Engen: Hegauer Vulkan Tour

Fünf ehemalige Vulkane, fünf Burgruinen und sensationelle Ausblicke in die Vulkanlandschaft des Hegau und bei entsprechendem Wetter die Alpenkette als Hintergrund.

Eine ca. 34 km lange Streckenwanderung von Engen nach Singen (oder in umgekehrter Richtung). Auf dieser Tour werden die fünf bekanntesten Hegauvulkane erwandert

Hohenhewen

Hohenstoffeln

Mädgeberg

Hohenkrähen

Hohentwiel

In Anbetracht des Streckenprofils wird empfohlen, die Tour in 2 Tagesetappen zu wandern. Eine Übernachtung ist in Weiterdingen oder Mühlhausen-Ehingen möglich.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Engen

Hegauer Vulkan Tour – keine Infomaterialien vorhanden!

Enspel: Tertiär- und Industrieerlebnispark Stöffel

Wanderweg

Der Wanderweg „Rund um den Stöffel” ist ein Rundweg der Verbandsgemeinde Westerburg um den Tertiär-, Industrie- und Erlebnispark Stöffel.

Start und Ziel ist die Infothek des Stöffel-Parks. Es geht gleich bergauf.  Wegmarkierung.: schwarzes Schild mit gelber Schrift „IVV-PW“). Einen herrlichen Blick über das 140 Hektar große Gelände des Stöffel-Parks und die beeindruckende Steinbruchkulisse bietet der 16 Meter hohe Aussichtsturm beim Dorfgemeinschaftshaus Stockum-Püschen.

Spaziergänge und Führungen im Park (kostenpflichtig)

Den Stöffel-Park kann man bei einem informativen und abwechslungsreichen Spaziergang entdecken. Unterschiedliche Themenwege mit vielen Kunstwerken führen durch 140 ha Gelände – vorbei an alten stillgelegten Anlagen der Basaltverarbeitung und dem neu angelegten Steinbrucherlebnisgarten. Am Weg befinden sich kleine Infotafeln.

Der Rundgang im Gelände führt bis zur tiefsten Steinbruchsohle an die Fossillagerstätte. Hier unter dem Basalt, in einem ehemaligen Seeboden, sind 25 Millionen Jahre alte Fossilien zu finden wie die weltberühmte Stöffel-Maus, die im Original seit April 2016 im TERTIÄRUM ausgestellt ist.

Die Alte Schmiede zeigt noch viel von der Arbeitswelt im 20. Jahrhundert. Auch viele Informationen zum Basaltabbau zwischen 1902 und 2000.

Brecher-Spaziergang

„Von Siebmaschinen und Brecherwerken“

 

Der Weg des Basalts (nur für Gruppen, nach Voranmeldung)

Vom Edelsplitt über Wasserbausteine bis hin zur Steinwolle – führt durch die stillgelegten Betriebsgebäude der Adrian Basalt GmbH & Co., von der Entstehung über den Abbau bis hin zur Verarbeitung und Verwendung des Basalts.

 

Der 25 Millionen Jahre alte Stöffel-See (nur für Gruppen, nach Voranmeldung)

Was war, bevor der Basalt an den Stöffel kam? Erdgeschichtliche Führung in eine Welt zu Zeiten des Tertiär mit Besichtigung der wissenschaftlichen Grabungsstätte.

 

Der Stöffel (nur für Gruppen, nach Voranmeldung)

Basaltabbaugebiet, Fossillagerstätte und Industriedenkmal. Eine umfassende Führung, die einen Gesamtüberblick über die einzigartige Kombination aus Erd- und Industriegeschichte dieses spannenden Geländes gibt.

Tertiär- und Industrie-Erlebnispark Stöffel

Der Tertiär- und Industrie-Erlebnispark Stöffel (auch als Stöffel-Park bekannt) ist ein Freilichtmuseum im Westerwald.

Benannt ist er nach dem Stöffel, einer zwischen den Bächen Nister und Hornister liegenden Basaltkuppe im Bereich der Gemeinden Enspel, Stockum-Püschen und Nistertal im Westerburger Land. Das Museum befasst sich vor allem mit der Geschichte des Basaltabbaus und den am Ort gefundenen Fossilien.

Der Park ist in dem mit rund 140 Hektar größten zusammenhängenden Basaltabbaugebiet im Westerwald entstanden. Der Basaltabbau auf dem heutigen Park-Gelände wurde im Jahr 2000 eingestellt. Direkt im Anschluss befindet sich jedoch ein heute noch aktiver Basaltbruch. Das Gelände enthält ein in seiner Vollständigkeit einzigartiges Ensemble von historischen Industriebauten der Basaltverarbeitung und eine bedeutsame Fossillagerstätte aus dem Oligozän vor 25 Millionen Jahren. Der bekannteste Fund ist die gleitfliegende „Stöffelmaus“ Eomys quercyi. Im Jahr 2018 wurden rund 48.000 Besucher gezählt.

Öffnungszeitem

Der Stöffel-Park ist vom 01. März bis 31. Oktober geöffnet.

Paläontologe Dr. Michael Wuttke

im Gespräch mit Anke Sprenger (SWR)

https://stoeffelpark.de/tertiaer/das-tertiaerum/

Christoph Bröder

von SWR | Parkbesuch im Juli 2020

Geschichte Basaltabbau

Die Höhe der Basaltkuppe betrug gegen Ende des 19. Jahrhunderts 498 Meter und verlor durch den Basaltabbau gut 90 Meter an Höhe. Der Name Stöffel ist auf das Wort Stuuille (urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1263) zurückzuführen und bezeichnete den stuhlähnlichen Basaltfelsen auf der alten Berghöhe.

Unter anderem begann die Firma J. G. Adrian dort um 1902 mit den Vorbereitungen zum Basaltabbau. Sie wurde ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Mit dem Bau einer Bahnverladestation, der heute so genannten Alten Werkstatt und eines Brechergebäudes begann 1903 der eigentliche Abbaubetrieb. Das Gelände wurde mit einem Schienennetz versehen, da der Transport von Material vor allem mit Güterloren stattfand. Die Stellmacherei befand sich in der Werkstatt, die einen Gleisanschluss erhielt. 1906 waren zunächst sechs Arbeiter im Steinbruch beschäftigt. 1907 wurden zur Behebung des Arbeitskräftemangels 20 Italiener eingestellt. Der Wochenlohn betrug damals 35 bis 40 Mark. 1912 entstand ein Dynamitlager. Um 1914 wurde die anfänglich zur Energieerzeugung eingesetzte Lokomobile durch eine fest installierte Dampfmaschine ersetzt. Der Schornstein mit 38 Meter Höhe wurde in den 1970er-Jahren abgerissen. Der Dampfmaschine folgten 1922 drei BBC-Elektromotoren mit jeweils 125 PS. Drei weitere Brecheranlagen kamen dazu. In den 1920er-Jahren arbeiteten bis zu 1000 Menschen im Steinbruch.

1949 erfolgte der Bau von Ersatzteilschuppen, sogenannte Nissenhallen, und der Bau einer Unterkunft. Von 1950 an wurde der Rohstofftransport anstelle der Loren auf Lkw umgestellt. Außerdem kamen immer mehr Bagger zum Einsatz. In diesem Zeitraum waren rund 120 Arbeiter bei Adrian beschäftigt. 1958 wurde ein Förderband von den Brecheranlagen direkt zur Bahnverladung installiert. Der Abbau war bis zum Ende des Jahres 2000 in Betrieb, zuletzt mit elf Arbeitern. Die Abbaumenge allein bei der Firma Adrian betrug im letzten Betriebsjahr fast 341.000 Tonnen.

Der Stöffel-Park heute

Industriegeschichte

Im Gegensatz zu den meisten anderen rohstoffabbauenden Betrieben wurden die alten Abbaueinrichtungen und Gebäude von J. G. Adrian nicht abgerissen, sondern von den Firmeneigentümern im Laufe der Jahre immer wieder modernisiert oder einer anderen Nutzung zugeführt. So findet sich heute ein in seiner Vollständigkeit herausragendes Ensemble von historischen Industriebauten der Basaltverarbeitung.

Neben der Alten Schmiede mit der Esse von 1913, Transmission, einer Hammerschmiede, einer pressluftgetriebenen Schlagschere, diversen Standbohrmaschinen und Drehbänken gehören zum Ensemble das Kessel- und Schalthaus, Silos, ein Kohleschuppen, Brecheranlagen, ein Bremsberg, ein Vorbrecher und eine Bahnverladestation. Die Alte Schmiede dient heute als Museum, in dem die historischen Werkzeuge durch Audio- und Videomedien ergänzt werden.

Fossilien

Eine bedeutsame Fossillagerstätte aus dem Oligozän befindet sich auf dem Stöffel-Gelände, die 25 Millionen Jahre alte Pflanzen- und Tierfunde birgt. Die Funde stammen aus den Ablagerungen eines durch einen Vulkanausbruch verschütteten Maarsees, die zu Ölschiefer wurden. Sie wurde von zwei Kindern Mitte der 1980er-Jahre wiederentdeckt, die Fundstätte war bereits 1865 bekannt gewesen.

Von 1990 bis 2015 führte die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie/Erdgeschichte in Mainz, unter der Leitung von Michael Wuttke Grabungen an der Fossillagerstätte durch. Rund 36.000 Fossilien wurden geborgen, viele präpariert und inventarisiert. Den Fundort im Namen tragen nun zum Beispiel der Wasserkäfer Hydrobiomorpha enspelense oder der karpfenartige Fisch Paläorutilus enspelensis. Der bekannteste sowie sehr gut erhaltene Fund ist der des gleitfliegenden Säugetiers Eomys quercyi. Das Fundstück wird umgangssprachlich Stöffelmaus genannt. Bis heute ist es der älteste Nachweis des Gleitflugs bei Nagetieren.

Weitere Funde sind unter anderem Krokodilzähne, Insekten und Amphibien. Das 2016 eingeweihte Museumsgebäude Tertiärum ist diesem Aspekt des Stöffel gewidmet.

Textquelle: Wikipedia

 

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Stöffel-Park

Faltblatt „Wandel eines Basaltabbaugebietes zur Kulturlandschaft“

agsdi-file-pdf

Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Faltblatt „Fossillagerstätte Stöffel“

Enz: Von Gompelscheuer nach Besigheim (Enztalradweg)

Enz: Von Gompelscheuer nach Besigheim (Enztalradweg)

Der Enztal-Radweg führt über rund 100 km von der Quelle der Enz im nördlichen Schwarzwald bei Enzklösterle bis zu ihrer Mündung in den Neckar in Walheim und folgt dabei den Spuren der berühmten Enztal-Flößer.

1. Etappe: Enzklösterle – Pforzheim (45 km)

2. Etappe: Pforzheim – Walheim (59 km)

Die Enz und die Flößerei

Die Geschichte der Enz ist eng mit der Flößerei verbunden: Im Jahre 1342 öffneten Markgraf Rudolf von Baden und Graf Ulrich von Württemberg die Flüsse Würm, Nagold, Enz und Neckar für die Flößerei; größere Bedeutung erlangte die Flößerei aber erst im 18. und 19. Jahrhundert. Das Gewerbe erreichte im Jahr 1800 seinen Höhepunkt, wurde danach aber mehr und mehr von der Eisenbahn verdrängt, so dass im Jahr 1911 das letzte Floß die Enz hinabfuhr. Die Langholzflöße konnten bis zu 280 Meter lang und vier Meter breit sein und wurden von bis zu 14 Flößern gesteuert – ein harter, anstrengender und mitunter auch sehr gefährlicher Beruf.

Enz

Die Enz ist der längste linke Nebenfluss des Neckars mit der größten Wasserführung von allen. Nach ihr ist der Enzkreis in Baden-Württemberg benannt.

Die Enz durchströmt zwei große Naturräume; in der oberen Hälfte ihres Laufs entwässert sie mit ihren Zuflüssen die Osthälfte des Nordschwarzwalds, anschließend durchfließt sie die südwestdeutsche Gäulandschaft, darin zumeist das Neckarbecken.

Die Enz hat einschließlich ihres Hauptquellbachs Poppelbach eine Fließlänge von etwa 105 Kilometern. Jedoch ist ungewöhnlicherweise ihr rechter Nebenfluss Nagold, der in Pforzheim bei ihrem Austritt aus dem Schwarzwald in sie mündet, länger, nämlich fast doppelt so lang wie ihr eigener Oberlauf bis dorthin; zudem führt die Nagold an der Mündung auch doppelt so viel Wasser. Mithin ist oberhalb von Pforzheim die Nagold hydrographisch der Hauptstrang des Flusssystems der Enz, das so gerechnet dann etwa 149 Kilometer lang ist und damit unter den Neckarzuflüssen das drittlängste, nach den Systemen von Kocher und Jagst.

Quellflüsse

Die Enz führt ihren Namen ohne Zusatz erst ab der Ortschaft Calmbach, wo Große Enz und Kleine Enz zusammenfließen. Die Große Enz hat zwei etwa 5 km lange Quellflüsse, Poppelbach und Kaltenbach, die sich in Gompelscheuer vereinen. Wie bei der Donauquelle in Donaueschingen wird dieser lediglich namentliche Beginn der (Großen) Enz durch den nahe gelegenen Enzbrunnen symbolisiert und dieser ähnlich irreführend touristisch vermarktet.

Hinsichtlich Wassermenge und Größe des Einzugsgebiets ist der aus Süden kommende Poppelbach der Hauptquellfluss, der aus Westen kommende Kaltenbach hat eine etwas größere Länge und höhere Quelllage. Der Poppelbach entspringt südlich, nur 1 km nördlich der Nagoldquelle auf 822 m (Gemarkung Besenfeld); der Kaltenbach nordwestlich, am Südhang des Schrambergs auf 907 m (Gemarkung Forbach im Murgtal).

Große Enz und Oberlauf im Schwarzwald

Ab dem Zusammenfluss von Poppelbach und Kaltenbach durchfließt die Große Enz zunächst ein enges Waldtal, das sich nach einer kleinen Gefällestufe in das wesentlich breitere Tal des von Westen einmündenden Rombachs (badische Schreibweise) oder Rohnbachs (württembergische Schreibweise) öffnet. Die Täler von Enz, Rombach/Rohnbach und weiterer westlicher Nebenbäche des Oberlaufs sind bis zur Talsohle hinab von Gletscherkaren aus den letzten Eiszeiten geprägt. Nach der Talweitung von Enzklösterle verengt sich das Enztal wieder bis zur Einmündung des nächsten von Gletschern geprägten Tales, des Kegeltals bei Sprollenhaus. Von der bisherigen Nordostrichtung nach Norden einschwenkend, durchfließt die Große Enz in einem steilhängigen Tal die größtenteils bewaldeten Buntsandsteinhochebenen des Nordschwarzwaldes. Ab dem bekannten altwürttembergischen Badeort Wildbad ist das Tal dicht besiedelt. Auf Calmbach, wo die Kleine Enz mündet, folgen Höfen an der Enz und Neuenbürg. Dort umschließt die Enz in einer großen Schleife einen Bergsporn mit Schloss Neuenbürg. Das Schwarzwaldtal der Enz hat, zusammen mit dem Tal der Großen Enz ab Gompelscheuer, eine Länge von rund 38 Kilometern und endet mit dem Eintritt in den Kraichgau bei Birkenfeld oberhalb von Pforzheim.

Enztal in Gäu und Neckarbecken

Nach dem Austritt aus dem Schwarzwald durchströmt die Enz bis zu ihrer Mündung in den Neckar Gäulandschaften der Muschelkalkplatten des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes. Naturräumlich wird das Enztal zwischen Birkenfeld und Enzberg zum nördlich sich fortsetzenden Kraichgau gerechnet, unterhalb davon zum sich zwischen Stuttgart und Heilbronn erstreckenden Neckarbecken.

In Pforzheim, der einzigen Großstadt an der Enz, fließen Enz (mittlerer Abfluss: 6,3 m³/s) und Nagold (11,7 m³/s) zusammen. Zwischen Lomersheim und Vaihingen mäandriert die nun breite Enz relativ stark, das Tal weist hier sehr steile Prallhänge auf. Zwischen Bietigheim und Besigheim liegen zwei verlassene Talschleifen, Hirschberg und Brachberg sind ihre Umlaufberge. Nordöstlich von Besigheim, auf dem Gemeindegebiet von Walheim, mündet die Enz in den Neckar.

Textquelle: Wikipedia

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Enztalradweg

Keine Infomaterialien vorhanden.

Enzklösterle: Historische Waldberufe

Enzklösterle: Historische Waldberufe

Die Mischwäder um Enzklösterle haben über Jahrhunderte den Menschen in den insgesamt sieben Seitentälern als Lebensgrundlage gedient. Der ca. 8 Kilometer lange Rundwanderweg verschafft Einblicke in die Welt der alten Waldberufe und informiert über die Flößerei, das Kienrußbrennen und das Wiedendrehen.

Die Tour wurde als digitale Schnitzeljagd konzipiert. Die Navigation der familienfreundlichen Tour erfolgt über die kostenfreie App „Actionbound“.

In der App werden neben der Wegbeschreibung in Form von Texten und Fotos viele, spannende Informationen bereitgehalten. In informativen Audiodateien lauscht man den Stimmen des Bürgermeisters und ehem. Forstamtsleiter von Enzklösterle.

Während der Wanderung können über das Smartphone Fragen beantwortet und Punkte gesammelt werden, am Schluss lässt sich durch die richtige Beantwortung der Fragen ein Rätsel lösen.

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Enzklösterle

Historische Waldberufe – keine Infomaterialien vorhanden!

Textquellen

App „Actionbound“

Enzklösterle: Jockeles Flößerweg

Enzklösterle: Jockeles Flößerweg

Die geschichtsträchtige Themenwanderung führt zu den landschaftlich schönsten Plätzen von Enzklösterle.

Auf Initiative von Bürgermeister a.D. Michael Faschon und mit Unterstützung der Leader-Aktionsgruppe, der Gemeinde Enzklösterle und der Forstverwaltung im Landkreis Calw wurde der Themen-Wanderweg „Auf Jockeles Spuren“ angelegt. Das Projekt beinhaltet neben dem beschilderten Wanderweg eine Schautafel im Kurpark von Enzklösterle sowie ein beeindruckendes Schau-Floß und ein interaktives Flussmodell, auf dem kleine Flöße zu Wasser gelassen werden können.

Entlang der rund 23 Kilometer langen Tour lassen sich viele historische Highlights von Enzklösterle entdecken:

– Schaufloß mit Infotafel im Kurpark

– Kulturdenkmal Rußhütte

– Grillplatz im Rohnbachtal mit Freilichtmuseum zum Thema „Alte Waldberufe“ (Wiedenofen)

– Kaltenbachsee (ehemaliger Flößersee)

– Poppelsee (ehemaliger Flößersee)

Infomaterialien

agsdi-file-pdf

Jockeles Flößerweg

Infoblatt „WOM“-Freizeittipp

Erdöl in Merkwiller-Pechelbronn

Erdöl in Merkwiller-Pechelbronn

Pechelbronn war der erste Ort in Europa, an dem Erdöl gewonnen wurde.

Die kommerzielle Nutzung erfolgte zwischen 1735 und 1964, in diesem Zeitraum wurden insgesamt 3,3 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Generationen von Technikern besuchten das Gebiet, um das Fördern und Raffinieren von Erdöl zu lernen. 1927 nahmen die Gebrüder Marcel und Conrad Schlumberger in Pechelbronn die erste elektrische Bohrlochvermessung vor.

Die noch heute aktive Erdpechquelle ist seit 1498 belegt und gab dem Ort den Namen: „Pech-Brunnen. Die Bewohner der Gegend gewannen geringe Mengen des Petroleums, indem sie Löcher in die Erde in der Nähe der natürlichen Quellen gruben und das Öl auf dem Wasser abschöpften. Das so gewonnene Erdöl wurde zunächst medizinisch bei Hauterkrankungen benutzt.

Im 17. und frühen 18. Jahrhundert wurden Versuche unternommen, das Petroleum kommerziell zu nutzen, die aber alle fehlschlugen. Erst die Untersuchungen von Jean-Théophile Hoeffel (1704–1781) ab 1734 erlaubten die Herstellung eines reinen Schmierstoffs, der dazu führte, dass man die Erzeugung industrialisierte hin zur Förderung des Teersands in Gruben und der Raffinierung des Petroleums.

Ab 1741 wurde die Produktion in Pechelbronn durch zwei Männer erweitert, die ihre Erfahrungen in den Asphaltminen im Val de Travers(Schweiz) gewonnen haben: Jean Damascène d’Eirinis und Louis-Pierre Auzillon de la Sablonnière.

Ab 1879 ersetzte Joseph Le Bel die Förderung von Teersand durch ein neues Verfahren, welches in Pennsylvania (Vereinigte Staaten) erprobt worden war: man bohrte die Ölschichten an und injizierte Wasser unter Druck, welches das Öl nach oben treibt. Mit geringerem Aufwand konnte man so größere Mengen von Öl gewinnen.

1899 entschloss sich die Familie Le Bel, ihr Unternehmen an die Pechelbronner Ölberbergwerke zu verkaufen, eine Gesellschaft reicher Elsässer Unternehmer. Innerhalb von 15 Jahren erhöhte die neue Firma die Förderung um 75 Prozent, 1924 gab es in der Umgebung von Pechelbronn 550 Pumpstationen, die über ein Leitungsnetz von 150 km mit der Raffinerie verbunden waren. 1911 wurden alle lokalen Produktionsgesellschaften in der Deutsche Erdöl Aktiengesellschaft (DEA) zusammengefasst.

In Pechelbronn wurde die weltweit erste großtechnische Erdölraffinerie errichtet. In den besten Zeiten waren hier 3.200 Menschen beschäftigt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Elsass-Lothringen wieder französisch, die DEA wurde enteignet und die Anlagen 1921 der neu gegründeten Pechelbronn SAEM (Bergbau Aktiengesellschaft Pechelbronn) übertragen. Für den Vertrieb wurde die Marke Antar gegründet.

Die Raffinerie wurde 1944 bombardiert und fast vollständig zerstört, nach dem Krieg aber wieder aufgebaut. Nach dem Ende der Ölförderung am 31.12.1964 wurde der Raffineriebetrieb noch bis 1970 fortgeführt. Die Gebäude und technischen Anlagen wurden in der Folgezeit rückgebaut. Das heute größtenteils brachliegende Gelände ist komplett eingezäunt und darf durch Unbefugte nicht betreten werden! Zutritt verboten. Accès interdit.

Textquelle: Wikipedia „Merkwiller-Pechelbronn“ (Januar 2025)

Die Erdpechquellen von Lampertsloch und Baechelbrunn

1745-1888: Ölförderung im Schachtbetrieb (1. Phase)

1845-1964: Ölförderung im Bohrbetrieb

1917-1954: Ölförderung im Schachtbetrieb (2. Phase)

Raffinerie Merkwiller

d‘Karichschmiermann

Les Mines d’Asphaltes, Bitumes et Lignites de Lobsann

Meilensteine

Gut zu wissen

Musée Français du Pétrole

Erdöl und Erdgas in Süddeutschland

Erdöl und Erdgas in Süddeutschland

Erdöl und Erdgas

Erdöl und Erdgas sind Kohlenwasserstoffgemische, die vorwiegend aus Aromaten, Paraffinen und Naphtenen bestehen. Darüber hinaus sind Schwefel, Stickstoff und Spurenelemente in diesen komplexen Gemischen vorhanden.

Erdöl und Erdgas sind in geologischen Zeiträumen folgendermaßen entstanden:

Im Wasser treibende tierische und pflanzliche Kleinstlebewesen (Plankton) sanken aus sauerstoffreichem Oberflächenwasser nach ihrem Absterben auf den Grund des Meeres- oder Seebeckens, wo sich wegen des Mangels an Sauerstoff mittels komplexer chemischer und biologischer Abbauprozesse Faulschlämme bilden konnten. Diese wurden mit anderen Sedimenten überlagert. Unter Zunahme von Druck und Temperatur setzte die Kohlenwasserstoffbildung im nun zum Gestein verfestigten Sediment ein (Erdölmuttergestein).

Leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe (KW) wandern, sobald sich Wegsamkeiten eröffnen, allmählich aus dem Muttergestein ab und können sich an besonderen strukturellen oder gesteinsbedingten Hindernissen, sog. Fallen, ansammeln. In diesen Fallenstrukturen kommt es zu einer allmählichen Trennung von Erdöl, Erdgas und Wasser.

In allen Lagerstätten findet man daher zuerst salziges Wasser, dann das „aufschwimmende“ Öl und darüber eine Gaskappe.

Es handelt sich jedoch nicht um große Hohlräume, in denen sich die KW ansammeln, sondern um poröse bis kavernöse Gesteine.

In tektonisch aktiven Arealen, wie dem Oberrheingraben und dem Alpenvorland, sind die Fallenstrukturen aufgrund des hohen Durchtrennungsgrades der Gesteinsschichten durch permeable tektonische Störungen klein; es existieren daher oftmals viele kleine Lagerstätten in unmittelbarer Nachbarschaft. Die aktive Tektonik und der relativ hohe Wärmezustrom aus dem Erdmantel führen zudem zu einem beschleunigtem Abbau und zur Abwanderung der Kohlenwasserstoffe.

Textquelle: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LGRB) Baden-Württemberg: Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2006, LGRB-Informationen 18.

Kerogen
Was ist Kerogen?

Als Kerogen wird derjenige Anteil an organischer Substanz in Sedimenten bezeichnet, der in nichtpolaren organischen Lösungsmitteln unlöslich ist.

Der lösliche Anteil organischer Substanz wird demgegenüber in der Geochemie als Bitumen bezeichnet (wobei dieser Begriff enger gefasst ist als der in den Ingenieurwissenschaften übliche Bitumenbegriff, der sich auch auf technische Produkte der Erdöldestillation erstreckt).

Es stellt ein Gemisch polymeren organischen Materials dar, aus dem bei zunehmender geologischer Versenkung und Aufheizung im Verlauf der geologischen Prozesse der Katagenese bzw. Metagenese Kohlenwasserstoffe (Erdöl, Erdgas) gebildet werden.

Es kommt in sedimentären Gesteinen sowohl in Form von fein verteilten organischen Mazeralen als auch amorphen Partikeln vor und ist bei weitem die häufigste Form von organisch gebundenem Kohlenstoff in der Erdkruste. Es ist unlöslich in organischen Lösungsmitteln, nicht-oxidierenden Säuren (HCl und HF) und Laugen.

Textquelle: Wikipedie „Keogen“, Abfrage im August 2024

Entstehung

Während der Diagenese wird aus unterschiedlichen organischen Ausgangsmaterialien wie Bakterien, Plankton und Pflanzen „Kerogen“ gebildet.

Durch fortlaufende Sedimentüberlagerung kommt es zum biochemischen und chemischen Abbau der abgestorbenen organischen Materie. Mit zunehmender Tiefe ist das Sediment einem Druck- und Temperaturanstieg ausgesetzt.

Hierdurch bilden die durch den Abbau erhaltenen Fragmente mittels Polymerisation und Polykondensation (Kondensation) unter Verlust ihrer funktionellen Gruppen immer größere Moleküle, die Huminsäuren und Fulvinsäuren, welche ihrerseits Huminstoffe bilden. Die Huminstoffe werden durch weitere Polykondensation in Geopolymere mit Molekularmassen von 10.000 bis 100.000 atomaren Masseneinheiten (amu) umgewandelt.

Diese Geopolymere werden aufgrund ihrer unterschiedlichen Löslichkeit in gängigen organischen Lösungsmitteln in zwei Klassen aufgeteilt:

  • Der lösliche Anteil wird als Bitumen
  • der unlösliche überwiegende Anteil als Kerogen
Diagenese bis Katagenese

Das während der Diagenese gebildete Kerogen unterliegt während der weiteren Diagenese, Katagenese und Metagenese ständiger Veränderung.

Im letzten Schritt der Diagenese werden weitere heteroatomare Bindungen und funktionelle Gruppen abgespalten, so dass es zu einer Freisetzung von Wasser, Kohlendioxid, Asphaltenen und Harzen kommt.

Während der Katagenese werden überwiegend Kohlenwasserstoffketten und cyclische Kohlenwasserstoffe aus dem Kerogen abgespalten. Dies ist die Hauptphase der Erdölbildung, der sich die Bildung von Erdgas anschliesst.

In der Metagenese findet eine Umlagerung der zurückgebliebenen aromatischen Kohlenwasserstoff-Schichten statt. Die bisher ungeordnet vorliegenden Schichten richten sich aus unter Bildung von Methan.

Zusammensetzung und Struktur

Kerogen besteht aus verschiedenen Komponenten in variabler Zusammensetzung. Einige Komponenten sind Macerale, bei anderen Komponenten handelt es sich um amorphe organische Materie.

Die generelle Struktur des Kerogens wird als dreidimensionales Makromolekül, bestehend aus aromatischen Kernen und Kohlenwasserstoffen, welche über heteroatomare Verbindungen oder aliphatische Ketten (aliphatisch) verbunden sind, beschrieben. Die vernetzenden Verbindungen enthalten eine Vielzahl unterschiedlicher funktioneller Gruppen wie Ketone, Ester, Ether, Sulfide oder Disulfide. Diese funktionellen Gruppen sind entweder direkt oder über aliphatische Kohlenwasserstoffketten mit den aromatischen Kernen verbunden.

Mit zunehmender thermischer Reife werden viele dieser funktionellen Gruppen und aliphatischen Kohlenwasserstoffketten abgespalten. Somit verringert sich die Anzahl der vernetzenden Verbindungen unter gleichzeitiger Verschiebung und Verdichtung der aromatischen Kerne.

Kerogen-Tpen

Kerogen wird aufgrund seiner durch unterschiedliche organische Ausgangsverbindungen bedingten Elementverteilung von Wasserstoff (H), Kohlenstoff (C) und Sauerstoff (O) in drei Typen unterteilt (Typ I bis Typ III). Wird zur Charakterisierung der Kerogen-Typen der Gehalt an organischem Kohlenstoff, bezogen auf seinen Masseanteil am gesamten Sediment (TOC, engl. total organic carbon) herangezogen, so unterscheidet man zusätzlich einen Typ IV.

Typ I-Kerogen (Liptinit-Typ): enthält überwiegend aliphatische Kohlenwasserstoffketten und einen geringen Anteil aromatischer Verbindungen. Es besitzt ein hohes H/C-Verhältnis und einen geringen Schwefelgehalt. Der Kohlenstoff-Anteil liegt bei über 600 mg/g gesamten organischen Kohlenstoffs. Die Ausgangssubstanzen sind überwiegend lakustrinen und marinen Ursprungs (Algen und Bakterien). Aufgrund des hohen Anteils aliphatischer Kohlenwasserstoffketten besitzt das Typ I-Kerogen ein sehr hohes Erdöl- und Erdgasbildungspotential.

Typ II-Kerogen (Exinit-Typ): enthält im Vergleich zum Typ I-Kerogen mehr aromatische und naphthenische Anteile und somit einen geringeres H/C-Verhältnis. Der Kohlenstoff-Anteil liegt bei 300-600 mg/g gesamten organischen Kohlenstoffs. Der Schwefelgehalt liegt über dem des Typ I-Kerogens. Die Ausgangssubstanzen sind marinen Ursprungs (Plankton und Algen), welche unter sauerstoffarmen Bedingungen abgebaut wurden. Das Typ II-Kerogen besitzt ein hohes Erdöl- und Erdgasbildungspotential.

Typ III-Kerogen (Vitrinit-Typ): enthält überwiegend kondensierte Polyaromaten mit einem geringeren Anteil an aliphatischen Ketten und sauerstoffhaltigen funktionellen Gruppen. Der Kohlenstoffanteil liegt in dem Bereich von 50-200 mg/g gesamten organischen Kohlenstoffs. Die Ausgangssubstanzen des Typ III-Kerogens sind überwiegend Landpflanzen. Im Vergleich zum Typ I- und Typ II-Kerogen besitzt es ein geringes Erdöl- und Erdgasbildungspotential.

Typ IV-Kerogen (Inertit-Typ): enthält überwiegend kondensierte Polyaromaten mit einem sehr geringen Anteil an aliphatischen Ketten (Inertit). Der Kohlenstoff-Anteil liegt unter 50 mg/g gesamten organischen Kohlenstoffs. Die Ausgangssubstanzen sind höhere Landpflanzen, welche stark oxidiert wurden. Da Typ IV-Kerogen kein Kohlenwasserstoffbildungspotential hat, wird es oft nicht als echtes Kerogen angesehen.

Erdölförderung in Deutschland

Die Nutzung von Erdöl hat in Deutschland eine lange Tradition. Schon 1546 wurden durch Agricola natürliche Ölaustritte („Teerkuhlen“) bei Braunschweig und Hänigsen beschrieben. Die Bohrtätigkeit auf Erdöl begann aber erst nach einem Ölfund im Jahre 1859 in Wietze mit der „Hunäus-Bohrung“, die in 36,5 m Tiefe anstelle des vermuteten Braunkohlevorkommens auf Öl stieß.

2023 wurden in Deutschland 1,6 Mio. t Erdöl einschließlich 7.702 t Kondensat gefördert. Die Erdölproduktion fiel damit um ca. 60.000 t (-3,7 %) im Vergleich zum Vorjahreswert von 1,7 Mio. t.

Im Ländervergleich liegen die bedeutendsten Erdölförderprovinzen Deutschlands in Norddeutschland. Die Ölfelder Schleswig-Holsteins und Niedersachsens produzierten im Berichtszeitraum zusammen 1,46 Mio. t Öl, was 89 % der deutschen Gesamtproduktion entspricht. In Schleswig-Holstein fiel die Produktion von Erdöl 2023 auf 893.000 t. Das sind 56.000 t (-5,9 %) weniger als 2022. Der Anteil an der deutschen Gesamtförderung beträgt damit 54,6 %. Im selben Zeitraum produzierten die Ölfelder Niedersachsens 569.000 t Öl. Dies sind 10.000 t (-1,7 %) weniger als im Vorjahr und entspricht einem Anteil an der Gesamtförderung von 34,8 %. In Rheinland-Pfalz hingegen stieg die Erdölproduktion gegenüber dem Vorjahr um 2.000 t auf 118.000 t. Der Anteil an der Gesamtförderung betrug damit bei 7,2 %.

Nach Fördergebieten aufgeschlüsselt wurden im vergangenen Jahr in den Erdölgebieten nördlich der Elbe 898.000 t gefördert, was einem Rückgang von 57.000 t oder 5,9 % entspricht. Westlich der Ems fiel die Produktion um 14.000 t (-3,9 %) auf 354.000 t. Im Oberrheintal hingegen wurden 119.000 t Erdöl gefördert. Das sind 2.000 t (1,6 %) mehr als im Vorjahr.

Die zehn förderstärksten Erdölfelder Deutschlands erbrachten zusammen 89 % der Gesamtölförderung im Jahr 2023. Die unterschiedlichen Fördermengen der einzelnen Felder sind dabei beachtlich. So lag die jährliche Produktion des förderstärksten Feldes Mittelplate/Dieksand um den Faktor sieben höher als die Fördermenge des zweitstärksten Feldes Emlichheim in Niedersachsen im Gebiet westlich der Ems. Auf Platz vier, hinter dem niedersächsischen Feld Rühle, folgt das Feld Römerberg im Oberrheintal. In 17 der insgesamt 45 fördernden inländischen Felder liegen die jährlichen Fördermengen über 10.000 t.

Seit 1987 wird von der Bohr- und Förderinsel Mittelplate und der Landstation Dieksand in Friedrichskoog Erdöl aus verschiedenen Sandsteinlagen des Juras gefördert. Mit 893.179 t Öl aus 28 Förderbohrungen produzierte das Feld 54,6 % der deutschen Erdölerträge. Das sind 56.286 t weniger als im Vorjahr, was 6,3 % der Produktion des Feldes entspricht. Die jährliche Fördermenge einer Mittelplate/Dieksandbohrung lag im Durchschnitt bei 31.899 t pro Bohrung.

Das Ölfeld Emlichheim produziert seit 1944 aus den Sandsteinen des Valangins und ist eines der ältesten noch in Förderung stehenden Ölfelder Deutschlands. Im Jahr 2023 wurden mit 126.120 t 1,9 % weniger Erdöl gefördert als 2022. 74 Bohrungen mit einer durchschnittlichen jährlichen Fördermenge von 1.704 t standen hier in Förderung.

Das Ölfeld Rühle produziert seit 1949 vorwiegend aus den Sandsteinen des Valangins in den Feldesteilen Rühlermoor und Rühlertwist. Im Berichtszeitraum 2023 wurde mit 120.957 t 1,5 % mehr Erdöl gefördert als 2022. 138 Bohrungen mit einer durchschnittlichen jährlichen Fördermenge von 877 t standen hier in Förderung.

Das Ölfeld Römerberg im Oberrheintal wurde im Jahr 2003 zufällig beim Abteufen einer Geothermiebohrung gefunden. Fünf Bohrungen förderten im letzten Jahr aus den Gesteinen der Trias 105.159 t Erdöl. Das sind 3,3 % mehr gegenüber dem Vorjahr und entspricht einer Förderleistung pro Bohrung von 52.579 t.

Die Produktion aller weiteren Ölfelder lag im Jahr 2023 unter 100.000 t Erdöl.

Textquelle: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG): Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2023, Geo Berichte 49.

Erdöl in Baden-Württemberg

Oberrheingraben

Die Kohlenwasserstoffexploration im Oberrheingraben (ORG) begann in den 1940er Jahren, fand aber im Wesentlichen in der Zeit zwischen 1950 und 1992 statt. Untersucht wurden die Sedimentgesteine des Mesozoikums und des Tertiärs. Erster Auslöser waren die oberflächennah auftretenden Bitumenvorkommen bei Pechelbronn (Elsass).

Die im Oberrheingraben weit verbreiteten, bituminösen „Schwarzschiefer“ der Pechelbronner Schichten (Alttertiär: Oligozän) stellen die wichtigsten Erdölmuttergesteine im ORG dar. Die derzeit produzierenden Erdöllagerstätten im ORG liegen in Rheinland-Pfalz und Hessen und befinden sich geologisch vornehmlich in Schichten des Eozäns und des Oligozäns. Bei Landau haben sich auch in Gesteinen des Muschelkalks und des Keupers Kohlenwasserstoffe in wirtschaftlicher Konzentration angereichert.

Es handelt sich bei den Kohlenwasserstoffvorkommen im ORG entweder um Fallen an tektonischen Störungen oder um Antiklinalstrukturen, also Aufsattelungen von undurchlässigen Schichten. Bei den tektonischen Fallen werden gut durchlässige, poröse Schichten an Störungen so versetzt, dass undurchlässige, meist tonige Schichten angrenzen und den weiteren Weg der KW versperren. Die Bohrungen im ORG wiesen zumeist jedoch ungünstige Speicherqualitäten in den Keuper-, Rhät- und Lias-Sandsteinen sowie im Dogger-Beta-Sandstein nach, und oft war die abdichtende Wirkung an den Störungen zu gering, so dass nur geringe Kohlenwasserstoffmengen verblieben sind. Insgesamt erwies sich die wirtschaftliche Größenordnung der untersuchten Strukturen im baden-württembergischen Anteil des ORG als nicht ausreichend, um mit den Bohrungen fortzufahren. Die hohe Durchlässigkeit der tektonisch stark beanspruchten Gesteine und die durch den hohen geothermischen Gradienten beschleunigte Fluidzirkulation im Graben und in den Randgebirgen führten nachweislich dazu, dass das Erdöl aus den Pechelbronner Schichten sogar (in winzigen Einschlüssen in Mineralen) in den Erzgängen in den Gneisen des Schauinslands bei mehr als 1.000 m NN zu finden ist. Auch in Bohrkernen im Muschelkalk der Vorbergzone und in Steinbrüchen in den vulkanischen Gesteinen des Kaiserstuhls wurden häufig kleine Mengen von Kohlenwasserstoffen gefunden, was belegt, dass große Mengen der einst vorhandenen Erdölmengen aus dem ORG bereits abgewandert sind.

Legendär sind die Erzählungen der Bergleute aus dem früheren Wieslocher Blei-Zinkerz-Bergbaugebiet, die beim Vortrieb bisweilen auf ölgefüllte Hohlräume im Muschelkalk des Grabenrandes gestoßen sind.

Erdöl / Erdgas-Erkundung im Raum Offenburg

Im Zeitraum 1950 – 1973 hielt die Gewerkschaft Elwerath eine Aufsuchungserlaubnis auf „Bitumen“, von 1975 bis 1992 explorierte die BEB Erdgas und Erdöl GmbH (Hannover) auf „Kohlenwasserstoffe nebst den bei ihrer Gewinnung anfallenden Gasen“. Bei Neuried wurden in den 1970er Jahren zahlreiche Bohrungen niedergebracht und an über 30 Löchern Pumpversuche durchgeführt. Häufig wurden heiße Wässer angetroffen, das Ölausbringen war gering. Als Beispiel sei die 1. 2. 3. Bohrung Offenburg 11 a angeführt, die in einer kleinen Fallenstruktur im östlichen Graben Öl mit einem Wasseranteil von 44 – 86 % antraf. Aus 1.160 m³ Nassöl wurden nur 140 t Reinöl gewonnen.

Selbstverständlich ist nicht auszuschließen, dass andere Fallenstrukturen günstigere Verhältnisse aufweisen. Seit 2003 wurden deshalb im Raum Offenburg mehrere Erlaubnisfelder auf Kohlenwasserstoffe, Sole und Erdwärme verliehen. Anfang August 2006 existierten vier Erlaubnisfelder, die auf alle o. g. Bodenschätze oder Kombinationen aus diesen verliehen wur- den (Felder Neuried, Goldscheuer, Ichenheim und Offenburg). Ende Mai 2006 begannen bei Dundenheim, westlich von Offenburg, umfangreiche geophysikalische Untersuchungen. Untersucht wird ein fast 60 km2 großes Areal zwischen Ichenheim und Goldscheuer. Ziel der Erkundung sind einerseits Fallenstrukturen, in denen sich Erdöl angesammelt haben kann, andererseits aber auch Thermalwässer, deren Energieinhalt für ein Geothermiekraftwerk genutzt werden kann. Die Auswertung der Ergebnisse wird sich bis März 2007 hinziehen. Mit ersten Tiefbohrungen bis ca. 1.500 m Tiefe ist ab Sommer 2007 zu rechnen. Für das Explorationsprojekt der Fa. Drilltec werden Kosten von fast 40 Mio. Euro veranschlagt (Stuttgarter Nachrichten vom 15. Mai 2006). Seitdem bei Bruchsal ein mehr als 26 Jahre verfolgtes Geothermieprojekt im Oberrheingraben zum Erfolg geführt hat (Stuttgarter Zeitung vom 26.07.06), ist mit weiteren Untersuchungen auf Energiequellen im Oberrheingraben zu rechnen.

Der Anreiz für die 2005 begonnene neue Explorationsphase bei Offenburg lag in drei Faktoren begründet:

1. Die stark gestiegenen Erdölpreise
2. die Nähe zum Verbraucher
3. und vor allem die Möglichkeit, die Erkundungs- und Erschließungsarbeiten für Erdöl/Erdgas und heiße Wässer (Geothermie) zu kombinieren.

Oberschwaben

Die Exploration begann hier in den 1950er Jahren. Die Erdöl- und Erdgasvorkommen im Alpenvorland befinden sich vornehmlich in der ungefalteten tertiärzeitlichen Molasse. Diese war auch in der ersten Phase das Hauptziel der Untersuchungen. Vor allem die über dem Mesozoikum liegenden porösen Bausteinschichten erwiesen sich als höffig. Spätere Bohrungen stießen in größere Tiefen vor und trafen auch in Keuper-Sandsteinen, Karbonatgesteinen des Juras und der Trias, vor allem im Trigonodusdolomit, Erdöl und Erdgas an.

Neue Explorationsarbeiten finden im baden-württembergischen Anteil des Molassebeckens noch keine statt, in Bayern werden seit einigen Jahren mittels 3D-Seismik, die eine deutlich höhere Auflösung als die alten Messverfahren erlaubt, aber neue Bohrziele gesucht (Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft 2002).

Im baden-württembergischen Teil des Molassebeckens wurden während der ersten Bohrkampagne der 1950er Jahre insbesondere Tertiär-Sandsteine in Tiefen zwischen 455 und 1.232 m erkundet (Szenkler & Werner 2000).

Der Schwerpunkt der Untersuchungen in den Jahren 1964 – 1985 lag in den Gesteinen des Mu- schelkalks mit Bohrtiefen um 2.000 m. Als Beispiel kann die Lagerstätte Fronhofen-Illmensee angeführt werden. Sie liegt im zentralen Teil des Bodensee- Permokarbon-Trogs bei Weingarten.

Die Lagerstätte Fronhofen-Illmensee hat seit Beginn der Förderung 1965 bis zu ihrer Einstel- lung 1996 / 1997 kumulativ rd. 0,6 Mio. t Erdöl und 1,8 Mrd. m3 Erdgas erbracht. Der Entölungsgrad betrug dabei nur ca. 8%, der Ausbeutegrad bei Gas lag dagegen bei über 90%.

Textquelle: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LGRB) Baden-Württemberg: Rohstoffbericht Baden-Württemberg 2006, LGRB-Informationen 18.

Erdöl in Bayern

In Südbayern wurden im Feld „Tegernsee“ seit Förderbeginn 1883 insgesamt ca. 58 Erdgas- und Erdöllagerstätten entdeckt. Von 1956 bis 2000 belief sich die gesamte Erdölgewinnung in Bayern auf ca. 6,9 Millionen Tonnen. Seit 1956 betrug die gesamte Erdgasgewinnung in Bayern 18,2 Milliarden Kubikmeter. Der Anteil Bayerns an der gesamten deutschen Förderung ist damit sehr gering (2,7% und 2,1%). Die bayerischen Lagerstätten befinden sich vorzugsweise in Schichten der ungefalteten Vorlandmolasse der Alpen, in Tiefen bis 4.500 m. Einige erschöpfte Lagerstätten werden inzwischen als Erdgasspeicher genutzt. Gegenwärtig sind noch drei Erdöllagerstätten sowie eine Erdgaslagerstätte in Förderung. Derzeit werden weitere Vorkommen erkundet.

Mitte der 1980er und Anfang der 1990er Jahre hat die Bohrtätigkeit deutscher Erdölgesellschaften zur Erkundung neuer Lagerstätten drastisch abgenommen. Allerdings explorieren nun ausländische Gesellschaften mit neuen geologischen Konzepten und modernster Technik (zum Beispiel 3D-Seismik) und neusten Auswertmethoden. Bei der 3D-Seismik handelt es sich um eine geophysikalische Untersuchungsmethode mit seismischen Wellen zur dreidimensionalen Erkundung des tieferen Untergrunds. Die Erwartungen werden gerechtfertigt durch die Erkundungserfolge, die außerhalb des süddeutschen Raumes bei vergleichbaren geologischen Bedingungen erzielt wurden.

Viel wichtiger für die Energieversorgung Bayerns ist allerdings der Bereich der Untertage-Gasspeicherung. Dies liegt daran, dass Erdgas ein expandierender Energieträger ist und die Speicherräume eine grundlegende Voraussetzung für eine funktionierende Gasversorgung bei starken saisonalen Schwankungen ist. Derzeit sind in Bayern sechs Porengasspeicher in Betrieb. Etwa 20 ehemalige Lagerstätten werden von Bewilligungsfeldinhabern auf Eignung untersucht. Dies könnte die bisher genutzte Arbeitsmenge von 3,5 Mrd. Kubikmeter (15%) verdoppeln. Eine Gasspeicherung in Aquiferen (ursprünglich mit Wasser befüllte Speichergesteine wie Sandstein) ist wesentlich aufwändiger und wird derzeit nur in Eschenfelden bei Nürnberg betrieben.

Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern), Abfrage August 2024

Untergrundspeicher für Erdgas

Grundzüge der Untertage-Erdgasspeicherung

Die klassische Aufgabe von Untertage-Erdgasspeichern ist der Ausgleich tages- und jahres-zeitlicher Verbrauchsspitzen. Eine Veränderung der Förderraten von Bohrungen in heimischen Erdgasfeldern ist aufgrund fördertechnischer Gründe sowie der Kapazitätsbandbreite ihrer Aufbereitungsanlagen nur im begrenzten Um-fang möglich. Die Importmengen für Erdgas hingegen sind vertraglich festgeschrieben und da-mit prognostizierbar, aber nicht ohne weiteres kurzfristig veränderbar. Die für eine sichere Gasversorgung entscheidende und nicht prognostizierbare Größe stellen jahreszeitliche (temperaturabhängige) sowie tageszeitliche Verbrauchsschwankungen dar. Um einen konstanten Gasfluss zwischen Erdgasversorger und Erdgasverbrauchern zu garantieren, kommt den Gasspeichern eine klassische Pufferfunktion zu. Weiterhin hat sich ihre strategische Bedeutung in Krisenzeiten gerade in den letzten Jahren deutlich gezeigt. Die Vermarktung von Speicherkapazitäten und die Bezugsoptimierung unter Ausnutzung schwankender Gaspreise hat für die Unternehmen oberste Priorität. Der klassische Speicherzyklus – Einspeisung im Sommer, Ausspeisung im Winter – verliert dadurch an Bedeutung.

Als Speichertypen existieren Porenspeicher (ehemalige Erdöl-/Erdgaslagerstätten oder Salzwasser-Aquifere) und Salzkavernenspeicher. Porenspeicher dienen grundsätzlich zur saisonalen Grundlastabdeckung. Sie reagieren durch die natürlichen Fließwege im kapillaren Porenraum der Speichergesteine in der Regel langsamer auf Veränderungen von Förderraten als Kavernenspeicher. Letztere sind in ihrer Ein- und Ausspeicherrate leistungsfähiger und daher besonders für tageszeitliche Spitzenlastabdeckungen geeignet. Aber auch einige Porenspeicher in natürlich geklüfteten Speichergesteinen erreichen ähnlich hohe Förderraten wie Kavernenspeicher.

Bei Porenspeichern bieten ehemalige Lagerstätten im Allgemeinen eine gute Datengrundlage für die geologisch-lagerstättentechnischen Verhältnisse des tieferen Untergrundes, wie z. B. die Dichtheit der geologischen Barriere-Horizonte und damit die Leistungsfähigkeit eines Speichers. Das gilt besonders für das aus der Förderphase ableitbare Druck-Volumen-Verhalten bei einer Speichernutzung. Porenspeicher in Aquiferen hingegen müssen gänzlich neu exploriert werden, um die Größe des Aquifer-Porenvolumens, die Verbreitung des Speicherhorizontes und seiner Deckschichten, das Druck-Volumen-Verhalten im späteren Betrieb sowie die dichtenden Eigenschaften von Störungsbahnen zu bestimmen. Erst nach Durchführung einer 3D-Seismik und dem Abteufen von Explorationsbohrungen können Ergebnisse hinsichtlich des Strukturbaus, des Speichervolumens und des maximalen Druckes abgeleitet werden. Aquiferspeicher sind aus diesem Grund hinsichtlich Vorlaufzeit, Explorationsaufwand und bergbaulichem Risiko (Dichtheit) grundsätzlich die anspruchsvollsten Speichertypen. Die oberste Prämisse bei allen Speichern ist die bergbauliche Sicherheit, d. h. der  sichere Betrieb unter allen Betriebsbedingungen und die Kenntnis der Gasverbreitung im dreidimensionalen Raum über die Zeit.

Seit 2013 sind in Deutschland keine neuen Planungen für Porenspeicher von den Betreiberfirmen mehr gemeldet worden.

Kavernenspeicher können nach Abteufen einer Bohrung dort eingerichtet (gesolt) werden, wo mächtige Salinare (Salzstöcke) vorkommen und gleichzeitig eine umweltverträgliche Ableitung oder Nutzung der Sole möglich ist. Die Lage von Kavernenspeichern ist somit aus geologischen Gründen vorwiegend auf den Norden Deutschlands beschränkt. Der südlichste Kavernenspeicher liegt im Raum Fulda.

Das Gesamtvolumen eines Speichers ist die Summe aus seinem Arbeitsgas- und Kissengasvolumen. Das Arbeitsgasvolumen ist das tatsächlich nutzbare Speichervolumen, das ein- oder ausgelagert wird. Als Kissengas bezeichnet man die im Speicher verbleibende Restgasmenge, die einen Mindestdruck für eine Gasentnahme aufrechterhalten soll. Ein hoher Kissengasanteil ermöglicht eine längere (konstante) Entnahmerate. Je höher der prozentuale Anteil des Arbeitsgasvolumens am nationalen Erdgasverbrauch ist und je schneller das Arbeitsgas ein- und ausgespeichert werden kann, umso leistungsfähiger ist die Erdgasspeicherung und damit die nationale Energieversorgung.

 

Textquelle: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG): Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2023, Geo Berichte 49.

Erdgasspeicherung in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg werden zwei Untergrundspeicher für Erdgas betrieben:

Erdgasspeicher in Baden-Württemberg

NameLandkreisTypTiefe (unter Gelände)FormationGesamtvolumen (Millionen m³)
Sandhausen
(seit 1991)
Rhein-Neckar-KreisPorenspeicher in Aquiferen600 mTertiär30
Frohnhofen-Illmensee
(seit 1997)
RavensburgPorenspeicher in ehem. Erdöllagerstätte1.300 mTrigonodus-Dolomit / Ob. Muschelkalk153
Datenquelle: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG): Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2023, Geo Berichte 49.

Erdgasspeicherung in Bayern

In Bayern wurden bisher sechs Untergrundspeicher für Erdgas (Gasspeicher) errichtet:

Erdgasspeicher in Bayern

NameLandkreis(e)TypTiefe (unter Gelände)FormationGesamtvolumen (Millionen m³)
Bierwang
(seit 1975)
Mühldorf am Inn; RosenheimPorenspeicher in ehem. Erdgaslagerstätte1.560 mTertiär (Chatt)3.140
Breitbrunn-Eggstätt
(seit 1996)
Traunstein; RosenheimPorenspeicher in ehem. Erdgaslagerstätte1.900 mTertiär (Chatt)2.075
Inzenham-West
(seit 1982)
RosenheimPorenspeicher in ehem. Erdgaslagerstätte880 mTertiär (Aquitan)880
Wolfersberg
(seit 1973)
RosenheimPorenspeicher in ehem. Erdgaslagerstätte2.930 mThanet
(Litho.-Kalk)
583
Schmidhausen
(seit 1983)
EbersbergPorenspeicher in ehem. Erdgaslagerstätte1.000 mTertiär (Aquitan)310
Eschenfelden
(1967 bis 2021)
Amberg-SulzbachPorenspeicher in Aquiferen600 mKeuper, Muschelkalk168
Datenquelle: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG): Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2023, Geo Berichte 49.

Breitbrunn/Eggstätt, Inzenham-West und Wolfersberg

Die Anlagen Breitbrunn/Eggstätt, Inzenham-West und Wolfersberg werden, seit dem Verkauf durch die DEA Deutsche Erdoel AG (DEA) inzwischen durch die Fa. NAFTA Speicher GmbH & Co. KG betreiben. In allen drei Lagerstätten wird hochkalorisches Erdgas oder „H-Gas“ gespeichert.

Nach oben sind die Porenspeicher durch mächtige Deckschichten aus vorwiegend Ton und Salz abgedichtet. Unterhalb der gasdurchlässigen Gesteinsschicht begrenzt ein wasserführender Bereich das Reservoir. Durch horizontale und vertikale Abdichtung der ehemaligen Lagerstätten hat die Natur wichtige Voraussetzungen für deren heutige Nutzung als Speicher geschaffen – schließlich war hier Erdgas über Jahrmillionen eingeschlossen.

Textquelle: Webseite „Nafta Speicher“

Erdölförderung im Hessischen Ried

Erdölförderung im 20. Jahrhundert

Nach einer Reihe von ersten Bohrversuchen der Gewerkschaft Elwerathbereits in den 1930er Jahren erschließt das Unternehmen im November 1952 mit der Bohrung Stockstadt 1 das gleichnamige Ölfeld, das sich im Gebiet zwischen den Gemeinden Stockstadt, Gernsheim und Crumstadt erstreckt.

Die Lagerstätte in Teufen von 1.530 m bis 1.720 m gliedert sich in ein Oberes und ein Unteres Lager. Beide Lager setzen sich aus mehreren erdölführenden Schichten der geologischen Formation „Pechelbronner Schichten“ zusammen.

In den Jahren nach 1952 werden insgesamt 47 Bohrungen zur vollständigen Erschließung des Vorkommens abgeteuft. Eine dieser Bohrungen war die Bohrung Stockstadt 38 auf dem Kühlkopf, die bis heute als Industriedenkmal erhalten wurde.

Seit Aufnahme der Förderung am 30.11.1952 bis zu ihrer Einstellung am 26.04.1994 wurden aus dem Erdölfeld Stockstadt aus insgesamt 33 Bohrungen in Summe  1.041.900 t Erdöl gefördert.

Textquelle: Infotafel an der Erdölfördertelle Stockstadt 38.

Industriedenkmal Stockstadt 38 (Juli 2025).

Stockstadt 1952

Bei Stockstadt am Rhein (Landkreis Groß-Gerau) wird bei Bohrarbeiten 30.11.1952 ein großes Erdölvorkommen angetroffen. Nachdem die Bohrung bis auf eine Tiefe von 1.629 Meter abgeteuft wurde, strömt ununterbrochen Erdöl aus dem Bohrloch. Bereits in  einer Tiefe von 1.552 Metern war man erstmalig auf ölhaltiges Gestein gestossen.

Erste Erkenntnisse aus den seismologischen Messungen geben zunächst Anlass zu der Vermutung, dass sich die ölgesättigte Schicht bei einer Mächtigkeit von zwölf Meter auf ein Gebiet von ca. 32 Quadratkilometer ausdehnt und sich von der Fundstelle bis zum Rhein hin erstreckt. Die weitere Exploration ergibt allerdings, daß sich die öltragende Schicht nur auf die Gemarkungen Stockstadt, Biebesheim, Crumstadt und Gemsheim beschränkt. Sie verläuft in 1.500 bis 1.700 Metern Tiefe in südwestlicher Richtung. Schwierigkeiten bereitet die Frage des Abtransports des geförderten Rohöls.

Bereits wenige Tage nach dem erfolgreichen Abteufen verkündet die Bundesbahn die Absicht, am Bahnhof Stockstadt ein Auslegergleis zu bauen, auf dem die Tankwagen der Gewerkschaft Elwerath* abgestellt werden können. Bereits am 6.Dezember 1952 werden die ersten 4.000 Liter Erdöl in Stockstadt zum Bahnhof gebracht.

1953 werden (Dezember 1952 eingeschlossen) im Hessischen Ried 25.000 Tonnen Erdöl gefördert, 1954 sind es bereits 46.000 Tonnen.

Im Hessischen Ried, dem in Hessen gelegenen nordöstlichen Abschnitt der Oberrheinischen Tiefebene, wurden in einem Gebiet zwischen Stockstadt, Gernsheim und Crumstadt bereits in den 1930er Jahren Erdölvorkommen entdeckt.

Am 3. August 1951 war bei Wolfskehlen ein Gasvorkommen erbohrt worden, das sich beim Zurückziehen des Bohrgestänges schlagartig entzündete und eine gut 60 Meter hohe und über eine Entfernung von 40 Kilometer sichtbare Feuersäule verursachte.

* Die 1866 gegründete (bergrechtliche) Gewerkschaft Elwerath ist eine Kapitalgesellschaft, die ursprünglich mit dem Eisenerzabbau befasst war und sich seit 1920 aktiv im Erdölgeschäft betätigt. Anteilseigner der Gewerkschaft Elwerath sind (1952) die Wintershall AG (34 %), die Deutsche Shell AG (11,5 %) und die Esso AG (11,5 %) sowie die Familiengruppe Seifer (23 %). Im April 1969 wird die Gewerkschaft Elwerath gemeinsam mit der Gewerkschaft Brigitta unter dem Dach der BEB Gewerkschaften Brigitta und Elwerath Betriebsführungsgesellschaft mbH zusammengeführt, an der die Deutsche Shell AG und Esso AG zu jeweils 50 % beteiligt sind.

Im Feld Stockstadt wurde in den Jahren 1952 bis 1994 insgesamt 1.041.900 t Erdöl gefördert.

Textquelle: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Übersichtskarte der ersten Such- und Förderbohrungen im Erdölfeld Stockstadt  (Ausschnitt der Infotafel an der Bohrung Stockstadt 38).

Erdölförderung im 21. Jahrhundert

Durch moderne Explorationsmethoden wie 3-D-Seismik können inzwischen bislang unentdeckte Fallenstrukturen entdeckt werden und auch die Wirtschaftlichkeit kleiner Lagerstätten ist mit der Verteuerung der Energiepreise gestiegen. Dadurch wurde in den 2000er Jahren ein erneutes Interesse an der Erschließung von Kohlenwasserstofflagerstätten auch in Hessen geweckt.

Dabei geht es in erster Linie um eine Prüfung, ob aufgelassene Öl- und Gasfelder, wie z.B. das Feld Stockstadt, wieder erschlossen werden können. Es sollen geologisch bekannte, aber in der Vergangenheit nicht genutzte oder nicht vollständig ausgeförderte Vorkommen in den bisher bekannten Speicherhorizonten mit modernen Arbeitsmethoden und neuen Explorationsmöglichkeiten genauer untersucht und auch neue Mutter- und Speichergesteine erkundet werden. Bei der beabsichtigten Erschließung geht es ausschließlich um konventionelle Lagerstätten in durchlässigen Speichergesteinen, die ohne künstliche Erhöhung der Durchlässigkeit (Fracking) gefördert werden können.

3-D seismische Erkundung im Ried

Im Zeitraum von Oktober 2011 bis März 2012 führte die Rhein Petroleum GmbH in einem mehr als 240 km² großen Gebiet zwischen Wolfskehlen, Riedstadt, Gernsheim, Biblis, Bürstadt und Worms im Nordteil des Erlaubnisfeldes eine umfangreiche 3-D seismische Erkundung durch. Dabei wurde u.a. eine dreidimensionalen Karte der geologischen Untergrundstrukturen mit potentiell erdölführenden Schichten erstellt. Ölführung und Ergiebigkeit ausgewählter Zielgebiete sollten im Rahmen der folgenden Suchbohrungen verifiziert bzw. geprüft werden.

Wiedererschließung des Erdölfeldes Stockstadt (Rhein Petroleum GmbH)

Ende August 2013 wurden die Bohrarbeiten zur Wiedererschließung auf dem südlich von Riedstadt-Crumstadt liegenden Bohrplatz mit der Bohrung „Stockstadt 2001“ begonnen. Die Bohrung wurde bis ca. 550 m saiger gebohrt und dann leicht in westliche Richtung abgelenkt, um so das eigentliche Zielgebiet der Suchbohrung in den „Pechelbronner Schichten“ zu erreichen. Noch vor der Durchführung einer Ergiebigkeitsprüfung wurde lediglich 7,5 m daneben eine zweite Suchbohrung  „Allmend 1“ abgeteuft.

Ende Dezember 2013 wurde die mobile Bohranlage demontiert.

Im März 2014 beginnen die Vorarbeiten für eine Ergiebigkeitsprüfung mit dem Aufbau einer ca. 25 m hohen Windenanlage zum Einbau der Fürderpumpe und der 11 cm dicken Verrohrung des Förderstranges.

Nach Abschluss der ersten Tests ruhen im September 2014 die Arbeiten an den beiden Bohrstellen unter dem Vorbehalt weiterer Arbeiten. Beide Bohrungen werden dafür „eingeschlossen“ (gesichert). Die Rhein Petroleum GmbH setzt die Auswertung der bis dato gewonnenen Daten fort.

Schwarzbach 1

Die Rhein Petroleum AG beginnt nach längerer Planungsphase am 31.01.2015 mit dem Abteufen der Suchbohrung „Schwarzbach 1“ in Riedstadt-Goddelau. Die Bohrung wurde bis 350 m saiger abgeteuft und dann in westliche Richtung abgelenkt, um das geplante Zielgebiet zu erreichen. Ende März 2015 wurde die Bohrung fündig.

„Wir sind exakt an der Stelle fündig geworden, die wir aufgrund unserer Seismik-Kampagne als vielversprechend definiert hatten“, betonte Dr. Michael Suana, Geschäftsführer der Rhein Petroleum GmbH.

Das Ölfeld befindet sich in einer Tiefe von ca. 1.700 Metern in den porösen Sandsteinen der Meletta- und Pechelbronner Schichten. Aus diesen Schichten wurden im benachbarten Stockstadt am Rhein bereits von 1952 bis 1994 über acht Millionen Barrel Öl gefördert.

Am 11. März 2016 hat die Anlage „Schwarzbach“ die Testförderung aufgenommen. Nach mehr als 20 Jahren wurde erstmalig wieder heimisches Erdöl aus dem hessischen Ried gefördert. Im Anschluss wurde 12 Monate getestet, wie viel Erdöl sich im Untergrund befindet, und ob sich eine Förderung wirtschaftlich lohnt.

Aufgrund positiver Ergebnisse hat Rhein Petroleum anschließend die bergrechtliche Bewilligung und einen Betriebsplan zur Dauerförderung beim Regierungspräsidium Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt Wiesbaden beantragt. Die Genehmigung zur Förderung von Erdöl wurde zum 1. Januar 2018 für 27 Jahre erteilt.

Textquelle: Webseite „Rhein Petroleum GmbH“

Schwarzbach 2

Neben der bestehenden Förderanlage der Rhein Petroleum GmbH wurden im Juni 2023 Probebohrungen auf weitere Erdölvorkommen durchgeführt (Schwarzbach 2).

Die Rhein Petroleum GmbH teilte Mitte August 2023 mit, dass derzeit vieles „auf ein interessantes Vorkommen“ hindeute. Sowohl hinsichtlich der Menge als auch der Qualität läge es über den Erwartungen. Die erdölführenden Schichten (Sandsteine der Meletta- und Pechelbronner-Schichten) wurden in einer geringeren Tiefe (1.700 m) angetroffen, als prognostiziert und sind mächtiger, als vor der Bohrung angenommen.

Ende August 2023 startet Rhein Petroleum GmbH eine umfassende Testphase, die weitere Erkenntnisse über die ölführenden Lagerstätten bringen wird. Hierzu werden in die Bohrung ein dünner Förderstrang und eine Pumpe eingebaut, unmittelbar danach wird die Bohranlage mit dem rund 35 Meter hohem Turm abgebaut. Für eine wirtschaftliche Förderung des Erdöls aus der Bohrung „Schwarzbach 2“ kann die bestehende Produktionsanlage von Rhein Petroleum in unmittelbarer Nachbarschaft genutzt werden.

Seit 2018 fördert Rhein Petroleum GmbH aus der Bohrung „Schwarzbach 1“ dauerhaft Erdöl und bereitet es in der Anlage auf. Von dort wird der Rohstoff aus dem Hessischen Ried mit Lkws in die nahe gelegene Raffinerie nach Karlsruhe transportiert.

Textquelle: Webseite „Rhein Petroleum GmbH“ (Pressemitteilung vom 21.08.2023)

Update Juli 2025

Seit 2018 förderte Rhein Petroleum GmbH aus den beiden Bohrungen „Schwarzbach 1“ und „Schwarzbach 2“ ca. 65 Barrel pro Tag, umgerechnet gut 10.000 Liter Öl und beschäftigte zuletzt acht Mitarbeiter.

Nach der Insolvenz der Rhein Petroleum GmbH (Juli 2024) hat die Lime Ressources Germany den Betrieb des Förderplatzes übernommen.

Hofheim-Wattenheim

Im Feld Hofheim-Wattenheim zwischen 1954 und 1976 insgesamt 38.500 t  gefördert.

Textquelle: HLNUG

Eich-Königsgarten

Im Feld Eich-Königsgarten wurden 1959 bis 1964 sowie 1983 bis 1994 insgesamt 677.700 t Erdöl gefördert.

Textquelle: HLNUG

Zeitlicher Überblick (1952 bis 1994)

1952

Im November 1952 wird die Erdölsuchbohrung Stockstadt 1 fündig.

1953/1954

Es werden 11 weitere Bohrungen abgeteuft.

1955

Das erste Betriebsgebäude in Gernsheim wird fertiggestellt. Die Schiffsbeladungsstelle am Rhein wird in betrieb genommen. Das Öl wird per Schiff oder Bahn zur Raffinerie Misburg bei Hannover transportiert.

1956

Der Betrieb Stockstadt erreicht mit 524 Personen den historisch höchsten Mitarbeiterstand.

1959

Entdeckung des Teilfeldes „Kühlkopf“ in einer Altrheinschlinge nördlich von Stockstadt.

1964/1965

Die historisch höchste jährliche Ölfördermenge wird mit jeweils 64.000 t erreicht.

1966-1970

Zur Aufrechterhaltung der Förderung muss zunehmend Lagerstättenwasser in die Lagerstätte zurückgeführt (injiziert) werden. Die Ölförderung geht auf 21.000 t zurück.

1968

Im Zusammenhang mit Aktivitäten im Erdgasbereich erfolgt der Umzug des Betriebes nach Crumstadt. Die Zahl der Mitarbeiter ist inzwischen auf 53 gesunken.

1969

Die bergrechtliche Gewerkschaft Elwerath schließt sich mit der Gewerkschaft Brigitta zur BEB Erdgas und Erdöl GmbH zusammen.

1983

Die Wiederaufnahme der Explorationsaktivitäten im Rheintal, ermöglicht durch die Erlössteigerung, führt in der Region Stockstadt zur Entdeckung des linksrheinischen Teilfeldes Eich.

1986

Nach Beendigung der Aktivitäten im Erdgasbereich wird ein neues Betriebsgebäude in Gernsheim bezogen.

1987

Die Schiffsbeladung wird stillgelegt. Das Öl wird fortan mit Straßentankwagen abgefahren.

1990

Die Jahresproduktion beträgt nur noch 5.500 t. Sieben Fördersonden sind noch aktiv.

1994

Aus der Bohrung Stockstadt 38 auf dem Kühlkopf wird am 24. Juni die letzte Tonne Erdöl gefördert.

Textquelle: Infotafel an der Erdölfördertelle Stockstadt 38

Zeitlicher Überblick (ab 2013)

2013

Wiedererschließung des südlich von Riedstadt-Crumstadt liegenden Bohrplatzes durch die Rhein Petroleum AG mit der Bohrung „Stockstadt 2001“. Noch vor der Durchführung einer Ergiebigkeitsprüfung wurde lediglich 7,5 m daneben eine zweite Suchbohrung  „Allmend 1“ abgeteuft.

2014

Nach Abschluss der Ergiebigkeitsprüfungen werden im September beide Bohrungen eingeschlossen (gesichert).

2015

Die Rheinpetroleum AG teuft die Suchbohrung „Schwarzbach 1“ ab.

2016

Die Rheinpetroleum AG nimmt am 11. März den Betrieb der Testförderung in der Bohrung „Schwarzbach 1“ auf.

2023

Die Rheinpetroleum AG beginnt im Juni mit einer weiteren Suchbohrung („Schwarzbach 1“).

2024

Nach der Insolvenz der Rhein Petroleum GmbH (Juli 2024) hat die Lime Ressources Germany den Betrieb des Förderplatzes „Schwarzenbach 1“ übernommen.

Erdölförderung in Forst und Weiher (Baden)

Bohrmänner einer Schicht am Bohrturm Nr. 17, der hinter dem heutigen Tennis-Zentrum in Weiher stand. Die Männer stammen u.a. aus Weiher (Adolf Flick und Karl Heiler, 2. u. 5. von links), Zeutern (Oskar Hoffmann, 3. von links) und Forst. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt das Innere des Maschinenhauses im Bohrturm mit seinem 250 PS Gasöl-Deutz-Motor. Dieser treibt das zentnerschwere Bohrgestänge, die Drahtseilwinde und die Hochdruckpresse an. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt Ölarbeiter bei der Arbeit mit einem Bohrgestänge. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt Ölarbeiter beim Einbringen des Bohrgestänges. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt Ölfördertürme bei Forst mit Wohnbaracke und einem Material- und Ersatzteilschuppen. (Repro: Karl Simon)

Die Abbildung zeigt die Ölverladestation. Bald nach Beginn der Erdölförderung bei Weiher und Forst konnte im Jahr 1936 der 100. Waggon abtransportiert werden. Ein Waggon fasste bis zu 20.000 Liter Erdöl. (Repro: Karl Simon)

Textquellen

Erdölförderung in Landau (Pfalz)

In der Pfalz wurde man erstmals in Frankweiler auf Erdöl aufmerksam. Hier trat in einigen Kellern des Ortes das Erdöl natürlich zu Tage. 1896 führte man dort vier Suchbohrungen bis 200 Meter Tiefe durch. Die Bohrungen wurden aber nicht fündig.

Erdölförderung von 1955 bis 2021 (Betriebsführung durch Wintershall)

1955: In der Bohrung „Landau 2“ (La 2) wird das Erdölfeld Landau entdeckt. Im gleichen Jahr wird bereits die Förderung aufgenommen. Die Bohrtätigkeiten konzentrierten sich zunächst auf ein Gebiet um Dammheim und Queichheim.

Um das Erdöl zu fördern wird ein Konsortium aus drei eigenständigen Ölgesellschaften gebildet

    Wintershall GmbH, Kassel (Betriebsführerin, seit 1969 zu BASF), 50 %

    Mobil Erdgas-Erdöl GmbH, Hamburg (zu Exxon Mobil), 25%

    Itag Tiefbohr GmbH, Celle (zu Arabian International Petroleum Corporation, Doha/Katar), 25%

    1959 bis 1962: Mit verbesserten geophysikalischen Messverfahren wird die Prospektion auf die Teilfelder Nußdorf, Knörringen und Walsheim ausgedehnt. Dort stieß man in Mergel- und Sandsteinschichten auf Öl, aus denen bis heute produziert wird.

    Bis August 1963 wurden im Erdölfeld Landau insgesamt 725.456 t Erdöl gefördert. Bis dahin wurden 135 Suchbohrungen mit einer Gesamtbohrlänge 184.564 m  abgeteuft, davon waren 99 Bohrungen fündig.

    2011 werden mit der Bohrung „Landau 2a“ weitere Reserven erschlossen.

    Bis Ende 2015 wurden in Landau kumulativ 4,5 Mio. Tonnen Erdöl gefördert. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 65 Bohrungen produktiv, die jährliche Produktion betrug ca. 20.000 t.

    2016 fördert das Konsortium mit gut 30 Mitarbeitern und 65 Nickpumpen im Jahr 18.000 Tonnen oder 130.000 Barrel.

    Zum Vergleich: Ende der 1980er Jahre betrug die jährliche Erdölförderung in Deutschland knapp 4 Mio. Tonnen, im Jahr 2022 nur noch 1,7 Mio. Tonnen. Dabei werden in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ca. 90 % des heimischen Erdöls gefördert. Der jährliche Erdölbedarf in Deutschland liegt bei ca. 100 Mio. Tonnen (Stand: 2024).

    Erdölvorkommen

    Etwa 95% der Produktion stammen aus den tertiären Schichten: Bunte Niederröderner Schichten, Cyrenenmergel, Meletta-Schichten, Meeressand und Alttertiär-Basissand.

    Die Pumpen fördern aus Tiefen zwischen 500 m und 1.800 m ein Gemisch aus 90% Wasser und 10% Erdöl.

    Weiterverarbeitung

    Über ein unterirdisches Rohrnetz wird das Wasser-Erdöl-Gemisch zur Weiterverarbeitung zum Betriebsplatz in der Fichtenstraße, im Nordosten von Landau gepumpt, wo das enthaltene Wasser extrahiert wird.

    Auf der Straße wird das wasserfreie Erdöl in Tankfahrzeugen zur Verarbeitung zur Raffinerie nach Karlsruhe transportiert (Mineralölraffinerie Oberrhein, MiRO), der größten Erdölraffinerie in Deutschland. Das Erdölbegleitgas wird betriebsintern genutzt.

    Rückführung Lagerstättenwasser

    Das auf dem Betriebsplatz extrahierte Lagerstättenwasser wird über ca. 16 bis 20 Reinjektionsbrunnen wieder in die Speichergesteine rückgeführt, damit der Lagerstättendruck nicht zu stark absinkt und der Zufluss zu den Ölpumpen erhalten bleibt.

    Erdölförderung ab 2021 (Betriebsführung durch Oneo)

    Im Februar 2021 verkaufte Wintershall Dea die Konzession zur Erdölproduktion samt aller Betriebsanlagen an die RDG GmbH & Co. KG, die 2016 als Ausgliederung der traditionsreichen österreichischen Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG, heute RAG Austria AG) und der Beteiligungsgesellschaft Petroleum Equity Group (PEG) gegründet wurde.

    Die RDG richtete sich im September 2021 neu aus und firmierst sich zur Oneo GmbH um.

    Oneo ist ein eigenständiges Energieunternehmen unter dem Dach des auf die Energiewende spezialisierten Investors Shorelight Partners (Shorelight) mit Sitz in Wien und Hannover, das innovative Konzepte für eine nachhaltige Energieerzeugung auf Basis der vorhandenen Infrastruktur der Öl- und Gasproduktion entwickelt und umsetzt.

    Ausblick

    Mit den Geschäftsfeldern Lagerstättenveredlung, Rückbau und Renaturierung sowie nachhaltige Zukunftsnutzung werden rentable Förderstellen weiter genutzt, rückgebaut oder sollen künftig nachhaltig umgenutzt werden.

    Lagerstättenveredelung

    Oneo plant die Stilllegung von 50 % der Förderbohrungen, so dass künftig lediglich noch aus 33 Bohrungen Erdöl gefördert werden soll. Bei der Förderung soll die neueste Technik eingesetzt und der gesamte Betrieb optimiert werden.

    Nachhaltige Zukunftsnutzung

    Fünf stillgelegte Förderplätze sollen mit einer Photovoltaik-Anlage überbaut werden. Stand April 2024 sind zwei PV-Anlagen bereits realisiert, die weiteren Anlagen durchlaufen noch das Genehmigungsverfahren. Der erzeugte Strom (ca. 100.000 kWh) kann in das bereits vorhandene Leitungsnetz eingespeist werden. So wird die vorhandene Infrastruktur optimal genutzt. Andere Bohrungen sollen künftig auch zur Erdwärmeversorgung genutzt werden, so wie dies bereits in der Betriebsführungszeit der Wintershall bei der Bohrung „Landau 049“ realisiert wurde (Wärembersorgung für ein Autohaus im Gewerbegebiet von Landau).

    Rückbau und Renaturierung

    Andere Bohrplätze/Förderstandorte sollen schließlich rückgebaut und renaturiert werden.

    Erdölförderplatz mitten im Wohngebiet in der Pfarrer-Lehmann-Straße in Nußdorf (Bohrungen La 113 + La 115 + La 116). Stand April 2024 ist nur noch die vordere Pumpe in Betrieb, die beiden anderen sind inzwischen rückgebaut.

    I, Bodoklecksel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

    Erdölförderung in Leopoldshafen (Baden)

    Erdölförderung in Scheibenhard-Niederlauterbach (Elsass)

    In Scheibenhard-Niederlauterbach wurde 1956 das nach Pechelbronn bedeutendste Erdölvorkommen im Elsass entdeckt.

    Die Bohrung SEB 102 wurde bis 2.294 m abgeteuft. Sie ist damit die tiefste Bohrung im Nieder-Elsass. Bis 1968 wurden 221.469 t Erdöl gefördert.

    Erdölgeologische Exkursion zum Ölfeld Scheibenhard (Unter-Elsass) am 9. November 1958
    Beschreibung

    Führung und Bericht: J. BLUMENROEDER, Strasbourg

    Textquelle: Mitteilungen Badischer Landesverein für Naturkunde und Naturschutz e.V.; N.F. 7; Freiburg im Breisgau, 15.12.1958.

    In Scheibenhard beutet die PREPA ihr zur Zeit ergiebigstes Ölfeld aus.

    Tektonik

    Dieses Feld ist wie die meisten Rheintalfelder an eine N-S streichende antithetische Störung gebunden. Durch Seismik und Bohrungen in der Pfalz schon als nach Süden ansteigende Struktur bekannt, wurde das Scheibenharder Hoch auf der elsässischen Seite durch Seismik und Geoelektrik untersucht.

    Am besten wurde die Lage der westlichen Randstörung der Hochscholle durch Geoelektrik bestimmt. Produktiv sind zugleich die östliche Hoch- und die westliche Tiefscholle.

    Erdölführung

    Ölführend sind die so unregelmäßig im Unterelsässer Tertiär verteilten Sande oder Sandsteine.

    Eine Teilproduktion entstammt der einzigen Sannois-Lagerstätte, die man fast systematisch an der Basis der Oberen Pechelbronner Schichten findet, außerhalb des Pechelbronner Feldes, in dem sie auf weiten Flächen produktiv war, sowie in den kleinen Feldern von Soufflenheim und Schirrhein. Das Neue in Scheibenhard – abgesehen von unbedeutenden Produktionen in der Grauen Schichtenfolge der Hagenauer Umgebung – ist der Reichtum an Sanden oder Sandsteinen im Rupel, welche die Hauptförderung liefern und in Vergleich mit den zahlreichen produktiven Lagen des Pechelbronner Sannois zu stellen sind. Diese jüngeren Schichten sind bis jetzt allein produktiv auf der westlichen Tiefscholle, welche nach der Seismik Erweiterungsmöglichkeiten nach W und SW erlaubt.

    In der besichtigten Bohrung Scheibenhard 102 wurde auch neuerdings ein gut imprägnierter Sandstein an der Basis der Bunten Niederroederner Schichten durchfahren.

    Der Mechanismus der Sandschüttung und der Grund für die Häufung der Sandlager im Sannois von Pechelbronn und im Rupel von Scheibenhard sind noch nicht geklärt. Letztere sowie die Basissandsteine der Oberen Pechelbronner Schichten sind mit wechselnder Produktion bis mehr als 20 km nördlich der Grenze, in der Pfalz über Minfeld und Hayna bis Landau entwickelt. Ihre Ausdehnung gegen Süden und Westen ist noch unbekannt: sterile Sande sind in der grauen Schichtenfolge geläufig, doch hat man nur in Soufflenheim in den Basissandsteinen Ölspuren beobachtet, die höchstwahrscheinlich aus den unterlagern- den Fischschiefern stammen.

    Ende Oktober förderten 15 Bohrungen, davon 12 eruptiv, 11 aus der Grauen Schichtenfolge, 5 aus dem Basissandstein der Oberen Pechelbronner Schichten, dessen produktives Band schmäler ist als das der Rupellagerstätten.

    Zwei Bohrungen sind ausgerüstet, um zwei Lager getrennt auszubeuten (Doppelförderung).

    Zur selben Zeit hatte das Feld seit der Inproduktionsnahme insgesamt etwa 38 .000 t Öl gefördert (wasserfrei), und zwar 58 % aus dem Rupel und 42 % aus dem Sannois. 97 % der Gesamtförderung stammen aus der östlichen Hochscholle, da die Feldesentwiddung auf die westlichen Tiefschollen noch ganz jung ist.

    Physikalisch-chemische Zusammensetzung

    Die Dichte der Öle, welche beide schwach asphalt- und schwefelhaltig sind (0,3 bis 1,7 und 0,2 %), liegt zwischen 0,82 und 0,86; der Salzwasseranfall ist gering (1 %), nur in zwei Bohrungen wurden 8 und 27 % erreicht. Infolge des hohen Paraffingehaltes (16 %) und Stockpunktes (28°) musste das ganze Feld, von der Lagerstätte bis zur Sammelstation, mit Heizanlagen durch Pyrotenax-Kabel ausgerüstet werden.

    Verladestation

    An der Verladestation selbst wird das Öl durch Dampfheizung in den Sammelbehältern flüssig gehalten. Die Heizquelle liefert das anfallende Gas, das vor den Behältern vom Öl getrennt wird; der Gas- überfluß wird frei auf der Fackel verbrannt. Das Öl wird durch Tankzug nach der Pechelbronner Raffinerie verfrachtet.

    Besichtigungen 

    Besichtigt wurden auf dem Feld eine mittlere Ideco-Apparatur (bis 2.500 m) mit Klappmast, die den mesozoischen Untergrund der Scheibenharder Hochscholle untersuchen soll, sodann die Sammelstation; auf der Durchfahrt konnte man die kleinen Eruptionskreuze der Förderbohrungen sehen.

    Le pétrole à Scheibenhard (1996)
    Beschreibung

    Textquelle: Webseite Gemeinde Scheibenhard, Januar 2024: „Scheibenhard, 100e anniversaire de la Caisse de Crédit Mutuel“ 15 septembre 1996

    In Scheibenhard und Umgebung schlummerte ein Erdölvorkommen, dessen Ursprung bis 160 Millionen Jahre zurückreicht.

    Im Jahr 1956 entdeckte die Firma „Prépa“ dort zwei Schichten

    • eine in einer Tiefe von 592 bis 597 Metern mit einer Fördermenge von 5,3 m³ pro Tag
    • die andere in einer Tiefe von 948 bis 952 Metern mit einer Fördermenge von 13 m³ pro Tag.

    Weitere Bohrungen wurden abgeteuft. Von  1957 bis 1968 belief sich die Gesamtproduktion auf 221.469 Tonnen.

    Die Ausbeutung dieser Lagerstätte wurde von ELF-Aquitaine auf den Gemarkungen der Nachbargemeinden wieder aufgenommen.

    Aus nächster Nähe kann man die Nickpumpen beobachten, deren Gegengewichte die Kraft der Motoren mit einer Leistung von 3.000 bis 4.000 kg, die zum Ziehen der Flüssigkeit erforderlich sind, und den Schaft der Saug- und Druckpumpe ausgleichen, die 500 bis 900 Meter tief in den Grundwasserkörper eintauchen.

    Mithilfe eines elektrischen Heizsystems wird die Mindesttemperatur des paraffinreichen Rohöls auf 27 °C (500 m Tiefe) bzw. 32 °C (950 m Tiefe) gehalten, um die Lagerung und das anschließende Umfüllen in Tankwagen zu erleichtern. In der Raffinerie in Reichstett werden aus dem Rohöl folgende Produkte gewonnen: Treibstoffe, Schmieröl, Kerosin, Paraffin, Bitumen, Leuchtpetroleum usw.

    Die produzierten Mengen sind im Durchschnitt 5 m³ pro Tag und Bohrloch, und die Ausbeutung wird nicht fortgesetzt.

    Der Erdölkonzern Total verkaufte 1994 die Förderkonzession „Scheibenhard“ an die Fa. Geopetrol. Um 2008 wurden wöchentlich 1.000 Barrel Erdöl gefördert (1 Barrel sind 159 Liter).

    Erdöl-Bohrplatz NDL 103 / NDL 108 der Fa. Geopetrol in Scheibenhard-Niederlauterbach. In beiden Bohrungen wird aktuell (Januar 2024) Erdöl gefördert.

    Erdölförderung in Speyer (Pfalz)

    Erdölförderstelle Römerberg-Speyer

    Auf der Suche nach Erdwärme entdeckte die in Speyer ansässige Palatina GeoCon GmbH & Co. KG bei einer Bohrung im Jahr 2003 in ca. 2.500 Metern Tiefe unerwartet Erdöl. Um das Erdöl fördern zu können, erfolgte ein Zusammenschluss mit der Neptune Energy Deutschland GmbH (Hannover), einem in der Erdölexploration tätigen Unternehmen.

    Nach näheren geophysikalischen Erkundungen weiß man, dass die Lagerstätte eine längliche Form hat und sich in einer Tiefe von etwa 2.500 Metern unterhalb von Speyer von Nordost nach Südwest erstreckt. Die Lagerstätte befindet sich im Buntsandstein, der als Speichergestein des Erdöls fungiert. Die Förderung aus der Lagerstätte ist zunächst für eine Dauer von 30 Jahren zugelassen.

    Das Ölvorkommen in Speyer wurde zur ergiebigsten Lagerstätte Süddeutschlands. Rheinland-Pfalz ist nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen das drittgrößte erdölfördernde Bundesland.

    Zwei Betriebsplätze im Norden von Speyer

    Das Erdöl aus der Lagerstätte „Römerberg-Speyer“ wird aus mehreren Bohrungen zutage gefördert. Dazu wurden auf zwei Grundstücken im Norden der Stadt Speyer Betriebsplätze eingerichtet. Die beiden Partnerunternehmen unterhalten ein gemeinsames Büro in Speyer und beschäftigen rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort.

    Auf Betriebsplatz 1 im Nordwesten von Speyer, in der Siemensstraße, nahm das Konsortium 2008 die erste Probebohrung vor, die das 2003 entdeckte Erdölvorkommen bestätigte. Seit 2008 wird dort konstant Erdöl gefördert. Kontinuierlich werden neue Bohrungen niedergebracht, um die Lagerstätte weiter zu erschließen.

    Anfang 2009 nahmen die beiden Unternehmen auf dem Betriebsplatz 2 im Nordosten von Speyer, nahe der Franz-Kirrmeier-Straße, eine Bohrung zur weiteren Erkundung des Feldes „Römerberg-Speyer“ vor. Seitdem wird nun auch hier aus rund 2.500 Metern Tiefe Erdöl gefördert und es wurden mehrere Bohrungen niedergebracht.

    Aufbau der Betriebsplätze

    Die Bohrungen befinden sich auf einer flüssigkeitsundurchlässigen Fläche, auf der auch das sogenannte Eruptionskreuz (auch E-Kreuz) errichtet wird. Es ist das Herzstück des Betriebsplatzes und als Bohrlochabschluss zu verstehen, denn es besteht aus einer Rohrleitung sowie zahlreichen Absperrarmaturen und Sicherheitseinrichtungen, die mit dem Bohrloch fest verbunden sind. So ist es möglich, Erdöl kontrolliert über das E-Kreuz zu fördern. Darüber hinaus haben die Betriebsplätze einen mit Asphalt befestigten äußeren Bereich.

    Textquelle: Webseite „Erdöl im Rheintal“

    Erdölförderung in Weingarten (Baden)

    Erlenbadquelle

    Erlenbadquelle

    Erlenbadquelle (21°C)

    Obersasbach

    Die Thermalquelle von Erlenbad entspringt mitten in einer Wiese im Obersasbacher Gewann „Winterbach“. Man erreicht die Quelle fußläufig über den 1854 angelegten Promenadenweg, der am Sulzbächel entlang direkt zum Brunnenhaus führt.

    Die Erlenbadquelle ist seit 1431 als Heilquelle nachweisbar und war ab 1895 im Besitz des Klosters Erlenbad.

    Um 1660 befand sich das Kurhaus noch bei der Quelle selbst. Später wurde das Wasser von der Quellfassung mit einer Deichel (Holzleitung) in das 560m NW gelegene Erlenbad geleitet.

    Die Quellfassung musste im Laufe der Zeit immer wieder erneuert werden.

    1854 wurde die Quelle in einem gemauerten Brunnen von 75cm Breite und 6m Tiefe gefasst.

    Die Schüttung betrug 18.000 badische Maas am Tag, also 0,31 l/s.

    (1 Maas = 1,5 Liter)

     

    Bei der Quelle in der heutigen Form handelt es sich um einen 41 m tiefen Bohrbrunnen an der leicht erhöhten Rückseite des Brunnenhauses.

    Foto: Brunnentröge im Brunnenhaus Erlenbadquelle (Juli 2022)

    Das Wasser der Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Therme steigt im Brunnen artesisch auf. Mit einer Austrittstemperatur von knapp über 20°C erreicht es das Kriterium für ein Thermalwasser nur knapp. Der Auslauf ist durch Eisenfällung (Rost) deutlich ockerfarben gefärbt.

    Vereinzelt wurde im Wasser auch ein leichter Geruch nach faulen Eiern festgestellt (Schwefelwasserstoff).

     

    Bei der Quelle in der heutigen Form handelt es sich um einen 41 m tiefen Bohrbrunnen an der leicht erhöhten Rückseite des Brunnenhauses.

    Der Brunnen befindet sich in einem ca. 4,6m tiefen Schacht an der Rückseite des Brunnenhauses.

    Baujahr: 1968

    Brunnenhaus bis 1976 Heutiges Brunnenhaus

    Foto: Brunnenschacht hinter dem Brunnenhaus Erlenbadquelle (Juni 2020)

    Bei der Quelle in der heutigen Form handelt es sich um einen 41 m tiefen Bohrbrunnen an der leicht erhöhten Rückseite des Brunnenhauses.

    Der Bohrbrunnen befindet sich in einem ca. 4,6m tiefen Schacht an der Rückseite des Brunnenhauses (Baujahr: 1968).

     

    Bei der ein Jahr früher durchgeführten Versuchsbohrung wurden wie folgt Wasserzutritte festgestellt:

    12,0m bis 15,0m:       0,42 l/s

    15,0 bis 21,5 m:         0,08 l/s

    21,5 bis 59,5 m:         0,16 l/s

    Temperatur:             20,8°C

    Feststoffinhalt:        2.375,62 mg

     


    Bohrprofilaufnahme
    LGRB (06.02.2004)

    Durch glückliche Umstände war es 36 Jahre später möglich, die vor Ort noch vorhandenen Bohrkerne durch das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) aufnehmen zu lassen.

    Foto: Bohrkernaufnahme beim Kloster Erlenbad (Februar 2004)

    Brunnenausbau

    Der Brunnen ist ausschließlich im  Deckgebirge ausgebaut.

    Ein ursprünglich bis 60m geplanter Ausbau bis in das Grundgebirge war durch den zu gering gewählten Anfangs-Bohrdurchmesser nicht möglich.

    Bohrfirma: Fa. Adolf Keller KG, Steinbach (1968)

     

    Filterstrecke 1

    15m bis 29m

    (Keuper+Muschelkalk)

    4 Zoll

    Bohrdurchmesser bis 33,0m: 159 mm

     

    Filterstrecke 2

    33m bis 41m

    (Buntsandstein)

    3 Zoll

    Bohrdurchmesser ab 33,0m: 116 mm

     


    Messungen am Ende der Bohrarbeiten ergaben:

    Wassertemperatur: 21,1°C

    Quellschüttung: 0,22 l/s

    (Januar 1968)

     

    Das Brunnenhaus wurde 1976 durch das heutige Gebäude ersetzt.

    Ernolsheim (F): Archäologischer Rundwanderweg

    Der archäologische Rundwanderweg auf den Anhöhen von Ernolsheim und Saint-Jean-Saverne verbindet die wichtigsten Anlagen protohistorischer und historischer Zeit, die zur Überwachung der nördlichen Übergangstrasse der Zaberner Vogesen errichtet wurden.

    Archäologische Forschungen und Denkmalschutz sichern das historische Interesse einer Besichtigung.

    Sehenswürdigkeiten

    Burg Warthenberg auf dem Daubenschlagfelsen: Eine der gewaltigsten romanischen Festungen des Elsasses im 12. Jahrhundert.

    Steinbruch des Frohnbergs: Wo die Steinquader der Burg gebrochen wurden.

    Römischer Abgrenzungstein: Zwischen öffentlichem Gelände, AGER PVBLICVS, und privatem Boden, AGER PRIVATVS.

    Keltisches Oppidum der Heidenstadt (25 ha): Zwei parallele Wälle durchqueren den Bergrücken. Jeder Wall ist in der Mitte mit einem monumentalen Zangentor versehen, typisch für das Ende der Tene Periode, Ende 2. -Anfang 1. Jahrhundert vor Chr.

    Plattenweg: Römische Bergstrasse, in den Felsen gemeißelt, mit Gleisen und Querungen.

    Michelsberg: Hoher Felsenvorsprung mit rätselhaften Einrichtungen auf der Gipfelterrasse (Hexenkreis) und in der Höhle (Hexenloch und Steingrab). Menschliche Ansiedlungen seit der Mesolithischen Periode, 6. Jahrtausend vor Chr. Michaelsbruderschaft und Kapelle seit 1593.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Archäolgischer Rundwanderweg Ernolsheim

    Keine Infomaterialien vorhanden.

    Textquellen

    Erzvorkommen in Bleibach, Simonswald und Kollnau

    Von U. Feißt

    Hammerschmieden und Eisenhämmer entstanden ab dem späten Mittelalter überwiegend in den Regionen mit reichem Erzvorkommen wie Erzgebirge, Harz, Thüringer Wald oder Vogelsberg, am Rand der Fränkischen und Schwäbischen Alb sowie entlang der Bayerischen und der Österreichischen Eisenstraße (letztere sind vom Tourismus geprägte neue Bezeichnungen historischer Erz- und Eisentransportwege). Neben den Erzvorkommen waren auch ausreichend Wälder für die Gewinnung großer Mengen Holzkohle notwendig. Für den Standort war selbstverständlich das Vorhandensein ausreichender Wasserkraft entscheidend.

    Die urkundlichen Nachweise über Erzvorkommen und Bergbau am Westrand des Schwarzwaldes gehen bis in das 11. Jahrhundert zurück. Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert zählte das Gebiet des Schwarzwaldes (etwa mit den Gruben von Todtnau, Schauinsland und Maßmünster) zu den wichtigsten Bergbauregionen im deutschen Raum. Die Wirtschaftskraft der Stadt Freiburg im Mittelalter basierte wesentlich auf dem Silberbergbau. In Hammerschmieden wurden jedoch Eisenerze verarbeitet. Diese wurden seit der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert zunächst in den Eisenschmelzwerken zu sogenannten Stücken aufbereitet.

    Der Antrieb des Ofengebläses erfolgte durch ein von Wasserkraft angetriebenes Triebrad (auch Wasser- oder Mühlrad genannt). Entsprechend mussten die Eisenverhüttungswerke abseits der Erzgewinnungsstätten in der Nähe eines Fließgewässers errichtet werden. Das Ausschmieden der nach dem Erstarren erneut im Holzkohlefeuer erhitzten schweren Stücke erfolgte in Hammerwerken, die ebenfalls durch ein Wasserrad angetrieben wurden. 

    Die Arbeit in derartigen Eisenverhüttungswerken hat Friedrich Schiller in seiner Ballade „Der Gang nach dem eisernen Hammer“ eindrucksvoll poetisch umschrieben:

    {

    Des Wassers und des Feuers Kraft, verbündet sieht man hier.

    Das Mühlrad, von der Flut gerafft, umwälzt sich für und für.

    Die Werke klappern Nacht und Tag, im Takte pocht der Hämmer Schlag.

    Und bildsam von den mächtgen Streichen, muss selbst das Eisen sich erweichen.

    5
    Friedrich Schiller
    Dichter
    aus: "Der Gang nach dem eisernen Hammer"

    Die Standorte der markgräflichen und vorderösterreichischen Eisenschmelzwerke konzentrierten sich überwiegend am Hochrhein, im Bereich des südlichen Breisgaus und im Hauensteiner Albtal im Grenzgebiet zur Schweiz in den Orten Hausen im Wiesental, Kandern und Badenweiler-Oberweiler bzw. Säckingen, Murg, Wehr, Laufenburg, Albruck und St. Blasien. Der nördliche Breisgau wurde überwiegend vom Eisenwerk in Kollnau versorgt. Die Fürstenberger besaßen Eisenwerke in Hammereisenbach und Hausach im Kinzigtal.

    Mit dem Dreißigjährigen Krieg kam der Bergbau am Schwarzwald zunächst vollständig zum Erliegen. Im Verlauf des 18. Jahrhundert wurden von den Markgrafen von Baden verschiedentlich Versuche unternommen, den Bergbau wiederzubeleben, doch erlangte er keine sonderliche Bedeutung mehr.

    Als der Bergbau in Baden in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts einen besorgniserregenden Rückgang verzeichnete, versuchte man 1828 mit einem Gesetz über Prämien zur Förderung des Bergbaus gegenzusteuern. Erfolglos: Die Eisenerzverhüttung rentierte sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr. Die mit Holz aus dem Schwarzwald betriebenen Schmelzwerke waren gegenüber den mit billiger Steinkohle betriebenen Werken in den Kohlenbergbauregionen nicht mehr konkurrenzfähig.

    Die wassergetriebenen Eisenverhüttungsanlagen an den Flussläufen, deren Bauweise und Arbeitsprinzipien sich vom 14./15. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert kaum verändert hatten, wurden mit dem Durchbruch des Dampfhammers und dessen zunehmenden Einsatz in den großen Industrierevieren bis zu Mitte des 19. Jahrhunderts unrentabel und nach und nach geschlossen.

    1866 schloss das Eisenwerk in Albruck, 1874 jenes in Kandern.

    „Der Bau der Eisenbahn und das Verschwinden des territorialen Zollschutzes der deutschen Länder entzogen dem badischen Bergbau die Grundlagen der Wettbewerbsfähigkeit.“ (Stiefel Bd. 2, S. 1817f).

    Die Standorte der Eisenhütten waren durch den zunehmenden Einsatz von Dampfenergie nicht länger abhängig vom Wasser, sondern orientierten sich an neuen und gut frequentierten, technisch aufgerüsteten Verkehrswegen.

    Während so die Eisenbereitung am Schwarzwald in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Niedergang erlebte und im 3. Viertel des 19. Jahrhunderts völlig zum Erliegen kam, blühte infolge erhöhter Nachfrage die Eisenbearbeitung bzw. Eisenverarbeitung in den Hammerschmieden am Schwarzwald, welche kleinere Eisenwerkzeuge aller Art produzierten, auf.

    Es gab ausreichend Wasseradern mit entsprechendem Gefälle, von denen sich leicht Kanäle für den Antrieb eines kleinen Hammerwerks über Wasserkraft abzweigen ließen. Im Gegensatz zu den Schmelzöfen reichten für die Befeuerung der Esse die Holzvorkommen des Schwarzwaldes noch aus – die Preise hierfür stiegen zwar kontinuierlich, doch ging man auch dort zur Steinkohlenfeuerung über.

    So entstanden an den kleinen Nebenflüssen des Rheins zwischen Schwarzwald und Oberrheintal im 19. Jahrhundert einige Hammerwerke, die insbesondere für die Herstellung von Gerätschäften für das regionale Handwerk und die regionale Landwirtschaft produzierten. Dass hierfür z.T. sehr weite Transporte des Rohmaterials notwendig waren, stellte im Rahmen eines stetigen Ausbaus des Eisenbahnnetzes im Verlauf des 19. Jahrhunderts kein Problem mehr dar.

    Zwar wurde die Elztalbahn erst Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, doch war der erste Abschnitt der Oberrheinbahnstrecke zwischen Mannheim und Heidelberg bereits 1840 in Betrieb genommen worden. Die Badische Hauptbahn bzw. Rheintalbahn von Mannheim über Basel nach Konstanz wurde 1863 vollendet und die Verbindung zum mittelrheinischen Bahnnetz durch das Schließen der bisherigen Lücke zwischen Mannheim und Ludwigshafen 1867 hergestellt.

    Damit waren die Regionen entlang der Rheinschiene miteinander verbunden und der Austausch von Rohstoffen, etwa auch Erze aus dem Ruhrgebiet, über die Eisenbahnstrecke ermöglicht. Über die an dieser Strecke gelegenen Bahnstationen Kenzingen und Herbolzheim konnten die Eisenhalbzeuge für das Hammerwerk im Muckental das ganze Jahr über unkompliziert angeliefert werden.

    Der Ausbau der Bleichtalstraße von Bleichheim nach Ottoschwanden und Schweighausen nach dem Zweiten Weltkrieg steigerte die Geschäftstätigkeit. Die Hammerschmiede wurde aber schon früher zu einer beliebten Etappenstation und übernahm nach dem Ersten Weltkrieg als „Gasthaus zum Waldhorn“ die Beherbergungstradition des Gasthauses „ Zum Kreuz“. 

    Textquellen

    Webseite „Schmiedezunft Landkreis Emmendingen“

    Mit freundlicher Genehmigung von Herrn U. Feißt, 28.09.2022. VIELEN DANK.

    Esch: Vulkaneifel-Pfad „Vulkanpfad“

    Natur- und Geopark Vulkaneifel

    © Natur- und Geopark Vulkaneifel / Eifel Tourismus GmbH

    Mit freundlicher Genehmigung.

    Vielen Dank.

    Das Feuer zähmen & vor seinen Gefahren schützen – die Aufgabe von Vulcanus, Gott des Feuers. Wer seinen Mußepfad von Esch bis Gerolstein erwandert, entdeckt die Schätze der wilden Majestät.

    Vulkan-Pfad von Esch bis Gerolstein

    Bereit für spirituelle Anregungen? Kreuzwege, Bildstöcke, Pilgerkreuze und Kapellen – Schritt für Schritt pure Inspiration. In Jünkerath wurde Eisengießergeschichte geschrieben – Das sehenswerte Eisenmuseum muss man besucht haben. Dann Eintritt in das Feuerland bei Steffeln. Reizvoll hier der Steffelnkopf, der Vulkangarten und die Mineralquellen am Weg. Highlights im weiteren Wegeverlauf über den Eifelsteig nach Gerolstein sind das Eichholzmaar und die Eis- und Mühlsteinhöhlen am Rother Kopf.

    1. Etappe:

    Esch – Steffeln, Länge: 15 km, Gehzeit: 4:00 Std. (Wer mit der Bahn anreisen möchte, kann die Etappe in Jünkerath am Bahnhof beginnen.)

    2. Etappe:

    Start: Steffeln – Gerolstein, Stausee, Länge: 17 km, Gehzeit: 4:30 Std.(Ab Gerolstein-Roth läuft der Weg auf der 2. Etappe auf dem Eifelsteig (Etappe 9) nach Gerolstein.)

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Vulkaneifel-Pfade

    Vulkanpfad – keine Infomaterialien vorhanden !

    Essingen: Geologietour (Weiherwiesen Weg)

    Eine Rundtour zu den Weiherwiesen, ins Wental, nach Lauterburg und zur Remsquelle.

    Die Strecke führt zunächst entlang der jungen Rems, dann auf breiten Waldwegen aufwärts zur Albhochfäche. Hier verläuft der Weg Richtung Tauchenweiler durch Wälder, in denen Jahrhunderte hindurch nach Bohnerz geschürft wurde.

    Beim Naturschutzgebiet Weiherwiesen überraschen zwei Teiche mitten auf der Schwäbischen Alb. Im weiteren Verlauf führt der Weg zu einem „Wasserfall“ und einer Ponordoline in Richtung Irmannsweiler.

    Ab hier geht es leicht abwärts zu zwei großen Dolinen und ins Wental zum Felsenmeer. Beim Landhotel geht es über Bartholomä und den Bärenberg nach Lauterburg und bergab zum Remsursprung und vorbei an einer Fischzucht und am neuen Weinberg wieder zurück zum Ausgangspunkt der Tour.

    Wegbeschreibung

    Die Rundwanderung führt zu einigen erdgeschichtlichen Besonderheiten der Ostalb. Der Startpunkt der Tour ist am Parkplatz „In den Buchen“- am Ortsende von Essingen in Richtung Tauchenweiler.

    Vorbei an der Ölmühle [1], in der weniger Getreide gemahlen dafür umso mehr Kalk gebrannt wurde, führt uns der Pfad durch das junge Remstal mit Blick auf das Gewann „Weinberg“ [2] (Wacholderheide gegenüber) zum neuen Weinberg und bis zur Fischzucht an der Rems.

    Hier verlassen wir den Remsweg und wandern vor den Gebäuden den ersten Weg nach links bergan. Wir bleiben auf dem breiten befestigten Waldweg, bis wir die Albhochfläche mit Blick nach Lauterburg erreichen.

    Auf der Albhochfläche wenden wir uns nach links und folgen der Markierung geradeaus Richtung Tauchenweiler. Gewannbezeichnungen wie: „Grubenhäule“ und „Mittlere Eisengrube“ säumen den Weg. Sie weisen auf den schon vor dem Mittelalter hier betriebenen Abbau von „Bohnerz“ hin. Überall im Wald gibt es zahlreiche Vertiefungen (Pingen) als Zeugen dieser Tätigkeit.

    Wenn wir den Wald verlassen können wir links Richtung Essingen einen kleinen Abstecher zu einer solchen Eisengrube machen. Wir kehren auf den Hauptweg zurück, biegen links ab und an einem Wegweiser schwenken wir nach rechts Richtung Weiherwiesen [3]. Römer hatten in diesem Bereich ein kleines Kastell des Alblimes (ca. 80 n. Chr.) mit ca. 150 Mann Besatzung. Verschiedene Hinweistafeln informieren uns über das Naturschutzgebiet und seine Nutzung.

    Vorbei am unteren kleineren Weiher, bei der Forststraße rechts, kommen wir zum „Wasserfall“ (Hinweistafel) [4]. Dort verschwindet der kleine Bach in einer Ponordoline, einem Schluckloch, um dann an der Brenzquelle wieder zutage zu treten.

    Kurz danach betreten wir leicht rechts den Wiesenweg des Urwentales (Naturschutzgebiet) und folgen dem Weg rechts am Waldrand mit Blick auf zahlreiche Erdfälle (Einbrüche an der Erdoberfläche).

    An einer befestigten Straße schwenken wir rechts ab, um bald darauf nach links zum nahen Ort Irmannsweiler zu kommen. Hier geht es zunächst auf einem Teersträßchen kurz Richtung Bartholomä und gleich nach Ortsende links in einen Feldweg, der uns bergab Richtung Wental führt.

    An einer großen Doline [5] (eingezäunt) wandern wir linker Hand weiter talwärts. Nach ca. einer halben Stunde erreichen wir das vielbesuchte Felsenmeer aus Dolomit [6] (Hinweistafeln) und bald darauf das Hotel Wental. Nach einer gemütlichen Einkehr wenden wir hier und gehen zurück bis zur großen Doline.

    Dort wandern wir weiter Richtung Bartholomä. Am Wegesrand befindet sich ein Gedenkstein mit Hinweis auf Pfarrer Friedrich Weng aus Bartholomä, der hier 1632 im Dreißigjährigen Krieg von Soldaten ermordet wurde, weil er das letzte Geld und die wenigen Lebensmittel der Dorfbewohner nicht herausgeben wollte.

    Unser Weg führt uns Richtung Dorfmitte und dann nach rechts den roten Hinweistafeln folgend über die Dorfhülbe, mit dem Gedenkstein an 100 Jahre Albwasserversorgung (1883 – 1993), Richtung Sport- und Bildungszentrum. Dort gehen wir am Waldrand links (Wegkreuz) bis ein Waldweg von rechts kommt (Tafel: Rosenstein Parkplatz 5,5 km).

    Achtung. Hier scharf rechts, wieder rechts und nach wenigen Metern dem gelben Dreieck links auf den Bärenberg (mit 755 m war er die höchste Erhebung im Altkreis Aalen) und nach Lauterburg folgen. Über weite Felder, mit Blick auf den Braunenberg rechts mit seinem Sendemasten und dem Funkmasten am Rosenstein links, erreichen wir Lauterburg. Mit schönem Tiefblick nach Lautern gehen wir im Ort steil bergab bis wir links das Tor zur Vorburg des Schlosses Lauterburg [7] sehen (das Schloss ist 1732 abgebrannt).

    Jetzt wandern wir an der evangelischen Kirche vorbei immer geradeaus in der Albstraße bis zu einer scharfen Linkskurve, folgen der Reutestraße bis nach der großen Hülbe. Links sehen wir den Kletterturm der Bergwacht. An ihm vorbei nehmen wir abwärts die letzten Kilometer nach Essingen unter die Füße.

    Bei der anfangs erwähnten Fischzucht lohnt sich noch ein kurzer Abstecher zur Remsquelle [8]. Wegen des kleinen Einzugsgebietes ist die Remsquelle leider nur ein Rinnsal und nicht mit der Brenzquelle bei Königsbronn zu vergleichen, durch deren Gebiet wir gewandert sind.

    Über der Landesstraße befindet sich ein Steinbruch mit gebankten Weißjurakalken. Ab der Fischzucht tragen uns die müden Beine zurück ins nahe Essingen zu unserem Ausgangspunkt.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Essingen

    Geologietour – keine Infomaterialien vorhanden!

    Enzklösterle: Historische Waldberufe

    Ettenheim: Klosterdorf (Ortenauer Sagenrundwege Nr. 31)

    Einfach sagenhaft

    Die Ortenau verfügt über eine einmalige Vielfalt an Sagen, die einst die Menschen prägten und heute noch bewegen. Gehen Sie den Sagen und Mythen auf den Grund und entdecken Sie die Ortenau von einer ganz neuen Seite!

    Der Ortenaukreis hat auf 400 km Wanderwegen insgesamt 32 Sagenrundwanderwege ausgewiesen. Die Wege führen durch 36 Städte und Gemeinden, wo 125 Sagen und Mythen darauf warten entdeckt und erwandert zu werden. Die geistreich gestalteten Sagentafeln entlang der Strecke garantieren ein abwechslungsreiches Wandervergnügen und sind für Groß und Klein, Jung und Alt gleichermaßen interessant.

    Beschilderung der Sagenrundwege

    • 28 Sagenrundwege sind innerhalb des einheitlichen Wegesystems im Schwarzwald ausgeschildert. An den Kreuzungspunkten stehen Wegweiser. Zusätzlich zu den Basiswegweisern mit Zielen finden sich dort die Routenwegweiser der Sagenrundwege. Zwischen den Wegweiserstandorten werden Sie von farbigen Markierungszeichen (gelbe Raute, blaue Raute, Themenwege etc.) geleitet. Die Markierung kann im Routenverlauf wechseln.
    • Die Sagenrundwege in Meißenheim, Neuried, Rheinau und Schutterwald sind durchgehend mit dem Symbol des SagenGespenstes markiert, da es dort keine einheitlich beschilderten Wanderwege gibt. An den Wegkreuzungen weist ein Richtungspfeil mit dem Sagen-Gespenst den Weg.

    Es wird eine Laufrichtung empfohlen. Die Sagenrundwege sind jedoch in beide Richtungen ausgeschildert!

    Klosterdorf

    Brudergarten heißt der Wald oberhalb von Münchweier. Schon zu Zeiten des Heiligen Landelin sollen hier die ersten Mönche ein kleines Kloster gegründet haben. Im Wald lebten Einsiedler. Und sogar noch im 1. Weltkrieg haben sich dort Menschen in selbstgebauten Höhlen im Hang versteckt. Der Heilige Landelin liegt übrigens in Münchweier begraben, dort, wo sich nun die Kirche erhebt.

    In den Wäldern rund um Ettenheim sollen sich allerhand dramatische Geschichten abgespielt haben. So wird auch von einem Heidenkeller berichtet, in dem sich ein großer Schatz befinde, den man aber nur in der Christnacht heben könne. Versuch doch mal dein Glück!

    Entdecke noch weitere Sagen und Mythen entlang der Strecke.

    Textquelle: Ortenau Tourismus

    Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

    Broschüre "Auf Sagenrundwegen die Ortenau erleben"

    Ettenheim: Mühlenweg

    Ettenheim: Mühlenweg

    Der Ettenheimer Mühlenwanderweg führt an zwölf ehemaligen Bauernmühlen aus dem 17. Jahrhundert vorbei, die teilweise noch in Betrieb sind. Am idyllischen Ettenbach entlang gelangen Sie von der Kernstadt Ettenheim in die Ortsteile Münchweier und Ettenheimmünster.

    Mittelmüller, Fuchsmüller …

    Mit dem „Mühlenweg“ haben die Ettenheimer Stadtväter einem früher in der Stadt stark vertretenen Handwerk ihre Reverenz erwiesen. Urkunden weisen schon 1721 sieben Mühlen nach, dieselbe Zahl ist auch noch für die Zeit vor dem 1. Weltkrieg nachgewiesen. Ältere Ettenheimer sprechen von den heutigen Bewohnern der früheren Mühlen noch immer vom „Mittelmüller“ oder vom „Fuchsmüller“, wenngleich die heutigen Familien mit der ursprünglichen Nutzung ihres Anwesens rein gar nichts mehr zu tun haben. Ein eindrucksvolles Zeugnis der früheren Nutzung findet sich indes noch heute in der „Fuchsmühle“ mit dem noch heute erhaltenen Mühlhaus mit einer Wasserturbine, die eine Dreschmaschine antrieb. Der Mühlenbetrieb wurde allerdings in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts eingestellt.

    In der Kernstadt selbst gibt es inzwischen allein noch die Stadtmühle in der Alleestraße, eine Kornmühle, in der sich die Kunden gerne des breiten Mehlsortiments bedienen, das dort gemahlen wird. Geschichtsforscher gehen davon aus, dass es sich bei der 1325/1330 beurkundeten „Bischofsmühle“ um die heutige Stadtmühle handelt.

    Jedem, der von Westen über die L 103 (Rheinstraße) in die Stadt einfährt, springt am Stadteingang die wunderschön restaurierte und inzwischen für Wohn- und Praxisräume genutzte Belzmühle ins Auge. Ältere Ettenheimer erinnern sich noch „gut“ an die beißenden Düfte der ehemaligen Loh- oder Gerbermühle.  Dagegen führt die Holzmühle weiter westlich, jenseits der B 3, heute ein regelrechtes Dornröschenschlaf-Dasein, seit die westliche Stadteinfahrt neu angelegt wurde und weit an ihr vorbeiführt.

    Wann der Mühlbach angelegt wurde, über den man in früherer Zeit das Wasser der Heilbadquelle in Ettenheimweiler beispielsweise zur Riedmühle im Südosten der Stadt heran leitete, vermochten die Geschichtskundler bisher nicht zu belegen. Entweder lagen die Mühlen am „Alten Bach“, wie die Unditz, später der Ettenbach in frühen Jahrhunderten genannt wurde, oder eben am Mühlbach.

    Zurecht begeht man – angesichts der früheren Bedeutung des Mühlenhandwerks – in Ettenheim noch jedes Jahr am Pfingstmontag den Mühlenwandertag. Auf dem als Spaziergang von der Kernstadt ins Tal angelegten Mühlenwanderweg geht es von der Kernstadt mit verschiedenen Stationen bis zur Sägemühle Weisbach und der Hummelmühle nach Ettenheimmünster. Dabei erfährt man aus berufenem Munde viel Interessantes über das Leben der Müller früher wie heute.

    Quellen:
    Dr. Robert Furtwängler: „Von sieben Mühlen blieb nur die Stadtmühle“ in: Ettenheimer Heimatbote 24.9.1994
    Informationen der Familie Kratt, die die Fuchsmühle bewohnt (2020)

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Ettenheim

    Faltblatt „Mühlen-Wanderweg“

    Enzklösterle: Historische Waldberufe

    Ettenheimmünster: St. Landelin (Ortenauer Sagenrundwege Nr. 30)

    Einfach sagenhaft

    Die Ortenau verfügt über eine einmalige Vielfalt an Sagen, die einst die Menschen prägten und heute noch bewegen. Gehen Sie den Sagen und Mythen auf den Grund und entdecken Sie die Ortenau von einer ganz neuen Seite!

    Der Ortenaukreis hat auf 400 km Wanderwegen insgesamt 32 Sagenrundwanderwege ausgewiesen. Die Wege führen durch 36 Städte und Gemeinden, wo 125 Sagen und Mythen darauf warten entdeckt und erwandert zu werden. Die geistreich gestalteten Sagentafeln entlang der Strecke garantieren ein abwechslungsreiches Wandervergnügen und sind für Groß und Klein, Jung und Alt gleichermaßen interessant.

    Beschilderung der Sagenrundwege

    • 28 Sagenrundwege sind innerhalb des einheitlichen Wegesystems im Schwarzwald ausgeschildert. An den Kreuzungspunkten stehen Wegweiser. Zusätzlich zu den Basiswegweisern mit Zielen finden sich dort die Routenwegweiser der Sagenrundwege. Zwischen den Wegweiserstandorten werden Sie von farbigen Markierungszeichen (gelbe Raute, blaue Raute, Themenwege etc.) geleitet. Die Markierung kann im Routenverlauf wechseln.
    • Die Sagenrundwege in Meißenheim, Neuried, Rheinau und Schutterwald sind durchgehend mit dem Symbol des SagenGespenstes markiert, da es dort keine einheitlich beschilderten Wanderwege gibt. An den Wegkreuzungen weist ein Richtungspfeil mit dem Sagen-Gespenst den Weg.

    Es wird eine Laufrichtung empfohlen. Die Sagenrundwege sind jedoch in beide Richtungen ausgeschildert!

    St. Landelin

    Der heilige Landelin war ein irischer Mönch, der in die Gegend von Ettenheim das Christentum brachte. Er hielt sich der Sage nach gerne im Wald bei den Tieren auf und fütterte sie. Dies beobachtete der Jäger von der nahen Gisenburg. Als er wieder einmal Landelin bei den Tieren traf, zog er sein Schwert und hieb ihm den Kopf ab. Wo Landelins Blut den Boden berührte, entsprangen der Legende nach fünf Quellen. Im Brunnenhaus der St. Landelins-Kirche sind sie gefasst. Das Wasser soll besondere Heilkraft für die Augen besitzen.

    Entdecke weitere Sagen und Mythen entlang der Wegstrecke.

    Textquelle: Ortenau Tourismus

    Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

    Broschüre "Auf Sagenrundwegen die Ortenau erleben"

    Ettlingen: Steine unter und über der Erde

    Diese GeoTour macht mit ihren Erkundungsaufgaben und Forschungsfragen das Thema „Steine und Geologie“ zum spannenden Outdoor-Erlebnis für die ganze Familie.

    Hauptthemen

    Stadt und Landschaft, Geologie und Landschaft, Bausteine, Aussichten, Steine und Kultur, Oberrheingraben, „Geopflanzen“

    Weitere Themen

    Gesteine der BuntsandsteinFormation

    Gesteins-/Mineralienarten

    Badischer Bausandstein, Geröllsandstein mit Quarzgeröllen, MuschelkalkKalksteine (Wegschotter,Skulptur), Jaspis aus dem Karneoldolomit Horizont (sehr selten), Plattensandstein, Löß, KeuperSchilfsandstein (nur Bauwerke, keine Sammelmöglichkeit), Granit (nur Bauwerke)

    Es gibt keine Infotafeln im Gelände! Alle Texte und Bilder finden Sie in der Broschüre.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    GeoTour Ettlingen

    Begleitbroschüre „Steine unter und über der Erde“

    Ettringen: Vulkanpfad-Traumtour „Vulkanpfad“

    Vulkanpark Traumpfade

    © Traumpfade & Traumpfädchen der Rhein-Mosel-Eifel-Touristik

    Mit freundlicher Genehmigung.

    Vielen Dank.

    Von der Hochsimmerhalle in Ettringen geht es im ersten Abschnitt entspannt durch Ettringen. Ein schmaler Wiesensteig führt hinauf zum Gipfel des Ettringer Bellberges. Ein traumhafter Ausblick auf die Vulkane der Osteifel belohnt den Aufstieg. Entlang des westlichen Kraterrands geht es hinab zum südlichen Kraterdurchbruch (hier ist ein Abstecher zu den Steinbrüchen der Ettringer Lay lohnenswert). Über den südlichen Lavastrom erreicht der Weg den Wald des Kottenheimer Büden.

    Am Fuß der beeindruckenden Schlackenwand befinden sich die „Sieben Stuben“, kleine Höhlen, in denen die Menschen während des Zweiten Weltkrieges Schutz suchten. Weiter geht es wieder hinauf auf den südöstlichen Kraterrand. Hier öffnet sich ein grandioser Ausblick in den Steinbruch des Bellberges und auf die Vulkane Hochsimmer, Bellberg, Sulzbusch und Hochstein. Die folgende Passage führt steil bergab über befestigte und naturbelassene Wege ins Kottenheimer Winfeld, eine idyllische Grubenlandschaft mit vielen Zeugnissen aus den Zeiten des Basaltabbaus.

    Weiter Richtung Ettringen geht es vorbei am Felsdenkmal „Junker Schilling“, dann quert der Weg einen Bachlauf und stößt auf die gefasste Mineralquelle Hartborn. Entspannt geht es auf diesem Rundwanderweg zurück zum Ausgangspunkt.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Ettringen

    Vulkanpfad-Traumtour „Vulkanpfad“- keine Infomaterialien vorhanden!

    Fachsenfeld: Arbeiterweg nach Wasseralfingen

    Auf dem Arbeiterweg soll an die Generationen von Fachsenfelder Männer erinnert werden, die zu Fuß zur Arbeit ins Bergwerk am Braunenberg gingen oder zur Eisenschmelze der Schwäbischen Hüttenwerke. Ob direkt vom Dorfnaus oder auch von der Siedlung „Pfannenstiel“.

    Wer auf diesem Pfad von Fachsenfeld nach Wasseralfingen oder umgekehrt wandert, taucht dank der Infotafeln in die Geschichte ein. Der Wanderer erfährt mehr zur heiligen Barbara, dem „Pfannenstiel“ oder auch zu den Jenischen.

    Start des Arbeiterwegs ist in Himmlingsweiler (früher: Pfannenstiel) am Straßendreieck Himmlingstraße – Hirschbergstraße – Schloßreute. Die Wanderstrecke endet in Attenhofen in Richtung Fürsitz, etwa 200 Meter nach Ortsende. Beide Punkte sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

    Wegstationen
    Station 1: Der Fachsenfelder Arbeiterweg
    Station 2: Die heilige Barabra
    Station 3: 1750 - Der Pfannenstiel wird besiedelt
    Station 4: Die Jenischen
    Station 5: Jenisch diebra
    Station 6: Fachsenfeld und der Bergbau am Braunenberg
    Station 7: IG Metall
    Station 8: Der Fachsenfelder Arbeiterweg

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Arbeiterweg Fachsenfeld - Wasseralfingen

    Keine Infomaterialien vorhanden.

    Feldberg: Feldbergsteig

    Feldberg: Feldbergsteig

    Der Premiumwanderweg Feldbergsteig führt auf Pfaden mit vielen Aussichtspunkten durch eines der schönsten Naturschutzgebiete Deutschlands mit subalpinem Charakter. Am Weg laden mehrere Hütten zur Einkehr ein.

    Im Haus der Natur am Ausgangspunkt wird der Feldbergsteig ausführlich vorgestellt, z. B. in einer 3D-Diashow.

    Von hier führt er steil auf den Seebuck hinauf, dann auf einem Panoramaweg weiter zum Feldberggipfel. Bei geeigneter Witterung reicht die Sicht bis zu den Alpen und Vogesen. Der Abstieg führt vorbei an der St. Wilhelmer Hütte, der Zastler Hütte und der Baldenweger Hütte. Bis zum Raimartihof verläuft der Steig auf schmalen abenteuerlichen Pfaden. Ein besonders Naturerlebnis ist der folgende Feldsee unterhalb der steil aufragenden Felswände des Feldbergmassivs. Durch einen Bannwald gelangt man zurück zum Ausgangspunkt.

    Wegbeschreibung

    Die traditionelle Wanderroute führt vom Haus der Natur (Feldberg) zunächst in einem steilen Aufstieg zum Bismarckdenkmal (1.450 m) auf dem Seebuck – alternativ  bequem mit der Feldbergbahn (Kabinenbahn) zu erreichen. Hier bietet sich ein überwältigender Rundblick auf den Schwarzwald, die Alpen und Vogesen. Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf den steil unterhalb liegenden Feldsee. Wer möchte, kann den nahe gelegenen Feldbergturm (Aussichtsplattform) besuchen.

    Auf dem Höhenrücken geht es weiter durch den Grüblesattel zum Feldberggipfel (1.493 m). Das nächste Ziel ist die St. Wilhelmer Hütte, die höchstgelegene Almhütte des Schwarzwaldes. Ein romantischer Pfad führt zur Zastler Hütte; es folgt ein kurzer Aufstieg zur Baldenweger Hütte (tolle Aussichtslage).

    Danach beginnt der eigentliche „Steig“: über schmale Pfade und kleine Hängebrücken geht es durch den Seewald weiter zu einem der ältesten Höfe des Hochschwarzwaldes, dem Raimartihof. Von dort ist es nicht weit zum idyllisch gelegenen Feldsee (Karsee 1.116 m). Der Karl-Egon-Weg führt durch ein Bannwaldgebiet bergauf zurück zum Ausgangspunkt.

    Ein ganz besonderes Naturerlebnis vermittelt der „Hosentaschen-Ranger“:

    Amüsante Videobotschaften, mit dem Feldberg-Ranger Achim Laber in der Hauptrolle, überraschen an 12 Wegpunkten entlang der Route des Feldberg-Steigs mit Wissenswertem und Kuriosem zu Flora, Fauna und Geschichte des größten Naturschutzgebiets in Baden-Württemberg.

    Den Hosentaschen-Ranger kann man beim Wegbetreiber als App kostenlos herunter laden.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Feldberg

    Feldbergsteig – keine weiteren Infomaterialien vorhanden!

    Feldberg: Hebelwanderweg von der Wiesequelle nach Basel

    Feldberg: Hebelwanderweg von der Wiesequelle nach Basel

    Johann Peter Hebel

    Johann Peter Hebel (* 10. Mai 1760 in Basel; † 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutscher Schriftsteller, evangelischer Geistlicher und Lehrer.

    Aufgrund seines Gedichtbands Allemannische Gedichte gilt er gemeinhin als Pionier der alemannischen Mundartliteratur. Sein zweites bekanntes Werk sind zahlreiche, auf Hochdeutsch verfasste Kalendergeschichten.

    Textquelle: Wikipedia „Johann Peter Hebel” (Stand: Oktober 2024)

    Kindheit und Schulzeit

    Johann Peter Hebel wurde am 10. Mai 1760 in Basel geboren, wo seine Eltern im Sommer im Patrizier-Haus Iselin arbeiteten. Seine Eltern wurden am 30. Juli 1759 in der Hauinger Dorfkirche getraut. Hebels Vater Johann Jakob, der aus dem Hunsrück nach Südbaden gekommen war, starb bereits 1761 an Typhus. Ebenfalls dem Typhus erlag Hebels jüngere Schwester Susanne, nur wenige Wochen alt.

    Seine Kindheit verlebte er zur Hälfte in der Stadt, zur anderen Hälfte in Hausen im Wiesental, dem Heimatdorf seiner Mutter Ursula Hebel, geborene Oertlin, in dem sein Vater im Winter als Weber gearbeitet hatte. „Da habe ich frühe gelernt arm sein und reich sein […] nichts haben und alles haben, mit den Fröhlichen froh sein und mit den Weinenden traurig“, erinnerte sich Hebel später in einem Entwurf für eine Predigt. Wie sich später in seinem Werk zeigte, war Hebel sowohl von Erinnerungen an das städtische Basel als auch an das ländliche Wiesental geprägt.

    Ab 1766 besuchte Hebel die Volksschule in Hausen und ab 1769 die Lateinschule in Schopfheim (heutiges Theodor-Heuss-Gymnasium), wo er ein Schüler von August Gottlieb Preuschen war. In den Sommermonaten wurde er in der Gemeindeschule in Basel unterrichtet und ab dem Jahre 1772 im dortigen Gymnasium am Münsterplatz. Als Hebel dreizehn war, erkrankte seine Mutter schwer. Mit einem Ochsenkarren eilten Hebel und der Hausener Vogt Johann Jakob Maurer nach Basel, um die Kranke nach Hausen zu bringen. Sie starb jedoch unterwegs im Beisein von Hebel zwischen Brombach und Steinen.

    1774 trat Hebel ins Karlsruher Gymnasium illustre ein, wo er von Förderern finanziell unterstützt wurde und als „Kostgänger“ unter anderem bei seinem ehemaligen Lehrer und späteren Hofdiakon Preuschen und dessen Bruder, bei Gymnasialprofessor Christof Mauritii, dem Staatsrechtler Philipp Rudolf Stösser (1751–1825) und dem jungen Beamten Johann Nicolaus Friedrich Brauer speiste. Hebel erbrachte am Gymnasium sehr gute Leistungen, wurde 1776 in die Lateinische Gesellschaft der Markgrafschaft Baden in Karlsruhe aufgenommen und schloss das Gymnasium 1778 ab.

    Textquelle: Wikipedia „Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen“ (Stand: Oktober 2024)

    Als Lehrer in Hertingen und Lörrach

    Während seines Studiums wurde er in Erlangen Mitglied im Amicistenorden. Nach einem zweijährigen Theologiestudium (1778–1780) in Erlangen bestand er im September 1780 in Karlsruhe die Examensprüfung und wurde im November Kandidat für ein Pfarramt. Ein solches erhielt er jedoch nicht, sondern trat stattdessen eine Stelle als Hauslehrer in Hertingen beim dortigen Pfarrer Schlotterbeck an. Auf Wunsch Schlotterbecks wurde er nach zwei Jahren ordiniert und betätigte sich auch in der Seelsorge in Hertingen und Tannenkirch. Hebel nutzte seine Zeit in Hertingen außerdem für ausgedehnte Wanderungen im badischen Oberland und bis in den Hunsrück, die Heimat seines Vaters.

    1783 wurde er zum Präzeptoratsvikar (Hilfslehrer) am Pädagogium in Lörrach ernannt. Verbunden mit dieser Aufgabe war auch das Predigen in Grenzach; allerdings war die Besoldung so karg, dass Hebel sie mit Nachhilfestunden aufbessern musste. Mit dem Lörracher Schulleiter Tobias Günttert schloss Hebel Freundschaft. Über ihn lernte er auch Gustave Fecht kennen, Güntterts Schwägerin, mit der er eine lang andauernde platonische Beziehung führte und der er zahlreiche Briefe schrieb. Hebel blieb sein Leben lang unverheiratet, obgleich er in späteren Jahren die Schauspielerin Henriette Hendel-Schütz sehr verehrte.

    Textquelle: Wikipedia „Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen“ (Stand: Oktober 2024)

    Wechsel nach Karlsruhe

    1791 wurde er als Subdiakon an das gymnasium illustre in Karlsruhe berufen, was für ihn den Abschied von Südbaden bedeutete. Neben der Lehrtätigkeit am Gymnasium predigte er in Karlsruhe auch gelegentlich bei Hofe, wobei er sich großer Beliebtheit erfreute. Bereits 1792 wurde Hebel Hofdiakon, 1798 außerordentlicher Professor. Am Gymnasium unterrichtete er weiter mehrere Unterrichtsfächer, darunter auch Botanik und Naturgeschichte.

    Hebel unterhielt eine Pflanzensammlung, die er in einem umfangreichen Herbarium zusammengefasst hatte. Er war ferner mit dem Botaniker Karl Christian Gmelin befreundet, dessen Flora badensis alsatica er bezüglich der botanischen (lateinischen und griechischen) Bezeichnungen und Diagnosen überarbeitete. Gmelin seinerseits nahm in diesem Werk die Gewöhnliche Simsenlilie unter dem Namen Hebelia allemannica (heute Tofieldia calyculata) auf. 1799 wurde Hebel Ehrenmitglied der Jenaer mineralogischen Gesellschaft und 1802 korrespondierendes Mitglied der „Vaterländischen Gesellschaft der Ärzte und Naturforscher in Schwaben.“

    In jungen Jahren hatte Hebel Klopstock und Jung-Stilling gelesen, später schätzte er vor allem Jean Paul und Johann Heinrich Voß.

    Sein Wunsch, sich als Pfarrer um eine Pfarrei im Wiesental kümmern zu dürfen, wurde nicht erfüllt. Wie groß dieser Wunsch war, zeigt sich darin, dass Hebel im Jahr 1820 eine Antrittspredigt für eine Landgemeinde verfasste und darin unter anderem schrieb: „An einem friedlichen Landorte, unter redlichen Menschen als Pfarrer zu leben und zu sterben, war alles, was ich wünschte, was ich bis auf diese Stunde in den heitersten und in den trübsten Augenblicken meines Lebens immer gewünscht habe.“ Stattdessen wurde Hebel, in seinen eigenen Worten, „an einer unsichtbaren Hand immer höher hinan, immer weiter von dem Ziel meiner bescheidenen Wünsche hinweggeführt“. Zwar erhielt er 1805 die Möglichkeit, die lutherische Pfarrei in Freiburg im Breisgau zu übernehmen, lehnte dies allerdings auf Wunsch des Großherzogs Karl Friedrich ab.

    1808 wurde er Direktor des Karlsruher Gymnasiums. Hebel blieb bis zu seinem Lebensende in Karlsruhe, von gelegentlichen Reisen in andere Landesteile abgesehen. Das heimatliche badische Oberland und seine ehemaligen Wirkungsstätten Hausen, Schopfheim, Lörrach und Weil besuchte er 1812 ein letztes Mal. Ab 1815 klagte Hebel vermehrt über gesundheitliche Probleme, die sich in den folgenden Jahren verschlimmerten.

    Textquelle: Wikipedia „Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen“ (Stand: Oktober 2024)

    Wirken als Prälat und Abgeordneter

    1819 wurde Hebel der erste Prälat der lutherischen Landeskirche und dadurch Mitglied der ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung. Als Abgeordneter widmete er sich, seinem Hintergrund entsprechend, vor allem der Bildungs-, Kirchen- und Sozialpolitik. So unterstützte er unter anderem Anträge zur Gründung eines Taubstummeninstituts und Blindenheims und für die bessere Ausbildung der katholischen Geistlichen. Ein Wanderverbot für Handwerksburschen dagegen lehnte er ab. Bei der Einweihung des Landtagsgebäudes in Karlsruhe hielt Hebel die Festrede. 1820 erhielt Hebel zunächst das Ritterkreuz, später auch das Kommandeurkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen.

    Bei der Vereinigung der lutherischen und reformierten Landeskirche Badens zur heutigen Evangelischen Landeskirche in Baden 1821 spielte Hebel ebenfalls eine wichtige Rolle: Er setzte sich für eine gemeinsame Liturgie der beiden Kirchen ein und war der erste Unterzeichner der die Vereinigung beschließenden Unionsurkunde. Für sein Wirken bei der Vereinigung verlieh ihm die Universität Heidelberg im gleichen Jahr den Ehrendoktortitel in Theologie. Auch der neuen Evangelischen Landeskirche stand Hebel als Prälat vor.

    Textquelle: Wikipedia „Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen“ (Stand: Oktober 2024)

    Tod

    Im September 1826 begab er sich auf eine Dienstreise, um in Mannheim und Heidelberg Schulprüfungen abzunehmen. Nach den Prüfungen in Mannheim, wo er bereits unter starken Schmerzen gelitten hatte, besuchte er den Gartenbaudirektor Johann Michael Zeyher und seine Frau in Schwetzingen. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich und er bekam hohes Fieber. Wie sich später bei der Obduktion zeigte, litt er an Darmkrebs. Ärzte, die aus Schwetzingen, Mannheim und Karlsruhe herbeigerufen wurden, konnten ihm nicht mehr helfen: Hebel starb in der Nacht auf den 22. September 1826. Er wurde in Schwetzingen beerdigt.

    Sein Nachfolger als Prälat der badischen Landeskirche wurde Johannes Bähr.

    Textquelle: Wikipedia „Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen“ (Stand: Oktober 2024)

    Die landschaftlich und kulturell sehr reizvolle Gegend zwischen Basel und dem Feldberg lädt zu schönen Wanderungen und heimatkundlichen Exkursionen ein.

    Der Hebel-Wanderweg mit einer Länge von ca. 60 km orientiert sich an Hebels alemannischem Gedicht „Die Wiese“ und verläuft auf markierten Wanderwegen des Schwarzwaldvereins und des Vereins Wanderwege beider Basel von der Quelle am Feldberg bis zur Schifflände in Basel.

    Zahlreiche Informationstafeln informieren über Hebel und sein Werk. Der Hebelwanderweg ist zwischen Todtnau und Basel nahezu überall barrierefrei und in allen Gemeinden an der Strecke sind entsprechende Parkmöglichkeiten vorhanden.

    Der Weg kann auch in umgekehrter Richtung begangen werden oder in einzelnen Etappen. Alle Punkte liegen verkehrsgünstig an Bus-, Bahn- oder Tramlinien. In Hausen im Wiesental führt Sie der Weg am Hebelhaus, dem Literaturmuseum der Gemeinde Hausen i. W. vorbei.

    Hinweis: Die offizielle Streckenführung konnte beim Erstellen dieser Seite nicht recherchiert werden. Der in der Karte dargestellte Streckenverlauf zwischen Wiesequelle und Todtnau ist ein Teilstück des Geniesserpfades „Wasserfallsteig„. Die Wegstrecke ab Todtnau verläuft auf dem „Wiesental-Radweg„.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Hebelwanderweg

    Faltblatt

    agsdi-file-jpg

    Hebelwanderweg

    Poster „Streckenverlauf“

    Ettenheim: Mühlenweg

    Feldberg: Wasserfallsteig

    Der ca. 12 Kilometer lange Weg führt vom Feldbergpass zur Wiesequelle und von dort über den Hebelweg hinab nach Fahl zum Fahler Wasserfall und schließlich bis nach Todtnauberg zum Todtnauer Wasserfall.

    Und Wasser ist nicht nur bei den Wasserfällen zu erleben, auf weiten Strecken wird man von einem wildromantischen Bach begleitet. Abwechslungsreicher Wald und eine schöne Wiesenlandschaft sind weitere Merkmale dieses Weges, einige Aussichten runden das Wandererlebnis ab.

    Der Wasserfallsteig ist zwar ein Streckenweg, aber durch gute stündliche Busverbindungen kommt man problemlos wieder nach Todtnau, bzw. an den jeweiligen Ausgangspunkt zurück.

    Der Weg liegt in verschiedenen Schutzgebieten: Biosphärengebiet „Schwarzwald“, FFH-Gebiet „Hochschwarzwald um den Feldberg und Bernauer Hochtal“ (Natura 2000), Vogelschutzgebiet „Südschwarzwald“ (Natura 2000) und NSG „Feldberg“.

    Schon gewusst?

    Fahler Wasserfall

    Das Wasser des „Fahler Wasserfalls“ fällt 50m zu Tal.

    Das Quellgebiet des Rotenbachs liegt am 1386 m hohen Stübenwasen. Der Rotenbach mündet in Fahl in die Wiese und später in den Rhein.

     

    Todtnauer Wasserfall

    Das Wasser des „Todtnauer Wasserfalls“ fällt 97 Meter zu Tal.

    Das Quellgebiet des Stübenbaches liegt am 1.386 Meter hohen Stübenwasen.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Wasserfallsteig Feldberg

    Keine Infomaterialien vorhanden!

    Fichtelberg: Bergwerksweg

    Fichtelberg: Bergwerksweg

    GEOPARK Bayern-Böhmen

    Cesko-Bavorský GEOPARK

    Aufbruch ins Erdinnere

    Tajemstvi zemského nitra

    1. Pingen

    Pingen – ein uraltes Wort aus der Bergmannssprache – sind Vertiefungen auf der Erdoberfläche, die entweder durch alte kleinräumige Tagebaue oder Tageverhaue oder/und durch alten Untertagebergbau, über dem die Oberfläche nachgestürzt ist, entstanden sind. Sie sollten im Regelfall nicht betreten werden, außer man weiß sicher, dass unter der Delle in der Landschaft kein Schacht oder tiefer Abbauhohlraum liegt.

    2. Erzgang 

    Das Erz-Silbereisen ist ein blättchenartiges silberglänzendes Eisenerz, das in ganz Europa nur noch in einer relativ kleinen Lagerstätte in Österreich abbauwürdig vorkommt. Es steht hier in einem 8 m breiten Gang, d.h. einer mehr oder weniger senkrecht stehenden Spalte im Gebirge an und wurde zuerst in mehreren kleinen Tagverhauen und später bis etwa 80 m tief im Tiefbau abbgebaut.

    3. Quarzbrocken

    Das Silbereisen war selten rein. Mitunter stand im Gang nur weißer, heller Quarz oder einzelne Erzblättchen oder Blattpakete im derben Quarz. Das ließen die Alten natürlich stehen und auch die alles verwitternde Natur konnte diesem Gestein wenig anhaben. So sehen wir nicht nur hier, sondern auch noch später auf unserem Weg da und dort kubikmetergroße Quarze im Wald.

    4. Abbauversuch/Schürfschächtchen

    Altes, offenbar weitgehend verfülltes Schächtchen mit einer kleinen Halde von dort gewonnenem, stark angewittertem Silbereisen. Wir wissen nicht, warum man dort schon bald wieder mit dem Abbau aufgehört hat. Es ist nichts überliefert.

    5. Wollsackgranite

    Rechts und links des Weges tauchen Granit-Findlinge im Wald auf, wollsackähnliche Verwitterungsformen härtesten Ganitgesteins. Bei näherem Hinsehen kann man da und dort Spalt-(Abbau)-Versuche feststellen. Diese „Wollsäcke“ waren in früheren Jahrhunderten ein gesuchter Stein zum Abbau. Aus diesen „Wollsäcken“ konnte man erstklassiges, besonders widerstandsfähiges Steinmaterial gewinnen.

    6. Proterobas-Steinbruch

    Rechts vom Weg die Halde eines alten Steinbruches, dahinter ein kleiner See, der mit Wasser vollgelaufene Proterobas-Steinbruch. Wir sind im Proterobas-Abbaugebiet und gleichzeitig im ursprünglichen Quellgebiet der (umgeleiteten) Warmen Steinach, die hier als Abfluss eines weiteren Tagebaues überquert wird. Links vom Weg die Verankerung einer alten Förderanlage.

    7. Bocksgraben

    Etwa hundert Meter oberhalb des Weges haben die Alten die Steinach, die in den Main fließt, angezapft und das Wasser über einen künstlich geschaffenen Graben, den Bocksgraben, in das Wassersystem Naab geleitet, die in die Donau mündet. Sie haben das Wasser über mehrere Kilometer zu einem Stausee, dem Mühlweiher, zwischen Neubau und Fichtelberg, geleitet, um Energie zu gewinnen. Energie war, wie auch heute noch, die Voraussetzung fast jeder Produktion.

    8. Bergwerk Gleissinger Fels

    Das Silbereisenbergwerk „Gleissinger Fels“ ist das größte Besucherbergwerk Nordbayerns. Eine  Führung dauert ungefähr eine Stunde.

    Erleben Sie unter sachkundiger Führung – mit einer Grubenlampe in der Hand – die funkelnden und gleißenden Schätze der „Unterwelt“! Durch uralte handgeschlagene Stollen, glänzend mit silbernem Erz, vorbei an einem 35 Meter tiefen senkrechten Schacht, erreichen Sie schwindelerregende, riesige Hohlräume über die Sie staunen werden. Und vielleicht haben Sie Glück und begegnen unserem schlafenden KOBOLD vom „Gleissinger Fels“?

    ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

    Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

    Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

    Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

    An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

    Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
    "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

    Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

    GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
    Humboldt in Falkenstein

    Humboldt im Amt Lauenstein

    Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

    Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
    Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

    Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

    Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

    Der Stielersche Hammer

    "Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

    Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

    Falkenstein (Geschichte bis 1945)

    Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

    1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

    1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

    1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

    In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

    Falkenstein (Geschichte ab 1945)

    Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

    Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

    Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

    Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

    Tipps

    Steinbach an der Heide

    2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

    Burg Lauenstein

    Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

    Thüringer Warte

    Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

    GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
    Humboldt in Ludwigsstadt

    Humboldt und der Schiefer

    An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

    Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

    Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

    Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

    Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

    Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

    Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
    Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

    Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

    [...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

    [...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

    [...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

    Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

    Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

    Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

    Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

    Kaulsdorf, d. 10. März 1794
    A. v. Humboldt"

    1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

    Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

    Tipps

    Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

    Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

    Internet: www.schiefermuseum.de

    Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

    Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

     

    Schieferpark Lehesten

    Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

    GEO-Tour Station 3: TETTAU
    Humboldt in Tettau

    Humboldt und das Porzellan

    Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

    Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

    Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

    Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

    Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

    Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

    Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

    Tipps

    Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

    Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

    Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

    Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

    Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

    Internet: www.glasbewahrer.de

    GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
    Humboldt in Schauberg

    Humboldt macht "Blau"

    Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

    Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

    Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

    Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

    Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

    Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

    Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

    Was ist Schmalte bzw. Smalte?

    Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

    Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

    Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

    Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

    Tipps

    Rösler Ceramtec GmbH

    Werksverkauf:
    Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
    Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

    Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

    GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
    Humboldt in Lichtenberg

    Humboldt zieht Bilanz

    Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

    Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

    Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

    Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

    Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

    Friedrich-Wilhelm-Stollen

    Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

    Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

    Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

    Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

    • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
    • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
    • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
    • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
    • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

    Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

    Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

    Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

    Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

    Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

    Tipps

    Infostelle Naturpark Frankenwald

    Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

    Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

    Naturlehrpfad Höllental

    Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

    GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
    Humboldt in Bad Steben

    Humboldt macht Schule

    Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

    Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

    Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

    Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

    Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

    Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

    • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
    • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
    • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
    • Humboldt-Büste im Kurpark
    • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
    • Erzrevier Obere Mordlau.

     

    Humboldt-Haus (Badstraße 2)

    Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

    Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

    Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

    Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

    Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

    Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

    Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

    Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

    Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

    1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

    Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

    Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

    Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

    GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
    Humboldt in Geroldsgrün

    Humboldt und der "Alte Mann"

    Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

    Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

    Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

    Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

    "Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

    Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

    • Vogel Strauß Fdgr.
    • Friedlicher Vertrag Fdgr.
    • Schwarzer Mohr Erbst.
    • Gevattergraben
    • Hoher Ofen zu Marxgrün

    Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

    "[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
    Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

    1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
    2) Gebirgsart = Gesteinsart
    3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

    Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

    "1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

    Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

    Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

    "Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

    Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

    Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

    Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

    "Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

    Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

    Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

    Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

    Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

    Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

    Tipps

    Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

    Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

     

    Max-Marien-Heilquelle

    Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

    Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
    Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

    GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
    Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

    Humboldt und der Magnetberg

    "Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

    So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

    "Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

    Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

    Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

    Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

    [...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

    Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

    "[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

    Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

    "[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

    Der Haidberg aus heutiger Sicht

    Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

    Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

    Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

    Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

    Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

    Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

    Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

    Machen Sie Ihr eigenes Experiment

    Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

    Tipps

    Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

    Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

    Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

     

    Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

    Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

    Kontakt Museum Hier öffnen

    GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
    Humboldt in Bad Berneck

    Humboldt in matten Wettern

    Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

    Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

    Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

    In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

    "Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

    Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

    Das Bergwerk "Beständiges Glück"

    Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

    Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
    Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
    (Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

    Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

    Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

    Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

    1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck. Er war schon Jahre zuvor ein begeisterter Kurgast des Ortes. Als Bürger von Berneck erwies sich Rother als Förderer des Kurortes, seit 1866 war er auch Mitglied des Kurkomitees. Auf den Halden des zwei Jahrzehnte zuvor stillgelegten Bergwerkes "Beständiges Glück" ließ Rother auf eigene Kosten einen Park ("Blüchersruhe") mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen anlegen. Dieser stellt heute eine überregionale Besonderheit dar.

    Wilhelm Rother wurde 1867 Ehrenbürger von Berneck. Er starb 1898. Der Stadt Berneck hinterließ Rother testamentarisch mehr als eine halbe Million Goldmark, u.a. mit der Auflage, "dass die ganzen Zinsen und Renten des Nachlasses ausschließlich zum Vorteil und zur Hebung der Kuranstalten verwendet werden sollen". An den Förderer der Stadt Berneck erinnert im umbenannten "Rotherspark" der 1900 aufgestellte Granitobelisk aus Kösseine-Granit. Bestattet ist Wilhelm Rother auf dem alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche.

    Tipps

    Thiesen Wetterstation

    Carl Thiesen finanzierte dem Kurort eine für die damalige Zeit technologisch aufwendige und damit äußerst kostspielige Wetterstation. Diese steht heute noch oberhalb des Marktplatzes.

    GEO-Tour Station 10: BRANDHOLZ
    Humboldt in Brandholz

    Humboldt im Goldrausch

    Am Abend des 20. Juli 1792 verfasst Alexander von Humboldt bereits Teile seines Berichtes über die Befahrung der Fürstenzeche in Brandholz und fügt diesem in einem zweiten Teil unter der Überschrift "Aussichten zur fortzusetzenden Wiedergewältigung der Fürstenzechen Baue" hinzu. Bei Niederschrift dieses Berichtes ist Humboldt möglicherweise schon in das Wunsiedler Revier weitergereist.

    Am Abend des 23. Juli notiert Humboldt (jetzt bereits in Arzberg) am Rand eines Briefes an Carl Freiesleben:

    "Die Fürstenzeche in Goldkronach hat mich sehr intriguirt [= neugierig gemacht]. Ich habe Akten, Risse p. studiert, bin das ganze ein 50 Lr. (= Lachter, 1 Lr. ∼ 2 Meter) tiefe Gebäude mit Ueberhauen aus dem 14ten Jahrhundert! durchfahren. Nun habe ich alles ins Reine. Es ist ein ungeheurer Bau, eine Grube auf 1.300 Lr. Länge."

    Die Fürstenzeche im Jahr 1792

    In seinem Bericht der Inspektionsreise beschreibt Humboldt den Zustand der Fürstenzeche. Diese war bereits unter Burggraf Friedrich V. 1365 als Fürstenzeche eröffnet worden und hatte ihre Blütezeit bis zum Einfall der Husiten 1430. Bis dahin hatte man die goldreichsten und gut erschließbaren Bereiche der Lagerstätte schon weitgehend abgebaut, so dass die Ausbeute immer geringer und und der Abbau immer schwieriger wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Bergbau auf Gold sogar subventioniert (es wurde eine "Zubuße" gegeben).

    Humboldt erwähnt in seinem Bericht, dass die "Wiedergewältigung" der Fürstenzeche (sie befand sich demnach 1792 nicht in Betrieb) seit wenigen Monaten ("1 Quartal") auf allerhöchsten Befehl (vermutlich durch Minister Hardenberg) eingestellt worden war und dass man "[...] bloß das Ganze durch Einwechslung der Türstöcke in befahrbarem Stande" hielt. Humboldt studiert bereits zu diesem Zeitpunkt alte Bergwerksakten, u.a. die "lehrreichen Beschreibungen des Herrn Berghauptmann von Bothmer". Carl Ludwig Freiherr von Bothmer (1736–1803) war Berghauptmann im Fürstentum Bayreuth. Dessen Berichte können nur wenige Jahre zuvor verfasst worden sein.

    Humboldt erwähnt in seinem Bericht die folgenden Stollen, Schächte und erzführenden Gänge:

      • Tannenschacht
      • Schmuzler
      • Schmiedtenstollen/Schmidtenstollen
      • Jacobschacht
      • Ferberschacht
      • Nasses Lichtloch
      • Rautenkranzer Gang (aber noch keine Rautenkranz-Zeche)
      • Knechtgang
      • Spießglasgang (= Spießglanz, Antimonit)
      • Weißer Kiesgang

    .

    Damit werden viele Lokalitäten genannt, deren Zeugnissen man noch heute bei einer Wanderung entlang des Humboldtweges begegnen kann.

    Aus Humboldts Beschreibungen geht der sehr komplexe Aufbau der Goldlagerstätte am Goldberg hervor. Ursache dafür ist die starke tektonische Zergliederung des Gebirges im Nahfeld der Bruchzone der "Fränkischen Linie" (deren Einfluss Humboldt natürlich noch nicht kennen konnte). Humboldt widerspricht in seinem Bericht der Auffassung, dass "die Golderze auf der Fürstenzeche nicht auf ordentlichen Gängen, sondern [an] das Gestein durchschwärmenden Trümmern" gebunden wären. Diese Ansicht hätte vielfach zu einer wenig rentablen Wiedergewältigung der Zeche geführt.

    Tipps

    Goldbergbaumuseum Goldkronach

    Das Goldbergbaumuseum in Goldkronach präsentiert in mehreren Abteilungen die Stadtgeschichte Goldkronachs, die Geologie der Umgebung und der Goldlagerstätte, die Geschichte des Bergbaus, das Blattgold-Kunsthandwerk sowie Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge.

    Internet: www.goldbergbaumuseum.de

    GEO-Tour Station 11: GOLDKRONACH
    Humboldt in Goldkronach

    Humboldt und das Goldstädtchen

    Goldkronach gehört zu den Orten in Oberfranken, in denen Alexander von Humboldt heute wohl noch am gegenwärtigsten ist. So bezeichnet sich das kleine Städtchen vielfach auch als "Humboldt-Stadt". In Goldkronach hat auch der Verein Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V. seinen Sitz. Dessen Anliegen ist es, insbesondere an Humboldts Wirken in Goldkronach von 1792 bis 1795 zu erinnern. Einen Link auf die Internet-Präsenz des Vereins finden Sie weiter unten.

    Als Sitz des Bergamtes Goldkronach und die einst reichen Goldlagerstätte am Goldberg hatte Goldkronach besondere Bedeutung für Alexander von Humboldt. Erstmals kam Humboldt am 20. Juli 1792 im Rahmen seiner Inspektionsreise nach Goldkronach. Von hier aus befuhr er die Fürstenzeche und blieb bis zur Weiterreise ins Wunsiedler Revier (20. Juli in Arzberg). Nach seinem offiziellen Dienstantritt im Oberbergdepartement Ende Mai 1793 war Goldkronach Ziel von Humboldts erstem Geländebesuch. Hier hält er sich im Juni mehrere Tage auf. Sein Quartier ist die alte Quickmühle (Amalgamiermühle) in Goldmühl. Von dort schreibt er am 10. Juni 1793 seinem Freund Carl Freiesleben:

    "Ich komme eben aus der Grube. Ich bin 2 Meilen geritten und an 3 Stunden auf der Fürstenzeche gefahren, wundern Sie Sich also nicht, liebster Freiesleben, wenn ich Ihnen einen verworrenen Brief schreibe. Mit dem Bergbau geht alles schneller, als ich dachte. [...] In bin seit wenigen Tagen hier, um den eingestellten Bau auf der Fürstenzeche [...] vorzurichten. Das allgemeine Vertrauen, welches der gemeine Bergmann mir übberall zeigt, macht mir meine Arbeit lieb, denn sonst ist meine Lage sonderbar genug, ich thue eingentlich Dienste als Geschworener, nicht als O[ber]bergmeister. Von meinen Vorrichtungen schriebe ich Ihnen jezt nichts. Ich bin zu müde, die Hitze ist unerträglich und die Grubenwetter matt.[...] Die alte Mühle, die ich bewohne, war eine Quikmühle schon im 13ten Jahrhundert. Die Zoppte stürzt sich wild durch die Felsklippen durch. Wenn es glükken sollte, die ausgewanderten Bergleute wiederzurufen, dieser romantischen Gegend nur einen kleinen Theil ihres alten Glanzes wiederzugeben ..."

    Humboldtorte

    Die alte Mühle in Goldmühl

    In den Jahren 1793 und 1794 diente die ehemalige Quickmühle in Goldmühl (heute Ortsteil von Bad Berneck) Alexander von Humboldt als Quartier. Die Mühle wurde um 1557 (nicht wie Humboldt schrieb "schon im 13ten Jahrhundert") als Schneidsäge mit sechs Wasserrädern erbaut. Die Wasserräder trieben ein Pochwerk, eine Mahlmühle und Blasebälge für eine Schmelzhütte an. In den ersten Jahren diente sie auch als Amalgamierwerk ("Quickmühle"), d.h., aus dem durch das Pochen zerkleinerten Erz wurde das Gold mit Hilfe von Quecksilber herausgelöst. Mahl- und Quickmühle arbeiteten bis 1563, danach wird die Mühle zunächst nur noch als Schmelzhütte betrieben, kommen eine Drahtzieherei (um 1600) und eine Getreidemühle (1689) hinzu (Holl & Schulz-Lüpertz 2012). Das heutige Wohnhaus stammt von 1769 (dem Geburtsjahr Humboldts!) und wird als solches noch heute privat genutzt. Die neben der Haustür angebrachte Gedenktafel sehen Sie nebenstehend.

    Hotel "Alexander von Humboldt" (vormals Gasthaus "Zum weißen Schwan")

    Das heutige Hotel steht an dem Ort, an dem zu Humboldts Zeit das Haus des Musikus und Handelsmannes Johann Georg Todschinder stand. In diesem hatte Humboldt möglicherweise seinen Amtssitz. Daran erinnert die an der Fassade angebrachte Gedenktafel:

    "An diesem Platze stand das Haus, in welchem Alexander von Humboldt in den Jahren 1792 - 1795 als koenigl. Preußischer Bergamtsassessor und Oberbergmeister zeitweilig amtierte"

    Ganz sicher belegt ist dies jedoch nicht. Das heutige Hotelgebäude wurde nach dem großen Stadtbrand von 1836 errichtet. Diesem Brand waren viele Gebäude des Ortes zum Opfer gefallen. Ursprünglich hieß das hier untergebrachte Gasthaus "Zum weißen Schwan". Es wurde im Jahr 1868 in einem Festakt in "Alexander von Humboldt-Hotel" umbenannt.

    Ehemaliges Forsthaus (heute Goldbergbaumuseum)

    Das heutige Goldbergbaumuseum an Durchgangsstraße (Bayreuther Straße 21) trägt im Wappenrelief über der Eingangstür die Jahreszahl 1740. In ihm befand sich zu Zeiten Humboldts (bis in die heutige Zeit) eine Forstdienststelle. Oberförster war damals Adolph Ferdinand Böhner, Schwiegervater von Georg Friedrich Püttner (Büttner bei Humboldt). Dieser war einer der Freiberger Kommilitonen von Humboldt. In einem Brief vom 11. Juli 1793 an einen anderen Freiberger Studienfreund, den Russen Vladimir Jurevič Sojmonov, erwähnt Alexander von Humboldt, dass er bei Böhner den gemeinsamen Studienfreund Püttner getroffen habe. Vielfach wird erwähnt, Humboldt hätte in dem Haus auch kurzzeitig gewohnt. Dies geht aus dem erwähnten Brief jedoch nicht hervor. Dort schreibt Humboldt von Forstmeister Böhner, in dessen Nachbarschaft er wohne.

    Ein Besuch des Goldbergbaumuseums sollte man nicht versäumen. Es ist zurzeit allerdings nur von April bis Ende November an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der Geologie und Bergbaugeschichte im Raum Goldkronach beinhaltet das Museum auch einen eigenen Raum zu Alexander von Humboldt.

    Einstiges Wohnhaus Marktplatz 11 (heute Bäckerei)

    Dort wo heute auf der Nordseite des Marktplatzes ein Gebäude mit einer Bäckerei besteht, stand bis zum Stadtbrand von 1836 das Wohnhaus des Schichtmeisters, Bergverwalters und Knappschaftsschreibers Christian Ernst Tornesi. Dieser wohnte hier mit seiner Familie in den Jahren von 1738 bis 1754. Christian Ernst Tornesi kam 1731 aus dem Unterharz nach Goldkronach. Am 7. April 1748 wurde hier als eines von neun Kindern sein Sohn Otto Heinrich Tornesi geboren, der später ein geschätzter Kollege von Alexander von Humboldt und 1798 dessen Nachfolger im Oberbergdepartement werden sollte (siehe dazu weiter unten). Die ganze Familie siedelte 1754 nach Bayreuth über. Christian Ernst Tornesi war dort zum Inspektor und Verwalter für das Zucht- und Arbeitshaus in St. Georgen berufen worden. Dem Zuchthaus war eine Marmorfabrik angeliedert, in dem die Häftlinge arbeiten mussten und die Tornesi ebenfalls leitete.

    Schloss Goldkronach und Humboldt-Kulturforum

    Das Goldkronacher Schloss ist ein ehemaliges Ritterschloss aus dem 16./18. Jahrhundert. Es ist heute in Privatbesitz und Sitz des Alexander-von-Humboldt Kulturforums. Eine kleine Sonderausstellung zu Alexander von Humboldt sowie die von Hans Dressel (†) stammende Humboldt-Büste können bei Veranstaltungen der Kulturforums oder Führungen des GEOPARK Bayern-Böhmen besichtigt werden.

    Nationles Geotop Goldberg

    Seit 2019 gehört der Goldberg bei Goldkronach, das Zentrum des einstigen Goldbergbaus, zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Zu verdanken ist dies seiner montanhistorischer Bedeutung, auch im Hinblick auf das Wirken Alexander von Humboldts, und der dort vorhandenen Infrastruktur.

    Tipps

    Humboldt-Weg und Besucher-Bergwerke

    Der rund sechs Kilometer lange Rundweg führt auf Waldwegen und -pfaden, innerorts auf befestigten Wegen, vorbei an vielen ehemaligen Zeugnissen des Bergbaus seit dem Mittelalter. Startpunkte sind am Infohaus zu den Besucher-Bergwerken auf dem Goldberg, am Parkplatz des Friedhofes, am Wanderparkplatz in Brandholz. Auch der Start in Goldkronach am Marktplatz ist empfehlenswert (Wegstrecke ca. zwei Kilometer länger). Dieser beginnt am Marktplatz und führt ca. 100 Meter nach der Bäckerei am Marktplatz 11 in Richtung Sichersreuth bzw. am Ende der Stadtkirche über einen Wanderpfad zunächst zum Parkplatz am Friedhof (eine Abkürzung direkt auf die Straße an der Ottenleite ist möglich).

     

    Goldbergbaumuseum

    Öffnungszeiten:
    April bis Ende November Sonn- und Feiertage, 13 bis 17 Uhr
    Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich.

     

    Kulturforum Alexander von Humboldt Schloss Goldkronach
    www.humboldt-kulturforum.de

    Goldbergbaumuseum Goldkronach
    www.goldbergbaumuseum.de

    Goldbergknappen

    http://www.goldbergknappen.de/html/rundgang_beginn.html

    GEO-Tour Station 12: BISCHOFSGRÜN
    Humboldt in Bischofsgrün

    Humboldt und die Perlen

    Alexander von Humboldt besucht Bischofsgrün bzw. den Fröbershammer erstmals am 21. Juli 1792. Er notiert in seinem Inspektionsbericht, dass es dort zwei Frischfeuer, einen Zainhammer (für die Nagelschmiede) und eine Knopfhütte gibt. Der Knopfhütte widmet er besondere Aufmerksamkeit.

    Humboldt führt aus, dass die Knopfhütte nur in fünf Wintermonaten betrieben wird und dem Kommerzienrat Loewel gehört. Aus dem Hinweis, dass man "die Arbeiter [im Sommer] zum Holzhauen und zur Feldwirtschaft braucht" geht hervor, dass die einheimischen Bauern die Arbeit in der Knopfhütte verrichteten. Zum Zeitpunkt seines Besuches (Juli) wurde in der Knopfhütte jedoch wohl nicht gearbeitet. Humboldt hat sich demnach die Knopfhütte vor Ort ausführlich schildern lassen. Als Rohstoff für die Glasknöpfe - die Batterlessteine / Paterle - nennt Humboldt einen Grünstein mit wenig Feldspat und vieler innig beigemengter Hornblende von Schneeberg und Ochsenkopf. Er selbst habe das Gestein noch nirgends im Lande anstehend gefunden", es liege dort "in Butzen umher".

    Bei dem von Humboldt angsprochenen Gestein handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, dass in einer rund 5 Kilometer langen und bis zu 20 Meter breiten NNW-SSO-verlaufenden Förderspalte quer durch den Ochsenkopf vorkommt, den sogenannten Proterobas. Vorkommen am Schneeberg gibt es allerdings nicht.

    Humboldt berichtet über das Schmelzen des Gesteins, den Knopfofen sowie das Arbeiten am Ofen. Am Ofen arbeiten 25 Mann (!) vor je einer Öffnung und zogen die geschmolzene Masse (das Glas) mit einer langen Zange ("Kluft" bei Humboldt, auch "Kluppe" genannt) aus dem im Ofen stehenden Schmelztiegel, um es anschließend (durch Drehen) zu "modeln".

    Hergestellt werden im Jahr Knöpfe im Wert von 4.000 - 5.000 Gulden. Bei einem Preis von 6 Kreuzer je "Schnur" mit je 20 Dutzend Knöpfen sind dies ... Knöpfe.

    Die schwarzen Proterobas-Knöpfe wurden mit Emailfarbe bemalt und anschließend die Farbe eingebrannt. Als Farbstoffe wurden verwendet: weiß - Brauneisenstein mit Arsenikkalk, gelb - Birkenkohle, blau - Smalte (mit Kobald gefärbetes Kaliumsilikatglas).

    Humboldt berichtet, dass Glasknöpfe bereits seit 200 bis 300 Jahren in der Region hergestellt werden und ihren Ursprung in "in der Warmen Steinach" - also in Warmensteinach - hat. Derzeit gäbe es im Bayreutherischen fünf Fabriken, die ihre Erzeugnisse nach Schlesien und Polen, teils für den "Sklavenhandel nach Afrika [?] geben."

    Humboldt schließt seinen Bericht über die Knopfhütte mit einer Bemerkung zur Abwanderung von Arbeitern aus dem Bayreuther Fürstentum in die nahegelegee obere Pfalz und nach Böhmen:

    "Bayreuther Arbeiter sind in die obere Pfalz und nach Böhmen übergelaufen und die Konkurrenz der dort neu angelegten Fabriken, die wohlfeileres [= günstigeres] Holz haben, hat den Absatz vermindert und die Ware wohlfeiler gemacht."

    Dies lässt erkennen, dass der Mangel an Holz in der Region wirtschaftliche Folgen hatte.

    Der Fröbershammer

    Humboldt berichtet auch über die Frischfeuer und den Zainhammer, die "vortrefflich eingerichtet" sind und "sehr gute Ware" liefern. Er merkt jedoch an, dass der Verlust an Eisen durch das Frischen beträchtlich ist (3/8). Als wahrscheinliche Ursache benennt er das "Anlaufen" (siehe unten).

    In einem Frischfeuer wird das Roheisen bei starker Hitze wieder aufgeschmolzen. Mit einem Blasebalg wird Luft über die Eisenschmelze geführt, um dem im Eisen von der Herstellung noch vorhandenen Kohlenstoff zu verbrennen. Zwischendurch wird das flüssige Eisen immer wieder umgerührt. Ziel ist es, möglichst wenig Kohlenstoff im Eisen zu haben, um es weniger spröde und damit gut schmiedbar zu bekommen. Das Frischen dauert 5 bis 6 Stunden.

    Der von Humboldt verwendete Begriff des "Anlaufens" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man das Eisen mit einer Stange unter Drehen aus der flüssigen Schmelzmasse herausgenommen hat. Während des Drehens setzte sich das Eisen an der Stange fest. Anschließend wurde es abgeschreckt und geschmiedet. Dann wurde das Eisen wieder in die Schmelzmasse gehalten und die nächste Schicht lagerte sich an. Der Vorgang wurde so lang fortgesetzt, wie sich das Eisen schmieden ließ und dem Schmied nicht zu schwer. Am Grund des Ofens setzte sich das minderwertige "Theileisen" ab. Durch das Schmieden werden noch vorhandene Schlackenreste aus dem Eisen entfernt.

    Das Frischen des Eisens ist ein sehr viel Energie verbrauchender Vorgang. Humboldt berichtet, dass je Frischfeuer am Fröbershammer je Woche 42 Zentner Eisen gefrischt werden, wobei dafür 84 Kübel Holzkohlen verbraucht wurden. Hierzu benötigte man 17 bis 21 Klafter Holz (ganz grob 1 Klafter Holz = 3 Kubikmeter). Für beide Frischfeuer waren das pro Woche rund 102 bis 126 Kubikmeter Holz!

    Lesen Sie hier den gesamten Text Humboldts über die Frischfeuer und den Zainhammer zu Bischofsgrün. Es sei hier als Beispiel der von ihm verwendeten Fachtermini und Darstellungsweise aufgezeigt.

    Tipps

    Glaswanderweg

    Der Glaswanderweg ist ein industriehistorisch interessanter und naturräumlich reizvoller Themenwanderweg mit einer Länge von 42 Kilometern zwischen Weidenberg und Bischofsgrün. Er ist in die Abschnitte

    • Weidenberg - Sophienthal - Zainhammer
    • Zainhammer - Warmensteinach - Grünstein
    • Grünstein - Neugrün - Fichtelberg - Karches
    • Karches - Bischofsgrün

    gegliedert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite www.glas-im-fichtelgebirge.de.

    Waldglashütte am Ochsenkopf

    Archivalische Notizen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben eine „Glas- und Knopfhütte am Fichtelberg“, entlegen an der Landesgrenze zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Kulmbach und Obere Pfalz. Archäologische Ausgrabungen unter Trägerschaft der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth e. V. zwischen 2004 und 2006 haben die Relikte der alten Proterobas-Glashütte wieder zum Vorschein gebracht. Die begleitenden archäologischen Untersuchungen sind ein allererster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen und interdisziplinären Aufarbeitung der Siedlungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte im zentralsten deutschen Mittelgebirge.

    Die am südlichen Hang des Ochsenkopfes im heutigen Landkreis Bayreuth ausgegrabene Glashütte lässt sich weit zurückverfolgen. Lorenz Glaser bittet 1616 um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Hütte auf oberpfälzischen Grund an der Mooslohe. Der Standort zwischen Proterobas- und Quarzitgängen an dem aus den Kalten Brunnen fließenden Bächlein ist ideal gelegen.

    Die Waldglashütte erreichen Sie am besten vom Parkplatz nahe der Bleaml-Alm auf dem Forstweg Richtung Ochsenkopf. An der ersten Abzweigung (ca. 400 Meter nach Eintritt in das Waldgebiet) nach rechts und dem Forstweg noch etwa 200 Meter folgen.

    GEO-Tour Station 13: LUISENBURG / WUNSIEDEL
    Humboldt in Luisenburg / Wunsiedel

    Humboldt und die Luisenburg

    Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Felsenlabyrinth der Luisenburg als berühmtester Besucher Johann Wolfgang von Goethe genannt. Dieser duchstieg Teile des Felsenmeeres 1785, noch vor der ersten Ausbauphase zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten, und bei einem zweiten Besuch 1820. Zu diesem Zeitpunkt war das Labyrinth schon nahezu in seiner heutigen Form begehbar. Über Besuche Alexander von Humboldts ist tatsächlich nur sehr wenig bekannt. Die Kenntnis davon stützt sich auf eine Reisebeschreibung des polnische Grafen de Lagarde-Messence in von 1819, in der es heißt: "[...] dort findet man ein rechtmerkwürdiges Moos, das in der Finsternis schimmert. Als Herr von Humboldt, Bergwerksmeister seines Zeichens, durch diese Berge ging, machte er die Analyse davon [...]". Aufzeichnungen Humboldts selbst hierzu sind jedoch heute nicht mehr verfügbar.

    In Humboldts Inspektionsbereicht von 1792 findet sich die folgende Textstelle:
    "Daß das relative Alter dieser Granit-Abänderungen sehr verschieden ist, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man auch die eine nicht selten ("an der Luxburg") als Bruchstück in anderen eingewachsen findet."

    Einige Absätze weiter heißt Humboldt:

    "Der Granit auf dem höchsten Kuppengebirge liegt teils söhlig (aie auf der Luxburg), teils schießt er (wie auf dem Schneeberge) unter 10° gegen Abend [nach Westen] ein."

    Humboldt bezieht sich mit seinen Beobachtungen zweimal auf die Luxburg, die 1805 zu Ehren des Besuches der preußischen Königin Luise in Luisenburg umbenannt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass Humboldt diese Erscheinungen mit eigenen Augen gesehen hat. Anders wäre es auch verwunderlich gewesen, denn bereits ab 1790 begann die Begehbarmachung des Labyrinthes.

    Humboldt und der Granit

    Humboldt ist zu einer fränkischen Zeit noch dem "Lager der Neptunisten" zuzuordnen. Er folgt damit der Lehrmeinung seines Lehrers in Freiberg, Abraham Gottlob Werner. Danach wurde der Granit in einer frühen Phase der Bildung der Erdkruste aus einem Urozean, d.h. aus einem wässrigen Medkum, ausgefällt. Als ein Indiz dafür galt auch die "Schichtung" des Granits:

    "Da, wo noch das alte Ausgehende1) des Granits zu sehen ist, d.i. auf einzelnen, turmähnlichen Kuppen, findet sich der Granit äußerst regelmäßig, wie dichter Kalkstein geschichtet, und zwar in Lagern zu 2 Fuß 8 Zoll."

    1) Das Ausgehende meint hier "die obersten Schichten". Humboldt beschreibt hier Felstürme, Felsbastionen, an denen die horizontalen Lagerklüfte gut zu erkennen sind.

    Seine erste Niederschrift ergänzt Humboldt bei einer Überarbeitung des Manuskriptes (zwischen August 1792 und April 1793) wie folgt:

    "Ich glaube nämlich, daß aller Granit ursprünglich (da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten) d.h. im Ausgehenden geschichtet war und daß geschichteter Granit nur darum ein so seltenes (von einigen nicht reisenden Geognosten geleugnetes) Phänomen ist, weil wir überall gleichsam in den Vertiefungen der zerstörten Erdrinde wohnen und das alte Ausgehende des Granits nur auf den höchsten besuchten Punkten der Erdoberfläche zu suchen ist."

    Für Humboldt ist der Granit nur in seinen obersten Abschnitten geschichtet: "[...] da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten." Auch wenn es im Inspektionsbericht nicht weiter ausgeführt ist, dürfte Humboldt den Granit in der Tiefe als strukturlose Masse betrachtet haben. Ob er Vorstellungen darüber hatte, wie es hierzu gekommen sein soll, ist ebenfalls nicht ausgeführt.

    Bei Seußen nahe Arzberg macht Humboldt eine weitere Beobachtung in den granitischen Gesteinen des Fichtelgebirges, die ihm so bemerkenswert erscheint, dass er sie noch während seiner Inspektionsreise im Juli 1792 an den Herausgeber des Bergmännischen Journals schreibt (vermutlich am 23. Juli). Der Brief erscheint daraufhin noch in der Juli-Ausgabe des Journals.

    "Auf einer Reise durch das Wunsiedler Bergamt entdeckte mein lehrreicher Begleiter Herr Hof-Kammerrath Tornesi, [...] zwei vollkommene Granitkugeln am Wege unweit Seisen [= Seußen]! Dies Phänomen wird Ihnen gewiß nicht weniger auffallend scheinen, als es mir war. Beide Granitkugeln waren von 14-16 Zoll im Durchmesser [35-40 cm][...]. Sie bestehen aus einem deutlichen feinkörnigen Granite mit vielem tombackbraunen Glimmer, und zeigen konzentrisch-schalige absonderte Stücke, von denen wir zwei Schalen ablößten. Beide waren noch ihrer natürlichen Lagerstätte, eingewachsen in einem grobkörnigen Granite, der sich durch den (am Fichtelberg nicht seltenen) kristallisierten Feldspat auszeichnete und der Verwitterung nahe war: ein Beweis also, daß selbst der Granit [...] die Fähigkeit [hat] sich kugelartig zu ballen!"

    Was Humboldt in die Eigenschaft des Granits "sich kugelartig zu ballen" hineininterpretiert, lässt sich nicht ohne Weiteres erschließen. Es ist vermutlich vor allem eine Beobachtung, die er der geognostischen Gemeinschaft kundtun will. Humboldt erwähnt die Kugeln auch in seinem Inspektionsbericht:

    "[...] kommen auch Granitkugeln mit 2- 3fach konzentrisch, schalig abgesonderten Stücken in einem verwitterten Granite bei Seäßen vor".

    In einer nachträglichen Ergänzung kommentiert Humboldt:

    "Ihre Art des Vorkommens zeigt, daß sie nicht sekundär sind. In anderen Teilen europäischer Gebirge sind sie noch nie entdeckt worden und unseren Gebirgen [...] ausschließlich eigen."

    Die Beobachtung Humboldts zeigt sein Interesse und Gespür für das "Nichtalltägliche", die Besonderheiten, die es gilt weiter zu erforschen. Die von Humboldt beschriebene Erscheinung erklärt sich heute als Folge von Verwitterungsprozessen (was sich bei Humboldts Beschreibung ja bereits andeutet). Die "Kugeln" sind in einer Verwitterungsdecke infolge des richtungslosen Gefüges des magmatischen Gesteins entstanden. Ausgehend von einer quaderförmigen, durch Klüfte begrenzten Rohform sind die Gesteinskanten rasch verwittert. In die kugelige Form sind Verwitterungslösungen unterschiedlich weit eingedrungen (oder auch thermische Einwirkungen, Frost oder Temperatur) und haben die konzentrischen Schalen abgelöst.

    Tipps

    Besuchen Sie das Felsenlabyrinth der Luisenburg - eine der wichtigsten geologischen Lokalitäten im GEOPARK Bayern-Böhmen.

    GEO-Tour Station 14: KLAUSEN / SEUßEN
    Humboldt in Klausen / Seußen

    Humboldt und das Klima

    Alexander von Humboldt besucht das Püttnersche Alaunwerk Treue Freundschaft in der Klausen bei Seußen erstmals am 24. Juli 1792 im Rahmen seiner "Inspektionsreise". In seinem Bericht schildert er ausführlich das Werk und die Produktionsschritte der Herstellung von Alaun.

    Schon in seinem Bericht beschreibt er die bituminöse Blätterkohle, in der "oft noch unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten" haben, zu finden sind. Humboldt erwähnt diese Fossilien auch in einem Brief an den Verleger des "Bergmännichen Journals" Hoffmann, der diesen bereits in der Juli-Ausgabe 1792 abdruckt. Dort heißt es:

    [...]Bei Klausen an der Oberpfälzischen Grenze liegt das 21 Lachter mächtige Braunkohlenflöz unter einem Gerölle von mehr oder weniger verwitterten Basaltkugeln. Einige sind mit den Fingern zerreiblich, und doch erkennt man noch die 6-9 fach concntrisch schaligen abgesonderten Stücke. In der Braunkohle finden sich unversehrte Aeste von Tannenzweigen, die fast ihre natürliche Farbe erhalten haben, und so also gegen die Feuerrevolution zeugen. [...]"

    Mit dem Zeugnis gegen die Feuerrevolution spielt Humboldt auf die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten an (siehe dazu Station Luisenburg und Steinhaus). Nachdem Basalte die Braunkohlen überlagern, war Humboldt der Meinung, dass - wären diese aus glutflüssiger Lava erstarrt - die Lava die Pflanzenfossilien in der Farbe verändert, vermutlich verbrannt hätten. Aus heutiger Sicht ist bereits die Interpretation der Lagerungsverhältnisse nicht richtig. Die Basaltblöcke sind in einer lehmigen Grundmasse durch den Prozess des Bodenfließens hangabwärts auf die Braunkohlenlager verfrachtet worden.

    Die Sache mit der Ekliptik

    Im November 1794 schreibt Alexander von Humboldt einen Brief an den Mathematiker Johann Friedrich Pfaff. Darin kündigt er ein größeres Werk unter dem Titel "Ideen zu einer künftigen Geschichte und Geographie der Pflanzen oder historische Nachricht von der allmäligen Ausbreitung der Gewächse über den Erdboden und ihren allgemeinsten geognostischen Verhältnissen" an, das "in 20 Jahren" erscheinen soll. In dem Brief erläutert Humboldt, dass selbst in hohen geographischen Breiten Pflanzenfossilien vorkommen, die unter "Tropenwärme" vor Ort gewachsen sind. "Unter den vielen möglichen Gründen, welche eine Tropenwärme [...] hervorbringen können, studiere ich den besonders über die veränderte Schiefe der Ekliptik ...". Humboldt bittet Pfaff um eine Stellungnahme darüber, ob die Ekliptik in der Vergangenheit nicht auch 48° (gegenüber heute 23 1/2°) betragen haben könnte. Die Antwort von Pfaff ist nicht erhalten, da Humboldt in aller Regel die an ihn gerichteten Briefe vernichtete. In einem Vortrag vor der Akademie zu Berlin am 24. Januar 1823 stellt Humboldt eine völlig andere Hypothese zum Wachstum wärmeliebender Pflanzen weit außerhalb der heutigen Tropen auf. Lesen Sie diese Textpassage hier

    Humboldt schließt seinen Brief wie folgt:

    "Auf meinen rauhen Felsenhöhen hänge ich solchen Träumereien nach. Beraubt von den nothwendigsten Hilfsmitteln muß ich mich an lebendige Orakel wenden ...".

    Was ist Alaun?

    Alaun ist chemisch ein wasserhaltiges Doppelsulfat (SO44-), ein Salz der Schwefelsäure, vermischt mit Tonerde, einer kleinen Menge Potasche (Kalium) und Ammonium. Verwendung fand Alaun u.a.

    • in der Färberei als Beizmittel vor dem Aufbringen von Farbstoffen,
    • in der Gerberei, um weißgares Leder herzustellen,
    • zum Leimen von Papier, um es tintenfest zu machen,
    • zum Härten von Gips und Gelatine,
    • zum Stillen innerer Blutungen und Durchfälle
    • zum Blutstillen bei Schnittwunden (Rasur)
    • als Deodorant

    Alaun kommt in der Natur i.d.R. nicht als Mineral vor, sondern muss in mehreren Schritten aus Schwefel-führenden Gesteinen ausgelaugt werden. In Frage kommen dafür Braunkohlen oder Schwefelkies-haltige Alaunschiefer.

    Das ehemalige Alaunwerk auf der Klausen

    Bereits 1732 gab es in Hohenberg a.d. Eger die Braunkohlengrube "Freundschaft". Dort verbrannte man die Kohle und laugte sie anschließend zur Herstellung von Alaun aus. In Arzberg entstand 1765 eine Alaunhütte am Schachtweg "in der Biih" (= bei der Alaunhütte), die ihre Braunkohle ebenfalls aus Hohenberg bezog, jedoch bereits 1770 ihren Betrieb wieder einstellte.

    Für das Gebiet der Klausen erwirbt der in Seußen ansässige Oberförster Balthasar Christoph Reiz die Mutungsrechte für die Zeche "Treue Freundschaft", die 1762 ihren Betrieb aufnimmt. Vor Ort entsteht ein Alaunwerk, in dem aus der Schwefelkies-haltigen Braunkohle bis 1837 (75 Jahre lang) Alaun produziert wird. Erwähnung finden die Schwefelkies-haltigen Braunkohlen allerdings schon in der von dem markgräflichen Bergrat Johann Wilhelm Kretschmann stammenden "Sammlung zu einer Berg Historia" als "Schefel Kieße von der Clausen, eine Stunde von Redwitz nach Arzberg zu, wobei eine Art Stein Kohlenn, so alaunisch seyn ...".

    Eine erste Beschreibung des Alaunwerkes stammt von 1786:

    "Das Werk besteht aus 2 Hauptgebäuden, wovon jedes 2 Stockwerke hoch ist. In denselben wird zu ebener Erde in 5 kleinen Blechpfannen die Lauge gekocht und in 5 größeren Bleipfannen abgekühlt [...]. Hinter dem Gebäude befindet sich eine Hütte mit 10 hölzernen Kufen verschiedener Größe, in welchen sich die Sole sammelt. 11 Personen liefern wöchentlich 8 Zentner Alaun und etwas rote Farberde". (Nach: J.K. Bundschuh, Geographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799-1804).

    Alexander von Humboldt und das Alaunwerk auf der Klausen

    Alexander von Humboldt widmet dem Alaunwerk auf der Klausen 1792 einen ausführlichen Bericht. Er stellt darin fest, dass das Gestein, "aus welchem man hier den Alaun gewinnt, [...] weder Alaunschiefer noch Alaunerde, sondern wahre Braunkohle" ist. Die Lagerstätte des Flözes bezeichnet er als "überaus merkwürdig".

    Aus Humboldts Beschreibung der Lagenstätte lässt sich der folgende geologische Aufbau ableiten:

    • Humus
    • 2 - 3 m Verwitterungslehm mit 37 - 42 cm großen Basaltkugeln
    • 4 - 5 m weiße und braune Letten
    • darunter (ab ca. 8 m) folgt das Braunkohlenflöz

    Die Mächtigkeit des Flözes ist offensichtlich unbekannt, es soll jedoch noch in 42 m Tiefe erbohrt worden sein. Humboldt hält fest, dass die Lagerstätte im Nordwesten von Gneisen begrenzt wird (man findet sie in mehreren Aufschlüssen heute noch entlang des nördlichen Uferweges. In der Braunkohle beschreibt Humboldt "unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten [haben], und unverwitterte Schwefelkiese."

    Der Beschreibung Humboldts zufolge erreichten die Bergleute das Braunkohlenflöz von der Oberfläche her über mehrere mit großem Aufwand gezimmerte Schächte. Über diese wurde das "mit dem Keilhauer Gewonnene durch Haspel herausgefördert." Der eigentliche Abbaustollen lag bis in 28 Meter Tiefe und hatte eine Länge von rund 220 Metern in südlicher Richtung. Der größte Teil des Stollens war ausgezimmert.

    Zur Zeit von Humboldts Besuch arbeiteten 12 Bergleute auf der Grube, das Alaunsieden erfolgte nur während der wärmeren Jahreszeit. Das mit verwittertem und unverwittertem Schwefelkies durchsetzte Alaunerz, die Braunkohle, wurde auf die "Bühne" verbracht, ein aus Balken und Brettern bestehendes Bauwerk oberhalb der Grube, die mundartlich so genannte "Biih". Auf der "Biih" wurden die Braunkohlen vor der eigentlichen Alaunproduktion erst eineinhalb bis zwei Jahre gelagert, um dort zu "wittern". Danach beginnt das Auslaugen (12-15 Jahre!). Während der Lagerung und später beim Begießen und Wenden der Braunkohlen oxidiert der Luftsauerstoff den Schwefelkies (Pyrit) in der Braunkohle. Die dabei freigesetzte Schwefelsäure löst aus den tonigen Begleitsedimenten der Braunkohle Aluminium, Kieselsäure und Bitumen heraus. Diese Lauge wird in einen Schuppen nahe der Alaunhütte geleitet, wo sie in mehreren, im Boden eingelassenen Vorratskästen (1,50 m im Durchmesser, 1,20 m tief) zwischengelagert wird.

    Im nächsten Schritt wird die Lauge in drei "Läuterpfannen" 36 Stunden lang "gesotten" (gekocht). Während des Siedens setzen sich die bituminösen Bestandteile und die Kieselsäure als teerartige Masse ab, die getrocknet schwarz-glänzend ist und einen muscheligen Bruch hat. Die geläuterte Lauge wird zum Abkühlen in größere Pfannen geleitet, danach in zwei Garpfannen unter Zugabe von Pottasche (Kaliumkarbonat) 24 Stunden eingedampft.

    Humboldt nennt in seinem Bericht, dass wöchentlich 5 Zentner Alaun produziert werden. Der Holzbedarf dafür beträgt 10 Klafter. Humboldt bilanziert daraus die jährliche Produktion von 100 - 120 Zentner Alaun mit einem Holzverbrauch von 200 - 240 Klaftern (bei 5 - 6 Monaten Betrieb). Kritisch äußert er sich über den hohen Holzverbrauch, den er u.a. einer unsachgemäßen Befeuerung und falschen Bauweise der Pfannen zuschreibt.

    Das "Püttnersche Alaunwerk" auf der Klausen

    Humboldt benennt das Alaunwerk auf der Klausen als das "Püttnersche Alaunwerk". Es gehörte demnach der Kaufmanns- und Bankierfamilie Jakob Friedrich Püttner (1720-1798) aus Hof, die auch Eigentümer der Vitriol- und Alaunhütte "Goldene Adlerhütte" bei Wirsberg war. Dessen Enkel, Georg Friedrich Püttner, war Kommilitone Humboldts in Freiberg und übernahm später das Vitriolwerk bei Wirsberg und die Alaushütte auf der Klausen.

    Hüttenmeister zur Zeit des Besuches von Humboldt war der Johann Christian Ullmann, "... ein sehr verständiger Mensch, aber ehemaliger Bermann aus Johanngeorgenstadt, der sich wohl besser auf Bergbau als Pyrotechnik verstehen mag." (Humboldt). Von 1808 an leitete das Püttnersche Alaunwerk der aus der Niederlausitz stammende August Reinsch (1778 - 1869), der ausgebildeter Apotheker war. Er war zuvor als Laborant auf der "Goldenen Adlerhütte" tätig. Reinsch übernahm nach dem Tod des Obersteigers J.C. Benker 1805 die Leitung der 1795 von Alexander von Humboldt in Arzberg gegründeten Bergschule. Reinsch übernimmt einige Jahre vor 1833 das Alaunwerk zu eigener Pacht. Für das Jahr 1829 werden noch 5 Bergarbeiter und 10 Alaunsieder genannt. Das Alauswerk wird 1833 von den Püttnerschen Gewerken an den Seußener Gutsbesitzer Christian Paul Aecker verkauft. Reinsch geht als "Berg- und Hüttenfaktor" (Verwalter) des Schwefelkiesbergwerkes am Silberberg nach Bodenmais (heute Besucher-Bergwerk).

    Der Niedergang des Alaunwerkes auf der Klausen

    Der neue Eigentümer seit 1833 des Alauswerkes, Christian Paul Aecker aus Seußen, betrieb das Werk nach einer Angabe von Carl Wilhelm von Gümbel nur bis zum Jahr 1837. 1834 heißt es in einem Text jedoch bereits, das sich " [...] sämtliche Grubenbaue der 'Treuen Freundschaft'bei Seußen ohne alle Beaufsichtigung und Unterhaltung befinden, wodurch eine sehr üble Gruben- und Hüttenwirtschaft [entstanden] ist". 1853 kam es durch das Bergamt zu einer "Freierklärung", da die Erben des mittlerweile verstorbenen Christian Paul Aecker den Verpflichtungen des Bergamtes nicht nachkamen.

    Vom Alaunwerk zum Freizeitsee

    1870 entsteht an Stelle der aufgelassenen Bergbaugrube der Klausenteich, jedoch wird die Staumauer durch ein Hochwasser im Juni 1913 zerstört. Erst 1935 wird der Teich durch den Klausenwirt Georg Sölch neu angelegt. Dieser wird 1912 zusammen mit seiner Familie als Bewohner des Gebäudes Nr. 1 des Anwesens "Treue Freundschaft" genannt. Im anderen Gebäude (1a) lebten sechs weitere Familien. Das von dem Ökonomen und Bierwirt Wirtshaus bestand bis zur Flutung des Feisnitzsee 1972/73 als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlen-Kraftwerk Arzberg.

    Tipps

    Machen Sie einen Rundgang um den Feisnitz- bzw. Haid-Speichersee (Wegstrecke rund 2,2 Kilometer) oder besuchen Sie den 32 Meter hohen Aussichtsturm, die Waldenfelswarte, auf dem 633 Meter hohen Kohlberg. Von diesem haben Sie eine einzigartige Aussicht in das Fichtelgebirge, nach Böhmen und in die nördliche Oberpfalz (einfache Wegstrecke ab Parkplatz 1,6 Kilometer).

    GEO-Tour Station 15: ARZBERG
    Humboldt in Arzberg

    Die Lagerstätten in Arzberg und Umgebung waren zurzeit Humboldts und darüber hinaus die ergiebigsten im Wunsiedler Revier. Abgebaut wurden die an den Wunsiedler Marmor gebundenen Eisenerze. Und dies bereits seit dem Mittelalter. Erst 1941 kam der Bergbau in Arzberg mit der Stilllegung der Zeche "Kleiner Johannes" zum Ende. Über die Geschichte des Bergbaus, das Wirken Alexander von Humboldts in Arzberg und die Geologie des Fichtelgebirges informiert die heute auf dem Gelände der ehemaligen Zeche bestehende Infostelle von Naturpark Fichtelgebirge und GEOPARK Bayern-Böhmen.

    Entsprechend der Bedeutung von Arzberg hielt sich Alexander von Humboldt häufiger wohl auch in Arzberg auf, doch gibt es nachweislich nur wenige Briefe, die von hier stammen. Humboldt wohnte während seiner Aufenthalte in Arzberg im Müssel'schen Haus, dem heutigen Bergbräu. Eine Gedenktafel in der Hausfassade erinnert daran. Sie wurde bereits am 12. September 1880 dort angebracht. Der damalige Arzberger Bürgermeister gab bei der Einweihung der Gedenktafel das Versprechen, "dass er sowohl als auch alle seine Nachfolger dasselbe würdig für alle Zeiten schützen und der Nachwelt zum ewigen Andenken an den großen Gelehrten, auf den Deutschland, Europa, ja die ganze zivilisierte Welt stolz ist, erhalten wollen".

    Wie in Steben richtet Alexander von Humboldt in Arzberg eine Bergschule ein. Ende Juni schrieb Humboldt von seinen Plänen an das Oberbergdepartement in Bayreuth. Man sei "dort oben in der Kultur zurück", und die Schule sei hier nötiger als irgendwo. Nach langem Suchen wäre die Wahl auf den Obersteiger Johann Caspar Bencker (†1805) als Schulleiter gefallen. Dieser sei ein verdienstvoller und sehr erfahrener Grubenbeamter, der gewiss auch als Lehrer einiges leisten würde. Im Herbst 1795 schreibt Humboldt in seinem Generalbericht über das Wunsiedler Revier, dass der Etat für die Schule bereits eingeplant sei. Begonnen wurde mit dem Unterricht jedoch erst 1796. Es handelte sich um eine Winterschule mit Unterricht von November bis Mai für "Bergjungen" ab dem 12. Lebensjahr. Weder in Arzberg noch in Wunsiedel ist allerdings ein Gebäude für die Bergschule nachweisbar. Es ist daher anzunehmen, dass der Unterricht in der Wohnung des Bergschullehrers abgehalten wurde. Im Jahr 1804 wurde die Arzberger Bergschule nach Goldkronach verlegt.

    Lesen Sie hier die Textpassage aus Humboldts Generalbericht von 1795, in der er auf die geplante Bergschule in Arzberg eingeht.

    Aus den Briefen und Berichten Alexander von Humboldts geht hervor, dass er in Arzberg häufig persönlich in die Bergwerke eingefahren ist. Schon während seiner Inspektionsreise 1792 besuchte er eine Reihe dieser Gruben:

    "Die Gruben, welche ich befahren, waren Susannen-Glück und Goldkammer Fundgrube, Silberkammer Fundgrube, Anna Christiana Fundgrube, Gottes Geschick Fundgrube und Friedrich Christian Fundgrube. Die beiden Hauptgruben gehören dem Faktor Müßel, dessen Vater sein Vermögen dem Bergbau fast schon ganz aufgeopfert hatte, als er diese Werke aufnahm, welche ihm und den Nachkommen einen reichlichen Ersatz geben und die [Berg-] Baulust zu Arzberg aufs neue sehr rege gemacht haben".

    St. Georg-Stollen im Röslautal

    In seinem Generalbericht schreibt Humboldt auch über den St. Georg-Stollen im Tal der Röslau (= Gsteinigt). Konkret geht es um Verbesserungsvorschläge für den weiteren Ausbau des Entwässerungsstollens für die Arzberger Bergwerke (= Erbstollen). Über dem Eingang des 2008 wiederhergestellten Mundlochs stehen die Jahreszahlen 1722-1795-1817-2008. Sie kennzeichnen die wichtigsten Ausbau- und Sanierungsetappen des Stollens.

    Der St. Georg-Stollen wurde 1722 im Tal der Röslau so tief wie möglich angelegt und bis 1727 bis zur Eisensteinzeche Morgenstein vorangetrieben. In einem Befahrungsbericht vom August 1770 wird erwähnt, dass der Stollen im Bereich der Zeche Morgenstern fast völlig verbrochen ist. Bis zur Grube "Gold- und Silberkammer" scheint er jedoch durchgängig gewesen zu sein. [3] Die Gold- und Silberkammer ist die wohl bedeutendste Grube des Wunsiedler Reviers.

    Im Jahr 1817 wurde in dem Stollen erstmals eine "Wasserkunst" eingebaut. Darunter versteht man im Bergbau eine technische Vorrichtung zur Entwässerung von Grubenbauten. Diese wurde bereits von Alexander von Humboldt ins Gespräch gebracht. So schreibt Humboldt 1795 in seinem Generalbericht:

    "Mein hartes Eindringen in den Faktor [= Unternehmer] Müssel, nach Vorschriften des B.[erg]Amts nun so zu bauen, daß die Gewältigung mit dem Kunstgezeuge möglich wäre [...]."

    Im nächsten Satz heißt es:

    [...] und hielt es für besser, jetzt loszubrechen, als eine so wichtige den Arzberger Bergbau allein erhaltende Arbeit verzögert zu sehen."

    Für den Einbau einer Wasserkunst will Humboldt die technischen Voraussetzungen schaffen. So schlägt er zunächst die Beseitigung von Krümmungen im bestehenden Stollen vor.

    "Bei einem so langen Gestänge, zu dem man sich ja ohnedies nur aus Noth verstehen mußte, weil kein anderes Mittel die Arzberger Gruben zu sichern übrig blieb, bei einem so langen Gestänge muß jede Krümmung vermieden werden."

    Mit dem Einbau der Wasserkunst sollte es möglich werden, insbesondere die Abbausohlen der ertragreichen Gold- und Silberkammer Gruben tiefer zu legen. Erst nach Humboldts Weggang wird die technische Anlage 1797 bis ins Detail geplant. Umgesetzt wurde sie jedoch erst im Jahr 1817. Angetrieben wurden die eingebaute Wasserhebemaschinen (mit 20 Pumpwerken, verbunden über ein Gestänge im St. Georg-Stollen) durch ein unterschlächtiges Wasserrad im Röslautal. Der Schacht der Grube Gold- und Silberkammer konnte bis 1841 auf 120 Meter unter Gelände abgeteuft werden. Noch heute sind im Uferbereich die Reste der ehemaligen Radstube zu erkennen.

    Lesen Sie hier Humboldts Originaltext zum Sankt-Georg-Stollen.

    Der St. Georg-Stollen besteht noch heute. Während des 2. Weltkrieges diente ein Teil von ihm den Arzbergern zeitweilig als Luftschutzraum. Nach dem Krieg wurde das Mundloch verschlossen und war kaum noch als solches zu erkennen. Im Jahr 2008 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und nach der alten Aufnahme von 1913 in seiner heutigen Form saniert. Seit 2009 gehört das Gsteinigt mit seinen geologischen und montanhistorischen Zeugnissen zu den "100 schönsten Geotopen von Bayern".

    Humboldt-Orte in Arzberg

    Müssel-Haus / Bergbräu

    Bei seinen Aufenthalten in Arzberg wohnte Alexander von Humboldt auf dem Kirchberg im Hause der Patrizierfamilie Müssel.

    Infostelle Altes Bergwerk Kleiner Johannes

    Die Infostelle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eisenerz-Bergwerkes Kleiner Johannes. Sie zeigt in mehreren Räumen einen Querschnitt durch die wichtigsten Gesteine und Mineralien des Fichtelgebirges sowie die Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Auf dem Gelände befindet sich eine kleine Ausstellung mit Gesteinsexponaten aus dem Fichtelgebirge, der Nachbau der ehemaligen Förderanlage sowie ein Schaustollen. Eine 2017 ergänzte Ausstellung zur ehemaligen Specksteingrube Johannes bei Göpfersgrün ist nur zu besonderen Zeiten möglich.

    Anschrift: Altes Bergwerk, Altes Bergwerk 1, 95659 Arzberg
    Telefon: (0)9233 40 40 (Stadt Arzberg)
    GPS: 50.059242, 12.192009

    Öffnungszeiten der Infostelle:
    Von Josefi (19.3.) bis Barbara (4.12.),
    jeweils von 8 - 17 Uhr

    Das Bergbaurevier Arzberg-Röthenbach

    Die Verhältnisse im einstigen Arzberg-Röthenbacher Revier sind in der Monografie von Ernst Schmidtill (1963) ausführlich beschrieben. Die Lagerstätte, die an den Marmorzug gebunden ist, ist zwischen Röthenbach und Arzberg zweigeteilt in einen südlichen und einen nördlichen Erzzug (entsprechend zweier Marmorzüge). Das Profil der unten gezeigten Karte zeigt zwei voneinander getrennte Marmorlagen, die durch einen Phyllitrücken getrennt sind. Marmor und Phyllite fallen mit 70 - 80° nach Südwesten ein. Der Phyllitrücken ist bei Röthenbach etwa 60 Meter mächtig, östlich davon nur noch rund 30 Meter. Bei Arzberg ist er überhaupt nicht mehr vorhanden.

    Mehr erfahren

    Tipps

    Volkskundliches Gerätemuseum Bergnersreuth

    Das Museum Bergnersreuth ist ein Freilichtmuseum in einem alten Bauerngehöft. Neben den Dauerausstellungen zu den landwirtschaftlichen Geräten gibt es Abteilungen zur Bodenqualität und -bearbeitung. Original erhalten sind teils die Wohnstuben der ehemaligen Bewohner. Das Museum ist auch Station der GEO-Tour Boden des GEOPARK Bayern-Böhmen.

    Anschrift: Wunsiedler Str. 14, 95659 Arzberg
    Telefon: (0 92 33) 52 25
    Internet: www.bergnersreuth.de

    Öffnungszeiten:
    Dienstag - Sonntag: jeweils von 10-17 Uhr (Montg geschlossen)

    GEO-Tour Station 16: STEINBERG / Steinhaus Thiersheim
    Humboldt in Steinberg / Steinhaus Thiersheim

    Humboldt, die Kohle und der Vulkan

    Das Steinhaus liegt am Fuße des "Steinberg-Vulkans". Dieser gehört zusammen mit dem "Neuhauser Schloßberg" und dem bereits in Tschechien liegenden "Plattenberg" (Blatná) zu einem vulkanischen "Dreigespann" an der bayerisch-tschechischen Grenze. Zwischen dem Steinberg und dem Plattenberg hat sich die Eger in einem markanten Tal eingetieft.

    Der Steinberg wird von Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit der Suche nach Steinkohlen erwähnt. Der hohe Bedarf an Brennmaterial für das Montanwesen weckte schon vor Humboldts Amtszeit in Franken das Interesse der Bergbehörde an diesem fossilen Energieträger, doch war die Suche danach wohl eher unsystematisch. Humboldt stellt die Kohleprospektion auf neue Füße. Der Fokus lag dabei in den Gebieten zwischen Bayreuth und Kulmbach (Kulmbach/Kessel, Schlemme/Schlämm, Lanzendorf: Lettenkohlen/Keuper), Neustadt am Kulm (Lettenkohlen/Keuper) und in der Umgebung des Steinberges (Tertiär).

    Am 22. Oktober 1794 schreibt Alexander von Humboldt an der Oberbergdepartement in Bayreuth:

    "Da durch einzelne, unvollendete Versuche auf Steinkohlen bisher die Frage, ob wir bauwürdige Flöze im Lande haben, nicht entschieden und viel Geld versplittert worden ist, so hatte ich mich entschlossen, die Sache methodisch anzugreifen.[...] und gab ihm [dem Berggeschworenen Sievert] eine ausführliche Anweisung, alle Punkte, wo nur Sage oder Hofnung auf Steinkohlen wäre, einzeln zu untersuchen und ein Verzeichniß davon anzufertigen. Ich hielt es für ökonomisch wichtig genug, wenn man nur eine sichere Liste solcher Orte niederlegen könnte, wo nicht mehr zu suchen ist, statt dass man sonst immer auf dieselben Punkte zurückkehrt. Ich habe, indem ich dies Verfahren dem Hochl.[öblichen] K[öniglichen O.B. Dep. gehorsamst anzeige, die Ehre, den Anfang der Sieverschen Arbeit in der Anlage einzureichen, weit entfernt indes von der Besorgnis, dass alle Versuche, welche

    bei Culmbach,
    bei Lanzendorf und Schlemme,
    unter den Basalten der Arzberger Refier und vielleicht bei Sulz im Ansbachischen anzustellen sind, gleich fruchtlos sein werden."

    In einem weiteren Schreiben am 19. März 1795 schlägt Humboldt tiefere Bohrungen (20 - 24 Lachter, ca. 40 - 48 m) u.a. "an den Basalten des Wunsiedler Refiers" (am Steinberg) vor. Die Bohrung am Steinberg wird in der Folgezeit auch durchgeführt. Jedoch ohne einen erhofften Erfolg.

    Im Herbst 1796 erreicht Humboldt eine Anfrage des Oberbergdepartements zu einer weiteren Erkundungsbohrung bei Kothigenbibersbach. Humboldt rät davon ab. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut der Briefes Humboldts an das Oberbergdepartement.

    Der Vulkan und der Basalt

    Auch wenn es der Titel unserer Tafel suggeriert, Alexander von Humboldt sah im Steinberg keinen Vulkan. Dass es sich dabei um einen Basaltberg handelte, war ihm bewusst. Das geht aus seinen Briefen ans Oberbergdepartement hervor. Humboldt war während seine Zeit in Franken jedoch noch Anhänger der Lehrmeinung Gottlob Abraham Werners. Dieser war in Deutschland der wichtigste und einflussreichste Vertreter der "Neptunisten". Diese sahen im Basalt ein aus einem Urozean ausgefälltes Gestein, das in keinem Zusammenhang mit Gesteinsschmelzen oder Vulkanen stehen würde. Vulkane waren für die Neptunisten dagegen das Ergebnis im Untergund brennender Kohlelager. Humboldt maß daher dem Basalt des Steinberges keine besondere Bedeutung bei.

    Tipps

    Hutschenreuther Gedenkstein

    Besuchen Sie den Carolus Magnus Hutschenreuther-Gedenkstein. Dieser erinnert an das Auffinden von Kaolin in der Nähe des Steins durch den Begründer der C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg a.d. Eger (1822). Tatsächlich hatte ihm das Kaolin sein Verwandter und späterer Schwiegervater, der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, bei einem Besuch in Hohenberg gezeigt. Hutschenreuther blieb in Hohenberg und richtete 1814 in Räumen der Hohenberger Burg, die ihm Reuß zur Verfügung gestellt hatte, eine Porzellanmalerei ein. Das Jahr 1814 gilt daher auch als Geburtsjahr der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge. In Sichtweise zum Gedenkstein liegt eine ehemalige Farberde-Grube (mit kleiner Infotafel).

    Geotop Heiligenberg

    Über den "Mittelweg" ("M") erreichen Sie das auf der Nordostseite des Steinberges liegende Geotop "Heiligenberg". Dort können Sie die Basalte des Steinberges in anstehenden Felsen sehen. Von hier aus hat man auch eine Aussicht ins Egerer Becken.

    © GEOPARK Bayern-Böhmen

    Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Fichtelberg

    Bergwerksweg – keine Infomaterialien vorhanden!

    Fischbach: Traumschleifchen Fischbacher Kupferspuren

    Auf dem 2021 neu entstandenenen Traumschleifchen gibt es vieles vom Bergbau aus längst vergangenen Tagen zu entdecken. So gibt es in Fischbach sehr viele verschiedene Bergbaustollen. Einige davon könnt ihr auf eurem Weg entdecken.

    Kupfi-Maus und Geisti begleiten euch auf eurer Wanderung. Unterwegs erfahrt ihr Spannendes zum Thema Kupfer und über die Arbeit und das Leben der Bergleute.

    Wegstationen
    Station 1: Unsere Stollen
    Station 2: Was ist Kupfer?
    Station 3: Trockenmauer
    Station 4: Neue Hoffnung
    Station 5: Wasserfall
    Station 6: Holz im Bergbau
    Station 7: Tagebruch
    Station 8: Hildegard von Bingen
    Station 9: Werkzeuge & Kleidung
    Station 10: Bergbaudorf Fischbach
    Station 11: Kupferbergwerk Fischbach
    Station 12: Verstecktes Bergwerk

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Fischbach

    Traumschleifchen Fischbacher Kupferspuren – keine Infomaterialien vorhanden!

    Textquellen

    Enzklösterle: Historische Waldberufe

    Fischerbach: Karfunkelstadt (Ortenauer Sagenrundwege Nr. 24)

    Einfach sagenhaft

    Die Ortenau verfügt über eine einmalige Vielfalt an Sagen, die einst die Menschen prägten und heute noch bewegen. Gehen Sie den Sagen und Mythen auf den Grund und entdecken Sie die Ortenau von einer ganz neuen Seite!

    Der Ortenaukreis hat auf 400 km Wanderwegen insgesamt 32 Sagenrundwanderwege ausgewiesen. Die Wege führen durch 36 Städte und Gemeinden, wo 125 Sagen und Mythen darauf warten entdeckt und erwandert zu werden. Die geistreich gestalteten Sagentafeln entlang der Strecke garantieren ein abwechslungsreiches Wandervergnügen und sind für Groß und Klein, Jung und Alt gleichermaßen interessant.

    Beschilderung der Sagenrundwege

    • 28 Sagenrundwege sind innerhalb des einheitlichen Wegesystems im Schwarzwald ausgeschildert. An den Kreuzungspunkten stehen Wegweiser. Zusätzlich zu den Basiswegweisern mit Zielen finden sich dort die Routenwegweiser der Sagenrundwege. Zwischen den Wegweiserstandorten werden Sie von farbigen Markierungszeichen (gelbe Raute, blaue Raute, Themenwege etc.) geleitet. Die Markierung kann im Routenverlauf wechseln.
    • Die Sagenrundwege in Meißenheim, Neuried, Rheinau und Schutterwald sind durchgehend mit dem Symbol des SagenGespenstes markiert, da es dort keine einheitlich beschilderten Wanderwege gibt. An den Wegkreuzungen weist ein Richtungspfeil mit dem Sagen-Gespenst den Weg.

    Es wird eine Laufrichtung empfohlen. Die Sagenrundwege sind jedoch in beide Richtungen ausgeschildert!

    Karfunkelstadt

    Im Schwarzwald lebte einst ein Holzhauer mit seiner schönen Tochter Agathe. Eines Tages kamen die Zwerge, die Hüter des Berges und erklärten, dass Agathe die Gemahlin ihres Königs werden sollte. Agathe versuchte zu fliehen. Doch über Nacht war die Straße mit Karfunkelsteinen gepflastert. Eine unsichtbare Kraft zwang sie, wieder nach Hause zu gehen. Erst einem Ritter gelang es, Agathe zu befreien.

    In den Wäldern rund um Fischerbach sollen sich allerhand dramatische Geschichten abgespielt haben. So sagt man vom Kammackerbrunnen, in ihm befinde sich noch heute viel Geld. Allerdings wird es von einem Hund bewacht. Willst du dein Glück versuchen?

    Entdecke noch weitere Sagen und Mythen entlang der Strecke.

    Textquelle: Ortenau Tourismus

    Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

    Broschüre "Auf Sagenrundwegen die Ortenau erleben"

    Flossenbürg: Ringweg

    Der Flossenbürger Granit

    Im Zuge der „Variszischen Gebirgsbildung“ kollidierten vor rund 300 bis 350 Millionen Jahren mehrere Kontinente. Dabei wurden manche Gesteine tief in die Erdkruste versenkt und heizten sich dort auf. Teile schmolzen dabei und stiegen als flüssige Magmen innerhalb der Erdkruste nach oben. In mehreren Kilometern Tiefe blieben sie stecken und erstarrten zu Graniten. Große Mengen derartiger magmatischer Gesteine bildeten sich vor allem in der Spätphase der Gebirgsbildung, zur Zeit des Karbons. Später wurde das Gebiet stark gehoben, durch die gleichzeitige Erosion gelangten die Granite an die Erdoberfläche.

    Der „Nordoberpfalz-Pluton“ ist ein rund 50 x 20 km großes Gebiet, das überwiegend aus diesen magmatischen Gesteinen aufgebaut ist. Hier kommen sehr viele verschiedene Granitkörper vor, die sich durch ihr Alter und ihr Aussehen unterscheiden.

    Einer dieser Körper ist der Flossenbürger Granit, der vor etwa 310 Millionen Jahren aus einer glutflüssigen Schmelze erstarrte. Der Flossenbürger Granit eignet sich besonders gut als Naturwerkstein, da aufgrund der weitständigen Klüftung besonders große Rohblöcke gewonnen werden können, die auch für großvolumige Skulpturen genutzt werden können.

    Flossenbürger Granit zeichnet sich durch eine erhöhte natürliche Radioaktivität aus, bei der unter anderem das Gas Radon freigesetzt wird.

    Vorkommen und Verwendung

    Der Flossenbürger Granit ist eines von drei großen Vorkommen, dem Leuchtenberger Granit, Flossenbürger Granit und Bärnau/Rozadov-Granit.

    Flossenbürger Granit ist sehr verwitterungsbeständig, verschleißfest, polierbar und gegen chemische Aggressorien stabil. In der manuellen Steinbearbeitung gilt er als „pelzig“, das heißt, dass er mit höherem Kraftaufwand als andere Granite zu bearbeiten ist. Verwendet werden kann dieser Granit als Bodenbelag, Pflastersteine, Quadermauerstein, Treppen- und Fassadenbelag, Fenster- und Türumrahmungen, für Brückenbauwerke, Grabsteine, Bord- und Grenzsteine sowie Skulpturen.

    Abbau

    Seit 1769 wird – bis heute – in Flossenbürg Granit abgebaut. Am Schlossberg, auf dem bis 1958 abgebaut wurde, ist aus Naturschutzgründen ein weiterer Abbau nicht mehr möglich. 2009 produzierten noch vier Granitindustriebetriebe in Flossenbürg.

    Geotop Schlossberg Flossenbürg

    Am Schlossberg gibt es im Flossenbürger Granit mehrere alte Steinbrüche und natürliche Aufschlüsse, die eindrucksvolle Einblicke in den inneren Aufbau des Berges erlauben. Auffällig sind dabei die mehr oder weniger parallel zur Oberfläche orientierten Klüfte (Lagerklüfte). Sie verlaufen also konzentrisch um den Berg herum. Dies ist besonders eindrucksvoll im Steinbruch auf der Westseite des Schlossbergs zu sehen.

    Da die Erosion vorwiegend durch flächenhaftes Abplatzen von Gestein entlang des Kluftsystems („Exfoliation„) stattfindet, bleibt die kuppelförmige Gestalt des Berges erhalten. Ein bekanntes Beispiel für einen derartigen „Granitdom“ ist der Zuckerhut in Rio de Janeiro.

    Der Granitdom des Schlossbergs ist ein für Bayern einzigartiges Beispiel für einen Exfoliationsdom in Europa. Doch erst durch den Granitabbau wurden Aufschlüsse wie der Steinbruch auf der Westseite geschaffen, die noch heute lehrbuchhafte Einblicke in den inneren Aufbau des Berges bieten. Am Schlossberg ist der Abbau schon lange eingestellt, er ist heute als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Um die einzigartige Landschaft zu erhalten, werden aufwändige Pflegemaßnahmen vor allem durch den Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald durchgeführt. Der Schlossberg ist das Wahrzeichen des Naturparks.

    Der Schlossberg wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als Geotop ausgewiesen und mit dem offiziellen Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ (Nr. 73) ausgezeichnet.

    Schautafel Burgberg Flossenbürg

    © Bayerisches Landesamt für Umwelt

    Der Ringweg verläuft in einer großen Schleife um Flossenbürg. Der Weg ist mit einen roten Punkt im weißen Quadrat ausgeschidert.

    Sehenswürdigkeiten in und um Flossenbürg:

    • Burgruine Flossenbürg
    • Feuchtgebiet des Mühl- bzw. Stieberweihers
    • Parkstein (Basaltkegel)
    • Brückelberg (Felsgruppe)
    • ehem. Grenzturm in Tschechien
    • Silberhütte
    • Gaisweiher

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Flossenbürg

    Wegbeschreibung „Ringweg um Flossenbürg“

    agsdi-file-pdf

    Flossenbürg

    Schautafel Bayerns schönste Geotope Nr. 73 (Burgberg Flossenbürg)

    agsdi-file-pdf

    Flossenbürg

    Faltblatt „Zwiebelberg“

    Ettenheim: Mühlenweg

    Forbach: Rundweg Schwarzenbachtalsperre

    Der Rundweg verläuft an der Nordseite am Ufer des Sees entlang, bevor es auf dem Rückweg in den Wald oberhalb der Talsperre geht.

    An der Staumauer erläutern einige Infotafeln die Geschichte der Talsperre und die Stromerzeugung im Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach im Murgtal.

    Die Schwarzenbachtalsperre

    Die Wasserkraft der Murg und die bis 1918 wurden in einer ersten Ausbaustife Schwarzenbachtalsperre waren der Ursprung des damaligen Badenwerks, heute EnBw.

    1914 bis 1918 wurden in einer ersten Ausbaustufe das Murgwerk und das Niederdruckwerk errichtet. Als Teil des Rudolf-Fettweis-Werkes in Forbach kam 1922 bis 1926 das Schwarzenbachwerk mit der Schwarzenbachtalsperre hinzu. Damit wurde erstmals die Pumpspeicherung großtechnisch realisiert. Die inzwischen erneuerte Speicherpumpe wird heute täglich betrieben. Über Druckstollen und Rohrleitung fließt das im Schwarzenbachstausee gespeicherte Wasser dem 360 m tiefer gelegenen Kraftwerk zu und treibt mit seiner Energie Turbinen und Generatoren an.

    Das Tal wird für den Eingriff vorbereitet

    Rodung

    Der Wald wird gerodet. Drei Häuser werden abgetragen und deren Bewohner umgesiedelt.

    Versorgung

    Im Tal entsteht eine Ansiedlung von Werkstätten, Wohnbaracken und Versorgungsgeschäften.

    Granit

    Nahe gelegene Steinbrüche liefern den Granit für die Einlagerungen in den Beton sowie für das Blendwerk auf der Luftseite. Mangels Dynamit wird anfangs mit flüssiger Luft gesprengt.

    Baumaterialien

    Alle Baumaterialien müssen zur Baustelle transportiert werden. Sie werden vom Bahnhof Raumünzach über einen Schrägaufzug zur Baustelle befördert.

    Die erste Gussbetontalsperre entsteht.

    Grundablass

    Die Rohre für den Grundablass auf dem Fundament der Staumauer werden montiert. Der Grundablass dient zur totalentleerung des Stausees.

    Entnahmeturm

    Auf der Seeseite entsteht der Entnahmeturm. Das Entnahmerohr, welches das Wasser über den Druckstollen ins Tal leitet, wird verlegt.

    Betonage

    Die Einbringung der Granitblöcke und des Betons erfolgen mit Hilfe von Kabelkränen, die das gesamte Tal überspannen.

    Das Wasser wird über eine 900 m lange Leitung zum Kraftwerk geführt.

    Druckstollen

    Die Entstehung des unterirdischen Druckstollens von 1,7 km Länge, der das Wasser vom Stausee zu einem Wasserschloss führt.

    Druckrohrleitung

    Vom Waserschloss wird das Wasser über eine oberirdische Druckrohrleitung (900 m Länge) zu den Turbinen im Rudolf-Fettweis-Kraftwerk in Forbach weitergeleitet.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Schwarzenbachtalsperre

    Faltblatt „Daten, Geschichte, Wandertipps mit Naturlehrpfad und Schwarzenbach-Rundweg“

    Textquellen

    Faltblatt

    Frankfurt: Geopfad Stadt-Land-Fluss

    Geo-Wissenschaften sind überall

    Das Jahr 2008 wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als „International Year of Planet Earth“ oder kurz IYPE ausgerufen. Ziel ist es, das angesammelte Wissen der 400.000 Geowissenschaftler auf der ganzen Welt umfassender und vor allem effizienter zu nutzen.

    Es waren zwei Aktionsschwerpunkte geplant:

    • ein wissenschaftliches Programm

    und

    • ein auf die breite Öffentlichkeit zielendes Programm.

    Das wissenschaftliche Programm wird in zehn umfassende, gesellschaftspolitisch relevante Bereiche aufgefächert: Gesundheit, Klima, Grundwasser, Ozeane, Böden, Erdinneres, (Riesen)Städte, Gefahren, Ressourcen und Leben. Das Öffentlichkeitsprogramm hat zum Ziel eine größere Beachtung der engen Beziehung zwischen Erdwissenschaften und gesellschaftlicher Entwicklung zu erreichen. Der Geo-Pfad Stadt-Land-Fluss ist Teil des IYPE-Öffentlichkeitsprogramms.

    Geopfad Stadt-Land-Fluss

    An zehn Stationen bringt Ihnen der Geopfad „Stadt-Land-Fluss“ geographische und geowissenschaftliche Sachverhalte näher, zeigt Ihnen was sich alles unter dem Begriff „Geo“ verbirgt. Er erklärt Zusammenhänge zwischen tieferen Untergrund, Landschaft und Gewässer, der Nutzung des Gesteins und des Bodens bis hin zur Stadtplanung und gegenwärtigen Bebauung.

    Am Rande der Großstadt Frankfurt am Main wird besonders sichtbar, welche Rolle wir Menschen im System Erde übernommen haben, ein System, in das wir mächtig eingreifen, dem wir aber auch ohnmächtig zuschauen müssen.

    Ausgangspunkt des Geopfades „Stadt-Land-Fluss“ ist der alte NIDA-Hafen nahe der U-Bahn-Station Römerstadt. Nehmen Sie den Ausgang „Hadrianstrasse“ und folgen Sie dem Verlauf der Strasse bis zum Ende in Richtung Nidda. Nach wenigen Metern erreichen Sie die erste Station.

    © Geo Agentur am Fachbereich Geowissenschaften/Geographie der J. W. Goethe Universität, Frankfurt am Main

    Mit freunlicher Genehmigung. Vielen Dank.

    Hinweis

    Die in der Karte angegebene Route wurde aus dem Faltblatt zum Geopfad – mit allen damit verbundenen Unsicherheiten – „händisch“ übertragen.

     

    Vandalismus

    Die Informationstafeln sind seit geraumer Zeit in weiten Teilen zerstört und mit Graffitis übersprüht. Von Beginn an wurden die Aufsteller von Chaoten bis zur Unkenntlichkeit besprüht, eingetreten und die speziell für Kinder gedachten interaktiven Elemente mit Gewalt zerstört. Seitdem sind diese Schautafeln für viele Spaziergänger und Nachbarn eine stete Erinnerung an sinnlose Gewalt.

    Nach Mitteilung der Wegebetreiberin wird der Geopfad aktuell neu konzipiert und dann auch neu ausgeschildert. Die Planungen dazu laufen bereits seit mindestens 2019.  Lassen wir uns überraschen.

    Station 1: Die Nidda – Der römische NIDA-Hafen

    Die Nidda – Frankfurts „Canal Grande“

    Die Nidda ist – nach dem Main – der zweitgrößte Fluss auf Frankfurter Stadtgebiet. Sie hat eine Gesamtlänge von rund 90 km, etwa 18 km verlaufen durch Frankfurt. Die Nidda ist ein typisches Beispiel für einen regulierten Fluss und bekam aufgrund ihres geraden Verlaufes in den 1960er Jahren den Spitznamen „Frankfurter Canal Grande“. Diente die Regulierung nach 1800 hauptsächlich zur Gewinnung von Flächen für neue Siedlungen, wurde in den 20er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts der Fluss begradigt, um die Hochwassergefahr zu verringern. Die Nidda erhielt Dämme, eine ebene Gewässersohle und das bis heute bestehende trapezförmige Querprofil. Durch die Begradigung ergaben sich aber – besonders aus ökologischer Sicht – erhebliche Nachteile für die Tier- und Pflanzenwelt der Nidda. Deshalb wird der Fluss seit den 1980er Jahren wieder ökologisch umgestaltet. Als Pilotprojekt wurde mit dem naturnahen Ausbau vom Berkersheimer Bogen bis zum westlichen Bonameser Altarm begonnen.

    Doch die geschichtlichen Zeugnisse zur Nidda reichen noch viel weiter in die Vergangenheit zurück. Der Name „Nidda“ gehört zu den ältesten Gewässernamen Europas und ist indogermanischen Ursprungs. In den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts errichteten römische Soldaten zwischen Praunheim und Heddernheim auf einer Anhöhe nördlich der Nidda zehn verschiedene Militärlager sowie ein fünf Hektar großes Steinkastell für eine 500-Mann starke Reitereinheit. Um 100 AD, nach Abzug der letzten Einheiten, wurde die Siedlung NIDA vom obergermanischen Statthalter im Auftrag Kaiser Trajans zum Verwaltungsmittelpunkt der neu eingerichteten Civitas Taunensium erhoben. Nach dieser administrativen Aufwertung entwickelte sich NIDA schnell zu einem ansehnlichen Vicus ohne Stadtrecht mit einem wichtigen Hafen.

    Die Hauptverdienstquelle des Vicus war der Handel. Öl wurde aus Südspanien, Wein aus Südgallien importiert. Entscheidend für den florierenden Handel und den Aufstieg des rund 3.000 bis 5.000 Menschen starken Vicus NIDA war der namensgebende Fluss Nidda, der als Haupthandelsweg genutzt wurde. Ziegel und Keramikprodukte wurden mit Lastkähnen entlang der Nidda zum kleinen Hafen von NIDA gebracht. Wohl um 630 fiel NIDA aufgrund einer Verwaltungsreform auf Befehl des Frankenkönigs Dagoberts I. zugunsten der neuen Zentrale auf dem FRANKFURTER DOMHÜGEL zum Opfer und begann zu verfallen.

    Folgen Sie dem Verlauf der Nidda; Sie passieren die Brücke Rosa-Luxemburg-Straße und biegen nach etwa 300 m rechts Richtung Römerstadtsiedlung ab. Folgen Sie dem Fußweg bis zur zweiten Bastion. Über einen Fußweg gelangen Sie auf die Bastion zur Station 2.

    Station 2: Ernst May und seine Siedlung – Frankfurter Römerstadt

    „Neues Frankfurt“

    Bereits vor dem 1. Weltkrieg war die Wohnungsfrage in Frankfurt ungelöst. Die Industrialisierung brachte immer wieder neuen Zustrom von Menschen in die Städte mit sich. Dieses Problem verschärfte sich mit der Zunahme von Flüchtlingsströmen nach dem 1. Weltkrieg und dem jährlichen Bevölkerungswachstum. Dr. Ludwig Landmann, der von 1924 an das Amt des Oberbürgermeisters in Frankfurt am Main begleitete, reagierte auf die wachsende Nachfrage nach bezahlbaren Wohnraum und berief 1925 Ernst May zum Stadtbaurat.

    Der 1886 in Frankfurt am Main geborene Ernst May ist einer der bekanntesten deutschen Architekten und Stadtplaner. Während seiner Amtszeit von 1925 – 1930 entstand in Frankfurt am Main ein nahezu einzigartiges Modell sozialdemokratischer Planungs- und Sozialpolitik. Unter der Bezeichnung „Neues Frankfurt“ wurde diesem Modell auch international Anerkennung zuteil. May entschied sich bezüglich der künftigen Stadtplanung und -erweiterung für das Prinzip der Trabantenstadt. Die Stadt solle nicht – wie bisher – peripher erweitert werden, sondern der neue Wohnraum sollte mittels „Trabanten“ von der Stadt losgelöst, auf (preiswertem) Boden des Umlandes entstehen. May schloss seine Trabanten – anders als seine Vorgänger – an vorhandene alte Ortskerne an. Die Römerstadt-Siedlung ist ein typisches Beispiel für Mays Stadtplanungsmodell „Neues Frankfurt“.

    Tipp

    Möchten Sie selber mal in einer „Frankfurter Küche“ stehen? Gelegenheit gibt es im nahe der Station 2 liegenden „Ernst-May-Haus“. Das zweistöckige Reihenhaus in der Römerstadt ist ein Dokumentations- und Veranstaltungsort für Architekturinteressierte aus aller Welt. Derzeit wird das Haus denkmalgerecht restauriert, mit Originalinventar ausgestattet und der Garten nach den Plänen des Landschaftarchitekten Leberecht Migge rekonstruiert. Möglich wurde dies durch die Initiative der ernst-may-gesellschaft e.V. Das Ernst-May-Haus (Im Burgfeld 136) kann jeden Dienstag bis Samstag von 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung besichtigt werden!

    Zur Website der Ernst-May-Gesellschaft e. V. Frankfurt am Main

    Gehen Sie Richtung Römerstadtsiedlung und überqueren Sie die Straße „Im Burgfeld“. Rechts erblicken Sie das Ernst-May-Haus. Weiter geradeaus gelangen Sie zur Straße „In der Römerstadt“, die Sie überqueren müssen. Nach etwa 100 Metern nach rechts gelangen Sie an die Station 3.

    Station 3: Römerstadt NIDA – Grenze Römerstadt/Nordweststadt

    Unter dem Pflaster liegt so Einiges

    Bis Mitte des 3.Jahrhunderts lag im Norden des heutigen Frankfurts die römische Stadt NIDA. Von zahlreichen Ausgrabungen ist bekannt, dass unter der heutigen Siedlung Wohnhäuser, Marktplätze, ein Theater, Badehäuser, Werkstätten von Handwerkern und religiöse Kultstätten liegen. Durch die Überbauung der römischen Stadt im 20. Jahrhundert konnte Vieles nicht geborgen werden und liegt noch immer im Untergrund.

    Um dennoch einen Blick in die Vergangenheit werfen zu können, bedienen sich Forscher verschiedener geophysikalischer Mess-Methoden mit denen verborgene Strukturen im Untergrund abgebildet werden können. Die Geophysik ist ein wesentliches Teilgebiet der Geowissenschaften. Sie erforscht die physikalischen Eigenschaften und Vorgänge der Erdkruste und des Erdinnern. Besonders das Georadar eignet sich zum Aufspüren von archäologischen Objekten wie Mauer- oder Straßenreste, aber auch zur Erkundung des Verlaufes von geologischen Strukturen im Untergrund, zur Bestimmung der Mächtigkeiten von geologischen Schichten, und zum Auffinden von Hohlräumen, Rohrleitungen oder Kabeln.

    Beim Georadar-Verfahren handelt es sich um ein elektromagnetisches Reflexionsverfahren. Eine Sendeantenne strahlt elektromagnetische Impulse in den Untergrund ab, wo sie an eventuell vorhandenen Schichtgrenzen oder Störkörpern zurück zur Oberfläche reflektiert werden. Dort werden sie mit einer Empfangsantenne aufgezeichnet. Bewegt man beide Antennen während der Messungen entlang einer Profillinie, so kann man die einzelnen Messspuren zu einem so genannten Radargramm zusammensetzen. Unter optimalen Bedingungen liefert das Radargramm ein Abbild des Untergrundes.

    Biegen Sie links in die Straße „In der Römerstadt“ ein und folgen Sie dieser bis zum Wendehammer. Von dort führt ein Fußweg Richtung Nordwestzentrum. Überqueren Sie die Brücke über die Bernadottestraße, nach etwa 150 Metern erreichen Sie den Walter-Schwagenscheidt-Platz vor dem Nordwestzentrum.

    Station 4: Die Nordwest-Stadt – Walter-Schwagenscheidt-Platz

    Walter-Schwagenscheidt-Platz

    Die Frankfurter Großsiedlung Nordweststadt entstand von 1962 bis 1968 zwischen den bestehenden Stadtteilen Niederursel, Heddernheim und Praunheim. Im Jahr 1959 nahmen die Architekten Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann am städtebaulichen Wettbewerb zur Frankfurter Nordweststadt teil und erreichten den 3. Platz. Da der Entwurf am besten den Vorstellungen des Planungsdezernenten Hans Kampffmeyer entsprach, wurde er zur Realisierung ausgewählt. Der Architekt Walter Schwagenscheidt (*1886; † 1968) war ein Stadtplaner aus dem Umfeld „Neues Frankfurt“. Schwagenscheidt und Sittmann konnten in der Nordweststadt nicht alle ihre Vorstellungen realisieren; so wurden statt ihrer Gebäudeentwürfe größtenteils Standardhäuser der beteiligten, damals noch gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften gebaut. Der Grundriss der Nordweststadt entspricht jedoch fast vollständig dem Entwurf Schwagenscheidts und Sittmanns. Die lockere räumliche Anordnung der Häuser in parkähnlichen Grünanlagen mit einem zum Autoverkehr kreuzungsfreien Fußwegenetz sowie die äußere Verkehrserschließung der Nordweststadt sind Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann zuzuschreiben.

    Das Nordwestzentrum ist das zentral gelegene Einkaufs- und Erlebniszentrum der Nordweststadt. Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Zentrums war von typischem 1970er Jahre Flair geprägt. Am 4. Oktober 1968 wurde das Nordwestzentrum als erstes Einkaufszentrum Frankfurts eröffnet. Mit der am gleichen Tag eröffneten Frankfurter U-Bahn strömten Zehntausende Menschen in das Zentrum. Die Bausubstanz wurde in den späten 1980er Jahren schnell renovierungsbedürftig und die Besucherzahlen sanken stark. Investoren für die notwendige Sanierung wurden zunächst nicht gefunden und es wurde sogar über den Abriss des Zentrums diskutiert. 1986 wurde das Zentrum dann aber komplett saniert und nach dem Vorbild amerikanischer Shopping Malls umgestaltet. Im Dezember 2001 begannen die Arbeiten am Erweiterungsbau des Nordwestzentrums, die 2004 abgeschlossen wurden und dem Nordwestzentrum zum heutigen Erscheinungsbild verhalfen.

    Folgen Sie dem Fußweg und überqueren dabei die Bernadottestraße. Nach etwa 500 Metern erreichen Sie den Martin-Luther-King-Park.

    Station 5: Martin-Luther-King-Park

    Von der Lehmgrube zur Erholungsfläche

    Die Landschaft unserer Erde wird schon lange vom Menschen verändert. Auch das Gelände rund um die Station 5 sah nicht immer so aus wie heute. Der heutige See in der Mitte der Nordweststadt war früher eine Lehmgrube, die als Rohstofflieferant für eine der vielen ehemaligen Ziegelein diente. Der Lehm entstand aus einem eiszeitlichen Löss-Staub (siehe Station 7), der durch einsickerndes Niederschlagswasser auf natürliche Weise entkalkt wurde. 1971 wurde der Martin-Luther-King-Park mit dem künstlichen Teich nach den Plänen der Architekten Schwagenscheidt und Sittmann angelegt.

    Der Teich hat eine Ausdehnung von ca. 4800 m². Das verdunstende Wasser wird durch die Zufuhr von Grundwasser ausgeglichen, sodass trotz der nur geringen Tiefe von 50 – 80 cm eine ganzjährige Wasserführung gewährleistet ist. Mittlerweile hat sich wegen des naturnahen Gewässercharakters eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt angesiedelt. Im Uferbereich befinden sich eine Röhrichtzone und vereinzelt Weidenbäume. Rund um das Gewässer lädt eine großzügige Rasenfläche zum Entspannen ein.

    Durchqueren Sie den Martin-Luther-King-Park oberhalb des Teiches bis zum Ausgang „Praunheimer Weg“. Folgen Sie diesem und biegen nach der Kirche am „Kleinen Zentrum“ links in den Seitenarm der „Thomas-Mann-Straße“ ein. Nehmen Sie dann den ersten Fußweg rechts und folgen diesem bis zum „Weißkirchener Weg“. Biegen Sie rechts in die „Kirchgartenstraße“ ein und folgen dieser bis Sie links in die Straße „Alt Niederursel“ einbiegen, um dann rechts der „Obermühlgasse“ zu folgen, die Sie zur Station 6 führt.

    Station 6: Niederursel

    Ein Stadtteil mit Geschichte – Alter Ortskern Niederursel

    Erstmals wurde Niederursel im Jahr 1132 urkundlich erwähnt. Etwa 300 Jahre später wird es aufgrund finanzieller Not durch den königlichen Vogt Henne von Niederursel geteilt und an die Stadt Frankfurt und die Ritter von Kronberg verkauft. Zu dieser Zeit hat das Dorf 21 Einwohner.

    1712 ist Niederursel noch immer ein geteiltes Dorf und die damaligen Herren des Ortes, Frankfurt und Solms, einigen sich auf die Hauptstraße als Trennlinie ihres Herrschaftsbereiches. Im Süden ist für Gesetz und Ordnung Solms zuständig, im Norden die freie Reichsstadt Frankfurt. Erst im Jahre 1898 findet die Wiedervereinigung Niederursels statt und 1910 wird das Dorf endgültig nach Frankfurt eingemeindet. In den 1960er und 1970er Jahren erfährt Niederursel eine rasante Bevölkerungsentwicklung, die vor allem auf die neu errichtete, nahegelegene Nordweststadt zurückzuführen ist. Heute hat Niederursel über 16.000 Einwohner.

    Zu den Niederurseler Sehenswürdigkeiten zählen neben zahlreichen, schön erhaltenen Fachwerkhäusern das ehemalige Frankfurter und Solms-Rödelheimsche Rathaus und die Gustav-Adolf-Kirche aus dem Jahr 1927. Die Gustav-Adolf-Kirche wurde 1927 auf den Grundmauern der ehemaligen Sankt Georgskapelle vom Architekten Martin Elsässer mit einem oktogonalem Grundriss errichtet. Die Bautechnik, die Elsässer – ein Mitarbeiter von Ernst May – einsetzte, war zu dieser Zeit geradezu revolutionär. Die Kirche wurde einschließlich des Daches aus Beton gegossen. Die wichtigsten Teile der alten Georgskapelle, ein Kruzifix und in Holz geschnitzte Schriftbänder von 1613, wurden ebenso wie ein romanischer Türsturz und ein Dreipassfenster in den Bau integriert. Auch die Grabsteine in der Außenmauer und das sogenannte „Gehorsam“ wurden erhalten. Am Gehorsam wurden Verbrecher zum Gespött der Bewohner tagsüber an der Prangerkette angekettet und nachts wieder in das hinter der Türe befindliche „dunkle Loch“ gebracht.

    Folgen Sie dem Fußweg „Am Urselbach“ und biegen links in die „Spielsgasse“ ein. Folgen Sie dieser bis zu den Bahngleisen. Überqueren Sie die Bahngleise und folgen Sie der Straße „Im Kreuzerhohl“. Hinter der Brücke über die Rosa-Luxemburg-Straße befindet sich die Station 7. Der dazugehörige bodenkundliche Aufschluss befindet sich wenige Meter von der Station entfernt.

    Station 7: „Loch Löss“

    Boden – die dünne Haut der Erde – „Loch Löss“ am Riedberg.

    Die Bodendecke, die nahezu die gesamte Erdoberfläche überzieht, ist ein hoch kompliziertes Ökosystem, ohne das höher entwickelte Pflanzen, Tiere und wir Menschen auf dem Festland nicht existieren können. Böden sind zum Leben ebenso elementar wie Luft und Wasser. Die Böden des Riedbergs und dessen Umgebung sind maßgeblich durch die Ablagerung von Löss während der letzten Eiszeit vor 15.000 bis 20.000 Jahren beeinflusst. Löss ist ein vom Wind transportiertes Sediment, das vor allem aus Schluff (Korngrößen von 0,063 bis 0,002 mm) besteht. Löss entsteht, wenn Schluff-Staub bei fehlender Vegetationsdecke ausgeblasen wird und sich nach einem längeren Transport durch Wind in einigen zehn bis mehreren hundert Kilometern Entfernung in Bereichen mit dichterer Vegetation wieder ablagert. Böden aus Löss sind aufgrund der kleinen aber nicht zu feinen Korngröße und dem Mineralreichtum sehr fruchtbar. Die gute Durchlüftung, die guten Eigenschaften als Wasserspeicher und der Porenreichtum des Lösses erleichtern die Bodenbildung. Auf Löss entstehen tiefgründige, leicht bearbeitbare und enorm leistungsfähige Böden, wie Parabraunerden und Schwarzerden. So ist es nicht verwunderlich, dass der Riedberg lange Zeit aus ausgedehnten Ackerflächen bestand.

    Doch Boden wird nicht nur genutzt, sondern auch durch den Menschen belastet: durch Schadstoffe, durch Versiegelung mit Straßen und Gebäuden oder indem er der Erosion ausgesetzt wird. Gerade die fruchtbaren Lössgebiete neigen – besonders bei starken Niederschlägen und landwirtschaftlicher Überbeanspruchung – zur schnell voranschreitender Erosion, Bodenrutschen und Hohlwegbildungen.

    Gehen Sie die Straße „Im Kreuzerhohl“ bis diese in die „Max-von-Laue-Straße“ übergeht und biegen dann halb rechts auf das Campusgelände der Universität ein.

    Station 8: Aussichtsturm

    Ein Blick auf die Mittelgebirge – Geologischer Aussichtsturm am Riedberg

    Die geplante Aussichtsplattform wird eine Rundumsicht vom Riedberg zu allen Mittelgebirgen der Umgebung ermöglichen. Im Nordosten erhebt sich wie ein flacher Schild der Vogelsberg. Der Vogelsberg stellt das größte mitteleuropäische Vulkangebiet dar, dessen Aktivität vor etwa 16 Millionen Jahren ihren Höhepunkt erreicht hatte und von dem heute keine Gefahr eines erneuten Ausbruchs mehr ausgeht.

    Im Westen erstreckt sich fast geradlinig von Bad Nauheim im Norden bis in den Rheingau im Südwesten der markante Höhenzug des Taunus mit dem Großen Feldberg als seiner höchsten Erhebung (878 m). Den Kern des Mittelgebirges bildet ein mehrere hundert Meter dickes Gesteinspaket aus Taunusquarzit. Das Gestein ist etwa 408 Millionen Jahre alt und entstand als Flachwassersediment in einem Ozean, der sich zwischen dem heutigen Nordeuropa und dem heutigen Südeuropa erstreckte. Vor etwa 300 Millionen Jahren wurde das Rheinische Schiefergebirge gefaltet und in diesem Zusammenhang erhärtete der ehemalige Meeressand zu einem Quarzit.

    Südlich der Skyline von Frankfurt ragen die wellig erscheinenden Mittelgebirge von Odenwald und Spessart heraus. Ihre geringere Erhebung von maximal 626 m (Katzenbuckel) und 586 m (Geiersberg) sind das Ergebnis einer gegenüber Taunus und Vogelsberg deutlicheren Abtragung. Bei gleichzeitiger Hebung der Mittelgebirge kamen dadurch metamorphe Gesteine aus der Tiefe zum Vorschein. Dort finden sich verschiedene Gneise, deren schlierige Struktur ein plastisches Verhalten des erhitzten Materials erkennen lässt.

    Nach Süden ist der Blick frei über die Oberrheinische Tiefebene, die sich bis zum 400 km südlich gelegenen Basel erstreckt. Es ist der bekannteste und landschaftlich auffälligste Grabenbruch in Europa. Unter der Oberfläche liegt ein Sedimentstapel von bis zu 4 km Dicke.

    Der Aussichtspunkt öffnet auch bei weniger guter Fernsicht einen Überblick über den Nordwesten Frankfurts, in dem wir den Verlauf des Geopfades von der Nidda über das Nordwest-Zentrum bis zum Standort verfolgen können.

    Durchqueren Sie das Campusgelände bis zum Geozentrum. Umlaufen Sie das Gebäude bis zur Altenhöferallee und folgen dieser bis Sie rechts in den Annette-Kolb-Weg einbiegen. Biegen Sie links in den Kätcheslachweg ein und nehmen Sie den ersten Fussweg rechts. Nach 8 Minuten erreichen Sie den Kätcheslachweiher.

    Station 9: Kätcheslachweiher im Kätcheslachpark

    Alles fließt …

    Der Kätcheslachweiher beansprucht etwa ein Drittel der Fläche des zukünftigen rund 10 ha großen Kätcheslachparks. Die Teichanlage ist in erster Linie eine „entwässerungstechnische Anlage“, sie dient der Regenwassersammlung und -rückhaltung. Das Oberflächenwasser (Regenwasser) von den öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen wird in kleineren Regenrückhaltebecken gesammelt und über Gräben zur Teichanlage geführt. Von dort wird es verzögert in die Kätcheslache und danach in den Kalbach geleitet. Hinzu kommt Oberflächenwasser von privaten Grundstücken. Die Teichanlage besteht aus einem kleineren Absetzbecken und einem größeren östlich gelegenen Becken. Im Absetzbecken setzen sich Schlamm- und andere Partikel ab, die dann dort entfernt werden können. Um die Reinigung des Beckens zu erleichtern ist der Beckenboden des Absetzbeckens mit Rasengittersteinen befestigt, Ab einer gewissen Einstauhöhe gelangt das Wasser durch eingebaute Rohrdurchlässe in das größere Becken. Da Oberflächenwasser nicht mit Grundwasser vermischt werden darf, wurde der Teichboden mittels Verkalkung abgedichtet. Die gesamte Anlage ist so dimensioniert, dass die Becken einen permanenten Wasserspiegel von etwa 1,50 m – 2,00 m aufweisen. Im östlichen Bereich des größeren Beckens befindet sich ein Drosselbauwerk, das dafür sorgt, dass das Wasser nur im reduziertem Umfang (maximal 10 Liter Wasser pro Sekunde pro Hektar) in die Kätcheslache und dann in den Kalbach eingeleitet wird, so dass es hier nicht zu Überschwemmungen kommen kann. Die gesamte Anlage – Teichanlage und Absetzbecken – fasst rund 17.000 Kubikmeter und zusätzlich bis zur Böschungskante weitere 9.800 Kubikmeter.

    Umrunden Sie den Kätcheslachteich und nehmen Sie den Fußweg Richtung „Riedbergallee“. Biegen Sie rechts in die „Riedbergallee“ ein und folgen dieser bis Sie links in die Straße „Zur Kalbacher Höhe“ einbiegen. Nach etwa 300 Metern gelangen Sie zum Bonifatiuspark und der Natursteinmauer.

    Station 10: Natursteinmauer im Bonifatiuspark

    Fränkische Ammoniten in Frankfurt – Natursteinmauer im Bonifatiuspark

    Die über 5 Meter hohe Natursteinmauer im Bonifatiuspark hat eine Fläche von 15 000 m². Die Mauer ist das zentrale Element des 7,5 ha großen Stadtteilparks, der mit seinen ruhigen Linien eine Verbindung zwischen den Wohnvierteln am Bonifatiusbrunnen, dem Riedberg und dem Universitätsgelände herstellt. Für die verschiedenen Funktionen, nämlich als gestalterisches Element, als Ruheplatz, aber auch zur Hangstabilisierung wurde sie in den Jahren 2004 – 2006 nach den Plänen der Landschaftsarchitekten Bernard, Müggenburg und Sattler (Berlin) errichtet. Tatsächlich ist die Wand nicht ausschließlich massiv aus Natursteinen gemauert, sondern besteht im Kern aus Stahlbeton, der mit natürlichen Steinen verkleidet wurde. Für die Dekoration fanden zwei in den Eigenschaften deutlich verschiedene Gesteinsarten Verwendung. Die Wandflächen (mit Ausnahme der glatten Platten) sind aus Quadern eines Kalksteins von der Fränkischen Alb errichtet, der unter dem Handelsnamen „Dietfurter Kalkstein“ vertrieben wird und zur Gesteinsgruppe des „Treuchtlinger Marmors“ gehört. Für die Deckplatten und die Verkleidung der Fundamente, die ebenen Einzelflächen in der Wand, die Wasserspeier und Ruhebänke wurde ein Sandstein aus China gewählt. Der „Treuchtlinger Marmor“ wird gesägt und poliert vor allem für den Innenausbau verwendet. Besonders bekannt ist er als Fensterbankmaterial.

    Das Gestein entstand vor rund 153 Millionen Jahren in der Zeit des Oberjura, als fast ganz Süddeutschland von einem tropischen Flachmeer mit Riffgürteln und zwischengelagerten Lagunen bedeckt war. Das Gebiet um Frankfurt lag am Südrand einer großen Insel. In den Kalksteinen ist eine Vielzahl von Skelettresten und Abdrücken der Lagunenbewohner des einstigen Jura-Meeres erhalten. Die schönsten und auch die bekanntesten Fossilien darin sind die zahlreichen Ammoniten, die man in verschiedenen Erhaltungsformen in der Mauer ausmachen kann.

    Hinweis

    Zur nächsten Bushaltestelle gelangen Sie, wenn Sie der Straße „Kalbacherhöhe“ nach links bis zur Haltestelle „Am Bonifatiusbrunnen“ folgen. Von dort fährt die Buslinie 26 in Richtung U-Bahnstation Nordwestzentrum bzw. S-Bahnstation Eschersheim.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Geopfad Stadt-Land-Fluss

    Kurzbeschreibung

    agsdi-file-pdf

    Geopfad Stadt-Land-Fluss

    Pressemitteilung zur Eröffnung des Geopfads

    agsdi-file-pdf

    Geopfad Stadt-Land-Fluss

    Faltblatt Geopfad

    agsdi-file-pdf

    Geopfad Stadt-Land-Fluss

    Aktionsheft für Kinder „Fränkische Ammoniten in Frankfurt“

    Frauenweiler: Geologische Wanderung

    Die Wanderung im Grenzbereich der Gemarkungen Frauenweiler und Rauenberg informiert über lokale Aspekte zu den Themen Geologie, Hydro(geo)logie, Bergbau, Erdölförderung, Steinbruchbetrieb und Tonabbau (mit einer herausragenden Fossilienfundstätte) sowie zur Archäologie und Naturkunde.

    Und all dies auf sehr engem Raum. Eine sehr besonderere Gegend.

    Die Rundwanderung wurde von dem Geologen Dr. Ludwig H. Hildebrandt aus Wiesloch konzipert und ausgearbeitet und im Juli 2012 in der Festschrift „75 Jahre Frauenweiler“ veröffentlicht. Dort wurden auch die im folgenden aufgeführten Beschreibungen der Wegstationen entnommen.

    Wichtiger Hinweis: An den Wegstationen gibt es vor Ort KEINE Infotafeln. Die Beschreibungen können also nur der Original-Veröffentlichung (mit Fotos) oder den von dort entnommenen Beschreibungen auf dieser Seite entnommen werden.

    Wegstationen
    Station 1: Kehrgraben

    Schon im Jahr 1697 wird der „Cantel“ genannt, ein Wiesenwässerungsgraben, der auf der Höhe der heutigen Stadtwerke Wiesloch vom Leimbach abzweigte und unterhalb des heutigen Sandpfadweges gen Süden verlief. Südlich der ehemaligen Sandgrube Kälberer mündete er in den ca. 50 m weiter westlich verlaufenden Kehrgraben. Letzterer wurde im Rahmen der „Meliorationsarbeiten“ während des Dritten Reiches 1934 als Entwässerungsgraben vertieft und bis zum Kraichbach bei Rot geführt.

    Hydrologisch besteht eine Besonderheit darin, dass er gen Süden, also entgegen der Fließrichtung des Rheins gerichtet ist. Dementsprechend sind Gefälle und Fließgeschwindigkeit sehr gering, und er neigt deshalb zu Überschwemmungen. Ökologisch ist dies jedoch von Vorteil, denn er bietet vielen Feuchtgebiets-Pflanzen und Wassertieren eine Heimat. So findet sich z.B. im Südteil die seltene Wasserfeder (Hottonia palustris), und auch diverse gefährdete Amphibien und Libellen kommen vor. Deshalb wurde das Gebiet 1991 unter Naturschutz gestellt.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 2: Gärtnersbrunnen

    Westlich von Frauenweiler findet sich ein markanter Geländeabfall, der den Übergang zur Rheinebene markiert – die Höhendifferenz beträgt immerhin bis zu 6 m. An diesem Abhang entspringen einige Schichtquellen wie der kräftig schüttende Sandbrunnen weiter nördlich und der so genannte „Gärtnersbrunnen“, die den Kehrgraben speisen. Letzterer ist vermutlich mit dem 1641 und 1697 erwähnten Erlenbrunnen identisch.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 3: Erdölförderung "Unterer Wald"

    Die Wenigsten werden es wissen: In den 50er bis anfangs der 60er Jahre des 20. Jh. wurde zwischen Frauenweiler und Rot durch die Wintershall AG Erdöl gefördert. Frühere erfolgreiche Abbauversuche in Forst bei Bruchsal datieren sogar schon in die Mitte der 30er Jahre.

    Das erste Rohöl aus Wieslocher Gemarkung floss am 14. Januar 1953 noch mit 40 Tonnen pro Tag von selber aus; später musste gepumpt werden. Westlich von Frauenweiler standen im „Unteren Wald“ mehrere Tiefpumpen, die das Erdöl aus den Schichten des Lettenkeupersandsteins in 650 m Tiefe förderten. Die Gesamtförderung des Erdölfeldes Rot betrug zwischen 1953 und 1962 61.182 Tonnen. Die Verladestation lag ein Kilometer südlich des Bahnhofes Wiesloch-Walldorf.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 4: Autobahn

    Die ersten Planungen zu einer Ost-West verlaufenden Autobahnverbindung bestanden schon 1935, realisiert wurde sie jedoch erst Mitte der 60er Jahre. Die A6 ist heue eine der am meisten befahrenen Autobahnen in Süddeutschland und wurde deshalb auch nach und nach sechsspurig ausgebaut.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 5: Orchideen Gabelwiesen

    Ein kleiner Halbtrockenrasen birgt im Sommer Überraschungen: Seltene Orchideen wie Ragwurz oder, schon östlich der Landesstraße, die stattliche Bocksriemenzunge. Beim Betreten bitte vorsichtig sein!

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 6: Kohlplatte

    Der Flurname „Kohlplatte“ belegt, dass das Gewann früher bewaldet war und im Mittelalter oder der frühen Neuzeit dort ein Standort zur Gewinnung von Holzkohle existierte.

    Im Mai 1994 wurden nach dem Abschieben des Oberbodens südlich des Weges einige dunkle Verfärbungen entdeckt, die sich als laténezeitliche (475 v. Chr. bis um Christi Geburt) Gruben herausstellten.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 7: Mittelalterliche Keramikfunde südlich der Autobahn

    In den 90er Jahres des letzten Jahrhunderts konnten bei diversen Feldbegehungen direkt südlich der Autobahn diverse Keramikbruchstücke aus dem 13. bis 15. Jh. aufgesammelt werden. Mit der Wüstung Frauenweiler (siehe Nr. 16) werden sie kaum etwas zu tun haben, denn diese liegt 700 m weiter nordöstlich.

    Möglicherweise stand dort im 13./14. Jh. ein Hof. Ab dem Jahr 1445 wird regelmäßig der so genannte „Geleitwechsel“ zwischen der Kurpfalz und dem Hochstift Speyer an der Straße zwischen Heidelberg und Bruchsal in Verträgen geregelt. Geleit ist das lukrative Recht einer Territorialmacht, Kaufmannszüge und andere Reisende gegen Gebühr mit berittenen Knechten zu schützen. Der Wechselpunkt war der vom Standpunkt 200 m weiter südlich liegende Kaltbach (heute Kahlbach). Es kann vermutet werden, dass die späteren Keramikfunde mit einer Unterkunft der kurpfälzischen Geleitsknechte zusammenhängen könnten.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 8: Tongrube Unterfeld

    Vor 31 Millionen Jahren bestand im Rheingraben ein großer Meeresarm von Basel über Frankfurt bis in die Nordsee. Das Klima war subtropisch, da Frauenweiler damals auf der geografischen Breite von Rom lag. Am Meeresboden herrschte zeitweise Sauerstoffarmut, so dass die abgestorbenen Lebewesen im Tonschlamm sehr gut konserviert wurden. Der Ton wiederum wurde ab 1978 bis in die 90er Jahre des 20. Jh. von der Fa. Bott in der Tongrube „Unterfeld“ zur Ziegelproduktion abgebaut.

    Aus den Fossilfunden wissen wir, dass das Meer sehr fischreich war – von Heringen über Thunfische bis hin zu großen Haien. Aber auch Vögel wie z.B. der älteste Kolibri der Welt oder das komplette Skelett einer Seekuh konnten geborgen werden. Die Funde sind weltweit so einzigartig, dass die Grube Unterfeld schon mit dem Weltkulturerbe „Grube Messel“ verglichen wird, die jedoch knapp 20 Millionen Jahre älter ist.

    Die Tongrube gehört heute komplett zu Rauenberg; dies war aber nicht immer so: Bis zum Abschluss der Flurbereinigunglm Jahre 1998 lag die nördliche Hälfte der Grube auf der Gemarkung Wiesloch-Frauenweiler. Da hauptsächlich dort die sensationellen Fossilfunde gemacht wurden, findet man in Fachveröffentlichungen noch häufiger die nicht mehr ganz korrekte Bezeichnung „Tongrube Frauenweiler“.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 9: Ausgleichsfläche Hutäcker

    Für den Laien manchmal etwas trostlos aussehend ist die „Ausgleichsfläche Hutäcker“ ökologisch doch sehr wertvoll. Seltene Amphibien (Laubfrosch) und Vögel haben hier ihr Zuhause. Teile des Areals werden wechselweise gemäht, um die speziellen Lebensbedingungen der Arten zu erhalten.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 10: Feldkreuz in den Zinsäckern

    Auf der zum Hochstift Speyer gehörigen Gemarkung Rauenberg waren früher Feldkreuze als Manifestation des katholischen Glaubens sehr häufig. Ein Liste von 1743 nennt 2 Kapellen, 3 Holzkreuze und 4 Steinkreuze in der Flur; drei weitere Steinkreuze kamen später noch hinzu, wie auch das in den Zinsäckern. Es wurde von dem aus einer alteingesessenen Küferfamilie stammenden und späteren Schultheißen Jacob Weiskapp sowie seiner Frau Catharina geb. Woll im Jahr 1763 errichtet.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 11: Kurbrunnen

    Geologisch gesehen ist der Kurbrunnen eine Verwerfungsquelle. Östlich liegt Unterer Keuper der Trias, westlich tertiärer Foraminiferenmergel und Fischschiefer. Letztere sind gegenüber der Ostscholle um über 900 m abgesunken. Das Wasser ist reich an Natriumchlorid, Calciumcarbonat, Kohlensäure und Schwefelwasserstoff und erfüllt die heutigen Anforderungen der „Mineralquellenverordnung“, die der Anerkennung als Heilwasser aber nicht zumindest nach der zwischen 1858 und 1868 zu datierenden Analyse von Georg Philipp Bronner, dem Sohn des Apothekers und Weinbaupioniers Johann Philipp Bronner.

    Zwar wird der Kurbrunnen erst Ende des 18. Jh. schriftlich erwähnt, die Nutzung dürfte aber bis in das Mittelalter hinabreichen. Man kann für das frühe 15. Jh. eine Wallfahrt erschließen und im Jahr 1459 ritt der Speyerer Bischof Johannes II. nach Frauenweiler um in der dortigen Kirche zu beten – alles wohl Hinweise auf den „heilsamen Ruf“ der Quelle.

    1767 wird der Brunnen erstmals aktenkundig: Kurfürst Carl Theodor hatte von der Heilwirkung erfahren und befahl weitere Untersuchungen. Zwei Jahre später sollte ein „Pavillon mit Wächterhäuslein“ errichtet und das abgefüllte Wasser sogar in Mannheim in Krügen verkauft werden. Das Projekt schlief aber ein und wurde erst 1776 realisiert. Das Aufkommen von anderen Badeorten (Langenbrücken, Zaisenhausen), der Übergang von Wiesloch an das Großherzogtum Baden und diverse mutwillige Zerstörungen ließen nie einen richtigen Badebetrieb aufkommen. Allerdings wurde das Wasser zu Trinkkuren bis etwa 1930 noch genutzt.

    Bei der Anlage des Gänsberg-Bergwerks wurde im Herbst 1953 die Rheingraben-Hauptverwerfung angeschnitten und der Kurbrunnen versiegte. Unverständlicherweise schob man anfangs der 60er Jahre die Anlage mit Bauaushub zu; eine in den 90er Jahren angedachte Freilegung der historischen Reste scheiterte am Widerstand der Naturschutzbehörde.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 12: Alter Bachlauf

    Im April 2005 wurde bei der Erweiterung der Autobahn auf der Höhe des Gänsberges ein alter, mit kalkfreiem Sand verfüllter Bachlauf angeschnitten – mehr als 20 m über dem heutigen Waldangelbach. Ein fast identisches Bachbett konnte 2010 am Rotschlagweg südlich von Mühlhausen bei der Erbauung der dortigen Umgehungsstraße nachgewiesen werden – 35 m über dem Waldangelbach.

    Es handelt sich um ein sehr altes, einige 100.000 Jahre altes Bachsystem, das als Vorläufer des Waldangelbachs angesehen werden muss. Die Gewanne „Aschenäcker“ und „Salzäcker“ am Gänsberg könnten von den sandigen Bachablagerungen ihren Namen haben.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 13: Alter Steinbruch

    Schon 1803 wird ein städtischer Steinbruch auf dem Gänsberg erwähnt. Ein Jahr später heißt es, der „Chaussee Director von La Roche zu Bruchsal“ habe auf dem Wieslocher Gänsberg Äcker zur Anlage eines Kalksteinbruchs aufgekauft. Es wurden also Kalksteine des oberen Muschelkalks zur Erzeugung von Straßenschotter abgebaut.

    Leider ist er heute völlig zugewachsen. Offene Steinbruchflächen sind wertvolle Biotope für seltene Pflanzen und Tiere; deshalb sollte man sich überlegen, ob die Freilegung des Steinbruchs nicht auch eine ökologische Verbesserung darstellt.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 14: Gänsbergschacht

    Seit römischer Zeit wurden natürlich mit diversen Unterbrechungen im Raum Wiesloch Blei-, Zink- und Silbererze abgebaut. Die am Westhang des Gänsberges auftretenden Schlacken einer hochmittelalterlichen Bleigewinnung sind auch in diesem Zusammenhang zu sehen.

    Ab 1846 baute die „Stolberger Zink AG“ bzw. ihre Vorgängergesellschaften auf Wieslocher, Nußlocher, Altwieslocher und Baiertaler Gemarkung Erze ab. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Erzqualitäten nachließen, versuchte die Firma im Jahr 1950 durch die Anlage des Gänsberg- Schachtes weit im Süden des Grubenfeldes neue Erzvorkommen aufzufinden. Dieser erhielt eine Teufe von 71 m, und ein weiter südlich gelegener Blindschacht erschloss 1952 eine weitere 87 m- Sohle.

    In der Fachwelt wurde das Versuchsbergwerk durch Funde des sehr seltenen Blei-Thallium- Arsen-Sulfides Hutchinsonit und Schwerspat- Stalaktiten bekannt. Die in einigen Vererzungszonen gefundenen, durchaus reichen Blei-Zink- Erze erwiesen sich leider als äußert schwierig zu verarbeiten, da sie stark mit Erdöl imprägniert waren. Deshalb wurden die Arbeiten Ende März 1954 eingestellt und der Schacht mit einer Betonplombe verschlossen.

    Der Plan, zum Abschluss der Flurbereinigung nicht wie sonst üblich einen Gedenkstein zu setzen, sondern das Fördergerüst des Gänsberg- Schachtes als Aussichtsturm wieder aufzubauen, fand bedauerlicher Weise 2002 keine Mehrheit im Gemeinderat.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 15: Feldlager auf dem Gänsberg

    Mit 158,2 m Höhe ist der Gänsberg der Hausberg (eigentlich eher ein Haushügel) von Frauenweiler. Die erste urkundliche Nennung erfolgte als „Genßberg“ im September 1437. Die Herleitung des Namens ist einfach: Es war der Berg, auf den die Bewohner der Siedlung Frauenweiler ihre Gänse trieben. Aber es existiert eine schöne Sage: Im 17. Jh. wollten fremde Soldaten mal wieder den Gänsberg besetzen. Als sie den Berg hoch stürmten scheuchten sie die dortigen Gänse auf, dachten die weißen Hinterteile gehörten zur Uniform feindlicher Soldaten und flohen.

    Tatsächlich diente der Gänsberg im 17. und 18. Jh. für unterschiedlichste Truppen als Feldlager, da man von dort die Rheinebene und auch Wiesloch kontrollieren kann und zugleich schwer angreifbar auf einer Höhe sitzt. Befestigungen haben sich nicht erhalten, aber wenige archäologische Funde wie eine aus Thüringen stammende Silbermünze (24 Kreuzer) der Grafen v. Schwarzburg-Sondershausen von 1620/22 und ein Feuerstein eines wohl gleich alten Steinschlossgewehres belegen die Anwesenheit von Soldaten.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 16: Wüstung Frauenweiler

    Wüstungen sind aufgelassene Siedlungsstellen. Man kann versuchen, sie entweder über urkundliche Nachrichten oder archäologische Funde zu datieren. Die erste Erwähnung des mittelalterlichen Frauenweiler ist leider schwierig zu beurteilen, denn sie steht auf einem, an eine Urkunde von 1287 angenähtem Zettel: Dem St. German Stift zu Speyer sind jährlich 2,5 Malter Korn zu Frawenwilre zu geben. Man wird das Ganze wohl in die Zeit um 1290 stellen dürfen. So kommt man zur Frage, wie es zu dem Namen Frauenweiler kam. Da gibt es zwei Möglichkeiten:

    a) Die dortige Kirche war der Jungfrau Maria geweiht, was manchmal auch als „unsere liebe Frau Maria“ bezeichnet wurde. So könnte es früh geheißen haben: Der Weiler bei der Kirche der lieben Frau Maria – zusammen gezogen als Frauen-Weiler.

    b) Im 15. Jh. hatte das Frauenkloster Lobenfeld großen Besitz in Frauenweiler, der wohl auf Schenkungen im 12. oder 13. Jh. zurück geht. So wäre auch die Benennung „Weiler der Kloster-Frauen“ denkbar. Zur weiteren Geschichte vergleiche man den Beitrag von Helmut Mohr in diesem Heft.

    Die Historie der archäologischen Überreste ist leider wenig erfreulich: Gegen 1950 erreichte der Abbau der Tongrube Bott das Gebiet und Vieles ging verloren. Im Herbst 1951 wurde ein teilzerstörter Holzbrunnen gesichtet und deshalb im März 1952 eine kurze archäologische Notbergung durch Paul Stemmermann durchgeführt, wobei undeutliche Reste von Häusern, einem Kachelofen und dem Brunnen dokumentiert werden konnten.

    Als im Frühjahr 1970 der Aussiedlerhof Messmer errichtet wurde, geschah dies – ohne es vorher zu ahnen – genau an der Stelle der ehemaligen Kirche von Frauenweiler. Kaum dokumentiert wurden die erstaunlich gut gebauten Fundamente abgeschoben – aber zwei der größten Teile wurden immerhin zu dem noch heute existierenden Denkmal umfunktioniert. Drei Jahre später 78 buddelte ein Hobbygärtner weitere Funde in seinem Schrebergarten aus. Seit über 20 Jahren sucht der Autor ein Feld oberflächlich nach Funden ab – mühsam, aber in der Menge von vielen 1000, meist kleinst zerscherbten Funden mit der Zeit doch erfolgreich:

    Die „Frühzeit“ von Frauenweiler ist in diesem Areal geprägt durch vereinzelte Funde des 10. Jh., die man wegen der auftretenden Schlacken einer Bleiverhüttung vermutlich mit dem Wieslocher Blei-Silber-Bergbau in Verbindung bringen kann. Erst ab dem 11. Jh. werden die Funde etwas häufiger, bleiben aber bis zum 14. Jh. immer noch im üblichen Qualitätsbereich eines kleinen Weilers. Ab dem 14./15. Jh. ist ein Aufschwung festzustellen. Es erscheinen nun auch qualitätvollere Dinge wie Glasbecher, Fensterglas, Kachelöfen oder verzierte Keramik. Ab dem späten 15. Jh. tritt glasierte Keramik auf und läuft noch etwas über die Zwangsauflassung der Siedlung von 1526 hinaus, da die Kirche noch länger in Funktion blieb.

    Station 17: Sühnekreuz

    Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit konnte bei einem Todschlagsfall der Täter einer Verurteilung entgehen, wenn er drei Dinge auf sich nahm:

    a) Schadenersatz an die Familie des Getöteten

    b) kirchliche Buße wie z.B. eine Pilgerreise und

    c) die Errichtung eines Sühnekreuzes am Tatort.

    Das Steinkreuz von Frauenweiler dürfte aus dem 16. Jh. stammen und wird erstmals 1641 erwähnt.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 18: See Sumpfwiesen "Bottloch"

    Schon in den Jahren 1925/26 erfolgten die ersten Geländeaufkäufe durch die Rauenberger Firma Bott, nachdem Bohrerkundungen dort ein gutes Tonlager nachgewiesen hatten. Der Tonabbau zur Herstellung von Dachziegeln und Backsteinen begann im Jahr 1935. Die Gründung des Neudorfes Frauenweiler 1937 bedingte eine Ausrichtung des Abbaus allein gegen Südosten. Gegen 1965 wurde der Abbau eingestellt und der nordöstliche Teil der Grube, der aufgeschüttet und heute bewaldet ist, als Deponie genutzt, der westliche Teil verblieb als Angler- und Badesee. 1993 kam dieser in Verruf, da erhöhte Arsengehalte im Wasser und in Fischen gemessen wurden. Noch heute besteht ein Badeverbot und geangelte Fische dürfen nur für den privaten Verzehr genutzt werden.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Station 19: Tongrube Frauenweilerwiesen, "Silbersee"

    Auch hier baute die Rauenberger Firma Bott tertiären Ton ab. Der Beginn des dortigen Tonabbaus soll gegen 1942 geschehen sein. Die Einstellung des Abbaus datiert anfangs der 70er Jahre, ohne dass eine völlige Wiederverfüllung erfolgte. Eine angedachte Nutzung als Baugebiet zerschlug sich. Bald darauf stellte sich eine artenreiche und zum Teil seltene Flora und Fauna ein.

    Die Experten streiten sich seit längerem, ob die vielen verschiedenen, dort vorkommenden Orchideen alle natürlich sind, oder angesalbt (angepflanzt) wurden. Egal wie, die seit über 20 Jahren recht stabile Population von u.a. Pyramidenorchis, vielen Knabenkräutern und einigen Stendelwurzen sowie der Mücken-Händelwurz sind außergewöhnlich und hoch schützenswert.

    Deshalb: Die Wege bitte nicht verlassen.

    Text: Dr. Ludwig H. Hildebrandt, Wiesloch (veröffentlicht 2012)

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Eine Wanderung durch den südlichen Flur von Frauenweiler

    Auszug aus der Broschüre „75 Jahre Frauenweiler“, herausgegeben im Jahr 2012 vom Stadtteilverein Fruenweiler.

    Textquellen

    Hildebrandt, Ludwig H.: Eine Wanderung durch den südlichen Teil der Flur von Frauenweiler; in: Festschrift „75 Jahre Frauenweiler“. Herausgeber: Stadtteilverein Frauenweiler e.V., Juli 2016.

    Mit freundlicher Genehmigung am 03.09.2023. VIELEN DANK.

    Freiamt: Historischer Wanderweg

    Schwerpunkt der Wanderstrecke ist das Mittelalter, das wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Gemeinde hatte. Die Vielfalt dieser Entwicklung lässt sich auf diesem Wanderweg bestaunen. Kapitel, die längst abgeschlossen erschienen, können hier wieder aufgeschlagen werden, wie das der Glasbläserei oder des Rechtes der freien Erbleihe, die die Herren im Mittelalter den Menschen hier im Tal zukommen ließen und der Gemeinde Freiamt ihren Namen gaben.

    Streckenverlauf 1 (ca. 13,0 km, ca. 4,5 Std.)
    Sägplatz – Ruine Keppenbach – Läger – Glasig (Sandgrube) – Soldatengräber – Tennenbach – Fäsiloch (Steinbruch) – Stabhalterhof (Mutterstegenhof) – Kirche Mußbach – Auf der Eck– Schweizerloch – Sägplatz

    Streckenverlauf 2 (ca. 17,0 km, ca. 5,5 Std.)
    Sägplatz – Ruine Keppenbach – Läger – Glasig (Sandgrube) – Soldatengräber – Tennenbach – Fäsiloch (Steinbruch) – Stabhalterhof (Mutterstegenhof) – Kirche Ottoschwanden – Freihof – Kirche Mußbach – Auf der Eck – Schweizerloch – Sägplatz

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freiamt

    Faltblatt „Historischer Wanderweg“

    Ettenheim: Mühlenweg

    Freiamt: Mühlenweg

    Der Beruf des Müllers und seine traditionsreiche Handwerkskunst, eine Mühle zu betreiben fasziniert seit Jahrhunderten Groß und Klein. In zahlreichen Volksliedern wird der Berufsstand besungen. In Freiamt gibt es den bekannten Mühlenweg. Diese Rundwanderung ist bis zum Kandelhöhenweg neben der gelben Raute auch mit dem Mühlenzeichen markiert. Der Wanderweg verbindet zwei Mühlen und führt durch reizvolle Seitentäler, die dem Wanderer bezaubernde Ausblicke auf Freiamt und Umgebung bieten.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freiamt

    Mühlenweg – keine weiteren Infomaterialien vorhanden!

    Freiburg: Geologischer Stadtspaziergang

    Die kleine Wanderung durch die Geologie Freiburgs beginnt am Stadtgarten mit dem Überqueren der Schwarzwaldrandverwerfung und dem Anstieg zum Restaurant Dattler. Hangparallel geht es zum Kanonenplatz, wo die Landschaftsformen und geologischen Verhältnisse der Umgebung von Freiburg präsentiert werden. Ein – bei gutem Blick – umfassender Überblick von Südosten (Zartener Becken und Schwarzwald) über den Lorettoberg und Schönberg im Süden, über die Freiburger Bucht mit dem Kaiserstuhl und den Vogesen im Westen bis in die Niederungen von Elz und Glotter und die Hügel der Emmendinger Vorberge – nahezu 270° Freiburg!

    Noch besser und umfangreicher ist der Blick von Schlossbergturm auf der Schlossbergnase hoch über dem Kanonenplatz.

    Nach dem Abstieg in die Altstadt führt der Weg über das Schwabentor, zum Oberlindenbrunnen und dem Augustinerplatz mit seinen Straßenpflastern und seiner Lage im Übergang von der Niederterrasse zur Dreisamaue. Auf dem weiteren Weg über die Schusterstraße zum Münster sind Häuser und Fassaden aus Gesteinen der ganzen Welt zu sehen. Vorbei am erzbischöflichen Ordinariat und der Münsterbauhütte führt der geologische Spaziergang wieder zurück zum Stadtpunkt im Stadtgarten.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freiburg

    Geologischer Stadtspaziergang – keine Infomaterialien vorhanden!

    Textquellen

    Schriftenreihe der Deutschen Geologischen Gesellschaft für Geowissenschaften: Geotope und Geotourismus im digitalen Zeitalter, Heft 94, 2019.

    Freihung: Bleierzweg

    Zunächst geht es am Rand des ehemaligen Geländes der Grube Vesuv entlang, vorbei an der ehemaligen Pegmatitgrube gelangt, nach Thansüß und gelangt über den Kohlbühl nach Tanzfleck.

    Im weiteren Verlauf der Wanderung steigt man ins Vilstal hinab. Die Vils entspringt nur wenige Kilometer südlich von Freihung.

    Die Wanderung passiert unter anderem die Schmelzmühle und die Hämmerleinsmühle, ehe der Ausgangspunkt des Rundwanderweges in Freihung wieder erreicht ist.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freihung

    Bleierzweg – keine Infomaterialien vorhanden!

    Freihung: Expedition Erdgeschichte

    Die Gebiete von Massenricht, Freihung und Plana in Westböhmen weisen eine vielfältige bergbaugeschichtliche Vergangenheit und geologische Besonderheiten auf. Mit dem gemeinsamen Projekt „Expedition Erdgeschichte – Oberpflaz und Westböhmen“ legten die Initiatoren in beiden Regionen drei geologisch-geschichtliche Rundwege an.

    Wegstationen
    Station 1: Wanderkarte Bergbaugeschichte Freihung
    Station 2: Versuchsschacht
    Station 3: Schacht verfüllt
    Station 4: Grube Vesuv
    Station 5: Grube Vesuv
    Station 6: Bleihütte
    Station 7: Grube Gottfried
    Station 8: Die Freihunger Störungszone
    Station 9: Bodenschätze
    Station 10: Sandsteinbrüche
    Station 11: Mühlen in der Umgebung
    Station 12: Kolonie Vesuv
    Station 13: Situationsplan 1945

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freihung: Expedition Erdgeschichte

    Keine Infomaterialien vorhanden!

    Textquellen

    Hinweistafel vor Ort

    Freisen: Achatweg

    Der Achatweg Freisen eröffnet einen Einblick in die 290 Millionen Jahre alte Erdgeschichte am Hellerberg.

    Vulkanische Kräfte waren der Auslöser für die Entstehung prächtiger Achate, wie sie über viele Jahre im Steinbruch Hellerberg gefunden wurden. Highlight der Tour ist eine mächtige Felsenkugel, die durch den Steinbruch-Betrieb in einer Felswand aufgeschlossen wurde.

    An 10 Stationen erhalten Sie auf dieser Wanderung faszinierende Einblicke in das erdgeschichtliche Erbe des Hellerbergs.

    Tipp

    Mineralienfunde vom Hellerberg lassen sich im Mineralienmuseum in Freisen und im Mineralogischen Museum in Oberkirchen bestaunen.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freisen

    Achatweg – keine Infomaterialien vorhanden!

    Freudenstadt: Christophstaler G’schichtswegle

    Ein spannender Geschichtserlebnispfad entlang des Forbachs auf 5 km Länge.

    Entlang der Rundtour durch das idyllische Christophstal erwarten dich 19 unterschiedliche Stationen, zu den verschiedenen Handwerksbetrieben und historischen Gebäuden, die das Tal um 1900 prägten. Schwäbische Sprüche begleiten dich hierbei auf deinem Weg.

    Start des Christophstaler G’schichtswegle ist an der „Adlerterrasse“, die einen schönen Blick auf das Bärenschlössle, die ehemalige Tuchfabrik Hoyler und die 2025 eingeweihte Rutschenanlage bietet. Ab hier kannst du dem Symbol mit dem Bärenschlössle und der gelben Raute hinab ins Christophstal und rein in das Gartenschau-Gelände folgen. 

    Wegstationen
    Geschichte des Christophtals
    Das Christophstal war das historische Industriegebiet von Freudenstadt. Die Nutzung der Wasserkraft des Forbachs war Jahrhunderte lang ein Standortvorteil. Die Ursprünge der wirtschaftlichen Aktivitäten im Tal liegen im Bergbau. Die von den Bergleuten in verschiedenen Christophstaler Bergwerken gewonnenen Erze wie Silber, Kupfer und Eisen konnten vor Ort in Anlagen zur Erzverhüttung weiterverarbeitet werden. Die Weiterverarbeitung zu einzelnen Produkten erfolgte auch im Tal. So gab es zum Beispiel ein wassergetriebenes Hammerwerk für Eisenwaren – dort stellten Handwerker Sensen, Sicheln und Messer her – sowie Gebäude zur Messingproduktion.

    Das konjunkturelle Auf und Ab hinterließ im Tal immer wieder Spuren: Bergwerke waren nicht mehr rentabel oder die Erzvorkommen erschöpft. Auch der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) machte sich bemerkbar: Nach Plünderungen und Zerstörungen 1634 durch Soldaten erlahmten die wirtschaftlichen Aktivitäten im Tal. Erst nach Kriegsende ging es langsam mit dem Bergbau sowie der Silber- und Kupferverarbeitung und der Messingproduktion wieder los.

    Ende des 18. Jahrhunderts gab es keinen Silber- und Kupferbergbau mehr im Christophstal. Nur Eisenerz und Schwerspat förderten die Bergleute im 19. Jahrhundert noch. Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich weitere Gewerbe im Tal nieder, die auf die Wasserkraftnutzung angewiesen waren: Dazu gehörten unter anderem Mahl-, Schleif-, Loh-, Öl- und Walckmühlen.

    1879 gab es für Freudenstadt durch die Gäubahn den Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Betriebe im Christophstal und oben in Freudenstadt standen unter Modernisierungsdruck. Als ab 1895 das Elektrizitätswerk seinen Betrieb aufnahm, begannen viele Firmen die Vorteile der Elektrifizierung für ihre Produktion zu nutzen.

    Station 1: Adlerterrasse

    „Adler“ war und ist ein beliebter Gasthof- und Hotelname. Ab 1829 führte der Brauereigasthof an der Murgtalstraße den Namen Adler. Ab 1900 bauten die Inhaber den Gasthof um und ließen die Brauerei herausreißen. Ab 1929 standen im nunmehrigen Hotel rund 60 Betten zur Verfügung. Die Blütezeit des Hotels endete im Zweiten Weltkrieg. Nach wechselvoller Nutzung des Gebäudes riss man es um 1970 herum ab und baute auf dem Grundstück 1971 ein Wohnhaus.

    Station 2: Oberer Großhammer

    Einst die bedeutendste Eisenschmiede im Christophstal, der Obere Großhammer, steht der Gebäudekomplex der ehemaligen Tuchfabrik Hoyler heute leer. Einige ältere Gebäudeteile lassen die Vorgeschichte der Anlage noch erahnen. So führte ein Mühlkanal hinter dem Gebäude das zur Energiegewinnung notwendige Wasser heran, welches das Wasserrad des 1596 erstmals erwähnten „Schmittebau“, eine Eisenschmiede, antrieb. Es war Teil der „Oberen Werke“ der Eisenwerke Christophstal, in dem bis zur Aufgabe der Werke 1835 Eisenbearbeitung stattfand.

    Wollspinnerei Münster

    1839 kam es zum Verkauf an den Freudenstädter Tuchmacher Wilhelm Münster. Er gründete 1845 seine mechanische Wollspinnerei W. F. Münster. Er nutzte das vorhandene Magazingebäude und baute das Kohlenlager zu einer Wollspinnerei mit Wollwäscherei und Walkmaschine um. Ab circa 1894 nutzte die Firma nicht nur die Wasserkraft, sondern auch die Dampfkraft zur Energiegewinnung. Bis zur Jahrhundertwende stellte der Betrieb festes grobes Garn her. Um 1900 stellte die Spinnerei den Betrieb ein.

    Tuchfabrik Hoyler

    Der Weber und Spinner Karl Friedrich Hoyler kaufte 1902 die Spinnerei auf. Er gründete 1902 die Tuchfabrik Hoyler und ließ 1902 ein Turbinenhaus neben dem alten Fabrikgebäude errichten. Während des Ersten Weltkriegs lag die Fabrik zweieinhalb Jahre lang still. 1919 nahmen die Besitzer die Produktion wieder auf und richteten 1920 neben der Spinnerei noch die Weberei ein. 1921 beschaffte die Firma neue Maschinen und Webstühle und errichtete ein neues dreigeschossiges Verwaltungs- und Lagergebäude.

    Versandhaus Christofstal

    Fabrikbesitzer Erwin Hoyler gründete mit dem Textilkaufmann Friedrich Huber 1921 die „Tuchfabrik Christofstal“, in der die damals weltweit bekannte Christophstaler Tuche hergestellt wurde. Der neue Mitinhaber Huber kümmerte sich um den Vertrieb der Waren und baute den Versandhandel „Versandhaus Christofstal“ auf. Der Direktverkauf an die Kunden florierte. Hatte das Versandhaus 1921 nur 120 Kunden, wuchsen die Zahlen bis Anfang der 1930er Jahre auf über 100.000 Kunden, welche in der Kartei registriert waren.

    Trotz Wirtschaftskrisen und Weltkriegen modernisierte und erweiterte sich die Tuchfabrik immer wieder. Das Werk war seit 1938 eine „Volltuchfabrik“: Die Eigentümer waren nun in der Lage, alles selbst zu fertigen.

    Seit Beginn der 1960er Jahre war die deutsche Textilindustrie durch einen anhaltenden Schrumpfungsprozess gekennzeichnet, da die Konkurrenz aus Asien merkbar zunahm. Daher musste 1965 der Betrieb eingestellt werden. Das Grundstück und die Firma blieben aber noch bis in die 1990er Jahre in Familienbesitz.

    Station 3: Gasthaus Bad

    Das heutige Gasthaus zum Bad ist im Gebäude der ehemaligen Faktorei untergebracht. Von hier aus wurde das Leben und Arbeiten in Christophstal geregelt. Bereits 1624 wird die Faktorei als Verwaltungssitz der Berg- und Hüttenwerke in Christophstal erwähnt. Die Karte von 1778 zeigt die Anordnung der Gebäude rund um die Faktorei. Zu Beginn nur für die Laboranten zuständig, war im 18. Jahrhundert, nachdem das Amt des Bergmeisters nicht mehr selbstständig ausgeübt wurde, der jeweilige Faktor, Oberfaktor oder auch Generalfaktor, der für alle Christophstaler Angelegenheiten maßgeblich verantwortliche Beamte.

    Station 4: Feilenhauerei Bührle

    Wechselvoller Produktionsstandort

    Zunächst war auf dem Grundstück von 1622 bis 1628 die herzogliche Münze untergebracht. Jahrzehnte später errichteten die herzoglich württembergischen Hüttenwerke hier ein Hammerwerk: den „Oberzainhammer“. Von 1841 bis 2017 befand sich das Grundstück in wechselnden privaten Händen und unterschiedlicher Nutzung. Seit 2017 ist es in städtischem Eigentum.

    Familienbetrieb Graf & Bührle

    1884 kauften drei Feilenhauer, die Brüder Graf, die Säge- und Schleifmühle. Der Antrieb der Anlage erfolgte über Wasserräder. Für die jungen Handwerker eröffnete sich durch die Schleifmühle und die Nutzung der Wasserkraft die Möglichkeit der Mechanisierung der Produktion: Jetzt konnten sie alte stumpfe Feilen im eigenen Betrieb selbst recyclen und aufarbeiten. Zusätzlich ergänzten um die Jahrhundertwende zwei mit Wasserkraft angetriebene Feilenhaumaschinen die Produktion. Die Sägemühle gaben sie auf und produzierten stattdessen Holzschindeln. Umstrukturierungen und familieninterne Anteilsverkäufe führten dazu, dass das Grundstück und die Feilenhauerei und Schleiferei ab ca. 1942 in den alleinigen Händen von Bernhard Bührle lag. In den Nachkriegsjahren gab es eine starke Nachfrage nach aufgearbeiteten Feilen. Rohstoffe waren zunächst knapp und das Wiederauf-hauen von Feilen war für die handwerklichen Feilenhauereibetriebe ein gutes Geschäft, das bis Ende der 1950er Jahre eine wirtschaftliche Produktion ermöglichte.

    Ende der 1950er Jahre modernisierte der Inhaber die Wasserkraftanlage und ließ eine Ossberger Durchströmturbine einbauen. Bernhard Bührle verstarb 1964 und sein Sohn Gerhard Bührle übernahm den Betrieb. Ende der 1950er Jahre verlagerte sich die Feilenproduktion zunehmend in größere industrielle Feilenfertigungen. Zu Beginn der 1970er Jahre endete die handwerkliche Feilenherstellung und Bührle stellte auf Feilenhandel um. Ergänzend dazu baute er einen Schleif- und Schärfdienst für Bandsägen und Kreissägen auf.

    2010 verstarb Feilenhauermeister Gerhard Bührle im Alter von 82 Jahren. Mit ihm endete nach 187 Jahren die alte Feilenhauertradition in der Familien Graf und Bührle. Eine Auswahl von Exponaten aus der alten Feilenhauerei können in der Dauerausstellung des Museums im Stadthaus auf dem Marktplatz besichtigt werden.

    Münzstandort

    Bevor auf diesem Werkplatz jedoch die Feilenhauerei eingerichtet wurde, hatte dieser bereits eine lange Geschichte. Herzog Johann Friedrich (1582-1628) wählte das Christophstal als Standort für eine weitere Münzstätte und wurde hier fündig. Ausschlaggebend für die Platzwahl war die vorhandene Infrastruktur der Bergwerke, der Weiterverarbeitungseinrichtungen (zum Beispiel die Schmelzhütte) und darüber hinaus die vorhandenen Fachkräfte wie Schmelzer oder Probierer. Der wichtigste Grund war jedoch der Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Nach Beginn des Krieges setzte eine rasch fortschreitende Münzverschlechterung ein. Zur Deckung der Rüstungsausgaben, der Kriegskosten (und zur eigenen Bereicherung) nutzen immer mehr Fürsten ihr Münzrecht. Sie verringerten den Gehalt ihrer Münzen und ließen immer mehr geringwertige Münzen prägen.

    „Kipper- und Wipperzeit“

    In der Hochphase dieser „Kipper- und Wipperzeit“ (1621–1623) drehte sich die Spirale der Münzentwertung immer schneller. Mit „Kippen“ war das Einschmelzen der guten Münzen, mit “Wippen“ das Auswiegen der schwereren Stücke zum anschließenden Verringern gemeint. Die allgemeine Münzverschlechterung in der Kipper- und Wipperzeit erreichte 1622/23 ihren traurigen Höhepunkt. Als die Landesherren erkannten, dass sie das schlechte Geld nun in Form von Steuern und Abgaben zurückerhielten und die angeworbenen Söldner nur für gutes Geld kämpfen wollten, fingen sie an, das unterwertige Geld wieder einzuziehen. Von ca. Sommer 1623 bis 1628 prägte man im Christophstal nur noch werthaltigere Münzen, wie z.B. der Taler. Die Kippermünzen schmolzen die Handwerker ein und das daraus gewonnene Silber verwendeten sie für die besseren Münzen weiter. Neben Münzen ließ man gelegentlich auch Medaillen, sogenannte „Geschenktaler“, prägen.

    Münzenproduktion

    Die in der Gießerei hergestellten Silberbarren walzten die Handwerker im Streckwerk zu Silberstreifen (auch „Zain“ genannt) aus. Daraus schnitten die Handwerker anschließend im Sägewerk die „Schrötlinge“ aus und prägte in der Münze das eigentliche Nominal hinein.

    Verwaltung

    Verantwortlich für die neue Münzstätte als Münzverwalter war der erst 20jährige David Stein († 1629). Zusätzlich übernahm er circa 1624 das Amt des Münzmeisters.

    Produktionsende

    Herzog Johann Friedrich starb am 18. Juli 1628. Nach seinem Tod stellte die Münze im Christophstal ihre Produktion ein. 1634 zerstörten Kaiserliche Truppen auch die ehemalige Münze.

    Station 5: Streckhammer (Drahtmühle)

    Im Jahre 1607 wurde von einem noch nicht fertigen Zainhammer geschrieben. Auf solchen Hämmern wurde das Grobeisen zu länglichen Zainen, zu Stabeisen ausgeschmiedet, um es dann an Schlosser, Schmiede, Nagelschmiede und Messerschmiede verkaufen zu können. Auch fertige Waren wie Schaufeln, Hacken, Beile, Pflugscharen und Waldsägen wurden hergestellt. Im Jahre 1612 wurde auf dem Werkplatz unterhalb der Münze noch eine Drahtmühle errichtet, in der Messingdrähte gezogen wurden. Das Gebäude und die technischen Einrichtungen wurden von Baumeister Heinrich Schickhardt geplant.

    Im 18. Jahrhundert wurde im Streckhammer auch Eisen erschmolzen. Der dazu erforderliche Großhammer war zusammen mit einem Kleinhammer in einem Schwanzhammergerüst untergebracht. Beide Feuer wurden mit wassergetriebenen Blasebälgen angefacht. Bei der Schmiede stand noch das Eisenmagazin, eine Kohlscheuer und ein Wohnhaus mit zwei Wohnungen.

    Im 19. Jahrhundert richtete man wegen der großen Nachfrage nach raffiniertem Stahl nochmals ein modernes Rohstahl- und Raffinierfeuer ein. Nachdem der Streckhammer 1841 an Wilhelm Uhland verkauft wurde, richtete dieser hier eine Sägemühle ein.

    Anstelle der Sägemühle wurde schließlich das heutige Haus Kitzlinger gebaut. Mit einer vom Forbachwasser angetriebenen Turbine wird heute wieder Strom für den Eigenbedarf erzeugt.

    Station 6: Laborantenhaus

    Viele der alten Wohnhäuser in Christophstal haben eine lange Geschichte. Sie dienten den vielen Arbeitern im Tal als Wohnhäuser. So auch dieses Gebäude mit der eingehauenen Jahreszahl 1790. Die Bewohner Christophstals werden in den Quellen meist als „Knappen“ und „Laboranten“ bezeichnet. Knappen waren die in den Bergwerken und Gruben beschäftigten Bergleute. Laborant war, wer in den Weiterverarbeitungsbetrieben beschäftigt war. Viele waren Fachleute auf ihrem Gebiet und wurden vom Herzog von auswärts angeworben. Die Laboranten wohnten mit ihren Angehörigen in den eigens für sie errichteten „Laborantenhäusern“, aber auch in den Produktionsstätten selbst. Die Herzöge bedachten die Christophstaler Bevölkerung immer wieder mit speziellen Privilegien. Beispielsweise war es erlaubt Wochen- und Jahrmärkte abzuhalten, Bier zu brauen und Handwerke zu betreiben, auch waren sie von Steuern befreit. Diese Vergünstigungen sorgten immer wieder für Streit zwischen den Freudenstädter Bürgern und der Bevölkerung des Christophstals.

    Station 7: Kupferhammer

    Heute erinnert das Wasserrad an das Kupferhammer-Werk, das hier einmal stand. Auf der Bergseite wurde der Mühlkanal herangeführt und befanden sich die Wasserräder. Dem Forbach zu war das Gebäude geöffnet, hier war der Zugang zu den Hammerschmieden. Im Obergeschoss waren die Wohnräume der Hammerschmiede untergebracht. Im Kupferhammer wird durch ein Wasserrad über eine Welle ein Hebelarm in Bewegung gesetzt, der den eigentlichen Hammer betreibt. Dieser wird ca. 40 cm angehoben und fällt durch sein mehrere Zentner schweres Eigengewicht auf den Amboss zurück. Auf diese Weise konnte Kupfer bearbeitet werden.

    Später wurde auf diesem Werkplatz zunächst eine Getreidemühle, dann eine Baumwollspinnerei und Tuchfabrik errichtet. Im untersten Haus, das heute noch steht, wurde nach 1900 die Firma Votteler gegründet, die künstlerische Holzartikel herstellte. Im Jahr 1920 richtete der Kaufmann Robert Bürkle in den oberen Gebäuden eine Maschinenfabrik ein.

    Anfänge der Firma Bürkle

    Der Firmengründer Robert Bürkle (1898-1984) war das jüngste Kind einer Landwirtsfamilie in Schmiden bei Cannstatt und absolvierte eine kaufmännische Lehre.

    Mit Conrad Schumann richtete er 1919 eine kleine wasserkraftnutzende Werkstatt im Christophstal ein. Anfang 1920 lieferten sie die erste Maschine aus und Mitte 1920 ließen sie ihre Firma ins Handelsregister eintragen. Die Firma expandierte: 1928 richteten sie eine Verkaufsniederlassung in England ein.

    In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur 1933 bis 1945 produzierte die Firma weiter Spezialmaschinen im Christophstal. Robert Bürkle führte von 1937 an als Alleininhaber die Firma. 1939 exportierte die Firma ihre Produkte schon in fast alle europäischen Länder sowie weltweit.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg stand auch die Firma Bürkle auf der Demontageliste der französischen Regierung. Teile der Werkhallen und die Maschinen baute man ab und transportierte sie 1945 nach Frankreich.

    Neubeginn 1946

    Zu Jahresbeginn 1946 produzierte Bürkle wieder. Die Demontage hatte zur Folge gehabt, dass die Neuausstattung des Betriebs mit modernsten Maschinen und Automaten erfolgt war. Damit war die Firma Bürkle den konkurrierenden Maschinenbaufirmen im In- und Aus-land technologisch überlegen, die noch mit älteren oder ganz alten Maschinen produzierten. Die Firma verlegte 1953 innerhalb von Freudenstadt einen Teil der Fertigung in das neu erworbene Fabrik- und Bürogebäude in der Stuttgarter Straße. Die Firma produzierte jedoch im Christophstaler Werk weiter. 1963 verlegte die Firmenleitung die gesamte Fertigung hoch an die Stuttgarter Straße. Bürkle ließ 1991 die Hallen im Christophstal abreißen.

    Zum fünfzigjährigen Firmenjubiläum 1970 konnte Robert Bürkle mit gewissem Stolz vermerken, dass aus vier Mitarbeitern fast 600 Belegschaftsmitglieder geworden waren. Und aus einer Werkstatt von knapp 100 Quadratmetern war eine Produktionsfläche von mehr als 12.000 Quadratmetern geworden.

    2020 zum 100jährigen Jubiläum war die Firma international aufgestellt, aber kein Familien-unternehmen mehr. Die Firma Bürkle gibt es heute noch. Das Hauptquartier ist nach wie vor an der Stuttgarter Straße in Freudenstadt.

    Anlässlich der Gartenschau schuf das Team Gartenschau für das ehemalige Firmengelände die neue Bezeichnung „Forbachgärten“.

    Station 8: Silberschmelze, Grube Sachtleben

    Lange vor der Stadtgründung 1599 wurde hier das in den Gruben am Forbach und an der Kehrsteig abgebaute silberhaltige Fahlerz verhüttet. Über die Errichtung und den Betrieb der alten Schmelzhütte gibt es leider keine schriftlichen Überlieferungen. Sie wurde wohl schon vor der Stadtgründung wieder stillgelegt. Im Jahr 1575 suchte man einen neuen Platz für eine Schmelzhütte und hat diese dann bei der alten Straße zum Kniebis erstellt.

    Bei der Erneuerung des bei einem Hochwasser zerstörten Stauwehrs im Jahr 1903 wurde der Bachverlauf geändert und mitten über den Standort der Silberschmelze hinweggeführt. Der neue Lageplan zeigt noch den alten Bachverlauf. (Wasserrechts-Akten T60, 1903)

    Um ihren zukünftigen Bedarf an Schwer- und Flussspat zu sichern, legte das Bergbauunternehmen Sachtleben aus Oberwolfach 1989 hier einen Untersuchungsstollen an.

    Station 9: Rußhütte

    Nutzen

    Bei dem Gebäude handelt es sich „um ein äußerst seltenes und authentisch erhaltenes Produktionsgebäude dieser ländlichen Kleinindustrie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts“ und steht deshalb unter Denkmalschutz.

    Bauwerksgeschichte

    Im Jahr 1855 ging diese Rußhütte wahrscheinlich in Betrieb. Die Rußhütte ist ein zweigeschossiger, unverputzter Massivbau aus rotem Sandstein. Das Gebäude war die Arbeitsstätte der Kienrußbrenner. Sie gewannen durch Verbrennen von Reisig, harzhaltigem Holz und Harz- bzw. Pechgrieben mit verminderter Luftzufuhr (Verschwelen) den schwarzen, pulverförmigen Feststoff Ruß. 1870 verkaufte der Betreiber Moritz Hipp das Gebäude und der neue Eigentümer Albert Brucklacker baute es zu einem Wohnhaus um und richtete 1879 die Gastwirtschaft „Zum Schwanen“ ein.

    Ursprünglich stand das Gebäude in Freudenstadt an der Stuttgarter Straße 59 an der B 28. Durch Bundesmittel konnte die Rußhütte im Verlauf des Jahres 2024 am ursprünglichen Standort Stein für Stein abgebaut und am neuen Standort wieder aufgebaut werden. Jeden Stein fügten die Handwerker entsprechend seiner ursprünglichen Position wieder an Ort und Stelle ein.

    Rußgewinnung

    Die Rußhütte besteht aus zwei Räumen: dem „Rußfabrikationslokal“ in dem sich auch der vier Meter lange Rußbrennofen befand und dem „Rußfang“. Im Brennofen verbrannten die Handwerker die rußbildenden Brennstoffe (z.B. Pechgrieben) und leitete die Verbrennungsgase ins Gewölbe des Rußfangs. Dort lagerten sich die kleinen Ascheteilchen am Fuße des Gewölbes ab, der Ruß wiederum an den Gewölbewänden. Der Rauch zog durch eine Öffnung in der Decke nach oben ab. Nach dem Brennvorgang kehrten die Rußbrenner den Boden und die Wände des Rußfangs ab und füllten den Ruß in Transportbehälter (wahrscheinlich dichte Holzfässer). Einen Teil verarbeiteten sie wahrscheinlich direkt zu einer Art Rußpaste, die man in einem Rußkessel hergestellt hatte. Zusätzlich verarbeitete sie, zumindest eine Zeit lang, auch Harz, da das Gebäude als „Rußbrennerei und Harzhütte“ bezeichnet wird.

    Rußhütten in Baden-Württemberg

    Derzeit sind in Baden-Württemberg nur noch zwei Rußhütten bekannt: in Enzklösterle und in Freudenstadt.

    Station 10: Platzmeisterhaus

    Hüttenwerke

    Das 1838 fertiggestellte Platzmeisterhaus stellt ein Stück Industriegeschichte im Christophstal dar. Der Platzmeister arbeitete für die königlich – württembergischen Hüttenwerke (ab 1921 Schwäbische Hüttenwerke). Die königlichen Hüttenwerke hatten sich schrittweise zu einem überregionalen Großunternehmen entwickelt und stellten als Teil der hochspezialisierten Eisenveredelungsindustrie technische und qualitative Spitzenprodukte her, die in einer arbeitsintensiven Produktionsweise entstanden. In direkter Umgebung gehörte das Platzmeisterhaus zum Areal des Pfannenhammers (Pfannenschmiede). Aus der Hüttenwerkszeit sind dort vor Ort noch Reste von Wasserkunstbauten, das ehemalige Back- und Waschhaus und das Laborantengebäude erhalten geblieben. Im 20. Jahrhundert war der Werksteil im benachbarten Friedrichstal so wichtig geworden, dass die Schwäbischen Hüt-tenwerke bis 1937 die letzten Grundstücke und Gebäude im Christophstal verkauften. Es bleibt unklar, ob der Verkauf des Platzmeisterhauses erst 1937 erfolgte oder schon früher.

    Personal

    Der Platzmeister gehörte zu den „Hüttenoffizianten“, also zum Leitungspersonal, zu dem auch die Schmelzmeister, Gießereimeister und Hammermeister der Hüttenwerke gehörten. Die Platzmeister hatten die Aufsicht über die betriebliche Materialwirtschaft und über die Taglöhner.

    Wohnung und Arbeitsplatz

    Bei den Beamten und Offizianten war die freie Dienstwohnung ein fester Gehaltsbestandteil. Der Platzmeister im Christophstal wohnte und arbeitete im gleichen Haus. Im Erdgeschoss waren die Diensträume, im ersten Obergeschoß befand sich die Dienstwohnung. Zum Platzmeisterhaus gehörte auch eine Hofanlage und ein Hausgarten.

    Baugeschichte

    Im Zuge von Umstrukturierungen zwischen den Friedrichs- und Christophstaler Werksteilen entstand die Notwendigkeit eines Platzmeisterhauses. Der zweigeschossige Bau aus Buntsandsteinen ist bis heute erhalten geblieben. Der Originalgrundriss und die Substanz der Türen, Fenster und Böden ist immer noch erhalten, ebenso der Gewölbekeller. Bis in die 2000er Jahre nutzte man das Platzmeisterhaus als Wohnhaus. Zwei Privatpersonen und der Verein für Kulturdenkmale Freudenstadt kauften das Haus 2011, um es vor dem Verfall zu retten. Der 2024 angelegte Garten orientiert sich in der Gestaltung an historischen Vorlagen aus der Biedermeierzeit.

    Station 11: Bergbau im Christophstal

    In zahlreichen Gruben rund um Freudenstadt wurde nach Silber und Kupfer geschürft. „Neues Glück“, „Straßburgerin“, „Haus Württemberg“, „Christophsstollen“ hießen zum Beispiel diese Gruben, um nur wenige zu nennen. Sie erstreckten sich vor allem entlang des Christophstals bis zum Kienberg.

    Im Tertiär kam es bei Freudenstadt zu einer Einsenkung eines Grabensystems. Parallel zu den Grabenflanken bildeten sich durch hydrothermale Vorgänge Quarz- und Schwerspatgänge. Der aufmerksame Wanderer entdeckt in den Wäldern heute noch Reste von Schachtpingen, Abraumhalden und versteckte Stolleneingänge.

    Wer noch einen Abstecher zur Grube „Straßburgerin“ bzw. „Ferdinand“ machen möchte, der folgt dem Waldweg noch ein Stück bergauf bis zum alten Steinbruch. Ein vergitterter Stolleneingang zeugt hier noch vom Zeitalter des Bergbaus im Christophstal.

    Station 12: Bärenschlössle

    Das Bärenschlössle mit seinem Staffelgiebel prägt bereits seit einigen hundert Jahren das Bild des Tales. Es ist eines der wenigen noch erhaltenen Gebäude, das die Stadtbrände von 1632 und 1945 überlebte.

    Namensherkunft

    Der Name „Bärenschlössle“ kam erst zwei Jahrhunderte nach seiner Errichtung in der Zeit der Romantik auf. In Reisebeschreibungen tauchte ab 1837 dieses angebliche „Jagdschlösschen zur Bärenjagd“ auf. Die verkürzte Bezeichnung „Bärenschlössle“ hält sich bis heute.

    Gebäudegeschichte

    Das repräsentative Staffelgiebelhaus „Bärenschlössle“ im Christophstal gehörte Generalfaktor Peter Stein († 1632). Er war ab 1612 in württembergischen Diensten im herzoglichen Messinghandel tätig und trat 1617 das Amt des Generalfaktors des Christophstaler Messingwerkes an. Er war so wohlhabend, dass er sich im Christophtal ein Haus bauen ließ und 1627 dort in das nach ihm benannten „Steinsche Freigut“ einzog. Wiesen und ein Garten gehörten auch noch zum Anwesen. Sein Sohn David Stein († 1629), Münzmeister im Christophstal seit 1622, übernahm 1628 von ihm das Amt des Generalfaktors. Nach dem Tod Peter Steins blieb das Gut bis in die 1670er Jahre in Familienbesitz. Die Erben verkauften es dann an die herzogliche Rentkammer, die wiederum verkaufte 1678 das Gut an den Baiersbronner Bauern Adam Ehmann. Über 200 Jahre lang verblieb der Besitz in der Familie.

    Im Laufe der Zeit war der Hof mehrmals geteilt und im Eigentum mehrerer Familien. Die Stadt Freudenstadt konnte 1919 erst die eine und 1923 auch die zweite Hälfte kaufen. Nach Instandsetzungsarbeiten 1924 wohnte ein städtischer Revierförster im Anwesen.

    Ein wohlhabender Enkel eines Vorbesitzers, Wilhelm Bez, kaufte Ende der 1960er Jahre das Traumhaus seiner Kindheit und renovierte es großzügig. Der Gemeinderat unterstützte das Vorhaben, in den historischen Räumlichkeiten eine Gaststätte einzurichten. Die Zeit als Gaststätte endete 2014 als die Pächter in Rente gingen.

    Gegenwärtig befindet sich das Gebäude noch immer in Familienbesitz und wird von einem Pächter betreut. Die Räumlichkeiten können für Veranstaltungen gebucht werden.

    Station 13: Skischanze - Geschichte des Skispringens in Freudenstadt

    Ab 1900 fand das Skilaufen bei Einheimischen und Kurgästen zunehmend mehr Anhänger. Im Januar 1905 erfolgte dann in Freudenstadt die Gründung des Skiclubs „Schneeschuhverein“. Das Skispringen bildete die spektakulärste Wettkampfart, die regelmäßig viele Zuschauer anlockte. Im benachbarten Baiersbronn baute man bereits 1909 die Murgtalschanze.

    Der Schneeschuhverein initiierte den Bau der Freudenstädter Schwarzwaldschanze. Die Skifreunde weihten sie am 28. Januar 1923 anlässlich des 12. Bundeswettlaufes des Schwäbischen Schneelaufbundes feierlich ein.

    Feste Sprunganlagen brauchen kontinuierliche Pflege. In der Wirtschaftskrise 1932 bezahlte die Stadt Freudenstadt in Zusammenarbeit mit dem Schneeschuhverein und dem Heimatwerk Stuttgart den „Freiwilligen Arbeitsdienst“: Durch ihn konnten 20 bis 25 arbeitslose Personen mehrere Monate lang die Renovierung und den Ausbau der Schwarzwaldschanze bewerkstelligen. Gegenüber der ursprünglichen Schanze war die verbesserte Schanze um 12 Meter zurückgesetzt. Die Anlaufbahn verlängerten sie und legten sie steiler an, damit die Springer eine höhere Absprunggeschwindigkeit erreichten. Damit sollten Sprünge von bisher maximal 48 Meter auf 55 Meter ermöglicht werden. Auch ein Sprungrichterturm gehörte zur Gesamtanlage.

    Auf der renovierten Schwarzwaldschanze in Freudenstadt und der ebenfalls umgebauten Murgtalschanze in Baiersbronn-Mitteltal konnten dann anlässlich der Deutschen Skimeisterschaft im Februar 1933 die Skisprungwettkämpfe stattfinden.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte der Schneeschuhverein die Wiederherstellung der hölzernen Sprungschanze am Finkenberg.

    Im Februar 1953 fanden erneut große Wettkämpfe auf den Sprungschanzen in Freudenstadt und Baiersbronn anlässlich der deutsch-nordischen Skimeisterschaft statt. Als zusätzliche Sonderveranstaltung gab es noch ein Nachtspringen auf der Schwarzwaldschanze. 

    Die letzte Stunde der Schwarzwaldschanze hatte am 3. Oktober 1967 geschlagen. Es konnte auf ihr nicht mehr mit der erforderlichen Sicherheit ein Skispringen durchgeführt werden. Die Holzkonstruktion war an den Verbindungsstellen teilweise verfault. Die Anlage riss man deshalb ab.

    Station 14: Vordere Mühle

    Das heute an dieser Stelle befindliche Gebäude ist ein Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert.

    Im Jahre 1603 wurde die Vordere Mühle als erste Getreidemühle im Christophstal erbaut.

    Über 250 Jahre lang wurde in dieser Mühle das Mehl für die Bürger der Stadt Freudenstadt gemahlen.

    1858 war die Vordere Mühle mit 3 Mahlgängen und einem Gerbgang ausgerüstet, angetrieben durch 4 Wasserräder. Im Sommer 1871 wurde die Vordere Mühle, die wohl schon stillgelegt war, von der Firma Carl Metz und Söhne aus Freiburg aufgekauft, die darin eine Seidenfabrik einrichteten. Das alte Mühlengebäude wurde bei den Umbauarbeiten wesentlich verändert und erhielt dabei wohl die heutige Form. Die Wasserräder wurden durch eine Girardsche Vollturbine ersetzt, wohl die erste derartige Anlage im Oberen Christophstal. Die Seidenfabrik von Carl Metz und Söhne bestand bis 1929. Im Jahre 1934 befand sich die Steindruckerei, Kartonagenfabrik und Kunstanstalt Fichtner in dem Gebäude. Zu dieser Zeit wurde in der Wasserkraftanlage eine neue Francis-Spiralturbine eingebaut. In den 60er Jahren war in dem Gebäude der Vorderen Mühle die Glasfenster-Herstellung von Frau Schmidt-Weber und danach das Fitness-Center Schmälzle untergebracht. Die Wasserkraft wurde ab den 50er Jahren nicht mehr genutzt.

    Station 15: Talwirtshaus

    Schon 1571, als man einen neuen Platz für die Silberschmelze suchte, wurde vorgeschlagen, an dieser zentralen Stelle ein Gasthaus zu erbauen. Sicherlich wurde das Gasthaus bald erbaut, denn 1580 wird dort Gastwirt Wolf Haintzmann genannt. Damit ist das Talwirtshaus auch das älteste Gasthaus Freudenstadts. Das Talwirtshaus war lange das gesellschaftliche Zentrum der Bergleute und Laboranten im Christophstal. Bis 1806 wurde den Hüttenarbeitern vorgeschrieben, alle Taufen, Hochzeiten und Jahresfeste im Talwirtshaus „Zum Großen Christoph“ abzuhalten.

    Station 16: Christophsstollen

    Wenig oberhalb der beim ehemaligen Talwirtshaus gelegenen Forbachbrücke führte der Christophstollen nach rechts tief in den Kienberg hinein. Mit der unter Herzog Christoph eingeleiteten Aktivierung des Bergbaues gewann der Christophsstollen an Bedeutung. Deshalb wurde 1572 vorgeschlagen, dort wo auch die Handelsstraße nach Straßburg den Forbach überquert, eine neue Silber- und Kupferschmelzhütte und ein Gasthaus zu erstellen. Damit entstand bei der Forbachbrücke ein neues Silberzentrum, das man Christophstal nannte. Weiteren Auftrieb erhielt der Silberbergbau durch den Stadtgründer Herzog Friedrich I. Der Traum vom Silber-Reichtum erfüllte sich aber nicht, bald folgten magere Jahre. Die Münze, die im Christophstal errichtet worden war, musste 1628 wieder geschlossen werden. Der wechselvolle und wenig ertragreiche Bergbau auf Silber wurde um 1790 endgültig aufgegeben.

    Station 17: Alte Kniebissteige

    Bereits seit dem Mittelalter wurde als kürzeste Verbindung zwischen Tübingen und Straßburg die uralte Passstraße über den Kniebis benutzt. Eine Brücke über den Forbach wurde erstmals 1413 und der Weiler „Vortbach“ 1590 erwähnt. Nach der Gründung Freudenstadts wurde die Alte Kniebisstraße und die Oppenauer Steige ausgebaut. Dabei wurde 1606 die hölzerne Forbachbrücke durch eine Steinbrücke ersetzt. An der Steige sind heute noch alte Pflastersteine zu erkennen. Weiter oben im Wald stößt man sogar auf Wagengleisspuren, die die einst im Gebirge angewandte Straßenbautechnik zeigen. Nach einigen Metern entlang der Talstraße bachaufwärts richten wir unseren Blick auf die gegenüberliegende Bachseite. Die unscheinbar wirkenden Häuser befinden sich auf einem in der Geschichte des Christophstals überaus bedeutsamen Werkplatz.

    Station 18: Haus Greising

    Eine Flurkarte von 1837 und Lagepläne von 1860/65 zeigen hier einen Mühlplatz mit einem Wasserrad. Ein kurzer Zulaufkanal führte das Wasser von der oberen Forbachbrücke zu dem Haus. Das geringe Gefälle – die Stauhöhe wird kaum mehr als einen Meter betragen haben – ermöglichte allerdings nur einen „unterschlächtigen“ Betrieb, das Wasser konnte nur von der unteren Seite auf das Mühlrad einwirken.

    Später wurde an dieser Stelle eine Strohmesserfabrik errichtet. Diese Messerschmiede wurde durch die mechanische Werkstätte Arnold abgelöst. Im Jahr 1904 richtete schließlich die Familie Greising eine Holzschindelfabrikation ein, die bis 1948 bestand.

    Station 19: Mahlmühle Haas

    Schon bald nach der Gründung Freudenstadts stand auf diesem Werkplatz eine Rohrschmitte, in der „allerlei Läuf und Rohr, Musketen, Feuerrohr und Pistolen“ gebohrt und gezogen wurden.

    Später wurde diese zu einer Walkmühle umgebaut und es wurde Tuch hergestellt. Im Jahr 1808 ließ der Herzog in dem Gebäude wieder eine Waffenschmiede einrichten.

    Aus Sachsen angeworbene Fachleute schmiedeten hier und gegenüber auf dem Gelände der einstigen Silberschmelze Bajonette, Ladestöcke, Gewehrläufe, Musketenläufe, Gewehrschlösser und Säbelklingen. Diese Christophstaler Gewehrfabrik wurde aber bald nach Oberndorf verlegt und hier wurde dann nach 1811 eine Getreidemühle betrieben.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Christophstaler G'schichtswegle

    Keine Infomaterialien vorhanden!

    Freudenstadt: Eugen-Drissler-Weg

    © Roland Gänßler, Christophstal

    Mit freundlicher Genehmigung vom 30.03.2020.

    VIELEN DANK.

    Der Eugen-Drissler-Weg verbindet Freudenstadt mit Baiersbronn. Er wurde 1985 eingerichtet – nicht von der Stadtverwaltung Freudenstadt oder der Gemeinde Baiersbronn, sondern von der Ortsgruppe Baiersbronn des Schwarzwaldvereines. Er war ihr Geschenk zum hundertjährigen Bestehen der Ortsgruppe Freudenstadt. Der Weg wurde nach Eugen Drissler benannt, der ein hiesiger Hobbygeologe war und sich mit dem Bergbau im Forbachtal beschäftigt hat.

    Etappe 1 – Marktplatz Freudenstadt bis Finkenwiesle

    Der Weg beginnt auf dem Freudensttädter Marktplatz; er führt die Murgtalstraße zwischen dem früheren Kaufhaus Wagner (heute Buchhandlung) und dem Schickhardtbau – heute als Polizei genutzt – herab zu der Adler-Anlage. Von hier aus haben wir einen ersten Blick ins Christophstal mit dem Bärenschlößle, dem Wahrzeichen des Christophstals. Es wurde 1627 von Peter Stein erbaut, dem damaligen Generalfaktor.

    Wir wenden uns nach links und steigen die alte Straße mit dem Kopfsteinpflaster herab. An der Treppe werfen wir einen Blick unter uns das Gasthaus Zum Bad, an dessen Stelle ursprünglich die Messingfaktorei, dann die Eisenfaktorei standen. Später war hier die Forstverwaltung untergebracht, bis Jakob Wälde das Gebäude mit den Nebengebäuden kaufte und ein Bad und eine Gaststätte darin unterbrachte. Links neben dem Gasthaus steht die alte Tuchfabrik Hoyler, die heute nicht mehr genutzt wird. Sie ist aus dem Oberen Großhammer entstanden, dessen Ursprünge im späten 16. Jahrhundert liegen.

    Unser Weg führt uns nicht die Treppe herab, sondern weiter die Straße herab bis zur Forbach-Brücke, auf der wir den Forbach überqueren. An dieser Stelle hat es eine Furt gegeben, von der manche den Namen des Baches ableiten. Links der Brücke steht ein älterer Brunnen aus Gußeisen, der daran erinnert, daß im Tal Jahrhunderte lang Eisen verarbeitet wurde.

    Aber nicht nur Eisen wurde hier weiter verarbeitet – auch Bergbau war hier vertreten. Im Hang über dem Brunnen befand sich einer der Stollen, in denen hier nach Erz gegraben wurde, der Christophsstollen. Das Erz wurden dann auch hier im Tal verhüttet, um Silber, Kupfer und Eisen zu gewinnen.

    An dieser Stelle kreuzt ein alter Weg den Forbach – er verlief etwas unterhalb der Straße, die wir herab gestiegen sind. Er verband Tübingen mit Straßburg und bestand sicher schon im 12. Jahrhundert. Links der Brücke kreuzt er die talstraße und führt er zum Kniebis hoch.

    Gegenüber der Einmündung steht ein Wohnhaus, dessen moderner Anblick täuscht. Es ist das alte Wirtshaus Zum Großen Christoph, eines der ältesten Wirtshäuser Freudenstadts.

    Wir überqueren die Talstraße und gehen auf das blaue Gebäude zu. Dieses war Jahrhunderte lang eine Mahlmühle, die Vordere Mühle, später eine Textilfabrik; heute ist hier die Galerie Christophstal untergebracht.

    Die Straße führt weiter gerade aus über den Parkplatz. Links von uns sehen wir das Bärenschlößle, bei dem ein Wildgehege ist. Es liegt in einer Karmulde aus der letzten Eiszeit zwischen zwei Schuttmoränen. Ein kleiner See erinnert uns an einen Karsee, wie er hier einmal bestanden haben mag. Links in der hinteren Mulde war einmal die Freudenstädter Sprungschanze angelegt, die 50 Jahre lang bekannt war. Vom Parkplatz aus gehen wir weiter und haben rechts uns die Tuchfabrik Hoyler, die langsam verfällt. Einst war sie – wie erwähnt – eine Eisenschmiede, die von Heinrich Schickhardt geplant wurde. Die beiden Gebäudeteile, die mit Schindeln verkleidet sind, enthielten die Schmiede und eine Kohlscheuer. Kurz danach passieren wir das Gasthaus Bad, das einmal Verwaltungsgebäude der Christophstäler Hüttenwerke war und erreichen den Wald.

    Noch einem kurzen Stück treffen wir an einer Abzweigung ein Hinweisschild, des Eugen-Drissler-Weges, das uns auf den Bergbau hinweist. Unser Weg führt rechts weiter, aber ein Abstecher zum Steinbruch mit einem vergitterten Stolleneingang ist drin. Auch hier steht ein Hinweisschild des Eugen-Drissler-Weges.

    Hierbei handelt es sich um eine renaturierte Deponie, von der heute nichts mehr zu erkennen ist. Von hier haben wir einen Blick auf Freudenstadt.

    Hinter der Hütte zeigt ein Lücke den Weg zu einem vergitterten Stollen an. Er gehörte wohl zur Grube Ferdinand, die hier betrieben wurde, um Silber und Kupfer abzubauen. Heute ist der Stollen gesperrt, um Fledermäusen eine Schutzmöglichkeit zu bieten.

    Wir gehen den Weg zurück zum Talsträßle und folgen ihr. Hin und wieder – leider viel zu selten – können wir einen Blick auf das Tal mit seinen Gebäuden oder die Silhouette Freudenstadts erhaschen. Immer wieder zweigen alte Wege ab, die der Wald zurück erobert hat.

    Bald erreichen wir eine Stelle, der Hang aus mehrere Einsturzstellen zu haben scheint. Hier ist die Pinge der Grube Dorothea, die eine der letzten war, die im Tal betrieben wurde. In den Gebäuden davor, die durch die Bäume zu sehen sind, war eine Walke untergebracht, in der die Freudenstädter Tuchabrikanten ihr Tuch walkten, damit es dichter wurde. Hier stand auch – oder steht noch – das Grubenhaus der Grube. Unterhalb der Walke befinden sich die Fischteiche der Fischzucht Lohmühle und ein Untersuchungsstollen, den die Firma Sachtleben in den Hang getrieben hat – den Dorothea-Untersuchungsstollen.

    Weiter geht es das Talsträßle entlang. Nach wenigen hundert Metern lichten sich rechts die Bäume und geben den Ausblick ins Tal frei. Wir haben das untere Tal erreicht. Hier standen einst ein Pfannenhammer und ein Großhammer. Hier steht auch das Platzmeisterhaus, ein Biedermeierhaus, von dem aus die Königlichen Eisenwerke im unteren Tal und im Friedrichstal verwaltet wurden. Pfannenhammer und Großhammer sind verschwunden, nur die Häuser der Laboranten stehen noch…

    Ein kurzes Stück nach der Lichtung vereingt sich am Finkenwiesle unsere Straße mit der, die aus dem Tal kommt. Wollen wir nur diese eine Etappe wandern, so biegen wir hier rechts ab und gehen die Straße hinab. An der Stelle, wo heute ein Spielplatz ist, stand 250 Jahre lang eine große Hammerschmiede – der Untere Großhammer oder auch Wilhelmshammer. Er wurde 1904 abgerissern. Geblieben ist nur der Mühlkanal.

    Über die Brücke gehen wir gerade aus und können entweder links abbiegen und zur Bushaltestelle am Gasthaus Schiff gehen, um mit dem Bus zurück zu fahren, oder wir halten uns rechts und gehen die Talstraße aufwärts zur Walkensteige und dort hinauf zur Stadt.

    Etappe 2 – Finkenwiesle bis Michaeliskapelle

    Für diese Etappe können wir zwischen 2 Varianten wählen. Eine führt durch den Talgrund, vorbei an Fischteichen und der Grube Untere Sophia durch  Friedrischstal oder am Waldrand entlang durch das Jägerloch und das Reichenbächletal zur Michaeliskapelle.

    Das Dorf Friedrichstal entstand, als 1761 für die damals noch herzoglichen Eisenwerke zuätzliche Werke eingerichtet werden müßten. Da weiter oben kein Platz mehr vorhanden war, breiteten sich die Wrke nach unten ins Tal aus. Dabei überschritt man die Gemeindegrenze nach Baiersbronn. Später wurden die „Neuen Werke“ abgetrennt und selbstständig. Nachdem die oberen Werke im Tal stillgelegt wurden, wurden die unteren Werke – der Pfannenhammer und der Großhammer – denen im Friedrichstal angeschlossen. Zeitweilig wurden sie aber vom Platzmeisterhaus im unteren Christophstal aus verwaltet.

    Vom Finkenwiesle aus gehen wir auf der Straße weiter. Bereits nach 100m –  am 2. Abzweig hinter dem Rondell – gabelt sich der Weg. Rechts geht es den Weg herunter ins Tal, links weiter auf der Straße. Leider ist unser Weg schlecht bis gar nicht gekennzeichnet, so daß man hier aufpassen muß. Aber auf der linken Seite führt eine Treppe zum Sankenbachfall und zum Kniebis. Sie kann uns auch als Orientierungshilfe dienen.

    Variante 1 – Durch den Talgrund

    Der Weg  durch den Talgrund zweigt nach rechts ab und führt den Weg hinunter ins Tal – vorbei an den Fischteichen zur Fischerklause. Am Waldrand trifft unser Weg auf einen anderen, in den wir nach links einbiegen. Rechts von uns liegen die Fischteiche des Kreisfischereivereins Freudenstadt, bei denen auch eine Einkehrmöglichkeit ist. Am Ende des Weges biegen wir rechts ab, gleich danach wieder links und gehen die Straße entlang, den Wilhelm-Günther-Weg. Die Straße führt uns an der Grube Untere Sophia vorbei, von der man nichts wußte, als der Weg eingerichtet wurde. Erst später wurde sie wiederentdeckt.

    Von der Grube gehen wir weiter zur Michaeliskirche – den Wilhelm-Günther-Weg entlang, geradeaus weiter durch die Pulvermüllerstraße und die Kniebisstraße hoch zur Kapelle. Der Straßenname „Pulvermüller“ kommt nicht daher, daß hier Pulver gemahlen worden wäre, sondern soll Friedrich August Pulvermüller ehren, der hier im Friedrichstal sein Verfahren zur Stahlherstellung erfunden hat.

    Bei der Michaeliskirche angekommen, machen wir eine kleine Rast und genießen die Landschaft.

    Variante 2 – Am Waldrand entlang

    An der Abzweigung zur Variante 1 biegen wir nicht links ab, sondern bleiben auf der bequemen Straße und folgen ihr ins Jägerloch. Hier befindet sich der Schießstand der Kreisjägerschaft, in dem sie ihre Schießübungen abhalten. Es darf uns also nicht wundern, wenn wir hier Schüsse hören. Wir kommen jedoch nicht direkt am Schießstand vorbei, sondern in einigem Absand.

    Bald nach der Kehre stößt von links eine Straße auf unsere. Wir halten uns an der Einmündung rechts und gehen weiter auf der Straße entlang. Sie folgt dem Hang aus dem Jägerloch heraus und ins Reichenbächletal Wir folgen ihr weiter, bis nach einer Rechtskehre ein Fußpfad abzweigt. In diesen biegen wir ein und folgen ihm zum gegenüberliegenden Hang, wo er auf einen asphaltierten Weg mündet, auf den wir nach rechts einbiegen. Er führt uns nach etwa 200 m zur Michaeliskapelle.

    An der Michaeliskapelle

    Die Michaeliskapelle ist erst in der Mitte des 20. Jahrhunderst erbaut worden – von 1949 bis 1951. Sie fällt auch durch ihre Form – ein Achteck – auf. Ungewöhnlich ist auch der Standort der Kapelle am Rand des Dorfes.

    Hinweis: Beim Parkplatz an der Michaeliskapelle führt ein anderer Weg in den Wald, den Berg hinauf. Dort finden wir einen Schleifstein und einige Gruben. Früher wurden hier Schleifsteine hergestellt, mit denen im Tal Sensen und Messer geschliffen wurden.

    Neben der Kirche ist ein kleiner Park, in dem mit einem kleinen Denkmal an die Gründung Friedrichstals erinnert wird. Seine Inschriften lautet: FRIEDRICHSHAMMER MDCCCIV – DURCH FRIEDRICHS BEHARRLICHKEIT ENDLICH GEGRÜNDET – SCHAFFT DEM LANDMANN DIE SICHEL – DEM ERWERBSFLEISSE NEUEN KUNSTSTOFF – DEM KRIEGER DAS SCHWERT. Gemeint war der damalige Herzog Friedrich II und spätere König Friedrich I  von Württemberg.

    Etappe 3 – Von der Michaeliskapelle zum Bahnhof

    Die Etappe 3 bietet uns wieder 2 Varianten: entweder gehen wir durch das Tal entlang dem Forbach weiter Richtung Bahnhof

    Variante 1 – Durch das Tal

    Der Werg führt uns den Sankt Michelsweg hinab. Unten angekommen, gehen wir geradeaus über die Straße Am Sensenhammer weiter. Am bach biegen wir nach links auf den Uferweg ein, auf dem wir dem Bacg folgen. Nach ca 700m überqueren wir den Forbach auf einer kleinen Brücke und halten uns links. Nach einigen hundert Metern erreichen wir das Tor der Baiersbronner Frischfaserkarton, in der Faltschachteln produziert werden. Sie gehört zur Meyr-Melnhof-Karton Gesellschaft m.b.H und ist einer der größten Arbeitgeber Baiersbronns, das eigentlich für seine Küche(n) bekannt ist.

    An der Fabrik halten wir uns links und gehen weiter den Bach entlang. Die Fabrik begleitet uns noch eine Weile. Einige hundert Meter nach der Frischfaserkartonfabrik kommt der Bahnhof von Baiersbronn in Sicht. Etwa auf der Höhe der Mitte des Bahnsteiges biegt der Weg vom Bach ab und führt zum Bahnübergang. Von dort biegen wir rechts auf die Bundesstraße und gehen zum Bahnhof.

    Variante 2 – Der Panoramaweg

    Wie gehen den Sankt Michaelsweg ca 100m entlang, bis links ein Weg abzweigt, in den wir einbiegen. Terilweise geht es durch lockeren Wald, teilweise an Rand entlang. Am Anfang einer Rechtskurve biegen wir links auf einen anderen Weg ab, der annähernd geradeaus führt und uns zum Reuteweg führt. Wir biegen nach links in die Straße ein, die sich wie eine Panoramastraße am Hang entlang zieht Unter uns sehen wir Friedrichstal mit dem Sensenhammer und dem Königshammer-Museum, dann den Gewerbebereich mit der Frischfaserkarton-Fabrik, danach Baiersbronn, unser Ziel.

    Nach fast 1,5 km auf der kleinen Straße erreichen wir den Stöckerhof, einen alten Bauernhof, der heute als Pension genutzt wird. Hier biegen wir nach rechts in den Stöckerweg ab und gehen talabwärts. Unten biegen wir rechts in die Stöckerwiesen ein, gleich danach links auf einen Fußweg, der uns über den Forbach führt. Dort stoßen wir auf den Uferweg, in den wir nach links abbiegen und ihm zum Bahnübergang folgen. Hier biegen wir rechts in die Bundesstraße ein und gehen zum Bahnhof.

    Informationen zur Wanderstrecke

    Markierung:

    Leider ist – vor allem im Freudenstädter Bereich kaum noch Markierung vorhanden. Ursprünglich eine weiße Raute mit den Buchstaben F und B. stellenweise grüne Infotafeln.

    Wegbeschreibung: In der Stadtinformation Freudenstadt ist auf Nachfrage eine Wegbeschreibung erhältlich (kopiertes A4-Blatt).

    Photos: Kitzlinger (1), Gänßler

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freudenstadt

    Eugen-Drissler-Weg – keine Infomaterialien vorhanden!

    Freudenstadt: Lauschtour Tannenriesen

    Freudenstadt: Lauschtour Tannenriesen

    Den Premiumweg Tannenriesen auf ganz neue Art erleben: mit dem LAUSCHTOUR – Audioguide erfahren Sie von Lauschpunkt zu Lauschpunkt Spannendes über die großen und kleinen Besonderheiten am Wegesrand.

    Deutschlands größter Marktplatz, die größte Tanne des Schwarzwaldes, Teppiche aus Moos und tolle Aussichten. Der Tannenriesen-Pfad verbindet die schönsten Plätze rund um Freudenstadt und bietet aufgrund der geringen Höhenunterschiede unbeschwerten Wandergenuss für jedes Alter. Mit der Lauschtour erfahren Sie nebenbei Spannendes rund um die Natur, Kultur und Geschichte Freudenstadts. Die abwechslungsreiche Tour führt durch den Teuchelwald mit beeindruckenden Tannenriesen zur idyllischen Waldliegewiese und durch den grün bemoosten Baldenhofer Graben zum Kienberg. Zum Abschluss gibt es einen tollen Panoramablick vom Friedrichsturm und den Abstieg über Deutschlands höchstgelegenen Rosenweg.

    Entlang des Weges sind zahlreiche Holzskulpturen zu bestaunen, die anlässlich der 1. Freudenstädter Holzkunsttage von verschiedenen Kettensägenkünstlern geschaffen wurden.

    So funktioniert’s:

    1. App laden: kostenlos im Apple App Store und im Google Play Store unter „Die Lauschtour App“.

    2. Starten Sie in der App die Tour „Tannenriesen in Freudenstadt“. Die Audios werden offline auf Ihrem Smartphone gespeichert, sodass Sie unterwegs nichts downloaden müssen.

    3. Loslauschen: Die App navigiert Sie mit GPS von Lauschpunkt zu Lauschpunkt.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Lauschtour Tannenriesen

    Keine Infomaterialien vorhanden.

    Freudenstadt: Rosenweg

    Freudenstadt: Rosenweg

    Am unteren Abschnitt des Rosenweges mit Blick auf die Buntsandsteinwand beim Besucherbergwerk „Heilige Drei Könige“ (Juni 2023).

    Deutschlands höchstgelegener Rosenweg führt auf einem Rundweg über den Kienberg, vorbei an über 2.200 Wild-, Edel- und historischen Strauchrosen und durch den traumhaften Duftrosenpark. Die Rosen sind unterschiedlichster Herkunft – u.a. stammen sie aus China, Korea, Persien, Äthiopien und Island. Der Beginn der Blüte hängt von dem vorausgegangenen Winter ab, ist aber im Juni zu erwarten. Neben den Rosen säumen auch Kunstwerke des internationalen Skulpturenparks den Rundweg.

    Die Tour beginnt am Parkplatz an der „Bässler Brücke“, kurz nach dem Abzweig der Schömberger Straße (L 405) on der Straßburger Straße (B 28) in Fahrrichtung Bad Rippoldsau.

    Der Rosenweg verläuft auf einer schmalen Fahrstraße in engen Serpentinen bis auf die Anhöhe des Kienberges.

    Weitere Sehenswürdigkieten:

    Herzog-Friedrich-Turm (Friedrichsturm)

    Der 25 m hohe Turm wurde im Jahr 1899 als Geschenk der Bürger zum 300-jährigen Jubiläum der Stadt erbaut.

    Der Turm bietet einen herrlichen Ausblick über Freudenstadt und Umgebung, er ist von Mai bis Oktober geöffnet.

    Liegewiese

    Auf der Liegewiese besteht die Möglichkeit, auf Wellnessliegen oder direkt auf dem Rasen, eine Ruhepause zum Erholen einzulegen.

    Empfehlenswert ist auch die Nutzung der im hinteren Bereich der Anlage vorhandenen beschatteten Wassertretanlage.

    Auf der Liegwiese, die an ein altes Freibad aus den 1950er Jahren erinnert, aber nie ein solches war, finden im Sommer auch regelmäßig Gottesdienst oder aber Theateraufführungen statt (Sommer Theater Freudenstadt).

    Deutscher Wetterdienst, Station Freudenstadt

    Besonders chic untergebracht auf dem Kienberg ist die Station Freudenstadt des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

    Die Station ist zwar nicht öffentlich zugänglich, aber trotzdem interessant anzuschauen. Im Freigelände um die schöne Villa befinden sich allerlei meteorologische Messinstrumente.

    Aktuelle Wetterdaten können entweder gefühlt oder aber an der digitalen Infotafel vor dem Gebäude abgelesen werden. Frischer geht nimmer.

    Minigolfpark Kienberg

    Wer’s gerne spielt, sollte es hier unbedingt machen: Minigolf spielen und zahlreichen schattenspendenden Bäumen.

    Die Anlage ist sehr lauschig, die Bahnen kreativ. Am Kiosk gibt es Erfischungsgetränke und Snacks. Alternativ steht auch eine Bocciabahn zur Verfügung.

    Besucherbergwerk „Heilige Drei Könige“

    In unmittelbarer Nähe zum Startpunkt des Rundweges am Parkplatz befindet sich das Besucherbwergwerk „Heilige Drei Könige“.

    Das Historische Besucherbergwerk, das gut versteckt hinter dem Facharztzentrum in der Straßburger Straße liegt, wurde 1998 durch Zufall wieder entdeckt durch ehrenamtliches Engagement für Besucher zugänglich gemacht.

    Der vom 15. bis ins 17. Jahrhundert betriebene Bergbau galt vorzugsweise dem Silber. Schwerspatgänge mit kupfer- und silberhaltigen Fahlerzen kommen vor allem im Gebiet Freudenstadt und Neubulach vor.

    Der 68 Meter tiefe Schacht wurde vor Jahrhunderten in Stufen als Bewetterungsschacht auf den historischen Christophsstollen abgeteuft. Der Schacht kann in mehreren Besichtigungs- und Schwierigkeitsstufen besucht werden.

    Stufe 1:

    35 m langer, ebener Stollengang. Der Original-Rundbaum einer Haspel, verschiedene Werkzeuge und Mineralien sind zu sehen. Blicken Sie hinunter in den historischen Schacht mit seiner Schwerspatkluft, die Fahlerz, Malachit, Eisen- und Manganerz enthält.

    Stufe 2:

    Abstieg (6 m) auf fest verankerten Stahlleitern zur 1. Haspelkammer.

    Stufe 3:

    Abstieg (30 m) auf fest verankerten, seitlich versetzten Stahlleitern zum 2. Haspelboden mit eingemeißelter Jahreszahl von 1556, Tiefblick in den 18-Meter-Schacht.

    Das Stollenmudloch des Historischen Bergwerks befindet sich am Fuß einer Felswand, die als Geotop unter besonderem Schutz steht. Ein direkter Zugang zur Felswand ist nicht möglich (Zaun).

    Felswand am Kurmittelhaus, Freudenstadt
    Geotop-Nr. 13753/1130

    Aufgeschlossen ist hinter dem Kurhaus eine Felswand im Mittleren Buntsandstein. An der NW-SO verlaufenden Wand ist ein Barytgang angeschnitten. Es handelt sich um einen Teil des ehemaligen Christophsgangs, der außer Baryt noch silberhaltiges Fahlerz enthielt. Der Gang ist seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. bekannt. Er ist ein Teil der Vererzungen im Bereich der Randverwerfung des Freudenstädter Grabens, die früher bergmännisch abgebaut wurde. Eine Tafel weist auf die geschichtliche Bedeutung hin.

    Quelle: Geotope aus https://maps.lgrb-bw.de/, 15.07.2022,
    © Regierungspräsidium Freiburg, LGRB

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Rosenweg Freudenstadt

    Keine Infomaterialien vorhanden.

    Freudenstadt: Rundweg Christophstal

    Aktueller Hinweis Juni 2023

    Der Rundweg wird nicht mehr offiziell betrieben. Die usrprüngliche Beschilderung ist nur noch teilweise vorhanden und einzelne Wegabschnitte sind nicht mehr oder nicht gut begehbar. Die Wege werden nicht mehr gepflegt oder auf Verkehrssicherheit geprüft.

    Dieser Rundweg verbindet auf schmalen Fußpfaden die interessantesten Stellen des Tales. Er entfernt sich kaum mehr als 1000 m Luftlinie vom Marktplatz und führt doch durch eine ganz andere, spannende und gebirgige Schwarzwaldwelt. Immer wieder trifft man auf Spuren des historischen Bergbaus und der Frühindustrialisierung im Christophstal.

    Wegbeschreibung

    Folgen Sie der Richtung Bärenschlössle über den Unteren Marktplatz in die Finkenbergstraße bis zur Rappenstraße. Wenige Schritte nach rechts zu den Adler-Anlagen, ab hier weist Ihnen das Symbol „Rundweg Christophstal“ den weiteren Weg.

    Die „Stäpfele“ (Treppen) führen Sie direkt ins Tal. Im unteren Drittel geht es geradeaus über den Wiesenpfad (nicht die letzte Treppe links nehmen!) entlang der Trockenmauerbiotope.

    Beim ehem. Laborantenhaus links halten und schräg gegenüber auf dem Steg den Forbach überqueren. Nun tauchen Sie in den Wald ein und wandern den schmalen Fußpfad bergauf bis zum „Talsträssle“. Folgen Sie dem asphaltierten Weg nach rechts leicht bergan. Links sehen Sie das neue Boschenloch, eine ebene Wiese mit Blick auf Freudenstadt. Hinter der Holzhütte am Waldrand befindet sich ein vergitterter Stolleneingang mit Quelle.

    In der Kurve Richtung Kniebis führt nach ca. 20 m ein schmaler Fußpfad links in den Wald hinein und dann bergauf durch den Hochwald am Steilhang. Der Serpentinenweg mündet auf einen Forstweg auf der Höhe des Finkenbergs. Hier links halten, ca. 200 m, am Steinbruch vorbei. An der nächsten Kreuzung können Sie direkt dem Rundweg nach links in Richtung Bärenschlössle folgen. Wir empfehlen jedoch einen kurzen Abstecher nach rechts zur Arnoldhütte mit Grillplatz auf einer sonnigen Waldlichtung. Auf dem gleichen Weg zurück zur Kreuzung, dann geht’s geradeaus weiter den urigen Fußpfad hinunter zum Bärenschlössle.

    Am Waldrand angekommen, halten Sie sich rechts, am Wildgehege links. Unterhalb des Bärenschlössle, am Parkplatz, geht es rechts zur Forbachbrücke, dann wieder links Richtung Marktplatz.

    Gleich zu Beginn der Christophstaler Steige (nach dem Garten bei der Baumgruppe) zweigt rechts das Bollenwegle ab zur Straßburger Straße, an der sich das Besucherbergwerk befindet. Gehen Sie Richtung Innenstadt zum Promenadenplatz, dort links ins Kirchgässle bis zum Marktplatz.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freudenstadt

    Rundweg Christophstal – keine Infomaterialien vorhanden!

    Textquellen

    Freudenstadt Tourismus: Wanderfreuden. Die 16 schönsten Wandertouren rund um Freudenstadt als Pocket-Guide, Tour 7, Stand: 2015.

    Enzklösterle: Historische Waldberufe

    Freudenstadt: WaldGeschichtsPfad

    Auf den Spuren alter Waldberufe

    Eine Wanderung auf den Spuren längst vergangener Zeiten und vielen Informationen über die Lebensweise der Schwarzwälder Waldbauern, Köhler und Flößer. Kohlplatte, Meiler, Teuchel und die mächtigste Tanne des Schwarzwaldes, genannt „Großvatertanne“ sind besondere Highlights der Tour.

    Entlang des WaldGeschichtsPfads sind 18 Schautafeln aufgestellt, die in Wort und Bild das historische Waldgewerbe dokumentieren. Jahrhundertealte Überbleibsel und originalgetreue Abbildungen geben einen Einblick in das harte und erbärmliche Leben der Waldbauern.

    Der Pfad führt an einer alten Kohlplatte vorbei, auf der vor langer Zeit ein rauchender Meiler stand. Die Holzkohlegewinnung war eine wichtige Voraussetzung für die Erzverhüttung im Christophstal unterhalb von Freudenstadt. Auch Holzteucheln sind zu bestaunen. Das sind ausgehölte, aneinandergesetzte Baumstämme, durch die früher das Wasser von den Quellen im Wald bis in die Stadt geleitet wurde.

    An anderer Stelle zeugen Pingen, kraterförmige Löcher im Boden von der Suche nach Eisenerzen. Auch der Standort einer mittelalterlichen Glashütte lässt sich erkennen.

    Was es mit Weg- und Flurnamen wie „Eselsteich“ oder „Kohlweg“ auf sich ? Wer oder was war früher auf dem Salzleckerweg und der Masselstraße unterwegs? Die Schuatefeln verraten es.

    Am Ende der Tour besteht die Möglichkeit den Friedrichsturm besteigen, der eine herrliche Aussicht auf die Stadt, den Schwarzwald und die Schwäbische Alb ermöglicht.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freudenstadt

    Waldgeschichtspfad – keine Infomaterialien vorhanden!

    Freudenstadt: Wasserleben – ein wanderbares Museum im Christophstal

    Freudenstadt: Wasserleben – ein wanderbares Museum im Christophstal

    © Roland Gänßler, Christophstal

    Mit freundlicher Genehmigung.

    Vielen Dank.

    Achtung

    Die Tour wurde im Rahmen der Landesgartenschau 2025 als „G’schichtswegle Christophstal“ neu beschildert. Entlang der Tour informieren 19 Stationen über die lokale Geschichte.

    mehr erfahren

    Das Christophstal unterhalb von Freudenstadt war auf Geheiß des Stadtgründers Herzog Friedrich wegen der Silberfunde zum Zentrum des württembergischen Metallindustrie ausgebaut worden. Hier lebten über Jahrhunderte Laboranten, Bergknappen und Handwerker. Eisen- und Sägewerke, Walken und Mühlen drängten sich ans Ufer des Forbaches. Die Wasserkraft des Forbaches wurde zum Antrieb der Maschinen genutzt. Zahlreiche Relikte aus den letzten Jahrhunderten zeugen von der damaligen Betriebssamkeit im Christophstal.

    … Soweit der Flyer mit dem Wegverlauf, der sich so auch in der Broschüre „laufen. lachen. entdecken – 45 Pfade erleben“ des Landratsamtes wiederfindet.

    Wir verlassen den Marktplatz zwischen dem Kaufhaus Wagner und der Polizei und gehen geradeaus zu den Adler-Terrassen, wo wir bereits einen Blick ins Tal werfen können. Unser Weg führt links die alte Straße hinunter, bis wir zu einer Treppe kommen, der wir abwärts folgen. Dort finden wir die ersten Hinweisschilder.

    Links haben wir die Tuchfabrik Hoyler. Ursprünglich stand hier der Obere Großhammer, der sich aus einer Eisenschmiede entwickelte, die von Heinrich Schickhardt geplant wurde. Ca 250 Jahre lang wurde hier Eisen verarbeitet, bis die Schmiedehämmer verstummten und die -feuer erloschen. Danach zog die Textilfabrik Hoyler hier ein, die Weltgeltung errang. Heute verfällt das Gebäude leider langsam vor sich hin.

    Rechts von der Textilfabrik steht ein Wohnhaus, in dem die Forstamtsdiener wohnten  daneben das Gasthof „Zum Bad“. Dazwischen stand ein Gebäude, in dem sich das Christophstaler Gefängnis befand. An dieser Stelle stand ursprünglich eine Messingfaktorei, die aus dem Kupfer, das hier gefördert – und aus anderen Gegenden angekauft – wurde verarbeitete und vertrieb. Nachdem die Messingherstellung eingestellt wurde, wurden die alten Gebäude abgerissen und ersetzt.

    Erst war hier die Verwaltung des Eisenwerkes Christophstal untergebracht, dann folgte die Forstverwaltung, bis 1862 das Haus in private Hände gelangte. Jakob Wälde richtete dort eine Badeanstalt mit Restauration ein. Heute wird nur noch das Gasthaus betrieben.

    Unser Weg führt nach rechts, wo wir schnell auf die Feilenhauerei Bührle stoßen, die heute leider nicht mehr in betrieb ist. Sie war eine der letzten Feilenhauereien in Deutschland, wo Feilen noch manuell hergestellt wurden. Zwischen 1622 und 1628 wurden hier Münzen geprägt, Anfangs solche aus der Kipper- und Wipperzeit, einer Zeit, in der den Münzen viel unedles Material zugesetzt wurde, dann aber reguläre, die den Vorschriften entsprachen. Später wurde das Gebäude als Zainhammer genutzt.

    Beim Durchgang zwischen der Feilenhauerei und dem Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite sehen wir rechts einen Hangkeller, auf dessen Türsturz die Jahreszahl 1664 eingemeißelt ist – ein Hinweis auf das Alter des Kellers.

    Der Weg führt weiter die Straße hinab. In der Nähe der Feilenhauerei steht ein Hinweisschild an einem Wohngrundstück. das Schild verweist auf einen Streckhammer, der dort gestanden hat. Erbaut wurde das ursprüngliche Gebäude 1612 als Drahtmühle nach der Planung von Heinrich Schickhardt. Hier wurde die Wasserkraft genutzt, um Eisenstäbe durch Locheisen zu ziehen und dadurch den Durchmesser zu verringern. Das Ergebnis war ein Draht, bei dem die Spuren der Ziehzangen noch zu sehen waren. Später wurde das Gebäude als Schmiede verwendet, bis es zu einer Sägemühle ausgebaut wurde.  Der jetzige Eigentümer hat die Sägemühle gekauft und abgerissen. An der Stelle steht heute sein Wohnhaus.

    Weiter talabwärts folgen einige kleinere Häuser, von denen eines auf den ersten Blick ziemlich alt erscheint. In solchen Häusern wohnten die Beschäftigten der Schmieden hier im Tal. Doch es gab auch größere Wohngebäude, wie das Haus , zu dem wir jetzt kommen. Das Hinweisschild erklärt uns, was es mit diesem Gebäude auf sich hat: Es wurde 1790 von der damaligen Eisenmanufaktur gebaut, um dort Laboranten unterzubringen, war also ein Laborantenhaus.

    Mit Laboranten wurden die Arbeiter bezeichnet, die in den Schmieden arbeiteten. Das Schild behauptet zwar, daß dieses das letzte wäre, welches im Christophstal stände, doch stehen zwei weitere große – jüngere – Laborantenhäuser im unteren Tal, zwei weitere im Friedrichstal, das früher zum Christophstal gehörte.

    In der Nähe des Laborantenhauses steht auf der gegenüberliegenden Talseite ein Hinweisschild an einer Toreinfahrt zu einer brachliegenden Fläche. Hier stand ursprünglich ein Kupferhammer, in dem Kupfer verarbeitet wurde. Nachdem die Kupferherstellung eingestellt wurde – das meiste Kupfer wurde zugekauft – wurde der Kupferhammer in einen Pfannenhammer umgebaut, den Oberen Pfannenhammer. Weiter unten im Tal gab es einen weiteren. Beide Pfannenhammer stellten schmiedeeiserne Pfannen her. Für den Haushalt, aber auch für Salzsieder und ähnliche Anwendungen.

    Nachdem der Betrieb des Hammers eingestellt wurde, siedelten sich hier andere Betriebe an – Textilindustrie und später die Firma Bürkle, die hier ihren Ursprung hat. Sie war die letzte Firma, die auf diesem Grundstück produzierte, bis sie auf ein neues, größeres Gelände im Osten der Stadt Freudenstadt zog.

    Unser Weg geht am Haus Votteler mit dem kleinen malerischen Fachwerkhäuschen – einer alten Mühle – und der Walke vorbei zu den Forellenteichen. An der Walke wurde von Freudenstädter Webern das Tuch gewalkt, das sie herstellten. Vorher war dahinter der Eingang zum Dorothea-Stollen, einem der Gruben hier im Tal.

    Von den Fischteichen aus sehen wir schon den Eingang des Dorothea-Untersuchungsstollens, mit dem die Firma Sachtleben erkundete, ob sich der Abbau von Schwerspat lohnen würde. Er ist der letzte betriebsbereite Stollen im Tal. Beim Vortrieb stießman auf den alten Doprothea-Stollen und stellte fest, das dort die Verzimmerung des Stollens noch in Ordnung war.

    Unterhalb der Fischteiche verlassen wir die Straße und biegen links ab. Am Eingangstor des Grubengeländes sehen wir ein weiteres Hinweisschild des Wanderweges. Es weist zum einen  auf die Grube Sachtleben – den Dorothea-Untersuchungsstollen – hin, aber auch auf die Kupfer- oder Silberschmelze, die auf der anderen Wegseite stand.

    In dieser Schmelze – und einer weiteren Am oberen Ende des Tales wurde das Erz, das hier gefördert wurde, verhüttet, um an die Metalle wie Kupfer, Eisen und Silber zu kommen. Heute fließt der Forbach an der Stelle, wo einst die Schmelze stand. Der Bach ist dort um 1903 herum begradigt worden, was auch an einem kleinen, ausgemauerten Graben erkannt werden kann, der mitten in der Wiese endet. Hier begann der Mühlkanal des Unteren Pfannenhammers. Wir überqueren die Brücke und folgen dem Weg hangaufwärts., bis wir zum Talsträßle kommen. Ein Hinweisschild informiert uns über den Bergbau hier im Tal, dem wir schon begegnet sind.

    Wir folgen dem Talsträßle talaufwärts und kommen wieder an der Tuchfabrik vorbei.  Kurzs danach sehen wir auf der rechten Seite das Bärenschlössle mit seinem Treppengiebel. 1627 wurde es von Peter Stein, dem damaligen Generalfaktor des Tales erbaut – vermutlich an Stelle des Bergverweshauses, das damals hier gestanden haben soll. Später wurde es als Bauernhaus genutzt bis ein Restaurant dort einzog. Beim Bärenschlössle befindet sich auch ein Wildgehege, in dem Rotwild gehalten wird.

    Den Parkplatz überqueren wir und gehen zu dem blau gestrichenen Haus. Dieses Gebäude war ursprünglich die Vordere Mühle, in der Getreide gemahlen wurde. Später zog hier eine Seidenweberei ein, für die das Haus grundlegend umgebaut wurde. Heute beherbergt das Gebäude die Galerie Christophstal.

    Wir folgen der Christophsstraße abwärts. An dem Haus an der Einmündung auf die Talstraße weist uns ein Hinweisschild des Weges darauf hin, daß es sich bei dem Gebäude um die frühere Talwirtschaft „Zum großen Christoph“ handelt, die bereits 1580 erwähnt wird. Allerdings stnd sie damals wohl auf der anderen Straßenseite. Nach einem Brand wurde sie an der jetzigen Stelle errcihtet. Heute dient sie nur noch als Wohnhaus.

    Auf der anderen Straßenseite weist ein Hinweisschild auf den Christophsstollen hin, der am stadtseitigen Hang des Tales in den Berg getrieben wurde. nach ihm hat das Christophstal seinen Namen. Dieser Stollen war mit 600m einer der längsten des Tales.

    Wir biegen nach rechts in die Talstraße ein und folgen ihr wenige Meter bis rechts die Alte Kniebissteige abzweigt. Sie ist ein Teil des alten Schwabenweges, der Tübingen mit Straßburg verbindet. Dieser Weg ist sicher seit dem 12. Jahrhundert bekannt, wie alte Spuren zeigen. Einige römische Funde in Freudenstadt und Dornstetten lassen die Vermutung, daß es sich um einen alten römischen Weg handelt, nicht völlig abwegig erscheinen.

    Etwas weiter talaufwärts steht das Haus Greising, daß als Lohmühle erbaut worden ist. Später wurde hier eine Messerschmiede eingerichtet, in der unter anderem Strohmesser gefertigt wurden, mit denen Bauern im Winter das Futter ihres Viehs portionierten. Später übernahm die Familie Greising das Gebäude und betrieb bis 18948 eine Schindelfabrik. Abgesehen vom Wohnteil wurde das Haus in den letzten Jahren abgerissen.

    Die letzte Station des Weges ist die Haas’sche Mühle, die noch ein kurzes Stück talaufwärts an einer Forbachbrücke steht. Erbaut wurde sie vermutlich als Drahtmühle, wurde aber schon bald genutzt, um Waffen und Waffenteile zu fertigen. Später wurde sie als Walk- und Mahlmühle genutzt, aber 1808 wieder zur Herstellung von Waffenteilen eingesetzt. Nach einem Brand 1811 in einem der Nachbargebäuden, die zu der Fertigung gehörten, zog die Waffenproduktion nach Oberndorf am Neckar um und wurde dort die Keimzelle der Waffenfabrik Mauser.

    Unser Weg führt uns noch ein Stück talaufwärts, bis er links von der Straße abzweigt und den Hang hoch zurück zum Marktplatz führt.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Freudenstadt

    Wasserleben – keine Infomaterialien vorhanden!

    Enzklösterle: Historische Waldberufe

    Friesenheim: Kloster (Ortenauer Sagenrundwege Nr. 27)

    Einfach sagenhaft

    Die Ortenau verfügt über eine einmalige Vielfalt an Sagen, die einst die Menschen prägten und heute noch bewegen. Gehen Sie den Sagen und Mythen auf den Grund und entdecken Sie die Ortenau von einer ganz neuen Seite!

    Der Ortenaukreis hat auf 400 km Wanderwegen insgesamt 32 Sagenrundwanderwege ausgewiesen. Die Wege führen durch 36 Städte und Gemeinden, wo 125 Sagen und Mythen darauf warten entdeckt und erwandert zu werden. Die geistreich gestalteten Sagentafeln entlang der Strecke garantieren ein abwechslungsreiches Wandervergnügen und sind für Groß und Klein, Jung und Alt gleichermaßen interessant.

    Beschilderung der Sagenrundwege

    • 28 Sagenrundwege sind innerhalb des einheitlichen Wegesystems im Schwarzwald ausgeschildert. An den Kreuzungspunkten stehen Wegweiser. Zusätzlich zu den Basiswegweisern mit Zielen finden sich dort die Routenwegweiser der Sagenrundwege. Zwischen den Wegweiserstandorten werden Sie von farbigen Markierungszeichen (gelbe Raute, blaue Raute, Themenwege etc.) geleitet. Die Markierung kann im Routenverlauf wechseln.
    • Die Sagenrundwege in Meißenheim, Neuried, Rheinau und Schutterwald sind durchgehend mit dem Symbol des SagenGespenstes markiert, da es dort keine einheitlich beschilderten Wanderwege gibt. An den Wegkreuzungen weist ein Richtungspfeil mit dem Sagen-Gespenst den Weg.

    Es wird eine Laufrichtung empfohlen. Die Sagenrundwege sind jedoch in beide Richtungen ausgeschildert!

    Kloster

    Vor Hunderten von Jahren leitete ein Abt die Benediktinerabtei in Schuttern, der wegen seiner feuerroten Haare „roter Abt” genannt wurde. Der rote Abt war jedoch keineswegs von freundlicher Natur und so musste die Bevölkerung schwer unter ihm leiden. Der Zehnt war für den gierigen Abt nicht ausreichend, sodass er nach der vollen Ernte verlangte, obwohl die Bauern Hunger leiden mussten. Nur murrend und widerwillig erfüllten die Leute die Forderungen des Abtes. Sie waren sich einig, dass diese Ausbeutung ein Ende haben muss. So plünderten sie die Vorratsspeicher der Abtei und verteilten das Korn an das Volk, sodass niemand mehr Hunger leiden musste. Der „rote Abt“ jedoch floh nach Freiburg und wurde nie mehr in Schuttern gesehen.

    Entdecke noch weitere Sagen und Mythen entlang der Strecke.

    Textquelle: Ortenau Tourismus

    Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

    Broschüre "Auf Sagenrundwegen die Ortenau erleben"

    Furtwangen: Auf der alten Bahntrasse über Bräunlingen nach Hüfingen (Bregtalbahn)

    Furtwangen: Auf der alten Bahntrasse über Bräunlingen nach Hüfingen (Bregtalbahn)

    Bregtalbahn: Furtwangen – Hüfingen

    Besonders der Oberlauf der Breg zwischen Furtwangen und Hammereisenbach hat seine Reize, weiter flussabwärts liegen größere Passagen der alten Bregtalbahntrasse brach.

    Einfache Streckenlänge

    • ca. 31 km (davon ca. 17,5 km auf der ehem. Bahntrasse), inkl. Anbindung Hüfingen

    Status, Beschilderung

    • Bahntrasse Z. 260 und kombinierter Fuß-/Radweg; ältere regionale Wegweisung als Bregtalweg mit punktuellen Unsicherheiten

    Textquelle: Webseite „Bahntrasssenradeln“

    Bregtalbahn

    Die Bregtalbahn ist eine normalspurige, als Privatbahn betriebene Nebenbahn im Schwarzwald-Baar-Kreis. Die ursprünglich 32,4 Kilometer lange Stichbahn führte von Donaueschingen, wo sie von der Schwarzwaldbahn abzweigt, nach Furtwangen und folgt dabei auf ganzer Länge dem namensgebenden Fluss Breg. 1901 wurde der erste Streckenabschnitt Donaueschingen–Hüfingen von der Staatsbahn übernommen und der Höllentalbahn zugeschlagen.

    Geschichte

    Die Bregtalbahn wurde am 20. Oktober 1892 von Donaueschingen bis Hammereisenbach eröffnet; der zweite Teil von Hammereisenbach bis Furtwangen folgte am 1. August 1893. Erbauer war das Badische Eisenbahnkonsortium unter dem Eisenbahnunternehmer Herrmann Bachstein, das die Bahn 1897 in die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) einbrachte.

    Der Bau des ersten 2,643 Kilometer langen Abschnittes Donaueschingen–Hüfingen erfolgte auf Staatskosten, da dieser Streckenabschnitt bereits ein Teil der geplanten hinteren Höllentalbahn Neustadt–Donaueschingen war. Für den Betrieb und Unterhalt dieses Streckenstücks war jedoch von Anfang an die Bregtalbahn zuständig, welcher die Strecke dafür bis auf weiteres unentgeltlich überlassen wurde. Aus diesem Grund hat auch die Kilometrierung der Strecke ihren Nullpunkt in Donaueschingen.

    Da beim Bau der Bregtalbahn um 1892/93 der weitere Trassenverlauf bei der hinteren Höllentalbahn zwischen Neustadt (Schwarzwald) und Donaueschingen noch nicht feststand (unter anderem war eine Trassenvariante der Höllentalbahn über Hammereisenbach in der Diskussion, bei der von Hammereisenbach über Hüfingen bis Donaueschingen die Bregtalbahn mitbenutzt worden wäre) hatte sich der Staat vertraglich für die Strecke Hüfingen-Hammereisenbach zu jeder Zeit ein Rückkaufsrecht vorbehalten. Für den Abschnitt Hammereisenbach-Furtwangen wurde eine Rückkauffrist von 25 Jahren vereinbart.

    Als die hintere Höllentalbahn nach ihrer durchgehenden Fertigstellung am 20. August 1901 den Verkehr Donaueschingen–Neustadt-Freiburg aufnahm, übernahm die Großherzoglich Badische Staatseisenbahn selbst die Betriebsführung sowie den Unterhalt des Streckenabschnitts Donaueschingen-Hüfingen von der SEG. Die Staatsbahn vereinbarte einen Gemeinschaftsbetrieb mit der SEG, sodass die Züge der Bregtalbahn unverändert in Donaueschingen beginnen und enden konnten. Die Betriebslänge der Bregtalbahn verkürzte sich dadurch auf 29,78 Kilometer.

    Am 1. Januar 1953 übernahm das Land Baden-Württemberg die Strecke und ließ sie durch die Mittelbadische Eisenbahnen AG betreiben, bis diese am 1. Oktober 1971 in der Südwestdeutsche Eisenbahnen AG (SWEG) aufgingen. Die weite Streckenlänge im Verhältnis zur geringen Siedlungsdichte, der hohe Unterhaltsaufwand durch die Höhenlage und die harten Winter waren stets problematisch, vor allem, nachdem die Verlagerung der Gütertransporte auf die Straße begonnen hatte. Auch der Personenverkehr konzentrierte sich hauptsächlich auf den unteren Abschnitt bis Wolterdingen. So konnte in die Strecke nur noch unzureichend investiert werden. Wegen des Zustandes der Bregbrücke hinter Bräunlingen verfügte die Aufsichtsbehörde schließlich die Sperrung des Streckenabschnittes (Bräunlingen–) Anschluss Straub–Furtwangen. Die Kosten für die Instandsetzung der Brücke wurden auf 1,5 Mio. DM geschätzt, sodass die SWEG die Maßnahme einer garantierten zusätzlichen Tonnage durch die Güterkunden von 20.000 t abhängig machte[1]. Die Zusage wurde nicht gewährt, sodass die SWEG den Betrieb am 30. September 1972 einstellte und die Strecke zwischen Bräunlingen und Furtwangen abbaute. Dieser Abschnitt der Bregtalbahn dient heute großteils als Bahntrassenradweg. Auf dem verbliebenen Abschnitt bis Bräunlingen fand bis 15. Dezember 2003 nur Güterverkehr statt, den zeitweise die Deutsche Bundesbahn betrieb.

    Seit 2003 wird das Reststück bis Bräunlingen wieder im Schienenpersonennahverkehr befahren, da es zum Ringzug-Konzept der Landkreise Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen gehört. Es verkehren nunmehr Regio-Shuttles der Hohenzollerischen Landesbahn im Stundentakt.

    Die Strecke wird im Stichstreckenblock-Verfahren gesichert, daher ist derzeit kein Güterverkehr möglich.

     

    Textquelle: Wikipedia

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Alte Bahnstrecke von Furtwangen nach Hüfingen

    Keine Infomaterialien vorhanden.

    Gaildorf: Geologischer Pfad

    Der geologische Pfad ermöglicht Einblicke in die Keuperlandschaft der Limpurger Berge.

    Der Weg wurde auf der östlichen Talseite des Kochertales von der Forstverwaltung und dem Naturschutzbund angelegt und 2004 neu gestaltet. Er zeigt einen Ausschnitt aus der Schichtenfolge des Mittleren Keupers sowie der jüngeren erdgeschichtlichen Vergangenheit der Limpurger Berge.

    An den 11 Stationen wird der geologische Aufbau der Landschaft um Gaildorf erläutert. Die Stadt Gaildorf hat eine sehr informative und lesenswerte Begleitbroschüre zum Lehrpfad herausgegeben.

    Wegstationen

    Tetquelle: Broschüre „Geologischer Pfad“ (Autor: Dieter Seegis)

    Station 1: Junge Erosion

    Ein kleiner Wasserlauf fräst am Hang eine Rinne aus und spült am Austritt aus der Böschung den verwitterten Ton davon. Die Dynamik der Abtragung ist gut an den freigewaschenen Baumwurzeln zu sehen.

    Station 2: Oberer Abschnitt des Gipskeupers

    Sichtbar sind graue Tonsteine der Grauen Estherienschichten. Es sind Ablagerungen eines riesigen, flachen Sees, der teilweise salzig war. Ihren Namen führen sie nach gelegentlich auftretenden winzigen Schalenkrebsen, den Estherien. Der Gipskeuper enthält besonders in seinem tieferen Abschnitt Gipsbänke und Gipsknollen, wonach er benannt ist.

    Station 3: Schilfsandstein

    Feinkörnige Sandsteine mit Tonzwischenlagen. Sedimente eines ausgedehnten Flusssystems aus dem baltisch-skandinavischen Raum, das fast ganz Mitteleuropa überzog und im heutigen Alpenraum ins Meer mündete.

    In den einstigen Flusstälern wurden bis zu 30 m mächtige Sedimente abgelagert, während sich in den Überschwemmungsbereichen dazwischen (wie hier) nur wenige Meter mächtige, tonige Sandsteinlagen bildeten.

    Bekannt ist der Schilfsandstein nach den örtlich häufigen Resten fossiler Schachtelhalme, die von den Steinbrechern früher als „Schilf“ angesehen wurden.

    Station 4: Dunkle Mergel mit Gaildorf-Horizont

    Düsterviolette und braune Tonsteine mit gelblichen, harten Dolomitbänken (Gaildorf-Bank) und Dolomitknollen, auch ausgelaugten Gipsrelikten.

    Dieser Abschnitt gehört noch zum Schilfsandstein, da er stellenweise von geringmächtigen Sandsteinen überlagert wird. Er ist nach der typischen Ausbildung im Raum Gaildorf benannt. Es handelt sich um Ablagerungen einer teils sumpfigen Seenlandschaft gegen Ende der Schilfsandsteinzeit.

    Station 5: Hangschutt

    An den Hängen des Keuperberglands liegt über dem anstehenden Gestein häufig eine Schuttbedeckung aus Tonbröckchen, Sandsteinstücken und Sandsteinblöcken. Ein größerer Sandsteinblock ist oberhalb der Tafel erkennbar.

    Hangschutt ist eine Verwitterungsbildung der letzten Eiszeit. Im Winter gefror damals der Boden tiefgründig und zerlegte das Gestein durch Frostsprengung in Brocken; im Sommer taute dieser Permafrostboden nur oberflächlich wieder auf, und der so entstehende nasse Schuttbrei wanderte talabwärts und überzog die Hänge.

    Station 6: Rote Wand

    Hauptabschnitt der Unteren Bunten Mergel.

    Relativ einheitlich rote gefärbte Tonsteine, mit wenigen grünen Flecken und Lagen. Manchmal finden sich dünne Lagen und Knollen von Gips, der in Oberflächennähe jedoch meist ausgelaugt ist.

    Zur Ablagerungszeit der Roten Wand herrschten im Keuperbecken sehr ausgedehnte, lebensfeindliche Tonschlammebenen vor. In zeitweiligen Salzseen auf diesen Ebenen wurde Gips abgeschieden.

    Station 7: Lehrberg-Horizont (Lehrbergschichten)

    Oberer Abschnitt der Unteren Bunten Mergel, benannt nach dem Ort Lehrberg bei Ansbach.

    Rote Tonsteine mit zwischengeschalteten hellen Dolomitbänken (Lehrbergbänke), letztere sind durch begleitende graugrüne Tonsteine deutlich erkennbar. Die roten Tonsteine sind auf Tonschlammebenen entstanden, die in häufigem Wechsel überschwemmt wurden und wieder trocken fielen.

    Die Lehrbergbänke dagegen stellen Ablagerungen gigantischer, aber flacher Seen von teilweise über 75.000 km² Flächenausdehnung dar. Sie bildeten sich während zeitweilig niederschlagsreicherer Klimaperioden und lassen sich in mancher Hinsicht mit dem heutigen Tschadsee in Afrika vergleichen.

    Station 8: Unterer Kieselsandstein

    Helle, grobkörnige Sandsteine.

    Sie bilden hier aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegnüber der Abtragung eine Verebnung. Solche Kieselsandstein-Verebnungen prägen an vielen Stellen des Schwäbisch-Fränkischen Waldes das heutige Landschaftsbild.

    Die Sande des Kieselsandsteins wurden zur Keuperzeit von Flüssen in ausgedehnten Schwemmebenen abgesetzt, die sich vom Hochgebiet der Vindelizischen Schwelle in das Keuperbecken verschoben. Die Grobkörnigkeit ist ein Hinweis auf den relativ kurzen Transportweg vom damaligen Liefergebiet.

    Station 9: Rotbraune Tonsteine im Mittleren Kieselsandstein

    Der Kieselsandsteoin wird örtlich durch rotbraune, sandige Tonsteine zweigeteilt, die hier helle Dolomitknollen enthalten. Es handelt sich um einen fossilen Boden zur Kieselsandsteinzeit, in dem sich unter trocken-warmem Klima Dolomitknollen abschieden.

    Station 10: Oberer Kieselsandstein

    Grobkörnige Sandsteine mit rotbraunen und graublauen Tonsteinlagen. Die graublauen Farben weisen bereits auf den Übergang zum nächsten Schichtglied hin.

    Station 11: Obere Bunte Mergel

    Graublaue Tonsteine mit hellgrauen Dolomitlagen, hier bereits stark verwittert.

    Sie bilden hier lediglich eine geringmächtige Restbedeckung auf der Verebnung des Kieselsandsteins. Es sind Ablagerungen von Tonschlamm in weiten, meist lebensfeindlichen Salzseen.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Gaildorf

    Broschüre „Geologischer Pfad Gaildorf“

    Gambach: Geologischer Lehrpfad

    Der Geologische Lehrpfad am Kalbenstein führt über 2 km durch deutschlandweit bekannte geologische Aufschlüsse im Buntsandstein und Muschelkalk.

    Diese Gesteinsformationen prägen heute unsere Landschaft in Franken. Wir bewegen uns also über ein Gelände, das in jenem Zeitabschnitt schon einmal Erdoberfläche war. Zwischenzeitlich fanden jedoch weitere Ablagerungen statt. Der Erosion schließlich haben wir es zu verdanken, dass heute die versteinerten Relikte aus dem Trias wieder sichtbar wurden und wir einen Einblick in dieses Zeitalter erhalten.

    Der geologische Lehrpfad ist mit Wegweisern ausgeschildert, die einen Mastodonsaurus zeigen. Dessen Blickrichtung zeigt die Wegrichtung an.

    DGGV: Kalbenstein – Geotop November 2018

    Der Main hat zwischen Karlstadt und Gambach einen eindrucksvollen 2,5 Kilometer breiten und bis zu 150 Meter hohen Prallhang geschaffen. Hier ist ein fast vollständiges Profil im oberen Buntsandstein und Unteren Muschelkalk (Wellenkalk) erschlossen.

    Zahlreiche Aufschlüsse entlang der Wanderwege und eines Klettersteiges ermöglichen eine Wanderung durch die Stratigraphie. Im Niveau des Plattensandsteins streift der Weg große historische Naturwerksteinbrüche. Hier wurden mit Mastodonsaurus ingens und Saurichnites gambachensis zwei Amphibien- bzw. Saurierarten erstmals gefunden und beschrieben. Im südlichen Teil des Prallhangs wurde durch eine große Rutschung im Jahr 1784 eine fast alpin anmutende Felswand (Kalbenstein) im Unteren Muschelkalk freigelegt. Verwerfungen sind für häufige Felsstürze verantwortlich, die vor der Wand eine spezifische morphologische Situation erzeugten. Zimmergroße Felsblöcke zeugen von den Ereignissen.

    Der Geotop kann auf einer Rundwanderung erkundet werden: Ein geologischer Lehrpfad entlang der Gambacher Steige informiert mit 10 attraktiven Infotafeln über die Gesteine, bedeutende Fossilien und die erdgeschichtliche Entwicklung. Der aussichtsreiche Weiterweg entlang der Kante des Prallhangs über den Grainberg zum Aussichtspunkt Edelweiß wartet mit sehenswerter Trockenrasen-Vegetation auf.

    Der Abstieg erfolgt über die Rutschmassen des Kalbensteins (mit Infotafel „Bayerns schönste Geotope“) zur Falteshütte, der Rückweg auf hangparallelem Weg mit weiteren Aufschlüssen nach Gambach. Diese Geo-Tour ist nicht nur aufgrund der geologischen Besonderheiten außergewöhnlich, sie sucht auch aufgrund der außerordentlichen landschaftlichen Schönheiten und teilweise alpinem Charakter im gesamten nordbayerischen Raum ihresgleichen!

    Textquelle: Deutsche Geologische Vereinigung (DGGV); Geotop November  2018

    Muschelkalkprofil Kalbenstein

    An den Felswänden des Kalbensteins ist ein fast vollständiges Profil durch die rund 90 Meter mächtige Abfolge der Kalk- und Mergelsteine des Unteren Muschelkalkes (Wellenkalk) erschlossen. Eine Rutschung im Jahr 1784 legte die Felswand frei.

    Beschreibung

    Die Zeit des Muschelkalkes

    Zu Beginn des Erdmittelalters nahm ein großes, flaches Becken weite Teile Deutschlands ein. Während der Zeit des Muschelkalks vor etwa 245 Millionen Jahren war in diesem Germanischen Becken ein flaches Binnenmeer entstanden, das im Südosten durch eine Festlandsschwelle (Vindelizisches Land) vom offenen, tiefen Ozean getrennt war. Nur über schmale Meerengen hatte es Verbindung zur Tethys, dem Mittelmeer des Erdmittelalters.
    Heißes, trockenes Klima begünstigte damals in dem Flachmeer eine intensive Verdunstung mit direkter Kalkausfällung und Kalkabscheidung durch Organismen. Da nur wenig Material vom umgebenden Festland in das Becken eingetragen wurde, konnte sich eine Kalkabfolge mit Einschaltungen von Tonstein, Dolomit, Gips und Salz bilden – die Schichtfolge des Muschelkalkes.

    Gesteinsserien am Kalbenstein

    An den steilen Felswänden am Prallhang des Mains ist ein Profil durch die Kalke und Mergel des Unteren Muschelkalkes aufgeschlossen. Die dünnbankigen Kalksteine weisen als charakteristisches Merkmal wellenförmige Strukturen auf, daher bezeichnet man die Abfolge auch als Wellenkalk.

    Die Gesteine zeigen, dass das Meer in diesem Gebiet damals ziemlich salzhaltig und lebensfeindlich war, denn es wurden nur wenige aus dem offenen Ozean eingewanderte Lebewesen heimisch. Betrachtet man die Abfolge genauer, so kann man eine Wechsellagerung von fossilarmen Wellenkalkpaketen mit sehr schalenreichen Gesteinsbänken erkennen. Häufig bilden die harten fossilreichen Kalksteine Steilstufen und Gesimse.

    Diese charakteristischen Lagen lassen sich über weite Bereiche des Beckens verfolgen. Zusammen mit ihrem Fossilinhalt erlauben sie eine Gliederung der Abfolge, man bezeichnet sie daher als Leitbänke. Die oberste Steilstufe des Hanges bildet der Leithorizont der Schaumkalkbänke. Diese bestehen aus Kalkkügelchen (Ooiden) und Schalenbruchstücken und wittern schaumig an. Weitere Beispiele sind die Spiriferina-Bank und die Terebratelbänke, die jeweils nach dort häufig auftretenden Armfüßern (Brachiopoden) benannt sind. Armfüßer sind schalenbildende Meerestiere, die im Aussehen Muscheln ähneln.

    Die Rutschung von 1784

    Im Jahr 1784, dem Jahr des Jahrtausendhochwassers am Main, wurde die Wand des Klettergartens im Bereich des Kalbensteins durch eine Rutschung freigelegt. Wie kam es dazu? Der Kalkstein wird von großen Klüften sowie Störungen durchzogen. Unter dem geklüfteten Muschelkalk liegen Röttone des Buntsandsteins, die im Gegensatz zu den Kalken nicht wasserdurchlässig sind. Dort staut sich von der Oberfläche versickerndes Wasser. Zusammen mit dem Ton wirkt dieses wie ein Schmiermittel. Begünstigt durch die Erosionswirkung des Mains und starke Regenfälle rutschten vor gut 200 Jahren große Mengen Gestein herab. Auch heute noch kommt es am Mainprallhang zu kleineren Felsstürzen und Hangrutschungen.

    Naturschutzgebiet Grainberg-Kalbenstein

    Die schwer verwitternden Kalkbänke des Wellenkalks bilden Gesimse und Felsstufen und sind meist nur spärlich bewachsen. Auf den Steillagen am Kalbenstein und Grainberg entwickelte sich eine charakteristische Pflanzengemeinschaft. Diese einzigartigen Vorkommen von Kalk-Trockenrasen wurden 1941 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, waren jedoch durch private Initiativen bereits seit 1905 unter Schutz.

    Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

    Wegstationen
    Station 1: Landschaft vor 245 Millionen Jahren

    Bei Station 1 sehen wir unten den harten Felssandstein, dessen Festigkeit auf längere, stabile Verhältnisse zurückzuführen ist. Blickt man unterhalb der Treppenanlage über den Zaun des dortigen Anwesens hat man einen sehr schönen Einblick in die Karneol-Dolomit-Schichten über dem Felssandstein. 

    Station 2: Ehemalige Steinbrüche im Plattensandstein

    Die Steinbrüche waren wohl im 17. und 18. Jahrhundert aktiv. Die Abraumhalden zeugen von deren Größe. Die drei großen Steinquader bei der 2. Tafel stammen von der Oberkannte der Wand. Sie mussten aus sicherheitstechnischen Grünen abgebrochen werden. Wir befinden uns im Bereich des Plattensandsteins.

    Station 3: Das Gesicht verschwundener Flüsse
    Station 4: Schlammebenen bis zum Horizont
    Station 5: Der geheimnisvolle Sandstein
    Station 6: Eine neue Zeit: Der Muschelkalk beginnt
    Station 7: Rätselraten um den Wellenkalk
    Station 8: Der Main schreibt seine Geschichte
    Station 9: Dünen unter dem Meeresspiegel

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Gambach

    Geotop Buntsandsteinprofil WSW von Gambach

    agsdi-file-pdf

    Gambach

    Kalbenstein: Schautafel am Muschelkalkprofil (Bayerns schönste Geotope, Nr. 35)

    agsdi-file-pdf

    Gambach

    Funde aus der Urzeit (Presseartikel Uni Würzburg)

    Garmisch-Partenkirchen: „Geologie erleben“ – „Karibik und Eis“ auf dem Weg zur Zugspitze

    © Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

    Mit freundlicher Genehmigung.

    Vielen Dank.

    GeoAlpina – Roter Weg

    Variante: Garmisch-Partenkirchen – Reintal – Zugspitze (Empfehlung der LfU Bayern)

    Durch die Partnachklamm auf Deutschlands höchsten Gipfel läuft man durch Gesteine, die vor Jahrmillionen in einem tropisch-warmen Meer entstanden sind und später vom Eis geformt wurden.

    Auf dem Weg zur Zugspitze findet man ca. 240 bis 210 Millionen Jahre alte Gesteine aus der Epoche der mittleren Trias bis zur Obertrias, die in unterschiedlichen Bereichen eines subtropisch-warmen Meeres abgelagert wurden – vom Strand über seichte Lagunen und unzähligen Riffen bis hinab in die Tiefen des Ozeans. Die Partnachklamm am Anfang dieser Etappe zeigt die Gesteine der Reifling-Formation, die vor etwa 240 Millionen Jahren am Rand des Meeresbeckens entstanden. Danach werden im Partnachtal jüngere Gesteine am Schindeltalschrofen und in der Hinterklamm durchwandert. Anschließend findet man bis zum Gipfel ein anderes Gestein, das vom Wettersteingebirge seinen Namen hat: der Wettersteinkalk. Er entstand im flachen Meer als es nur so von Meerestieren und Riffbewohnern wimmelte. Nach deren Tod sanken die kalkige Schalen auf den Boden und türmten sich allmählich zu riesigen Kalkschichten auf. Aber auch Spuren der letzten Eiszeit und des Klimawandels sind bis zum Gipfel der Zugspitze erkennbar.

    Wegbeschreibung

     In der nachfolgenden Beschreibung wird auf einige geologische Besonderheiten, zum Teil entlang der Etappe R45 der Via Alpina, eingegangen. Zu den Begriffen „Geotop“, „GeoPunkt“  und „GeoAussichtspunkt“ gibt es zusätzliche Wegpunkte, in denen auch die Geologie erklärt wird. Diese Wegpunkte werden weiter unten sowie in der Karte angezeigt und können ausgedruckt werden. Die Geotope können außerdem mit weiteren Informationen im UmweltAtlas Bayern des Bayerischen Landesamts für Umwelt recherchiert werden: https://www.lfu.bayern.de/geologie/geotoprecherche.

     

    Paläogeographie

    Die ältesten Gesteine auf dem Weg zum Gipfel sind über 240 Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit gab es einen Großkontinent Pangäa. Vom Äquator in Richtung Norden dehnte sich ein Ozean, genannt die Tethys, mit zahlreichen Buchten immer weiter bis in den heutigen Alpenraum aus. Dort waren die damaligen klimatischen Bedingungen vergleichbar mit denen von heute in der Karibik bzw. am Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens. Am Rand des Schelfmeeres zum Beckenbereich des Tethys-Ozeans entwickelte sich ein Riffgürtel und dahinter lagen Lagunen. Hier lebten Kalk abscheidende Organismen wie Algen, Schwämme und Korallen. In den tieferen Ozeanbereichen wurden feiner Kalkschlamm oder kieselige Ablagerungen sedimentiert. In der Obertrias kam es vom Festland her zu Schuttanlieferungen in das Meer, die das Wachstum der Riffe unterbrachen. Diese unterschiedlichen Bereiche bzw. Gesteine durchläuft man auf dem Weg zur Zugspitze.

     

    Geologische Zeittafel

    Die geologische Zeittafel zeigt die Abfolge der Schichten und die Geo-Punkte, die auf der Wanderetappe durchquert werden, und das Alter ihrer Ablagerung. In der Trias gab es nebeneinander verschiedene Ablagerungsräume mit unterschiedlichen Umweltbedingungen, wie Flachmeer oder tiefes Ozeanbecken. So entstanden teilweise zur selben Zeit die verschiedenartigen Gesteinsausprägungen (Fazien) der Wetterstein-, Reifling- und Partnach-Formation.

     

    Start

    Vom Skistadion startet man nach Süden Richtung Partnachklamm. Nach etwa einer halben Stunde erreicht man die Partnachklamm, eines von Bayerns schönsten Geotopen.

    Sicherheitshinweis

    Die hier beschriebenen Wege verlaufen teilweise in hochalpinem Gelände. Sie sind an manchen Stellen absturzgefährlich und ab und zu sind einfache Kletterstellen (mit Drahtseilsicherungen) zu meistern. Daher ist für bestimmte Abschnitte Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Bergerfahrung Voraussetzung. Etappenweise sind viele Höhenmeter sowie lange Strecken zu bewältigen. Eine gute Kondition ist deswegen genauso unerlässlich wie die richtige Bergausrüstung.

    Die meisten Wegabschnitte können nicht ganzjährig gegangen werden.

    Bitte informieren Sie sich über Schwierigkeiten, etwaige Gefahren und den aktuellen Zustand der Route, zum Beispiel auf den Internet-Seiten der Via Alpina oder beim Deutschen Alpenverein.

    Die Begehung der Touren erfolgt auf eigene Gefahr.

    Geologische Sehenswürdigkeiten
    Geotop "Partnachklamm"

    Beim Klammeingang erläutert eine Infotafel die Entstehung eines der schönsten Geotope Bayerns. Die Klamm ist 700 Meter lang, die senkrechten Wände reichen bis zu 86 Meter in die Höhe. Die  Kalke der Partnachklamm wurden vor etwa 240 Millionen Jahren am Beckenrand eines Ozeans abgelagert und gehören zur Reifling-Formation. Im Verlauf der alpinen Gebirgsbildung wurden sie gefaltet und im Bereich der Partnachklamm herausgehoben.  Nach dem Rückzug des Eises im Bereich von Graseck vor ca. 12.000 Jahren, schnitt sich die Partnach senkrecht in die harten Kalkbänke der Reifling-Formation ein, wodurch die eindrucksvolle Klamm entstand).

    Reifling-Formation

    Die Kalksteinabfolgen bestehen aus dünn- bis seltener mittelbankigen, zumeist hellgrau anwitternden, verfestigten Kalkschlamm (Mikriten). Die Bankoberseiten sind wellig und unregelmäßig („Reiflinger Knollenkalke“), können daneben auch ebenflächig sein („Reiflinger Bankkalke“). Sie wurden vor etwa 244 – 237 Millionen Jahren abgelagert, ungefähr zeitgleich mit dem Wettersteinkalk, den wir aber erst später bei der Bockhütte erreichen und erklären. Die Reifling-Formation wurde nicht im  Flachwasser sondern am Rand des Tethys-Ozeanbeckens gebildet.

    Geotop "Partnach-Formation"

    Vor etwa 239 bis 236  Millionen Jahren kam es zur Ablagerung von feinkörnigen bis tonigen Sedimenten, aus denen die Tonmergel- und Kalksteine der Partnach-Formation entstanden. Sie wurden zeitgleich mit den Gesteinen der Reifling- und Wetterstein-Formation abgelagert, allerdings in tieferen, sauerstoffarmen Beckenbereichen des Tethys-Meeres, worauf die dunkle Gesteinsfarbe als auch feinverteilte Pyrit-Würfel schließen lassen. Eine Grafik zeigt die unterschiedlichen Ablagerungsräume der Partnach-, Reifling- und Wetterstein-Formation.

    Diese Gesteine der Partnach-Formation sind etwa 200 Meter nach dem südlichen Ausgang der Klamm am gegenüberliegenden Ufer der Partnach zu sehen. Der Aufschluss ist als Geotop im UmweltAtlas Bayern gelistet.

    GeoPunkt "Schindeltalschrofen"

    Nach den Gesteinen der Partnach- und Reifling-Formation erreichen wir nach etwa 2 Kilometern entlang der Partnach die jüngeren Gesteine des Schindeltalschrofen, bestehend aus Hauptdolomit. Der Hauptdolomit wurde unter subtropischen Bedingungen vor etwa 230 bis 215 Millionen Jahren in einem Wattenmeer abgelagert.

    Die steilen Felshänge, bizarren Türmchen und mächtigen Schuttablagerungen des Schindeltalschrofens auf der linken, anderen Seite der Partnach fallen sofort auf. Diese Formen und Ablagerungen sind charakteristisch für den Hauptdolomit, der kurz darauf auch rechts direkt an der Straße zu sehen ist. Typisch ist seine brüchige Struktur und entsprechend starke Zerklüftung. Dadurch ist der Hauptdolomit verwitterungsanfällig und bildet große Schuttfächer.

    Kurz nachdem die Hauptdolomithänge passiert wurden, geht es nun in zwei Kehren bergauf. Man verlässt das Tal der Partnach bis man nach weiteren zwei Kilometern die Hinterklamm erreicht.

    GeoPunkt "Hinterklamm"

    Hier hat sich die Partnach tief in die Schichten des Raibler Kalkes der Raibl-Formation eingeschnitten. Die Raibl-Formation repräsentiert eine flachmarine zyklische Abfolge aus Meeresrückzug (festländisch beeinflusste Sedimentation mit Ton- und Sandsteinen) und -vorstoß (Kalke) mit zum Teil abgeschnürten Becken, in denen bei subtropischem Klima das Meerwasser eindampfte. Auch hier herrschten Bedingungen wie in der heutigen Karibik. Es entstanden örtlich Gips- und Dolomitgesteine. Wo später Wasser den Gips aus dem Gestein löste, blieben Dolomitbreccien und löchrige Rauhwacken zurück.

    Die Kalksteine der Hinterklamm erscheinen durch die Beimischung von organischem Material stellenweise etwas dunkler als der helle Wettersteinkalk, der die meisten umliegenden Gipfel aufbaut. Die Raibl-Formation entstand im älteren Abschnitt der Obertrias (Karnium) von etwa 236 bis 227 Millionen Jahren. Sie ist somit älter als der Hauptdolomit, aber jünger als der Wettersteinkalk. 

    Von der Hinterklamm geht es weiter zur Bockhütte. Kurz vor der urigen Bockhütte mündet die Via Alpina vom Schachen kommend in den Weg. Nun sind wir im Wettersteinkalk angekommen.

    Wettersteinkalk

    Das Gestein, aus dem die meisten Gipfel im Wettersteingebirge bestehen, wird nach diesem Gebirge „Wettersteinkalk“ genannt. Es wurde in einem flachen Meer vor etwa 244 bis 232 Millionen Jahren gebildet. Der Wettersteinkalk entstand südlich seiner heutigen Lage in einem tropisch bis subtropischen Meer aus den versteinerten Schalen abgestorbener Lebewesen und Skelettresten der ehemaligen Riffbewohner. Mit der Zeit türmten sich Schalen über Schalen, die untersten wurden meist bis zur Unkenntlichkeit zusammengepresst. Manchmal aber blieben die ehemaligen Meeresbewohner noch als Fossilien erkennbar. Im Wettersteinkalk gibt es beispielsweise Reste von riffbildenden Grünalgen und Blaualgen. Die bis 1.500 Meter dicken Schichten bauen den größten Teil des Wettersteingebirges auf. Der Wettersteinkalk gehört mit dem magnesiumreicheren Wettersteindolomit zur Wetterstein-Formation.

    Der Weiterweg auf der offiziellen Trasse der Via Alpina verläuft nun im Reintal, einem durch Gletscher geformten Trogtal. Wir sind nun in der Eiszeit angekommen. Auf beiden Seiten der Partnach ragen die teilweise senkrechten Felswände aus Wettersteinkalk empor. Durch die Steilheit der Wände kommt es zur Erosion in den Felswänden und Gipfelpartien und zur Anhäufung von Material im Bereich des Talbodens. Auf dem Weg sind daher Massenbewegungen, wie Hangschutt, Murkegel, Schuttkegel, Bergstürze und Schwemmfächer zu sehen. 

    Einige Sturzmassen im Reintal haben sogar „Berühmtheit“ erlangt.

    GeoPunkt "ehemalige Vordere Blaue Gumpe"

    Dieser um das Jahr 1800 durch einen Bergsturz aus Wettersteinkalk aufgestaute See – einst das landschaftliche Juwel des Reintals mit glasklarem blauem Wasser – wurde im August 2005 während eines zweitägigen Unwetters vollständig verfüllt. So ist kleine Paradies, das durch einen Bergsturz entstanden ist, durch eine Sedimentschüttung wieder verschwunden.

    GeoPunkt "Bergsturz Steingerümpel"

    Bei diesem Bergsturz, ebenfalls aus Gesteinen des Wettersteinkalks, donnerten vor etwa 500 Jahren 2,8 Millionen Kubikmeter Fels ins Tal und stauten damals ebenfalls die Partnach zu einem See, der ehemaligen Hinteren blauen Gumpe, auf.

    Mehr zu Massenbewegungen ist zu erfahren unter: https://www.lfu.bayern.de/geologie/massenbewegungen.

    Kurz vor der Reintalangerhütte kommen wir zur nächsten geologischen Besonderheit. Wir sind zwar immer noch im Wettersteinkalk, also in der Karibik, erreichen aber wieder die Eiszeit.

    GeoPunkt "Endmoräne"

    Hier quert die Via Alpina eine späteiszeitliche Endmoräne („Reintalanger-Stand“). Im Gegensatz zum heutigen Schneeferner, der das oberste Zugspitzplatt bedeckt, reichte der Partnachgletscher vor etwa 11.000 Jahren noch bis hier herab. Der Gletscher häufte am Rand den mitgeführten Gesteinsschutt in Form von Moränenwällen auf. Moränenablagerungen bestehen aus unsortierten Gesteinsmaterial verschiedener Korngrößen bis zu großen Blöcken. Im Moränenwall am Weg ist dies gut sichtbar. Am Höchststand der letzten Eiszeit (Würm) vor etwa 20.000 Jahren wurde das Wettersteinmassiv von zwei großen Ferneisströmen umflossen, dem Werdenfelser Eisstrom im Osten und dem Fernpass-Eisstrom im Westen. Das Reintal selbst wurde aber nur durch die lokalen Gletscher der Zugspitze und der seitlichen Kare überformt.

    Vom Moränenwall ist es schließlich nicht mehr weit zur Reintalangerhütte. Kurz nach der Hütte teilen sich die Wege, die später wieder ineinander münden. Beide führen zum Talschluss des Reintals, zum Oberen Anger.

    Tipp: Geotop Partnachursprung

    Folgt man kurz nach der Reintalangerhütte Richtung Zugspitze dem rechten Pfad, kommt man zum Partnachursprung. Der Partnachursprung ist eine der größten Karstquellen in den Bayerischen Alpen. Sie liegt im Wettersteinkalk und –dolomit. Das Einzugsgebiet ist das höchstgelegene Karstgebiet Deutschlands, das Zugspitzplatt. Bei der Lösung des in der Luft enthaltenen Kohlenstoffdioxids durch Regentröpfchen entsteht Kohlensäure. Durch die im Niederschlagswasser enthaltende Kohlensäure, die in Fugen, Klüfte und Spalten eindringt, wird der Kalk gelöst (Kohlensäureverwitterung) und ein unterirdisches System von Hohlräumen entsteht (Verkarstung). Durch zahlreiche Risse und Spalten dringt das Niederschlags- und Schmelzwasser in das Karstsystem ein, fließt durch unterirdische Kanäle ab und tritt beim Partnachursprung zutage. Die Quelle ist als Geotop im UmweltAtlas Bayern gelistet.

    Der Obere Anger wird bis heute von unterschiedlichen Massenbewegungen geformt, wie Lawinenabgängen und Steinschlägen. Hier ereignete sich 1920 ein großer Felssturz, der aber bereits wieder dicht bewachsen und nur aufgrund seines Reliefs noch erkennbar ist.

    Der Weg steigt nun steil bis zur Knorrhütte an. Typisch für die Verkarstung sind nicht nur Höhlensysteme wie beim Partnachursprung erwähnt sondern auch Karrenfelder an der Oberfläche, die am Rand des Weges zur Knorrhütte, besonders ausgeprägt aber am Zugspitzplatt erkennbar sind. Karren sind mehr oder weniger parallele Rinnen und Rippen in der Gesteinsoberfläche. Bei Niederschlag wird in den Rinnen Kalk gelöst, so dass das Relief immer größer wird. Sogar im Anbau der Knorrhütte können Karren studiert werden. Hier hat man die Hütte um die Felsen gebaut.

    Von der Knorrhütte folgt man nun nicht mehr der Via Alpina nach Ehrwald sondern den Wegweisern zum Sonn-Alpin bzw. zur Zugspitze. Gleich hinter der Hütte wird es nochmals kurz steil, dann zieht der Steig über die weitläufige „Mondlandschaft“ des Zugspitzplatts zum flachen Karboden mit der Seilbahnstation Sonn-Alpin.

    Der Weg verläuft auch weiterhin bis zum Gipfel im Wettersteinkalk. Von Sonn-Alpin könnte man auch die Seilbahn zum Gipfel nehmen. Zu Fuß geht es von der Station über einen steilen Geröllhang zum Schneefernerhaus (http://www.schneefernerhaus.de). Hier ist die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS), das Zentrum für Höhen- und Klimaforschung in Bayern, beheimatet.

    Schon gewusst?

    Aufgrund der Klimaerwärmung wird der dauernd gefrorene Untergrund (Permafrost) immer weiter auftauen. Mehr Rutschungen, Steinschläge und Felsstürze sind die Folge. Um Veränderungen des Permafrosts dokumentieren zu können, wird der Zugspitzbereich untersucht, unter anderem von Geologen des Landesamts für Umwelt. Zu diesem Zweck wurden in einer Bohrung am Gipfel und in einem Tunnel beim Schneefernerhaus Messpunkte installiert. Die Erkenntnisse von der Zugspitze können auch auf andere Gipfel der Nordalpen übertragen werden. Mehr zum Thema Permafrost erfahren Sie unter: https://www.lfu.bayern.de/geologie/permafrost.

    Am Schneefernerhaus beginnen die Felsen. Der Weg ist jetzt stellenweise mit Drahtseilen gesichert und führt dann zum Grat. Hier stoßen wir auf interessante Muster.

    GeoPunkt "Ringstrukturen im Wettersteinkalk"

    Der Wettersteinkalk wurde vor etwa 240 Millionen Jahren in einem subtropisch-warmen Meer mit Lagunen und Riffen gebildet. Die Landschaft ähnelte der in der heutigen Karibik. Hier am Grat ist der Wettersteinkalk als Riffkalk ausgebildet. Die Riff-Hohlräume wurden später mit Calcit verfüllt und zeigen dezimetergroße, runde Strukturen.

     Weiter geht es über den Grat zum Zugspitzgipfel mit seinem berühmten Gipfelkreuz und dem Münchner Haus, in dem man bei vorzeitiger Reservierung übernachten kann. Vom Gipfel hat man bei schönem Wetter einen wunderbaren Rundum-Blick.

    GeoAussichtspunkt "Eibsee-Bergsturz"

    Bayern hatte einen 3000er! Bis sich vor etwa 3.750 Jahren der größte Bergsturz in Bayern ereignete. Damals brach der vermutlich 3.050 Meter hohe Gipfel der Zugspitze urplötzlich ab. Der Blick vom Gipfel zum Eibsee erlaubt eine gute Übersicht über die Ausdehnung der Eibsee-Bergsturzmassen. Ungeheure Felsmassen schossen ins Tal und türmten sich so hoch wie zehnstöckige Häuser!  Noch heute zeugen riesige Felsblöcke von diesem Ereignis.

    Tipp

    Ein geologischer Wanderweg von Grainau zum Eibsee führt durch das Bergsturzgelände.

    GeoAussichtspunkt "Gletscherblick"

    Die weitläufige Einmuldung des Zugspitzplatts wurde vor allem durch die eiszeitlichen Gletscher geformt. Vor 11.000 Jahren strömte noch ein gewaltiger Gletscher von der Zugspitze talwärts. Er schmirgelte den Untergrund regelrecht platt – so erklärt sich der Name des Zugspitzplatts. Zeugen der früheren Gletscherausdehnung sind Moränen und Gletscherschliffe. Letztere entstanden als schuttbeladenes Eis über die Kalksteinrücken hinweg floss, wobei es seine schleifende und polierende Wirkung entfaltete. Es blieben Rundhöcker und polierte Flächen mit typischen Schrammen zurück, die die Bewegungsrichtung von am Grund des Eises eingefrorenen Steinen anzeigen.

    Mit dem Einsetzen der heutigen Warmzeit begann der Gletscher immer mehr zu tauen. Insbesondere in den letzten Jahrzehnten wurden große Teile des obersten „Plattes“ eisfrei. Hier befinden sich mit dem Nördlichen und dem Südlichen Schneeferner die spärlichen Reste des einstigen Partnachgletschers. Der Nördliche Schneeferner ist als Geotop im UmweltAtlas Bayern gelistet. Die ungewöhnlich schnelle Klimaerwärmung beschleunigt das Auftauen rasant: In wenigen Jahrzehnten ist die Zugspitze ohne Gletschereis!

    Nach der tollen Aussicht und einer Einkehr geht es zurück ins Tal. Falls über das Höllental abgestiegen wird, kann noch ein Abstecher zum ehemaligen Bergwerk bei den Knappenhäusern gemacht werden.

    Schon gewusst?

    Nach Funden von Bleiglanz und Wulfenit (Gelbbleierz) wurde 1826 im Höllental unterhalb der Zugspitze Deutschlands höchstgelegenes Bergwerk eröffnet. Während des 1. Weltkriegs war Molybdän für die Stahlproduktion sehr gefragt; 1918 wurde der Betrieb eingestellt. Heute erinnern noch die Knappenhäuser an den Bergbau. In der Gesteinssammlung des Landesamts für Umwelt sind seltene Erzbrocken aus der Anfangszeit des Bergbaus erhalten.

    Das Bergwerk im Höllental wurde bereits 1840 erstmals von amtlichen bayerischen Geologen im Rahmen der „Geognostischen Untersuchung des Gebirgszuges zwischen Werdenfels und dem Bregenzer Walde“ besucht. Tagebücher und Skizzen davon sind im Archiv des Landesamts für Umwelt erhalten. 1843 veröffentlichte der Königliche Oberberg- und Salinenrath Christoph Schmitz eine Schrift mit Kartenbeilage – die älteste rohstoffgeologische Karte von Bayern.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Garmisch-Partenkirchen

    „Geologie erleben“ – „Karibik und Eis“ auf dem Weg zur Zugspitze – keine Infomaterialien vorhanden!

    Garmisch-Partenkirchen: Geologischer Lehrpfad „Die Steine des Alpenraums“

    Der Geologische Lehrpfad „Die Steine des Alpenraums“ ist ein Projekt des Fremdenverkehrsvereins Garmisch-Partenkirchen e.V., das ausschließlich aus Eigenmitteln des Vereins sowie Spenden und ohne offizielle Finanzierung im Oktober 2015 eröffnet wurde.

    Der Lehrpfad verläuft auf 1,6 km Länge entlang der Partnach auf einer reizvollen Promenade zwischen Bahnhofstraße und Olympia-Skistadion.

    Der Lehrpfad soll den Besuchern einen Einblick in die Welt der Gesteine aus dem gesamten Alpenraum (Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich, Deutschland) aus zwölf alpinen Regionen geben. Zu jeder Jahreszeit, für Jung und Alt, vermittelt er Wissen bei gleichzeitiger Erholung in der Natur. Die Schönheit der Steine und die vielen Informationen sollen das Interesse wecken, interessante Steine rund um Garmisch-Partenkirchen selbst zu entdecken

    Der Lehrpfad zeigt auch viele geologische Besonderheiten des Werdenfelser Landes und der angrenzenden Regionen. So wurde der „Mittenwalder Marmor“ Jahrhunderte lang für repräsentative Bauten in München verwendet. Dank der letzten Eiszeit findet man in Isar, Loisach und den Zulaufbächen „zugereiste“ Steine aus dem Alpenhauptkamm. Im angrenzenden Tirol hat die Gewinnung und Verarbeitung von Ölschiefer lange Tradition. Diese Gesteinsart wird zur Herstellung von Ichthyol verwendet, woraus dann die weiteren medizinischen Pflegesubstanzen gewonnen werden. Markante Fundstellen des seltenen und sehr farbigen Mesozoischen Radiolarits der Alpen gibt es am Kramer und im Ammergebirge. Und was hat es mit dem Wetzstein auf sich? Die Wetzstein-Herstellung war viele Jahre Haupterwerb in Unterammergau und Ohlstadt. Eine Schautafel zeigt die einzelnen Fertigungsstufen vom rohen Stein bis zum fertigen Wetzstein.

    Aktuell sind insgesamt über 100 Exponate aufgestellt. 60 unterschiedliche Gesteinsarten geben einen genauen Überblick über die Gesteinswelt der Alpen. Alle Steine wurden von den Original-Fundstellen aus dem gesamten Alpenraum mit großem Aufwand herbeigeschafft. Schon heute ist der Geologische Lehrpfad nach Anzahl der Exponate der größte seiner Art in Deutschland.

    Die ältesten Steine sind über 500 Mio. Jahre alt und unser „Schwerster“ bringt rund 3,5 Tonnen auf die Waage. Die kleineren Exponate wurden auf Säulen gesetzt, um sie ins rechte Licht zu setzen. Als Besonderheit wurde der „Edelstein-Stein“ aufgestellt – er zeigt Edelsteine aus allen fünf Kontinenten.

    Aus den beiden derzeitigen Tunnelprojekten im Ost-Alpenraum – Brenner Basistunnel und Umfahrung Oberau – sind die unterschiedlichen Gesteinsarten in Gabionen ausgestellt. Polierte Steintafeln an der Ufermauer der Partnach geben einen Einblick in das „Innenleben“ der Steine und ihre herrlichen Schattierungen und Muster.

    Insgesamt zwölf Informations- und Schautafeln beschäftigen sich mit der Geologie des Alpenraums sowie dem Thema „Steine“. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Beteiligung aller BOTA-Orte der Marketing-Kooperation „Best of the Alps“ am Geologischen Lehrpfad. Eine Informationstafel gibt Auskunft über den Zusammenschluss der bekanntesten Wintersportorte in den Alpen. Jeder BOTA-Ort ist mit einem regional typischen Gestein vertreten.

    Die Beschriftung der Steine umfasst folgende Informationen: Name des Steins, Herkunft, Alter, Härtegrad und individuelle Besonderheiten. Dazu der Name des Spenders, wobei bislang über 60 Institutionen und Privatpersonen als Spender gewonnen werden konnten.

    Textquelle: Fremdenverkehrsverein Garmisch-Partenkirchen e.V. (Stand: Juli 2023)

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Die Steine des Alpenraums

    Faltblatt zum Geologischen Lehrpfad in Garmisch-Partenkirchen

    Garmisch-Partenkirchen: Geomorphologischer Lehrpfad „Reintal“

    Der Geomorphologische Lehrpfad führt vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen mit einem Höhenunterschied von 2.230 Metern über eine Distanz von ca. 22 Kilometern auf den Gipfel der Zugspitze. Die Haltepunkte entlang der Wegstrecke sind mit kleinen orangefarbenen, quadratischen Tafeln gekennzeichnet.

    An 11 Haltepunkten wird über die landschaftsgeschichtliche Entwicklung des Reintals zwischen der Partnachklamm und dem Zugspitzgipfel informiert. Der Schwerpunkt des Lehrpfades liegt im Reintal selbst und auf den alpinen Prozessen, die das Reintal seit dem Ende der letzten Kaltzeit bis heute prägen und stetig verändern.

    Bei der Bockhütte erreicht die Via Alpina-Etappe R45 den Lehrpfad und folgt ihm fortan bis zur Reintalangerhütte.

    Die Stationen 2 bis 7 des Geomorphologischen Lehrpfads informieren über Wildbäche (Partnach), Muren und Steinschlag. Besonderheiten sind dabei der Bergsturz „Steingerümpel“ und die „Vordere Blaue Gumpe“. Dieser um das Jahr 1800 durch einen Bergsturz aufgestaute See – einst das landschaftliche Juwel des Reintals – wurde im August 2005 während eines zweitägigen Unwetters vollständig verfüllt.

    Kurz vor der Reintalangerhütte quert die Via Alpina eine späteiszeitliche Endmoräne („Reintalanger-Stand“). Im Gegensatz zum heutige Schneeferner, der das oberste Zugspitzplatt bedeckt, reichte der Lokalgletscher im Reintal („Partnachgletscher“) vor etwa 11.000 Jahren noch bis hier herab.

    Buch-Tipp

    Zum Lehrpfad ist ein ausführliches Begleitbuch erhältlich:

    (Götz, Joachin & Schrott, Lothar: Das Reintal – Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze; Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 2010.

    Wegstationen
    Station 1: Die Partnachklamm

    Bayerns schönste Geotope Nr. 16

    Die Partnachklamm

    Die Partnachklamm ist eine der eindrucksvollsten Klammen in den bayerischen Alpen.
    Auf einer Länge von 700 Metern durchschneidet sie mächtige Gesteinslagen am Fuß des Wettersteingebirges. Die Wände der Klamm reichen bis zu 86 Meter in die Höhe. Der namensgebende Fluss – die Partnach – entspringt im Reintalanger und ist eine der größten Karstquellen der Bayerischen Alpen. Sie wird vor allem durch Schmelzwasser des Schneeferners, dem Rest eines eiszeitlichen Gletschers auf dem Zugspitzplatt, gespeist.

    Beschreibung

    Wie alt sind die Gesteine, in die sich die Partnach einschnitt?

    Der „Alpine Muschelkalk“ (hier Reifling- und Steinalm-Formation) ist in der Mittleren Trias (genauer: im Anis und Ladin) vor etwa 245 Millionen Jahren in einem flachem Meer und am Rand eines Ozeanbeckens abgelagert worden. Ein charakteristisches Merkmal der Steinalm-Formation sind die dickbankigen, stellenweise geklüfteten, hellgrauen Kalksteine während die Kalk- und Kalkmergelsteine der Reifling-Formation schmale, dunkle und oft grasbewachsene Terrassenbänder in den Wandabbrüchen hinterlassen.
    Die darüber liegenden weicheren Schichten der Partnach-Formation bestehen aus dunkelgrauen Mergelsteinen und Tonschiefern mit einzelnen Kalkbänken. Entstanden sind sie vor etwa 235 Millionen Jahren im gleichen Meeresbecken wie der „Alpine Muschelkalk“.

    Wie entstand die Partnachklamm?

    Im Verlauf der alpinen Gebirgsbildung wurden die Gesteine gefaltet und im Bereich der Partnachklamm als so genannter Wamberger Sattel herausgehoben. Im Kern des Sattels quert die Klamm die harten Kalksteine des „Alpinen Muschelkalks“ (Reifling- und Steinalm-Formation). Nach dem Rückzug des Eises im Bereich von Graseck vor ca. 12.000 Jahren, hatte die Partnach noch genügend Zeit, um sich in die harten Kalkbänke einzuschneiden, wodurch die eindrucksvolle Partnachklamm entstanden ist. Nördlich und südlich der Klamm fließt die Partnach durch die jüngeren Schichten der Partnach-Formation. Hier konnte die Partnach aufgrund der weicheren Gesteine ein deutlich breiteres Flussbett anlegen.

    Häufig bilden sich Klammen an Geländestufen, die durch die unterschiedlich starke Eintiefung von Haupt– und Nebentälern entstanden. Flüsse überwinden diese Höhenunterschiede zunächst als Wasserfälle und schneiden sich im Laufe der Zeit in das Gestein ein. Bei starkem Gefälle, hoher Fließgeschwindigkeit und hartem Gestein entsteht so die typische Talform der Klamm.

    Felsstürze in der Klamm

    Am 1. Juni 1991 brachen ca. 5.000 Kubikmeter Gestein aus der westlichen Felswand am Südende der Klamm heraus und bildeten einen 15 Meter hohen Wall. Durch die Sturzmasse wurde die Partnach zu einem See aufgestaut, der nach kurzer Zeit verlandete.
    Im März 2003 erfolgte während der regulären Frühjahrssperrung im nördlichen Teil der Klamm ein erneuter Felssturz mit einem Volumen von ca. 500 Kubikmetern.

    Tal–Schlucht–Kerbtal

    Die wesentlichen Faktoren bei der Talbildung sind die Beschaffenheit des Gesteins und Gefälle. Im Bereich von Flussabschnitten mit großem Gefälle dominiert die Tiefenerosion der Flüsse. Bei abnehmender Härte des Gesteins – und damit zunehmender Seitenerosion – bildet sich ein breiteres Tal. Die charakteristischen Talformen wie a) Klamm, b) Schlucht oder c) Kerbtal entstehen bei der Erosion in härteren Gesteinen.

    Bedeutung von Partnach und Klamm

    Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Partnach als Triftbach benutzt. Bäume aus den umliegenden Wäldern wurden zersägt und mit dem „Hausmarch“, einem Erkennungszeichen des Eigentümers, versehen. Im Frühjahr bei Schmelzwasser wurde das Holz in den Bach geworfen, der dieses dann talabwärts transportierte. Das Triften verlor erst in den 1960er-Jahren seine Bedeutung. Die Partnachklamm wurde bereits 1912 zum Naturdenkmal erklärt.

    Heute ist die Partnachklamm mit jährlich über 200.000 Besuchern eine Touristenattraktion 1. Ranges.

     

    Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

    Station 2: Die Partnach

    Das Reintal wird durch die Partnach entwässert, die bei Garmisch-Partenkirchen in die Loisach mündet, welche über die Isar und die Donau in das Schwarze Meer entwässert.

    Typisch für einen Wildbach zeichnet sich die Partnach durch ein hohes Gefälle und eine jahreszeitlich stark schwankende Wasserführung und Sedimentfracht aus.

    Das Quellgebiet der Partnach liegt am Zugspitzplatt, wo sie das Wasser aus einem weit verzweigten und räumlich abgeschlossenen, unterirdischen Karstsystem bezieht. Nach dem Quellaustritt (siehe Station 8) fließt sie, mit Ausnahme des kurzen Abschnitts zwischen der Bergsturzmasse „Steingerümpel“ und der „Vorderen Gumpe“ überwiegend oberirdisch. Im Bereich der „Hinteren Gumpe“ führt das geringere Gefälle zur Ausbildung eines verzweigten Flusssystems.

    Station 3: Schutthalden und Murkegel

    Hier ereigneten sich in den letzten Jahren mehrfach Steinschläge und Murabgänge, die einen durchgängigen Materialtransport aus den Felswänden über die Schutthänge bis in das Flussgerinne verursachen. Dieser Bereich wurde im Rahmen von Forschungsarbeiten besonders intensiv untersucht und die bewegten Gesteinsmassen und -volumina bestimmt.

    Für die Murabgänge wurden Geschwindigkeiten bis 60 km/h berechnet, die Feststoffanteile betragen 30 bis 60%. Sekundäre Steinschläge überwiegen die primären um ein Vielfaches. Remobilisierende Muraktivitäten überwiegen den Sedimenteintrag durch Steinschlag auf diesem Schutthang deutlich.

    Station 4: Die Vordere Gumpe

    Die Vordere (Blaue) Gumpe, das ehemalige „Juwel im Wetterstein“, entsatand in Folge eines Bergsturzes, dessen Sturzmassen das Reintal abdämmten. Hinter dem natürlichen Damm wurde die Partnach zur „Blauen Gumpe“ aufgestaut. Im Laufe der Zeit wurde die Gumpe kontinuierlich mit Sedimentfracht verfüllt und fiel in den Sommern nach längeren Trockenperioden trocken.

    Ein Extremhochwasser am 22. und 23. August 2005 verfüllte das Seebecken innerhalb weniger Stunden vollständig. Ein Dammdurchbruch führte im Talabschnitt darunter zu einer Flutwewelle, die im Wald und an den Wanderwegen große Schäden verursachte.

    Has Hochwasserereignis veränderte durch Materialumlagerungen auch die gesamte Gerinnemorphologie der Partnach. Seitdem der Gumpen nicht mehr als Sedimentfalle fungiert wird zunehmend mehr Sediment weiter ausgetragen.

    Station 5: Der Bergsturz Steingerümpel

    Vor ca. 500 Jahren stürzten ca. 2,8 Millionem m³ Fels aus der gegenüberliegenden Nordwand des Höhlenkopfes. Durch den Bergsturz änderte sich das Erscheinungsbild des Reintals drastisch. Die Sturz- und Rutschmassen stauten die Partnach zu einem See auf, wodurch große Sedimentmengen im Bereich der „Hinteren Gumpe“ abgelagert wurden, die seitdem kontinuierlich aufgefüllt wurde und schließlich verlandete und heute eine Schwemmebne bildet.

    Das Sturzmaterial besteht aus Wettersteinkalk. Ursächlich für die „Sturz- und Rutschanfälligkeit“ sind Schwächezonen im Wettersteinkalk (Schichtung und Klüftung) sowie das Schichteinfallen an beiden Talflanken zur Talmitte hin (tektonische Muldenstruktur). Das Abrutschen bzw. Abgleiten von mehrfach vorhandenen „gekappten Schichten“ ist nur eine Frage der Zeit.

    Die Massen wurden stürzend und gleitend insgesamt bis zu einem Kilometer weit transportiert. Der „Bergsturz Steingerümpel“ war neben dem vermutlich spät- bis postglazialen Bergsturz am Oberen Anger (Station 9) das größte nacheiszeitliche Einzelereignis im Reintal.

    Station 6: Die Hintere Gumpe

    Die „Hintere Gumpe“ zeigt lehrbuchhaft alpine Formen. Mur- und Lawinenbahnen, Schuttkegel und die Schwemmebene der Partnach zeugen von intensiver Sedimentation in der Gegenwart. Die Prozesse, die zum Auf- und Abbau dieser Formen beitragen sind hier offenkundig.

    Damit ist die „Hintere Gumpe“ auch ein Paradebeispiel für den Aktualismus bzw. das Aktualitätsprinzip als wichtigste Grundlage zur Interpretation aller geologischen Geschehnisse in der Geologie. Die Theorie des Aktualismus geht von der stetigen Gültigkeit der physikalischen, chemischen und biologischen Gesetze aus und folgert, daß die geologischen Prozesse der Vergangenheit in vergleichbarer Weise wie heute abgelaufen sind. Als Begründer des Aktualismus gilt Ch. Lyell (1797-1875), der an die wegweisenden Arbeiten von J. Hutton (1788) und C.E.A. von Hoff (1822) anschloß und als erster die Beobachtung der heutigen geologischen Vorgänge als einzige Erfahrungsquelle für die Vergangenheit ansah.

    Die „Hintere Gumpe“ entstand durch den Bergsturz Steingerümpel (Station 5), der das Reintal abdämmte und die Partnach zu einem See aufstaute. Durch die dadurch abnehemende Fließgeschwindigkeit der Partnach wurden im Tal oberhalb des Bergsturzes große Sedimentmengen abgelagert, bis der See im Laufe der Zeit verlandete und eine Schwemmebene (Alluvion) zurückblieb. Die abnehmende Fleießgeschwindigkeit führte zur Ausbildung eines  verzweigten Flusssystems, in dem sich die einzelnen Flussarme in Abhängigkeit der Niederschläge/Wasserführung spontan und schnell verlagern. Im englischen Sprachraum wird ein solches verzweigtes Flusssystem als „braided river“ bezeichnet.

    Die maximale mächtigkeit der fein geschichteten Ablagerungen konnte durch geophysikalische Messungen auf ca. 15 m bis 17 m bestimmt werden. Eine Altersdatierung organischer Bestandteile in Bohrungen lässt auf das sehr junge Alter der „Hinteren Gumpe“ schließen und damit auch des Bergsturzes Steingerümpel (500 Jahre).

    Die „Hintere Gumpe“ umfasst eine ca. 84.000 m² große Fläche. Das Volumen wurde auf ca. 900.000 m³ bestimmt. Aus der Mächtigekit der Ablagerungen (15 m9 lässt sich eine Sedimentationsrate von 1,8 bis 3,4 cm/Jahr ableiten.

    Station 7: Späteiszeitlicher Moränenstand

    Nach dem Abschmelzen der Gletscherströme, die am Höhepunkt der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren (Würm-Eiszeit), vom Inntal kommend, um das Wettersteinmassiv herum bis weit in das Alpenvorland vorgestossen sind, prägten in der Zeit vor 13.000 bis 10.000 Jahren hur noch lokale kleinere Gletscher die Alpentäler. Diese stießen in kälteren Phasen weiter vor und lagerten dabei Geschiebe als Moränenwälle ab. Die Wegstation erläutert den „Reintalanger-Stand“ in der Dryas, vor ca. 11.000 Jahren, einen besonders markanten spätglazialen Gletscherstand im Reintal. Die Bezeichnung „Dryas“ geht auf die „Weiße Silberwurz“ (Dryas octopetala) zurück, die damals in Deutschland und Skandinavien weit verbreitet war.

    Anmerkung: Der Talboden des Reintals besteht zu ca. 1% aus Moränenmaterial, vermutlich aber deutlich mehr, da weite Bereiche von jüngeren Sedimenten überdeckt sind.

     

    Station 8: Am Partnachursprung

    Das Einzugsgebiet des Partnachursprungs, das Zugspitzplatt, ist das höchstgelegene Karstgebiet in Deutschland. Die Entwässerung erfolgt weitgehend unterirdisch. Am Partnachursprung erfolgt durch die wasserstauende Wirkung der unter dem Wettersteinkalk ausgebildeten tonig-mergeligen Partnachschichten, begünstigt durch die Lage am Kreuzungspunkt zweier Störungen, ein Wasseraustritt an der Oberfläche. Durch Markierungsversuche konnte nachgewiesen werden, dass das Zugspitzplatt ein in sich abgeschlossenes Einzugsgebiet  (ca. 8 km²) mit nur diesem einen Quellaustritt bildet. Das System reagiert sehr schnell auf Niederschlag und Schmelzwasserabfluss. Die Quelle wird auch durch die beiden kleinen Gletscher des Nördlichen und Südlichen Schneeferner gespeist.

    Das hufeisenförmig ausgebildete Zugspitzplatt entwässert nach Osten, wo Störungen den Karstkörper begrenzen. Dort wird das Wasser hydraulisch gezwungen aufzusteigen, die Partnachquelle ist der einzige Ausfluss an der Oberfläche.

    Das Abflussverhalten und die Hydrologie des Prtnachursprungs wird seit 1996 von den Universitäten Augsburg und Halle untersucht. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers im Untergrund wurde bei einem einjährigen Markierungsversuch 2005/2006 auf 170 Meter pro Stunde bestimmt, was auf ein gut entwickeltes Kluft- und Höhlensysten rückschließen lässt.

    Station 9: Am Oberen Anger

    Der „Obere Anger“ ist der Talabschluss es Reintals. Hier ist eine Vielzahl geomorphologischer Prozesse und Formen erkennbar. Lawinen, Steinschläge, Felsstürze, Murgänge und fluviatile Prozesse trugen auch in jüngerer Vergangenheit zu einer regelmäßigen Umgestaltung. In direkter Nachbarschaft zu wohl mächtigsten Bergsturzablagerung im Reintal ereignete sich hier am 06. Mai 1920 ein zweiter größerer Bergsturz, der von Kurt Leuchs beobachtet werden konnte.

    Zuerst kam es zu einer Abspaltung großer Teile der Felswand, die dann kollabierten und auf die unteren Hangbereichee stürzten. Zu deisem Zeitpuunkt lag hier Schnee, der zusammen mit dem lockeren Gesteinsmaterial einen Schuttstrom bidete, der sich am Talboden des Oberen Angers ablagerte. Als Auslöser des Bergsturzes wird in Spalten eingedrungenes und später oberflächennah gefrierendes Niederschlagswasser angesehen, das im Felsinnern zu einem überkrischen Anstieg des hydrostatischen Drucks führte, der die Ablösung der Sturzmassen verursachte.

    Station 10: Das Zugspitzplatt - Gletscherstände und Karstphänomene

    An das ehemals komplett vergletscherte Zugspitzplatt erinnern heute nur noch der Nördliche und ein Rest des Südlichen Schneeferners. Das Abschmelzen der Gletscher führte zu einer Vielzahl von Reliefformen (glaziale und postglaziale „Kleinformen“, die der großen „tertiären Altform“ aufsitzen.

    Die Löslichkeit des Wettersteinkalkes bewirkte im Untergrund die Ausbildung eines alpinen Karstsystems, welches das gsamt Zugspitzplatt nach Osten entwässert. Die Karstformen an der Oberfläche sind deutlich jünger als die unterirdischen Formen.

    Das Zugspitzplatt ist eine hochalpine Ebene, die vor ca. 25 Millionen Jahren angelegt wurde, die Taleintiefung entwickelte sich vor ca. 10 Millionen Jahren.

    Station 11: Felspermafrost an der Zugspitze

    Die Zugspitze ist mit 2.962 m nicht nur Deutschlands höchster Gipfel, sie ist auch dessen einziger hochalpiner Gipfel, der technisch erschlossen und intensiv bebaut ist. Dadurch entsteht ein Gefährdungspotential, das eine genauere Betrachtung des Permafrostes erforderlich macht. Gleichzeitig erleichtert die Infrastruktur den Zugang für Forschungsarbeiten. Ein weiterer Vorteil für die Permafrostforschung an der Zugspitze ist die Tatsache, dass der Deutsche Wetterdienst dort bereits seit dem Jahr 1900 Wetterbeobachtungen aufzeichnet. Der Ausbau des Schneefernerhauses zur Umweltforschungsstation (UFS) im Jahr 1999 legte es nahe, die Permafrostuntersuchungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU Bayern) mit der UFS zu verknüpfen.

    Forschungsbohrung

    Das LfU hat im Jahr 2007 mit Mitteln des Bayerischen Umweltministeriums zwei Bohrungen quer durch den Gipfelkamm veranlasst. Eine davon hat den Rücken auf 44,5 m Länge vollständig durchbohrt. Diese Bohrungen dienen zur Beobachtung von Temperaturänderungen im Permafrost und wurden dafür mit Messsonden bestückt. Die bisherigen Messergebnisse zeigen, dass die Temperatur im Berginneren in den letzten zehn Jahren um etwa 0,4 Kelvin angestiegen ist; die Auftauzone liegt derzeit von Süden her bei ca. 16 m, an der Nordwand bei ca. 3 m. Um Aussagen zu langfristigen Tendenzen vornehmen zu können, wurde anhand der im Beobachtungszeitraum gemessenen Daten ein neu entwickeltes Computermodell kalibriert. Mit Hilfe dieses Modells erfolgten eine Berechnung der Entwicklung des Permafrosts in den letzten hundert Jahren sowie eine Projektion der möglichen weiteren Entwicklung bis Ende des Jahrhunderts. Die Messungen sind langfristig angelegt und werden weiter fortgesetzt.

    Beobachtung der Temperaturentwicklung

    Die Temperatursensoren zeigen die jahreszeitlichen Veränderungen gut auf. Das jährliche Temperaturmaximum im Berginneren wird um ca. 6 Monate verzögert erst im Januar beobachtet. Grund hierfür ist die Wärmeleitfähigkeit des Gesteins. Der bisherige Beobachtungszeitraum lässt bereits eine erkennbare Tendenz für eine Zunahme der Gesteinstemperaturen und somit eine Reduzierung des Permafrosts erkennen.

    Das Einsetzen der winterlichen Abkühlung im Berginneren verschiebt sich aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit des Gesteins (Wettersteinkalk) um über ein halbes Jahr. Die Minimaltemperatur von -1,8 bis -2,15°C im Zentrum des Zugspitzgipfels wird erst im Juli erreicht, das Temperaturmaximum von – 1,3 bis -1,6°C wird dagegen im Januar verzeichnet.

    Modellierung und Ergebnisse

    Die Berechnungen legen nahe, dass die Erhöhung der Umgebungstemperatur an der Zugspitze von etwa 1,6 K in hundert Jahren (gleitender zehnjähriger Durchschnitt 1915 bis 2015) bereits eine deutliche Reduzierung des Umfangs des Permafrosts im Zugspitzgipfel bewirkt hat. Demnach ist der Permafrost entlang der Bohrstrecke in hundert Jahren von 34 Meter Gesamtlänge im Jahr 1915 auf 24,5 Meter im Jahr 2015 zurückgegangen. Die bis Ende des Jahrhunderts projizierte weitere Erhöhung der Umgebungstemperaturen lässt bei einer Fortsetzung des derzeitigen Trends ein Verschwinden des Permafrosts an der Zugspitze ab dem Jahr 2040 erwarten.

    Weitere Untersuchungen

    Von 2008 bis 2011 fanden im Rahmen des EU-Projektes PermaNet weitere Untersuchungen zum Permafrost statt. Die Zugspitze wurde dabei als einer der Referenzstandorte gewählt. Im Umfeld des Gipfels fanden ergänzend zu den Bohrungen Messungen der Temperatur im oberflächennahen Fels statt. Auf der Basis der dort gewonnenen Ergebnisse hat die Universität Zürich für die Bayerischen Alpen eine Karte der Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von Permafrost erstellt. Zusätzliche Untersuchungen im Zugspitzgebiet erfolgen weiterhin im sog. Kammstollen durch die TU-München, Lehrstuhl f. Ingenieurgeologie. Dieser Stollen führt von der ehemaligen Tiroler Bergstation zum Schneefernerhaus und verläuft teilweise in Permafrostbereichen.

    Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze

    Keine Infomaterialien vorhanden.

    Textquellen

    Götz, Joachin & Schrott, Lothar: Das Reintal – Geomorphologischer Lehrpfad am Fuße der Zugspitze; Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 2010.

    Gau-Heppenheim: Bohnerzweg

    Bohnerzvorkommen

    Eine Besonderheit der Geologie des Kloppbergs sind die Bohnerzvorkommen.

    Auf der Hochfläche befinden sich Dinotheriensande und Bohnerztone, die auf Kalk aufliegen. In der Zeit von ca. 1820 bis etwa 1870 wurden hier in erheblichem Umfang Eisenerze im Tageabbau abgebaut, in Erzwäschen gewaschen und zur weiteren Verarbeitung in die Hüttenwerke nach Eisenberg, Hochstein und Trippstadt transportiert. Damals wurden in Rheinhessen Bohnerze auch am Wissberg abgebaut.

     

    Bohnerzweg

    Der Bohnerzwanderweg wurde 2016 anlässlich der Feierlichkeiten „100 Jahre Rheinhessen“ eröffnet. Auf ca. 10 km verbindet der Rundweg die Gemeinden Gau-Heppenheim, Dittelsheim-Heßloch, Framersheim, Hochborn und Monzernheim, für die der Abbau von Eisenerz vor 200 Jahren neben der Landwirtschaft ein Haupterwerbszweig war.

    Entlang der Wegstrecke befinden sich verschiedene Informationstafeln, die den Wanderer in diese Zeit zurückversetzten. Die Rekonstruktion der Gau-Heppenheimer Erzwäsche veranschaulicht, wie die Menschen früher das Erz aus dem Gestein gewaschen haben.

     

    Bohnerze in Rheinhessen

    Bohnerze findet man in Rheinhessen auf den Plateaus über Kalksteinen des Mainzer Beckens (Alter: 24 bis 20 Millionen Jahre), oft bedeckt von eiszeitlichem Löss.

    Nach dem Meeresrückzug setzte die Verwitterung und Auflösung der oberflächennahen Kalke durch Niederschläge ein. Übrig blieben Sande sowie eisen- und manganhaltige Tone, die als Residualsedimente in Senken zusammengespült wurden.

    Im Zeitraum von etwa 18 Millionen Jahren bis möglicherweise 5 Millionen Jahre entstanden in den Tonen die Bohnerze als rundliche oder unregelmäßige, im Allgemeinen etwa 0,5 bis 3 cm große Gebilde aus Brauneisen (Limonit, FeOOH).

     

    Abbau der Bohnerze

    Eng verbunden mit der Erzförderung rund um den Kloppberg war die Firma Gienanth, die Hochöfen zur Eisen-und Stahlproduktion in den pfälzischen Orten Hochstein, Eisenberg und Trippstadt unterhielt.

    Mehr erfahren

    Wegstationen
    Station 1: Bohnerz
    Station 2: Plateau
    Station 3: Löss
    Station 4: Erzabbau und Transport
    Station 5: Erzwäsche
    Station 6: Terroir

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Gau-Heppenheim

    Faltblatt „Bohnerzweg“

    agsdi-file-pdf

    Gau-Heppenheim

    Info „Eisenerz aus Rheinhessen“

    Gausbach: Großer Heuhüttenweg

    Gausbach: Großer Heuhüttenweg

    Eine Heuhütte bei Obertsrot im Oktober 2021

    Die Heuhüttentäler

    Nordöstlich von Forbach erstreckt sich der Ortsteil Gausbach mit seinen herrlichen Heuhüttentälern wie z. B. dem Kauersbachtal und dem Grundbachtal.

    Im 17. und 18. Jahrhundert benötigten die Einwohner des Murgtals mehr Raum für ihre Landwirtschaft. Entlang der Bachläufe der Murgseitentäler rodeten sie den Wald und legten Wiesengrundstücke an. Sie trugen die vielen Steine des kargen Waldbodens zusammen zu „Leseriegeln“ oder sie bauten damit terrassenartig angelegte Trockenmauern.

    Das Vieh wurde im Sommer auf die Waldweiden getrieben. Die Wiesen wurden als Heuwiesen genutzt, da sie für die Beweidung zu steil und zu feucht waren. Die Bewässerung erfolgte über ein speziell angelegtes Kanalnetz mit kleinen Bächen und genau aufgeteilten Wasserrechten.

    Einwanderer aus Tirol brachten nach dem Dreißigjährigen Krieg die Bauweise der hölzernen Heuhütten mit. In den Heuhütten wurde das Heu gelagert und im Winter mit Schlitten ins Tal gebracht oder auch auf dem Rücken nach Hause getragen und zur Viehfütterung verwendet. Heute werden die Heuhüttentäler nicht mehr wirtschaftlich genutzt. Viele Täler sind im Laufe der vergangenen 30 Jahre zugewachsen.

    Die noch verbliebenen offenen Täler zählen zu den wertvollsten Kulturlandschaften unserer Region. Sie bestimmen unser angenehmes Klima und sorgen für die Durchlüftung im Ort, da die Fallwinde die kühle Luft aus dem Wald durch die Täler wehen.

    Die Gemeinde Forbach und zahlreiche ehrenamtliche Helfer bemühen sich seit einigen Jahren, in allen Ortsteilen die schönsten Täler offen zu halten.

    Grosser Heuhüttenweg

    Der Weg bietet Einblicke in eine bereits seit Jahrhunderten bestehende Kulturlandschaft, die im außeralpinen Raum nur im Murgtal zwischen Gernsbach und Forbach existiert.

    Besonders schön:

    das Kauersbachtal, Grundbachtal, Eberslohtal und Sasbachtal sowie das Felsmassiv Lachenfelsen und der Eckkopf.

     

    Textquelle: Gemeinde Forbach

    Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

    Infomaterialien

    agsdi-file-pdf

    Tourist-Info Forbach

    Faltblatt „Wanderparadies Gausbach“

    Textquellen

    Faltblatt „Wanderparadies Gausbach“

    Gebenbach: Amberg-Sulzbacher Land, GEO-Radtour 2

    Kaum ein Landstrich vereint mehr geologische Strukturen als das Amberg-Sulzbacher Land. Auf zwei geologischen Radtouren kann man sich auf die Spuren der Erdgeschichte begeben. Entlang der Strecken wurden an den Geotopen informative und großformatige Schautafeln angebracht.

    So erradeln sich die Pedalritter allerhand Wissenswertes über die Region. Zum Beispiel, dass das Hahnbacher Becken eigentlich ein Sattel ist, dass bei Pennading einst eine Wüste war, oder dass sich zur Zeit der Dinosaurier ein fränkisch-oberpfälzischer Mississippi bei Amberg in das Jurameer ergoss.

    Beschreibung

    Im Osten reicht mit dem Naabgebirge ein Teil des kristallinen Grundgebirges hinein. Nach Westen schließt sich das Oberpfälzer Hügelland an. Im Süden und Westen bestimmt die Juralandschaft mit ihren hochaufragenden Riffen und beeindruckenden Felslabyrinthen das Bild. Wegen seiner abwechslungsreichen Landschaftsformationen ist die Gegend ein beliebtes Ziel für erlebnishungrige Radfahrer. Auf zwei geologiche Radtouren kann man sich auf die Spuren der Erdgeschichte begeben.

      Die erste Tour, „Geologische Streifzüge im Bruchschollenland“, behandelt Themen wie den Bleierzbergbau im Raum Freihung, die Vilsquelle oder die farbenprächtigen Sandgruben von Atzmannsricht.

      Die zweite Tour, „Berge und Täler im Laufe der Erdgeschichte“, informiert unter anderem über den Naabgebirgsgranit und die Fensterbachstörung.

      Entlang der Strecken wurden an den Geotopen informative und großformatige Schautafeln angebracht. Sie erläutern und erklären auf leicht verständliche Weise geologische Prozesse. So erradeln sich die Pedalritter allerhand Wissenswertes über die Region. Zum Beispiel, dass das Hahnbacher Becken eigentlich ein Sattel ist, dass bei Pennading einst eine Wüste war, oder dass sich zur Zeit der Dinosaurier ein fränkisch-oberpfälzischer Mississippi bei Amberg in das Jurameer ergoss.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Amberg-Sulzbacher Land: GEO-Radtour 2

      Keine Infomaterialien vorhanden!

      Geislautern: Entdeckertour Geislautern-Velsen-Petite-Rosselle

      Entdeckertouren

      "Auf den Spuren der Berg- und Hüttenleute in der Saarregion"

      Die Entdeckertouren sind Wanderrouten in der Saarregion, die als Tages- oder Halbtagestouren flexibel gestaltet sind. Wegbetreiber ist der Saarländische Museumsverband e.V.

      Mit den „Entdeckertouren“ begibt sich der Wanderer auf Spurensuche und verbindet diese mit Einblicken in die Vielfalt der Landschaft, Sehenswürdigkeiten, Freizeiteinrichtungen und Gastronomie. Damit werden nicht nur Relikte aus der Ära der Berg- und Hüttenleute präsentiert, sondern viele ehemalige Berg- und Hüttenleute kommen auf diesen Touren selbst zu Wort und erzählen die Geschichten und Erlebnisse, die ehemals von Generation zu Generation weiter geben wurden, damit diese nicht in Vergessenheit geraten.

      TIPP:

      Als digitaler Wegbegleiter steht eine App zur Verfügung, die man auf der eigens erstellten Webseite "Entdeckertouren Saarland" herunterladen kann. Der installierte Routenplaner führt den Wanderer GPS-gestützt zu und durch die Touren oder zu einzelnen Punkten der Strecke.

      © Saarländischer Museumsverband e.V.

      Mit freundlicher Genehmigung.

      VIELEN DANK.

      Entdeckertour „Geislautern-Velsen-Petite-Rosselle“

      Auf den Spuren der Hartfüßler

      Mit der Entdeckertour Geislautern-Velsen-Petite-Rosselle begeben wir uns auf Spurensuche nach Relikten aus der Zeit des Bergbaus, der unsere Region bis heute geprägt hat. Diese Tour ist die erste grenzüberschreitende und zweisprachige Tour! Sie verbindet – wie auch die Kohleflöze und der Bergbau selbst – die deutsche und die französische Seite. Die Tour besteht aus einer Schleife, die durch den deutschen Teil Geislautern und Velsen führt, sowie einer zweiten Schleife Richtung Petite-Rosselle. Start und Ziel beider Touren ist Velsen. Hier bietet die letzte noch im Originalzustand betriebene Kaffeeküche des Saarlandes die Möglichkeit, vor oder nach der Tour zu rasten und sich zu stärken.

      Vom Erlebnisbergwerk Velsen geht es los über den Eisvogelpfad und das bergbaubedingte Feuchtbiotop Richtung ehemaliger Hanseana-Brauerei und dem letzten Gebäude des historischen Geislauterner Eisenwerks. Vorbei an den Überresten des „Schlösschens“, in dem einst die erste von Napoleon gegründete Bergingenieurschule des Saarreviers beheimatet war, führt die Tour Richtung ehemaliger Grube Geislautern. Von dort führt sie vorbei am Glas- und Heimatmuseum Ludweiler und einer Bergarbeitersiedlung zum Naturfreundehaus Warndt. Anschließend führt diese Tour vorbei an der Halde Ludweiler nach Velsen.

      Die französische Schleife führt an der Grenze entlang der Rosseltalbahn am Schafbachweiher und dem Naturfreundehaus vorbei zum Museum der Amis du Puits St. Charles. Am Fördermaschinenhaus und dem Schachtgerüst St. Charles I vorbei und dem Monument aux morts führt die Route wieder entlang zahlreicher Spuren der Bergbauära zurück nach Velsen. Dabei hat man von der Halde der Grube Velsen aus eine herrliche Fernsicht.

      Wegstationen
      Station 1: Kaffeekisch

      Die Kaffeekisch Velsen ist die älteste, originale und noch in Betrieb befindliche Kaffeeküche des Saarlandes. Das Torhaus mit Walmdach stammen, ebenso wie die ehemaligen Pferdeställe daneben, aus der preußischen Zeit des saarländischen Bergbaus (1907-1911). Im ehemaligen Torhaus ist seit über 60 Jahren die Kaffeeküche Velsen untergebracht. In der Kaffeekisch konnten die Bergmannsfrauen auch günstige Lebensmittel kaufen. Nach der Schicht war die Kaffeekisch voll mit Bergleuten, die dort noch vor der Abfahrt der Busse ein oder zwei Bier tranken.

      Noch heute bietet sie Wanderern und Museumsbesuchern eine Einkehrmöglichkeit – wochentags zwischen 5:30 Uhr und 17 Uhr.

      Station 2: Schachtgerüst
      Zwischen 1913 und 1917 wurden die Tagesanlagen der Grube Velsen ausgebaut und um den Schacht Gustav II erweitert, der 1915 ein deutsches Strebengerüst erhielt. Das deutsche Strebengerüst ist eine Weiterentwicklung des englischen Bocks. Es hat keine senkrechten Stützen, die Streben werden mittels horizontaler Träger mit dem Führungsgerüst verbunden und bilden den Grundrahmen für die Seilscheibenbühne. Das Gerüst des Gustavschacht 1, ehemals Rosselschacht, wurde bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts abgerissen. Die tiefste Sohle der Grube Velsen lag in einer Tiefe von über 1000 Meter.
      Station 3: Historische Dampfmaschine
      Bei der historischen Dampfmaschine handelt es sich um die älteste Dampffördermaschine des Saarbergbaus von der Firma Dingler aus Zweibrücken, Baujahr 1916. Der Durchmesser der Koepescheibe beträgt 7 Meter bei einer Leistung von 2000 PS, einem Zylinderdurchmesser von 1100 mm und einem Kolbenhub von 1800 mm. Die Schmiede- und Eisenarbeiten für das Fördermaschinengebäude wurden von der Firma B. Seibert aus Saarbrücken gemacht. Im Jahr 2000 wurde die Fördermaschine von Dampf- auf Druckluftbetrieb umgestellt.
      Station 4: Einfahrt
      Die breitere Toreinfahrt wurde im März 1961 erbaut. Ein kleiner Teil des heutigen Erlebnisbergwerks Velsen diente bereits im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzstollen für die Belegschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Stollen erheblich ausgebaut und bis 2011 als Lehrstollen für angehende Bergleute genutzt. Das Erlebnisbergwerk befindet sich unter Tage, ist aber durch einen übertägigen Stollen zu befahren. Das Bergwerk beinhaltet mehr als 700 m Strecke auf drei verschiedenen Sohlen. Alle Maschinen können in Betrieb genommen werden. Das Bergwerk zeigt die Technik des Steinkohlenabbaus der letzten 100 Jahre.
      Station 5: Erlebnisbergwerk Velsen
      1907 wurde die Grube nach dem Oberberghauptmann Gustav von Velsen (1847-1923) benannt und erhielt im selben Jahr Anschluss an die Eisenbahnlinie Fürstenhausen−Großrosseln. Das Erlebnisbergwerk diente, in kleinen Teilen, während dem zweiten Weltkrieg als Luftschutzstollen für die Übertagebelegschaft und von 1946 bis 2011 als Lehr- und Ausbildungsstollen für junge, angehende Bergleute. Zehntausende von jungen Bergleute aus Luisenthal, Ensdorf, Velsen und dem Bergwerk Warndt mussten hier ihre Grundausbildung absolvieren. Ende 2011 wurde die Ausbildung im Lehrstollen Velsen eingestellt. Seit dem 1. April 2012 hat der Verein Erlebnisbergwerk Velsen e.V. den Lehrstollen von der RAG gemietet. Das Erlebnisbergwerk Velsen ist einzigartig in Deutschland und Europa und das letzte Bergwerk aus der Steinkohlenära des Saarlandes.
      Station 6: Eisvogelpfad
      Der Eisvogelpfad in der Rosselaue wurde von Schülerinnen und Schülern des Warndtgymnasiums Geislautern eröffnet. Vorangegangen war der Schülerwettbewerb „Förderturm der Ideen“ der RAG 2016/17. Mit neuen Gestaltungsideen wie Sitzgelegenheiten und Informationstafeln machten sie das renaturierte Landschaftsschutzgebiet der Rosselaue auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Velsen attraktiver für Wanderer.
      Station 7: Feuchtbiotop
      Das Feuchtbiotop ist durch Grubensenkungen entstanden. Über 10 Meter hat sich das Rosseltal durch den Kohleabbau gesenkt. Ein ganzer Straßenzug und die ursprüngliche Brücke mussten abgerissen werden. Heute ist das Gebiet renaturiert und bietet der Flora und Fauna Platz zur Entfaltung.
      Station 8: Ehemalige Schlafhäuser Velsen
      Etwa 300 Meter östlich der Grube Velsen standen zwei große Schlafhäuser. In jedem Haus schliefen die Woche über 120 Bergleute aus dem ganzen Saarland, die sogenannten Hartfüßler. Die Hartfüßler kamen aus Düppenweiler, Oppen, Beckingen und vielen anderen Orten des Saarlandes. Um 22 Uhr war Nachtruhe angesagt. In den Schlafhäusern gab es strenge Regeln.
      Station 9: Hansena Brauerei
      Die Hansena Brauerei wurde 1905 gegründet und hieß später Schloßbrauerei Geislautern (-1951). Bald darauf wurde sie übernommen von der Schloss Brauerei Neunkirchen/Saar und ging auf in der Schloßbrauerei Neunkirchen und Geislautern.
      Station 10: Firststein
      Hier befand sich die alte Hammergrabenbrücke. Der Hammergraben führte das Wasser der Rossel zum Hammerwerk. Der Giebelstein ist der einzige Rest des ehemaligen Direktorengebäudes der Brauerei.
      Station 11: Historische Grubenlok
      Auf dem Spielplatz befindet sich eine historische ehemalige Untertage-Diesel-Grubenlok.
      Station 12: Hammergraben
      Der Hammergraben wurde 1750 erbaut und lieferte die Wasserkraft zum Antrieb der Wasserräder für die Blasebälge des Hochofens und für die Poch- und Hammerwerke des Geislauterner Eisenwerks. Das Wasser wurde aus der Rossel bei Velsen abgezweigt und in den Graben geleitet. Der Graben selbst wurde verfüllt und ist heute völlig unsichtbar.
      Station 13: Ehemaliges Geislauterner Eisenwerk
      Das Gebäude ist das einzig erhaltene historische Gebäude des Geislauterner Eisenwerks. Es ist bekannt durch den Geislauterner Dampfwagen. Die Dampflok wurde 1819 geliefert und sollte Kohlen vom Josefaschacht der Grube Gerhard durch das Frommersbachtal an die Saar ziehen. Leider bekam man die Lok nicht ins Laufen. Das zweite Bild zeigt den Nachbau des Dampfwagens, der heute im Depot des Verkehrsmuseums in Nürnberg zu sehen ist.
      Station 14: Napoleonische Bergschule
      1802 ordnete Napoleon an, hier eine Dependence der Pariser Ecole des Mines (Bergingenieursschule) zu errichten. Die Leitung hatte Jean Baptist Duhamel. Hier entstand 1810 der Duhamel-Atlas durch Louis-Antoine Beaunier und Michel-François Calmelet. Es war der erste Saar-Kohle Atlas und hatte für über 100 Jahre Gültigkeit. Der Nullpunkt des Atlas befindet sich an der Mündung des Schwalbachs in die Saar. Im Atlas wurden 64 Konzessionsfelder vermerkt. Das Original des Duhamel-Atlas wird heute im Nationalarchiv in Paris aufbewahrt. Im Volksmund wurde das Gebäude Schlösschen genannt. Im März 1945 wurde es durch einen Brand zerstört.
      Station 15: Napoleonseiche
      Eine Sage berichtet, dass Napoleon beim Durchreiten Geislauterns, vom Geruch angelockt, Knödel zum Essen bekam. Die „Napoleonsknödel“, die er sich in Geislautern unter der „Knödeleiche“ an der Warndtstraße schmecken ließ, sind bis heute in Geislautern bekannt.
      Station 16: Haus des Obersteiges Venitz
      Dieses Haus gehörte einst dem letzten Leiter der Grube Geislautern, Obersteiger Valentin Venitz. Valentin Venitz war vom einfachen Bergmann zum Obersteiger aufgestiegen und war u.a. in Heinitz und Reden tätig und übernahm 1896 als Obersteiger die Grube Geislautern. 1908 ging er in Rente. Als die Franzosen nach dem 1. Weltkrieg die Grube wieder öffneten, wurde Valentin Venitz als Berater hinzugezogen, da niemand die Grube so gut kannte wie er. Auf dem historischen Foto sieht man ihn im linken Fenster.
      Station 17: Ehemaliger Festplatz im Kloppwald
      Auch Bergfeste wurden hier im Kloppwald gefeiert.
      Station 18: Stollenmundlöcher der alten Grube Geislautern
      Einige Flöze der Grube Geislautern gingen bis an die Tagesoberfläche. Benannt wurden die Flöze auch nach der preußischen Obrigkeit. Flöz Alvensleben, Flöz Bülow und Flöz Schuckmann zeugen davon. Heute ist von den Stollenmundlöchern nichts mehr zu sehen.
      Station 19: Info Grube Geislautern
      Erste Erwähnung fand der Bergbau in Geislautern Anfang des 17. Jahrhunderts. Damit gehört die Grube Geislautern zu den ältesten im Saarrevier. 1751 wurde die Grube Geislautern verstaatlicht. 1833 wurde der erste Schacht abgeteuft. 1840 wurde in Geislautern der erste Kokshochofen im Saarland angeblasen. Bei der Explosion einer untertägigen Dampfmaschine, am 11. April 1864 kamen 6 Bergleute ums Leben darunter zwei Pferdeknechte. Die Stilllegung und Zusammenlegung mit der Tochtergrube Velsen erfolgte im Jahr 1908.
      Station 20: Ratsstube

      Das Bauernhaus wurde um 1790 erbaut und im 19. Jahrhundert zur Gaststätte umgebaut. Erhalten sind in der Gaststube Graffitis von französischen Soldaten aus der Zeit der französischen Einquartierung im Jahr 1793. „Vive le Roy“ und „Vive la Republique“. Das Haus war im 18. Jahrhundert auch eine Pferde – Austauschstation. Auf einer gefundenen Holzplatte ist eine liebevolle Kritzlerei zu lesen:

      „1792 TISER KLEINE PRIFLEIN INN FERN AN MEIN HERTZ UNT LIEPEN TISER PRIEF IST TIR ZUM ANTWORT HINGESRIP MEIN SCHATZ LIEPE MICH AUS LIEPSTER WIE ICH TICH IMMER IMME LIEPEN MEIN HERZT ALLERLIEPSTER.“

      Station 21: Glas- und Heimatmuseum Warndt
      Das Glas- und Heimatmuseum Wandt besteht aus zwei Sammlungsbereichen, der Heimatgeschichte und dem Glasmuseum. Die älteste Glashütte im Saarland stand in Ludweiler! (1616-1647) Im Glasmuseum wird daher die Dauerausstellung gezeigt: „Glas auf den Tisch“ – 13 Tischsituationen aus der Zeit von 1900 bis 1950 mit Gebrauchsglas aus der Zeit im heimatkundlichen Kontext.
      Station 22: Bergarbeitersiedlung

      In den Jahren 1906 und 1907 wurden mit dem Bau der Häuser der alten Kolonie begonnen. 22 Häuser mit 44 Wohnungen wurden in Ludweiler vom Wohnungsbau des preußischen Staates gebaut. (K.H. Ruth-Grube Velsen)

      In der Völklinger Zeitung vom 15. Mai 1907 ist zu lesen: „Es ist anzunehmen, dass die Gesamtbelegschaft die Zahl 500 schon weit überschreitet. Die für die Arbeiter errichtete Badeanstalt musste infolge der zunehmenden Belegschaft schon vergrößert werden. Aus denselben Gründen musste auch ein neuer, größerer Verlesesaal nebst einigen Steigerbüros erbaut werden. Die hier bestehende Arbeiterkolonie erweist sich auch als sehr zweckmäßig. Mit der Entwicklung der uns nahe gelegenen Grube hängt auch das Aufblühen unseres Ortes zusammen. (Ludweiler) … Bei der diesjährigen Bauprämienverlosung fielen wieder 13 auf Ludweiler.“

      Station 23: Standort der alten katholischen Kirche
      Die alte katholische Kirche wurde 1930 eingeweiht und musste 1999 wegen Bergschäden abgerissen werden. Die neue Kirche steht neben dem AWO Zentrum auf der anderen Seite des Lauterbachtals und wurde im Jahr 2000 eingeweiht.
      Station 24: Warndt-Ehrenmal
      Das Warndt-Ehrenmal wurde 1934 als zentrales Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten aus den sieben Warndtgemeinden vom Kyffhäuserbund errichtet. Es wurde von den Nazis für ihre Zwecke missbraucht und 1947 zerstört.
      Station 25: Naturfreundehaus Warndt
      Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit. 32 Übernachtungsbetten stehen zu kleinen Preisen zur Verfügung.
      Station 26: Halde Ludweiler
      Hier fällt der Blick auf die Halde der Grube Warndt, vormals Sandgrube. Der Sand wurde zum Versatz der ausgekohlten Flöze benötigt. Das riesige Loch im Gelände wurde später mit Bergen aus der Kohlenwäsche verfüllt. Die Sanierungs- und Renaturierungsmaßnahmen sind noch nicht abgeschlossen. Hinter der Halde stand der Schacht Ludweiler (Westschacht) des Bergwerks Warndt.
      Station 27: Bahnhof Velsen / Klarenthal

      Der Grubenbahnhof Velsen ging 1907 in Betrieb.

      Es wurden 718965 cbm Erdmassen abgetragen und zur Aufschüttung des Grubenbahnhofs, des Eisenbahndammes nach Großrosseln nebst Ortsbahnhof und der Zufahrtstraße nach der Grubenanlage verwandt. Für die Grube wird unter der Bezeichnung „Bahnhof Velsen“ deren Bezeichnung später in „Station Velsen Grube“ geändert wurde, der Stückgut- und Wagenladungsverkehr im Oktober 1907 eröffnet. (LA BWD Nr.148) Vom ehemaligen Bahnhof ist nur noch das Hauptgleis zu sehen.

      Station 28: Grenze Saarbrücken, Völklingen und Großrosseln
      Hier treffen sich die Gemarkungsgrenzen von Saarbrücken, Völklingen und Großrosseln. Die Anlage Velsen mit der AVA-Velsen liegen auf Saarbrücker Bann. Die Photovoltaikanlage auf Völklinger Bann und das Gelände des alten Schwelwerks auf Großrossler Bann.
      Station 29: Rosseltalbahn
      Die Rosseltalbahn wurde 1907 bis Velsen gebaut und 1962 bis zur Grube Warndt verlängert. Sie diente noch bis 2005 zum Transport der Kohlen von der Grube Warndt. Eine mögliche Reaktivierung für den (seit 1976 eingestellten) Personenverkehr wird derzeit diskutiert. Über das Gleis kann man nach Saarbrücken und auf das Gelände der Völklinger Hütte fahren.
      Station 30: Ehemaliges Schwelwerk
      Das Schwelwerk wurde 1937 in Auftrag gegeben und im Januar 1942 in Betrieb genommen. Im Jahr 1950 wurden weitere vier Ofenblöcke gebaut. Das Schwelwerk diente zur Herstellung von Schwelkoks und Kraftstoffen (Benzin) aus Kohle. Zu sehen ist es auf dem historischen Foto links der Bahn. Der Betrieb des Schwelwerks wurde am 31. März 1965 eingestellt. Kurz danach, am 8. Juni 1965 wurde der letzte Kohlewagen der Grube Velsen gehoben. Danach wurden alle Kohlen der Grube Velsen untertägig zum Bergwerk Warndt befördert, dort gehoben und aufbereitet.
      Station 31: Schafbachweiher
      Die deutsch-französische Grenze geht genau durch die Mitte des Schafbachweihers. Der Angelsportverein, der die Anlage betreut, hat einen französischen und einen deutschen Präsidenten.
      Station 32: Amis de la nature (Naturfreundehaus)
      Das Naturfreundehaus „Le Schafbach“ bietet am Wochenende Einkehrmöglichkeiten für Wanderer.
      Station 33: Friedhof Petite-Rosselle
      Es bietet sich ein Gang über den Friedhof parallel zum eigentlichen Weg an. Auf dem Friedhof befindet sich auch das Denkmal für die beim Grubenunglück am 15. März 1907 verstorbenen Bergleute. Für die Bergleute aus Algerien, die auf den französischen Gruben ums Leben gekommen sind, gibt es eine eigene Ecke im unteren, rechten Bereich des Friedhofs.
      Station 34: Grabstein für die braven Bergleute

      „Den braven Bergleuten die dem Grubenunglück am 15.März 1907 zum Opfer fielen, von dem Hause DE WENDEL gewidmet.“

      Am 15. März 1907 nahmen mehr als 240 Bergleute ihre Arbeit in Petite-Rosselle auf. Um 22:15 Uhr wird eine Explosion ausgelöst. 83 Bergleute kamen dabei ums Leben. Laut einem Bericht der Grubenverwaltung scheint die Entzündung auf eine Lampe und nicht auf eine Sprengung zurückzuführen. Dies war das größte Grubenunglück, den das lothringische Kohlenfeld erlebt hat.

      Station 35: Museum der "Amis du Puits St. Charles"
      Dokumente, Bilder und Exponate der Gruben in Petite-Rosselle können hier besichtigt werden. Museum der „Amis du Puits St. Charles“.
      Station 36: Fördermaschinenhaus
      Das schmucklose quaderförmige Gebäude beherbergte die Fördermaschine des Schachtes St. Charles 1. Man erkennt noch gut die beiden länglichen Öffnungen, durch die die Seile Richtung Seilscheibe auf dem Schachtgerüst führten.
      Station 37: Monument aux morts
      Vor dem Stumpf des einst 48m hohen Kamins des Kesselhauses befindet sich eine Gedenkstätte für die auf den Gruben St. Charles und St. Joseph verunglückten Bergleute.
      Station 38: Ehemalige Pferdeställe
      Die Anciennes Ecuries. „Dit Pferdestall“. Die alten Pferdeställe wurden 1902 gebaut und wurden ab 1945 als Garagen der HBL genutzt. HBL – Houillères (Zechen) du Bassin de Lorraine. Das lothringische Bergbaugebiet befindet sich im Departement Mosel, ist 15 km von Nord nach Süd und 30 km lang, mit dem Hauptsitz von Faulquemont im Westen und dem Hauptsitz von Schöneck im Osten.
      Station 39: Schacht St. Charles 1
      Der Puits St. Charles 1 auch „Unnerschacht“ genannt. Erster produktiver Schacht im Lothringischen Kohlerevier. Die Etagen waren so niedrig, dass die Bergleute während dem Einfahren sitzen mussten. Die Etagen waren nur so hoch, wie es für die Förderwagen notwendig war. Es gab vier Schächte der Anlage St. Charles. St. Charles IV liegt auf deutscher Seite und ist etwa 2,5 Kilometer vom Schacht St.Charles 1 entfernt. Ab dem Jahr 1956 regelte der Saarvertrag zwischen Frankreich und Deutschland den Abbau von Kohle in verschiedenen Pachtfeldern. Frankreich durfte in mehreren Pachtfeldern unter deutschem Gebiet Kohle abbauen.
      Station 40: Etage 26
      Stollen zum Schacht St. Joseph. 26m unter der Erde.
      Station 41: Puits St. Joseph
      Standort der ehemaligen Grube St. Joseph
      Station 42: Absinkweiher
      Ehemaliger Absinkweiher zur Trennung von Kohleschlamm aus der Aufbereitung. Vor nicht allzu langer Zeit wurde geplant, den Kohleschlamm abzubauen und in Kraftwerken zu verwerten. Wegen den komplizierten Abförderungswegen wurde das Vorhaben eingestellt.
      Station 43: Renaturierte Mülldeponie Velsen
      Oberhalb der Bergehalde Velsen befand sich jahrzehntelang eine große Hausmülldeponie, die stillgelegt wurde, als 1997 die Müllverbrennungsanlage AVA Velsen in Betrieb ging. Von 2010 bis 2015 wurde die ehemalige Deponie aufwendig saniert und begrünt.
      Station 44: Berghalde der Grube Velsen
      Direkt neben der renaturierten Mülldeponie befindet sich die Bergehalde der alten Grube Velsen. Hier wurde das taube Gestein abgeladen. Auf die Bergehalde führt ein Wanderweg und auf dem Gipfel befindet sich ein Aussichtspunkt mit schöner Fernsicht.
      Station 45: Sandgrube Velsen

      Schon im Jahr 1934 wurde mit der Einrichtung einer Spülversatzanlage für die Grube Velsen begonnen. An der Rossel wurde eine Pumpenanlage gebaut um die Wasserversorgung der Spülversatzanlage zu sichern. Den Sand für diesen Versatz förderte man aus der nahen Sandgrube. Sand war im Umfeld genügend zu finden, da das eigentliche kohleführende Karbon im Bereich Velsen vom Bundsandstein etwa 100 Meter überdeckt wird.

      Spülversatz: Der Sand wird über Tage mit Wasser gemischt und den zu versetzenden Abbauen über Rohrleitungen zugeführt. Der Versatz dient der Stabilisierung des Hangenden und der Minimierung der Senkungen. Die Senkungen können so bis auf 10 % der Maximalsenkung reduziert werden.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Geislautern

      Entdeckertour – keine Infomaterialien vorhanden!

      Geismar: Geopfad

      Der GeoPfad Geismar ist ein ca. 7 km langer Themenwanderweg, der Geologie und Bergbaugeschichte verbindet. Beginnend am Heimatmuseum in Frankenberg-Geismar führt der Rundweg an acht Stationen zu den Zeugnissen der Bergbaugeschichte und zu Fossilienfundstellen aus der Zeit des 250 Millionen Jahre alten Zechsteinmeeres. Es gibt mehrere Rastplätze mit einer schönen Aussicht sowie gastronomische Angebote in Geismar.

      Der GeoPfad Geismar ist ein Teilabschnitt des geplanten Zechsteinpfads, der den Steinbruch „Hohenäcker“ bei Frankenberg mit der „Korbacher Spalte“ verbinden soll. Die Stationen erschließen u.a. bedeutende geologische Aufschlüsse wie den ehemaligen Sandsteinabbau „Dohlenfelsen“ und die „Weißen Berge“, wo einst das „taube“ Gestein auf einer Halde gelagert wurde.

      Der Weg führt durch eine ehemalige Bergbaulandschaft, wo vom 17. bis zum 19. Jahrhundert Kupfererze abgebaut wurden. Hauptsächlich zu sehen sind noch die alten Erzhalden. Von den ehemals über 100 Schachtanlagen, die im Laufe der rund 200-jährigen Bergbaugeschichte in das anstehende Gestein getrieben wurden, zeugen noch heute rund 45 Halden, die an den Schachteingängen entstanden sind.

      Tipp

      Unbedingt sehenswert ist das kleine Museum in der Ortsmitte von Geismar, wo sich auch die Starttafel des GeoPfads befindet. Im Museum erfährt der Besucher Interessantes über die bewegte Bergbaugeschichte des Dorfes (Öffnungszeiten zu erfragen unter Tel. 06451-3339).

      Von 1590 bis 1818 (mit einer Unterbrechung im 30jährigen Krieg 1618 -1648) wurden im Gebiet um Geismar Kupfer- und silberreiche Erze aus dem „Kupfermergel“ des Unteren Zechsteins („Geismar“-Formation“) abgebaut. In bis zu 70 m tiefen Stollen wurde das erzhaltige Flöz von Hand gehauen und in hölzernen Bergwerkshunden („Rullwahne“) zu den Förderschächten verbracht. Pro Jahr konnten so 16 t Kupfer und 40 kg Silber gewonnen werden.

      Sichtbare Wahrzeichen sind noch heute die etwa 100, noch gut erhaltenen Abbauhalden, die sich als kleine Hügel im Landschaftsbild bemerkbar machen. Eine noch offene Halde findet man im Gernhauser Bachtal am „Weißen Berge“, südlich der Hofanlage „Zechenhaus“. Hier befand sich die bis 1818 betriebene „Krallwäsche“, ein Bauwerk, in dem die Erzbrocken durch Lagern, Waschen (in Bottichen mit drehbaren Eisenzinken, die durch Wasserkraft bewegt wurden) und Auslesen von Hand für die Verhüttung aufbereitet wurden. Nach diesem aufwendigen Aufbereitungsprozess blieben nur noch ca. 5 % vom Ausgangsmaterial als „Wasch-Erz“ übrig. Anschließend wurde das  angereicherte, hochwertige Erz (die „Graupen“)zum Schmelzen abtransportiert. Um 1800 produzierte man rund eine Tonne Rohkupfer pro Monat. Auf der Halde, wo der minderwertige Abraum gelagert wurde, findet man noch sporadisch Erzbrocken mit Kupferlasur, grünem Malachit und fossilenUllmannia-Nadeln („Fliegenfittiche“ genannt). NebenUllmannia bronni(„Frankenberger Kornähre“) sind aus früheren Zeiten auch Funde vonPseudovoltziaundPeltaspermumüberliefert (siehe Steinbruch „Hohenäcker“). In Kalk-Konkretionen sind viele Pflanzenfossilien zum Teil körperlich erhalten.

      Textquelle: Ederbergland Touristik

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Geismar: Geopfad

      Keine Infomaterialien vorhanden.

      Gemünden: Geologischer Lehrpfad

      Der geologische Lehrpfad in Gemünden wurde 1978 eröffnet. Chronologisch am Wegesrand aufgestellte Gesteinsblöcke gewähren einen Einblick in die wechselvolle geologische Entwicklung des Hunsrücks und des südlich angrenzenden Nahe-Berglandes über einen Zeitraum von mehr als 400 Mio. Jahren. Die bis zu 16 Tonnen schweren Gesteinsblöcke stammen aus dem Gebiet zwischen Koblenz – Bingen – Bad Kreuznach – Birkenfeld – Morbach.

      Bei jeder Gesteinsgruppe weist eine Tafel auf den Namen, den Herkunftsort, die Entstehung, die Besonderheit und das Alter des Gesteins hin. Man sieht hier u.a. die Gneise von Wartenstein, die Quarzite von Schöneberg, Schiefer von Bacharach, Bundenbach und Gemünden, die Kalke und Erze von Stromberg, Schwertspat von Baumholder, Diabase aus dem Hahnen- und Kellenbachtal, Porphyre von Bad Münster am Stein, Sandsteine und Konglomerate von Sobernheim und „Strandsande“ mit Austern von Eckelsheim. Zusätzlich wurden einige Steine angeschnitten, so dass der Besucher in den Stein hineinsehen kann. Zeugen des ehemaligen Schieferbergbaus stellen die Stollen am Wege dar.

      Viele Sinne werden auf dem Lehrpfad angesprochen, denn die Gesteine, die den Wegesrand säumen, laden zum Fühlen und Ertasten ein.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Gemünden

      Faltblatt „GeoLehrpfad Gemünden. Steine erzählen Erdgeschichte.“

      Textquellen

      Webseite „Gemeinde Gemünden“

      Enzklösterle: Historische Waldberufe

      Gengenbach: Bergle (Ortenauer Sagenrundwege Nr. 17)

      Einfach sagenhaft

      Die Ortenau verfügt über eine einmalige Vielfalt an Sagen, die einst die Menschen prägten und heute noch bewegen. Gehen Sie den Sagen und Mythen auf den Grund und entdecken Sie die Ortenau von einer ganz neuen Seite!

      Der Ortenaukreis hat auf 400 km Wanderwegen insgesamt 32 Sagenrundwanderwege ausgewiesen. Die Wege führen durch 36 Städte und Gemeinden, wo 125 Sagen und Mythen darauf warten entdeckt und erwandert zu werden. Die geistreich gestalteten Sagentafeln entlang der Strecke garantieren ein abwechslungsreiches Wandervergnügen und sind für Groß und Klein, Jung und Alt gleichermaßen interessant.

      Beschilderung der Sagenrundwege

      • 28 Sagenrundwege sind innerhalb des einheitlichen Wegesystems im Schwarzwald ausgeschildert. An den Kreuzungspunkten stehen Wegweiser. Zusätzlich zu den Basiswegweisern mit Zielen finden sich dort die Routenwegweiser der Sagenrundwege. Zwischen den Wegweiserstandorten werden Sie von farbigen Markierungszeichen (gelbe Raute, blaue Raute, Themenwege etc.) geleitet. Die Markierung kann im Routenverlauf wechseln.
      • Die Sagenrundwege in Meißenheim, Neuried, Rheinau und Schutterwald sind durchgehend mit dem Symbol des SagenGespenstes markiert, da es dort keine einheitlich beschilderten Wanderwege gibt. An den Wegkreuzungen weist ein Richtungspfeil mit dem Sagen-Gespenst den Weg.

      Es wird eine Laufrichtung empfohlen. Die Sagenrundwege sind jedoch in beide Richtungen ausgeschildert!

      Bergle

      Am Mooskopf treibt der „Moospfaff‘ im Gewande eines Franziskanermönchs sein Unwesen. Es soll der ehemalige Abt des Klosters Gengenbach sein. Denn einst waren zwischen den Eigentümern des Mooswaldes, dem Kloster Gengenbach und der Gemeinde Nordrach, Grenzstreitigkeiten ausgebrochen. Vor der Klärung an Ort und Stelle füllte der Abt seine Stiefel mit Erde aus dem Klostergarten. Bei den Verhandlungen über ein strittiges Waldstück schwor der Abt, dass er auf Grund und Boden des Klosters Gengenbach stehe. Dadurch wurden die Nordracher unrechtmäßig um ein Stück Waldgebracht. Wegen dieses Schwures soll der Abt nach seinem Tod dazu verdammt sein, ruhelos auf der Moos umzugehen.

      In den Wäldern rund um Gengenbach sollen sich allerhand dramatische Geschichten abgespielt haben. So findet man überall Spuren vom Teufel. Auch auf der Teufelskanzel ist eine Spur zufinden. Dort soll der Teufel mit seinen Pferdefüßen in die Felsengeschlagen haben. Findest du diese Spuren?

      Entdecke noch weitere Sagen und Mythen entlang der Strecke.

      Textquelle: Ortenau Tourismus

      Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

      Broschüre "Auf Sagenrundwegen die Ortenau erleben"

      Gengenbach: Heiße Steine – kühle Quellen

      Diese GeoTour macht mit ihren vielen Erkundungsaufgaben und Forschungsfragen das Thema „Steine und Geologie“ zum spannenden Outdoor-Erlebnis.

      Hauptthemen

      Versch. wichtige Gesteine in einer einzigen GeoTour, Übergang kristallines Grundgebirge – Buntsandstein, Quellen.

      Weitere Themen

      Historischer Bergbau und Mineralien, Geo-Pflanzen, Geo-Tiere Gesteinsarten: Leptinit-Gneis, Nordrach-Granit, Perm-Vulkanite (Rhyolith), Gangquarze, Badischer Bausandstein

      Es gibt keine Infotafeln im Gelände! Alle Texte und Bilder finden Sie in der Broschüre.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      GeoTour Gengenbach

      Begleitbroschüre „Heiße Steine – kühle Quellen“

      Gerlingen: Geologischer Pfad

      © Verein für Heimatpflege Gerlingen e.V.

      Mit freundlicher Genehmigung.

      Vielen Dank.

      Eine geologische Entdeckungstour durch Gerlingen

      An der Wegstrecke informieren 12 Infotafeln über die abwechslungsreiche Geologie vom Oberen Muschelkalk (Station 1) bis zum Stubensandstein im Mittleren Keuper (Station 7).

      Mehr Informationen bietet die Broschüre „Gerlingen – Gestalt der Landschaft und geologischer Untergrund“, die in der Reihe der Gerlinger Heimatblätter erschienen ist. Die Broschüre ist in der Geschäftsstelle des Vereins für Heimatpflege im Stadtarchiv Gerlingen, Rathausplatz 1, erhältlich.

      Station 1: Glemstal, Tonmühle: Fossile Meeresböden - Die Glems sägte sich in den Muschelkalk

      Schichten erzählen vom Klima

      Bei Hitze und Trockenheit entsteht im Meerwasser bevorzugt Kalk, der sich als Schlamm zu Grunde senkt und dort zu hartem Stein wird. Regnet es viel, bringen Flüsse mehr feine, tonhaltige Erde vom Festland ins Meer. Das Tonmaterial legt sich wie ein Schleier über die Kalkschlämme. Das sind heute die Mergel-Schichtfugen: Da sie schneller verwittern als Kalk oder Dolomit, bilden sie Hohlkehlen. Oft sind die Kalkund Dolomitbänke aus der Keuperzeit nahe der Erdoberfläche in einzelne Brocken aufgelöst. Ursache ist die Verkarstung: Das leicht saure Regenwasser löst den Kalkstein langsam auf. Entlang von Klüften und Schichtfugen dringt es immer tiefer; zurück bleiben Hohlräume.

      Das Germanische Becken

      Vor 250 Mio. Jahren erstreckte sich über ganz Mitteleuropa ein weit gespannter, muldenförmiger Ablagerungsraum, das Germanische Becken. Es war von Bergländern umgeben. Bäche und Flüsse dieser Hochgebiete brachten von dort Sand und Geröll. Später wurden daraus Gesteine, wie zum Beispiel der Buntsandstein und die Keupersandsteine.

      Die Muschelkalkzeit

      Zeitweise stand das Germanische Becken vor etwa 235 Mio. Jahren in Verbindung zum offenen Weltmeer im Süden, der Tethys. Mit dem hereinströmenden Salzwasser gelangten viele Schalentiere in das seichte Randmeer. In großer Zahl findet man deren versteinerte Überreste. Diese Formation wird daher Muschelkalk genannt. Besonders in der mittleren Muschelkalkzeit war das Binnenmeer von der Tethys abgeschlossen. Im trocken-warmen Klima schieden sich dann Kalk- und Dolomitsteine aus, dazu auch Gips und Salz. Wurde das Muschelkalkmeer später wieder vom Weltmeer verdünnt, endete die Sedimentation von Salz und Gips. Die geologische Gliederung in Unteren, Mittleren und Oberen Muschelkalk spiegelt die zeitlichen Abläufe wider.

      Das Glemstal

      Je nach Standort zeigt das Glemstal einen anderen Charakter: Zwischen Glemseck und der Einmündung des Wasserbachs, westlich von Leonberg, breitet sich eine muldenförmige Aue
      aus. Zwischen Leonberg und Ditzingen ist das Tal eng und steilwandig. Warum ändert sich das Tal des Baches? Weil sich der Grund geologisch unterscheidet: Floss die Glems bis zur Wasserbachmündung in den leicht ausräumbaren, tonreichen Gesteinen des Gipskeupers, so finden wir in der engen Talstrecke bis Ditzingen härteren Oberen Muschelkalk. Durch ihn musste sich die Glems regelrecht durchsägen. Die Glems floss hier einst hoch über der heutigen Erdoberfläche durch den Gipskeuper nach Osten. Unter ihr hob sich langsam die Erdkruste und bildete den Schwäbisch-Fränkischen Sattel. Der Gipskeuper wurde nach und nach abgetragen, bis die Glems schließlich den älteren Kalkstein erreichte und ein enges und steilwandiges Tal bilden musste.

      Station 2: Alte Steige I: Gips in Gerlingen - Gipskeuper – ein riesiges Schlammbecken mit Wüstenklima

      Die Keupermergel

      Vor rund 235 Mio. Jahren verlief sich das Muschelkalkmeer, weil sich die Erdkruste hob. Das Germanische Becken war zu einer flachwelligen Landschaft mit einzelnen Seen und Tümpeln geworden. Es herrschte Wüstenklima, und die Verdunstung überwog die Niederschläge. Größere Flüsse gab es daher nicht. Doch zeitweise konnten schwach fließende Bäche feinen Ton anliefern. Auch Staubstürme sorgten für Nachschub an Feinmaterial. Gemeinsam bildeten diese Feinsedimente später die heutigen Keupermergel. Sie sind grün, grau oder auch rot gefärbt.

      Gips: Sediment von Salzseen

      Im trockenen Klima der Gipskeuperzeit verdunstete das Wasser in den Überresten des Muschelkalkmeers. Die Konzentration der gelösten Salze stieg bis zur Übersättigung. So kam es zur Ausfällung von Gips. Einzelne kurzzeitige Meereseinbrüche hinterließen Kalkschlamm, der anschließend Magnesium aus dem Meerwasser aufnahm. Nach dessen Verfestigung entstanden Kalk- bzw. Dolomitbänke. Beispiele sind die Bochinger Bank, die Bleiglanzbank und die Engelhofer Platte. Sie enthalten auch Meeresfossilien.

      Station 3: Alte Steige II: Skandinavischer Sandkuchen - Sand aus dem hohen Norden verbackt zu einer Felsstufe

      Der feinkörnige Schilfsandstein

      Im Wasser enthaltener Kalk, Ton oder Kieselsäure kann Sandkörner miteinander zu Sandsteinen verbacken. Die einzelnen Körner bleiben als kleine Gesteinspartikel mit bloßem Auge erkennbar und bestehen überwiegend aus Quarz. Er ist sehr hart und hält der Verwitterung länger stand als die meisten anderen Mineralien. Der Sand im Gerlinger Raum stammt aus fernen Granit- und Gneisgebirgen. Bäche und Flüsse verfrachteten die Quarzstückchen vor etwa 220 Mio. Jahren talwärts. Je länger ihre Reise ging, desto runder und kleiner wurden die Körner. Besonders fein und fast vollkommen kugelförmig sind sie im Schilfsandstein. Der Grund ist ihre ferne Herkunft aus dem Skandinavischen Raum.

      Schrägschichtungen zeigen die Herkunft des Sandes

      An der geschützten Leeseite von Sandbänken lagern sich Sandkörner und Tonteilchen im Wechsel ab. An der Schrägschichtung lässt sich die Fließrichtung des Wassers ablesen. Auf diese Art fanden Geologen heraus, dass der Gerlinger Schilfsandstein aus dem Baltisch-Skandinavischen Gebirgsland stammt.

      Eine Flusslandschaft im Wandel

      Unsere Landschaft war vor Millionen Jahren ein ausgedehntes Stromdelta. Bei hoher Wasserführung räumten die Flüsse tiefe Rinnen in den obersten Gipskeuperschichten aus. Floss weniger Wasser, füllten sich die Rinnen mit Sand. Kalk und Ton verkitteten die einzelnen Körner später zu mächtigen Strängen aus Sandstein. Sie wurden von Ton überdeckt. Er bildet heute die Bunten Mergel. Als sich die Erdkruste hob, setzten Verwitterung und Erosion ein. Jüngere Schichten wurden wieder abgetragen. Einzelne Höhenzüge konnten sich jedoch unter einem schützenden Dach aus Sandgestein behaupten. Das geschah besonders dann, wenn das Gebiet sich lokal abgesenkt hatte, wie bei den Zeugenbergen Asperg und Stromberg.

      Station 4: Schlossberg: Das fruchtbare Strohgäu - Wertvolles Erbe der Eiszeiten

      Bestes Ackerland

      Auf den abgetragenen Hangfuß des Keuperberglands wurde während der Eiszeiten (bis vor zirka 10.000 Jahren) feinstes, zerriebenes Gesteinsmaterial aufgeweht: der Löss. Er stammt aus den trockenen Schotterebenen im Oberrheintal und blieb im Windschatten des Engelberghöhenzuges in dicken Polstern liegen. Inzwischen verwandelte sich der Löss wie auf der Filderebene durch Kalkauswaschung nach und nach zu fruchtbarem Lösslehm.

      Verkarstung und Erosion

      1. Am Fuß der Keuperberge dringt Regenwasser durch Klüfte bis zu den wasserlöslichen Grundgipsschichten. Hier bilden sich Hohlräume. In den randfernen Teilen des Keuperberglandes schützen wasserundurchlässige Tonsteinschichten den Grundgips vor Niederschlagswasser. Grundgips und Anhydritschichten bleiben erhalten.
      2. Die fortschreitende Auflösung des Gipses vergrößert die Höhlen. Irgendwann stürzen ihre Decken ein. Sind die Höhlen groß genug, setzen sich diese Senkungen bis an die Oberfläche fort: Häuser und Straßen sind dann gefährdet.
      3. Der ausgelaugte Gipshorizont kann den Gesteinsstapel über sich auf Dauer nicht halten: Der Überbau bricht ein. Bäche und Flüsse schwemmen die gelockerten Bruchstücke fort. Infolgedessen entstehen weite Täler. Beispiele dafür sind das Krummbachtal in Höhe des „TC Gerlingen“ oder das Glemstal zwischen „Hotel Glemseck“ und dem Schopflochberg westlich von Leonberg.
      4. Im Norden Gerlingens hat die Erosion den Unteren Keuper und den Oberen Muschelkalk freigelegt. Später dann wird darüber der Löss geweht.
      Station 5: Forchenrain: Ein Berg zürnt - Folge der Eiszeit

      Auf einem Grundstück zerfielen zwei Häuser

      1959 entstand am Forchenrain das Haus mit der Nummer 28. Erste Risse traten schon innerhalb eines Jahres auf. Nach vergeblichen Sanierungsmaßnahmen folgten 1967 der Abriss und ein Neubau. Doch diesem Haus erging es nicht besser: Trotz spezieller Gründungstechnik erlitt es ebenfalls nach kurzer Zeit Schäden. Nicht einmal nachträglich eingezogene neue Bohrpfähle und Seilverankerungen in 13 Meter Tiefe konnten das Haus noch retten. Es brach einfach auseinander. Der neue Eigentümer ließ vom Geologischen Landesamt ein Gutachten erstellen. Seither besteht dort ein Bauverbot. Anders auf dem Nachbargrundstück: Das Haus Nummer 30 rutscht jährlich mitsamt der Scholle um fast drei Zentimeter. Seit 1925 hat es so unbeschadet drei Meter zurückgelegt.

      Tiefenforschung: Schuttablagerung löste das Rutschen aus

      Vor rund hundert Jahren war der Hang hier kurzerhand mit Schutt aus den umliegenden Steinbrüchen aufgefüllt worden. Darum glaubten zunächst alle, der Abraum tauge nicht als Baugrund. Aber die Geologen kamen bald der tieferen Ursache auf die Spur: Eine Gesteinsscholle mit einer Fläche von 50.000 Quadratmetern (fünf Hektar) in bis zu 30 Meter Tiefe geriet ins Rutschen, nachdem der Schutt abgelagert worden war. Die zusätzliche Last belebte einen Prozess wieder, der während der Eiszeiten vor mehr als 10.000 Jahren ausgelöst worden war. Dann war er zum Stillstand gekommen. Doch die Aufschüttung setzte ihn wieder in Gang. Scholle und Schutt bewegen sich zwar nur geringfügig. Aber sie rutschen unterschiedlich schnell: Gründungspfähle und Seilanker verbanden die Schichten, und so zerbrachen die Häuser.

      Tonstein wie Schmierseife

      Im feucht-warmen Klima der Zwischeneiszeiten verwitterten die tonig-schluffigen Keupermergel zu schmierigen, lehmartigen Massen. In den kurzen Sommern der nachfolgenden Kaltzeiten taute es rasch. Bäche rissen den Lehm mühelos weg. Zurück blieben übersteile Hänge. Ähnlich den „Höllenlöchern“ am Albtrauf rissen in den Stubensandsteinklippen Spalten auf und weiteten sich mit der Zeit. Später neigten sich die Randklippen zum Hang und gerieten in Bewegung. Die wassergetränkten Tonsteinschichten darunter wirkten dabei wie Schmierseife. So glitt ein ganzes Stück des Gerlinger Nordhanges ab. Der ursprüngliche Schichtaufbau blieb dabei sogar erhalten. Irgendwann fand die Scholle ins Gleichgewicht und ruhte, bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts Steinbruchabraum darauf abgelagert wurde. Die Rutschung begann erneut und hält bis heute an.

      Station 6: Im Heidewinkel: Von Gerlingen ins Schwarze Meer - Bäche und Flüsse schlagen seltsame Haken

      Hiesige Ur-Flüsse speisten die Donau

      Vor etwa zwei Mio. Jahren entwässerten nahezu alle Flüsse Südwestdeutschlands zur Donau. So auch in unserer Region die Glems und der Aischbach mit ihren Seitenbächen. Dabei flossen sie weit über dem heutigen Niveau auf inzwischen abgetragenen Gesteinsschichten nach Osten und Südosten. Demnach folgte die Ur-Glems ihrem heutigen Tal bis Ditzingen und bahnte sich von dort weiter ihren Weg zwischen „Korntaler Seewald“ und „Greutteranhöhe“ hindurch in Richtung Zuffenhausen. Bei Mühlhausen erreichte sie ihren Mündungsfluss, die Ur-Lone. Das breite Tal zwischen Ditzingen und Zuffenhausen ist also der Ur-Glems zu verdanken. Ähnlich der Ur-Aischbach mit seinen Zubringern Rappbach, Lindenbach und Feuerbach: Er strömte weiter südlich, am Südabhang des Feuerbacher Lembergs vorbei und über den heutigen Pragsattel ebenfalls ins Tal der Ur-Lone und von dort weiter zur Donau. Die Bäche haben dabei ein Hochplateau in einzelne Bergrücken zerteilt: den Feuerbacher Lemberg (Horn), den Burgholzhof, den Killesberg und den Kräherwald.

      Räuberischer Rhein

      Durch die Einsenkung des Oberrheingrabens wuchs langsam, aber stetig eine Konkurrenz zur Donau: Zahlreiche junge Rheinzuflüsse schnitten sich dank des starken Gefälles immer tiefer ins Land und verlagerten durch rückschreitende Erosion ihre Quellen millimeterweise immer weiter flussaufwärts. Oft erreichten solche Rheinzuflüsse den Ober- oder Mittellauf eines Donauzuflusses und zapften ihn an. Durch das neue, stärkere Gefälle floss sein Wasser nun zum Rhein.

      Richtungswechsel der Glems

      So wurde auch die Ur-Glems bei Ditzingen angezapft und nach Norden umgelenkt. Das grub ihrem bisherigen Unterlauf zwischen Ditzingen und Zuffenhausen das Wasser buchstäblich ab: er versumpfte. Die „neue“ Glems zog durch ihr größeres Gefälle andere Seitenbäche an. Sie schnitt kräftig ein und erreichte zunächst die linksseitigen Seitenarme des Ur-Aischbachs, später auch den Rappbach und den Lindenbach. Seither strömt das Wasser aus den Gerlinger Quellen nicht mehr über die Donau ins Schwarze Meer, sondern mit dem Rhein in die Nordsee.

      Station 7: Gerlinger Heide: Überflutungen bringen Sand und Kies - Wechsellagerung im Wüstenklima

      Heißer Wüstengürtel

      Vor ungefähr 200 Mio. Jahren war das gesamte Festland der Erde in einer einzigen, zusammenhängenden Landmasse vereinigt: Im Riesenkontinent Pangäa. Dieses Gebiet hier gehörte damals zum Germanischen Becken, einer immer wieder von Meerwasser überfluteten flachen Senke. Sie lag etwa auf 25° nördlicher Breite in einem niederschlagsarmen heißen Wüstengürtel. Heute befinden sich dort ungefähr die Sahara sowie die Arabische und die Persische Wüste. Europa ist inzwischen im Zuge der Kontinentaldrift nach Norden gewandert.

      Trockenheit und Überflutung

      Die Erdaufschlüsse in der Gerlinger Heide zeigen, dass hier abwechselnd Sand- und rote weiche Tonsteine abgelagert wurden. Die spärlich fließenden Bäche konnten nur äußerst feine Tonteilchen transportieren. Das Rot der Tonsteine und das Vorkommen unzersetzter Feldspatkörner in den Sandsteinen weisen auf ein trocken-heißes Klima zur Ablagerungszeit hin. Die großen, schweren und kantigen Sandkörner jedoch verlangten viel Wasser und starke Strömung für ihren Transport. Reißende Flüsse in der Wüste – ein Widerspruch? Die ausgedehnte Landmasse Pangäas löste hin und wieder monsunartige Starkregen aus. Sie schwemmten Gesteinsbruchstücke, Sand und Tonstaub von den Bergländern herein.

      Ein sandiges Flussdelta

      Hauptlieferanten der Sande waren zwei aus Granit und Gneis aufgebaute, schwarzwaldähnliche Mittelgebirge: im Südosten die Vindelizische Schwelle und im Osten das Böhmische Massiv. Während Teile dieses Grundgebirges noch erhalten sind (Böhmerwald und Bayerischer Wald), existiert die Vindelizische Schwelle heute nicht mehr. Schon in der Jurazeit vor 160 Mio. Jahren war sie so stark abgetragen, dass sie vom Meer überspült wurde. Starkregen ließen in diesen Gebirgen rasch reißende Flüsse entstehen, die über die Ufer traten. Schwallartig ergossen sich gewaltige Fluten über das ganze Land und verbreiteten den Sand über weite Flächen: Ein riesiger Schwemmfächer mit deltaförmigen Flussarmen entstand. Beim Nachlassen der Strömung stetzen sich zuerst Grobsande, später feine Tonteilchen ab. Dadurch entstanden die sich abwechselnden Schichten von groben Sandsteinen und feineren Tonsteinen (Mergel).

      Station 8: Krummbachtal I: Gebirgsbildung im Kleinformat - Ein Zeitzeuge der Alpenfaltung

      In der Steinbruchwand

      Im Wechsel der Ton- und Sandsteinschichten spiegeln sich die Ablagerungsbedingungen wider. In niederschlagsreichen Zeiten brachten Flüsse Grobsand in das Germanische Becken, bei Trockenheit nur noch feinste Tonteilchen, die bei still stehendem Wasser als Tontrübe absanken.

      Vor rund 200 Mio. Jahren bricht langsam die Erdkruste

      Die auffällige Horstbildung an der Steinbruchwand entstand durch die gleichen geologischen Prozesse, die auch die Auffaltung der Alpen bewirkten. Bis vor 100 Mio. Jahren, in der Kreidezeit, unterlag Mitteleuropa umfassenden Dehnungsvorgängen in der Erdkruste. Dabei brachen Teile der Oberfläche ein und sanken ab. Der Nordatlantik öffnete sich. Daneben entstand im heutigen Alpenraum der kleinere Penninische Ozean. Auch im Krummbachtal kam es zu Absenkungen. Später kehrte sich die Plattenbewegung um: Ehemalige Dehnungsgebiete wurden zusammengepresst, und es kam zu Hebungen.

      Kräftemessen der Kontinente

      Was im Krummbachtal auf kleinstem Raum geschah, spielte sich auch im Großen ab: Die Afrikanische und Europäische Kontinentalplatte kollidierten. Ungeheure tektonische Kräfte schoben den Penninischen Ozean von Süden nach Norden zu. Der Meeresboden wurde gefaltet und türmte sich infolge einer späteren Hebung zum Hochgebirge der Alpen auf. Dieser Prozess schreitet noch heute voran. Nördlich des Auffaltungsgebiets geschah etwas anderes: Beim Zusammenstoß des Afrikanischen Kontinents mit dem Festland Alteuropas zerbrach die harte Erdkruste. Deshalb ist ganz Mitteleuropa von Brüchen, Verwerfungen und geologischen Störungen durchzogen. Der Fildergraben beispielsweise ist nur wenige Kilometer entfernt.

      Station 9: Krummbachtal II: Immer in Bewegung – die Erdkruste: Wie sicher ist der Boden unter unseren Füßen?

      Brüche im Schichtaufbau

      Stubensandstein und Gipskeuper sind verschieden alt. Wie gelangten die Sedimente dennoch auf gleiche Höhe? Die gesamte nördliche Scholle des Gerlinger Glemswalduntergrundes sank nach und nach rund 100 Meter in die Tiefe. Dieser linienförmige Höhenversatz gehört zu den Ausläufern eines östlich gelegenen Bruchsystems. Entlang dieser Brüche brach auch der Graben ein, der heute die Filderebene bildet. Bewegungen in der tieferen Erdkruste können auch heute noch in Gerlingen leichte Erdbeben verursachen: Unser Gebiet liegt in der Erdbebenzone 1, was bei Bauvorhaben berücksichtigt wird. Um diese Brüche zu verstehen, sollten wir uns die Entstehung der Alpen verdeutlichen:

      Entstehung der Alpen

      Steigt zähflüssiges Magma aus dem Erdmantel nach oben, wird es an der kalten, starren Erdkruste seitlich abgelenkt. Durch Reibung wird die Kruste auseinandergezogen. Es kommt zu Einsenkungen und Brüchen. Auf diese Weise begann vor gut 235 Mio. Jahren der Riesenkontinent Pangäa zu zerbrechen. Einzelne dahintreibende Bruchstücke stießen von Zeit zu Zeit zusammen. Die dazwischen liegenden Meeresböden versanken und die aufeinanderstoßenden Erdteile verbanden sich. Zunächst wird die schwerere Ozeanische Kruste unter den gerammten Erdteil geschoben, wo sie nach und nach im heißen Erdmantel versinkt und aufgeschmolzen wird. Dabei hobelt die Unterkante des unterfahrenen Kontinents Teile aus der absinkenden Ozeanischen Kruste. Auch Tiefseesedimente wie Kalk-Schlämme und Sand- bzw. Tonsteine aus dem küstennahen Schelfmeer werden abgeschält und angehäuft. Diese Gesteinsmischung wird durch die enormen Schubkräfte gefaltet, in die Tiefe gedrückt, erhitzt, geknetet und wieder gehoben. Selbst der auflaufende Kontinent wird angegriffen und oft in zahlreiche Decken zerlegt. Da die stark verdickte Erdkruste an der Knautschzone anfangs in den schweren Erdmantel drückt, steigen die jungen Faltengebirge infolge Ausgleichsbewegungen allmählich nach oben und werden zu Hochgebirgen. Die Alpen und der Himalaya entstanden so. Bei der Alpenbildung stieß ein abgetrenntes Stück Afrika von Süden auf Alteuropa und ließ das Tethys-Randmeer, den Penninischen Ozean, verschwinden. In der starren Kruste Alteuropas wirkte sich die Kollision in Brüchen, Verwerfungen, Graben- und Horstbildungen, Aufund Abschiebungen aus. Wir können sie im Krummbachtal mehrfach beobachten. Diese Bruchschollenbildung ist typisch für die Landschaften Mitteleuropas. In etwa 50 Mio. Jahren wird der Afrikanische Kontinent das Mittelmeer, das Rote Meer und den Persischen Golf zusammenschieben; es werden sich dort neue Gebirgszüge gebildet haben.

      Station 10: Krummbachtal III: Sandstein als Standortfaktor - Gerlingens Verkaufsschlager

      Aufgelassene Steinbrüche

      Zu beiden Seiten der unteren Krummbachtalstraße liegen aufgelassene Schilfsandsteinbrüche. Die Schichten sind um 4° nach Südosten geneigt. Die Gerlinger Steinbrecher des 19. Jahrhunderts mussten sich den begehrten Baustoff im Krummbachtal hart erarbeiten: Zunächst stand das Abräumen einer etwa 20 Meter starken, speckigen Tonschicht („Rote Wand“) und etlicher Meter tonreicher, nur in dünnen Schichten gelagerter Sandsteine an. Das Rot der tonigen Formation der Bunten Mergel weist auf ein trocken-heißes Wüstenklima hin. Auch gibt es kaum Spuren von Leben, dafür kleinere Gipsvorkommen. Man kann sich die Landschaft deshalb als sanftwellige Wüstengegend mit einzelnen Salztümpeln vorstellen. Herangewehter Staub ließ die kleinen Gewässer nach und nach verlanden. Schrägschichtungen und Strömungsrippel zeigen, dass der feine Ton teilweise auch von flachen, seichten Fließgewässern abgelagert wurde.

      Tunnel, Brücken und Fassaden

      Zunächst wurden im Gerlinger Wald und auf der Heide nur Steine für den Eigenbedarf sowie für Haus- und Straßenbau gebrochen.

      Sandstein war ein beliebtes Material für Futterund Brunnentröge, Mühlsteine und Straßenbegrenzungen. Im unteren Krummbachtal, im Forchenrain und im Füller grub man nach den feinkörnigen Schilfsandsteinen. Bereits im 18. Jahrhundert wurden Gerlinger Steine für die Ludwigsburger Stadtmauer verwendet. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Stuttgart nach Heilbronn in den Jahren 1844 bis 48 vervielfachte sich die Nachfrage schlagartig: Gerlingen lieferte Sandsteine zum Beispiel für den Feuerbacher Tunnel und das Bietigheimer Enztal-Viadukt. Nach den Eisenbahnbauten erlebte Stuttgart einen Bauboom: Gerlinger Sandstein schmückt noch heute repräsentative Fassaden, wie zum Beispiel die des Marienhospitals und vieler Häuser im Stuttgarter Westen.

      Für die gute Stube

      Auch nach lockerem Sand wurde überall im Wald und auf der Gerlinger Heide von jedermann geschürft. Er entstand durch die oberflächliche Verwitterung der anstehenden Stubensandsteine. Dieser Sand eignete sich für Mörtel und vor allem – daher auch der Name Stubensand – ausgezeichnet als Fegsand für Holzfußböden. Gerlinger Sandhändler waren deshalb auch bei der Stuttgarter Bürgerschaft geschätzt.

      Tagelöhner im Streit

      Steinbrecher und Steinhauer arbeiteten überwiegend im Taglohn. Für die Kleinbauern Gerlingens war dies eine zusätzliche Erwerbsquelle. Vor allem zu Beginn des Steinabbaus gab es viel Streit: Häufig wurde im „Claim“ des Nachbarn gewildert oder dort der eigene Abraum entsorgt. Auch die Instandhaltung der Wege war ein Problem: Die schweren Steinfuhren machten sie für die folgenden Gespanne oft unpassierbar.

      Station 11: Stadtzentrum I: Im Windschatten von Glemswald und Engelberg - Gerlingen am Fuße der Keuper-Schichtstufe

      Die Keuperberge und das Strohgäu

      Die Stadt Gerlingen liegt am Fuße des Glemswalds und des Engelbergs. Dieser Höhenzug ist eine Geländestufe des württembergischen Keuperberglands und gehört zum Südwestdeutschen Schichtstufenland. Nördlich der Stadt erstreckt sich die flachwellige Strohgäuebene. Dort ragen der Asperg und das Weinanbaugebiet um den Stromberg aus der sanft welligen Landschaft. Sie sind Zeugenberge und zeigen, wie weit das Keuperbergland in früheren Zeiten reichte. Weitere markante Formationen des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes sind im Osten der Albtrauf, eine Weißjurastufe der Schwäbischen Alb (blau), in westlicher Richtung die Muschelkalkstufe (lila), und noch weiter westlich im Nordschwarzwald die Buntsandsteinstufe (braun).

      Die Schichtstufen erwuchsen aus der Schräglage

      Das typische Landschaftsbild Baden-Württembergs konnte nur entstehen, weil die ehemals horizontal abgelagerten Sedimentschichten aus ihrer ursprünglichen Lage heraus schräg an die Oberfläche drangen und dort unterschiedlich schnell verwitterten: Harte Kalk- und Sandsteinbänke der Trias- und Jurazeit hielten länger stand als weiche dazwischen liegende Mergelschichten, die Hänge bilden.

      So entstand das charakteristische Relief

      1. Vor mehr als 250 Mio. Jahren ebneten Wind und Wetter die hohen Gebirgsketten ein, die zuvor als Varistisches Gebirge das heutige Mitteleuropa durchzogen hatten.
      2. Nun war Europa eine flache, abflusslose Mulde: das Germanische Becken. Hineinströmende Flüsse brachten Sand und Kies, Winde bliesen Feinstaub herbei, und zeitweise ließen Meeresüberflutungen Kalk-, Dolomit- und Gipsbänke zurück. So füllte sich das Becken mit Sedimenten. Sie erhärteten zu Schichtgestein.
      3. Tektonische Kräfte aus dem Erdmantel beulten das Gebiet des heutigen Oberrheintals kuppelartig aus: Die einst horizontal abgelagerten Schichten gerieten in Schräglage.
      4. Seitliche Dehnungsbewegungen in der Erdkruste ließen vor etwa 40 Mio. Jahren die Kuppel zum heutigen Oberrheingraben einsinken.
      5. Seither präparieren Verwitterung und Abtragung die charakteristischen Stufen der Schichtstufenlandschaft heraus.
      Station 12: Stadtzentrum II: Das geologische Fundament von Gerlingen - Die Schichtlagen der Keuperzeit

      Spaziergang durch die Erdgeschichte

      Gerlingens geologischer Untergrund stammt aus der Zeit der Oberen Trias, der Keuperzeit. Sie begann vor etwa 232 Mio. Jahren und dauerte bis vor ca. 205 Mio. Jahren. Das älteste Gestein hier ist Oberer Muschelkalk im Glemstal. Steigt man vom Glemstal im Süden auf, überschreitet man Reste des Lettenkeupers, dann die darüber liegenden Gipskeuperschichten sowie den Schilfsandstein, später die Unteren und Oberen Bunten Mergel mit schwach ausgebildetem Kieselsandstein, bis man schließlich auf Gerlingens Höhe den Stubensandstein erreicht. Am Hangfuß breitet sich nach Norden die fruchtbare Strohgäulandschaft aus.

      Das Strohgäu

      Seine hervorragenden Eigenschaften zum Ackerbau verdankt das Gebiet dem Löss: Ein eiszeitliches, staubförmiges Sediment, das der Wind aus dem Oberrheintal heranwehte. Regen und Schneewasser lösten Kalk aus dem Löss heraus. So entstand der Lösslehm: ein ausgezeichneter Ackerboden. Denn wer durchs Strohgäu spaziert, sieht anspruchsvolle Kulturen wie Weizen, Gemüse und Zuckerrüben. Unter dem Lösslehm stehen wieder Lettenkeuper und Muschelkalk an wie im Glemstal südlich von Gerlingen.

      Entstehung der Gesteine

      Die Ablagerungen der Keuperzeit bestehen aus Bunten Tonsteinen (Mergel), die leicht zu Scherben und Splittern zerfallen, fein- oder grobkörnigen Sandsteinen und gelegentlichen Kalk- und Dolomitsteinbänkchen. Der Sand, aus dem die Sandsteine im Gerlinger Raum bestehen, hat vielerlei Herkunft: Flüsse transportierten ihn teilweise vom Skandinavisch-Baltischen Raum, teilweise vom Böhmischen Massiv sowie von einem längst abgetragenen, hiesigen Bergland, dem Vindelizischen Land im heutigen bayerisch-österreichischen Raum, bis hierher. Während der Ablagerungszeit herrschte subtropisches Wüstenklima: Extrem lange Trockenperioden wechselten mit unregelmäßig wiederkehrenden, heftigen Wolkenbrüchen. Die großen Wassermassen schafften den Sand hierher. Beruhigte sich das Wasser, konnten sich auch feine Tonteilchen absetzen. In den Trockenzeiten schieden sich in den zahlreichen Binnenseen Gips, Kalk- und Dolomitsteinbänke aus. Denn die Salzkonzentration des Wassers nahm infolge hoher Verdunstung zu. Gelegentliche Meereseinbrüche sorgten für Nachschub von Mineralien.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Gerlingen

      Faltblatt „Geologische Besonderheiten in Gerlingen“

      agsdi-file-pdf

      Gerlingen

      Infotafeln „Geologische Besonderheiten in Gerlingen“

      Gernsbach: Kunstweg am Reichenbach

      Gernsbach: Kunstweg am Reichenbach

      Dieser leicht ansteigende Wanderweg ist 3,2 km lang und führt vom Gernsbacher Teilort Obertsrot – Hilpertsau nach Reichental. Der Kunstweg mit seinen typischen Heuhütten und verborgenen Wasserkanälen verläuft entlang des Reichenbachs parallel zur Straßenverbindung Gernsbach – Kaltenbronn.

      Gesäumt ist der Weg von Werken bekannter Künstler aus Baden–Württemberg und dem europäischen Ausland. Die Kunstobjekte bestehen aus den Materialien Holz, Stein, Papier, Metall, Beton, Kunststoff und Wasser. Sie zeigen das aktuelle künstlerische Schaffen in seiner Vielfältigkeit und stehen, hängen und liegen gut sichtbar entlang des Weges, wenige auch versteckt im Wasser und in einigen Heuhütten.

      Jedes Jahr wird der Kunstweg durch neue Arbeiten ergänzt, die sich harmonisch oder kontrastierend in die Kulturlandschaft einfügen.

      Alle Kunstwerke sind Leihgaben der Künstler und verbleiben daher mit unterschiedlicher Verweildauer am Weg.

      Der Kunstweg am Reichenbach im Oktober 2022.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Kunstweg am Reichenbach

      Keine Infomaterialien vorhanden.

      Gernsbach: Natur und Geschichte pur in Reichental

      Der Weg „Natur und Geschichte pur“ informiert über das Leben im und mit dem Wald. Den Ort umschließen sieben Täler und damit ist Reichental fast vollständig von Wald umgeben. Kein Wunder, dass 1990 in der alten Sägemühle von einer Privatinitiative das Waldmuseum eingerichtet wurde, das nicht nur für Schulklassen und Gruppen interessant ist.

      Der Wald war früher ein Mischwald aus Tannen, Buchen und Eichen. Die mächtigen Tannen wurden sogar nach Holland geflößt. Eichenstämme aus dem Murgtal wurden zu Gründungspfählen in Rotterdam. Sehr licht war der Wald damals und ermöglichte den Hirten des Dorfes, Kühe und Schweine auf die Waldweide zu führen, wo die Tiere die begehrten Eicheln finden konnten. „Auf den Eichen wachsen die besten Schinken“, so die alte Volksweisheit.

      Große Anstrengungen erforderte es, dem Wald die steilen Täler abzuringen, um Getreide, Raps und andere Feldfrüchte anzubauen. In den zahlreichen, nur im Murgtal aufzufindenden Heuhütten, die Tiroler Einwanderer mit hierher gebracht haben, lagerte man das Futter für die Tiere und holte es im Winter mit dem Schlitten ins Dorf.

      In Kohlenmeilern auf den „Kohlplatten“ direkt im Wald wurde die begehrte Holzkohle produziert. Das Köhlern selbst war eine raue Arbeit, die auch sehr große Erfahrung erforderte. Das Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff mit dem armen Kohlenmunk Peter, dem Holländer Michel und dem Glasmännlein stammt nachweislich aus dem Murgtal.

      Zahlreiche Mühlen, vom lebenswichtigen Wasser der Bäche angetrieben, versahen ihren Dienst. Mit Wasserkraft wurde gesägt, gemahlen und gestampft. Zur Jahrhundertwende leistete sich die Gemeinde den Luxus der ersten Wasserversorgung mit Quellwasser.

      Besonders auffällig auf den Reichentaler Waldwegen sind die enormen Vorräte an Brennholz, die die Waldwege säumen. Die anderen Hinweise auf frühere Zeiten sind eher versteckt: An 13 verschiedenen Stationen wurden diese zugänglich gemacht und mit Info-Tafeln beschrieben.

      Der ganze Rundgang ist knapp 11 Kilometer lang und kann auch jederzeit abgekürzt werden. Wo immer ein Weg nach unten führt, erreicht man schon bald wieder den Ort Reichental.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Gernsbach

      Faltblatt „Natur und Geschichte pur in Reichental“

      Gernsbach: Naturerlebnistour Kaltenbronn

      Der Start der Tour befindet sich am Wanderparkplatz „F“ am Kaltenbronn.

      Ein Highlight der Rundtour ist gleich zu Beginn der Rundumblick vom Hohlohturm in das Murgtal und das Rheintal. Bei klarer Sicht reicht der Blick hier sogar bis in die Vogesen und die Alpen.

      Weiter dem Weg folgend hält der dortige Bannwald besondere Naturerlebnisse bereit. Ohne menschliches Zutun hat der Wald die Möglichkeiten, sich zum „Urwald von Morgen“ zu entwickeln. Ein anderer Abstecher, der sich lohnt, ist die „Jägerschaukel“, die dazu einlädt, den Blick über Bad Wildbad und Dobel schweifen zu lassen. 

      Anschließend wartet ein wundervoller Weg auf Holzbohlen durch das Herzstück der Tour, das Wildseemoor. Hier erwartet den Wanderer ein Naturerlebnis, das er so schnell nicht vergisst. Birken, Moose und das mystische Moor.

      Wildseemoor

      Der Wildsee befindet sich in einer Höhenlage von 909 m ü. NN auf einer Hochebene zwischen Bad Wildbad, Gernsbach und Forbach. Die Fläche des Sees beträgt ca. 1,2 ha.

      Wegführung

      Die Moorlandschaft wird von einem durch den Schwarzwaldverein angelegten Bohlenweg durchzogen, der den See direkt passiert. Der Bohlenweg darf aufgrund der besonderen Empfindlichkeit dieser Landschaft auf keinen Fall verlassen werden. Die Beschilderung des Wanderwegs (Mittelweg Pforzheim–Waldshut) führt heute um das Naturschutzgebiet herum.

      Entstehung

      Auf den Buntsandsteinhochflächen des Nordschwarzwalds entwickelten sich seit dem Ende der letzten Eiszeit mehrere Plateaumoore.

      Das Wildseemoor zwischen Enz- und Murgtal in 908 m NN ist von diesen das schönste und gleichzeitig größte. Der badische Teil wurde bereits 1914 unter Naturschutz gestellt, im Jahre 1928 folgte der württembergische Teil. Im Zentrum liegt ein ausgeprägtes Hochmoor mit Torfmächtigkeiten bis zu 7,9 m, das hier aufgrund der kühlen Temperaturen und der hohen Niederschläge (bis zu 1800 mm pro Jahr) entstehen konnte. Die Randbereiche sind als Niedermoor entwickelt.

      Das Wildseemoor weist auf einer Fläche von rund 2 km² mehrere kleinere Kolke auf, dazu zwei größere offene Wasserflächen, den Wildsee und den etwas kleineren Hornsee.

      Quelle: LGRBwissen

      Naturschutzgebiet

      Die urwüchsige Moorlandschaft rund um den Wildsee gilt als größtes naturbelassenes Hochmoorgebiet Deutschlands. Die Hochflächen zwischen dem Sommerberg und Kaltenbronn wurden als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

      Inmitten eines riesigen Waldgebietes liegt eine urwüchsige Landschaft mit Hoch- und Waldmooren, Karen und Blockhalden.

      1928 wurde das Wildseemoor zum „Bannwald“ erklärt. In den Jahren 1939 und 1940 wurden die Naturschutzgebiete Wildseemoor und Hohlohsee ausgewiesen.

      Im Jahr 2000 wurde ein großer Teil des Gebietes am Kaltenbronn zum Natur- und Waldschutzgebiet „Kaltenbronn“ erklärt. Das Gebiet ist auch Teil des europäischen Schutzgebietssystem „Natura 2000“. Naturschutz- und Forstverwaltung verfolgen gemeinsam das Ziel, diese einzigartige Moor- und Waldlandschaft des Kaltenbronn mit seinen Pflanzen und Tieren zu erhalten und zu schützen.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Gernsbach

      Faltblatt „Hohlohsee und Wildsee: Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn“

      Enzklösterle: Historische Waldberufe

      Gernsbach: Sagenweg

      Rund um Gernsbach sowie und im gesamten Murgtal findet sich ein reicher Schatz an Sagen und Geschichten, die sich mit der Herkunft der Flur- und Ortsnamen beschäftigen. Sie geben aber auch einen Hinweis darauf, wie sich die Menschen in früherer Zeit Natur- und Himmelserscheinungen erklärten.

      Der Sagenweg führt in den steilen Hängen des Murgtales über verschiedene Stationen, an denen Sagen und Geschichten aus der Region vermittelt werden. Da sind

      • der Grafensprung mit Blick auf die Murg
      • das Schloss Eberstein
      • eine Erzgrube

      und einiges mehr.

      Markiert mit dem Symbol eines Teufelchens ist dieser Weg auch für das Wandern mit Kindern zu empfehlen. Aufgrund der erheblichen Steigungen sollte man schon etwas Kondition mitbringen.

      Charakteristisch sind seine vielen schmalen Pfade, die die einzelnen Stationen miteinander verbinden. Damit ist der Weg allerdings auch nicht für Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer geeignet

      Wegstationen
      Station 1: Das Klingele

      An dieser Stelle soll sich in früherer Zeit die Klause eines Einsiedlers befunden haben. Eines Nachts klopfte ein „junges, hübsches Weib in einem feingewobenen Gewande“ an seine Hütte und bat um Zutritt, aber nur wenn er das Kreuz entferne. Der Klausner geriet in Versuchung. Plötzlich erscholl aus einer nahen Eiche der helle Silberton eines Glöckchens, und das verführerische Bild der jungen Frau verschwand. Aus Dankbarkeit errichtete der Einsiedler eine Kapelle. Die heutige Kapelle erbaute Großherzog Leopold von Baden 1852.

      Mehr Infos

      Station 2: Engelskanzel

      Eine alte Geschichte besagt, dass vor langer, langer Zeit ein Engel Gottes auf diesem Felsen erschien, um die Bewohner des Tals, die vom Teufel in Bann gezogen waren, wieder auf den rechten Weg zu führen. Er predigte von einem herausragenden Felsen nahe der Burg der Ebersteiner. Darüber ärgerte sich der Teufel sehr, und er schwang sich wutschnaubend ins hohe Gebirge. Dort warf er mit schweren Steinblöcken um sich. Sein Rumoren war so laut, daß die Worte der Wahrheit, die der Engel verkündete, nicht mehr zu hören waren. Doch den Einzug des Christentums ins Murgtal konnte er damit nicht verhindern, nur die Namen Engelskanzel und Teufelsmühle künden noch heute von diesen uralten Zeiten.

      Mehr Infos

      Station 3: Wachtelbrunnen

      Die Menschen im Mittelalter glaubten, dass an diesem Platz besondere Kräfte wirkten und erzählten von seltsamen Erlebnissen. Der Platz vor dem alten Brunnen soll auch zu geselligen Treffen gedient haben. Eine Geschichte erzählt von dem Grafen von Eberstein, der von der Straße hier herunter gestürzt sein soll. Er behauptete, ein Geist sei ihm erschienen. Dieser habe ihm das Pferd scheu gemacht und ihn abgeworfen. Aber vielleicht war er zuvor zu lange im Wirtshaus gesessen und konnte sich nicht mehr richtig auf dem Pferd halten?

      Mehr Infos

      Station 4: Grafensprung

      Der Dichter August Kopisch verewigte die Sage um den Grafensprung in einem bekannten Gedicht:

      “Die Württemberger schlossen ihn ein:
      Was tat Wolf Eberstein?
      Er ritt von der Burg
      hinab an die Murg
      zum steilsten Rand der Felsenwand.

      Da war die Welt von Feinden rein,
      da sprengt er in die Murg hinein:
      erhalte Gott Dich, Eberstein.
      So kecke Flucht bringt keine Schmach,
      die Feinde selber jauchzen nach.
      Er kam herab ohn´ Ungemach.
      Fort ritt er dann, frei war der Mann.
      Seh´ einer, ob er´s auch so kann.”

      Mehr Infos

      Station 5: Schloss Eberstein

      Reich ist der Sagenschatz rund um Schloss Eberstein und das daraus stammende Grafengeschlecht der Ebersteiner. Da gibt es Helden wie den wagemutigen Wolf von Eberstein, den Klosterstifter Bertold oder den liebestollen Wolfheiner.

      Überliefert ist auch die Sage, wie die Ebersteiner zu ihrem Wappen kamen. Nach dem Überbringen einer wichtigen Botschaft des Kaisers nach Rom erhielt der Graf von Eberstein vom Papst eine Rose aus glänzendem Gold. Als der Graf auf sein Schloss zurückkam, erwachte die Rose zum Leben und gedieh prächtig. So fand die Rose Eingang in sein Wappen.

      Mehr Infos

      Station 6: Erzgrube

      Aus alten Geschichten ist überliefert, dass hier der Eingang zu einem unterirdischen Palast der Erdmännlein sei, die im Innern des Gernsbergs einen großen Gold- und Silberschatz hüten. In vielfältigen Varianten sind die Geschichten der hier beheimateten Zwerge überliefert. So sei einst eine Hebamme von den Zwergen mit einem Taler entlohnt worden, der dafür sorgte, dass ihr niemals das Geld ausging.

      Mehr Infos

      Station 7: Rockertweibel

      Bei der schönen Aussicht drängt sich ein Blick in den nahe gelegenen Rockertwald auf der gegenüberliegenden Murgseite geradezu auf.

      Diesen Blick genoss auch in fernen Zeiten die Gräfin von Eberstein. Sie wollte unbedingt diesen Wald besitzen und versuchte, sich diesen mit einer List anzueignen.

      Mehr Infos

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Gernsbach

      Broschüre „Gernsbacher Sagenweg“

      Gernsbach: Stadt der Sonnenuhren

      Gernsbach: Stadt der Sonnenuhren

      Gernsbach wird gerne als „Stadt der Sonnenuhren“ bezeichnet, da derzeit 25 dieser besonderen Zeitmesser im Stadtgebiet zu finden sind.

      Die älteste Uhr in Gernsbach entstand in der Zeit um 1400 an der kath. Kirche. Das Besondere an den Gernsbacher „Solar-Zeitmessern“ ist, dass sie nach unterschiedlichen Systemen und Formen konzipiert sind:

      • äquatorparallele, erdachsparallele, senkrecht und waagrecht geneigte Zifferblätter
      • Uhren mit und ohne Zeitgleichung
      • Installationen zur Selbstbedienung
      • Würfel- und Kugelformen

      auf Wänden, Pflaster- und Rasenflächen sowie unterschiedliche Materialien spiegeln die Vielfalt der Sonnenuhren wider. Auf künstlerische Ausgestaltung wurde bewusst verzichtet.

      Alle Uhren, außer denen an der kath. Kirche und am Alten Rathaus, zeigen Mitteleuropäische (Winter-)Zeit (MEZ) an, wobei teilweise die Zeitgleichung noch zu berücksichtigen ist. Die Sommerzeit ergibt sich durch hinzuzählen einer Stunde.

      Textquelle: Webseite „Stadt Gernsbach“

      Beschreibungen der einzelnen Sonnenuhren können dem Faltblatt „Gernsbach, Stadt der Sonnenuhren“ entnommen werden.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Stadt Gernsbach

      Faltblatt „Gernsbach, Stadt der Sonnenuhren“

      Geroldsau: Wasserfall-Rundweg

      Geroldsau: Wasserfall-Rundweg

      Start der Tour ist am Wanderportal Geroldsauer Wasserfall, am Waldparkplatz Bütthof.

      Von dort geht es durch ein wildromantisches Bachtal mit schattigem und urwaldähnlichem Schluchtwald zum Geroldsauer Wasserfall.

      Der Geroldsauer Wasserfall bildet eine ca. 9 m hohe Gefällstufe des Grobbachs im sog. Bühlertalgranit. Wie an den Felsen der Umgebung ersichtlich, liegt eine sehr widerstandsfähige, verkieselte Ruschelzone im Granit vor, durch die die Gefällstufe bedingt ist. Quelle: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU): Geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe, 2. Auflage, 2000.

      Der Geroldsauer Wasserfall wurde früher die „große Bütte“ genannt. Die Vertiefung unterhalb des Wasserfalls wurde mit einer Bütte, also einem Gefäß in der Form eines Zubers, die heute noch im Weinbau genutzt werden, verglichen. Der Wasserfall war auch namensgebend für den nahe gelegenen Bütthof. Dessen Anfänge gehen auf eine um 1790 errichtete Hütte zurück. Im Jahr 1899 ging der Bütthof an die Stadt Baden-Baden. Nach dem Abriss einer einst vorhandenen Wasserfallgaststätte wird im Bütthof seit 1952 eine Gaststätte betrieben. Dort besteht die Möglichkeit zur Einkehr, bevor man sich auf den Rückweg zum Waldparkplatz macht.

      Gerade bei Kindern ist dieser Weg sehr beliebt, da es sich um einen kleinen Fußpfad über Stege und kleine Brücken, mit nur geringer Steigung handelt. Für Erwachsene und Blumenliebhaber ist diese Wanderung besonders von Mitte Mai bis Anfang Juni während der Rhododendron-Blüte sehr attraktiv. Die Alpenrosen, wie die Pflanzenbüsche auch genannt werden, wurden am Wasserfall und an anderen Stellen in der Stadt einst vom früheren städtischen Gartendirektor Walter Rieger gepflanzt.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

      Faltblatt „4 Wanderungen rund um die Geroldsauer Mühle“

      Geroldsgrün: Geopfad Lotharheiler Runde

      GEOPARK Bayern-Böhmen

      Cesko-Bavorský GEOPARK

      Aufbruch ins Erdinnere

      Tajemstvi zemského nitra

      Pfad der landschaftlichen Vielfalt

      Der Geopfad Geroldsgrün bietet weit mehr als nur eine abwechslungsreiche Tageswanderung durch eine der reizvollsten Regionen des Frankenwaldes. Drei einzeln oder in Kombination begehbare Runden machen ihn zu einem immer wieder abwechslungsreichen Ensemble von erdgeschichtlichen Wandertouren.

      Geroldsgrün – am südwestlichen Rand der Hochfläche gelegen – ist dabei ein idealer Ausgangspunkt zur Erkundung der landschaftlichen und geologischen Facetten des Frankenwaldes. Besonders beeindruckend ist der meist abrupte Wechsel von der sanft gewellten, teils fast eben wirkenden Hochfläche zu den unvermittelt einsetzenden, tief eingekerbten und intensiv bewaldeten Tälern. Durchschnittlich mehr als 300 Meter über dem Vorland gelegen, ist die Frankenwald-Hochfläche ein Landschaftsraum von unverwechselbarer Prägung und zugleich ein Resultat der allerjüngsten Erdgeschichte. Erst vor etwa 2 Millionen Jahren, als bereits Urmenschen die Savannen Afrikas besiedelten, stieg der Frankenwald zu seiner heutigen Höhe auf.

      Die beiden nördlichen Runden des Geopfades beginnen am unweit der Kirche zentral gelegenen Dorfplatz. Er wurde im Zuge der Erstellung des Geopfades auf gleichermaßen originelle wie landschaftstypische Weise erneuert. Heller Granit kontrastiert mit schwarzblauen Dachschiefern. Sie sind in Gestalt von Trockenmauern und künstlichen Halden arrangiert.

      Auch im übrigen Ortsbereich ist der heimische Dachschiefer bis heute allgegenwärtig. In vielen Häuserfundamenten erscheint außerdem das markante „Hertwegsgrüner Konglomerat“, ein aus bunt zusammengewürfelten Geröllen von Schiefern, Kalksteinen und Grauwacken bestehendes Gestein der Karbon-Zeit. Es ist besonders schön in den Grundmauern des Rathauses zu studieren. Auch grüne und fleischfarbene Gesteine sind im Ortsbild häufig. Sie stammen aus einem der bedeutendsten Brüche des Frankenwaldes, dem nahe gelegenen Steinbruch von Horwagen. Der dort gewonnene Kalkstein wurde als „Horwagener Marmor“ weltweit vertrieben

      Lotharheiler Runde

      Lotharheil, das einzige Dachschiefer-Bergwerk Süddeutschlands, ist tief in den Geroldsgrüner Forst eingebettet. Seit 1857 wird dort das „Dürrenwaider Dachschieferlager“ unter Tage abgebaut.

      Den Weg nach Lotharheil säumen zahlreiche eindrucksvolle Natur- und Bodendenkmäler, wie der schroffe Kämmleinsfelsen, der eine geologische Störungszone markiert und der sagenumwobene Burgstall Wallenrode. Dort stand vor 750 Jahren eine ausgedehnte und umstrittene Grenzfestung mit großer strategischer Bedeutung. Über das Langenautal (Rauhbergrunde) und Lotharheil führt der Weg nach Dürrenwaid, einem alten Bergbauort im Oelsnitztal.

       

      Textquelle: Faltblatt „Geroldsgrüner Geopfade“

      ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

      Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

      Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

      Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

      An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

      Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
      "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

      Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

      GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
      Humboldt in Falkenstein

      Humboldt im Amt Lauenstein

      Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

      Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
      Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

      Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

      Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

      Der Stielersche Hammer

      "Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

      Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

      Falkenstein (Geschichte bis 1945)

      Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

      1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

      1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

      1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

      In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

      Falkenstein (Geschichte ab 1945)

      Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

      Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

      Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

      Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

      Tipps

      Steinbach an der Heide

      2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

      Burg Lauenstein

      Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

      Thüringer Warte

      Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

      GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
      Humboldt in Ludwigsstadt

      Humboldt und der Schiefer

      An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

      Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

      Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

      Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

      Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

      Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

      Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
      Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

      Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

      [...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

      [...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

      [...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

      Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

      Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

      Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

      Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

      Kaulsdorf, d. 10. März 1794
      A. v. Humboldt"

      1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

      Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

      Tipps

      Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

      Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

      Internet: www.schiefermuseum.de

      Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

      Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

       

      Schieferpark Lehesten

      Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

      GEO-Tour Station 3: TETTAU
      Humboldt in Tettau

      Humboldt und das Porzellan

      Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

      Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

      Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

      Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

      Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

      Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

      Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

      Tipps

      Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

      Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

      Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

      Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

      Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

      Internet: www.glasbewahrer.de

      GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
      Humboldt in Schauberg

      Humboldt macht "Blau"

      Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

      Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

      Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

      Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

      Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

      Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

      Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

      Was ist Schmalte bzw. Smalte?

      Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

      Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

      Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

      Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

      Tipps

      Rösler Ceramtec GmbH

      Werksverkauf:
      Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
      Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

      Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

      GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
      Humboldt in Lichtenberg

      Humboldt zieht Bilanz

      Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

      Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

      Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

      Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

      Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

      Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

      Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

      Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

      Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

      • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
      • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
      • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

      Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

      Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

      Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

      Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

      Tipps

      Infostelle Naturpark Frankenwald

      Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

      Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

      Naturlehrpfad Höllental

      Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

      GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
      Humboldt in Bad Steben

      Humboldt macht Schule

      Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

      Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

      Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

      Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

      Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

      Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

      • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
      • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
      • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
      • Humboldt-Büste im Kurpark
      • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
      • Erzrevier Obere Mordlau.

       

      Humboldt-Haus (Badstraße 2)

      Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

      Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

      Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

      Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

      Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

      Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

      Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

      Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

      Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

      1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

      Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

      Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

      Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

      GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
      Humboldt in Geroldsgrün

      Humboldt und der "Alte Mann"

      Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

      Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

      Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

      Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

      "Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

      Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

      • Vogel Strauß Fdgr.
      • Friedlicher Vertrag Fdgr.
      • Schwarzer Mohr Erbst.
      • Gevattergraben
      • Hoher Ofen zu Marxgrün

      Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

      "[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
      Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

      1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
      2) Gebirgsart = Gesteinsart
      3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

      Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

      "1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

      Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

      Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

      "Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

      Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

      Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

      Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

      "Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

      Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

      Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

      Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

      Tipps

      Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

      Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

       

      Max-Marien-Heilquelle

      Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

      Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
      Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

      GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
      Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

      Humboldt und der Magnetberg

      "Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

      So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

      "Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

      Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

      Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

      Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

      [...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

      Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

      "[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

      Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

      "[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

      Der Haidberg aus heutiger Sicht

      Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

      Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

      Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

      Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

      Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

      Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

      Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

      Machen Sie Ihr eigenes Experiment

      Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

      Tipps

      Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

      Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

      Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

       

      Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

      Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

      Kontakt Museum Hier öffnen

      GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
      Humboldt in Bad Berneck

      Humboldt in matten Wettern

      Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

      Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

      Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

      In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

      "Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

      Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

      Das Bergwerk "Beständiges Glück"

      Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

      Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
      Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
      (Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

      Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

      Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

      Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

      1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck. Er war schon Jahre zuvor ein begeisterter Kurgast des Ortes. Als Bürger von Berneck erwies sich Rother als Förderer des Kurortes, seit 1866 war er auch Mitglied des Kurkomitees. Auf den Halden des zwei Jahrzehnte zuvor stillgelegten Bergwerkes "Beständiges Glück" ließ Rother auf eigene Kosten einen Park ("Blüchersruhe") mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen anlegen. Dieser stellt heute eine überregionale Besonderheit dar.

      Wilhelm Rother wurde 1867 Ehrenbürger von Berneck. Er starb 1898. Der Stadt Berneck hinterließ Rother testamentarisch mehr als eine halbe Million Goldmark, u.a. mit der Auflage, "dass die ganzen Zinsen und Renten des Nachlasses ausschließlich zum Vorteil und zur Hebung der Kuranstalten verwendet werden sollen". An den Förderer der Stadt Berneck erinnert im umbenannten "Rotherspark" der 1900 aufgestellte Granitobelisk aus Kösseine-Granit. Bestattet ist Wilhelm Rother auf dem alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche.

      Tipps

      Thiesen Wetterstation

      Carl Thiesen finanzierte dem Kurort eine für die damalige Zeit technologisch aufwendige und damit äußerst kostspielige Wetterstation. Diese steht heute noch oberhalb des Marktplatzes.

      GEO-Tour Station 10: BRANDHOLZ
      Humboldt in Brandholz

      Humboldt im Goldrausch

      Am Abend des 20. Juli 1792 verfasst Alexander von Humboldt bereits Teile seines Berichtes über die Befahrung der Fürstenzeche in Brandholz und fügt diesem in einem zweiten Teil unter der Überschrift "Aussichten zur fortzusetzenden Wiedergewältigung der Fürstenzechen Baue" hinzu. Bei Niederschrift dieses Berichtes ist Humboldt möglicherweise schon in das Wunsiedler Revier weitergereist.

      Am Abend des 23. Juli notiert Humboldt (jetzt bereits in Arzberg) am Rand eines Briefes an Carl Freiesleben:

      "Die Fürstenzeche in Goldkronach hat mich sehr intriguirt [= neugierig gemacht]. Ich habe Akten, Risse p. studiert, bin das ganze ein 50 Lr. (= Lachter, 1 Lr. ∼ 2 Meter) tiefe Gebäude mit Ueberhauen aus dem 14ten Jahrhundert! durchfahren. Nun habe ich alles ins Reine. Es ist ein ungeheurer Bau, eine Grube auf 1.300 Lr. Länge."

      Die Fürstenzeche im Jahr 1792

      In seinem Bericht der Inspektionsreise beschreibt Humboldt den Zustand der Fürstenzeche. Diese war bereits unter Burggraf Friedrich V. 1365 als Fürstenzeche eröffnet worden und hatte ihre Blütezeit bis zum Einfall der Husiten 1430. Bis dahin hatte man die goldreichsten und gut erschließbaren Bereiche der Lagerstätte schon weitgehend abgebaut, so dass die Ausbeute immer geringer und und der Abbau immer schwieriger wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Bergbau auf Gold sogar subventioniert (es wurde eine "Zubuße" gegeben).

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht, dass die "Wiedergewältigung" der Fürstenzeche (sie befand sich demnach 1792 nicht in Betrieb) seit wenigen Monaten ("1 Quartal") auf allerhöchsten Befehl (vermutlich durch Minister Hardenberg) eingestellt worden war und dass man "[...] bloß das Ganze durch Einwechslung der Türstöcke in befahrbarem Stande" hielt. Humboldt studiert bereits zu diesem Zeitpunkt alte Bergwerksakten, u.a. die "lehrreichen Beschreibungen des Herrn Berghauptmann von Bothmer". Carl Ludwig Freiherr von Bothmer (1736–1803) war Berghauptmann im Fürstentum Bayreuth. Dessen Berichte können nur wenige Jahre zuvor verfasst worden sein.

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht die folgenden Stollen, Schächte und erzführenden Gänge:

        • Tannenschacht
        • Schmuzler
        • Schmiedtenstollen/Schmidtenstollen
        • Jacobschacht
        • Ferberschacht
        • Nasses Lichtloch
        • Rautenkranzer Gang (aber noch keine Rautenkranz-Zeche)
        • Knechtgang
        • Spießglasgang (= Spießglanz, Antimonit)
        • Weißer Kiesgang

      .

      Damit werden viele Lokalitäten genannt, deren Zeugnissen man noch heute bei einer Wanderung entlang des Humboldtweges begegnen kann.

      Aus Humboldts Beschreibungen geht der sehr komplexe Aufbau der Goldlagerstätte am Goldberg hervor. Ursache dafür ist die starke tektonische Zergliederung des Gebirges im Nahfeld der Bruchzone der "Fränkischen Linie" (deren Einfluss Humboldt natürlich noch nicht kennen konnte). Humboldt widerspricht in seinem Bericht der Auffassung, dass "die Golderze auf der Fürstenzeche nicht auf ordentlichen Gängen, sondern [an] das Gestein durchschwärmenden Trümmern" gebunden wären. Diese Ansicht hätte vielfach zu einer wenig rentablen Wiedergewältigung der Zeche geführt.

      Tipps

      Goldbergbaumuseum Goldkronach

      Das Goldbergbaumuseum in Goldkronach präsentiert in mehreren Abteilungen die Stadtgeschichte Goldkronachs, die Geologie der Umgebung und der Goldlagerstätte, die Geschichte des Bergbaus, das Blattgold-Kunsthandwerk sowie Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge.

      Internet: www.goldbergbaumuseum.de

      GEO-Tour Station 11: GOLDKRONACH
      Humboldt in Goldkronach

      Humboldt und das Goldstädtchen

      Goldkronach gehört zu den Orten in Oberfranken, in denen Alexander von Humboldt heute wohl noch am gegenwärtigsten ist. So bezeichnet sich das kleine Städtchen vielfach auch als "Humboldt-Stadt". In Goldkronach hat auch der Verein Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V. seinen Sitz. Dessen Anliegen ist es, insbesondere an Humboldts Wirken in Goldkronach von 1792 bis 1795 zu erinnern. Einen Link auf die Internet-Präsenz des Vereins finden Sie weiter unten.

      Als Sitz des Bergamtes Goldkronach und die einst reichen Goldlagerstätte am Goldberg hatte Goldkronach besondere Bedeutung für Alexander von Humboldt. Erstmals kam Humboldt am 20. Juli 1792 im Rahmen seiner Inspektionsreise nach Goldkronach. Von hier aus befuhr er die Fürstenzeche und blieb bis zur Weiterreise ins Wunsiedler Revier (20. Juli in Arzberg). Nach seinem offiziellen Dienstantritt im Oberbergdepartement Ende Mai 1793 war Goldkronach Ziel von Humboldts erstem Geländebesuch. Hier hält er sich im Juni mehrere Tage auf. Sein Quartier ist die alte Quickmühle (Amalgamiermühle) in Goldmühl. Von dort schreibt er am 10. Juni 1793 seinem Freund Carl Freiesleben:

      "Ich komme eben aus der Grube. Ich bin 2 Meilen geritten und an 3 Stunden auf der Fürstenzeche gefahren, wundern Sie Sich also nicht, liebster Freiesleben, wenn ich Ihnen einen verworrenen Brief schreibe. Mit dem Bergbau geht alles schneller, als ich dachte. [...] In bin seit wenigen Tagen hier, um den eingestellten Bau auf der Fürstenzeche [...] vorzurichten. Das allgemeine Vertrauen, welches der gemeine Bergmann mir übberall zeigt, macht mir meine Arbeit lieb, denn sonst ist meine Lage sonderbar genug, ich thue eingentlich Dienste als Geschworener, nicht als O[ber]bergmeister. Von meinen Vorrichtungen schriebe ich Ihnen jezt nichts. Ich bin zu müde, die Hitze ist unerträglich und die Grubenwetter matt.[...] Die alte Mühle, die ich bewohne, war eine Quikmühle schon im 13ten Jahrhundert. Die Zoppte stürzt sich wild durch die Felsklippen durch. Wenn es glükken sollte, die ausgewanderten Bergleute wiederzurufen, dieser romantischen Gegend nur einen kleinen Theil ihres alten Glanzes wiederzugeben ..."

      Humboldtorte

      Die alte Mühle in Goldmühl

      In den Jahren 1793 und 1794 diente die ehemalige Quickmühle in Goldmühl (heute Ortsteil von Bad Berneck) Alexander von Humboldt als Quartier. Die Mühle wurde um 1557 (nicht wie Humboldt schrieb "schon im 13ten Jahrhundert") als Schneidsäge mit sechs Wasserrädern erbaut. Die Wasserräder trieben ein Pochwerk, eine Mahlmühle und Blasebälge für eine Schmelzhütte an. In den ersten Jahren diente sie auch als Amalgamierwerk ("Quickmühle"), d.h., aus dem durch das Pochen zerkleinerten Erz wurde das Gold mit Hilfe von Quecksilber herausgelöst. Mahl- und Quickmühle arbeiteten bis 1563, danach wird die Mühle zunächst nur noch als Schmelzhütte betrieben, kommen eine Drahtzieherei (um 1600) und eine Getreidemühle (1689) hinzu (Holl & Schulz-Lüpertz 2012). Das heutige Wohnhaus stammt von 1769 (dem Geburtsjahr Humboldts!) und wird als solches noch heute privat genutzt. Die neben der Haustür angebrachte Gedenktafel sehen Sie nebenstehend.

      Hotel "Alexander von Humboldt" (vormals Gasthaus "Zum weißen Schwan")

      Das heutige Hotel steht an dem Ort, an dem zu Humboldts Zeit das Haus des Musikus und Handelsmannes Johann Georg Todschinder stand. In diesem hatte Humboldt möglicherweise seinen Amtssitz. Daran erinnert die an der Fassade angebrachte Gedenktafel:

      "An diesem Platze stand das Haus, in welchem Alexander von Humboldt in den Jahren 1792 - 1795 als koenigl. Preußischer Bergamtsassessor und Oberbergmeister zeitweilig amtierte"

      Ganz sicher belegt ist dies jedoch nicht. Das heutige Hotelgebäude wurde nach dem großen Stadtbrand von 1836 errichtet. Diesem Brand waren viele Gebäude des Ortes zum Opfer gefallen. Ursprünglich hieß das hier untergebrachte Gasthaus "Zum weißen Schwan". Es wurde im Jahr 1868 in einem Festakt in "Alexander von Humboldt-Hotel" umbenannt.

      Ehemaliges Forsthaus (heute Goldbergbaumuseum)

      Das heutige Goldbergbaumuseum an Durchgangsstraße (Bayreuther Straße 21) trägt im Wappenrelief über der Eingangstür die Jahreszahl 1740. In ihm befand sich zu Zeiten Humboldts (bis in die heutige Zeit) eine Forstdienststelle. Oberförster war damals Adolph Ferdinand Böhner, Schwiegervater von Georg Friedrich Püttner (Büttner bei Humboldt). Dieser war einer der Freiberger Kommilitonen von Humboldt. In einem Brief vom 11. Juli 1793 an einen anderen Freiberger Studienfreund, den Russen Vladimir Jurevič Sojmonov, erwähnt Alexander von Humboldt, dass er bei Böhner den gemeinsamen Studienfreund Püttner getroffen habe. Vielfach wird erwähnt, Humboldt hätte in dem Haus auch kurzzeitig gewohnt. Dies geht aus dem erwähnten Brief jedoch nicht hervor. Dort schreibt Humboldt von Forstmeister Böhner, in dessen Nachbarschaft er wohne.

      Ein Besuch des Goldbergbaumuseums sollte man nicht versäumen. Es ist zurzeit allerdings nur von April bis Ende November an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der Geologie und Bergbaugeschichte im Raum Goldkronach beinhaltet das Museum auch einen eigenen Raum zu Alexander von Humboldt.

      Einstiges Wohnhaus Marktplatz 11 (heute Bäckerei)

      Dort wo heute auf der Nordseite des Marktplatzes ein Gebäude mit einer Bäckerei besteht, stand bis zum Stadtbrand von 1836 das Wohnhaus des Schichtmeisters, Bergverwalters und Knappschaftsschreibers Christian Ernst Tornesi. Dieser wohnte hier mit seiner Familie in den Jahren von 1738 bis 1754. Christian Ernst Tornesi kam 1731 aus dem Unterharz nach Goldkronach. Am 7. April 1748 wurde hier als eines von neun Kindern sein Sohn Otto Heinrich Tornesi geboren, der später ein geschätzter Kollege von Alexander von Humboldt und 1798 dessen Nachfolger im Oberbergdepartement werden sollte (siehe dazu weiter unten). Die ganze Familie siedelte 1754 nach Bayreuth über. Christian Ernst Tornesi war dort zum Inspektor und Verwalter für das Zucht- und Arbeitshaus in St. Georgen berufen worden. Dem Zuchthaus war eine Marmorfabrik angeliedert, in dem die Häftlinge arbeiten mussten und die Tornesi ebenfalls leitete.

      Schloss Goldkronach und Humboldt-Kulturforum

      Das Goldkronacher Schloss ist ein ehemaliges Ritterschloss aus dem 16./18. Jahrhundert. Es ist heute in Privatbesitz und Sitz des Alexander-von-Humboldt Kulturforums. Eine kleine Sonderausstellung zu Alexander von Humboldt sowie die von Hans Dressel (†) stammende Humboldt-Büste können bei Veranstaltungen der Kulturforums oder Führungen des GEOPARK Bayern-Böhmen besichtigt werden.

      Nationles Geotop Goldberg

      Seit 2019 gehört der Goldberg bei Goldkronach, das Zentrum des einstigen Goldbergbaus, zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Zu verdanken ist dies seiner montanhistorischer Bedeutung, auch im Hinblick auf das Wirken Alexander von Humboldts, und der dort vorhandenen Infrastruktur.

      Tipps

      Humboldt-Weg und Besucher-Bergwerke

      Der rund sechs Kilometer lange Rundweg führt auf Waldwegen und -pfaden, innerorts auf befestigten Wegen, vorbei an vielen ehemaligen Zeugnissen des Bergbaus seit dem Mittelalter. Startpunkte sind am Infohaus zu den Besucher-Bergwerken auf dem Goldberg, am Parkplatz des Friedhofes, am Wanderparkplatz in Brandholz. Auch der Start in Goldkronach am Marktplatz ist empfehlenswert (Wegstrecke ca. zwei Kilometer länger). Dieser beginnt am Marktplatz und führt ca. 100 Meter nach der Bäckerei am Marktplatz 11 in Richtung Sichersreuth bzw. am Ende der Stadtkirche über einen Wanderpfad zunächst zum Parkplatz am Friedhof (eine Abkürzung direkt auf die Straße an der Ottenleite ist möglich).

       

      Goldbergbaumuseum

      Öffnungszeiten:
      April bis Ende November Sonn- und Feiertage, 13 bis 17 Uhr
      Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich.

       

      Kulturforum Alexander von Humboldt Schloss Goldkronach
      www.humboldt-kulturforum.de

      Goldbergbaumuseum Goldkronach
      www.goldbergbaumuseum.de

      Goldbergknappen

      http://www.goldbergknappen.de/html/rundgang_beginn.html

      GEO-Tour Station 12: BISCHOFSGRÜN
      Humboldt in Bischofsgrün

      Humboldt und die Perlen

      Alexander von Humboldt besucht Bischofsgrün bzw. den Fröbershammer erstmals am 21. Juli 1792. Er notiert in seinem Inspektionsbericht, dass es dort zwei Frischfeuer, einen Zainhammer (für die Nagelschmiede) und eine Knopfhütte gibt. Der Knopfhütte widmet er besondere Aufmerksamkeit.

      Humboldt führt aus, dass die Knopfhütte nur in fünf Wintermonaten betrieben wird und dem Kommerzienrat Loewel gehört. Aus dem Hinweis, dass man "die Arbeiter [im Sommer] zum Holzhauen und zur Feldwirtschaft braucht" geht hervor, dass die einheimischen Bauern die Arbeit in der Knopfhütte verrichteten. Zum Zeitpunkt seines Besuches (Juli) wurde in der Knopfhütte jedoch wohl nicht gearbeitet. Humboldt hat sich demnach die Knopfhütte vor Ort ausführlich schildern lassen. Als Rohstoff für die Glasknöpfe - die Batterlessteine / Paterle - nennt Humboldt einen Grünstein mit wenig Feldspat und vieler innig beigemengter Hornblende von Schneeberg und Ochsenkopf. Er selbst habe das Gestein noch nirgends im Lande anstehend gefunden", es liege dort "in Butzen umher".

      Bei dem von Humboldt angsprochenen Gestein handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, dass in einer rund 5 Kilometer langen und bis zu 20 Meter breiten NNW-SSO-verlaufenden Förderspalte quer durch den Ochsenkopf vorkommt, den sogenannten Proterobas. Vorkommen am Schneeberg gibt es allerdings nicht.

      Humboldt berichtet über das Schmelzen des Gesteins, den Knopfofen sowie das Arbeiten am Ofen. Am Ofen arbeiten 25 Mann (!) vor je einer Öffnung und zogen die geschmolzene Masse (das Glas) mit einer langen Zange ("Kluft" bei Humboldt, auch "Kluppe" genannt) aus dem im Ofen stehenden Schmelztiegel, um es anschließend (durch Drehen) zu "modeln".

      Hergestellt werden im Jahr Knöpfe im Wert von 4.000 - 5.000 Gulden. Bei einem Preis von 6 Kreuzer je "Schnur" mit je 20 Dutzend Knöpfen sind dies ... Knöpfe.

      Die schwarzen Proterobas-Knöpfe wurden mit Emailfarbe bemalt und anschließend die Farbe eingebrannt. Als Farbstoffe wurden verwendet: weiß - Brauneisenstein mit Arsenikkalk, gelb - Birkenkohle, blau - Smalte (mit Kobald gefärbetes Kaliumsilikatglas).

      Humboldt berichtet, dass Glasknöpfe bereits seit 200 bis 300 Jahren in der Region hergestellt werden und ihren Ursprung in "in der Warmen Steinach" - also in Warmensteinach - hat. Derzeit gäbe es im Bayreutherischen fünf Fabriken, die ihre Erzeugnisse nach Schlesien und Polen, teils für den "Sklavenhandel nach Afrika [?] geben."

      Humboldt schließt seinen Bericht über die Knopfhütte mit einer Bemerkung zur Abwanderung von Arbeitern aus dem Bayreuther Fürstentum in die nahegelegee obere Pfalz und nach Böhmen:

      "Bayreuther Arbeiter sind in die obere Pfalz und nach Böhmen übergelaufen und die Konkurrenz der dort neu angelegten Fabriken, die wohlfeileres [= günstigeres] Holz haben, hat den Absatz vermindert und die Ware wohlfeiler gemacht."

      Dies lässt erkennen, dass der Mangel an Holz in der Region wirtschaftliche Folgen hatte.

      Der Fröbershammer

      Humboldt berichtet auch über die Frischfeuer und den Zainhammer, die "vortrefflich eingerichtet" sind und "sehr gute Ware" liefern. Er merkt jedoch an, dass der Verlust an Eisen durch das Frischen beträchtlich ist (3/8). Als wahrscheinliche Ursache benennt er das "Anlaufen" (siehe unten).

      In einem Frischfeuer wird das Roheisen bei starker Hitze wieder aufgeschmolzen. Mit einem Blasebalg wird Luft über die Eisenschmelze geführt, um dem im Eisen von der Herstellung noch vorhandenen Kohlenstoff zu verbrennen. Zwischendurch wird das flüssige Eisen immer wieder umgerührt. Ziel ist es, möglichst wenig Kohlenstoff im Eisen zu haben, um es weniger spröde und damit gut schmiedbar zu bekommen. Das Frischen dauert 5 bis 6 Stunden.

      Der von Humboldt verwendete Begriff des "Anlaufens" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man das Eisen mit einer Stange unter Drehen aus der flüssigen Schmelzmasse herausgenommen hat. Während des Drehens setzte sich das Eisen an der Stange fest. Anschließend wurde es abgeschreckt und geschmiedet. Dann wurde das Eisen wieder in die Schmelzmasse gehalten und die nächste Schicht lagerte sich an. Der Vorgang wurde so lang fortgesetzt, wie sich das Eisen schmieden ließ und dem Schmied nicht zu schwer. Am Grund des Ofens setzte sich das minderwertige "Theileisen" ab. Durch das Schmieden werden noch vorhandene Schlackenreste aus dem Eisen entfernt.

      Das Frischen des Eisens ist ein sehr viel Energie verbrauchender Vorgang. Humboldt berichtet, dass je Frischfeuer am Fröbershammer je Woche 42 Zentner Eisen gefrischt werden, wobei dafür 84 Kübel Holzkohlen verbraucht wurden. Hierzu benötigte man 17 bis 21 Klafter Holz (ganz grob 1 Klafter Holz = 3 Kubikmeter). Für beide Frischfeuer waren das pro Woche rund 102 bis 126 Kubikmeter Holz!

      Lesen Sie hier den gesamten Text Humboldts über die Frischfeuer und den Zainhammer zu Bischofsgrün. Es sei hier als Beispiel der von ihm verwendeten Fachtermini und Darstellungsweise aufgezeigt.

      Tipps

      Glaswanderweg

      Der Glaswanderweg ist ein industriehistorisch interessanter und naturräumlich reizvoller Themenwanderweg mit einer Länge von 42 Kilometern zwischen Weidenberg und Bischofsgrün. Er ist in die Abschnitte

      • Weidenberg - Sophienthal - Zainhammer
      • Zainhammer - Warmensteinach - Grünstein
      • Grünstein - Neugrün - Fichtelberg - Karches
      • Karches - Bischofsgrün

      gegliedert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite www.glas-im-fichtelgebirge.de.

      Waldglashütte am Ochsenkopf

      Archivalische Notizen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben eine „Glas- und Knopfhütte am Fichtelberg“, entlegen an der Landesgrenze zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Kulmbach und Obere Pfalz. Archäologische Ausgrabungen unter Trägerschaft der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth e. V. zwischen 2004 und 2006 haben die Relikte der alten Proterobas-Glashütte wieder zum Vorschein gebracht. Die begleitenden archäologischen Untersuchungen sind ein allererster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen und interdisziplinären Aufarbeitung der Siedlungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte im zentralsten deutschen Mittelgebirge.

      Die am südlichen Hang des Ochsenkopfes im heutigen Landkreis Bayreuth ausgegrabene Glashütte lässt sich weit zurückverfolgen. Lorenz Glaser bittet 1616 um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Hütte auf oberpfälzischen Grund an der Mooslohe. Der Standort zwischen Proterobas- und Quarzitgängen an dem aus den Kalten Brunnen fließenden Bächlein ist ideal gelegen.

      Die Waldglashütte erreichen Sie am besten vom Parkplatz nahe der Bleaml-Alm auf dem Forstweg Richtung Ochsenkopf. An der ersten Abzweigung (ca. 400 Meter nach Eintritt in das Waldgebiet) nach rechts und dem Forstweg noch etwa 200 Meter folgen.

      GEO-Tour Station 13: LUISENBURG / WUNSIEDEL
      Humboldt in Luisenburg / Wunsiedel

      Humboldt und die Luisenburg

      Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Felsenlabyrinth der Luisenburg als berühmtester Besucher Johann Wolfgang von Goethe genannt. Dieser duchstieg Teile des Felsenmeeres 1785, noch vor der ersten Ausbauphase zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten, und bei einem zweiten Besuch 1820. Zu diesem Zeitpunkt war das Labyrinth schon nahezu in seiner heutigen Form begehbar. Über Besuche Alexander von Humboldts ist tatsächlich nur sehr wenig bekannt. Die Kenntnis davon stützt sich auf eine Reisebeschreibung des polnische Grafen de Lagarde-Messence in von 1819, in der es heißt: "[...] dort findet man ein rechtmerkwürdiges Moos, das in der Finsternis schimmert. Als Herr von Humboldt, Bergwerksmeister seines Zeichens, durch diese Berge ging, machte er die Analyse davon [...]". Aufzeichnungen Humboldts selbst hierzu sind jedoch heute nicht mehr verfügbar.

      In Humboldts Inspektionsbereicht von 1792 findet sich die folgende Textstelle:
      "Daß das relative Alter dieser Granit-Abänderungen sehr verschieden ist, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man auch die eine nicht selten ("an der Luxburg") als Bruchstück in anderen eingewachsen findet."

      Einige Absätze weiter heißt Humboldt:

      "Der Granit auf dem höchsten Kuppengebirge liegt teils söhlig (aie auf der Luxburg), teils schießt er (wie auf dem Schneeberge) unter 10° gegen Abend [nach Westen] ein."

      Humboldt bezieht sich mit seinen Beobachtungen zweimal auf die Luxburg, die 1805 zu Ehren des Besuches der preußischen Königin Luise in Luisenburg umbenannt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass Humboldt diese Erscheinungen mit eigenen Augen gesehen hat. Anders wäre es auch verwunderlich gewesen, denn bereits ab 1790 begann die Begehbarmachung des Labyrinthes.

      Humboldt und der Granit

      Humboldt ist zu einer fränkischen Zeit noch dem "Lager der Neptunisten" zuzuordnen. Er folgt damit der Lehrmeinung seines Lehrers in Freiberg, Abraham Gottlob Werner. Danach wurde der Granit in einer frühen Phase der Bildung der Erdkruste aus einem Urozean, d.h. aus einem wässrigen Medkum, ausgefällt. Als ein Indiz dafür galt auch die "Schichtung" des Granits:

      "Da, wo noch das alte Ausgehende1) des Granits zu sehen ist, d.i. auf einzelnen, turmähnlichen Kuppen, findet sich der Granit äußerst regelmäßig, wie dichter Kalkstein geschichtet, und zwar in Lagern zu 2 Fuß 8 Zoll."

      1) Das Ausgehende meint hier "die obersten Schichten". Humboldt beschreibt hier Felstürme, Felsbastionen, an denen die horizontalen Lagerklüfte gut zu erkennen sind.

      Seine erste Niederschrift ergänzt Humboldt bei einer Überarbeitung des Manuskriptes (zwischen August 1792 und April 1793) wie folgt:

      "Ich glaube nämlich, daß aller Granit ursprünglich (da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten) d.h. im Ausgehenden geschichtet war und daß geschichteter Granit nur darum ein so seltenes (von einigen nicht reisenden Geognosten geleugnetes) Phänomen ist, weil wir überall gleichsam in den Vertiefungen der zerstörten Erdrinde wohnen und das alte Ausgehende des Granits nur auf den höchsten besuchten Punkten der Erdoberfläche zu suchen ist."

      Für Humboldt ist der Granit nur in seinen obersten Abschnitten geschichtet: "[...] da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten." Auch wenn es im Inspektionsbericht nicht weiter ausgeführt ist, dürfte Humboldt den Granit in der Tiefe als strukturlose Masse betrachtet haben. Ob er Vorstellungen darüber hatte, wie es hierzu gekommen sein soll, ist ebenfalls nicht ausgeführt.

      Bei Seußen nahe Arzberg macht Humboldt eine weitere Beobachtung in den granitischen Gesteinen des Fichtelgebirges, die ihm so bemerkenswert erscheint, dass er sie noch während seiner Inspektionsreise im Juli 1792 an den Herausgeber des Bergmännischen Journals schreibt (vermutlich am 23. Juli). Der Brief erscheint daraufhin noch in der Juli-Ausgabe des Journals.

      "Auf einer Reise durch das Wunsiedler Bergamt entdeckte mein lehrreicher Begleiter Herr Hof-Kammerrath Tornesi, [...] zwei vollkommene Granitkugeln am Wege unweit Seisen [= Seußen]! Dies Phänomen wird Ihnen gewiß nicht weniger auffallend scheinen, als es mir war. Beide Granitkugeln waren von 14-16 Zoll im Durchmesser [35-40 cm][...]. Sie bestehen aus einem deutlichen feinkörnigen Granite mit vielem tombackbraunen Glimmer, und zeigen konzentrisch-schalige absonderte Stücke, von denen wir zwei Schalen ablößten. Beide waren noch ihrer natürlichen Lagerstätte, eingewachsen in einem grobkörnigen Granite, der sich durch den (am Fichtelberg nicht seltenen) kristallisierten Feldspat auszeichnete und der Verwitterung nahe war: ein Beweis also, daß selbst der Granit [...] die Fähigkeit [hat] sich kugelartig zu ballen!"

      Was Humboldt in die Eigenschaft des Granits "sich kugelartig zu ballen" hineininterpretiert, lässt sich nicht ohne Weiteres erschließen. Es ist vermutlich vor allem eine Beobachtung, die er der geognostischen Gemeinschaft kundtun will. Humboldt erwähnt die Kugeln auch in seinem Inspektionsbericht:

      "[...] kommen auch Granitkugeln mit 2- 3fach konzentrisch, schalig abgesonderten Stücken in einem verwitterten Granite bei Seäßen vor".

      In einer nachträglichen Ergänzung kommentiert Humboldt:

      "Ihre Art des Vorkommens zeigt, daß sie nicht sekundär sind. In anderen Teilen europäischer Gebirge sind sie noch nie entdeckt worden und unseren Gebirgen [...] ausschließlich eigen."

      Die Beobachtung Humboldts zeigt sein Interesse und Gespür für das "Nichtalltägliche", die Besonderheiten, die es gilt weiter zu erforschen. Die von Humboldt beschriebene Erscheinung erklärt sich heute als Folge von Verwitterungsprozessen (was sich bei Humboldts Beschreibung ja bereits andeutet). Die "Kugeln" sind in einer Verwitterungsdecke infolge des richtungslosen Gefüges des magmatischen Gesteins entstanden. Ausgehend von einer quaderförmigen, durch Klüfte begrenzten Rohform sind die Gesteinskanten rasch verwittert. In die kugelige Form sind Verwitterungslösungen unterschiedlich weit eingedrungen (oder auch thermische Einwirkungen, Frost oder Temperatur) und haben die konzentrischen Schalen abgelöst.

      Tipps

      Besuchen Sie das Felsenlabyrinth der Luisenburg - eine der wichtigsten geologischen Lokalitäten im GEOPARK Bayern-Böhmen.

      GEO-Tour Station 14: KLAUSEN / SEUßEN
      Humboldt in Klausen / Seußen

      Humboldt und das Klima

      Alexander von Humboldt besucht das Püttnersche Alaunwerk Treue Freundschaft in der Klausen bei Seußen erstmals am 24. Juli 1792 im Rahmen seiner "Inspektionsreise". In seinem Bericht schildert er ausführlich das Werk und die Produktionsschritte der Herstellung von Alaun.

      Schon in seinem Bericht beschreibt er die bituminöse Blätterkohle, in der "oft noch unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten" haben, zu finden sind. Humboldt erwähnt diese Fossilien auch in einem Brief an den Verleger des "Bergmännichen Journals" Hoffmann, der diesen bereits in der Juli-Ausgabe 1792 abdruckt. Dort heißt es:

      [...]Bei Klausen an der Oberpfälzischen Grenze liegt das 21 Lachter mächtige Braunkohlenflöz unter einem Gerölle von mehr oder weniger verwitterten Basaltkugeln. Einige sind mit den Fingern zerreiblich, und doch erkennt man noch die 6-9 fach concntrisch schaligen abgesonderten Stücke. In der Braunkohle finden sich unversehrte Aeste von Tannenzweigen, die fast ihre natürliche Farbe erhalten haben, und so also gegen die Feuerrevolution zeugen. [...]"

      Mit dem Zeugnis gegen die Feuerrevolution spielt Humboldt auf die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten an (siehe dazu Station Luisenburg und Steinhaus). Nachdem Basalte die Braunkohlen überlagern, war Humboldt der Meinung, dass - wären diese aus glutflüssiger Lava erstarrt - die Lava die Pflanzenfossilien in der Farbe verändert, vermutlich verbrannt hätten. Aus heutiger Sicht ist bereits die Interpretation der Lagerungsverhältnisse nicht richtig. Die Basaltblöcke sind in einer lehmigen Grundmasse durch den Prozess des Bodenfließens hangabwärts auf die Braunkohlenlager verfrachtet worden.

      Die Sache mit der Ekliptik

      Im November 1794 schreibt Alexander von Humboldt einen Brief an den Mathematiker Johann Friedrich Pfaff. Darin kündigt er ein größeres Werk unter dem Titel "Ideen zu einer künftigen Geschichte und Geographie der Pflanzen oder historische Nachricht von der allmäligen Ausbreitung der Gewächse über den Erdboden und ihren allgemeinsten geognostischen Verhältnissen" an, das "in 20 Jahren" erscheinen soll. In dem Brief erläutert Humboldt, dass selbst in hohen geographischen Breiten Pflanzenfossilien vorkommen, die unter "Tropenwärme" vor Ort gewachsen sind. "Unter den vielen möglichen Gründen, welche eine Tropenwärme [...] hervorbringen können, studiere ich den besonders über die veränderte Schiefe der Ekliptik ...". Humboldt bittet Pfaff um eine Stellungnahme darüber, ob die Ekliptik in der Vergangenheit nicht auch 48° (gegenüber heute 23 1/2°) betragen haben könnte. Die Antwort von Pfaff ist nicht erhalten, da Humboldt in aller Regel die an ihn gerichteten Briefe vernichtete. In einem Vortrag vor der Akademie zu Berlin am 24. Januar 1823 stellt Humboldt eine völlig andere Hypothese zum Wachstum wärmeliebender Pflanzen weit außerhalb der heutigen Tropen auf. Lesen Sie diese Textpassage hier

      Humboldt schließt seinen Brief wie folgt:

      "Auf meinen rauhen Felsenhöhen hänge ich solchen Träumereien nach. Beraubt von den nothwendigsten Hilfsmitteln muß ich mich an lebendige Orakel wenden ...".

      Was ist Alaun?

      Alaun ist chemisch ein wasserhaltiges Doppelsulfat (SO44-), ein Salz der Schwefelsäure, vermischt mit Tonerde, einer kleinen Menge Potasche (Kalium) und Ammonium. Verwendung fand Alaun u.a.

      • in der Färberei als Beizmittel vor dem Aufbringen von Farbstoffen,
      • in der Gerberei, um weißgares Leder herzustellen,
      • zum Leimen von Papier, um es tintenfest zu machen,
      • zum Härten von Gips und Gelatine,
      • zum Stillen innerer Blutungen und Durchfälle
      • zum Blutstillen bei Schnittwunden (Rasur)
      • als Deodorant

      Alaun kommt in der Natur i.d.R. nicht als Mineral vor, sondern muss in mehreren Schritten aus Schwefel-führenden Gesteinen ausgelaugt werden. In Frage kommen dafür Braunkohlen oder Schwefelkies-haltige Alaunschiefer.

      Das ehemalige Alaunwerk auf der Klausen

      Bereits 1732 gab es in Hohenberg a.d. Eger die Braunkohlengrube "Freundschaft". Dort verbrannte man die Kohle und laugte sie anschließend zur Herstellung von Alaun aus. In Arzberg entstand 1765 eine Alaunhütte am Schachtweg "in der Biih" (= bei der Alaunhütte), die ihre Braunkohle ebenfalls aus Hohenberg bezog, jedoch bereits 1770 ihren Betrieb wieder einstellte.

      Für das Gebiet der Klausen erwirbt der in Seußen ansässige Oberförster Balthasar Christoph Reiz die Mutungsrechte für die Zeche "Treue Freundschaft", die 1762 ihren Betrieb aufnimmt. Vor Ort entsteht ein Alaunwerk, in dem aus der Schwefelkies-haltigen Braunkohle bis 1837 (75 Jahre lang) Alaun produziert wird. Erwähnung finden die Schwefelkies-haltigen Braunkohlen allerdings schon in der von dem markgräflichen Bergrat Johann Wilhelm Kretschmann stammenden "Sammlung zu einer Berg Historia" als "Schefel Kieße von der Clausen, eine Stunde von Redwitz nach Arzberg zu, wobei eine Art Stein Kohlenn, so alaunisch seyn ...".

      Eine erste Beschreibung des Alaunwerkes stammt von 1786:

      "Das Werk besteht aus 2 Hauptgebäuden, wovon jedes 2 Stockwerke hoch ist. In denselben wird zu ebener Erde in 5 kleinen Blechpfannen die Lauge gekocht und in 5 größeren Bleipfannen abgekühlt [...]. Hinter dem Gebäude befindet sich eine Hütte mit 10 hölzernen Kufen verschiedener Größe, in welchen sich die Sole sammelt. 11 Personen liefern wöchentlich 8 Zentner Alaun und etwas rote Farberde". (Nach: J.K. Bundschuh, Geographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799-1804).

      Alexander von Humboldt und das Alaunwerk auf der Klausen

      Alexander von Humboldt widmet dem Alaunwerk auf der Klausen 1792 einen ausführlichen Bericht. Er stellt darin fest, dass das Gestein, "aus welchem man hier den Alaun gewinnt, [...] weder Alaunschiefer noch Alaunerde, sondern wahre Braunkohle" ist. Die Lagerstätte des Flözes bezeichnet er als "überaus merkwürdig".

      Aus Humboldts Beschreibung der Lagenstätte lässt sich der folgende geologische Aufbau ableiten:

      • Humus
      • 2 - 3 m Verwitterungslehm mit 37 - 42 cm großen Basaltkugeln
      • 4 - 5 m weiße und braune Letten
      • darunter (ab ca. 8 m) folgt das Braunkohlenflöz

      Die Mächtigkeit des Flözes ist offensichtlich unbekannt, es soll jedoch noch in 42 m Tiefe erbohrt worden sein. Humboldt hält fest, dass die Lagerstätte im Nordwesten von Gneisen begrenzt wird (man findet sie in mehreren Aufschlüssen heute noch entlang des nördlichen Uferweges. In der Braunkohle beschreibt Humboldt "unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten [haben], und unverwitterte Schwefelkiese."

      Der Beschreibung Humboldts zufolge erreichten die Bergleute das Braunkohlenflöz von der Oberfläche her über mehrere mit großem Aufwand gezimmerte Schächte. Über diese wurde das "mit dem Keilhauer Gewonnene durch Haspel herausgefördert." Der eigentliche Abbaustollen lag bis in 28 Meter Tiefe und hatte eine Länge von rund 220 Metern in südlicher Richtung. Der größte Teil des Stollens war ausgezimmert.

      Zur Zeit von Humboldts Besuch arbeiteten 12 Bergleute auf der Grube, das Alaunsieden erfolgte nur während der wärmeren Jahreszeit. Das mit verwittertem und unverwittertem Schwefelkies durchsetzte Alaunerz, die Braunkohle, wurde auf die "Bühne" verbracht, ein aus Balken und Brettern bestehendes Bauwerk oberhalb der Grube, die mundartlich so genannte "Biih". Auf der "Biih" wurden die Braunkohlen vor der eigentlichen Alaunproduktion erst eineinhalb bis zwei Jahre gelagert, um dort zu "wittern". Danach beginnt das Auslaugen (12-15 Jahre!). Während der Lagerung und später beim Begießen und Wenden der Braunkohlen oxidiert der Luftsauerstoff den Schwefelkies (Pyrit) in der Braunkohle. Die dabei freigesetzte Schwefelsäure löst aus den tonigen Begleitsedimenten der Braunkohle Aluminium, Kieselsäure und Bitumen heraus. Diese Lauge wird in einen Schuppen nahe der Alaunhütte geleitet, wo sie in mehreren, im Boden eingelassenen Vorratskästen (1,50 m im Durchmesser, 1,20 m tief) zwischengelagert wird.

      Im nächsten Schritt wird die Lauge in drei "Läuterpfannen" 36 Stunden lang "gesotten" (gekocht). Während des Siedens setzen sich die bituminösen Bestandteile und die Kieselsäure als teerartige Masse ab, die getrocknet schwarz-glänzend ist und einen muscheligen Bruch hat. Die geläuterte Lauge wird zum Abkühlen in größere Pfannen geleitet, danach in zwei Garpfannen unter Zugabe von Pottasche (Kaliumkarbonat) 24 Stunden eingedampft.

      Humboldt nennt in seinem Bericht, dass wöchentlich 5 Zentner Alaun produziert werden. Der Holzbedarf dafür beträgt 10 Klafter. Humboldt bilanziert daraus die jährliche Produktion von 100 - 120 Zentner Alaun mit einem Holzverbrauch von 200 - 240 Klaftern (bei 5 - 6 Monaten Betrieb). Kritisch äußert er sich über den hohen Holzverbrauch, den er u.a. einer unsachgemäßen Befeuerung und falschen Bauweise der Pfannen zuschreibt.

      Das "Püttnersche Alaunwerk" auf der Klausen

      Humboldt benennt das Alaunwerk auf der Klausen als das "Püttnersche Alaunwerk". Es gehörte demnach der Kaufmanns- und Bankierfamilie Jakob Friedrich Püttner (1720-1798) aus Hof, die auch Eigentümer der Vitriol- und Alaunhütte "Goldene Adlerhütte" bei Wirsberg war. Dessen Enkel, Georg Friedrich Püttner, war Kommilitone Humboldts in Freiberg und übernahm später das Vitriolwerk bei Wirsberg und die Alaushütte auf der Klausen.

      Hüttenmeister zur Zeit des Besuches von Humboldt war der Johann Christian Ullmann, "... ein sehr verständiger Mensch, aber ehemaliger Bermann aus Johanngeorgenstadt, der sich wohl besser auf Bergbau als Pyrotechnik verstehen mag." (Humboldt). Von 1808 an leitete das Püttnersche Alaunwerk der aus der Niederlausitz stammende August Reinsch (1778 - 1869), der ausgebildeter Apotheker war. Er war zuvor als Laborant auf der "Goldenen Adlerhütte" tätig. Reinsch übernahm nach dem Tod des Obersteigers J.C. Benker 1805 die Leitung der 1795 von Alexander von Humboldt in Arzberg gegründeten Bergschule. Reinsch übernimmt einige Jahre vor 1833 das Alaunwerk zu eigener Pacht. Für das Jahr 1829 werden noch 5 Bergarbeiter und 10 Alaunsieder genannt. Das Alauswerk wird 1833 von den Püttnerschen Gewerken an den Seußener Gutsbesitzer Christian Paul Aecker verkauft. Reinsch geht als "Berg- und Hüttenfaktor" (Verwalter) des Schwefelkiesbergwerkes am Silberberg nach Bodenmais (heute Besucher-Bergwerk).

      Der Niedergang des Alaunwerkes auf der Klausen

      Der neue Eigentümer seit 1833 des Alauswerkes, Christian Paul Aecker aus Seußen, betrieb das Werk nach einer Angabe von Carl Wilhelm von Gümbel nur bis zum Jahr 1837. 1834 heißt es in einem Text jedoch bereits, das sich " [...] sämtliche Grubenbaue der 'Treuen Freundschaft'bei Seußen ohne alle Beaufsichtigung und Unterhaltung befinden, wodurch eine sehr üble Gruben- und Hüttenwirtschaft [entstanden] ist". 1853 kam es durch das Bergamt zu einer "Freierklärung", da die Erben des mittlerweile verstorbenen Christian Paul Aecker den Verpflichtungen des Bergamtes nicht nachkamen.

      Vom Alaunwerk zum Freizeitsee

      1870 entsteht an Stelle der aufgelassenen Bergbaugrube der Klausenteich, jedoch wird die Staumauer durch ein Hochwasser im Juni 1913 zerstört. Erst 1935 wird der Teich durch den Klausenwirt Georg Sölch neu angelegt. Dieser wird 1912 zusammen mit seiner Familie als Bewohner des Gebäudes Nr. 1 des Anwesens "Treue Freundschaft" genannt. Im anderen Gebäude (1a) lebten sechs weitere Familien. Das von dem Ökonomen und Bierwirt Wirtshaus bestand bis zur Flutung des Feisnitzsee 1972/73 als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlen-Kraftwerk Arzberg.

      Tipps

      Machen Sie einen Rundgang um den Feisnitz- bzw. Haid-Speichersee (Wegstrecke rund 2,2 Kilometer) oder besuchen Sie den 32 Meter hohen Aussichtsturm, die Waldenfelswarte, auf dem 633 Meter hohen Kohlberg. Von diesem haben Sie eine einzigartige Aussicht in das Fichtelgebirge, nach Böhmen und in die nördliche Oberpfalz (einfache Wegstrecke ab Parkplatz 1,6 Kilometer).

      GEO-Tour Station 15: ARZBERG
      Humboldt in Arzberg

      Die Lagerstätten in Arzberg und Umgebung waren zurzeit Humboldts und darüber hinaus die ergiebigsten im Wunsiedler Revier. Abgebaut wurden die an den Wunsiedler Marmor gebundenen Eisenerze. Und dies bereits seit dem Mittelalter. Erst 1941 kam der Bergbau in Arzberg mit der Stilllegung der Zeche "Kleiner Johannes" zum Ende. Über die Geschichte des Bergbaus, das Wirken Alexander von Humboldts in Arzberg und die Geologie des Fichtelgebirges informiert die heute auf dem Gelände der ehemaligen Zeche bestehende Infostelle von Naturpark Fichtelgebirge und GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Entsprechend der Bedeutung von Arzberg hielt sich Alexander von Humboldt häufiger wohl auch in Arzberg auf, doch gibt es nachweislich nur wenige Briefe, die von hier stammen. Humboldt wohnte während seiner Aufenthalte in Arzberg im Müssel'schen Haus, dem heutigen Bergbräu. Eine Gedenktafel in der Hausfassade erinnert daran. Sie wurde bereits am 12. September 1880 dort angebracht. Der damalige Arzberger Bürgermeister gab bei der Einweihung der Gedenktafel das Versprechen, "dass er sowohl als auch alle seine Nachfolger dasselbe würdig für alle Zeiten schützen und der Nachwelt zum ewigen Andenken an den großen Gelehrten, auf den Deutschland, Europa, ja die ganze zivilisierte Welt stolz ist, erhalten wollen".

      Wie in Steben richtet Alexander von Humboldt in Arzberg eine Bergschule ein. Ende Juni schrieb Humboldt von seinen Plänen an das Oberbergdepartement in Bayreuth. Man sei "dort oben in der Kultur zurück", und die Schule sei hier nötiger als irgendwo. Nach langem Suchen wäre die Wahl auf den Obersteiger Johann Caspar Bencker (†1805) als Schulleiter gefallen. Dieser sei ein verdienstvoller und sehr erfahrener Grubenbeamter, der gewiss auch als Lehrer einiges leisten würde. Im Herbst 1795 schreibt Humboldt in seinem Generalbericht über das Wunsiedler Revier, dass der Etat für die Schule bereits eingeplant sei. Begonnen wurde mit dem Unterricht jedoch erst 1796. Es handelte sich um eine Winterschule mit Unterricht von November bis Mai für "Bergjungen" ab dem 12. Lebensjahr. Weder in Arzberg noch in Wunsiedel ist allerdings ein Gebäude für die Bergschule nachweisbar. Es ist daher anzunehmen, dass der Unterricht in der Wohnung des Bergschullehrers abgehalten wurde. Im Jahr 1804 wurde die Arzberger Bergschule nach Goldkronach verlegt.

      Lesen Sie hier die Textpassage aus Humboldts Generalbericht von 1795, in der er auf die geplante Bergschule in Arzberg eingeht.

      Aus den Briefen und Berichten Alexander von Humboldts geht hervor, dass er in Arzberg häufig persönlich in die Bergwerke eingefahren ist. Schon während seiner Inspektionsreise 1792 besuchte er eine Reihe dieser Gruben:

      "Die Gruben, welche ich befahren, waren Susannen-Glück und Goldkammer Fundgrube, Silberkammer Fundgrube, Anna Christiana Fundgrube, Gottes Geschick Fundgrube und Friedrich Christian Fundgrube. Die beiden Hauptgruben gehören dem Faktor Müßel, dessen Vater sein Vermögen dem Bergbau fast schon ganz aufgeopfert hatte, als er diese Werke aufnahm, welche ihm und den Nachkommen einen reichlichen Ersatz geben und die [Berg-] Baulust zu Arzberg aufs neue sehr rege gemacht haben".

      St. Georg-Stollen im Röslautal

      In seinem Generalbericht schreibt Humboldt auch über den St. Georg-Stollen im Tal der Röslau (= Gsteinigt). Konkret geht es um Verbesserungsvorschläge für den weiteren Ausbau des Entwässerungsstollens für die Arzberger Bergwerke (= Erbstollen). Über dem Eingang des 2008 wiederhergestellten Mundlochs stehen die Jahreszahlen 1722-1795-1817-2008. Sie kennzeichnen die wichtigsten Ausbau- und Sanierungsetappen des Stollens.

      Der St. Georg-Stollen wurde 1722 im Tal der Röslau so tief wie möglich angelegt und bis 1727 bis zur Eisensteinzeche Morgenstein vorangetrieben. In einem Befahrungsbericht vom August 1770 wird erwähnt, dass der Stollen im Bereich der Zeche Morgenstern fast völlig verbrochen ist. Bis zur Grube "Gold- und Silberkammer" scheint er jedoch durchgängig gewesen zu sein. [3] Die Gold- und Silberkammer ist die wohl bedeutendste Grube des Wunsiedler Reviers.

      Im Jahr 1817 wurde in dem Stollen erstmals eine "Wasserkunst" eingebaut. Darunter versteht man im Bergbau eine technische Vorrichtung zur Entwässerung von Grubenbauten. Diese wurde bereits von Alexander von Humboldt ins Gespräch gebracht. So schreibt Humboldt 1795 in seinem Generalbericht:

      "Mein hartes Eindringen in den Faktor [= Unternehmer] Müssel, nach Vorschriften des B.[erg]Amts nun so zu bauen, daß die Gewältigung mit dem Kunstgezeuge möglich wäre [...]."

      Im nächsten Satz heißt es:

      [...] und hielt es für besser, jetzt loszubrechen, als eine so wichtige den Arzberger Bergbau allein erhaltende Arbeit verzögert zu sehen."

      Für den Einbau einer Wasserkunst will Humboldt die technischen Voraussetzungen schaffen. So schlägt er zunächst die Beseitigung von Krümmungen im bestehenden Stollen vor.

      "Bei einem so langen Gestänge, zu dem man sich ja ohnedies nur aus Noth verstehen mußte, weil kein anderes Mittel die Arzberger Gruben zu sichern übrig blieb, bei einem so langen Gestänge muß jede Krümmung vermieden werden."

      Mit dem Einbau der Wasserkunst sollte es möglich werden, insbesondere die Abbausohlen der ertragreichen Gold- und Silberkammer Gruben tiefer zu legen. Erst nach Humboldts Weggang wird die technische Anlage 1797 bis ins Detail geplant. Umgesetzt wurde sie jedoch erst im Jahr 1817. Angetrieben wurden die eingebaute Wasserhebemaschinen (mit 20 Pumpwerken, verbunden über ein Gestänge im St. Georg-Stollen) durch ein unterschlächtiges Wasserrad im Röslautal. Der Schacht der Grube Gold- und Silberkammer konnte bis 1841 auf 120 Meter unter Gelände abgeteuft werden. Noch heute sind im Uferbereich die Reste der ehemaligen Radstube zu erkennen.

      Lesen Sie hier Humboldts Originaltext zum Sankt-Georg-Stollen.

      Der St. Georg-Stollen besteht noch heute. Während des 2. Weltkrieges diente ein Teil von ihm den Arzbergern zeitweilig als Luftschutzraum. Nach dem Krieg wurde das Mundloch verschlossen und war kaum noch als solches zu erkennen. Im Jahr 2008 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und nach der alten Aufnahme von 1913 in seiner heutigen Form saniert. Seit 2009 gehört das Gsteinigt mit seinen geologischen und montanhistorischen Zeugnissen zu den "100 schönsten Geotopen von Bayern".

      Humboldt-Orte in Arzberg

      Müssel-Haus / Bergbräu

      Bei seinen Aufenthalten in Arzberg wohnte Alexander von Humboldt auf dem Kirchberg im Hause der Patrizierfamilie Müssel.

      Infostelle Altes Bergwerk Kleiner Johannes

      Die Infostelle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eisenerz-Bergwerkes Kleiner Johannes. Sie zeigt in mehreren Räumen einen Querschnitt durch die wichtigsten Gesteine und Mineralien des Fichtelgebirges sowie die Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Auf dem Gelände befindet sich eine kleine Ausstellung mit Gesteinsexponaten aus dem Fichtelgebirge, der Nachbau der ehemaligen Förderanlage sowie ein Schaustollen. Eine 2017 ergänzte Ausstellung zur ehemaligen Specksteingrube Johannes bei Göpfersgrün ist nur zu besonderen Zeiten möglich.

      Anschrift: Altes Bergwerk, Altes Bergwerk 1, 95659 Arzberg
      Telefon: (0)9233 40 40 (Stadt Arzberg)
      GPS: 50.059242, 12.192009

      Öffnungszeiten der Infostelle:
      Von Josefi (19.3.) bis Barbara (4.12.),
      jeweils von 8 - 17 Uhr

      Das Bergbaurevier Arzberg-Röthenbach

      Die Verhältnisse im einstigen Arzberg-Röthenbacher Revier sind in der Monografie von Ernst Schmidtill (1963) ausführlich beschrieben. Die Lagerstätte, die an den Marmorzug gebunden ist, ist zwischen Röthenbach und Arzberg zweigeteilt in einen südlichen und einen nördlichen Erzzug (entsprechend zweier Marmorzüge). Das Profil der unten gezeigten Karte zeigt zwei voneinander getrennte Marmorlagen, die durch einen Phyllitrücken getrennt sind. Marmor und Phyllite fallen mit 70 - 80° nach Südwesten ein. Der Phyllitrücken ist bei Röthenbach etwa 60 Meter mächtig, östlich davon nur noch rund 30 Meter. Bei Arzberg ist er überhaupt nicht mehr vorhanden.

      Mehr erfahren

      Tipps

      Volkskundliches Gerätemuseum Bergnersreuth

      Das Museum Bergnersreuth ist ein Freilichtmuseum in einem alten Bauerngehöft. Neben den Dauerausstellungen zu den landwirtschaftlichen Geräten gibt es Abteilungen zur Bodenqualität und -bearbeitung. Original erhalten sind teils die Wohnstuben der ehemaligen Bewohner. Das Museum ist auch Station der GEO-Tour Boden des GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Anschrift: Wunsiedler Str. 14, 95659 Arzberg
      Telefon: (0 92 33) 52 25
      Internet: www.bergnersreuth.de

      Öffnungszeiten:
      Dienstag - Sonntag: jeweils von 10-17 Uhr (Montg geschlossen)

      GEO-Tour Station 16: STEINBERG / Steinhaus Thiersheim
      Humboldt in Steinberg / Steinhaus Thiersheim

      Humboldt, die Kohle und der Vulkan

      Das Steinhaus liegt am Fuße des "Steinberg-Vulkans". Dieser gehört zusammen mit dem "Neuhauser Schloßberg" und dem bereits in Tschechien liegenden "Plattenberg" (Blatná) zu einem vulkanischen "Dreigespann" an der bayerisch-tschechischen Grenze. Zwischen dem Steinberg und dem Plattenberg hat sich die Eger in einem markanten Tal eingetieft.

      Der Steinberg wird von Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit der Suche nach Steinkohlen erwähnt. Der hohe Bedarf an Brennmaterial für das Montanwesen weckte schon vor Humboldts Amtszeit in Franken das Interesse der Bergbehörde an diesem fossilen Energieträger, doch war die Suche danach wohl eher unsystematisch. Humboldt stellt die Kohleprospektion auf neue Füße. Der Fokus lag dabei in den Gebieten zwischen Bayreuth und Kulmbach (Kulmbach/Kessel, Schlemme/Schlämm, Lanzendorf: Lettenkohlen/Keuper), Neustadt am Kulm (Lettenkohlen/Keuper) und in der Umgebung des Steinberges (Tertiär).

      Am 22. Oktober 1794 schreibt Alexander von Humboldt an der Oberbergdepartement in Bayreuth:

      "Da durch einzelne, unvollendete Versuche auf Steinkohlen bisher die Frage, ob wir bauwürdige Flöze im Lande haben, nicht entschieden und viel Geld versplittert worden ist, so hatte ich mich entschlossen, die Sache methodisch anzugreifen.[...] und gab ihm [dem Berggeschworenen Sievert] eine ausführliche Anweisung, alle Punkte, wo nur Sage oder Hofnung auf Steinkohlen wäre, einzeln zu untersuchen und ein Verzeichniß davon anzufertigen. Ich hielt es für ökonomisch wichtig genug, wenn man nur eine sichere Liste solcher Orte niederlegen könnte, wo nicht mehr zu suchen ist, statt dass man sonst immer auf dieselben Punkte zurückkehrt. Ich habe, indem ich dies Verfahren dem Hochl.[öblichen] K[öniglichen O.B. Dep. gehorsamst anzeige, die Ehre, den Anfang der Sieverschen Arbeit in der Anlage einzureichen, weit entfernt indes von der Besorgnis, dass alle Versuche, welche

      bei Culmbach,
      bei Lanzendorf und Schlemme,
      unter den Basalten der Arzberger Refier und vielleicht bei Sulz im Ansbachischen anzustellen sind, gleich fruchtlos sein werden."

      In einem weiteren Schreiben am 19. März 1795 schlägt Humboldt tiefere Bohrungen (20 - 24 Lachter, ca. 40 - 48 m) u.a. "an den Basalten des Wunsiedler Refiers" (am Steinberg) vor. Die Bohrung am Steinberg wird in der Folgezeit auch durchgeführt. Jedoch ohne einen erhofften Erfolg.

      Im Herbst 1796 erreicht Humboldt eine Anfrage des Oberbergdepartements zu einer weiteren Erkundungsbohrung bei Kothigenbibersbach. Humboldt rät davon ab. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut der Briefes Humboldts an das Oberbergdepartement.

      Der Vulkan und der Basalt

      Auch wenn es der Titel unserer Tafel suggeriert, Alexander von Humboldt sah im Steinberg keinen Vulkan. Dass es sich dabei um einen Basaltberg handelte, war ihm bewusst. Das geht aus seinen Briefen ans Oberbergdepartement hervor. Humboldt war während seine Zeit in Franken jedoch noch Anhänger der Lehrmeinung Gottlob Abraham Werners. Dieser war in Deutschland der wichtigste und einflussreichste Vertreter der "Neptunisten". Diese sahen im Basalt ein aus einem Urozean ausgefälltes Gestein, das in keinem Zusammenhang mit Gesteinsschmelzen oder Vulkanen stehen würde. Vulkane waren für die Neptunisten dagegen das Ergebnis im Untergund brennender Kohlelager. Humboldt maß daher dem Basalt des Steinberges keine besondere Bedeutung bei.

      Tipps

      Hutschenreuther Gedenkstein

      Besuchen Sie den Carolus Magnus Hutschenreuther-Gedenkstein. Dieser erinnert an das Auffinden von Kaolin in der Nähe des Steins durch den Begründer der C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg a.d. Eger (1822). Tatsächlich hatte ihm das Kaolin sein Verwandter und späterer Schwiegervater, der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, bei einem Besuch in Hohenberg gezeigt. Hutschenreuther blieb in Hohenberg und richtete 1814 in Räumen der Hohenberger Burg, die ihm Reuß zur Verfügung gestellt hatte, eine Porzellanmalerei ein. Das Jahr 1814 gilt daher auch als Geburtsjahr der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge. In Sichtweise zum Gedenkstein liegt eine ehemalige Farberde-Grube (mit kleiner Infotafel).

      Geotop Heiligenberg

      Über den "Mittelweg" ("M") erreichen Sie das auf der Nordostseite des Steinberges liegende Geotop "Heiligenberg". Dort können Sie die Basalte des Steinberges in anstehenden Felsen sehen. Von hier aus hat man auch eine Aussicht ins Egerer Becken.

      © GEOPARK Bayern-Böhmen

      Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Geroldsgrün

      Faltblatt „Geroldsgrüner Geopfade“

      Geroldsgrün: Geopfad Panoramarunde

      GEOPARK Bayern-Böhmen

      Cesko-Bavorský GEOPARK

      Aufbruch ins Erdinnere

      Tajemstvi zemského nitra

      Pfad der landschaftlichen Vielfalt

      Der Geopfad Geroldsgrün bietet weit mehr als nur eine abwechslungsreiche Tageswanderung durch eine der reizvollsten Regionen des Frankenwaldes. Drei einzeln oder in Kombination begehbare Runden machen ihn zu einem immer wieder abwechslungsreichen Ensemble von erdgeschichtlichen Wandertouren.

      Geroldsgrün – am südwestlichen Rand der Hochfläche gelegen – ist dabei ein idealer Ausgangspunkt zur Erkundung der landschaftlichen und geologischen Facetten des Frankenwaldes. Besonders beeindruckend ist der meist abrupte Wechsel von der sanft gewellten, teils fast eben wirkenden Hochfläche zu den unvermittelt einsetzenden, tief eingekerbten und intensiv bewaldeten Tälern. Durchschnittlich mehr als 300 Meter über dem Vorland gelegen, ist die Frankenwald-Hochfläche ein Landschaftsraum von unverwechselbarer Prägung und zugleich ein Resultat der allerjüngsten Erdgeschichte. Erst vor etwa 2 Millionen Jahren, als bereits Urmenschen die Savannen Afrikas besiedelten, stieg der Frankenwald zu seiner heutigen Höhe auf.

      Die beiden nördlichen Runden des Geopfades beginnen am unweit der Kirche zentral gelegenen Dorfplatz. Er wurde im Zuge der Erstellung des Geopfades auf gleichermaßen originelle wie landschaftstypische Weise erneuert. Heller Granit kontrastiert mit schwarzblauen Dachschiefern. Sie sind in Gestalt von Trockenmauern und künstlichen Halden arrangiert.

      Auch im übrigen Ortsbereich ist der heimische Dachschiefer bis heute allgegenwärtig. In vielen Häuserfundamenten erscheint außerdem das markante „Hertwegsgrüner Konglomerat“, ein aus bunt zusammengewürfelten Geröllen von Schiefern, Kalksteinen und Grauwacken bestehendes Gestein der Karbon-Zeit. Es ist besonders schön in den Grundmauern des Rathauses zu studieren. Auch grüne und fleischfarbene Gesteine sind im Ortsbild häufig. Sie stammen aus einem der bedeutendsten Brüche des Frankenwaldes, dem nahe gelegenen Steinbruch von Horwagen. Der dort gewonnene Kalkstein wurde als „Horwagener Marmor“ weltweit vertrieben

      Panoramarunde

      Die Panoramarunde kreuzt zwei der herausragenden Aussichtspunkte der Region. Der malerische Aussichtsturm auf der Frankenwarte bei Hirschberglein öffnet den Blick über die sanft nach Osten abfallende Hochfläche. Am Horizont erscheint zunächst das Bayerische, dahinter das Sächsische Vogtland mit den Hügeln um Hof und Plauen. Der Turm selbst ist auf markanten Felsbildungen der tief Oberdevonischen Diabasbrekzie erbaut. Auch die Wasserwarte auf dem als „Langes Bühl“ bekannten Höhenrücken über Steinbach steht auf diesem Gestein. Von hier geht der Blick bevorzugt nach Süden und Westen auf die Kerbtäler und Höhenzüge des Westfrankenwaldes.

      Nach Querung des Langenbachtales werden die grandiosen Dachschieferhalden über dem Dürrenwaider Hammer erreicht. Die Halden sind mehr als nur Abraum, denn sie bieten wertvolle Lebensräume für seltene Moose, Flechten und Blütenpflanzen. Am Schiefertisch vor dem aufgelassenen Dachschieferbruch geht der Blick durch das Tal der Oelsnitz nach Dürrenwaid. Mit der Lotharheiler Runde folgt die Panoramarunde diesem Tal mit seinen eindrucksvollen Felsbildungen zurück nach Geroldsgrün.

      Textquelle: Faltblatt „Geroldsgrüner Geopfade“

      ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

      Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

      Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

      Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

      An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

      Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
      "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

      Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

      GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
      Humboldt in Falkenstein

      Humboldt im Amt Lauenstein

      Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

      Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
      Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

      Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

      Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

      Der Stielersche Hammer

      "Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

      Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

      Falkenstein (Geschichte bis 1945)

      Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

      1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

      1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

      1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

      In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

      Falkenstein (Geschichte ab 1945)

      Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

      Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

      Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

      Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

      Tipps

      Steinbach an der Heide

      2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

      Burg Lauenstein

      Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

      Thüringer Warte

      Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

      GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
      Humboldt in Ludwigsstadt

      Humboldt und der Schiefer

      An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

      Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

      Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

      Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

      Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

      Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

      Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
      Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

      Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

      [...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

      [...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

      [...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

      Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

      Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

      Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

      Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

      Kaulsdorf, d. 10. März 1794
      A. v. Humboldt"

      1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

      Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

      Tipps

      Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

      Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

      Internet: www.schiefermuseum.de

      Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

      Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

       

      Schieferpark Lehesten

      Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

      GEO-Tour Station 3: TETTAU
      Humboldt in Tettau

      Humboldt und das Porzellan

      Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

      Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

      Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

      Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

      Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

      Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

      Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

      Tipps

      Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

      Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

      Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

      Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

      Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

      Internet: www.glasbewahrer.de

      GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
      Humboldt in Schauberg

      Humboldt macht "Blau"

      Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

      Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

      Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

      Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

      Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

      Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

      Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

      Was ist Schmalte bzw. Smalte?

      Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

      Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

      Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

      Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

      Tipps

      Rösler Ceramtec GmbH

      Werksverkauf:
      Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
      Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

      Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

      GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
      Humboldt in Lichtenberg

      Humboldt zieht Bilanz

      Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

      Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

      Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

      Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

      Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

      Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

      Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

      Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

      Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

      • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
      • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
      • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

      Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

      Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

      Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

      Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

      Tipps

      Infostelle Naturpark Frankenwald

      Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

      Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

      Naturlehrpfad Höllental

      Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

      GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
      Humboldt in Bad Steben

      Humboldt macht Schule

      Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

      Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

      Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

      Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

      Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

      Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

      • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
      • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
      • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
      • Humboldt-Büste im Kurpark
      • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
      • Erzrevier Obere Mordlau.

       

      Humboldt-Haus (Badstraße 2)

      Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

      Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

      Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

      Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

      Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

      Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

      Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

      Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

      Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

      1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

      Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

      Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

      Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

      GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
      Humboldt in Geroldsgrün

      Humboldt und der "Alte Mann"

      Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

      Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

      Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

      Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

      "Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

      Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

      • Vogel Strauß Fdgr.
      • Friedlicher Vertrag Fdgr.
      • Schwarzer Mohr Erbst.
      • Gevattergraben
      • Hoher Ofen zu Marxgrün

      Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

      "[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
      Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

      1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
      2) Gebirgsart = Gesteinsart
      3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

      Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

      "1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

      Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

      Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

      "Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

      Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

      Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

      Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

      "Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

      Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

      Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

      Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

      Tipps

      Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

      Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

       

      Max-Marien-Heilquelle

      Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

      Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
      Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

      GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
      Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

      Humboldt und der Magnetberg

      "Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

      So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

      "Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

      Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

      Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

      Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

      [...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

      Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

      "[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

      Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

      "[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

      Der Haidberg aus heutiger Sicht

      Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

      Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

      Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

      Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

      Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

      Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

      Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

      Machen Sie Ihr eigenes Experiment

      Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

      Tipps

      Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

      Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

      Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

       

      Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

      Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

      Kontakt Museum Hier öffnen

      GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
      Humboldt in Bad Berneck

      Humboldt in matten Wettern

      Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

      Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

      Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

      In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

      "Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

      Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

      Das Bergwerk "Beständiges Glück"

      Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

      Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
      Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
      (Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

      Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

      Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

      Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

      1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck. Er war schon Jahre zuvor ein begeisterter Kurgast des Ortes. Als Bürger von Berneck erwies sich Rother als Förderer des Kurortes, seit 1866 war er auch Mitglied des Kurkomitees. Auf den Halden des zwei Jahrzehnte zuvor stillgelegten Bergwerkes "Beständiges Glück" ließ Rother auf eigene Kosten einen Park ("Blüchersruhe") mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen anlegen. Dieser stellt heute eine überregionale Besonderheit dar.

      Wilhelm Rother wurde 1867 Ehrenbürger von Berneck. Er starb 1898. Der Stadt Berneck hinterließ Rother testamentarisch mehr als eine halbe Million Goldmark, u.a. mit der Auflage, "dass die ganzen Zinsen und Renten des Nachlasses ausschließlich zum Vorteil und zur Hebung der Kuranstalten verwendet werden sollen". An den Förderer der Stadt Berneck erinnert im umbenannten "Rotherspark" der 1900 aufgestellte Granitobelisk aus Kösseine-Granit. Bestattet ist Wilhelm Rother auf dem alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche.

      Tipps

      Thiesen Wetterstation

      Carl Thiesen finanzierte dem Kurort eine für die damalige Zeit technologisch aufwendige und damit äußerst kostspielige Wetterstation. Diese steht heute noch oberhalb des Marktplatzes.

      GEO-Tour Station 10: BRANDHOLZ
      Humboldt in Brandholz

      Humboldt im Goldrausch

      Am Abend des 20. Juli 1792 verfasst Alexander von Humboldt bereits Teile seines Berichtes über die Befahrung der Fürstenzeche in Brandholz und fügt diesem in einem zweiten Teil unter der Überschrift "Aussichten zur fortzusetzenden Wiedergewältigung der Fürstenzechen Baue" hinzu. Bei Niederschrift dieses Berichtes ist Humboldt möglicherweise schon in das Wunsiedler Revier weitergereist.

      Am Abend des 23. Juli notiert Humboldt (jetzt bereits in Arzberg) am Rand eines Briefes an Carl Freiesleben:

      "Die Fürstenzeche in Goldkronach hat mich sehr intriguirt [= neugierig gemacht]. Ich habe Akten, Risse p. studiert, bin das ganze ein 50 Lr. (= Lachter, 1 Lr. ∼ 2 Meter) tiefe Gebäude mit Ueberhauen aus dem 14ten Jahrhundert! durchfahren. Nun habe ich alles ins Reine. Es ist ein ungeheurer Bau, eine Grube auf 1.300 Lr. Länge."

      Die Fürstenzeche im Jahr 1792

      In seinem Bericht der Inspektionsreise beschreibt Humboldt den Zustand der Fürstenzeche. Diese war bereits unter Burggraf Friedrich V. 1365 als Fürstenzeche eröffnet worden und hatte ihre Blütezeit bis zum Einfall der Husiten 1430. Bis dahin hatte man die goldreichsten und gut erschließbaren Bereiche der Lagerstätte schon weitgehend abgebaut, so dass die Ausbeute immer geringer und und der Abbau immer schwieriger wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Bergbau auf Gold sogar subventioniert (es wurde eine "Zubuße" gegeben).

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht, dass die "Wiedergewältigung" der Fürstenzeche (sie befand sich demnach 1792 nicht in Betrieb) seit wenigen Monaten ("1 Quartal") auf allerhöchsten Befehl (vermutlich durch Minister Hardenberg) eingestellt worden war und dass man "[...] bloß das Ganze durch Einwechslung der Türstöcke in befahrbarem Stande" hielt. Humboldt studiert bereits zu diesem Zeitpunkt alte Bergwerksakten, u.a. die "lehrreichen Beschreibungen des Herrn Berghauptmann von Bothmer". Carl Ludwig Freiherr von Bothmer (1736–1803) war Berghauptmann im Fürstentum Bayreuth. Dessen Berichte können nur wenige Jahre zuvor verfasst worden sein.

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht die folgenden Stollen, Schächte und erzführenden Gänge:

        • Tannenschacht
        • Schmuzler
        • Schmiedtenstollen/Schmidtenstollen
        • Jacobschacht
        • Ferberschacht
        • Nasses Lichtloch
        • Rautenkranzer Gang (aber noch keine Rautenkranz-Zeche)
        • Knechtgang
        • Spießglasgang (= Spießglanz, Antimonit)
        • Weißer Kiesgang

      .

      Damit werden viele Lokalitäten genannt, deren Zeugnissen man noch heute bei einer Wanderung entlang des Humboldtweges begegnen kann.

      Aus Humboldts Beschreibungen geht der sehr komplexe Aufbau der Goldlagerstätte am Goldberg hervor. Ursache dafür ist die starke tektonische Zergliederung des Gebirges im Nahfeld der Bruchzone der "Fränkischen Linie" (deren Einfluss Humboldt natürlich noch nicht kennen konnte). Humboldt widerspricht in seinem Bericht der Auffassung, dass "die Golderze auf der Fürstenzeche nicht auf ordentlichen Gängen, sondern [an] das Gestein durchschwärmenden Trümmern" gebunden wären. Diese Ansicht hätte vielfach zu einer wenig rentablen Wiedergewältigung der Zeche geführt.

      Tipps

      Goldbergbaumuseum Goldkronach

      Das Goldbergbaumuseum in Goldkronach präsentiert in mehreren Abteilungen die Stadtgeschichte Goldkronachs, die Geologie der Umgebung und der Goldlagerstätte, die Geschichte des Bergbaus, das Blattgold-Kunsthandwerk sowie Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge.

      Internet: www.goldbergbaumuseum.de

      GEO-Tour Station 11: GOLDKRONACH
      Humboldt in Goldkronach

      Humboldt und das Goldstädtchen

      Goldkronach gehört zu den Orten in Oberfranken, in denen Alexander von Humboldt heute wohl noch am gegenwärtigsten ist. So bezeichnet sich das kleine Städtchen vielfach auch als "Humboldt-Stadt". In Goldkronach hat auch der Verein Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V. seinen Sitz. Dessen Anliegen ist es, insbesondere an Humboldts Wirken in Goldkronach von 1792 bis 1795 zu erinnern. Einen Link auf die Internet-Präsenz des Vereins finden Sie weiter unten.

      Als Sitz des Bergamtes Goldkronach und die einst reichen Goldlagerstätte am Goldberg hatte Goldkronach besondere Bedeutung für Alexander von Humboldt. Erstmals kam Humboldt am 20. Juli 1792 im Rahmen seiner Inspektionsreise nach Goldkronach. Von hier aus befuhr er die Fürstenzeche und blieb bis zur Weiterreise ins Wunsiedler Revier (20. Juli in Arzberg). Nach seinem offiziellen Dienstantritt im Oberbergdepartement Ende Mai 1793 war Goldkronach Ziel von Humboldts erstem Geländebesuch. Hier hält er sich im Juni mehrere Tage auf. Sein Quartier ist die alte Quickmühle (Amalgamiermühle) in Goldmühl. Von dort schreibt er am 10. Juni 1793 seinem Freund Carl Freiesleben:

      "Ich komme eben aus der Grube. Ich bin 2 Meilen geritten und an 3 Stunden auf der Fürstenzeche gefahren, wundern Sie Sich also nicht, liebster Freiesleben, wenn ich Ihnen einen verworrenen Brief schreibe. Mit dem Bergbau geht alles schneller, als ich dachte. [...] In bin seit wenigen Tagen hier, um den eingestellten Bau auf der Fürstenzeche [...] vorzurichten. Das allgemeine Vertrauen, welches der gemeine Bergmann mir übberall zeigt, macht mir meine Arbeit lieb, denn sonst ist meine Lage sonderbar genug, ich thue eingentlich Dienste als Geschworener, nicht als O[ber]bergmeister. Von meinen Vorrichtungen schriebe ich Ihnen jezt nichts. Ich bin zu müde, die Hitze ist unerträglich und die Grubenwetter matt.[...] Die alte Mühle, die ich bewohne, war eine Quikmühle schon im 13ten Jahrhundert. Die Zoppte stürzt sich wild durch die Felsklippen durch. Wenn es glükken sollte, die ausgewanderten Bergleute wiederzurufen, dieser romantischen Gegend nur einen kleinen Theil ihres alten Glanzes wiederzugeben ..."

      Humboldtorte

      Die alte Mühle in Goldmühl

      In den Jahren 1793 und 1794 diente die ehemalige Quickmühle in Goldmühl (heute Ortsteil von Bad Berneck) Alexander von Humboldt als Quartier. Die Mühle wurde um 1557 (nicht wie Humboldt schrieb "schon im 13ten Jahrhundert") als Schneidsäge mit sechs Wasserrädern erbaut. Die Wasserräder trieben ein Pochwerk, eine Mahlmühle und Blasebälge für eine Schmelzhütte an. In den ersten Jahren diente sie auch als Amalgamierwerk ("Quickmühle"), d.h., aus dem durch das Pochen zerkleinerten Erz wurde das Gold mit Hilfe von Quecksilber herausgelöst. Mahl- und Quickmühle arbeiteten bis 1563, danach wird die Mühle zunächst nur noch als Schmelzhütte betrieben, kommen eine Drahtzieherei (um 1600) und eine Getreidemühle (1689) hinzu (Holl & Schulz-Lüpertz 2012). Das heutige Wohnhaus stammt von 1769 (dem Geburtsjahr Humboldts!) und wird als solches noch heute privat genutzt. Die neben der Haustür angebrachte Gedenktafel sehen Sie nebenstehend.

      Hotel "Alexander von Humboldt" (vormals Gasthaus "Zum weißen Schwan")

      Das heutige Hotel steht an dem Ort, an dem zu Humboldts Zeit das Haus des Musikus und Handelsmannes Johann Georg Todschinder stand. In diesem hatte Humboldt möglicherweise seinen Amtssitz. Daran erinnert die an der Fassade angebrachte Gedenktafel:

      "An diesem Platze stand das Haus, in welchem Alexander von Humboldt in den Jahren 1792 - 1795 als koenigl. Preußischer Bergamtsassessor und Oberbergmeister zeitweilig amtierte"

      Ganz sicher belegt ist dies jedoch nicht. Das heutige Hotelgebäude wurde nach dem großen Stadtbrand von 1836 errichtet. Diesem Brand waren viele Gebäude des Ortes zum Opfer gefallen. Ursprünglich hieß das hier untergebrachte Gasthaus "Zum weißen Schwan". Es wurde im Jahr 1868 in einem Festakt in "Alexander von Humboldt-Hotel" umbenannt.

      Ehemaliges Forsthaus (heute Goldbergbaumuseum)

      Das heutige Goldbergbaumuseum an Durchgangsstraße (Bayreuther Straße 21) trägt im Wappenrelief über der Eingangstür die Jahreszahl 1740. In ihm befand sich zu Zeiten Humboldts (bis in die heutige Zeit) eine Forstdienststelle. Oberförster war damals Adolph Ferdinand Böhner, Schwiegervater von Georg Friedrich Püttner (Büttner bei Humboldt). Dieser war einer der Freiberger Kommilitonen von Humboldt. In einem Brief vom 11. Juli 1793 an einen anderen Freiberger Studienfreund, den Russen Vladimir Jurevič Sojmonov, erwähnt Alexander von Humboldt, dass er bei Böhner den gemeinsamen Studienfreund Püttner getroffen habe. Vielfach wird erwähnt, Humboldt hätte in dem Haus auch kurzzeitig gewohnt. Dies geht aus dem erwähnten Brief jedoch nicht hervor. Dort schreibt Humboldt von Forstmeister Böhner, in dessen Nachbarschaft er wohne.

      Ein Besuch des Goldbergbaumuseums sollte man nicht versäumen. Es ist zurzeit allerdings nur von April bis Ende November an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der Geologie und Bergbaugeschichte im Raum Goldkronach beinhaltet das Museum auch einen eigenen Raum zu Alexander von Humboldt.

      Einstiges Wohnhaus Marktplatz 11 (heute Bäckerei)

      Dort wo heute auf der Nordseite des Marktplatzes ein Gebäude mit einer Bäckerei besteht, stand bis zum Stadtbrand von 1836 das Wohnhaus des Schichtmeisters, Bergverwalters und Knappschaftsschreibers Christian Ernst Tornesi. Dieser wohnte hier mit seiner Familie in den Jahren von 1738 bis 1754. Christian Ernst Tornesi kam 1731 aus dem Unterharz nach Goldkronach. Am 7. April 1748 wurde hier als eines von neun Kindern sein Sohn Otto Heinrich Tornesi geboren, der später ein geschätzter Kollege von Alexander von Humboldt und 1798 dessen Nachfolger im Oberbergdepartement werden sollte (siehe dazu weiter unten). Die ganze Familie siedelte 1754 nach Bayreuth über. Christian Ernst Tornesi war dort zum Inspektor und Verwalter für das Zucht- und Arbeitshaus in St. Georgen berufen worden. Dem Zuchthaus war eine Marmorfabrik angeliedert, in dem die Häftlinge arbeiten mussten und die Tornesi ebenfalls leitete.

      Schloss Goldkronach und Humboldt-Kulturforum

      Das Goldkronacher Schloss ist ein ehemaliges Ritterschloss aus dem 16./18. Jahrhundert. Es ist heute in Privatbesitz und Sitz des Alexander-von-Humboldt Kulturforums. Eine kleine Sonderausstellung zu Alexander von Humboldt sowie die von Hans Dressel (†) stammende Humboldt-Büste können bei Veranstaltungen der Kulturforums oder Führungen des GEOPARK Bayern-Böhmen besichtigt werden.

      Nationles Geotop Goldberg

      Seit 2019 gehört der Goldberg bei Goldkronach, das Zentrum des einstigen Goldbergbaus, zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Zu verdanken ist dies seiner montanhistorischer Bedeutung, auch im Hinblick auf das Wirken Alexander von Humboldts, und der dort vorhandenen Infrastruktur.

      Tipps

      Humboldt-Weg und Besucher-Bergwerke

      Der rund sechs Kilometer lange Rundweg führt auf Waldwegen und -pfaden, innerorts auf befestigten Wegen, vorbei an vielen ehemaligen Zeugnissen des Bergbaus seit dem Mittelalter. Startpunkte sind am Infohaus zu den Besucher-Bergwerken auf dem Goldberg, am Parkplatz des Friedhofes, am Wanderparkplatz in Brandholz. Auch der Start in Goldkronach am Marktplatz ist empfehlenswert (Wegstrecke ca. zwei Kilometer länger). Dieser beginnt am Marktplatz und führt ca. 100 Meter nach der Bäckerei am Marktplatz 11 in Richtung Sichersreuth bzw. am Ende der Stadtkirche über einen Wanderpfad zunächst zum Parkplatz am Friedhof (eine Abkürzung direkt auf die Straße an der Ottenleite ist möglich).

       

      Goldbergbaumuseum

      Öffnungszeiten:
      April bis Ende November Sonn- und Feiertage, 13 bis 17 Uhr
      Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich.

       

      Kulturforum Alexander von Humboldt Schloss Goldkronach
      www.humboldt-kulturforum.de

      Goldbergbaumuseum Goldkronach
      www.goldbergbaumuseum.de

      Goldbergknappen

      http://www.goldbergknappen.de/html/rundgang_beginn.html

      GEO-Tour Station 12: BISCHOFSGRÜN
      Humboldt in Bischofsgrün

      Humboldt und die Perlen

      Alexander von Humboldt besucht Bischofsgrün bzw. den Fröbershammer erstmals am 21. Juli 1792. Er notiert in seinem Inspektionsbericht, dass es dort zwei Frischfeuer, einen Zainhammer (für die Nagelschmiede) und eine Knopfhütte gibt. Der Knopfhütte widmet er besondere Aufmerksamkeit.

      Humboldt führt aus, dass die Knopfhütte nur in fünf Wintermonaten betrieben wird und dem Kommerzienrat Loewel gehört. Aus dem Hinweis, dass man "die Arbeiter [im Sommer] zum Holzhauen und zur Feldwirtschaft braucht" geht hervor, dass die einheimischen Bauern die Arbeit in der Knopfhütte verrichteten. Zum Zeitpunkt seines Besuches (Juli) wurde in der Knopfhütte jedoch wohl nicht gearbeitet. Humboldt hat sich demnach die Knopfhütte vor Ort ausführlich schildern lassen. Als Rohstoff für die Glasknöpfe - die Batterlessteine / Paterle - nennt Humboldt einen Grünstein mit wenig Feldspat und vieler innig beigemengter Hornblende von Schneeberg und Ochsenkopf. Er selbst habe das Gestein noch nirgends im Lande anstehend gefunden", es liege dort "in Butzen umher".

      Bei dem von Humboldt angsprochenen Gestein handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, dass in einer rund 5 Kilometer langen und bis zu 20 Meter breiten NNW-SSO-verlaufenden Förderspalte quer durch den Ochsenkopf vorkommt, den sogenannten Proterobas. Vorkommen am Schneeberg gibt es allerdings nicht.

      Humboldt berichtet über das Schmelzen des Gesteins, den Knopfofen sowie das Arbeiten am Ofen. Am Ofen arbeiten 25 Mann (!) vor je einer Öffnung und zogen die geschmolzene Masse (das Glas) mit einer langen Zange ("Kluft" bei Humboldt, auch "Kluppe" genannt) aus dem im Ofen stehenden Schmelztiegel, um es anschließend (durch Drehen) zu "modeln".

      Hergestellt werden im Jahr Knöpfe im Wert von 4.000 - 5.000 Gulden. Bei einem Preis von 6 Kreuzer je "Schnur" mit je 20 Dutzend Knöpfen sind dies ... Knöpfe.

      Die schwarzen Proterobas-Knöpfe wurden mit Emailfarbe bemalt und anschließend die Farbe eingebrannt. Als Farbstoffe wurden verwendet: weiß - Brauneisenstein mit Arsenikkalk, gelb - Birkenkohle, blau - Smalte (mit Kobald gefärbetes Kaliumsilikatglas).

      Humboldt berichtet, dass Glasknöpfe bereits seit 200 bis 300 Jahren in der Region hergestellt werden und ihren Ursprung in "in der Warmen Steinach" - also in Warmensteinach - hat. Derzeit gäbe es im Bayreutherischen fünf Fabriken, die ihre Erzeugnisse nach Schlesien und Polen, teils für den "Sklavenhandel nach Afrika [?] geben."

      Humboldt schließt seinen Bericht über die Knopfhütte mit einer Bemerkung zur Abwanderung von Arbeitern aus dem Bayreuther Fürstentum in die nahegelegee obere Pfalz und nach Böhmen:

      "Bayreuther Arbeiter sind in die obere Pfalz und nach Böhmen übergelaufen und die Konkurrenz der dort neu angelegten Fabriken, die wohlfeileres [= günstigeres] Holz haben, hat den Absatz vermindert und die Ware wohlfeiler gemacht."

      Dies lässt erkennen, dass der Mangel an Holz in der Region wirtschaftliche Folgen hatte.

      Der Fröbershammer

      Humboldt berichtet auch über die Frischfeuer und den Zainhammer, die "vortrefflich eingerichtet" sind und "sehr gute Ware" liefern. Er merkt jedoch an, dass der Verlust an Eisen durch das Frischen beträchtlich ist (3/8). Als wahrscheinliche Ursache benennt er das "Anlaufen" (siehe unten).

      In einem Frischfeuer wird das Roheisen bei starker Hitze wieder aufgeschmolzen. Mit einem Blasebalg wird Luft über die Eisenschmelze geführt, um dem im Eisen von der Herstellung noch vorhandenen Kohlenstoff zu verbrennen. Zwischendurch wird das flüssige Eisen immer wieder umgerührt. Ziel ist es, möglichst wenig Kohlenstoff im Eisen zu haben, um es weniger spröde und damit gut schmiedbar zu bekommen. Das Frischen dauert 5 bis 6 Stunden.

      Der von Humboldt verwendete Begriff des "Anlaufens" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man das Eisen mit einer Stange unter Drehen aus der flüssigen Schmelzmasse herausgenommen hat. Während des Drehens setzte sich das Eisen an der Stange fest. Anschließend wurde es abgeschreckt und geschmiedet. Dann wurde das Eisen wieder in die Schmelzmasse gehalten und die nächste Schicht lagerte sich an. Der Vorgang wurde so lang fortgesetzt, wie sich das Eisen schmieden ließ und dem Schmied nicht zu schwer. Am Grund des Ofens setzte sich das minderwertige "Theileisen" ab. Durch das Schmieden werden noch vorhandene Schlackenreste aus dem Eisen entfernt.

      Das Frischen des Eisens ist ein sehr viel Energie verbrauchender Vorgang. Humboldt berichtet, dass je Frischfeuer am Fröbershammer je Woche 42 Zentner Eisen gefrischt werden, wobei dafür 84 Kübel Holzkohlen verbraucht wurden. Hierzu benötigte man 17 bis 21 Klafter Holz (ganz grob 1 Klafter Holz = 3 Kubikmeter). Für beide Frischfeuer waren das pro Woche rund 102 bis 126 Kubikmeter Holz!

      Lesen Sie hier den gesamten Text Humboldts über die Frischfeuer und den Zainhammer zu Bischofsgrün. Es sei hier als Beispiel der von ihm verwendeten Fachtermini und Darstellungsweise aufgezeigt.

      Tipps

      Glaswanderweg

      Der Glaswanderweg ist ein industriehistorisch interessanter und naturräumlich reizvoller Themenwanderweg mit einer Länge von 42 Kilometern zwischen Weidenberg und Bischofsgrün. Er ist in die Abschnitte

      • Weidenberg - Sophienthal - Zainhammer
      • Zainhammer - Warmensteinach - Grünstein
      • Grünstein - Neugrün - Fichtelberg - Karches
      • Karches - Bischofsgrün

      gegliedert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite www.glas-im-fichtelgebirge.de.

      Waldglashütte am Ochsenkopf

      Archivalische Notizen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben eine „Glas- und Knopfhütte am Fichtelberg“, entlegen an der Landesgrenze zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Kulmbach und Obere Pfalz. Archäologische Ausgrabungen unter Trägerschaft der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth e. V. zwischen 2004 und 2006 haben die Relikte der alten Proterobas-Glashütte wieder zum Vorschein gebracht. Die begleitenden archäologischen Untersuchungen sind ein allererster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen und interdisziplinären Aufarbeitung der Siedlungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte im zentralsten deutschen Mittelgebirge.

      Die am südlichen Hang des Ochsenkopfes im heutigen Landkreis Bayreuth ausgegrabene Glashütte lässt sich weit zurückverfolgen. Lorenz Glaser bittet 1616 um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Hütte auf oberpfälzischen Grund an der Mooslohe. Der Standort zwischen Proterobas- und Quarzitgängen an dem aus den Kalten Brunnen fließenden Bächlein ist ideal gelegen.

      Die Waldglashütte erreichen Sie am besten vom Parkplatz nahe der Bleaml-Alm auf dem Forstweg Richtung Ochsenkopf. An der ersten Abzweigung (ca. 400 Meter nach Eintritt in das Waldgebiet) nach rechts und dem Forstweg noch etwa 200 Meter folgen.

      GEO-Tour Station 13: LUISENBURG / WUNSIEDEL
      Humboldt in Luisenburg / Wunsiedel

      Humboldt und die Luisenburg

      Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Felsenlabyrinth der Luisenburg als berühmtester Besucher Johann Wolfgang von Goethe genannt. Dieser duchstieg Teile des Felsenmeeres 1785, noch vor der ersten Ausbauphase zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten, und bei einem zweiten Besuch 1820. Zu diesem Zeitpunkt war das Labyrinth schon nahezu in seiner heutigen Form begehbar. Über Besuche Alexander von Humboldts ist tatsächlich nur sehr wenig bekannt. Die Kenntnis davon stützt sich auf eine Reisebeschreibung des polnische Grafen de Lagarde-Messence in von 1819, in der es heißt: "[...] dort findet man ein rechtmerkwürdiges Moos, das in der Finsternis schimmert. Als Herr von Humboldt, Bergwerksmeister seines Zeichens, durch diese Berge ging, machte er die Analyse davon [...]". Aufzeichnungen Humboldts selbst hierzu sind jedoch heute nicht mehr verfügbar.

      In Humboldts Inspektionsbereicht von 1792 findet sich die folgende Textstelle:
      "Daß das relative Alter dieser Granit-Abänderungen sehr verschieden ist, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man auch die eine nicht selten ("an der Luxburg") als Bruchstück in anderen eingewachsen findet."

      Einige Absätze weiter heißt Humboldt:

      "Der Granit auf dem höchsten Kuppengebirge liegt teils söhlig (aie auf der Luxburg), teils schießt er (wie auf dem Schneeberge) unter 10° gegen Abend [nach Westen] ein."

      Humboldt bezieht sich mit seinen Beobachtungen zweimal auf die Luxburg, die 1805 zu Ehren des Besuches der preußischen Königin Luise in Luisenburg umbenannt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass Humboldt diese Erscheinungen mit eigenen Augen gesehen hat. Anders wäre es auch verwunderlich gewesen, denn bereits ab 1790 begann die Begehbarmachung des Labyrinthes.

      Humboldt und der Granit

      Humboldt ist zu einer fränkischen Zeit noch dem "Lager der Neptunisten" zuzuordnen. Er folgt damit der Lehrmeinung seines Lehrers in Freiberg, Abraham Gottlob Werner. Danach wurde der Granit in einer frühen Phase der Bildung der Erdkruste aus einem Urozean, d.h. aus einem wässrigen Medkum, ausgefällt. Als ein Indiz dafür galt auch die "Schichtung" des Granits:

      "Da, wo noch das alte Ausgehende1) des Granits zu sehen ist, d.i. auf einzelnen, turmähnlichen Kuppen, findet sich der Granit äußerst regelmäßig, wie dichter Kalkstein geschichtet, und zwar in Lagern zu 2 Fuß 8 Zoll."

      1) Das Ausgehende meint hier "die obersten Schichten". Humboldt beschreibt hier Felstürme, Felsbastionen, an denen die horizontalen Lagerklüfte gut zu erkennen sind.

      Seine erste Niederschrift ergänzt Humboldt bei einer Überarbeitung des Manuskriptes (zwischen August 1792 und April 1793) wie folgt:

      "Ich glaube nämlich, daß aller Granit ursprünglich (da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten) d.h. im Ausgehenden geschichtet war und daß geschichteter Granit nur darum ein so seltenes (von einigen nicht reisenden Geognosten geleugnetes) Phänomen ist, weil wir überall gleichsam in den Vertiefungen der zerstörten Erdrinde wohnen und das alte Ausgehende des Granits nur auf den höchsten besuchten Punkten der Erdoberfläche zu suchen ist."

      Für Humboldt ist der Granit nur in seinen obersten Abschnitten geschichtet: "[...] da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten." Auch wenn es im Inspektionsbericht nicht weiter ausgeführt ist, dürfte Humboldt den Granit in der Tiefe als strukturlose Masse betrachtet haben. Ob er Vorstellungen darüber hatte, wie es hierzu gekommen sein soll, ist ebenfalls nicht ausgeführt.

      Bei Seußen nahe Arzberg macht Humboldt eine weitere Beobachtung in den granitischen Gesteinen des Fichtelgebirges, die ihm so bemerkenswert erscheint, dass er sie noch während seiner Inspektionsreise im Juli 1792 an den Herausgeber des Bergmännischen Journals schreibt (vermutlich am 23. Juli). Der Brief erscheint daraufhin noch in der Juli-Ausgabe des Journals.

      "Auf einer Reise durch das Wunsiedler Bergamt entdeckte mein lehrreicher Begleiter Herr Hof-Kammerrath Tornesi, [...] zwei vollkommene Granitkugeln am Wege unweit Seisen [= Seußen]! Dies Phänomen wird Ihnen gewiß nicht weniger auffallend scheinen, als es mir war. Beide Granitkugeln waren von 14-16 Zoll im Durchmesser [35-40 cm][...]. Sie bestehen aus einem deutlichen feinkörnigen Granite mit vielem tombackbraunen Glimmer, und zeigen konzentrisch-schalige absonderte Stücke, von denen wir zwei Schalen ablößten. Beide waren noch ihrer natürlichen Lagerstätte, eingewachsen in einem grobkörnigen Granite, der sich durch den (am Fichtelberg nicht seltenen) kristallisierten Feldspat auszeichnete und der Verwitterung nahe war: ein Beweis also, daß selbst der Granit [...] die Fähigkeit [hat] sich kugelartig zu ballen!"

      Was Humboldt in die Eigenschaft des Granits "sich kugelartig zu ballen" hineininterpretiert, lässt sich nicht ohne Weiteres erschließen. Es ist vermutlich vor allem eine Beobachtung, die er der geognostischen Gemeinschaft kundtun will. Humboldt erwähnt die Kugeln auch in seinem Inspektionsbericht:

      "[...] kommen auch Granitkugeln mit 2- 3fach konzentrisch, schalig abgesonderten Stücken in einem verwitterten Granite bei Seäßen vor".

      In einer nachträglichen Ergänzung kommentiert Humboldt:

      "Ihre Art des Vorkommens zeigt, daß sie nicht sekundär sind. In anderen Teilen europäischer Gebirge sind sie noch nie entdeckt worden und unseren Gebirgen [...] ausschließlich eigen."

      Die Beobachtung Humboldts zeigt sein Interesse und Gespür für das "Nichtalltägliche", die Besonderheiten, die es gilt weiter zu erforschen. Die von Humboldt beschriebene Erscheinung erklärt sich heute als Folge von Verwitterungsprozessen (was sich bei Humboldts Beschreibung ja bereits andeutet). Die "Kugeln" sind in einer Verwitterungsdecke infolge des richtungslosen Gefüges des magmatischen Gesteins entstanden. Ausgehend von einer quaderförmigen, durch Klüfte begrenzten Rohform sind die Gesteinskanten rasch verwittert. In die kugelige Form sind Verwitterungslösungen unterschiedlich weit eingedrungen (oder auch thermische Einwirkungen, Frost oder Temperatur) und haben die konzentrischen Schalen abgelöst.

      Tipps

      Besuchen Sie das Felsenlabyrinth der Luisenburg - eine der wichtigsten geologischen Lokalitäten im GEOPARK Bayern-Böhmen.

      GEO-Tour Station 14: KLAUSEN / SEUßEN
      Humboldt in Klausen / Seußen

      Humboldt und das Klima

      Alexander von Humboldt besucht das Püttnersche Alaunwerk Treue Freundschaft in der Klausen bei Seußen erstmals am 24. Juli 1792 im Rahmen seiner "Inspektionsreise". In seinem Bericht schildert er ausführlich das Werk und die Produktionsschritte der Herstellung von Alaun.

      Schon in seinem Bericht beschreibt er die bituminöse Blätterkohle, in der "oft noch unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten" haben, zu finden sind. Humboldt erwähnt diese Fossilien auch in einem Brief an den Verleger des "Bergmännichen Journals" Hoffmann, der diesen bereits in der Juli-Ausgabe 1792 abdruckt. Dort heißt es:

      [...]Bei Klausen an der Oberpfälzischen Grenze liegt das 21 Lachter mächtige Braunkohlenflöz unter einem Gerölle von mehr oder weniger verwitterten Basaltkugeln. Einige sind mit den Fingern zerreiblich, und doch erkennt man noch die 6-9 fach concntrisch schaligen abgesonderten Stücke. In der Braunkohle finden sich unversehrte Aeste von Tannenzweigen, die fast ihre natürliche Farbe erhalten haben, und so also gegen die Feuerrevolution zeugen. [...]"

      Mit dem Zeugnis gegen die Feuerrevolution spielt Humboldt auf die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten an (siehe dazu Station Luisenburg und Steinhaus). Nachdem Basalte die Braunkohlen überlagern, war Humboldt der Meinung, dass - wären diese aus glutflüssiger Lava erstarrt - die Lava die Pflanzenfossilien in der Farbe verändert, vermutlich verbrannt hätten. Aus heutiger Sicht ist bereits die Interpretation der Lagerungsverhältnisse nicht richtig. Die Basaltblöcke sind in einer lehmigen Grundmasse durch den Prozess des Bodenfließens hangabwärts auf die Braunkohlenlager verfrachtet worden.

      Die Sache mit der Ekliptik

      Im November 1794 schreibt Alexander von Humboldt einen Brief an den Mathematiker Johann Friedrich Pfaff. Darin kündigt er ein größeres Werk unter dem Titel "Ideen zu einer künftigen Geschichte und Geographie der Pflanzen oder historische Nachricht von der allmäligen Ausbreitung der Gewächse über den Erdboden und ihren allgemeinsten geognostischen Verhältnissen" an, das "in 20 Jahren" erscheinen soll. In dem Brief erläutert Humboldt, dass selbst in hohen geographischen Breiten Pflanzenfossilien vorkommen, die unter "Tropenwärme" vor Ort gewachsen sind. "Unter den vielen möglichen Gründen, welche eine Tropenwärme [...] hervorbringen können, studiere ich den besonders über die veränderte Schiefe der Ekliptik ...". Humboldt bittet Pfaff um eine Stellungnahme darüber, ob die Ekliptik in der Vergangenheit nicht auch 48° (gegenüber heute 23 1/2°) betragen haben könnte. Die Antwort von Pfaff ist nicht erhalten, da Humboldt in aller Regel die an ihn gerichteten Briefe vernichtete. In einem Vortrag vor der Akademie zu Berlin am 24. Januar 1823 stellt Humboldt eine völlig andere Hypothese zum Wachstum wärmeliebender Pflanzen weit außerhalb der heutigen Tropen auf. Lesen Sie diese Textpassage hier

      Humboldt schließt seinen Brief wie folgt:

      "Auf meinen rauhen Felsenhöhen hänge ich solchen Träumereien nach. Beraubt von den nothwendigsten Hilfsmitteln muß ich mich an lebendige Orakel wenden ...".

      Was ist Alaun?

      Alaun ist chemisch ein wasserhaltiges Doppelsulfat (SO44-), ein Salz der Schwefelsäure, vermischt mit Tonerde, einer kleinen Menge Potasche (Kalium) und Ammonium. Verwendung fand Alaun u.a.

      • in der Färberei als Beizmittel vor dem Aufbringen von Farbstoffen,
      • in der Gerberei, um weißgares Leder herzustellen,
      • zum Leimen von Papier, um es tintenfest zu machen,
      • zum Härten von Gips und Gelatine,
      • zum Stillen innerer Blutungen und Durchfälle
      • zum Blutstillen bei Schnittwunden (Rasur)
      • als Deodorant

      Alaun kommt in der Natur i.d.R. nicht als Mineral vor, sondern muss in mehreren Schritten aus Schwefel-führenden Gesteinen ausgelaugt werden. In Frage kommen dafür Braunkohlen oder Schwefelkies-haltige Alaunschiefer.

      Das ehemalige Alaunwerk auf der Klausen

      Bereits 1732 gab es in Hohenberg a.d. Eger die Braunkohlengrube "Freundschaft". Dort verbrannte man die Kohle und laugte sie anschließend zur Herstellung von Alaun aus. In Arzberg entstand 1765 eine Alaunhütte am Schachtweg "in der Biih" (= bei der Alaunhütte), die ihre Braunkohle ebenfalls aus Hohenberg bezog, jedoch bereits 1770 ihren Betrieb wieder einstellte.

      Für das Gebiet der Klausen erwirbt der in Seußen ansässige Oberförster Balthasar Christoph Reiz die Mutungsrechte für die Zeche "Treue Freundschaft", die 1762 ihren Betrieb aufnimmt. Vor Ort entsteht ein Alaunwerk, in dem aus der Schwefelkies-haltigen Braunkohle bis 1837 (75 Jahre lang) Alaun produziert wird. Erwähnung finden die Schwefelkies-haltigen Braunkohlen allerdings schon in der von dem markgräflichen Bergrat Johann Wilhelm Kretschmann stammenden "Sammlung zu einer Berg Historia" als "Schefel Kieße von der Clausen, eine Stunde von Redwitz nach Arzberg zu, wobei eine Art Stein Kohlenn, so alaunisch seyn ...".

      Eine erste Beschreibung des Alaunwerkes stammt von 1786:

      "Das Werk besteht aus 2 Hauptgebäuden, wovon jedes 2 Stockwerke hoch ist. In denselben wird zu ebener Erde in 5 kleinen Blechpfannen die Lauge gekocht und in 5 größeren Bleipfannen abgekühlt [...]. Hinter dem Gebäude befindet sich eine Hütte mit 10 hölzernen Kufen verschiedener Größe, in welchen sich die Sole sammelt. 11 Personen liefern wöchentlich 8 Zentner Alaun und etwas rote Farberde". (Nach: J.K. Bundschuh, Geographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799-1804).

      Alexander von Humboldt und das Alaunwerk auf der Klausen

      Alexander von Humboldt widmet dem Alaunwerk auf der Klausen 1792 einen ausführlichen Bericht. Er stellt darin fest, dass das Gestein, "aus welchem man hier den Alaun gewinnt, [...] weder Alaunschiefer noch Alaunerde, sondern wahre Braunkohle" ist. Die Lagerstätte des Flözes bezeichnet er als "überaus merkwürdig".

      Aus Humboldts Beschreibung der Lagenstätte lässt sich der folgende geologische Aufbau ableiten:

      • Humus
      • 2 - 3 m Verwitterungslehm mit 37 - 42 cm großen Basaltkugeln
      • 4 - 5 m weiße und braune Letten
      • darunter (ab ca. 8 m) folgt das Braunkohlenflöz

      Die Mächtigkeit des Flözes ist offensichtlich unbekannt, es soll jedoch noch in 42 m Tiefe erbohrt worden sein. Humboldt hält fest, dass die Lagerstätte im Nordwesten von Gneisen begrenzt wird (man findet sie in mehreren Aufschlüssen heute noch entlang des nördlichen Uferweges. In der Braunkohle beschreibt Humboldt "unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten [haben], und unverwitterte Schwefelkiese."

      Der Beschreibung Humboldts zufolge erreichten die Bergleute das Braunkohlenflöz von der Oberfläche her über mehrere mit großem Aufwand gezimmerte Schächte. Über diese wurde das "mit dem Keilhauer Gewonnene durch Haspel herausgefördert." Der eigentliche Abbaustollen lag bis in 28 Meter Tiefe und hatte eine Länge von rund 220 Metern in südlicher Richtung. Der größte Teil des Stollens war ausgezimmert.

      Zur Zeit von Humboldts Besuch arbeiteten 12 Bergleute auf der Grube, das Alaunsieden erfolgte nur während der wärmeren Jahreszeit. Das mit verwittertem und unverwittertem Schwefelkies durchsetzte Alaunerz, die Braunkohle, wurde auf die "Bühne" verbracht, ein aus Balken und Brettern bestehendes Bauwerk oberhalb der Grube, die mundartlich so genannte "Biih". Auf der "Biih" wurden die Braunkohlen vor der eigentlichen Alaunproduktion erst eineinhalb bis zwei Jahre gelagert, um dort zu "wittern". Danach beginnt das Auslaugen (12-15 Jahre!). Während der Lagerung und später beim Begießen und Wenden der Braunkohlen oxidiert der Luftsauerstoff den Schwefelkies (Pyrit) in der Braunkohle. Die dabei freigesetzte Schwefelsäure löst aus den tonigen Begleitsedimenten der Braunkohle Aluminium, Kieselsäure und Bitumen heraus. Diese Lauge wird in einen Schuppen nahe der Alaunhütte geleitet, wo sie in mehreren, im Boden eingelassenen Vorratskästen (1,50 m im Durchmesser, 1,20 m tief) zwischengelagert wird.

      Im nächsten Schritt wird die Lauge in drei "Läuterpfannen" 36 Stunden lang "gesotten" (gekocht). Während des Siedens setzen sich die bituminösen Bestandteile und die Kieselsäure als teerartige Masse ab, die getrocknet schwarz-glänzend ist und einen muscheligen Bruch hat. Die geläuterte Lauge wird zum Abkühlen in größere Pfannen geleitet, danach in zwei Garpfannen unter Zugabe von Pottasche (Kaliumkarbonat) 24 Stunden eingedampft.

      Humboldt nennt in seinem Bericht, dass wöchentlich 5 Zentner Alaun produziert werden. Der Holzbedarf dafür beträgt 10 Klafter. Humboldt bilanziert daraus die jährliche Produktion von 100 - 120 Zentner Alaun mit einem Holzverbrauch von 200 - 240 Klaftern (bei 5 - 6 Monaten Betrieb). Kritisch äußert er sich über den hohen Holzverbrauch, den er u.a. einer unsachgemäßen Befeuerung und falschen Bauweise der Pfannen zuschreibt.

      Das "Püttnersche Alaunwerk" auf der Klausen

      Humboldt benennt das Alaunwerk auf der Klausen als das "Püttnersche Alaunwerk". Es gehörte demnach der Kaufmanns- und Bankierfamilie Jakob Friedrich Püttner (1720-1798) aus Hof, die auch Eigentümer der Vitriol- und Alaunhütte "Goldene Adlerhütte" bei Wirsberg war. Dessen Enkel, Georg Friedrich Püttner, war Kommilitone Humboldts in Freiberg und übernahm später das Vitriolwerk bei Wirsberg und die Alaushütte auf der Klausen.

      Hüttenmeister zur Zeit des Besuches von Humboldt war der Johann Christian Ullmann, "... ein sehr verständiger Mensch, aber ehemaliger Bermann aus Johanngeorgenstadt, der sich wohl besser auf Bergbau als Pyrotechnik verstehen mag." (Humboldt). Von 1808 an leitete das Püttnersche Alaunwerk der aus der Niederlausitz stammende August Reinsch (1778 - 1869), der ausgebildeter Apotheker war. Er war zuvor als Laborant auf der "Goldenen Adlerhütte" tätig. Reinsch übernahm nach dem Tod des Obersteigers J.C. Benker 1805 die Leitung der 1795 von Alexander von Humboldt in Arzberg gegründeten Bergschule. Reinsch übernimmt einige Jahre vor 1833 das Alaunwerk zu eigener Pacht. Für das Jahr 1829 werden noch 5 Bergarbeiter und 10 Alaunsieder genannt. Das Alauswerk wird 1833 von den Püttnerschen Gewerken an den Seußener Gutsbesitzer Christian Paul Aecker verkauft. Reinsch geht als "Berg- und Hüttenfaktor" (Verwalter) des Schwefelkiesbergwerkes am Silberberg nach Bodenmais (heute Besucher-Bergwerk).

      Der Niedergang des Alaunwerkes auf der Klausen

      Der neue Eigentümer seit 1833 des Alauswerkes, Christian Paul Aecker aus Seußen, betrieb das Werk nach einer Angabe von Carl Wilhelm von Gümbel nur bis zum Jahr 1837. 1834 heißt es in einem Text jedoch bereits, das sich " [...] sämtliche Grubenbaue der 'Treuen Freundschaft'bei Seußen ohne alle Beaufsichtigung und Unterhaltung befinden, wodurch eine sehr üble Gruben- und Hüttenwirtschaft [entstanden] ist". 1853 kam es durch das Bergamt zu einer "Freierklärung", da die Erben des mittlerweile verstorbenen Christian Paul Aecker den Verpflichtungen des Bergamtes nicht nachkamen.

      Vom Alaunwerk zum Freizeitsee

      1870 entsteht an Stelle der aufgelassenen Bergbaugrube der Klausenteich, jedoch wird die Staumauer durch ein Hochwasser im Juni 1913 zerstört. Erst 1935 wird der Teich durch den Klausenwirt Georg Sölch neu angelegt. Dieser wird 1912 zusammen mit seiner Familie als Bewohner des Gebäudes Nr. 1 des Anwesens "Treue Freundschaft" genannt. Im anderen Gebäude (1a) lebten sechs weitere Familien. Das von dem Ökonomen und Bierwirt Wirtshaus bestand bis zur Flutung des Feisnitzsee 1972/73 als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlen-Kraftwerk Arzberg.

      Tipps

      Machen Sie einen Rundgang um den Feisnitz- bzw. Haid-Speichersee (Wegstrecke rund 2,2 Kilometer) oder besuchen Sie den 32 Meter hohen Aussichtsturm, die Waldenfelswarte, auf dem 633 Meter hohen Kohlberg. Von diesem haben Sie eine einzigartige Aussicht in das Fichtelgebirge, nach Böhmen und in die nördliche Oberpfalz (einfache Wegstrecke ab Parkplatz 1,6 Kilometer).

      GEO-Tour Station 15: ARZBERG
      Humboldt in Arzberg

      Die Lagerstätten in Arzberg und Umgebung waren zurzeit Humboldts und darüber hinaus die ergiebigsten im Wunsiedler Revier. Abgebaut wurden die an den Wunsiedler Marmor gebundenen Eisenerze. Und dies bereits seit dem Mittelalter. Erst 1941 kam der Bergbau in Arzberg mit der Stilllegung der Zeche "Kleiner Johannes" zum Ende. Über die Geschichte des Bergbaus, das Wirken Alexander von Humboldts in Arzberg und die Geologie des Fichtelgebirges informiert die heute auf dem Gelände der ehemaligen Zeche bestehende Infostelle von Naturpark Fichtelgebirge und GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Entsprechend der Bedeutung von Arzberg hielt sich Alexander von Humboldt häufiger wohl auch in Arzberg auf, doch gibt es nachweislich nur wenige Briefe, die von hier stammen. Humboldt wohnte während seiner Aufenthalte in Arzberg im Müssel'schen Haus, dem heutigen Bergbräu. Eine Gedenktafel in der Hausfassade erinnert daran. Sie wurde bereits am 12. September 1880 dort angebracht. Der damalige Arzberger Bürgermeister gab bei der Einweihung der Gedenktafel das Versprechen, "dass er sowohl als auch alle seine Nachfolger dasselbe würdig für alle Zeiten schützen und der Nachwelt zum ewigen Andenken an den großen Gelehrten, auf den Deutschland, Europa, ja die ganze zivilisierte Welt stolz ist, erhalten wollen".

      Wie in Steben richtet Alexander von Humboldt in Arzberg eine Bergschule ein. Ende Juni schrieb Humboldt von seinen Plänen an das Oberbergdepartement in Bayreuth. Man sei "dort oben in der Kultur zurück", und die Schule sei hier nötiger als irgendwo. Nach langem Suchen wäre die Wahl auf den Obersteiger Johann Caspar Bencker (†1805) als Schulleiter gefallen. Dieser sei ein verdienstvoller und sehr erfahrener Grubenbeamter, der gewiss auch als Lehrer einiges leisten würde. Im Herbst 1795 schreibt Humboldt in seinem Generalbericht über das Wunsiedler Revier, dass der Etat für die Schule bereits eingeplant sei. Begonnen wurde mit dem Unterricht jedoch erst 1796. Es handelte sich um eine Winterschule mit Unterricht von November bis Mai für "Bergjungen" ab dem 12. Lebensjahr. Weder in Arzberg noch in Wunsiedel ist allerdings ein Gebäude für die Bergschule nachweisbar. Es ist daher anzunehmen, dass der Unterricht in der Wohnung des Bergschullehrers abgehalten wurde. Im Jahr 1804 wurde die Arzberger Bergschule nach Goldkronach verlegt.

      Lesen Sie hier die Textpassage aus Humboldts Generalbericht von 1795, in der er auf die geplante Bergschule in Arzberg eingeht.

      Aus den Briefen und Berichten Alexander von Humboldts geht hervor, dass er in Arzberg häufig persönlich in die Bergwerke eingefahren ist. Schon während seiner Inspektionsreise 1792 besuchte er eine Reihe dieser Gruben:

      "Die Gruben, welche ich befahren, waren Susannen-Glück und Goldkammer Fundgrube, Silberkammer Fundgrube, Anna Christiana Fundgrube, Gottes Geschick Fundgrube und Friedrich Christian Fundgrube. Die beiden Hauptgruben gehören dem Faktor Müßel, dessen Vater sein Vermögen dem Bergbau fast schon ganz aufgeopfert hatte, als er diese Werke aufnahm, welche ihm und den Nachkommen einen reichlichen Ersatz geben und die [Berg-] Baulust zu Arzberg aufs neue sehr rege gemacht haben".

      St. Georg-Stollen im Röslautal

      In seinem Generalbericht schreibt Humboldt auch über den St. Georg-Stollen im Tal der Röslau (= Gsteinigt). Konkret geht es um Verbesserungsvorschläge für den weiteren Ausbau des Entwässerungsstollens für die Arzberger Bergwerke (= Erbstollen). Über dem Eingang des 2008 wiederhergestellten Mundlochs stehen die Jahreszahlen 1722-1795-1817-2008. Sie kennzeichnen die wichtigsten Ausbau- und Sanierungsetappen des Stollens.

      Der St. Georg-Stollen wurde 1722 im Tal der Röslau so tief wie möglich angelegt und bis 1727 bis zur Eisensteinzeche Morgenstein vorangetrieben. In einem Befahrungsbericht vom August 1770 wird erwähnt, dass der Stollen im Bereich der Zeche Morgenstern fast völlig verbrochen ist. Bis zur Grube "Gold- und Silberkammer" scheint er jedoch durchgängig gewesen zu sein. [3] Die Gold- und Silberkammer ist die wohl bedeutendste Grube des Wunsiedler Reviers.

      Im Jahr 1817 wurde in dem Stollen erstmals eine "Wasserkunst" eingebaut. Darunter versteht man im Bergbau eine technische Vorrichtung zur Entwässerung von Grubenbauten. Diese wurde bereits von Alexander von Humboldt ins Gespräch gebracht. So schreibt Humboldt 1795 in seinem Generalbericht:

      "Mein hartes Eindringen in den Faktor [= Unternehmer] Müssel, nach Vorschriften des B.[erg]Amts nun so zu bauen, daß die Gewältigung mit dem Kunstgezeuge möglich wäre [...]."

      Im nächsten Satz heißt es:

      [...] und hielt es für besser, jetzt loszubrechen, als eine so wichtige den Arzberger Bergbau allein erhaltende Arbeit verzögert zu sehen."

      Für den Einbau einer Wasserkunst will Humboldt die technischen Voraussetzungen schaffen. So schlägt er zunächst die Beseitigung von Krümmungen im bestehenden Stollen vor.

      "Bei einem so langen Gestänge, zu dem man sich ja ohnedies nur aus Noth verstehen mußte, weil kein anderes Mittel die Arzberger Gruben zu sichern übrig blieb, bei einem so langen Gestänge muß jede Krümmung vermieden werden."

      Mit dem Einbau der Wasserkunst sollte es möglich werden, insbesondere die Abbausohlen der ertragreichen Gold- und Silberkammer Gruben tiefer zu legen. Erst nach Humboldts Weggang wird die technische Anlage 1797 bis ins Detail geplant. Umgesetzt wurde sie jedoch erst im Jahr 1817. Angetrieben wurden die eingebaute Wasserhebemaschinen (mit 20 Pumpwerken, verbunden über ein Gestänge im St. Georg-Stollen) durch ein unterschlächtiges Wasserrad im Röslautal. Der Schacht der Grube Gold- und Silberkammer konnte bis 1841 auf 120 Meter unter Gelände abgeteuft werden. Noch heute sind im Uferbereich die Reste der ehemaligen Radstube zu erkennen.

      Lesen Sie hier Humboldts Originaltext zum Sankt-Georg-Stollen.

      Der St. Georg-Stollen besteht noch heute. Während des 2. Weltkrieges diente ein Teil von ihm den Arzbergern zeitweilig als Luftschutzraum. Nach dem Krieg wurde das Mundloch verschlossen und war kaum noch als solches zu erkennen. Im Jahr 2008 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und nach der alten Aufnahme von 1913 in seiner heutigen Form saniert. Seit 2009 gehört das Gsteinigt mit seinen geologischen und montanhistorischen Zeugnissen zu den "100 schönsten Geotopen von Bayern".

      Humboldt-Orte in Arzberg

      Müssel-Haus / Bergbräu

      Bei seinen Aufenthalten in Arzberg wohnte Alexander von Humboldt auf dem Kirchberg im Hause der Patrizierfamilie Müssel.

      Infostelle Altes Bergwerk Kleiner Johannes

      Die Infostelle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eisenerz-Bergwerkes Kleiner Johannes. Sie zeigt in mehreren Räumen einen Querschnitt durch die wichtigsten Gesteine und Mineralien des Fichtelgebirges sowie die Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Auf dem Gelände befindet sich eine kleine Ausstellung mit Gesteinsexponaten aus dem Fichtelgebirge, der Nachbau der ehemaligen Förderanlage sowie ein Schaustollen. Eine 2017 ergänzte Ausstellung zur ehemaligen Specksteingrube Johannes bei Göpfersgrün ist nur zu besonderen Zeiten möglich.

      Anschrift: Altes Bergwerk, Altes Bergwerk 1, 95659 Arzberg
      Telefon: (0)9233 40 40 (Stadt Arzberg)
      GPS: 50.059242, 12.192009

      Öffnungszeiten der Infostelle:
      Von Josefi (19.3.) bis Barbara (4.12.),
      jeweils von 8 - 17 Uhr

      Das Bergbaurevier Arzberg-Röthenbach

      Die Verhältnisse im einstigen Arzberg-Röthenbacher Revier sind in der Monografie von Ernst Schmidtill (1963) ausführlich beschrieben. Die Lagerstätte, die an den Marmorzug gebunden ist, ist zwischen Röthenbach und Arzberg zweigeteilt in einen südlichen und einen nördlichen Erzzug (entsprechend zweier Marmorzüge). Das Profil der unten gezeigten Karte zeigt zwei voneinander getrennte Marmorlagen, die durch einen Phyllitrücken getrennt sind. Marmor und Phyllite fallen mit 70 - 80° nach Südwesten ein. Der Phyllitrücken ist bei Röthenbach etwa 60 Meter mächtig, östlich davon nur noch rund 30 Meter. Bei Arzberg ist er überhaupt nicht mehr vorhanden.

      Mehr erfahren

      Tipps

      Volkskundliches Gerätemuseum Bergnersreuth

      Das Museum Bergnersreuth ist ein Freilichtmuseum in einem alten Bauerngehöft. Neben den Dauerausstellungen zu den landwirtschaftlichen Geräten gibt es Abteilungen zur Bodenqualität und -bearbeitung. Original erhalten sind teils die Wohnstuben der ehemaligen Bewohner. Das Museum ist auch Station der GEO-Tour Boden des GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Anschrift: Wunsiedler Str. 14, 95659 Arzberg
      Telefon: (0 92 33) 52 25
      Internet: www.bergnersreuth.de

      Öffnungszeiten:
      Dienstag - Sonntag: jeweils von 10-17 Uhr (Montg geschlossen)

      GEO-Tour Station 16: STEINBERG / Steinhaus Thiersheim
      Humboldt in Steinberg / Steinhaus Thiersheim

      Humboldt, die Kohle und der Vulkan

      Das Steinhaus liegt am Fuße des "Steinberg-Vulkans". Dieser gehört zusammen mit dem "Neuhauser Schloßberg" und dem bereits in Tschechien liegenden "Plattenberg" (Blatná) zu einem vulkanischen "Dreigespann" an der bayerisch-tschechischen Grenze. Zwischen dem Steinberg und dem Plattenberg hat sich die Eger in einem markanten Tal eingetieft.

      Der Steinberg wird von Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit der Suche nach Steinkohlen erwähnt. Der hohe Bedarf an Brennmaterial für das Montanwesen weckte schon vor Humboldts Amtszeit in Franken das Interesse der Bergbehörde an diesem fossilen Energieträger, doch war die Suche danach wohl eher unsystematisch. Humboldt stellt die Kohleprospektion auf neue Füße. Der Fokus lag dabei in den Gebieten zwischen Bayreuth und Kulmbach (Kulmbach/Kessel, Schlemme/Schlämm, Lanzendorf: Lettenkohlen/Keuper), Neustadt am Kulm (Lettenkohlen/Keuper) und in der Umgebung des Steinberges (Tertiär).

      Am 22. Oktober 1794 schreibt Alexander von Humboldt an der Oberbergdepartement in Bayreuth:

      "Da durch einzelne, unvollendete Versuche auf Steinkohlen bisher die Frage, ob wir bauwürdige Flöze im Lande haben, nicht entschieden und viel Geld versplittert worden ist, so hatte ich mich entschlossen, die Sache methodisch anzugreifen.[...] und gab ihm [dem Berggeschworenen Sievert] eine ausführliche Anweisung, alle Punkte, wo nur Sage oder Hofnung auf Steinkohlen wäre, einzeln zu untersuchen und ein Verzeichniß davon anzufertigen. Ich hielt es für ökonomisch wichtig genug, wenn man nur eine sichere Liste solcher Orte niederlegen könnte, wo nicht mehr zu suchen ist, statt dass man sonst immer auf dieselben Punkte zurückkehrt. Ich habe, indem ich dies Verfahren dem Hochl.[öblichen] K[öniglichen O.B. Dep. gehorsamst anzeige, die Ehre, den Anfang der Sieverschen Arbeit in der Anlage einzureichen, weit entfernt indes von der Besorgnis, dass alle Versuche, welche

      bei Culmbach,
      bei Lanzendorf und Schlemme,
      unter den Basalten der Arzberger Refier und vielleicht bei Sulz im Ansbachischen anzustellen sind, gleich fruchtlos sein werden."

      In einem weiteren Schreiben am 19. März 1795 schlägt Humboldt tiefere Bohrungen (20 - 24 Lachter, ca. 40 - 48 m) u.a. "an den Basalten des Wunsiedler Refiers" (am Steinberg) vor. Die Bohrung am Steinberg wird in der Folgezeit auch durchgeführt. Jedoch ohne einen erhofften Erfolg.

      Im Herbst 1796 erreicht Humboldt eine Anfrage des Oberbergdepartements zu einer weiteren Erkundungsbohrung bei Kothigenbibersbach. Humboldt rät davon ab. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut der Briefes Humboldts an das Oberbergdepartement.

      Der Vulkan und der Basalt

      Auch wenn es der Titel unserer Tafel suggeriert, Alexander von Humboldt sah im Steinberg keinen Vulkan. Dass es sich dabei um einen Basaltberg handelte, war ihm bewusst. Das geht aus seinen Briefen ans Oberbergdepartement hervor. Humboldt war während seine Zeit in Franken jedoch noch Anhänger der Lehrmeinung Gottlob Abraham Werners. Dieser war in Deutschland der wichtigste und einflussreichste Vertreter der "Neptunisten". Diese sahen im Basalt ein aus einem Urozean ausgefälltes Gestein, das in keinem Zusammenhang mit Gesteinsschmelzen oder Vulkanen stehen würde. Vulkane waren für die Neptunisten dagegen das Ergebnis im Untergund brennender Kohlelager. Humboldt maß daher dem Basalt des Steinberges keine besondere Bedeutung bei.

      Tipps

      Hutschenreuther Gedenkstein

      Besuchen Sie den Carolus Magnus Hutschenreuther-Gedenkstein. Dieser erinnert an das Auffinden von Kaolin in der Nähe des Steins durch den Begründer der C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg a.d. Eger (1822). Tatsächlich hatte ihm das Kaolin sein Verwandter und späterer Schwiegervater, der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, bei einem Besuch in Hohenberg gezeigt. Hutschenreuther blieb in Hohenberg und richtete 1814 in Räumen der Hohenberger Burg, die ihm Reuß zur Verfügung gestellt hatte, eine Porzellanmalerei ein. Das Jahr 1814 gilt daher auch als Geburtsjahr der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge. In Sichtweise zum Gedenkstein liegt eine ehemalige Farberde-Grube (mit kleiner Infotafel).

      Geotop Heiligenberg

      Über den "Mittelweg" ("M") erreichen Sie das auf der Nordostseite des Steinberges liegende Geotop "Heiligenberg". Dort können Sie die Basalte des Steinberges in anstehenden Felsen sehen. Von hier aus hat man auch eine Aussicht ins Egerer Becken.

      © GEOPARK Bayern-Böhmen

      Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Geroldsgrün

      Faltblatt „Geroldsgrüner Geopfade“

      Geroldsgrün: Geopfad Rauhbergrunde

      GEOPARK Bayern-Böhmen

      Cesko-Bavorský GEOPARK

      Aufbruch ins Erdinnere

      Tajemstvi zemského nitra

      Pfad der landschaftlichen Vielfalt

      Der Geopfad Geroldsgrün bietet weit mehr als nur eine abwechslungsreiche Tageswanderung durch eine der reizvollsten Regionen des Frankenwaldes. Drei einzeln oder in Kombination begehbare Runden machen ihn zu einem immer wieder abwechslungsreichen Ensemble von erdgeschichtlichen Wandertouren.

      Geroldsgrün – am südwestlichen Rand der Hochfläche gelegen – ist dabei ein idealer Ausgangspunkt zur Erkundung der landschaftlichen und geologischen Facetten des Frankenwaldes. Besonders beeindruckend ist der meist abrupte Wechsel von der sanft gewellten, teils fast eben wirkenden Hochfläche zu den unvermittelt einsetzenden, tief eingekerbten und intensiv bewaldeten Tälern. Durchschnittlich mehr als 300 Meter über dem Vorland gelegen, ist die Frankenwald-Hochfläche ein Landschaftsraum von unverwechselbarer Prägung und zugleich ein Resultat der allerjüngsten Erdgeschichte. Erst vor etwa 2 Millionen Jahren, als bereits Urmenschen die Savannen Afrikas besiedelten, stieg der Frankenwald zu seiner heutigen Höhe auf.

      Die beiden nördlichen Runden des Geopfades beginnen am unweit der Kirche zentral gelegenen Dorfplatz. Er wurde im Zuge der Erstellung des Geopfades auf gleichermaßen originelle wie landschaftstypische Weise erneuert. Heller Granit kontrastiert mit schwarzblauen Dachschiefern. Sie sind in Gestalt von Trockenmauern und künstlichen Halden arrangiert.

      Auch im übrigen Ortsbereich ist der heimische Dachschiefer bis heute allgegenwärtig. In vielen Häuserfundamenten erscheint außerdem das markante „Hertwegsgrüner Konglomerat“, ein aus bunt zusammengewürfelten Geröllen von Schiefern, Kalksteinen und Grauwacken bestehendes Gestein der Karbon-Zeit. Es ist besonders schön in den Grundmauern des Rathauses zu studieren. Auch grüne und fleischfarbene Gesteine sind im Ortsbild häufig. Sie stammen aus einem der bedeutendsten Brüche des Frankenwaldes, dem nahe gelegenen Steinbruch von Horwagen. Der dort gewonnene Kalkstein wurde als „Horwagener Marmor“ weltweit vertrieben

      Rauhbergrunde

      Ausgangspunkt der Rauhbergrunde ist das alte Forsthaus im Langenautal. Dort entspringt die Max-Marienquelle, eine der bekanntesten Mineralquellen des Frankenwaldes, deren Entstehung unmittelbar mit den geologischen Verhältnissen am Rauhberg verknüpft ist.

      Nach Querung des malerischen Floßteiches, der von der historischen Bedeutung der Holzwirtschaft zeugt, sind 150 Höhenmeter zu überwinden. Unterhalb des Rauhberggipfels entschädigt dafür ein ganzes Ensemble alter Kalksteinbrüche rund um den Eingang zur Humboldt-Höhle.

      Die größte Tropfsteinhöhle des Frankenwaldes ist mehr als 100 Meter lang und in der Regel nicht für Besucher zugänglich. Vor dem Abstieg durch den wildromantischen Grund des Langenaubaches lohnt der Abstecher zum Burgstein (Lotharheiler Runde).

      Textquelle: Faltblatt „Geroldsgrüner Geopfade“

      ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

      Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

      Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

      Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

      An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

      Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
      "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

      Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

      GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
      Humboldt in Falkenstein

      Humboldt im Amt Lauenstein

      Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

      Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
      Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

      Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

      Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

      Der Stielersche Hammer

      "Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

      Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

      Falkenstein (Geschichte bis 1945)

      Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

      1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

      1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

      1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

      In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

      Falkenstein (Geschichte ab 1945)

      Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

      Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

      Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

      Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

      Tipps

      Steinbach an der Heide

      2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

      Burg Lauenstein

      Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

      Thüringer Warte

      Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

      GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
      Humboldt in Ludwigsstadt

      Humboldt und der Schiefer

      An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

      Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

      Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

      Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

      Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

      Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

      Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
      Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

      Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

      [...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

      [...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

      [...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

      Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

      Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

      Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

      Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

      Kaulsdorf, d. 10. März 1794
      A. v. Humboldt"

      1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

      Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

      Tipps

      Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

      Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

      Internet: www.schiefermuseum.de

      Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

      Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

       

      Schieferpark Lehesten

      Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

      GEO-Tour Station 3: TETTAU
      Humboldt in Tettau

      Humboldt und das Porzellan

      Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

      Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

      Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

      Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

      Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

      Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

      Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

      Tipps

      Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

      Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

      Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

      Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

      Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

      Internet: www.glasbewahrer.de

      GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
      Humboldt in Schauberg

      Humboldt macht "Blau"

      Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

      Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

      Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

      Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

      Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

      Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

      Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

      Was ist Schmalte bzw. Smalte?

      Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

      Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

      Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

      Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

      Tipps

      Rösler Ceramtec GmbH

      Werksverkauf:
      Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
      Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

      Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

      GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
      Humboldt in Lichtenberg

      Humboldt zieht Bilanz

      Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

      Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

      Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

      Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

      Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

      Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

      Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

      Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

      Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

      • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
      • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
      • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

      Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

      Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

      Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

      Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

      Tipps

      Infostelle Naturpark Frankenwald

      Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

      Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

      Naturlehrpfad Höllental

      Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

      GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
      Humboldt in Bad Steben

      Humboldt macht Schule

      Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

      Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

      Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

      Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

      Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

      Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

      • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
      • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
      • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
      • Humboldt-Büste im Kurpark
      • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
      • Erzrevier Obere Mordlau.

       

      Humboldt-Haus (Badstraße 2)

      Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

      Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

      Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

      Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

      Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

      Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

      Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

      Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

      Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

      1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

      Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

      Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

      Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

      GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
      Humboldt in Geroldsgrün

      Humboldt und der "Alte Mann"

      Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

      Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

      Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

      Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

      "Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

      Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

      • Vogel Strauß Fdgr.
      • Friedlicher Vertrag Fdgr.
      • Schwarzer Mohr Erbst.
      • Gevattergraben
      • Hoher Ofen zu Marxgrün

      Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

      "[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
      Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

      1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
      2) Gebirgsart = Gesteinsart
      3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

      Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

      "1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

      Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

      Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

      "Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

      Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

      Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

      Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

      "Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

      Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

      Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

      Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

      Tipps

      Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

      Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

       

      Max-Marien-Heilquelle

      Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

      Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
      Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

      GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
      Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

      Humboldt und der Magnetberg

      "Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

      So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

      "Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

      Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

      Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

      Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

      [...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

      Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

      "[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

      Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

      "[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

      Der Haidberg aus heutiger Sicht

      Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

      Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

      Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

      Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

      Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

      Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

      Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

      Machen Sie Ihr eigenes Experiment

      Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

      Tipps

      Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

      Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

      Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

       

      Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

      Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

      Kontakt Museum Hier öffnen

      GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
      Humboldt in Bad Berneck

      Humboldt in matten Wettern

      Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

      Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

      Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

      In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

      "Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

      Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

      Das Bergwerk "Beständiges Glück"

      Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

      Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
      Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
      (Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

      Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

      Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

      Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

      1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck. Er war schon Jahre zuvor ein begeisterter Kurgast des Ortes. Als Bürger von Berneck erwies sich Rother als Förderer des Kurortes, seit 1866 war er auch Mitglied des Kurkomitees. Auf den Halden des zwei Jahrzehnte zuvor stillgelegten Bergwerkes "Beständiges Glück" ließ Rother auf eigene Kosten einen Park ("Blüchersruhe") mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen anlegen. Dieser stellt heute eine überregionale Besonderheit dar.

      Wilhelm Rother wurde 1867 Ehrenbürger von Berneck. Er starb 1898. Der Stadt Berneck hinterließ Rother testamentarisch mehr als eine halbe Million Goldmark, u.a. mit der Auflage, "dass die ganzen Zinsen und Renten des Nachlasses ausschließlich zum Vorteil und zur Hebung der Kuranstalten verwendet werden sollen". An den Förderer der Stadt Berneck erinnert im umbenannten "Rotherspark" der 1900 aufgestellte Granitobelisk aus Kösseine-Granit. Bestattet ist Wilhelm Rother auf dem alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche.

      Tipps

      Thiesen Wetterstation

      Carl Thiesen finanzierte dem Kurort eine für die damalige Zeit technologisch aufwendige und damit äußerst kostspielige Wetterstation. Diese steht heute noch oberhalb des Marktplatzes.

      GEO-Tour Station 10: BRANDHOLZ
      Humboldt in Brandholz

      Humboldt im Goldrausch

      Am Abend des 20. Juli 1792 verfasst Alexander von Humboldt bereits Teile seines Berichtes über die Befahrung der Fürstenzeche in Brandholz und fügt diesem in einem zweiten Teil unter der Überschrift "Aussichten zur fortzusetzenden Wiedergewältigung der Fürstenzechen Baue" hinzu. Bei Niederschrift dieses Berichtes ist Humboldt möglicherweise schon in das Wunsiedler Revier weitergereist.

      Am Abend des 23. Juli notiert Humboldt (jetzt bereits in Arzberg) am Rand eines Briefes an Carl Freiesleben:

      "Die Fürstenzeche in Goldkronach hat mich sehr intriguirt [= neugierig gemacht]. Ich habe Akten, Risse p. studiert, bin das ganze ein 50 Lr. (= Lachter, 1 Lr. ∼ 2 Meter) tiefe Gebäude mit Ueberhauen aus dem 14ten Jahrhundert! durchfahren. Nun habe ich alles ins Reine. Es ist ein ungeheurer Bau, eine Grube auf 1.300 Lr. Länge."

      Die Fürstenzeche im Jahr 1792

      In seinem Bericht der Inspektionsreise beschreibt Humboldt den Zustand der Fürstenzeche. Diese war bereits unter Burggraf Friedrich V. 1365 als Fürstenzeche eröffnet worden und hatte ihre Blütezeit bis zum Einfall der Husiten 1430. Bis dahin hatte man die goldreichsten und gut erschließbaren Bereiche der Lagerstätte schon weitgehend abgebaut, so dass die Ausbeute immer geringer und und der Abbau immer schwieriger wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Bergbau auf Gold sogar subventioniert (es wurde eine "Zubuße" gegeben).

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht, dass die "Wiedergewältigung" der Fürstenzeche (sie befand sich demnach 1792 nicht in Betrieb) seit wenigen Monaten ("1 Quartal") auf allerhöchsten Befehl (vermutlich durch Minister Hardenberg) eingestellt worden war und dass man "[...] bloß das Ganze durch Einwechslung der Türstöcke in befahrbarem Stande" hielt. Humboldt studiert bereits zu diesem Zeitpunkt alte Bergwerksakten, u.a. die "lehrreichen Beschreibungen des Herrn Berghauptmann von Bothmer". Carl Ludwig Freiherr von Bothmer (1736–1803) war Berghauptmann im Fürstentum Bayreuth. Dessen Berichte können nur wenige Jahre zuvor verfasst worden sein.

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht die folgenden Stollen, Schächte und erzführenden Gänge:

        • Tannenschacht
        • Schmuzler
        • Schmiedtenstollen/Schmidtenstollen
        • Jacobschacht
        • Ferberschacht
        • Nasses Lichtloch
        • Rautenkranzer Gang (aber noch keine Rautenkranz-Zeche)
        • Knechtgang
        • Spießglasgang (= Spießglanz, Antimonit)
        • Weißer Kiesgang

      .

      Damit werden viele Lokalitäten genannt, deren Zeugnissen man noch heute bei einer Wanderung entlang des Humboldtweges begegnen kann.

      Aus Humboldts Beschreibungen geht der sehr komplexe Aufbau der Goldlagerstätte am Goldberg hervor. Ursache dafür ist die starke tektonische Zergliederung des Gebirges im Nahfeld der Bruchzone der "Fränkischen Linie" (deren Einfluss Humboldt natürlich noch nicht kennen konnte). Humboldt widerspricht in seinem Bericht der Auffassung, dass "die Golderze auf der Fürstenzeche nicht auf ordentlichen Gängen, sondern [an] das Gestein durchschwärmenden Trümmern" gebunden wären. Diese Ansicht hätte vielfach zu einer wenig rentablen Wiedergewältigung der Zeche geführt.

      Tipps

      Goldbergbaumuseum Goldkronach

      Das Goldbergbaumuseum in Goldkronach präsentiert in mehreren Abteilungen die Stadtgeschichte Goldkronachs, die Geologie der Umgebung und der Goldlagerstätte, die Geschichte des Bergbaus, das Blattgold-Kunsthandwerk sowie Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge.

      Internet: www.goldbergbaumuseum.de

      GEO-Tour Station 11: GOLDKRONACH
      Humboldt in Goldkronach

      Humboldt und das Goldstädtchen

      Goldkronach gehört zu den Orten in Oberfranken, in denen Alexander von Humboldt heute wohl noch am gegenwärtigsten ist. So bezeichnet sich das kleine Städtchen vielfach auch als "Humboldt-Stadt". In Goldkronach hat auch der Verein Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V. seinen Sitz. Dessen Anliegen ist es, insbesondere an Humboldts Wirken in Goldkronach von 1792 bis 1795 zu erinnern. Einen Link auf die Internet-Präsenz des Vereins finden Sie weiter unten.

      Als Sitz des Bergamtes Goldkronach und die einst reichen Goldlagerstätte am Goldberg hatte Goldkronach besondere Bedeutung für Alexander von Humboldt. Erstmals kam Humboldt am 20. Juli 1792 im Rahmen seiner Inspektionsreise nach Goldkronach. Von hier aus befuhr er die Fürstenzeche und blieb bis zur Weiterreise ins Wunsiedler Revier (20. Juli in Arzberg). Nach seinem offiziellen Dienstantritt im Oberbergdepartement Ende Mai 1793 war Goldkronach Ziel von Humboldts erstem Geländebesuch. Hier hält er sich im Juni mehrere Tage auf. Sein Quartier ist die alte Quickmühle (Amalgamiermühle) in Goldmühl. Von dort schreibt er am 10. Juni 1793 seinem Freund Carl Freiesleben:

      "Ich komme eben aus der Grube. Ich bin 2 Meilen geritten und an 3 Stunden auf der Fürstenzeche gefahren, wundern Sie Sich also nicht, liebster Freiesleben, wenn ich Ihnen einen verworrenen Brief schreibe. Mit dem Bergbau geht alles schneller, als ich dachte. [...] In bin seit wenigen Tagen hier, um den eingestellten Bau auf der Fürstenzeche [...] vorzurichten. Das allgemeine Vertrauen, welches der gemeine Bergmann mir übberall zeigt, macht mir meine Arbeit lieb, denn sonst ist meine Lage sonderbar genug, ich thue eingentlich Dienste als Geschworener, nicht als O[ber]bergmeister. Von meinen Vorrichtungen schriebe ich Ihnen jezt nichts. Ich bin zu müde, die Hitze ist unerträglich und die Grubenwetter matt.[...] Die alte Mühle, die ich bewohne, war eine Quikmühle schon im 13ten Jahrhundert. Die Zoppte stürzt sich wild durch die Felsklippen durch. Wenn es glükken sollte, die ausgewanderten Bergleute wiederzurufen, dieser romantischen Gegend nur einen kleinen Theil ihres alten Glanzes wiederzugeben ..."

      Humboldtorte

      Die alte Mühle in Goldmühl

      In den Jahren 1793 und 1794 diente die ehemalige Quickmühle in Goldmühl (heute Ortsteil von Bad Berneck) Alexander von Humboldt als Quartier. Die Mühle wurde um 1557 (nicht wie Humboldt schrieb "schon im 13ten Jahrhundert") als Schneidsäge mit sechs Wasserrädern erbaut. Die Wasserräder trieben ein Pochwerk, eine Mahlmühle und Blasebälge für eine Schmelzhütte an. In den ersten Jahren diente sie auch als Amalgamierwerk ("Quickmühle"), d.h., aus dem durch das Pochen zerkleinerten Erz wurde das Gold mit Hilfe von Quecksilber herausgelöst. Mahl- und Quickmühle arbeiteten bis 1563, danach wird die Mühle zunächst nur noch als Schmelzhütte betrieben, kommen eine Drahtzieherei (um 1600) und eine Getreidemühle (1689) hinzu (Holl & Schulz-Lüpertz 2012). Das heutige Wohnhaus stammt von 1769 (dem Geburtsjahr Humboldts!) und wird als solches noch heute privat genutzt. Die neben der Haustür angebrachte Gedenktafel sehen Sie nebenstehend.

      Hotel "Alexander von Humboldt" (vormals Gasthaus "Zum weißen Schwan")

      Das heutige Hotel steht an dem Ort, an dem zu Humboldts Zeit das Haus des Musikus und Handelsmannes Johann Georg Todschinder stand. In diesem hatte Humboldt möglicherweise seinen Amtssitz. Daran erinnert die an der Fassade angebrachte Gedenktafel:

      "An diesem Platze stand das Haus, in welchem Alexander von Humboldt in den Jahren 1792 - 1795 als koenigl. Preußischer Bergamtsassessor und Oberbergmeister zeitweilig amtierte"

      Ganz sicher belegt ist dies jedoch nicht. Das heutige Hotelgebäude wurde nach dem großen Stadtbrand von 1836 errichtet. Diesem Brand waren viele Gebäude des Ortes zum Opfer gefallen. Ursprünglich hieß das hier untergebrachte Gasthaus "Zum weißen Schwan". Es wurde im Jahr 1868 in einem Festakt in "Alexander von Humboldt-Hotel" umbenannt.

      Ehemaliges Forsthaus (heute Goldbergbaumuseum)

      Das heutige Goldbergbaumuseum an Durchgangsstraße (Bayreuther Straße 21) trägt im Wappenrelief über der Eingangstür die Jahreszahl 1740. In ihm befand sich zu Zeiten Humboldts (bis in die heutige Zeit) eine Forstdienststelle. Oberförster war damals Adolph Ferdinand Böhner, Schwiegervater von Georg Friedrich Püttner (Büttner bei Humboldt). Dieser war einer der Freiberger Kommilitonen von Humboldt. In einem Brief vom 11. Juli 1793 an einen anderen Freiberger Studienfreund, den Russen Vladimir Jurevič Sojmonov, erwähnt Alexander von Humboldt, dass er bei Böhner den gemeinsamen Studienfreund Püttner getroffen habe. Vielfach wird erwähnt, Humboldt hätte in dem Haus auch kurzzeitig gewohnt. Dies geht aus dem erwähnten Brief jedoch nicht hervor. Dort schreibt Humboldt von Forstmeister Böhner, in dessen Nachbarschaft er wohne.

      Ein Besuch des Goldbergbaumuseums sollte man nicht versäumen. Es ist zurzeit allerdings nur von April bis Ende November an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der Geologie und Bergbaugeschichte im Raum Goldkronach beinhaltet das Museum auch einen eigenen Raum zu Alexander von Humboldt.

      Einstiges Wohnhaus Marktplatz 11 (heute Bäckerei)

      Dort wo heute auf der Nordseite des Marktplatzes ein Gebäude mit einer Bäckerei besteht, stand bis zum Stadtbrand von 1836 das Wohnhaus des Schichtmeisters, Bergverwalters und Knappschaftsschreibers Christian Ernst Tornesi. Dieser wohnte hier mit seiner Familie in den Jahren von 1738 bis 1754. Christian Ernst Tornesi kam 1731 aus dem Unterharz nach Goldkronach. Am 7. April 1748 wurde hier als eines von neun Kindern sein Sohn Otto Heinrich Tornesi geboren, der später ein geschätzter Kollege von Alexander von Humboldt und 1798 dessen Nachfolger im Oberbergdepartement werden sollte (siehe dazu weiter unten). Die ganze Familie siedelte 1754 nach Bayreuth über. Christian Ernst Tornesi war dort zum Inspektor und Verwalter für das Zucht- und Arbeitshaus in St. Georgen berufen worden. Dem Zuchthaus war eine Marmorfabrik angeliedert, in dem die Häftlinge arbeiten mussten und die Tornesi ebenfalls leitete.

      Schloss Goldkronach und Humboldt-Kulturforum

      Das Goldkronacher Schloss ist ein ehemaliges Ritterschloss aus dem 16./18. Jahrhundert. Es ist heute in Privatbesitz und Sitz des Alexander-von-Humboldt Kulturforums. Eine kleine Sonderausstellung zu Alexander von Humboldt sowie die von Hans Dressel (†) stammende Humboldt-Büste können bei Veranstaltungen der Kulturforums oder Führungen des GEOPARK Bayern-Böhmen besichtigt werden.

      Nationles Geotop Goldberg

      Seit 2019 gehört der Goldberg bei Goldkronach, das Zentrum des einstigen Goldbergbaus, zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Zu verdanken ist dies seiner montanhistorischer Bedeutung, auch im Hinblick auf das Wirken Alexander von Humboldts, und der dort vorhandenen Infrastruktur.

      Tipps

      Humboldt-Weg und Besucher-Bergwerke

      Der rund sechs Kilometer lange Rundweg führt auf Waldwegen und -pfaden, innerorts auf befestigten Wegen, vorbei an vielen ehemaligen Zeugnissen des Bergbaus seit dem Mittelalter. Startpunkte sind am Infohaus zu den Besucher-Bergwerken auf dem Goldberg, am Parkplatz des Friedhofes, am Wanderparkplatz in Brandholz. Auch der Start in Goldkronach am Marktplatz ist empfehlenswert (Wegstrecke ca. zwei Kilometer länger). Dieser beginnt am Marktplatz und führt ca. 100 Meter nach der Bäckerei am Marktplatz 11 in Richtung Sichersreuth bzw. am Ende der Stadtkirche über einen Wanderpfad zunächst zum Parkplatz am Friedhof (eine Abkürzung direkt auf die Straße an der Ottenleite ist möglich).

       

      Goldbergbaumuseum

      Öffnungszeiten:
      April bis Ende November Sonn- und Feiertage, 13 bis 17 Uhr
      Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich.

       

      Kulturforum Alexander von Humboldt Schloss Goldkronach
      www.humboldt-kulturforum.de

      Goldbergbaumuseum Goldkronach
      www.goldbergbaumuseum.de

      Goldbergknappen

      http://www.goldbergknappen.de/html/rundgang_beginn.html

      GEO-Tour Station 12: BISCHOFSGRÜN
      Humboldt in Bischofsgrün

      Humboldt und die Perlen

      Alexander von Humboldt besucht Bischofsgrün bzw. den Fröbershammer erstmals am 21. Juli 1792. Er notiert in seinem Inspektionsbericht, dass es dort zwei Frischfeuer, einen Zainhammer (für die Nagelschmiede) und eine Knopfhütte gibt. Der Knopfhütte widmet er besondere Aufmerksamkeit.

      Humboldt führt aus, dass die Knopfhütte nur in fünf Wintermonaten betrieben wird und dem Kommerzienrat Loewel gehört. Aus dem Hinweis, dass man "die Arbeiter [im Sommer] zum Holzhauen und zur Feldwirtschaft braucht" geht hervor, dass die einheimischen Bauern die Arbeit in der Knopfhütte verrichteten. Zum Zeitpunkt seines Besuches (Juli) wurde in der Knopfhütte jedoch wohl nicht gearbeitet. Humboldt hat sich demnach die Knopfhütte vor Ort ausführlich schildern lassen. Als Rohstoff für die Glasknöpfe - die Batterlessteine / Paterle - nennt Humboldt einen Grünstein mit wenig Feldspat und vieler innig beigemengter Hornblende von Schneeberg und Ochsenkopf. Er selbst habe das Gestein noch nirgends im Lande anstehend gefunden", es liege dort "in Butzen umher".

      Bei dem von Humboldt angsprochenen Gestein handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, dass in einer rund 5 Kilometer langen und bis zu 20 Meter breiten NNW-SSO-verlaufenden Förderspalte quer durch den Ochsenkopf vorkommt, den sogenannten Proterobas. Vorkommen am Schneeberg gibt es allerdings nicht.

      Humboldt berichtet über das Schmelzen des Gesteins, den Knopfofen sowie das Arbeiten am Ofen. Am Ofen arbeiten 25 Mann (!) vor je einer Öffnung und zogen die geschmolzene Masse (das Glas) mit einer langen Zange ("Kluft" bei Humboldt, auch "Kluppe" genannt) aus dem im Ofen stehenden Schmelztiegel, um es anschließend (durch Drehen) zu "modeln".

      Hergestellt werden im Jahr Knöpfe im Wert von 4.000 - 5.000 Gulden. Bei einem Preis von 6 Kreuzer je "Schnur" mit je 20 Dutzend Knöpfen sind dies ... Knöpfe.

      Die schwarzen Proterobas-Knöpfe wurden mit Emailfarbe bemalt und anschließend die Farbe eingebrannt. Als Farbstoffe wurden verwendet: weiß - Brauneisenstein mit Arsenikkalk, gelb - Birkenkohle, blau - Smalte (mit Kobald gefärbetes Kaliumsilikatglas).

      Humboldt berichtet, dass Glasknöpfe bereits seit 200 bis 300 Jahren in der Region hergestellt werden und ihren Ursprung in "in der Warmen Steinach" - also in Warmensteinach - hat. Derzeit gäbe es im Bayreutherischen fünf Fabriken, die ihre Erzeugnisse nach Schlesien und Polen, teils für den "Sklavenhandel nach Afrika [?] geben."

      Humboldt schließt seinen Bericht über die Knopfhütte mit einer Bemerkung zur Abwanderung von Arbeitern aus dem Bayreuther Fürstentum in die nahegelegee obere Pfalz und nach Böhmen:

      "Bayreuther Arbeiter sind in die obere Pfalz und nach Böhmen übergelaufen und die Konkurrenz der dort neu angelegten Fabriken, die wohlfeileres [= günstigeres] Holz haben, hat den Absatz vermindert und die Ware wohlfeiler gemacht."

      Dies lässt erkennen, dass der Mangel an Holz in der Region wirtschaftliche Folgen hatte.

      Der Fröbershammer

      Humboldt berichtet auch über die Frischfeuer und den Zainhammer, die "vortrefflich eingerichtet" sind und "sehr gute Ware" liefern. Er merkt jedoch an, dass der Verlust an Eisen durch das Frischen beträchtlich ist (3/8). Als wahrscheinliche Ursache benennt er das "Anlaufen" (siehe unten).

      In einem Frischfeuer wird das Roheisen bei starker Hitze wieder aufgeschmolzen. Mit einem Blasebalg wird Luft über die Eisenschmelze geführt, um dem im Eisen von der Herstellung noch vorhandenen Kohlenstoff zu verbrennen. Zwischendurch wird das flüssige Eisen immer wieder umgerührt. Ziel ist es, möglichst wenig Kohlenstoff im Eisen zu haben, um es weniger spröde und damit gut schmiedbar zu bekommen. Das Frischen dauert 5 bis 6 Stunden.

      Der von Humboldt verwendete Begriff des "Anlaufens" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man das Eisen mit einer Stange unter Drehen aus der flüssigen Schmelzmasse herausgenommen hat. Während des Drehens setzte sich das Eisen an der Stange fest. Anschließend wurde es abgeschreckt und geschmiedet. Dann wurde das Eisen wieder in die Schmelzmasse gehalten und die nächste Schicht lagerte sich an. Der Vorgang wurde so lang fortgesetzt, wie sich das Eisen schmieden ließ und dem Schmied nicht zu schwer. Am Grund des Ofens setzte sich das minderwertige "Theileisen" ab. Durch das Schmieden werden noch vorhandene Schlackenreste aus dem Eisen entfernt.

      Das Frischen des Eisens ist ein sehr viel Energie verbrauchender Vorgang. Humboldt berichtet, dass je Frischfeuer am Fröbershammer je Woche 42 Zentner Eisen gefrischt werden, wobei dafür 84 Kübel Holzkohlen verbraucht wurden. Hierzu benötigte man 17 bis 21 Klafter Holz (ganz grob 1 Klafter Holz = 3 Kubikmeter). Für beide Frischfeuer waren das pro Woche rund 102 bis 126 Kubikmeter Holz!

      Lesen Sie hier den gesamten Text Humboldts über die Frischfeuer und den Zainhammer zu Bischofsgrün. Es sei hier als Beispiel der von ihm verwendeten Fachtermini und Darstellungsweise aufgezeigt.

      Tipps

      Glaswanderweg

      Der Glaswanderweg ist ein industriehistorisch interessanter und naturräumlich reizvoller Themenwanderweg mit einer Länge von 42 Kilometern zwischen Weidenberg und Bischofsgrün. Er ist in die Abschnitte

      • Weidenberg - Sophienthal - Zainhammer
      • Zainhammer - Warmensteinach - Grünstein
      • Grünstein - Neugrün - Fichtelberg - Karches
      • Karches - Bischofsgrün

      gegliedert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite www.glas-im-fichtelgebirge.de.

      Waldglashütte am Ochsenkopf

      Archivalische Notizen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben eine „Glas- und Knopfhütte am Fichtelberg“, entlegen an der Landesgrenze zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Kulmbach und Obere Pfalz. Archäologische Ausgrabungen unter Trägerschaft der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth e. V. zwischen 2004 und 2006 haben die Relikte der alten Proterobas-Glashütte wieder zum Vorschein gebracht. Die begleitenden archäologischen Untersuchungen sind ein allererster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen und interdisziplinären Aufarbeitung der Siedlungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte im zentralsten deutschen Mittelgebirge.

      Die am südlichen Hang des Ochsenkopfes im heutigen Landkreis Bayreuth ausgegrabene Glashütte lässt sich weit zurückverfolgen. Lorenz Glaser bittet 1616 um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Hütte auf oberpfälzischen Grund an der Mooslohe. Der Standort zwischen Proterobas- und Quarzitgängen an dem aus den Kalten Brunnen fließenden Bächlein ist ideal gelegen.

      Die Waldglashütte erreichen Sie am besten vom Parkplatz nahe der Bleaml-Alm auf dem Forstweg Richtung Ochsenkopf. An der ersten Abzweigung (ca. 400 Meter nach Eintritt in das Waldgebiet) nach rechts und dem Forstweg noch etwa 200 Meter folgen.

      GEO-Tour Station 13: LUISENBURG / WUNSIEDEL
      Humboldt in Luisenburg / Wunsiedel

      Humboldt und die Luisenburg

      Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Felsenlabyrinth der Luisenburg als berühmtester Besucher Johann Wolfgang von Goethe genannt. Dieser duchstieg Teile des Felsenmeeres 1785, noch vor der ersten Ausbauphase zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten, und bei einem zweiten Besuch 1820. Zu diesem Zeitpunkt war das Labyrinth schon nahezu in seiner heutigen Form begehbar. Über Besuche Alexander von Humboldts ist tatsächlich nur sehr wenig bekannt. Die Kenntnis davon stützt sich auf eine Reisebeschreibung des polnische Grafen de Lagarde-Messence in von 1819, in der es heißt: "[...] dort findet man ein rechtmerkwürdiges Moos, das in der Finsternis schimmert. Als Herr von Humboldt, Bergwerksmeister seines Zeichens, durch diese Berge ging, machte er die Analyse davon [...]". Aufzeichnungen Humboldts selbst hierzu sind jedoch heute nicht mehr verfügbar.

      In Humboldts Inspektionsbereicht von 1792 findet sich die folgende Textstelle:
      "Daß das relative Alter dieser Granit-Abänderungen sehr verschieden ist, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man auch die eine nicht selten ("an der Luxburg") als Bruchstück in anderen eingewachsen findet."

      Einige Absätze weiter heißt Humboldt:

      "Der Granit auf dem höchsten Kuppengebirge liegt teils söhlig (aie auf der Luxburg), teils schießt er (wie auf dem Schneeberge) unter 10° gegen Abend [nach Westen] ein."

      Humboldt bezieht sich mit seinen Beobachtungen zweimal auf die Luxburg, die 1805 zu Ehren des Besuches der preußischen Königin Luise in Luisenburg umbenannt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass Humboldt diese Erscheinungen mit eigenen Augen gesehen hat. Anders wäre es auch verwunderlich gewesen, denn bereits ab 1790 begann die Begehbarmachung des Labyrinthes.

      Humboldt und der Granit

      Humboldt ist zu einer fränkischen Zeit noch dem "Lager der Neptunisten" zuzuordnen. Er folgt damit der Lehrmeinung seines Lehrers in Freiberg, Abraham Gottlob Werner. Danach wurde der Granit in einer frühen Phase der Bildung der Erdkruste aus einem Urozean, d.h. aus einem wässrigen Medkum, ausgefällt. Als ein Indiz dafür galt auch die "Schichtung" des Granits:

      "Da, wo noch das alte Ausgehende1) des Granits zu sehen ist, d.i. auf einzelnen, turmähnlichen Kuppen, findet sich der Granit äußerst regelmäßig, wie dichter Kalkstein geschichtet, und zwar in Lagern zu 2 Fuß 8 Zoll."

      1) Das Ausgehende meint hier "die obersten Schichten". Humboldt beschreibt hier Felstürme, Felsbastionen, an denen die horizontalen Lagerklüfte gut zu erkennen sind.

      Seine erste Niederschrift ergänzt Humboldt bei einer Überarbeitung des Manuskriptes (zwischen August 1792 und April 1793) wie folgt:

      "Ich glaube nämlich, daß aller Granit ursprünglich (da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten) d.h. im Ausgehenden geschichtet war und daß geschichteter Granit nur darum ein so seltenes (von einigen nicht reisenden Geognosten geleugnetes) Phänomen ist, weil wir überall gleichsam in den Vertiefungen der zerstörten Erdrinde wohnen und das alte Ausgehende des Granits nur auf den höchsten besuchten Punkten der Erdoberfläche zu suchen ist."

      Für Humboldt ist der Granit nur in seinen obersten Abschnitten geschichtet: "[...] da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten." Auch wenn es im Inspektionsbericht nicht weiter ausgeführt ist, dürfte Humboldt den Granit in der Tiefe als strukturlose Masse betrachtet haben. Ob er Vorstellungen darüber hatte, wie es hierzu gekommen sein soll, ist ebenfalls nicht ausgeführt.

      Bei Seußen nahe Arzberg macht Humboldt eine weitere Beobachtung in den granitischen Gesteinen des Fichtelgebirges, die ihm so bemerkenswert erscheint, dass er sie noch während seiner Inspektionsreise im Juli 1792 an den Herausgeber des Bergmännischen Journals schreibt (vermutlich am 23. Juli). Der Brief erscheint daraufhin noch in der Juli-Ausgabe des Journals.

      "Auf einer Reise durch das Wunsiedler Bergamt entdeckte mein lehrreicher Begleiter Herr Hof-Kammerrath Tornesi, [...] zwei vollkommene Granitkugeln am Wege unweit Seisen [= Seußen]! Dies Phänomen wird Ihnen gewiß nicht weniger auffallend scheinen, als es mir war. Beide Granitkugeln waren von 14-16 Zoll im Durchmesser [35-40 cm][...]. Sie bestehen aus einem deutlichen feinkörnigen Granite mit vielem tombackbraunen Glimmer, und zeigen konzentrisch-schalige absonderte Stücke, von denen wir zwei Schalen ablößten. Beide waren noch ihrer natürlichen Lagerstätte, eingewachsen in einem grobkörnigen Granite, der sich durch den (am Fichtelberg nicht seltenen) kristallisierten Feldspat auszeichnete und der Verwitterung nahe war: ein Beweis also, daß selbst der Granit [...] die Fähigkeit [hat] sich kugelartig zu ballen!"

      Was Humboldt in die Eigenschaft des Granits "sich kugelartig zu ballen" hineininterpretiert, lässt sich nicht ohne Weiteres erschließen. Es ist vermutlich vor allem eine Beobachtung, die er der geognostischen Gemeinschaft kundtun will. Humboldt erwähnt die Kugeln auch in seinem Inspektionsbericht:

      "[...] kommen auch Granitkugeln mit 2- 3fach konzentrisch, schalig abgesonderten Stücken in einem verwitterten Granite bei Seäßen vor".

      In einer nachträglichen Ergänzung kommentiert Humboldt:

      "Ihre Art des Vorkommens zeigt, daß sie nicht sekundär sind. In anderen Teilen europäischer Gebirge sind sie noch nie entdeckt worden und unseren Gebirgen [...] ausschließlich eigen."

      Die Beobachtung Humboldts zeigt sein Interesse und Gespür für das "Nichtalltägliche", die Besonderheiten, die es gilt weiter zu erforschen. Die von Humboldt beschriebene Erscheinung erklärt sich heute als Folge von Verwitterungsprozessen (was sich bei Humboldts Beschreibung ja bereits andeutet). Die "Kugeln" sind in einer Verwitterungsdecke infolge des richtungslosen Gefüges des magmatischen Gesteins entstanden. Ausgehend von einer quaderförmigen, durch Klüfte begrenzten Rohform sind die Gesteinskanten rasch verwittert. In die kugelige Form sind Verwitterungslösungen unterschiedlich weit eingedrungen (oder auch thermische Einwirkungen, Frost oder Temperatur) und haben die konzentrischen Schalen abgelöst.

      Tipps

      Besuchen Sie das Felsenlabyrinth der Luisenburg - eine der wichtigsten geologischen Lokalitäten im GEOPARK Bayern-Böhmen.

      GEO-Tour Station 14: KLAUSEN / SEUßEN
      Humboldt in Klausen / Seußen

      Humboldt und das Klima

      Alexander von Humboldt besucht das Püttnersche Alaunwerk Treue Freundschaft in der Klausen bei Seußen erstmals am 24. Juli 1792 im Rahmen seiner "Inspektionsreise". In seinem Bericht schildert er ausführlich das Werk und die Produktionsschritte der Herstellung von Alaun.

      Schon in seinem Bericht beschreibt er die bituminöse Blätterkohle, in der "oft noch unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten" haben, zu finden sind. Humboldt erwähnt diese Fossilien auch in einem Brief an den Verleger des "Bergmännichen Journals" Hoffmann, der diesen bereits in der Juli-Ausgabe 1792 abdruckt. Dort heißt es:

      [...]Bei Klausen an der Oberpfälzischen Grenze liegt das 21 Lachter mächtige Braunkohlenflöz unter einem Gerölle von mehr oder weniger verwitterten Basaltkugeln. Einige sind mit den Fingern zerreiblich, und doch erkennt man noch die 6-9 fach concntrisch schaligen abgesonderten Stücke. In der Braunkohle finden sich unversehrte Aeste von Tannenzweigen, die fast ihre natürliche Farbe erhalten haben, und so also gegen die Feuerrevolution zeugen. [...]"

      Mit dem Zeugnis gegen die Feuerrevolution spielt Humboldt auf die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten an (siehe dazu Station Luisenburg und Steinhaus). Nachdem Basalte die Braunkohlen überlagern, war Humboldt der Meinung, dass - wären diese aus glutflüssiger Lava erstarrt - die Lava die Pflanzenfossilien in der Farbe verändert, vermutlich verbrannt hätten. Aus heutiger Sicht ist bereits die Interpretation der Lagerungsverhältnisse nicht richtig. Die Basaltblöcke sind in einer lehmigen Grundmasse durch den Prozess des Bodenfließens hangabwärts auf die Braunkohlenlager verfrachtet worden.

      Die Sache mit der Ekliptik

      Im November 1794 schreibt Alexander von Humboldt einen Brief an den Mathematiker Johann Friedrich Pfaff. Darin kündigt er ein größeres Werk unter dem Titel "Ideen zu einer künftigen Geschichte und Geographie der Pflanzen oder historische Nachricht von der allmäligen Ausbreitung der Gewächse über den Erdboden und ihren allgemeinsten geognostischen Verhältnissen" an, das "in 20 Jahren" erscheinen soll. In dem Brief erläutert Humboldt, dass selbst in hohen geographischen Breiten Pflanzenfossilien vorkommen, die unter "Tropenwärme" vor Ort gewachsen sind. "Unter den vielen möglichen Gründen, welche eine Tropenwärme [...] hervorbringen können, studiere ich den besonders über die veränderte Schiefe der Ekliptik ...". Humboldt bittet Pfaff um eine Stellungnahme darüber, ob die Ekliptik in der Vergangenheit nicht auch 48° (gegenüber heute 23 1/2°) betragen haben könnte. Die Antwort von Pfaff ist nicht erhalten, da Humboldt in aller Regel die an ihn gerichteten Briefe vernichtete. In einem Vortrag vor der Akademie zu Berlin am 24. Januar 1823 stellt Humboldt eine völlig andere Hypothese zum Wachstum wärmeliebender Pflanzen weit außerhalb der heutigen Tropen auf. Lesen Sie diese Textpassage hier

      Humboldt schließt seinen Brief wie folgt:

      "Auf meinen rauhen Felsenhöhen hänge ich solchen Träumereien nach. Beraubt von den nothwendigsten Hilfsmitteln muß ich mich an lebendige Orakel wenden ...".

      Was ist Alaun?

      Alaun ist chemisch ein wasserhaltiges Doppelsulfat (SO44-), ein Salz der Schwefelsäure, vermischt mit Tonerde, einer kleinen Menge Potasche (Kalium) und Ammonium. Verwendung fand Alaun u.a.

      • in der Färberei als Beizmittel vor dem Aufbringen von Farbstoffen,
      • in der Gerberei, um weißgares Leder herzustellen,
      • zum Leimen von Papier, um es tintenfest zu machen,
      • zum Härten von Gips und Gelatine,
      • zum Stillen innerer Blutungen und Durchfälle
      • zum Blutstillen bei Schnittwunden (Rasur)
      • als Deodorant

      Alaun kommt in der Natur i.d.R. nicht als Mineral vor, sondern muss in mehreren Schritten aus Schwefel-führenden Gesteinen ausgelaugt werden. In Frage kommen dafür Braunkohlen oder Schwefelkies-haltige Alaunschiefer.

      Das ehemalige Alaunwerk auf der Klausen

      Bereits 1732 gab es in Hohenberg a.d. Eger die Braunkohlengrube "Freundschaft". Dort verbrannte man die Kohle und laugte sie anschließend zur Herstellung von Alaun aus. In Arzberg entstand 1765 eine Alaunhütte am Schachtweg "in der Biih" (= bei der Alaunhütte), die ihre Braunkohle ebenfalls aus Hohenberg bezog, jedoch bereits 1770 ihren Betrieb wieder einstellte.

      Für das Gebiet der Klausen erwirbt der in Seußen ansässige Oberförster Balthasar Christoph Reiz die Mutungsrechte für die Zeche "Treue Freundschaft", die 1762 ihren Betrieb aufnimmt. Vor Ort entsteht ein Alaunwerk, in dem aus der Schwefelkies-haltigen Braunkohle bis 1837 (75 Jahre lang) Alaun produziert wird. Erwähnung finden die Schwefelkies-haltigen Braunkohlen allerdings schon in der von dem markgräflichen Bergrat Johann Wilhelm Kretschmann stammenden "Sammlung zu einer Berg Historia" als "Schefel Kieße von der Clausen, eine Stunde von Redwitz nach Arzberg zu, wobei eine Art Stein Kohlenn, so alaunisch seyn ...".

      Eine erste Beschreibung des Alaunwerkes stammt von 1786:

      "Das Werk besteht aus 2 Hauptgebäuden, wovon jedes 2 Stockwerke hoch ist. In denselben wird zu ebener Erde in 5 kleinen Blechpfannen die Lauge gekocht und in 5 größeren Bleipfannen abgekühlt [...]. Hinter dem Gebäude befindet sich eine Hütte mit 10 hölzernen Kufen verschiedener Größe, in welchen sich die Sole sammelt. 11 Personen liefern wöchentlich 8 Zentner Alaun und etwas rote Farberde". (Nach: J.K. Bundschuh, Geographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799-1804).

      Alexander von Humboldt und das Alaunwerk auf der Klausen

      Alexander von Humboldt widmet dem Alaunwerk auf der Klausen 1792 einen ausführlichen Bericht. Er stellt darin fest, dass das Gestein, "aus welchem man hier den Alaun gewinnt, [...] weder Alaunschiefer noch Alaunerde, sondern wahre Braunkohle" ist. Die Lagerstätte des Flözes bezeichnet er als "überaus merkwürdig".

      Aus Humboldts Beschreibung der Lagenstätte lässt sich der folgende geologische Aufbau ableiten:

      • Humus
      • 2 - 3 m Verwitterungslehm mit 37 - 42 cm großen Basaltkugeln
      • 4 - 5 m weiße und braune Letten
      • darunter (ab ca. 8 m) folgt das Braunkohlenflöz

      Die Mächtigkeit des Flözes ist offensichtlich unbekannt, es soll jedoch noch in 42 m Tiefe erbohrt worden sein. Humboldt hält fest, dass die Lagerstätte im Nordwesten von Gneisen begrenzt wird (man findet sie in mehreren Aufschlüssen heute noch entlang des nördlichen Uferweges. In der Braunkohle beschreibt Humboldt "unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten [haben], und unverwitterte Schwefelkiese."

      Der Beschreibung Humboldts zufolge erreichten die Bergleute das Braunkohlenflöz von der Oberfläche her über mehrere mit großem Aufwand gezimmerte Schächte. Über diese wurde das "mit dem Keilhauer Gewonnene durch Haspel herausgefördert." Der eigentliche Abbaustollen lag bis in 28 Meter Tiefe und hatte eine Länge von rund 220 Metern in südlicher Richtung. Der größte Teil des Stollens war ausgezimmert.

      Zur Zeit von Humboldts Besuch arbeiteten 12 Bergleute auf der Grube, das Alaunsieden erfolgte nur während der wärmeren Jahreszeit. Das mit verwittertem und unverwittertem Schwefelkies durchsetzte Alaunerz, die Braunkohle, wurde auf die "Bühne" verbracht, ein aus Balken und Brettern bestehendes Bauwerk oberhalb der Grube, die mundartlich so genannte "Biih". Auf der "Biih" wurden die Braunkohlen vor der eigentlichen Alaunproduktion erst eineinhalb bis zwei Jahre gelagert, um dort zu "wittern". Danach beginnt das Auslaugen (12-15 Jahre!). Während der Lagerung und später beim Begießen und Wenden der Braunkohlen oxidiert der Luftsauerstoff den Schwefelkies (Pyrit) in der Braunkohle. Die dabei freigesetzte Schwefelsäure löst aus den tonigen Begleitsedimenten der Braunkohle Aluminium, Kieselsäure und Bitumen heraus. Diese Lauge wird in einen Schuppen nahe der Alaunhütte geleitet, wo sie in mehreren, im Boden eingelassenen Vorratskästen (1,50 m im Durchmesser, 1,20 m tief) zwischengelagert wird.

      Im nächsten Schritt wird die Lauge in drei "Läuterpfannen" 36 Stunden lang "gesotten" (gekocht). Während des Siedens setzen sich die bituminösen Bestandteile und die Kieselsäure als teerartige Masse ab, die getrocknet schwarz-glänzend ist und einen muscheligen Bruch hat. Die geläuterte Lauge wird zum Abkühlen in größere Pfannen geleitet, danach in zwei Garpfannen unter Zugabe von Pottasche (Kaliumkarbonat) 24 Stunden eingedampft.

      Humboldt nennt in seinem Bericht, dass wöchentlich 5 Zentner Alaun produziert werden. Der Holzbedarf dafür beträgt 10 Klafter. Humboldt bilanziert daraus die jährliche Produktion von 100 - 120 Zentner Alaun mit einem Holzverbrauch von 200 - 240 Klaftern (bei 5 - 6 Monaten Betrieb). Kritisch äußert er sich über den hohen Holzverbrauch, den er u.a. einer unsachgemäßen Befeuerung und falschen Bauweise der Pfannen zuschreibt.

      Das "Püttnersche Alaunwerk" auf der Klausen

      Humboldt benennt das Alaunwerk auf der Klausen als das "Püttnersche Alaunwerk". Es gehörte demnach der Kaufmanns- und Bankierfamilie Jakob Friedrich Püttner (1720-1798) aus Hof, die auch Eigentümer der Vitriol- und Alaunhütte "Goldene Adlerhütte" bei Wirsberg war. Dessen Enkel, Georg Friedrich Püttner, war Kommilitone Humboldts in Freiberg und übernahm später das Vitriolwerk bei Wirsberg und die Alaushütte auf der Klausen.

      Hüttenmeister zur Zeit des Besuches von Humboldt war der Johann Christian Ullmann, "... ein sehr verständiger Mensch, aber ehemaliger Bermann aus Johanngeorgenstadt, der sich wohl besser auf Bergbau als Pyrotechnik verstehen mag." (Humboldt). Von 1808 an leitete das Püttnersche Alaunwerk der aus der Niederlausitz stammende August Reinsch (1778 - 1869), der ausgebildeter Apotheker war. Er war zuvor als Laborant auf der "Goldenen Adlerhütte" tätig. Reinsch übernahm nach dem Tod des Obersteigers J.C. Benker 1805 die Leitung der 1795 von Alexander von Humboldt in Arzberg gegründeten Bergschule. Reinsch übernimmt einige Jahre vor 1833 das Alaunwerk zu eigener Pacht. Für das Jahr 1829 werden noch 5 Bergarbeiter und 10 Alaunsieder genannt. Das Alauswerk wird 1833 von den Püttnerschen Gewerken an den Seußener Gutsbesitzer Christian Paul Aecker verkauft. Reinsch geht als "Berg- und Hüttenfaktor" (Verwalter) des Schwefelkiesbergwerkes am Silberberg nach Bodenmais (heute Besucher-Bergwerk).

      Der Niedergang des Alaunwerkes auf der Klausen

      Der neue Eigentümer seit 1833 des Alauswerkes, Christian Paul Aecker aus Seußen, betrieb das Werk nach einer Angabe von Carl Wilhelm von Gümbel nur bis zum Jahr 1837. 1834 heißt es in einem Text jedoch bereits, das sich " [...] sämtliche Grubenbaue der 'Treuen Freundschaft'bei Seußen ohne alle Beaufsichtigung und Unterhaltung befinden, wodurch eine sehr üble Gruben- und Hüttenwirtschaft [entstanden] ist". 1853 kam es durch das Bergamt zu einer "Freierklärung", da die Erben des mittlerweile verstorbenen Christian Paul Aecker den Verpflichtungen des Bergamtes nicht nachkamen.

      Vom Alaunwerk zum Freizeitsee

      1870 entsteht an Stelle der aufgelassenen Bergbaugrube der Klausenteich, jedoch wird die Staumauer durch ein Hochwasser im Juni 1913 zerstört. Erst 1935 wird der Teich durch den Klausenwirt Georg Sölch neu angelegt. Dieser wird 1912 zusammen mit seiner Familie als Bewohner des Gebäudes Nr. 1 des Anwesens "Treue Freundschaft" genannt. Im anderen Gebäude (1a) lebten sechs weitere Familien. Das von dem Ökonomen und Bierwirt Wirtshaus bestand bis zur Flutung des Feisnitzsee 1972/73 als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlen-Kraftwerk Arzberg.

      Tipps

      Machen Sie einen Rundgang um den Feisnitz- bzw. Haid-Speichersee (Wegstrecke rund 2,2 Kilometer) oder besuchen Sie den 32 Meter hohen Aussichtsturm, die Waldenfelswarte, auf dem 633 Meter hohen Kohlberg. Von diesem haben Sie eine einzigartige Aussicht in das Fichtelgebirge, nach Böhmen und in die nördliche Oberpfalz (einfache Wegstrecke ab Parkplatz 1,6 Kilometer).

      GEO-Tour Station 15: ARZBERG
      Humboldt in Arzberg

      Die Lagerstätten in Arzberg und Umgebung waren zurzeit Humboldts und darüber hinaus die ergiebigsten im Wunsiedler Revier. Abgebaut wurden die an den Wunsiedler Marmor gebundenen Eisenerze. Und dies bereits seit dem Mittelalter. Erst 1941 kam der Bergbau in Arzberg mit der Stilllegung der Zeche "Kleiner Johannes" zum Ende. Über die Geschichte des Bergbaus, das Wirken Alexander von Humboldts in Arzberg und die Geologie des Fichtelgebirges informiert die heute auf dem Gelände der ehemaligen Zeche bestehende Infostelle von Naturpark Fichtelgebirge und GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Entsprechend der Bedeutung von Arzberg hielt sich Alexander von Humboldt häufiger wohl auch in Arzberg auf, doch gibt es nachweislich nur wenige Briefe, die von hier stammen. Humboldt wohnte während seiner Aufenthalte in Arzberg im Müssel'schen Haus, dem heutigen Bergbräu. Eine Gedenktafel in der Hausfassade erinnert daran. Sie wurde bereits am 12. September 1880 dort angebracht. Der damalige Arzberger Bürgermeister gab bei der Einweihung der Gedenktafel das Versprechen, "dass er sowohl als auch alle seine Nachfolger dasselbe würdig für alle Zeiten schützen und der Nachwelt zum ewigen Andenken an den großen Gelehrten, auf den Deutschland, Europa, ja die ganze zivilisierte Welt stolz ist, erhalten wollen".

      Wie in Steben richtet Alexander von Humboldt in Arzberg eine Bergschule ein. Ende Juni schrieb Humboldt von seinen Plänen an das Oberbergdepartement in Bayreuth. Man sei "dort oben in der Kultur zurück", und die Schule sei hier nötiger als irgendwo. Nach langem Suchen wäre die Wahl auf den Obersteiger Johann Caspar Bencker (†1805) als Schulleiter gefallen. Dieser sei ein verdienstvoller und sehr erfahrener Grubenbeamter, der gewiss auch als Lehrer einiges leisten würde. Im Herbst 1795 schreibt Humboldt in seinem Generalbericht über das Wunsiedler Revier, dass der Etat für die Schule bereits eingeplant sei. Begonnen wurde mit dem Unterricht jedoch erst 1796. Es handelte sich um eine Winterschule mit Unterricht von November bis Mai für "Bergjungen" ab dem 12. Lebensjahr. Weder in Arzberg noch in Wunsiedel ist allerdings ein Gebäude für die Bergschule nachweisbar. Es ist daher anzunehmen, dass der Unterricht in der Wohnung des Bergschullehrers abgehalten wurde. Im Jahr 1804 wurde die Arzberger Bergschule nach Goldkronach verlegt.

      Lesen Sie hier die Textpassage aus Humboldts Generalbericht von 1795, in der er auf die geplante Bergschule in Arzberg eingeht.

      Aus den Briefen und Berichten Alexander von Humboldts geht hervor, dass er in Arzberg häufig persönlich in die Bergwerke eingefahren ist. Schon während seiner Inspektionsreise 1792 besuchte er eine Reihe dieser Gruben:

      "Die Gruben, welche ich befahren, waren Susannen-Glück und Goldkammer Fundgrube, Silberkammer Fundgrube, Anna Christiana Fundgrube, Gottes Geschick Fundgrube und Friedrich Christian Fundgrube. Die beiden Hauptgruben gehören dem Faktor Müßel, dessen Vater sein Vermögen dem Bergbau fast schon ganz aufgeopfert hatte, als er diese Werke aufnahm, welche ihm und den Nachkommen einen reichlichen Ersatz geben und die [Berg-] Baulust zu Arzberg aufs neue sehr rege gemacht haben".

      St. Georg-Stollen im Röslautal

      In seinem Generalbericht schreibt Humboldt auch über den St. Georg-Stollen im Tal der Röslau (= Gsteinigt). Konkret geht es um Verbesserungsvorschläge für den weiteren Ausbau des Entwässerungsstollens für die Arzberger Bergwerke (= Erbstollen). Über dem Eingang des 2008 wiederhergestellten Mundlochs stehen die Jahreszahlen 1722-1795-1817-2008. Sie kennzeichnen die wichtigsten Ausbau- und Sanierungsetappen des Stollens.

      Der St. Georg-Stollen wurde 1722 im Tal der Röslau so tief wie möglich angelegt und bis 1727 bis zur Eisensteinzeche Morgenstein vorangetrieben. In einem Befahrungsbericht vom August 1770 wird erwähnt, dass der Stollen im Bereich der Zeche Morgenstern fast völlig verbrochen ist. Bis zur Grube "Gold- und Silberkammer" scheint er jedoch durchgängig gewesen zu sein. [3] Die Gold- und Silberkammer ist die wohl bedeutendste Grube des Wunsiedler Reviers.

      Im Jahr 1817 wurde in dem Stollen erstmals eine "Wasserkunst" eingebaut. Darunter versteht man im Bergbau eine technische Vorrichtung zur Entwässerung von Grubenbauten. Diese wurde bereits von Alexander von Humboldt ins Gespräch gebracht. So schreibt Humboldt 1795 in seinem Generalbericht:

      "Mein hartes Eindringen in den Faktor [= Unternehmer] Müssel, nach Vorschriften des B.[erg]Amts nun so zu bauen, daß die Gewältigung mit dem Kunstgezeuge möglich wäre [...]."

      Im nächsten Satz heißt es:

      [...] und hielt es für besser, jetzt loszubrechen, als eine so wichtige den Arzberger Bergbau allein erhaltende Arbeit verzögert zu sehen."

      Für den Einbau einer Wasserkunst will Humboldt die technischen Voraussetzungen schaffen. So schlägt er zunächst die Beseitigung von Krümmungen im bestehenden Stollen vor.

      "Bei einem so langen Gestänge, zu dem man sich ja ohnedies nur aus Noth verstehen mußte, weil kein anderes Mittel die Arzberger Gruben zu sichern übrig blieb, bei einem so langen Gestänge muß jede Krümmung vermieden werden."

      Mit dem Einbau der Wasserkunst sollte es möglich werden, insbesondere die Abbausohlen der ertragreichen Gold- und Silberkammer Gruben tiefer zu legen. Erst nach Humboldts Weggang wird die technische Anlage 1797 bis ins Detail geplant. Umgesetzt wurde sie jedoch erst im Jahr 1817. Angetrieben wurden die eingebaute Wasserhebemaschinen (mit 20 Pumpwerken, verbunden über ein Gestänge im St. Georg-Stollen) durch ein unterschlächtiges Wasserrad im Röslautal. Der Schacht der Grube Gold- und Silberkammer konnte bis 1841 auf 120 Meter unter Gelände abgeteuft werden. Noch heute sind im Uferbereich die Reste der ehemaligen Radstube zu erkennen.

      Lesen Sie hier Humboldts Originaltext zum Sankt-Georg-Stollen.

      Der St. Georg-Stollen besteht noch heute. Während des 2. Weltkrieges diente ein Teil von ihm den Arzbergern zeitweilig als Luftschutzraum. Nach dem Krieg wurde das Mundloch verschlossen und war kaum noch als solches zu erkennen. Im Jahr 2008 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und nach der alten Aufnahme von 1913 in seiner heutigen Form saniert. Seit 2009 gehört das Gsteinigt mit seinen geologischen und montanhistorischen Zeugnissen zu den "100 schönsten Geotopen von Bayern".

      Humboldt-Orte in Arzberg

      Müssel-Haus / Bergbräu

      Bei seinen Aufenthalten in Arzberg wohnte Alexander von Humboldt auf dem Kirchberg im Hause der Patrizierfamilie Müssel.

      Infostelle Altes Bergwerk Kleiner Johannes

      Die Infostelle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eisenerz-Bergwerkes Kleiner Johannes. Sie zeigt in mehreren Räumen einen Querschnitt durch die wichtigsten Gesteine und Mineralien des Fichtelgebirges sowie die Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Auf dem Gelände befindet sich eine kleine Ausstellung mit Gesteinsexponaten aus dem Fichtelgebirge, der Nachbau der ehemaligen Förderanlage sowie ein Schaustollen. Eine 2017 ergänzte Ausstellung zur ehemaligen Specksteingrube Johannes bei Göpfersgrün ist nur zu besonderen Zeiten möglich.

      Anschrift: Altes Bergwerk, Altes Bergwerk 1, 95659 Arzberg
      Telefon: (0)9233 40 40 (Stadt Arzberg)
      GPS: 50.059242, 12.192009

      Öffnungszeiten der Infostelle:
      Von Josefi (19.3.) bis Barbara (4.12.),
      jeweils von 8 - 17 Uhr

      Das Bergbaurevier Arzberg-Röthenbach

      Die Verhältnisse im einstigen Arzberg-Röthenbacher Revier sind in der Monografie von Ernst Schmidtill (1963) ausführlich beschrieben. Die Lagerstätte, die an den Marmorzug gebunden ist, ist zwischen Röthenbach und Arzberg zweigeteilt in einen südlichen und einen nördlichen Erzzug (entsprechend zweier Marmorzüge). Das Profil der unten gezeigten Karte zeigt zwei voneinander getrennte Marmorlagen, die durch einen Phyllitrücken getrennt sind. Marmor und Phyllite fallen mit 70 - 80° nach Südwesten ein. Der Phyllitrücken ist bei Röthenbach etwa 60 Meter mächtig, östlich davon nur noch rund 30 Meter. Bei Arzberg ist er überhaupt nicht mehr vorhanden.

      Mehr erfahren

      Tipps

      Volkskundliches Gerätemuseum Bergnersreuth

      Das Museum Bergnersreuth ist ein Freilichtmuseum in einem alten Bauerngehöft. Neben den Dauerausstellungen zu den landwirtschaftlichen Geräten gibt es Abteilungen zur Bodenqualität und -bearbeitung. Original erhalten sind teils die Wohnstuben der ehemaligen Bewohner. Das Museum ist auch Station der GEO-Tour Boden des GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Anschrift: Wunsiedler Str. 14, 95659 Arzberg
      Telefon: (0 92 33) 52 25
      Internet: www.bergnersreuth.de

      Öffnungszeiten:
      Dienstag - Sonntag: jeweils von 10-17 Uhr (Montg geschlossen)

      GEO-Tour Station 16: STEINBERG / Steinhaus Thiersheim
      Humboldt in Steinberg / Steinhaus Thiersheim

      Humboldt, die Kohle und der Vulkan

      Das Steinhaus liegt am Fuße des "Steinberg-Vulkans". Dieser gehört zusammen mit dem "Neuhauser Schloßberg" und dem bereits in Tschechien liegenden "Plattenberg" (Blatná) zu einem vulkanischen "Dreigespann" an der bayerisch-tschechischen Grenze. Zwischen dem Steinberg und dem Plattenberg hat sich die Eger in einem markanten Tal eingetieft.

      Der Steinberg wird von Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit der Suche nach Steinkohlen erwähnt. Der hohe Bedarf an Brennmaterial für das Montanwesen weckte schon vor Humboldts Amtszeit in Franken das Interesse der Bergbehörde an diesem fossilen Energieträger, doch war die Suche danach wohl eher unsystematisch. Humboldt stellt die Kohleprospektion auf neue Füße. Der Fokus lag dabei in den Gebieten zwischen Bayreuth und Kulmbach (Kulmbach/Kessel, Schlemme/Schlämm, Lanzendorf: Lettenkohlen/Keuper), Neustadt am Kulm (Lettenkohlen/Keuper) und in der Umgebung des Steinberges (Tertiär).

      Am 22. Oktober 1794 schreibt Alexander von Humboldt an der Oberbergdepartement in Bayreuth:

      "Da durch einzelne, unvollendete Versuche auf Steinkohlen bisher die Frage, ob wir bauwürdige Flöze im Lande haben, nicht entschieden und viel Geld versplittert worden ist, so hatte ich mich entschlossen, die Sache methodisch anzugreifen.[...] und gab ihm [dem Berggeschworenen Sievert] eine ausführliche Anweisung, alle Punkte, wo nur Sage oder Hofnung auf Steinkohlen wäre, einzeln zu untersuchen und ein Verzeichniß davon anzufertigen. Ich hielt es für ökonomisch wichtig genug, wenn man nur eine sichere Liste solcher Orte niederlegen könnte, wo nicht mehr zu suchen ist, statt dass man sonst immer auf dieselben Punkte zurückkehrt. Ich habe, indem ich dies Verfahren dem Hochl.[öblichen] K[öniglichen O.B. Dep. gehorsamst anzeige, die Ehre, den Anfang der Sieverschen Arbeit in der Anlage einzureichen, weit entfernt indes von der Besorgnis, dass alle Versuche, welche

      bei Culmbach,
      bei Lanzendorf und Schlemme,
      unter den Basalten der Arzberger Refier und vielleicht bei Sulz im Ansbachischen anzustellen sind, gleich fruchtlos sein werden."

      In einem weiteren Schreiben am 19. März 1795 schlägt Humboldt tiefere Bohrungen (20 - 24 Lachter, ca. 40 - 48 m) u.a. "an den Basalten des Wunsiedler Refiers" (am Steinberg) vor. Die Bohrung am Steinberg wird in der Folgezeit auch durchgeführt. Jedoch ohne einen erhofften Erfolg.

      Im Herbst 1796 erreicht Humboldt eine Anfrage des Oberbergdepartements zu einer weiteren Erkundungsbohrung bei Kothigenbibersbach. Humboldt rät davon ab. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut der Briefes Humboldts an das Oberbergdepartement.

      Der Vulkan und der Basalt

      Auch wenn es der Titel unserer Tafel suggeriert, Alexander von Humboldt sah im Steinberg keinen Vulkan. Dass es sich dabei um einen Basaltberg handelte, war ihm bewusst. Das geht aus seinen Briefen ans Oberbergdepartement hervor. Humboldt war während seine Zeit in Franken jedoch noch Anhänger der Lehrmeinung Gottlob Abraham Werners. Dieser war in Deutschland der wichtigste und einflussreichste Vertreter der "Neptunisten". Diese sahen im Basalt ein aus einem Urozean ausgefälltes Gestein, das in keinem Zusammenhang mit Gesteinsschmelzen oder Vulkanen stehen würde. Vulkane waren für die Neptunisten dagegen das Ergebnis im Untergund brennender Kohlelager. Humboldt maß daher dem Basalt des Steinberges keine besondere Bedeutung bei.

      Tipps

      Hutschenreuther Gedenkstein

      Besuchen Sie den Carolus Magnus Hutschenreuther-Gedenkstein. Dieser erinnert an das Auffinden von Kaolin in der Nähe des Steins durch den Begründer der C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg a.d. Eger (1822). Tatsächlich hatte ihm das Kaolin sein Verwandter und späterer Schwiegervater, der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, bei einem Besuch in Hohenberg gezeigt. Hutschenreuther blieb in Hohenberg und richtete 1814 in Räumen der Hohenberger Burg, die ihm Reuß zur Verfügung gestellt hatte, eine Porzellanmalerei ein. Das Jahr 1814 gilt daher auch als Geburtsjahr der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge. In Sichtweise zum Gedenkstein liegt eine ehemalige Farberde-Grube (mit kleiner Infotafel).

      Geotop Heiligenberg

      Über den "Mittelweg" ("M") erreichen Sie das auf der Nordostseite des Steinberges liegende Geotop "Heiligenberg". Dort können Sie die Basalte des Steinberges in anstehenden Felsen sehen. Von hier aus hat man auch eine Aussicht ins Egerer Becken.

      © GEOPARK Bayern-Böhmen

      Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Geroldsgrün

      Faltblatt „Geroldsgrüner Geopfade“

      Gerolstein: Vulkaneifel-Pfad „Gerolsteiner Dolomiten Acht“

      Natur- und Geopark Vulkaneifel

      © Natur- und Geopark Vulkaneifel / Eifel Tourismus GmbH

      Mit freundlicher Genehmigung.

      Vielen Dank.

      Zwei auf einen Streich, lautet das Motto der Gerolsteiner Dolomiten-Acht, sind doch in die etwa sechszehn Kilometer lange Wanderung gleich zwei Premiumwanderrouten eingebunden.

      Der „Gerolsteiner Felsenpfad“ und der „Gerolsteiner Keltenpfad“ bilden gemeinsam die „Gerolsteiner Dolomiten Acht“. Beide Pfade sind Partnerwege des Eifelsteigs.

      Während die Keltenpfadrunde südlich von Gerolstein über den Vulkan Dietzenley und durch das Naturschutzgebiet Heiligenstein verläuft, führt die nördliche Schleife des Felsenpfades durch die Dolomiten und zur Kasselburg.

       

      Felsenpfad (Nordschleife)

      Bei dem Felsenpfad handelt es sich um den nördlichen Teil der Gerolsteiner Dolomiten Acht. Der Pfad bietet faszinierende Naturerfahrungen und herrliche Weitblicke auf Schritt und Tritt.

      Schon der steile Anstieg auf die Munsterley über schlängelnde Wald-Pfade, entlang trutziger Felsen ist pures Wandererlebnis.  Der Ausblick auf Gerolstein  vom Munsterley-Plateau bietet unvergessliche Weitblicke. Die Buchenlochhöhle, der gigantische Kessel der Papenkaule , der Geoacker und der Juddekirchhof vervollständigen  das unvergessliche Wanderabenteuer.

      Dort, wo vor rund 380 Mio. Jahren ein subtropisches Flachmeer mit einem mächtigen Korallenriff lag, befindet sich das bekannte Naturschutzgebiet der „Gerolsteiner Dolomiten“. Die Wanderung über das fossile Riff offenbart spannende landschaftliche und erdgeschichtliche Besonderheiten.

      Wegemarkierung

      Der Wanderweg ist durchgehend mit dem Logo Vulkanpfad “ Felsenpfad“ gekennzeichnet.

       

      Keltenpfad (Südschleife)

      Die abwechlsungsreiche Wanderung über den Keltenpfad besticht durch herrliche Fernsichten, besonders spektakulär ist der fasziniernde Panoramablick vom Turm auf der Dietzenley.

      Ab der Helenenquelle/Kurpark geht es durch die verkehrsberuhigte Hauptstraße bis zum Altstadtparktplatz: über rund 100 Steinstufen erreicht der Keltenpfad die Löwenburg (Ruine) mit einem ersten imposanten Ausblick auf Gerolstein und das Kylltal. Weiter geht es über den Waldlehrpfad , vorbei an der Büschkapelle, zur Dietzenley. Mit 618 m ist sie die mächtigste Erhebung im Gerolsteiner Land, hier gewährt der gut 8 m hohe Aussichtsturm einen grandiosen Panoramablick über die Eifellandschaft.

      Wegemarkierung

      Der Rundkurs ist durchgängig gut markiert.

      Wegstationen
      Felsenpfad
      Station 1: Kurpark / Helenenquelle

      Der Kurpark an der idyllischen Kyll lädt mit einem großen Wasser-/Abenteuerspielplatz, gemütlichen Sitzgelegenheiten am Fluss und frischem Wasser aus der Helenenquelle ein. Das wohlschmeckende Mineralwasser der Helenenquelle ist mit Calcium und Magnesium aus den Kalken des Devons angereichert und mit vulkanischem CO2 versetzt. Es wird aus 90 m Tiefe gefördert und kann von April bis Oktober im Gerolsteiner Kurpark Natur belassen kostenlos vom Hahn getrunken werden. Am Fuße der Zapfstelle sind Ablagerungen zu sehen, Kalk – reines Calciumkarbonat – wird direkt aus dem ablaufenden Mineralwasser ausgeschieden und setzt sich auf dem Untergrund ab.

      Die Helenenquelle am Kyll Radweg beim Gerolsteiner Rathaus ist ein beliebter Rastplatz für Radfahrer und Wanderer. Das frische Mineralwasser kommt aus einer Tiefe von rd. 90 m und kann kostenlos vom Messinghahn getrunken werden.

      Station 2: Altstadtparkplatz / Eifelsteig Etappenziel
      Station 3: Brücke über die Kyll
      Station 4: Kletterfelsen Hustley

      Für Klettersportler ist der Kletterfelsen Hustley im Naturschutzgebiet der „Gerolsteiner Dolomiten“ eine faszinierende Herausforderung in einer atemberaubenden Felsenlandschaft. Zum Schutz der Natur ist für das Klettervergnügen eine Erlaubnis erforderlich.

      Station 5: Keltisch-römische Tempelanlage Juddekirchhof

      Seit der Jungsteinzeit ist das Munterley-Plateau wegen seiner strategisch herausragenden Lage ein vielgesuchter Ort. Der Römer Marcus Victorius Polentinus stiftete hier im Jahr 124 n. Chr. der Göttin Caiva einen Weihetempel, vermutlich als Dank für eine siegreiche Schlacht.

      Station 6: Dolomitsteinbruch Pelm
      Station 7: Kasselburg mit Adler- und Wolfspark

      Die Kasselburg stammt aus dem 12. Jahrhundert. Heute ist in den Mauern der ehemaligen Stauferburg ein ca. 20 ha großer Adler- und Wolfspark mit einer Vielfalt an Greifvögeln und dem größten Wolfsrudel Westeuropas beheimatet.

      mehr erfahren

      Station 8: Geo Acker

      Im Vulkan „Kasselburger Hahn“ befindet sich der Geo Acker. Hier können die vier Hauptgesteinsarten Kalk, Dolomit, Basalt und Sandstein, aus denen die Berge und Täler der Vulkaneifel aufgebaut sind, mit Hammer und Lupe untersucht werden. Hier können besonders Familien mit Kindern Gesteine spielerisch mit allen Sinnen kennenlernen und auch einen schönen Blick auf das Gerolsteiner Maar genießen.

      Hinweis: Geo Acker Forscherrucksäcke sind in der Tourist-Info erhältlich.

      mehr erfahren

      Station 9: Besucherzentrum Gerolsteiner Brunnen

      Das Besucherzentrum des Gerolsteiner Brunnen ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen von Deutschlands größtem Mineralbrunnen. Von einer Tribüne schaut der Besucher direkt auf Flaschenreinigung, Abfüllung, Etikettierung u.v.m.Die Werksbesichtigung beinhaltet außerdem einen informativen Kurzfilm im firmeneigenen Kino sowie Gratisproben Gerolsteiner Produkte.

      Station 10: Vulkankrater Papenkaule

      Die vulkanische Tätigkeit auf der Munterley hatte mehrere Eruptionsstellen, die Markanteste ist der Krater der Papenkaule. Der Vulkankrater ist ca. 80 m breit und 20 m tief. Heute ist die Papenkaule ein Geo- und Biotop ersten Ranges.

      mehr erfahren

      Station 11: Buchenlochhöhle

      Diese Karsthöhle verdankt ihren Ursprung der kalklösenden Kraft des fossilen Regen- und Grundwassers. Seit der letzten Eiszeit suchten hier Mensch und Tier Schutz – vom Höhlenbären über den Neandertaler bis hin zum heutigen Menschen.

      mehr erfahren

      Station 12: Panoramablick "Munterley-Plateau"

      Der Panoramablick erschließt das Kylltal und Gerolstein.

      Die Felsformationen der Munterley bildeten sich vor 380–320 Millionen Jahren als Kalkriff in einem tropischen devonischen Flachmeer. Dieses entstand aus Korallen und Stromatoporen. Deutlich erkennbar sind an den Gerolsteiner Dolomiten die Riffoberkante, der Steilabfall und die darunter liegende Blockhalde, ähnlich wie es bei den Korallenriffen tropischer Meere der Fall ist. Infolge der Auswaschung des Calciumcarbonats und Anreicherung des Magnesiumcarbonats aus den Skeletten der Meeresorganismen, die das Riff bildeten, ist es in den Gerolsteiner Riffen durch Kristallisation zur Bildung von Dolomit gekommen. Die Fossilien-Formen gingen bei diesem chemischen Prozess verloren. In den mächtigen Felswänden sind deshalb keine Fossilien mehr zu finden.

      Keltenpfad
      Station 13: Tourist Information / Bahnhof
      Station 14: Naturkundemuseum

      Seit 1987 ist das Naturkundemuseum im barocken, ehemaligen Rathaus (Baujahr 1710) untergebracht. Zusammen mit Löwenburg, Wasserturm und Burggarten bildet das 2012 rundum renovierte Museumsgebäude ein bemerkenswertes Ensemble. Auf drei Etagen werden steinerne Zeugen der Erdgeschichte der Eifel aus den Bereichen Paläontologie, Vulkanologie, Mineralien, Ur- und Frühgeschichte, Wald und Ökologie präsentiert. Die geologische Zeitreise führt durch die Epochen des Devons, der Buntsandsteinzeit und des Jung-Pleistozäns, als die Vulkane in der Eifel ausbrachen und der erste Cromagnon bis ins Gerolsteiner Land kam.

      Station 15: Ruine Löwenburg / Panoramablick

      1115 von den Grafen von Blankenheim erbaut, gab die Burg Gerhardstein der Stadt vermutlich ihren Namen. Die Burg war über 600 Jahre lang der Sitz bedeutender Adelsgeschlechter. Sie diente der Überwachung des Kylltals und dem Schutz der am Fuß der Burg siedelnden Bürger. Sie steht auf einem rd. 380 Mio. Jahre alten Dolomitfelsen. Heute noch hat man vom Löwenburgplateau einen herrlichen Blick auf die Brunnenstadt und das Kylltal.

      Station 16: Heiligenstein
      Station 17: Panoramablick Aussichtsturm Dietzenley
      Bei der Vulkantätigkeit vor ca. 600.000 Jahren wurde das Gelände rund um die Dietzenley mit Vulkangestin bedeckt, aus dem durch Verwitterung ein ertragreicher Boden wurde. Das basaltische Vulkangestein wurde von den Kelten zum Bau der Ringwälle genutzt.

      Auf der Dietzenley befand sich vor ca. 2500 Jahren eine keltische Wohnsiedlung mit Weideplätzen, die durch Ringwälle von bis zu 9 m Höhe und 4 m Breite gegen Angriffe geschützt war. Bei der Vulkantätigkeit vor ca. 600.000 Jahren wurde das Gelände rund um die Dietzenley mit Vulkangestein bedeckt, aus dem durch Verwitterung ein ertragreicher Boden wurde. Das basaltische Vulkangestein wurde von den Kelten zum Bau der Ringwälle genutzt.

      Der Aussichtsturm auf der Dietzenley bietet einen beeindrucken Ausblick in die Landschaft der Eifel.

      Station 18: Grafenkreuz und Büschkapelle

      Der Sage nach fuhr der Graf von Blankenheim mit seiner Gemahlin im Jahre 1680 in einer Prunkkutsche nach einem Ausflug durch den Stadtwald zurück zur Löwenburg. In Höhe des Davitskreuzes ließ die Gräfin die Kutsche anhalten und ging mit dem Graf zu Fuß quer durch den Wald zurück zur Burg. In Höhe des Grafenkreuzes wurde die Kutsche von zwei Räubern überfallen und ausgeraubt. Die Räuber wurden später gefangen und verurteilt. Als Dank für die Rettung ließ der Graf im Stadtwald das Grafenkreuz und die Büschkapelle errichten. Der heutige Bau wurde 1904 von der Familie Ph. Daubach errichtet. Die Kapelle im idyllischen Stadtwald ist heute ganzjährig ein beliebtes Ausflugsziel für einen Waldspaziergang.

      Station 19: Waldlehrpfad

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Vulkaneifel-Pfade

      Faltlatt „Gerolsteiner Dolomiten-Acht: Erlebnisrunde Gerolsteiner Felsen- und Keltenpfad“

      Textquellen

      Faltblatt „Gerolsteiner Dolomiten-Acht“

      Gerstetten: Urmeerpfad

      Rundweg zur Geologie der Schwäbischen Alb

      Auf gut ausgebauten Wegen führt der Urmeerpfad von Gerstetten über den Flugplatz zum Rüblinger Hof. Die Tour führt über das 150 Millionen Jahre alte Riff und die 20 Millionen Jahre alte Kliffkante des Molassemeers.

      Start ist am Heldenfinger Kliff oder am Bahnhof Gerstetten.

      Über idyllische Wiesen und Felder erreicht man das Heldenfinger Kliff, wo man sich am „Geologischen Mehrgenerationen Spielpark“ (mit Spielplatz)  an 23 Stationen auf einem geologischen Spasspfad in der Geschichte der Erde fit machen kann.

      Am Eiskeller vorbei geht´s zurück nach Gerstetten. Ein grandioser Rundblick ist vom Wasserturm aus möglich.

      Tipp

      Als Abschluss der Tour bietet sich ein Besuch im Riffmuseum Gerstetten an. Dort sind versteinerte Korallen und andere Meeresbewohner zu bewundern.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Brenzregion

      Faltblatt „Themenwege auf der Gerstetter Alb“

      Glasmachersiedlung Äule, Schluchsee-Aha

      Glasmachersiedlung Äule, Schluchsee-Aha

      Am 24. April 1716 hatte das Kloster St. Blasien gestattet, dass in „der hinderen Aha„, im letzten holzreichen Klosterwald eine Glasmachersiedlung aus dem Boden gestampft wurde. Die Glashütte Äule nahm 1716 ihren Betrieb auf und produzierte bis 1878.

      Mit der Glashütte Äule knüpfte das Kloster St. Blasien an eine lange Glasmachertradition an. Vor Äule hatte es in den Wäldern am Schluchsee bereits drei andere Glashütten gegeben: Die Erste ab 1597 in Blasiwald-Muchenland, danach die zweite 1622 in Blasiwald-Althütte und schließlich von 1684 bis 1714 eine dritte im oberen Windbergtal.

      Die Glasmachersiedlung Äule am 10.04.2023. Die Glashütte stand neben/rechts der Kapelle.

      Für das Kloster besaßen Glashütten eine Doppelfunktion. Sie setzten zum einen die unerschlossenen Wälder in Wert. Mit Hilfe des Rohstoffs Holz stellten die Glasmacher nämlich wertvolles Glas her. Gleichzeitig schufen sie durch die Rodung Siedlungsraum. Eine Handschrift im Archiv von St. Paul bringt es auf den Punkt: „Die Glashütten in den Waldungen des Stifts machten Silber aus Holz und Wohnungen aus Einöden.„

      Die Medaille hatte aber zwei Seiten: Der Holzbedarf der Glashütten war gewaltig. Allein zur Herstellung der Pottasche, die beigemischt wurde, um den Schmelzpunkt des Quarzsandes auf 1100 Grad zu senken, wurden große Holzmengen einfach verbrannt. Und dann musste der Schmelzofen Tag und Nacht befeuert werden. Um eine einzige Flasche herzustellen, benötigte man einen Kubikmeter Holz. So war der Wald um eine Glashütte bald kahlgehauen, das Holz musste aus immer größeren Entfernungen herbeigeschafft werden. Nach wenigen Jahrzehnten war dieser Transport so teuer, dass man die Glashütte abbrach und in ein neues Waldgebiet verlegte.

      So schlug die Geburtsstunde von Äule. Geburtshelfer waren zwei andere, sterbende Hütten. Die Bonndorfer Glashütte hatte schon 1706 „wegen Mangel des Holzes“ Versorgungsschwierigkeiten bekommen. Auch den Glasmachern im oberen Windbergtal ging 1714 das Holz aus. Zudem endete deren Nutzungsvertrag mit dem Kloster.

      Schon 1711 hatte der Abt nach einem holzreichen Waldgebiet als Standort für eine neue Glashütte Ausschau halten lassen. Dazu trafen sich der klösterliche Oberrechner Cajetano, der Stallmeister und ein Secretarius mit dem Bettmaringer Obervogt, zwei Klosterjägern und einige Glasmeistern. Und sie wurden fündig. Nachdem man in Schluchsee „eine Mittag Suppen genossen„, so die Niederschrift, visitierte man „in der hinderen Aha eine solch immens große Waldung, mit welcher wohl über die 100 Jahr eine Glashütten fouriert (versorgt) werden könne“. Der Standort wurde auch von den Glasern als „extra wohl und commod“ angesehen.

      Aber als es dann 1714 für die Glasmacher im Windbergtal ernst wurde mit der Umsiedlung in den Äulemer Wald, baten sie „fueßfällig“ um Aufschub. Der Abt möge ihren Vertrag doch um einige Jahre verlängern, damit in Äule „in dießer Zeit die nöthige Hütten und Heüßer nach und nach aufgerichtet würden, und wür alßo von unser dermahlen besitzenden – gleich die Neue Hütten antretten, und unßre Arbeyd fortführen könten.„

      Das Kloster indes verlängerte den Vertrag nicht mehr, und der Bau der Siedlung Äule begann noch in 1714.

      Infopavillon Glasträgerweg in Äule am 10.04.2023 (Bushaltestelle gegenüber der Kapelle).

      Infos
      Der Bau der Glashütte

      Am 24. April 1716 unterzeichneten Abt Augustin Fink und die Glasmacher den „Bestandtsbrieff über die neuw erlaubt- undt erbauwene Glas Hütten beym Äuwle“. Das Dokument regelt auf neun eng beschriebenen Seiten das Vertragsverhältnis zwischen dem Kloster St. Blasien und Andres Sigwarth, Johann Sigwarth, Michel Sigwarth, Samuel Sigwarth, Joseph Greiner, Blasi Küeffer und Kaspar Schmidt. Abt Augustin Fink gestattet den genannten sieben „Glas- und Hütten Meistern“ den Bau einer neuen Glashütte – „an dem sogenannten Äuwle in der Aha gelegen“.

      Die sieben Glasmeister, die „Gründerväter“ von Äule, hatten ab 1714 zunächst fünf Glasmeisterhäuser errichtet – zwei Doppel- und drei Einfamilien-Gebäude. Mit dem Bau der kleinen Häuser für die Holzknechte, Aschenbrenner, Fuhrleute und Glasgehilfen war gerade begonnen worden, als am 6. Juni 1715 der genaue Standort der Glashütte festgelegt wurde. Der Talschluss unterhalb Schnepfhalde, Silberfelsen und Kapellenkopf war dicht bewaldet, lediglich im Talgrund am Bach besaßen der Hinterbauernhof-Bauer Christa Schmidt und der Käppelehof-Bauer Thoma Schmidt aus Aha saftige Wiesen, die „Äulematten“. Auf die galt es Rücksicht zu nehmen. Die Glashütte musste deswegen „oberhalb der Straß, so gegen Menzenschwand gehet, unterhalb der sogenannten Schnepfhalde auf der Ebene oberhalb der unteren und oberen Aulematt gesetzt werden“. Gegen die Lage unterhalb der Straße sprach auch, dass das Holz zunächst über die rechte Talflanke zur Hütte „herabgeriest“ werden sollte, was die Straße arg in Mitleidenschaft gezogen hätte.

      Im Sommer 1715 begann der Bau der Glashütte. Sie stand auf dem heute freien Platz, wenige Schritte östlich der Kapelle. Mitten im Hüttengebäude thronte die gewaltige, aus Bruch- und Ziegelsteinen gemauerte Ofenanlage. Ihr Herz war der große Schmelzofen mit zehn Arbeitsöffnungen, „Ständ oder Werkstätt“ genannt. Eigentlich sollte jede Arbeitsöffnung von einem Glasmeister mit seinen Gehilfen bedient werden. Da Äule 1716 nur sieben Meister aufzubieten hatte, übernahm Samuel Sigwarth zwei, Andres Sigarth gar drei „Werkstätten“ – auf eigenes Risiko, aber auch mit höheren Ertragschancen. Im Schmelzofen hinter den Arbeitsöffnungen standen auf einem Podest die zehn feuerfesten Glashäfen für die Glasschmelze.

      An den Schmelzofen waren zwei Nebenöfen angebaut, nämlich der Fritteofen und der Auskühlofen. Über der Ofenanlage erhob sich das hölzerne Hüttengebäude als Wind- und Wetterschutz. Es hatte mit 15 m Breite, 25 m Länge und einer Höhe von ca. 10 m beeindruckende Ausmaße.

      Die Glashütte Äule war ein imposantes Gebäude. Hier eine Fotomontage unter Verwendung eines Aquarells von K. Schuster (um 1890) aus dem Augustinermuseum-Städtische Museen Freiburg.

      © Fotomontage:  Killian / Fiedbert Zapf

      Der Grundstoff für die Glasherstellung ist quarzreicher Sand, den gab es reichlich rund um Äule. Reiner Quarzsand schmilzt bei 1600 Grad, eine Temperatur, die mit einem Holzfeuer, selbst mit Holzkohle, nicht zu erreichen ist. Durch die Zugabe von Pottasche konnte der Schmelzpunkt auf 1100 Grad gesenkt werden. Aschenbrenner stellten im Auftrag der Glasmeister diese speziell behandelte Asche her.

      Zunächst wurden ein Drittel gereinigten Sands mit zwei Dritteln Pottasche und wenigen anderen Ingredienzien, z.B. Kalk als Stabilisator, vermengt und im Fritteofen vorgeschmolzen. Diese Masse ging in den zehn Glashäfen des Schmelzofens bei Temperaturen über 1000 Grad nach zwölf bis 24 Stunden in den zähflüssigen Zustand über.

      Alle Vorarbeiten leisteten die Glasergesellen und Lehrbuben. Die beiden Schürer hielten das Ofenfeuer Tag und Nacht in Brand. Wenn dann die Glasermeister auf das hölzerne Podest des Schmelzofens stiegen, war das Werkzeug gerichtet, und hinter den Arbeitsöffnungen brodelte die Glasschmelze. Der Meister tauchte die Glasmacherpfeife in die heiße Schmelze, holte unter ständigem Drehen einen kugeligen Glasposten heraus und blies diesen wie eine Seifenblase auf. Durch Schwenken und Rollen formte er den Glaskörper, der durch den Einsatz von Glasschere, Zange, Holzlöffel und Formen die endgültige Gestalt erhielt. Die heißen Glasgebilde mussten, um nicht zu zerspringen, ganz langsam abgekühlt werden. Dies geschah im etwa 1000 Grad heißen Auskühlofen.

      „Die Glasmacher fangen alle Tag abends um Betzeit an arbeiten und continuieren 11 Hüttenstund lang; eine Hüttenstund macht 5/4 Stund aus. Unter diesen 11 Stund rastet man auch 2 Stund. … Zur Sommerzeit erstrecken sich die 11 Hüttenstund von Abendbetzeit bis anderntag um 11 und 12 Uhren.“ Dies erfahren wir aus einem Untersuchungsbericht von 1753.

      © Friedbert Zapf

      „Saufen, Ludern und Fluchen“ wird nicht geduldet

      In einem von Klosterbediensteten abgegrenzten „Bezirk Walds“ dürfen die Holzknechte der Glashütte 50 Jahre lang das Holz schlagen, welches zum Betreiben der Hütte benötigt wird. Dafür entrichten die Glasmeister einen jährlichen „Wald- und Bestands Zünß“ in Höhe von 100 Gulden. Außerdem müssen sie einmal im Jahr „1500 mittlere saubere Glasscheiben“ im „Kuchelambt“ in St. Blasien abliefern. Der Fuhrmann, der die in Stroh verpackten Fensterscheiben transportiert, wird dort mit einem „Bächer Wein und mütschle Brodt“ bewirtet.

      Die sieben Glasmacher zahlen keine Steuern, doch müssen sie für den „genüssenden Schutz und Schirmb“ des Klosters zusammen weitere 10 Gulden im Jahr bezahlen. Weil die Zeit der Türkenkriege noch in Erinnerung ist, behält sich St. Blasien vor, bei „Türken- und Religionskriegen“ eine Kriegssteuer zu erheben. Im Übrigen sind die Glaser nicht verpflichtet, Landwehrdienst zu leisten, doch haben sie Waffen vorzuhalten, um dem Kloster in „Nothfällen beyspringen“ zu können.

      Für das Getreide, das die Glaserfamilien ernten, ist der „Fruchtzehnte“ in die Klosterscheuer abzuliefern, für Hanf, Flachs und Rüben der „Kleine- und Martinszehnte“ zu entrichten. Vieh dürfen sie so viel halten, wie sie überwintern können. Und die Glasmacher müssen zwei Tage lang bei der Heuernte auf dem klostereigenen Meierhof Oberkrummen helfen, dort werden sie mit „gewehnlichem Essen“ verpflegt.

      Der Besuch der Pfarrkirche in Schluchsee an allen Sonn- und Feiertagen ist für die Glaserfamilien und das „Hütten- und andere Werkvolkh“ Pflicht, und für die „pfarrherrliche Seelsorg“ hat Äule – wo keine „Unkatholischen“ geduldet werden – zwölf Gulden an den „Pfarrherrn von Schluchsee“ zu entrichten.

      Die Zunderschwammernte ist verboten, Harzen ist nur erlaubt, soweit das Harz für die Glashütte gebraucht wird. Auch sollen sich die Bewohner von Äule „nicht erfrechen“ zu fischen, zu jagen, Vögel zu fangen oder Nester auszunehmen. Doch an den Klosterjagden müssen sie zwei- oder dreimal im Jahr als Treiber teilnehmen. In Äule dürfen keine verdächtigen „Weibs- oder Manns personen, Strolche, Zigeiner oder andere Landfahrer“ geduldet werden.

      Das Kloster gestattet den Glasmeistern, Wein einzulagern und schanksteuerfrei auch an Durchreisende auszuschenken. In diesem Zusammenhang betont der Abt, er habe „missfällig sehen und hören müssen“, dass vor allem die jungen Glasmeister der aufgegebenen Glashütte im Windbergtal „allein mit Essen und Trinkhen Tag und Nacht, ja gantze Wochen zue größtem Nachtheil des Glaswesens undt zum Verderb ihro Weib und Kindter“ zugebracht hätten. In Äule dulde man „das so unmäßige Saufen und Luodern, fluchen, Schwören und Spihlen“ auf keinen Fall.

      © Friedbert Zapf

      Der Streit um Holz und Weideplätze

      Der Standort der neuen Glashütte war in Bezug auf die Rohstoffe Holz und Quarzsand zwar „extra wohl und commod“, doch war die „hindere Aha“ 1716 nicht menschenleer. Es standen dort bereits der Kapellenhof und der Hinterbauernhof, und die Hofbesitzer besaßen im Klosterwald um ihre Höfe herum alte Holznutzungs- und Weiderechte.

      Im Bestandsbrief vom 24. April 1716 regelte das Kloster St. Blasien, dass auch die neu aufgezogenen Glasmeister „der nothdurft nach“ 50 Jahre lang Holz nutzen dürfen, also so viel sie zum Betreiben der Glashütte benötigen. Allerdings in einem ganz bestimmten Waldbezirk, welcher den Glasmachern „von denen allhiesigen Deputierten lauth besonderer zuhanden gestellten Bahns Beschreibung gezeigt undt ausgezeichnet worden“. Schon am 6. Juni 1715 hatte das Kloster mit Blick auf Kapellenhof und Hinterbauernhof festgelegt: „Damit die Glasmacher nicht gleich die den Bauren nächstgelegenen Waldungen ausstocken, könnte ein Bezirk hinein gegen dem Aule rechterhand hinein gegen der Beerhaldten und Fahrenreutte ausgezeichnet werden.“

      Klar, dass Christa Schmid, „der Hintere Bauer“, und Thoma Schmid, „der Käpelin Bauer“, in den neuen Nachbarn, den Glasmachern, Konkurrenten im Wald sahen. Sie beschwerten sich in St. Blasien und gingen dabei so weit zu behaupten, der Wald „in der Aha“ befinde sich in ihrem Eigentum. Zunächst stellte das Kloster klar, das sei ein „irriger Wahn“, es handle sich bei diesem Wald und überhaupt beim Wald der ganzen Vogtei Schluchsee um „ein pures absolutes herrschaftliches Lehen“, also um eigentümlichen Klosterwald, worin die beiden Bauern nur Holznutzungsrechte besäßen.

      Allerdings beschloss man „zur Verhütung weiter Streitigkeit“, am 19. Juli 1719 den Bezirk, in welchem die Glasmacher ihr Holz hauen durften, exakt auszumarken: Die Grenze führte laut Protokoll „angefangen in der Äulematten, von dieser gerad hinauf 100 Schritt, allda eine Thanne mit einem Kreutz bezeichnet, ferners wieder 100 Schritt, und so fortan alle 100 Schritt ein Kreutz in ein Baum gehauen, bis an den Krummenbahn, von dem Krummenbahn auß der Eckmark zu hinauf bis an die sogenannte Schnepfhalden – Menzenschwanderbahn – … von dar dem Menzenschwanderbahn hinach bis auf des Äule, weilen dieses der Schneeschlaife ganz gerad nachgehet, hat es keine weitere Zeichnus vonnöthen. Von dem Äule wieder der Schneeschlaifen und Wassersaigen nach bis ohngefähr 400 Schritt gegen den Geringenstein, von dar herunter 300 Schritt unterm Gefäll, von dar gerad fürwärts bis an die Hoche Reuthe …, von dar aus herunter an des Hinteren Bauren Äule Matten, allwo kein Wald, sondern die vor 3 Jahren gesetzte Lauchinnen stehen. Von daraus hinüber auf des Käpelin Bauren Äule Matten, allwo man angefangen“.

      Das Recht, das Vieh zur Weide in den Wald zu treiben, war existenziell. Im Rezess vom 25. August 1719 bestimmte St. Blasien, dass „der Hintere und Käpelin Bauer“ nach wie vor Weiderechte in dem für die Glasmacher ausgemarkten Bezirk besaßen, die sie zukünftig allerdings mit den neuen Nachbarn teilen mussten. Das sei aber problemlos möglich, weil durch die Holznutzung für die Glashütte der Wald nach und nach gelichtet und dadurch „der Weidgang viel gebessert wird“. Zudem durften die Glasmeister nicht beliebig viel Vieh in den Wald treiben. Hatte ihnen das Kloster im Bestandsbrief von 1716 noch zugestanden, soviel Vieh in das „stück Wald gegen den Veldberg“ zu schlagen, wie sie über den Winter brächten, so legte man 1719 exakte Zahlen fest. Lediglich ein Pferd und zwei Kühe pro Glasmeister bzw. Werkstatt durften zur Nahrungssuche in den Wald getrieben werden, nach 20 Jahren sollten vier Stück Vieh erlaubt sein.

      © Friedbert Zapf

      „Durstige Seelen waren die Glaser zu allen Zeiten“

      In Äule lebten Mitte des 18. Jahrhunderts etwa 70 bis 80 Menschen. Neben den sieben Glasmeisterfamilien wohnten noch zahlreiche Hilfskräfte dort: Vier Holzhauer bereiteten das Feuerholz auf, mehrere Aschenbrenner produzierten die Pottasche, und zehn Fuhrleute transportierten Asche, Brennholz und den Quarzsand zur Glashütte. Dort beheizten zwei „Schürer“ die Ofenanlagen, und die Glasknechte und Lehrbuben unterstützten die Meister bei der Glasherstellung.

      Neben der Glasmacherei betrieben die sieben Glasmeisterfamilien eine bescheidene Landwirtschaft. Anschaulich schildert Forstrat Gerer die Verhältnisse um das Jahr 1800: „Selten ist der Schnee auf dem Äulemer Bann vor Ende des Brachmonats ganz verschwunden. In dieser Höhe wird also kein Getreid gebaut als etwas Roggen und Haber und dieses bloß, um die trockenen Mattfelder, die man nicht wässern kann, von Zeit zu Zeit zu verjüngen oder um den Weidgang von der Heide- und Heidelbeerstaude oder von dem Ginsterkraut wieder zu reinigen. Von Gemüse wird nur Mangoldskraut, etwas schlechter Kapis, Ruben und Erdäpfel, endlich etwas Flachs, selten aber Hanf gebaut. Das Hauptwesen ist also Viehzucht.“

      Und eben wegen des Viehs und der Weiderechte im Klosterwald hatte es erneut Streit mit den beiden Bauern aus „der hinteren Aha“ gegeben. Das „Hochfürstlich St. Blasische Reichsamt Bettmaringen“ bestätigte am 18. Dezember 1784 aber erneut das Recht der Glasmacher, pro „Werkstatt“ drei Stück Vieh in den Wald zu treiben, also insgesamt 30 Tiere. Allerdings forderte die klösterliche Kanzlei auch, dass zukünftig „den gedachten zwey Hofinhabere miteinander jährl. auf Martini aus einer Hand 20 Gulden Reichswährung zu bezahlen“ seien.

      Was hatte es nun eigentlich mit dem sprichwörtlichen Durst der Glasmacher auf sich? Bereits Georgius Agricola hat auf der bekannten Darstellung einer Glashütte von 1556 in einem Nebenraum sitzende Zecher dargestellt. Und im Augustinermuseum in Freiburg befindet sich ein Ölgemälde von 1770/80, das die Innenansicht der Glashütte Äule zeigt – mit einem trinkenden Glasmacher im Vordergrund. Abt Augustinus hatte es jedenfalls für erforderlich gehalten, in den „Bestandsbrief“ vom 24. April 1716 den vielsagenden Passus aufzunehmen, in Äule dulde man das „unmäßige Saufen und Luodern, fluchen, Schwören und Spihlen“ auf keinen Fall. Trotz offensichtlicher Bedenken gestattete er dennoch jedem der sieben Glasmeister, Wein einzulagern und auch an Durchreisende auszuschenken – in alter Tradition sogar schanksteuerfrei. Zusätzlich wurde vermutlich schon um 1716 ein Wirtshaus in Äule errichtet, das Vorgängergebäude des 1887 neu gebauten „Rössle“.

      Oskar Spiegelhalter aus Lenzkirch schreibt 1908: „Durstige Seelen waren die Glaser zu allen Zeiten, und das ist bei ihrer schweren Arbeit vor dem heißen Ofenloch nicht zu verwundern. Deshalb wurde auch, wo und wie es anging, bei der Arbeit getrunken. Wie oft hat mir mein Vater erzählt, daß er in seinen jungen Jahren nach Äule kam und dass es dann jeweils lustig und kreuzfidel hergegangen sei.“ Und Spiegelhalter weiter: „Gegessen wurde dreimal am Tage. (…) Die Kost war kräftiger als sie sonst der Bauer hatte; denn fast jeden Tag gab es Speck neben den auf dem Schwarzwald üblichen Mehlspeisen. Auch wurde bei den Mahlzeiten Wein, Bier oder Schnaps getrunken, was beim Bauern nur ganz ausnahmsweise vorkam. Wein einzulegen und zu verschenken war eine ganz besondere Freiheit, deren sich jeder Glasermeister von alters her erfreute.“

      © Friedbert Zapf

      Die Glasmeister manipulieren die Hüttenuhr

      Holz gab es im Äule noch genug, deswegen hatte das Kloster St. Blasien die Glashütte dort angesiedelt. So sollten die Glasmacher zunächst auch ohne Mengenbeschränkung Holz nutzen dürfen. Lediglich den Ort des Holzeinschlags hatte das Kloster am 6. Juni 1715 ungefähr festgelegt, um Streitigkeiten mit dem benachbarten Hinterbauernhof und Kapellenhof zu vermeiden: „Damit die Glasmacher nicht gleich die den Bauren nächstgelegenen Waldungen ausstocken, könnte ein Bezirk hinein gegen dem Aeule rechterhand hinein gegen der Beerhaldten und Fahrenreutte ausgezeichnet werden.“

      Im Bestandsbrief vom 24. April 1716 bestätigte das Kloster, dass die Glasmeister „der nothdurft nach“ 50 Jahre lang Holz nutzen dürfen, allerdings war der Waldbezirk wohl zu unbestimmt. Nachdem der „Hintere Bauer“ und der „Käpelin Bauer“ sich beschwert hatten, ließ St. Blasien 1719 „zur Verhütung weiter Streitigkeit“ den Bezirk exakt ausmarken.

      Längst war es nicht mehr Ziel des Glashüttenbetriebs, durch Rodung auch Siedlungsraum zu schaffen, die Waldvernichtung wurde augenscheinlich. Im Rezess vom 25. August 1719 fordert St. Blasien deswegen von den Glasmeistern, „daß an jenen Orten, wo der Boden zur Waldung qualifizieret, dann und wann ein frischer Baum stehen bleiben und den Samen auswerfen solle“.

      Der Holzbedarf stieg weiter, 1754 wies man den Glasmachern neben dem 1719 abgegrenzten Bezirk ein weiteres Gebiet im Bereich des Oberkrummen zur Nutzung zu. „Damit auch die mit sehr vielen Windfällen angefüllte und zur Viehweidung höchst schädliche Waldung, in der Escha genannt, nach und nach geraumt werden möge“, sollten zukünftig 500 Klafter von dort herbeigeschafft werden.

      Für St. Blasien war ein jährlicher Holzverbrauch der Glashütte von 1 000 Klaftern (2 720 Festmeter bzw. 3 400 Ster) gerade noch akzeptabel, doch die Klosterbediensteten vermuteten, dass deutlich mehr eingeschlagen werde, dass die Glasmacher sich nicht an die Vertragsbestimmungen hielten und die Meister „nicht aufrichtig zu Werk“ gingen. Und letztendlich erbrachten Verhöre den Beweis, „daß die Glaser stärker glasen“ als vereinbart.

      Das einzige Regulativ des Klosters, den Holzverbrauch einigermaßen zu steuern, war die Produktionszeit. Nur elf „Hüttenstund“ lang pro Tag durfte Glas gemacht werden, doch die Äulemer waren findig, sie manipulierten die Uhr. Im Verhörprotokoll von 1753 ist zu lesen: „Die Stunduhr gehe aber ganz unordentlich, man mache beständig daran herum, und sie bleibe öfters stillestehen.“ Um illegal länger arbeiten zu können, setzten die Glasmacher einfach größere Glashäfen ein. Deswegen zur Rede gestellt, entschuldigte sich der Äulemer Vogt Jacob Sigwardt. Er habe „schon manchmalen gezanket und den Hafen an die Wand werfen wollen, wann einer einen größeren Hafen mitgebracht“.

      1765 stimmte Fürstabt Martin II. Gerbert zähneknirschend einer Vertragsverlängerung mit acht Äulemer Glasmeistern „auf weitere, anbei aber ungewisse Jahre“ zu – wohlgemerkt, ohne sich bei der Laufdauer zu binden. Denn es waren klosterinterne Diskussionen wegen der Waldzerstörung vorausgegangen. Man sehe – so ein Bediensteter – „allerorts, wie übel die Glaser in dem Wald gehauset und der Hochwachs verderbet“. Für den Fürstabt war es eine Gradwanderung: Einerseits hatte er 1766 eine strenge Forstordnung zum Schutz der Wälder erlassen, andererseits konnte und wollte er die Äulemer Glashütte nicht abwürgen. Also bestimmte er 1769, dass den Meistern Holz „aus der gegen denen fürstenbergischen Grenzen in des Hintern Bauern in der Aha noch stehenden, dann aus der in dem Obersten Krummenbann befindlichen Waldung, der sog. Eschen mit jährlich 750 Klafter von dem Forstmeister angewiesen und abgeben werde“.

      © Friedbert Zapf

      Von Glasschneidern und Glasmalern – die gläsernen Produkte

      Die Palette der Äulemer Glasprodukte war bunt. Der Sammler Oscar Spiegelhalter zählt 1908 auf: Gebrauchsglas wie Trinkgläser (Schnapskelch, Weinglas, Bierkrug, Brautkelch) und Maßflaschen („Guttere“), Ziergläser wie Fadenzainle, Zuckerbüchsen, Honiggläser, Netzschüssele, Weihwasserkessele, Pulverhörner, Gebrauchsglas für bäuerliche Haushalte wie Milch- und Blumenhäfen, Essig- und Öl-Gläser, Wäscheglätter (gefüllt mit heißem Wasser oder Sand), Stopfkugeln, Einschüttgläser für krankes Vieh, Milchansauggläser für Wöchnerinnen, Glastrichter, Fliegenfallen, Uhrgewichte.

      In den Koalitionskriegen 1792–1805 schob Napoleon die französische Grenze bis zum Rhein vor und belohnte Markgraf Karl Friedrich für dessen Bündnistreue mit dem Großherzogtum Baden. Im Zuge der Säkularisation wurde die Abtei St. Blasien 1806 aufgehoben und ging an das Großherzogtum über. Damit wurde die klösterliche Glashütte Äule badisch. Die Glasmacher indes nahmen dies gelassen zur Kenntnis Die Verwaltung der Glashütte und der Wohnhäuser – die Glasmeister waren noch immer lediglich Pächter – übernahm nun die Großherzogliche Domänendirektion. Diese erfasste 1808 den Bestand. In den Häusern saßen Schmid, Sigwart, Kiefer, Maier, Grüner (Greiner?) und Dilger.

      Der Lageplan von 1808 zeigt die genaue Lage der Glashütte und anderer Gebäude der Glasmacherzeit, zum Beispiel die „Schirrhütte“ oberhalb des Hüttenplatzes, in welcher Gerätschaften und Material aufbewahrt wurden. Südlich der Glashütte, unterhalb der Menzenschwander Straße standen das „Glasschneiderhäusle“ (bei der Bushaltestelle) und die „Streckhütte“ (schräg gegenüber Gasthaus).

      Schon seit der Inbetriebnahme der Glashütte wurde in der „Streckhütte“ Flachglas, also Fensterglas hergestellt. Erinnert sei an den Bestandsbrief von 1716, der forderte, dass jährlich „1500 mittlere saubere Glasscheiben“ im Kloster St. Blasien abzuliefern seien. Wie wurde aber Fensterglas gefertigt? In der Glashütte zog der Glasmeister aus der Glasblase 30 bis 40 Zentimeter lange Glasröhren. Diese wurden nach dem Erkalten über die Straße in die „Streckhütte“ gebracht, im „Streckofen“ wieder erhitzt, an der Längsseite aufgetrennt und bei etwa 1000 Grad mit einem feuchten Holzstab zu Scheiben flachgebügelt.

      Jeder der sieben Glasmeister ließ einen Teil seiner Glaswaren weiterbearbeiten. Glasschneider und Glasschleifer, ebenfalls in Äule wohnhaft, brachten Gravuren wie Messstriche, Inschriften oder einfache Figuren auf. Vinzens Sigwarth übrigens hatte 1748 von St. Blasien die Genehmigung erhalten, ein „Glasschneiderhäusle“ – Stube, „Kuchel“ und zwei Kammern – zu bauen. Im Jahr 1785 richteten die Glasmeister dort noch eine „Schulstube“ ein.

      Die Glasweiterverarbeitung findet sich als regelmäßiger Ausgabeposten im Kassenbuch von 1825-1830. Monatlich wurden dafür etwa 80 Gulden bezahlt, das waren 5 Prozent aller Ausgaben. Oskar Spiegelhalter berichtet, dass auch Frauen das Glas weiter bearbeiteten. So fertigten Kreszentia Schlageter und Josepha Vogelbacher in Äule Mitte des 19. Jhd. „die besten Gravierungen“. „Auch das Auftragen der Farben bei den bunten Gläsern geschah meistens durch Frauen oder Mädchen.“ Die Emaille-Malerei garantierte besonders kräftige Farben. In eigenen Öfen wurden die aufgetragenen Farbschichten eingebrannt.

      © Friedbert Zapf

      Die Glasmeister organisieren sich in einer modernen „Compagnie“

      Um 1798 wird die Glashütte Äule von Forstrat Gerer als „Glasfabrik“ bezeichnet und deren Umsatz beziffert: „Der tägliche Ertrag der Äulemer Hütte an Glas wird auf den Hafen auf 11 Gulden, somit auf zehn Häfen auf 110 Gulden bestimmt. Nähme man aber die runde Zahl von 100 Gulden an, und berechne man, daß durch 300 Tage im Jahr fabriziert werde, so ergibt sich ein jährlicher Glasertrag von 30 000 Gulden.“

      Seit 1823 bezog die Glashütte ihr Holz vom Oberen Habsberg, dem „Krummenkreuzle, dem Käppelhof“ und aus dem Privatwald des Georg Schmidt in der Aha. Damals gingen die Umsätze der Glashütte Äule zurück. Zunächst unmerklich, denn jeder Glasmeister arbeitete selbständig, bezahlte seine Gesellen, Lehrbuben, Glasschleifer und Glasmaler, bezog die Materialien auf eigene Rechnung und hatte für den Absatz seiner Ware zu sorgen. Doch schließlich war das Dilemma nicht mehr zu übersehen. Mit der Industrialisierung und der Massenfertigung der Güter wurde es für die Manufakturen im abgelegenen Hochschwarzwald zunehmend schwerer, die Glashütten waren nicht mehr konkurrenzfähig.

      Die Glashütten Bubenbach und Herzogenweiler reagierten auf die wirtschaftlichen Herausforderungen mit einer modernen Gesellschaftsform. Die dortigen Glasmeister schlossen sich um 1820 zu „Gesellschaften“ zusammen, die die Rohstoffe gemeinsam einkauften und die Produkte gemeinsam vermarkteten. Schließlich gründeten auch die Glasmeister von Äule am 2. April 1825 nach diesem Vorbild eine „Gesellschaft oder Compagnie“. Sie hatte „zum Zwecke, sämtliche für die Glasfabrikation erforderlichen Materialien in Gesellschaft einzukaufen, die Glasfabrikation in Gesellschaft zu betreiben und auch den Verkauf des Fabrikats namens und für die Gesellschaft besorgen zu lassen.“ Die Anteile der Gesellschafter betrugen je 2022 Gulden, der führende Kopf war Vogt Joseph Kiefer.

      Klar, dass die „Gesellschaft oder Compagnie“ alle Geldflüsse in einem Kassenbuch dokumentierte. Ein Glücksfall, dass dieses „Monat Buch der Glas Fabrik Aeile“ auf Umwegen jüngst bei Liselotte Kiefer aus Schluchsee gelandet ist. Auf 108 Seiten werden vom 12. April 1825 bis 31. März 1830 von den beiden Rechnern fein säuberlich die monatlichen Einnahmen und Ausgaben der Glasfabrik aufgelistet. Doch die Glas-Kompanie hatte nur fünf Jahre Bestand, die Glasmeister waren wohl doch zu sehr Individualisten, als sich in eine „Gesellschaft“ einzufügen.

      Dabei hatten sie ein funktionierendes Vorbild, nämlich streng organisierte „Glasträgerkompagnien“, die ihre Vertriebsgebiete abgegrenzt hatten, z.B. das Elsass („Elsißträger“) oder die Schweiz („Schwyzerträger“). Die Glasmacher verkauften nämlich nicht an den Endverbraucher, sondern übergaben die Ware an diese Handelsgesellschaften. 1813 übrigens schlossen sich alle badischen Glasträgerkompagnien zu einem Verband zusammen. Äulemer Glas war beliebt, denn die Glasträger mussten sich „allzeit acht Täg vorher um Glas bewerben, sonsten kommen sie keines über“ (Wohleb). Die wirtschaftliche Bedeutung des Glashandels rund um Äule war groß, so belegt Wohlebt, dass 1765 in Schluchsee, Blasiwald und Fischbach 29 verheiratete und 39 ledige „Glasgereiste und Truckhändler“ wohnten. In Schluchsee allein lebte mehr als die Hälfte der Zinspflichtigen vom Hausierhandel.

      © Friedbert Zapf

      Die Glashütte wird privatisiert

      1850 gab es eine einschneidende Veränderung. Die acht Glasmeister von Äule beschlossen, „die ärarische Glashütte samt Zubehörde, welche sie seither pachtweise innehatten, käuflich zu erwerben“. Für 14.000 Gulden gingen sämtliche Äulemer Gebäude, mehr als 62 Morgen Wiesen und mehr als 63 Morgen Weidfeld vom Großherzogtum Baden an die „Glasmeisterschaft“ über – in 10 Jahresraten mit 5 Prozent Verzinsung zu zahlen. Die Siedlung wurde politisch der Gemeinde Schluchsee unterstellt.

      Durch die Privatisierung erhoffte sich der badische Staat eine Steigerung der Glasproduktion, denn es sei „zu vermuten, daß die Glasmeister durch die Erwerbung der Glashütte als Eigentum und der hieraus erfolgenden freieren Bewegung, das Geschäft besser wie bisher betreiben“. Außerdem standen große Reparaturen am Hüttengebäude an, und schließlich konnte die großherzogliche Vermögensverwaltung mögliche Lasten wie Unterstützung im Krankheitsfall oder bei Arbeitsunfähigkeit nach einer Privatisierung auf die Gemeinde Schluchsee abwälzen. Kurioserweise war der badische Finanzminister Regenauer der einzige, der – aus sozialen Bedenken – vom Verkauf der Glashütte Äule an die Glasmacher abriet: „Allein soviel weiß ich, daß sich arme Leute darauf befinden, die die Kaufsumme nicht wohl übernehmen könnten, und es ist gewissermaßen ein Akt der Humanität, daß man sie beibehält.“ Und der Finanzminister sollte recht behalten: Obwohl bereits Ende 1855 durch den Großherzog ein teilweiser Schuldennachlass verfügt worden war, waren 1889 immer noch 1.000 Mark des Kaufpreises nicht bezahlt, obwohl die Glashütte längst ihre Produktion eingestellt hatte.

      Den Glasmachern in Äule war nicht verborgen geblieben, dass sie zunehmend weniger konkurrenzfähig waren. Also schickten sie Adolf Siegwart von 1847 bis 1852 in florierende Glashütten in Frankreich und der Schweiz, um eine „verbesserte Fabrikationsweise zur Anwendung in der Heimat“ zu studieren. Heute würde man das vielleicht als Werksspionage bezeichnen. Doch es gelang nicht, den Niedergang der Äulemer Glashütte aufzuhalten.

      Heinrich Kopp aus Schluchsee ist stolz auf eine 20 x 14 cm große Zeichnung der Schluchseelandschaft. Der Künstler hat den See vom Äulemer Weidfeld, der „Hochrütte“ aus abgebildet. Das Entstehungsjahr des Werks ist 1859, und kein geringerer als Hans Thoma, der berühmte Schwarzwaldmaler, hat die Zeichnung signiert. Was hat den damals 20-Jährigen nach Äule geführt? 1855 hatte Thoma eine Anstreicherlehre in Basel abgebrochen, kurz danach auch die Lehre als Uhrenschildermaler in Furtwangen. Wieder daheim in Bernau und kurz bevor er auf die Kunstakademie nach Karlsruhe ging, fertigte er kleine Heiligenbilder und Landschaften und verkaufte sie. „Ich war fleißig darauf aus, Geld zu verdienen“, schreibt Hans Thoma in seiner Biografie „Im Winter des Lebens“ (1919), „und ich benutzte jede Gelegenheit dazu. So ging ich eine Zeitlang in die Glashütte Äule, wo ich auf Gläser mit Firnisfarbe Blümlein und Sprüche malte; auch mein Vetter Franz Maier malte dort das gleiche. Am Samstag brachte ich so immer einige Gulden mit heim.“

      © Friedbert Zapf

      Die Schweizer übernehmen die Glashütte

      Mitte des 19. Jhd. hatte die Industrialisierung Fahrt aufgenommen, große Glasfabriken mit Kohlengasfeuerung und Eisenbahnanschluss entstanden, und die Zeit des handwerklich hergestellten, mundgeblasenen Glases in entlegenen Schwarzwaldtälern war abgelaufen.

      Die Protokolle der Ratssitzungen, zu denen sich die acht Äulemer Bürger damals in der Schulstube des Glasschneiderhäusles trafen, zeigen, dass die Armut Einzug bei den einst wohlhabenden und stolzen Glasmachern gehalten hatte. 1862 mussten sie eine Kostenbeteiligung für den Ausbau der Menzenschwander Straße ablehnen, weil „die Bürgerschaft von Äule sonst so viel zu bezahlen hat, daß sie fast nicht nachkommen kann“. Im Sommer 1863 wohnten von den inzwischen neun Äulemer Bürgern zwei mittellose auswärts. Man müsse jeden Tag darauf gefasst sein, „daß sie mit ihren Familien zurückkommen und der Gemeinde zur Last liegen“.

      1868 konnten sich die 84 Einwohner keinen eigenen Lehrer mehr leisten; sie schickten die Kinder in die Schule nach Aha. Das Glasschneiderhäusle wurde als Wohnung an Julius Dilger und Konrad Siegwart vermietet, die Schulstube nutzte seit 1873 die neugegründete „Glashüttengesellschaft Aeule“ als Kontor.

      Die Gründung dieser Gesellschaft war der letzte Versuch, die Glashütte zu retten. Die „Schweizer Träger“ der Lenzkircher Glasträgerkompanie hatten die Eidgenossen schon seit hundert Jahren mit dem hochwertigen Äulemer Glas beliefert. Seit 1830 hatte auch die Züricher Handelsfirma „Meyer, Sibler & Comp.“ das Glas bezogen und war damit sehr zufrieden. Als die Züricher von der drohenden Schließung erfuhren, beschlossen sie, den verbliebenen fünf Äulemer Glasmeistern deren Anteile an der Glashütte abzukaufen, das Produktionsverfahren zu modernisieren und die Hütte weiter zu betreiben.

      In einem Brief vom 1. August 1872 teilten die neuen Eigentümer der Kundschaft mit, „daß wir das bis anhin von Jedem einzeln betriebene Glasfabricationsgeschäft zukünftig unter der Firma Glashüttengesellschaft Aeule fortbetreiben werden. Die Herren Meyer, Sibler & Comp. in Zürich als Hauptbeteiligte besorgen die Leitung des Geschäfts“. Den letzten Äulemer Glasmeistern – Wilhelm Dilger, Johann Baptist Dilger, Emil Greiner, Johann Halder und Mathias Schaaf – blieb nur, sich im selben Schreiben vom August 1872 an die Kunden zu wenden: „Für das uns bisher geschenkte Vertrauen dankend, bitten wir Sie, dasselbe der Societät übertragen zu wollen, die durch neue Einrichtungen in den Stand gesetzt wird, prompter und besser als bisher zu bedienen. Die Fabrication wird Ende dieses Monats beginnen.“

      © Friedbert Zapf

      Die Glasöfen erlöschen 1878

      Doch die Glasfabrik Äule war nicht zu retten, und 1878 stellte auch „Meyer, Sibler & Comp.“ die Produktion ein. Die Glasöfen erloschen, und die beiden maroden Hüttengebäude – Glashütte und Streckhütte – zerfielen. Das ehemalige „Glasschleiferhäusle“, in dem die Schule untergebracht war, ging im Juli 1882 in Flammen auf, die zwölf Schulkinder mussten nun die Schule in Aha besuchen.

      Da gab es 1884 einen Erweckungsversuch. Der Äulemer Glasmacher Theodor Greiner war sich sicher, dass der Bau der Höllentalbahn auch dem Glasgewerbe einen Aufschwung bringen würde. Da das Holz teuer geworden sei, müsse man die Glasöfen zukünftig mit Gas heizen, so wie die Glasfabrik Böhringer in Wolterdingen. Das Bezirksamt St. Blasien zeigte sich aufgeschlossen und gab bei der „Landesgewerbehalle Karlsruhe“ ein Gutachten in Auftrag. Das deckte im März 1885 im Nachhinein zunächst einige Schwachpunkte auf: „Die Glashütte Äule war immer klein, der Bedarf etwa 600 Klafter im Jahre; der Betrieb war regelmäßig ein halbes Jahr unterbrochen. Die Arbeiter gewöhnten sich dadurch an ein unregelmäßiges Leben und brachten ihre Zeit viel im Wirtshaus zu. (…) Eine Hütte müßte in Äule vollständig neu errichtet werden. Von der noch bestehenden wäre nichts brauchbar. Das Arbeiterpersonal müßte neu zusammengebracht werden.“ Und das Fazit war, „daß eine Glashütte in Äule sich nie wird rentieren können“.

      Im Gutachten erfahren wir auch, dass in Äule 1885 nur noch „vier eigentliche Glasbläser vorhanden“ seien, „von denen einer Glashandel treibt, die drei anderen in Falkau beschäftigt sind“. Einst stolze Glasmeister, die nun in einer Schraubenfabrik ihr Brot verdienen müssen! 1889 analysierte die Bezirksforstei Wolfsboden die Lage für den nur noch etwa 60 Einwohner zählenden Ort: „Die Gemeinde Äule ist seit Einstellen des Glashüttenbetriebes in stetem Rückgang begriffen; alle Versuche, die Glashütte oder eine ähnliche passende Industrie einzuführen, sind gescheitert, und es ist vorauszusehen, daß allmählich sämtliches Grundeigentum daselbst verkauft werden muß.“

      1892 wurde die Glashütte abgebrochen. Zwei Jahre später, im August 1894, stellte die Bezirksforstei fest: „Einen Aufschwung zum Besseren lassen die derzeitigen Verhältnisse nicht zu. (…) Die meist tief verschuldeten Bewohner finden auf dieser kleinen, parzellierten Gemarkung bei jedem Mangel einer industriellen Tätigkeit dauernd eine gute Existenz nicht mehr, umso weniger als die früheren Glasarbeiter wenig geeignet noch geneigt für die Waldarbeit sind (…), und wird nicht bald Wandel geschaffen, so verlieren auch viele Gläubiger, namentlich die Sparkasse St. Blasien, einen großen Teil ihres in Äule stehenden Geldes.“

      Die Glashütte Äule (Foto von 1894). Die Glashütte ist seit zwei Jahren abgebrochen, rechts neben der Kapelle sind aber noch Fundamente und Reste der Brennöfen zu erkennen.

      © Text und Foto: Friedbert Zapf

      Aus der Glasmachersiedlung wird ein Waldarbeiterort

      Auch der Zeitzeuge Oskar Spiegelhalter blickte 1908 pessimistisch in die Zukunft: „Heute ist die alte, ehrwürdige Hütte verschwunden, und die durstigen und lustigen Glasbläser sind unter dem Boden. Deren Nachkommen aber führen ein armes Dasein, da sie nur auf das Erträgnis ihres kargen Bodens angewiesen sind. Schon hat der badische Staat von den zehn Häusern sechs aufgekauft, und es wird nicht mehr lange dauern, so bekommt er auch die andern. Die Felder werden langsam wieder mit Wald angepflanzt, und die Tannen rücken immer näher und näher an die Behausungen. Wenn auch das letzte Haus verschwunden ist, wird nur noch die Kapelle an den einst so blühenden Glaserort erinnern.“

      Gott sei Dank hat Spiegelhalter nicht Recht behalten, der Wald hat Äule nicht zurückerobert! Was Spiegelhalter aber richtig beschreibt: Die verarmten Äulemer mussten ihre Häuser und Grundstücke, die sie 1850 dem Großherzogtum Baden abgekauft hatten, nach und nach wieder an den Staat verkaufen. Die Grundstücke wurden teilweise aufgeforstet, ein Teil der maroden Gebäude abgebrochen, die verbliebenen Häuser an zugezogene Waldarbeiter vermietet. So wurde Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Glasmacher- eine Waldarbeitersiedlung.

      Das 1716 erbaute, nahe der einstigen Glashütte liegende Glasmeister-Einzelhaus (heute Haus Isele) fiel als „Fidel-Brugger’sches Anwesen“ als erstes an den Staat zurück. Glasmeister Franz Anton Greiner aus Herzogenweiler hatte hier seit 1831 gewohnt. Fidel Brugger heiratete 1860 dessen Tochter. 1896 verkaufte Brugger an den Staat. Das Gebäude wurde 1910 an Waldarbeiter Tritschler vermietet.

      Das benachbarte Glasmeister-Doppelhaus (heute Haus Wehrle) war 1714 als erstes Gebäude errichtet worden. Um 1900 wohnte der „Landwirt und Glasmacher“ Wilhelm Dilger im „Otto-Sigwart‘schen Anwesen“. Nach seinem Tod 1913 verkauften die Erben für 7.500 Mark an den Staat, der das Doppelhaus an Waldwegewart Otto Strohmeier vermietete.

      Unterhalb des „Rössle“ stand ein 1716 erbautes Glasmeister-Doppelhaus. Das Gebäude ist längst abgebrochen. Besitzer war um 1900 der „Landwirt und Glasmacher“ Mathias Schaaf. Die ledige Berta Kiefer verkaufte das „Schaaf’sche Anwesen“ 1918 für 6.500 Mark an den Staat. Waldwegewart Adolf Siegwart bewohnte ab 1920 das Haus.

      Auch das „Otto Mayer’sche Anwesen“ (heute Haus Till) ging um 1900 an den Staat. Es wurde 1910 an Waldarbeiter Albert Spitz vermietet. Auf den Grundmauern der ehemaligen „Streckhütte“ (Fensterglasherstellung) war 1877 ein kleines Wohnhaus errichtet worden, das sich aufgrund einer Forderung im Eigentum der Sparkasse St. Blasien befand. Diese verkaufte das „Sparkassenhäusle“ (heute Haus Schwörer) 1897 für 2.500 Mark an den Staat.

      Das vom Wirt Anton Maier 1887 neu errichtete Gasthaus „Rössle“ wurde 1888 zwangsversteigert und fiel an den Maurermeister Fidel Obrist von Menzenschwand. Er verkaufte die Wirtschaft Weihnachten 1895 für 14.000 Mark an den Staat. Bevor auch die Kapelle vom Staat übernommen wurde, musste sie saniert werden, doch die Äulemer hatten dafür kein Geld. Da schlug das Bezirksamt 1897 vor, „eine Sammlung insbesondere bei den Kurgästen vorzunehmen, ebenso eine Sammlung in Schluchsee, Menzenschwand von Haus zu Haus“.

      Mit wachsendem Wohlstand erfolgte seit den 1960er Jahren nach und nach der Rückkauf der Häuser wieder in Privatbesitz. Heute gehören nur noch die Kapelle und ein einziges Wohnhaus dem Land.

      © Friedbert Zapf

      Textquellen

      Friedbert Zapf. Ungekürzte Textvorlage einer 2016 in der Badischen Zeitung in 11 Folgen erschienenen Veröffentlichung über die Glashütte Äule.

      Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

      Glottertal: Engelweg

      Glottertal: Engelweg

      In der Advents- und Weihnachtszeit lädt dieser schöne und bequeme Rundweg zu einem stimmungsvollen Spaziergang entlang vieler Engelstationen, Krippen und winterlichen Dekorationen ein.

      Achtung: Die Engelstationen, Dekorationen und Krippen sind nur in der Advents- und Weihnachtszeit aufgebaut.

      Der Weg ist jedoch ganzjährig begehbar und bietet zu allen Jahreszeiten schöne Landschaftserlebnisse.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Glottertäler Engelweg

      Keine Infomaterialien vorhanden.

      Glottertal: Entdeckerpfad Glotterbad

      Glottertal: Entdeckerpfad Glotterbad

      Der Rundweg führt zu den Ursprüngen des historischen „Sanatorium Glotterbad“.

      Drei Entdeckerpfad-Thementafeln informieren über die bewegte Geschichte des Glotterbads – von seinen Ursprüngen im 15. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Die Wegstecke beträgt knapp zwei Kilometer und ist als Rundtour angelegt.

      1619 ließ Joahnnes Georg Schenck von Grafenberg seine umfassende Beschreibung des Glotterbades in Basel drucken und gab ihr den Titel „Scatebra Gloteria cupro-sulphurea circa Brisiacum montem scaturiens ad vivum descripta.“

      Aus dieser sicherlich ergiebigsten Quelle zur früheren Badgeschichte sind nachstehende Passagen entnommen:

      „Es liegt das Glotterbad in dem Breisgäuw, im oberen Glottertal, 3 Stunden von der wohlerbauten ansehnlichen Stadt Freyburg und 1 Stund von dem alten Städtlein und ehrwürdigem Stift Waltkirch in Schwarzenberger Herschaft. So ist daneben das Glottertal ein anmutiges, lustiges und gesundes Tal mit durchlaufendem fischreichem Wasser, die Glotter geheißen, auch mit allerhand Viktualien für sich versehen, und kann daneben all andere Commoditäten an Speiß und Drank aus dem Breisgäuw haben, welches Ländlein, obwohl es nit gar groß, doch nicht minder als das benachbarte Elsaß an Wein, Getreid, und anderem fruchtbar ist. Das Badwasser anlangend, ist solches ein kaltes Bad, welches gewärmt werden muß: es hat aber nit minder sein innerliche verborgene Wärme.

      Dieses Wasser, oder vielmehr dieser Brunnen (damit ich nicht zur Kurtzweil in die Straff der Badgäst falle, welche ihrer Anordnung nach den Brunnen kein Wasser genennt haben wöllen) ist unter freiem offenem Himmel gelegen, dessen Viviradix oder Hauptader sichtbarlich quellen thut. Es ist mit Holz in die 4 Eck umb- und eingefasset, von dannen es durch hölzene ablang rinnende Kanäl allernächst dabei in das Badhaus, und zwar in zwei ziemlich große Kessel unter einem Ofen abgelendet, allda gebührlich durch den verordneten Badknecht gewärmt und den Badgästen in ihr zuvor gesäuberte und zugedeckte hölzene Badkasten (deren alltäglich in die fünfzig zugerüst werden sollen) eingeführt und eingeleitet.

      Daß aber die Haupt-Quell frei offen an Licht und Tag und nicht gedeckt sein will, hat auch sein besondere Ursach, und vernimb ich, daß eben gemelter Brunnen, da er vor diesem Ungewitters und anderer besorgenden Unfäll halber zugedeckt worden, sich darauf selborts verloren, aber in einer Nebengegne sich versetzet und wieder sehen lassen habe, biß endlich das Verschließen und Zudecken underlassen worden.

      Das Wasser des Brunnens ist an ihme selbst hell und klar, hat einen Kupfergeschmack, führt zum Boden im Brunnen – Sarck ein ziemliche Menig eines bolarischen gelben färbenden resolvierten Kupferschleims mit, so sich nicht allein im Brunnen oder bei der Quellen augenscheinlich sehen lasst, sondern aller Rinnen und Ort, wo es hinlauft, oder in Geschirren, darin es steht, angilbet, auch alles Badgewand (daher die Badgäste mit ausringen etwas zu tun haben) anfärbet und tingieret.

      Dieweil es auch ein mineralisch und nicht gemeines simpel Wasser ist, trinkt nicht jedes Pferd oder ander Tier daraus; es ist also dem gebrechlichen Menschen allein zum Guten von Gott verliehen. Letztlich neben dem Gasthaus, Badhaus und Nebenherberg, soll ich auch einer gar feinen Privat-Andacht und Devotion nicht vergessen.

      Dann alldar, allernächst bei dem Bad, auf einem Berg liegend, ein anmutig andächtig Kirchlin oder Bethaus und Kapellin sich befindet, da einer oder der ander Badgast sein Gebet täglich und stündlich, aber auch sonntäglich zur Ehr Gottes verrichtet, auch des Bads gedeihen und hilfreichen Segen sich erbeten kann.“

      Glotterbad: Historischer Blick aus dem Jahr 1950 ins Tal, wie er heute nicht mehr möglich ist. Links der Carlsbau und rechts der Alexanderbau, verbunden durch einen 70 m langen Wandelgang. Der Alexanderbau musste 1974 wegen Baufälligkeit abgerissen werden, der Abriss des Wandelganges folgte 1980.

      Fotograf: Willy Pragher | Digitalisierung: Landesarchiv Baden-Württemberg | CC BY 3.0 DE

      Die Geschichte des Glottertales ist eng verbunden mit dem Glotterbad. Über Jahrhunderte hinweg hat das ehemalige Sanatorium das von der Landwirtschaft geprägte Tal aus Orten mit ähnlicher Struktur herausgehoben und die Bekanntheit des Glottertales wesentlich begründet.

      Der Carlsbau wurde 1985 Filmkulisse der TV-Serie „Die Schwarzwaldklinik“ und das Glottertal seither noch viel mehr zu einem beliebten Ausflugsziel von Touristen.

      Das Glotterbad brachte immer wieder Leben in den sonst stillen Ort und hat die Glottertäler zu manchen Zeiten einen Blick auf die „Oberen Zehntausend“ werfen lassen.

      Die über 500-jährige Geschichte des Glotterbades ist geprägt von vielen Höhen und Tiefen.

      Historie (Auszug)

      1488

      Erste Erwähnung des Bades: „ad capellam in gloter prope balneum“ (bei der Kapelle nahe dem Bad) wird die Erlaubnis erteilt, einen Tragaltar aufzustellen.

      1714

      Französische Truppen, die Freiburg belagern, verwüsten das Glotterbad.

      1770

      Das Bad wird vom Cronenwirt zu Freiburg erworben. Dieser lässt das Bad von Grund auf renovieren.

      1894

      Bernhard Ehlers erwirbt vom verstorbenen Lorenz Hoch das Bad.

      Er modernisiert das Bad mit diversen Wannenbädern, Kalt und Warmwasserduschen, Kneipp-Abteilung, Dampfbädern.

      Mit einer hochmodernen Heißwasserbereitungsanlage werden auch die Veranden und Wandelgänge geheizt. Das Bad verfügt über 60 Zimmer mit insgesamt 80 Betten.

      1897

      Der Bremer Geschäftsmann Heinrich Paul Friedrich Carl Isenberg erwirbt das Bad und gründet die Sanatorium Glotterbad GmbH.

      1901

      Bei den alten Gebäuden des Gehrenhofes, den die Besitzer des Glotterbades bereits 1897 inkl. einem großen Teil des dazugehörigen Geländes erwarben, entsteht das neue Kurhaus mit 40 Zimmern, einem geräumigen Speisesaal, mehreren Gesellschaftsräumen und einer 65 m langen Terrasse auf der Südseite.

      Chefarzt Dr. Hoffner (1901 bis 1930) wandelt die „Naturheilanstalt Glotterbad“ in ein nach klinischen Grundsätzen arbeitendes modernes Sanatorium.

      1906

      Neben dem Sanatorium entsteht der „Alexanderbau“ (benannt nach Alexander Isenberg) mit allem Komfort einer modernen Kuranstalt.

      Der Bau enthält 40 Schlaf- und Wohnräume, 30 offene Balkone, einen Speisesaal für 150 Personen und große Terrassen die der Anlage einen südländischen Charakter geben.

      Man bezeichnet das Glottertal und das Glotterbad als die Côte d´ Azur des Schwarzwaldes. Ausgedehnte Waldungen, Forellenfischerei und Tennisplätze bieten weitere Anreize für die Gäste.

      1913/1914

      Auf dem Gelände des Badburenhofes wird auf der dem Alexanderbau gegenüberliegenden Seite der „Carlsbau„, so genannt nach Carl Isenberg, errichtet.

      Berta Margarete Isenberg, die Frau von Carl Isenberg, hatte schon im Jahr 1900 den Badburenhof mitsamt 55 ha Land gekauft.

      Der Neubau stell mit seiner Pracht der inneren Ausstattung alles bisherige in den Schatten. Prunkvoll eingerichtet und mit Gesellschaftsräumen, Musik und Billardzimmer entspricht die ganze Anlage den verwöhntesten Ansprüchen und steht mit an der Spitze der deutschen Sanatorien.

      Eine 70m lange Wandelhalle überspannt auf hohen Pfeilern das Tal des Badbächleins und verbindet den Carlsbau mit dem Alexanderbau.

      1916

      Als letzter Bau folgt das im Schwarzwaldstil errichtete Wohnhaus von Direktor Bayer.

      Das Glotterbad hat unter der tatkräftigen Leitung von Direktor Bayer, den finanzkräftigen Gesellschaftern sowie der ärztlichen Leitung von Dr. Hoffner ein vollkommen anderes Gesicht bekommen.

      Aus dem kleinen Naturheilbad, dem selbständigen Gehrenhof und dem Badburenhof, ist nun auf einem Gelände von rund 112 ha eine hochmoderne Kuranstalt entstanden, die Gäste aus ganz Europa anlockt.

      1931

      Dr. Steinbach wird neuer Chefarzt im Glotterbad.

      Seine ausgeprägte Energie schlägt sich sofort in der ärztlichen Betreuung der Kurgäste nieder.

      Eine Röntgenabteilung wird eingerichtet, medizinische Geräte beschafft und das Laboratorium ausgebaut, so dass das Sanatorium nun als modernes klinisches Sanatorium betrieben werden kann. Nach und nach wird das Glotterbad in den 30er Jahren ein Haus für die Großen der Gesellschaft. Zum Ruhm tragen auch die größten Waldluftbäder Deutschlands bei.

      Es gibt in den 30er Jahren kaum ein anderes Sanatorium in Deutschland, das über ein so großes Gelände mit gut ausgebauten Wanderwegen und mit Möglichkeiten zum Sonnenbaden verfügt. Sogar die Möglichkeit zur Jagd kann den Gästen geboten werden.

      1960

      Am 01. Mai übernimmt die Landesversicherungsanstalt Württemberg das Glotterbad mit einem Gelände von nun 112,5 ha.

      Der Verkauf wird in Glottertal als schwerer Schlag empfunden und auch die Badische Zeitung titelt: „Das Tal der Krone beraubt“.

      Doch schon bald stellt sich der Verkauf gerade für die Angestellten als sehr positiv heraus.

      Im Sanatorium mit 130 Betten (Carlsbau und Alexanderbau) werden Patienten mit chronisch-internistischen Erkrankungen behandelt. Das Kurhaus mit 103 Betten dient der Durchführung von sog. „Frühheilverfahren“.

      1974

      Abriss des Alexanderbaus wegen Baufälligkeit.

      1980

      Abriss der Brücke/Wandelhalle vom Alexanderbau zum Carlsbau.

      1985

      Der Carlsbau wird Filmkulisse der TV-Serie „Die Schwarzwaldklinik„.

      Die Drehorte im Schwarzwald, allen voran das Glottertal, ziehen unzählige Touristen an. Das Medieninteresse ist gewaltig.

      Um die Jahreswende 1985/86 beherrscht die „Schwarzwaldklinik“ sowohl das Fernsehen als auch die deutsche Presselandschaft.

      2014

      Die Thure-von-Uexküll-Klinik zieht im Oktober in den Carlsbau.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Das Glotterbad

      Keine Infomaterialien vorhanden.

      Allgemeine Hinweise

      Streckenkilometrierung
      Auf der Karte zeigen die Zahlenwerte an dem Track die Kilometrierung der Tour an.

      Vor Tourenbeginn
      Vor Antritt einer Tour wird generell empfohlen, sich über die Begehbarkeit der Strecke direkt bei den zuständigen Stellen vor Ort bzw. bei den Wegebetreibern zu informieren, insbesondere nach Unwettern oder während des Holzeinschlags.

      Nebenwege
      Manche Touren verlaufen teilweise auf "off-grid"-Abschnitten (wenig genutzte Nebenwege außerhalb der bekannten Hauptwege). Solche Wegabschnitte sind teilweise durch stärkeren Bewuchs oder querliegende Baumstämme weniger gut begehbar und können durch einen Blick auf die Karte meist auch umgangen werden.

      Hintergrundkarte
      Die Tour wird in der Initialansicht auf einer Satellitenkarte (Tom Tom) angezeigt. Über das Karten-Icon rechts oben im Kartenfenster können auch andere Hintergrundkarten gewählt werden.

      Hinweis zur OpenTopoMap: Diese Karte zeigt die Topographie (Höhenunterschiede im Gelände) besonders gut. Leider ist die  maximale Zoomstufe aber eingeschränkt und die Karte lädt oft auch nur zögerlich oder unvollständig.

      GPX-Track
      Die Wanderstrecke kann durch einen Klick auf das Icon oberhalb der Karte als GPX-Track heruntergeladen werden.

      Ettenheim: Mühlenweg

      Glottertal: Entdeckerpfad Urgraben

      Ein spannend gestalteter Themenweg mit einer bequemen Kernrunde in der Talsohle und mehreren Wegvarianten. Die Tour auf dem Entdeckerpfad führt in viele aktuelle und historische Themenwelten des Glottertales.

      Bitte beachten:  An der Wegstrecke finden Sie keine Text- bzw. Info-Tafeln. Die Informationen dazu gibt es in einem handlichen Booklet. Diese ist in der Tourist-Info bzw. den Infokästen am Abzweig zur Urgrabenvariante oder hier zum Download erhältlich. Bitte laden Sie die Broschüre schon am Start der Wanderung auf ihr Smartphone herunter, da die Internetverbindung auf der Urgraben-Variante streckenweise nicht ausreichend ist.

      Wegstationen
      1: Schweizer Käse unter Tage

      Lange Stollen und tiefe Schächte

      Nach jahrzehntelangem Bergbau sind die Flanken des Kandel von zahlreichen Hohlräumen durchzogen. Die Arbeit der Bergleute fand unter Tage statt, tief im Inneren der steilen Berghänge – eine staubige und schweißtreibende Angelegenheit, vor Blicken weitgehend verborgen. Doch wer die Spuren an der Erdoberfläche zu deuten weiß, der findet auch heute noch eindrucksvolle Zeugnisse des Bergbaus. Denn immer wieder obsiegt Schwerkraft über Statik und bauliches Geschick, stürzen Stollen und Schächte in sich zusammen.

      Dem Fahrer eines Unimogs bescherte dieses Phänomen einst ein Erlebnis mit Tiefgang – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Boden unter den Reifen seines Unimogs gab plötzlich nach und es tat sich ein Tagesbruch auf. Das an Front und Heck montierte Forstgerät verhakte sich am Rand der Grube und verhinderte zum Glück Schlimmeres. Der ausgebesserte Asphalt erinnert noch heute an diesen Bergschaden.

      Gleich oberhalb dieses Standorts fällt außerdem eine große Vertiefung im Boden auf. Diese sogenannte Schachtpinge ist ebenfalls ein Gruß aus der Glottertäler Unterwelt. Entstanden ist sie durch das Einstürzen eines 100 Meter tiefen Bergbauschachts und dem anschließenden Nachsacken von großen Mengen Erdreich.

      Textquelle: Booklet „Der Urgraben“, Tourist-Information Glottertal

      2: Ein rustikaler Baumarkt

      Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen die Bauarbeiten am Glottertäler Sanatorium. Die Errichtung von Alexanderbau und Carlsbau bescherte dem Glottertal gleich zwei Großbaustellen mit einem enormen Bedarf an Rohstoffen wie Holz und Stein. Eine Fahrt mit dem LKW in den nächsten Baustoffhandel war zu dieser Zeit keine Option. Und so bedienten sich die Bauherren regionaler Ressourcen und kurzer Lieferwege. Die Rohstoffe wurden möglichst nah an der Baustelle gewonnen und dort auch weiter verarbeitet. Um ökologische Aspekte ging es damals weniger. Das Vorgehen sparte vielmehr Zeit und Geld.

      Einer der vielen Steinbrüche in der Umgebung ist an diesem Standort noch gut im Landschaftsbild zu erkennen.

      Textquelle: Booklet „Der Urgraben“, Tourist-Information Glottertal

      3: Der Fischbrunnenstollen

      Ein geheimnisvoller Eingang in die Unterwelt. Im diffusen Licht ist ein Stollen auszumachen, der tief hineinführt in den Berg. Er durchquert taubes Gestein, also einen Bereich im Erdinneren, in dem keine wertvollen Bodenschätze zu erwarten sind. Trotzdem wurde dieser Stollen, genannt Fischbrunnenstollen, mit großer Mühe in den Felsen getrieben. Ein Vorhaben, das seinerzeit so aufwendig war, dass diese Art von Stollen auch als Erbstollen bezeichnet wird. Gemeint sind damit Stollen, die die Arbeit von Generationen erforderten und sich oft erst nach vielen Jahren rentierten.

      Wozu also dieser immense Aufwand, die Schufterei und Gefahr beim Anlegen des Stollens? Antworten auf diese Frage finden sich weiter oben im Inneren des Berges. Um dort die wertvollen Blei- Silbererze abzubauen, galt es zunächst die Umgebung trockenzulegen. Und diese Funktion kam dem Fischbrunnenstollen zu. Er entwässerte die weiter oben liegenden mittelalterlichen Bergwerke. Ab der Sekunde des Durchschlags flossen die Bergwässer beständig ab und mussten nicht mehr aufwendig und kräftezehrend an die Erdoberfläche gehoben werden.

      Der Fischbrunnenstollen wurde aus Sicherheitsgründen mit einem Gitter versehen. Man verpasst dennoch nichts, denn der Stollen ist nach einigen Metern eingebrochen und damit unpassierbar.

      Textquelle: Booklet „Der Urgraben“, Tourist-Information Glottertal

      4: Hier geht`s um Kohle

      Eine topfebene Fläche mitten im Berghang? Genau, hier waren Menschen am Werk. Und zwar nicht erst gestern, sondern bereits vor etwa 800 Jahren. Die Bergleute arbeiteten sich damals tief in die Flanke des Kandel vor. Kubikmeter für Kubikmeter wurde das Gestein durch Stollen ans Tageslicht befördert und schließlich zu Halden aufgetürmt.

      Im Glottertal lassen sich zahlreiche dieser menschengemachten Hügel in der Landschaft beobachten. Von einer Erhebung ist an dieser Stelle jedoch nichts mehr zu sehen, denn die Bergbauhalde wurde später eingeebnet und als Standort für einen Kohlemeiler genutzt. Passiert ist das frühestens 100 Jahre nach der Entstehung der Halde, denn Holz zum Verkohlen war bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts Mangelware. Ein radikaler Kahlschlag hatte den Wald verschwinden lassen und das Landschaftsbild im Glottertal fundamental verändert.

      Textquelle: Booklet „Der Urgraben“, Tourist-Information Glottertal

      5: Schicht im Schacht

      Die Bergbautechnik hat sich weiterentwickelt, aber das Grundprinzip ist bis heute dasselbe geblieben. Eine Lagerstätte unter Tage wird entweder mittels eines horizontal verlaufenden Stollens oder durch einen senkrechten Schacht erschlossen. Doch kein Bauwerk ist für die Ewigkeit und so stürzen aufgelassene Bergwerke mit der Zeit ein. Fällt ein Schacht in sich zusammen, so entsteht an der Erdoberfläche eine Mulde in Form einer Schachtpinge, wie sie an diesem Standort zu sehen ist.

      Mit offenen Augen lassen sich weitere Relikte einer längst vergangenen Zeit entdecken. In Richtung Tal zeigt sich eine vorgelagerte Halde, bestehend aus gefördertem Gesteinsmaterial.

      Auf dem weiteren Weg bergauf fällt der Blick auf kleine weiße Steinchen. Es sind Reste der alten Bergbauhalden, bestehend aus dem abgebauten Barytgang. War der Baryt damals noch ein wertloses Abfallprodukt, so ist er heute ein begehrter Rohstoff. Ironischerweise findet der aus der Tiefe des Erdreichs geförderte Baryt ausgerechnet als Zusatzstoff für Tiefbohrtechniken Verwendung.

      Textquelle: Booklet „Der Urgraben“, Tourist-Information Glottertal

      6: Wasser marsch!

      Lange Jahre endete der Urgraben an diesem Standort und das Wasser floss von hier aus direkt den Bergwerken zu. Als der legendäre Kanal im Jahr 1284 schließlich zum Suggental hin erweitert wurde, bedurfte es einer regelbaren Wasserverteilung.

      Die Lösung war der Bau eines Verteilerbeckens genau an dieser Stelle. Mit beachtlichen 25 x 15 Metern wies die Konstruktion die Maße eines kleinen Schwimmbades aus. Eindeutig nachgewiesene Ablagerungen bestätigen dies. In Richtung Tal befindet sich der mächtige Erddamm.

      Zu sehen ist davon heute nicht mehr viel und es bedarf einiger Fantasie, sich ein solch gewaltiges Wasserbecken an dieser Stelle vorzustellen. Teile der ehemaligen Anlage werden mittlerweile vom Forstweg überlagert und auch die anderen Bereiche des Verteilerbeckens sind über die Jahrhunderte mehr und mehr verlandet und versandet.

      Textquelle: Booklet „Der Urgraben“, Tourist-Information Glottertal

      7: Durchbruch der Technik

      Der Verlauf des Urgrabens war kein Wunschkonzert! Vielmehr hatten sich die Erbauer im Mittelalter an Wasserangebot und -nachfrage zu orientieren. Wo war das kostbare Nass verfügbar und wo wurde es am dringendsten benötigt? Die Antworten auf diese Fragen waren maßgeblich für den Verlauf des Urgrabens auf seinen 22 Kilometern Länge.

      Aber auch die Launen der Natur galt es dabei auf der Rechnung zu haben. An diesem Standort führt der heutige Wanderweg exakt auf der Trasse des ehemaligen Wassergrabens – und dieser musste damals kunstvoll um die Felsvorsprünge herumgeführt werden. Das Gestein wurde dafür von Bergleuten fachmännisch bearbeitet um das Wasser hindurchfließen zu lassen. So ist auch heute noch eindrucksvoll zu erkennen, dass die Breite des Urgrabens maximal einen halben Meter betrug.

      Textquelle: Booklet „Der Urgraben“, Tourist-Information Glottertal

      Der Wassergraben, der Geschichte schrieb

      Glottertal an der Grenze zum Spätmittelalter

      Wir schreiben das Jahr 1250 und im Tal hat die Jagd auf Bodenschätze begonnen. Die reichen Vorkommen an Blei-Silbererzen wecken Begehrlichkeiten bei den Grafen von Freiburg. Schon bald avancieren die Bergwerke im Glottertal zu den wichtigsten Silberminen der adeligen Herrscher.

      Der lieblichen Schwarzwaldlandschaft drückt der Bergbau unweigerlich seinen Stempel auf. Die steilen Hänge im Bereich des heutigen Freibades, am Eichberg und im Lauterbachtal (das Gebiet zwischen Rehaklinik Glotterbad und Luser) bis hin zum Suggental, sind mit Stollen und Schächten regelrecht durchlöchert. Enorme Mengen Erdreich und Gestein werden ans Tageslicht gefördert und zu beachtlichen Halden aufgetürmt.

      An einigen Stellen dringt der Bergbau bis unter die Talsohle vor. Und das bedeutet für die sowieso schon hart schuftenden Bergleute eine zusätzliche Plackerei. Muss doch das Grundwasser eimerweise und mühsam hoch ans Tageslicht geschleppt werden. Abhilfe ist gefragt und so reift die Idee zum Bau eines ebenso kühnen wie technisch anspruchsvollen Projekts: Die Konstruktion einer kilometerlangen Wasserleitung, heute bekannt als Urgraben.

      Das Zuführen weiterer Wassermengen – es war notwendig um das Problem des Grundwassers in den Bergwerkstollen in den Griff zu bekommen – mag aus heutiger Sicht paradox erscheinen. Bei genauerer Betrachtung ergab es jedoch zur damaligen Zeit absolut Sinn. Der Urgraben versorgte eine eigens konstruierte Maschine mit Energie in Form von so genanntem Aufschlagwasser. Das mühsame Wasserschöpfen unter Tage gehörte fortan der Vergangenheit an.

      Entlang der Urgraben-Variante des Entdeckerpfads lässt sich das historische Technikdenkmal in Form charakteristischer Landmarken und Geländeformen hautnah nacherleben. Und auch weitere Zeugnisse des Bergbaus sind im Glottertal bis heute präsent und flankieren den Streckenverlauf.

      Textquelle: Booklet „Der Urgraben“, Tourist-Information Glottertal

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Entdeckerpfad Urgraben

      Booklet „Der Urgraben“

      Glottertal: Rundwanderung auf den Spuren des Urgraben

      Der Urgraben am Kandel ist der Rest eines nach 1284 gebauten Wassergrabens, welcher das Wasser von der Ostseite des Kandels zu den auf seiner Westseite gelegenen Bergwerken brachte. Er stellt eines der bedeutendsten technikgeschichtlichen Denkmäler Deutschlands dar.

      Heute gilt Glottertal als Natur- und Schlemmer-Paradies. Doch im 13 Jhd. war es Standort für einen pulsierenden Bergbau. Zahlreiche (verschlossene) Stolleneingänge und ein mittelalterlicher Wassergraben zeugen davon.

      Diese Wanderung führt ein Stück auf dem sog. Urgraben, der im 13. Jhd. dazu diente, Wasser vom Osthang des Kandels für die Hebeanlagen in den Bergwerken herbeizuführen. An den felsigen Stellen am Gullerbühl lässt sich noch gut erkennen, wie der Kanal in den Fels gehauen wurde.

      Zu Beginn und am Ende belohnen schöne Ausblicke über das Tal. Gut zwei Drittel des Weges führen durch Wälder hinauf bis zum Luser und ab dort am Berg entlang bis in das Oberglottertal.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Glottertal

      Broschüre „Der Urgraben“
      (ACHTUNG: Die Broschüre beschreibt den „Entdeckerpfad Urgraben“)

      Glottertal: Schwarzwälder Kirschtorten Weg

      Glottertal: Schwarzwälder Kirschtorten Weg

      Entlang saftiger Wiesen und Weiden, mit Blick auf steile Weinberge, vorbei an knorrigen Kirschbäumen und dem Lauf der Glotter folgend, verläuft der Schwarzwälder Kirschtorten Weg.

      Die Stationen symbolisieren die verschiedenen Zutaten, die für eine Schwarzwälder Kirschtorte benötigt werden: Eier, Sahne, Kirschen, Honig, Schokolade und ein edles Kirschwasser sowie hochwertiges Mehl von der Hilzingermühle im Oberglottertal. Ein Rundweg auf gut ausgebauten Wegen und Pfaden.

      Wieder zurück am Ausgangspunkt liegt es an Ihnen, ob Sie sich in einem der gemütlichen Cafes oder Gasthäuser mit einem Stück original Schwarzwälder Kirschtorte belohnen.

      Schon gewusst?

      Wer hat sie erfunden?

      Wo kommt ihr Name her?

      Wie so oft liegen auch bei der Schwarzwälder Kirschtorte die Anfänge im Dunkeln.

      1934 wurde die Schwarzwälder Kirschtorte erstmals schriftlich erwähnt. Zu dieser Zeit wurde sie vor allem in Berlin, sowie in den guten Konditoreien deutscher, österreichischer und schweizer Großstädten bekannt.

      Nach Recherchen eines Tübinger Stadtarchivars wurde die Schwarzwälder Kirschtorte im Jahr 1930 in dem Tübinger Café Walz vom Konditormeister Erwin Hildenbrand erfunden. Hildenbrand hatte in den 1920-er Jahren im Schwarzwald gearbeitet (Furtwangen und Freudenstadt). Das Stadtmuseum Radolfzell archiviert jedoch ein Rezept von 1915, so dass diese Theorie nicht zu halten scheint.

      Der Konditor Josef Keller (1887-1981) behauptete, die Torte 1915 im damaligen Prominentencafé Agner in Bad Godesberg (heute: Bonn-Bad Godesberg) erfunden zu haben.

      Möglicherweise könnte die vermutlich aus der Schweiz stammende Schwarzwaldtorte ein Vorläufer gewesen sein. Diese wurde aus Biskuit, Kirschen und Nüssen hergestellt, oft auch in Kombination mit Rahm, jedoch ohne Kirschwasser.

      Vielleicht war es ja ein Konditor und Eunuch im Kaiserlichen Harem Persiens – so will es zumindest die abenteuerlichste Legende. Er soll die Torte erfunden haben, um die Damen des Harems so schnell und so genussvoll wie möglich auf die damals so geschätzte Leibesfülle zu bringen.

      Wie auch immer. Dem Erfinder oder den Erfindern sei gedankt.

      Doch eine gute Schwarzwälder Kirschtorte erfordert neben handwerklichen Können v.a. frische Zutaten bester Qualität. Beides gibt es üppig im Schwarzwald, bestimmt aber auch in anderen Regionen – mit Abstrichen.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Glottertal

      Wegbeschreibung „Schwarzwälder Kirschtortenweg“

      Goldhausen: Goldspur Eisenberg

      Auf den Spuren der Goldsucher

      Seit dem Mittelalter versuchten Goldgräber und Glücksritter dem  Eisenberg das begehrte Edelmetall zu entlocken. Zwanzig Kilometer Schächte und Stollen trieben Sie in mühevoller Handarbeit in den Berg.

      Folgen Sie den Spuren der Goldgräber auf der Goldspur Eisenberg und lassen Sie sich auf dem Rundweg zu den spannensten Stellen führen, wo nach Gold-, Eisen- und Kupfererz geschürft wurde.

      Die Goldspur Eisenberg ist mehr als nur ein Lehrpfad. Sie dokumentiert mit 11 bzw. 16 Stationen eindrucksvoll die montanhistorischen Spuren Deutschlands reichster Goldlagerstätte. Die Goldspur ist in zwei eigenständige Abschnitte untergliedert, die separat voneinander, aber auch nacheinander erwandert werden können.

      Der Startpunkt der Goldspur Eisenberg ist der Wanderparkplatz am südlichen Ortsrand von Goldhausen.

      Zwei Abschnitte

      Die Goldspur ist in zwei eigenständige Abschnitte untergliedert, die separat voneinander erwandert werden können.

      Rundweg R 1

      Der 1. Rundweg (R1) beschreibt anhand von 11 Informationsstationen die wichtigsten Spuren der Goldgräber in Goldhausen und um die Burgruine Eisenberg mit Georg-Viktor-Turm auf dem Gipfel des Eisenbergs. Diese erste Spur hat eine Länge von ca. 3,3 km. Für die Begehung sollte man rund 2 Stunden einplanen. Startpunkt ist der Wanderparkplatz am südlichen Ortsrand von Goldhausen.

      Außerdem gibt es noch die Außenstation Nr. 12 (mit Parkplatz) etwa 500 m nordwestlich von Goldhausen am Wassertretbecken.

      Rundweg R 2

      Der 2. Rundweg (R2) der Goldspur verläuft südöstlich auf dem Eisenberg und führt am Unteren-Tiefe-Tal-Stollen (dem Besucherstollen), an Waschhalden, am Steinbruch sowie weiteren Spuren der Goldgräber vorbei. Diese Außenzone richtet sich an Besucher, die mehr Zeit mitbringen, die Kernzone des Lehrpfades bereits begangen haben oder einfach weitere Informationen wünschen. Die Punkte dieses Abschnittes sind mit Buchstaben versehen. Diese so genannte Außenzone kann in einem Zeitraum von ca. 3 Std. begangen werden. Dieser Rundgang beginnt ebenfalls am Wanderparkplatz (Station 1).

      Wegstationen Rundweg R 1
      Station 1: Start der Goldspur-Eisenberg

      Auf den Spuren der Goldsucher – noch sichtbar: das Waschhaldenfeld.

      Station 2: Weltweite Besonderheit

      Drei Bodenschätze treten gemeinsam auf.

      Station 3: Endlich entdeckt

      Gold im Schiefergestein.

      Station 4: Gefunden, vergessen, wiedergefunden, verfehlt

      Das Gold gerät in Vergessenheit.

      Station 5: Bauen und Wohnen auf den Bodenschätzen

      Die Goldgräbersiedlung.

      Station 6: Grube St. Georg

      Man steht über einem Kilometer Golderz, Deutschlands reichster Goldlagerstätte, einem erbärmlichen Arbeitsplatz.

      Station 7: Schnurgerade, mitten in den Berg hinein

      Der Wasserstollen, der letzte Goldgräberversuch.

      Station 8: Katzengold

      Oft mit dem echten Edelmetall verwechselt.

      Station 9: Eingestürzt

       Kurzer Erkundungsstollen, für den Bergmann 4 Jahre Handarbeit.

      Station 10: Wertvoller als Gold

      Man stößt auf Wasser für die Bewohner der Burganlage.

      Station 11: Ohne Holz: kein Metall!

      Im Raum Waldeck wird Holz(kohle) knapp.

      Station 12: Wasser? Zur Goldgewinnung (un)erwünscht

      Der Entwässerungsstollen (Erbstollen bzw. UrStollen).

      Wegstationen Rundweg R 2
      Station A: Nach 100 m geben die Bergleute auf

      Heute das Besucherbergwerk „Unterer-Tiefer-Tal-Stollen“.

      Station B: Ein besonderer Ort

      Der Eisenberg wird genau hier als Goldlagerstätte entdeckt.

      Station C: Kupferbunt

      Das Kupfererz des Molkenborn-II-Stollen.

      Station D: Bruchstein vom Steinbruch

      Blick auf eine Kollision, etwa 300 Millionen Jahre alt.

      Station E: Wanderwege für das Gold

      Wie kommt das Gold in den Berg?

      Station F: Schwarzschiefer

      Nach 300 Millionen Jahren bei Wind und Wetter ganz schön blass.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Auf den Spuren der Goldsucher

      Begleitbroschüre zur Goldspur Eisenberg für beide Rundwege.

      Goldkronach: Geoweg

      GEOPARK Bayern-Böhmen

      Cesko-Bavorský GEOPARK

      Aufbruch ins Erdinnere

      Tajemstvi zemského nitra

      Geologie

      Goldkronach liegt geologisch in einer ungewöhnlichen Position. Hier liegen nicht nur völlig verschiedene Baueinheiten des mehr als 300 Millionen Jahre alten „Variszischen Gebirges“ unmittelbar nebeneinander. In Goldkronach grenzen auch die „uralten“ Schiefer, Gneise und Diabase dieses Gebirges an solche des Erdmittelalters. Letztere haben – weil sie viel jünger sind – den Zusammenstoß zwischen den beiden Urkontinenten Gondwana und Laurussia, die „Variszische Gebirgsbildung“ nicht erlebt und sind daher als „Sedimentgesteine“ überliefert, wohingegen die älteren, die des Variszischen Gebirges, heute als „Metamorphite“ vorliegen.

      Dass Erdaltertum und Erdmittelalter heute in Goldkronach direkt aneinanderstoßen, hat seine Ursache in der bedeutendsten Bruchstruktur Nordostbayerns: der Fränkischen Linie. Diese verläuft aus Südosten aus dem Bayerischen Wald kommend und bis zur Nordspitze des Thüringer Waldes nach Nordwesten weiterziehend mitten durch Goldkronach. Die Gesteinseinheiten nordöstlich der Fränkischen Linie, also die des Variszischen Gebirges, wurden in mehreren erdgeschichtlichen Epochen um mehrere Kilometer angehoben und teils auf die jüngeren Gesteine des Erdmittelalters aufgeschoben. Letztere wurden dabei kräftig in Mitleidenschaft gezogen, d.h. verbogen und zerbrochen.

      Geopunkte

      Die Goldkronacher Geopunkte geben an verschiedenen Standorten einen Einblick in diese geologischen Verhältnisse Goldkronachs. Als Ausgang für den Besuch der Geopunkte bieten sich das Goldbergbaumuseum und die dortige Übersichtstafel an. Von hier aus kann man die Punkte unabhängig voneinander ansteuern oder den „GEO-Weg“ nutzen. Dieser ist in der Karte eingetragen, doch im Gelände nicht markiert.

      Zu den Punkten, die man sich nicht entgehen lassen sollte, gehört der Infopavillon „Fränkische Linie“ gleich neben der Katholischen Kirche. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf Goldkronach und die Geländekante der Fränkischen Linie. Das dort installierte mechanische Modell vermittelt einen guten Eindruck, wie sich die Erdkruste hier über Jahrmillionen bewegt hat.

      Goldkronacher Geoweg

      Der Goldkronacher Geoweg wurde durch die Ortsgruppe des Fichtelgebirgsvereins konzipiert, um die meisten der Goldkronacher Geopunkte durch einen Wanderweg miteinander zu verbinden. Da die Geopunkte unabhängig voneinander besucht werden können, folgen die Geopunkte entlang des Weges nicht entsprechend ihrer Nummerierung aufeinander. Die Geopunkte „12“ (Leisauer Berg) und „2“ (Brandholz) liegen nicht auf der Wegstrecke, können aber individuell einbezogen werden.

      Goldlagerstätte

      Die goldhaltigen Quarzgänge von Goldkronach bilden eine der bedeutendsten Goldlagerstätten Deutschlands. Hier wurde rund 600 Jahre lang überwiegend untertage abgebaut. Der Beginn des systematischen Abbaus erfolgte um das Jahr 1340, das letzte Bergwerk wurde 1925 geschlossen. Heute sind noch einige Zeugen dieser Bergbau-Aktivitäten erhalten: Zahlreiche Stollen (mundlöcher), Einsturz- und Schachtpingen, Halden und historische Gebäude. Der Goldberg ist geotouristisch erschlossen: Zwei Schaubergwerke, ein Infohaus mit geologischen und historischen Erläuterungen sowie Gelegenheit zum Goldwaschen, das Goldbergbaumuseum und der bergbaugeschichtliche „Humboldtweg“ erinnern an goldene Zeiten.

      Geotop „Name-Gottes- und Ritter-Sankt-Georg-Zeche S von Brandholz“

      Der Verlauf des Name-Gottes-Quarzgangs im historischen Bergbaurevier Goldkronach-Brandholz ist an der Oberfläche durch deutliche Pingenzüge erkennbar. Hier befanden sich mit der Name-Gottes- (auf der Südseite des Goldbergs) und der Ritter-Sankt-Georg-Zeche (auf der Nordseite des Goldbergs) zwei Goldbergwerke, die später vereinigt wurden. Die besonders große Schachtpinge am höchsten Punkt diente dem Zugang zu beiden Zechen. Besonders bemerkenswert ist der Mittlere-Name-Gottes-Stollen, der heute als Schaubergwerk genutzt wird. Auf der Halde wurde neben dem Stollenmundloch ein Röstofen ausgegraben und rekonstruiert. Stollen, Pingen und Halden sind durch den montanhistorischen „Humboldtweg“ erschlossen und erläutert.

      Der auf dem Haldengelände befindliche ehem. Verhüttungsplatz steht als Bodendenkmal unter besonderem Schutz (Denkmal-Nr. D-4-5936-0021).

      Textquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU Bayern)

      Geopunkte
      Geopunkt 1: Goldbergbaumuseum

      Blicke in die Montan- und Erdgeschichte

      Das 2004 im ehemaligen Forstamtsgebäude neu eröffnete Museum gibt einen Überblick über die Geologie Goldkronachs, die Geschichte des Goldbergbaus und die Verarbeitung des Goldes. Dargestellt wird weiterhin die Ortsgeschichte.

      Öffnungszeiten:
      Von Anfang April bis einschließlich dritten Advent jweils an Sonn- und Feiertagen, 13 – 17 Uhr. Sonderführungen auf Anfrage

      Geopunkt 2: Brandholz I

      Die alte Abbauwand zeigt einen kompakten Diabas aus dem Ordovizium. Er ist damit zwischen 440 und 490 Millionen Jahre alt.

      Der Diabas ist aus einem Basalt entstanden, der als mächtiger Gang in eine Gesteinsspalte eingedrungen ist. Zur damaligen Zeit brach der damalige Großkontinent Gondwana an seinen Rändern auseinander und Teile von ihm senkten sich ab, um dann vom Meer überflutet zu werden. In diese dabei entstehenden Brüche stiegen aus dem oberen Erdmantel die basaltischen Gesteinsmagmen auf.

      Der Diabas von Brandholz gehört zu einem Gesteinszug, der vom Schlegelberg im Südwesten über kleinere Vorkommen am Goldberg über Brandholz nach Nordosten bis Escherlich verläuft. Die steile nordwestliche Talseite oberhalb von Brandholz wird durch dieses harte Gestein verursacht. Es wurde bis in die 1930er Jahre in mehreren, heute teilweise verfallenen Steinbrüchen abgebaut. Im Tal von Escherlich/Brandleithen dauert der Abbau bis heute in großen Steinbrüchen an.

      Info
      Vor Ort informiert eine Schautafel über den ehemaligen Diabas-Abbau in Brandholz.

      Anschrift und Anfahrt
      Hirschhornstraße 13
      95497 Goldkronach

      Geopunkt 3: Brandholz II

      Schieferaufschluss

      Der kleine Aufschluss zeigt die aus sehr feinkörnigen Ton- und Siltsteinen hervorgegangenen metamorphen Schiefer (Phyllite). Die ehemaligen Meeresbodenablagerungen mit dem typischen silbrigen Glanz der Phyllit-Schieferungsflächen stehen durch die Bewegungen während der Variszischen Gebirgsbildung im Aufschluss senkrecht. Im Querbruch der Gesteine zeigt sich, dass die Farbänderung (parallel zu den Schieferflächen) unruhig verläuft und meist nicht durchhält. Dies zeigt dem Geologen, dass das Gestein wie ein Spielkartenstapel bis in den Zentimeter- und sogar Millimeterbereich hinein parallel zu den Schieferungsflächen zerglitten ist – Ausdruck der Verformung des Gesteins bei der Gebirgsbildung.

      Vor Ort befindet sich keine Informationstafel.

      Anfahrt und Parken
      Anfahrt über Brandholz Folgen Sie der Beschilderung zu den Besucherbergwerken. Folgen Sie der Hauptdurchgangsstraße durch Brandholz (Fürstensteinstraße). Sie führt auf der rechten Seite des Zoppatentales bergauf. Etwa einen Kilometer nach der ersten Abzweigung nach links in Brandholz (hier geht es zu Geopunkt 2) müssen Sie scharf rechts in die Straße Am Goldberg abbiegen, dann geradeaus weiter. Nach 700 Metern liegt links ein Haus. Der Aufschluss liegt ca. 300 Meter weiter am Abweig eines Forstweges.

      Vor Ort besteht eine Haltemöglichkeit.

      Tipp
      Die gleiche Schieferformation ist auch direkt hinter dem Informationshaus zu den Besucherbergwerken aufgeschlossen. Diese zeigen jedoch nicht den intensiv silbrigen Glanz der Schieferungsflächen wie am Geopunkt 3.

      Geopunkt 4: Fürstenstein
      Geopunkt 5: Infohaus am Goldberg

      Die Besucher-Bergwerke

      Besucht werden können die beiden Besucherbergwerke Name Gottes und Schmutzler. Sie sind jeweils geöffnet von Mai bis September. In den Wintermonaten sind sie zum Schutz der Fledermäuse geschlossen. Treffpunkt/Ausgangspunkt für beide Stollen das Infohaus am Goldberg.

      Zu Beginn der Führungen wird Ihnen im Infohaus zunächst ein etwa 20-minütiger Film gezeigt, danach begleitet Sie der Bergwerksführer zum Bergwerk. Der Besuch des Bergwerkes „Name Gottes“ dauert rund eineinhalb Stunden, des Bergwerkes „Schmutzler“ rund eine Stunde.

      Geopunkt 6: Goldene Aussicht

      Blick über die Fränkische Linie

      Der Standort zeigt einen herrlichen Rundumblick auf die verschiedenen geologischen Einheiten in der Umgebung von Goldkronach.

      Markant ist der Höhenunterschied zwischen Grund- und Deckgebirge zu sehen, zwischen Fichtelgebirge im Osten und Bayreuther Umland im Westen. Im Osten grüßt der Ovchsenkopf, im Westen die Hochfläche des Fränkischen Juras. Zwischen Fränkischer Linie und dem Jura liegt das Trias-Vorland, das durch viele zur Fränkischen Linie parallele Verwerfungen kleinräumig zerbrochen ist.

      Geopunkt 7: Ottenleite

      Vulkanismus auf dem Meeresgrund

      Der kleine Aufschluss zeigt Lagen aus kompaktem Diabas (vor allem unten und oben im linken, etwas verwachsenen Teil) und eingeschalteten Tonschiefern/Phylliten.

      Die beigegrauen Schiefer sind aus Tonablagerungen auf dem ehemaligen Meeresboden hervorgegangen. Eingeschaltet sind auch gelbgrünliche Gesteine mit oft Millimeter-feiner Bänderung heller und dunkler Lagen. Dabei handelt es scih um vulkanische Ascheablagerungen, die man als Tuffe bzw. Bändertuffe bezeichnet.

      Geopunkt 8: Katholische Kirche

      Wenn die Erde bricht

       

      Geopunkt 9: Kellergasse

      Goldkronach unterirdisch

       

      Geopunkt 10: Diabassteig

      Spaziergang durch die Erdgeschichte

       

      Geopunkt 11: Schlosskeller

      Das Schloss auf dem Meeresgrund

       

      Geopunkt 12: Leisauer Berg

      Gebirge auf Wanderschaft – die Münchberger Masse

       

      Geopunkt 13: Marktplatz

      Goldkronach geologisch – ein Überblick

       

      Geopunkt 14: Nemmersdorf

      Das Variszische Gebirge verschwindet

      Geopunkt 15: Weinberg

      Wie kommen die Meerestiere auf den Berg?

       

      ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

      Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

      Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

      Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

      An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

      Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
      "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

      Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

      GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
      Humboldt in Falkenstein

      Humboldt im Amt Lauenstein

      Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

      Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
      Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

      Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

      Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

      Der Stielersche Hammer

      "Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

      Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

      Falkenstein (Geschichte bis 1945)

      Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

      1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

      1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

      1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

      In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

      Falkenstein (Geschichte ab 1945)

      Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

      Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

      Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

      Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

      Tipps

      Steinbach an der Heide

      2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

      Burg Lauenstein

      Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

      Thüringer Warte

      Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

      GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
      Humboldt in Ludwigsstadt

      Humboldt und der Schiefer

      An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

      Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

      Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

      Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

      Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

      Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

      Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
      Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

      Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

      [...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

      [...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

      [...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

      Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

      Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

      Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

      Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

      Kaulsdorf, d. 10. März 1794
      A. v. Humboldt"

      1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

      Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

      Tipps

      Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

      Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

      Internet: www.schiefermuseum.de

      Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

      Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

       

      Schieferpark Lehesten

      Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

      GEO-Tour Station 3: TETTAU
      Humboldt in Tettau

      Humboldt und das Porzellan

      Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

      Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

      Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

      Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

      Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

      Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

      Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

      Tipps

      Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

      Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

      Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

      Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

      Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

      Internet: www.glasbewahrer.de

      GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
      Humboldt in Schauberg

      Humboldt macht "Blau"

      Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

      Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

      Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

      Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

      Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

      Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

      Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

      Was ist Schmalte bzw. Smalte?

      Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

      Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

      Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

      Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

      Tipps

      Rösler Ceramtec GmbH

      Werksverkauf:
      Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
      Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

      Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

      GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
      Humboldt in Lichtenberg

      Humboldt zieht Bilanz

      Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

      Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

      Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

      Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

      Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

      Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

      Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

      Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

      Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

      • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
      • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
      • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

      Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

      Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

      Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

      Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

      Tipps

      Infostelle Naturpark Frankenwald

      Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

      Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

      Naturlehrpfad Höllental

      Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

      GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
      Humboldt in Bad Steben

      Humboldt macht Schule

      Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

      Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

      Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

      Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

      Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

      Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

      • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
      • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
      • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
      • Humboldt-Büste im Kurpark
      • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
      • Erzrevier Obere Mordlau.

       

      Humboldt-Haus (Badstraße 2)

      Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

      Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

      Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

      Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

      Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

      Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

      Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

      Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

      Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

      1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

      Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

      Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

      Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

      GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
      Humboldt in Geroldsgrün

      Humboldt und der "Alte Mann"

      Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

      Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

      Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

      Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

      "Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

      Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

      • Vogel Strauß Fdgr.
      • Friedlicher Vertrag Fdgr.
      • Schwarzer Mohr Erbst.
      • Gevattergraben
      • Hoher Ofen zu Marxgrün

      Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

      "[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
      Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

      1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
      2) Gebirgsart = Gesteinsart
      3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

      Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

      "1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

      Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

      Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

      "Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

      Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

      Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

      Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

      "Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

      Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

      Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

      Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

      Tipps

      Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

      Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

       

      Max-Marien-Heilquelle

      Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

      Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
      Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

      GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
      Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

      Humboldt und der Magnetberg

      "Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

      So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

      "Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

      Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

      Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

      Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

      [...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

      Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

      "[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

      Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

      "[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

      Der Haidberg aus heutiger Sicht

      Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

      Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

      Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

      Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

      Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

      Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

      Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

      Machen Sie Ihr eigenes Experiment

      Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

      Tipps

      Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

      Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

      Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

       

      Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

      Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

      Kontakt Museum Hier öffnen

      GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
      Humboldt in Bad Berneck

      Humboldt in matten Wettern

      Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

      Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

      Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

      In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

      "Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

      Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

      Das Bergwerk "Beständiges Glück"

      Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

      Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
      Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
      (Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

      Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

      Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

      Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

      1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck. Er war schon Jahre zuvor ein begeisterter Kurgast des Ortes. Als Bürger von Berneck erwies sich Rother als Förderer des Kurortes, seit 1866 war er auch Mitglied des Kurkomitees. Auf den Halden des zwei Jahrzehnte zuvor stillgelegten Bergwerkes "Beständiges Glück" ließ Rother auf eigene Kosten einen Park ("Blüchersruhe") mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen anlegen. Dieser stellt heute eine überregionale Besonderheit dar.

      Wilhelm Rother wurde 1867 Ehrenbürger von Berneck. Er starb 1898. Der Stadt Berneck hinterließ Rother testamentarisch mehr als eine halbe Million Goldmark, u.a. mit der Auflage, "dass die ganzen Zinsen und Renten des Nachlasses ausschließlich zum Vorteil und zur Hebung der Kuranstalten verwendet werden sollen". An den Förderer der Stadt Berneck erinnert im umbenannten "Rotherspark" der 1900 aufgestellte Granitobelisk aus Kösseine-Granit. Bestattet ist Wilhelm Rother auf dem alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche.

      Tipps

      Thiesen Wetterstation

      Carl Thiesen finanzierte dem Kurort eine für die damalige Zeit technologisch aufwendige und damit äußerst kostspielige Wetterstation. Diese steht heute noch oberhalb des Marktplatzes.

      GEO-Tour Station 10: BRANDHOLZ
      Humboldt in Brandholz

      Humboldt im Goldrausch

      Am Abend des 20. Juli 1792 verfasst Alexander von Humboldt bereits Teile seines Berichtes über die Befahrung der Fürstenzeche in Brandholz und fügt diesem in einem zweiten Teil unter der Überschrift "Aussichten zur fortzusetzenden Wiedergewältigung der Fürstenzechen Baue" hinzu. Bei Niederschrift dieses Berichtes ist Humboldt möglicherweise schon in das Wunsiedler Revier weitergereist.

      Am Abend des 23. Juli notiert Humboldt (jetzt bereits in Arzberg) am Rand eines Briefes an Carl Freiesleben:

      "Die Fürstenzeche in Goldkronach hat mich sehr intriguirt [= neugierig gemacht]. Ich habe Akten, Risse p. studiert, bin das ganze ein 50 Lr. (= Lachter, 1 Lr. ∼ 2 Meter) tiefe Gebäude mit Ueberhauen aus dem 14ten Jahrhundert! durchfahren. Nun habe ich alles ins Reine. Es ist ein ungeheurer Bau, eine Grube auf 1.300 Lr. Länge."

      Die Fürstenzeche im Jahr 1792

      In seinem Bericht der Inspektionsreise beschreibt Humboldt den Zustand der Fürstenzeche. Diese war bereits unter Burggraf Friedrich V. 1365 als Fürstenzeche eröffnet worden und hatte ihre Blütezeit bis zum Einfall der Husiten 1430. Bis dahin hatte man die goldreichsten und gut erschließbaren Bereiche der Lagerstätte schon weitgehend abgebaut, so dass die Ausbeute immer geringer und und der Abbau immer schwieriger wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Bergbau auf Gold sogar subventioniert (es wurde eine "Zubuße" gegeben).

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht, dass die "Wiedergewältigung" der Fürstenzeche (sie befand sich demnach 1792 nicht in Betrieb) seit wenigen Monaten ("1 Quartal") auf allerhöchsten Befehl (vermutlich durch Minister Hardenberg) eingestellt worden war und dass man "[...] bloß das Ganze durch Einwechslung der Türstöcke in befahrbarem Stande" hielt. Humboldt studiert bereits zu diesem Zeitpunkt alte Bergwerksakten, u.a. die "lehrreichen Beschreibungen des Herrn Berghauptmann von Bothmer". Carl Ludwig Freiherr von Bothmer (1736–1803) war Berghauptmann im Fürstentum Bayreuth. Dessen Berichte können nur wenige Jahre zuvor verfasst worden sein.

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht die folgenden Stollen, Schächte und erzführenden Gänge:

        • Tannenschacht
        • Schmuzler
        • Schmiedtenstollen/Schmidtenstollen
        • Jacobschacht
        • Ferberschacht
        • Nasses Lichtloch
        • Rautenkranzer Gang (aber noch keine Rautenkranz-Zeche)
        • Knechtgang
        • Spießglasgang (= Spießglanz, Antimonit)
        • Weißer Kiesgang

      .

      Damit werden viele Lokalitäten genannt, deren Zeugnissen man noch heute bei einer Wanderung entlang des Humboldtweges begegnen kann.

      Aus Humboldts Beschreibungen geht der sehr komplexe Aufbau der Goldlagerstätte am Goldberg hervor. Ursache dafür ist die starke tektonische Zergliederung des Gebirges im Nahfeld der Bruchzone der "Fränkischen Linie" (deren Einfluss Humboldt natürlich noch nicht kennen konnte). Humboldt widerspricht in seinem Bericht der Auffassung, dass "die Golderze auf der Fürstenzeche nicht auf ordentlichen Gängen, sondern [an] das Gestein durchschwärmenden Trümmern" gebunden wären. Diese Ansicht hätte vielfach zu einer wenig rentablen Wiedergewältigung der Zeche geführt.

      Tipps

      Goldbergbaumuseum Goldkronach

      Das Goldbergbaumuseum in Goldkronach präsentiert in mehreren Abteilungen die Stadtgeschichte Goldkronachs, die Geologie der Umgebung und der Goldlagerstätte, die Geschichte des Bergbaus, das Blattgold-Kunsthandwerk sowie Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge.

      Internet: www.goldbergbaumuseum.de

      GEO-Tour Station 11: GOLDKRONACH
      Humboldt in Goldkronach

      Humboldt und das Goldstädtchen

      Goldkronach gehört zu den Orten in Oberfranken, in denen Alexander von Humboldt heute wohl noch am gegenwärtigsten ist. So bezeichnet sich das kleine Städtchen vielfach auch als "Humboldt-Stadt". In Goldkronach hat auch der Verein Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V. seinen Sitz. Dessen Anliegen ist es, insbesondere an Humboldts Wirken in Goldkronach von 1792 bis 1795 zu erinnern. Einen Link auf die Internet-Präsenz des Vereins finden Sie weiter unten.

      Als Sitz des Bergamtes Goldkronach und die einst reichen Goldlagerstätte am Goldberg hatte Goldkronach besondere Bedeutung für Alexander von Humboldt. Erstmals kam Humboldt am 20. Juli 1792 im Rahmen seiner Inspektionsreise nach Goldkronach. Von hier aus befuhr er die Fürstenzeche und blieb bis zur Weiterreise ins Wunsiedler Revier (20. Juli in Arzberg). Nach seinem offiziellen Dienstantritt im Oberbergdepartement Ende Mai 1793 war Goldkronach Ziel von Humboldts erstem Geländebesuch. Hier hält er sich im Juni mehrere Tage auf. Sein Quartier ist die alte Quickmühle (Amalgamiermühle) in Goldmühl. Von dort schreibt er am 10. Juni 1793 seinem Freund Carl Freiesleben:

      "Ich komme eben aus der Grube. Ich bin 2 Meilen geritten und an 3 Stunden auf der Fürstenzeche gefahren, wundern Sie Sich also nicht, liebster Freiesleben, wenn ich Ihnen einen verworrenen Brief schreibe. Mit dem Bergbau geht alles schneller, als ich dachte. [...] In bin seit wenigen Tagen hier, um den eingestellten Bau auf der Fürstenzeche [...] vorzurichten. Das allgemeine Vertrauen, welches der gemeine Bergmann mir übberall zeigt, macht mir meine Arbeit lieb, denn sonst ist meine Lage sonderbar genug, ich thue eingentlich Dienste als Geschworener, nicht als O[ber]bergmeister. Von meinen Vorrichtungen schriebe ich Ihnen jezt nichts. Ich bin zu müde, die Hitze ist unerträglich und die Grubenwetter matt.[...] Die alte Mühle, die ich bewohne, war eine Quikmühle schon im 13ten Jahrhundert. Die Zoppte stürzt sich wild durch die Felsklippen durch. Wenn es glükken sollte, die ausgewanderten Bergleute wiederzurufen, dieser romantischen Gegend nur einen kleinen Theil ihres alten Glanzes wiederzugeben ..."

      Humboldtorte

      Die alte Mühle in Goldmühl

      In den Jahren 1793 und 1794 diente die ehemalige Quickmühle in Goldmühl (heute Ortsteil von Bad Berneck) Alexander von Humboldt als Quartier. Die Mühle wurde um 1557 (nicht wie Humboldt schrieb "schon im 13ten Jahrhundert") als Schneidsäge mit sechs Wasserrädern erbaut. Die Wasserräder trieben ein Pochwerk, eine Mahlmühle und Blasebälge für eine Schmelzhütte an. In den ersten Jahren diente sie auch als Amalgamierwerk ("Quickmühle"), d.h., aus dem durch das Pochen zerkleinerten Erz wurde das Gold mit Hilfe von Quecksilber herausgelöst. Mahl- und Quickmühle arbeiteten bis 1563, danach wird die Mühle zunächst nur noch als Schmelzhütte betrieben, kommen eine Drahtzieherei (um 1600) und eine Getreidemühle (1689) hinzu (Holl & Schulz-Lüpertz 2012). Das heutige Wohnhaus stammt von 1769 (dem Geburtsjahr Humboldts!) und wird als solches noch heute privat genutzt. Die neben der Haustür angebrachte Gedenktafel sehen Sie nebenstehend.

      Hotel "Alexander von Humboldt" (vormals Gasthaus "Zum weißen Schwan")

      Das heutige Hotel steht an dem Ort, an dem zu Humboldts Zeit das Haus des Musikus und Handelsmannes Johann Georg Todschinder stand. In diesem hatte Humboldt möglicherweise seinen Amtssitz. Daran erinnert die an der Fassade angebrachte Gedenktafel:

      "An diesem Platze stand das Haus, in welchem Alexander von Humboldt in den Jahren 1792 - 1795 als koenigl. Preußischer Bergamtsassessor und Oberbergmeister zeitweilig amtierte"

      Ganz sicher belegt ist dies jedoch nicht. Das heutige Hotelgebäude wurde nach dem großen Stadtbrand von 1836 errichtet. Diesem Brand waren viele Gebäude des Ortes zum Opfer gefallen. Ursprünglich hieß das hier untergebrachte Gasthaus "Zum weißen Schwan". Es wurde im Jahr 1868 in einem Festakt in "Alexander von Humboldt-Hotel" umbenannt.

      Ehemaliges Forsthaus (heute Goldbergbaumuseum)

      Das heutige Goldbergbaumuseum an Durchgangsstraße (Bayreuther Straße 21) trägt im Wappenrelief über der Eingangstür die Jahreszahl 1740. In ihm befand sich zu Zeiten Humboldts (bis in die heutige Zeit) eine Forstdienststelle. Oberförster war damals Adolph Ferdinand Böhner, Schwiegervater von Georg Friedrich Püttner (Büttner bei Humboldt). Dieser war einer der Freiberger Kommilitonen von Humboldt. In einem Brief vom 11. Juli 1793 an einen anderen Freiberger Studienfreund, den Russen Vladimir Jurevič Sojmonov, erwähnt Alexander von Humboldt, dass er bei Böhner den gemeinsamen Studienfreund Püttner getroffen habe. Vielfach wird erwähnt, Humboldt hätte in dem Haus auch kurzzeitig gewohnt. Dies geht aus dem erwähnten Brief jedoch nicht hervor. Dort schreibt Humboldt von Forstmeister Böhner, in dessen Nachbarschaft er wohne.

      Ein Besuch des Goldbergbaumuseums sollte man nicht versäumen. Es ist zurzeit allerdings nur von April bis Ende November an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der Geologie und Bergbaugeschichte im Raum Goldkronach beinhaltet das Museum auch einen eigenen Raum zu Alexander von Humboldt.

      Einstiges Wohnhaus Marktplatz 11 (heute Bäckerei)

      Dort wo heute auf der Nordseite des Marktplatzes ein Gebäude mit einer Bäckerei besteht, stand bis zum Stadtbrand von 1836 das Wohnhaus des Schichtmeisters, Bergverwalters und Knappschaftsschreibers Christian Ernst Tornesi. Dieser wohnte hier mit seiner Familie in den Jahren von 1738 bis 1754. Christian Ernst Tornesi kam 1731 aus dem Unterharz nach Goldkronach. Am 7. April 1748 wurde hier als eines von neun Kindern sein Sohn Otto Heinrich Tornesi geboren, der später ein geschätzter Kollege von Alexander von Humboldt und 1798 dessen Nachfolger im Oberbergdepartement werden sollte (siehe dazu weiter unten). Die ganze Familie siedelte 1754 nach Bayreuth über. Christian Ernst Tornesi war dort zum Inspektor und Verwalter für das Zucht- und Arbeitshaus in St. Georgen berufen worden. Dem Zuchthaus war eine Marmorfabrik angeliedert, in dem die Häftlinge arbeiten mussten und die Tornesi ebenfalls leitete.

      Schloss Goldkronach und Humboldt-Kulturforum

      Das Goldkronacher Schloss ist ein ehemaliges Ritterschloss aus dem 16./18. Jahrhundert. Es ist heute in Privatbesitz und Sitz des Alexander-von-Humboldt Kulturforums. Eine kleine Sonderausstellung zu Alexander von Humboldt sowie die von Hans Dressel (†) stammende Humboldt-Büste können bei Veranstaltungen der Kulturforums oder Führungen des GEOPARK Bayern-Böhmen besichtigt werden.

      Nationles Geotop Goldberg

      Seit 2019 gehört der Goldberg bei Goldkronach, das Zentrum des einstigen Goldbergbaus, zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Zu verdanken ist dies seiner montanhistorischer Bedeutung, auch im Hinblick auf das Wirken Alexander von Humboldts, und der dort vorhandenen Infrastruktur.

      Tipps

      Humboldt-Weg und Besucher-Bergwerke

      Der rund sechs Kilometer lange Rundweg führt auf Waldwegen und -pfaden, innerorts auf befestigten Wegen, vorbei an vielen ehemaligen Zeugnissen des Bergbaus seit dem Mittelalter. Startpunkte sind am Infohaus zu den Besucher-Bergwerken auf dem Goldberg, am Parkplatz des Friedhofes, am Wanderparkplatz in Brandholz. Auch der Start in Goldkronach am Marktplatz ist empfehlenswert (Wegstrecke ca. zwei Kilometer länger). Dieser beginnt am Marktplatz und führt ca. 100 Meter nach der Bäckerei am Marktplatz 11 in Richtung Sichersreuth bzw. am Ende der Stadtkirche über einen Wanderpfad zunächst zum Parkplatz am Friedhof (eine Abkürzung direkt auf die Straße an der Ottenleite ist möglich).

       

      Goldbergbaumuseum

      Öffnungszeiten:
      April bis Ende November Sonn- und Feiertage, 13 bis 17 Uhr
      Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich.

       

      Kulturforum Alexander von Humboldt Schloss Goldkronach
      www.humboldt-kulturforum.de

      Goldbergbaumuseum Goldkronach
      www.goldbergbaumuseum.de

      Goldbergknappen

      http://www.goldbergknappen.de/html/rundgang_beginn.html

      GEO-Tour Station 12: BISCHOFSGRÜN
      Humboldt in Bischofsgrün

      Humboldt und die Perlen

      Alexander von Humboldt besucht Bischofsgrün bzw. den Fröbershammer erstmals am 21. Juli 1792. Er notiert in seinem Inspektionsbericht, dass es dort zwei Frischfeuer, einen Zainhammer (für die Nagelschmiede) und eine Knopfhütte gibt. Der Knopfhütte widmet er besondere Aufmerksamkeit.

      Humboldt führt aus, dass die Knopfhütte nur in fünf Wintermonaten betrieben wird und dem Kommerzienrat Loewel gehört. Aus dem Hinweis, dass man "die Arbeiter [im Sommer] zum Holzhauen und zur Feldwirtschaft braucht" geht hervor, dass die einheimischen Bauern die Arbeit in der Knopfhütte verrichteten. Zum Zeitpunkt seines Besuches (Juli) wurde in der Knopfhütte jedoch wohl nicht gearbeitet. Humboldt hat sich demnach die Knopfhütte vor Ort ausführlich schildern lassen. Als Rohstoff für die Glasknöpfe - die Batterlessteine / Paterle - nennt Humboldt einen Grünstein mit wenig Feldspat und vieler innig beigemengter Hornblende von Schneeberg und Ochsenkopf. Er selbst habe das Gestein noch nirgends im Lande anstehend gefunden", es liege dort "in Butzen umher".

      Bei dem von Humboldt angsprochenen Gestein handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, dass in einer rund 5 Kilometer langen und bis zu 20 Meter breiten NNW-SSO-verlaufenden Förderspalte quer durch den Ochsenkopf vorkommt, den sogenannten Proterobas. Vorkommen am Schneeberg gibt es allerdings nicht.

      Humboldt berichtet über das Schmelzen des Gesteins, den Knopfofen sowie das Arbeiten am Ofen. Am Ofen arbeiten 25 Mann (!) vor je einer Öffnung und zogen die geschmolzene Masse (das Glas) mit einer langen Zange ("Kluft" bei Humboldt, auch "Kluppe" genannt) aus dem im Ofen stehenden Schmelztiegel, um es anschließend (durch Drehen) zu "modeln".

      Hergestellt werden im Jahr Knöpfe im Wert von 4.000 - 5.000 Gulden. Bei einem Preis von 6 Kreuzer je "Schnur" mit je 20 Dutzend Knöpfen sind dies ... Knöpfe.

      Die schwarzen Proterobas-Knöpfe wurden mit Emailfarbe bemalt und anschließend die Farbe eingebrannt. Als Farbstoffe wurden verwendet: weiß - Brauneisenstein mit Arsenikkalk, gelb - Birkenkohle, blau - Smalte (mit Kobald gefärbetes Kaliumsilikatglas).

      Humboldt berichtet, dass Glasknöpfe bereits seit 200 bis 300 Jahren in der Region hergestellt werden und ihren Ursprung in "in der Warmen Steinach" - also in Warmensteinach - hat. Derzeit gäbe es im Bayreutherischen fünf Fabriken, die ihre Erzeugnisse nach Schlesien und Polen, teils für den "Sklavenhandel nach Afrika [?] geben."

      Humboldt schließt seinen Bericht über die Knopfhütte mit einer Bemerkung zur Abwanderung von Arbeitern aus dem Bayreuther Fürstentum in die nahegelegee obere Pfalz und nach Böhmen:

      "Bayreuther Arbeiter sind in die obere Pfalz und nach Böhmen übergelaufen und die Konkurrenz der dort neu angelegten Fabriken, die wohlfeileres [= günstigeres] Holz haben, hat den Absatz vermindert und die Ware wohlfeiler gemacht."

      Dies lässt erkennen, dass der Mangel an Holz in der Region wirtschaftliche Folgen hatte.

      Der Fröbershammer

      Humboldt berichtet auch über die Frischfeuer und den Zainhammer, die "vortrefflich eingerichtet" sind und "sehr gute Ware" liefern. Er merkt jedoch an, dass der Verlust an Eisen durch das Frischen beträchtlich ist (3/8). Als wahrscheinliche Ursache benennt er das "Anlaufen" (siehe unten).

      In einem Frischfeuer wird das Roheisen bei starker Hitze wieder aufgeschmolzen. Mit einem Blasebalg wird Luft über die Eisenschmelze geführt, um dem im Eisen von der Herstellung noch vorhandenen Kohlenstoff zu verbrennen. Zwischendurch wird das flüssige Eisen immer wieder umgerührt. Ziel ist es, möglichst wenig Kohlenstoff im Eisen zu haben, um es weniger spröde und damit gut schmiedbar zu bekommen. Das Frischen dauert 5 bis 6 Stunden.

      Der von Humboldt verwendete Begriff des "Anlaufens" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man das Eisen mit einer Stange unter Drehen aus der flüssigen Schmelzmasse herausgenommen hat. Während des Drehens setzte sich das Eisen an der Stange fest. Anschließend wurde es abgeschreckt und geschmiedet. Dann wurde das Eisen wieder in die Schmelzmasse gehalten und die nächste Schicht lagerte sich an. Der Vorgang wurde so lang fortgesetzt, wie sich das Eisen schmieden ließ und dem Schmied nicht zu schwer. Am Grund des Ofens setzte sich das minderwertige "Theileisen" ab. Durch das Schmieden werden noch vorhandene Schlackenreste aus dem Eisen entfernt.

      Das Frischen des Eisens ist ein sehr viel Energie verbrauchender Vorgang. Humboldt berichtet, dass je Frischfeuer am Fröbershammer je Woche 42 Zentner Eisen gefrischt werden, wobei dafür 84 Kübel Holzkohlen verbraucht wurden. Hierzu benötigte man 17 bis 21 Klafter Holz (ganz grob 1 Klafter Holz = 3 Kubikmeter). Für beide Frischfeuer waren das pro Woche rund 102 bis 126 Kubikmeter Holz!

      Lesen Sie hier den gesamten Text Humboldts über die Frischfeuer und den Zainhammer zu Bischofsgrün. Es sei hier als Beispiel der von ihm verwendeten Fachtermini und Darstellungsweise aufgezeigt.

      Tipps

      Glaswanderweg

      Der Glaswanderweg ist ein industriehistorisch interessanter und naturräumlich reizvoller Themenwanderweg mit einer Länge von 42 Kilometern zwischen Weidenberg und Bischofsgrün. Er ist in die Abschnitte

      • Weidenberg - Sophienthal - Zainhammer
      • Zainhammer - Warmensteinach - Grünstein
      • Grünstein - Neugrün - Fichtelberg - Karches
      • Karches - Bischofsgrün

      gegliedert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite www.glas-im-fichtelgebirge.de.

      Waldglashütte am Ochsenkopf

      Archivalische Notizen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben eine „Glas- und Knopfhütte am Fichtelberg“, entlegen an der Landesgrenze zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Kulmbach und Obere Pfalz. Archäologische Ausgrabungen unter Trägerschaft der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth e. V. zwischen 2004 und 2006 haben die Relikte der alten Proterobas-Glashütte wieder zum Vorschein gebracht. Die begleitenden archäologischen Untersuchungen sind ein allererster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen und interdisziplinären Aufarbeitung der Siedlungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte im zentralsten deutschen Mittelgebirge.

      Die am südlichen Hang des Ochsenkopfes im heutigen Landkreis Bayreuth ausgegrabene Glashütte lässt sich weit zurückverfolgen. Lorenz Glaser bittet 1616 um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Hütte auf oberpfälzischen Grund an der Mooslohe. Der Standort zwischen Proterobas- und Quarzitgängen an dem aus den Kalten Brunnen fließenden Bächlein ist ideal gelegen.

      Die Waldglashütte erreichen Sie am besten vom Parkplatz nahe der Bleaml-Alm auf dem Forstweg Richtung Ochsenkopf. An der ersten Abzweigung (ca. 400 Meter nach Eintritt in das Waldgebiet) nach rechts und dem Forstweg noch etwa 200 Meter folgen.

      GEO-Tour Station 13: LUISENBURG / WUNSIEDEL
      Humboldt in Luisenburg / Wunsiedel

      Humboldt und die Luisenburg

      Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Felsenlabyrinth der Luisenburg als berühmtester Besucher Johann Wolfgang von Goethe genannt. Dieser duchstieg Teile des Felsenmeeres 1785, noch vor der ersten Ausbauphase zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten, und bei einem zweiten Besuch 1820. Zu diesem Zeitpunkt war das Labyrinth schon nahezu in seiner heutigen Form begehbar. Über Besuche Alexander von Humboldts ist tatsächlich nur sehr wenig bekannt. Die Kenntnis davon stützt sich auf eine Reisebeschreibung des polnische Grafen de Lagarde-Messence in von 1819, in der es heißt: "[...] dort findet man ein rechtmerkwürdiges Moos, das in der Finsternis schimmert. Als Herr von Humboldt, Bergwerksmeister seines Zeichens, durch diese Berge ging, machte er die Analyse davon [...]". Aufzeichnungen Humboldts selbst hierzu sind jedoch heute nicht mehr verfügbar.

      In Humboldts Inspektionsbereicht von 1792 findet sich die folgende Textstelle:
      "Daß das relative Alter dieser Granit-Abänderungen sehr verschieden ist, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man auch die eine nicht selten ("an der Luxburg") als Bruchstück in anderen eingewachsen findet."

      Einige Absätze weiter heißt Humboldt:

      "Der Granit auf dem höchsten Kuppengebirge liegt teils söhlig (aie auf der Luxburg), teils schießt er (wie auf dem Schneeberge) unter 10° gegen Abend [nach Westen] ein."

      Humboldt bezieht sich mit seinen Beobachtungen zweimal auf die Luxburg, die 1805 zu Ehren des Besuches der preußischen Königin Luise in Luisenburg umbenannt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass Humboldt diese Erscheinungen mit eigenen Augen gesehen hat. Anders wäre es auch verwunderlich gewesen, denn bereits ab 1790 begann die Begehbarmachung des Labyrinthes.

      Humboldt und der Granit

      Humboldt ist zu einer fränkischen Zeit noch dem "Lager der Neptunisten" zuzuordnen. Er folgt damit der Lehrmeinung seines Lehrers in Freiberg, Abraham Gottlob Werner. Danach wurde der Granit in einer frühen Phase der Bildung der Erdkruste aus einem Urozean, d.h. aus einem wässrigen Medkum, ausgefällt. Als ein Indiz dafür galt auch die "Schichtung" des Granits:

      "Da, wo noch das alte Ausgehende1) des Granits zu sehen ist, d.i. auf einzelnen, turmähnlichen Kuppen, findet sich der Granit äußerst regelmäßig, wie dichter Kalkstein geschichtet, und zwar in Lagern zu 2 Fuß 8 Zoll."

      1) Das Ausgehende meint hier "die obersten Schichten". Humboldt beschreibt hier Felstürme, Felsbastionen, an denen die horizontalen Lagerklüfte gut zu erkennen sind.

      Seine erste Niederschrift ergänzt Humboldt bei einer Überarbeitung des Manuskriptes (zwischen August 1792 und April 1793) wie folgt:

      "Ich glaube nämlich, daß aller Granit ursprünglich (da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten) d.h. im Ausgehenden geschichtet war und daß geschichteter Granit nur darum ein so seltenes (von einigen nicht reisenden Geognosten geleugnetes) Phänomen ist, weil wir überall gleichsam in den Vertiefungen der zerstörten Erdrinde wohnen und das alte Ausgehende des Granits nur auf den höchsten besuchten Punkten der Erdoberfläche zu suchen ist."

      Für Humboldt ist der Granit nur in seinen obersten Abschnitten geschichtet: "[...] da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten." Auch wenn es im Inspektionsbericht nicht weiter ausgeführt ist, dürfte Humboldt den Granit in der Tiefe als strukturlose Masse betrachtet haben. Ob er Vorstellungen darüber hatte, wie es hierzu gekommen sein soll, ist ebenfalls nicht ausgeführt.

      Bei Seußen nahe Arzberg macht Humboldt eine weitere Beobachtung in den granitischen Gesteinen des Fichtelgebirges, die ihm so bemerkenswert erscheint, dass er sie noch während seiner Inspektionsreise im Juli 1792 an den Herausgeber des Bergmännischen Journals schreibt (vermutlich am 23. Juli). Der Brief erscheint daraufhin noch in der Juli-Ausgabe des Journals.

      "Auf einer Reise durch das Wunsiedler Bergamt entdeckte mein lehrreicher Begleiter Herr Hof-Kammerrath Tornesi, [...] zwei vollkommene Granitkugeln am Wege unweit Seisen [= Seußen]! Dies Phänomen wird Ihnen gewiß nicht weniger auffallend scheinen, als es mir war. Beide Granitkugeln waren von 14-16 Zoll im Durchmesser [35-40 cm][...]. Sie bestehen aus einem deutlichen feinkörnigen Granite mit vielem tombackbraunen Glimmer, und zeigen konzentrisch-schalige absonderte Stücke, von denen wir zwei Schalen ablößten. Beide waren noch ihrer natürlichen Lagerstätte, eingewachsen in einem grobkörnigen Granite, der sich durch den (am Fichtelberg nicht seltenen) kristallisierten Feldspat auszeichnete und der Verwitterung nahe war: ein Beweis also, daß selbst der Granit [...] die Fähigkeit [hat] sich kugelartig zu ballen!"

      Was Humboldt in die Eigenschaft des Granits "sich kugelartig zu ballen" hineininterpretiert, lässt sich nicht ohne Weiteres erschließen. Es ist vermutlich vor allem eine Beobachtung, die er der geognostischen Gemeinschaft kundtun will. Humboldt erwähnt die Kugeln auch in seinem Inspektionsbericht:

      "[...] kommen auch Granitkugeln mit 2- 3fach konzentrisch, schalig abgesonderten Stücken in einem verwitterten Granite bei Seäßen vor".

      In einer nachträglichen Ergänzung kommentiert Humboldt:

      "Ihre Art des Vorkommens zeigt, daß sie nicht sekundär sind. In anderen Teilen europäischer Gebirge sind sie noch nie entdeckt worden und unseren Gebirgen [...] ausschließlich eigen."

      Die Beobachtung Humboldts zeigt sein Interesse und Gespür für das "Nichtalltägliche", die Besonderheiten, die es gilt weiter zu erforschen. Die von Humboldt beschriebene Erscheinung erklärt sich heute als Folge von Verwitterungsprozessen (was sich bei Humboldts Beschreibung ja bereits andeutet). Die "Kugeln" sind in einer Verwitterungsdecke infolge des richtungslosen Gefüges des magmatischen Gesteins entstanden. Ausgehend von einer quaderförmigen, durch Klüfte begrenzten Rohform sind die Gesteinskanten rasch verwittert. In die kugelige Form sind Verwitterungslösungen unterschiedlich weit eingedrungen (oder auch thermische Einwirkungen, Frost oder Temperatur) und haben die konzentrischen Schalen abgelöst.

      Tipps

      Besuchen Sie das Felsenlabyrinth der Luisenburg - eine der wichtigsten geologischen Lokalitäten im GEOPARK Bayern-Böhmen.

      GEO-Tour Station 14: KLAUSEN / SEUßEN
      Humboldt in Klausen / Seußen

      Humboldt und das Klima

      Alexander von Humboldt besucht das Püttnersche Alaunwerk Treue Freundschaft in der Klausen bei Seußen erstmals am 24. Juli 1792 im Rahmen seiner "Inspektionsreise". In seinem Bericht schildert er ausführlich das Werk und die Produktionsschritte der Herstellung von Alaun.

      Schon in seinem Bericht beschreibt er die bituminöse Blätterkohle, in der "oft noch unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten" haben, zu finden sind. Humboldt erwähnt diese Fossilien auch in einem Brief an den Verleger des "Bergmännichen Journals" Hoffmann, der diesen bereits in der Juli-Ausgabe 1792 abdruckt. Dort heißt es:

      [...]Bei Klausen an der Oberpfälzischen Grenze liegt das 21 Lachter mächtige Braunkohlenflöz unter einem Gerölle von mehr oder weniger verwitterten Basaltkugeln. Einige sind mit den Fingern zerreiblich, und doch erkennt man noch die 6-9 fach concntrisch schaligen abgesonderten Stücke. In der Braunkohle finden sich unversehrte Aeste von Tannenzweigen, die fast ihre natürliche Farbe erhalten haben, und so also gegen die Feuerrevolution zeugen. [...]"

      Mit dem Zeugnis gegen die Feuerrevolution spielt Humboldt auf die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten an (siehe dazu Station Luisenburg und Steinhaus). Nachdem Basalte die Braunkohlen überlagern, war Humboldt der Meinung, dass - wären diese aus glutflüssiger Lava erstarrt - die Lava die Pflanzenfossilien in der Farbe verändert, vermutlich verbrannt hätten. Aus heutiger Sicht ist bereits die Interpretation der Lagerungsverhältnisse nicht richtig. Die Basaltblöcke sind in einer lehmigen Grundmasse durch den Prozess des Bodenfließens hangabwärts auf die Braunkohlenlager verfrachtet worden.

      Die Sache mit der Ekliptik

      Im November 1794 schreibt Alexander von Humboldt einen Brief an den Mathematiker Johann Friedrich Pfaff. Darin kündigt er ein größeres Werk unter dem Titel "Ideen zu einer künftigen Geschichte und Geographie der Pflanzen oder historische Nachricht von der allmäligen Ausbreitung der Gewächse über den Erdboden und ihren allgemeinsten geognostischen Verhältnissen" an, das "in 20 Jahren" erscheinen soll. In dem Brief erläutert Humboldt, dass selbst in hohen geographischen Breiten Pflanzenfossilien vorkommen, die unter "Tropenwärme" vor Ort gewachsen sind. "Unter den vielen möglichen Gründen, welche eine Tropenwärme [...] hervorbringen können, studiere ich den besonders über die veränderte Schiefe der Ekliptik ...". Humboldt bittet Pfaff um eine Stellungnahme darüber, ob die Ekliptik in der Vergangenheit nicht auch 48° (gegenüber heute 23 1/2°) betragen haben könnte. Die Antwort von Pfaff ist nicht erhalten, da Humboldt in aller Regel die an ihn gerichteten Briefe vernichtete. In einem Vortrag vor der Akademie zu Berlin am 24. Januar 1823 stellt Humboldt eine völlig andere Hypothese zum Wachstum wärmeliebender Pflanzen weit außerhalb der heutigen Tropen auf. Lesen Sie diese Textpassage hier

      Humboldt schließt seinen Brief wie folgt:

      "Auf meinen rauhen Felsenhöhen hänge ich solchen Träumereien nach. Beraubt von den nothwendigsten Hilfsmitteln muß ich mich an lebendige Orakel wenden ...".

      Was ist Alaun?

      Alaun ist chemisch ein wasserhaltiges Doppelsulfat (SO44-), ein Salz der Schwefelsäure, vermischt mit Tonerde, einer kleinen Menge Potasche (Kalium) und Ammonium. Verwendung fand Alaun u.a.

      • in der Färberei als Beizmittel vor dem Aufbringen von Farbstoffen,
      • in der Gerberei, um weißgares Leder herzustellen,
      • zum Leimen von Papier, um es tintenfest zu machen,
      • zum Härten von Gips und Gelatine,
      • zum Stillen innerer Blutungen und Durchfälle
      • zum Blutstillen bei Schnittwunden (Rasur)
      • als Deodorant

      Alaun kommt in der Natur i.d.R. nicht als Mineral vor, sondern muss in mehreren Schritten aus Schwefel-führenden Gesteinen ausgelaugt werden. In Frage kommen dafür Braunkohlen oder Schwefelkies-haltige Alaunschiefer.

      Das ehemalige Alaunwerk auf der Klausen

      Bereits 1732 gab es in Hohenberg a.d. Eger die Braunkohlengrube "Freundschaft". Dort verbrannte man die Kohle und laugte sie anschließend zur Herstellung von Alaun aus. In Arzberg entstand 1765 eine Alaunhütte am Schachtweg "in der Biih" (= bei der Alaunhütte), die ihre Braunkohle ebenfalls aus Hohenberg bezog, jedoch bereits 1770 ihren Betrieb wieder einstellte.

      Für das Gebiet der Klausen erwirbt der in Seußen ansässige Oberförster Balthasar Christoph Reiz die Mutungsrechte für die Zeche "Treue Freundschaft", die 1762 ihren Betrieb aufnimmt. Vor Ort entsteht ein Alaunwerk, in dem aus der Schwefelkies-haltigen Braunkohle bis 1837 (75 Jahre lang) Alaun produziert wird. Erwähnung finden die Schwefelkies-haltigen Braunkohlen allerdings schon in der von dem markgräflichen Bergrat Johann Wilhelm Kretschmann stammenden "Sammlung zu einer Berg Historia" als "Schefel Kieße von der Clausen, eine Stunde von Redwitz nach Arzberg zu, wobei eine Art Stein Kohlenn, so alaunisch seyn ...".

      Eine erste Beschreibung des Alaunwerkes stammt von 1786:

      "Das Werk besteht aus 2 Hauptgebäuden, wovon jedes 2 Stockwerke hoch ist. In denselben wird zu ebener Erde in 5 kleinen Blechpfannen die Lauge gekocht und in 5 größeren Bleipfannen abgekühlt [...]. Hinter dem Gebäude befindet sich eine Hütte mit 10 hölzernen Kufen verschiedener Größe, in welchen sich die Sole sammelt. 11 Personen liefern wöchentlich 8 Zentner Alaun und etwas rote Farberde". (Nach: J.K. Bundschuh, Geographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799-1804).

      Alexander von Humboldt und das Alaunwerk auf der Klausen

      Alexander von Humboldt widmet dem Alaunwerk auf der Klausen 1792 einen ausführlichen Bericht. Er stellt darin fest, dass das Gestein, "aus welchem man hier den Alaun gewinnt, [...] weder Alaunschiefer noch Alaunerde, sondern wahre Braunkohle" ist. Die Lagerstätte des Flözes bezeichnet er als "überaus merkwürdig".

      Aus Humboldts Beschreibung der Lagenstätte lässt sich der folgende geologische Aufbau ableiten:

      • Humus
      • 2 - 3 m Verwitterungslehm mit 37 - 42 cm großen Basaltkugeln
      • 4 - 5 m weiße und braune Letten
      • darunter (ab ca. 8 m) folgt das Braunkohlenflöz

      Die Mächtigkeit des Flözes ist offensichtlich unbekannt, es soll jedoch noch in 42 m Tiefe erbohrt worden sein. Humboldt hält fest, dass die Lagerstätte im Nordwesten von Gneisen begrenzt wird (man findet sie in mehreren Aufschlüssen heute noch entlang des nördlichen Uferweges. In der Braunkohle beschreibt Humboldt "unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten [haben], und unverwitterte Schwefelkiese."

      Der Beschreibung Humboldts zufolge erreichten die Bergleute das Braunkohlenflöz von der Oberfläche her über mehrere mit großem Aufwand gezimmerte Schächte. Über diese wurde das "mit dem Keilhauer Gewonnene durch Haspel herausgefördert." Der eigentliche Abbaustollen lag bis in 28 Meter Tiefe und hatte eine Länge von rund 220 Metern in südlicher Richtung. Der größte Teil des Stollens war ausgezimmert.

      Zur Zeit von Humboldts Besuch arbeiteten 12 Bergleute auf der Grube, das Alaunsieden erfolgte nur während der wärmeren Jahreszeit. Das mit verwittertem und unverwittertem Schwefelkies durchsetzte Alaunerz, die Braunkohle, wurde auf die "Bühne" verbracht, ein aus Balken und Brettern bestehendes Bauwerk oberhalb der Grube, die mundartlich so genannte "Biih". Auf der "Biih" wurden die Braunkohlen vor der eigentlichen Alaunproduktion erst eineinhalb bis zwei Jahre gelagert, um dort zu "wittern". Danach beginnt das Auslaugen (12-15 Jahre!). Während der Lagerung und später beim Begießen und Wenden der Braunkohlen oxidiert der Luftsauerstoff den Schwefelkies (Pyrit) in der Braunkohle. Die dabei freigesetzte Schwefelsäure löst aus den tonigen Begleitsedimenten der Braunkohle Aluminium, Kieselsäure und Bitumen heraus. Diese Lauge wird in einen Schuppen nahe der Alaunhütte geleitet, wo sie in mehreren, im Boden eingelassenen Vorratskästen (1,50 m im Durchmesser, 1,20 m tief) zwischengelagert wird.

      Im nächsten Schritt wird die Lauge in drei "Läuterpfannen" 36 Stunden lang "gesotten" (gekocht). Während des Siedens setzen sich die bituminösen Bestandteile und die Kieselsäure als teerartige Masse ab, die getrocknet schwarz-glänzend ist und einen muscheligen Bruch hat. Die geläuterte Lauge wird zum Abkühlen in größere Pfannen geleitet, danach in zwei Garpfannen unter Zugabe von Pottasche (Kaliumkarbonat) 24 Stunden eingedampft.

      Humboldt nennt in seinem Bericht, dass wöchentlich 5 Zentner Alaun produziert werden. Der Holzbedarf dafür beträgt 10 Klafter. Humboldt bilanziert daraus die jährliche Produktion von 100 - 120 Zentner Alaun mit einem Holzverbrauch von 200 - 240 Klaftern (bei 5 - 6 Monaten Betrieb). Kritisch äußert er sich über den hohen Holzverbrauch, den er u.a. einer unsachgemäßen Befeuerung und falschen Bauweise der Pfannen zuschreibt.

      Das "Püttnersche Alaunwerk" auf der Klausen

      Humboldt benennt das Alaunwerk auf der Klausen als das "Püttnersche Alaunwerk". Es gehörte demnach der Kaufmanns- und Bankierfamilie Jakob Friedrich Püttner (1720-1798) aus Hof, die auch Eigentümer der Vitriol- und Alaunhütte "Goldene Adlerhütte" bei Wirsberg war. Dessen Enkel, Georg Friedrich Püttner, war Kommilitone Humboldts in Freiberg und übernahm später das Vitriolwerk bei Wirsberg und die Alaushütte auf der Klausen.

      Hüttenmeister zur Zeit des Besuches von Humboldt war der Johann Christian Ullmann, "... ein sehr verständiger Mensch, aber ehemaliger Bermann aus Johanngeorgenstadt, der sich wohl besser auf Bergbau als Pyrotechnik verstehen mag." (Humboldt). Von 1808 an leitete das Püttnersche Alaunwerk der aus der Niederlausitz stammende August Reinsch (1778 - 1869), der ausgebildeter Apotheker war. Er war zuvor als Laborant auf der "Goldenen Adlerhütte" tätig. Reinsch übernahm nach dem Tod des Obersteigers J.C. Benker 1805 die Leitung der 1795 von Alexander von Humboldt in Arzberg gegründeten Bergschule. Reinsch übernimmt einige Jahre vor 1833 das Alaunwerk zu eigener Pacht. Für das Jahr 1829 werden noch 5 Bergarbeiter und 10 Alaunsieder genannt. Das Alauswerk wird 1833 von den Püttnerschen Gewerken an den Seußener Gutsbesitzer Christian Paul Aecker verkauft. Reinsch geht als "Berg- und Hüttenfaktor" (Verwalter) des Schwefelkiesbergwerkes am Silberberg nach Bodenmais (heute Besucher-Bergwerk).

      Der Niedergang des Alaunwerkes auf der Klausen

      Der neue Eigentümer seit 1833 des Alauswerkes, Christian Paul Aecker aus Seußen, betrieb das Werk nach einer Angabe von Carl Wilhelm von Gümbel nur bis zum Jahr 1837. 1834 heißt es in einem Text jedoch bereits, das sich " [...] sämtliche Grubenbaue der 'Treuen Freundschaft'bei Seußen ohne alle Beaufsichtigung und Unterhaltung befinden, wodurch eine sehr üble Gruben- und Hüttenwirtschaft [entstanden] ist". 1853 kam es durch das Bergamt zu einer "Freierklärung", da die Erben des mittlerweile verstorbenen Christian Paul Aecker den Verpflichtungen des Bergamtes nicht nachkamen.

      Vom Alaunwerk zum Freizeitsee

      1870 entsteht an Stelle der aufgelassenen Bergbaugrube der Klausenteich, jedoch wird die Staumauer durch ein Hochwasser im Juni 1913 zerstört. Erst 1935 wird der Teich durch den Klausenwirt Georg Sölch neu angelegt. Dieser wird 1912 zusammen mit seiner Familie als Bewohner des Gebäudes Nr. 1 des Anwesens "Treue Freundschaft" genannt. Im anderen Gebäude (1a) lebten sechs weitere Familien. Das von dem Ökonomen und Bierwirt Wirtshaus bestand bis zur Flutung des Feisnitzsee 1972/73 als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlen-Kraftwerk Arzberg.

      Tipps

      Machen Sie einen Rundgang um den Feisnitz- bzw. Haid-Speichersee (Wegstrecke rund 2,2 Kilometer) oder besuchen Sie den 32 Meter hohen Aussichtsturm, die Waldenfelswarte, auf dem 633 Meter hohen Kohlberg. Von diesem haben Sie eine einzigartige Aussicht in das Fichtelgebirge, nach Böhmen und in die nördliche Oberpfalz (einfache Wegstrecke ab Parkplatz 1,6 Kilometer).

      GEO-Tour Station 15: ARZBERG
      Humboldt in Arzberg

      Die Lagerstätten in Arzberg und Umgebung waren zurzeit Humboldts und darüber hinaus die ergiebigsten im Wunsiedler Revier. Abgebaut wurden die an den Wunsiedler Marmor gebundenen Eisenerze. Und dies bereits seit dem Mittelalter. Erst 1941 kam der Bergbau in Arzberg mit der Stilllegung der Zeche "Kleiner Johannes" zum Ende. Über die Geschichte des Bergbaus, das Wirken Alexander von Humboldts in Arzberg und die Geologie des Fichtelgebirges informiert die heute auf dem Gelände der ehemaligen Zeche bestehende Infostelle von Naturpark Fichtelgebirge und GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Entsprechend der Bedeutung von Arzberg hielt sich Alexander von Humboldt häufiger wohl auch in Arzberg auf, doch gibt es nachweislich nur wenige Briefe, die von hier stammen. Humboldt wohnte während seiner Aufenthalte in Arzberg im Müssel'schen Haus, dem heutigen Bergbräu. Eine Gedenktafel in der Hausfassade erinnert daran. Sie wurde bereits am 12. September 1880 dort angebracht. Der damalige Arzberger Bürgermeister gab bei der Einweihung der Gedenktafel das Versprechen, "dass er sowohl als auch alle seine Nachfolger dasselbe würdig für alle Zeiten schützen und der Nachwelt zum ewigen Andenken an den großen Gelehrten, auf den Deutschland, Europa, ja die ganze zivilisierte Welt stolz ist, erhalten wollen".

      Wie in Steben richtet Alexander von Humboldt in Arzberg eine Bergschule ein. Ende Juni schrieb Humboldt von seinen Plänen an das Oberbergdepartement in Bayreuth. Man sei "dort oben in der Kultur zurück", und die Schule sei hier nötiger als irgendwo. Nach langem Suchen wäre die Wahl auf den Obersteiger Johann Caspar Bencker (†1805) als Schulleiter gefallen. Dieser sei ein verdienstvoller und sehr erfahrener Grubenbeamter, der gewiss auch als Lehrer einiges leisten würde. Im Herbst 1795 schreibt Humboldt in seinem Generalbericht über das Wunsiedler Revier, dass der Etat für die Schule bereits eingeplant sei. Begonnen wurde mit dem Unterricht jedoch erst 1796. Es handelte sich um eine Winterschule mit Unterricht von November bis Mai für "Bergjungen" ab dem 12. Lebensjahr. Weder in Arzberg noch in Wunsiedel ist allerdings ein Gebäude für die Bergschule nachweisbar. Es ist daher anzunehmen, dass der Unterricht in der Wohnung des Bergschullehrers abgehalten wurde. Im Jahr 1804 wurde die Arzberger Bergschule nach Goldkronach verlegt.

      Lesen Sie hier die Textpassage aus Humboldts Generalbericht von 1795, in der er auf die geplante Bergschule in Arzberg eingeht.

      Aus den Briefen und Berichten Alexander von Humboldts geht hervor, dass er in Arzberg häufig persönlich in die Bergwerke eingefahren ist. Schon während seiner Inspektionsreise 1792 besuchte er eine Reihe dieser Gruben:

      "Die Gruben, welche ich befahren, waren Susannen-Glück und Goldkammer Fundgrube, Silberkammer Fundgrube, Anna Christiana Fundgrube, Gottes Geschick Fundgrube und Friedrich Christian Fundgrube. Die beiden Hauptgruben gehören dem Faktor Müßel, dessen Vater sein Vermögen dem Bergbau fast schon ganz aufgeopfert hatte, als er diese Werke aufnahm, welche ihm und den Nachkommen einen reichlichen Ersatz geben und die [Berg-] Baulust zu Arzberg aufs neue sehr rege gemacht haben".

      St. Georg-Stollen im Röslautal

      In seinem Generalbericht schreibt Humboldt auch über den St. Georg-Stollen im Tal der Röslau (= Gsteinigt). Konkret geht es um Verbesserungsvorschläge für den weiteren Ausbau des Entwässerungsstollens für die Arzberger Bergwerke (= Erbstollen). Über dem Eingang des 2008 wiederhergestellten Mundlochs stehen die Jahreszahlen 1722-1795-1817-2008. Sie kennzeichnen die wichtigsten Ausbau- und Sanierungsetappen des Stollens.

      Der St. Georg-Stollen wurde 1722 im Tal der Röslau so tief wie möglich angelegt und bis 1727 bis zur Eisensteinzeche Morgenstein vorangetrieben. In einem Befahrungsbericht vom August 1770 wird erwähnt, dass der Stollen im Bereich der Zeche Morgenstern fast völlig verbrochen ist. Bis zur Grube "Gold- und Silberkammer" scheint er jedoch durchgängig gewesen zu sein. [3] Die Gold- und Silberkammer ist die wohl bedeutendste Grube des Wunsiedler Reviers.

      Im Jahr 1817 wurde in dem Stollen erstmals eine "Wasserkunst" eingebaut. Darunter versteht man im Bergbau eine technische Vorrichtung zur Entwässerung von Grubenbauten. Diese wurde bereits von Alexander von Humboldt ins Gespräch gebracht. So schreibt Humboldt 1795 in seinem Generalbericht:

      "Mein hartes Eindringen in den Faktor [= Unternehmer] Müssel, nach Vorschriften des B.[erg]Amts nun so zu bauen, daß die Gewältigung mit dem Kunstgezeuge möglich wäre [...]."

      Im nächsten Satz heißt es:

      [...] und hielt es für besser, jetzt loszubrechen, als eine so wichtige den Arzberger Bergbau allein erhaltende Arbeit verzögert zu sehen."

      Für den Einbau einer Wasserkunst will Humboldt die technischen Voraussetzungen schaffen. So schlägt er zunächst die Beseitigung von Krümmungen im bestehenden Stollen vor.

      "Bei einem so langen Gestänge, zu dem man sich ja ohnedies nur aus Noth verstehen mußte, weil kein anderes Mittel die Arzberger Gruben zu sichern übrig blieb, bei einem so langen Gestänge muß jede Krümmung vermieden werden."

      Mit dem Einbau der Wasserkunst sollte es möglich werden, insbesondere die Abbausohlen der ertragreichen Gold- und Silberkammer Gruben tiefer zu legen. Erst nach Humboldts Weggang wird die technische Anlage 1797 bis ins Detail geplant. Umgesetzt wurde sie jedoch erst im Jahr 1817. Angetrieben wurden die eingebaute Wasserhebemaschinen (mit 20 Pumpwerken, verbunden über ein Gestänge im St. Georg-Stollen) durch ein unterschlächtiges Wasserrad im Röslautal. Der Schacht der Grube Gold- und Silberkammer konnte bis 1841 auf 120 Meter unter Gelände abgeteuft werden. Noch heute sind im Uferbereich die Reste der ehemaligen Radstube zu erkennen.

      Lesen Sie hier Humboldts Originaltext zum Sankt-Georg-Stollen.

      Der St. Georg-Stollen besteht noch heute. Während des 2. Weltkrieges diente ein Teil von ihm den Arzbergern zeitweilig als Luftschutzraum. Nach dem Krieg wurde das Mundloch verschlossen und war kaum noch als solches zu erkennen. Im Jahr 2008 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und nach der alten Aufnahme von 1913 in seiner heutigen Form saniert. Seit 2009 gehört das Gsteinigt mit seinen geologischen und montanhistorischen Zeugnissen zu den "100 schönsten Geotopen von Bayern".

      Humboldt-Orte in Arzberg

      Müssel-Haus / Bergbräu

      Bei seinen Aufenthalten in Arzberg wohnte Alexander von Humboldt auf dem Kirchberg im Hause der Patrizierfamilie Müssel.

      Infostelle Altes Bergwerk Kleiner Johannes

      Die Infostelle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eisenerz-Bergwerkes Kleiner Johannes. Sie zeigt in mehreren Räumen einen Querschnitt durch die wichtigsten Gesteine und Mineralien des Fichtelgebirges sowie die Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Auf dem Gelände befindet sich eine kleine Ausstellung mit Gesteinsexponaten aus dem Fichtelgebirge, der Nachbau der ehemaligen Förderanlage sowie ein Schaustollen. Eine 2017 ergänzte Ausstellung zur ehemaligen Specksteingrube Johannes bei Göpfersgrün ist nur zu besonderen Zeiten möglich.

      Anschrift: Altes Bergwerk, Altes Bergwerk 1, 95659 Arzberg
      Telefon: (0)9233 40 40 (Stadt Arzberg)
      GPS: 50.059242, 12.192009

      Öffnungszeiten der Infostelle:
      Von Josefi (19.3.) bis Barbara (4.12.),
      jeweils von 8 - 17 Uhr

      Das Bergbaurevier Arzberg-Röthenbach

      Die Verhältnisse im einstigen Arzberg-Röthenbacher Revier sind in der Monografie von Ernst Schmidtill (1963) ausführlich beschrieben. Die Lagerstätte, die an den Marmorzug gebunden ist, ist zwischen Röthenbach und Arzberg zweigeteilt in einen südlichen und einen nördlichen Erzzug (entsprechend zweier Marmorzüge). Das Profil der unten gezeigten Karte zeigt zwei voneinander getrennte Marmorlagen, die durch einen Phyllitrücken getrennt sind. Marmor und Phyllite fallen mit 70 - 80° nach Südwesten ein. Der Phyllitrücken ist bei Röthenbach etwa 60 Meter mächtig, östlich davon nur noch rund 30 Meter. Bei Arzberg ist er überhaupt nicht mehr vorhanden.

      Mehr erfahren

      Tipps

      Volkskundliches Gerätemuseum Bergnersreuth

      Das Museum Bergnersreuth ist ein Freilichtmuseum in einem alten Bauerngehöft. Neben den Dauerausstellungen zu den landwirtschaftlichen Geräten gibt es Abteilungen zur Bodenqualität und -bearbeitung. Original erhalten sind teils die Wohnstuben der ehemaligen Bewohner. Das Museum ist auch Station der GEO-Tour Boden des GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Anschrift: Wunsiedler Str. 14, 95659 Arzberg
      Telefon: (0 92 33) 52 25
      Internet: www.bergnersreuth.de

      Öffnungszeiten:
      Dienstag - Sonntag: jeweils von 10-17 Uhr (Montg geschlossen)

      GEO-Tour Station 16: STEINBERG / Steinhaus Thiersheim
      Humboldt in Steinberg / Steinhaus Thiersheim

      Humboldt, die Kohle und der Vulkan

      Das Steinhaus liegt am Fuße des "Steinberg-Vulkans". Dieser gehört zusammen mit dem "Neuhauser Schloßberg" und dem bereits in Tschechien liegenden "Plattenberg" (Blatná) zu einem vulkanischen "Dreigespann" an der bayerisch-tschechischen Grenze. Zwischen dem Steinberg und dem Plattenberg hat sich die Eger in einem markanten Tal eingetieft.

      Der Steinberg wird von Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit der Suche nach Steinkohlen erwähnt. Der hohe Bedarf an Brennmaterial für das Montanwesen weckte schon vor Humboldts Amtszeit in Franken das Interesse der Bergbehörde an diesem fossilen Energieträger, doch war die Suche danach wohl eher unsystematisch. Humboldt stellt die Kohleprospektion auf neue Füße. Der Fokus lag dabei in den Gebieten zwischen Bayreuth und Kulmbach (Kulmbach/Kessel, Schlemme/Schlämm, Lanzendorf: Lettenkohlen/Keuper), Neustadt am Kulm (Lettenkohlen/Keuper) und in der Umgebung des Steinberges (Tertiär).

      Am 22. Oktober 1794 schreibt Alexander von Humboldt an der Oberbergdepartement in Bayreuth:

      "Da durch einzelne, unvollendete Versuche auf Steinkohlen bisher die Frage, ob wir bauwürdige Flöze im Lande haben, nicht entschieden und viel Geld versplittert worden ist, so hatte ich mich entschlossen, die Sache methodisch anzugreifen.[...] und gab ihm [dem Berggeschworenen Sievert] eine ausführliche Anweisung, alle Punkte, wo nur Sage oder Hofnung auf Steinkohlen wäre, einzeln zu untersuchen und ein Verzeichniß davon anzufertigen. Ich hielt es für ökonomisch wichtig genug, wenn man nur eine sichere Liste solcher Orte niederlegen könnte, wo nicht mehr zu suchen ist, statt dass man sonst immer auf dieselben Punkte zurückkehrt. Ich habe, indem ich dies Verfahren dem Hochl.[öblichen] K[öniglichen O.B. Dep. gehorsamst anzeige, die Ehre, den Anfang der Sieverschen Arbeit in der Anlage einzureichen, weit entfernt indes von der Besorgnis, dass alle Versuche, welche

      bei Culmbach,
      bei Lanzendorf und Schlemme,
      unter den Basalten der Arzberger Refier und vielleicht bei Sulz im Ansbachischen anzustellen sind, gleich fruchtlos sein werden."

      In einem weiteren Schreiben am 19. März 1795 schlägt Humboldt tiefere Bohrungen (20 - 24 Lachter, ca. 40 - 48 m) u.a. "an den Basalten des Wunsiedler Refiers" (am Steinberg) vor. Die Bohrung am Steinberg wird in der Folgezeit auch durchgeführt. Jedoch ohne einen erhofften Erfolg.

      Im Herbst 1796 erreicht Humboldt eine Anfrage des Oberbergdepartements zu einer weiteren Erkundungsbohrung bei Kothigenbibersbach. Humboldt rät davon ab. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut der Briefes Humboldts an das Oberbergdepartement.

      Der Vulkan und der Basalt

      Auch wenn es der Titel unserer Tafel suggeriert, Alexander von Humboldt sah im Steinberg keinen Vulkan. Dass es sich dabei um einen Basaltberg handelte, war ihm bewusst. Das geht aus seinen Briefen ans Oberbergdepartement hervor. Humboldt war während seine Zeit in Franken jedoch noch Anhänger der Lehrmeinung Gottlob Abraham Werners. Dieser war in Deutschland der wichtigste und einflussreichste Vertreter der "Neptunisten". Diese sahen im Basalt ein aus einem Urozean ausgefälltes Gestein, das in keinem Zusammenhang mit Gesteinsschmelzen oder Vulkanen stehen würde. Vulkane waren für die Neptunisten dagegen das Ergebnis im Untergund brennender Kohlelager. Humboldt maß daher dem Basalt des Steinberges keine besondere Bedeutung bei.

      Tipps

      Hutschenreuther Gedenkstein

      Besuchen Sie den Carolus Magnus Hutschenreuther-Gedenkstein. Dieser erinnert an das Auffinden von Kaolin in der Nähe des Steins durch den Begründer der C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg a.d. Eger (1822). Tatsächlich hatte ihm das Kaolin sein Verwandter und späterer Schwiegervater, der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, bei einem Besuch in Hohenberg gezeigt. Hutschenreuther blieb in Hohenberg und richtete 1814 in Räumen der Hohenberger Burg, die ihm Reuß zur Verfügung gestellt hatte, eine Porzellanmalerei ein. Das Jahr 1814 gilt daher auch als Geburtsjahr der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge. In Sichtweise zum Gedenkstein liegt eine ehemalige Farberde-Grube (mit kleiner Infotafel).

      Geotop Heiligenberg

      Über den "Mittelweg" ("M") erreichen Sie das auf der Nordostseite des Steinberges liegende Geotop "Heiligenberg". Dort können Sie die Basalte des Steinberges in anstehenden Felsen sehen. Von hier aus hat man auch eine Aussicht ins Egerer Becken.

      © GEOPARK Bayern-Böhmen

      Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Goldkronach

      Faltblatt „Wandern in Goldkronach“

      Goldkronach: Humboldtweg

      GEOPARK Bayern-Böhmen

      Cesko-Bavorský GEOPARK

      Aufbruch ins Erdinnere

      Tajemstvi zemského nitra

      Alexander von Humboldt war als preußischer Bergbeamter in den Jahren 1792 und 1793 bis 1796 in Goldkronach tätig. Er hat die Fürstenzeche wieder neu aufwältigen lassen, um den Ertrag des Goldbergbaus zu steigern. Auch um den Schutz der Bergleute hat er sich verdient gemacht. Alexander von Humboldt war im gesamten Bergbaurevier von Goldkronach unterwegs. Zu seinen Ehren wurde der Humboldtweg ausgearbeitet und angelegt. 

      Der Lehrpfad führt durch den historisch wichtisgten Teil des Goldkronacher Goldbergbaugebiets. Dabei stehen 38 Tafeln entlang des Humboldtwegs und markieren die einzelnen Bergbaustätten.

      Zu sehen sind unter anderem: Stollenmundlöcher, Halden, 2 Besucherbergwerke, u.a Ausgangs- und Endpunkt dieser Wanderung ist der Wanderparkplatz beim Friedhof Goldkronach. Stationen auf dem Humboldtweg sind unter anderem: – Tag- und Förderschacht Name Gottes / Ritter-St.-Georg – Pngenzug Name Gottes – Oberer, Mittlerer und Unterer Stollen Name Gottes – Schmutzler Stollen – Tannenschacht – Ludwig-Wittmann-Schacht – Pochkanal und Wasserschloss – Schmelz- und Hüttenwerk – Zechenhaus / Bergamt

      Wegstationen
      Station 1: Tag- und Förderschacht Name Gottes/Ritter-St.-Georg.

      Beide Grubenanlagen hatten einen gemeinsamen Schacht, in dem das Erz mit Kübel, Seil und Haspel nach oben zu Tage gefördert wurde. Taubes Gestein wurde vor den Stollenmundlöchern auf Halde gekippt. Der Schacht ist 44 Lachter tief (ca. 88 m).

      Station 2: Pingenzug Name Gottes

      Das Bergwerk „Name Gottes” war die zweitgrößte Grubenanlage am Goldberg. Sie ist mit der des „Ritter-St.-Georg” (10) durchschlägig.

      Station 3: Oberer Stollen Name Gottes
      Station 4: Mittlerer Tagesstollen Name Gottes

      jetzt Besucherbergwerk.

      Station 5: Tiefer Stollen Name Gottes
      Station 6: Mittlerer Schmutzlerstollen

      jetzt Besucherbergwerk

      Station 7: Oberer Schmutzler Stollen

      Schon 1481 wurde dieses Bergwerk unter dem Namen „Smutzler” im Gewerkenbuch erwähnt. Auch dieses Grubengebäude besteht aus 3 Stollen und mehreren Schächten am Hang des Kronachtals. Der untere Stollen ist nicht mehr auffindbar. Der obere Stollen hatte für den Erzabbau keine Bedeutung. Der mittlere Stollen ist 200 Lachter lang (ca. 400 m) und überfährt mehrere „edle” Gänge, den „Unverhofften Glücksgang”, den „Frischen Glücksgang” und den „Knöllergang”. Abgebaut wurden goldhaltige Arsen- und Schwefelkiese bis Anfang des 19. Jahrhunderts.

      Station 8: Schmutzler-Zug
      Station 9: Gaber-Göpelschacht

      Gaber-Göpelschacht ist nur in einer Karte eingezeichnet und könnte hier gewesen sein. Näheres ist noch nicht erforscht.

      Station 10: Ritter-St.-Georg-Zug
      Station 11: Ritter-St.-Georg-Zeche

      Dieses Bergwerk baute auf dem gleichen Gang und zu etwa der gleichen Zeit wie die Grube „Name Gottes” und förderte die gleichen Erze.

      Station 12: Der Ferberschacht

      Der Ferberschacht wurde auf Veranlassung des preussischen Oberbergrats Ferber aus Berlin auf dem Hauptgangzug 1788 abgeteuft. Er ist 22 Lachter tief (ca. 44 m) und wurde auf Anraten von Alexander von Humboldt nicht mehr weiter ab- gesenkt, da nur Pyrit in festem Gestein ansteht. Oberbergrat Ferber, der seit 1786 im preußischen Dienst stand, bereiste 1788 das Fürstentum Bayreuth, also 4 Jahre vor dem Heimfall an Preußen. Der Schacht stellt die obere Begrenzung der „Fürstenzeche” dar. 

      Station 13: Ferberschacht-Rösche

      Ferberschacht-Rösche mit Entwässerungsrinne ist ein niedriger Stollen, durch den das Wasser des Ferberschachtes abgeführt wurde (1790 angelegt). Am 20. Juli 1792 nahm dann Alexander von Humboldt im Rahmen seiner ersten Inspektionsreise die Situation vor Ort in Augenschein. 

      Station 14: Der Obere Tannenschacht

      Der Obere Tannenschacht dürfte das älteste noch sichtbare Relikt im Revier sein. Er gehörte zu der alten „Gold- und Tannenzeche”, die bereits vor der „Fürstenzeche” im 14. Jhr. in Betrieb war. Es ist gut möglich, dass er zu Humboldts Zeiten als Wetterschacht genutzt wurde. 

      Station 15: Rautenkranz-Zeche

      Rautenkranz-Zeche, ebenfalls ein sehr altes Grubengebäude.

      Station 16: Jacobischacht

      Der Jacobischacht hat auch bereits vor Humboldt bestanden, ist 28 Lachter tief (ca. 56 m) und wurde in der Neigung des Gangs abgeteuft. Humboldt wollte diesen Schacht als gemeinsamen Förderschacht für den „Rautenkränzer-” und „Knechtsgang” nutzen.

      Station 17: Oberer Scheibenschacht

      Der Obere Scheibenschacht besitzt eine sehr große Halde und ist bereits auf der Karte von Lazarus Voigtt von 1614 eingezeichnet.  besitzt eine sehr große Halde und ist bereits auf der Karte von Lazarus Voigtt von 1614 eingezeichnet.

      Station 18: Ludwig-Wittmann-Schacht

      Ludwig-Wittmann-Schacht, benannt nach dem Bankier Ludwig Wittmann aus Stuttgart, dem Hauptaktionär der „Fichtelgold AG”. Der Schacht ist 200 m tief und oben mit einer Betonplatte abgedeckt. Er wurde vom 07. April 1921 bis 31. März 1922 abgesenkt. Die Goldquarzgänge wurden auf der 148 m und 193 m Sohle abgebaut. Von dem Pochwerk, der Aufbereitungsanlage, die am 26. Juni 1923 in Betrieb genommen wurde, ist nichts mehr zu sehen. Am 13. Juni 1925 wurde der Bergbaubetrieb stillgelegt. Es fehlten Geldmittel nach Problemen mit der Aufbereitungsanlage und nach einem massiven Wassereinbruch am 01. September 1924 durch den der Grubenbau des Ludwig-Wittmann-Schachts bis auf 80 m „ersoff”! 

      Station 19: Tannenschachthalde

      Tannenschachthalde des gleichnamigen Schachtes ist auch bereits im Voigtt-Plan von 1614 enthalten. Der Tannenschacht war mehrere Jahrhunderte hindurch ein Hauptförderschacht, auch noch unter Alexander von Humboldt. 

      Station 20: Nasses Lichtloch

      Nasses Lichtloch ist ein Wetterschacht aus dem 16. Jh., ebenfalls in der Karte von Lazarus Voigtt enthalten. Das heutige Gebäude wurde in der bayerischen Zeit, im Jahr 1836 errichtet und diente als Schulhaus für die Kinder der Bergleute. 

      Station 21: Schmidten-Schacht-Halde

      Die Schmidten-Schacht-Halde ist aus der Zeit der „Fürstenzeche” und war vor 1614 Hauptförderschacht für Gold- und Antimonerze. Die umfangreiche Halde besteht aus tauben Gestein. Allerdings wurde hier 1981 im Aushub für das Wohnhaus durch den Mineraliensammler Stefan Meier ein neues Mineral – das Brandholzit – entdeckt. 

      Station 22: Pochkanal und Wasserschloss

      Vom Zoppatenbach führte durch die Wiese eine ausgemauerte Wasserrinne. In einem Reservoir wurde das Wasser aufgestaut, um die Anlage des Pochwerks zu betreiben. Humboldt griff in seiner Planung für ein Pochwerk schon 1794 auf diesen bestehenden Kanal zurück. 

      Station 23: Poch- und Waschwerk, Erzsturzplatz

      Das Pochwerk wurde 1852 erbaut. Es diente zum Zerkleinern des gewonnenen Erzmaterials. Ein Modell mit dem Prinzip eines Pochwerks ist im Goldbergbaumuseum ausgestellt. 

      Station 24: Haintzen-Weiberfeind-Schacht

      Der Begriff weist auf die Wasserförderung hin. Beiname „Weiberfeind”: lt. einer Sage mussten die Weiber ihren Männern, den Haspelknechten, das Brot in den Mund schieben, da diese die Haspelkurbel nicht loslassen durften, sonst wären die Bergleute unten ertrunken. Bereits im Plan von Lazarus Voigtt (1614) ist dieser Schacht eingezeichnet. 

      Station 25: Schmelz- und Hüttenwerk

      Das Gebäude wurde auch 1852 errichtet, ebenso ein dahinter liegender Kohlenschuppen. Aus dem Dach der Schmelzhütte ragte früher ein gewaltiger Schlot empor. Während der 20er Jahre des 20. Jh. diente es als E-Werk, als Brandholz noch nicht an das elektrische Fernnetz angeschlossen war. 

      Station 26: Schmidten-Stollen

      Der Schmidten-Stollen ist der älteste Stollen der „Fürstenzeche”, Hauptabbaustrecke in der „goldenen” Zeit des 14. und 15. Jh. 

      Station 27: Schmidten-Weiher

      Der Schmidten-Weiher gehörte zum Bergbau. Er wurde bereits 1562 angelegt und diente als Stauweiher zum Betrieb des unteren Pochwerkes (s. Nr. 33), wenn der Zoppatenbach zu wenig Wasser führte. 

      Station 28: Kaue Unterer Scheibenschacht

      Stammt aus der Zeit des kgl. bayerischen Erzabbaus zu Beginn des 19. Jh. Sie erhielt 1842 einen Glockenturm. (1851 Werkschreinerei, 1853 Schulund Betstube, ab 1856 Steigerwohnung). 

      Station 29: Schmelzhütte / Laboratorium

      Schmelzhütte / Laboratorium gehört ebenfalls in die erste Hälfte des 19. Jh. und steht zusammen mit der Kaue und dem Zechenhaus /Bergamt (s. Nr. 30) auf der ummauerten Halde des „Unteren Scheibenschachtes”. Dieser Schacht entstand bereits Ende des 15. Jh. über dem „Tiefen Fürstenstollen”. Bei Voigtt wird er als Fahr- und Förderschacht bezeichnet. Er ist 30 Lachter (ca. 60 m) tief. Bei der Wiederaufwältigung der Fürstenzeche durch den bayer. Staat 1828 – 1833 war er der wichtigste Schacht für die Förderung von Gold und Antimonit. Die Schmelzhütte wurde mit Schmelzofen und Erzgewölbe gebaut. Ab 1851 war sie Probieranstalt für Erzanalysen. 

      Station 30: Zechenhaus / Bergamt

      Das Gebäude wurde wie die anderen beiden Häuser (s. Nr. 28, 29) nach dem Stadtbrand von Goldkronach 1836 und der Zerstörung des dortigen Zechenhauses auf der großen Schachthalde erbaut. Das eingeschossige Zechenhaus enthielt die Zechenstube, Erzlager und die Steigerwohnung. 1856 wurde der Sitz des Bergamtes Wunsiedel nach Brandholz verlegt und erhielt die Bezeichnung „Königliches Bergamt Wunsiedel in Brandholz”. Es erfolgte die Aufstockung des Gebäudes mit Einbau der Bergmeisterwohnung. 1864 wurde das Bergamt dann nach Bayreuth verlegt mit der Bezeichnung „Königliches Bezirksbergamt Bayreuth”. 

      Station 31: Tiefer Fürstenstollen.

      Im 15. Jh. angelegt, ist er der längste Stollen im Revier (schon 1582 1120 Lachter lang, ca. 2240 m). Er beginnt am Weißen Main in Goldmühl und verläuft unter der Talsohle bis weit in die „Fürstenzeche “ unter Brandholz. Er diente hauptsächlich als Wasserablauf der „Fürstenzeche”, der „Silberrose” und der „Schickung Gottes” auf der anderen Talseite. Erze wurden auch in diesem Stollen transportiert und durch den „Unteren Scheibenschacht” gefördert. Zu Humboldts Zeiten hatte er noch 10 Lichtlöcher! 

      Station 32: Rautenkranz-Stollen

      Er stammt aus der ertragreichen „goldenen” Bergbauepoche. 

      Station 33: Pochwerk am Zoppatenbach

      1562 von Bergmeister und Markscheider Christoph Kunzmann errichtet, nachdem der Betrieb in der „Goldmühle” eingestellt war.

      Station 34: Unverhoffter Segen Gottes

      Hier befand sich früher ein Alaunschieferlager. 

      Station 35: Oberer Stollen Silberne Rose

      Er gehörte zur Spießglanz- Zeche Silberne Rose. 

      Station 36: Spießglanz-Zeche Silberne Rose

      Die Spießglanz-Zeche Silberne Rose war eine Antimongrube, die noch im Jahr 1906 wieder aufgewältigt wurde.

      Station 37: Schwarzer Schacht

      Er gehörte ebenfalls zum Bereich der Zeche Silberne Rose. 

      Station 38: Tiefer Stollen Silberne Rose

      Tiefer Stollen Silberne Rose ist der unterste Stollen der Antimonit-/Spießglanz-Zeche Silberne Rose.

      ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken

      Der in Berlin geborene Naturforscher und Forschungsreisende Alexander von Humboldt (1769-1859) war Universalgenie und Kosmopolit. Seine große Süd- und Mittelamerikareise von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die physische Geographie, Klimatologie und Ozeanographie sehen in Humboldt ihren Begründer. Humboldt entwickelte als einer der ersten unser heutiges Verständnis des Zusammenwirkens der Kräfte in der Natur – die Ökologie, auch wenn der Begriff dafür erst später entstanden ist.  Nicht nur sein Alterswerk, der fünfbändige "Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung" machten ihn weltberühmt.

      Alexander von Humboldt trat 1792, im Alter von 23 Jahren, seinen Dienst für den preußischen König als Bergmeister für Oberfranken an, wo er rastlos von Revier zu Revier reiste und sich um die vielen Gruben und Hüttenwerke der Region kümmerte. In Steben gründete er ohne Wissen seiner Vorgesetzten schon im Folgejahr eine Berufsschule für Bergleute. Zur Verbesserung der Arbeitssituation unter Tage entwickelt er eine Sicherheits-Grubenlampe und eine Atemmaske. Nach dem Tod seiner Mutter Ende 1796 finanziell unabhängig, verlässt er Ende des Jahres den Staatsdienst, um sich ganz der Forschung zu widmen. Ein einmaliges Forscherleben nimmt seine große Fahrt auf.

      Die "GEO-Tour ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" zeigt an verschiedenen Standorten im Fichtelgebirge und im Frankenwald - jeweils Teilregionen der Geoparks Bayern-Böhmen und Schieferland - das Wirken des jungen Bergbeamten ALEXANDER VON HUMBOLDT im Dienste des preußischen Königs zwischen 1792 und 1796.

      An 18 Standorten informieren Schautafeln über jeweils einen Aspekt.

      Hier geht es zu den Stationen der GEO-Tour
      "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" (Tafelstandorte)

      Die GEO-Tour "ALEXANDER VON HUMBOLDT in Oberfranken" ist unter Federführung des GEOPARK Bayern-Böhmen ein Gemeinschaftsprojekt von Geopark Bayern-Böhmen, Geopark Schieferland in Kooperation mit den Städten und Gemeinden Arzberg, Bad Berneck, Bad Steben, Bayreuth, Bischofsgrün, Geroldsgrün, Goldronach, Lichtenberg, Ludwigsstadt, Tettau, Thiersheim und Wunsiedel, unter Mitwirkung der Projektpartner Goldbergbaumuseum Goldkronach und Deutsches SCHIEFERTAFEL-Museum Ludwigsstadt.

      GEO-Tour Station 1: LAUENSTEIN
      Humboldt in Falkenstein

      Humboldt im Amt Lauenstein

      Alexander von Humboldt betritt das zum Bayreuther Fürstentum gehörende Amt Lauenstein am 12. Juli 1792 am Falkenstein. Es ist der Beginn seiner dreiwöchigen "Inspektionsreise" im Auftrag des Ministers Friedrich Anton von Heinitz. Humboldt schreibt:

      Ludwigstadt, den 12. Juli 1792
      Hinter (Probst-)Zella trat ich heute in das Bayreuthische Amt Lauenstein ein. Ein nackter hervorstehender Fels am Falkenstein bezeichnet die Grenze.[...]

      Humboldt besucht zunächst den am Falkenstein liegenden "Stielerschen Hammer". Er hat an diesem jedoch noch ein recht reichhaltiges weiteres Programm: "Müllerscher Kupferhammer" bei Lauenstein, "Dittmarscher Eisenhammer"(heute Unter-Neuhüttendorf) und "Wernershammer" (heute Ober-Neuhüttendorf), ein Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (der heutige Oertelsbruch), die Fuchseisenfabrik, die alte Saigerhütte zu Ludwigsstadt, eine Löffelfabrik und das eingegangene Vitriolwerk in Katzwich bei Ebersdorf und einiges mehr. Humboldt resümiert, dass der Bergbau und das Hüttenwesen im amt Lauenstein eine wichtige Bereicherung für die Krone Preußens sein würde, sobald Streitigkeiten hinsichtlich der Mansfeldischen Lehen (u.a. Kaulsdorf mit dem Roten Berg bei Saalfeld) geklärt sein würden. Dort lagen wichtige Lagerstätten für Eisenstein (Siderit) und Kobalt

      Besonders ausführlich beschreibt Humboldt noch am ersten Abend den Stielerschen Hammer.

      Der Stielersche Hammer

      "Zuerst nahm ich Stielers Hammer am Falkenstein in Augenschein. Er besteht aus dem oberen und unteren Hammer und hat 2 Blauöfen und 2 Frischfeuer. Das Werk, welches, da der Stielersche Konkurs noch schwebt, den Kreditoren gehört, wurde anfangs von dem Berg-Commissair Knieling administriert, und endlich an ihn verpachtet...."

      Humboldt beschreibt, dass Knieling überlege, die Pacht aufzugeben oder das Werk zu kaufen, um es an seinen Sohn zu übergeben und um selbst sich ganz dem Bergbau in Naila zu widmen. Er schildert weiter, dass das in Stielers Hammer als auch in den benachbarten Hammerwerken verschmolzene Eisenerz (Eisenstein) aus Kamsdorf stammt. Im weiteren Verlauf des Berichtes schildert Humboldt ausführlich Bau- und Funktionsweise der Blauöfen, macht Angaben zu den erforderlichen Mengen an Kohlen, Flussmitteln, Erz sowie der Menge an damit gewonnenem Roheisen. Was ist ein Blauofen? Ein Blauofen ist eine Weiterentwicklung des Rennofens und ist bereits eine Entwicklungsstufe hin zu den späteren Hochöfen. Für ihren Betrieb werden bereits durch Wasserkraft angetriebene Blasebläge eingesetzt. Die Bezeichnung "Blauofen" leitet sich vom englischen Ausdruck "blow" (blasen) ab, wobei dies eher eine phonetische Übertragung als eine Übersetzung ist. Humboldt lässt sich ausführlich die Funktionsweise und die Vorteile der Blauöfen erläutern. Humboldt beschreibt auch den Stabhammer: "Ein Stabhammer wiegt hier 310-315 Pfund. Die Geschwindigkeit, welche man hier am vorteilhaftesten hält, maß ich auf 90 Schläge in 1 Minute."

      Falkenstein (Geschichte bis 1945)

      Der Stielers Hammer (auch Schreiders Hammer nach seinem späteren Besitzer) wurde von dem „Oberberg- und Hütteninspekteur“ Stieler 1765 errichtet. Dieser hatte 1757 bereits das Alaun- und Vitriolwerk Katzewich bei Ebersdorf erworben. Zeitweilig pachtete er auch den Wernerschen Hammer. 1766 erbaut Stieler das Blaufeuer, 1768 den Blechhammer und zwei Wohnhäuser. Schon bald gerät Stieler in finanzielle Nöte, das zugesagte Gelder nicht wie erhofft flossen und auch nicht genügend Kohlen zur Verfügung standen.

      1775 (oder 1776) stirb Stieler und das Hammerwerk kommt in Zwangsverwaltung in als Pacht in die Hände des Bergkommissarius Knieling.

      1799 wurd der vom Fröbershammer in Bischofsgrün stammende Ernst Christian Müller neuer Besitzer. Durch Erlass erhält Müller 1801 „Umgeldfreiheit von dem konsumierenden Bier“, worin sich vermutlich die Rechtsgrundlage für die spätere Entwicklung des Eisenhammers zur Brauerei, Gastronomie- und Hotelbetrieb begründet. Aufgrund des Erlasses errichtet Müller ein Brauhüttengebäude. Schon 1821 existiert ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn (bis 1825).

      1809 kauf der vom Schwarzenhammer bei Thierstein stammende Nikol Heinrich Schreiter (Schreider) den gesamten Besitz, bestehend aus den beiden Eisenhämmern, den beiden Wohnhäusern mit Nebengebäuden, das Brauhüttengebäude sowie Grund und Boden). Der Schreiders Hammer erlebt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun seine Blütezeit.

      In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gehen die meisten Eisenhämmer in der Umgebung ein. Der Eisenhammer in Falkenstein hält sich jedoch bis 1875. Mit dessen Ende wird die vorhandene Brauerei mit dem bestehenden Ausflugslokal unter Isidor Schreider ausgebaut. Diese erleben mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Stockheim – Ludwigsstadt – Probstzella – Eichicht 1885 einen enormen Aufschwung. Nach dem Tod von Isidor Schreider 1897 übernimmt dessen Sohn Karl das Anwesen. Brauerei und Ausflugslokal werden zu einem weit nach Bayern und nach Thüringen hinein bekannten Unternehmen und Ausflugsort.

      Falkenstein (Geschichte ab 1945)

      Der Niedergang der "Bayerischen Bierbrauerei Karl Schreider" ist mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelt. Historisch war die alte Landesgrenze Bayern-Thüringen der unter dem Ausflugslokal fließende Steinbach. In einem Grenzabkommen vom 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde der Grenzverlauf neu geregelt, so dass das gesamte Lokal sowie die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone fielen (sogenanntes "Bierdeckelabkommen").

      Aufgrund der Randlage und des fehlenden Absatzmarktes in Thüringen musste der Betrieb der Brauerei 1968 eingestellt werden. 1987 wurde der Gebäudekomplex der Brauerei abgerissen, 1991 die alte Mühle. Der Gaststättenbetrieb wurde verpachtet und noch einige wenige Jahre fortgeführt.

      Nach der Wende erwarb das Ehepaar Lenk das baufällige ehemalige Ausflusgslokal. Heute erstrahlt es als prvat genutztes Wohnhaus als "Villa Falkenstein" in neuem Glanz. Seit 2005 finden hier kulturelle Veranstaltungen stattf.

      Am 12. Juli 2019, am 227. Jahrestag der Ankunft Humboldts in Franken, eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz in der Villa Falkenstein die GEO-Tour Alexander von Humboldt in Oberfranken.

      Tipps

      Steinbach an der Heide

      2,5 Kilometer ostsüdöstlich liegt Steinbach an der Heide, zu dem Falkenstein gehört. Das Dorf liegt hoch über dem Tal der Loquitz in einer Senke und bietet teils weite Fernsichten. Prägend ist die alte erhaltene Dorfstruktur und der in der Ortsmitte gelegene Dorfgarten, der in seiner Art einzigartig ist. Anstelle eines Dorfplatzes bildet dieser das Zentrum des Runddorfes.

      Burg Lauenstein

      Die Burg Lauenstein ist die nördlichste Burg Bayerns. Sie geht in ihrer Anlage bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie wurde 1622 von Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth erworben und war seitdem Sitz des Amtmannes für das Amt Lauenstein. Heute ist die Burg im Besitz des Freistaates Bayern und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

      Thüringer Warte

      Die Thüringer Warte ist ein 26,5 Meter hoher Aussichtsturm auf Gipfel des 678 m hohen Ratzenbergs. Der Turm liegt rund 200 Meter von der thüringisch-bayerischen Landesgrenze entfernt. Im Inneren informiert eine Dauerausstellung über die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Trum wurde 1963 errichtet.

      GEO-Tour Station 2: LUDWIGSSTADT
      Humboldt in Ludwigsstadt

      Humboldt und der Schiefer

      An seinem ersten Tag im Amt Lauenstein, am 12. Juli 1792, besichtigte Alexander von Humboldt auch den Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt. Dieser war damals jedoch nicht in Betrieb. Bei seiner Weiterreise am folgenden Tag in das Stebener Revier besuchte Humboldt die Schieferbrüche bei Lehesten und kam zu dem Schluss, dass die Lehestener Dachschiefer in der gleichen geologischen Formation liegen würden, wie die Ludwigsstädter. Er sah in einer Wiederaufnahme der Ludwiggstäder Brüche großes Potenzial für die wirtschafltiche Entwicklung im Amt Lauenstein. Der Oertelsche Dachschieferbruch gehört heute zu den "100 schönsten Geotopen" von Bayern.

      Der Dachschieferbruch bei Ludwigsstadt (Oertelscher Bruch)

      Der von Alexander von Humboldt bei Ludwigsstadt beschriebene Dachschieferbruch liegt am Edelhof, ca. einen Kilometer westlich von Ludwigsstadt. Nach seinem späteren Besitzer Ernst Oertel wird er heute als "Oertelscher Bruch" bezeichnet - nicht zu verwechseln mit dem Oertelsbruch bei Schmiedebach.

      Eröffnet wurde der Dachschieferbruch 1779 als Dach- und Tafelschieferbruch. Der dortige Schiefer ist von guter Qualität, d.h., er spaltet gut und ist aufgrund eines nur geringen Pyrit-Gehaltes nicht "nägelfressend". Allerdings wurde der Abbau dadurch erschwert, dass die abbauwürdigen Lager in den Berg einfallen und daher große Abbraummengen anfielen. Ein Untertage-Abbau war zur damaligen Zeit - auch später als Eugen Oertel den Bruch erwarb - technisch noch nicht möglich. Humboldt hatte daher die Anlage eines neuen Bruches in einem anderen Tal vorgeschlagen. Aufgrund der Schierigkeiten beim Abbau erwarb Eugen Oertel verschiedene kleinere Brüche zwischen Lehesten und Schmiedebach (ebenfalls in der Folge als "Oertelscher Bruch" bezeichnet. Dieser entwickelte sich zur Wende des 19./20. Jahrhunderts zum größten Schieferbruch des europäischen Kontinentes.

      Humboldt und sein Einsatz für den Ludwigsstädter Schiefer

      Alexander von Humboldt sah in einer Wiederbelebung des Ludwigsstädter Schieferabbaus eine Möglichkeit, den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens im Amt Lauenstein zu verbessern. Dies geht nicht nur aus seinem Befahrungsbericht von 1792/1793 hervor, sondern auch aus Dokumenten "den Betrieb des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt betreffend, 1794 - 1802". In einem Schreiben vom 10. März 1794 an den König bittet Humboldt um ein Darlehn von 50 Gulden, um mit einer neuen Gewerkschaft den Bruch wiederzuleben. Darin heißt es:

      Kaulsdorf auf Nailaer Revier den 10. März 1794
      Der Oberbergmeister v. Humboldt bittet allerunterthänigst um ein Darlehen von Fünfzig Gulden zur Aufnahme des Dachschieferbruches bey Ludwigstadt.

      Euer K.M. habe ich gewagt schon mehrmals den traurigen und nahrungslosen Zustand des Amtes Lauenstein allerunterthänigst vorzustellen. Von der Natur stiefmütterlich behandelt, unfähig sein eigenes Bedürfen an Korn und Fleisch zu befriedigen, kann es sich durch die Industrie seiner Bewohner doch kaum vor der Furcht einer allmäligen Verarmung sichern.

      [...] Bey solchen Verhältnißen habe ich es mir zur Pflicht gemacht, solange mir die Direktion des Bergbaues in hiesigen Fürstenthümern anvertraut ist, wenigstens von meiner Seite alle Mittel aufzubieten, welche den Wohlstand der dürftigen, aber arbeitssamen hiesigen Volksklaße vermehren kann. [...] In der Nähe der Stadt Ludwigstadt wurde ehemals ein Dachschieferbruch betrieben, der einen dünnen, nicht Nägel freßenden sehr tauglichen Schiefer lieferte [...] und ein ansehnliches Gewerbe veranlaßte.

      [...] Die widrigen natürlichen Verhältnisse des Bruchs / da die Schiefer ausfallen / mehr aber noch die völlige incuria der Nailaer Bergbeamten waren daran Schuld, daß die Gewerken ihr Unternehmen mit einem ansehnlichen Verluste aufgaben.

      [...] Das Dekken mit Schindeln ist strenge verboten, Thon zu tauglichen Ziegeln ist nicht vorhanden und das Lehestener und Wurzbacher Produkt steigt bei abnehmender Güte jährlich im Preise, Ursache genung um zu dem Ludwigstädter Schieferbruch zurückzukehren!

      Der Amtmann Fränkel zu Lauenstein, dessen unbegrenzte Thätigkeit und dessen Verdienst um den zunehmenden Gewerbefleiß der Unterthanen E.K.M. hinlänglich bekannt sind, will daher seinen bisherigen Verlust von ein paar Hundert Gulden gern verschmerzen, und mit einer neuen Gewerkschaft zusammentreten. Diese neue Gewerkschaft von dem Bergamte geleitet bedarf aber mäßig angeschlagen, eines Vorschußes von 150 fl. zur Aufnahme des Schieferbruchs.

      Der kleine Fond an Bergbau-Hilfsgeldern der Nailaer Revier, von denen der Fried. Wilhelm Erbst.[ollen], die Königszeche betrieben werden soll, macht es mir unmöglich, mehr als 100 fl. für Schieferbrüche zusammenzubringen. 50 fl. denke ich aus dem Stücketat bis 1. Jan. 1794 und 50 fl. aus dem Etat 1794/5 zu bringen.

      Darf ich es daher wagen E.K.M. noch um einen Zuschuß von fünfzig Gulden extra aus dem fond ad extraortinaria [Sonderfond] aller unterthänigst zu bitten.

      Wird unser Unternehmen begünstigt, so wird die neue Gewerkschaft die 50 fl. in der Folge, doch unverzinst, herausgeben.

      Kaulsdorf, d. 10. März 1794
      A. v. Humboldt"

      1798 wird der Abbau aufgrund der widrigen Abbauverhältnisse jedoch an anderer Stelle fortgesetzt. Diese liegt im Bereich der kleinen Baumgruppe links der heutigen Skilift-Trasse auf dem Anwesen Rosengasse 13. Da dieses Schieferlage jedoch bereits einer höheren geologischen Stufe im Kulm angehört und nicht so mächtig wie die Lehesten Vorkommen ist, wurde der Abbau hier auch bald wieder eingestellt.

      Auch am Eisenberg liegen heute größere ehemalige Dachschiefergruben (u.a. Ferdinand- und Liebesbruch). Diese wurden um 1830 in Betrieb genommen. Die abgebauten Schiefer gehören der gleichen geologischen Formation wie die Lehestener Schiefer an.

      Tipps

      Deutsches Schiefertafelmuseum Ludwigsstadt

      Ludwigsstadt war eines der Zentren der Schiefertafel-Fabrikation in Deutschland. Daran erinnert das 1981 Gründung zunächst in Steinbach an der Heide gegründete Museum, das sich seit 1993 in einem ehemaligen Fabrikgebäude direkt an der B 85 in Ludwigsstadt befindet. Zur Zeit gibt es die folgenden Dauerausstellungen: Geologie im Raum Ludwigsstadt und Thüringen, Geschichtliches zum Schieferbergbau, Arbeit im Schieferbruch, Arbeit in den Spalthütten, Schiefertafel- und Schiefergriffelherstellung, Wetzsteingewinnung aus Schiefer, Schieferwerksteine und elektrotechnische Isolierplatten aus Schiefer, Grabsteine und Kunstgewerbeartikel aus Schiefer, Schiefer als Rohstoff für die Industrie, Schieferdeckhandwerk, Sozialgeschichte der Schieferindustrie.

      Internet: www.schiefermuseum.de

      Geotop: Dachschieferbruch Oertelsbruch am Trogenbach

      Das Geotop gehört zu den "100 schönsten Geotopen in Bayern". Lesen Sie Informationen hierzu auf den Internetseiten des Landesamtes für Umwelt hier.

       

      Schieferpark Lehesten

      Der Thüringische Schieferpark Lehesten ist ein historischer Schiefertagebau und ein technisches Denkmal mit einer Fläche von etwa 105 Hektar. Dort wurde zunächst in mehreren kleineren Brüchen seit etwa 1300 Schiefer abgebaut. Der sogenannte "Staatsbruch" war bis 1999 im Abbau. Dieser war einst einer der größten Schieferabbaue Europas, der seit 1920 staatlich betrieben wurde. Hier arbeiteten zeitweilig bis zu 2.500 Beschäftigte. Seit 2001 ist der "Staatsbruch" Naturschutzgebiet. Nach Beendigung des Schieferabbaus 1999 gründete die Vereinigte Thüringer Schiefergruben GmbH den heutigen Schieferpark Lehesten als Technisches Denkmal. Angeboten werden Hotel- und Ferienwohnungen, Führungen durch die denkmalgeschützten Industriegebäude sowie Vorführungen des historischen Schieferabbaus und die Bearbeitung des Schiefers. Ein Teil des Geländes ist jederzeit frei zugänglich. Mit Geopfad "Historischer Schieferabbau in Lehesten".

      GEO-Tour Station 3: TETTAU
      Humboldt in Tettau

      Humboldt und das Porzellan

      Die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik Tettau feierte 1994 ihr 200jähriges Bestehen, doch endete die Produktion nach 225 Jahren Ende Mai 2019. Die Gründung der Porzellanfabrik wurde durch ein positives Gutachten Alexander von Humboldts ermöglicht. Humboldt sah nach dem Eingehen der meisten Eisenhämmer im Tettautal in der Porzellanfabrik eine neue Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung. Die Concession zur Errichtung einer ächten Porzellain-Fabrik" hatten im Oktober 1793 der Porzellanfabrikant Georg Christian Friedmann Greiner und der Kaufmann Johann Friedrich Paul Schmidt gestellt. Der Lauensteiner Amtmann Johann Valentin Fränkel sowie der dafür zuständige Minister Freiherr von Hardenberg standen dem Antrag wohlwollend gegenüber, forderten jedoch Alexander von Humboldt zu einer Stellungnahme auf.

      Das von Humboldt erstellte Gutachten ist heute nicht mehr erhalten. Lediglich ein Schreiben vom 9. April 1794 existiert, in dem Humboldt die Kgl. Oberforstmeisterei Lichtenberg auffordert, die Zuteilung der erforderlichen Brennholzmengen für die Porzellanfarik zu genehmigen. Dies war eine der grundlegenden Voraussetzungen, damit die Porzellanfabrik ihren Betrieb aufnehmen konnte.

      Die Gründung einer neuen Porzellanfabrik in Tettau wird jedoch nicht von allen Seiten positiv gesehen. So versuchen sechs Glasmeister von Alexanderhütte mit Eingaben an die Kammer in Bayreuth diese zu verhindern. Die Glasmeister hatten 1785 die Konzession zum Bau einer Glasfabrik auf dem "Oberen Hammer" erhalten. Doch hatten zwischenzeitlich Schmidt und Greiner das ehemalige Thünaische Jagdschloss neben der Tettauer Kirche erworben und darin mit dem Aufbau der Porzellanfabrik begonnen. Am 28. Dezember 1794 wurde ihnen vom preußischen König die Konzession erteilt.

      Vom Jagdschloss zur Porzellanfabrik

      Das ehemalige Jagdschloss und ein inzwischen errichtetes Fabrikgebäude brannten 1897 nieder. Vom einstigen Jagdschloss ist nur noch der Eingang zu den Kellerräumen zu sehen, der sich unmittelbar neben der GEO-Tour-Infotafel befindet.

      Die Porzellanfabrik blieb bis 1852 im Besitz der Familie Greiner. Danach wechselte das Unternehmen mehrmals den Eigentümer. Ab 1897 bis 1915 führt es die Bezeichnung Porzellanfabrik Tettau, vorm. Sontag & Söhne GmbH geführt. Zwischen 1899 bis 1901 entstehen auch neue Fabrikgebäude. 1915 wird das Porzellanunternehmen eine Aktiengesellschaft, 1957 eine GmbH innerhalb der Firmengruppe Seltmann Weiden.

      Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Porzellanfabrik rund 200, während des 20. Jahrhunderts bis zu 600 Mitarbeiter. 2010 waren noch über 100 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Dekore von Königlich Tettau stammen selbst von Künstler wie Paul Klee, Franz Marc und August Macke.

      Tipps

      Tropenhaus "Klein Eden" am Rennsteig

      Das Tropenhaus "Klein Eden" ist eine Forschungs- und Aufzuchtstation mit exotischen Früchten und tropischen Speisefischen in Bio-Qualität. Auf einer Fläche von 3.500 m2 ist es auch ein Referenzprojekt für energieeffiziente Abwärmenutzung im Niedrigtemperaturbereich. Im Bereich der Forschung beschäftigt man sich insbesondere mit der Frage, welche tropischen Nutzpflanzen sich für den Anbau und die Produktion unter Glas in Mitteleuropa eigenen und wie sich Wachstums- und Produktionsprozesse für biologische Nahrungsmittel standardisieren und optimieren lassen.

      Besucherhaus und Sonderausstellungen lassen sich individuell besuchen, das Forschungshaus inklusive der Technik und Fischzucht sind jedoch nur im Rahmen von Führungen möglich. Bitte informieren Sie sich über die entsprechende Internetseite der Einrichtung.

      Europäisches Flakonglasmuseum Kleintettau

      Der Geschichte der Glasherstellung, der Ansiedlung der Glasmacher in Kleintettau mit Gründung der Dorfglashütte und der Herstellung von Flakonglas- und gefäßen widmet sich das Europäische Flakonglasmuseum.

      Internet: www.glasbewahrer.de

      GEO-Tour Station 4: SCHAUBERG
      Humboldt in Schauberg

      Humboldt macht "Blau"

      Die Blaufarbenfabrik Schauberg wurde bereits 1712 gegründet und war lange prägend für die Geschichte des Ortes. 1770 wird Christoph Samuel Pensel als Eigentümer genannt, so dass in späteren Schriften auch von der "Penzelschen Fabrik" die Rede ist.

      Im "Fränkischen Archiv" wird 1790 über diese wie folgt berichtet:

      Diese Fabrik ist nicht nur die einzige ihrer Art in den Brandenburgischen Landen in Franken, sondern auch eine der imposantesten derselben, idem sie bey gehörigem ordentlichen Betrieb und Absatz der blauen Farben oder Schmalten bey 40 000 fl. jährlich umsetzen kann. [...]

      Die ohnlängst eingetrettene Acquisition des Rittergutes Kaulsdorff zur Lehens-Curie des Hochfürstlichen Brandenburgischen Hauses, kan dieser Blaufarbenfabrik einen schwunghafteren Betrieb geben, da auf dem Kaulsdorfer Bezirk die vortreflichsten Koboldtanbrüche sowol von der Chursächsischen Bergamtsrevier Großcamsdorff, als von dem Saalfeldischen sogenannten rothen Berg dahin streichen, und der Centner Koboldt erst vor 3 jahren zu 60 Rthl. verkauft worden ist. Da auch ausserdeme der regierende Markgraf zu Auffindung eines tauglichen Koboldts in den hiesigen Landen, einen Preiß von 100 Dukaten ausgesetzt hat, und auch würklich schon seitdeme verschiedene Anbrüche davon sowol in der Nailaer als Wonsiedler Bergamtsrevier erschürfft worden sind: so läßt sich vermuthen, daß diese Fabrik aus Mangel an Koboldten niemals kalt stehen darf.

      Die Fabrik braucht jährlich 700 - 800 Klafter Holz und kann mehr als 2 000 Centner Farbe oder Schmalten machen, die meistens nach Ohlland auf dem Main und Rhein gehen."

      Lesen Sie hier den vollständigen Text aus der genannten Schrift.

      Mit dem Übergang der fränkischen Fürstentümer an das preußische Königshaus wurde auch die Blaufarbenfabrik Schauberg für Preußen interessant. Aus Mangel an Kobalt stand das Werk 1792 jedoch still. Erst nach Beilegung des Jahre lang schwelenden Konflikes um die Kobalterze vom Roten Berg bei Kamsdorf/Kaulsdorf konnte das Penzelsche Blaufarbenwerk wieder in Betrieb gehen.

      Was ist Schmalte bzw. Smalte?

      Smalte ist ein durch Kobaltoxid blau gefärbtes Kalium-Silikatglas (CoO – K2O – SiO2). Das Kobalt-Erz aus Kaulsdorf war der sogenannte „schwarze Erdkobalt“ (Asbolan), ein Co-Mn-Erz, das zur rosafarbenen „Kobaltblüte“ (Erythrin) verwittert. Die Mischung aus Kobalterz, Quarzsand und Pottasche ergibt im Schmelzofen das blaue Farbglas. Im erkalteten Zustand fein vermahlen, wird dieses Glas zur Smalte.

      Smalte war zur damaligen Zeit ein begehrtes Farbpigment zur Herstellung blauer Porzellandekore und zum Färben von Gläsern.

      Vom Blaufarbenwerk zur heutigen Keramik-Fabrik

      Mitte 1815 beginnt Friedrich Pensel mit der Produktion von Porzellan und Fayencen in Schauberg. Ende 1816 erwerben die Brüder Balthasar und Friedemann Greiner aus Tettau das Werk und stellen 1817 endgültig auf die Porzellanfabrikation um. Nach mehreren Besitzerwechseln übernimmt der aus dem Sudetenland stammende Porzellanfabrikant Richard Rösler 1948 den Betrieb. Seitdem wird es als Unternehmen Rösler Porzellan und Keramik GmbH & Co. KG bzw. als Rösler Ceramtec GmbH bis heute fortgeführt.

      Tipps

      Rösler Ceramtec GmbH

      Werksverkauf:
      Montag bis Donnerstag von 07:00 - 15:00 Uhr
      Freitag von 07:00 - 12:00 Uhr

      Betriebsführungen für Reisegruppen gegen Voranmeldung

      GEO-Tour Station 5: LICHTENBERG
      Humboldt in Lichtenberg

      Humboldt zieht Bilanz

      Lichtenberg liegt zu Zeiten Humboldts im Bergamt (Revier) Naila. Es ist Humboldts "Sorgenkind". Der Bergbau liegt schon seit Jahrzehnten darnieder, viele Lagerstätten sind nahezu erschöpft. Trotzdem gelingt es Humboldt, einige Bergwerke wieder rentabel zu machen. Hier in Lichtenberg soll u.a. der Bau des rund einen Kilometer langen Friedrich-Wilhelm-Stollens die Lichtenberger Friedensgrube entwässern. Die Pläne dazu waren schon älter und stammen von Christian Ernst Trommler, früherer Bergrath im Revier Naila (siehe unten).

      Schon zu Beginn des Jahres 1795 erwägt Alexander von Humboldt, den preußischen Staatsdienst zu verlassen. Am 27. Februar kündigt er in einem Schreiben an Minister von Heinitz an, dass er seine derzeitige Lage verändern wolle und im Begriff sei "fast alle öffentliche Verhältnisse aufzugeben". Als Heinitz darauf nicht reagierte (offensichtlich erreichte diesen das Schreiben erst verspätet), schrieb Humboldt an den preußischen König selbst und bat diesen um Entlassung aus seinem Dienstverhältnis. Unter diesem Eindruck verfasst Humboldt am 28. April 1795 während seiner Generalbefahrung des Reviers Naila seinen Befahrungsbericht. Dieser fällt sehr ausführlich aus, da Humboldt ihn bereits als Übergabebericht für seinen Nachfolger verfasst. Er legt in diesem dar, welche wichtigen Maßnahmen er in diesem Revier durchgeführt bzw. in die Wege geleitet hat, charakterisiert seine Mitarbeiter und gibt seinem Nachfolger Hinweise für das weitere Vorgehen.

      Lesen Sie hier den Beginn des Generalberichtes von 1795.

      Humboldt gliedert seinen Bericht wie folgt:

      Durch Anklicken der fett geschriebenen Begriff öffen Sie eine ausführliche Kommentierung von Humboldts Texten in einem separaten Fenster. Die Einträge werden erst nach und nach gefüllt.

      Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde 1793 von Alexander von Humboldt als Erbstollen projektiert und 1794 in Angriff genommen. Erbstollen bedeutet, dass der Stollen der Entwässerung vornehmlich der Friedensgrube in Lichtenberg dienen sollte. Humboldt verfolgte dabei aber auch das Ziel, weitere Erzvorkommen zu erschließen. Andererseits wird vermutet, dass Humboldt bereits mit der langen Bauzeit für den Stollen gerechnet haben soll und in diesem vor allem auch eine lange „Arbeitsplatzgarantie“ für die Bergleute gesehen haben könnte. Fertiggestellt wurde der Stollen unter erheblichem finanziellem Aufwand erst im Jahr 1831 nach einer Bauzeit von 38 Jahren. Der Vortrieb des Stollens wurde jedoch mehrmals unterbrochen.

      Der Stollen wurde sehr aufwändig aufgefahren, so ist er für die damalige Zeit ungewöhnlich breit ("dass zwei Männer bequem nebeneinander gehen können"1) und hoch ("mehr als Mannshöhe" 1; 2,50 Meter). Angeblich soll an einen Abtransport von Gestein und Erzen mit Booten gedacht worden sein.

      Im Frühjahr 1795 ist der Stollen bereits „"volle 60 Lr. [Lachter]"(ca. 120 Meter) weit vorgetrieben, so Humboldt in seinem Generalbericht. Doch geht danach der Bau nur schleppend voran, da sich das zu durchfahrene Gestein als überaus widerstandsfähig erweist. 1808 erreicht der Stollen eine Länge von rund 700 Metern. Zum Jahresende stellte man den Vortrieb jedoch zunächst ein, da die Rentabilität im Hinblick auf die fast gänzlich abgebaute Friedensgrube nicht mehr gegeben zu sein schien. Spätestens 1819 scheint es mit dem Bau des Stollens weitergegangen zu sein. Am Ende hatte der Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Länge von 975 Metern erreicht.

      Bereits während des Baus des Friedrich-Wilhelm-Stollens wurden mehrere Erzgänge (Eisen, Kupfer) durchquert. Mit deren Abbau begann man jedoch erst nach Fertigstellung des Abbaus. Es wurden folgende Gangzonen angefahren (Quelle: mineralienatlas.de):

      • bei 309,5 Meter - Gang Nr. I (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 321 Meter - Gang II (Pyrit/Schwefelkies, Quarz), 60- 90 cm mächtig
      • bei 435,5 Meter - Gang Nr. III (wenig Kupferkies in Kalkspat, Quarz), 46 cm
      • bei 592 Meter - Gang IV (derber Kupferkies, Quarz und Kalkspat), bis 15 cm mächtig
      • bei 627 Meter - Gang V („Gang Eleonore“; Kupferkies, Kalkspat, Quarz), 18 bis ? 52 cm mächtig.

      Auf der Strecke zwischen 628 und 743 Metern werden weitere vier Gänge angefahren, die jedoch alle sehr geringmächtig und kaum erzführend sind. Nach 968,5 Metern wird bereits im Bereich der Friedensgrube der "Friedensgruber Gang" (Gang X) angefahren, der hier jedoch nur als Kalkspat-führende Kluft entwickelt ist. Über den "Kotzauer Schacht" und einen Querschlag wird ein Zugang zur 37 Meter über der Sohle des Friedrich-Wilhelm-Schachtes zum Friedensgrubener Gang geschaffen.

      Der Betrieb des Friedrich-Wilhelm-Stollens währt nur bis 1857. Erst rund 100 Jahre später wird er für den Abbau von Flussspat für nochmals rund zehn Jahre in Betrieb genommen.

      Das Besucher-Bergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen

      Der Friedrich-Wilhelm-Stollen ist seit 1995 als Besucherstollen auf gut 200 Metern Länge wieder begehbar. Danach verhindert ein Verbruch das Weiterkommen, doch arbeitet der das Besucher-Bergwerk betreibende Förderverein daran, weitere Streckenabschnitte begehbar zu machen. Zumindest ist ein Durchbruch zum hinteren Teil des Stollens bereits erfolgt.

      Das ehemalige Zechenhaus dient bereits seit Schließung des Bergwerkes 1857 bis heute als Gaststätte. Webseite zum Besucher-Bergwerk: www.friedrich-wilhelm-stollen.de

      Tipps

      Infostelle Naturpark Frankenwald

      Die Infostelle des Naturparks Frankenwald befindet sich im alten Bahnhofsgebäude Blechschmidtenhammer, nur wenige Meter vom Besucher-Bergwerk bzw. der GEO-Tour-Tafel entfernt. Dort erhalten Sie nicht nur Informationen zum Naturpark, sondern auch zum Geopark Schieferland.

      Webseite: www.frankenwald-tourismus.de

      Naturlehrpfad Höllental

      Rundweg von ca. 5 Kilometern Länge durch das wildromantische Höllental vorbei an Bergbaurelikten (z.B. Rebecca-Stollen), sehenswerten Felsen und zur Quelle des Höllensprudels in Hölle. Start ist am Naturpark-Infozentrum.

      GEO-Tour Station 6: BAD STEBEN
      Humboldt in Bad Steben

      Humboldt macht Schule

      Am 8. Juni 1832 wurde Steben der Titel "Königlich Bayerisches Staatsbad" verliehen und trägt seitdem den Namen Bad Steben. Bedeutung hatte Steben zuvor als Zentrum des Bergbaus im Frankenwald. Bad Steben ist ein günstiger Ausgangsort für Entdeckungen auf Alexander von Humboldts Spuren im Revier Naila.

      Steben war während seiner fränkischen Zeit für Humboldt mehr als "nur" ein Aufenthaltsort, in dem er sich bei seiner Anwesenheit im Bergamt Naila häufig aufhielt:

      Steben hat einen so wesentlichen Einfluss auf meine Denkart gehabt, ich habe so große Pläne dort geschmiedet, mich dort so meinen Gefühlen überlassen, [...] war dort besonders im Winter 1794 und Herbst 93 in so einem immerwährenden Zustand der Spannung, dass ich des Abends nie die Bauernhäuser am Spitzberg in Nebel gehüllt und einzeln erleuchtet sehen konnte, ohne mich der Tränen zu enthalten. Diesseits des Meeres finde ich mir so einen Ort nicht wieder!"

      Brief Alexander von Humboldts an Karl Freiesleben, 14. Dezember 1795

      Der Name Steben ist vor allem mit der Einrichtung der Bergschule im November 1793 verbunden. Sie ist eine der ersten Berufsschulen überhaupt. Vorbild war für Humboldt die bereits 1777 in Freiberg in Sachsen gegründete Bergschule. Im Gegensatz zur dortigen Schule, die insbesondere der Ausbildung des gehobenen Führungspersonals im Bergbau diente, stand die Bergschule Steben allen Bergleuten offen bzw. allen Jungen, die den Beruf eines Bergmannes erlernen wollten.

      Zu den Sehenswürdigkeiten in Bad Steben mit Bezug zu Alexander von Humboldt gehören:

      • "Humboldt-Haus" in der Badstraße 2 (Privatbesitz, daher keine Besichtigung)
      • Rathaus (ehemaliges Schulhaus)
      • "Altes Bergamt" (seit 1966 allerdings nur das Nachfolgehaus mit Hotel "Altes Bergamt")
      • Humboldt-Büste im Kurpark
      • Kurpark mit ehemals elf Bergwerken
      • Erzrevier Obere Mordlau.

       

      Humboldt-Haus (Badstraße 2)

      Das 1781 erbaute "Humboldt-Haus" ist heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Es wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert, ist als Privathaus jedoch nicht öffentlich zugänglich. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel an die Anwesenheit Alexander von Humboldts in den Jahren 1792 bis 1795 in diesem Hause. Die Tafel wurde anlässlich des 100. Todestages Humboldts gestiftet. Das Gebäude war ursprünglich das markgräfliche Jagdhaus. Erbauen ließ es der markgräfliche Wildmeiser Johann Leonhard Och, dessen Initialien sich über der Eingangstür finden.

      Ehemaliges Bergamt (Badstraße 6)

      Das Gebäude des einstigen Bergamtes besteht heute nicht mehr. Es wurde 1966 abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Der Name des nicht mehr bewirtschafteten Hotels "Zum alten Bergamt" erinnert noch daran. Erbaut wurde das Haus als erstes staatliches Kurhotel ("Bade- und Traiteurhaus") 1784 auf Veranlassung des Landeshauptmannes Philipp Ludwig von Weiterhausen. Das Gebäude wird tatsächlich nicht genutzt und steht jahrelang leer, da für die Aufnahme begüterter Gäste Stallungen nicht vorhanden sind und den Pächtern die Viehhaltung untersagt wird. 1796 zog in das Gebäude das Bergamt ein und 1806 wird auch die Bergschule aus dem heute als Rathaus genutzten Haus hierher verlegt.

      Humboldt-Büste (Kurpark in Richtung Badstraße)

      Die im Kurpark aufgestellte Büste von Alexander von Humboldt stammt von den Steinmetzen Uli und Michael Baumgärtel aus Schwarzenberg im Erzgebirge. Diese schufen die Büste im Jahr 2007 im Rahmen des 1. Internationalen Biedermeiertreffens im Bad Stebener Kurpark vor den Augen zahlreicher Zuschauer. Gestiftet wurde die Büste durch private Sponsoren anlässlich des "175-jährigen Jubiläums Staatsbad Bad Steben" in Erinnerung an den wohl bekanntesten Bewohner des Ortes. Die Idee dazu hatte der ortsansässige Geschichtsverein.

      Die Büste zeigt den Kopf Alexander von Humboldts, ruhend auf drei Bänden seines berühmten Werkes "Kosmos". Als Naturwerkstein wurde ein Sandstein verwendet ("Buntsandstein").

      Rathaus/ehemals Bergschule (Hauptstraße 2)

      Das Gebäude des heutigen Rathauses hat eine wahrlich umfangreiche Geschichte. Wann es erbaut worden ist, ist nicht bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts wohnte hier der "Berggeschworene", also ein Beamter des Bergamtes, dem die Aufsicht über den Bergbau in einem Teil des Bergamtsbezirkes oblag. Im November 1793 eröffnete in diesem Gebäude Alexander von Humboldt die Bergschule - dies ohne das Wissen seiner Vorgesetzten. Erst mit seinem "Pro Memoria" vom 13. März 1794 meldet er dem Oberbergdepartement in Bayreuth die Gründung der Schule. Als Lehrer setzt Humboldt den Berggeschworenen Georg Heinrich Spörl ein. Dieser unterrichtet die Jungen ab 12 Jahren in seinem Zimmer, einem großen hellen Raum, das vermutlich im Südteil des Gebäudes lag.

      Die Bergschule zog 1806 in das leerstehende "Bade- und Traiteurhaus" in der Badstraße um. 1823 wurde in dem nun frei gewordenen Gebäude durch den Berggeschworenen Spörl und den Landphysikus die ersten Moorbäder in Steben verabreicht. Vermutlich wurden die Moorbäder im heutigen Ratskeller verabreicht, dies bis zur Fertigstellung des "Klenzebaus" im Jahr 1838.

      1856 wurde das Anwesen mitsamt dem Gebäude verkauft und als Fabrikgebäude des Appels Spielwaren-Unternehmens verwendet. Nach Schließung der Fabrik diente das Gebäude als Wohnhaus, die Ratskeller als Freibank zum Verkauf des Fleisches von notgeschlachtetem Vieh. 1928 erwarb die Gemeinde das Haus und baute es zum Rathaus um.

      Der "Gesundbrunnen zu Steben" / Das Staatsbad Bad Steben

      Zu Zeiten Humboldts waren die Stebener Quellen bereits bekannt. Schon 1690 erschien ein erster wissenschaftlicher Bericht von dem Hof- und Stadtmedikus Gottfried von Stein. 1784 wurde ein erstes Badehaus errichtet, das "Bade- und Traiteurhaus", in dem 1806 das Bergamt Steben untergebracht wurde. Der Badebetrieb entwickelte sich vor allem mit dem Verkauf der Stebener Quellen für 600 Gulden an das Königreich Bayern 1832. König Ludwig I. (1825-1848) befasste sich höchstpersönlich mit den Plänen für einen Ausbau der Kuranlagen. 1838 wird das erste Kurhaus, errichtet nach den Bauplänen des König Ludwigs Hofarchitekten Leo von Klenze, eröffnet. In diesem findet sich heute die Touristinformation sowie die Trinkhalle.

      Eine Beziehung des Stebener Quellen zu Alexander von Humboldt gibt es nur sehr indirekt. Der von ihm eingestellte erste Lehrer an der Bergschule, der Berggeschworene Georg Heinrich Spörl (1764-1830), war später für den "Gesundbrunnen zu Steben" verantwortlich. Von ihm stammt u.a. auch eine im Jahr 1810 erschienene Beschreibung der Quellen mit einem Rückblick auf deren Geschichte. Das Titelblatt weist ihn als "Berggeschworenen und ersten Lehrer an derKöniglich freien Bergschule zu Steben" aus. Finden Sie das Buch von Georg Heinrich Spörl im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek digital hier.

      GEO-Tour Station 7: GEROLDGSGRÜN
      Humboldt in Geroldsgrün

      Humboldt und der "Alte Mann"

      Ein "Alter Mann" ist im Bergbau der Teil eines Bergwerkes, der schon in einer früheren Phase des Bergbaus abgebaut wurde. Oft wurden die alten Abbaue verfüllt oder sich selbst überlassen, so dass sie verstürzten, unzugänglich und vergessen wurden. Dies birgt dann große Gefahren für die späteren Bergleute.

      Im Sommer 1793 - nur kurze Zeit nach dem Dienstantritt Humboldts im Oberbergdepartement in Bayreuth - ereignete sich im Bergwerk "Friedlicher Vertrag" bei Geroldsgrün ein Grubenunglück im Zusammenhang mit dem Einbruch eines älteren, unbekannten Stollens. Dieser mit Wasser geflutete Stollen war durch einen neuen Stollen unterfahren worden, so dass der ältere Stollen einbrach und den darunterliegenden mit Unmengen an Wasser und Schlamm flutete. Humboldt eilte umgehend von Kaulsdorf zum Unglücksort. Gottseidank geschah der Gebirgsbruch in der Nacht, so dass niemand zu Schaden kam.

      Humboldts Besuch des alten Bergbaus bei Dürrenwaid 1792

      Alexander von Humboldt besucht das alte Bergbaugebiet um Dürrenwaid bei Geroldsgrün im Rahmen seiner Inspektionsreise 1792 am 16. Juli. In seinem einleitenden Text erwähnt Humboldt, dass es um Dürrenwaid vier Roteisensteingruben (Siderit) gibt: "Vogel Strauß", "Bergmännisch Glück auf", "Glück halt an" und "Frisch Glück".

      "Den heutigen Tag wandte ich an, um die roten Eisensteingruben zu befahren und die Spuren des alten Bergbaus bei Dürrenwaid p. zu besichtigen."

      Wie an den Tagen zuvor ist Humboldts Programm wieder reichlich. Er besucht die folgenden Bergwerke und Gruben (vgl. Lage in der nebenstehenden Karte im Bayernatlas):

      • Vogel Strauß Fdgr.
      • Friedlicher Vertrag Fdgr.
      • Schwarzer Mohr Erbst.
      • Gevattergraben
      • Hoher Ofen zu Marxgrün

      Die Beschreibungen der einzelnen von Humboldt besuchten Grubenbauten sind sehr fachlich formuliert. Er charakterisiert neben Fördermengen, die geologische Struktur der Gruben und der Lagerstätten (soweit bekannt). Interessant ist die folgende Passage über den Besuch des offensichtlich aufgelassenen Bergwerkes "Schwarzer Mohr":

      "[...] An der Dürrenwaider Stufe aus dem Trommlerschen Kabinette1) ist keine Gebirgsart2) zu sehen, so wenig, als an den derben Bleiglänzen im Markgr. Kabinette zu Bayreuth. Man erkennt bloß Quarz als Gangart daran.
      Dagegen ist ein 16 Mark3) wiegender silberner Becher in Gestalt eines Birnbaums mit einer großen Birne in jenem Kabinette vorhanden, ein Becher, welcher, wie die Inschrift besagt, 1538 aus dem ersten Dürrenwaider Silber verfertigt wurde. Die Gestalt ist eine Anspielung auf die Geschichte der ersten Entdeckung dieser Silbergrube. Ein Bauer, der auf einen Birnbaum stieg, verlor sein Hackemesser, welches den silberführenden Gang, in dem es in die Erde hieb, entblößte."

      1) Christian Ernst Trommler (1719-1788) wurde 1748 Bergmeister für das Revier Naila, seit 1766 Bergrat, leitete 1762 bis 1772 das Nailaer und das Wunsiedler Revier. Trug eine zu seiner Zeit vielbeachtete Mineraliensammlung einheimlischer Fundstücke zusammen. Auf diese bezieht sich Humboldt hier.
      2) Gebirgsart = Gesteinsart
      3) Mark = aus dem Mittelalter stammende (lokal unterschiedliche) Gewichtseinheit, hier vermutlich "Nürnberger Mark" = 237,52 Gramm.

      Auf www.mineralienatlas.de heißt es:

      "1817 und im März 1863 wird wie folgt berichtet: Zwei ehemals im 'markgräflichen Naturalienkabinet zu Bayreuth' aufbewahrte 'silberne Pocale' wurden von der Ausbeute des 'Dürrenwaider Silbergwerkes' gefertigt. Einer davon "wieget 16 Mark" und trägt die Aufschrift: 'Von dem ersten Silber im Burggrafthum Nürnberg zu Lichtenberg erfunden und gemacht 1538. - Am Fuße desselben, der einen gewundenen Baum vorstellet, stehen die Worte: Klettert ein Bauer einen Baum hinan, so eine Holzaxt auf dem Rücken im Leibgurt stecken hat, durch deren Herabfallung der Gang des Silbererzes, aus welchem dieser Becher gemacht, entblößt worden sein soll.'" (abgerufen am 12.08.2019, Link anzeigen). Leider ist auf dieser Seite nicht die Quelle angegeben.

      Humboldt nimmt die Legende zum Anlass darüber nachzudenken, ob die Silbergänge tatsächlich früher bis an die Erdoberfläche reichten. In seinem Bericht empfiehlt er, die Umgebung der Lagerstätte genauer zu untersuchen und den einen oder anderen Schurf anzulegen, um eine bessere Vorstellung von der Lagerstätte zu erhalten. Ohne dies wäre der Abbau ein Wagnis.

      Humboldt besucht auch den Gevattergraben, das wohl bekannteste Goldvorkommen des Frankenwaldes. Der Überlieferung nach soll dort nicht nur Gold sondern auch Silber gewaschen worden sein. Humboldt charakterisiert den Gevattergraben wie folgt:

      "Ebenfalls in diesem Gegengebirge, aber am mitternächtlichen [nach Norden geneigten] Abhang desselben liegt der Gevattersgraben, der wegen seiner Gold- und Silberwäsche bekannt ist. Der Graben oder kleine Bach ist kaum 2 Fuß breit und wenige Zoll tief. Er dient wohl nur bloß der Wäsche selbst, denn man leitete (ein Zeichen, daß der Gewinnst beträchtlich war) von Streitbach [gemeint ist Steinbach] um Großenreith die Wasser in Spundstücken hinzu [...] Noch vor 15 Jahren waren sächsische Bergleute, andere sagten Venetianer, hier und wuschen wirklich Gold. Die Nachrichten sind alle sehr fabelhaft und unbestimmt. Daß aber hier Gold und Silber wirklich gewaschen wurde, ist außer Zweifel."

      Humboldt beschreibt die zu beiden Seiten des Grabens sichtbaren Halden und die Spuren der Schürfarbeiten. Er stellt sich dabei die Frage nach der eigentlichen Herkunft der Edelmetalle: "Sollte das über dem Kalkstein liegende aufgelöste tonartige Gebirge Goldkörner als Geschiebe geführt haben?". Immerhin schien es kein größeres Gewässer zu geben, das das Gold zusammengespült hatte.

      Die von Humboldt aufgeworfene Frage ist nicht trivial und zeigt sein geologisch-lagerstättenkundliches Verständnis. Erst in den 1980er Jahren konnten Explorations- und Forschungsaktivitäten der Firma Preussag bzw. der Universität Kiel Licht hinter die Frage bringen. Danach überdecken die Sedimente des Gevattergrabens eine NNW-SSO verlaufende Störungszone (Bruchzone), in deren Spalten und Klüften das Gold sitzt (z.T. in Quarzgängen). Die Bergleute gruben sich über Jahrhunderte bis zu 15 Meter tief in die von der Oberfläche her verwitterte Störungszone, wuschen das Material durch und warfen das taube Gestein auf die Schultern des Grabens.

      Im Gevattergraben soll bereits im 14. Jahrhundert Gold gewaschen worden sein. Urkundliche Erwähnung findet die Goldsuche jedoch erst im Lehenbuch von 1477:

      "Heinrich Knoch von Gera, hat empfangen die Fundtgruben zu unserer lieben Frauen und sonst noch ein Lehen dabey, zu St. Johannes genannt, auf dem Gevatterbach bey Steinbach am Waldt gelegen mit seinen Lehen, Erbstohlen und aller Gerechtigkeit nach Bergwerksrecht."1

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle

      Zahlreiche Naturerscheinungen auf der Erde tragen den Namen von Alexander von Humboldt. Das einzige nach Humboldt benannte Naturobjekt in Deutschland ist die Alexander-von-Humboldt-Höhle am Rauheberg, etwa drei Kilometer westsüdwestlich von Geroldsgrün. Sie ist über den Geopfad Geroldsgrün (Rauhebergrunde) gut zu erreichen. Die Höhle ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.

      Die Alexander-von-Humboldt-Höhle ist die einzige bekannte Tropfsteinhöhle im Frankenwald. Sie liegt auf der Nordseite des 663 Meter hohen Rauheberges oberhalb des Langenaubach-Tales zwischen zwei aufgelassenen Kalksteinbrüchen. Die Kalksteine entstammen großen Kalkstein-Rutschmassen aus der geologischen Zeit des Oberdevons. In dieser Formation befindet sich auch die Humboldt-Höhle. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt etwas mehr als 400 Meter, sie ist bis zu 30 Meter breit und bis zu 3 Meter hoch.

      Die Alexander-von-Hmuboldt-Höhle hieß früher Rauh(e)berg- oder auch Langenau-Höhle. Ein erster Höhlenplan stammt von Hans Leheis (1904 - 1982), einem Heimatforscher aus Geroldsgrün. Dieser wurde u.a. in einer Publikation von Philipp Kohlmann im Berichtsband Nr. VIII der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth (1953/54) abgedruckt. Von Hans Leheis stammt der Vorschlag, die Höhle zu Ehren des Naturforschers umzubenennen (wohl 1963). Von den 1960er Jahren bis 1982 gab es in der Höhle regelmäßige Führungen, die jedoch zum Schutz der Höhle eingestellt wurden.

      Die Höhle wird erstmals 1761 als Grube "Lamm Gottes" erwähnt. Durch Verwitterung-/Verkarstungsprozesse lagerte sich in der Höhle Brauneisen ab, das zu verschiedenen Zeiten abgebaut wurde (u.a. 1795/96, 1804). Interessante Ausführungen zur Höhle finden sich auf www.mineralienatlas.de.

      Tipps

      Auf dem Geopfad Geroldsgrün durch alte Bergbaureviere

      Die Umgebung von Geroldsgrün mit seinen Bergbaurevieren und der Humboldt-Höhle können Sie entlang der drei Routen des Geopfades Geroldsgrün erkunden. Finden Sie die Beschreibung des Geoweges im entsprechenden Faltblatt. [Download 0,5 MB]

       

      Max-Marien-Heilquelle

      Seit fast dreihundert Jahren ist im Talgrund des Langenautals eine Heilquelle bekannt, die Max-Marien-Quelle. Dabei handelt es sich um einen Calcium-Hydrogen-Carbonat-Säuerling. Sie befindet sich gegenüber dem ehemaligen Forsthaus in Langenau. Die Max-Marien-Quelle wurde 1981 neu gefasst und kann vor Ort aus einem Trinkbrunnen entnommen werden. Das Wasser wird auch in der Kuranlage in Bad Steben ausgeschenkt. Von Langenau kann man gut in die Rauheberg-Runde des Geroldsgrüner Geopfades einsteigen.

      Summe der gelösten Mineralstoffe: 2.129 mg/l
      Gelöste gasförmige Stoffe: Freies CO2 2.020 mg/l, Radon 5 Bq/l

      GEO-Tour Station 8: HAIDBERG / ZELL IM FICHTELGEBIRGE
      Humboldt in Haidberg / Zell im Fichtelgebirge

      Humboldt und der Magnetberg

      "Auf einer geognostischen Tour, welche ich mit zween Freunden, Herrn Münzmeister Gödeking und Herrn Oberbergmeister Killinger durch das Oberpfälzische und angränzende Gebirge machte, stieß ich auf eine Gebirgskuppe von Serpentinstein, dessen Fallungswinkel ich mit der Bussole bestimmen wollte. Kaum näherte ich dieselbe dem anstehenden Gestein, so sah ich den Südpol meiner Magnetnadel mit Heftigkeit aus ihrer Lage und in den wahren Norden gerissen [...] Einzelne Punkte sind so magnetisch, daß sie in einer Entfernung von 22 Fuß die Magnetnadel aus ihrer natürlichen Lage reissen. Welchen Bestandteil des Serpentinsteins adhäriert aber jene wunderbare magnetische Kraft? Das ist eine Frage, die sich einem von selbst aufdringt".

      So beschreibt Alexander von Humboldt die Entdeckung der besonderen magnetischen Eigenschaft der Gesteine am Haidberg in einer Veröffentlichung im "Intelligenzblatt der Allgemeinen Jenaer Literaturzeitung" (Nr. 169) bereits im Dezember 1796. In einem Brief vom 14. November 1796 an Carl Freiesleben heißt es sogar:

      "Ich eile Dir zu melden, mein guter Karl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. [...] habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure magnetische Polarität zeigt."

      Mit dieser Entdeckung gilt Alexander von Humboldt als einer der Entdecker der natürlichen Magnetisierung von Gesteinen. Zu seiner Zeit gab es allerdings noch keine Möglichkeit, die für die Magnetisierung verantwortlichen Mineralien (u.a. Magnetit, Fe3O4) zu identifizieren. Das gelang erst mit der Entwicklung geeigneter Mikroskope im 19. Jahrhundert.

      Neue Entdeckung: Anzeige für Physiker und Geognosten

      Bereits in der Dezember-Ausgabe 1796 des Intelligenzblattes der Allgemeinen Literaturzeitung erscheint eine mit "F.A. v. Humboldt" gezeichnete "Anzeige für Physiker und Geognosten" mit dem hier nachlesbaren Text. Dieser entspricht im Wesentlichen dem Text, den Humboldt in dem oben genannten Brief an Carl Freiesleben verfasst und besonders gekennzeichnet hatte. Humboldt bat Freiesleben, den Text schnellstmöglich unter dessen Namen zu verbreiten und schlug dafür das "Bergmännische Journal" vor. Humboldt schlug vor:

      [...} Du könntest ja den Brief so anfangen: H.v.H[umboldt] meldet mir, daß er auf einer Reise durch das oberpfälzische und angrenzende Gebirge eine Entdekkung gemacht, die für die Geognosie ebenso wichtig als für die allgemeine Naturlehre...".

      Humboldt benennt in dem besagten Brief an Freiesleben nicht den Fundort, obwohl er schreibt: "Den Ort will ich Dir, aber Dir allein genau angeben, wenn Du mir unverbrüchliches Stillschweigen versprichst". Humboldt nennt Freiesleben den genauen Ort erst in einem in Weimar abgefassten Brief vom 18. April 1797:

      "[...] Der Magnetberg (Haidberg, aber nenne ihn ja niemand, bei Gefrees, denn bis Jun[ius 17]97 halte ich ihn geheim, die Bergleuthe haben schon 150 f. damit gewonnen) besteht aus ächtem, auf der Oberfläche weiß verwitternden, mit Aimant gemengtem, lauchgrünem Serpentin [...]"

      Mit Brief vom 21. Dezember 1796 übersendet Humboldt seinem "Verehrungswerthen Lehrer" Abraham Gottlob Werner unter anderem eine Gesteinsprobe des Magnetberges. Er schreibt:

      "[...] ist von der merkwürdigen Gebirgskuppe, welche ich in der beiliegenden Anzeige beschrieben und welche ich am 14tn Nov[ember] entdeckt habe. Sie sind der erste Mineraloge, welcher diese Seltenheit besitzt. Wem aber hätte ich dieselben auch früher anbieten sollen als Ihnen, dem ich für meine wisschenschaftliche Kultur so unendlich viel verdanke."

      Der Haidberg aus heutiger Sicht

      Der Serpentinit des Haidberges gehört geologisch in die Phyllit-Prasinit-Serie der sogenannten Münchberger Masse. Diese stellt eine aus mehreren tektonischen Decken zusammengesetzte fernüberschobene Gebirgsmasse dar. Die Phyllit-Prasinit-Serie ist die unterste Deckeneinheit.

      Das Serpentinit-Gestein besteht aus unterschiedlichen Serpentinmineralen, das sind Schichtsilikate mit der Formel(Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8, wobei die Elemente Mg/Fe/Ni in unterschiedlichen Anteilen vorkommen. Die Serpentinminerale sind durch Umwandlung aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Amphibol hervorgegangen. Neben den Serpentinmineralen kommt häufig Magnetit vor (Fe3O4), der für den Magnetismus des Gesteins verantwortlich ist.

      Das Ausgangsgestein für den Serpentinit ist Peridotit, der dem lithosphärischen Erdmantel entstammt. Die Serpentinisierung erfolgt bei relativ niedrigen Temperaturen von 300 - 500 °C am Übergang der ozeanischen Kruste zum Erdmantel.

      Alexander von Humboldt beschreibt die magnetische Wirkung des Serpentinits, die sehr deutlich die Kompassnadel beeinflusst. Dabei schreibt er richtig die magnetische Wirkung dem Gestein zu. Dabei stellt er bereits die Frage, ob "der Serpentinstein mit magnet[ischem] Eisenstein [Magnetit] durchzogen" ist. Humboldt stellt auch die (teils unterschiedliche) Polarität der Magnetisierung im Gestein fest. Eine solche Polarität ist ihm vom Magnetit nicht bekannt. Diese lässt sich mit den damaligen Messmöglichkeiten tatsächlich auch nicht nachweisen. Die starke Magnetisierung der Serpentinite musste daher eine "im Gestein ruhende" Ursache haben.

      Heute ist bekannt, dass Gesteine, die Magnetit enthalten, eine schwache Magnetisierung dadurch erhalten, dass sich beim Überschreiten der Curie-Temperatur von 578 °C die Magnetisierung im Erdmagnetfeld der Erde ausrichtet. Diese gerichtete Magnetisierung ist heute Grundlage, um die ehemalige Ortslage von Gesteinen zur Zeit ihrer Magnetisierung zu ermitteln ("Paläomagnetismus"). Durch "Einfrieren" der Inklinaton der magnetischen Feldlinien im Gestein lässt sich so bestimmen, auf welchem Breitengrad die Magnetisierung erfolgt ist.

      Diese natürliche Magnetisierung der Gesteine ist i.d.R. zu schwach, um sie mit einem Kompass feststellen zu können. Am Haidberg ist zudem festzustellen, dass die Polarität als auch die Intensität der Magnetisierung sehr unterschiedlich sein kann. Geophysiker gehen daher davon aus, dass die Magnetisierung des Serpentinits durch Blitzschläge hervorgerufen wurde. Diese beträgt ein Vielfaches der natürlichen Magnetisierung. Das Signal kann bis zu 10.000 Jahre im Gestein erhalten bleiben.*

      Literatur: Gustav Angenheister (1973): Die Interpretation der magnetischen Störfelder (Anomalien) von mehreren Serpentinit-Körpern in fünf Arealen im Westen der Böhmischen Masse. ─ Geologica Bavarica, 67: 35-63; München (Bayerisches Geologisches Landesamt).

      Machen Sie Ihr eigenes Experiment

      Wenn Sie einen Kompass besitzen, dann nehmen Sie in mit zum Haidberg. Halten Sie ihn an mehreren Stellen an das Gestein. Vor allem am Eingang zum ehemaligen Steinbruch finden sich in der Mauerung des Tores einige magnetische Serpentinite. Sollten Sie am Wegesrand einen Serpentinit finden, dann halten Sie diesen an den Kompass. Reagiert die Magnetnadel, bewegen Sie das Gestein zuerst langsam, dann schneller am Kompass vorbei. Mit etwas Geschick können Sie die Magnetnadel ins Schwingen bringen, im besten Fall sogar zum Kreisen. Bitte beachten Sie, dass der Haidberg unter Naturschutz steht, und schlagen Sie keine Gesteine aus dem Anstehenden heraus.

      Tipps

      Saalequelle im Münchberger Stadtwald/Waldstein

      Die (Sächsische) Saale entspringt einem ehemaligen Bergwerk, über das bereits Alexander von Humboldt ein Gutachten verfasst hat. Um es zu erreichen, fahren Sie nach Zell. Im Ort biegen Sie am Ende der Straße nach rechts Richtung Gefrees. Etwa 100 Meter nach den letzten Häusern nach links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Nach ca. 1,5 Kilometern liegt im Wald ein Parkplatz, von dem aus die Saalequelle nach 400 Metern gut zu erreichen ist.

      Hier finden Sie die Lage der Saalequelle im Bayernatlas.

       

      Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

      Das Bauernhofmuseum Kleinlosnitz bietet Ausstellungen und Veranstaltungen sowie eine Gaststube mit Biergarten im Oberen Hof, die während der Öffnungszeiten des Museums oder nach Anmeldung geöffnet ist.

      Kontakt Museum Hier öffnen

      GEO-Tour Station 9: BAD BERNECK
      Humboldt in Bad Berneck

      Humboldt in matten Wettern

      Im Herbst 1795 wurde Alexander von Humboldt zum Oberbergrat befördert. Hierdurch entfielen viele zeitraubende Aufgaben in den einzelnen Bergrevieren vor Ort. Er konnte sich nun mit technischen Verbesserungen in den Bergwerken, mit Experimenten und naturwissenschaftlichen Untersuchungen befassen. Zu zwei besonderen Erfindungen Humboldts in dieser Zeit gehören der "Lichterhalter" ("Licht-Erhalter") und die "Respirationsmaschine", ein Atemgerät bei nicht ausreichendem Sauerstoff in der Grubenluft.

      Humboldt experimentierte mit dem Lichterhalter in mehreren Bergwerken. Er und seine Mitstreiter begaben sich mit der Lampe bewusst in Teile der Grube mit "matten", d.h. sauerstoffarer Grubenluft. Vielfach entfachten sie zusätzlich Feuer, um den restlichen Sauerstoff zu verbrauchen, um dann den Lichterhalter zu testen. Nicht selten führte der Sauerstoff zum Unwohlsein. Am 13. oder 16. Oktober 1796 bestand Alexander von Humboldt im Bergwerk "Beständiges Glück" in Bad Berneck darauf, die Versuche in einem abgelegenen Teil des Bergwerkes alleine durchzuführen. Schon nach wenigen Augenblicken verlor er das Bewusstsein und es ist nur dem raschen Hinzueilen seiner Begleiter zu verdanken, dass Humboldt überlebte.

      Lesen Sie hier einen Text aus der Veröffentlichung "Ueber die unterirdischen Gasarten und die Mittel ihren Nachtheil zu vermindern" von 1799, in der Humboldt die Ereignisse dieses Tages schildert.

      In der geannten Veröffentlichung schreibt Humboldt zwar: "[..:] Bis auf wenige Mattigkeit spürte ich des andern Tages von dem unangenehmen Vorfalle keine Folgen mehr", doch finden sich an anderer Stelle auch gegenteilige Angaben, z.B. in einem Brief an Abraham Gottlob Werner vom 21. Dezember 1796:

      "Die Erfindung meines Lichterhalters ist nun vollendet. Meine Gesundheit hat bei dieser Arbeit gelitten."

      Auch in dem Brief, den er am 18. Oktober 1796 an Karl Freiesleben schreibt, berichtet Humboldt über den Vorfall. Lesen Sie diesen Text hier.

      Das Bergwerk "Beständiges Glück"

      Das Areal des Bergwerkes "Beständiges Glück" ist heute Teil des Dendrologischen Gartens von Bad Berneck. Erkennbar ist noch das rekonstruierte Stollenmundloch und die vorgelagerte große Halde. Vor dem Stollenmundloch informiert eine Schautafel über die Geschichte des Bergwerkes.

      Das Bergwerk wurde 1486 eröffnet. Bis 1841, also 355 Jahre lang, förderte man hier "Alaunschiefer", d.h. schwefelkieshaltige Tonschiefer zur Herstellung von Alaun. Das Bergwerk bestand aus zwei Stollen, dem Oberen Stollen und dem Unteren Stollen. Das rekonstruierte Stollenmundloch gehört zum Oberen Stollen, der jedoch nach nur kurzem Verlauf verschüttet ist. Ein alter Grubenplan, der auch auf der Infotafel abgebildet ist, zeigt einige 10er Meter nach dem Stolleneingang eine gewölbeartige Weitung des Stollens. Es wird vermutet, dass es sich um das "Festgewölbe" handelt, in dem 1806 für den in Bayreuth weilenden Feldmarschall von Blücher ein Fest veranstaltet wurde. <br<
      Die volle Regimentsmusik war bestellt und in einem Seitenschacht postiert ... im Inneren der Grube strahlte eine feentempelartige Beleuchtung ... Die Weitungen unten dienten zum Tanzsaale, während die Nebenräume, alle kostbar meubliert, dekoriert und illuminiert, zu Speisegemächern umgewandelt waren."
      (Quelle: Chronist Adler; Infotafel Dendrologischer Garten Bad Berneck; Jahr o.A.)

      Der Eingang zum Unteren Stollen liegt auf dem Grundstück des Hotels Blüchersruh. Der Stollen ist noch rund 170 Meter begehbar, auch existieren Schächte in weitere Sohlen. Dieser Stollen diente vor allem der Entwässerung ("Erbstollen").

      Neben den Stollen gab es mehrere Schächte, die der Luftzufuhr ("Bewetterung"), der Einfahrt der Bergleute, der Förderung des Abraummaterials oder dem Einlass von Tageslicht dienten. Die Schächte sind weitgehend verfallen. Sie sind an der Oberfläche als trichterförmige Vertiefungen ("Pingen") vielfach im Areal noch erkennbar.

      Der Dendrologische Garten (Rotherspark)

      1861 verlegte der Waldsassener Textilfabrikant Wilhelm Rother (1818 - 1898) seinen Wohnsitz dauerhaft nach (Bad) Berneck. Er war schon Jahre zuvor ein begeisterter Kurgast des Ortes. Als Bürger von Berneck erwies sich Rother als Förderer des Kurortes, seit 1866 war er auch Mitglied des Kurkomitees. Auf den Halden des zwei Jahrzehnte zuvor stillgelegten Bergwerkes "Beständiges Glück" ließ Rother auf eigene Kosten einen Park ("Blüchersruhe") mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen anlegen. Dieser stellt heute eine überregionale Besonderheit dar.

      Wilhelm Rother wurde 1867 Ehrenbürger von Berneck. Er starb 1898. Der Stadt Berneck hinterließ Rother testamentarisch mehr als eine halbe Million Goldmark, u.a. mit der Auflage, "dass die ganzen Zinsen und Renten des Nachlasses ausschließlich zum Vorteil und zur Hebung der Kuranstalten verwendet werden sollen". An den Förderer der Stadt Berneck erinnert im umbenannten "Rotherspark" der 1900 aufgestellte Granitobelisk aus Kösseine-Granit. Bestattet ist Wilhelm Rother auf dem alten Friedhof hinter der evangelischen Kirche.

      Tipps

      Thiesen Wetterstation

      Carl Thiesen finanzierte dem Kurort eine für die damalige Zeit technologisch aufwendige und damit äußerst kostspielige Wetterstation. Diese steht heute noch oberhalb des Marktplatzes.

      GEO-Tour Station 10: BRANDHOLZ
      Humboldt in Brandholz

      Humboldt im Goldrausch

      Am Abend des 20. Juli 1792 verfasst Alexander von Humboldt bereits Teile seines Berichtes über die Befahrung der Fürstenzeche in Brandholz und fügt diesem in einem zweiten Teil unter der Überschrift "Aussichten zur fortzusetzenden Wiedergewältigung der Fürstenzechen Baue" hinzu. Bei Niederschrift dieses Berichtes ist Humboldt möglicherweise schon in das Wunsiedler Revier weitergereist.

      Am Abend des 23. Juli notiert Humboldt (jetzt bereits in Arzberg) am Rand eines Briefes an Carl Freiesleben:

      "Die Fürstenzeche in Goldkronach hat mich sehr intriguirt [= neugierig gemacht]. Ich habe Akten, Risse p. studiert, bin das ganze ein 50 Lr. (= Lachter, 1 Lr. ∼ 2 Meter) tiefe Gebäude mit Ueberhauen aus dem 14ten Jahrhundert! durchfahren. Nun habe ich alles ins Reine. Es ist ein ungeheurer Bau, eine Grube auf 1.300 Lr. Länge."

      Die Fürstenzeche im Jahr 1792

      In seinem Bericht der Inspektionsreise beschreibt Humboldt den Zustand der Fürstenzeche. Diese war bereits unter Burggraf Friedrich V. 1365 als Fürstenzeche eröffnet worden und hatte ihre Blütezeit bis zum Einfall der Husiten 1430. Bis dahin hatte man die goldreichsten und gut erschließbaren Bereiche der Lagerstätte schon weitgehend abgebaut, so dass die Ausbeute immer geringer und und der Abbau immer schwieriger wurde. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Bergbau auf Gold sogar subventioniert (es wurde eine "Zubuße" gegeben).

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht, dass die "Wiedergewältigung" der Fürstenzeche (sie befand sich demnach 1792 nicht in Betrieb) seit wenigen Monaten ("1 Quartal") auf allerhöchsten Befehl (vermutlich durch Minister Hardenberg) eingestellt worden war und dass man "[...] bloß das Ganze durch Einwechslung der Türstöcke in befahrbarem Stande" hielt. Humboldt studiert bereits zu diesem Zeitpunkt alte Bergwerksakten, u.a. die "lehrreichen Beschreibungen des Herrn Berghauptmann von Bothmer". Carl Ludwig Freiherr von Bothmer (1736–1803) war Berghauptmann im Fürstentum Bayreuth. Dessen Berichte können nur wenige Jahre zuvor verfasst worden sein.

      Humboldt erwähnt in seinem Bericht die folgenden Stollen, Schächte und erzführenden Gänge:

        • Tannenschacht
        • Schmuzler
        • Schmiedtenstollen/Schmidtenstollen
        • Jacobschacht
        • Ferberschacht
        • Nasses Lichtloch
        • Rautenkranzer Gang (aber noch keine Rautenkranz-Zeche)
        • Knechtgang
        • Spießglasgang (= Spießglanz, Antimonit)
        • Weißer Kiesgang

      .

      Damit werden viele Lokalitäten genannt, deren Zeugnissen man noch heute bei einer Wanderung entlang des Humboldtweges begegnen kann.

      Aus Humboldts Beschreibungen geht der sehr komplexe Aufbau der Goldlagerstätte am Goldberg hervor. Ursache dafür ist die starke tektonische Zergliederung des Gebirges im Nahfeld der Bruchzone der "Fränkischen Linie" (deren Einfluss Humboldt natürlich noch nicht kennen konnte). Humboldt widerspricht in seinem Bericht der Auffassung, dass "die Golderze auf der Fürstenzeche nicht auf ordentlichen Gängen, sondern [an] das Gestein durchschwärmenden Trümmern" gebunden wären. Diese Ansicht hätte vielfach zu einer wenig rentablen Wiedergewältigung der Zeche geführt.

      Tipps

      Goldbergbaumuseum Goldkronach

      Das Goldbergbaumuseum in Goldkronach präsentiert in mehreren Abteilungen die Stadtgeschichte Goldkronachs, die Geologie der Umgebung und der Goldlagerstätte, die Geschichte des Bergbaus, das Blattgold-Kunsthandwerk sowie Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge.

      Internet: www.goldbergbaumuseum.de

      GEO-Tour Station 11: GOLDKRONACH
      Humboldt in Goldkronach

      Humboldt und das Goldstädtchen

      Goldkronach gehört zu den Orten in Oberfranken, in denen Alexander von Humboldt heute wohl noch am gegenwärtigsten ist. So bezeichnet sich das kleine Städtchen vielfach auch als "Humboldt-Stadt". In Goldkronach hat auch der Verein Alexander von Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach e.V. seinen Sitz. Dessen Anliegen ist es, insbesondere an Humboldts Wirken in Goldkronach von 1792 bis 1795 zu erinnern. Einen Link auf die Internet-Präsenz des Vereins finden Sie weiter unten.

      Als Sitz des Bergamtes Goldkronach und die einst reichen Goldlagerstätte am Goldberg hatte Goldkronach besondere Bedeutung für Alexander von Humboldt. Erstmals kam Humboldt am 20. Juli 1792 im Rahmen seiner Inspektionsreise nach Goldkronach. Von hier aus befuhr er die Fürstenzeche und blieb bis zur Weiterreise ins Wunsiedler Revier (20. Juli in Arzberg). Nach seinem offiziellen Dienstantritt im Oberbergdepartement Ende Mai 1793 war Goldkronach Ziel von Humboldts erstem Geländebesuch. Hier hält er sich im Juni mehrere Tage auf. Sein Quartier ist die alte Quickmühle (Amalgamiermühle) in Goldmühl. Von dort schreibt er am 10. Juni 1793 seinem Freund Carl Freiesleben:

      "Ich komme eben aus der Grube. Ich bin 2 Meilen geritten und an 3 Stunden auf der Fürstenzeche gefahren, wundern Sie Sich also nicht, liebster Freiesleben, wenn ich Ihnen einen verworrenen Brief schreibe. Mit dem Bergbau geht alles schneller, als ich dachte. [...] In bin seit wenigen Tagen hier, um den eingestellten Bau auf der Fürstenzeche [...] vorzurichten. Das allgemeine Vertrauen, welches der gemeine Bergmann mir übberall zeigt, macht mir meine Arbeit lieb, denn sonst ist meine Lage sonderbar genug, ich thue eingentlich Dienste als Geschworener, nicht als O[ber]bergmeister. Von meinen Vorrichtungen schriebe ich Ihnen jezt nichts. Ich bin zu müde, die Hitze ist unerträglich und die Grubenwetter matt.[...] Die alte Mühle, die ich bewohne, war eine Quikmühle schon im 13ten Jahrhundert. Die Zoppte stürzt sich wild durch die Felsklippen durch. Wenn es glükken sollte, die ausgewanderten Bergleute wiederzurufen, dieser romantischen Gegend nur einen kleinen Theil ihres alten Glanzes wiederzugeben ..."

      Humboldtorte

      Die alte Mühle in Goldmühl

      In den Jahren 1793 und 1794 diente die ehemalige Quickmühle in Goldmühl (heute Ortsteil von Bad Berneck) Alexander von Humboldt als Quartier. Die Mühle wurde um 1557 (nicht wie Humboldt schrieb "schon im 13ten Jahrhundert") als Schneidsäge mit sechs Wasserrädern erbaut. Die Wasserräder trieben ein Pochwerk, eine Mahlmühle und Blasebälge für eine Schmelzhütte an. In den ersten Jahren diente sie auch als Amalgamierwerk ("Quickmühle"), d.h., aus dem durch das Pochen zerkleinerten Erz wurde das Gold mit Hilfe von Quecksilber herausgelöst. Mahl- und Quickmühle arbeiteten bis 1563, danach wird die Mühle zunächst nur noch als Schmelzhütte betrieben, kommen eine Drahtzieherei (um 1600) und eine Getreidemühle (1689) hinzu (Holl & Schulz-Lüpertz 2012). Das heutige Wohnhaus stammt von 1769 (dem Geburtsjahr Humboldts!) und wird als solches noch heute privat genutzt. Die neben der Haustür angebrachte Gedenktafel sehen Sie nebenstehend.

      Hotel "Alexander von Humboldt" (vormals Gasthaus "Zum weißen Schwan")

      Das heutige Hotel steht an dem Ort, an dem zu Humboldts Zeit das Haus des Musikus und Handelsmannes Johann Georg Todschinder stand. In diesem hatte Humboldt möglicherweise seinen Amtssitz. Daran erinnert die an der Fassade angebrachte Gedenktafel:

      "An diesem Platze stand das Haus, in welchem Alexander von Humboldt in den Jahren 1792 - 1795 als koenigl. Preußischer Bergamtsassessor und Oberbergmeister zeitweilig amtierte"

      Ganz sicher belegt ist dies jedoch nicht. Das heutige Hotelgebäude wurde nach dem großen Stadtbrand von 1836 errichtet. Diesem Brand waren viele Gebäude des Ortes zum Opfer gefallen. Ursprünglich hieß das hier untergebrachte Gasthaus "Zum weißen Schwan". Es wurde im Jahr 1868 in einem Festakt in "Alexander von Humboldt-Hotel" umbenannt.

      Ehemaliges Forsthaus (heute Goldbergbaumuseum)

      Das heutige Goldbergbaumuseum an Durchgangsstraße (Bayreuther Straße 21) trägt im Wappenrelief über der Eingangstür die Jahreszahl 1740. In ihm befand sich zu Zeiten Humboldts (bis in die heutige Zeit) eine Forstdienststelle. Oberförster war damals Adolph Ferdinand Böhner, Schwiegervater von Georg Friedrich Püttner (Büttner bei Humboldt). Dieser war einer der Freiberger Kommilitonen von Humboldt. In einem Brief vom 11. Juli 1793 an einen anderen Freiberger Studienfreund, den Russen Vladimir Jurevič Sojmonov, erwähnt Alexander von Humboldt, dass er bei Böhner den gemeinsamen Studienfreund Püttner getroffen habe. Vielfach wird erwähnt, Humboldt hätte in dem Haus auch kurzzeitig gewohnt. Dies geht aus dem erwähnten Brief jedoch nicht hervor. Dort schreibt Humboldt von Forstmeister Böhner, in dessen Nachbarschaft er wohne.

      Ein Besuch des Goldbergbaumuseums sollte man nicht versäumen. Es ist zurzeit allerdings nur von April bis Ende November an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Neben der Geologie und Bergbaugeschichte im Raum Goldkronach beinhaltet das Museum auch einen eigenen Raum zu Alexander von Humboldt.

      Einstiges Wohnhaus Marktplatz 11 (heute Bäckerei)

      Dort wo heute auf der Nordseite des Marktplatzes ein Gebäude mit einer Bäckerei besteht, stand bis zum Stadtbrand von 1836 das Wohnhaus des Schichtmeisters, Bergverwalters und Knappschaftsschreibers Christian Ernst Tornesi. Dieser wohnte hier mit seiner Familie in den Jahren von 1738 bis 1754. Christian Ernst Tornesi kam 1731 aus dem Unterharz nach Goldkronach. Am 7. April 1748 wurde hier als eines von neun Kindern sein Sohn Otto Heinrich Tornesi geboren, der später ein geschätzter Kollege von Alexander von Humboldt und 1798 dessen Nachfolger im Oberbergdepartement werden sollte (siehe dazu weiter unten). Die ganze Familie siedelte 1754 nach Bayreuth über. Christian Ernst Tornesi war dort zum Inspektor und Verwalter für das Zucht- und Arbeitshaus in St. Georgen berufen worden. Dem Zuchthaus war eine Marmorfabrik angeliedert, in dem die Häftlinge arbeiten mussten und die Tornesi ebenfalls leitete.

      Schloss Goldkronach und Humboldt-Kulturforum

      Das Goldkronacher Schloss ist ein ehemaliges Ritterschloss aus dem 16./18. Jahrhundert. Es ist heute in Privatbesitz und Sitz des Alexander-von-Humboldt Kulturforums. Eine kleine Sonderausstellung zu Alexander von Humboldt sowie die von Hans Dressel (†) stammende Humboldt-Büste können bei Veranstaltungen der Kulturforums oder Führungen des GEOPARK Bayern-Böhmen besichtigt werden.

      Nationles Geotop Goldberg

      Seit 2019 gehört der Goldberg bei Goldkronach, das Zentrum des einstigen Goldbergbaus, zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Zu verdanken ist dies seiner montanhistorischer Bedeutung, auch im Hinblick auf das Wirken Alexander von Humboldts, und der dort vorhandenen Infrastruktur.

      Tipps

      Humboldt-Weg und Besucher-Bergwerke

      Der rund sechs Kilometer lange Rundweg führt auf Waldwegen und -pfaden, innerorts auf befestigten Wegen, vorbei an vielen ehemaligen Zeugnissen des Bergbaus seit dem Mittelalter. Startpunkte sind am Infohaus zu den Besucher-Bergwerken auf dem Goldberg, am Parkplatz des Friedhofes, am Wanderparkplatz in Brandholz. Auch der Start in Goldkronach am Marktplatz ist empfehlenswert (Wegstrecke ca. zwei Kilometer länger). Dieser beginnt am Marktplatz und führt ca. 100 Meter nach der Bäckerei am Marktplatz 11 in Richtung Sichersreuth bzw. am Ende der Stadtkirche über einen Wanderpfad zunächst zum Parkplatz am Friedhof (eine Abkürzung direkt auf die Straße an der Ottenleite ist möglich).

       

      Goldbergbaumuseum

      Öffnungszeiten:
      April bis Ende November Sonn- und Feiertage, 13 bis 17 Uhr
      Für Gruppen sind gesonderte Termine möglich.

       

      Kulturforum Alexander von Humboldt Schloss Goldkronach
      www.humboldt-kulturforum.de

      Goldbergbaumuseum Goldkronach
      www.goldbergbaumuseum.de

      Goldbergknappen

      http://www.goldbergknappen.de/html/rundgang_beginn.html

      GEO-Tour Station 12: BISCHOFSGRÜN
      Humboldt in Bischofsgrün

      Humboldt und die Perlen

      Alexander von Humboldt besucht Bischofsgrün bzw. den Fröbershammer erstmals am 21. Juli 1792. Er notiert in seinem Inspektionsbericht, dass es dort zwei Frischfeuer, einen Zainhammer (für die Nagelschmiede) und eine Knopfhütte gibt. Der Knopfhütte widmet er besondere Aufmerksamkeit.

      Humboldt führt aus, dass die Knopfhütte nur in fünf Wintermonaten betrieben wird und dem Kommerzienrat Loewel gehört. Aus dem Hinweis, dass man "die Arbeiter [im Sommer] zum Holzhauen und zur Feldwirtschaft braucht" geht hervor, dass die einheimischen Bauern die Arbeit in der Knopfhütte verrichteten. Zum Zeitpunkt seines Besuches (Juli) wurde in der Knopfhütte jedoch wohl nicht gearbeitet. Humboldt hat sich demnach die Knopfhütte vor Ort ausführlich schildern lassen. Als Rohstoff für die Glasknöpfe - die Batterlessteine / Paterle - nennt Humboldt einen Grünstein mit wenig Feldspat und vieler innig beigemengter Hornblende von Schneeberg und Ochsenkopf. Er selbst habe das Gestein noch nirgends im Lande anstehend gefunden", es liege dort "in Butzen umher".

      Bei dem von Humboldt angsprochenen Gestein handelt es sich um ein vulkanisches Gestein, dass in einer rund 5 Kilometer langen und bis zu 20 Meter breiten NNW-SSO-verlaufenden Förderspalte quer durch den Ochsenkopf vorkommt, den sogenannten Proterobas. Vorkommen am Schneeberg gibt es allerdings nicht.

      Humboldt berichtet über das Schmelzen des Gesteins, den Knopfofen sowie das Arbeiten am Ofen. Am Ofen arbeiten 25 Mann (!) vor je einer Öffnung und zogen die geschmolzene Masse (das Glas) mit einer langen Zange ("Kluft" bei Humboldt, auch "Kluppe" genannt) aus dem im Ofen stehenden Schmelztiegel, um es anschließend (durch Drehen) zu "modeln".

      Hergestellt werden im Jahr Knöpfe im Wert von 4.000 - 5.000 Gulden. Bei einem Preis von 6 Kreuzer je "Schnur" mit je 20 Dutzend Knöpfen sind dies ... Knöpfe.

      Die schwarzen Proterobas-Knöpfe wurden mit Emailfarbe bemalt und anschließend die Farbe eingebrannt. Als Farbstoffe wurden verwendet: weiß - Brauneisenstein mit Arsenikkalk, gelb - Birkenkohle, blau - Smalte (mit Kobald gefärbetes Kaliumsilikatglas).

      Humboldt berichtet, dass Glasknöpfe bereits seit 200 bis 300 Jahren in der Region hergestellt werden und ihren Ursprung in "in der Warmen Steinach" - also in Warmensteinach - hat. Derzeit gäbe es im Bayreutherischen fünf Fabriken, die ihre Erzeugnisse nach Schlesien und Polen, teils für den "Sklavenhandel nach Afrika [?] geben."

      Humboldt schließt seinen Bericht über die Knopfhütte mit einer Bemerkung zur Abwanderung von Arbeitern aus dem Bayreuther Fürstentum in die nahegelegee obere Pfalz und nach Böhmen:

      "Bayreuther Arbeiter sind in die obere Pfalz und nach Böhmen übergelaufen und die Konkurrenz der dort neu angelegten Fabriken, die wohlfeileres [= günstigeres] Holz haben, hat den Absatz vermindert und die Ware wohlfeiler gemacht."

      Dies lässt erkennen, dass der Mangel an Holz in der Region wirtschaftliche Folgen hatte.

      Der Fröbershammer

      Humboldt berichtet auch über die Frischfeuer und den Zainhammer, die "vortrefflich eingerichtet" sind und "sehr gute Ware" liefern. Er merkt jedoch an, dass der Verlust an Eisen durch das Frischen beträchtlich ist (3/8). Als wahrscheinliche Ursache benennt er das "Anlaufen" (siehe unten).

      In einem Frischfeuer wird das Roheisen bei starker Hitze wieder aufgeschmolzen. Mit einem Blasebalg wird Luft über die Eisenschmelze geführt, um dem im Eisen von der Herstellung noch vorhandenen Kohlenstoff zu verbrennen. Zwischendurch wird das flüssige Eisen immer wieder umgerührt. Ziel ist es, möglichst wenig Kohlenstoff im Eisen zu haben, um es weniger spröde und damit gut schmiedbar zu bekommen. Das Frischen dauert 5 bis 6 Stunden.

      Der von Humboldt verwendete Begriff des "Anlaufens" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man das Eisen mit einer Stange unter Drehen aus der flüssigen Schmelzmasse herausgenommen hat. Während des Drehens setzte sich das Eisen an der Stange fest. Anschließend wurde es abgeschreckt und geschmiedet. Dann wurde das Eisen wieder in die Schmelzmasse gehalten und die nächste Schicht lagerte sich an. Der Vorgang wurde so lang fortgesetzt, wie sich das Eisen schmieden ließ und dem Schmied nicht zu schwer. Am Grund des Ofens setzte sich das minderwertige "Theileisen" ab. Durch das Schmieden werden noch vorhandene Schlackenreste aus dem Eisen entfernt.

      Das Frischen des Eisens ist ein sehr viel Energie verbrauchender Vorgang. Humboldt berichtet, dass je Frischfeuer am Fröbershammer je Woche 42 Zentner Eisen gefrischt werden, wobei dafür 84 Kübel Holzkohlen verbraucht wurden. Hierzu benötigte man 17 bis 21 Klafter Holz (ganz grob 1 Klafter Holz = 3 Kubikmeter). Für beide Frischfeuer waren das pro Woche rund 102 bis 126 Kubikmeter Holz!

      Lesen Sie hier den gesamten Text Humboldts über die Frischfeuer und den Zainhammer zu Bischofsgrün. Es sei hier als Beispiel der von ihm verwendeten Fachtermini und Darstellungsweise aufgezeigt.

      Tipps

      Glaswanderweg

      Der Glaswanderweg ist ein industriehistorisch interessanter und naturräumlich reizvoller Themenwanderweg mit einer Länge von 42 Kilometern zwischen Weidenberg und Bischofsgrün. Er ist in die Abschnitte

      • Weidenberg - Sophienthal - Zainhammer
      • Zainhammer - Warmensteinach - Grünstein
      • Grünstein - Neugrün - Fichtelberg - Karches
      • Karches - Bischofsgrün

      gegliedert. Ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite www.glas-im-fichtelgebirge.de.

      Waldglashütte am Ochsenkopf

      Archivalische Notizen aus dem 17. Jahrhundert beschreiben eine „Glas- und Knopfhütte am Fichtelberg“, entlegen an der Landesgrenze zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Kulmbach und Obere Pfalz. Archäologische Ausgrabungen unter Trägerschaft der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth e. V. zwischen 2004 und 2006 haben die Relikte der alten Proterobas-Glashütte wieder zum Vorschein gebracht. Die begleitenden archäologischen Untersuchungen sind ein allererster Schritt hin zu einer wissenschaftlichen und interdisziplinären Aufarbeitung der Siedlungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Kunstgeschichte im zentralsten deutschen Mittelgebirge.

      Die am südlichen Hang des Ochsenkopfes im heutigen Landkreis Bayreuth ausgegrabene Glashütte lässt sich weit zurückverfolgen. Lorenz Glaser bittet 1616 um die Genehmigung zur Errichtung einer neuen Hütte auf oberpfälzischen Grund an der Mooslohe. Der Standort zwischen Proterobas- und Quarzitgängen an dem aus den Kalten Brunnen fließenden Bächlein ist ideal gelegen.

      Die Waldglashütte erreichen Sie am besten vom Parkplatz nahe der Bleaml-Alm auf dem Forstweg Richtung Ochsenkopf. An der ersten Abzweigung (ca. 400 Meter nach Eintritt in das Waldgebiet) nach rechts und dem Forstweg noch etwa 200 Meter folgen.

      GEO-Tour Station 13: LUISENBURG / WUNSIEDEL
      Humboldt in Luisenburg / Wunsiedel

      Humboldt und die Luisenburg

      Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Felsenlabyrinth der Luisenburg als berühmtester Besucher Johann Wolfgang von Goethe genannt. Dieser duchstieg Teile des Felsenmeeres 1785, noch vor der ersten Ausbauphase zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten, und bei einem zweiten Besuch 1820. Zu diesem Zeitpunkt war das Labyrinth schon nahezu in seiner heutigen Form begehbar. Über Besuche Alexander von Humboldts ist tatsächlich nur sehr wenig bekannt. Die Kenntnis davon stützt sich auf eine Reisebeschreibung des polnische Grafen de Lagarde-Messence in von 1819, in der es heißt: "[...] dort findet man ein rechtmerkwürdiges Moos, das in der Finsternis schimmert. Als Herr von Humboldt, Bergwerksmeister seines Zeichens, durch diese Berge ging, machte er die Analyse davon [...]". Aufzeichnungen Humboldts selbst hierzu sind jedoch heute nicht mehr verfügbar.

      In Humboldts Inspektionsbereicht von 1792 findet sich die folgende Textstelle:
      "Daß das relative Alter dieser Granit-Abänderungen sehr verschieden ist, läßt sich schon daraus abnehmen, daß man auch die eine nicht selten ("an der Luxburg") als Bruchstück in anderen eingewachsen findet."

      Einige Absätze weiter heißt Humboldt:

      "Der Granit auf dem höchsten Kuppengebirge liegt teils söhlig (aie auf der Luxburg), teils schießt er (wie auf dem Schneeberge) unter 10° gegen Abend [nach Westen] ein."

      Humboldt bezieht sich mit seinen Beobachtungen zweimal auf die Luxburg, die 1805 zu Ehren des Besuches der preußischen Königin Luise in Luisenburg umbenannt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass Humboldt diese Erscheinungen mit eigenen Augen gesehen hat. Anders wäre es auch verwunderlich gewesen, denn bereits ab 1790 begann die Begehbarmachung des Labyrinthes.

      Humboldt und der Granit

      Humboldt ist zu einer fränkischen Zeit noch dem "Lager der Neptunisten" zuzuordnen. Er folgt damit der Lehrmeinung seines Lehrers in Freiberg, Abraham Gottlob Werner. Danach wurde der Granit in einer frühen Phase der Bildung der Erdkruste aus einem Urozean, d.h. aus einem wässrigen Medkum, ausgefällt. Als ein Indiz dafür galt auch die "Schichtung" des Granits:

      "Da, wo noch das alte Ausgehende1) des Granits zu sehen ist, d.i. auf einzelnen, turmähnlichen Kuppen, findet sich der Granit äußerst regelmäßig, wie dichter Kalkstein geschichtet, und zwar in Lagern zu 2 Fuß 8 Zoll."

      1) Das Ausgehende meint hier "die obersten Schichten". Humboldt beschreibt hier Felstürme, Felsbastionen, an denen die horizontalen Lagerklüfte gut zu erkennen sind.

      Seine erste Niederschrift ergänzt Humboldt bei einer Überarbeitung des Manuskriptes (zwischen August 1792 und April 1793) wie folgt:

      "Ich glaube nämlich, daß aller Granit ursprünglich (da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten) d.h. im Ausgehenden geschichtet war und daß geschichteter Granit nur darum ein so seltenes (von einigen nicht reisenden Geognosten geleugnetes) Phänomen ist, weil wir überall gleichsam in den Vertiefungen der zerstörten Erdrinde wohnen und das alte Ausgehende des Granits nur auf den höchsten besuchten Punkten der Erdoberfläche zu suchen ist."

      Für Humboldt ist der Granit nur in seinen obersten Abschnitten geschichtet: "[...] da wo die trocknenden Wasser die Atmosphäre berührten." Auch wenn es im Inspektionsbericht nicht weiter ausgeführt ist, dürfte Humboldt den Granit in der Tiefe als strukturlose Masse betrachtet haben. Ob er Vorstellungen darüber hatte, wie es hierzu gekommen sein soll, ist ebenfalls nicht ausgeführt.

      Bei Seußen nahe Arzberg macht Humboldt eine weitere Beobachtung in den granitischen Gesteinen des Fichtelgebirges, die ihm so bemerkenswert erscheint, dass er sie noch während seiner Inspektionsreise im Juli 1792 an den Herausgeber des Bergmännischen Journals schreibt (vermutlich am 23. Juli). Der Brief erscheint daraufhin noch in der Juli-Ausgabe des Journals.

      "Auf einer Reise durch das Wunsiedler Bergamt entdeckte mein lehrreicher Begleiter Herr Hof-Kammerrath Tornesi, [...] zwei vollkommene Granitkugeln am Wege unweit Seisen [= Seußen]! Dies Phänomen wird Ihnen gewiß nicht weniger auffallend scheinen, als es mir war. Beide Granitkugeln waren von 14-16 Zoll im Durchmesser [35-40 cm][...]. Sie bestehen aus einem deutlichen feinkörnigen Granite mit vielem tombackbraunen Glimmer, und zeigen konzentrisch-schalige absonderte Stücke, von denen wir zwei Schalen ablößten. Beide waren noch ihrer natürlichen Lagerstätte, eingewachsen in einem grobkörnigen Granite, der sich durch den (am Fichtelberg nicht seltenen) kristallisierten Feldspat auszeichnete und der Verwitterung nahe war: ein Beweis also, daß selbst der Granit [...] die Fähigkeit [hat] sich kugelartig zu ballen!"

      Was Humboldt in die Eigenschaft des Granits "sich kugelartig zu ballen" hineininterpretiert, lässt sich nicht ohne Weiteres erschließen. Es ist vermutlich vor allem eine Beobachtung, die er der geognostischen Gemeinschaft kundtun will. Humboldt erwähnt die Kugeln auch in seinem Inspektionsbericht:

      "[...] kommen auch Granitkugeln mit 2- 3fach konzentrisch, schalig abgesonderten Stücken in einem verwitterten Granite bei Seäßen vor".

      In einer nachträglichen Ergänzung kommentiert Humboldt:

      "Ihre Art des Vorkommens zeigt, daß sie nicht sekundär sind. In anderen Teilen europäischer Gebirge sind sie noch nie entdeckt worden und unseren Gebirgen [...] ausschließlich eigen."

      Die Beobachtung Humboldts zeigt sein Interesse und Gespür für das "Nichtalltägliche", die Besonderheiten, die es gilt weiter zu erforschen. Die von Humboldt beschriebene Erscheinung erklärt sich heute als Folge von Verwitterungsprozessen (was sich bei Humboldts Beschreibung ja bereits andeutet). Die "Kugeln" sind in einer Verwitterungsdecke infolge des richtungslosen Gefüges des magmatischen Gesteins entstanden. Ausgehend von einer quaderförmigen, durch Klüfte begrenzten Rohform sind die Gesteinskanten rasch verwittert. In die kugelige Form sind Verwitterungslösungen unterschiedlich weit eingedrungen (oder auch thermische Einwirkungen, Frost oder Temperatur) und haben die konzentrischen Schalen abgelöst.

      Tipps

      Besuchen Sie das Felsenlabyrinth der Luisenburg - eine der wichtigsten geologischen Lokalitäten im GEOPARK Bayern-Böhmen.

      GEO-Tour Station 14: KLAUSEN / SEUßEN
      Humboldt in Klausen / Seußen

      Humboldt und das Klima

      Alexander von Humboldt besucht das Püttnersche Alaunwerk Treue Freundschaft in der Klausen bei Seußen erstmals am 24. Juli 1792 im Rahmen seiner "Inspektionsreise". In seinem Bericht schildert er ausführlich das Werk und die Produktionsschritte der Herstellung von Alaun.

      Schon in seinem Bericht beschreibt er die bituminöse Blätterkohle, in der "oft noch unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten" haben, zu finden sind. Humboldt erwähnt diese Fossilien auch in einem Brief an den Verleger des "Bergmännichen Journals" Hoffmann, der diesen bereits in der Juli-Ausgabe 1792 abdruckt. Dort heißt es:

      [...]Bei Klausen an der Oberpfälzischen Grenze liegt das 21 Lachter mächtige Braunkohlenflöz unter einem Gerölle von mehr oder weniger verwitterten Basaltkugeln. Einige sind mit den Fingern zerreiblich, und doch erkennt man noch die 6-9 fach concntrisch schaligen abgesonderten Stücke. In der Braunkohle finden sich unversehrte Aeste von Tannenzweigen, die fast ihre natürliche Farbe erhalten haben, und so also gegen die Feuerrevolution zeugen. [...]"

      Mit dem Zeugnis gegen die Feuerrevolution spielt Humboldt auf die Diskussion zwischen Neptunisten und Plutonisten an (siehe dazu Station Luisenburg und Steinhaus). Nachdem Basalte die Braunkohlen überlagern, war Humboldt der Meinung, dass - wären diese aus glutflüssiger Lava erstarrt - die Lava die Pflanzenfossilien in der Farbe verändert, vermutlich verbrannt hätten. Aus heutiger Sicht ist bereits die Interpretation der Lagerungsverhältnisse nicht richtig. Die Basaltblöcke sind in einer lehmigen Grundmasse durch den Prozess des Bodenfließens hangabwärts auf die Braunkohlenlager verfrachtet worden.

      Die Sache mit der Ekliptik

      Im November 1794 schreibt Alexander von Humboldt einen Brief an den Mathematiker Johann Friedrich Pfaff. Darin kündigt er ein größeres Werk unter dem Titel "Ideen zu einer künftigen Geschichte und Geographie der Pflanzen oder historische Nachricht von der allmäligen Ausbreitung der Gewächse über den Erdboden und ihren allgemeinsten geognostischen Verhältnissen" an, das "in 20 Jahren" erscheinen soll. In dem Brief erläutert Humboldt, dass selbst in hohen geographischen Breiten Pflanzenfossilien vorkommen, die unter "Tropenwärme" vor Ort gewachsen sind. "Unter den vielen möglichen Gründen, welche eine Tropenwärme [...] hervorbringen können, studiere ich den besonders über die veränderte Schiefe der Ekliptik ...". Humboldt bittet Pfaff um eine Stellungnahme darüber, ob die Ekliptik in der Vergangenheit nicht auch 48° (gegenüber heute 23 1/2°) betragen haben könnte. Die Antwort von Pfaff ist nicht erhalten, da Humboldt in aller Regel die an ihn gerichteten Briefe vernichtete. In einem Vortrag vor der Akademie zu Berlin am 24. Januar 1823 stellt Humboldt eine völlig andere Hypothese zum Wachstum wärmeliebender Pflanzen weit außerhalb der heutigen Tropen auf. Lesen Sie diese Textpassage hier

      Humboldt schließt seinen Brief wie folgt:

      "Auf meinen rauhen Felsenhöhen hänge ich solchen Träumereien nach. Beraubt von den nothwendigsten Hilfsmitteln muß ich mich an lebendige Orakel wenden ...".

      Was ist Alaun?

      Alaun ist chemisch ein wasserhaltiges Doppelsulfat (SO44-), ein Salz der Schwefelsäure, vermischt mit Tonerde, einer kleinen Menge Potasche (Kalium) und Ammonium. Verwendung fand Alaun u.a.

      • in der Färberei als Beizmittel vor dem Aufbringen von Farbstoffen,
      • in der Gerberei, um weißgares Leder herzustellen,
      • zum Leimen von Papier, um es tintenfest zu machen,
      • zum Härten von Gips und Gelatine,
      • zum Stillen innerer Blutungen und Durchfälle
      • zum Blutstillen bei Schnittwunden (Rasur)
      • als Deodorant

      Alaun kommt in der Natur i.d.R. nicht als Mineral vor, sondern muss in mehreren Schritten aus Schwefel-führenden Gesteinen ausgelaugt werden. In Frage kommen dafür Braunkohlen oder Schwefelkies-haltige Alaunschiefer.

      Das ehemalige Alaunwerk auf der Klausen

      Bereits 1732 gab es in Hohenberg a.d. Eger die Braunkohlengrube "Freundschaft". Dort verbrannte man die Kohle und laugte sie anschließend zur Herstellung von Alaun aus. In Arzberg entstand 1765 eine Alaunhütte am Schachtweg "in der Biih" (= bei der Alaunhütte), die ihre Braunkohle ebenfalls aus Hohenberg bezog, jedoch bereits 1770 ihren Betrieb wieder einstellte.

      Für das Gebiet der Klausen erwirbt der in Seußen ansässige Oberförster Balthasar Christoph Reiz die Mutungsrechte für die Zeche "Treue Freundschaft", die 1762 ihren Betrieb aufnimmt. Vor Ort entsteht ein Alaunwerk, in dem aus der Schwefelkies-haltigen Braunkohle bis 1837 (75 Jahre lang) Alaun produziert wird. Erwähnung finden die Schwefelkies-haltigen Braunkohlen allerdings schon in der von dem markgräflichen Bergrat Johann Wilhelm Kretschmann stammenden "Sammlung zu einer Berg Historia" als "Schefel Kieße von der Clausen, eine Stunde von Redwitz nach Arzberg zu, wobei eine Art Stein Kohlenn, so alaunisch seyn ...".

      Eine erste Beschreibung des Alaunwerkes stammt von 1786:

      "Das Werk besteht aus 2 Hauptgebäuden, wovon jedes 2 Stockwerke hoch ist. In denselben wird zu ebener Erde in 5 kleinen Blechpfannen die Lauge gekocht und in 5 größeren Bleipfannen abgekühlt [...]. Hinter dem Gebäude befindet sich eine Hütte mit 10 hölzernen Kufen verschiedener Größe, in welchen sich die Sole sammelt. 11 Personen liefern wöchentlich 8 Zentner Alaun und etwas rote Farberde". (Nach: J.K. Bundschuh, Geographisches Lexikon von Franken, Ulm 1799-1804).

      Alexander von Humboldt und das Alaunwerk auf der Klausen

      Alexander von Humboldt widmet dem Alaunwerk auf der Klausen 1792 einen ausführlichen Bericht. Er stellt darin fest, dass das Gestein, "aus welchem man hier den Alaun gewinnt, [...] weder Alaunschiefer noch Alaunerde, sondern wahre Braunkohle" ist. Die Lagerstätte des Flözes bezeichnet er als "überaus merkwürdig".

      Aus Humboldts Beschreibung der Lagenstätte lässt sich der folgende geologische Aufbau ableiten:

      • Humus
      • 2 - 3 m Verwitterungslehm mit 37 - 42 cm großen Basaltkugeln
      • 4 - 5 m weiße und braune Letten
      • darunter (ab ca. 8 m) folgt das Braunkohlenflöz

      Die Mächtigkeit des Flözes ist offensichtlich unbekannt, es soll jedoch noch in 42 m Tiefe erbohrt worden sein. Humboldt hält fest, dass die Lagerstätte im Nordwesten von Gneisen begrenzt wird (man findet sie in mehreren Aufschlüssen heute noch entlang des nördlichen Uferweges. In der Braunkohle beschreibt Humboldt "unversehrte Tannenzweige, die ihre natürliche Rinde erhalten [haben], und unverwitterte Schwefelkiese."

      Der Beschreibung Humboldts zufolge erreichten die Bergleute das Braunkohlenflöz von der Oberfläche her über mehrere mit großem Aufwand gezimmerte Schächte. Über diese wurde das "mit dem Keilhauer Gewonnene durch Haspel herausgefördert." Der eigentliche Abbaustollen lag bis in 28 Meter Tiefe und hatte eine Länge von rund 220 Metern in südlicher Richtung. Der größte Teil des Stollens war ausgezimmert.

      Zur Zeit von Humboldts Besuch arbeiteten 12 Bergleute auf der Grube, das Alaunsieden erfolgte nur während der wärmeren Jahreszeit. Das mit verwittertem und unverwittertem Schwefelkies durchsetzte Alaunerz, die Braunkohle, wurde auf die "Bühne" verbracht, ein aus Balken und Brettern bestehendes Bauwerk oberhalb der Grube, die mundartlich so genannte "Biih". Auf der "Biih" wurden die Braunkohlen vor der eigentlichen Alaunproduktion erst eineinhalb bis zwei Jahre gelagert, um dort zu "wittern". Danach beginnt das Auslaugen (12-15 Jahre!). Während der Lagerung und später beim Begießen und Wenden der Braunkohlen oxidiert der Luftsauerstoff den Schwefelkies (Pyrit) in der Braunkohle. Die dabei freigesetzte Schwefelsäure löst aus den tonigen Begleitsedimenten der Braunkohle Aluminium, Kieselsäure und Bitumen heraus. Diese Lauge wird in einen Schuppen nahe der Alaunhütte geleitet, wo sie in mehreren, im Boden eingelassenen Vorratskästen (1,50 m im Durchmesser, 1,20 m tief) zwischengelagert wird.

      Im nächsten Schritt wird die Lauge in drei "Läuterpfannen" 36 Stunden lang "gesotten" (gekocht). Während des Siedens setzen sich die bituminösen Bestandteile und die Kieselsäure als teerartige Masse ab, die getrocknet schwarz-glänzend ist und einen muscheligen Bruch hat. Die geläuterte Lauge wird zum Abkühlen in größere Pfannen geleitet, danach in zwei Garpfannen unter Zugabe von Pottasche (Kaliumkarbonat) 24 Stunden eingedampft.

      Humboldt nennt in seinem Bericht, dass wöchentlich 5 Zentner Alaun produziert werden. Der Holzbedarf dafür beträgt 10 Klafter. Humboldt bilanziert daraus die jährliche Produktion von 100 - 120 Zentner Alaun mit einem Holzverbrauch von 200 - 240 Klaftern (bei 5 - 6 Monaten Betrieb). Kritisch äußert er sich über den hohen Holzverbrauch, den er u.a. einer unsachgemäßen Befeuerung und falschen Bauweise der Pfannen zuschreibt.

      Das "Püttnersche Alaunwerk" auf der Klausen

      Humboldt benennt das Alaunwerk auf der Klausen als das "Püttnersche Alaunwerk". Es gehörte demnach der Kaufmanns- und Bankierfamilie Jakob Friedrich Püttner (1720-1798) aus Hof, die auch Eigentümer der Vitriol- und Alaunhütte "Goldene Adlerhütte" bei Wirsberg war. Dessen Enkel, Georg Friedrich Püttner, war Kommilitone Humboldts in Freiberg und übernahm später das Vitriolwerk bei Wirsberg und die Alaushütte auf der Klausen.

      Hüttenmeister zur Zeit des Besuches von Humboldt war der Johann Christian Ullmann, "... ein sehr verständiger Mensch, aber ehemaliger Bermann aus Johanngeorgenstadt, der sich wohl besser auf Bergbau als Pyrotechnik verstehen mag." (Humboldt). Von 1808 an leitete das Püttnersche Alaunwerk der aus der Niederlausitz stammende August Reinsch (1778 - 1869), der ausgebildeter Apotheker war. Er war zuvor als Laborant auf der "Goldenen Adlerhütte" tätig. Reinsch übernahm nach dem Tod des Obersteigers J.C. Benker 1805 die Leitung der 1795 von Alexander von Humboldt in Arzberg gegründeten Bergschule. Reinsch übernimmt einige Jahre vor 1833 das Alaunwerk zu eigener Pacht. Für das Jahr 1829 werden noch 5 Bergarbeiter und 10 Alaunsieder genannt. Das Alauswerk wird 1833 von den Püttnerschen Gewerken an den Seußener Gutsbesitzer Christian Paul Aecker verkauft. Reinsch geht als "Berg- und Hüttenfaktor" (Verwalter) des Schwefelkiesbergwerkes am Silberberg nach Bodenmais (heute Besucher-Bergwerk).

      Der Niedergang des Alaunwerkes auf der Klausen

      Der neue Eigentümer seit 1833 des Alauswerkes, Christian Paul Aecker aus Seußen, betrieb das Werk nach einer Angabe von Carl Wilhelm von Gümbel nur bis zum Jahr 1837. 1834 heißt es in einem Text jedoch bereits, das sich " [...] sämtliche Grubenbaue der 'Treuen Freundschaft'bei Seußen ohne alle Beaufsichtigung und Unterhaltung befinden, wodurch eine sehr üble Gruben- und Hüttenwirtschaft [entstanden] ist". 1853 kam es durch das Bergamt zu einer "Freierklärung", da die Erben des mittlerweile verstorbenen Christian Paul Aecker den Verpflichtungen des Bergamtes nicht nachkamen.

      Vom Alaunwerk zum Freizeitsee

      1870 entsteht an Stelle der aufgelassenen Bergbaugrube der Klausenteich, jedoch wird die Staumauer durch ein Hochwasser im Juni 1913 zerstört. Erst 1935 wird der Teich durch den Klausenwirt Georg Sölch neu angelegt. Dieser wird 1912 zusammen mit seiner Familie als Bewohner des Gebäudes Nr. 1 des Anwesens "Treue Freundschaft" genannt. Im anderen Gebäude (1a) lebten sechs weitere Familien. Das von dem Ökonomen und Bierwirt Wirtshaus bestand bis zur Flutung des Feisnitzsee 1972/73 als Kühlwasserreservoir für das Braunkohlen-Kraftwerk Arzberg.

      Tipps

      Machen Sie einen Rundgang um den Feisnitz- bzw. Haid-Speichersee (Wegstrecke rund 2,2 Kilometer) oder besuchen Sie den 32 Meter hohen Aussichtsturm, die Waldenfelswarte, auf dem 633 Meter hohen Kohlberg. Von diesem haben Sie eine einzigartige Aussicht in das Fichtelgebirge, nach Böhmen und in die nördliche Oberpfalz (einfache Wegstrecke ab Parkplatz 1,6 Kilometer).

      GEO-Tour Station 15: ARZBERG
      Humboldt in Arzberg

      Die Lagerstätten in Arzberg und Umgebung waren zurzeit Humboldts und darüber hinaus die ergiebigsten im Wunsiedler Revier. Abgebaut wurden die an den Wunsiedler Marmor gebundenen Eisenerze. Und dies bereits seit dem Mittelalter. Erst 1941 kam der Bergbau in Arzberg mit der Stilllegung der Zeche "Kleiner Johannes" zum Ende. Über die Geschichte des Bergbaus, das Wirken Alexander von Humboldts in Arzberg und die Geologie des Fichtelgebirges informiert die heute auf dem Gelände der ehemaligen Zeche bestehende Infostelle von Naturpark Fichtelgebirge und GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Entsprechend der Bedeutung von Arzberg hielt sich Alexander von Humboldt häufiger wohl auch in Arzberg auf, doch gibt es nachweislich nur wenige Briefe, die von hier stammen. Humboldt wohnte während seiner Aufenthalte in Arzberg im Müssel'schen Haus, dem heutigen Bergbräu. Eine Gedenktafel in der Hausfassade erinnert daran. Sie wurde bereits am 12. September 1880 dort angebracht. Der damalige Arzberger Bürgermeister gab bei der Einweihung der Gedenktafel das Versprechen, "dass er sowohl als auch alle seine Nachfolger dasselbe würdig für alle Zeiten schützen und der Nachwelt zum ewigen Andenken an den großen Gelehrten, auf den Deutschland, Europa, ja die ganze zivilisierte Welt stolz ist, erhalten wollen".

      Wie in Steben richtet Alexander von Humboldt in Arzberg eine Bergschule ein. Ende Juni schrieb Humboldt von seinen Plänen an das Oberbergdepartement in Bayreuth. Man sei "dort oben in der Kultur zurück", und die Schule sei hier nötiger als irgendwo. Nach langem Suchen wäre die Wahl auf den Obersteiger Johann Caspar Bencker (†1805) als Schulleiter gefallen. Dieser sei ein verdienstvoller und sehr erfahrener Grubenbeamter, der gewiss auch als Lehrer einiges leisten würde. Im Herbst 1795 schreibt Humboldt in seinem Generalbericht über das Wunsiedler Revier, dass der Etat für die Schule bereits eingeplant sei. Begonnen wurde mit dem Unterricht jedoch erst 1796. Es handelte sich um eine Winterschule mit Unterricht von November bis Mai für "Bergjungen" ab dem 12. Lebensjahr. Weder in Arzberg noch in Wunsiedel ist allerdings ein Gebäude für die Bergschule nachweisbar. Es ist daher anzunehmen, dass der Unterricht in der Wohnung des Bergschullehrers abgehalten wurde. Im Jahr 1804 wurde die Arzberger Bergschule nach Goldkronach verlegt.

      Lesen Sie hier die Textpassage aus Humboldts Generalbericht von 1795, in der er auf die geplante Bergschule in Arzberg eingeht.

      Aus den Briefen und Berichten Alexander von Humboldts geht hervor, dass er in Arzberg häufig persönlich in die Bergwerke eingefahren ist. Schon während seiner Inspektionsreise 1792 besuchte er eine Reihe dieser Gruben:

      "Die Gruben, welche ich befahren, waren Susannen-Glück und Goldkammer Fundgrube, Silberkammer Fundgrube, Anna Christiana Fundgrube, Gottes Geschick Fundgrube und Friedrich Christian Fundgrube. Die beiden Hauptgruben gehören dem Faktor Müßel, dessen Vater sein Vermögen dem Bergbau fast schon ganz aufgeopfert hatte, als er diese Werke aufnahm, welche ihm und den Nachkommen einen reichlichen Ersatz geben und die [Berg-] Baulust zu Arzberg aufs neue sehr rege gemacht haben".

      St. Georg-Stollen im Röslautal

      In seinem Generalbericht schreibt Humboldt auch über den St. Georg-Stollen im Tal der Röslau (= Gsteinigt). Konkret geht es um Verbesserungsvorschläge für den weiteren Ausbau des Entwässerungsstollens für die Arzberger Bergwerke (= Erbstollen). Über dem Eingang des 2008 wiederhergestellten Mundlochs stehen die Jahreszahlen 1722-1795-1817-2008. Sie kennzeichnen die wichtigsten Ausbau- und Sanierungsetappen des Stollens.

      Der St. Georg-Stollen wurde 1722 im Tal der Röslau so tief wie möglich angelegt und bis 1727 bis zur Eisensteinzeche Morgenstein vorangetrieben. In einem Befahrungsbericht vom August 1770 wird erwähnt, dass der Stollen im Bereich der Zeche Morgenstern fast völlig verbrochen ist. Bis zur Grube "Gold- und Silberkammer" scheint er jedoch durchgängig gewesen zu sein. [3] Die Gold- und Silberkammer ist die wohl bedeutendste Grube des Wunsiedler Reviers.

      Im Jahr 1817 wurde in dem Stollen erstmals eine "Wasserkunst" eingebaut. Darunter versteht man im Bergbau eine technische Vorrichtung zur Entwässerung von Grubenbauten. Diese wurde bereits von Alexander von Humboldt ins Gespräch gebracht. So schreibt Humboldt 1795 in seinem Generalbericht:

      "Mein hartes Eindringen in den Faktor [= Unternehmer] Müssel, nach Vorschriften des B.[erg]Amts nun so zu bauen, daß die Gewältigung mit dem Kunstgezeuge möglich wäre [...]."

      Im nächsten Satz heißt es:

      [...] und hielt es für besser, jetzt loszubrechen, als eine so wichtige den Arzberger Bergbau allein erhaltende Arbeit verzögert zu sehen."

      Für den Einbau einer Wasserkunst will Humboldt die technischen Voraussetzungen schaffen. So schlägt er zunächst die Beseitigung von Krümmungen im bestehenden Stollen vor.

      "Bei einem so langen Gestänge, zu dem man sich ja ohnedies nur aus Noth verstehen mußte, weil kein anderes Mittel die Arzberger Gruben zu sichern übrig blieb, bei einem so langen Gestänge muß jede Krümmung vermieden werden."

      Mit dem Einbau der Wasserkunst sollte es möglich werden, insbesondere die Abbausohlen der ertragreichen Gold- und Silberkammer Gruben tiefer zu legen. Erst nach Humboldts Weggang wird die technische Anlage 1797 bis ins Detail geplant. Umgesetzt wurde sie jedoch erst im Jahr 1817. Angetrieben wurden die eingebaute Wasserhebemaschinen (mit 20 Pumpwerken, verbunden über ein Gestänge im St. Georg-Stollen) durch ein unterschlächtiges Wasserrad im Röslautal. Der Schacht der Grube Gold- und Silberkammer konnte bis 1841 auf 120 Meter unter Gelände abgeteuft werden. Noch heute sind im Uferbereich die Reste der ehemaligen Radstube zu erkennen.

      Lesen Sie hier Humboldts Originaltext zum Sankt-Georg-Stollen.

      Der St. Georg-Stollen besteht noch heute. Während des 2. Weltkrieges diente ein Teil von ihm den Arzbergern zeitweilig als Luftschutzraum. Nach dem Krieg wurde das Mundloch verschlossen und war kaum noch als solches zu erkennen. Im Jahr 2008 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und nach der alten Aufnahme von 1913 in seiner heutigen Form saniert. Seit 2009 gehört das Gsteinigt mit seinen geologischen und montanhistorischen Zeugnissen zu den "100 schönsten Geotopen von Bayern".

      Humboldt-Orte in Arzberg

      Müssel-Haus / Bergbräu

      Bei seinen Aufenthalten in Arzberg wohnte Alexander von Humboldt auf dem Kirchberg im Hause der Patrizierfamilie Müssel.

      Infostelle Altes Bergwerk Kleiner Johannes

      Die Infostelle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Eisenerz-Bergwerkes Kleiner Johannes. Sie zeigt in mehreren Räumen einen Querschnitt durch die wichtigsten Gesteine und Mineralien des Fichtelgebirges sowie die Geschichte des Bergbaus in Arzberg. Auf dem Gelände befindet sich eine kleine Ausstellung mit Gesteinsexponaten aus dem Fichtelgebirge, der Nachbau der ehemaligen Förderanlage sowie ein Schaustollen. Eine 2017 ergänzte Ausstellung zur ehemaligen Specksteingrube Johannes bei Göpfersgrün ist nur zu besonderen Zeiten möglich.

      Anschrift: Altes Bergwerk, Altes Bergwerk 1, 95659 Arzberg
      Telefon: (0)9233 40 40 (Stadt Arzberg)
      GPS: 50.059242, 12.192009

      Öffnungszeiten der Infostelle:
      Von Josefi (19.3.) bis Barbara (4.12.),
      jeweils von 8 - 17 Uhr

      Das Bergbaurevier Arzberg-Röthenbach

      Die Verhältnisse im einstigen Arzberg-Röthenbacher Revier sind in der Monografie von Ernst Schmidtill (1963) ausführlich beschrieben. Die Lagerstätte, die an den Marmorzug gebunden ist, ist zwischen Röthenbach und Arzberg zweigeteilt in einen südlichen und einen nördlichen Erzzug (entsprechend zweier Marmorzüge). Das Profil der unten gezeigten Karte zeigt zwei voneinander getrennte Marmorlagen, die durch einen Phyllitrücken getrennt sind. Marmor und Phyllite fallen mit 70 - 80° nach Südwesten ein. Der Phyllitrücken ist bei Röthenbach etwa 60 Meter mächtig, östlich davon nur noch rund 30 Meter. Bei Arzberg ist er überhaupt nicht mehr vorhanden.

      Mehr erfahren

      Tipps

      Volkskundliches Gerätemuseum Bergnersreuth

      Das Museum Bergnersreuth ist ein Freilichtmuseum in einem alten Bauerngehöft. Neben den Dauerausstellungen zu den landwirtschaftlichen Geräten gibt es Abteilungen zur Bodenqualität und -bearbeitung. Original erhalten sind teils die Wohnstuben der ehemaligen Bewohner. Das Museum ist auch Station der GEO-Tour Boden des GEOPARK Bayern-Böhmen.

      Anschrift: Wunsiedler Str. 14, 95659 Arzberg
      Telefon: (0 92 33) 52 25
      Internet: www.bergnersreuth.de

      Öffnungszeiten:
      Dienstag - Sonntag: jeweils von 10-17 Uhr (Montg geschlossen)

      GEO-Tour Station 16: STEINBERG / Steinhaus Thiersheim
      Humboldt in Steinberg / Steinhaus Thiersheim

      Humboldt, die Kohle und der Vulkan

      Das Steinhaus liegt am Fuße des "Steinberg-Vulkans". Dieser gehört zusammen mit dem "Neuhauser Schloßberg" und dem bereits in Tschechien liegenden "Plattenberg" (Blatná) zu einem vulkanischen "Dreigespann" an der bayerisch-tschechischen Grenze. Zwischen dem Steinberg und dem Plattenberg hat sich die Eger in einem markanten Tal eingetieft.

      Der Steinberg wird von Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit der Suche nach Steinkohlen erwähnt. Der hohe Bedarf an Brennmaterial für das Montanwesen weckte schon vor Humboldts Amtszeit in Franken das Interesse der Bergbehörde an diesem fossilen Energieträger, doch war die Suche danach wohl eher unsystematisch. Humboldt stellt die Kohleprospektion auf neue Füße. Der Fokus lag dabei in den Gebieten zwischen Bayreuth und Kulmbach (Kulmbach/Kessel, Schlemme/Schlämm, Lanzendorf: Lettenkohlen/Keuper), Neustadt am Kulm (Lettenkohlen/Keuper) und in der Umgebung des Steinberges (Tertiär).

      Am 22. Oktober 1794 schreibt Alexander von Humboldt an der Oberbergdepartement in Bayreuth:

      "Da durch einzelne, unvollendete Versuche auf Steinkohlen bisher die Frage, ob wir bauwürdige Flöze im Lande haben, nicht entschieden und viel Geld versplittert worden ist, so hatte ich mich entschlossen, die Sache methodisch anzugreifen.[...] und gab ihm [dem Berggeschworenen Sievert] eine ausführliche Anweisung, alle Punkte, wo nur Sage oder Hofnung auf Steinkohlen wäre, einzeln zu untersuchen und ein Verzeichniß davon anzufertigen. Ich hielt es für ökonomisch wichtig genug, wenn man nur eine sichere Liste solcher Orte niederlegen könnte, wo nicht mehr zu suchen ist, statt dass man sonst immer auf dieselben Punkte zurückkehrt. Ich habe, indem ich dies Verfahren dem Hochl.[öblichen] K[öniglichen O.B. Dep. gehorsamst anzeige, die Ehre, den Anfang der Sieverschen Arbeit in der Anlage einzureichen, weit entfernt indes von der Besorgnis, dass alle Versuche, welche

      bei Culmbach,
      bei Lanzendorf und Schlemme,
      unter den Basalten der Arzberger Refier und vielleicht bei Sulz im Ansbachischen anzustellen sind, gleich fruchtlos sein werden."

      In einem weiteren Schreiben am 19. März 1795 schlägt Humboldt tiefere Bohrungen (20 - 24 Lachter, ca. 40 - 48 m) u.a. "an den Basalten des Wunsiedler Refiers" (am Steinberg) vor. Die Bohrung am Steinberg wird in der Folgezeit auch durchgeführt. Jedoch ohne einen erhofften Erfolg.

      Im Herbst 1796 erreicht Humboldt eine Anfrage des Oberbergdepartements zu einer weiteren Erkundungsbohrung bei Kothigenbibersbach. Humboldt rät davon ab. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut der Briefes Humboldts an das Oberbergdepartement.

      Der Vulkan und der Basalt

      Auch wenn es der Titel unserer Tafel suggeriert, Alexander von Humboldt sah im Steinberg keinen Vulkan. Dass es sich dabei um einen Basaltberg handelte, war ihm bewusst. Das geht aus seinen Briefen ans Oberbergdepartement hervor. Humboldt war während seine Zeit in Franken jedoch noch Anhänger der Lehrmeinung Gottlob Abraham Werners. Dieser war in Deutschland der wichtigste und einflussreichste Vertreter der "Neptunisten". Diese sahen im Basalt ein aus einem Urozean ausgefälltes Gestein, das in keinem Zusammenhang mit Gesteinsschmelzen oder Vulkanen stehen würde. Vulkane waren für die Neptunisten dagegen das Ergebnis im Untergund brennender Kohlelager. Humboldt maß daher dem Basalt des Steinberges keine besondere Bedeutung bei.

      Tipps

      Hutschenreuther Gedenkstein

      Besuchen Sie den Carolus Magnus Hutschenreuther-Gedenkstein. Dieser erinnert an das Auffinden von Kaolin in der Nähe des Steins durch den Begründer der C. M. Hutschenreuther Porzellanfabrik in Hohenberg a.d. Eger (1822). Tatsächlich hatte ihm das Kaolin sein Verwandter und späterer Schwiegervater, der Oberförster Ernst Ludwig Reuß, bei einem Besuch in Hohenberg gezeigt. Hutschenreuther blieb in Hohenberg und richtete 1814 in Räumen der Hohenberger Burg, die ihm Reuß zur Verfügung gestellt hatte, eine Porzellanmalerei ein. Das Jahr 1814 gilt daher auch als Geburtsjahr der Porzellanindustrie im Fichtelgebirge. In Sichtweise zum Gedenkstein liegt eine ehemalige Farberde-Grube (mit kleiner Infotafel).

      Geotop Heiligenberg

      Über den "Mittelweg" ("M") erreichen Sie das auf der Nordostseite des Steinberges liegende Geotop "Heiligenberg". Dort können Sie die Basalte des Steinberges in anstehenden Felsen sehen. Von hier aus hat man auch eine Aussicht ins Egerer Becken.

      © GEOPARK Bayern-Böhmen

      Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Goldkronach

      Faltblatt „Humboldtweg“

      Gönningen: Kalktufflehrpfad

      Der Tuffstein-Lehrpfad im Reutlinger Stadtteil Gönningen erläutert anhand verschiedener Schautafeln die Entstehung des Kalktuffs sowie dessen Bedeutung für die Landschaftsformung und für die Natur und Umwelt.

      Der Kalktuff-Lehrpfad wurde 2003 vom Schwäbischen Albverein angelegt und 2021 vom Gönninger Bezirksgemeinderat erneuert. In elf Tafeln werden Geschichte und Hintergründe des Tuffsteins anschaulich erklärt.

      Der Pfad kann entweder vom Gönninger Rathaus talaufwärts bis zum Parkplatz bei den Gönninger Seen (ca. 1 Stunde, Route siehe unten) und dann weiter bis zu den Quellen (ca. 1/2 Stunde) gewandert oder gleich bei den Gönninger Seen begonnen werden.

      Dem Kalktuffauf die Spur kommt man, wenn man dem Weg durch das idyllische Wiesaztal folgt, über die Talmühle bis hin zumUrsprung der Wiesaz. Vorbei an Seen und kleinen Wasserfällen, auf schmalen Pfaden und breiten Wegen finden sichüberall Spuren des früheren Tuffsteinabbaus. Das Wasser der Quelle sprudelt eher unscheinbar zwischen den Steinenaus dem karstigen Boden herauf. Elf Hinweistafeln entlang des Weges informieren detailliert überdie Entstehung des Tuffsteins, den industrialisierten Abbau und über seine regionale und bundesweite Bedeutung.

      Mit diesem Wissen sollte man sich auf dem Rückweg einige Bauwerke, in denender Gönninger Kalktuff verbaut ist, näher betrachten: das Gönninger Rathaus, das Neue Schulhaus und die Kirche – überall findet man Bauelemente aus dem großporigen Gestein.

      Wegstationen
      Station 1: Die Wiesaz - ein besonderes Albflüsschen
      Station 2: Kalktuff prägt die Landschaft
      Station 3: Stein aus Wasser ("Kalktuff")
      Station 4: Die Gewinnung von Tuffstein und seine Verarbeitung
      Station 5: Tiere und Pflanzenan den Seen
      Station 6: Gönninger Seen: 1976 zurük zur Natur
      Station 7: Pflanzen und Tiere des Baches schaffen Kalktuff
      Station 8: Die Wiesaz musste wandern
      Station 9: Im Profil interessant: Das obere Wiesaztal
      Station 10: Gönningen und der Kalktuff
      Station 11: Bauwerke aus Gönninger Tuffstein

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Kalktuffe - Naturwerksteine in Baden-Württemberg

      Beschreibung Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB), Freiburg

      Textquellen

      Mythos Schwäbische Alb

      Gosheim: Geopark Nördlinger Ries, Lehrpfad Kalvarienberg

      Das Geotop Kalvarienberg bei Gosheim bietet Einblicke in die „Ries-Tektonik“ am östlichen Kraterrand.

      Östlich von Gosheim gelegen, im Übergang des Rieskraters zur Monheimer Alb, in der sogenannten Megablockzone zwischen Innerem Kraterring und Äußerem Kraterrand, erklären entlang des zugehörigen Lehrpfads sieben Ereignistafeln geologische und naturkundliche Phänomene. Zwei Sitzgruppen laden zwischendurch zu einer Vesper und zum Verweilen ein.

      Ein kulturgeschichtliches Highlight ist der Kreuzweg aus dem 19. Jhd., der vorbei an einer Kapelle wieder zum Startpunkt des Geopark-Lehrpfads führt. 

      Die Entstehung des Rieskraters

      Vor 14,5 Millionen Jahren rast ein etwa 1 km großer kosmischer Körper (Asteroid), begleitet von einem 150 m großen Trabanten, auf die Erde zu. Beide schlagen mit einer Geschwindigkeit von über 70.000 km/h auf der Albhochfläche ein und erzeugen zwei Krater mit Durchmessern von 24 km und 4 km:

      Das "Nördlinger Ries" und das "Steinheimer Becken".

      Bei Drücken von mehreren Millionen bar und Temperaturen über 20.000˚C verdampfen der Asteroid und Teile der Gesteine  bzw. werden aufgeschmolzen. Eine Druckfront (Stoßwelle) bewegt sich mit Überschallgeschwindigkeit durch das tiefere Gestein, verändert es und führt durch eine Schockmetamorphose zur Bildung von Hochdruckmineralen wie Coesit und Stishovit (Quarz) sowie Diamant (Kohlenstoff).

      In den ersten Sekunden nach dem Einschlag entsteht eine über 4 km tiefe Kraterhohlform. Die ausgeschleuderten Gesteinsmassen bilden bis in eine Entfernung von 50 km eine geschlossene Auswurfsdecke (Bunte Trümmermassen). Zeitgleich schießt eine heiße Glutwolke über dem Krater in die hohe Atmosphäre. Der tiefe Krater besteht nur wenige Sekunden.

      Im Kraterboden werden die kristallinen Gesteine des Grundgebirges freigelegt, der Kraterboden wölbt sich auf. Gleichzeitig brechen vom übersteilen Kraterrand Gesteinsschollen ab und vergrößern dadurch den Krater, der ursprüngliche Kraterrand wir immer undeutlicher, der Krater sebst verflacht.

      Nach wenigen Minuten sind alle Gesteinsbewegungen beendet. Die Glutwolke kollabiert und lagert mehrere 100 m mächtige heiße Gesteinsmassen im Krater und auch in isolierten Bereichen außerhalb des Kraters ab (Suevit).

      Im Umkreis von 100 km oder mehr war alles pflanzliche und tierische Leben bereits durch die enorme Druck- und Hitzewelle ausgelöscht worden.

      Ries-See

      Im Krater selbst bildete sich ein abflussloser See, der sog. Ries-See, der überwiegend von Niederschlägen innerhalb des Kraters und seiner nächsten Umgebung gespeist wurde.

      Direkt nach dem Impaktereignis füllte sich der Krater zunächst durch sintflutartige Regenfälle. Im Becken sammelten sich mächtige Schlamm- und Schuttströme aus zusammengeschwemmten Gesteinstrümmern der Auswurfmassen. Der aus den gelösten Mineralstoffen der Riestrümmermassen stammende Salzgehalt im See wird durch Niederschläge nur langsam verdünnt, so dass über längere Zeit ein Salz-(Soda-)See bestand.

      Ursprünglich reichten die Ablagerungen des Ries-Sees mehr als 100 m über die heutige Riesebene. Der Krater war spätestens ab dem Obermiozän weitgehend aufgefüllt. Erst durch die Erosion während des Eiszeitalters wurde die heutige Kraterform wieder sichtbar.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Nördlinger Ries

      Faltblatt „Geotop Kalvarienberg“

      agsdi-file-pdf

      Nördlinger Ries

      Broschüre „Fenster in die Erdgeschichte“

      Götzis (A): Rundwanderung in die Götzner Schluchten der Eiszeit

      Wanderung in die Vergangenheit: Über die Eisrandschlucht der Ur-Ill und den Fallenkobelweg in die Örflaschlucht. Wieder hoch nach Rütte und den Lusbühlweg zurück zum Ausgangspunkt Kobel.

      Erleben sie die Kraft des Wassers und die Landschaftsbildung während der Eiszeiten. Gleich zu Beginn nach einem kurzen Anstieg erreicht man über den Fallenkobelweg die eiszeitliche Illschlucht und nach dem Anstieg vom oberen Parkplatz Götznerberg den Meschatle, wo beeindruckende Kolke zu sehen sind, die von den Eisrandwässern der Eiszeiten ausgeschliffen wurden, genauso wie die Örflaschlucht.

      Der größte Teil der Wanderung führt durch kühle Wälder und Schluchten und eignet sich daher gerade für heiße Sommertage.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Götzis

      Rundwanderung in die Götzner Schluchten der Eiszeit – keine Infomaterialien vorhanden!

      Grafenberg: Vier Vulkane auf einen Streich

      Die Tour führt über vier Krater des „Schwäbischen Vulkans“ sowie das Arboretum beim Grafenberg.

      Vulkane:

      • Florian
      • Metzinger Weinberg
      • Hofbühl
      • Jusi

      Das Arboretum bei Grafenberg ist bereits mehr als 100 Jahre alt. Der Baumbestand ist in mehrere Flächen, getrennt nach Nadel- und Laubbäumen, aufgeteilt. Heute gibt es im Arboretum noch etwa 140 verschiedene Baumarten aus vier Kontinenten. Auch einige Mammutbäume sind darunter.

      Für die Kleinen ist der kleine Waldspielplatz direkt am Parkplatz interessant.

      Urach-Kirchheimer Vulkangebiet ("Der Schwäbische Vulkan")

      Quelle: Wikipedia

      Schwäbische Vulkan

      Der sogenannte Schwäbische Vulkan ist ein durch tertiärzeitliche vulkanische Aktivität geologisch beeinflusstes Gebiet auf dem Plateau des mittleren Abschnittes der Schwäbischen Alb und dessen nördlichem Vorland.

      In einem Umkreis von 56 km wurden dort bisher über 350 Vulkanschlote (Diatreme) identifiziert. Zahlreiche verborgene Schlote konnten nur mithilfe geophysikalischer Methoden kartiert werden. Da die vulkanischen Aktivitäten nur im Miozän (vor 17–11 Mio. Jahren) stattfanden, sind nach dieser langen Zeit Vulkanmerkmale nur noch in einigen Fällen wahrnehmbar, in noch weniger Fällen prägend für das Landschaftsbild und ganz selten sind Schlotspitzen an der Oberfläche sichtbar. Am „Scharnhauser Vulkanschlot“, rund 23 Kilometer nördlich des heutigen Albtraufs, wurden Gesteinsfragmente des Weißjura (Malm beta) vorgefunden, wo alle drei Jurastufen längst abgetragen sind. Im Miozän muss sich das Albplateau folglich noch bis kurz vor Stuttgart erstreckt haben.

      Landschaft

      Seit dem Erlöschen des Vulkanismus im Miozän ist es zu keinen weiteren Aktivitäten mehr gekommen. Nach dieser langen Zeit sind Vulkanmerkmale nur in einigen Fällen wahrnehmbar und in noch weniger Fällen prägend für das Erscheinungsbild der Landschaften. An der Oberfläche sichtbare Schlotspitzen sind selten. Rhenanische Erosion, Verwitterung und Abtragung des Reliefs des Albplateaus um bis zu 200 m, nördlich des heutigen Albtraufs oft 300 m oder mehr, haben die Tops der Vulkanschlote abgeräumt und die Landschaft überprägt. Ein Übriges haben menschliche Einflüsse bewirkt – Besiedlung, technisierte Landwirtschaft, extensive Flächennutzungen und Arbeitsmigration in das Vorland.

      Nach der Stilllegung der wenigen Vulkan-Steinbrüche die es gab, sind auch deren Spuren durch Bewuchs, Zerfall oder Zuschüttung verwischt. Die wasserstauenden Schlottuffeigenschaften sind für die Siedlungen der verkarsteten Schwäbischen Alb seit der flächendeckenden Albwasserversorgung ab 1870 unwichtig geworden. Im Alb-Vorland bildet das vulkanische Gestein oft kuppen- oder kegelförmige Erhebungen, weil die Mitteljura-Schichten weniger verwitterungs- und erosionsresistent als der Schlottuff sind. An den sonnenexponierten Hängen dieser Vulkanit-Härtlinge befinden sich oft Weingärten und Streuobstwiesen.

      Entstehung

      Die Vulkangänge entwickelten sich entlang tiefer, tektonisch zerrütteter Klüfte und Spalten, d. h. bevorzugt in tektonischen Schwächezonen (Täler und Karstklüfte). Die Wege erweiterten sich zu fast lotrecht verlaufenden Gängen und Durchschlagsröhren. Die Schlote weisen Durchmesser zwischen wenigen zehn Metern und 1,2 Kilometern auf. Die Tuffe bestehen vorwiegend aus meist sehr kleinen Lapilli, mit einem kristallinen Kern von Olivin oder Melilith, oder beiden (Mineralen), umgeben von einer Glashaut.

      Die ersten Vulkanaktivitäten dürften in vielen Fällen ähnlich abgelaufen sein:

      Mehr oder weniger zahlreiche Einzeleruptionen pro Schlot, mehrere Tage bis Monate dauernd. Ablagerung von Auswurfmaterial als Kraterwall und lateral über einige Kilometer, auch einige vulkanische Bomben. Es gab keine Lavaablagerungen. Die Spuren an den Oberflächen sind längst abgetragen. Die juvenilen Pyroklasten in den Schloten – Asche, Lapilli – und kantige sowie gerundete Xenolithe sind im Laufe der Zeit verdichtet und abgesackt (Herkunft der Xenolithe: Oberer Erdmantel, variszisches Grundgebirge, mesozoisches Deckgebirge).

      Heute liegen über den meisten Schloten dünne Jura-Deckschichten und darüber noch zumeist dünne, nährstoffarme Verwitterungsdecken, auf denen sich viele, diesen Verhältnissen gut angepasste Pflanzengemeinschaften angesiedelt haben: artenreiche Weidegräser, seltene, wertvolle Blumen wie z. B. Orchideen. Auf dem Albteil des Urach-Kirchheimer Vulkangebiets sind heute flächig ausgedehnte Buchenwälder prägend.

      Beim Durchschlagen der (grund-)wasserführenden Schichten kam es zu heftigen Wasserdampfexplosionen, die Trichter bildeten. Dabei stürzte ein Teil der Tuffe zusammen mit Trümmern der durchschlagenen Juradeckschichten in die Schlotöffnungen zurück, und infolge von Tuffentgasung sackten die Trichterfüllungen ab. In den oberen, unverfüllten Teilen der Trichter bildeten sich wassergefüllte Maare. Bei späteren Ausbrüchen weiteten sich Schlotgänge und führten zu weiteren Dampfexplosionen, bis das Wasser überall aufgebraucht war. Nach den sehr langen Prozessen von Abtragung, Verwitterung, Sedimentation und Kompaktion findet man heute Tuffite in den Schlotresten in geschichteter und ungeschichteter Form vor (Pyroklasten und Nicht-Pyroklasten). So werden die Reste noch heute vorgefunden.

      Im Fall der beiden Pseudo-Zeugenberge Jusi und Aichelberg hat Cloos bis zu 300 m große „Sinkschollen“ aus nicht mehr existierenden stratigraphisch höheren Juraschichten im Schlottuff festgestellt, die zwar mehr oder weniger zerrüttet, aber noch in ihrem ursprünglichen Schichtverband erhalten seien. Lorenz hat jedoch die von Cloos behauptete mechanische Genese dieser Sinkschollen – sie hätten sich langsam „aus ihrem ursprünglichen Gesteinsverbund“ gelöst und seien dann langsam im „aufsteigenden Gas-Aschen/Lapilli-Strom“ abgesunken – als unhaltbar verworfen. Wegen ihrer enormen Größe seien diese Schollen vielmehr in calderaartigen Erweiterungen der initialen Förderschlote ausgebrochen und dann mit abgesackt.

      Nur in einigen wenigen Vulkanschloten intrudierte in Nachschüben auch Magmaschmelze in schmalen Kanälen bis in die heutigen Aufschlussbereiche der Tuffe. Cloos beschreibt eine Intrusion im Jusi. Die Intrusionen enthalten viele verschiedene Mineralien, u. a. auch Olivin und Melilith. In der Geokarte sind 22 Eruptionspunkte mit massigen Olivin-Melilithen eingezeichnet.

      Der ursprünglich postulierte Zusammenhang zwischen Wärmeanomalie und dem Vulkanismus des Urach-Kirchheimer Gebiets (Thermalbäder von Beuren und Bad Urach) muss „auf andere Ursachen in erdgeschichtlich jüngerer Vergangenheit zurückgeführt werden.“

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Grafenberg

      Vier Vulkane auf einen Streich – keine Infomaterialien vorhanden!

      Grainau: Geologische Wanderung zum Eibsee

      Auf geologischen Pfaden das Zugspitzdorf Grainau erleben.

      Die Landschaft um Grainau bietet ein breites Spektrum an geologischen Sehenwürdigkeiten. Erkunden Sie die Landschaft eines Dorfes, welches durch einen Bergsturz vor ca. 4.000 Jahren nachhaltig geprägt wurde.

      Die Wanderung beginnt im Kurpark der Gemeinde. Unterhalb des großen Felsblockes vor dem Rathaus steht die erste Infotafel. Der Weg führt vorbei am Rosen- und Badersee, über die Breitla, Frenzl, Radschuh weiter zur Umrundung des Eibsees bis zum Frillensee.

      Die Gehzeit beträgt ca. 3,5 bis 4 Stunden.

      In der Tourist-Information gibt es den kostenlosen Führer mit allen Erklärungen.

      Wegstationen
      Station 1: Felsblock am Rathaus

      Aus dem Bayerischen Schneekar unter dem Zugspitzgipfel ging vor rund 3700 Jahren ein riesiger Bergsturz nieder. Die ausgebrochene Felsmasse stürzte in das Eibsee-Becken und das Loisachtal und brandete am Gegenhang des Kramer-Gebirgsstockes bis etwa 100 m hoch. Am Bergrücken Zirmerskopf— Höhenrain wurde ein großer Teil der Sturzmasse nach Osten bis zum Westrand des Talkessels von Garmisch-Partenkirchen abgelenkt; als gleitungsfördernder Horizont wirkte dabei eine späteiszeitliche Seeton-Decke. Die Bergsturzmasse nimmt eine Fläche von rund 15 km2 ein; ihre Mächtigkeit schwankt zwischen wenigen Metern und über 50 m. Die Reichweite der Sturzbahn beträgt rund 10 km, das Volumen der Sturzmasse rund 300–400 Mio. m3. Damit handelt es sich um den größten Bergsturz der Bayerischen Alpen. Die Bergsturzmasse weist ein unruhiges Kleinrelief auf. Es handelt sich um eine stark gegliederte, von einem teilweise intensiven Wechsel von hügeligen Aufragungen und dazwischen liegenden Senken gebildete Felstrümmerlandschaft. Diese verleiht – im Zusammenwirken mit zwischengestreuten Auen (See- und Bachablagerungen) – dem Ortsbereich von Grainau sein vielfältiges, typisches Gepräge. Auch der Hügel, auf dem das Rathaus steht, stellt ein Relikt des seinerzeit katastrophalen Ereignisses dar. Die eindrucksvollen Blöcke bestehen aus hellem Wettersteinkalk. Der große Block, vor dem der Wanderer steht, lässt auch erahnen, mit welcher Wucht die Massen zu Tale donnerten.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 2: Brücklesbach-Ursprung

      Hier, am Ostfuß des bewaldeten Hinterbichel-Rückens, tritt ein Grundwasserstrom aus der Bergsturzmasse zutage. Unter dem Pflaster der Waxensteinstraße liegen fünf Quellen; ihre Schüttung ist sehr gleichmäßig und auf 50–100 l/s zu veranschlagen. Die Wassertemperatur beträgt 7-10 °C (im Winter niedrig, im Sommer hoch). Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den unterirdischen Abfluss des 22 m höher gelegenen Badersees (Station 4), worauf nicht nur die Lagegegebenheiten, sondern auch der saisonale Temperaturgang (siehe Diagramm auf der folgenden Seite) hindeuten: Das den Badersee speisende, gleichmäßig temperierte Grundwasser unterliegt beim Durchströmen des Sees im Sommer einer leichten Erwärmung, im Winter dagegen einer Abkühlung.

      Der Austritt wird verursacht durch den Staueffekt einer Seeton- Decke, die bei der Anlage von Baugruben im Ortsbereich von Grainau immer wieder aufgeschlossen wird. Der Brücklesbach nimmt den vom Plateau der Neuneralm kommenden Alplebach (Quellwasser) auf und mündet im Untergrainauer Feld in den Krepbach.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 3: Rosensee und Baderseewald

      Rechts unterhalb des Wanderweges ist das grünklare Wasser des Rosensees zu erkennen. Der See liegt auf Privatgrund und ist nicht öffentlich zugänglich. Seine maximale Fläche beträgt ca. 3.500 m2, die größte Wassertiefe etwa 4 m (bei hohem Wasserstand). Das Stillgewässer liegt vollständig in der Bergsturzmasse; die Ufer und Seegrund bildenden Sturzblöcke sind gut zu erkennen. Es herrscht Analogie zum Badersee (Station 4): Die Speisung erfolgt allein durch Grundwasser, oberirdische Zu- und Abflüsse fehlen; aufgrund der Lage in einer oberflächenabflusslosen Mulde ist von einem Blindsee zu sprechen. Ungewöhnlich ist die hohe Schwankung des Wasserspiegels: Sie beträgt bis etwa 2 m. Offenbar ist der Ablauf durch die knapp östlich beginnende Seetondecke gestaut (siehe Station 2). Bei Niedrigwasserstand zerfällt der See in zwei Teilflächen. Bei mittlerem und hohem Wasserstand lässt sich beobachten, wie der Grundwasserstrom an der westlichen (vom Betrachtungspunkt aus linken) Ecke in den See eintritt.

      Die unruhige Geländeoberfläche des bewaldeten Hinterbichel- Rückens, durch die der Weg führt, ist charakteristisch für grobblockige Bergsturz-Trümmermassen (zur Entstehung siehe Station 1). Mulden und Aufragungen wechseln einander in rascher Folge ab. Wie an zahlreichen Öffnungen im Waldboden zu erkennen, ist der Untergrund von Kleinhohlräumen durchzogen und hoch durchlässig; alles Niederschlagswasser versickert flächenhaft, ohne oberirdische Rinnsale zu bilden.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 4: Badersee

      Der See weist eine Fläche von 12.810 m2 auf (Länge 177 m, Breite 131 m, Umfang 580 m). Die groben Bergsturzblöcke prägen das morphologische Erscheinungsbild des Sees und seines Umfeldes. Der größte Block bildet im Ostteil des Sees eine kleine, bewachsene Insel. Zwischen den Blöcken des Seegrundes liegt heller Sand. Die mittlere Wassertiefe liegt im Westteil des Seebeckens bei 2–3 m, im Ostteil bei 5–6 m; die maximale Tiefe beträgt 8 m (Senke zwischen Insel und Südufer). Die Sohle des Sees besteht im Westteil großteils aus Sand, im Ostteil vorwiegend aus Blöcken. Den Untergrund des Seebeckens bilden feinkörnige Sedimente, die abdichtend wirken.

      Ebenso wie der Rosensee (Station 3) weist der Badersee oberirdisch weder Zu- noch Abfluss auf. Er ist Teil eines starken Grundwasserstrom- Systems, das die Bergsturz-Trümmermasse des Hinterbichels durchfließt. Man kann beobachten, wie das Grundwasser am Westufer an mindestens drei Stellen aus Blockwerk in den See eintritt. Dagegen sind die Ablaufstellen kaum auszumachen. Der Abfluss durchströmt teilweise den Rosensee und tritt am Brücklesbach- Ursprung (Station 2) wieder zutage. Im Gegensatz zum Rosensee schwankt der Wasserstand des Badersees nur um etwa 0,7 m.

      Mehrjährige Messungen an zwei Quellen am Westufer des Sees ergaben eine mittlere Wassertemperatur von 8,3 °C bzw. 8,7 °C (Minimum 7,9 °C, Maximum 9,1 °C). Die ganzjährig niedrige Temperatur des Sees erklärt sich aus der ständigen, starken Durchströmung mit kühlem Grundwasser. Erwärmung des Seewassers im Sommer und Abkühlung im Winter findet nur in unbedeutendem Umfang statt. Deshalb friert der See nie zu, ist aber auch als Badesee ungeeignet. Auch die außerordentliche Klarheit und hohe Sichttiefe des Sees resultiert aus der ganzjährigen Durchspülung mit nährstoffarmem Grundwasser bei gleichzeitigem Fehlen von Oberflächenzufluss, der Trübungspartikel und organische Stoffe eintragen könnte.

      Vor allem im tiefen Ostteil finden sich am Seegrund ausgedehnte Rasen von Wasserpflanzen, bestehend aus Armleuchteralgen (Characeen), Moos und Laichkraut. Die zu den Grünalgen rechnenden Characeen bilden Indikatoren für saubere, nährstoffarme Gewässer. Ihr massenhaftes Vorkommen wird als Mitursache für die reizvolle Smaragdtönung des Sees erachtet. Einige Meter westlich der Insel liegt auf einem Felsblock in einer Wassertiefe von rund 5 m die lebensgroße Bronzeguss-Skulptur einer Nixe. Sie lässt sich vom Boot aus gut betrachten. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ die Gattin des damaligen See-Eigentümers Staatsrat Rudhart von Schwaigwang dieses Kunstobjekt anbringen. Es war nicht zuletzt diese Skulptur, die dem See zu seiner Bekanntheit verhalf. Der Name des Sees rührt von den ursprünglichen Besitzern her, der Familie Bader aus Grainau.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 5: Vorderbrand / Breitla

      Hier hat der Rohrbach (Station 6) im Laufe von Jahrtausenden aus dem mitgeführten Schotter einen Schwemmkegel aufgeschüttet; seine Spitze liegt an der Christlhütte. Die leicht gewölbte, durch trockengefallene Abflussrinnen nur unwesentlich gegliederte Oberfläche des Schwemmkegels zeigt einen im Großen ruhigen Verlauf, der sich deutlich unterscheidet vom unruhigen Relief der umgebenden Bergsturz-Ablagerungen. Die glatte Oberflächengestalt und der relativ tiefgründige Boden ermöglichten eine landwirtschaftliche Kultivierung (Nutzung als Grünland). Die Schwemmkegel- Spitze liegt im Bereich einer oberirdischen Wasserscheide.

      Es existierte eine Phase, in welcher der Bach nicht über die Breitla und zum Krepbach, sondern nach Obergrainau, also südlich des Hinterbichel-Rückens floss. Davon zeugt der ruhige Sohlverlauf der flach profilierten Talrinne. Im heutigen Trockental zwischen Christlhütte und Obergrainau verlaufen die Trasse der Zahnradbahn und ein Fahrweg. Der Talboden trägt die Flurbezeichnung Obergrainauer Feld, welche auf die einstige Nutzung als Ackerland hinweist (heute Weidefläche der Obergrainauer Landwirte). – Bei dem umzäunten Gebäude am Waldrand handelt es sich um den Hochbehälter der Grainauer Wasserversorgung.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 6: Rohrbach und Christlhüttenquelle

      Der Rohrbach kommt aus der Zuggasse (Graben an der NW-Flanke der Waxensteinkette) herab. Seine obersten Äste werden gespeist aus einem lang gestreckten Quellhorizont im Muschelkalk-Sockel der Wand (Station 12). Bei starkem Gewitterregen bilden sich in den nackten Felsflanken Sturzbäche, die große Mengen an Gesteinsschutt mitreißen und am Wandfuß ablagern. So finden sich im oberen Abschnitt der Zuggasse mächtige steinige Wülste niedergegangener Muren. Mit Austritt aus der Zuggasse versickert bei Niedrig- und Mittelwasserabfluss der Bach vollständig im kiesigen Untergrund. Dauerhafte Wasserführung besteht zunächst wieder ab der Christlhüttenquelle (siehe unten). Aber auch dieses Wasser versickert die meiste Zeit vollständig auf dem kiesigen Schwemmkegel der Breitla (Station 5). Zum Schutz der Grünlandfläche Breitla vor Vermurung hat man ein Schotter-Auffangbecken angelegt. Unterhalb der Breitla setzt sich der Rohrbach als Krepbach fort, nachdem er starken Zulauf aus den Krepbach-Quellen erhalten hat. Diese nahe der Eibseestraße in der Bergsturzmasse gelegene Quellgruppe schüttet bis einige hundert Liter pro Sekunde; mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei in der Hauptsache um den unterirdischen Abfluss des Eibsees (Station 10).

      Die am linken Ufer des Rohrbaches austretende Christlhüttenquelle diente in früherer Zeit zur Trinkwasserversorgung von Grainau. Wegen häufiger bakterieller Belastung ist diese Fassung seit dem Jahre 1977 aufgelassen. Ihre Schüttung schwankt zwischen 3 und 82 l/s (Durchschnitt 37 l/s). Die mittlere Wassertemperatur beträgt 7,2 °C. Vermutlich gelangt hier das im oberstromigen Abschnitt des Rohrbaches versickerte Wasser zum Wiederaustritt. Die Trinkwasserversorgung von Grainau erfolgt heute aus zwei Bohrbrunnen, welche den Grundwasserstrom erschließen, der die Krepbach- Quellen speist.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 7: Lärchwald

      Der Name dieses Waldes rührt von den hier häufiger auftretenden Lärchen her. Durch Bewirtschaftung des Waldes ging der Lärchenbestand zurück; heute überwiegt die Fichte. Die Lärche (Larix decidua) liefert ein begehrtes, da haltbares und witterungsbeständiges (harzreiches) Bauholz. Eine Besonderheit ist, dass es sich hier um eine sehr robuste Lärchenart handelt, die an anderer Stelle nicht mehr vorkommt (autochthone Art). Die oft von Heidelbeer- Gestrüpp (Vaccinium myrtillus) überwucherten Bergsturz-Blöcke bilden eine reizvolle Szenerie. Im Verbreitungsgebiet der Bergsturz- Trümmermasse verhinderten das unruhige Kleinrelief und der flachgründige Boden eine landwirtschaftliche Nutzung. Deshalb blieben diese Flächen waldbestanden; sie werden forstwirtschaftlich genutzt (Staatswald). Der Bodentyp im Bereich der Bergsturzmasse ist im Allgemeinen als Moder-Rendzina, stellenweise gar nur als Rohhumus-Auflage anzusprechen. Es herrscht ein niedriger Entwicklungsgrad, der dem geologisch sehr jungen Alter des Bergsturzes entspricht.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth     

      Station 8: Frenzl

      Längliche Wiese inmitten der bewaldeten Bergsturz-Trümmermassen; im unteren Teil sehr flach, nach oben zunehmend steiler. Es besteht Analogie zum Talboden Obergrainauer Feld (Station 5): Einst floss hier der Rohrbach durch eine Depression der Bergsturzmasse, lagerte Schotter ab und glättete damit das unruhige Kleinrelief. Infolge einer Laufänderung des Baches wurde die Mulde zum Trockental.

      An der Wegkehre über dem oberen Ende der Frenzl-Wiese lässt sich ein steiler Graben mit Bergsturz-Blöcken als Relikt des einstigen Bachbettes erkennen. Die ruhige Oberfläche der Aufschüttung im Frenzl und der (im Vergleich zur Trümmermasse) tiefgründige Boden ermöglichten eine landwirtschaftliche Nutzung. Gleiches gilt für die oberhalb (entlang der Eibseestraße) gelegene Wiese Auf dem Rohr, welche ebenfalls eine Aufschüttung des Rohrbaches darstellt.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 9: Radschuh

      Die Passhöhe der Eibseestraße wird auch als Radschuh bezeichnet. Der Name dieses Ortes kommt daher, dass hier früher die Fuhrleute die Hinterräder ihrer Wagen vor der Talfahrt mit einem Bremsschuh versehen haben. Die Steilheit der Straße machte dies erforderlich.

      Der Wanderweg zum Eibsee führt hier durch eine Ansammlung von Riesenblöcken. Diese bestehen aus Wettersteinkalk, und zwar aus Partien mit massiger Gesteinsausbildung. Solche kompakten Groß- Kluftkörper, die mechanisch widerstandsfähig waren, blieben beim Absturz relativ unbeschädigt, während geschichtete Partien – entsprechend ihrer jeweiligen Bankdicke – in kleinere bis kleinste Trümmer zerbrachen.

      Die Bergsturzmasse ist generell durch ein extrem breites Korngrößenspektrum charakterisiert: von Riesenblöcken bis zum Gesteinsmehl. Das Trümmer-Haufwerk ist i. Allg. ungeschichtet; die Komponenten sind schlecht sortiert und eckig bis kantengerundet. Wie in Aufschlüssen zu beobachten, „schwimmen“ die großen Blöcke vielfach auf stärker zerkleinerten Blockmassen. Blöcke bis zur Größe eines kleinen Hauses finden sich im und neben dem Flussbett der Loisach, an der Bundesstraße 23 / Radweg Grainau—Griesen (Straßen-Kilometer 6–7).

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Der Eibsee

      Das Eibsee-Becken wird aufgefasst als eine von eiszeitlichen Gletschern ausgeschürfte Mulde, deren Überlaufschwelle durch Bergsturz überhöht wurde. Die Sturzmasse hat das ursprünglich größere Becken vor allem auf seiner Nord- und Ostseite teilweise verfüllt. Die Grunddaten des Sees, bezogen auf Mittelwasserstand, lauten: Wasserspiegelhöhe 973,3 m über NN, Oberfläche 1,774 km, Volumen 26,61 Mio. m3, maximale Tiefe 36 m. Die Längserstreckung beträgt 2,45 km, die größte Breite 0,85 km. Das Nordufer ist durch Buchten reich gegliedert. Im Nordteil des Sees liegen acht Inseln, die aus Bergsturzblöcken aufgebaut sind. Es werden folgende Teilbecken unterschieden: Weitsee (Hauptbecken), Untersee, Braxensee, Steingringpriel und Frillensee (die drei Letzteren durch Schwellen abgetrennt, doch spiegelgleich).

      Aufgrund seiner Lage in einem oberflächenabflusslosen Becken (siehe unten) ist der Eibsee als Blindsee zu typisieren und weist hohe Wasserstandsschwankungen auf. Die Größt-Amplitude beträgt über 4 m. Die mittlere Schwankung im Jahresgang liegt bei 1,8 m, wobei das Minimum im März und der Hochpunkt im August erreicht wird. Das überaus niederschlagsreiche Jahr 1999 brachte einen Extremhochstand: Er lag etwa 2,2–2,5 m über dem Mittelwasserstand. Ein ungefähr gleich hoher Wert war bereits in den Jahren 1910 und 1965 erreicht worden. Der See weist an durchschnittlich 100–110 Tagen im Jahr Eisbedeckung auf: Die von den überragenden Höhen zugeströmte Kaltluft kann aus dem geschlossenen Becken nicht abfließen; es handelt sich um eine Kaltluftsenke.

      Es sind keinerlei oberirdische Abflussmöglichkeiten gegeben; die niedrigste „Überlaufschwelle“ (nordöstlich des Untersees) liegt etwa 25–30 m über dem mittleren Seespiegel. Das Seebecken ist nach Osten durch einen Süd–Nord verlaufenden Rücken aus Bergsturzmasse gegen den Talraum von Grainau hin abgedämmt.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth                 

      Station 10: Untersee

      Der schmale Untersee ist vom Hauptbecken durch eine Schwelle getrennt, deren Scheitel bei Mittelwasserstand nur 0,6 m unter dem Seespiegel liegt und die bei Niedrigwasserstand trockenfällt. Über diese Schwelle aus Bergsturztrümmern führt der Steg des Seerundweges. Der unterirdische Abfluss des Eibsees findet im Untersee statt. Bei Niedrigwasserstand (wie im Sommer/Herbst 2003) lässt sich unter dem Steg beobachten, wie das Wasser vom Weitsee zum Untersee strömt bzw. die hoch durchlässige Schwelle auch unterirdisch quert.

      Hydrologische Berechnungen des unterirdischen Abflusses aus dem Eibsee-Becken ergaben für niedrige Wasserstände etwa 300 l/s und für sehr hohe Wasserstände rund 800 l/s; der mittlere Abfluss wird auf 450 l/s geschätzt. Als Wiederaustritt des Seeabflusses kommen nur die rund 1,7 km nordöstlich des Untersees gelegenen Krepbachquellen mit ihren mutmaßlichen Folgeaustritten im Bereich von Grainau-Dorf in Betracht (Stationen 2, 4, 6).

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 11: Steingringpriel (Fortsamtsseale)

      Der Bergsturz hat den Nordteil des ursprünglichen Eibsee-Beckens teilweise verfüllt. Aufgrund des unruhigen Kleinreliefs der Trümmermasse ist das Nordufer durch Buchten reich gegliedert. Im Hinterland des Ufers liegen vier Kleinseen, die mit dem Hauptbecken in unterirdischer hydraulischer Verbindung stehen und deshalb stets dieselbe Wasserspiegelhöhe wie der Weitsee aufweisen; aus gleichem Grund schwankt ihr Wasserstand ebenso stark wie der des Weitsees. Wir stehen hier am größten und tiefsten dieser Kleinseen.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth         

      Station 12: Wankle

      Wankle bedeutet kleine Lichtung, genützt als Weidefläche. Der Ort liegt etwas oberhalb des Weges, wird heute nicht mehr beweidet und wächst deshalb mit Fichten allmählich zu.

      Blick über den Eibsee auf die schroffen, massigen Steilwände des Zugspitz-Massives (rechts) und der daran anschließenden Waxenstein- Kette (links); die Wandflucht erreicht eine relative Höhe bis 1260 m. In Falllinie des Zugspitz-Gipfels liegt die viereckige Nische des Bayerischen Schneekares. Dort brach der gewaltige Bergsturz aus, dessen Ablagerungen die Landschaft des Raumes Eibsee— Grainau maßgeblich prägen (siehe Stationen 1, 3, 4, 7-11).

      Im Fußbereich der Wandzone erscheint ein gebänderter, schrofiger, überwiegend von Latschen bewachsener Sockel, der an seiner Oberkante eine Verflachung (Bärenheimatkopf, links) aufweist, doch ebenfalls sehr steil bis über 400 Höhenmeter abbricht. Dieser Sockel besteht aus Alpinem Muschelkalk, der zweitältesten Gesteinseinheit des Wettersteingebirges. Er reicht, von links nach rechts flach ansteigend, im SW hinauf bis zum Ehrwalder Kopf (auf dem von dort abfallenden Grat die Stütze der Tiroler Zugspitz-Seilbahn). Es handelt sich um eine Folge geschichteter, bis etwa 500 m mächtiger Kalksteine; als Besonderheiten sind eine knollig-wellige Ausbildung (Wurstelbänke) sowie Lagen von grünem vulkanischem Tuff (Pietra verde) zu nennen. Zwischen Bärenheimatkopf und dem Großschuttkegel Riffelriss verläuft im Muschelkalk ein lang gestreckter Quellhorizont (siehe auch Station 6), dessen abstürzende Bäche man bis zum Eibsee herunter rauschen hört.

      Dominierender Wandbildner des betrachteten Raumes ist der auf dem Muschelkalk-Sockel liegende Wettersteinkalk. Der sehr reine, nur im unteren Bereich partienweise dolomitische Kalkstein tritt teils in massiger (Schwammriffe), teils in bankiger Ausbildung (Algenrasen) auf. Seine Mächtigkeit erreicht im Zugspitzmassiv bis über 1000 m. Der Wettersteinkalk neigt zu Verkarstung und unterirdischer Entwässerung. Beim Bau des Zahnradbahn-Tunnels der Bayerischen Zugspitzbahn wurden Höhlen angeschnitten. Die Bedeutung des Wettersteinkalkes als Kluft- und Karstwasserleiter ist besonders augenfällig in der Höllentalklamm, wo das im Gesteinskörper fließende Wasser über zahllose Spalten und Röhren zutage tritt.

      Das Paket aus Muschelkalk und Wettersteinkalk ist tektonisch über eine Serie jüngerer Gesteine geschoben (Station 16). Dabei handelt es sich in der Hauptsache um Kössener Schichten. Zufolge ihres hohen Tongehaltes verwittert diese Serie leicht und ist meist von Schutt überdeckt. Sie bildet den Untergrund im weiten Zugwald zwischen dem Eibsee und der Wandflucht.

      Rechts, über dem SW-Ufer des Sees, erhebt sich der steile, schrofige NW-Abbruch der bewaldeten Törlen-Ebene (Blaue und Schwarze Wand). Er besteht aus brüchigem Hauptdolomit (Station 15), während die Ebene darüber in verkarstetem Plattenkalk ausgebildet ist.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 13: Seeberg-Quellen

      Zwischen der letzten Station und hier zeigten sich bergseits des Weges einige schwache Austritte aus lehmig verwitterter Grundmoräne. Solche eiszeitlichen Gletscher-Ablagerungen, die den Felsuntergrund vielerorts flächenhaft überdecken, sind durch ein extrem breites Korngrößenspektrum (von Blöcken bis zum Ton) gekennzeichnet und wirken wegen ihres hohen Feinkorngehaltes (zerriebenes Gestein) oft wasserstauend. Als während der Würm- Eiszeit die Vergletscherung vor etwa 20.000 Jahren ihren Höchststand erreichte, betrug die Mächtigkeit des Eises an dieser Stelle rund 600 m.

      Hier am bergseitigen Steilhang liegt ein kleiner Quellbezirk: oben Hochwasser-, unten Niedrigwasser-Austritte aus Spaltenkarst. Als Wasserstauer in dem zerrütteten Kalkstein wirkt eine von links oben nach rechts unten abfallende, rund 0,2 m mächtige Zwischenlage von dunklem Mergel. Es handelt sich hier um einen kleinen Fleck von Kössener Schichten (Station 16) auf verkarstetem Plattenkalk- Untergrund.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 14: Koatbach

      Hier, am NW-Ende des Sees, mündet einer der wenigen oberirdischen Zuläufe mit ganzjähriger Wasserführung ein. Das Gestein, im Graben Kaskaden und einen kleinen Wasserfall bildend, ist dünnbankiger Plattenkalk in steiler Lagerung. Der Bach nimmt seinen Anfang im Gern-Mösl, einer moorigen Ebene in einem Sattel (1270 m über NN) zwischen Eibsee-Becken und Loisachtal. Er bildet in der Uferbucht einen flachen, kiesigen Schwemmkegel, im See selbst ein Delta mit flachem Böschungswinkel (dieser ist ein Ergebnis der hohen Wasserstandsschwankungen des Sees) und schlammiger Oberfläche.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth            

      Station 15: Beim stinkenden Wasser

      Die ungeklärte Bezeichnung des Ortes geht möglicherweise auf eine Schwefelwasserstoff (H2S) enthaltende, wie faule Eier riechende Quelle zurück. Solche Austritte sind im Zusammenhang mit Vorkommen von Sulfatgestein (Anhydrit, Gips) von einigen Stellen der Bayerischen Alpen bekannt. Durch Bakterien erfolgt eine Reduktion des Sulfates zu Sulfid.

      Der Eibsee-Rundweg quert dort auf über 1 km Strecke eine steile Hangschutt-Halde. Die den Weg kreuzenden Bäche weisen unter normalen Verhältnissen geringe Wasserführung auf oder liegen gar trocken; bei hohem Abfluss führen sie jedoch reichlich Schutt mit, so dass es nicht selten zur Vermurung des Weges kommt. Der Schutt entstammt der unmittelbar darüber gelegenen schrofigen Wandflucht (Station 12). Lieferant ist der Hauptdolomit, eine monotone Folge von Dolomitsteinen; im oberen Abschnitt treten Kalksteinbänke auf, die den Faziesübergang zum Plattenkalk anzeigen. Der Hauptdolomit stellt das neben dem Wettersteinkalk bedeutendste Gestein des betrachteten Raumes dar. Er bildet den Sockel des Eibsee-Plateaus und baut (zum wesentlichen Teil) die Höhenrücken im Westen und Norden des Sees auf. Seine Mächtigkeit beträgt im hiesigen Gebiet 800–1000 m. Charakteristisch ist die intensive Zerklüftung des Gesteins, die die typische Brüchigkeit verursacht und zu kantigkleinstückigem Zerfall führt. Deshalb dominiert im Hauptdolomit Schrofengelände und es fallen beträchtliche Schuttmassen an.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 16: Weiherkopf

      Hier, fast 50 Höhenmeter über dem felsigen Süd-Ufer des Sees, besteht ein auffallender Unterschied zur vorherigen steilen, meist trockenen Schutthalde: flacheres Gelände, dichter Bewuchs, feuchte Lehmböden, zahlreiche Quellen und Wasserläufe. Ursache hierfür ist das Auftreten tonreicher, leicht verwitternder, wasserstauender Gesteine: am Weg Kössener Schichten, zwischen Weg und Seeufer Malm- und Neokom-Aptychenschichten (siehe auch Station 12). Der Untergrund ist sehr labil (siehe unten), so dass an einer Stelle schon der gesamte Weg abrutschte.

      Bei den Kössener Schichten handelt es sich um eine Wechselfolge von Kalken und Mergeln. Kennzeichnend ist der hohe Reichtum an Fossilien, vor allem an Muscheln und Brachiopoden. Das stets vorkommende Mineral Pyrit (FeS2) verursacht nach Oxidation zu Eisen-III-Verbindungen die für die Kössener Schichten ebenfalls typische gelbliche bis rostbraune Anwitterungsfarbe. Aus der Verwitterung der Mergel gehen mächtige Lehmdecken hervor. Ihr hoher Tongehalt bedingt die charakteristischen hydrologischen und geomorphologischen Merkmale der Kössener Schichten: Sie fungieren als Wasserstauer, was zum Auftreten vieler kleinerer Quellen und (in flacheren Lagen) zu Versumpfung führt. In Hanglage besitzen sie starke Neigung zu Blaikenbildung und zu Rutschungen. Das Gestein ist meist von Schutt überdeckt und nur fleckenhaft aufgeschlossen. Seine Mächtigkeit beträgt im betrachteten Gebiet 180–200 m.

      Die Aptychenschichten des Malms bestehen aus dünnbankigen bunten Kalken, die des Neokoms aus grüngrauen Mergelkalken und Mergeln. Erstere bilden Schrofengelände und in Gräben Wasserfallstufen, Letztere Ausraumzonen mit sumpfigen Lehmböden (Wasserstauer). Die Mächtigkeit dieser Gesteinsserien beträgt am Eibsee-Südufer jeweils 15 m. Bildungsraum war in beiden Fällen die küstenferne Tiefsee.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth

      Station 17: Schöngänge

      Hier liegt ein ausgedehnter Schwemmkegel, der sich als Delta in den See vorgebaut hat. Über eine Länge von rund 400 m findet sich breiter, glatter Kies-Strand mit konvexer Uferlinie. Die Komponenten des Kieses bestehen aus hellem Wettersteinkalk und sind kantenrund bis leicht gerundet. Der Bachlauf, der diese Schotter- Ablagerung aufgeschüttet hat, fehlt heute. Von der Spitze des Schwemmkegels führt ein Trockental über die ehemalige Seealm hinauf bis zum Fuß der hohen Wandflucht unter dem Bayerischen Schneekar (darin verläuft die Skipiste Riffelriss–Eibsee). Vermutlich waren es Starkregen-Ereignisse katastrophalen Ausmaßes, die den Abgang riesiger Muren aus den Wänden herunter bis zum See ausgelöst haben. Die Bergsturz-Trümmermassen wurden dabei überschüttet. Die Existenz von schottergefülltem Trockental und Schwemmkegel weist auf Klimabedingungen (nach dem Bergsturz- Ereignis, also in den letzten 3700 Jahren) hin, die sich von den heutigen deutlich unterscheiden.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth               

      Station 18: Frillensee

      Der Name des Sees rührt von Frille oder Elritze (Phoxinus phoxinus) her, einem kleinen Süßwasser-Fisch. Das Ufer des bei mittlerem Wasserstand maximal rund 5 m tiefen Sees wird weitestgehend aus Bergsturz-Blöcken gebildet; nur im jenseitigen Südost-Zipfel des Sees erscheint eine helle Kiesbank, wobei es sich um Schotter handelt, der von einem kleinen Bach aufgeschüttet wurde (vergleiche Station 17). Zur Entstehung und Hydrologie des Sees gilt analog das bei Station 11 Mitgeteilte: Der Bergsturz hat den See vom ursprünglichen Eibsee-Becken abgetrennt. Wie bei den Kleinseen am Nordufer des Eibsees steht der Frillensee mit dem Hauptbecken in unterirdischer hydraulischer Verbindung und weist deshalb stets dieselbe Wasserspiegelhöhe wie der Eibsee auf; aus gleichem Grund variiert sein Wasserstand ebenso stark wie der des Eibsees.

      Text: Dipl.-Geol. Johann-Peter Orth                

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Grainau

      Broschüre „Geologische Wanderung durch Grainau“

      Ettenheim: Mühlenweg

      Grenzach-Wyhlen: Rundweg zum südlichsten Punkt von Baden-Württemberg

      Der „Südlichste Punkt Baden-Württembergs“ befindet sich an der Uferlinie zum Rhein und wird durch eine überdimensionale Stecknadel markiert. Auf den neu geschaffenen Bänken direkt am Rhein kann der Besucher den Ausblick genießen und den Gehölzlehrpfad begehen.

       

      Bei 7° 41′ 32,4“ und 47° 31′ 56,5“ steht für Wanderer und Interessierte ein Schild mit der Aufschrift „Südlichster Punkt Baden-Württembergs“. Sowohl der südlichste Landpunkt als auch der südlichste Punkt im Grenzverlauf des Bundeslandes verlaufen auf Grenzach-Wyhlener Gemarkung und wurden anlässlich des 60. Geburtstages Baden-Württembergs bedacht.

      Schattenspendende Bäume säumen das gesamte Rheinufer vom Aussichtspunkt Dinkelbergblick bis hin zum Freibad Grenzach. Verschiedene naturnahe Plätze laden im Sommer zum Entdecken des Rheins und zum Erfrischen im Wasser ein.

      Ein Abstecher führt zum Geotop „Schmelzwassersedimente“. Im Geotop lagern unregelmäßig Rheinsedimente, die sich in Jahrhunderten bis Jahrtausenden abgelagert haben. Die obere bis fünf Meter mächtige Schmelzwasserschicht dürfte sich in nur wenigen Tagen abgelagert haben. Wie in einem Guß liegen dort alle Steine genau gleich.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Der südlichste Punkt von Baden-Württemberg

      Luftbilder mit Koordinaten

      Grube Clara, Oberwolfach

      Grube Clara, Oberwolfach

      Die Grube Clara ist das letzte aktive im Schwarzwald betriebene Bergwerk. Eine urkundliche Erwähnung von 1652 beschreibt den Abbau von Kupfererzen aus dieser Lagerstätte, der bis in das 18. Jahrhundert hineinreichte.

      Seit 1850 wird in der Grube Clara Schwerspat und seit 1978 zusätzlich Flussspat gewonnen. Mit der Gewinnung von „Silberspat“, einer Anreicherung von kupfer- und silberreichen Fahlerzen im Schwerspat als Beiprodukt zu den beiden Späten, schließt sich ab 1996 der Kreis zur historischen Kupfergewinnung.

      Betreiber ist die Sachtleben Bergbau GmbH & Co. KG, ein Tochterunternehmen der Sachtleben Minerals GmbH & Co. KG.

      Die Grube Clara ist als eine der mineralienreichsten Gruben der Welt unter Sammlern bekannt.

      Grubeneingang Grube Clara. © Dieter Hund. Mit freundlicher Genehmigung.

      Die Grube Clara kann nicht besichtigt werden.

      In direkter Nachbarschaft zur Aufbereitung können Sammler aber auf der “Mineralienhalde Grube Clara“ legal und ohne Gefahren ihrem Hobby nachgehen.

      Lage

      Die Grube Clara sowie das ehemalige Bergbaurevier liegen oberhalb der Ortschaft Oberwolfach, im Hinteren Rankachtal. Das Revier umspannt viele alte Stollen im Gewann „Wogets“, die ehemaligen Tagebaue, sowie die heutige eigentliche Grube Clara, die über zwei Mundlöcher im Rankachtal befahren wird.

      Erzabbau

      In der Lagerstätte werden drei vererzte Gänge abgebaut, die mit 60 – 90° sehr steil bis vertikal durch den Berg verlaufen. Der ca. 600 m lange und teilweise 3 – 4 m mächtige „Schwerspatgang“, besteht zu 50 – 80 % aus Schwerspat und zu 5 – 40 % aus Flussspat und reicht als einziger an die Erdoberfläche heran. Zusätzlich kommen noch 5 – 20 % Quarz sowie wenige Prozente Erzminerale vor.

      Der „Flussspatgang“ tritt in einer vom Schwerspatgang getrennten Gangzone auf und spaltet sich im oberen Bereich in fünf erschiedene Gänge auf. Er ist im Mittel 3 – 3,5 m mächtig und auf einer Länge von 300 – 400 m ausreichend stark mit Flussspat vererzt, um wirtschaftlich interessant zu sein. Das Erz besteht zu 50 – 80 % aus Flussspat und zu 0 – 25 % aus Schwerspat.

      Zusätzlich wird noch ein dritter Gang („Diagonaltrum“) abgebaut, der aus einem Mischerz beider Späte in wechselnden Anteilen sowie Quarz besteht. Das „Diagonaltrum“ ist auf ca. 250 m Länge abbauwürdig und seine Mächtigkeit liegt im Durchschnitt bei 2,5 m.

      In der Grube Clara sind neben den Späten noch etwa 400 weitere Minerale nachgewiesen – sie gehört damit zu den mineralreichsten Gruben der Welt. Der Abbau in der Grube Clara erreicht heute bereits 850 m Tiefe. Bei der Sachtleben Bergbau GmbH sind derzeit 105 Mitarbeiter mit der Förderung und der anschließenden Aufbereitung der Erze beschäftigt, wovon 52 Mitarbeiter untertage arbeiten.

      Der Abbau in der Grube Clara erfolgt im Dreischichtsystem an fünf Tagen der Woche mittels Bohren, Sprengen und Fräsen. Für den anschließenden Ausbau, also die Sicherung der unterirdischen Strecken, werden Stahlmatten, Gebirgsanker und stahlfaserverstärkter Spritzbeton verwendet. Größere Hohlräume, in denen das Erz abgebaut wurde, werden mit einem Gemisch aus Gesteins- und Erzresten aus der Aufbereitung, dem sogenannten Bergematerial und Steinkohlenflugaschen als Bindemittel aufgefüllt.

      Sowohl die Gewinnung, als auch der Transport der Erze erfolgt gleislos, das heißt mit elektrohydraulischen Bohrwagen, dieselgetriebenen Fahrschaufelladern und LKWs. Einige dieser Fahrzeuge sind ferngesteuert. Insgesamt steht ein Streckennetz von etwa 30 km offen. Mit Hilfe von mehreren spiralförmigen Wendeln, eines Stollens und einer LKW-Rampe werden bis zu 550 Höhenmeter vom eigentlichen Abbauort zu den Übertageanlagen des Grubenbetriebes (Betriebsbüro, Kaue, Sozialräume, Werkstätten) überwunden.

      Aufbereitung

      Der Transport des Erzes zur 13 km entfernten Aufbereitungsanlage in Wolfach und die Rücklieferung von Rückständen aus der Aufbereitung nach Untertage erfolgt per LKW.

      Die kupfer- und silberreichen Fahlerze werden in der Grube Clara seit 1996 durch eine mehrstufige Flotation mit Wertstoffgehalten über 97% angereichert.

      Aufbereitungsanlage der Sachtleben AG in Wolfach-Kirnbach. © Dieter Hund. Mit freundlicher Genehmigung.

      Produkte

      Z

      Säurespäte

      Flussspatkonzentrate für die Produktion von Flusssäure kommen nach mechanischer Entwässerung auf Vakuumtrommelfilter in den Versand.

      Z

      Trockenspäte

      Trockene Flusspatkonzentrate durchlaufen eine thermische Trocknung mit Schutzsiebung und werden lose in Silo-LKW oder abgesackt in Papiersäcken oder Big Bags verladen. Schwerspatkonzentrate aus der Flotation werden ebenfalls mechanisch, anschließend thermisch getrocknet.

      Z

      Mahlspäte

      Ein weiterer Teil der Vorkonzentrate aus der Dichtesortierung durchläuft ohne weitere stoffliche Anreicherung die thermische Trocknung. Wie die Schwerspatkonzentrate aus der Flotation werden diese Produkte anschließend in mehreren Mahl- und Klassieranlagen auf spezifizierte Feinheiten gemahlen (Mahlspäte). Der Versand der Mahlspäte erfolgt lose in Silo-LKW oder abgesackt in Papiersäcken oder Big Bags.

      Z

      Betonzuschlag

      Ein dritter Teil der Produkte aus der Dichtesortierung wird nach Klassierung als normgerechter Betonzuschlag lose auf Kipper-LKW oder Big Bags abgesackt verladen.

      Die Wertstoffkonzentrate werden in Kanada und in Belgien verhüttet. Ziel der Verhüttung ist vor allem die Abtrennung des enthaltenen wertvollen Silbers und Kupfers. Das Fahlerzkonzentrat enthält rund 25 % Kupfer und zwischen 1,5 und 3 % Silber.

      Industrieller Einsatz von Schwer- und Flussspat

      Schwerspat

      Schwerspat wird industriell z.B. bei der Herstellung folgender Produkte eingesetzt:

      • Folien, Filzen oder ähnliche Geweben mit Schalldämmung
      • Bremsbeläge
      • Farben- und Lacke
      • hochwertige Gummi-Produkte
      • Industrie und Fußbodenbeläge

      Darüberhinaus findet Schwerspat Anwendung in der Bohrindustrie als Zusatzstoff in Bohrspülungen. Des Weiteren wird Schwerspat zur technischen Abdichtung von Röntgen- und Werkstoffräumen auch in Beton beigemischt.

      Flussspat

      Flussspat ist ein wichtiger Rohstoff in der chemischen Industrie. Einsatzbereiche sind bei der Herstellung von Teflon, Kältemittel, Kristallglas, Glühbirnen, Zahnpasta und Elektronikartikel. Aber auch in der Aluminiumverhüttung und der Arzneimittelherstellung wird Flussspat benötigt.

      Grube Finstergrund

      Von Dr. Wolfgang Werner

      Die Grube Finstergrund bei Wieden ist eines der bedeutendsten historischen Fluss- und Schwerspat-Bergwerke im Schwarzwald. Die bergmännische Gewinnung der Spate wurde nicht wegen Erschöpfung der Lagerstätte, sondern aufgrund der damaligen niedrigen Flussspat-Preise eingestellt. 

      Der Finstergrund-Gang gehört zu den besonders großen Gangstrukturen im Bergbaurevier Wieden–Todtnau (siehe Karte). Der nördlichste Abschnitt der Finstergrund-Gangstruktur wird als Werner IV-Gang bezeichnet; dort ist das Besucherbergwerk im Niveau des Stollens 5 eingerichtet. Der Stollen 5 war ein wichtiger Förderstollen (siehe Schnitt). Weiter westlich gibt es eine kleine, als Werner II-Gang bezeichnete Struktur, auf der mittelalterlich oder frühneuzeitlich Versuchsbergbau umging. Zu dieser kleinen Grube soll es künftig Sonderführungen geben.

      Die dargestellte Gangkarte geht zurück auf einen Entwurf von G. Zeschke aus dem Jahr 1959. Zu dieser Zeit waren die Gruben Tannenboden, Anton, Finstergrund, Auf den Winden (nördlich von Aitern) und Brandenberg, zwischen Todtnau und Fahl gelegen, in Betrieb. Sie wurden alle in unterschiedlichem Umfang von der Gewerkschaft Finstergrund betrieben, bisweilen hauptsächlich zu Erkundungszwecken.

      Im Bergbaurevier Wieden–Todtnau wurde in den vergangenen Jahrhunderten an mehr als 60 Orten Bergbau betrieben (siehe Karte). Dieser ging fast ausschließlich über dem Grundwasserspiegel um, weil Gangbergbau ohne Wasserhaltung am kostengünstigsten ist. Das auf den Gangstörungen reichlich zusetzende Grundwasser müsste über lange Wasserlösungsstollen oder mit leistungsstarken Pumpen abgeleitet bzw. gehoben werden. Tiefreichende Bohrungen wurden bislang nicht durchgeführt. Wie tief die Lagerstätten reichen und wieviel sie an Wertmineralen enthalten, ist daher unbekannt. Ein großes Potenzial besonders am wichtigen Industriemineral Flussspat ist für das Revier Wieden aufgrund der Zahl und Mächtigkeit der Gänge aber in jedem Fall zu prognostizieren.

      Bergbau auf die in den Mineralgängen sporadisch auftretenden Metallerze ging wegen des Silbergehalts vor allem zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert um. Die wich­tigste Bergbau­periode im Gebiet um Wieden–Utzenfeld–Todtnau ist sicherlich die im 20. Jahrhundert; in dieser Zeit waren Fluss- und Schwerspat Hauptziel des Bergbaus, Blei- und Zinkerze wurden in geringem Umfang mitge­wonnen.

      Folgende Hauptgruben waren im 20. Jh. in Betrieb:

      Finstergrund (1922–1974)

      Anton (1936–1974)

      Tannenboden (1948–1974) sowie die östlich von Todtnau gelegenen

      Gruben Fahl (1937–1959) und Brandenberg (1950–1964).

      Wichtigste Bergbaufirma war die Gewerkschaft Finster­grund (GF). Im Jahr 1938 hatte diese über 100 Mitarbeiter, 1967 war sie der größte deutsche Fluss­spat­produzent. Im Jahr 1969 übernah­men die Flussspat- und Schwerspat­werke GmbH Pforzheim und die Kali Chemie AG Hannover die Gewerk­schaft Finstergrund. Preisbedingt wurde 1974 der Bergbau bei Wieden aber eingestellt und die Aufbereitung in Utzenfeld geschlossen, die Gewerk­schaft Finstergrund wurde 1978 aufgelöst.

      In der Zeit von 1936 bis zur Betriebsschließung im März 1974 wurden aus den genannten Gruben durch die GF rund 1 Mio. t an Rohförderung erbracht, wovon rd. 50 % (genau: 515.711 t) verwertbar waren.

      An dieser Gesamtförderung hatten die Gruben folgenden Anteil:

      Anton und Neue Hoffnung: 40 %

      Finstergrund und Werner IV: 30 %

      Tannenboden: 15 %

      Brandenberg

      Fahl: 15 %

      (Zusammenstellung der GF vom Juli 1977, LGRB-Akten).

      Grube Krunkelbach, St. Blasien-Menzenschwand

      Grube Krunkelbach, St. Blasien-Menzenschwand

      Das Bergwerk Krunkelbach am Ostermontag 2023 bzw. die heute noch zu erkennenden Überreste. Das Foto zeigt den Verfüllbereich vor dem Stollenmundloch, der über mindestens drei Drainageleitungen in den „links“ direkt angrenzenden Krunkelbach entwässert wird.

      Chronologie

      Grube Krunkelbach oder Grube Hans Paul (1961 bis 1992)

      Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Schwarzwald v.a. durch den Bergbauingenieur Otto Leible, dem späteren Direktor der Gewerkschaft „Finstergrund“ und dem späteren Präsidenten des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, Franz Kirchheimer, nach Uranvorkommen gesucht. Bereits im Jahr 1949 fand Leible bei Sulzburg, Eisenbach und Wittichen Uranerze mit 0,3-0,5 % Uran.

      Das Geologische Landesamt in Freiburg wurde seitens des Wirtschaftsministeriums angewiesen, insbesondere die Vorkommen bei Wittichen näher zu untersuchen, was in den Folgejahren auch sehr intensiv geschah. Im Abschlussbericht Kirchheimers von 1957 wird Menzenschwand nicht erwähnt und war bis 1960 als Lagerstätte praktisch unbeschrieben und das als einzig abbauwürdiges Uranvorkommen in Baden-Württemberg.

      Am 5. Mai 1957 entdeckten zwei Freiburger Geologiestudenten, auf der Suche nach Flussspat, Uranglimmer im Uferbereich des Krunkelbaches. Im April 1959 fand ein Stuttgarter Diplomand eine radioaktive Anomalie, die er im Auftrag des Landesamtes noch im gleichen Jahr untersuchen sollte.

      Im August 1960 erteilte das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg der niedersächsischen Gewerkschaft „Brunhilde“ die Untersuchungsermächtigung für das Gebiet um Menzenschwand. Dies war der Startschuss für eine im Schwarzwald wohl einzigartige und vergleichsweise nur sehr kurze, dafür aber sehr streitbehaftete Bergbaugeschichte (31 Jahre) in einem Spannungsfeld zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen, dem Naturschutz, der Atomkraftgegener und v.a. auch den Interessen der Einheimischen, v.a. dem Fremdenverkehr. Besonders pikant an der „Bergbaugeschichte“ im Krunkelbachtal ist, dass die Gewerkschaft zu keiner Zeit über eine Konzession zum Abbau verfügte, sondern lediglich zur Untersuchung/Prospektion.

      Die Grube Krunkelbach (Grube „Hans Paul“) entstand aus ersten übertägigen Baggerschürfen am 09. August 1961 in den  Moräneablagerungen, die in ca. 6 m Tiefe den ersten mutmaßlich abbauwürdigen Uranerzgang im Bärhaldegranit freilegten.

      Die Gewerkschaft „Brunnhilde“ betrieb bereits seit 1955 bei Ellweiler (Kreis Birkenfeld, Rheinland-Pfalz) einen Tagebau auf Uranerz und seit 1957 eine großtechnische Uranaufbereitungsanlage, in der später auch das Uranerz aus Menzenschwand zu einem pulverförmigen Konzentrat (Ammoniumdiuranat), dem sogenannten „yellow cake“ verarbeitet wurde.

      Bei den „Untersuchungen“ stellte sich schon bald heraus, dass es sich bei dem Vorkommen im Krunkelbachtal um die größte westdeutsche Lagerstätte mit einem Urangehalt von 1,4 % handelt.

      In Menzenschwand wurden in den 31 Jahren des Grubenbetriebes (ohne formelle Abbaugenehmigung) insgesamt 100.000 t Uranerz gefördert, aus dem 720 t Uran gewonnen wurden.

      Die Lagerstätte

      Die Lagerstätte liegt im Bärhaldegranit, einer Intrusion in die Migmatite der Zentralschwarzwälder Gneismasse.

      Das eigentliche Uranvorkommen hat eine nachgewiesene Teufenerstreckung von mindestens 500 Höhenmeter. Die Lagerstätte besteht im Wesentlichen aus Quarz-Baryt-Fluorit-Gängen mit Pyrit, Pechblende, Hämatit und geringen Mengen anderer Sulfide.

      Um eine zentrale, nicht uranvererzte Störung (Krunkelbachstörung) – eine 5 km lange Schrägabschiebung, sind verschiedene vererzte Störungen, die Erzgänge, angeordnet. Drei von fünf größeren uranvererzten Gängen sind abbauwürdig. Die Mächtigkeit der Erzgänge nimmt zur Teufe hin zu, die Mächtigkeiten schwanken deutlich (durchschnittlich 2,5 m) bis maximal 11 m.

      Der Gesamturangehalt der Lagerstätte wird auf ca. 3.200 t geschätzt, von denen 1.000 t nachgewiesen und 700 t abgebaut wurden. Die Urangehalte schwanken zwischen 0,8 und 8 % U3O8.

      Die Grube

      Die Grube Krunkelbach (Grube „Hans Paul“) entstand aus ersten übertägigen Baggerschürfen am 09. August 1961 in den  Moräneablagerungen, die in ca. 6 m Tiefe den ersten mutmaßlich abbauwürdigen Uranerzgang im Bärhaldegranit freilegten. Die Vererzung erhielt die Bezeichnung Gang 1.

      In drei weiteren Schürfen wurde die 2,5 m mächtige Gangstruktur über eine Strecke von 25 m weiter erschlossen, bei den Wegebauarbeiten wurde ein zweiter Gang mit 2 m Mächtigkeit angetroffen. Insgesamt wurden dabei 300 t erzhaltiges Material zur Versuchsaufbereitung nach Ellweiler abgefahren. Im Jahr 1962 wurden ca. 1.500 t Uranerz gefördert, in dem 31 verschiedene Uranmineralien nachgewiesen wurden, was das Vorkommen zu einem der mineralreichsten Lagerstätten des Schwarzwaldes machte.

      Nachdem man sich nun ein Bild über die übertägigen Vererzungen gemacht hatte begann man zur weiteren Untersuchung 1962 (Stollen I) bzw. im Februar 1963 (Stollen II) mit der Auffahrung von zwei Stollen.

      Wegen diverser Streitigkeiten ruhten die Arbeiten vom September 1963 bis in das Jahr 1972. Bis dahin waren in den beiden Stollen insgesamt 200 m Grubenbaue angelegt.

      Nach Wiederaufnahme der Arbeiten nach 1972 wurde der Stollen I schon bald aufgegeben. Der Stollen II wurde bis Ende 1973 auf 349 m verlängert. Um den 50 m vom Stollenmundloch entfernten Gang 13 zur Teufe hin zu erkunden, wurde ein Blindschacht angelegt, der im Laufe des Jahres 1974 auf insgesamt 68 m abgeteuft wurde. In 30 m und 60 m Teufe wurden zwei Sohlen zur Erzförderung angesetzt. Im Jahr 1974 förderten 10 Mann unter Tage insgesamt 2.592,26 t Uranerz, aus denen 23,56 t U3O8 gewonnen werden konnten.

      Zu Beginn des Jahres 1976 ereignete sich mit einem größeren Bruch der erste ernsthafte Bergschaden in der Grube, der mit vorhandenem Fördermaterial aus den Untersuchungsstrecken der 60 m Sohle verfüllt werden konnte.

      Zwischen Juli und Oktober 1976 wurde der Blindschacht weiter auf 98 m abgeteuft. Mit Beginn der 1980er Jahre waren die reichsten Lagerstättenteile über der 90 m Sohle weitgehend abgebaut, so dass der Blindschacht bis 1982 auf 219 m abgeteuft wurde. Alle 30 m Teufe wurden bis zu 100 m lange horizontale Sohlen, die den eigentlichen Erzkörper erschlossen, aufgefahren. Zu Beginn des Jahres 1984 wurde der Blindstollen auf 241,5 m vertieft.

      Stilllegung

      Am 07. September 1989 wurde eine „öffentlich-rechtliche Vereinbarung“ über die Beendigung der bergbaurechtlichen Aktivitäten in den Erlaubnisfeldern „Menzenschwand“ und „Belchen-Hoffnung“ abgeschlossen.

      Die Gewerkschaft „Brunhilde“ legte einen Abschlußbetriebsplan vor. Uranerze mit mehr als 0,25 % U3O8 wurden zwischen Februar und Juni 1991 insgesamt 5.477,86 t Uranerz aus der Grube entnommen (magazinierte Reserven) und zur Verarbeitung nach Bessines sur Gartempe (Frankreich) abgefahren.

      Anschließend wurden zum Fluten der Grube alle Wettertüren entfernt, der Blindschacht mit Stahlträgern abgedeckt und über Tage die Haldenflächen eingeebnet und mit verdichtetem Mutterboden bedeckt, um die Radonexhalation zu unterbinden, Klärteiche verfüllt und letztlich das Stollenmundloch sicher verschlossen und das Grubengelände landschaftsgerecht gestaltet.

      Kenndaten
      Betriebsdaten

      Übertägig waren mehrere Verwaltungs- und Arbeitsgebäude sowie kleinere Halden vorhanden.

      In der Grube Krunkelbach wurden in 31 Betriebsjahren über einen 249,5 m tiefen Blindschacht, auf insgesamt neun Sohlen und einem 4.300 m langen Streckennetz 100.000 t Uranerz gefördert.

      Förderung

      Die Streckenauffahrung und die Förderung erfolgten gleisgebunden in Grubenhunten mit ca. 1 t Verfassungsvermögen. Die Förderung im Schacht erfolgte als Kübelförderung.

      Grubenwasser

      Das Grubenwasser wurde zur Sedimentation der relevanten Radionuklide auf die 0 m Sohle in eine Wasseraufbereitungsanlage in einer alten Untersuchungsstrecke gepumpt. Das gereinigte Grubenwasser floss dann nacheinander in drei Klärteiche, von wo aus es in den Krunkelbach geleitet wurden.

      Erzaufbereitung

      Das Erz wurde mit Lkw nach Seebrugg am Schluchsee gefahren und dort zum Weitertransport zur Aufbereitungsanlage nach Ellweiler auf die Schiene verladen.

      Verwendung des Uran

      Das in der Aufbereitung hergestellte Urankonzentrat wurde an bundesdeutsche  Energieversorgungsunternehmen verkauft und von diesen zu Kernbrennstäben verarbeitet.

      Es geht um die Schürfrechte der Gewerkschaft Brunhilde und ihren Antrag auf gewerblichen Abbau von Uran in Menzenschwand (Gemeinde St. Blasien).

      Die Bergbaugemeinschaft Brunhilde wollte in Menzenschwand Uranerz abbauen. Die weltweiten Uranreserven und Fördermöglichkeiten wurden überschätzt.

      Was mit dem bis dato abgebauten Uranerz geschah und wie die Gewerkschaft Brunhilde mit der Saarberg-Interplan agierte (Gespräch mit Peter Diehl, BUND).

      Die Audiostreams werden auf der Webseite „Radio Dreyeckland“ unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland Lizenz zur Nutzung angeboten.

      CC BY NC SA

      Textquellen

      Markl, G. & Wolfsried, S. (2011): Das Uran von Menzenschwand – Geschichte, Lagerstätte, Mineralien. 140 S., Christian Weise Verlag.

      Steen, H. (2004). Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald. 488 S., Verlag: Books on Demand, Norderstedt.

      Grube Müllenbach, BAD-Oberbeuern

      Grube Müllenbach, BAD-Oberbeuern

      Das westliche Stollenmundloch der Grube Müllenbach: Der Sauersboschstollen (Foto vom Januar 2023).

      Die Saarberg Interplan, Gesellschaft für Rohstoff-, Energie- und Ingenieurtechnik mbH erhielt am 12. März 1973 eine Untersuchungserlaubnis zum Aufsuchen von Uran- und Thoriumerzen im Raum Baden-Baden/Gernsbach.

      Im September 1973 wurden daraufhin mittels radiometrischer Messungen mehrere Anomalien in den ausstreichenden Karbonschichten des Oostroges festgestellt. Abgesehen von unbedeutenden Ausnahmen, befanden sich alle Anomalien in den karbonischen Sedimenten. Aus diesem Grunde wurden diese Schichten mit einem engmaschigen Netz radiometrischer Messpunkte und -linien überdeckt.

      Der Erfolg dieser Untersuchung war die Auffindung zahlreicher Einzelanomalien und dreier größerer vererzter Bereiche bei Neuweier, Malschbach und Müllenbach. In diesen Gebieten wurden durch Bohrungen auch vererzte Horizonte gefunden, die sich an der Oberfläche nicht nachweisen ließen.

      Die größte Anomalie, mit mehr als 1 Million Impulse pro Minute (ipm), wurde am Hummelsacker bei Müllenbach ermittelt.

      Durch flache Bohrungen bis max. 2 m Tiefe konnten die Anomalien räumlich genauer abgegrenzt werden. Tiefere Bohrungen waren aufgrund der Lage im äußeren Quellschutzgebiet der Thermen von Baden-Baden nur sehr eingeschränkt möglich.

      Die wahrscheinlichen, gewinnbaren Lagerstättenvorräte in Müllenbach betragen, bei einer Konzentration von durchschnittlich 1.200 ppm, ca. 1.500 t Uran (nach Prof. Dr. A. Wilke).

      Geologie
      Übersicht

      Baden-Baden liegt im „Oostrog“, einer intramontanen karbonischen Senke, der in SW-NE-Richtung streicht. Im Westen wird dieser Trog vom Rheingraben begrenzt, im Osten wird er von mesozoischen Schichten bedeckt.

      Der insgesamt etwa 10 km breite Oostrog wird durch den Battertsattel in zwei strukturelle Bereiche gegliedert:

      • Rotenfelser Mulde (Norden)
      • Lichtentaler Mulde (Süden)

      Lithologisch sind hier sedimentäre Gesteine, Schiefer, Quarzite, Dolomite und Magmatite ausgebildet.

      Der Baden-Badener Granit und die angrenzenden Alten Schiefer im Kern des Battertsattels sind intensiv miteinander verschuppt.

      Aufgrund ihrer petrographischen Ähnlichkeit mit den Steiger und Weiler Schiefern der Vogesen werden die Alten Schiefer des Oostroges ins Devon gestellt.

      Karbon

      Die nächstjüngeren Sedimente der Trogfüllung sind karbonischen Alters (Stefan). Abgesehen von einigen kleineren Vorkommen im Bereich des Battertsattels treten sie vorwiegend am Südrand der Lichtentaler Mulde auf, wo sie den Nordschwarzwälder Granit überlagern oder an Störungen gegen diesen abgesetzt sind.

      Die Sedimentfolge des Karbons ist gekennzeichnet durch die Wechsellagerung von Kohleflözen, z.T. kohligen Tonsteinen, Arkosen und Konglomeraten. Die einzelnen Schichten sind meist geringmächtig und keilen auf kurze Distanz aus. Leitbänke sind nach unserer bisherigen Kenntnis nicht ausgebildet, so dass eine weitere Untergliederung nicht möglich ist.

      Das allgemeine Schichtstreichen ist 15—20 °E, das Einfallen liegt bei 25—30 °W. Innerhalb des gesamten Schichtpaketes beobachtet man zahlreiche syngenetische Rutschflächen, Schrägschichtungen und Strukturen, die auf subaquatische Gleitungen zurückzuführen sind. Im Zusammenhang mit dem Wechsel von Tonsteinen, Arkosen und Konglomeraten deuten diese Sedimentstrukturen auf einen küstennahen Sedimentationsraum hin, der stellenweise durch Deltabildungen unterbrochen wird.

      Ein deutliches Bild der unruhigen Sedimentation vermittelt die geologische Aufnahme des Kirchheimerstollens. Dieser Stollen wurde von Müllenbachtal aus in nordwestlicher Richtung in den Hummelsacker vorgetrieben und erschließt auf 150 m Länge einen guten Einblick in die Sedimente des Oberkarbons, die hier wie auch an anderen Stellen erkennen lassen, dass die Schüttung aus S bis SE erfolgte (vgl. SCHNEIDER. H. 1966).

      • Die Arkosen und Tonsteine stellen also den Abtragungsschutt des Nordschwarzwälder Granits dar, eine Feststellung, die sich gelegentlich sogar ohne Schwierigkeiten im Gelände bestätigen lässt.
      • Südlich von Geroldsau führt der Granit z. B. große Orthoklas-Porphyroblasten, die als wenig zerkleinerte Bruchstücke auch in der angrenzenden Arkose zu finden sind. Auch der Geröllinhalt der Konglomerate ist mit der Annahme einer Sedimentschüttung aus südlicher Richtung in Einklang zu bringen, enthalten sie doch vorwiegend granitische Komponenten.
      • Untergeordnet treten auch Prophyrgerölle auf, die den Gangporphyren des Granitgebietes entstammen.
      • Lediglich die Herkunft der Greisengerölle, die in nicht unbedeutender Menge am Aufbau der Konglomerate beteiligt sind, ist noch unbekannt. Sie entstammen entweder den abgetragenen Hangend-Partien des Granits oder dem Gebiet, das im Südosten unter den Schichten des Buntsandsteins verdeckt ist.
      Rotliegendes + Buntsandstein

      Gegen das Muldeninnere zu wird das Karbon von Rotliegend-Sedimenten überdeckt, die schließlich als jüngste Bildung den Buntsandstein tragen. Der Übergang vom Karbon zum Perm erfolgte ohne Fazieswechsel, so dass die Grenze nicht immer exakt festzulegen ist.

      These zur syngenetisch-sedimentärenn Entstehung (nach Maus)
      Beschreibung Uranverteilung

      Erst die Auffahrung des Kirchheimerstollens und später des Sauersboschstollens brachten Klarheit über die Form der Uranverteilung.

      Bei den vererzten Lagen handelt es sich nicht, wie ursprünglich angenommen, um stratigraphisch exakt definierbare (Leit)Horizonte, die durch Tektonik in unterschiedliche Höhenlagen gebracht worden sind.

      Radiometrische Aufnahmen und chemische Analysen ergaben das folgende Verteilungsmuster:

      • Tonsteine: schichtkonkordante Verteilung
      • Arkosen: wolkig-diffuse, schichtübergreifende Verteilung

       

       

       

       

       

       

      Abb.: Geologische und radiometrische Aufnahme einer schichtgebundenen Uranvererzung im Kirchheimerstollen (verändert nach: Ertle, Kneuper & Müller 1976). Bei beiden Aufnahmen ist die Lage der Schiefer- und Sandschieferschichten mit einer roten Umrandung hervorgehoben.

      Der in der Abbildung wiedergegebene Ausschnitt aus der radiometrischen Vermessung des Kirchheimer- Stollens zeigt zwischen 32 und 44 m einen relativ scharf begrenzten Vererzungshorizont, wie er in ähnlicher Art auch im gleichen Stollen von 53 bis 61 m aufgeschlossen ist.

      Im Gegensatz hierzu stehen diffuse Vererzungsbereiche, die keinerlei Bindung an die Schichtung erkennen lassen und nach bisheriger Kenntnis an keiner Stelle eine Urankonzentration erreichten, die dem Maximum in den schichtgebundenen Vererzungen entspricht.

      Diese im Großbereich deutlich erkennbare Verteilung des Urans lässt sich auch im Kleinbereich und sogar im Mikroskop beobachten. Wie Hauptmann (1976) feststellte, zeichnen die uranvererzten Tonsteine und tonreichen Arkosen sogar die syngenetischen Wickelstrukturen nach und geben im Mikroskop sogar eine subparallele Anordnung von Tonmineralen und Pechblende-Partikeln zu erkennen.

      Hieraus kann man schließen, dass

      • diese Art der Vererzung als primär anzusehen ist,
      • während für die wolkig-diffuse Uran Verteilung eine sekundäre Genese angenommen werden muss.

      Für eine sekundäre Umlagerung spricht auch folgende Beobachtung: Die Konglomerate enthalten stellenweise vererzte Gerölle, während die Matrix praktisch uranfrei ist. Die Vererzung ist dabei nicht auf eine bestimmte Art der Gerölle beschränkt, es finden sich sowohl uranimprägnierte Granit-, Greisen- und Porphyr- Gerölle. Im Hinblick auf die große Mobilität des Urans sind mehrfache Umlagerungen nicht auszuschließen, doch ist auffällig, dass die postkarbonische Tektonik als Wegsamkeit für die zirkulierenden Lösungen keinerlei erkennbaren Einfluss auf die Verteilung des Urans genommen hat.

      Störungen und Klüfte sind weder vererzt noch haben sie in sichtbarer Weise zu einer Verarmung geführt. Die gelegentlich auf Kluftflächen zu beobachtenden sekundären Uranminerale sind wahrscheinlich erst Produkte jüngster Umlagerungen.

      An primären Uranmineralen wurden bisher Pechblende und Coffinit beobachtet, sekundäre Uranminerale sind durch Zeunerit, Autunit, Torbernit, Heinrichit, Uranophan, Phospuranylit und ein Urankarbonat vertreten. Ein Teil des Urans scheint jedoch adsorptiv an Tonminerale gebunden zu sein oder auch als Uranyl-Humat vorzuliegen (vgl. hierzu auch die eingehenden Untersuchungen von Hauptmann 1976).

      Abgesehen von den wenigen Fällen der rezenten bis subrezenten Ausblühung spärlicher sekundärer Uranminerale sind die Uranträger ohne Mikroskop nicht zu beobachten, den Tonsteinen und Arkosen ist der Urangehalt also nicht anzusehen.

      Genese der Uranmineralisation

      Bei der intensiven Untersuchung des Uranvorkommens bei Müllenbach wurde aus den beiden Stollenauffahrungen und zahlreichen Oberflächenaufschlüssen sowie aus einigen tausend Bohrmetern umfangreiches Datenmaterial gewonnen.

      Danach ergibt sich folgendes Bild der Uranvererzung:

      1: Die Vererzung ist beschränkt auf die Schichten des Karbons

      Nennenswerte Anreicherungen wurden bisher weder im Granit noch in den hangenden Schichten des Rotliegenden oder des Buntsandsteins beobachtet. Die hier festgestellten Anomalien erwiesen sich stets als lokal eng begrenzt und in der Konzentration nur von mineralogischem Interesse. Möglicherweise handelt es sich hierbei um Ausfällungen aus Lösungen, die ihren Urangehalt aus den karbonischen Schichten bezogen.

      2: Die Uranvererzung war ursprünglich wohl über das gesamte Vorkommen der karbonischen Sedimente verbreitet

      Primäre Inhomogenitäten aufgrund unterschiedlicher Gesteinsausbildung und spätere selektive Auslaugungen im Gefolge der Erosion täuschen lokale Primär-Konzentrationen vor.

      • Diese Feststellung konnte durch Bohrungen bestätigt werden, die in Bereichen ohne Oberflächenanomalien in größerer Tiefe Uranvererzungen antrafen.
      • Da erst die Gebiete mit ausgeprägten Oberflächenanomalien nach der Tiefe zu untersucht wurden, war zunächst der Eindruck entstanden, als seien auch nur in diesen Gebieten in der Tiefe Vererzungen vorhanden.

      3: Die Verteilung des Urans in den Sedimenten lässt noch keinen gesicherten Schluss auf die Herkunft des Urans zu.

      Eine hydrothermale Zufuhr aus dem liegenden Granit über Klüfte ist jedoch auszuschließen.

      • Ein im Granit aufsetzender Erzgang mit Baryt, Kupferkies, Malachit und braunem Glaskopf fand in der überlagernden Arkose keine Fortsetzung.
      • Eine den Gang begleitende Störung war im Bereich des Sediments lediglich mit geringen Mengen von Brauneisen markiert. Dieser Gang zeigte zwar gelegentlich eine etwas erhöhte Strahlungsaktivität, doch war sie stets beschränkt auf das aus der Zersetzung des Kupferkieses stammende Brauneisen.

      4: Über das Alter der Uranvererzung liegen noch keine gesicherten Angaben vor

      Physikalische Altersbestimmungen am Uran erbrachten bisher erst Maximalwerte von 300.000 Jahren. Dieses extrem junge Alter bezieht sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf umgelagertes Uran, das tatsächliche Alter der Vererzung dürfte dem des Sediments entsprechen, also oberkarbonisch sein.

      Thesen zur Urananreicherung

      Die Uranvererzung erstreckt sich wolkig-diffus durch das Gestein und erschwert eine Vorratsberechnung.

      Es zeigt sich jedoch, dass entlang dünner, schwarzer Tonsteinlagen Uran am häufigsten auftritt. Dagegen fehlen in der Hauptmasse des Gesteins (in den 10 m bis 20 m mächtigen Lagen aus Arkosen und Konglomeraten) ausgesprochene Erzhorizonte. Doch auch hier gibt es Urananreicherungen. Bei ihrer Entstehung spielt das Grundwasser eine wichtige Rolle.

      Die grobkörnigen Arkosen und Konglomerate führen Schwefelkies (FeS2). Bei Zutritt von  sauerstoffreichem Grundwasser oxidieren die Sulfide zu Schwefelsäure, die das im Gestein dispers verteilte Uran löst und mit dem Grundwasserstrom verfrachtet. Trifft das Grundwasser auf sich ändernde Redoxbedingungen, z.B. auf kohlenhaltige Schichten, dann wird das gelöste, sechswertige Uran zur vierwertigem Uran reduziert und fällt an der „Front“ zum sauerstoffarmen Bereich aus, wo sich in den Gesteinsporen in konzentrierter Form dünne Lagen mit Uranmineralien abscheiden. Der Mechanismus einer solchen Erzanreicherung wird „Rollfront“ genannt.

      Altersbestimmungen an den Uranmineralien ergaben mit 300.000 Jahren ein vergleichsweise sehr junges Alter. Daraus kann rückgeschlossen werden, dass der Rollfront-Mechanismus noch heute andauert.

      Von allen genetischen Modellen scheint die von Berger & Salger (1965) formulierte Theorie am ehesten auf die Vererzung im Nordschwarzwald zuzutreffen: Die Entstehung der Urananreicherung wird folgendermaßen gedeutet:

      Schichtgebundene Uranvererzung

      Das in geringer Konzentration im Wasser als Uranyl- oder Uranylkomplexion in sechswertiger Form gelöste Uran kommt in ein stark reduzierendes Milieu, gekennzeichnet durch wechselnde Konzentration von Huminstoffen und kohligen pflanzlichen Resten.

      Es wird zur vierwertigen Stufe reduziert.

      Da diese wesentlich weniger löslich ist, fällt Uran als Hydroxyd in dem Maß aus, wie es dem pH und Eh der Lösung entspricht. Es wird mit der Tontrübe im Sedimentationsraum abgesetzt.

      Änderungen im Oxidationspotential und in der Reaktion der Lösungen bewirken unterschiedliche Fällungen und können die Differenzen zwischen den einzelnen Gesteinen erklären.

      Soweit also auch im Karbon des Nordschwarzwaldes noch schichtkonkordante Vererzungen vorliegen, ist ihre Entstehung wohl im zitierten Sinne anzunehmen.

      Wolkig-diffuse Uranvererzung

      Dies stark vereinfachte Bild muss jedoch noch insoweit modifiziert werden, als die Bereiche der wolkig-diffusen Vererzung nicht so gedeutet werden können.

      Für sie müssen in jedem Fall sekundäre Umlagerungen angenommen werden.

      Der Zeitpunkt dieser Umlagerungen ist nicht allgemein festzulegen; aufgrund der hohen Mobilität des Urans ist anzunehmen, dass dieser Vorgang auch heute lokal noch andauert.

      Durch diese Umlagerungen entstanden neue Vererzungsbereiche mit rollfrontartigem Charakter. Sie finden sich vorwiegend in den gut durchlässigen, grauen, also reduzierten Arkosen.

      Geochemische Untersuchungen durch Hauptmann (1976) konnten für diese Bereiche eine für Rollfrontvererzungen typische Korrelation von Uran und Arsen feststellen, nicht jedoch für Uran und Kupfer bzw. Vanadium, doch besteht die Aussicht, an neuen Aufschlüssen unter Tage eine derartige Verbindung noch nachzuweisen.

      These zur hydrothermalen Entstehung (nach Zuther)
      Beschreibung folgt

      Beschreibung folgt

      Chronologie
      1973: Prospektion auf Uran- und Thoriumerze

      Die Saarberg Interplan, Gesellschaft für Rohstoff-, Energie- und Ingenieurtechnik mbH erhält am 12. März 1973 eine Untersuchungserlaubnis zum Aufsuchen von Uran- und Thoriumerzen im Raum Baden-Baden/Gernsbach.

      Im September 1973 werden mittels radiometrischer Messungen mehrere Anomalien in den ausstreichenden Karbonschichten des Oostroges festgestellt. Abgesehen von unbedeutenden Ausnahmen, befinden sich alle Anomalien in den karbonischen Sedimenten.

      Die größte Anomalie, mit mehr als 1 Million Impulse pro Minute (ipm), wird am Hummelsacker bei Müllenbach ermittelt.

      1974: Beginn bergmännische Aufwältigung (Kirchheimerstollen)

      Auf Empfehlung von Prof. Dr. Franz Kirchheimer, Präsident des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, beginnt im August 1974 die bergmännische Aufwältigung der Vererzung am Hummelsacker. Der Kirchheimerstollen am SE-Hang des Hummelsacker fährt auf 150 m Länge das Karbon querschlägig an und erschließt dabei drei größere und mehrere kleinere Vererzungen mit beachtlichen Gehalten von bis zu 1 % U3O8.

      1975: Tiefere Erkundungsbohrungen

      Nach der Genehmigung durch die Bergbehörde können im Sommer 1975 nun auch tiefere Erkundungsbohrungen zur Teufenuntersuchung der Vererzung niedergebracht werden. Die tiefste Bohrung (am Steufenberg) weist eine Vererzung bis in eine Teufe von 920 Meter nach.

      1975: Sauersboschstollen

      Am 02.07.1975 wird mit dem Sauersbosch-Stollen, am NW-Hang des Hummlesacker, ein zweiter Stollen, ca. 40 m tiefer als der Kirchheimerstollen, angesetzt.

      1975: Schürfkonzession Murgtal

      Gemäß Antrag vom 06. August 1975 wird die Untersuchungserlaubnis von 1973 in die Schürfkonzession Murgtal umgewandelt (befristet bis zum 31.12.1979, verlängert um fünf Jahre am 19.12.1979)

      1976 | 1978: Anlage Aufhauen 2/1-1

      Dezember 1976 + Frühjahr 1978:Anlage des Aufhauens 2/1-1 zwischen dem Sauersbosch- und dem Kirchheimerstollen.

      1977: Einführung der Lade- und Fördertechnik

      Einführung der gleislosen Lade- und Fördertechnik in den Vortrieb der Untersuchungsstrecken. Dazu mussten die teilweise zu engen Stollen nochmals nachgegossen werden.

      1978: Stundung Vortrieb Aufhauen 2/1-1

      Stundung des Vortriebs von Aufhauen 2/1-1 im März 1978 bei 172 m Länge, da die Stadt Baden-Baden eine weitere Haldenablagerung vor dem Stollenmundloch nicht genehmigt. Im hinteren Bereich des Stollens wird eine Klärkammer für die Grubenwässer errichtet.

      1978: Laugungsversuche

      Für Laugungsversuche werden im Mai 1978 insgesamt 26 t Erz aus dem Sauersbosch-Stollen entnommen.

      1978 | 1979: Anlage Aufhauen 2/1-2

      Juli 1978 – Februar 1979: Anlage des Aufhauens 2/1-2 vom Sauersbosch-Stollen im Einfallen der Vererzung. Installation eines Schrappers und Förderbandes.

      1979: Durchschlag Aufhauen mit dem Kirchheimerstollen

      Das beim Leerschrappern der Strecke angefallene Material wird im Februar 1979 im nicht fertig gestellten Aufhauen 2/1-1 eingelagert. Die bergmännischen Untertagetätigkeiten werden fortan gestundet, v.a. weil die Stadt Baden-Baden die Genehmigung zur weiteren Aufhaldung von Gesteinsmaterial im Sauersboschtal noch immer verweigert.

      1979: Kündigung der Gestattungsverträge

      Die Stadt Baden-Baden kündigt am 28.08.1979 alle Gestattungsverträge mit dem Begbauunternehmen.

      1979: Untersuchungen Strahlenbelastung

      Untersuchungen zur Strahlenbelastung der Bergleute + der Umwelt und der Beeinflussung der natürlichen Gewässer durch die Exploration und den Grubenbetrieb in Zusammenarbeit mit dem Kernforschungszentrum Karlsruhe.

      Die Untertageanlagen werden fortan als „Versuchsgrube“ bezeichnet. Es werden Reihenversuche zur Erprobung von Messgeräten wie Dosimetern unter Bedingungen des Grubenbetriebs ausgeführt. Darüber hinaus finden Langzeitbeobachtungen der Grund- und Oberflächenwässer und der meteorologischen Bedingungen statt.

      1980: Verlängerung Radonstollen

      Im ersten Halbjahr 1980 wird der sogenannte Radonstollen um etwa 12 m verlängert, im Herbst um weitere 9 m. Der Abraum wurde im Aufhauen 2/1-1 handversetzt.

      1982: Erzentnahme für Auslaugungsversuche

      Die Saarberg-Interplan schlug im März 1982 ein Drei-Phasen-Programm für die weiteren Arbeiten in der Versuchsgrube vor:

      • Phase I: Weitere Exploration + Sicherung und Erweiterung der bekannten Vorräte.
      • Phase II: Versuchsbergbau zur Erprobung verschiedener Abbaumethoden + Test einer Pilot-Aufbereitungsanlage im Waldbachtal, die durch eine untertägige Rampe an die Versuchsgrube angeschlossen werden sollte. Die Aufbereitung war als Sickerlaugung in einer Laugungshalle konzipiert (Ausfällung von Yellow cake).
      • Phase III: Wirtschaftliche Gewinnung von Uranerz im Müllenbachtal.

      Die Betriebspläne wurden wegen heftigen Widerstandes der Stadt und zahlreicher Umweltverbände nicht genehmigt.

      1982: Drei-Phasen-Programm

      Die Saarberg-Interplan schlug im März 1982 ein Drei-Phasen-Programm für die weiteren Arbeiten in der Versuchsgrube vor:

      • Phase I: Weitere Exploration + Sicherung und Erweiterung der bekannten Vorräte.
      • Phase II: Versuchsbergbau zur Erprobung verschiedener Abbaumethoden + Test einer Pilot-Aufbereitungsanlage im Waldbachtal, die durch eine untertägige Rampe an die Versuchsgrube angeschlossen werden sollte. Die Aufbereitung war als Sickerlaugung in einer Laugungshalle konzipiert (Ausfällung von Yellow cake).
      • Phase III: Wirtschaftliche Gewinnung von Uranerz im Müllenbachtal.

      Die Betriebspläne wurden wegen heftigen Widerstandes der Stadt und zahlreicher Umweltverbände nicht genehmigt.

      1985: Vorläufige Betriebseinstellung

      Im Juli 1985 schlägt die die Interuran, die Nachfolgegesellschaft der Saarberg-Interplan, die vorläufige Einstellung des Betriebes vor. Ein Abschlussbetriebsplan sollte sicherstellen, dass von den Grubenbauen und Halden keine Gefährdung ausgeht.

      • Am Sauersboschstollen werden Haldenteile > 350 mrem/a in den Stollen transportiert. Die Trafostation, die Baustellenwagen und Material für den grubenbetrieb werden entfernt.
      • Am Kirchheimerstollen wird das oberflächliche haldenmaterial > 400 mrem/a entfernt und in den Stollen eingelagert.
      • Die Haldenflächen werden anschließend mit Mutterboden angedeckt und eingesät.
      • Aus der Grube werden noch die verwendbaren Maschinen und Geräte sowie elektrische Anschlüsse und Pumpen demontiert. Grubenausbau, Klärbecken und Sprengstofflager blieben für eine eventuelle Wiederbenutzung erhalten. Die Mundlöcher beider Stollen werden abschließend doppelt vermauert.
      1985 bis 1988: Rekultivierung

      Mai 1985 bis Januar 1988: Rekultivierung

      Zwischen Mai 1985 und Januar 1988 werden die Flächen rekultiviert. Die Grube wird im Februar 1988 durch die Bergbehörde aus der Bergaufsicht entlassen.

      Textquellen

      Steen, H.: Geschichte des modernen Bergbaus im Schwarzwald. 488 S., Verlag: Books on Demand, Norderstedt, 2004.

      Das östliche Stollenmundloch der Grube Müllenbach: Der Kirchheimerstollen (Foto vom Januar 2023).

      Grube Schauinsland, Oberried

      Grube Schauinsland, Oberried

      Mit der Lorenbahn im Arbeitseinsatz. © Forschergruppe Steiber

      Überblick & Geschichte

      Das heutige Breisgau mit dem Zentrum Freiburg, im Rheintal klimatisch begünstigt, war schon immer ein bevorzugtes Siedlungsgebiet verschiedener Kulturen. Archäologische Funde weisen steinzeitliche, keltische, römische und alemannische Siedlungen nach. Für die Vorbergzone z.B. in Badenweiler, Sulzburg, nicht jedoch für das Schauinslandgebiet, ist römischer Bergbau nachgewiesen. Die Rodung der Wälder und langsame Besiedelung der Schwarzwaldberge begann erst vor rund 1.000 Jahren aus den Tälern heraus. Im Mittelalter war dafür der wesentliche Grund die Suche nach Edelmetallen. Silber (Gold wurde in Mitteleuropa kaum gefunden) war im Mittelalter Grundlage des sich entwickelnden Geldwesens und wegen seiner Knappheit begehrt und teuer. Es war durchaus in seiner Kaufkraft dem heutigen Goldpreis vergleichbar.

      Über die Anfänge des Bergbaus am Schauinsland um das 13. Jahrhundert ist bisher nicht viel bekannt, denn übertägige Spuren des oberflächennahen Bergbaus aus der Anfangsphase macht die durch Höhenlage und strenge Winter verstärkte Erosion bald unkenntlich. Bereits im 14. Jahrhundert besaß der Bergbau im Schauinsland jedoch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für die Region und war lange Zeit wesentlicher Silberlieferant der Freiburger Münze. Deshalb trafen sich im Juni 1372 einflussreiche Bergwerksbetreiber aus dem Breisgau auf dem Schauinsland bei der Grube Dieselmuth (ungefähr beim Hotel Halde gelegen), um strittige rechtliche Fragen mit Graf Egon IV. von Freiburg zu klären. Das daraus entstandene, bald 750 Jahre alte Dieselmuth-Bergweistum, ist das älteste in deutscher Sprache bekannte Bergrecht.

      Ungewöhnlich sind auch die beiden Glasfenster mit Bergbaudarstellungen im Freiburger Münster, gestiftet von damaligen am Schauinsland erfolgreich tätigen Bergwerksbetreibern (Fronern). Das Münster ist die einzige im Mittelalter begonnene und auch fertiggestellte gotische Großkirche in Deutschland. Sitz eines Bischofs wurde Freiburg erst 1821. Das zeigt die nach der Stadtgründung 1120 rasch erreichte wirtschaftliche Blüte und den Wohlstand einer Stadt mit damals nur 5.000 Einwohnern, möglich geworden durch die erfolgreiche Symbiose von Handel und Silberbergbau.

      Die drei charakteristischen Bergbauperioden am Schauinsland
      Mittelalterlicher Bergbau

      Der mittelalterliche Bergbau des 13. bis 15. Jahrhunderts galt überwiegend dem Silber. In dieser ersten Periode erreichte der Bergbau am Schauinsland seine größte Blüte. Der anfängliche Bergbau wurde durch den höheren Silbergehalt in den oberflächennahen Bereichen der Erzgänge (Zementationszone) begünstigt. Probleme mit Grubenwässern traten noch kaum auf und das Gestein war nicht so hart. Mit dem Vordringen in die Tiefe erfolgte gezwungenermaßen der Übergang vom Tagebau zum aufwändigeren Stollen- und Schachtbau.

      Zahlreiche Bergwerke unter verschiedenen Betreibern und in Konkurrenz stehend, beschäftigten damals Hunderte von Bergleuten. Trotz des mühsamen händischen Herausmeißelns der Stollen entstand bereits im Mittelalter ein Stollensystem mit ca. 10 km Länge im Schauinsland. Teilweise wurden die oberen 200 m der Erzgänge abgebaut und fast die 1.000 m Höhenlinie erreicht, auf welcher Ende des 19. Jahrhunderts die Kapplersohle aufgefahren wurde.

      Bis Ende des 18. Jahrhundert wurden die Erze vor Ort am Schauinsland aufbereitet und verhüttet. Als Antriebsmedium für die Pochanlagen diente Wasser. Heizmaterial für die Schmelzöfen und Reduktionsmittel war aus Holz gewonnene Holzkohle.

      Neuzeitlicher Bergbau

      Beim neuzeitlichen Bergbau des 16. bis 18. Jahrhundert wurde in beträchtlichem Umfang neben dem Silber auch das Blei mitgenutzt, welches im Bauwesen, für Glasuren und militärisch bei den mit Schießpulver betriebenen neuen Kanonen als Kugeln verwendet wurde.

      Aufgrund des vollständigen Abbaus der reichen, oberflächennahen Erzgänge und des Verfalls des einst hohen Silberpreises durch die großen Edelmetallmengen aus Mittel- und Südamerika verschlechterten sich die wirtschaftlichen Bedingungen für den Bergbau am Schauinsland. Für andere Bergbaureviere im Schwarzwald war damals wegen fehlender Wettbewerbsfähigkeit bereits das Ende gekommen. Im Schauinsland konnte jedoch aufgrund seines Erzpotenzials mit geringeren Erträgen weiter abgebaut werden.

      Ab etwa 1620 wurde unter Verwendung von Schwarzpulver mit handgebohrten Sprenglöchern untertage gesprengt und damit die Leistungsfähigkeit enorm erhöht. Schwarzpulver, der erste Sprengstoff überhaupt, wurde 1355 für Europa von dem Franziskanermönch Berthold Schwarz in Freiburg erfunden.

      Moderner Bergbau

      Der moderne Bergbau ab Ende des 19. Jahrhunderts nutzte erstmalig alle drei in der Lagerstätte vorkommenden Metalle Silber, Blei und Zink. Zink ist ein Metall, welches erst durch die Industrialisierung nachgefragt wurde. Aus Kupfer und Zink entsteht Messing, heute der Kontaktwerkstoff der Elektrotechnik.

      1889 begann mit der Auffahrung des Kappler-Stollens durch die Gewerkschaft Schwarzwälder Erzbergwerke/Köln eine neue Epoche am Schauinsland. Unter dieser Bergbaugesellschaft wurden alle Aktivitäten am Schauinsland zusammengefasst, eine nassmechanische Aufbereitung zur Trennung der Erze vom tauben Gestein am Ausgang des Kapplertals errichtet und diese mit einer 5,3 km langen Materialseilbahn an die Grube angebunden. Durch Wasserkraft des Reichenbachs angetriebene Kompressoren erzeugten Druckluft zum Antrieb der Bohrhämmer und gesprengt wurde mit Dynamit, einem modernen, sehr leistungsfähigen Sprengstoff.

      Nach zwei Gesellschaftswechseln und 5-jähriger Betriebsunterbrechung übernahm 1935 die Stolberger Zink AG/Aachen als letzte aktive Bergbaugesellschaft den Grubenbetrieb am Schauinsland und modernisierte ihn nachhaltig. Wesentliche Neuerung war der Umbau der Aufbereitung in eine Flotation. Somit wurde nicht mehr nach Dichteunterschieden selektiert, sondern nach verschiedenen Oberflächenbenetzbarkeiten, einem viel trennschärferen Verfahren. Damit stand erstmalig ein der Lagerstätte angemessenes Aufbereitungsverfahren zur Verfügung.

      In den beiden Weltkriegen musste Raubbau mit höchstmöglicher Förderung betrieben werden, unter totalem Verzicht auf weitere Aus- und Vorrichtung der Lagerstätte.

      Der Tiefbau erreichte 1952 mit der 9. Sohle auf +358 m Höhe über NN den tiefsten Punkt der Grube Schauinsland und damit einen Teufenaufschluss von 900 m. Die Ergebnisse enttäuschten jedoch. Die Verschlechterung der Erzgänge zur Teufe, deutlich gestiegene Lohnkosten und eine langanhaltende Baisse an den Metallmärkten machten die Grubenschließung zum 31. Oktober 1954 unvermeidlich. Da zukünftige Bergbauaktivitäten im Schauinsland ausgeschlossen wurden, erfolgte eine vollständige Demontage aller unter- und übertägigen Einrichtungen einschließlich der Aufbereitung. Nur das Wasserkraftwerk an der Brugga im Oberrieder Tal (insgesamt 620 kW) lieferte nun seinen Strom in das öffentliche Netz und wurde 1969 an einen privaten Betreiber verkauft.

      1970 kaufte die damals selbstständige Gemeinde Kappel das Bergwerkseigentum von der Stolberger Zink AG, welches mit der Eingemeindung 1974 zur Stadt Freiburg kam. Für das Museums-Bergwerk Schauinsland hat Berthold Steiber einen Gestattungsvertrag mit der Stadt Freiburg bis 2049.

      Grubenriss Bergwerk Schauinsland. © Forschergruppe Steiber

      Grube Schauinsland

      Der Bergbau am Schauinsland weist eine 800-jährige Tradition auf und bot früher vielen Bergleuten aus Kappel, Oberried, Hofsgrund und Umgebung die Lebensgrundlage. Ende Oktober 1954 mußte die zuletzt tätige Bergbaugesellschaft Stolberger Zink AG/Aachen aus wirtschaftlichen Gründen die Grube Schauinsland schließen. Dabei wurden alle unter- und übertägigen Einrichtungen demontiert.

      Durchschnittlich arbeiteten im 20. Jahrhundert in der Grube Schauisland etwa 250 Bergleute. In diesem Jahrhundert bauten sie als Erz eisenreiche und deshalb schwarze, silberarme Zinkblende (Sphalerit, ZnS) und silberhellen Bleiglanz ab (Galenit, PbS) mit einem Silbergehalt von ca. 0,1%. Im 20. Jahrhundert wurden insgesamt ca. 1,2 Millionen Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Gehalt von 5,7% Zink, 1,0% Blei und 0,001% Silber gewonnen. Dieses entspricht in heutigen Preisen (Stand 2011) einer Wertschöpfung von etwa 200 Millionen Euro. Trotz des, mit Unterbrechungen über 800 Jahre andauernden Bergbaus, ist der Schauinsland heute noch die größte Blei-Zink-Silber-Lagerstätte des Schwarzwaldes und der Vogesen. Die Erzvorräte sind etwa zu Dreiviertel abgebaut worden.

      Bedeutende Stollen und Schächte in der Grube Schauinsland
      Übersicht

      In der Grube Schauinsland erschließen Stollen die damals 12 zumindest partiell abbauwürdigen, im Bereich des Schauinsland Gipfels gelegenen, hydrothermalen steilstehenden Erzgänge. Die bedeutendsten Stollen (Mundlochhöhen in m über NN) auf der nördlichen Kappler Seite sind folgende Stollen:

      • Tiefe Stollen (+443 m)
      • Leopoldstollen (+836 m)
      • Kapplerstollen (+981 m), der sog „Hebammenstollen“ und
      • Barbarastollen (+560 m), heute Zentraler Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland

      und auf der südlichen Hofsgrunder Seite

      • Hofsgrunder-Stollen (+998 m), mit Kappler-Stollen verbunden, und
      • Gegentrum II-Stollen (+1.189 m), der Zugang zum Museums-Bergwerk.
      Kapplerstollen („Hebammenstollen“)

      Der Kappler-Stollen ist heute der wohl bekannteste Stollen der Grube Schauinsland. Er wurde 1889 unter Frhr. von Roggenbach angeschlagen und war ab 1891 Hauptförderstollen der Grube Schauinsland. Über den Hofsgrunder Stollen war er mit der Südseite des Schauinslandes verbunden. Mit der Kapplersohle war die Grube Schauinsland eines der wenigen Bergwerke mit einem Stollen, der ähnlich einem Tunnel den Schauinsland vom oberen Kappler-Großtal auf der Nordseite nach Hofsgrund auf der Südseite durchquerte. Wegen der Lage der Erzgänge nimmt er jedoch nicht den direkten Weg, sondern hat einen S-förmige Verlauf.

      Berühmtheit erlangte der Kappler-Stollen als Verbindung von Kappel nach Hofsgrund, die nicht nur von Bergleuten genutzt wurde. Der kürzeste Weg zwischen den damals noch selbstständigen Orten Kappel und Hofsgrund führte durch den Hebammenstollen des Schauinslandes. So hatten die Kinder der Bergleute vom der Bergbausiedlung auf der Nordseite des Schauinslands einen auch im Winter gangbaren Weg zur Schule nach Hofsgrund auf der Südseite. Dieser Fußweg durch den Kappler-Stollen dauerte etwa eine halbe Stunde Zeit und war damit deutlich schneller als der Weg über den Berg. Die Kinder mussten auf ihrem „Schulweg“ durch das Bergwerk jedoch äußerst achtsam sein, denn der Abbaubetrieb in der Grube wurden nicht unterbrochen, wenn sie durch den Stollen gingen. Zudem hatte diese wettersichere Verbindung noch einen erheblichen Nachteil: In besonders schneereichen Wintern waren die Kinder der Bergleute oft die einzigen, die in der kleinen Schule beim Mundloch des Hofsgrunder-Stollens saßen, da die Kinder der umliegenden Bauernhöfe oft von den Schneemassen eingeschlossen waren.

      Der heute noch gebräuchliche Name „Hebammenstollen“ für den Kappler-Stollen rührt daher, dass eine Hebamme aus Hofsgrund diesen Stollen als Möglichkeit entdeckte, ihr Einzugsgebiet zu vergrößern. Zudem war die Geburtshelferin auf diesem Weg deutlich schneller zur Stelle, wenn ihre Dienste im Bergmannsheim und auf der Kappler Seite benötigt wurden.

      Nach Silber, Blei und Zink wird heute hochwertiges Trinkwasser aus dem Kappler-Stollen gewonnen.

      Leopoldstollen

      Der Leopold-Stollen (rund 150 m unter der Kapplersohle gelegen) wurde ab 1903 aufgefahren und löste ab 1908 den Kappler-Stollen als Hauptförderstollen ab. Von hier führte die Materialseilbahn der Grube Schauinsland zur Erzwäscherei in Kappel.

      Tiefer Stollen

      Der rund 540 m unter Kapplersohle Tiefe Stollen blieb fördertechnisch ein Torso. Nur der Bereich Grubenzentrum unterhalb des Schauinslandgipfels (Mundloch Hercherhof angeschlagen 15.12.1938) konnte am 6. März 1947 mit dem Zwischenzugang beim Hercherhof und fast 5 km Länge fertiggestellt werden. Die von der Stolberger Zink kühn geplante ganze untertägige Verbindung wurde nie fertiggestellt, da ein kleines Reststück in der Verbindung Hercherhof-Erzwäscherei in Kappel/Neuhäuser fehlte. Es ist ein Trauerspiel, denn dieses fehlende kurze Stück macht nur etwa 120 m der rund 2 km langen Verbindung aus. Das legt den Schluss nahe, bereits Jahre vor der endgültigen Grubenschließung hatte die Stolberger Zink nicht mehr an eine Zukunft der Grube Schauinsland geglaubt. Die frühzeitige Inventarisierung 1952 geht ebenfalls in diese Richtung.

      Zwar konnte durch das „Teilstück“ des Tiefen Stollens die Entwässerung der Grube Schauinsland ab 1947 im natürlichen Gefälle zum Hercherhof vorgenommen werden, Ausnahmen waren nur die 8. und 9. Sohle. Auch bedeutete für viele der rund 250 Bergleute die tägliche Ein- und Ausfahrt mit dem Grubenzug durch den Tiefen Stollen zum Roggenbachschacht eine Erleichterung. Ein Abwerfen der störanfälligen 5,3 km langen Materialseilbahn und eine Neustrukturierung des Haufwerk-Abtransportes durch den Tiefen Stollen zur Erzwäscherei unterblieb wegen dessen nie erfolgter Fertigstellung.

      Barbarastollen

      Dieser Stollen wurde 1903 unter dem Namen „Oberrieder-Stollen“ im Oberrieder Tal (+560 m) begonnen – zeitgleich mit dem Leopold-Stollen, jedoch rund 270 m tiefer gelegen. Die Auffahrungen wurden jedoch 1914 bei einer erreichten Länge von fast 1.100 m endgültig eingestellt zugunsten einer Intensivierung der Arbeiten auf der Leopoldsohle; lediglich das bereits 1912 fertiggestellte Kraftwerk Oberried wenig unterhalb blieb in Betrieb.

      Heute unter dem Namen Barbara-Stollen bekannt, ist dieser Grubenbau eine weitere Besonderheit der Grube Schauinsland. Die Bundesrepublik kaufte zu Beginn der 70er Jahre die dazugehörenden Grubenfelder und ließ 1973 zwei Kammern 400 m tief im Berg anlegen. Dort werden in Edelstahlbehältern auf Mikrofilmen inzwischen über 1 Milliarde Dokumente archiviert. Dieser Zentrale Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland unterliegt seit 1978 den Regeln der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten und ist das größte Langzeitarchiv in Europa.

      Im Bergwerk sind die 22 Etagen durch senkrechte Schächte verbunden. Darunter vier größere Blindschächte, die nicht zur Tagesoberfläche geführt sind (Teufe in m)

      • Roggenbach-Schacht (535 m Teufe): Kapplersohle – 7. Sohle, tiefster Blindschacht Süddeutschlands
      • Schacht II (151 m Teufe:) Leopoldsohle – 3. Sohle
      • Schacht VI (147 m Teufe): Leopoldsohle – 3. Sohle
      • Blindschacht Tiefer Stollen (100 m Teufe): 7. Sohle – 9. Sohle
      Roggenbachschacht

      Der bereits 1929 unter der Bergbau AG Lothringen begonnene, auf 55 m geteufte Roggenbach-Schacht mit begonnener Auffahrung der 1.Sohle, konnte nach Sümpfung ab 1935 fortgesetzt werden. Er ermöglichte im Grubenzentrum ein kostengünstiges Vordringen zur Teufe. So erschien dem damaligen Betreiber (der Stolberger Zink) ein Übergang zum forcierten Tiefbau – auf Kosten eines riskanteren weiteren Breitenaufschlusses – verlockend. 1940 erreichte er die 7.Sohle, von wo aus der neue Tiefstollen jetzt im Gegenortvortrieb in Angriff genommen wurde. 1949 wurde nach aufwendigen Vermessungen der Roggenbach-Schacht als zentraler Förderschacht der Grube Schauinsland von der Leopold- zur Kapplersohle im Gegenortbetrieb hochgebrochen. Damit ist der Roggenbach-Schacht mit 535 m der tiefste Blindschacht Süddeutschlands.

      Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Fördermaschinen. Beide wurden im Schauinsland eingesetzt:

      • Trommel-Fördermaschine
      • Fördermaschine mit Treibscheibe

      Die Fördermaschine mit Treibscheibe wurde 1877 vom Bergingenieur Carl Friedrich Koepe erfunden und patentiert und stellte, gerade bei tieferen Schächten mit gegebenen Förderverhältnissen, eine Vereinfachung dar und fand zum Schluss auf der Kapplersohle am Roggenbach-Schacht Verwendung. Bei den anderen Blindschächten im Schauinsland wurden Trommelfördermaschinen eingesetzt.

      Die Koepe-Treibscheibe im Kappler-Stollen hatte einen Durchmesser von 3 m. Das Förderseil mit 34 mm Durchmesser wurden nicht aufgetrommelt, sondern von der Fördermaschine über die Treibscheibe bewegt, und an dessen Enden hing jeweils ein 2-etagiger Förderkorb. Die elektrische Antriebsleistung betrug 170 kW/380 V, Geschwindigkeit 6 m/sec (mittlere Seilfahrtsanlage), Nutzlast 1.500 kg.

      Beim Teufen des Roggenbach-Schachtes befand sich auf der Leopoldsohle dagegen eine Trommelfördermaschine der Maschinenfabrik Beien aus Herne (NRW). Zwei Trommeln mit 2,5 m Durchmesser bei 1,2 m Breite nahmen das Förderseil (Durchmesser 31 mm) auf. Die Geschwindigkeit betrug 3 m/sec, Nutzlast 1.500 kg, Teufe bis 500 m bei einer elektrischen Antriebsleistung von 118 kW/380 V.

      Nach dem Einbau der Fördermaschine mit Koepe-Treibscheibe auf der Kapplersohle wurde die Trommel-Fördermaschine auf der Leopoldsohle nicht mehr benötigt und demontiert. Heute ist dort nur der leere Aufstellort mit Betonfundamenten und den bei der Demontage der Grube herausgeschlagenen Zugängen übriggeblieben.

      Lagerstätte
      Größte Silber-, Blei-, Zink-Lagerstätte des Schwarzwalds und der Vogesen

      Die Lagerstätte gliedert sich in ein Nord- und ein Südfeld im Schauinsland und umfasst in der Gipfelregion eine Fläche von rund 3 km².

      Im gut bekannten Nordfeld ging der moderne Bergbau um bis Oktober 1954 um. Diese Periode beginnt Ende des 19. Jahrhunderts durch Bergbautätigkeit des Freiherrn Carl von Roggenbach. Ihm folgten die 1890 gegründete Gewerkschaft Schwarzwälder Erzbergwerke in Köln sowie zwei weitere Bergbaugesellschaften, bis zuletzt die Stolberger Zink die Grube 1935 übernahm.

      Im Südfeld dagegen, das durch eine erzleere Zone getrennt südwestlich vom Nordfeld liegt, ging nur bis zum 18. Jahrhundert der Bergbau um. Hier begann im Mittelalter der Metallerz-Bergbau, welcher der Stadt Freiburg und der Region Wohlstand brachte und den Bau des Münsters ermöglichte. Das Freiburger Münster ist die einzige gotische Großkirche in Deutschland, die noch im Mittelalter fertiggestellt wurde. Freiburg wurde erst durch den geänderten Zuschnitt der Bistümer 1821 Bischofsitz, lange nach Fertigstellung des Münsters „Unserer Lieben Frau“. Zuvor war das Münster eine reine „Stadtkirche“.

      Steilstehende Erzgänge mit Zinkblende und Bleiglanz

      Die beiden Haupterze Zinkblende und Bleiglanz kommen im Nordfeld in 12 steilstehenden, fast senkrechten Gangspalten vor, genannt Erzgänge. Zwei verschiedene, horizontale Streichrichtungen (Hauptgänge: Gang II, Roggenbach-Gangzone, Gang III, Gang VI, Gang VIII mit ca. 40 Grad bei einem Vollkreis von 360 Grad (SW-NO), Diagonaltrümer 0(!), 1, 2a, 2b, 3, 4, 5 mit ca. 90 Grad (N-O) gingen mit einer historisch entstandenen Nummerierung einher. Die streichende Ganglänge betrug nur wenige Hundert Meter bei einer Mächtigkeit von 0,5 bis 3 m und einem absätzigen Gangverhalten. Das Manko der geringen Streichlänge wurde bei der Roggenbach-Gangzone, welche im Schauinsland das meiste Erz brachte, durch eine vertikale Teufe von über 700 Höhenmetern mehr als ausgeglichen. Die Anhäufung von 12 Erzgängen unterhalb des Gipfels auf einer Fläche von nur einem Quadratkilometer ist ungewöhnlich. Dem haben wir das kompakte Museums-Bergwerk zu verdanken, da in den oberen Teufen nur der Bereich zwischen Gang III und VI untersucht wurde.

      Leider war nie die gesamte Füllung eines Erzgangs aus Bleiglanz und Zinkblende bestehend, sondern metallerzfreie, wertlose Gangarten waren in der Mehrheit. Gangarten sind im Schauinsland-Nordfeld der bei Gangerz-Lagerstätten fast allgegenwärtige Quarz, daneben Schwerspat, Kalkspat, Dolomit. In der Regel machten die Metallerze rund ein Drittel und die Gangarten zwei Drittel der Erzgänge aus. Die saubere Trennung in die beiden Erze und die Abtrennung der Gangarten ist im modernen Bergbau Aufgabe der Aufbereitung. Früher wurde diese Trennung vor Ort durchgeführt und der Erzgang unter Inkaufnahme enger Arbeitsplätze oft nur im silberhaltigen Bleiglanzbereich abgebaut. Natürlich veränderten sich über die Zeit die Vorstellungen von Bauwürdigkeit. Einige Zentimeter Bleiglanz- und 10 cm Zinkblende-Mächtigkeit waren unter der Stolberger Zink keine schlechte Vorgabe. Die Metallerzkonzentration in Gangerz-Lagerstätten ist eine sehr gute und betrug im Schauinsland stets deutlich über 10%.

      Vererzung
      Zusammensetzung

      Im Schauinsland kommen in den Erzen die Metalle (Elemente) Silber, Blei, Zink und Cadmium – alles Schwermetalle mit Dichten ähnlich Eisen – und bei den nichtmetallhaltigen Gangarten zusätzlich die Elemente Silicium, Barium, Calcium, Magnesium, Eisen, Kohlenstoff, Sauerstoff und Schwefel vor. Durch Kombination lassen sich zahlreiche Mineralien bilden, etwa 80 verschiedene wurden bisher für den Schauinsland nachgewiesen. Der Schauinsland ist eine sulfidische Lagerstätte, und beide Erze sind ganz einfache chemische Verbindungen, jeweils nur aus dem Metall und Schwefel bestehend. Abgebaut wurde im Firstenstoßbau, das Nebengestein ist sedimentär gebildeter Paragneis.

      Der Schauinsland war in Deutschland das höchstgelegene Bergwerk, welches über längere Zeit im Abbau stand. Früher waren große Schaustufen (nicht Micromounts) aus dem Gang II oberhalb der Holzschlägermatte mit dunklem kristallinem Erz, den hellen Gangarten und Überzügen von goldfarbenem Pyrit Klassiker, die durch Kristallgröße und Farbkontrast wirkten. Während der Abbauzeit konnten kubische Bleiglanzkristalle mit Kantenlängen bis 5 cm gewonnen werden. Die wegen ihres Eisengehaltes tiefschwarze Zinkblende mit Diamantglanz erreichte Kristallgrößen bis 1 cm und war bei Sammlern begehrt. Bräunliches Wurtzit als weitere Zinkblende-Variante ist im Schauinsland selten. Verwachsungen der Erze mit Gangarten und Nebengestein führten zu Brekzien-Strukturen mit schönem Farbkontrast, insbesondere in der Roggenbach-Gangzone.

      Durch zufließende Wässer werden stetige Umbildungen von eisenreicher Zinkblende ausgelöst. Aus dem Zinkerz kann sich weißes Hydrozinkit bilden und aus dem Eisenanteil brauner Limonit. Manche Gangstrecke untertage „verrostet“ bei inzwischen gut sichtbaren weißen Hydrozinkitüberzügen. In den 1920er wurde u.a. wegen des Silbergehaltes im Bleiglanz weitergearbeitet und Schaustufen in den angelsächsichen Raum gegen inflationsbeständige Devisen verkauft.

      Mineralienreichtum

      Eine weitere Besonderheit des Schauinslandes ist Grünbleierz (Pyromorphit), ein Bleiphosphat und als Umwandlungsprodukt aus Bleiglanz im Südfeld so häufig, dass es früher abgebaut wurde. Sein Silbergehalt ist zum Bleiglanz leicht gemindert. Wegen seiner intensiven grasgrünen Farbe hatte er wohl im Mittelalter eine Signalfunktion für die Lagerstätte. Der braune Pyromorphit (Braunbleierz) hingegen ist am Schauinsland selten. Im Nordfeld – und dort wieder in den oberen Teufen – kommt statt des Grünbleierzes Weißbleierz (Cerussit) lokal gehäuft vor. Mit seinen weißen Nadeln ist es ebenfalls eine Umbildung des Bleiglanzes. Mit Erfahrung können Sammler Erzstufen aus dem Schauinsland aufgrund deren Ausprägung durchaus einem Erzgang zuordnen. Die Grube Schauinsland dürfte heute noch weltweit mit ihren Mineralien in vielen Museen vertreten sein.

      Durch den langandauernden Grubenbetrieb mit den konstant zufließenden Oberflächenwässern ist die Oxidationszone weit in den Berg hineingezogen worden und reicht heute im Gang VI über 200 Höhenmeter bis zur Kapplersohle hinab. Im Bereich der alten früheren Grundwasserhorizonte (Zementationszonen) konnten deutlich erhöhte Metallerzmengen und gediegenes Silber vorkommen, welche den Altbergbau beflügelten.

      Mit „Die Mineralien und der Bergbau vom Schauinsland, Schwarzwald“ erschien von uns 1986 im Januar-März Emser-Heft ein Bergwerksportrait, welches leicht erweitert später in zwei Auflagen als Buch gedruckt wurde. Die Emser-Hefte, leider eingestellt, waren Lagerstätten im deutschsprachigen Raum gewidmet.

      Herkunft

      Die Frage kann doppelt gestellt werden, sowohl nach dem absoluten Alter der Erze als auch nach dem Alter der Erzgänge mit der dortigen Ablagerung der Erzmetalle im Schauinsland. Die Naturwissenschaft hat Modelle geschaffen, welche universale Gültigkeit besitzen. Die gesamte Materie setzt sich aus 92 Elementen zusammen, vom leichtesten mit der Ordnungszahl 1, dem Wasserstoff (gasförmig), bis zum Uran (Metall) mit der Ordnungszahl 92. Diese Elemente kommen in sehr unterschiedlichen Mengen vor. Ein Würfel von 1.000 m Länge, 1.000 m Breite und 1.000 m Höhe, also 1 km³, wiegt bei einer angenommenen Dichte von 2,3 kg/cm³ (welche etwa dem Gestein entspricht) 2.300.000.000 kg. Das sind 2,3 Milliarden kg, und dieser 1 km³ (etwa die Größe der Schauinsland-Lagerstätte) enthält durchschnittlich 750 kg Silber. Silber ist damit rund 20-mal häufiger als Gold und 700-mal seltener als Kupfer. In einem km³ sind des Weiteren 750.000 kg Zink und 140.000 kg Blei enthalten. Auf jeden Fall ist eine starke Anreicherung notwendig, um eine bergmännische Gewinnung wirtschaftlich zu ermöglichen. Diese Anreicherung erfolgte im Schauinsland in Erzgängen.

      Blei und Zink können nicht durch Kernfusion in der Sonne erzeugt werden. Die Kernfusion findet ihr Ende beim Eisen mit der Ordnungszahl 26. Blei- und Zinkmetall sind somit älter als unser Sonnensystem. Sie stammen alle aus dem kurzzeitigen, hellen Aufleuchten eines massereichen Sterns am Ende seiner Lebenszeit durch eine gigantische Explosion, einer Supernova, welche deutlich größer als die Sonne ist. Aus deren staubförmigen Überresten, welche auch die höheren Elemente über Eisen hinaus enthielten, entstand vor 4,6 Milliarden Jahren die Erde. Die Lebensdauer der Elemente ist zwar begrenzt, sie sind jedoch äußerst langlebig. Das Alter des Weltalls seit dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren beträgt damit rund das 3-fache des Sonnensystems.

      Es ist interessant, wie sich in den Geowissenschaften über die Zeit doch Vorstellungen über die Bildung von Erzgängen verändern. Die von uns mit hohem Einsatz an privater Zeit und Geld wieder zugänglich gemachten Grubenbaue mit guten Aufschlüssen bis zur Leopoldsohle führten in Kombination mit strukturgeologischen Untersuchungen zu neuen Erkenntnissen über die Lagerstättenbildungen im Südschwarzwald. So konnte nachgewiesen werden, dass die Vererzungen im Schauinsland erst im frühen Miozän erfolgten, also vor ca. 20 Millionen Jahren und somit früher als die Alpenauffaltung. Die in den Erzgängen gebundenen Metalle kamen dabei durch Laugung aus den Gneisen, und eine Wechselwirkung mit von der Oberfläche eingedrungenen Formationswässern ließ schwerlösliche Sulfide entstehen. Damit gilt die lange Zeit vertretene Lehrmeinung von z.B. Hans Schneiderhöhn, der früher an der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg den Lehrstuhl für Lagerstättenbildung innehatte und eine Koryphäe war, über die Entstehung der Erzgänge mit einer Abkühlung von Granit-Intrusionen und ihrem oberkarbonischen, also viel höherem Alter, als überholt. Ein entsprechender Granit-Pluton wurde zudem nie gefunden.

      Textquellen

      © Forschergruppe Steiber, Stand: Oktober 2022. Mit freundlicher Genehmigung. Vielen Dank.

      Gut zu wissen

      Gut zu wissen

      Das Barrel – eine Idee aus Pechelbronn geht um die Welt

      Aus Pechelbronn stammt die Methode, Erdölprodukte (Rohprodukte, medizinische Produkte, Lampenöl, Schmieröl) in Fässer abzufüllen.

      Unter den im Großhandel genormten Fässern wählte man nicht Wein- oder Bierfässer, sondern gereinigte Heringstonnen.

      Gesalzener Hering wurde damals in großen Mengen in Fässern ins Binnenland verkauft, so dass diese Fässer günstig erworben werden konnten. Um Verwechslungen und spätere Befüllung mit Nahrungsmitteln zu verhindern, wurde der Fassboden blau gestrichen.

      Nachdem 1858/59 in Wietze und anschließend 1859 in den USA in Titusville, Pennsylvania die ersten Erdölquellen erbohrt wurden, übernahmen die Unternehmer nicht nur die Techniken aus Pechelbronn, sondern ließen auch von örtlichen Küfern Tonnen aus Eichenholz in den Abmessungen wie in Pechelbronn herstellen.

      Neben den alten Maßen der Heringstonne von 158,987 Litern übernahmen die US-Produzenten auch die Angewohnheit, den Fassboden blau zu streichen.

      Die Abkürzung für Barrel lautet „bbl“, was für „blue barrel“ steht („Fass mit blauem Boden“).

      1 petroleum Barrel (US) = 1 bbl (US) = 158,987 Liter

      Pechelbronner Schichten

      Pechelbronn ist die Typlokalität der „Pechelbronner Schichten“.

      Die Pechelbronner Schichten (auch Pechelbronn-Formation oder Pechelbronn-Gruppe) sind eine lithostratigraphische Einheit der Füllung des Oberrheingrabens und angrenzender ehemaliger Senkungsgebiete.

      Sie wurden im Tertiär (oberstes Eozän, Priabonium, bis unterstes Oligozän, unteres Rupelium) abgelagert und gehören damit zu den ältesten Schichtenfolgen des Südwestdeutschen Tertiärs. Die teils konglomeratisch, teils sandig-siltigen, bisweilen auch tonig-mergeligen Gesteine besitzen im Oberrheingraben meist eine Mächtigkeit von ca. 200 bis 500 m, örtlich über 700 m.

      In den angrenzenden, weniger stark von Absenkung betroffenen Bereichen, wie dem Mainzer Becken, ist die Mächtigkeit deutlich geringer und beträgt weniger als 50 m. Das Ablagerungsmilieu war fluviatil, limnisch und auch brackisch-marin.

      Die Pechelbronner Schichten sind lokal erdölführend. In Pechelbronn selbst und auch in anderen Regionen des Oberrheingrabens wurde bzw. wird bis heute (2023) Erdöl gefördert.

      Jean-Baptiste Boussingault

      1835 kam der Chemiker und Agrarwissenschftler Jean-Baptiste Boussingault nach Pechelbronn, nachdem er in seiner Zeit als Grubendirektor in Lobsann (1820–1822) Achille Le Bel kennengelernt hatte und heiratete Adèle Le Bel, die Tochter von Achille Le Bel.

      Hier beschäftigte er sich mit Problemen der Tierernährung und der Photosynthese, vor allem aber mit Fragen der Bodenfruchtbarkeit, der Fruchtfolge und der Düngung. Sein besonderes Interesse galt dabei der Stickstoffernährung der Pflanzen.

      Er baute das ehemalige Kloster Liebfrauenberg im benachbarten Gœrsdorf, das seine Frau 1842 geerbt hatte, zur Familienresidenz und zum persönlichen Labor aus, wo er während der Sommermonate seinen Forschungen nachging. Die einstigen Mönchszellen wurden zu Wohn- und Schlafräumen umgebaut, aus der Kapelle wurde das Laboratorium und das Kirchenschiff diente als Warenlager.

      Boussingault, der auch in regem Austausch mit Alexander  von Humboldt war, hat die Entwicklung der Pflanzenernährung, der Bodenkunde und des Pflanzenbaus zu eigenständigen Agrardisziplinen nachhaltig beeinflusst. Er gilt als einer der Gründerväter der modernen Agrarchemie.

      Ettenheim: Mühlenweg

      Gutach: Von Turm zu Turm

      Aussichtsreiche Rundwanderung von „Gutach – Turm“ über das Breitenbachtal und zum Turm der “ Burg Husen“.

      Der Reiz dieser Wanderung liegt in Aussichten ins Gutachtal (Vogtsbauernhöfe) und in das Breitenbachtal bis hinüber zum Brandenkopf. Von der Hausacher Burg aus, liegt dem Wanderer das mittlere Kinzigtal vor Augen.

      Der Name des Ortsteils „Gutach-Turm“ will an den Wach- und Zollturm erinnern, der hier am Fuße des Bühlesteins mit aussichtsreichem Blick auf das Kinzigtal von den Herren von Hornberg erbaut wurde.

      1368 stürmten die Straßburger den burgartigen Wohnturm, der dann nochmals aufgebaut, aber bereits 1383 wieder zerstört wurde. Wahrscheinlich zerfiel dann die Ruine vollends und entzog sich nach und nach den Blicken der Bewohner, die nicht nur vom „Turm“. sondern auch vom „Schänzle“ sprechen. 1973 wurde das quadratische Fundament in einer freiwilligen Aktion des Gutacher Schwarzwaldvereins und des Historischen Vereins Hausach freigelegt.

      Die Burgruine Husen ist das Wahrzeichen der Stadt Hausach im Kinzigtal. Vermutlich haben die Herzöge von Zähringen dort im 12. Jahrhundert eine erste Höhenburg erbaut – 1246 erstmals als „Castrum Husen“ genannt Sie war im Besitz der Grafen von Freiburg. 1303 kam die Burg durch Heirat der Verena von Freiburg an die Grafen von Fürstenberg.

      Infomaterialien

      agsdi-file-pdf

      Gutach

      Von Turm zu Turm – keine Infomaterialien vorhanden!