibung

Start dieser eindrucksvollen Tour ist der Parkplatz Gruebplätze in Bad Oberdorf. Ihr überquert die Straße und wandert zunächst durch den hübschen Ort Bad Oberdorf. Über die Hirschbergstraße und den Winkelleitenweg erreicht Ihr den Eingang zum Hirschbachtobel.

Der Weg führt immer wieder über den Bach, parallel zum geologischen Rundwander-Lehrpfad. Dieser Lehrpfad informiert auf verschiedenen Hinweistafeln über den Aufbau und die Entstehung des Hirschbachtobels. Der Steig ist gut angelegt, durch mehrere Trittstufen und Seile gesichert. Dennoch wird Trittsicherheit verlangt, gerade bei feuchter oder nasser Witterung kann der Weg stellenweise rutschig sein.

Über mehrere Brücken geht es weiter hinauf bis Ihr rechts Richtung Oberjoch abbiegt. Am Ifenblick genießt Ihr die herrliche Aussicht bis zum Hohen Ifen mit seinem eindrucksvollen Massiv.

Auf dem schönen Panoramaweg erreicht Ihr Oberjoch. An der Hauptstraße haltet Ihr Euch links und geht ein kurzes Stück entlang der Passstraße, bis Ihr auf der gegenüberliegenden Seite in die Salzgasse einbiegt und dann vorbei am Speichersee auf die alte Jochstraße gelangt. Jetzt geht es rechts und Ihr steigt den rauschenden Wildbachtobel hinunter Richtung Bad Oberdorf.

Über den Bergwachtweg wandert Ihr zurück bis zum Parkplatz Gruebplätzle.

Geologischer Wanderlehrpfad Bad Hindelang

Der „Geologische Wanderlehrpfad Bad Hindelang“ gibt eine Einführung in die Gesteinsgeschichte um Bad Hindelang. Große Schautafeln und kleine Informationstafeln weisen auf 2,5 km und 250 Höhenmetern auf die verschiedenen Gesteinsschichten, Meeresbewohner und tektonischen Faltungen hin.

Der Wanderlehrpfad beginnt ca. fünf Gehminuten hinter dem Eingang zum Hirschbachtobel an der Bundesstraße B308 an der Schautafel zur Erdgeschichte des Hirschbachtobels. Nun führt unser Weg hinauf über Jura- und Kreidegesteine bis zur Abzweigung Kellerwandweg. Der Kellerwandweg leitet weiter entlang an Hauptdolomitfelsen der Triaszeit. Bald führt die Route hinab bis zum Aussichtspunkt Steinköpfle mit einer weiteren Schautafel.

Die gehzeit beträgt ca. zwei bis drei Stunden, um 180 Millionen Jahre Erdgeschichte mit offenen Augen zu durchwandern.

Infomaterialien

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Bad Hindelang

Der geologische Lehrpfad bei Hindelang

Bad Kreuznach: Vitaltour Salinental

Die Rundtour führt durch das enge Felsental der Nahe von Bad Kreuznach nach Bad Münster am Stein-Ebernburg und zurück über den Porphyrrücken Rotenfels.

In Bad Kreuznach wurde 1817 die erste Badestube eingerichtet. In den Folgejahren entstand ein Kurviertel mit prächtigen Villen, Kurhotel und Parkanlagen. Das Salinental, Europas größtes Freiluftinhalatorium, verdankt seinen Namen der Salzgewinnung aus den Solequellen.

Salinental

Das Salinental ist ein Gesamtensemble der Salzproduktion. Triebwerkgräben, Wasserräder, Gradierwerke, Siederei und Arbeiterhäuser wurden über 100 Jahre zur Salzgewinnung genutzt.

Salz wird in der Region seit über 400 Jahren gewonnen. In den Gradierwerken wurde die Salzsole mit einem natürlichen Salzgehalt von ca. 1,5 % durch das von Freiherr von Beust im 18. Jahrhundert entwickelten Verfahren der Tröpfelgradierung aufkonzentriert. Dabei wurde die Sole auf einer Länge von insgesamt 1,1 km über neun Meter hohe Schwarzdornheckenwände verrieselt. Durch mehrfaches Verrieseln in einem durch Wasserräder angetriebenen Pumpkreislauf erhöhte sich dabei der Salzgehalt nach ca. einer Woche ausschließlich durch Verdunstung auf 26 %. Vom Gradierwerk kam die Sole dann in die Siederei, wo schließlich das Salz erzeugt wurde.

Heute gewinnt man das salzhaltige Wasser aus einer 500 m tiefen Quelle im Salinental. Sie speist die Gradierwerke, das Freiluftinhalatorium im Kurpark mit dem historischen Solezerstäuber, das Thermalbad und das Crucenia Gesundheitszentrum.

Wegbeschreibung

Die Tour beginnt an der Saline Karlshalle.

Im Naturschutzgebiet Gans befindet sich eine eiszeitliche Geröllhalde, einer der schönsten Aussichtspunkte auf der Tour. Weiter führt die Tour zum Schloss Rheingrafenstein, das im ausgehenden 17.Jahrhundert nach der Zerstörung der Burg Rheingrafenstein als Gutshof erbaut wurde und zur Burgruine Rheingrafenstein, die auf einem 136 Meter hohen Porphyrrücken steht.

Durch das Huttental erreicht man am Naheufer eine Rarität, eine handgezogenen Fähre, die zwischen April und November Bad Münster mit der engen Schlucht unterhalb des Rheingrafensteins verbindet. Außerhalb der Betriebszeit der Fähre ist ein rund 1,5 Kilometer langer Umweg erforderlich, um das andere Naheufer zu erreichen.

In Bad Münster am Stein verdienten sich früher die Menschen ihren Lebensunterhalt mit Fischerei, Salzgewinnung, Landwirtschaft und Kupferbergbau im Huttental. Ebernburg hat eine lange Tradition in Bergbau und Landwirtschaft, überhalb dem Stadtteil liegt die gleichnamige Burg, die heute evangelische Familienferien- und Bildungsstätte ist.

Das Kurmittelhaus in Bad Münster am Stein-Ebernburg gilt als architektonische Besonderheit der Region. In der Brunnenhalle gibt es für die Sole-Trinkkur drei Heilquellen sowie das Therapiezentrum für Kur- und Wellnessanwendungen.

Im weiteren Verlauf führt die Strecke hinauf zum Rotenfels. Das zwei Kilometer lange Felsmassiv aus Porphyr steht unter Naturschutz und ist mit 202 Metern die höchste Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien, einen besonderen Ausblick in das Umland bietet die Aussichtskanzel Bastei. Das Felsmassiv besteht aus rötlichem Rhyolith, einem Quarzporphyr-Gestein mit feinkörnig-kristalliner Struktur. Vor 270 bis 260 Millionen Jahren bildete sich in einer Phase besonders reger vulkanischer Aktivität durch glutflüssig aufsteigendes Magma das nach seiner Erstarrung sehr witterungsbeständige, rötliche Gestein des Rotenfels. Hydrothermal zersetzte Zonen sind an der helleren Färbung erkennbar. Dort sind die Feldspate in Kaolin umgewandelt. Die Nahe hat diese Felsstruktur als Steilufer über Jahrtausende in den Fels gefräst und einen Großteil des Verwitterungsschutts abtransportiert.

Tipp

Besuchen Sie am Rotenfels das Steinskulpturenmuseum mit Skulpturenpark.

Infomaterialien

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Bad Kreuznach

Vitaltour Salinental – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Liebenzell: Felsen, Klüfte und eine Burg

Diese GeoTour macht mit ihren Erkundungsaufgaben und Forschungsfragen das Thema „Steine und Geologie“ zum spannenden Outdoor-Erlebnis.

Themen

Felsenburgen, Felsen, Badischer Bausandstein (Burg), Geröllsandstein, Plattensandstein, Geologie und Landschaft, Klüfte und Spalten, Thermal-/Mineralwasser, Aussicht Nagoldtal, Waldhufendörfer, historische Grenzen, „Geo-Lebewesen“ Gesteins-/Mineralienarten: Badischer Bausandstein, Geröllsandstein mit Quarzgeröllen, Plattensandstein, Muschelkalk-Kalkstein (Wegschotter), Kalksinter (Bauwerk)

Es gibt keine Infotafeln im Gelände! Alle Texte und Bilder finden Sie in der Broschüre.

Infomaterialien

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Bad Liebenzell

Broschüre „Klüfte, Felsen und eine Burg“

Bad Liebenzell: Quellen, Brunnen und ein Mondloch

GeoTour zum Thema „Steine und Geologie“.

Themen

Felsenburgen, Felsen, Badischer Bausandstein (Burg), Geröllsandstein, Plattensandstein, Geologie und Landschaft, Klüfte und Spalten, Thermal-/Mineralwasser, Aussicht Nagoldtal, Waldhufendörfer, historische Grenzen, „Geo-Lebewesen“ Gesteins-/Mineralienarten: Badischer Bausandstein, Geröllsandstein mit Quarzgeröllen, Plattensandstein, Muschelkalk-Kalkstein (Wegschotter), Kalksinter (Bauwerk).

Es gibt keine Infotafeln im Gelände! Alle Texte und Bilder finden Sie in der Broschüre.

Infomaterialien

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Bad Liebenzell

Broschüre „Quellen, Brunnen und ein Mondloch“

Bad Nauheim: Salzwanderweg

Wegeschreibung

Seine Bedeutung verdankt Bad Nauheim den unermüdlich sprudelnden Solequellen: Deren warmes, salz- und kohlensäurehaltiges Wasser prägt die gesamte Historie der Stadt von ihren Ursprüngen bis heute.

Bereits die Kelten nutzten die Quellen und betrieben vom 4. bis 1. Jahrhundert v. Chr. die größte frühindustrielle keltische Saline Europas. Erst mit dem wirtschaftlichen Niedergang der Saline begann ab 1835 die Nutzung der Sole zu Heilzwecken.

Erwandern Sie auf diesem Weg die Stationen der Salzgewinnung von der Quelle bis zur Salzfabrik. Beginnend an den stattlichen Schwarzdornwänden von Gradierbau I  – Relikt dr Salinenzeit, das heute wie die vier weiteren noch erhaltenen Gradierbauten als Freiluftinhalatorium dient  – erreichen Sie in wenigen Minuten den Sprudelhof, dessen durch Arkaden verbundene Badehäuser und Schmuckhöfe als Juwel der Jugendstilkunst gelten. Über die Salinengebäude der Jugendstilzeit, das Hofgut Löwenthal, einst Verwaltungssitz der Wisselsheimer Saline, und die Salzwiesen gelangen Sie ins Wettertal. Saftige Grünflächen und ein Vogelschutzgebiet flankieren den dem Flüsschen nach Südenfolgenden Weg. Über den Ortsteil Schwalheim mit seinem imposanten Wasserrad – mit seinem 886 m langen Kunstgestänge gilt es als technisches Meisterwerk der Nuheimer Saline – führt der Weg zurück nach Bad Nauheim. Letzte Station auf dem knapp 11 km langen Salzwanderweg sind Solebecken und Solegraben.

Auszug aus der Wanderbroschüre, die bei der Stadt Bad Nauheim erworben werden kann.

Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

Historie

Von der Salzgewinnung zum Solebad

Die salz- und kohlensäurehaltigen Thermal-/Mineralquellen prägen schon immer die Geschichte von Bad Nauheim. Salz wurde in Bad Nauheim schon vor 2.000 Jahren gewonnen.

Zwischen 500 und 100 v. Chr. errichten die Kelten entlang der Usa eine der größten späteisenzeitlichen Siedlungen, die der Salzgewinnung dient. Zwei große Salzsiedeanlagen, im Bereich der heutigen Neuen Kolonnaden sowie zwischen Dankeskirche und Trinkkuranlage entstehen. Die Sole wurde zunächst in großen Becken vorgradiert, in Tontöpfe gefüllt und anschließend in Öfen gekocht, bis man einen festen Salzkuchen erhielt. Im ersten Jahrhundert v. Chr. werden die Siedeanlagen aufgegeben.

Erst um 700 n. Chr. nehmen fränkische Siedler die Salzgewinnung wieder auf. Aus dieser fränkischen Siedlung entsteht ein mittelalterliches Söderdorf, dass 900 in einem Zinsregister des Klosters Seligenstadt unter dem Namen „Niwiheim“ erstmals urkundlich erwähnt wird.

Während des Mittelalters werden die Salzsiedereien von Södern betrieben, die sich in einer Zunft zusammengeschlossen haben. 1489 besitzt das Dörfchen Nauheim 13 Soden. Im 16. Jahrhundert bringen steigende Brennholzpreise die Söderfamilien in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Hanauer Landesherr bringt die Siedeanlagen 1585 in seinen Besitz und lässt die Salzgewinnung modernisieren.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts führt der Leiter des Salzwerkes Joseph Todesco die Schwarzdorngradierung ein, vorher hatte man Strohgeflechte benutzt. Bad Nauheim gehört zu den ersten mitteleuropäischen Salinen, die über diese Gradiermethode verfügen. Die Gewinne aus der Salzproduktion steigen beträchtlich.

1733 fällt Nauheim an die Landgrafen von Hessen-Kassel. Der General-Salinendirektor Jakob Sigismund Waitz von Eschen baut die Nauheimer Saline mit einem Kostenaufwand von 800.000 Gulden zu einer der größten Salinen Deutschlands aus. Er verbessert die Wasserkraftanlagen und errichtet zwei Windmühlen, deren Türme heute noch erhalten sind. Einer der beiden, heute „Waitzscher Turm“ genannt, befindet sich im Kurpark nahe der Usa.

1823 erlaubt man den Södern die Einrichtung eines Knappschaftsbades. Schnell entdeckt man die heilende Wirkung der Sole und 1835 wird das erste Badehaus mit 9 Wannen auf dem Gelände der heutigen Dankeskirche errichtet. Der Aufstieg Nauheims zum Kurbad beginnt. 1837 wird Dr. Friedrich Bode erster Nauheimer Badearzt.

1846 scheinen Quellenbohrungen keine Ergebnisse zu bringen. Bis in der stürmischen Nacht vom 21. auf 22. Dezember 1846 aus einem aufgegeben Bohrloch ein mächtiger Solestrom die Erde durchbricht und schäumend und dampfend zutage tritt. Dies ist die Geburt des Großen Sprudels („Nauheimer Weihnachtswunder“).

1855 wird die erste Quellendankfeier abgehalten, nachdem der Große Sprudel für sechs Wochen versiegt war. Im Mai desselben Jahres enspringt die neu erbohrte Friedrich-Wilhelm-Quelle ebenfalls im Sprudelhof. Auf der heutigen Sprudelfassungen ist zu lesen: „AUF GOTTES GEHEISS AUS DER TIEFE GEBOREN / DER LEBENDEN LEIDEN ZU LINDERN ERKOREN“

Ab 1857 wird Dr. Friedrich Wilhelm Beneke zum ersten Brunnenarzt Bad Nauheims. Er veröffentlicht die erste Schrift über die Behandlung Herzkranker mit kohlensäurehaltigen Solbädern. Dank seiner Heilerfolge steigt Bad Nauheim zum Weltbad für Herz- und Kreislauferkrankungen auf. Die Salzproduktion geht in den kommenden Jahren aufgrund des billigeren Steinsalzes immer mehr zurück. 1959 wird die Saline endgültig geschlossen. Die heute zum Teil noch erhaltenen Gradierbauten dienen der Freiluftinhalation.

Seit 1869 trägt die Stadt den Beinamen Bad. Bis heute wird die Sole zu Heilzwecken genutzt.

© Stadt Bad Nauheim

Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

Gradierbauten

Die Gradierbauten wurden einst zur Salzgewinnung eingesetzt. Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert, einer Zeit, in der die Nauheimer Saline eine der modernsten Salzfabriken Europas war. Damals wie heute ist der Vorgang gleich: Das salzhaltige Wasser (Sole) aus der Quelle wird nach ganz oben auf die Gradierbauten gepumpt. Dort fließt es langsam die bis zu zehn Meter hohen Wände aus Schwarzdornbündeln herab. Durch Wind und Sonne verdunstet dabei ein Teil des Wassers und der Salzgehalt steigt. Die feinen salzhaltigen Tröpfchen, die im Verdunstungsprozess entstehen und durch den Wind verweht werden, nimmt man dann als frische Meeresbrise wahr.

Durch die Erkenntnis, dass die Salzkristalle in der Luft (Aerosole) einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit haben, erhielten die fünf verbliebenen Gradierbauten in Bad Nauheim ihre jetzige Bestimmung als Freiluftinhalatorien.

Zahlen & Fakten

  • Fünf Gradierbauten sind bis heute im Stadtgebiet erhalten geblieben. Im 18. Jahrhundert waren hier noch 23 Gradierbauten mit sieben Wasserrädern und zwei Windmühlen im Einsatz.
  • Die fünf Gradierbauten sind insgesamt 650 m lang. Sie sind die ältesten und zweitlängsten Anlagen in Deutschland.
  • Der natürliche Salzgehalt des Quellwassers (3 Prozent) wurde in den Gradieranlagen auf 22 Prozent erhöht.

 

© Stadt Bad Nauheim

Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

Schwalheimer Rad

Es ist mit einem Durchmesser von 9,80 m eines der größten Wasserräder Europas. Seit seinem Bau durch den Salinendirektor Sigismund Waitz von Eschen von 1745 bis 1748 hat es vier Erneuerungen erfahren. Die letzte erfolgte im Jahr 2014.

Das am Flusslauf der Wetter erbaute Wasserrad fasziniert noch heute seinen Betrachter. Die Größe ist imposant und fast kann man sich vorstellen, wie es früher unaufhörlich als Teil der Salzproduktionsanlagen gearbeitet hat. Das Wasserrad trieb ehemals mit einem 1,3 km langen Holzgestänge ein Pumpwerk an, welches Sole auf die Gradierwerke der Bad Nauheimer Saline beförderte. Dabei ist die Energie bei jeder Radumdrehung noch heute zu spüren. Es besitzt noch 84 Schaufeln, die 1,25 m breit sind.

Das Wasserrad mit der Nummer „Sieben“ war das größte von ursprünglich sieben Wasserrädern der Nauheimer Saline – und wird lokal liebevoll „Großes Rad“ genannt. Die Wasserkunst, so der Fachausdruck, diente ehemals zum Antrieb von sieben Wasserpumpen und sechs Druckwerken. Dabei war das Wasserrad seiner Zeit voraus, denn es lieferte 100 Prozent erneuerbare Energie und verursachte keinerlei Schadstoffausstoß.

Von Beginn an wurden Rad und Kunstgestänge von einem sogenannten Kunstwärter betreut, für den auch das Haus am Wasserrad gebaut wurde. Es steht heute noch dort und versetzt den Besucher in eine andere Zeit. Mittlerweile erfolgt diese Betreuung ehrenamtlich.

Textquelle: Stadt Bad Nauheim

Infomaterialien

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Bad Nauheim

Faltblatt „Das weiße Gold – Keltische Saline Bad Nauheim“

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Bad Nauheim

Faltblatt „Historische Rundgänge Bad Nauheim“

Bad Neuenahr-Ahrweiler: Eisenweg

Bad Neuenahr-Ahrweiler: Eisenweg

Archäologische Ausgrabungen

Als in den 1950er Jahren Waldarbeiter im Ahrweiler Stadtwald auf seltsame Bodenerhebungen stießen, ahnten sie, dass hier etwas ganz Besonderes verborgen lag. Sie meldeten ihren Fund weiter und kurze Zeit später begannen Archäologen der Universität Bonn mit den Ausgrabungsarbeiten. Schon bald zeichnete sich ab, dass an dieser Stelle im Altertum eine größere Anlage zur Verarbeitung von Eisenerz bestanden hatte.

Fortan gab es an dieser Stelle in den Wanderkarten den Vermerk „Römersiedlung“ bzw. „Gräberfeld“. Kaum ein Wanderer nahm davon Notiz. Erst mehr als fünfzig Jahre später erinnerten sich die Verantwortlichen bei der Verwaltung des Kreises Ahrweiler und der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler an den geschichtsträchtigen Schatz im Stadtwald.

Der Eisenweg

Seit Anfang Mai 2001 gibt es offiziell den „Eisenweg“, der Teil der „Historischen Straße“ist, zu der auch die beiden Themenwege „Wacholderweg“ sowie „Köhler- und Loheweg“ gehören.

Auf der Wanderung trifft man auf Mauerreste, die zu ehemaligen Gräberfeldern der römischen Eisenschmelze gehören. Zudem finden sich hier Teile der fast 2000 Jahre alten Industriesiedlung.

Infotafeln am Weg geben Aufschluss über eine längst vergangene Zeit.

Wegbeschreibung

Die Tour beginnt am Wandererparkplatz „Alte Mauer“ an der Ramersbacher Straße zwischen Ahrweiler und dem Örtchen Ramersbach (Eifel-Ardennen-Straße). Eine Informationstafel liefert wertvolles Hintergrundwissen.

Nach etwa 300 Metern folgen wir links der Ausschilderung A7. Kurze Zeit später weist uns ein Schild auf das Gräberfeld der römischen Eisenschmelze links vom Weg hin. Ein paar Mauerreste von rechteckigen Fundamenten und Ziegelscherben beweisen, dass zwischen den Kiefernstämmen und Brombeersträuchern vor langer Zeit Menschen ihre Toten auf die verschiedensten Arten begraben haben.
An der nächsten Wegekreuzung weist die Wegemarkierung A7 nach rechts. Nach wenigen Metern lichtet sich der Wald rechts von uns und die Überreste einer fast 2000 Jahre alten Industrieansiedlung liegen vor uns. Eine Hinweistafel klärt uns zunächst über die ökologische Bedeutung des Ausgrabungsortes auf: Zahlreiche Amphibien wie Frösche und Molche, aber auch seltene Pflanzen und Insekten finden ihren Lebensraum in den Tümpeln und in deren Uferbereich am Rande des Ausgrabungsfeldes.

Eine andere Tafel zeigt, wie wir uns das ursprüngliche Umfeld der Mauerreste vorstellen dürfen. Wir erfahren, dass es u.a. die reichhaltigen Eisenerzvorkommen waren, die die Römer veranlassten, sich im 1. Jahrhundert v. Chr. hier niederzulassen. Die Gebäude, die hier errichtet wurden, zeugen von einer fortgeschrittenen Baukunst. Insgesamt war die Anlage im Altertum wahrscheinlich größer als die heute freigelegten Mauerreste.

Das Eisenerz, das hier verarbeitet wurde, stammte aus verschiedenen Stellen der Umgebung, wo es im Tagebau gewonnen wurde. Zur Weiterverarbeitung wurde es in Körbe gefüllt und zu Pferde oder mit Maultieren zur Verhüttung transportiert. Das eigentliche Verfahren zur Herstellung von Eisenbarren wurde mittels sogenannter Rennöfen durchgeführt.

Nachdem wir den Ausgrabungsort ausführlich angesehen haben, wandern wir weiter. Nach wenigen Metern biegen wir an der Wegekreuzung mit dem alten Basaltkreuz nach links ab. Kurze Zeit später stoßen wir auf einen breiteren Querweg, dem wir nach links folgen. Schon von weitem ist die nächste Informationstafel auf der Waldlichtung links vom Weg zu erkennen (Tafel 5 „Breiter Kopf“). Im Bodenaufschluss in der Böschung dürfen sich insbesondere unsere jüngsten Mitwanderer als „Eisensucher“ betätigen.

Das gelbliche Gestein knapp unter der obersten Deckschicht des Waldbodens ist durchzogen von rötlichen bis schwarzbraunen Verfärbungen, die mal als Adern, mal als Schichten deutlich zu erkennen sind. Wir haben eisenhaltiges Gestein (Brauneisenstein) entdeckt. Vor über 250 Millionen Jahren ist es entstanden. Die Tafel informiert, welche geologischen Geschehnisse dazu geführt haben. Wir haben nun auch eine Erklärung für die zahlreichen Gräben, Trichter (Pingen) und Erdhügel im Wald entlang unseres Weges.

Mit einem kleinen rostroten Souvenir in der Hosentasche wandern wir wenig später auf dem historischen Eisenweg weiter. Interessant ist auch der Wald beiderseits unseres Weges, der offensichtlich wie ein Staudamm wirkt. Links erkennen wir an den typischen Sauergräsern (Seggen), dass hier das Regenwasser nur schlecht abfließen kann (Staunässe). Rechts des Weges zeigt die Bodenvegetation ein ganz anderes Bild. Waldrebe (Geißblatt) und Brombeersträucher gedeihen üppig zwischen den Kiefernstämmen.

An der nächsten Kreuzung bei den beiden Findlingen geht es geradeaus weiter bergauf. Auch hier sind die Spuren der frühzeitlichen Bergleute unübersehbar. Wenn wir uns die Bäume und die Bodenvegetation wegdenken, können wir uns die einstige „Mondlandschaft“ denken, die es hier zur Zeit der Erzsucher gab. Umweltschutz gab es damals noch nicht und der Bedarf an Rohstoffen für die Eisenhütte war enorm. Kurze Zeit später erreichen wir die Schutzhütte „Alte Mauer“.

Von hier geht es bergab bis zum Parkplatz am „Waldwinkel“. Am alten Steinkreuz folgen wir der Ausschilderung „Historische Straße“ nach rechts. Am Forsthaus mit dem Hirschgeweih am Giebel geht es wieder in den Wald hinein. Kurze Zeit später geht es dann nach links. Der Weg führt uns wieder auf freies Feld und nachdem wir die Höhe vor uns überschritten haben, liegt Ramersbach vor uns.

Eine Viertelstunde später erreichen wir die ersten Häuser. Dann stoßen wir auf der Höhe eines kleinen Kapellchens auf die Straße Ramersbach – Ahrbrück, der wir nach links in Richtung Dorfmitte folgen. An der Einmündung dieser Straße auf die Hauptstraße biegen wir nach rechts ab. An der Kirche und dem kleinen, von Bäumen beschatteten Dorfplatz und dem „Tante Emma-Laden“ vorbei wandern wir bis auf Höhe der alten Schule, wo wir vorsichtig die Straße überqueren und der Ausschilderung folgend in der Forststraße wenig später in den Hof des Gasthauses „Halfenhof“ gelangen.
Halfer nannte man im Mittelalter die Bauern, die die Hälfte ihres Ertrages als Pacht an den Landesherrn zahlen mussten. Das schmucke Anwesen macht einen einladenden Eindruck. Wir betreten die rustikal eingerichtete Halfenstube. Zahlreiche Fotos, ergänzt durch Modelle in Glasvitrinen und allerlei Gegenstände, dokumentieren den Arbeitsalltag der Köhler, die bis ins 20. Jahrhundert in dieser Gegend Holzkohle hergestellt haben. Nach einem vorzüglichen Mahl, abgerundet durch einen klassischen Ahrrotwein, setzen wir unsere Wanderung fort. Der Ausschilderung folgend geht es aus dem Dorf hinaus hinüber zur Florianshütte am Waldrand und weiter hinab nach rechts ins Tal.

Wir folgen dem Wanderweg bis zu einer markanten Wegegabelung. Ein paar Meter folgen wir dem rechten Weg bis zu der weithin gut sichtbaren Informationstafel. Wir erfahren, dass sich an dieser Stelle zur Römerzeit ein stattlicher Gutshof befand. Übrig geblieben ist allerdings nur wenig. Ein paar Mauerreste, Bruchstücke von Ziegelsteinen, mehr nicht. Zurück auf dem Wanderweg geht es weiter talabwärts, bis wir den Grund des Bachemer Bachs erreichen, den wir überqueren.

Auf dem gegenüber liegenden Hang geht es halbrechts hinauf bis zur Straße. Dieser folgen wir nur wenige Meter nach links bis zur nächsten Wegemarkierung, die uns nach rechts auf einen Waldweg leitet. Am Wegrand können wir überall Gesteinsbrocken sammeln, die Spuren von Roteisen aufweisen. Dann gabelt sich der Weg. Wir halten uns links, gelangen, den Markierungen folgend, wenig später über den teilweise bereits bekannten Weg zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.

© Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V.

Mit freundlicher Genehmigung.

Infomaterialien

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Bad Neuenahr-Ahrweiler

Eisenweg – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Neualbenreuth: Geoweg „Goldene Zeiten“

Bad Neualbenreuth – Platzermühle – Pinge Churfürst – Naturdenkmal Nigerlbuche – Muglwasserfall – Streicherrang – Froschfelsen – Hochofen – Rothmühle – Sibyllenquelle – Bad Neualbenreuth

Streckenmarkierung

Zwei Wanderer und ein Piktogramm mit Goldgräberwerkzeug auf rotem Hintergrund.

Infomaterialien

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Bad Neualbenreuth

Geoweg „Goldene Zeiten“ – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Neustadt an der Saale: Geolehrpfad

Der Rundweg gibt auf acht Schautafeln einen Einblick in die Geologie um Bad Neustadt. Besonders der Zeitraum von 200 bis 250 Millionen Jahren, die Trias, soll betrachtet werden, weil hier um Bad Neustadt auf engstem Raum ihre drei geologischen Schichtungen zu Tage treten:

  • Bundsandstein
  • Muschelkalk
  • Keuper

Höhepunkt ist der Blick in den Steinbruch, das unterfränkische „Grand Canyon“, 92 m tief.

Wegstationen
Station 1: Erdzeitalter

Die Trias: Bundsandstein – Muschelkalk – Keuper: Das Muschelkalkmeer in Mitteleuropa vor 240 Millionen Jahren.

Station 2: Flora, Fauna und Geologie

Pflanzen- und Tiergesellschaften im Magerrasen des Löhriether Tals. Geologisches Profil von der Rhön bis ins Grabfeld.

Station 3: Trink- und Heilwasser

Brunnen, Quellen und Wasserschutzgebiete von Bad Neustadt.

Station 4: Fossilien

Die versteinerten Bewohner des Muschelkalkmeeres. Der Ceratit, das Leitfossil der Trias.

Station 5: Landwirtschaft

Bodenprofil des landwirtschaftlich bearbeiteten Bodens am Wurmberg. Der Landwirt als Landschaftspfleger und Energieproduzent.

Station 6: Lebensraum Steinbruch

Der Steinbruch als „Lebensraum aus zweiter Hand“ von hohem ökologischem Wert.

Station 7: Wirtschaftsfaktor Steinbruch

Blick in die 90 m Tiefe des Steinbruchs. Verwendung der dort abgebauten Steine.

Station 8: Rhönpanorama

Blick zu den Schwarzen Bergen, zum Kreuzberg und in die Lange Rhön.

Infomaterialien

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Durch den Muschelkalk

Faltblatt „Ein geologischer Rundweg durch das Löhriether Tal zum Steinbruch bei Bad Neustadt“

Bad Peterstal-Griesbach: D’Lämbi (Ortenauer Sagenrundwege Nr. 9)

Bad Peterstal-Griesbach: D’Lämbi (Ortenauer Sagenrundwege Nr. 9)

Einfach sagenhaft

Die Ortenau verfügt über eine einmalige Vielfalt an Sagen, die einst die Menschen prägten und heute noch bewegen. Gehen Sie den Sagen und Mythen auf den Grund und entdecken Sie die Ortenau von einer ganz neuen Seite!

Der Ortenaukreis hat auf 400 km Wanderwegen insgesamt 32 Sagenrundwanderwege ausgewiesen. Die Wege führen durch 36 Städte und Gemeinden, wo 125 Sagen und Mythen darauf warten entdeckt und erwandert zu werden. Die geistreich gestalteten Sagentafeln entlang der Strecke garantieren ein abwechslungsreiches Wandervergnügen und sind für Groß und Klein, Jung und Alt gleichermaßen interessant.

Beschilderung der Sagenrundwege

  • 28 Sagenrundwege sind innerhalb des einheitlichen Wegesystems im Schwarzwald ausgeschildert. An den Kreuzungspunkten stehen Wegweiser. Zusätzlich zu den Basiswegweisern mit Zielen finden sich dort die Routenwegweiser der Sagenrundwege. Zwischen den Wegweiserstandorten werden Sie von farbigen Markierungszeichen (gelbe Raute, blaue Raute, Themenwege etc.) geleitet. Die Markierung kann im Routenverlauf wechseln.
  • Die Sagenrundwege in Meißenheim, Neuried, Rheinau und Schutterwald sind durchgehend mit dem Symbol des SagenGespenstes markiert, da es dort keine einheitlich beschilderten Wanderwege gibt. An den Wegkreuzungen weist ein Richtungspfeil mit dem Sagen-Gespenst den Weg.

Es wird eine Laufrichtung empfohlen. Die Sagenrundwege sind jedoch in beide Richtungen ausgeschildert!

D’Lämbi

Habt ihr schon einmal von einer Frau namens Lämbi gehört? Sie hat einst das Kurhaus geführt und war bei den Gästen sehr beliebt. Einer der Gäste sagte einst zur Lämbi: „Sie sind immer so nett zu uns, sie dürfen sich etwas wünschen.“ Sie überlegte nicht lange und wünschte sich, dass der Wald und das Gelände ihr gehörten bis dort, wo Schnee liege. Die Herren verschafften ihr das Gelände, indem sie einfach die Grenzsteine versetzten. Das war in der damaligen Zeit ein schweres Verbrechen. Dafür musste die Lämbi nach ihrem Tod umgehen. Man hörte jede Nacht in dem Kurhaus einen gewaltigen Schlüsselbund rasseln. Auch draußen auf ihren Grundstücken trieb die Lämbi ihr Unwesen.

In den Wäldern rund um Bad Peterstal-Griesbach sollen sich allerhand dramatische Geschichten abgespielt haben. So wird auch von einem Fuhrknecht berichtet, der der geisternden Lämbi begegnet ist oder einem Mann, der die Lämbi als Maus gesehen hat.

Entdecke weitere Sagen und Mythen entlang der Wegstrecke.

Textquelle: Ortenau Tourismus

Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

Infomaterialien

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Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Broschüre „Auf Sagenrundwegen die Ortenau erleben“

Bad Peterstal-Griesbach: Wasserlehrpfad

Einem Anstoß des Fachbereiches „Kultur- und Heimatpflege folgend, stieß die Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins Bad Peterstal-Griesbach auf das Thema Wasser. Angeregt vom Wasserreichtum unserer Gemarkung, aber auch vom Vorkommen natürlichen Mineralwassers, welches die Entwicklung des oberen Renchtals entscheidend mitgeprägt hat, wurde die Idee eines Wasserlehrpfades geboren.

Der Lehrpfad informiert auf 17 Tafeln über einige unterschiedliche Aspekte dieses Themas, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Das Anliegen von Tafel Nr. 3 „Ohne Wasser kein Leben“ gilt gewissermaßen als Oberbegriff. Der Wasserlehrpfad ist als Appell an alle gedacht, sich der vielen Vernetzungen, Aufgaben und Zusammenhänge bewusst zu werden, die mit dem Wasser verbunden sind – und will auch uns an die Verantwortung aller Menschen erinnern. Wasser wird knapp und immer kostbarer.

Das Anliegen der Wegemacher – über die reine Information hinaus – ist es, einem weiteren bedenkenlosen Verbrauch dieses unersetzlichen Naturgutes Einhalt zu gebieten. Spätestens um die Jahrhundertwende wird die Versorgung der immer noch anwachsenden Weltbevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser die große Herausforderung für die Menschheit sein, um ihr Überleben zu sichern. Diese Versorgung ist bereits heute in vielen Ländern der Dritten Welt nicht mehr gewährleistet. Umfassende Strategien zur Sicherung der Wasserversorgung werden erforderlich; Wasser hat so auch eine politische Dimension.

Kostbares Wasser

Trotz der unvorstellbar großen Menge Wassers auf der Erde bleiben nur etwa 0,2 – 0,3 % für die Trinkwasserversorgung verwertbar. Dabei geht das Wasser nicht verloren: wie immer es genutzt wird, Jeder Tropfen kehrt irgendwann einmal in den globalen Wasserkreislauf zurück. Das Abwasser von heute ist das Trinkwasser von morgen. Ein Bundesbürger z.B. verbraucht pro Tag durchschnittlich 145 Liter Trinkwasser. Nur etwa 3 Liter davon werden als Lebensmittel genutzt: zum Trinken und Kochen. Der große Rest wird für andere Zwecke verwendet (Hygiene, Putzen, WC-Spülung} und fließt in den Abfluss, um dann kostspielig aufbereitet zu werden. Im Grunde genommen bezahlt der Verbraucher sein Wasser dreimal: bei der Trinkwasserversorgung, der Abwasserreinigung und nicht zuletzt durch die Schäden an der zerstörten Natur.

Verantwortungsbewusster Umgang mit dem wertvollen Lebensmittel Wasser kommt also nicht nur unserem Geldbeutel zugute, sondern sichert unser Überleben.

Wegmarkierung

Über Wasserlinien das Brunnentempelsymbol in blau auf hellem Grund

Wegstationen
Natürliches Mineralwasser

Natürliches Mineralwasser muss laut Gesetz die Anforderung „ursprüngliche Reinheit“ erfüllen, d. h. die Quelle muss frei sein von jeglichen Verunreinigun­gen. Es muss aus einem unterirdischen geschützten Wasservorkommen stammen. Um seinem Namen gerecht zu werden, muss es eine bestimmte, natürliche Menge an Mineralstoffen und Spurenelementen aufweisen.

Mineralwässer enthalten lebensnotwendige Mineralstoffe und Spuren­elemente in natürlicher Komposition, da sie direkt aus den Tiefen der Erd­kruste stammen, also daher wo diese gelagert sind. Das absickernde Re­gen Wasser reinigt sich auf dem langen Weg in die Tiefe und löst beim Durchdringen der verschiedenen Gesteinsschichten mit Hilfe von Kohlensäu­re Mineralien. Bein Austreten aus der Quelle kommt ein mineralhaltiges Wasser – Mineralwasser – zutage. Mineralwasser ist also immer ein Tiefen­wasser.

Das Wasser, welches hier aus dem Trinkbrunnen fließt, entstammt der Stahlbadquelle. Es wird sehr gerne als gesunder Durstlöscher getrunken. Quelle muss frei sein von jeglichen Verunreinigun­gen. Es muss aus einem unterirdischen geschützten Wasservorkommen stammen.

Ohne Wasser kein Leben

Wasser ist durch menschliche Maßnahmen nicht vermehrbar. A/s Nahrungs­mittel undRohstoff ist es unentbehrlich und unersetzlich. (aus dem Wasser­haushaltsgesetz Deutschlands).Das gesamte Wasservolumen der Erde wird auf rund 1,36 Milliarden Kubik-kilometer geschätzt, doch nur 0,2 % dieser gesamten Wassermenge sind für Menschen, Tiere und Pflanzen direkt nutzbar. Wasser ist am Aufbau der Pflanzen- und Tierwelt maßgeblich beteiligt. Der menschliche Körper besteht zu 60 bis 70% aus Wasser, manche Gemüse und Früchte zu mehr als 90%. Der Wasserbedarf eines Erwachsenen beträgt täglich etwa 2,5 Liter. Wasser (ehem. Formel Hz 0) ist für den Wärmehaushalt der Natur durch seine besonders hohe spezifische Schmelz- und Verdampfungswärme ein guter Wärmespeicher, der starke Temperaturschwankungen ausgleicht. Da alle Lebensprozesse in der Zelle in wässriger Phase ablaufen, ist die Bedeutung des Wassers als Lösungs- und Transportmittel für Stoffwechsel­produkte unersetzlich. Sein Anteil am Protoplasma beträgt gewöhnlich 60 bis 70%. Störungen im Wasserhaushalt beeinflussen unmittelbar die Lebensfähigkeit; bei Wirbeltieren ist z.B. ein Wasserentzug von 10 bis 15 % tödlich.

Wasser und Wald

Der Wald ist die Urheimat des Wassers, beide stellen von Natur aus eine Einheit dar. Das beste Trinkwasser spendet der Wald, der jährliche Laub­und Nadelfall ergibt neuen Humus, durch den das Niederschlagswasser sorgfältig gefiltert eindringen kann. Bis 100 Liter je Quadratmeter kann der Boden speichern, das sind eine Million Liter je Hektar. Da der Waldboden selten gefriert, können Regen und Schmelzwasser leicht eindringen; der Wald verhindert so einen raschen oberflächigen Wasserabfluß sowie Hochwasserschäden. Das aufgenommene und gespeicherte Wasser fließt gefiltert dem Grundwasser zu und speist die Quellen nachhaltig das ganze Jahr hindurch, so dass sie auch während langer Trocken- und Frostperjoden nicht versiegen. Das schützende Blätterdach der Bäume verhindert das Abschwemmen des wertvollen Waldbodens, im heißen Sommer schützt es ihn vor dem Aus­trocknen, die Verdunstung wird in Grenzen gehalten. Der Aufenthalt des Menschen im Wald und am Wasser dient in besonderem Maße seiner Erholung.

Pflanzen am Bach

Bäume und Sträucher an Wasserläufen bieten Insekten, Vögeln und anderen Tieren unterschiedliche Lebensräume. Gleichzeitig bereichern sie das Landschaftsbild und dienen der Uferbefestigung. Die häufigsten Baumarten sind Erle, Esche, Ahorn, Ulme, Weide und Hasel. Darunter gedeiht eine artenreiche Waldbodenvegetation mit vielen Fruhjahrsblühern: Schlüsselblumen, Anemonen, Sumpfdotterblumen, Wasserlinsen, Milzkraut, Hängesegge, Weißer Hahnenfuß. Im laufe des Sommers wachsen dort u.a. Engelwurz, Mädesüß, Ruprechtskraut, Echtes Springkraut, Schlangenknöterich, Sauerklee und die eingebürgerten Pflanzen Balsamine und Goldrute.Zu jeder Jahreszeit findet der Betrachter eine Fülle unterschiedlicher Grün-und Blütenpflanzen.


Der Wildbach

Der Wildbach stellt mit seiner permanent niederen Temperatur und hoher Strömungsgeschwindigkeit einen speziellen Lebensraum dar. Dank der vielen Strudel ist der Sauerstoffgehalt sehr hoch, in vielen Wildbächen kommt die Bachforelle noch vor. Die sonstigen Bewohner des Wildbaches sind eher unscheinbar, meist Fliegenlarven und kleine Krebsarten Sie finden auch noch in den engsten Spalten und Unebenheiten der Steine Schutz vor der reißenden Strömung.

Entstehung von Quellen

Unser Grundgebirge ( Urgestein ) besteht aus den wasserundurchlässigen Gesteinsarten    Gneis    und    Granit,    darüber   lagert    eine    mächtige, wasserdurchlässige Buntsandsteinschicht. Das versickernde Niederschlagswasser durchdringt den Buntsandstein und trifft auf die kompakte Urgesteinsschicht. Dort staut es sich und sucht der Schwerkraft folgend, eine Stelle, wo es ungehindert als Quelle zutage treten kann. Den Übergang von wasserdurchlässiger und wasserundurchlässiger Schicht, der sich in unserer Gegend in ca. 600 – 700 m    Meereshöhe befindet, nennt man den Quellhorizont. Hier an dieser Stelle wird sichtbar, wie Wasser aus dem Erdreich austritt.

Wasser und Menschheitsgeschichte

Ohne Wasser wäre die Geschichte der Menschheit nie geschrieben worden. Schon früh siedelten die Menschen in der Nähe von Gewässern. So hatten sie Trinkwasser und außerdem konnten die Wasserläufe als Verkehrswege genutzt werden. Nicht ohne Grund entstanden die großen frühen Hoch­kulturen an Flüssen: am Nil, zwischen Euphrat und Tigris, am Indus, am Hwangho. Zur Sicherung der Wasserversorgung wurde schon früh Wasser-leitungssysteme gebaut, wie man heute noch an den erhalten gebliebenen Aquädukten aus römischer Zeit eindrucksvoll erkennen kann. Ebenso wurde bereits im Altertum die Wasserkraft als Energieträger genutzt. In unserem Zeitalter trat das Wasser in den Blickpunkt von Wissenschaft und Technik. Der Mensch erforscht alle Aspekte des Wassers und macht sie sich zunutze. Die enge Beziehung des Menschen zum Wasser spiegelt sich auch in philosophischen Vorstellungen, religiösen Handlungen und kulturellen Leistungen wider. Im Ritus von Taufe und zelebrierten Waschungen spie/t das Wasser bei vielen Völkern eine mystische Schlüsse/rolle. Auch die Künstler haben sich mit dem Wasser auseinandergesetzt. Bildhauer haben phantastische Brunnen geschaffen, Maler eindrucksvolle Bilder. Unzählige Lieder und Gedichte ranken sich um das Wässer und seine Rolle im Leben der Menschen. So sind Wasser und Menschheitsgeschichte untrennbar miteinander verbunden.

Trinkwasserversorgung

Die Gemeinden sind verpflichtet, für ihre Bürger einwandfreies Trinkwasser bereitzustellen. In unserer niederschlagsreichen Gegend steht hierfür heimisches Wasser zur Verfügung. Die vorhandenen Quellen werden gefasst und über ein Leitungsnetz den Hochbehältern zugeführt. Die Höhe der Standorte für die Reservoirs ist so gewählt, dass der notwendige Wasserdruck für die Versorgung jederzeit gewährleistet ist. 1990 wurde in den hier sichtbaren Behälter der Fichtensodquelle eine Entsäuerungsanlage eingebaut. Unser auf natürliche Weise bereits versauertes Wasser (infolge säurehaltigen Gesteins) wird durch Umwelt­belastungen (saurer Regen) noch aggressiver und könnte in Rohrleitungs­system Auswaschungen hervorrufen, welche die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. Dies soll durch die Entsäuerungsanlage verhindert werden.

Wasserschutzgebiete

Zwischen der menschlichen Gesundheit und der Güte des Wassers besteht ein direkter Zusammenhang. Die Verpflichtung zum Gewässerschutz zieht die Pflicht zur Gesunderhaltung der Böden nach sich, um die Selbst­reinigungskraft der Natur zu erhalten. Wasserschutzgebiete sollen die Trinkwasserreserven vor schädlichen Einflüssen schützen. So bestehen Regelungen u.a. für die Bebauung sowie das Ausbringen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Müllablagerungen und Gefahrguttransporte sind verboten. Besondere Sorgfalt ist geboten bei der Abwasserkanalisation sowie bei der Durchfahrt von Kraftfahrzeugen durch diese mit Schildern ausgewiesenen Gebiete. In den Schutzzonen soll so das ober- und unterirdische Einzugsgebiet der Wasserförderstelle gesichert werden.

Gefährdung des Trinkwassers

Da Wasser durch menschliche Maßnahmen nicht vermehrt werden kann, ist der Schutz des vorhandenen Trinkwassers eine vordringliche Aufgabe – die Überlebensfrage der Menschheit, Gefahren drohen dem Trinkwasser z.B.

  • durch ungeklärte Abwässer aus Haushalten und Industrie
  • durch Schadstoffe aus der Luft
  • durch Nitratbelastung der Böden infolge zu starker Düngung
  • durch Verwendung von Pflanzenschutzmitteln     
  • durch unbekannte Gifte aus Mülldeponien
  • durch die Senkung des Grundwasserspiegels infolge Versiegelungder Landschaft
  • durch Fluß- und Bachregulierung
  • sowie durch Ölverschmutzung infolge verschiedener Ursachen

(ein Liter Öl macht eine Million Liter Trinkwasser ungenießbar

Der Kreislauf des Wassers

Das gesamte Wasser auf unserem Planeten ist in einem gigantischen Kreislauf einbezogen, der von der Sonne als Energiequelle angetrieben wird. Wasser verdunstet an der Oberfläche der Meere und Kontinente (Binnenge­wässer, aber auch Wälder etc. ) in großen Mengen. Die feinen Wassertröpfchen werden in großer Höhe mit der Luft als Wolken weiter­bewegt und bei entsprechend kühler Lufttemperatur, wenn die Luft keine weitere Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann, fallen die zusammengeballten Tröpfchen als Niederschlag zur Erde – je nach Temperatur flüssig ( als Regen) oder fest (als Schnee oder Hagel). In unseren Breiten fallen jährlich rund 800 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter, im Schwarzwald bis zu 2000 Millimeter. Mehr als die Hälfte davon verdunstet, während der Rest über die Oberflächengewässer und das Grundwasser wieder dem Meer zufließt. Auch das Wasser des Künsbaches, welches weiter unten von der Rench aufgenommen und über den Rhein in die Nordsee geführt wird, nimmt teil an diesem Kreislauf.

Heilwasser

Die Kenntnis von den Heilquellen des Renchtales ist so a/t wie die Kultur des Renchtales selbst. Das Mineralwasser der heutigen FREYERSBACHER MINERALQUELLEN wird seit 1838 abgefüllt. Es entspringt aus Tiefen von 60 bis 250 Metern. Bereits im 19. Jahrhundert wurde das magnesium- und calciumhalitge Mineralwasser in versiegelten Tonkrügen versandt. Heilwasser ist ein Arzneimittel; es unterliegt dem Arzneimittelgesetz und benötigt eine amtliche Zulassung. Das Heilwasser der Freyersbacher Alexanderquelle zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Heilwässern in unserem Land. Es wird traditionell angewendet zur Vorbeugung und Besserung des Befindens bei chronischen Magen- und Darmerkrankungen und bei funktionellen Störungen der ableitenden Harnwege. Unten im Talgrund kann man die Gebäude der Freyersbacher Mineralquellen erkennen.

Oberflächenwasser - Grundwasser - Tiefenwasser

Niederschläge fließen zu einem Teil bereits als Oberflächenwasser auf der Erdoberfläche ab und sammeln sich dort in Rinnsalen, Bächen, Flüssen und Seen. All dieses Wasser kann heute in unserem Lebensraum nur noch in seltenen Ausnahmefällen als Trinkwasser verwendet werden. In Trink-wassergewinnungsanlagen (Wasserwerken) muss es zu Trinkwasser aufbe­reitet werden. Ein Teil des Niederschlagswassers dringt in den Untergrund ein, wo es den Grundwasservorrat ergänzt; hier nehmen es z.B. die Pflanzen mit Hilfe ihrer Wurzeln zur Aufrechterhaltung ihres Wasserhaushaltes auf. Bei ausreichender Filterung während der Bodenpassage kann dieses Grundwasser Trinkwasserqualität haben. Wasser, das in den Untergrund versickert, wird auf seiner Wanderung durch Erd- und Gesteinsschichten von Stoffen reingefiltert, die durch Menschen­hand im oberirdischen Teil des Wasserkreislaufes ins Wasser gelangt sind. Ferner kann sich dieses Tiefenwasser mit Mineralstoffen und Spurenele­menten aus der Erdkruste sowie Kohlendioxid, z. B. aus postvulkanischen Aktivitäten, anreichern.

Nutzung des Wassers früher

Unter den vom Menschen genutzten Energiequellen der Erde gehört Wasser zu den ältesten  und umweltfreundlichsten.  Einfache   Vorrichtungen  zur Nutzung der Wasserkraft gab es in Persien schon um 500 v. Chr.Auch im Schwarzwald zeugen viele Mühlen und Sägewerke heute noch davon,  wie man früher das Wasser nutzte.  Das Räderwerk einer alten Sägewerksanlage, Überreste von „ Bühländers Säge“ ist beim Parkplatz der Peterstaler Mineralquellen erhalten geblieben.Darüber hinaus leistete das Wasser gut Dienste zur Gewinnung von Elektritzität.  So wurde in unserem Ort von 1893 bis 1963 im gegenüberliegenden alten   Elektrizitätswerk  Strom  auf  Wasserkraft  gewonnen   und  an  die Gemeinde geliefert. In der Landwirtschaft sorgten selbstgegrabene Kanäle für Bewässerung und Düngung der Wiesen.Wegen des geringen Wasseraufkommens sowie des felsigen Untergrundes der Rench war in unserem Tal Flößerei nicht in dem Maße möglich wie in der Wolf oder der Kinzig.

Äußere Heilwirkung des Wassers (nach S. Kneipp)

Bereits im Altertum waren die heilsamen Kräfte des Wassers auf den menschlichen Organismus bekannt. Aber erst im letzten Jahrhundert wurden diese Kenntnisse vom Wörishofener Pfarrer Sebastian Kneipp wiederent­deckt, zu einem System von Wasseranwendungen ausgebaut und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.So sollen u. a. Wassertreten, Tautreten, Arm- und Fußbäder sowie Güsse, nach bestimmten Regeln ausgeführt, durch den Reiz des Wassers auf die Haut die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen.Der gesunde Mensch bedient sich der wohltuenden Wirkung des Wassers, um seine Gesundheit zu kräftigen und zu erhalten. Beim heute oft gestressten Menschen kann das gestörte Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele durch gezielte Wasseranwendung harmonisiert werden. Durch Kneippen kann er Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Ausgeglichen­heit wieder finden.

Schlüsselbad Geschichte

Auf dem Geländer der heutigen Schlüsselbadklinik befand sich früher eine „Gastherberge und Sauerbrunnen“, wie aus einem Kaufvertrag von 1650 hervorgeht. Erst 1895 wurde die Quellfassung, zusammen mit einem Sand­stein mit der eingemeißelten Jahreszahl MCCCLXXVII (1377), wieder­entdeckt. In einer Tiefe von 7 Meter stieß man zusätzlich auf Mineralwasser, das aus Felsspalten austrat. Adolf Schäck, der Besitzer des 1899 – 1902 neu erbauten Kurhotels Schlüsselbad, bot dieses Wasser als „Peterstaler Schlüsselsprudel“ zum Verkauf an. Im Jahr 1982 wurde das historische Gebäude zur Schlüsselbadklinik umge­baut. Die Quellen gibt es heute nicht mehr.

Infomaterialien

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Bad Peterstal-Griesbach

Wasserlehrpfad – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Reichenhall: Auf dem Soleleitungsweg zum Thumsee und Nesselgraben

Der etwa 1 Kilometer lange Thumsee ist das Naherholungsgebiet der Alpenstadt Bad Reichenhall. Im Osten des Sees liegt das Seemösl: Diese Seerosenfram wurde bereits 1936 angelegt und ist somit ist älteste Seerosenfram Deutschlands. Im Südwesten des Sees erstreckt sich der Nesselgraben, der Hauptzufluss des Thumsees. Hier befindet sich auch eine Schieß-Übungsanlage der Gebirgsjäger.

Wegbeschreibung

Vom Wegezentrum 6 in die Alte Thumseestraße und gleich rechts ab („Salinenweg, Kugelbachbauer“) zur Straße zum Almgasthof Kugelbachbauer. Steil ansteigend bis zur Amalienkapelle (Aussichtspunkt), dort rechts auf den ehemaligen Soleleitungsweg, der zum Thumsee Ostufer führt.

Vom Parkplatz am Seemösl über Treppen etwas aufsteigen hinauf zum Weg, der über dem See zum Nesselgraben verläuft. Weiter geht es abseits der Straße ansteigend zum Antoniberg, wo man den Soleleitungsweg wieder verlässt.

Am Wendepunkt der Tour bei einem Straßentunnel wechselt man die Talseite. In nordöstlicher Richtung führt der Weg oberhalb der Straße hinab zum Thumsee Westufer. Weiter auf dem Spazierweg entlang des Sees zum Ostufer und auf asphaltiertem Fuß-/Radweg entlang der Straße hinab zum Ausgangspunkt.

Infomaterialien

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Berchtesgadener Land

Broschüre „Auf den Spuren des Alpensalzes“

Bad Saulgau: Georundweg

Auf dem ca. 42 km langen Georundweg, der auch sehr gut mit dem Fahrrad erkundet werden kann, erhält man ausführliche Informationen zur Erdgeschichte, der Entstehung unserer Landschaft, unseren heimischen Böden sowie Flora und Fauna. An der Wegstrecke sind insgesamt 18 Infotafeln aufgestellt.

Ausgangspunkt für den Georundweg ist die Infotafel am Marktplatz in Bad Saulgau.

Infotafeln
Station 1: Georundweg Bad Saulgau
Station 2: An der Thermalbohrung TB2
Station 3: Auf der Niederterrasse
Station 4: Im Gletschertor
Station 5: Auf der Endmoräne
Station 6: Im Gletscherbecken - Booser-Musbacher Ried
Station 7: Am Schlossberg
Station 8: Haider Pforte
Station 9: Am Frankenbuch
Station 10: "Bühne frei!" - Oberschwaben
Station 11: Am Golfplatz - Freie "Bahnen" für einen "18-Loch-Golfplatz" mit 7 km Länge!
Station 12: Über dem "Baltringer Horizont"
Station 13: An der verlorenen Bohrung - Erdöl: Fehlanzeige!, Heiße Salzsole: Volltreffer!
Station 14: An den Molassekellern
Station 15: Im Mühlental an der Franzenmühle
Station 16: Die Entstehung der Europäischen Wasserscheide in Oberschwaben
Station 17: Standort "Verenhöhle" - Hier in diesem stillen Winkel wird Saulgauer Geschichte lebendig!
Station 18: Der "Widder"

Natur- und Panoramastation Atzenberg

2014 wurde der Rundweg 2014 an der Natur- und Panoramastation Atzenberg mit 14 Erklärungstafeln ergänzt. Dort erhält man Informationen zur Landschaft, über die Landschaftsentstehung bis hin zur Entwicklung der heutigen Kulturlandschaft. Ein Diopter zur Beobachtung der Landschaft und eine hydraulische Widderanlage (Wasserhebeanlage) ergänzen das Informatoionsangebot.

Der Standort bietet einen einmaligen breiten Panoramablick von Oberschwaben über das Allgäu auf die Alpen – fast von der Zugspitze im Osten bis zum Berner Oberland im Westen.

Tafeln der Natur- und Panoramastation Atzenberg
Station 1: Das Fundament der Landschaft
Station 2: Nähere Vergangenheit
Station 3: Die Würmeiszeit - die letzte Eiszeit
Station 4: "Das völlig NEUE" im Holozän - ist keineswegs der Mensch - ihn gibt es schon länger
Station 5: Der Mensch beginnt seit 7500 Jahren das Landschaftsgesicht zu verändern und seinen Bedürfnissen anzupassen
Station 6: Die "neolithische Revolution" - Innovationen aus dem Osten
Station 7. Kulturlanschaft - 1000 Jahre Dreifelderwirtschaft
Station 8: Naturschutz - Landschaftsschutz - Klimaschutz
Station 9: Die Kulturlandschaft der nahen Zukunft? Zuviel des Guten?
Station 10: Die ferne Zukunft - Die ferne Zukunft lässt sich genauer vorraussagen als die nahe Zukunft
Station 11: Unser attraktives Oberschwaben beheimatet eine attraktive Tier- und Pflanzenwelt
Station 12: Alpensicht
Station 13: Kinder - die zukünftigen Naturschützer seid ihr!

Infomaterialien

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Bad Saulgau

Georundweg – keine Infomaterialien vorhanden!

Bad Steben: Geologisch-bergbaukundlicher Lehrpfad

GEOPARK Bayern-Böhmen

Cesko-Bavorský GEOPARK

Aufbruch ins Erdinnere

Tajemstvi zemského nitra

Rund um Bad Steben kommt man an den Themen Bergbau und Geologie nicht vorbei. Westlich des Kurortes wurde Gold gewaschen, rings um Bad Steben bis 1858 Eisenerz gefördert. Und auch der moderne Kurbetrieb des Gesundheitszentrums Bad Steben gründet auf den natürlichen Bodenschätzen der Region: Kohlensäure, Radon und Moor.

Ein Lehrpfad von Bad Steben nach Blechschmidtenhammer mit 17 Schautafeln bringt anschaulich die mehr als 1.000-jährige Geschichte des Bergbaus in dieser Region näher. Auf eine Erkundungsreise von Humboldts Wirkungsstätten rund um Bad Steben führt der geologisch-bergbaukundlichen Lehrpfad des Geschichtsvereins Bad Steben.

Vorbei am Wohnhaus Humboldts und am Alten Bergamt geht es von den Kuranlagen über die Mordlau, die Krötenmühle und Lichtenberg bis zum Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen in Blechschmidtenhammer, wo die Wanderung endet bzw. mit dem Erlebnispfad „Geologie und Bergbau“ im Höllental seine thematische Fortführung findet.

Geotop „Pingenfeld Mordlau N von Bad Steben“

Im „Mordlauer Revier“ wurden vermutlich schon ab dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert Eisenerze gewonnen. Abgebaut wurde Brauneisenstein und Siderit. Untergeordnet kamen Kupfer- und Schwefelkies sowie (akzessorisch) Nickelerze vor. Die Vererzung ist an einen Quarzgang im silurischen Graptolithenschiefer bzw. Lydit gebunden. Einst umfangreiches Grubengebäude mit mehreren Stollen und Schächten. Das ausgedehnte Pingenfeld liegt an einem geologischen Lehrpfad mit mehreren Erläuterungstafeln. Das Areal steht als Bodendenkmal unter Denkmalschutz (Denkmal-Nr. D-4-5635-0049).

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

Wegstationen

Textquelle: Markt Bad Steben

Station 1: Rathaus Bad Steben

1793 eröffnete Alexander von Humboldt hier die Bergschule zu Steben, es war die weltweit erste Berufsschule, später war es eine Spielwarenfabrik. Seit 1928 ist es das Rathaus.

Station 2: Humboldthaus

Hier wohnte und arbeitete der berühmte Naturforscher Alexander v. Humboldt von 1792 bis 1795. Zitat Humboldt: „Diesseits des Meeres finde ich nie wieder so einen Ort.“

Station 3: Altes Bergamt

1748 als „Bade- und Traiteurhaus errichtet, 1806 wurde die Bergschule hierher verlegt. 1860 wieder „Logierhaus“. 1966 abgerissen und neu wieder aufgebaut. Bis 1922 Hotel „Zum Alten Bergamt“, heute in Privatbesitz.

Station 4: Quellspalten

Geschichte und Urpsung der Bad Stebener Heilquellen „Wiesenquelle“ und „Tempelquelle“.

Station 5: Zerrenfeuer

Aufbau eines Hochofens und historische Überlieferung über Eisenverhüttung im heutigen Kurpark Bad Steben.

Station 6: Ehrlichgang

Frühestes Bergbaugebiet in Bad Steben. Bereits 1632 nicht mehr in Betrieb. Hier sollen sich nicht weniger als 11 Bergwerke befunden haben. Heute Kurpark.

Station 7: Geologie

Übersicht über die Geologie rund um Bad Steben und im Frankenwald. Geplant ist hier ein „Geo-Garten“.

Station 8: Mordlauer Revier

Übersicht über das Bergbaurevier Mordlau mit Skizzen der ehemaligen Bergwerke.

Station 9: Mordlau

Geschichte des Mordlauer Reviers.

Station 10: Halden und Schachtpingen

Am Weg von der Mordlau bis zur Sprungschanze sind zahlreiche „Pingen“, ehem. Bergwerkschächte sowie Abraumhalden zu sehen.

Station 11: Wasserbau

Erläuterung der Entwässerung eines Bergwerkes mittels einer „Wasserkunst“ am Beispiel das „Grau Wolf“ Stollens.

Station 12: Grauer Wolf

Schilderung der Gefahren durch noch vorhandene Bergwerkreste. 1995 brach ein Gemeindearbeiter in einen Stollen ein.

Station 13: Schürfgrabenfeld

Beschreibung der Methoden, Eisenerz zu finden. Reste ehemaliger Schürfgräben.

Station 14: Kohlstatt

Köhlerei zur Herstellung von Holzkohle als Rohstoff für die Eisenverarbeitung.

Station 15: Pingenfeld

Großes Pingenfeld mit zahlreichen, eingestürzten Bergwerkschächten sowie ringförmiger Abraumhalden rund um die Pingen.

Station 16: Lichtenberger Revier

Beschreibung des Lichtenberger Bergbaureviers.

Station 17: Info-Zentrum

Informations-Zentrum des Naturparks Frankenwald, Möglichkeit zur Besichtigung des Besucherbergwerkes. Anbindung an den „geologisch-bergbaukundlichen Erlebnispfad Höllental“.

Humboldtweg

Auf den Spuren von Humboldt kann man in Bad Steben auch auf dem Humboldtweg wandeln, einem knapp 21 km langem Rundweg.

Eine ausführliche Wegbeschreibung gibt es beim Frankenwald Tourismus.

ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
"ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
Humboldt in Falkenstein

Humboldt im Amt Lauenstein

Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

Der Stielersche Hammer

"Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

Falkenstein (Geschichte bis 1945)

Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

Falkenstein (Geschichte ab 1945)

Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

Tipps

Steinbach an der Heide

2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

Burg Lauenstein

Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Thüringer Warte

Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
Humboldt in Ludwigsstadt

Humboldt und der Schiefer

An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

[...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

[...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

[...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

Kaulsdorf, d. 10. März 1794
A. v. Humboldt"

1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

Tipps

Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

Internet: www.schiefermuseum.de

Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

 

Schieferpark Lehesten

Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

GEO-Tour Station 3: TETTAU
Humboldt in Tettau

Humboldt und das Porzellan

Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

Tipps

Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

Internet: www.glasbewahrer.de

GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
Humboldt in Schauberg

Humboldt macht "Blau"

Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

Was ist Schmalte bzw. Smalte?

Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

Tipps

Rösler Ceramtec GmbH

Werksverkauf:
Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
Humboldt in Lichtenberg

Humboldt zieht Bilanz

Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

Friedrich-Wilhelm-Stollen

Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

  • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
  • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
  • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
  • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
  • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

Tipps

Infostelle Naturpark Frankenwald

Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

Naturlehrpfad Höllental

Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
Humboldt in Bad Steben

Humboldt macht Schule

Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

  • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
  • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
  • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
  • Humboldt-Büste im Kurpark
  • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
  • Erzrevier Obere Mordlau.

 

Humboldt-Haus (Badstraße 2)

Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
Humboldt in Geroldsgrün

Humboldt und der "Alte Mann"

Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

"Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

  • Vogel Strauß Fdgr.
  • Friedlicher Vertrag Fdgr.
  • Schwarzer Mohr Erbst.
  • Gevattergraben
  • Hoher Ofen zu Marxgrün

Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

"[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
2) Gebirgsart = Gesteinsart
3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

"1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

"Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

"Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

Tipps

Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

 

Max-Marien-Heilquelle

Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

Humboldt und der Magnetberg

"Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

"Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

[...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

"[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

"[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

Der Haidberg aus heutiger Sicht

Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

Machen Sie Ihr eigenes Experiment

Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

Tipps

Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

 

Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

Kontakt Museum Hier öffnen

GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
Humboldt in Bad Berneck

Humboldt in matten Wettern

Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

"Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

Das Bergwerk "Beständiges Glück"

Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
(Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck.